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SENATE //Magazin für eine weltweite, Ökosoziale Marktwirtschaft 2013/3DONAUKRATIE – WOHIN UNS DIE DONAU FÜHRT. Über Bildung,Forschung, Entwicklung und die EU-Strategie für den Donauraum.


Macht und Stärkeder Donau„Kratos“ kommt aus dem Griechischen undbedeutet „Macht, Stärke“. Die griechischeMythologie kennt „Kratos“ als den Gott derMacht. Wenn wir somit diese Ausgabe demThema „DONAUKRATIE“ widmen, meinenwir damit die Macht und die Stärke der Donau– des Flusses, der Europa wie kein andererdurchströmt und verbindet. Gerade Österreichist mit der Donau und die sie betreffendenStaaten durch eine intensive Beziehungverbunden: von der historischen Donaumonarchieüber die inoffizielle Bundeshymne „Ander schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn, bis hin zur Tatsache, dass Wienheute Sitz vieler Donau-Institutionen ist und in unserem Land eine große Anzahl vonPersönlichkeiten als Donauraum-Experten über die Grenzen hinaus einen bemerkenswertenRuf erlangt haben.Dem SENAT DER WIRTSCHAFT ist es eine große Freude, mit seinem PräsidentenDr. Erhard Busek, einen der profundesten Kenner des Donauraums an seiner Spitze zuhaben. In seinem Leitartikel hebt er die Kernbereiche hervor, warum sich Wirtschaftstreibendegerade heute mit diesem außergewöhnlichen Strom befassen müssen,wenn sie ihre Zukunftsfähigkeit entwickeln und bewahren wollen. Dr. Busek ist aucheine der treibenden Kräfte hinter der neuen Initiative des SENAT DER WIRTSCHAFT,dem EUROPEAN DANUBE FORUM SPITZ. Im Rahmen dieser ganzjährigen Arbeitskreis,Symposien- und Fachkongress-Initiative werden alle im Donauraum aktivenInstitutionen und Unternehmen eingeladen, im Dialog konkrete Wirtschaftsprojekteumzusetzen, um so für die Unternehmen, für die Regionen und für die Menschenim Donauraum nachhaltige Wertschöpfung zu erzielen. Mehr darüber lesen Sie imentsprechenden Artikel.ImpressumHerausgeber: Dr. Erhard Busek, Dieter Härthe, Hans Harrer // SENAT DER WIRSCHAFT Österreich e.V. Rotenturmstraße 5–9, A-1010 Wien, Telefon +43 1 505 35 48,www.senat-oesterreich.at // Redaktion: Labinota Isufi, Jochen Ressel // Autoren dieser Ausgabe: Johannes Hahn, Erhard Busek, Peter Langer, Karin Keglevich, JochenRessel, Franz Schellhorn, Elisabeth Thomas, Patrick Lindner, Tania Berger, Christian Ernst Fuchs, Cristi Danilet, Szabolcs Fazakas, Elmar Weixlbaumer, Labinota Isufi,Wolfgang B. Schmidt // Abbildungen: © Horváth Botond – Fotolia.com, 1–4, 14, ©City Foto/Lehner, 2, © Europen Commission, 7, 8, © vasilevki – Fotolia.com, 14–22,©European Union PE-EP, 15, © CGDC / getty images, 27, © CGDC / Benno Klandt, 28, © pashabo – Fotolia.com 30–32, © Franz Schellhorn, 31, © pureshor – Fotolia.com,39, © lassedesignen – Fotolia.com, 42–44, © kav777 – Fotolia.com 58, 59, © beachboyx10 – Fotolia.com, 64–68, © cienpiesnf – Fotolia.com, 69–72, © Günter Kargl, 75,© Franz Hlemreich, 77, www.bernhardbergmann.com, 82, © www.VIDEO-FILM-FRITZ.at, 85, © www.wilke.at, 87 // Layout und Herstellung: Goldegg Verlag GmbH,Mommsengasse 4/2, A-1040 Wien, www.goldegg-verlag.com // Gedruckte Auflage: 10.000 Exemplare


Die Donau ist mehr als lediglich ein Fluss. Die Donau ist Genussregion, Tourismusmotor,Energielieferant, Haupttransportweg durch Europa und verbindet die ehemalspolitisch und wirtschaftlich geteilten Hälften unseres Kontinents auf einer Länge von2.900 km. Die Donau-Anrainerstaaten stellen eines der bedeutendsten sozio-ökonomischenPotenziale innerhalb Europas dar. Über 115 Mio. Menschen leben allein inden Ländern, Regionen und Städten, die unmittelbar an der Donau liegen – mit einerJahrtausende währenden gemeinsamen Geschichte und einem in Europa einmaligenkulturellen Reichtum. Sie verbindet alte mit noch jungen Demokratien im Osten. Gemeinsamstehen wir vor der Herausforderung, diesen Wirtschaftsraum so zu nutzen,dass nicht lediglich ökonomischer, sondern vor allem ökologischer und sozialer Gewinnauf allen Seiten erzielt werden kann.Das ist Grund genug, diesem wichtigen Anliegen des SENAT durch diese Ausgabe desSENATE-Magazins Ausdruck zu verleihen und führende Persönlichkeiten zu Wortkommen zu lassen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen der vorliegendenAusgabe und viel Erfolg bei der Umsetzung von Wirtschaftsprojekten, bei denen die„Donaukratie“, die Macht und Stärke der Donau, genutzt wird und bei deren Umsetzungder SENAT DER WIRTSCHAFT mit dem EUROPEAN DANUBE FORUM SPITZunterstützend für Institutionen und Unternehmen wirkt!Hans Harrer,Vorstand SENAT DER WIRTSCHAFT


SENATE // THEMEN UND MENSCHEN IM OKTOBER 2013SchwerpunktthemaDONAUKRATIE6 Donaukratie // Wohin uns dieDonau führt // Dr. Johannes Hahn10 Von Donaueschingen zumSchwarzen Meer – oder sonstnoch wohin? // Dr. Erhard Busek14 Der Aktionsplan der EU –Strategie für den Donauraum(EUSDR) // Vier Säulen undzwölf Schwerpunktbereiche16 Europa an der Donau //Die EU-Strategie für denDonauraum: Entwicklung,Perspektiven, Herausforderungen// Peter Langer23 Der Donauraum braucht neuesLobbying! // Mag. Karin Keglevich26 Dialogue and Cooperation forChange? // How dialogue works,why it is so important and sohard to establish // Jochen Resselinterviews H. E. Petar Stoyanov30 Wer braucht schon denFöderalismus? // Den sündteurenFöderalismus abschaffen – oderihn vorher überhaupt richtigeinführen? // Dr. Franz Schellhorn33 Bildung aus der Sicht der Jugend// Welche Aspekte Mitgliederndes Jungen Senats besonderswichtig sind // ElisabethThomas und Patrick Lindner37 Intelligenter Korridor// DasPotenzial des Donauraums inBildung, Wissenschaft undForschung ist beträchtlich// DI Dr. Tania Berger42 Die Sprachlosigkeit derEuropäer // Wie Unternehmenvon der Mehrsprachigkeitihrer Mitarbeiter profitieren// Dr. Christian Ernst Fuchs


45 Den Donauraum gemeinsam„bewirtschaften“! // DasEUROPEAN DANUBE FORUMSPITZ als wirtschaftlicheUmsetzungs-Initiative// Jochen Ressel49 Romania on the right way //How to implement and securethe rule of law after decades ofcorruption // Cristi Danilet52 Die Rolle des EuropäischenRechnungshofes bei der jüngstenErweiterung der EuropäischenUnion // Dr. Szabolcs Fazakas58 Am „Strom“: Die Donau undökologische Elektrizität// NeueKonzepte für eineenergieautarke Zukunft ander Donau // Jochen Ressel61 Bloody good vine// Der Boomneuer Weinbauregionen inOsteuropa // Jochen ResselPolitik & Gesellschaft64 Die Reichen sollen zahlen …// … und warum Robin Hoodheute keinen Job mehr hätte// Mag. Elmar Weixlbaumer69 Ökosoziale Verantwortung aufdie Straße bringen // Für einUnternehmertum, das etwas„unternimmt“ // Jochen Ressel73 Die Macht der Tracht //Gründe für die Renaissancetraditioneller Bekleidung imDonauraum // Jochen ResselAlpbach spezial78 „Wir müssen mehrBewegungsspielraum schaffen– vor allem für die Jungen!“// Forum Alpbach: Dr. Busekfordert echte europäischeÖffentlichkeit und wenigerVorschriften // Labinota IsufiWirtschafts News81 „East meets West“//Führungskonzepte imVergleich // Labinota Isufi82 Wirtschafts-News //Top-Informationen ausTop-Unternehmen88 In Las Vegas steht einHofbräuhaus … // Über einnicht alltägliches Investment// Wolfgang B. Schmidt


Wohin uns die Donau führt


SchwerpunktthemaDonaukratieEU-Kommissar für Regionalpolitik,Dr. Johannes HahnDr. Johannes Hahn begann seine politische Laufbahn inder Wiener Landespolitik und wurde 2007 Bundesministerfür Wissenschaft und Forschung. Seit 2010 ist er alsEU-Kommissar für Regionalpolitik tätig.Forschung und Innovation sind der Motor für denzukünftigen Wohlstand in Europa. Zentrale Herausforderungenwie der Klimawandel und diedemografische Entwicklung, Fragen der Energieundder Ernährungssicherheit erfordern innovativeLösungen. Die EU hat im Rahmen ihrer Europa2020-StrategieForschung und Entwicklungin den Mittelpunkt gestellt, um ein intelligentes,nachhaltiges und integratives Wachstum zu gewährleisten.Der Donauraum, im dem rund 115 MillionenMenschen aus 14 Ländern leben, steht vor denselbenHerausforderungen: Hier sind alle wirtschaftlichenund sozialen Extreme Europas zufinden, das Spektrum reicht von den wettbewerbsfähigstenbis hin zu dem ärmsten Regionen.Der Donauraum ist anderen Großregionenaber auch einen Schritt voraus, bietet doch die„EU-Strategie für den Donauraum“ einen neuenund integrativen Rahmen der künftigen Zusammenarbeit.Die Umsetzung der„makroregionalen Strategie“Seit 2011 befindet sich die „makroregionale Strategie“in der Umsetzungsphase: In 11 sektoralenPolitikbereichen werden klare Akzente gesetzt,7


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMA8


SchwerpunktthemaDonaukratiekonkrete Projekte entwickelt und umgesetztund die Zusammenarbeit der Akteure vor Ortgestärkt. Hauptanliegen sind neben dem Ausbauder Donau zu einem umweltverträglichen, energieeffizientenVerkehrsweg, die Stärkung derWettbewerbsfähigkeit und eine verstärkte Zusammenarbeitin Wissenschaft und Forschung.Über 150 konkrete Projekte werden in denunterschiedlichen Prioritätsbereichen bereitsumgesetzt, viele davon im Bereich Innovationwie etwa die Einrichtung gemeinsamer Technologietransfer-Zentren,grenzüberschreitendeForschungsprojekte im Bereich Umwelt undSchifffahrt oder die Entwicklung gemeinsamerMaster- und Bachelor-Programme.Der von der Slowakei und Serbien gemeinsamkoordinierte Prioritätsbereich 7 widmet sich der„Knowledge Society“. Die Fähigkeit einer Gesellschaft,Wissen zu schaffen und zu nutzen, istein Schlüsselfaktor für Wachstum und Beschäftigung.Eine wissensbasierte Wirtschaft brauchteine wettbewerbsfähige Forschungs- und Bildungsinfrastruktur,innovationsfördernde Institutionenund leistungsfähige Informations- undKommunikationstechnologien. Im Donauraumvariieren diese Rahmenbedingungen beträchtlich,und insgesamt liegen sie unter dem Niveauder 28 EU-Mitgliedstaaten. Inzwischen konntenaber erste Erfolge erzielt werden: Die wissenschaftlicheZusammenarbeit für spezifische Herausforderungenwie Wasserqualität, erneuerbareEnergien oder Bodenqualität wird inzwischenvom europäischen Joint Research Center koordiniert.Potenzial ist vorhanden, wird die Regiondoch trotz aller geschichtlich gewachsenen Unterschiededurch die seit Langem bestehendenintensiven Handelsbeziehungen geeint. In Kombinationmit der gemeinsam historischen, kulturellenund politischen Entwicklung, bildet dieseine stabile Grundlage für eine auf Kooperation.Es bleibt jedenfalls noch viel zu tun, um dieMöglichkeiten der EU-Strategie für den Donauraumauszuschöpfen: Gezielte Förderungder Forschungsinfrastruktur und eine stärkereVernetzung aller relevanten Akteure im Bereichder Forschung können den bestehenden „braindrain“ erheblich reduzieren und die Entwicklungin Richtung „brain circulation“ leiten. EU-Mittelaus den Struktur-und Innovationsfonds müssen2014–2020 noch effizienter und zielgerichtetereingesetzt werden. Daher ist die gemeinsameAbstimmung von größter Bedeutung. Es gilt,den Donauraum zu einer „echten Region des 21.Jahrhunderts“ zu entwickeln.9


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADr. Erhard BusekPräsident SENAT DER WIRTSCHAFT ÖsterreichVon Donaueschingenzum Schwarzen Meer –oder sonst noch wohin?Unser Wissen über die Donau – immerhin der zweitlängsteFluss Europas – reicht oft über die Geografie nicht hinaus. Zulange war der Fluss durch die politischen Behinderungen vor1989 aus unserem Bewusstsein ausgeblendet. Erst langsamkehrt die Donau zurück aus der Nebelwelt der jüngstenVergangenheit, denn der Donauwalzer als zweite HymneÖsterreichs war uns bewusst, aber das war es schon!10


SchwerpunktthemaDonaukratieDr. Erhard Busek war von 1991–1995 Vizekanzler derRepublik Österreich; Neben seinen politischen Funktionen,unter anderem als Minister, Generalsekretär derÖVP, Stadtrat und Vizebürgermeister von Wien bekleideteer viele weitere Funktionen wie die des Rektors der FachhochschuleSalzburg, Präsident des Europäischen ForumAlpbach, Berater des Außenministers der TschechischenRegierung, Sonderkoordinator des Stabilitätspaktesfür Südosteuropa. Heute ist Dr. Busek Vorsitzender desInstituts für den Donauraum und Mitteleuropa; Präsidentdes „Gustav-Mahler Jugendorchesters“; Koordinator derSoutheast European Cooperative Initiative, Präsident desVienna Economic Forums, Vorsitzender des Universitätsratesder Medizinischen Universität Wien und Präsidentdes „SENAT DER WIRSCHAFT“ neben etlichen anderenFunktionen und seiner Lehrtätigkeit an mehreren Universitäten.11


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADie Donau fließt durch das Herz des Kontinentsund verbindet viele Länder und Kulturen miteinander.Das gilt nicht nur für die ökologischeSituation des Flusses, sondern vor allem für denTransport, für Hafenanlagen, Energienutzungetc. Dabei hat der Tourismus durchaus die Donauentdeckt. Gerade für Österreich ist der Donauraumdas Expansionsgebiet schlechthin. Dierelativ gute Situation unserer Betriebe inmittendes allgemeinen Krisengeredes verdanken wirdem Unternehmergeist in unserem Land, mäßigunterstützt von der Politik.Die aktuellen AufgabenstellungenDie Aufgabenstellungen sind vielfältigster Art.Natürlich ist es die Schifffahrt, weil die Nutzungder Donau zum Transportvon Gütern nicht nur praktisch,sondern auch ökologischrichtig ist. 1991erfolgte ein erheblicher Einbruchvon ohnehin nichtbeeindruckenden Zahlen,Europa ist vielfach nochnicht angekommen –praktisch, aber auch inden Hirnen und Herzen.die sich letztlich durch dieKriege im zerfallenden Jugoslawiennoch reduzierten.In Wahrheit aber ist es eingroßes Thema der Wasserwirtschaft, die wiederfür die zukünftige Gestaltung des Raumes eineentscheidende Rolle spielt. Es trifft Fragen derWasserqualität ebenso wie das „Waste WaterTreat ment“ in den anliegenden Regionen. DieListe ließe sich beliebig fortsetzen, es muss allerdingsdarauf hingewiesen werden, dass wichtigeVerbindungen zwischen den Ländern damit geschaffenwerden. Wir haben Räume wo es zu wenigBrücken gibt, die Hafenanlagen sind zu wenigentwickelt und letztlich ist es die Gemeinsamkeitder Kultur, die uns hier eine entsprechende Zukunftgibt.Ökologisch ist die Donau schon ein Sorgenkind,da sie wohl in der Güteklasse Zwei das österreichischeBundesgebiet verlässt, aber reichlichverschmutzt im Schwarzen Meer ankommt. Zirka200 Hotspots gibt es entlang des Flusses, wodurch Industrieabscheidungen, intensive Düngungund nicht zuletzt durch das Fehlen vonKläranlagen die Qualität des lebensspendendenWassers kräftig reduziert wird.Der „Korridor 7“ – die Bezeichnung der Donauim europäischen Verkehrsnetz – wird von einemSekretariat begleitet (TINA-Sekretariat), dasin Wien ansässig ist und mit der EuropäischenKommission engstens kooperiert, und die StadtWien hat einen Beamten damit betraut, der europäischeAkzeptanz findet. Das Infrastrukturministeriumhat ein Unternehmen ausgegliedert(„Via Donau“), das die Aufgabe hat, die Kooperationentlang des Flusses zu ermöglichen.Die Europäer entdecken den Fluss, denn derFremdenverkehr auf Schiffen bis ins SchwarzeMeer explodiert geradezu.Auch die EU arbeitet sichmit dem Beitritt Kroatienslangsam vor, denn das istauch notwendig. 14 Ländersind es in diesem Gebiet,unterschiedlich entwickelt,vielfältig, reich an Geschichte,aber auch an Problemen.Es muss gelingen, wie nachdem Zweiten Weltkrieg überden Rhein hinweg eine europäischeGemeinschaftlichkeit zu schaffen – zumNutzen der Bürger. Europa ist vielfach nochnicht angekommen – praktisch, aber auch in denHirnen und Herzen. Das ist der eigentliche Sinnder Donau-Regionalinitiative – offiziell EuropeanUnion Strategy for the Danube Region (EUSDR –http://www.danube-region.eu)Die EU-Strategie fürden DonauraumPraktisch geschieht sie durch Projekte in 12 Themenfeldern,von der Schifffahrt über die Infrastrukturbis zur Ökologie, Bildung und Kunst.(Siehe Informationskasten Seiten 14 und 15)Es ist wie ein Mosaik, aus dessen unterschiedlichenSteinen ein Bild entstehen soll. Wie es aber12


SchwerpunktthemaDonaukratieanders machen? Wir legen Wert auf unsere Verschiedenheiten,sie machen auch den Reiz desDonauraums aus. Einfach ist es nicht, aber dasZusammenleben will gelerntsein. Der Fluss wird daherverbinden, nicht trennen,wie das bislang schon nochder Fall ist. Warum ist dasnotwendig? Viele Konflikteder Geschichte sind in diesemRaum entstanden – 100Jahre Attentat in Sarajewowird uns daran erinnern.Aber auch die Konfrontationzwischen Ost und Westnicht nur nach 1945, sondernschon eineinhalb Jahrtausende zuvor sindhier geschehen. Ost- und Westrom, Völkerwanderung,Christentum und Islam fanden hierals Konflikte statt. Die Entwicklung im NahenOsten, in der Türkei, im Kaukasus und in Zentralasienzeigen die Schlüsselfunktion des Donauraums.Wenn Österreichs Einwohnerzahl trotzsinkender Geburtenrate steigt, wissen wir, woherdie meisten kommen …Europa entscheidetsich an der DonauDie Einbettung Europas global, die Nachbarschaft,aber auch unsere Stabilität entscheidetsich hier! Das hängt nicht allein an der Qualitätder Demokratien und an der EU, sondern daran,wie sehr wir einander kennen und verstehen.Das wirkliche Bindeglied ist hier die Kultur! EsDie globale EinbettungEuropas, dieNachbarschaft, aberauch unsere Stabilitätentscheidet sich hier!braucht nicht nur Kulturpolitik, sondern eine Politikder Kultur. Die Musik ist eine außerordentlicheHilfe, denn sie braucht keine Übersetzung,sie ist auch präsent in Schätzender Kulturlandschaft,wenn wir nur daran denken,wie selbstverständlich Polka,Csardas, Mazurka, etc.ineinander fließen. Mozarthat sogar einen TürkischenMarsch komponiert … Hierliegt der Schlüssel für dieDonauKRAFT, wenn wir dieemotionale Komponenteder Kunst und Kultur mitder realen Kraft der Wirtschaftverbinden!Ein Fluss kann trennen, er verbindet aber auch,wenn wir ihn dazu nutzen. Von selber ist garnichts – heißt es immer wieder. Das stimmt undmuss als große Herausforderung begriffen werden.Im Donauraum liegt der Schlüssel zur EntwicklungEuropas, aber auch Österreichs. Wir lebennicht in einer Randlage, sondern in der Mittedes aktuellen Geschehens. Vor allem die Politiklebt in der ständigen Versuchung des Abmeldens,um sich Probleme zu ersparen. Damit wird sieaber zum Problem!Die Europa-Debatte von heute muss für uns eineum die DonauKRAFT sein, denn Karl MarkusGauß hat hellsichtig bereits bemerkt: „Die Donauist ein Experiment, das die ganze Welt beeinflusst– was hier scheitert, mag überall scheitern,was hier Erfolg hat, gibt Hoffnung für jedenanderen Platz der Erde.“13


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADer Aktionsplan derEU – Strategie fürden Donauraum (EUSDR)1.2.3.Anbindung desDonauraumsVerbesserung der Mobilität und derMultimodalität a) Binnenwasserstraßen(koordiniert von Österrreich undRumänien) b) Bahn-/Straßen-/Luftverkehr(koordiniert von Slowenienund Serbien)Förderung der Nutzung nachhaltigerEnergie (koordiniert von Tschechienund Ungarn)Förderung von Kultur und Tourismus,des Kontakts zwischen denMenschen (koordiniert von Rumänienund Bulgarien)4.5.6.Umweltschutzim DonauraumWiederherstellung und Sicherstellungder Qualität der Gewässer (koordiniertvon Ungarn und Slowakei)Management von Umweltrisiken (koordiniertvon Ungarn und Rumänien)Erhaltung der biologischen Vielfalt,der Landschaften und der Qualitätvon Luft und Boden (koordiniert vonBayern und Kroatien)14


SchwerpunktthemaDonaukratieVier Säulen und zwölf SchwerpunktbereicheFür jeden der zwölf „Priority Areas“ sind zwei„Priority Area Coordinators“ (PACs) aus jeweilszwei Ländern zuständig, die dem EU-Kommissariatfür Regionalpolitik bzw. der DG Regiogegenüber verantwortlich sind. Den PACszugeordnet sind sog. „Steering Groups“ (Lenkungsgremien)mit Mitgliedern aus allen 14 ander Strategie beteiligten Ländern, in denen dievorgeschlagenen Projekte diskutiert und zurUmsetzung empfohlen werden. Darüber hinausbefördern „National Coordinators“ – in derRegel bei den Außenministerien der jeweiligenLänder angesiedelt – auf nationalstaatlicherEbene den Strategie-Prozess.Nähere und aktuelle Informationen zurEU-Strategie für den Donauraum (EUSDR):www.danube-region.eu7.8.9.Aufbau von Wohlstandim DonauraumEntwicklung der Wissensgesellschaftdurch Forschung, Bildung und Informationstechnologien(koordiniertvon Serbien und Slowakei)Förderung der Wettbewerbsfähigkeitder Unternehmen, einschließlichClusterbildung (koordiniert von Baden-Würtembergund Kroatien)Investitionen in Menschen und Qualifikationen(koordiniert von Österreichund Moldawien)10.11.Stärkung desDonauraumsVerbesserung der institutionellenKapazität und Zusammenarbeit(koordiniert von Wien/Österreich und Slowenien)Zusammenarbeit zur Förderungder Sicherheit und zur Bekämpfungder schweren und organisiertenKriminalität (koordiniertvon Bayern und Bulgarien)15


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAPeter Langer, Generalkoordinator desRats der Donaustädte und -regionenEuropaan der DonauDie EU-Strategie für den Donauraum:Entwicklung, Perspektiven, Herausforderungen„Seht mich an, sagt die Donau, groß bin ich, schönund weise. Niemanden in Europa gibt es, der mirdas Wasser reichen könnte. Ausstrecken möchteich mich der Länge nach über eure Städte, lassteuch nieder zu beiden Seiten meines Ufers, ichwill eure Hauptstraße sein.“ Diese poetischenSätze des ungarischen Literaten und großenEuropäers György Konrád, 1998 in Ulm gesprochen,lesen sich heute wie eine programmatischeVorwegnahme der Botschaft der EU-Strategiefür den Donauraum 1 .1 György Konrad: Donau-Anhörung, Ulm 2008, Edition Der Strom – eineSchriftenreihe der Europäischen Donau-AkademieDie Donau ist der einzige europäische Strom, dervon West nach Ost fließt. Er bildet auf seinemannähernd 2900 Kilometer langen Lauf die AchseMittel- und Südosteuropas und verbindet denSchwarzwald mit dem Schwarzen Meer – ein einzigartigeseuropäisches Phänomen. Seit der weltpolitischenWende von 1989/90 durchfließt derStrom zehn europäische Staaten; sie stellen einesder bedeutendsten sozioökonomischen Potenzialeinnerhalb Europas dar. 115 Mio. Menschenleben allein in den Ländern, Regionen und Städten,die unmittelbar an der Donau liegen – miteiner Jahrtausende währenden gemeinsamen16


SchwerpunktthemaDonaukratieGeschichte und einem in Europa einmaligen kulturellenReichtum 2 .Das Gefälle im DonauraumDabei handelt es sich beim Lauf des Stroms RichtungOsten nicht nur geografisch um ein Gefälle– denken wir bespielhaft an Baden-Württembergals Ursprungsland der Donau oder Österreichund etwa Rumänien oder die Republik Moldauam Stromende. Die Donau verbindet alte – imWesten – mit noch jungen Demokratien im Osten,entwickelte soziale Marktwirtschaften mitökonomischen Übergangsystemen, die immernoch die Reste gescheiterten Planwirtschaftensbeseitigen müssen, seit über 60 Jahren friedlicheZivilgesellschaften mit Ländern, in denennoch vor wenigen Jahren Krieg und VertreibungMittel der Politik waren: Stabilität und Labilität,Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsgesellschaft,Reichtum und Armut, Hightech undfehlende Infrastruktur, Wirtschaftskraft undschleichender Staatsbankrott, soziale Sicherheitund Wirtschaftsmigration nebeneinander, miteinander… und alles im Fluss.Um es vorwegzunehmen: dieses soziale, wirtschaftlicheund politische „Gefälle“ zwischenWest und Ost langfristig aufzuheben ist die zentraleAufgabe der EU-Strategie für den Donauraum.Mit der Erweiterung der EU auf inzwischen 28Mitgliedsstaaten entstand das Konzept sogenannter„Makro-Regionen“ innerhalb der EuropäischenUnion: Europäische Großregionensollen auf Grund ihrer geopolitischen Lage undgemeinsamer historischer, kultureller und wirtschaftlicherBezüge und ökologischer Herausforderungenim Rahmen eines umfassenden Entwicklungsprogrammsmiteinander verbundenund gefördert werden. 2009 wurde im Rahmender schwedischen EU-Ratspräsidentschaft alserste makroregionale Strategie vom Europäi-Peter Langer, 1950 in Heidelberg geboren, studierteGermanistik, Geschichte und Politik, ist Dozent fürKulturgeschichte und war 2008 Mitgründer der EuropäischenDonau-Akademie, in deren Leitung er tätig ist.2009 wurde er zum Koordinator und Sprecher des Ratsder Donaustädte und -regionen bestimmt; seit 2011 ister Donaubeauftragter der Städte Ulm und Neu-Ulm, seit2012 Berater der baden-württembergischen Landesregierungin Fragen der EU-Strategie für den Donauraum.Neben anderen Auszeichnungen für seine politische undkulturelle Tätigkeit im Donauraum erhielt er 2008 dasVerdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.schen Rat die „EU-Strategie für den Ostseeraum“beschlossen 3 .Die EU-Ostseestrategie ist das Vorbild für dieEU-Strategie für den Donauraum (EUSDR) – genauer:Bei der EUSDR handelt es sich um eineArt „Blaupause“ der Ostseestrategie. Das ist keinesfallsdespektierlich gemeint: Vergleichbarkeitschafft auch die Möglichkeit gegenseitiger Konsultations-und Evaluationsprozesse. Für beidemakroregionale Strategien sind das EU-Kommissariatfür Regionalpolitik bzw. die ihm zugeordneteGeneraldirektion (DG) Regio in Brüssel2 vgl. Michael W. Weithmann: Die Donau. Ein europäischer Fluss und seine3000-jährige Geschichte, Regensburg 2000, und Claudio Magris: Donau –Biographie eines Flusses, München, Wien 1988.3 vgl. Stefan Gänzle: Der Ostseerat führt zu neuen regionalen Kooperationen,Neue Zürcher Zeitung, 21.Februar 201217


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAzuständig. Verantwortlicher Kommissar ist derÖsterreicher Dr. Johannnes Hahn.Ausgangspunkte derDonauraumstrategieDie entscheidenden Impulse für das Zustandekommender EUSDR gingen von zwei Ebenenaus: „top down“ und „bottom up“. Zum einenwar es der auf der Ebene von Außenministertreffender Donauländer und des Stabiltätspaktsfür Südosteuropa angesiedelte sog. „Donaukooperationsprozess“,der inden Jahren nach dem Endeder Balkankriege ab Anfangder 2000er Jahre nach Wegeneiner politischen Neuordnungund Zusammenarbeit inSüdosteuropa suchte. UnserFreund Dr. Etrhard Busek war(und ist) ein wichtiger Akteur.Diese Initiativen mündeten2009 in einen konkreten Vorschlagder österreichischenund rumänischen Regierungen zur Schaffungeiner von der EU-Kommission zur erarbeitendenDonauraum-Strategie. 4Andererseits gab es bereits seit Ende der 90erJahre viele und unterschiedliche Aktivitätenauf kommunaler und regionaler Ebene, die ganzwesentlich von Baden-Württemberg – insbesondereUlm – ausgingen. Die Ulmer Donauinitiativenund die von hier ausgehende Vernetzung imeuropäischen Donauraum – kurz: der „Ulm-Prozess“– zeigten nachhaltige Wirkung. Eine wichtigeRolle im Vorfeld der Entscheidung, die EUSDRauf den Weg zu bringen, spielten die Donaukonferenzenin der baden-württembergischen Landesvertretungin Brüssel 2006, 2008 und 2010und der „Ulm Summit“ mit Regierungsvertreternaus den Donauländern im Mai 2009. Eine UlmerInitiative war auch die Gründung des „Rats derDonaustädte und -regionen“ bei der IV. Konferenzder Donaustädte und -regionen im Juni4 vgl. Erhard Busek: Ein Fluss verbindet – Die Donau als Instrument europäischerIntegration, Vortrag an der TU Wien, 12/2011Das soziale,wirtschaftliche undpolitische „Gefälle“langfristig aufzuhebenist die zentrale Aufgabeder EU-Strategie fürden Donauraum.2009 in Budapest. Der „Ulm-Prozess“ hat wesentlichdazu beigetragen, die EUSDR auf denWeg zu bringen 5 . Ein weitere wichtige Institutionin der Donau-Kooperation ist die schon Anfangder 90er Jahre von Österreich aus initiierte Arbeitsgemeinschaft(ARGE) Donauländer 6 .Im Juni 2009 wurde die EU-Kommission vomEuropäischen Rat beauftragt, eine Strategie fürden Donauraum zu erarbeiten. Im Laufe desJahtes 2010 fanden dann – beginnend in Ulm– entlang des Stroms insgesamt fünf Stakeholder-Konferenzender EU-Kommission statt,um in einem breit angelegtenKonsultationsprozeß – „bottom-up“– gemeinsam mit vielenAkteuren, Institutionen,NGOs und Unternehmen ausdem ganzen Donauraum Inhalteund Ausrichtung der Strategiezu diskutieren.Die EU-Strategie für den Donauraumwurde im Dezember2010 von der EuropäischenKommission vorgestellt undam 24. Juni 2011 im Rahmen der ungarischenRatspräsidenschaft vom Europäischen Rat verabschiedet.Die Strategie schließt das gesamteDonaubecken ein – nicht nur die unmittelbarenzehn Anrainerländer – mit insgesamt14 Staaten: den acht EU-Mitgliedern Deutschland– stellvertretend Baden-Württemberg undBayern -, Österreich, Tschechien, der Slowakei,Ungarn, Slowenien, Bulgarien und Rumänien,den EU-Beitrittskandidaten Kroatien und Montenegro,den potenziellen BeitrittskandidatenSerbien und Bosnien-Herzegowina sowie der Ukraine(nur die Regionen an der Donau) und derRepublik Moldau. Die Strategie soll den Wohlstandim Donauraum erhöhen, die Umsetzungeuropäischer Rechtsvorschriften in den beteiligtenStaaten fördern und auf diesem Wege auchdiejenigen Staaten, die noch nicht EU-Mitgliedersind, näher an eine Mitgliedschaft heranführen.5 vgl. Peter Langer: Stadt – Land – Fluss – Europa, Ulm 2011 unter www.donauakademie.eu6 vgl. www.argedonau.at18


SchwerpunktthemaDonaukratieSie soll insbesondere der Verwirklichung der Zieleder Strategie „Europa 2020“ dienen.Mit der Verabschiedung der Strategie wurdenvon der EU-Kommission auch drei „NOs“ verkündet:keine neuen Institutionen, kein neuesGeld, keine neuen Rechtsvorschriften. Das heißt,mit neuen Fördermitteln ausdrücklich für Projekteim Rahmen der EUSDR ist allenfalls in dernächsten Phase der EU-Struktur- und Kohäsions-Fondsab 2014 zu rechnen. Andererseits stehenLändern wie Rumänien und Bulgarien nochim laufenden Jahr 2013 Mittel aus EU-Strukturfondsin Höhe von mehreren Milliarden Eurofür Projekte und Maßnahmen im Rahmen derEUSDR zur Verfügung, die bisher nicht abgerufenwurden.Die zentrale HerausforderungDamit ist bereits eine zentrale Herausforderungder jetzigen Implementierungsphase der EUSDRangesprochen: In der Administration und Koordinationdes Strategie-Prozesses – insbesonderebei der Projekt-Entwicklung und Umsetzung– bestehen erhebliche Defizite – unter anderemaufgrund mangelnder Kompetenz und Qualifikationin den Verwaltungen und Institutionenund der Labilität der politischen Systeme etwadurch häufigen Wechsel der politischen Akteure.Zu ersten Erfolgen im Bereich der Verkehrsinfrastrukturwie der Fertigstellung der neuenDonaubrücke zwischen dem bulgarischen Vidinund dem rumänischen Calafat müssen mittelundlangfristig Maßnahmen und Projekte folgen,die bei den Menschen in den Städten undRegionen an der mittleren und unteren Donauankommen. Sie müssen in ihrem Alltag sichtbareund positive Veränderungen bringen und eineoptimistische Wachstumsperspektive schaffen:durch mehr Wohlstand, Bildung, eine saubereUmwelt, soziale Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.Das ist Sinn und Zweck der EU-Donauraumstrategie.Bei der 6. Europäische Konferenz der Donaustädteund-regionen am 24. und 25. September2012 in Wien, an der 200 Bürgermeister, Repräsentantender Regionen und Städte, Vertreterder nationalen Regierungen, des EU-Parlamentsund der EU-Kommission, Akteure aus NGOs,Medien und Unternehmen aus dem ganzen Donauraumteilnahmen.wies Wiens Bürgermeisterund Landeshauptmann Dr. Michael Häupl daraufhin, dass in der jetzigen entscheidenden Phaseder Umsetzung der EU-Donauraumstrategievor allem die Städte und Regionen gefragt sind– als vergleichsweise stabile Faktoren im Donauraum.Von der lokalen und regionalen Ebene undderen Zusammenarbeit über die Grenzen hinwegwird der Erfolg der EU-Donauraumstrategie abhängen7 .Städte und Regionen:„Good Governance“„Governance“ ist – wenn man eine präzise undtrennscharfe Übertragung in den deutschen Diskursversucht – ein mehrdeutiger Begriff. Darunterzu verstehen sind politische und gesellschaftlicheLenkungs- und Gestaltungsformen, die sichauf staatliche Systeme ebenso beziehen könnenwie auf zivilgesellschaftliche, Verwaltungs- undUnternehmensstrukturen. Bezogen auf die Staaten,Städte und Regionen entlang der Donau unddie EU-Strategie für den Donauraum kommt einweiterer entscheidender Aspekt hinzu, der bereitsgenannt wurde: Das „Gefälle“ entlang derDonau von West nach Ost betrifft zum einen dieWirtschaft und den Stand der Technologie, zumanderen die Qualität des politischen und gesellschaftlichenHandelns und der damit verbundenenInstitutionen.In der EUSDR wird dies durchaus zum Ausdruckgebracht. Hier findet sich das Thema „Governance“vor allem in der 4. Säule des Aktionsplanswieder: „Stärkung des Donauraums“. Unter derBezeichnung „Verbesserung der institutionellenKapazität und Kooperation“ ist ihm ein ganzerPrioritätsbereich (Nr.10) gewidmet, für den dieStadt Wien verantwortlich ist. Dort heit es: „DieDonaustaaten sind ganz unterschiedlich, wasRechtsstaatlichkeit, Transparenz, Demokratie,7 vgl. Wien im Zeichen der Donauraumstrategie, in www.wieninternational.at19


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAMarktwirtschaft und die allgemeine politischeStabilität betrifft. Die Staatsführungen sind inunterschiedlichem Maße dezentralisiert. Unterschiedlichsind sie auch hinsichtlich ihrer Finanzierungsstrukturen,politischen Mandate, politischenKompetenzen, territorialen Kompetenzenund in der Reife ihrer Beziehungen zur EU. Weiterbestehen Unterschiede in der politischen undinstitutionellen Kapazität der einzelnen Staaten,der verschiedenen Ebenen von Verwaltung, Institutionenund Zivilgesellschaft sowie zwischenstädtischen und ländlichen Regionen. Die institutionellenKapazitäten werden von der jeweiligenwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beeinflusst“8 .Die Rolle der Städte und RegionenAls wichtige Handlungsebene wird in diesem Zusammenhangvor allem auf die Rolle der Städteund Regionen hingewiesen. Denn insbesonderedie Leistungsfähigkeit derKommunal- und Regionalverwaltungenin den südosteuropäischenDonauländern istnoch eher schwach ausgeprägt.Neben strukturellen Ursachen,wie z. B. der oft geringen finanziellenAusstattung und mangelndenKompetenz der lokalenim Vergleich zur zentralstaatlichen Ebene, stellenhier insbesondere auch Aspekte der Qualifikationdes Personals ein erheblisches Defizit beider Schaffung einer nach den Grundsätzen modernenöffentlichen Managements handelndenAdministration dar.Im Rahmen der Umsetzung der EU-Donauraumstrategiekommt daher dem Aspekt des administrativen„Capacity-building“ eine Schlüsselrollezu: Die nachhaltige Optimierung und Stärkungvon Governance insbesondere auf der kommunalenHandlungsebene trägt wesentlich dazubei, dass die definierten strategischen Ziele undAktionsfelder der Donauraumstrategie erreichtwerden können. Dazu bedarf es einer geziel-8 Aktionsplan der EUSDR, S. 84; unter www.danube-region.euBesondereAufmerksamkeitmuss dabei denjungen Menschen imDonauraum gelten.ten Weiterbildung der MitarbeiterInnen in denStadtverwaltungen im Bereich des Public Management,um die Maßnahmen und Projekteder Donauraum-strategie effizient umsetzen zukönnen.Insbesondere die Verwaltungen der Städte amOberlauf der Donau – wie Ulm und Wien – könnendazu durch eine aktive Vermittlung ihres inder Aus- und Weiterbildung vorhandenen Knowhowseinen wichtigen Beitrag leisten. Der Ratder Donaustädte und Regionen hat deshalb einTwinning-Projekt zwischen Donaustädten ausBaden-Württemberg, Bayern und Österreich undDonau-Städten in Ungarn, Kroatien, Serbien,Bulgarien und Rumänien.initiiert mit dem Ziel,„Donau-Manager“ auszubilden 9) 9 .Funktionierende Städte-Netzwerke sind insgesamteine unabdingbare Vorausetzung fürdie Entwicklung von institutioneller Kapazitätund „Good Governance“. Im Aktionsplan wirdder Rat der Donaustädte und -regionen (RDSR)als strategischer Partner derEU-Kommission insbesonderehinsichtlich des Informationsaustauschsund Know-how-Transfers genannt 10 . Nebender Optimierung administrativerStrukturen geht es vor allemauch um die Entwicklungvon aktiver Bürgerbeteiligungz. B. an öffentlichen Planungsprozessen – bisherin Südosteuropa kaum entwickelt – und die Einbeziehungund Förderung der Zivilgesellschaft.Damit gemeint sind Orte und Institutionen desbürgerschaftlichen Engagements und freiwillige,öffentliche Vereinigungen (NGOs). Ziel istes, das Zusammenwirken von öffentlichen Verwaltungenund Zivilgesellschaft so transparent,gleichberechtigt und effektiv zu gestalten. ZivilgesellschaftlicheTräger oder deren Vereinigungenbzw. Verbände müssen ihre Kompetenzenund Verantwortungen umfassend wahrnehmenkönnen. Damit werden – als Beitrag zum Büro-9 Twinning and Learning: „Danube Manager“ – Urban and regional managementin the Danube Region; Verwaltungshochschule Campus Wien 2012,10 vgl. Aktionsplan der EUSDR, S. 87; unter www.danube-region.eu20


kratie-Abbau und zu einer nachhaltigen Demokratie-Entwicklungin Südosteuropa – sowohldie kommunale und regionale Selbstverwaltunggegenüber der zentralstaatlichen Ebene als auchbürgerschaftliche Partizipationsstrukturen gestärkt.Der Rat der Donaustädte und -regionenhat bereits 2010 in einem Positionspapier imRahmen der Konsultationsphase der EUSDR aufdie herausragende Bedeutung der Bürgerrechteund Zivilgesellschaft im Donauraum hingewiesenund konkrete Projekte zur Roma-Integration,Frauen-Gleichstellung, Jugendbegegnungund Medienfreiheit vorgestellt 11 .Der RDSR führt zur Zeit gemeinsam mit dem„Danube Civil Society Forum“, einer Netzwerkorganisationvon NGOs und zivilgesellschaftlichenVereinigungen im Rahmen der EUSDR 12 , und derEuropäischen Donau-Akademie 13 unter der Bezeichnung„River Show: Democracy, Self Governmentand Citizens Participation in the DanubeRegion“ eine Informationskampagne durch, umdie politischen und administrativen Akteure,Vertreter von NGOs, SMEs und Medien in denStädten und Regionen entlang der Donau überdie Möglichkeiten, Perspektiven und Aktionsfelderder EUSDR zu informieren 14 .Kulturelle Identität:„Unity in the Diversity“Aus der Synergie, dem erfolgreichen Zusammenwirkeneiner effektiv und unbürokratischarbeitenden Administration mit einer Bürger-Partizipationohne Alibi-Funktion und derMobilisierung der Zivilgesellschaft wird ein weiteresHandlungsfeld von Good Governance nachhaltiggefördert: ein auf die Region bezogenesZusammengehörigkeitsgefühl von Bürgerinnenund Bürgern, die in der Lage sind, für sich undandere kompetent zu handeln. So kann „kulturelleIdentität“ enstehen – als Zugehörigkeit zueinem bestimmten kulturellen Kollektiv mit der11 vgl. www.donaustrategie-positionen.de; vgl. auch: Ivo Gönner: EU-Strategie fürden Donauraum; in: EUROPA kommunal Nr. 2/201112 vgl. www.danubestrategy.eu13 vgl. www.donauakademie.eu14 danube connects – das magazin für die Donauländer, Ulm 2 / 2012, S. 7„… fragt vielmehr,was könnt ihr für euer Land tun!“(nach John F. Kennedy)Der SENAT DER WIRTSCHAFTsetzt sich aus Persönlichkeiten derWirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaftzusammen, die sich ihrerVerantwortung gegenüber Staat undGesellschaft in hohem Maße bewusstsind.Senats-Mitglieder sind Unternehmeroder Führungskräfte und zeichnensich durch hohe soziale und ethischeKompetenz aus.Die Senatoren sind Botschafter desSenats und tragen durch ihre Visionenund ihr Engagement dazu bei,die Ziele von gemeinwohlorientiertemund nachhaltigem WirtschaftenWirklichkeit werden zu lassen.Als unabhängiger Ratgeber geht derSENAT DER WIRTSCHAFT auf politischeEntscheidungsträger zu undstellt sich als Experte und parteineutralerVermittler zur Verfügung.Der SENAT DER WIRTSCHAFT engagiertsich stark für Generationengerechtigkeitund fördert auch aktivProjekte für unsere Jugend.Wenn auch Sie sich diesen Wertenverbunden fühlen und Sie gemeinsammit Ihrem Unternehmen unddem SENAT DER WIRTSCHAFT dieZukunft gestalten möchten, freut esuns, Sie bald persönlich kennenzulernen.Profitieren Sie durch persönlicheKontakte und Gedankenaustauch ineinem globalen Netzwerk!Mehr Informationen bei:SENAT DER WIRTSCHAFT Österreich e.V.Rotenturmstraße 5–91010 Wien, ÖsterreichTel.: +43 (0)1 505 35 4821office@senat-oesterreich.atwww.senat-oesterreich.at


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMABereitschaft, für dieses Kollektiv verantwortlichzu handeln 15) 15 . Und wieder sind es vor allemdie Städte und Regionen, in denen ein solcherProzess stattfinden kann. In den Städten undRegionen wird die gemeinsame wechselvolle Geschichte,Gegenwart und Zukunft an der Donauam stärksten und unmittelbarsten erlebt – alsGrundlage jeder Identitätsbildung. Die EU-Donauraumstrategiekann einen Beitrag dazu leisten,dass diese Verbundenheit durch die kulturelle,wissenschaftliche, zivilgesellschaftlicheund kommunale Zusammenarbeit gestärkt undzugleich seine Heterogenität und Differenz hinsichtlichder Sprachen, Kulturen, Religionen,Wirtschaft und Politik toleriert werden. So kannregionale und letztlich auch europäische Identitätder Menschen in diesem räumlichen Zusammenhangentstehen. „Unity in the diversity“kann zu einem europäischen Markenzeichen desDonauraums werden, indem Projekte entwickeltwerden, die die kulturellen Gemeinsamkeiten,aber auch die kulturelle Vielfalt entlang der Donaufördern 16 .Vision und VerantwortungLangfristig geht es um die nachhaltige Entwicklungund Konsolidierung des Donauraums alsgroße Wirtschafts-, Innovations- und Kulturregionin Europa. Besondere Aufmerksamkeitmuss dabei den jungen Menschen im Donauraum,den „Young Danubians“ gelten. Seit demFall des Eisernen Vorhanges und den blutigenKonflikten auf dem Balkan gibt es einen starkenAbwanderungstrend von gutausgebildeten jungenMenschen aus dem mittleren und unterenDonauraum nach Westeuropa. Damit ist einedramatische Wechselwirkung entstanden: zumeinen führen die wirtschaftlichen Defizite zurAbwanderung der jungen Eliten, zum anderenwirkt sich dies negativ auf die wirtschaftliche undgesellschaftliche Entwicklung aus. Dieser „Braindrain“´kann nur in einer gemeinsamen Anstrengungabgewendet werden: mit einer Kombinationaus guter Ausbildung vor Ort, nachhaltigerWirtschaftsentwicklung und einer verbindlichenRechtssicherheit. Die jungen Eliten im mittlerenund unteren Donauraum brauchen attraktiveAngebote aus wirtschaftlichen Sektoren, die einegute Zukunft versprechen.Der Erfolg der EU-Donauraumstrategie als einesder ambitioniertesten europäischen Projektehängt entscheidend davon ab, dass es einenständigen Dialog und eine enge Zusammenarbeitzwischen Akteuren aus der Wirtschaft, Wissenschaftund Politik gibt. Sie müssen sich zu einemfesten Netzwerk zusammenschließen, getragenvon der gemeinsamen Verantwortung und der Vision,den Donauraum mit seiner jahrtausendealtenbewegten Geschichte und vielfältigen Kulturneu und dauerhaft zusammenzuschließen. Dafürbraucht es einen ständigen Dialog zwischen denAkteuren, wie ihn das „ EUROPEAN DANUBEFORUM“ anbietet.„Wenn nicht im Donauraum europäische Identitätentwickelt wird, wo sonst?“ – so Dr. ErhardBusek 17 . D‘accord !15 vgl. George H. Mead: Geist, Identität und Gesellschaft, Frankfurt am Main196816 vgl. Peter Langer: Kulturelle Identität im Donauraum; Ulm 2011, in www.donauakademie.eu17 zitiert in: Positionen des Rats der Donaustädte und -regionen, April 2010, S. 6,unter www.donaustrategie-positionen.de22


SchwerpunktthemaDonaukratieDerDonauraumbraucht neuesLobbying!Mag. Karin Keglevich,Geschäftsführerin SpecialPublic Affairs, Senatorin imSENAT DER WIRTSCHAFT23


Jeder trachtet danach, die eigenen Interessen zuwahren und Wege zu finden, um aus Erfordernissen,Wünschen und Ideen konkrete Projekteund Vorgehensweisen entstehen zu lassen. Dabeigeht es schlussendlich immer darum, werauf welche Weise von diesen Erfordernissen,Wünschen und Ideen wie erfährt bzw. darum,wer als Wissenträger/in überhaupt relevant ist.Es handelt sich um eine der Königsklassen derKommunikation, denn das Verstehen der Zusammenhängeerfordert in komplexen Strukturenumfangreiches Know-how. Daher entstanddaraus ein eigener Berufsstand inklusive vielfältigerDefinitionen, was Vertreterinnen undVertreter dieser Zunft überhaupt konkret tun –die Lobbyisten. Eine dieser Definitionen findetsich in Gablers Wirtschaftslexikon von Prof. Dr.Bernd Helmig: „Die möglichst vollständige Ausnutzungder Möglichkeiten der Einflussnahmeauf das politische System.“ Ist diese Definitionjedoch nach wie vor gültig? Entstehen durch dieErweiterung Europas nicht vollständig neue Anforderungenund Vorgangsweisen? Was bedeutendiese Veränderungen für den Donauraum?Eine Frage der Definitionund der KomplexitätMag. Karin Keglevich ist Gründerin und Geschäftsführerinvon Special Public Affairs und gilt als arrivierte Expertinin ihrem Kommunikations-Fachbereich. Der Schwerpunktder PR-Beratungskompetenz ihres Unternehmensliegt im Industrie- und Finanzbereich. Mag. Keglevich istSenatorin im SENAT DER WIRTSCHAFT. www.spa.co.atDie Wirkungsweise des gezielten Lobbyismuswird immer unterschiedlich wahrgenommen. Siewird dann verdammt, wenn ein Wettstreit verlorenwird. Dann heißt es rasch, „die Lobbyisten“sind die Gewinner, z. B. die „Banken-Lobby“, die„Frächter-Lobby“, die „Waffen-Lobby“ usw. FehlendemLobbying gibt man jedoch immer danndie Schuld, wenn sich Ideen und Vorstellungennicht durchsetzen. Dann hat z. B. „Österreich inder EU eine zu schwache Lobby“. Braucht mansie nun, oder nicht, die Lobby?Vor allem im Hinblick auf die politischen Gegebenheitenverändert sich das Spiel der Kräfte.Die nach wie vor auch in der gelebten Praxisexistierende politische Zweiteilung in EU undNationalstaaten ist ein großes Problem bei derUmsetzung konkreter Projekte. Anhand vielerBeispiele ließe sich illustrieren, dass die EU konkretenationale Grenzen überschreitende Interessenhat, diese aber von den politischen Akteurenvor Ort nur halbherzig umgesetzt werden.Im Hinblick auf die Donau gibt es z. B. konkreteEU-geförderte Initiativen zur Verbesserungder Donau als Warenverkehrsweg, um z. B. dieVertiefung der Fahrrinnen zu ermöglichen, damitFrachtschiffe ganzjährig die Donau als Verkehrwegnutzen können. Die EU verfolgt dabeidas Ziel, einer ausgewogeneren Verteilung derTransportwege Schiene, Luft, Straße und Wasserzu erreichen, um so die Umweltbelastungweiter einzudämmen. Was geschieht jedoch inder Praxis?Was tatsächlich passiert –was jedoch nötig wäreProjekte denen die nationalen Politiker in Brüsselzugestimmt haben, werden im eigenen Landnur halbherzig „verkauft“ um lokalen Politikern,NGOs und Bürgerinitiativen nicht zu sehr in dieQuere zu kommen, und man getraut sich oftmalsnicht, die geforderten Maßnahmen entsprechendumzusetzen, auch wenn diese zur regionalenWirtschaftsentwicklung einen wesentlichenBeitrag leisten würden. Eine gängige Praxisist daher die Gründung von staatsnahen Gesellschaften,die dann – mit der entsprechendenparteipolitischen personellen und finanziellenAusstattung – die Umsetzung teils unpopulärerMaßnahmen übernehmen sollen. Diese Gesellschaftenerben auch die „Buhmann-Funktion“,damit die Politik die Stürme der Emotionenmöglichst unbeschadet übersteht und vor allemoffiziell keine Verantwortung übernehmen muß.Modernes Lobbying würde der Politik hier wesentlicheUnterstützung bieten können, umsinnvolle Maßnahmen so zu transportieren,24


SchwerpunktthemaDonaukratiedass sie und ihre Anliegen von den Bürgerinnenund Bürgern wie auch von Repräsentatinnen undRepräsentanten der Wirtschaft entsprechendverstanden würden. Lokale Politiker könntendann leichter diese geplanten Aktivitäten umzusetzen.Die Politik muss das Vertrauen entwickeln, dasssie sinnvolle Initiativen mit dem Ziel Arbeitsplätzezu schaffen, Wertschöpfungsketten zuunterstützen, Regionenentwicklung zu fördernund auch ökologische Aspekte in einem adequatenAusmaß berücksichtigtund auch offen und klar kommuniziert.Immer mündigereBürgerinnen und Bürger erwartensich das von gewähltenRepräsentanten. Die Zeiten, indenen man still und leise mitVerschleierungstaktiken undvorgeschobenen Institutionenversucht, politischen Zieleso zu erreichen, dass schwernachvollziehbar ist, wer eigentlichdahinter steht, sollten vorbeisein. Eine offene, sachbezogene Kommunikationwäre gefordert und ein klares Bekenntniszur Notwendigkeit der Maßnahmen. Moderne,zukunftsorientierte Kommunikationsstrategienzur Information der Privatwirtschaft und derÖffentlichkeit, aber auch der eigenen lokalen Politkerist eine neue und unabdingbare Form des„umgekehrten“ Lobbyismus.Besonderheit DonauraumMaßnahmendürfen nicht durchkleingeistigeTerritorialansprücheunterwandert werden.Großes kann nichtgeschehen, wennman Kleine fragt.Gerade im Donauraum, in dem aufgrund derAusbreitung der Donau eine Unmenge von Städten,Regionen, Ländern und Institutionen sowiedie EU-Donauraumstrategie einwirken, bedarfes gezielter, aufeinander abgestimmte, Kommunikationskonzepte.Dabei muss eine grenzüberschreitendeund ideologieunabhängige Paktfähigkeitaller Stakeholder entwickelt werden,damit auch bei entsprechendem Gegenwind alleInstitutionen hinter den gemeinsam vereinbartenMaßnahmen stehen. Durch das Fehlen dieserKommunikationsstrategien passiert es vielzu oft, dass bei entsprechendem Gegenwinddiese Paktfähigkeit nicht gegeben ist. Geradefür Unternehmen ist dies im Hinblick auf ihreEngagements im Donauraum unabdingbar. Siestellen nur dann Arbeitsplätze bereit, wenn dieSicherheit gegeben ist, dass es nicht lediglich beiAbsichtserklärungen bleibt,sondern konkrete Maßnahmengesetzt werden. Daherist eine verstärkte Integrationder Wirtschafts-Repräsentantinnenund Repräsentanten indiesem Kommunikationskreislaufunabdingbar.Die Potenziale für die Entwicklungdes Donauraums sind sogroß und umfangreich, dass dieMaßnahmen nicht durch kleingeistigeTerritorialansprücheunterwandert werden dürfen. Dabei gilt einmalmehr: Großes kann nicht geschehen, wenn manKleine fragt, ganz im Sinne des Zitats von HenryFord: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte,was sie sich wünschen, hätten sie geantwortet:Schnellere Pferde“. Aus der Perspektive des Kleinenkann das Große, das optimal Mögliche, dasPotenzial und die Entwicklungschance mituntergar nicht erkannt werden. Es handelt sich somitum eine Frage der Leadership-Qualität, um denMut voran zu gehen und um den Weitblick fürgrößere politische und wirtschaftliche Perspektiven,die einer Einzelperson möglicher Weise verborgenbleiben.In diesem Sinne braucht der Donauraum dringendein neues Lobbying – ein neues Verständnisfür Kommunikationsbedürfnisse auf der Basisder Transparenz und Offenheit!25


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAJochen Ressel interviews H.E. Petar StoyanovDialogue andCooperation forChangeHow dialogue works, why it isso important and so hard to establishEmerging countries need assistance in becomingmore efficient, capable, and competitive partnerson a regional and global level. The Center for GlobalDialogue and Cooperation – CGDC providesthis support by promoting dialogue between businessand politics on the basis of ethical principles.Petar Stoyanov – President of the CGDC,President of the Republic of Bulgaria 1997–2002– explains, why the chance to initiate dialogueshould not be taken for granted, how it can becreated and how it impacts the Danube region.Mr. Stoyanov, you have an extensive experience inhow dialogue works. Why is it so important to havedialogue, nowadays in Europe?From my experience as a President, I firmly believein dialogue within politics. We all belong todifferent nations, we have diverse points of view,history, and traditions. In the last century, theEuropeans fought each other; we were enemiesduring the two world wars. Only as a result ofmutual dialogue were we able to create the EuropeanUnion. We were able to successfully enlargethe European Union following the lifting of the“iron curtain” – only because of dialogue!Which is the most essential „ingredient“ to createdialogue?I think that among the most important personalvalues or principles is the ability to listen. To listento what people around us are saying. It maybe at a conference, a business meeting, in thestreet or at the university. Listening is the basisfor responding adequately, and this is alreadya dialogue that will generate better results andwiser solutions.26


SchwerpunktthemaDonaukratieS.E. Petar Stoyanov is the former President of the Republicof Bulgaria (1997-2002) and President of the CGDC.One factor is to listen, another to express yourselfproperly in order to be understood correctly. It goesboth ways, right?Dialogue is a two-way street – sending and receiving.With regard to the sender, I am confidentthat values like honesty, transparency, reliability,and mutual trust form a sound basis forrelationship between politics and business. Butthe message won’t be received, if the recipientdoesn’t follow the same ethical principals. Consideringtoday‘s situation, we can clearly see communicationgaps which need to be filled. I willgive you the most obvious example: politicianshave to work to restore the respect and trust ofpeople, because these are the fundamentals inany political system. How can we deal with thecurrent financial crisis without the confidence ofthe business and the people in the political leadership?Therefore, the ethical principles on bothsides play an important role to create fruitful dialogue.How can one contribute to this cause?We always have to consider the welfare of peopleon a global level. That means: we have to help andsupport each other. Everyone of us can contributeto the well-being of peole in the world! Andthis is not a slogan; this is the ultimate way toThe Center for Global Dialogue and Cooperation – CGDCis a politically-independent, international, non-governmentalorganization. The 3rd CGDC Annual Meeting willbe held on 03–04 December 2013, in Vienna. CGDC isgranting a 20% discount to members of theSENATE OF ECONOMY. For more information:www.cgdc.eu27


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAdeal with global challenges and the crisis. Hence,I am positive, that consideration for everyone‘srights and values is an important step towardsfacing any challenges – whether political, financialor economic.How does this apply for the Danube Region andSouth-Eastern Europe in particular?I’m convinced that integration is the key factorwith regard to the entire region. CompleteEuropean integration cannot be accomplishedwithout the Western Balkans. Their inclusionis significant not just because of their strategicgeographic location. Dialogue is, once again, thekeyword. The CGDC is working on bringing togetherthe different stakeholders in South-EasternEurope; we try to urge the relevant responsiblebodies and people to think more about thefuture, common projects and mutual benefits,rather than dwelling on history and the past.What have you been working on recently to supportthis process? Any on-going projects in this direction?Let me highlight three main spheres we tackle,where dialogue plays an important role, and weare putting our efforts in creating it there: education,economic development, and engery efficency.EDUCATIONThe “Education for Change – Scholarship for Studentsfrom the Western Balkans” project is carriedout, in cooperation with MODUL Universityin Vienna and has provided 13 scholarships forMBA in Public Governance and Management tooutstanding students from the Western Balkanregion, belonging to different ethnic and re li giousgroups, to enable them to become the future leadersin their countries. The CGDC has identifiedan opportunity to make a lasting positive changeby investing in the education of young people,so that they can learn, understand, and consequentlyembrace their differences.Our next project is to provide skill developmenteducation and training programs for teachersfrom Eastern European countries. After completingtheir studies, these teachers will pass ontheir knowledge to students, and thus multiplythe effects of the program. By combining our effortswith like-minded organizations, we hope tocontribute to building a better future and investin the most valuable asset – the new generationsand upcoming leaders.ECONOMIC DEVELOPMENTExploring and popularizing business opportunitiesand cultural heritage is vital for establishingsustainable social and economic development.The CGDC has teamed up with Milestone GRP fora joint project on a number of premium locationslike Peru, Qatar, Canada, Azerbaijan, Kazakhs-28


SchwerpunktthemaDonaukratietan etc. The result are top-quality investmentpublications that provide in-depth coverage ofthe profiled country, highlighting its key publicand private players, business opportunities, cultureand traditions. These reports offer up-todate,timely and forward-looking content fromworld-renowned experts, and it is directly deliveredto the relevant audience.ENERGY EFFICIENCYThis is one of our major fields of interest and,thus, a traditional topic at our Annual Meetings.We have decided to reach out further andorganize an international conference on energyself-sustainability of municipalities, based onsharing the experience of the Municipality ofGuessing and similar best-practice models. Forthis project, we will seek cooperation, for example,with the Covenant of Mayors, differentinternational or local energy agencies, as well asorganizations like UNIDO (which recently grantedour organization a consultative status). TheDanube Region has a special place in this projectin many aspects – economic, geographic, political,as a highly relevant energy source with hugepotential, as well as framework-wise on the Europeanand regional levels.Mr. Stoyanov, what are the main points of yourpersonal vision you want to share and establish inEurope and the Danube Region in particular?The belief in human rights and democracy as afundament. And on this basis, we must create dialogueand cooperate with one another. Yes, wehave had hard times throughout history, but let‘stry to learn from them and move on. Only then,can we create a better future.Many thanks for the interesting insights you gave uson your understanding of dialogue!TOP WELLNESS-APARTMENTGenießen SieEntspannung,Wellness, Komfortund Service pur:• Wellness-Angebote imangrenzenden FalkensteinerTherme&Golf Hotel****s• Nutzung von Poolund Saunalandschaft• Luxus wie im Hotel:vom Zimmerservicebis zum Wäscheservice• Apartments direktam GolfplatzIhr Eigentums-Apartmentin Bad Waltersdorf im steirischenThermenland wartet auf Sie!Erhältlich schon ab EUR 192.500,-VAnsprechpartner:VDir. Peter KothgasserMANDLBAUERMitglied im Senat der WirtschaftE-Mail: kothgasser@mandlbauer.atTel.: 0043 3159 2315 62mehr Infos auf: www.golftherme.com


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADr. Franz SchellhornWer braucht schon denFöderalismus?Den sündteuren Föderalismus abschaffen –oder ihn vorher überhaupt richtig einführen?In Europa wird wieder „groß“ gedacht. Man sehntsich nach den „Vereinigten Staaten von Europa“.Einer erstarkten Staatengemeinschaft, die miteiner (kräftigen) Stimme spricht und allen Mitgliedsländerneinheitliche Orientierungshilfenvorgibt. Kleinstaaterei gilt neuerdings wiederals peinliche Kleingeisterei, eine gemeinsameWährung brauche schließlich eine gemeine Wirtschafts-und Fiskalpolitik, wie immer öfter zuhören ist. Eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden(Eurobonds) ist deshalb ebenso keinTabu mehr wie eine Angleichung der nationalenSteuer- und Sozialsysteme. Was früher undenkbarwar, scheint nun, fünf Jahre nach Ausbruchder globalen Finanzkrise, also zum Greifen nahe:Das Überwinden nationaler Egoismen zugunsteneiner großen, gemeinsamen Idee. Mit dem nichtzu unterschätzenden Vorteil, dass sich am Endeso gut wie alle freuen dürfen und nur ein Verlierereinsam in der Gegend rumsteht: der Föderalismus.Ein Föderalismus, der in Zeiten anschwellenderStaatsschulden ohnehin unter Legitimationsdruckgekommen ist, allen voran in schlechtwirtschaftenden Ländern wie Österreich. EinSteirer ist zwar kein Tiroler und ein Kremser keinLinzer, so wie auch ein Wiener mit dem Bregenzerwenig gemein hat. Der Erhalt der regionalenArtenvielfalt ist zwar bei den Bürgern populär –aber neun Länder, 80 Bezirke und 2357 Gemeindensamt dazugehörenden Verwaltungseinheitenseien für einen Ministaat wie Österreich nuneinmal ein nicht mehr zu bezahlender Luxus.Schließlich gäbe es in ganz Dänemark gerade ein-30


SchwerpunktthemaDonaukratiemal 98 Gemeinden und außerdem komme dasbenachbarte Bayern ja auch ohne Bundesländeraus (gerne unterschlagen wird, dass Bayern siebenRegierungsbezirke führt, die den österreichischenBundesländern recht ähnlich sind. Hinzukommen 71 Landkreise und 2056 Gemeinden).Selbst in der Schweiz, dem zu Land gewordenenFöderalismus, finden sich nahezu wöchentlichBerichte über geplante Fusionen von Kantonenund Gemeinden. Weshalb es auch höchste Zeitsei, den sündteuren Föderalismus in Österreichzu korrigieren, respektive abzuschaffen.Föderalismus nach Gutsherren-ArtDas wird allerdings nicht ganz einfach werden.Das liegt schon einmal daran, dass etwas, dases gar nicht gibt, vergleichsweise schwer aus derWelt zu schaffen ist. Österreich ist zwar ein föderalorganisiertes Land, das aber nur am Papier.Echter Föderalismus verlangt nämlich neben einerklaren Kompetenzverteilung noch zweierlei:Kein Bail-out für schlecht wirtschaftende Länderund Gemeinden sowie Steuerhoheit für selbige.In Österreich übernimmt der Staat ohne Gegenleistungdie Haftungen abgesandelter Bundesländer(Kärnten) und von Steuerhoheit ist weitund breit keine Spur. Der Bund treibt 95 Prozentder Steuergelder ein, die dann in Gutsherrenartverteilt werden. Vor allem von großherzigenLandesvätern, die es besonders gut mit ihrenSchäflein meinen.Während die Länder und Gemeinden also geradeeinmal fünf Prozent aller Steuergelder selbsteintreiben, gehen 30 Prozent der Staatsausgabenauf ihr Konto. Ein System, das geradezu aufVerschwendung öffentlicher Gelder ausgerichtetist. Wer sich für ausgegebene Steuergelder nieverantworten muss, greift nun einmal besondersDr. Franz Schellhorn begann nach seinem Studium derHandelswissenschaften seine Laufbahn bei der Tageszeitung„Die Presse“, bei der er bis vor Kurzem als stv. Chefredakteurtätig war. Er ist Direktor der Agenda Austria.gerne und tief in die von fremder Hand gefüllteTasche. Die Folgen heißen überteuerte Prestigeprojekte,verspekulierte Landesbanken, „verlorene“Wohnbaugelder und explodierende Schuldenin den Ländern. Dort wurden sie seit 1995verdreifacht, im Bund verdoppelt. Einzig in denGemeinden sind sie leicht rückläufig.Diesen österreichischen Pseudoföderalismusdurch eine straffe Zentralisierung zu ersetzen,wäre natürlich eine Möglichkeit. Die weitausbessere wäre aber, in Österreich (und in vielenanderen europäischen Ländern) den Föderalismusendlich einmal einzuführen. ZentralisierteStaaten werden nämlich keineswegs günstigerverwaltet als föderale, ganz im Gegenteil. Es isteben keine Frage von Größe, wie teuer ein Staatkommt. Sondern eine Frage des Anreizsystems.Und da zeigt sich, dass eine ganze Reihe föderalorganisierter Länder besser abschneiden als ihrezentralisierten Pendants. Wie etwa Kanada oder31


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAauch die bereits erwähnte Schweiz, die mit 26Kantonen, 148 Bezirken und 2408 Kommunennoch kleinteiliger aufgestellt ist als Österreich.Dennoch verwalten die Eidgenossen ihr Land umein Drittel günstiger als das flächenmäßig doppeltso große Österreich.Steuerfreiheit für Länderund Gemeinden? Besserheute als morgen!Der fundamentale Unterschied: Bei den Eidgenossenwird das Geld dort eingehoben, wo es ausgegebenwird. Wenn der Herr Bürgermeister einSchwimmbad oder ein zweites Feuerwehrhausbauen lassen will, fein. Vorausgesetzt, die Bürgerstimmen dem Vorhaben und den damit verbundenenSteuererhöhungen zu. Dasselbe passiertim Kanton und auf Bundesebene. Abstimmendarf, wer bezahlt. Das sichert den sorgsamenUmgang mit Steuergeldern und die unmittelbareBetroffenheit erhöht auch die allgemeine Steuermoral.Wie könnte nun eine Steuerhoheit für föderaleEinheiten aussehen? In der Schweiz gehen diewichtigen indirekten Steuern (allen voran dieMehrwertsteuer) an den Bund. Alle drei Verwaltungsebenenheben selbstständig Einkommensteuernein. Und zwar mit deutlich unterschiedlichhohen Sätzen. Die Folge ist ein enormerinnerstaatlicher Wettbewerb um die Steuerzahler,der das Preis-Leistungs-Verhältnis des öffentlichenAngebots verbessert. Die Bürger sinddann nämlich umworbene Kunden. Das führtauch keineswegs zu einem ruinösen Wettlaufnach unten, wie immer wieder gerne behauptetwird. Die Steuersätze in den Kommunen undKantonen unterscheiden sich beträchtlich, unddas seit vielen Jahren. Gäbe es dieses „Race tothe bottom“ wären sie alle auf demselben Niveauund viele föderalen Kassen leer – das genaueGegenteil ist der Fall. Gerade den ärmeren Regioneneröffnen sich Chancen, mit niedrigen SteuernUnternehmen und Besserverdiener anzuziehen.Wem das nicht gelingt, der darf immer nochauf den Finanzausgleich hoffen, den es natürlichweiterhin gibt.Gleich geschalteterStaatsdirigismus im DeckmantelEin derartiger Wettbewerbsföderalismus wäreauch für Österreich und die benachbarten Länderdes Donauraums der bessere Weg als ein gleichgeschalteterZentralismus unter dem Deckmantelder „Vereinigten Staaten von Europa“. Vor allemfür die Gemeinden, die sich aus der finanziellenAbhängigkeit und der Bevormundung übergeordneterEinheiten befreien könnten. Zum Wohlaller Bürger, die sich über einen besser und auchgünstiger verwalteten Staat freuen dürften. Dereidgenössische Wettbewerbsföderalismus sorgtein Kombination mit einer öffentlichen Schuldenbremseübrigens auch dafür, dass die Schweizin den vergangenen fünf Jahren der tobendenFinanzkrise ausnahmslos Haushaltsüberschüsseausgewiesen hat. Ohne, dass irgendjemand dasKaputtsparen des Staates zu beklagen gehabthätte.Womit sich einmal mehr zeigt: Hin und wiederist es gar nicht so übel, etwas kleiner zu denken.Ihre Meinung zum Thema?Schreiben Sie uns Ihre Überlegungen zum Thema„Föderalismus“ an senat@senat-oesterreich.at32


SchwerpunktthemaDonaukratieBildung aus derSicht der JugendWelche Aspekte Mitgliederndes Jungen Senats besonders wichtig sindMag. Elisabeth Thomas:Bildung in Österreich – ein Statement„Bildung ist nicht das Füllen eines Gefäßes,sondern das Entfachen eines Feuers.“ W. B. YeatsDas größte Kapital unserer Gesellschaft heutzutagesind Wissen, Forschung und Technologie.Leider wird in Österreich diesen Bereichen vielzu wenig Wert beigemessen. Es ist sicherlichhöchste Zeit, dass sich etwas zum Positiven verändert.Die akutelle Bildungspolitik lässt unsnicht gerade glücklich in die Zukunft blicken.Die Basis wird in Kindergärten, Krippen sowiebei Tagesmüttern und Kindergruppen mit derElementarpädagogik gelegt. Hier braucht esmehr Qualität, bessere Ausbildungen und mehrGanztagesangebote.Die Schulen als primäre Bildungseinrichtungensollten möglichst frei agieren können unddie Lehrer sollten vielfältige Kompetenzen haben.Im Vordergrund sollten die Potenziale derSchülerinnen und Schüler stehen, die dementsprechendgefördert gehören. Die Lehrer sindentscheidend für die Qualität der Bildung, wasinternationale Studien zeigen. Wichtig ist hier33


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAMag. Elisabeth Thomas,Export-Managerin bei Fa.CANDOL Produktions- undHandels GesmbH, studierteSportwissenschaften an derUniversität Wien – Zentrumfür Sportwissenschaftenund Universitätssport.Sie arbeitet im JUNGENSENAT DER WIRT-SCHAFT führend mit.auch die Wertschätzung und Image-Pflege fürdiesen Beruf.Gleichzeitig sollten die Direktorinnen und Direktorengenügend Spielraum haben, um zu gestalten(Schwerpunktsetzung im Lehrplan, Auswahlder Lehrer). Ob die Gesamtschule der Weisheitletzter Schluss ist, sei dahingestellt, allerdingsmangelt es definitiv an Ganztagesangeboten(massiver Anstieg der Nachhilfekosten für Eltern).Förderlich wäre auch eine Qualitätssicherungdurch eine Evaluierung der verschiedenen Gruppen:Lehrer, Schüler, Eltern, Absolventen, Hochschulenund Arbeitgeber. Ein solches Systemexistiert bereits auf vielen Universitäten.Die Lehre im tertiären Bildungssektor sollte dadurchaufgewertet werden, dass es faire sowieleistbare Weiterbildungs- und Umstiegsmöglichkeitengibt. Von großer Bedeutung wäre außerdemdas lebenslange Lernen zu unterstützen.Eine exakte Studienplatzfinanzierung wäre beiden Universitäten, so wie schon bei den FHs gegeben,dringend von Nöten. Es sollte für jedesStudienfach, primär für die überlaufenen Studiengänge,erhoben werden, wie groß das Potenzialam Arbeitsmarkt ist und dementsprechend derZugang geregelt und aber auch die Finanzierunggesichert werden. Bei den Hochschulen wäre primäreine verbesserte Finanzierung von Nöten.Ad Forschung: Heutzutage werden Jungwissenschaftlernur mehr in prekären Arbeitsverhältnissenangestellt (schlechte Bezahlung, kurzeVerträge, Unsicherheit ob Projekte verlängertwerden). Diese Projekte sind ausschließlich drittmittelfinanziert,das heißt von der öffentlichenHand werden in diesem Bereich kaum noch Investitionsunterstützungengewährt. BestehendeStellen im Forschungsbereich werden häufigabgebaut bzw. nicht mehr nachbesetzt. In derForschung wären außerdem Planungssicherheitund Freiheit von unschätzbarem Wert. BezüglichPlanungssicherheit wäre es entscheidend, dasVerfahren zur Projekteinreichung bei verschiedenenForschungsförderungsfonds zu vereinfachenund zu beschleunigen. Freiheit sollte insofernhergestellt werden, als dass auch die Grundlagenforschung,die keine unmittelbar messbarewirtschaftliche Auswirkung hat, so wie in anderenLändern auch gefördert werden muss (auchvon staatlicher Seite).Es ist für uns als junge Menschen frustrierend zusehen, dass sich das Bildungsniveau verglichenmit anderen Ländern stetig im Sinkflug befindetund wir von Elite-Unis weit entfernt sind.34


SchwerpunktthemaDonaukratiePatrick Lindner, MSc:Globalisierte Bildung im InformationszeitalterPatrick Lindner, MSc,Consultant bei PORREALImmobilienmanagementGmbH, studierte an derTechnischen UniversitätWien Wirtschaftsingenieurwesen,an der FachhochschuleTechnikum WienInternationales Wirtschaftsingenieurwesen und absolviertean der Universitat Politècnica de València ein EuropeanProject Semester. Er arbeitet im JUNGEN SENAT DERWIRTSCHAFT führend mit.Im Informationszeitalter ist Wissen und dieZugänglichkeit davon unser höchstes Gut. JedesKind bzw. jede/r Jugendliche/r besitzt einSmartphone und kann innerhalb kürzester Zeitseine Eltern in Grund und Boden argumentieren,aufgrund von Informationen die über das Internetjederzeit abrufbar sind. Die immer verfügbareInformation über alles erleichtert den Alltagenorm, das steht außer Frage, aber was das fürProbleme mit sich bringt zeigen aktuelle Beispieleaus der Plagiatsproblematik. Abgesehen vondiesem Thema bieten die Neuen Medien auchvielen Personen eine Plattform die anderswokein Gehör finden würden. Das ist in vielen Fällengut (Stichwort Arabischer Frühling und dieOrganisation der Demonstrationen über SozialeNetzwerke), in anderen Fällen weniger (kaumNachvollziehbarkeit bzw. Überprüfbarkeit derQuellen).Hier wäre es Zeit den, aktuell eher antiquierten,EDV-Unterricht zu überarbeiten. Kinder wissenwie man „googlet“, wo man welche Informationenherbekommt, aber oft nicht wie man dieseeinsetzt. Das ist einerseits aus Plagiarismussichtwichtig, andererseits aber auch, da Kinder oftInhalte unreflektiert wiedergeben und so fragwürdigeInhalte als Tatsachen angesehen werden(Hoax der „Tagespresse“ bezüglich Asyl für EdwardSnowden in Österreich).Informationen sind nahezu weltweit gleichzeitigverfügbar. Regionale Krisen sind nicht mehr regional,sie verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer imInternet. Generell ist Mobilität und die schnelleÜberbrückung von Distanzen allgegenwärtig.Menschen sind heute mobiler denn je. Schülerund Studenten befinden sich in einem regen Austauschmit gleichgesinnten aus aller Welt. Auslandssemestersind schon lange keine Ausnahmemehr, sondern stellen oft die Regel in diversenAusbildungen dar. Das Erasmusprogramm ist eingutes Beispiel dafür. Die europaweite Reise- undBildungsfreiheit stellt einen nicht mehr wegzudenkendenVorteil in der Berufswelt gegenüberden älteren Generationen dar. Märkte in derWirtschaft sind nicht mehr regional oder nationalsondern global. Umgangsformen, Bedürfnisse,Rollenbilder sind in unterschiedlichen Teilender Welt bekannter Weise unterschiedlich. Dasalles kann man in Büchern nachlesen, aber eszu erleben und zu wissen wie es sich anfühlt als„AusländerIn“ in einem anderen Land gelebt zuhaben ist nur durch Kurse nicht lernbar.Bei allem Lob für Erasmus, kämpft aber auch diesesmit einigen Problemen. Die Finanzierungshilfefür ein Auslandssemester stellt zwar eineHilfestellung dar, aber im Ausland kann man davonkein halbes Jahr leben. Ohne entsprechendeHilfe z. B. der Eltern, ist dieses Programm nichtfinanzierbar. Das zeigt auch deutlich, wieso invielen Fällen der Bildungsgrad der Eltern „vererbt“wird und nur wenige Menschen tatsächlicheinen Aufstieg schaffen.35


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAAuslandserfahrung ist auch bei Jobausschreibungenund Lebensläufen sehr wichtig. Wiebereits erwähnt stellt „Auslandserfahrung“ invielen Fällen eine Basis für eine erfolgreiche Bewerbungdar. Interessant in diesem Zusammenhangist, dass aber nur „zählbare“ Erfahrungpositiv gewertet wird. Ein Jahr Weltreise reinprivat wird als Lücke im Lebenslauf betrachtet,und man wird schnell gefragt, was man den indieser Zeit getan habe. Fremde Kulturen kennenzulernenwird offensichtlich nicht als relevanterKompetenzgewinn bewertet. Hier wäre es an derWirtschaft möglicherweise ein Umdenken einzuleiten.Für die Zukunft wäre zu wünschen, dass dieBildungsthematik in Österreich endlich an Stellenwertgewinnt und die Politik ebenso wie Betroffeneerkennen, dass Stillstand niemandenweiterbringt. Die Leidtragenden sind in jedenFall die Bürger von Morgen, und gerade sie solltendie Wettbewerbsfähigkeit Österreichs aufrechterhaltenkönnen.Lösungen nach Maß: ESA - passendeAutomatisierungskonzepte für jede BrancheMANY NEEDS . ONE SOLUTION - Das istunser Leitspruch, der seit der Gründung1991 erfolgversprechend zu ESA ElektroAutomation GmbH steht.Als IHR Anbieter von Gesamtlösungen inder Automatisierungstechnik garantierenwir Ihnen einen reibungslosen Projektablaufund durch unseren Projektleitereine zentrale Ansprechperson für alle IhreFragen und Anliegen!Für die gesamte Industrie und für Unternehmenjeder Größe bieten wir umfassende,praxisbewährte Lösungen: Dennnur mit der individuell besten Lösunglassen sich die Herausforderungen derZukunft hervorragend bewältigen!Service & TechnikWir verhelfen Ihnen zu einem einwandfreienAblauf Ihrer Prozesse durch: unsere Online-Störungssuche Fernunterstützung durch Experten individuellen BeratungsserviceUnsere speziell auf weltweiten Service &Support sowie Störungsbehebung fokussierteAbteilung bietet Ihnen den optimalenOnsite Service mit rascher Hilfestellungin Notfällen.Mit ESA sind Sie auf der sicheren SeiteBleiben Sie auf Erfolgskurs - optimierenSie Ihre Wettbewerbsfähigkeit, senkenSie spürbar die Kosten und erhöhen Siedie Produktivität Ihres Unternehmens!Wir stellen Ihnen die Verbindung desWarenwirtschaftssystems mit der Produktionher.Mit unserem MES-System behalten Sie alsManager alle Abläufe Ihres Betriebesnoch besser im Auge und Sie sparen wertvolleZeit!IHR Partner mit Know-how in den Bereichen Planung & Engineering Schaltschrankbau E-Installationen / Montage Automatisierungstechnik Visualisierung / Leitsysteme MES-Software / OPICOM Elektro-Thermografie Service & SupportA-3322 Viehdorf . Hauptstraße 10 . Tel. +43 7472 63098 . Fax DW 20 . office@esa-at.at . www.esa-at.at36MANY NEEDS . ONE SOLUTION


SchwerpunktthemaDonaukratieDI Dr. Tania BergerDonau Universität KremsIntelligenter KorridorDas Potenzial des Donauraums in Bildung,Wissenschaft und Forschung ist beträchtlichSeit jeher war die geografische Lage an der Donauein Fundament für grenzüberschreitendeKooperationen. Heute leben im Donauraummehr als hundert Millionen Menschen aus denunterschiedlichsten Kulturkreisen. Eine seinergrößten Herausforderungen liegt in der verbessertenZusammenarbeit zu Fragen der Bildung.Die Donau-Universität Krems gestaltet dabeials wesentliche Akteurin die Wissenslandschaftim Donauraum mit und setzt sich mit sozialenBrennpunktthemen der Zukunft auseinander.„Die geografische Lage an der Donau, die unsereLänder als Lebensader verbindet, war seit jeherein idealer Nährboden für die Zusammenarbeit,die nicht vor nationalen Grenzen halt macht“,meinte etwa der Österreichische WissenschaftsministerKarl-Heinz Töchterle im vergangenenMai anlässlich der „Donauraum-Minister/innenkonferenz“in Bratislava. Die intensiven Handelsbeziehungenin der Region seien dafür eindeutlicher Beweis, ebenso die sich dynamischentwickelnde Mobilität und die Vielfalt an Kooperationenin Wissenschaft und Forschung.Die Donauländer gelten vielen Beobachtern heuteals Regionen mit dem höchsten Entwicklungspotentialinnerhalb Europas. Rund 20 Prozentder europäischen Bevölkerung leben hier unddazu zählen auch drei Millionen Studierende.Ein wesentliches Instrument der wissenschaftlichesZusammenarbeit im Donauraum wurde37


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADI Dr. Tania Berger ist ausgebildete Architektin undpromovierte Bautechnikerin. Sie etabliert derzeit amDepartment für Migration und Globalisierung der Donau-UniversitätKrems den Fachbereich „Social Housing“auf, der sich zum einen auf nationaler Ebene mit Integrationim Wohnen befasst und im internationalen Kontextmit Urbansierungsprozessen.Vor ihrer momentanen Aufgabe hatte sie die Projektleitungin wissenschaftlichen Forschungsprojekten auf nationalerund EU-Ebene zu Themen des EnergieeffizientenBauens, Niedrigenergie- und Passivhausbau, gebäudeintegrierteFotovoltaik, und Folgen des Klimawandels fürGebäudenutzung inne.bereits 1983 mit der Donaurektoren-Konferenzins Leben gerufen: Sie ist das größte Netzwerkfür Wissenschaft und Forschung im Donauraum.Mehr als 50 Bildungsinstitutionen, unter ihnenauch die Donau-Universität Krems, sind dabeieingebunden. Der Austausch von Lehrenden undStudierenden und Aktivitäten im Qualitätsmanagementsind zentrale Anliegen dieses Netzwerkes.Bewegung schafft VerbindungEuropas mächtigster Strom gab der Donau-UniversitätKrems ihren Namen – beide sind inBewegung und schaffen Verbindungen. Die Donau-Universitätbildet viele StudentInnen ausSüdosteuropa aus und hat seit ihrer Gründung1994 gute Kontakte zu ihren Nachbarn im Ostenund Südosten gepflegt. Daraus sind zahlreicheKooperationen mit ost- und südosteuropäischenHochschulen entstanden. Die universitäre Zusammenarbeitzwischen den zehn Ländern desDonauraumes soll dabei forciert und die Positionder Donau-Universität Krems als mitteleuropäischesKompetenzzentrum für Weiterbildungausgebaut werden.Im Entwicklungsplan der Donau-UniversitätKrems ist dieses Engagement im Donauraumfestgeschrieben: „Neben dem gesetzlichen AuftragSchwerpunkte in der postgradualen Weiterbildungin Zentral- und Osteuropa zu setzen,sind es die zahlreichen Kooperationen mit Hochschulen,die die Universität für Weiterbildungim Donauraum verankern“, erläutert ViktoriaWeber, Vizerektorin für Forschung und Nachwuchsförderungder Donau-Universität Krems.Die Mobilität von WissenschaftlerInnen mittelsEU-Förderungen zu erhöhen, sei dabei wesentlichfür erfolgreiche Projekte.Innovative Ausbildungskonzeptein der BildungslandschaftEin gelungenes Beispiel des interuniversitärenEngagements der Donau-Universität Krems istder von den ExpertInnen des Departments fürWeiterbildungsforschung und Bildungsmanagemententwickelte Lehrgang in Hochschulmanagementan der Universität von Novi Pazar inSerbien.Das EU-Projekt „Vernetzte und gestufte AusundWeiterbildung im Bildungsmanagement“( BIMA-In) ist ein weiterer Grundpfeiler derHochschulbildung im Donauraum. Dabei arbeitetedie Donau-Universität in Kooperation mitsieben Universitäten in Russland, Weißrusslandund der Ukraine zusammen, um in diesen LändernMasterlehrgänge für das Bildungs- undHochschulmanagement zu entwickeln.Die grenzüberschreitende Initiative MOREMS– Modernisation and Reconstruction of UniversityManagement and Structure – ist ein weite-38


SchwerpunktthemaDonaukratieres Projekt, an dem die Donau-Universität partizipiert.Ziel des Projektes ist es, eine moderneHochschulorganisation einzuführen, die Zusammenarbeiterfolgt mit Partneruniversitäten inDeutschland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien,Mazedonien und Serbien.Interdisziplinär, innovativund kundenorientiertDas Interesse an den Studienangeboten universitärerWeiterbildung der Donau-UniversitätKrems ist auch im 18. Jahr ihres Bestehens ungebrochengroß. Die Zahl der Studierenden ist erneutdeutlich gewachsen, sie kommen aus mehrals 87 Ländern weltweit, ihr Durchschnittsalterbeträgt knapp 40 Jahre, der Anteil weiblicherStudierender liegt bei über 50 Prozent.Die Absolventinnen und Absolventen der Donau-UniversitätKrems sind mit ihrem Weiterbildungsstudiumhoch zufrieden und stellen derUniversität Bestnoten aus. Dies zeigt die vorwenigen Wochen veröffentlichte Alumni-Studie2012, für die alle AbsolventInnen des Jahres2011 befragt wurden. Eine große Mehrheit derehemaligen Studierenden würde die Donau-UniversitätKrems auf jeden Fall oder wahrscheinlichweiterempfehlen und sie wieder für ein Weiterbildungsstudiumwählen. Als häufigste Gründefür die Weiterempfehlung werden die Qualitätder Vortragenden, die gute Betreuung, der berufsbegleitendeAufbau des Studiums sowieLehrinhalte und Praxisorientierung genannt.„Die gute Bewertung der Donau-UniversitätKrems und ihrer Studienangebote durch unsereAbsolventInnen freut uns sehr. Wir nehmen diesals Verpflichtung, auch künftig innovative, hochqualitative berufsbegleitende Weiterbildungsstudienzu entwickeln“, sagte Vizerektorin ViktoriaWeber bei der Präsentation der Alumnistudie.Interdisziplinär, innovativ, praxis-, markt- undkundenorientiert sind die Attribute, die Absol-39


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAventInnen der Donau-Universität Krems amstärksten zuschreiben. Dies spiegelt sich auch inden häufigsten Gründen, die für eine Wahl derDonau-Universität Krems genannt wurden. Nebendem berufsbegleitendem Aufbau des Studiumssind dies die Lehrgangsinhalte sowie derenhohe berufliche Verwertbarkeit.Noch immer aber finanziert die Mehrheit derStudierenden ihr Weiterbildungsstudium selbst:So haben 53 Prozent der AbsolventInnen ihrenUniversitätslehrgang vollständig privat finanziert.Arbeitgeber unterstützen ihre MitarbeiterInnensowohl durch Mitfinanzierung derStudiengebühren (31 Prozent) als auch durchFreistellung für die Präsenzzeiten an der Universitätoder flexible Gestaltung der Arbeitszeiten.Von der Donau nach EuropaEuropäische Antworten auf globale Fragen zufinden, dieser Herausforderung will sich auch dasneue Zentrum für Europa und Globalisierung unterder Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gudrun Bifflan der Donau-Universität Krems stellen, das imJuni 2013 mit einem Symposium eröffnet wurde.Im Fokus des neuen Lehr- und Forschungsbereichssollen die vielfältigen HerausforderungenEuropas in einer globalen Welt stehen.Unter Bündelung der vorhandenen Kompetenzensollen künftig interdisziplinäre Forschungsprojekteund Weiterbildungsangeboteermöglicht werden, die sich Themen wie Bildung,Mobilität oder Demokratisierung im europäischenRaum widmen. „Dafür braucht es gesellschaftspolitischeWeichenstellungen, die ohnewissenschaftliche Analysen nicht möglich sind“,sagte Dekanin Biffl bei der Eröffnung in Krems.Die Themen Europas, die Chancen, Ziele undHerausforderungen der Union standen dementsprechendauch im Mittelpunkt des Eröffnungs-Symposiums.Die europäische KohäsionsundFinanzpolitik waren dabei ebenso angeregt40


esprochene Themen wie der europäische Hochschulraum,die Herausforderungen neuer Technologienfür die Teilhabe am europäischen Demokratisierungsprozessund Mobilität innerhalbEuropas zur Stärkung der Identität und des Wirtschaftswachstums.Soziale Brennpunktthemender ZukunftNeue Herausforderungen kommen auf europäischeGesellschaften auch in der Aufgabe der Integrationvon größeren Zuwanderergruppen zu.Während die Notwendigkeit zum Handeln hier inden Bereichen Arbeitsmarkt und Bildung schonvielfach erkannt und vielfältige Programme undAktivitäten initiiert wurden, blieb das ThemaWohnen bisher weitestgehend unberücksichtigt.Dabei betrifft Integration längst nicht mehrnur Menschen aus verschiedenen Herkunftsländernund Kulturen sondern insgesamt unserezunehmend diverse Gesellschaft. Gerade imWohnbereich kann es zu mitunter sehr heftigenKonflikten kommen – Wohnen muss schließlichjeder und die Anforderungen und Bedürfnisse imunmittelbaren Wohnumfeld divergieren zusehends.Gleichzeitig stellt Wohnen als Lebensmittelpunkteine Art „Zuhausefühlfaktor“ dar, derals Integrationsinstrument genutzt werden will.Ein neuer Lehrgang der Donau-UniversitätKrems vermittelt nun Praxiswissen um mit Konfliktenin diesem Spannungsfeld professionellumgehen zu können.„Gut ausgebildete MitarbeiterInnen bei Wohnbauträgern,Haus- und Gemeindeverwaltungen,bei Gebietsbetreuungen und in der Sozialarbeithelfen Mühen und Kosten für die Schlichtungvon langwierigen Konflikten zu minimieren, indemsie die Initiative ergreifen und attraktiveWohnumfelder schaffen,“ so Tania Berger, dieden Lehrgang „Migrationssensibles Wohnmanagement“leitet. Damit wird an der Donau –Universität Krems, im Herzen des Donauraums,auch weiterhin Zukunftsarbeit an sozialenBrennpunktthemen geleistet.Hans WondraczekMBA, CMC, CSEGeschäftsführerUnternehmensberaterAls Unternehmer oder Manager verändern sie laufendmit Ihren Entscheidungen das Innen und Außen ihrerOrganisation, Ihres Unternehmens. Wir BeraterInnenunterstützen Sie dabei entsprechend Ihrem Anliegenund Ihren Vorstellungen mit unserem speziellen Wissenund Können.Die drei Geschäftsbereiche der oit:Business ConsultingBMD Vor Ort Partner –Business Software ImplementierungWirtschaftrainingDie Kompetenz der oit liegt in der StrategischenNeuausrichtung und Optimierung IhresUnternehmens, damit sie den Anforderungen derrasanten Änderungen am Markt, der Technik undGesellschaft gerecht werden.Die Berater der oit denken und handeln striktressourcen- und lösungsorientiert. Sie beschäftigensich daher weniger mit Analysen, sondern kommenunter Miteinbeziehung der vorhandenen Ressourcenund Potentiale rasch zur Umsetzung von Lösungen, diealle relevanten Personen miteinbezieht.Betriebsübergaben und Unternehmenskäufe stelleneine besondere Herausforderung dar. Gemeinsam mitKäufer und Verkäufer, Übergeber und Übernehmeraktivieren wir alle vorhandenen Potentiale imUnternehmen, damit dieser Prozess ein voller Erfolgwird.Die Beratungstätigkeit der oit ist durch vollesVertrauen in die Fähigkeiten und Potenziale vonMenschen und Organisationen geleitet._____________________________________________OIT Hans Wondraczek GmbH │ Wir erwecken Freude im BetriebBusiness Consulting │ Coaching │ BMD VorOrtPartner │ www.oit.at+43 664 5 31 31 41 │ Office: +43 2732 731 10│ office@oit.atCampus West │ Dr.-Karl-Dorrek-Strasse 23 │ 3500 Krems an der Donauwww.xing.com/profiles/Hans_Wondraczek


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADr. Christian Ernst Fuchs, MBA, CSE –Senator im SENAT DER WIRTSCHAFTDie Sprachlosigkeitder EuropäerWie Unternehmen von der Mehrsprachigkeitihrer Mitarbeiter profitierenMit der Erweiterung der Europäischen Union auf28 Mitgliedstaaten ist der europäische Wirtschaftsraumder größte gemeinsame Markt derWelt. Über 500 Millionen Einwohner dürfen sichmit der Mehrsprachigkeit dieses gemeinsamenRaumes auseinandersetzen. Nach der letzten EurobarometerUmfrage geben etwas mehr als dieHälfte der EU – Bürger (54%) an, sich in mindestenseiner Fremdsprache unterhalten zu könnenund es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass dieMehrsprachigkeit zunimmt.Der Status quoDie Mehrheit der europäischen Bürger sieht sichnicht als aktiver Fremdsprachenlerner und nureine Minderheit (14%) hat innerhalb der letztenzwei Jahre das Erlernen einer Sprache fortgesetzt.Zugleich aber wissend, dass die Vorteileeiner neuen Sprache insbesondere im Ausland arbeitenzu können, bei Geschäftsreisen ordentlichkommunizieren zu können oder einfach nur dieSprache im Urlaub zu nutzen, enorm sind. ZweiDrittel der EU -Bürger sehen Englisch (67%)als wichtigste Sprache an, gefolgt von Deutsch(17%), Französisch (16%), Spanisch (14%) undChinesisch (6%). Bemerkenswert auf alle Fälleist, dass 98% der europäischen Bürger davonüberzeugt sind, dass es für die Zukunft ihrerKinder wichtig ist, andere Sprachen zu lernen.Es herrscht auch in hohem Maße darüber Übereinstimmung(84%), dass jeder in der EU in der42


SchwerpunktthemaDonaukratieLage sein sollte, mindestens eine Fremdsprachezu sprechen. Aber davon sind wir noch weit entfernt!Es gibt eine sehr aussagekräftige Elan Studiemit 2.000 exportierenden KMU Betrieben in29 Staaten. Wegen Kommunikationshindernissengehen 11% der exportierenden Klein- undMittelbetriebe definitiv Aufträge verloren. Übereinen Zeitraum von drei Jahren bedeutet dieseinen Verdienstentgang pro Unternehmen von€ 325.000,– Dies aber bei den Unternehmungen,bei denen sich die Firmen über tatsächliche beziehungsweisemögliche Geschäftseinbußen imKlaren waren. Die tatsächlichen Zahlen könntenjedoch viel höher sein. Hochgerechnet aufdie 945.000 KMU Betriebe in den 29 Ländernkommt man auf einen theoretischen Geschäftsentgangvon rund 307 Millionen Euro.Die Vorteile der Sprachkenntnisse zeigt folgendesBeispiel aus der Praxis bestens auf. Ein namhaftesösterreichisches Unternehmen im Investitionsgüterbereichließ für ein Russlandprojektseine Marktverantwortlichen ein Basistrainingin Russisch absolvieren. Das Sprachtraining warpraxisgerecht aufgebaut und ganz klar strukturiert.Das Feedback des CEOs an das durchführendeUnternehmen CEF: „Der ausländischeMitbewerb hatte ein etwas besseres Produkt undauch einen attraktiveren Preis. Es war anzunehmen,dass der Auftrag für uns verloren gegangenwäre. Aber Irrtum! Aufgrund der sprachlichenQualifikationen unserer Mitarbeiter konnte einfundiertes Vertrauensverhältnis und Sympathieaufgebaut werden. Wir haben das Projektbekommen und dank der Sprachkenntnisse unseresProjektteams haben wir einen lukrativenAuftrag an Land gezogen!“Ganz ehrlich; wir kaufen doch auch lieber dieProdukte und Dienstleistungen die wir benötigen,bei Menschen die wir mögen! Sprache undEin PraxisbeispielDr. Christian Ernst Fuchs ist Geschäftsführer des 1983gegründeten Sprachinstituts CEF – dem führender Anbietervon Sprachausbildung, Übersetzung und Dolmetschfür Unternehmen in Österreich. CEF ist mit Instituten inWien, Linz Salzburg, Graz und Dornbirn präsent sowiemit Auslandsrepräsentanzen europaweit. Pro Jahr werdenrund 8000 Seminarteilnehmer/innen sprachlich ausgebildet.CEF ist ein Mitgliedsunternehmen im SENAT DERWIRTSCHAFT. www.cef.at43


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAinterkulturelle Kompetenz sind zweifelsohnegerade im Exportgeschäft ein wesentliches Asset,um diese Verbundenheit herzustellen. Dabeigeht es nicht um sprachliche Perfektion, sondernvielmehr um eine praxisorientierte Anwendungder Kenntnisse.Jetzt etwas „unternehmen“Hans Harrer, Vorstand im SENAT DER WIRT-SCHAFT, führt dazu aus: „Bei unserer Senatsarbeithaben wir intensiven Kontakt unteranderem mit Unternehmerinnen und Unternehmernaus dem Donauraum, sowie dort tätigenInstitutionen. Es ist begeisternd, wie sichEntscheidungsträger in diesen Regionen um denSpracherwerb bemüht haben. In vielen Fällen bemerkenwir, wie groß der Nachholbedarf in diesemBereich in Österreich ist. Der SENAT DERWIRTSCHAFT fordert daher auf, diesem wesentlichenAspekt Aufmerksamkeit zu schenken undauch in diese Richtung etwas zu ‚unternehmen’– damit Unternehmerinnen und Unternehmerihrem Namen auch gerecht werden. Der Erwerbvon Fremdspachenkenntnissen wird mehr undmehr zu einem Gradmesser der Zukunftsfähigkeitvon Unternehmen werden – daran bestehtkein Zweifel.“Donau City Tower 1, WienPERI ist international der größteHersteller und Anbieter vonSchalung- und Gerüstsystemen –und hilft, mit innovativen Systemgerätenund umfangreichenServiceleistungen noch rationeller,wirtschaftlicher und sichererzu bauen.So beispielsweise erlaubt diePERI Klettertechnik die Umsetzungbeeindruckenderarchitektonischer Entwürfe –insbesondere auch bei der Errichtunghoher Bauwerke. Mitihrem Know-how finden diePERI Spezialisten die kostengünstigstenLösungen für dieunterschiedlichsten Aufgaben.AT PERI/13.103Flexible und wirtschaftliche Systemlösungenfür komplexe Groß- und InfrastrukturprojektemyPERI Ihr Online PortalProjektdaten und Arbeitshilfen rund um die Uhr | www.myPERI.atSchalung GerüstEngineeringwww.peri.at


Jochen ResselProgramm-Koordinator, EDFSDen Donauraumgemeinsam„bewirtschaften“!Das EUROPEAN DANUBE FORUM SPITZals wirtschaftliche Umsetzungs-InitiativeDie Europäische Union hat mit der von ihr entwickeltenund etablierten Donauraumstrategiedas Ziel, allen BürgerInnen des Donauraumsbis 2020 bessere Chancen auf höhere Bildung,Beschäftigung und Wohlstand in ihrer Heimatregionzu ermöglichen. (EK KOM(2010) 715).Dabei sollen bereits vorhandene Strukturen undRessourcen effizient genutzt und koordiniertwerden. Das betrifft unterschiedliche politischeEbenen, verschiedene sektorale Strategien undFinanzierungsinstrumente.Wissenträger/innen und Führungspersönlichkeitender Bereiche Politik, Wissenschaft undVerwaltung haben daher in den letzten Jahrenund Jahrzehnten eine Anzahl von Institutionenins Leben gerufen, die sich mit unterschiedlichenAspekten beschäftigen, die für den Donauraumrelevant sind. Einige davon wurden anlassbezogen,z. B. zur Friedenssicherung als Folge desBalkan-Krieges, andere aus ideellen Motivenheraus gegründet. Woran es allerdings nochfehlt, ist eine Plattform, die der wirtschaftsentwicklungsbezogenenVernetzung all dieser Institutionendient. Viele der Ideen und Konzeptewerden ohne eine entsprechende Unterstützungvon Unternehmen viel zu selten Realität. Es sind45


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAschlussendlich die Unternehmen im Donauraum,die Arbeitsplätze bereitstellen, an nachhaltigenWertschöpfung interessiert sind unddaher Projekte vorantreiben, die für die eigeneUnternehmensentwicklung von essentiellem Interessesind.Eine verbindende InitiativeDer SENAT DER WIRTSCHAFT verfügt mit seinemPräsidenten Dr. Erhard Busek über einender wohl profundesten Kenner des Donauraums,der – wie so oft in Österreich – außerhalb derLandesgrenzen als Experte, Kenner und Vermittlerganz besonders geschätzt und geachtet wird.Gemeinsam mit Senatsvorstand Hans Harrer,der im Donauraum als Unternehmer im BereichGesundheitswesen, Hotellerie und Gastronomiesowie Immobilienentwicklung seit Jahrzehntenmit einer Vielzahl an Unternehmen äußerst erfolgreichtätig ist, wurde die Notwendigkeit einerwirtschaftsorientierten „Andockplattform“ allerim Donauraum tätigen Institutionen in einen organisatorischenRahmen gegossen, dem EURO-PEAN DANUBE FORUM SPITZ.Hans Harrer erklärt die Ausrichtung dieser Initiativefolgendermaßen: „Primär handelt es sichdabei um eine ganzjährige Arbeitskreis-, Symposien-und Fachkongress-Initiative für die Wirtschaftsentwicklungdes Donauraums. Das EURO-PEAN DANUBE FORUM SPITZ verbindet aktivalle im Donauraum tätigen Institutionen mit derWirtschaft. Durch diese Verbindung werden ausIdeen und Visionen konkrete, wirtschaftlich relevanteProjekte, bei denen Unternehmerinnenund Unternehmer aktiv anpacken und dadurchökonomischen Erfolg für ihr Unternehmen, wieauch ökologischen und sozialen Erfolg für denDonauraum realisieren.“Der Know-how-Poolfür die WirtschaftDurch diese Zielsetzung unterstützt das EURO-PEAN DANUBE FORUM SPITZ und die damitverbundenen Unternehmen auch die Initiativender Europäischen Union zur Entwicklung des Donauraums.Das ist der Grund, warum der SENATDER WIRTSCHAFT als Hauptinitiator weiterePartnerorganisationen zur Realisierung mit anBord geholt hat. Deren Mix deckt verschiedensteTätigkeitsbereiche im Donauraum ab.INSTITUT FÜR DONAURAUMUND MITTELEUROPA (IDM)Fördert die Zusammenarbeit und leistet Grundlagenarbeitfür Behörden und Institutionen inden Bereichen Wissenschaft, Kultur, Politik,Wirtschaft und Verwaltung und versteht sichals Clearinghouse für die Belange des Donauraumssowie Mittel- und Südosteuropas. IDMunterstützt die Arbeit der Botschaften, Handelsvertretungen,Kulturinstitute und Fremdenverkehrsvertretungen.www.idm.atEUROPÄISCHE DONAUAKADEMIE ULM (EDA)Widmet sich insbesondere den KooperationsundIntegrationsprozessen im Donauraum imHinblick auf die Förderung von Völkerverständigung,kultureller, wissenschaftlicher und demokratischerZusammenarbeit, der Entwicklungshilfesowie dem Umwelt- und Landschaftsschutz.Die Fachbereiche Geistes- und Sozialwissenschaften,Demokratie und Recht, Umwelt, Energieund Mobilität, Medizin und Public Healthsowie Kultur und Medien stehen dabei im Zentrum.www.donauakademie.euSOUTHEAST EUROPEANCOOPERATIVE INITIATIVE (SECI)Bemüht sich darum, die Zusammenarbeit zwischenden Regierungen der Region voranzutreibenund neue Kommunikationswege zwischenihnen zu erstellen. SECI erweitert die flächendeckendePlanung koordiniert notwendige Überarbeitungenfür eine bessere Einbindung des privatenSektors in die regionalen wirtschaftlichenund umgebungsbedingten Anforderungen.www.secinet.org46


RAT DER DONAUSTÄDTE UND-REGIONEN (CODCR)Ein politisches Gremium, von Städten und Regionenentlang der Donau, mit dem Ziel Gemeindenund Regionen entlang der Donau eine intensivereZusammenarbeit auf den verschiedenen Sachgebietenzu ermöglichen, in denen sie durch dieDonau gemeinsam betroffen sind. Das betrifftinsbesondere die Bereiche Verkehrsinfrastruktur,erneuerbare Energie, Kultur und Tourismus,Umweltschutz und Wasserqualität, Bildung undInformationsgesellschaft, Zivilgesellschaft, Ausbauvon Institutionen sowie die Stadt- und Regionalentwicklung.www.codcr.comDie Arbeitsweise desEUROPEAN DANUBE FORUMWie soll die Zielsetzung, diverse Projekte, Konzepteund Ideen verschiedener Institutionen mitder Wirtschaft zu verbinden aber gelebt werden?Dkfm. Gerhard Smutny, Geschäftsleiter des EU-ROPEAN DANUBE FORUMS, erklärt: „Kern derInitiative sind die Arbeitskreise, die vom Management-Gremiumeingesetzt werden. In diesenArbeitskreisen werden die Projekte konkretbesprochen, die Anforderungen der Wirtschaftklargemacht, die rechtlichen, ökologischenund sozialen Aspekte behandelt und festgelegt,in welchen Schritten man das Projekt umsetzenwill und welche Behörden, Insititutionenund Meinungsbildner dabei eine Rolle spielen.Schlussendlich wird überprüft, ob das Projektauch seitens der EU relevant ist und gefördertwird. Unternehmen haben daher die Möglichkeit,in diesen Arbeitskreisen führend voranzugehen,um für sich selbst ökonomisch relevanteProjekte auf die Strasse zu bringen.“Jochen Ressel, im Rahmen des EUROPEAN DA-NUBE FORUMS für die Programm-Koordinationverantwortlich, ergänzt: „Bedarfsorientiert undthemenbezogen werden wenn nötig und sinnvollergänzende Symposien abgehalten, um aktuelleProjekte in der Öffentlichkeit zu diskutieren undvorzustellen. Außerdem findet einmal pro Jahrein mehrtägiger internationaler Fachkongressdes EUROPEAN DANUBE FORUM SPITZ statt,bei dem aktuelle Entwicklungen im Donauraumgeortet, Bedürfnisse erhoben und notwendigeInitiativen in die Wege geleitet werden. Ergebnisseder Arbeitsgruppen und konkret umgesetzteWirtschaftsprojekte werden in diesem Rahmenebenfalls vorgestellt. Bei der Fachkonferenz stehendie Bereiche Bildung, Infrastruktur, Logistik,Tourismus und Energie im Zentrum.“Als Unternehmerin undUnternehmer Teil derInitiative werdenUnternehmen haben jetzt die Gelegenheit, sichaktiv mit ihren Wirtschaftsentwicklungsprojektenund Ideen als gestalterische Kraft einzubringen.Dazu Hans Harrer: „Es gibt aus dem Umfelddes SENAT DER WIRTSCHAFT und darüber hinausviele Unternehmerinnen und Unternehmer,mit denen ich in Kontakt bin, die ganz konkreteProjekte in ihrem eigenen Geschäftsbereichim Donauraum umsetzen wollen, um Umsatz,Gewinn und Arbeitsplätze zu generieren, denenaber die Einbettung in die institutionellen Gegebenheitenbei der EU sowie bei den Städten undLändern des Donauraums fehlt. Alle diese sindaufgefordert, sich jetzt ins EUROPEAN DANUBEFORUM einzubringen. Gemeinsam können wirden Donauraum sinnvoll ‚bewirtschaften’ undmithelfen, das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden.“EUROPEAN DANUBE FORUM SPITZ – eine ganzjährigeArbeitskreis-, Symposien- und Fachkongress-Initiativefür die Wirtschaftsentwicklung des Donauraums.Jetzt Gesprächstermin vereinbaren und konkreteIntegrationsmöglichkeiten für Unternehmenorten: office@danubeforum.org47


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMACristi Danilet is currently Member of the RomanianSuperior Council of Magistracy, the council which ensuresthe independence of justice and proposes judges andprosecutors to be appointed by the President of Romania.Between Jan. 2005 and May 2007 he was Counsellor tothe Minister of Justice. He specialised in Criminal Lawand published a number of studies, articles and books inthis field.48


SchwerpunktthemaDonaukratieJudge Cristi Danilet – member of the RomanianSuperior Council of MagistracyRomaniaon the right wayHow to implement and secure therule of law after decades of corruptionRomania is the seventh biggest country in Europewith a population of 21 million inhabitants. Ithas every existing landform – sea, plains, hills,mountains, and the Danube Delta. Its land isrich in natural deposits, and holds a tremendouspotential for tourism. Romania has a great past.But it also has a present which Romanians arenot always proud of. Due to its past, strongly relatedto the Soviet Union, Romania is a countrywhich still has huge administration, legislation,corruption and justice issues.My status as a judge forbids me to politicise. Butit equally obliges me to talk, whenever I have thechance, about the rule of law. And Romania hasbeen trying to respect the rule of law – as a statewhere law is enforced and judges are respected.Romania before theAccession to the EUIn 1995, Romania applied for membership of theEU. In 2004, the negotiations for the accessionended and Romania still had to deal with the problemsof justice and corruption.During the following two years, the Romanianjustice underwent important changes:• a reform strategy for justice was made up;• an elite unit of the prosecutor’s office wasreorganised to specialise solely in the fightagainst corruption on a high level (until thatpoint, the field under question had neverbeen subject to attention, and between 2002and 2004 only 2 cases were known – concerninga politician and a judge, respectively);• senior judges and prosecutors stemming fromthe communist era retired (at present, themost prosecutors are under 40–45 years ofage);• the principle of randomly assigning the caseswas introduced (previously the chief of courthad assigned the files);• assessments were held to occupy leadingpositions in courthouses and prosecutoroffices (these positions had before been filledat Minister of Justice‘s proposal);• The Judicial Council responsible for recruiting,promoting, transferring and sanctioningjudges and prosecutors, was set up – as49


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAa council made up of a majority of judgesand prosecutors elected by their peers and inwhich the Minister of Justice only holds onevote.Romania after the AccessionRomania‘s political class has kept many of theapproaches of the communist era. Being familiarwith Romanian politicians’ lack of seriousness inkeeping commitments, the European Commissionagreed to establish the Cooperation and VerificationMechanism (CVM) for Romania afterits accession. CVM has not yet been removed, althoughit has been a long time since 2007 whenRomania joined the EU, as there are still somebenchmarks to complete:• Ensure a more transparent and efficientjudicial process, notably by enhancing thecapacity and accountability of the JudicialCouncil;• Report and monitor the impact of the newcivil and penal procedure codes;• Establish, as foreseen, an integrity agencyresponsible for verifying magistrates’, publicservants’ and politicians’ assets, incompatibilitiesand potential conflicts of interest, andfor issuing mandatory decisions on the basisof which dissuasive sanctions can be taken;• Building on progress already made, continueto conduct non-partisan investigations intoallegations of high-level corruption;• Take further measures to prevent and fightagainst corruption, in particular within thelocal government.By joining the EU, Romania was put on the mapof Europe: foreign investors came, the constructionof motorways began, and community legislationwas integrated. The problems my countrystill has to face up are the slowness of justice andwidespread corruption.Romania and the Schengen AreaAlthough Romania meets the technical requirementsfor its borders, the country has not yetbeen included in the Schengen Area, due to itscorruption. This is an understandable fact, astens of frontier police officers and customs officersfrom three border check points were arrestedtwo years ago after having been monitoredfor a whole year by the secret services.The Romanian anticorruptionHaving understood what disastrous effects corruptioncan have on Romania, both on nationaland international level, some judges and prosecutorshave assumed the role of corruption fighters.A young prosecutor became the Head of the NationalAnticorruption Directorate and his teammanaged to investigate and send to trial manypeople thought to be intangible. Between August2006 and October 2012, more than 4,700 peoplewere sent to trial for deeds of corruption, half ofwhich held high decision-making and controllingpositions on a central and local level. Amongthem there were 23 Members of Parliament,15 Ministers and Secretaries of the State, eightprefects/under-prefects and just as many Presidentsof Local Councils, nine directors of nationalagencies who were Secretaries/Undersecretariesof the State, 40 chiefs of national and statemanaged companies, as well as 25 directors ofpublic institutions, 100 mayors, over 50 judgesand prosecutors, 500 police officers and multiplecustoms officers, fiscal inspectors, financial guardcommissioners, etc. Furthermore 90 percentof them were sentenced by the judges.On Judicial Council’s level, it has been understoodthe importance of the prevention of corruptionamongst magistrates. In 2007, I was thefirst judge to have the courage to speak publiclyabout corruption within the Romanian justice.Offended by my attitude, a number of 70 judgesand court clerks made complaints against me atthe Judicial Council which led to my being investigatedfor a year for breaking the deontologicalcode. Finally, the case was closed. Years passedand I was elected to be part of the Judicial Council.In November 2011, at my initiative, the Stra-50


tegy for Strengthening the Integrity within theJudiciary was approved. An Action Plan with detailedmeasures to increase the transparency, responsibility,and the management of courthousesand prosecutor offices was an integrated part ofthis Strategy. We have declared “zero tolerance”for judicial corruption.LOISIUMResidences4****S serviciertes Wohnungseigentumin der SüdsteiermarkPresent and FutureAt present, judges and prosecutors often reactagainst the Government’s and Parliament’s initiativesaimed at breaking the independence of thejudicial system. Afraid that the magistrates willinvestigate them, politicians have been trying tochange the laws in order to make justice dependenton them. They have even been trying to intimidatejudges and prosecutors by the means ofmass-media. Not being completely independentin Romania, the mass-media frequently obey topolitical orders. The “watchdog” of democracyhas transformed itself into a dog that bites offany head which does not bow.Although justice is not fully reformed yet, fortunately,we have got a new class of high-mindedand competent judges and prosecutors who donot get frightened or intimidated and who areproud to have such a noble profession. At thesame time, there are judges and prosecutors witha communist view who do not accept reformsand others who are just corrupt. Luckily these are“endangered species”.We have accepted to become part of the Europeanfamily. We committed to the European ideas,though it is also true that we are not quite comfortablewith some of them. Romania movesslowly, more slowly than Europe would like to seeit. But we are on the right way, the only possibleone!Die LOISIUM Residences in Ehrenhausen runden dasumfassende Leistungsangebot des LOISIUM Wine & SpaResorts Südsteiermark im Bereich individuelles Wohnen ab.Wohnungseigentumsapartments zwischen 65 und 95m2bieten sowohl dem Endkunden als auch dem Anleger dieGelegenheit sich seinen Wohntraum sorglos zu erfüllen.Die Apartments werden auf Wunsch vom Hotel serviciert.Für den Anleger kann auch die Vermietung organisiertwerden. Hier gibt es für jedermann individuelle Lösungen.Informieren Sie sich unter www.loisum.com/residencesüber die zahlreichen Möglichkeiten, um sich Eigentumin der begehrten Südsteiermark zu sichern!Ansprechpartner:VDir. Peter KothgasserMANDLBAUERMitglied im Senat der WirtschaftMail: kothgasser@mandlbauer.at - Tel: 0043 3159 2315 62


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMADr. Szabolcs Fazakas – Mitglied des Präsidiumsdes Europäischen RechnungshofesDie Rolle des EuropäischenRechnungshofes bei derjüngsten Erweiterung derEuropäischen UnionDer Europäische Rechnungshof hat in den letztenJahren als externer Auditor und auch als CuriaRationum mit ihren Sonderberichten Stellungzur Vorbereitung und Durchführung der Erweiterungsrundengenommen und mit seinenEmpfehlungen zur Verbesserung dieser Tätigkeitbeigetragen. Die Rolle des Europäischen Rechnungshofeswird allgemein begrüsst und anerkannt.Trotzdem ist es wichtig, dass nicht nurdie Empfehlungen des Rechnungshofes effektiververwirklicht werden, sondern die Tätigkeitdes Rechnungshofes selbst bezüglich der Erweiterungin der Zukunft noch gezielter geplant unddurchgeführt wird.Hat die EU-Erweiterungnoch Priorität?Trotz vermehrten Kritiken und Bedenken kannes grundsätzlich festgestellt werden, dass diejüngste Erweiterung der Europäischen Unionweiterhin, sowohl international wie auch inneneuropäisch,als ein großer Erfolg angesehenwerden kann. Die EU, die seit der Gründungder Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1950)ihren Mitgliedsstaaten Frieden, Stabilität undWohlstand garantiert hat, ist heute – dank denErweiterungsrunden – nicht nur der größteWirtschaftsraum der Welt, sondern auch eine52


SchwerpunktthemaDonaukratieDr. Szabolcs Fazakas promovierte an der Wirtschaftsuniversitätin Budapest und war in weiterer Folge imAußenhandelsministerium und als Botschafter tätig. Nachseiner Zeit im ungarischen Parlament war er von 2004bis 2009 als Abgeordneter im Europaparlament tätig undist seit 2010 Mitglied des Präsidiums des EuropäischenRechnungshofes.53


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAWertegemeinschaft, die die europäischen Grundideenwie Frieden, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeitund Menschenrechte verwirklicht.Mit ihrer Erweiterungspolitik hat die EU denTransformationsprozess in den Mittel-und OsteuropäischenLändern (oft als post-kommunistischeOstblockländer genannt) sehr positiv beeinflusst.Die Perspektive allein, sobald wie möglichein EU-Mitgliedsstaat werden zu können, hatdie wichtigen Reformprozesse in diesen Länderneindeutlich bestimmt und beschleunigt. Somitsind die notwendingen demokratischen undmarktwirtschaftlichenStrukturen im Zuge desTransformationsprozessesin diesen Länderngeschaffen, die zur politischenund wirtschaftlichenStabilität, nichtnur in diesen Ländernsondern in ganz Europabeigetragen haben. Mitdem Beitritt dieser Länder konnte die künstliche,politisch bestimmte Spaltung Europas nachdem zweiten Weltkrieg überwunden werden.Nach dem „Big Bang“ von 2004, als auf einmal10 neue Mitgliedsländer in die EU aufgenommenwurden, konnten Rumänien und Bulgarien imJahre 2007 EU-Mitgliedsländer werden und am1. Juli 2013 trat auch Kroatien der EU bei. Dasheisst, dass in den letzten 10 Jahren 13 Länder,so viele wie nie zuvor, der EU beigetretensind und damit hat sich die Anzahl der Länder,die Fläche und die Bevölkerungszahl der EU fastverdoppelt. Nach dieser historischen, nie dagewesenenErweiterung ist eine gewisse Erweiterungsmüdigkeitzum Vorschein gekommen, daletztendlich darf man nicht vergessen, dass dievertikale und horizontale Integration der EUHand in Hand gehen sollte. Es stellt sich die Frage:Ist die Erweiterung der Europäischen Unionweiterhin eine Priorität?Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass nach denletzten Erweiterungsrunden, beeinflusst durchdie anhaltende, globale Finanz- und Wirtschaftskriseseit 2008, die Mehrheit der BevölkerungEs ist es allen West-Balkanländern klar, dass siekeine andere reale Alternativezur EU-Mitgliedschaft haben.der alten Mitgliedsstaaten der Erweiterung keinePriorität mehr gibt. Deswegen wird auch immeröfter darauf hingewiesen, dass die Schlussfolgerungendes Europäischen Rates von Kopenhagen1993 nicht nur die politischen, marktwirtschaftlichenund institutionellen Bedingungen für dieBeitrittsländer festlegen (die sogenannten „KopenhagenerKriterien“), sondern auch daraufaufmerksam machen, dass die Erweiterungskapazitätder EU auch berücksichtigt werdenmuss und darauf hinweisst dass „die Fähigkeitder Union, neue Mitglieder aufzunehmen, dabeijedoch die Stoßkraft dereuropäischen Integrationzu erhalten, ebenfalls einensowohl für die Unionals auch für die BeitrittskandidatenwichtigenGesichtspunkt darstellt“.Das heisst im Klartext:Bis zur „Big Bang“-Erweiterungim Jahre 2004wurde nur geprüft, wieweit diese Kandidatenländerdurch ihre Reformen bereits in der Lage sind,die Kopenhagen-Kriterien zu erfüllen. Seit 2004wird nunmehr viel mehr darauf hingewiesen,dass die Erweiterungskapazitäten der EU selbstpolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzenausgesetzt sind, die man bei den politischenEntscheidungen über weitere Erweiterung derEU in Betracht ziehen soll.Es muss gleichzeitig auch bemerkt werden, dassheutzutage die europäische Perspektive selbstbei den südosteuropäischen Kandidatenländern(West-Balkanländer) aufgrund der anhaltendenglobalen Finanz- und Wirtschaftskrise, dieEuropa und die süd-europäischen Länder wirtschaftlichund sozial besonders hart trifft, nichtmehr so lukrativ erscheint wie vor 15 bis 20 Jahren.Trotzdem ist es allen West-Balkanländernklar, dass sie keine andere reale Alternative zurEU-Mitgliedschaft haben, weswegen sie sich bemühen,diese Perspektive zu verwirklichen.Trotz aller Bedenken ist die EU – politisch gesehen– weiterhin entschlossen diesen Entwicklungsprozessweiterzuführen, wie u. a. in den54


SchwerpunktthemaDonaukratieSchlussfolgerungen des Rates der AllgemeinenAngelegenheiten (11. Dezember 2012) zu lesenist: „Erweiterung bleibt eine entscheidende Politikder Europäischen Union.“ In Zeiten, in denendie EU verschiedene globale und interne Herausforderungenbewältigen muss, ist Erweiterungweiterhin ein wichtiges Mittel, womit Frieden,Demokratie, politische und wirtschaftliche Stabilitätin Europa gewährleistet werden kann.Die Entschlossenheit und Verpflichtung der EUbezüglich der Erweiterung ist auch finanziellwahrnehmbar: mit dem sogenannten „Instrumentfür Heranführungshilfe“ (IPA) unterstütztdie EU die Reformen in den beitrittswilligen Länderndurch finanzielle und technische Hilfe. DasIPA fördert verschiedene Projekte in den Kandidatenländerndie zur politischen, gesellschaftlichen,institutionellen und wirtschaftlichen Entwicklungdieser Länder beitragen und dadurchdiese Länder europareif machen. Eine besondereBedeutung kommt der Förderung der Absorptionskapazitätenin diesen Ländern zu, da dadurchdiese Länder fähig gemacht werden, nach demEU-Beitritt die ihnen zustehenden EU-Mitteleffektiv zu verwalten. Im Zeitraum 2007–2013beläuft sich das IPA-Finanzierungsvolumenauf11,5 Milliarden Euro.Nach dem aktuellen Vorschlagder EuropäischenKommission wird dasInstrument für Heranführungshilfefür dennächsten mehrjährigenDie EuropäischeKommission hat wichtigeLehren aus den früherenErweiterungen gesammelt.Finanzrahmen (2014–2020) modernisiert („IPAII“), wobei die verfügbare Summe steigen könnteund zwei Milliarden Euro pro Jahr ausmachenwürde.All das zeigt, dass der Erweiterungsprozess nachdem Beitritt des 28. Mitglieds und trotz der verringertenEuphorie gegenüber der EU-Erweiterungweiterhin vorangeführt wird. Nach demaktuellen Status sind z. Z. in Südosteuropa alleinMontenegro, Mazedonien, Serbien und die Türkei(Kandidatenländer), Albanien, Bosnien undHerzegowina sowie der Kosovo (potenzielle Kandidaten)beitrittswillige Länder. Um diese Erweiterungspolitikerfolgreich fortzuführen, mussman die Lehren der bisherigen Erweiterungsrundenprüfen und die Konsequenzen daraus für dieZukunft ziehen, dabei kommt die Rolle des EuropäischenRechnungshofes klar zum Vorschein.Die Rolle des EuropäischenRechnungshofs beider Durchführung derErweiterungspolitikDer Europäische Rechnungshof, als externer Auditorder EU ist für die Prüfung der EU-Finanzenzuständig und trägt mit seinen Jahres- und Sonderberichtenzur Verbesserung des EU Finanzmanagementsbei. Damit fungiert er zugleich alsunabhängiger Hüter der finanziellen Interessender europäischen Steuerzahler. Der Hof führtPrüfungen durch, um die Erhebung und Verwendungder EU Finanzmittel zu beurteilen. Erprüft, ob die Finanzoperationen richtig erfasstund ausgewiesen, rechtmäßig und ordnungsgemäßausgeführt und im Sinne eines sparsamen,wirtschaftlichen und wirksamen Mitteleinsatzesverwaltet wurden(die bekannten triple E:Economy, Effectivenessand Efficiency). Durchseine Arbeit fördert derHof Accountability undTransparenz. Bei derHeranführungshilfe derKandidatenländer werdenwesentliche EU-Mittel angewendet. Deswegenhat der Europäische Rechnungshof dieAufgabe und Verpflichtung zugleich, die Verwendungdieser EU-Hilfen zu prüfen. Im Volksmundheissen diese Berichte „Länderberichte“, obwohlsie nicht die Länder selbst, sondern die Kommissionund ihre Tätigkeit als Gegenstand der Prüfunghaben. Die Folgerungen und Empfehlungender Berichte können auch naturgemäss nur dieKommission betreffen, aber letztendlich gebensie einen Einblick über den Stand der Vorbeiterungenin den betroffenen Länder und dienen55


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAnicht nur zur Verbesserung der Förderpolitik derEU, sondern tragen auch dazu bei dass diese Kandidatenländer,den Kopenhagen-Beitrittskriterienbesser und schneller entsprechen zu können.Im Jahre 2006 wurde der Sonderbericht desRechnungshofes über die von der EU finanziertenProjekte in Rumänien und Bulgarien veröffentlicht.Dieser hat u. a. festgestellt, dassobwohl die geprüften Projekte den allgemeinenInvestitionszielen insgesamt entsprachen, beiüber der Hälfte der geprüften Investitionsprojekte,die Investitionsgüter nicht oder nur zumTeil für die beabsichtigten Zwecke eingesetztwurden. Es wurde auch ermittelt, dass Outputund Ergebnisse erheblich hinter der Zeitplanungzurückblieben, wofür anhaltende Mängel in derVerwaltungskapazitätsowie unzureichendenationale Mittel dieHauptursachen waren.Der Rechnungshof hatdarauf hingewiesen,Bei über der Hälfte dergeprüften Investitionsprojektewaren die Investitionsgüternicht oder nur zum Teilfür die beabsichtigtenZwecke eingesetzt.dass die Kapazitäten dernationalen Behörden inBulgarien und Rumänienüberschätzt werdenund nicht in der Lagesind, die vorhandenenund besonders nach dem Beitritt vorgesehenenhohen EU-Mittel richtig verwalten zu können.Diese allarmierende Botschaft wurde vom EuropaParlament in einer direkt dafür eingesetztenSondersitzung behandelt. Hier wurde festgestellt,dass diese Mängel eine Gefahr nach demBeitritt dieser Länder darstellen und deswegeneine Verschiebung des Beitrittsdatums bis zumnachhaltigen Ausbau der notwendigen Verwaltungskapazitätenin Erwägung gezogen werdensollte. Es hat sich aber herausgestellt, dass diepolitische Entscheidung über den Beitritt Bulgariensund Rumäniens zum 1. Januar 2007 schonim Frühjahr 2006 getroffen war, sodass es keineMöglichkeit zur Berücksichtigung der Folgendieses Sonderberichtes mehr gab.Die Realität hat der Warnung des BerichtesRecht gegeben. Aufgrund der mangelnden Absorptionskapazitätenmussten die Fördermittelfür Bulgarien und Rumänien für längere Zeitsuspendiert werden. Auch der Europäische Rechnungshofhat seine Lehren aus diesem Fall gezogen.Seitdem sind wir bestrebt, unsere Berichte sozeitig fertigzustellen, dass sie bei politischenEntscheidungen verwendet werden können unduns in den folgenden Berichten auf das Funktionierender Verwaltungskapazitäten zu konzentrieren.Der Sonderbericht über Kroatien wurdeschon nach diesen Gesichtspunkten geplant undfertiggestellt.In diesem schon im Jahre 2011 veröffentlichtenSonderbericht wurde die Frage geprüft, obdie IPA eine wirksame Unterstützung der örtlichenAbsorptionskapazitätenzur Verwaltungder EU-Mittel nach demBeitritt geleistet hat. Eswurde u. a. festgestellt,dass die UnterstützungKroatiens beim Kapazitätenaufbauauf einerangemessenen Planungdurch die Kommissionund die kroatischen Behördenbasierte, und dassdie EU-Hilfe entscheidend dazu beigetragen hat,die Fähigkeit Kroatiens zur Verwaltung der Hilfenach dem Beitritt zu erhöhen.Gleichzeitig hat der Sonderbericht auch die Korruption,die besonders in den Balkanländern eingefährliches Phänomen ist, unter die Lupe genommenund darauf hingewiesen, dass trotz dengutmütigen Maßnahmen der kroatischen Regierungzur Stärkung der Korruptionsbekämpfungin dieser Hinsicht weiterhin große Herausforderungenin Kroatien zu meistern sind. Es wurdeauch positiv festgestellt, dass die EuropäischeKommission wichtige Lehren aus früheren Erweiterungengezogen hat, wodurch die Hilfe fürKroatien wirksamer gestaltet wurden konnte.Nach der positiven Aufnahme des Kroatienberichtesarbeitet der Europäische Rechnungshofzur Zeit an einem Sonderbericht, der die Ver-56


SchwerpunktthemaDonaukratiewendung der EU-Fördermittel in Serbien prüft.Auch hier wird der Korruptionsbekämpfung einebesondere Aufmerksamkeit gewidmet. Nach diesemSonderbericht ist es geplant, die Verwendungder EU-Fördermittel in der Ukraine ins Visierzu nehmen.Die Lehren der bisherigenErweiterungenAufgrund der allgemeinen Erfahrungen undder Konklusionen der Sonderberichte des Rechnungshofeskönnen von den bisherigen Erweiterungenfolgende Lehren gezogen werden.Eine große Lehre der bisherigen Erweiterungsrundenist, dass das Timing eine kritische Rollespielt. Es ist äußerst wichtig, dass die Beitrittskandidatendie notwendigen Vorbereitungenfür die Mitgliedschaft noch vor dem Eintrittvollständig durchführen. Es ist äußerst kostenaufwändig,spaltend und schädlich bezüglich derGlaubwürdigkeit der EU, wenn nicht vollkommenvorbereitete Kandidaten der EU beitreten– siehe Beispiel Bulgarien und Rumänien. Diegründliche und zuverlässige Vorbereitung ist vorallem im Bereich des Managements in der Schaffungder notwendigen Verwaltungskapazitätender EU-Fördermittel unumgänglich.Zweitens ist finanzielle Disziplin von größter Bedeutung.Man soll nur auf das bisherige IPA-Budget,oder auf das vorgeschlagene Förderungsvolumen(2 Milliarden Euro Fördermittel pro Jahrab 2014) hinweisen, um bewusst zu machen,dass es hier um wirklich große Summen geht.Dazu kommt noch, dass besonders in Krisenzeiten,wenn knappe Finanzmittel großen Bedürfnissengegenüber stehen, Transparenz undAccountability von größter Bedeutung sind. DieSicherstellung der finanziellen Disziplin in denKandidatenländern ist die Aufgabe der EuropäischenKommission, wobei die Verwirklichungdieses Zieles oft äußerst schwierig und mühsamist. Die weitverbreitete Korruption ist ein grossesHindernis, welches den Beitrittsprozess derKandidaten deutlich verlangsamen und gefährdenkann.Drittens kann man die Notwendigkeit der Prioritisierungals eine wichtige Lehre nennen. Es gibtnämlich sehr viele verschiedene, vielversprechendeProjekte und Ziele in mehreren Bereichen,doch die verfügbaren finanziellen Mittel reichennicht aus, alle gleichzeitig zu verwirklichen. Deswegenist es von entscheidender Bedeutung, dassdie strategischen Ziele in realisierbare, spezifischeProjekte umgesetzt werden, wobei die Gefahrdarin besteht, dass zu viele Projekte wegender knappen finanziellen Mittel unfinanzierbarund deshalb de facto undurchführbar sind. DiePrioritäten der jeweiligen Beitrittsländer müssenje nach den individuellen Gegebenheiten undspeziellen Umständen sorgfältig geprüft undausgewählt werden. Die selektive zukunftsorientierteAuswahl der strategischen Ziele und dieeffektive Verwaltung der EU Fördermittel tragenentscheidend dazu bei, dass die Kandidatenländernach dem EU-Beitritt erfolgreiche Mitgliederwerden.KonklusionDer Europäische Rechnungshof ist nicht die Institution,in der die politischen Entscheidungenüber die Zukunft von Europa u. a. über die Erweiterungspolitikgetroffen werden. Wir sindauch nicht diejenigen, die zur Verwirklichungdieser politischen Ziele ernannt sind und die dafürnotwendingen finanziellen Mittel anordnenkönnen.Wir haben aber das Mandat zur Rechnungsprüfung.Durch unsere Prüfungen können wir aufRisiken hinweisen, auf Probleme aufmerksammachen und Ratschläge für bessere, effektivereVerwaltung in der Zukunft geben. Diese Rollehaben wir auch bei der jüngsten Erweiterungder EU bewusst wahrgenommen und sind zuversichtlich,dass wir mit unseren gezielten Prüfungendazu beigetragen haben, dass die EU-Fördermittelin den Kandidatenländern effektiververwendet werden. Damit dienen wir nicht nurden Interessen der europäischen Steuerzahler,sondern auch denen der Kandidatenländer undEuropa im Allgemeinen.57


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAAm „Strom“: DieDonau und ökologischeElektrizitätNeue Konzepte für eineenergieautarke Zukunft an der DonauSeit jeher ist Wasser eine Quelle der Kraft. Wir selbstals menschliche Wesen sind ohne Wasser innerhalbweniger Tage ohne Kraft, und die Lebensgeisterschwinden. Die alten Überlieferungen von der Kraftdes Wassers die in allen Urkulturen existieren, wiez. B. in unseren Breiten die Schilderung der Sintflutin der Genesis, und die Beobachtungen und Erfahrungender frühen Menschen machten klar: DieseKraft muss sich der Mensch nutzbar machen, umdie Arbeit zu erleichtern und dadurch produktiverzu werden. Mit der fortschreitenden Technisierungwurden immer mehr Nutzungsmöglichkeiten derKraft des Wassers erkundet, versucht, verfeinertund perfektioniert. Mit dem Siegeszug der Elektrizitätund einem exponentiell steigenden Bedarf anelektrischer Energie wurden nach und nach neueQuellen zur Herstellung von Strom entwickelt. Vonden ursprünglichen Wasserkraftwerken, über Kohlekraftswerkebis zur Atomenergie – mit teilweiseunberechenbaren und nach wie vor unbewältigbarenLang- und Längstzeitfolgen auf Tausende vonJahren hinaus.Die Renaissance der WasserkraftDie Nutzung der Wasserkraft kann in Österreichauf eine lange Geschichte zurückblicken undstellt eine der tragenden Säulen der erneuerbarenEnergiebereitstellung dar. Nach intensivemAusbau der Großwasserkraft in den 1960er- bis1990er-Jahren und dem Bekenntnis gegen dieAtomkraft, liegt der Fokus heute vor allem aufdem Ausbau der Kleinwasserkraft durch die Revitalisierungvon älteren Anlagen. ÖsterreichischeUnternehmen sind aufgrund dieser historischenGegebenheiten auch im internationalen Wasserkraftwerkbauinternational führend.Heute werden rund 60% der Inlandsstromerzeugungdurch die Wasserkraft abgedeckt, ein Wert,mit dem Österreich im internationalen Spitzenfeldliegt. Dieser hohe Anteil impliziert hohe Expertiseim Kraftwerksplanungs-, -errichtungs,und -betriebsbereich. In den ca. 150 Groß- und3.000 Kleinwasserkraftwerke werden jährlichrund 38 TWh Strom produziert. Kleinwasserkraftwerke(bis zu einer Leistung von 10 MW)machen bezüglich ihrer Anzahl den überwiegendenTeil der bestehenden Anlagen aus, repräsentierenaber lediglich 12% der Jahreserzeugung.Allerdings können durch die Nutzung der Kleinwasserkraftjährlich rund 4,1 Mio. Tonnen CO 2eingespart werden. Darüber hinaus haben Kleinwasserkraftanlageneinen hohen Stellenwertfür die Versorgungssicherheit durch dezentrale58


SchwerpunktthemaDonaukratieJochen ResselEnergieversorgung. (Quelle: Bundesministeriumfür Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,Kleinwasserkraft Österreich, April2013)Problemfelder derStromversorgungVon woher soll die benötigte Energie jedochkommen? Stromsparen ist auf breiter Basis nachwie vor ein Fremdwort und das zeigt auch die aktuelleStromverbrauchsstatistik. Laut dem Bundesumweltamtist der Stromverbrauch von 1990bis 2010 um ganze 39% gestiegen. Der Grundfür den Anstieg des Bruttoinlandsverbrauchs indiesem Zeitraum sind gestiegene energetischeEndverbräuche in den Sektoren Verkehr (+76%),produzierender Bereich (+47%), private Haushalte(+18%) und öffentliche und private Dienstleistungen(+66%). Erst in den letzten Jahrenkonnten vereinzelt sogar Rückgänge des Bruttoinlandsverbrauchsregistriert werden, wie z. B.2011, in dem um 3,3% weniger verbraucht wurde.Metereologen führen das aber eher auf diewarme Witterung zurück als auf steigendes Bewusstseinim Umgang mit elektrischer Energie.Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang,dass zusätzlich zur Wasserkraftauch andere Formen der erneuerbaren Engerieeinen mittlerweile bemerkenswerten Anteil ander Stromversorgung haben. Feste Biomassemit 31,5% sowie die erneuerbaren Anteile in derFernwärme mit 10,3%, der Biokraftstoffe mit6,1% und den energetisch genutzten Laugen mit6,9%. Die Beiträge der Sektoren Windkraft, Solarthermie,Umweltwärme, Biogas, Geothermie,Deponie- und Klärgas und Photovoltaik machenin Summe 6,2% aus. Der starke Zuwachs derPhotovoltaik und der Windkraft ist ebenfalls Bestandteildieser Energiewende. (Quelle: Lebensministerium).Bei der Errichtung klassischer großer Wasserkraftwerkewerden durch bauliche MaßnahmenEingriffe in das Ökosystem der dafür notwendigenFlüsse und Gewässer getätigt, die einerseitsaufgrund immer schärferer Umweltauflagen(Stichwort: Umweltverträglichkeitsprüfungen)und auch durch die Bewusstseinsbildung der Bevölkerungimmer schwerer umsetzbar sind. Stauwerke,Dämme, Schleusen und Fischausstiegshilfenmüssen errichret werden, um an die sonstumweltschonende Bioenergie zu kommen unddie dafür notwendigen Maßnahmen finden bei59


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAeiner fortschreitend verbesserten ökologischenBildung immer geringere Akzeptanz. Daher sindneue Wege der Energiegewinnung aus Wassermehr denn je gefragt.Beispiel Strom-BojeAls Beispiel für ein alternatives Stromgewinnungskonzeptaus Wasserkraft, das für die Donauin höchstem Maße relevant ist, ist die Entwicklungder Wasser-Boje durch Aqua Libre,einer Bereichs des internationalen UnternehmensBilek + Schüll. Richard Mayerhofer, Geschäftsführervon Bilek + Schüll erklärt auf dieFrage nach der Funktionsweise der Wasser-Boje:„Die Strom-Boje hängt im Fluss und nutzt alleindie Strömung, also die Fließgeschwindigkeit desWassers. Je schneller die Strömung, desto mehrEnergie kann daraus generiert werden. So behältder Fluss, gerade weil er noch ungestört fließenkann, seine Selbstreinigungskraft. Außerdemwird der Lebensraum von Fischen, Krebse u. a.bleibt intakt. Schiffe können ungehindert fahren.Fischer, Schwimmer, Wassersportler, Naturliebhabersowie Anrainer sehen ihren Naturlebensraumdadurch nicht gefährdet.“ Er ergänzt:„Wir wollen damit beweisen, dass es möglich ist,ökonomischen Nutzen aus der Wasserkraft zuziehen, ohne der Natur ökologischen Schadenzuzufügen.“2008 wurden der Aqua Libre EnergieentwicklungsGmbH die Patente fur Europa, die USAund Kanada erteilt. lm Oktober 2009 wurde dieStrom-Boje 2 in die Donau eingesetzt. Mit 3 mHöhe, 10 m Länge und 150 cm Rotor eine Leistungvon 80.000 kWh pro Jahr. Damit können30 Haushalte versorgt werden. 2010 gewannAquaLibre mit der Strom-Boje sowohl den ÖsterreichischenKlimaschutzpreis als auch den EnergyAward Gesamtpreis.Zwischenzeitlich wurde das Konzept laufendweiterentwickelt. Dazu Richard Mayerhofer:„Mittlerweile konnten wir einen 250 cm-Rotorentwickeln, der ideal für Flüsse wie Donau undRhein ist. Dem Entwicklerteam gelang es, einenlangsam drehenden Rotor zu entwickeln, derschon bei 50 Umdrehungen/min. seinen vollenWirkungsgrad erzielt und dabei ohne Getriebeund somit auch ohne Getriebeöl und -verlusteauskommt.Die ZielsetzungWas kann durch alternative Konzepte für die Gewinnungvon Elektrizität, wie der Wasser-Boje,realistisch erreicht werden? „In der Wachau, diesich bis 2025 das Ziel gesetzt hat, eine energieautarkeRegion zu werden, sind bereits 500 möglicheStandorte für die Boje ermittelt worden.Damit ließen sich insgesamt ca. 120 Gigawattstundenpro Jahr erzeugen – ein Energiebetrag,mit dem 30.000 Haushalte, also die Wachau inklusiveKrems, versorgt wären.“, führt RichardMayerhofer aus. „Damit könnte man jährlichrund 70.000 Tonnen CO 2einsparen.“Hans Harrer, Vorstand im SENAT DER WIRT-SCHAFT und Initiator des EUROPEAN DANUBEFORUM SPITZ, sieht in Projekten wie diesemgroße Potenziale. „Als Unternehmer bin ich in derEntwicklung von Renewable-Energy-Konzeptenseit Jahrzehnten tätig und mich begeistert diesesBeispiel innovationsorierten Unternehmertums.Im Rahmen des EUROPEAN DANUBE FORUMSSPITZ werden wir diese Ideen und Konzepteauch anderen Regionen entlang der Donau vorstellenkönnen, um so zu einer sinnvollen Alternativebei der Stromgewinnung beizutragen. Alsökolologisches Sorgenkind wird uns die Donaujede dieser Anstrengungen danken!“Aqua Libre ist zu je einem Drittel im Eigentum von Industriedesignerund Erfinder Fritz Mondl sowie der FirmaBEB Fertigungscenter mit dessen Gesellschafter, HaraldJursitzky. Er beschäftigt 15 Fachkräfte. Firmensitz istMagarethen an der Moos bei Schwechat. Der dritte Teilwird durch die Bilek + Schüll in Wien gehalten. Der Herstellungsbetriebfür Kunststoffeinzelkomponenten ist inWien-Liesing beiheimatet und beschäftigt 25 Mitarbeiter.Eigentümer und Geschäftsführer ist Richard Mayerhofer,Senator im SENAT DER WIRTSCHAFT.60


SchwerpunktthemaDonaukratieJochen ResselHospes des Europäischen Wein-Ritterordens„Ordo Equestris Vini Europae“Bloody good vineDer Boom neuer Weinbauregionenin Osteuropa und was Starwinzer Senator WilliOpitz beiträgtWaren die Weinbaugebiete klassischer Prägung inItalien, Frankreich, Deutschland, Spanien undPortugal zu finden, gesellte sich Österreich nachdem nationalen Megacrash des Weinbaus ebenfallsin die Kategorie der Top-Qualitäts-Regionen.In den letzten Jahrzehnten wurde die Familieder hochwertigen Weinanbaugebiete nochgrößer. Ein Weinkeller ohne einige kalifornische,australische, südafrikanische und südamerikanischeKöstlichkeiten ist schlichtweg nicht gutsortiert. Wer wirklich vorne dabei sein will, hatjedoch auch schon einige Flaschen aus bislangnoch nicht so populären Weinbauregionen imKeller oder im Weinschrank – Weine aus der östlichenDonauregion.Der Weinbau in den Gebieten von der pannonischenTiefebene bis zum Schwarzmeer-Deltawurde in den ersten Jahren nach dem Fall desEisernen Vorhangs verständlicherweise stiefmütterlichbehandelt, ging es doch darum, diewirklich großen Herausforderungen in politischer,diplomatischer und vor allem wirtschaftlicherHinsicht zu bewältigen. Über 20 Jahre nachdieser bahnbrechenden Umwälzung geraten dieWeinsorten aus diesen Regionen jedoch mehrund mehr in den Fokus.Geografische, klimatische undhistorische GegebenheitenEin Blick auf eine Europakarte im Hinblick aufdie geografischen Gegebenheiten zeigt, dass eskeineswegs absurd ist, in Ländern wie Rumänienoder Bulgarien, der Ukraine oder Moldavien gu-61


SENATE // SCHWERPUNKTTHEMAten Wein zu produzieren. Die bulgarische StadtPlovdiv liegt z. B. in etwa auf der geographischenBreite Roms, die rumänische Hauptstadt Bukarestliegt auf der Höhe der Toskana. Wie in Europa,spielt auch dort die Donau für den Weinbaueine wichtige Rolle. Darüber hinaus bilden inRumänien die Karpaten eine klimatische Trennungzwischen den Regionen mit maritimenund kontinentalem Klima und trotz der teilweisestrengen Winter ist die Temperatur während derVegetationszeit der Reben mit 11 Grad im Südendaher vergleichsweise hoch, was den Weinbaubegünstigt. In der Schwarzmeerregion, die sichdurch eine lange und milde Herbstperiode auszeichnet,ergeben sich dadurch hervorragendeBedingungen für die Zuckerbildung der Reben.Der Weinbau ist in diesen Regionen auch historischverankert. In Bulgarien kann der Weinbaubis ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgtwerden, als die Thraker das heutige Gebiet Bulgariensbesiedelten. Thrakischer Wein wurde imRömischen Reich zu einer Berühmtheit. Es istdaher nicht verwunderlich, dass in Bulgarien aufeiner Fläche von 97.000 ha, in Rumänien sogarauf einer Fläche von 250.000 ha, Wein kultiviertwird.Mit österreichischem Knowhowzur Top-QualitätUm Top-Qualität zu bieten müssen unzähligeFaktoren zusammenstimmen. Einige davon sindbeeinflussbar, andere nicht. Das Alter der Rebstöckeist z. B. ein beeinflussbarer Faktor. Durchstaatlich unterstützte Modernisierungsprogrammewurden in den letzten Jahren große Flächenneu bepflanzt, auf denen früher teils über 20Jahre alte Rebstöcke in schlecht gepflegten Zustandstanden. Darüber hinaus sind die Anzahlder Sonnenstunden, die Sonneneinstrahlwinkel,die Bodenbeschaffenheit, die Auswahl der Rebsortenpassend zur Bodenbeschaffenheit und diegesamte Kellertechnik Faktoren, die die Qualitätdes Weines zum Posititiven wie auch zum Negativenbeeinflussen können.Liliac ist ein Weingut im rumänischen Transylvanien mitca. 39 ha Anbaufläche. Es ist Teil der ist Teil der AMBHOLDING und wird von Willi Opitz, Senator im SENATDER WIRTSCHAFT, in Fragen der Anbau- und Kellertechniksowie des Marketings beraten. www.liliac.comDer österreichische Top-Winzer Willi Opitz, Senatorim SENAT DER WIRTSCHAFT, fasst folgendermaßenzusammen: „Wichtig für gutenWein ist die Hingabe und die Pflege. Kaum eineandere Pflanze reagiert so sensibel auf diese Aspekte,wie der Wein. Den Reben fehlte es frühervielfach an beidem. Doch seit den 90er-Jahrenist Wein auch für osteuropäische Winzer nichtlediglich ‚Ware’, sondern ein Genussprodukt unddaher widmet man sich vielerorts der Verbesserungder Qualität und holt zu diesem ZweckKnow-how aus dem Westen in die Region.“ Eineganze Reihe österreichischer Top-Winzer sinddaher mit Engagements z. B. in Ungarn vertreten,einige auch in den entfernteren Regionenentlang der Donau. Willi Opitz ist unter anderemfür ein rumänisches Weingut in Transylvanientätig, um den benötigten fachlichen Inputzu geben.62


SchwerpunktthemaDonaukratieCasestudy: Liliac„Transylvanien liegt auf derselben Breite wie dasBurgund und das Piemont und bietet daher naturbedingtoptimale Voraussetzungen, um gutenWein zu produzieren“, so Willi Opitz. Das Weingutselbst ist Teil der AMB HOLDING – einer inder Immobilienbranche beheimatete Unternehmensgruppevon Alfred M. Beck, die ihren Fokusseit Jahren gezielt auf Projekte mit gesellschaftlichemMehrwert richtet. Daher wurde für das rumänischeWeingut der international renommierteWeinmacher Willi Opitz (u. a. Late HarvestWinemaker of the Year in London) engagiert,der sein umfangreiches Know-how als Coach einfließenlässt. Unter der Leitung des in den vielenFacetten der Weinherstellung erfahrenen RudolfKrizan wird die Arbeit im Weingarten und in derKellerei bis ins letzte Detail professionalisiert.Willi Opitz erklärt: „Was natürlich nie vergessenwerden darf ist die Geschichte, mit dem manden Wein zum Konsumenten bringt. Darin lagauch die Herausforderung der Namensfindung,denn der Name der Region ist als Weinbauregionunbekannt. Das einzige, was die meisten Westeuropäerund Amerikaner von Transylvanienwissen, ist ja, dass es die Heimat Draculas ist,der nächtens als Fledermaus umherfliegt. DieFledermaus selbst ist für den Weinbau darüberhinaus als Schädlingsbekämpfer höchst interessant.Daher haben wir dem Weingut den Namen‚Fledermaus’, in der rumänischen Sprache eben‚Liliac’, gegeben. Zum Slogan ‚Bloody good vine’wars dann nur mehr ein kleiner Schritt.“Die künftige Bedeutung desWeins für die DonauregionOhne Zweifel hat die Kultivierung des Weinesvielfältige Auswirkungen. Der Magister Generalisdes Ordo Equestris Vini Europae, des EuropäischenWein-Ritterordens, Consul Prof. Ing.Dr. Tombor-Tintera hat den Satz geprägt: „Wermiteinander Wein trinkt, führt nicht Krieg gegeneinander.“Die Geschichte beweist, dass Friedenimmer mit Wein besiegelt wurde. Nebender friedensstiftenden und gesellschaftlichenKomponente ist es offensichtlich, dass Weinbau-Regionenauch immer langfristig wachsendeTourismusregionen sind. Die Entwicklung derDonauländer im Hinblick auf deren Weinkulturwird daher eminenten Einfluss auf die tourismuswirtschaftlicheEntwicklung haben und kann einMotor sein, der vielen Menschen in unterschiedlichenBranchen Arbeitsplätze bereitstellt.63


SENATE // Politik & GesellschaftDie Reichensollen zahlen …… und warum Robin Hoodheute keinen Job mehr hätteJe näher der Termin einer Nationalratswahl (inanderen Staaten heißt es Bundestagswahl oderWahl zur Nationalversammlung, funktioniertaber genauso) rückt, desto wahrscheinlicher wirdes, dass aus einer Ecke – vornehmlich der linken– der Ruf nach einer besonderen Besteuerungder „Reichen“ erfolgen soll. Denn, so die einfacheArgumentation, nachdem die Armut immer weitersteigt, ist es nur gerecht, wenn „die Reichen“einen Teil von ihrem Reichtum abgeben und dieweniger Gesegneten damit erfreuen.Wenn man darüber nachdenkt, ob bestimmteGesellschaftsgruppen besonders zu besteuernsind, so stößt man rasch auf den Begriff „Gerechtigkeit“.Ist es nicht „gerecht“, wenn man ReichenGeld wegnimmt, um es Ärmeren zu geben? Istdie Hollywood-Karikatur von Robin Hood nichtherzerwärmend, wie er die Reichen beraubt, umdie Goldmünzen, auf einem Karren stehend, unterdie hungernde Dorfbevölkerung zu werfen?Offensichtlich stößt man dabei auf zwei grundlegendeProbleme: Das eine ist die fehlende Definitionvon „reich“ und das andere die Folgerung,die sich aus der Forderung eines Sondersteuerfür Reiche zwangsläufig ergibt: Wenn man derGruppe der „Reichen“ Geld wegnehmen darf,warum nicht auch anderen Gruppen? Den Gebildetenvielleicht, weil sie ja schon ein Studiumvon der Republik finanziert bekamen? Den Unternehmern?Den Nichtwählern, den Migranten,den Expatriaten, den Rechten, den Linken? Eswird schwierig sein, Argumente zu finden, warumman sich bei einer Gruppe bedienen darf undbei einer anderen nicht.Die erste Frage, wie denn „reich“ zu definierensei, ist jedoch mindestens ebenso schwierig zubeantworten, wenn man nicht wie Robin Hoodwillkürlich Kutschen überfallen will. Zieht mandas reine im Inland deklarierte Geldvermögenfür eine Abgrenzung heran, so entwischen einemalle jene, die ihr Geld im Ausland steuerschonendgeparkt haben. Da die wirklich Vermögendenmeist ein Heer an Steuerberatern und Rechtsanwältenbeschäftigen, werden dies vermutlichgenau diejenigen sein, deren Schröpfung zwarwirklich lukrativ wäre, die man aber kaum erwischenwird. Man müsste sich also erst wieder andie wohlhabende Mittelschicht wenden.Aber auch andere Definitionen scheitern: EineBemessung anhand des Grundbesitz scheitert,weil nicht jeder Millionär Grund in Österreichbesitzt und man dann die ohnedies verarmte Nebenerwerbsbauernschichtdamit treffen würde.Das Einkommen taugt auch nicht für eine Einstufungals „reich“, weil dies ebenso wie Vermögenleicht verschleiert werden kann. Natürlichbietet es sich an, medienwirksam auf statistischeAusreißer mit 100.000 Euro Einkommen hinzuweisen.Aber abgesehen von solchen Spitzenverdienernist das Gros der Gutverdienenden in64


Mag. Elmar Weixlbaumer,Senator imSENAT DER WIRTSCHAFTweit bescheideneren Regionen beheimatet. DieGrenze für die obersten 10% liegt in Österreichbei monatlich 3.199 Euro (Wert 2011). SolltenSie mehr verdienen, so können Sie sich freuen, zuden reichsten 10% der Österreicher zu gehören.Eng verknüpft mit der Frage des Reichtums istauch die Form des Reichtums. Wenn Robin Hooddie Goldkisten der Reichen plünderte, um dieMünzen und Preziosen unters Volk zu streuen,so hätte er heute seine liebe Not. Die rund80.000 Millionäre in Österreich besitzen zwargeschätzte 250 Milliarden Euro, haben dieseaber mehr oder weniger gut dem Zugriff von Fiskal-RobinHoods entzogen. Immobilien im Ausland,Konten in der Karibik, Treuhandvermögenund Stiftungen lassen nur mehr wenig übrig, wasmit einer „Millionärssteuer“ wirklich erfasst werdenkönnte.Doch kommen wir zurück zum Begriff der „Gerechtigkeit“.Kein vernünftiger Mensch verstehtdarunter, dass jeder Mensch dasselbe besitzenund verdienen soll. Denn wenn meine Großmutterin ihrem Garten ausgezeichnete Salat häuptelzieht, soll sie diese auch gewinnbringend amMarkt verkaufen können. Selbst eingefleischtesteKommunisten wissen, dass erst die Möglichkeitdurch eigene Arbeit (zusätzliches) Geld zuverdienen, den Menschen motiviert. Ein System,in dem alle Menschen gleich viel verdienen, würdedas erste Jahr nicht überleben.Mag. Elmar Weixlbaumer ist Verleger, Fachbuchautor undMedienexperte in Wien. Er ist ausgebildeter Mathematikerund Betriebswirt und beschäftigt sich in seinenPublikationen und Vorträgen mit wirtschaftspolitischenFragen, Bildung und der Wissensvermittlung der kommendenGenerationen.www.elmar-weixlbaumer.com65


SENATE // Politik & GesellschaftDamit landen wir bei der Frage, wie viel ein„gerechter“ Lohn für unsere Arbeit ist. Gernewird von verschiedenen Berufsgruppen – etwaUniversitätspersonal oder Angestellte in sozialenBerufen – beklagt, dass ihre hochwertigeArbeit völlig unterbezahlt sei, während Gerade-nicht-mehr-Jugendliche,die mit Aktien spielen,ein Vermögen bezahlt bekommen.Die Wahrheit ist – und wenn wir ehrlich sind,wissen wir das auch alle – dass der „Wert“ derArbeit nie den Lohn dafür definiert, sondern immerAngebot und Nachfrage. Darum verdient derArbeiter einer Ölbohrinsel ein Vielfaches einerSupermarktkassiererin, weil sich sonst niemanddiese Arbeit antun würde, während man für letzteresBerufsbild unzählige Bewerber findet.Wenn wir über „gerechten“ Lohn und damit übereine anzustrebende Gerechtigkeit beim Vermögennachdenken, müssen wir einen anderen Zugangfinden. Wir können also von der nachfragegesteuertenEntlohnung unserer Arbeit dazuübergehen, stattdessen die Aufstiegsmöglichkeitenjedes Einzelnen zu betrachten. Wenn jemandmit seinem jetzigen Lohn unzufrieden ist, wiemüsste eine „gerechte“ Welt aussehen, in der alledie gleichen Chancen haben, mehr zu verdienen?Verdient jemand als Bauarbeiter heute den Betragx, wie wahrscheinlich ist es, dass er imnächsten Jahr zum Beispiel x + 10% verdient?Und wie wahrscheinlich ist es für den Direktoreiner Großbank x + 10% zu verdienen? Wenn dieChancen für alle gleich sind, für die Armen unddie Reichen, dann muss diese Wahrscheinlichkeitfür den Bauarbeiter und den Bankdirektor gleichsein und wir nähern uns einer gerechten Welt an.In einer idealen Welt gehen wir davon aus, dasses für jedermann völlig gleich wahrscheinlich ist,dass er im nächsten Jahr 10% mehr oder wenigerverdient, und dass diese Wahrscheinlichkeit füralle Einkommensklassen gleich ist, Aufstiegsgerechtigkeitalso. Manche steigen auf, manche fallenzurück, wie dies in der Realität auch passiert.Es soll jedoch für alle Einkommensklassen gleichwahrscheinlich sein aufzusteigen.Ich gehe davon aus, dass wir alle diese Aufstiegsgerechtigkeitals fair empfinden würden. Ein Millionenverdienerwürde also im kommenden Jahrmit genau derselben Wahrscheinlichkeit 10%mehr verdienen wie ein Junglehrer.Diese Fairness, diese gleiche Wahrscheinlichkeitfür alle Einkommensgruppen, wurde bereits1931 von Robert Gibrat beschrieben und mannennt es Gibrat‘s Law. So schön dieses Modellaber auch sein mag, es gibt zwei gravierende Problemedamit.Das erste Problem ist, dass Gibrat‘s Law langfristiggenau jene Verteilung von Einkommen undVermögen erzeugt, bei der ein Großteil des Vermögenseinigen wenigen Reichen zugeordnet ist.Mathematisch ausgedrückt entsteht durch obigeForderung eine Verteilung (genauer eine Lognormalverteilung)wie in der Abbildung gezeigt: sehrviele Arme, einige wenige Reiche.Das zweite Problem mit Gibrat‘s Law ist aber,dass genau diese Verteilung in der Realität beobachtetwird. Und zwar nicht nur in Österreich,sondern in allen Kulturen, unabhängig vom politischenSystem, der Staatsform – Demokratieoder Diktatur –, dem Wohlstandsniveau oderP(x)X66


dem Bildungsniveau. Auch vergangene Kulturenunterschieden sich hier nicht: Studien zeigten,dass im Ungarn des Mittelalters und sogar im altenÄgypten genau diese Verteilung des Vermögensbeobachtet werden konnte.Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dassgenau diese Forderung nach Fairness, diese Aufstiegsgerechtigkeit,dass die Ärmeren mit derselbenWahrscheinlichkeit ihr Einkommen und Vermögensteigern können wie die Reichen, in derRealität bereits passiert. Und zwar immer schon!Und wir müssen auch zur Kenntnis nehmen,dass diese Form der Fairness eine Gesellschafterzeugt, in der viele Arme wenigen Reichen gegenüberstehen.Doch werfen wir nun noch einen Blick auf dieFakten. Wie ungerecht ist Österreich denn wirklich?Das erste Übel, das uns hier begegnet, ist dieDefinition der „Armut“. Die gerne für politischwillkommene Sensationen verwendete Definitionbezeichnet jene als arm, die einen gewissenAnteil des mittleren Einkommens nicht verdienen.EUROSTAT spricht beispielsweise von Armutsgefährdung,wenn 60% des Mittelwerts (genauerdes Medians) des Pro-Kopf-Einkommensunterschritten werden. Diese Definition führtoffensichtlich zwangsläufig dazu, dass der Anteilder Armen immer innerhalb einer Bandbreiteschwanken wird. Denn es wird immer Menschengeben, die weniger als der Mittelwert verdienen,so ist ein Mittelwert definiert. Dass jene Armenin absoluten Eurobeträgen natürlich immermehr zur Verfügung haben, wenn das mittlereEinkommen steigt, wird dabei verschwiegen. Wirhaben also eine „neue Armut“, diese liegt aberheute weit über dem Durchschnittseinkommenfrüherer Jahrzehnte.Ebenso sinnlos ist die Definition der Armutsschwelleüber den Betrag der Sozialhilfe, wie diesebenfalls gern gemacht wird. Wenn die Mindestsicherungheute mit 794,91 Euro festgelegt ist– dem Durchschnittseinkommen eines Arbeitnehmersim Jahr 1976 – dann haben wir zwarebenso wie damals Menschen, die diesen Betragverdienen, aber diese „Armut“ entspricht demDurchschnittseinkommen unserer Jugend.Um diese Entwicklung in anderen Worten zubeschreiben: Ein Warenkorb, für den man 1950noch durchschnittlich eine Stunde arbeitenmusste, ist heute in weniger als 10 Minuten verdient(im Durchschnitt über alle Einkommen)!Und ebenso wie unser Wohlstand kontinuierlichstark gestiegen ist, wurde auch die Sozialhilfegrenzeangehoben. Das ist natürlich wichtig undrichtig, aber als Maß für die Entwicklung des Armutsanteilstaugt dieser Wert nicht.Kurz gesagt, diese gemeinhin verwendeten Maßemachen die Armut unausrottbar, denn ein Anteilunserer Bevölkerung wird immer unter eine sowillkürlich festgelegte Schwelle fallen. Natürlichist es schrecklich, wenn Menschen jedenCent umdrehen müssen, doch wir müssen auchsorgfältig sein, bei der Festlegung dieser Armut,wenn wir auf die Reichen als Sponsoren zurückgreifenwollen.Die Weltbank definiert Armut als Einkommenvon weniger als 1 Dollar am Tag (jüngst auch1,25 oder 2 Dollar). Andere alternative Konzeptemessen das Nichtvorhandensein konkreterMerkmale, wie etwa die Möglichkeit jeden Tageine gehaltvolle Mahlzeit zu erhalten, das Vorhandenseinzumindest eines passenden PaarsSchuhe o. Ä. Diese Maßstäbe zeigen Armut in ihrerexistenziellen Form, losgelöst vom Konsumstandardunserer wohlhabenden Gesellschaft.Der Nachteil dieser Maße ist offensichtlich: DerleiArmut gibt es in Mitteleuropa praktisch nichtmehr. Sollten wir nicht stolz über den erreichtenGesamtwohlstand sein, weil unsere Definitionvon Armut weit von jener existenziellen Armutentfernt ist? Womit natürlich nicht gesagt werdensoll, dass es nicht wichtig ist, so wie bisher,die relative Armut zu bekämpfen und weiter dafürzu sorgen, dass die unteren Einkommensklas-67


SENATE // Politik & Gesellschaftsen über einen unserer Gesellschaft angemessenenMindestwohlstand verfügen können.Zum Abschluss über die Betrachtung von Reichund Arm noch einige Zahlen und Fakten überdie wirkliche Verteilung von Vermögen und Einkommenin Österreich. Das allgemein verwendeteMaß für die Ungleichheit zwischen Arm undReich ist der Gini-Koeffizient, der das Auseinanderdriftender Einkommensklassen misst. Es istheute erwiesen, dass eine ausgewogene Verteilungvon Arm und Reich unerlässlich ist für sozialenFrieden und eine funktionierende Gesellschaft,während das Einkommensniveau wenigEinfluss auf Stabilität und Frieden hat. VölligeGleichmacherei ist dabei genauso störend, wiedie Konzentration des Einkommens auf einekleine Elite. Es gibt ein gesundes Verhältnis zwischenArm und Reich, das nicht zu klein undnicht zu groß sein soll.Weist ein Land einen Gini-Koeffizient von 0 auf,so würden alle Menschen gleich verdienen, inÖsterreich würde Andres Treichl genauso brutto2072 Euro verdienen, wie der nette Student, dermeinen Nachbarskindern immer Nachhilfe gibt.Das Gegenteil, ein Gini-Koeffizient von 1, wäreein Land, wo ein Oligarch alles verdient und alleübrigen mangels Einkommen binnen Monatsfristverhungert wären. In der Praxis liegen dieWerte zwischen 0,25 und 0,70.Entgegen aller Parolen und Schlagzeilen ist Österreichhier weltweit eines der führenden ausgeglichenenLänder. Mit einem Gini-Koeffizient von0,26 werden wir nur mehr von einigen wenigenNationen überboten und liegen vor Deutschland(0,28), Schweiz (0,33) oder dem für sein „Bruttonationalglück“bekannten Bhutan (0,38). Weitabgeschlagen sind natürlich die USA, die mit0,46 sogar ungleichverteilter als Bolivien, Ugandaoder Turkmenistan sind.Diese Ausgewogenheit, die über die vergangenenJahrzehnte konstant war, verdanken wirsicherlich den großzügigen Sozialleistungen inÖsterreich. Ein Drittel unserer Bevölkerung beziehtmehr als die Hälfte ihres Einkommens vomStaat in Form von Transfers, wie verschiedensteBeihilfen oder die Sozialhilfe. Laut OECD gab esMitte der 2000er-Jahre kein Land auf der Erde,in dem die Sozialtransfers einen größeren Anteilam Haushaltseinkommen hatten als in Österreich.Diese Transfers werden natürlich von denVermögenden bezahlt. Wenn wir also eine gesonderteBesteuerung der Reichen – wer immer dassein mag – fordern, dann dürfen wir nicht vergessen,dass bereits heute das oberste Prozentder Spitzenverdiener ein Viertel unseres Steuereinkommenstragen muss.Ob unter all diesen Gesichtspunkten eine Forderungnach einer neuen Reichensteuer seriösist, muss jede Gruppierung für sich entscheiden.Natürlich ist es gelebte demokratische Praxis voreiner Wahl mit deftigen Slogans die einfachenBevölkerungsschichten zu mobilisieren. Ob diesjemals umgesetzt werden kann, ob eine „Millionärssteuer“das Vermögen der Reichen, die ihrGeld meist in Stiftungen geparkt haben, überhaupterreicht, ob die Handvoll Millionäre überhaupteinen substanziellen Beitrag zum Budgetliefern könnten oder lediglich als Wahlkampfmunitionverheizt werden und ob eine Millionärssteuerdann auch bei den Armen ankommt undnicht für Prestigeprojekte verballert wird, sinddabei pragmatische Fragen, die im Wahlkampfgetümmelkeinen Platz haben.Aber es ist gut zu wissen, dass unsere Heimatnicht nur ein schönes Stück Erde ist, sondernauch eines der wohlhabendsten und ausgewogenstenLänder der Welt ist. Wenn wir wissen,dass in Österreich die Grenze für die obersten10% nur das Doppelte des Durchschnittseinkommensbeträgt, dann fragen wir uns, hätteRobin Hood bei uns noch einen Job?68


Jochen ResselÖkosozialeVerantwortung aufdie Straße bringenFür ein Unternehmertum,das etwas „unternimmt“Es ist eigentlich unvorstellbar: Es gab eine Zeit,in der Menschen aufwuchsen, ohne jemals etwasvon Umweltschutz, Ressourcenknappheitund ökologischer Verträglichkeit gehört zu haben.Eine Zeit, in der man Straßen, Häuser undBetriebsstätten einfach gebaut hat, ohne eineUmweltverträglichkeitsprüfung zu benötigen.Eine Zeit, in der nahezu alle Güte scheinbar unbeschränktbenötigt wurden. Eine Zeit, in der dieErlöskurven des Wirtschaftswunders nur nachoben zeigen konnten. Eine Zeit, die noch nichtallzu lange zurückliegt. In den vergangenen Jahrzehntenhat die Menschheit und das Unternehmertummit dem Geist der Globalisierung jedochganze Arbeit geleistet, was die Verknappung derlebensnotwendigsten Ressourcen betrifft undunsere Kinder wachsen Tag für Tag mit dem Wissenauf, dass alles endlich, alles beschränkt, allesknapp und alles zukunftsgefährdend ist.Wir sind es unseren Kindern schuldig, ihnen indiesem Gefühl der berechtigten und begründetenUnsicherheit zu beweisen, dass wir uns um ihreZukunft ernsthaft sorgen und dafür Verantwortungübernehmen – nicht durch Reden, sondern69


SENATE // Politik & Gesellschaftdurch Handeln – indem wir als Unternehmer etwas„unternehmen“ im wahrhaftigsten Sinne desWortes. Hans Harrer, Vorstand im SENAT DERWIRTSCHAFT postuliert: „Es geht nicht darum,unseren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten– es geht darum, ihnen eine lebenswerte Zukunftzu bieten.“ Welche Verantwortung ergibt sich darausfür jeden von uns?Eine Verpflichtung fürSenatsunternehmenGerade Unternehmerinnen und Unternehmernin Österreich, wo der Begriff der ÖkosozialenMarktwirtschaft durch mutige Vordenker wesentlichgeprägt und definiert wurde, muss diepraxisorientierte Umsetzung dieses zukunftsorientiertenKonzepts ein besonderes Anliegensein. Dem SENAT DER WIRTSCHAFT und seinenMitgliedsunternehmen ist es eine besondereFreude, gleichzeitig aber auch Verpflichtung,Persönlichkeiten in den eigenen Reihen zu wissen,die zur europaweiten Etablierung des ökosozialenVerständnisses in höchstem Maße beigetragenhaben.Dazu zählen auf österreichischer Seite zuvorderstdie beiden Ehrensenatoren DI Dr. JosefRiegler und DI Dr. Franz Fischler. Einer derprofundesten Wissenschaftler und Denker indiesem Bereich steht dem SENAT DER WIRT-SCHAFT in Deutschland als Präsident vor, Prof.Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher, der durch unzähligeVorträge, Studienbegleitungen, Publikationenund durch seine Lehrtätigkeit unermüdlichfür die Bewusstseinsbildung im Hinblick aufökosoziale Verantwortung wirkt. Mit diesen Persönlichkeitenstehen den Mitgliederunternehmennahezu unerschöpfliche Wissenresourcenzur Verfügung, die für die Umsetzung ökosozialerKonzepte im eigenen Unternehmen genutztwerden können – ja dafür sogar genutzt werdenmüssen.Hans Harrer, Vorstand im SENAT DER WIRT-SCHAFT, betont in besonderer Weise, dass diesnicht lediglich graue Theorie ist: „Wir reden nichtnur darüber, dass dieses Know-how den Mitgliederunternehmenzur Verfügung steht – wir beweisendas auch durch Senatsprojekte, bei denenUnternehmerinnen und Unternehmer gemeinsammit diesen Experten konkrete Lösungen fürdie eigenen Unternehmen und weit darüber hinausentwickeln.“Beispielhafte Projekte mitSenatsunternehmenAuf einige Projekte sei in diesem Zsuammenhangspeziell hingewiesen, bei denen Unternehmerinnenund Unternehmer das Know-how aus demSENAT DER WIRTSCHAFT zukunftsorientiertnutzen und damit ihre ökosoziale Verantwortungwahrnehmen.CO 2-FREIE REGIONENDie führenden Unternehmen aus Westösterreich,allesamt Mitglieder im SENAT DER WIRT-SCHAFT, die eine wesentliche Anzahl der Arbeitsplätzein der Region bereitstellen, haben aufeigene Initiative den SENAT gebeten, sie bei derEntwicklung eines Konzepts zu unterstützen,damit ihre Unternehmen CO 2-neutral agieren.In mehreren Workshops und unter der wissenschaftlichenBeratung von Prof. Dr.Dr. Franz-Josef Radermacher, wurde ein Aktionsplan dererforderlichen Massnahmen, Investitionen,Fertigungsprozessänderungen, Rohstoffbeschaffungsprozessenu. v. m. erstellt. Aktuell arbeitendiese Unternehmen unter Berücksichtigung derim Rahmen der Projektentwicklung festgelegtenzeitlichen Komponenten an der Umsetzung. ImJahr 2016 sollte die Basis geschaffen sein, dassUnternehmen ihr großes Ziel erreichen.Damit nicht genug, forderten die Unternehmerinnenund Unternehmer die Politik auf,ihnen zu folgen und sich an diesem Prozess zubeteiligen. Dadurch sollen auch die Einrichtungenund Unternehmen der öffentlichen HandCO 2-neutral werden. In gemeinsamen Projektsitzungenmit Prof. Dr.Dr. Radermacher wurdedieser Prozess nun in die Wege geleitet. DieseVorgehensweise ist beispielhaft für den gesamtenmitteleuropäischen Raum, iniziiert von70


ökosozial verantwortungsbewussten Unternehmerinnenund Unternehmern im SENAT DERWIRTSCHAFT und mit dessen tatkräftiger Unterstützung,inklusive einer positiv orientiertenWirkung auf die politischen Institutionen.ÖKOSOZIALE STEUERREFORMDer Grund, warum das Steuersystem eine ökosozialorientierte Veränderung benötigt, liegt aufder Hand: Nachhaltigkeit hat eine ökologischeDimension (Ressourcen- und Energieverbrauchund die damit verbundenen Umweltschäden,einschließlich der CO 2-Emissionen), eine ökonomischeDimension (Steuereinnahmen werdengenutzt, um den Faktor Arbeit von Steuern undAbgaben zu entlasten) und eine soziale Dimension(verteilungspolitisch ungewollte Belastungenauszugleichen. Eine ökosoziale Orientierung desSteuersystems bewirkt daher in logischer Folge,dass ökologische Investitionen angestossen werden.Der SENAT DER WIRTSCHAFT beauftragteals Teil eines Konsortions von Unternehmenund Insitutionen, wie dem Ökosozialen ForumÖsterreich, der Julius Raab Stiftung, EnergieSteiermark AG, Gewerkschaft PRO-GE, Greenpeace,Schachinger Logistik und Global 2000,die detaillierte Ausarbeitung eines entsprechendesVorschlages. Unternehmerinnen und Unternehmeraus dem SENAT DER WIRTSCHAFTgaben Inputs, brachten konkrete Vorschläge einund nutzten die Möglichkeit, aktiv an der Ausgestaltungdes Reformvorschlags mitzuwirken.Hans Harrer zu den weiteren Schritten: „Sobalddie künftigen politischen Entscheidungsträgergewählt, angelobt und handlungsfähig sind,wird der vorliegende, in allen Details wissenschaftlichund mathematisch untermauerte 114Seiten starke Endbericht mit der Unterstützungder Wirtschaft mit allem Nachdruck an die agierendenPersönlichkeiten herangetragen werden.Das Unternehmertum treibt damit die Politikvor sich her, damit nicht nur die Unternehmenhandeln, sondern auch die Politik endlich etwasunternimmt, um ökosoziale Verantwortungnicht nur auf den Lippen zu tragen, sondern diesauch durch Tun zu beweisen.“LEHRLINGS-BAUSTELLEAls weiteres Beispiel sei das Thema des Facharbeitermangelserwähnt. Dieser wird ebenfallsmedienwirksam insziniiert. Andere jammern,die Unternehmen des SENAT DER WIRT-SCHAFT handeln. Auf Initiative des Geschäftsführersder Dolinschek GmbH, Senator KR AlbinDolinschek, und dem Marketingleiter von Sun-Media, Senator Andreas Müller, wurden sechsHäuser ausschließlich von Lehrlingen errichtet.Das mag lapidar in einem Satz gesagt sein, bewirkteaber gewaltiges Echo und hatte ungeahntepositive Auswirkungen. In Summe beteiligtensich 21 Senatsunternehmen mit ihren Lehrlingenan dieser Initiative, das Können und die Attraktivitätder Lehrberufe wurden dadruch ampraktischen Beispiel dargestellt und dieses Paradeprojektin Finkenstein (Kärnten) wurde vonSchulen und Lehrkräften besucht sowie auf breiterBasis medial dargestellt. Der Präsident desSENAT DER WIRTSCHAFT, Dr. Erhard Busek,zählte zu den treibenden Kräften bei der Projektentwicklung,um aktive Reputiationsbildung fürden Lehrberuf in der Öffentlichkeit zu erreichen.71


SENATE // Politik & GesellschaftDIE ÖKOSOZIALE WIRKUNG DERSENATSUNTERNEHMENIn diesem Zusammenhang sei darauf besondershingewiesen, dass sich viele Unternehmenim Umfeld des Senats mit ökosozialen Themenbefassen. Sie sind beispielgebend für die gesamteösterreichische Unternehmerwelt. Geradedie Ausgabe Nr.2/2013 des SENATE-Magazinszum Thema „Heiße Luft um nichts? Über Klimawandel,sinnvolle Doppel-Strategien undGemeinwohl-Zukunft“ ist gefüllt mit Best-Practise-Beispielenvon Unternehmerinnen und Unternehmern,die ihre ökosoziale Verantwortungtagtäglich in der Praxis leben.Keine zeitgeistige ErscheinungAchim Feige, Senior Brand Consultant beibrand:trust, zeigte bei einem Top-Executive-Talkim Frühjahr 2013 in Wien eine grundlegendeVeränderung der Entscheidungsstrukturen vonKonsumentinnen und Konsumenten auf. Erführte aus: „War nach dem Weltkrieg der Fokusder Unternehmen das Versorgen und Verteilen,ging es darauf folgend hauptsächlich umsVertreiben und Verkaufen. In den 80er- und90er-Jahren des letzten Jahrtausends stand dasVerführen und Manipulieren im Mittelpunkt. Salesund Marketing war bis zu diesem Zeitpunktvon der internen Unternehmenssicht getrieben.Das ist vorbei! Jetzt, im neuen Jahrtausend gehtes den Konsumentinnen und Konsumenten darum,mit ihren Geschäftspartnern gemeinsamBedeutung zu schaffen. Unternehmen, die dieseBeeinflussung ihres Tuns durch externe Sichtweisennicht akzeptieren und nutzen, werdendie Zukunft nich er- und überleben.“Einige CSR-Projekte als Hobby zu betreibenund im Jahresbericht einige Zeilen über Ökologievon sich zu geben ist bei weitem nicht mehrgenug. Immer mündiger werdende und immerbesser informierte Zielgruppen spüren, ob alldas Feigenblätter zur Verschleierung der wahrenGeisteshaltung sind, oder ob es sich um eineaufrichtig gemeinte und gelebte ökosoziale Verantwortunghandelt, die Einfluss auf den ökonomischenErfolg des Unternehmens hat. Solangedie ökosoziale Orientierung nicht aktiv beiträgt,um die Unternehmensziele zu erreichen und alsintegrierter Bestandteil der Erlösstruktur merklichspürbar ist, solange handelt es sich um leereLippenbekenntnisse und um Projekte, die in unternehmerischherausfordernden Zeiten sofortder Vergangenheit angehören. Wahre ökosozialeVerantwortung ist jedoch Teil des Geschäftskonzeptsund daher ein unabdingbarer Bestandteildes unternehmerischen Wirkens.Jetzt handeln!Das Angebot des SENAT DER WIRTSCHAFT liegtdaher für alle Unternehmen unseres Landes klaram Tisch: Sinnvolle, tiefgreifende und nachhaltigeUnterstützung in der Umsetzung des Wunsches,ökosoziale Verantwortung auf die Straßezu bringen! Karl Kaiblinger und Robert Egger,beide Senatoren im SENAT DER WIRTSCHAFT,postulierten bei einer vom SENAT unterstütztenInformationsveranstaltung zum Thema „Eastmeets West“, bei der es um Gemeinsamkeitender Führungskonzepte der westlichen und fernöstlichenWelt ging, worauf es heute ankommt:„Es geht nicht darum die Dinge richtig zu tun. Esgeht darum zu hinterfragen, ob wir die richtigenDinge tun!“Mit anderen Worten: Wenn der Rauchfang einesSchiffes handwerklich noch so perfekt gestrichenwird, ist es im Falle eines leckgeschlagenenSchiffes trotzdem die falsche Aktivität. Es gehtdaher jetzt darum, unser unternehmerische Tunzu hinterfragen, um die Dinge zu tun, von denenwir überzeugt sind, dass sie die richtigen sindund erst in weiterer Folge zu analysieren, wiewir diese Dinge richtig umsetzen können. DerSENAT DER WIRTSCHAFT mit allen verbundenenKnow-how-Trägern steht Unternehmenbei diesem Prozess tatkräftig zur Seite, damitUnternehmen das „unternehmen“, was nötig ist,um ökosoziale Verantwortung auf die Straße zubringen.72


Jochen ResselDie Macht der TrachtGründe für die Renaissance traditionellerBekleidung im DonauraumHeute wird sie mit allerlei Namen bedacht: Landhausmode,Country-Look, Jäger-Gwand, Oktoberfest-G’wandl,Raiffeisen-Smoking, Kommunalpolitikergwandlusw. Menschen, die in denBergen und am Land aufgewachsen sind tragensie ganz selbstverständlich und finden, dassStädterinnen und Städter darin immer ein wenigverkleidet aussehen. Die einen beschwörenden Traditionalismus, die anderen interpretierenFormen, Farben und Materialien neu. Fürdie einen Pseudo-Look, für die anderen moderneMode mit historischen Wurzeln. Für die einenFrevel an der stolzen Geschichte, für die anderenschlichtweg „in“. Die Rede ist von der Tracht,dieser besonderen Art der Kleidung, die sich im19. Jahrhundert formte und bis heute in ihrenGrundzügen unverändert erhalten geblieben ist.Angesichts der aktuellen Entwicklung kann mandurchaus von einem Trachten-Boom sprechen,greifen doch immer mehr junge Menschen wiederauf diese historische Kleidung zurück. Woranliegt diese Rückbesinnung? Oder handelt es sichum eine Vorwärts-Besinnung?Jochen Ressel ist im obersteirischen WallfahrtsortMariazell geboren. Im SENAT DER WIRTSCHAFT ist erMitglied der Chefredaktion, ist im Projektmanagementund als Programm-Koordinator des EUROPEANDANUBE FORUM SPITZ tätig. Im Rahmen desBusiness-klub-Jochen Ressel konzeptioniert, organisiertund moderiert er über 50 Businesstalks, Konferenzen undKongresse pro Jahr.73


SENATE // Politik & GesellschaftHistorischesSeit nunmehr über 100 Jahren bestehen in unserenBreiten Trachtenvereine, die sich mit derDefinition, der Herstellung und dem Tragen dieserKleidung beschäftigen. Besonders hingewiesensei in diesem Zusammenhang darauf, dassTrachten nicht lediglich Teil des Lebens im zentraleuropäischenKernland sind, sondern überallauf der Erde existieren. Ob in den entlegenstenTeilen Afrikas und Asiens oder im Alpen- undDonauraum: überall gibt es diese traditionellenKleidungsformen, die allerdings von einer globalisiertenModewelt weitgehend verdrängt wurden.Ihre einprägsamen Besonderheiten lassendie Tracht immer noch als etwas besonderes erscheinen– farbenfroh und ausdrucksstark. Mitbesonderem Fokus auf den Donauraum, sindviele dieser Besonderheiten länderübergreifendeMerkmale, egal ob in der ungarischen, kroatischen,bulgarischen, rumänischen, ukrainischen,bayrischen oder unserer österreichischenTracht. Dazu zählen unter anderem z. B. dieüberall vorkommenden Schürzen, Hüte, Ranzenund dekorativen Elemente sowie die omnipräsenteVerbindung zur Jagd als zentrales Elementder Nahrungsbeschaffung.Wie Tracht kommuniziertFür ihre Träger war die Tracht stehts mehr alslediglich eine Bekleidungsform. Sie entstand ausden Bedürfnissen der Arbeit und des Festes. DieLederhose als widerstandsfähiges Material beider Arbeit in der Natur, der Ranzen als Schutzfür Nieren und mit Stützfunktion für den Bewegungsapparat,wie auch der enge Leib desDirndls mit ebendieser Stützfunktion für die imlandwirtschaftlichen Bereich tätigen Frauen. Ergänzenddazu kam die Festtagstracht, die edlereForm der Arbeitskleidung. Zur Arbeit: die kurzeLederhose, zum Kirchgang: die Kniebundhose.Zur Arbeit: das einfache Dirndl, zum Fest: dasSeidendirndl usw.Dem Kenner und Wissenden vermittelt dieTracht in ihrer traditionellen Form auch heutenoch viel über Wesen und Herkunft der Trägerinbzw. des Trägers. Sie gibt Auskunft darüber, auswelcher Region man stammt (mitunter sogar auswelchem Dorf), über Reichtum oder Armut, überdie soziale Stellung und sogar darüber, ob manledig, verheiratet, verwitwet, heiratswillig oder-unwillig ist. Ob Trauer oder Hochzeit, sonntäglicherKirchgang oder Hochfest: die Tracht gibtAuskunft darüber und spielt mit einer Vielzahlvon Komponenten als Kommunikationsmittel.Heute erkennt man sogar österreichische Trachten,die speziell für russische Touristinnen undTouristen gefertigt wurden mit freiem Auge.Aspekte der GeisteshaltungDie Kommunikationskraft der Tracht wurdemehr und mehr instrumentalisiert und schließlichauch politisch genutzt, um gewisse Geisteshaltungenöffentlich darzustellen. Im Nationalsozialismusz. B. galt die Tracht als Ingriff desAusdrucks der Volksgemeinschaft. Sie grenztevon anderen Rassen und Völkern ab und zeigtegermanisch/arische Motive. Die Tracht, aus derhistorischen Entwicklung bereits seit jeher mitder Jagd als Berufsbild verbunden, fand so Eingangin das ideologische Umfeld und zeigte Zugehörigkeit.Noch vor wenigen Jahren war das Tragen derTracht im städtischen Bereich nicht minder starkkonnotiert. Trug jemand im öffentlichen LebenTracht, so wurde dies als nahezu untrügliches,eindeutiges Zeichen für die politische und religiöseGesinnung gesehen: traditionalistisch,eventuell monarchistisch, möglicherweise adelig,katholisch,aber ganz sicher politisch eher rechts.Erst in den letzten Jahren wird Tracht mehrund mehr als Modefaktor gesehen – losgelöstvon allen ideologischen, politischen und geisteshaltungsorientiertenInterpretationen. Dasie in der Alltagskleidung der urbanen Räumeverschwunden ist, wurde sie Ausdrucksmittelbei besonderen Anlässen und Synonym für entspanntesFeiern, für Freude und für ein bei diesenAnlässen besonders zum Ausdruck gebrachtesLebensgefühl.74


Was hinter dem Trendsteckt – eine TheorieMöglicherweise steckt hinter dem heute zu beobachtendenModetrend „Tracht“ auch der Wille,besondere Anliegen zu kommunizieren – auchwenn das unbewusst geschieht. Die Tracht ist,wie erwähnt, Ausdruck eines Lebensgefühls undder Identifikation mit einer Region und einerGemeinschaft. Vieles davon ist im Uniformismusder Modewelt verloren gegangen. Umfragenzeigen jedoch, dass gerade junge Menschenmehr und mehr auf der Suche nach ihrer Identitätsind, auf der Suche nach ihren Wurzeln, weilsie trotz aller digitalen, grenzüberschreitendenKommunikationsformen erkennen, dass Identitätdas Rahmenkonstrukt des eigenen Handelns,des Verstehens und Verstandenwerdens,bildet. Die Tracht ist Synonym für diese in derGeschichte verankerte Identität. Sie ist zwarmodischen Schwankungen unterworfen, ist aberin ihrer grundsätzlichen Erscheinungsform seit75


SENATE // Politik & Gesellschaftüber 100 Jahren stabil und bleibend – Werte, diejunge Menschen in der Welt von heute besondersvermissen.Die Tracht ist entstanden aus den Anforderungenund Bedürfnissen der Menschen bei Arbeitund Fest. Weniges in der Welt von heute orientiertsich an den Bedürfnissen des Menschen.Die Tracht transportiert auch diesen Aspekt:den Willen zur Orientierung an den Bedürfnissender Menschen.Die Materialien der Tracht sind nicht Viskose,Polyamid, Nylon und Co, sondern sind ursächlichmit der Natur verbunden: Wolle, der darausgewirkte Loden, Leder und Seide spielen dieHauptrollen. Diese Materialien stehen geradeheute mehr denn je für Nachhaltigkeit, Natürlichkeitund für Ressourcenbewusstsein. All daspasst zu den aktuellen Studien über die Wertebilderjunger Menschen. Wie die APA in einer Studieam Anfang des Jahres erhob, sehen sich dieüberwiegende Mehrheit der 18 bis 24-Jährigenals familienbewusst, heimatorientiert, verantwortungs-und umweltbewusst sowie Lifestyle-kritisch.Es ist daher keineswegs absurd, dassdas nunmehr wieder äußerst beliebte anlassbezogeneTragen der Tracht unbewusst genau dasbewirkt, was schon immer integrierter Teil derTracht war: Eine Form der Kommunikation vonIdentität und Werten.Wie der Profi dazu steht –Loden Steiners SichtweiseDas Unternehmen der Familie Steiner beschäftigtsich seit 1888 und mittlerweile in der fünftenGeneration in besonderer Weise mit derTracht. In diesem Jahr gründeten die Vorfahreneine kleine Lodenwalke, aus der das Unternehmen„Loden Steiner“ entstanden ist. Produktewie der „Schladminger“ sind viel gefragter Exportartikel.Mit fixen Partnern ist das Unternehmenin den Märkten Italien, Frankreich, Großbritannien,aber auch in den USA, in Japan undKorea vertreten.Loden Steiner ist ein weltweit exportierendes Unternehmenmit Sitz in der Dachstein/Tauern-Region und produziertseit 1888 Loden aus unterschiedlichen Wollarten.Loden Steiner ist Mitgliedsunternehmen im SENAT DERWIRTSCHAFT. www.steiner1888.atAuf die Frage wie er den aktuellen Trend zurTracht wahrnimmt meint Herbert Steiner: „Inder Region, in der unser Unternehmen ansässigist, im Ennstal, ist die Tracht natürlich immerpräsent gewesen. Allerdings sehen auch wir einenverstärkten Trend bei jungen Menschen.Sichtbar wird das auf Festen, wo 80–90% derjungen Menschen in Tracht unterwegs sind. Eswerden sogar neue Trachten und Dirndln füreinzelne Städte und Regionen kreiert, wie z. B.das Schladminger Dirndl. Treibene Kräfte hinterdiesen Initiativen sind hauptsächlich die Jungen.“Aus seiner Sicht ist der Auslöser für denTrachtenboom auf mehreren Ebenen zu finden:„Einerseits gibt es die preisliche Variante. Durchverstärkte Importe sind Lederhosen und Dirndlnnun auch für junge Menschen erschwinglichgeworden. Selbst traditionelle Tracht-Trägerinnenund -Träger verwenden für den Alltag diesedurchaus tauglichen Produkte.Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist dieTatsache, dass andere Branchen mithelfen, dieTracht wieder salonfähig zu machen. Beispielhaftsei hier die Musik erwähnt. Musiker wieAndreas Gabalier oder die Seer erleichtern jungenMenschen den Zugang zur Tracht und wirkenimagebildend – ein Musiktrend, der mit Hubervon Goisern seinen Anfang nahm.“ Auf dieDauer dieses Trends und die Auswirkungen angesprochenstellt Herbert Steiner fest: „Trendskommen und gehen. Es ist natürlich zu hoffen,dass auch beim Abflauen des jetzigen Booms dieTrachtenaffinität auf einem höheren Niveau weitergetragenwird. Unwidersprochen ist sie füralle Trägerinnen und Träger Ausdruck der Tradition,des Heimatbewusstseins und wirkt daheridentitätsbildend.“76


Labinota Isufi„Wir müssen mehrBewegungsspielraumschaffen – vor allemfür die Jungen!“Forum Alpbach: Dr. Busek fordertechte europäische Öffentlichkeitund weniger Vorschriften„Europa-Werte quergedacht“ – unter dieses Mottostellte der SENAT DER WIRTSCHAFT seinendiesjährigen Arbeitskreis im Rahmen des EuropäischenForums Alpbach. „Wir wollen mehrRaum schaffen für unterschiedliche Standpunkte.Es ist wichtig, dass wir einen differenziertenBlick auf Europa haben, das ja gerade durch seineVielfalt vereint ist“, so der Vorstand des SENATDER WIRTSCHAFT Hans Harrer. So wählte derSENAT in seiner Senatswerkstatt ein neues, interaktivesFormat, das gemeinsam mit promittoorganisations- und politikberatung entwickeltwurde. Die Leitfrage dabei war: Welche Werteund Fähigkeiten braucht es, um auch in Zukunftunternehmerisch erfolgreich zu sein? Dazu wurdenVertreterInnen aus Politik und Wirtschaft– insbesondere Jung-UnternehmerInnen – eingeladen.Erfahrungen und WerteDie Konsequenzen der Wirtschafts- und Finanzkrisesind auch Resultate einer Wertekrise, diesich in unserer Gesellschaft immer weiter verbreitet.Zwischen VertreterInnen der Realwirtschaftund jener der Finanzwirtschaft könnte dieKluft gar nicht größer sein. „Die blinde Gier nachdem schnellen Geld hat ein ganzes System an denRande des Abgrunds geführt“, gibt Harrer zu bedenken.Damit meint der Vorstand des gemein-77


SENATE // Alpbach spezialPodiumsdiskussion StS Kurz und Dr. Busekwohlorientierten Think-Tanks aber keineswegsbloß den finanziellen Abgrund. Die europäischeAntwort, so ist der SENAT DER WIRTSCHAFTüberzeugt, müsse in einer Neubetonung einernachhaltigen und gemeinwohlorientierten Werthaltungliegen. „Besonders junge UnternehmerInnenwerden wesentlicher Träger und Treiberdieses neuen Wachstums sein“, wünscht sichder Senatsvorstand.„Es werden diese verinnerlichten Weltbilderund Lebenshaltungen sein, die maßgeblich unsereFähigkeit zur Veränderung von Systemenbestimmen werden“, sagte Dr. Erhard Busek,Vizekanzler a. D. und Präsident des SENAT DERWIRTSCHAFT. Erst die echte Auseinandersetzungüber die Gemeinsamkeiten, vor allem aberauch Unterschiede in den Werten führe zu einertragfähigen Basis für eine gute Entwicklung.WERT-volles Fundament für EuropaAn dieser Basis arbeiteten mehr als 100 Senatoren,Sentatorinnen und Gäste der internationalbesetzten SENATs-WERKstatt. Via Skype wurdezu zwei Arbeitskreisen in Ljubljana und Brüssellive-geschaltet. Die Synergien, die sich aus der internationalenwie interdisziplinären Zusammenarbeitergeben, sollen künftig verstärkt genutztwerden, um Lösungen für drängende Fragen zufinden. Erfahrene wie auch aufstrebende JungunternehmerInnengingen gemeinsam mit renommiertenFachexpertInnen den Fragen nachgemeinsamen Werten auf den Grund. Vor allemaber wie diese den Zusammenhalt und Partizipationfördern können, war von Interesse. „Europasteht in vielerlei Hinsicht vor großen Herausforderungen,doch kann es auf besondere Fähigkeitenund Werte zurückgreifen. Nur gemeinsamkönnen wir diese vielen wertvollen Fähigkeitenerkennen und umsetzen“, ist der Keynote SpeakerProf. Robert B. Rosenfeld überzeugt.Europa ein Gesicht gebenAbschließend wurden die verschiedenen Ergebnissein einem prominent besetzten Plenumpräsentiert. SENATs-Präsident Dr. Erhard Busekzeigte sich zufrieden: „Wir müssen eine echte europäischeÖffentlichkeit schaffen. EuropäischeTalkshows wären ein möglicher Weg, denn einesist klar: wir brauchen viel mehr Kommunikationzum Thema Europa!“ Sebastian Kurz, Staatssekretärfür Integration, war begeistert von denErgebnissen: „Es geht darum, Menschen das Gefühlzu geben, dass sie auch wirklich aktiv mitgestaltenkönnen, um gegen den europäischenStillstand anzukommen. Es muss unser gemeinsamesZiel sein, Europa ein Gesicht zu geben.“78


Prof. Robert B. Rosenfeld79


SENATE // Alpbach spezialHintere Reihe: Mag. Josef Fellinger jun.; Prof. F. J. Radermacher; MMag. Markus Starecek; Mag. Patrick Lindner; Dr. ErhardBusek; Dieter Härthe; Hans Harrer; Vordere Reihe: Denise Pölzelbauer; Stefan Hofmüller; Katharina Hofmüller MSc,MBA;Elisabeth Thomas; Prof. Robert B. Rosenfeld;Gipfeltreffen der Generationen –Der JUNGE SENAT spricht TachelesDas traditionelle SENATs-Frühstück stand imAlpbacherhof dieses Jahr ganz unter dem Motto„Erneuerung“. Daher war es auch der JUNGESENAT, der das Plenum eröffnete. Erst abendszuvor hatte ihn Präsident Dr. Erhard Busek ausder Taufe gehoben und damit nicht nur das AlpbacherGeneralthema „Erfahrungen und Werte“wiederspiegelt, sondern auch den Weg für dieZukunft einer neuen Generation im SENAT DERWIRTSCHAFT geebnet.Der JUNGE SENAT will, dem Trend entsprechend,frischen Wind und quergedachte Ideen inden SENAT bringen. „Wir verstehen uns als Angebotund Sprachrohr für eine neue Generationvon Jung-UnternehmerInnen. Wir sind parteipolitischunabhängig und sind somit frei ein einzigesInteresse zu vertreten: das der Wirtschaft“,so das Mission Statement der Jungen. „Wir wollenjetzt etwas tun und verkrustete Strukturenim Sinne einer Gemeinwohlwirtschaft aufbrechen“,hieß es weiter. SENATs-Präsident Busekbegrüßt dieses Engagement, denn „als Bürgermuss man sich in seine Angelegenheiten einmischen“.Er ermutigte seine jungen SENATs-KollegInnen,nicht in die „Weltuntergangsstimmung“einzustimmen, sondern den Mut zur eigenenklaren Stimme zu haben. Prof. Dr. Dr. FranzJosef Radermacher, Präsident des deutschenSENATs, pflichtete Busek bei und mahnte auch,eine globale Perspektive in die Diskussion zubringen: „Global betrachtet sind mehr als 50%der Weltbevölkerung unter 20 Jahre alt – es gibtalso noch viel zu tun!“.Mit der Live-Videokonferenz ist es dem SENATDER WIRTSCHAFT gelungen bewusst zu machen,dass es hier und jetzt möglich ist, etwasauch über Grenzen hinweg zu bewegen. Es istauch gelungen, die tatsächlich gelebten europäischenWerte von UnternehmerInnen nicht nurzu zeigen, sondern auch einen, für alle lebbaren,Wertekanon zu erarbeiten – ganz nach demLeitsprich des SENATs: „Wirtschaft – das sindwir alle!“.80


SENATs-Aktivitätenim Rückblick„East meets West“:Führungskonzepte imVergleichAm 19. August 2013 folgten rund 60 geladeneGäste aus Wirtschaft und Politik der Einladungder Senatoren DI Robert Egger (Shaolin Österreich)und Karl Kaiblinger (kaiblinger & partner),um zwei Führungskonzepte miteinanderzu vergleichen: das Konzept der fernöstlichenShaolin mit Leadership Challenge®, einem Führungskonzeptder westlichen Welt.So unterschiedlich die Ansätze von Egger undKaiblinger auch sein mögen, so haben sie docheines gemeinsam: Sie stellen beide den Menschenin seiner Ganzheit in den Mittelpunkt.„In meiner langjährigen Erfahrung habe ich bemerkt,dass man mit rein westlichen Methodenan Grenzen stößt. Für mich ist die Shaolin-Philosphieein Weg, der sich mit unserer westlichenUnternehmenskultur bestens vereinen lässt“,ist Robert Egger überzeugt. Karl Kaiblinger ergänzt:„Führungspersonen stehen heute vorzahlreichen und vor allem ganz neuen Herausforderungen.Es liegt somit an uns selbst, sichdas beste Know-how für unsere Führungsarbeitund unsere Mitarbeiter anzueignen. Wie das ameffizientesten und effektivsten gelingen kann,konnten wir mit dieser Veranstaltung deutlichmachen.“81


SENATE // Wirtschafts-NewsWirtschafts-NewsTop-Informationen aus Top-Unternehmen„Vulcano Ursprung“feiert GeburtstagBettinaund Franz Habel feiern die von ihremUnternehmen iniziierte Schinkenwelt„Vulcano Ursprung“ den ersten Geburtstag. Am13. September wird das Jubiläum mit einemgroßen Fest für Jung und Alt in Eggreith beiAuersbach begangen. Auf zwei Etagen und über1.000 m² werden die Besucher in die Welt feinstenSchinkens entführt und erfahren alles überdas Geheimnis dieser veredelten DelikatesseSchinken. Bei Führungen werden die einzelnenSchritte der Produktion, Verarbeitung und Reifetechnikveranschaulicht: Vom Edelstahlschinkenam Eingang über den Willkommensraum, Arkadenweg,Schweinestall und das Regionale „Speisekastl“bis zum einzigartigen Sinnesraum mitausgefallenen Installationen und schwebendenSchinken. Die anschließende Schinkenbar, derGenussladen und Gewölbekeller sorgen dafür,dass hier wirklich alles am Gaumen zergeht. DerSENAT DER WIRTSCHAFT gratuliert diesem erfolgreichenMitgliedsunternehmen.82


VDB – Vereinigungder Backbranche:erfolgreiches 7.KolloquiumDie Branche war vollständig angetreten,keiner der Großbetriebe und auch keinFilialist mit Rang und Namen ließ sich die Gelegenheitentgehen, am 7. Kolloquium der VDBÖsterreich am 10. und 11. Juni 2013 in Schladmingteilzunehmen. Das war zum einen demThema geschuldet, das ausgehend von eineraktuellen Bestandsaufnahme in Zahlen, der GeschäftsführerMichael Bruckner vorlegte, sichintensiv mit der Frage der Nachwuchswerbungbeschäftigte. Den Reigen zum Thema Lehrlingeeröffnete Angela Pretzl, Obmann-Stellvertreterinder VDB, mit den Ergebnissen einer Umfrageunter österreichischen Berufsschülern. Es wurdeintensiv diskutiert, wie man Fachkräfte nichtnur gewinnt, sondern auch hält. Im Rahmen derVeranstaltung stellten Spar Österreich, McDonaldsÖsterreich sowie die Großbäckerei Ankerihre Lehrlingsprogramme vor, die wieder einmalzeigte, wie intensiv und systematisch man sichmit der Suche, der Förderung und der Begleitungvon Auszubildenden beschäftigen muss, wennman Erfolge erzielen will. Der zweite Tag warden Anforderungen an die Bäckereien aus denThemenbereichen Hygiene und Zertifizierungengewidmet.Der SENAT DER WIRTSCHAFT dankt SenatorKR Dr. Peter Schneider für sein Engagement in diesemwichtigen Bereich.15 Jahre die Berater ®Das österreichische Trainings- und Consultingunternehmen,wurde 1998 von Mag.Martin Röhsner gegründet und feiert damit sein15-jähriges Bestehen. Heute beschäftigt es 460MitarbeiterInnen an über 70 Standorten in ganzÖsterreich und ist auch in der Slowakei, Slowenien,Ungarn und Bulgarien tätig. Jährlich werdenfür rund 16.000 TeilnehmerInnen Aus- undWeiterbildungsprogramme geplant, organisiertund durchgeführt. die Berater® UnternehmensberatungsGmbH zählt damit zu den größten ErwachsenenbildungseinrichtungenÖsterreichs,wurde mit dem Staatspreis für Erwachsenenbildungund dem Life-Long-Learning-Award ausgezeichnetund ist Mitgliedsunternehmen imSENAT DER WIRTSCHAFT.83


SENATE // Wirtschafts-NewsInnovationCamp:neue GeschäftsmöglichkeitenfürUnternehmenMit dem InnovationCamp wird Unternehmenim Rahmen des Innovationskongressesdie Möglichkeit geboten, eine Aufgabenstellungaus ihrem Unternehmen kreativbearbeiten zu lassen. Bereitgestellt werden einInnovationsnetzwerk mit exklusivem Expertenwissen,Branding als innovativer Vorzeigebetriebin Online- und Printmedien, Crowdsourcingund Gamification-Mechanismen sowie nutzbaresMethodenwissen. Die Problemstellung wirdprofessionell von ISN betreut und für die Umsetzungbearbeitet und wird von mehr als 8.000kreativen Impulsgebern auf Österreichs CrowdsourcingPlattform www.neurovation.net onlinebearbeitet und vorbewertet. Iniziiert wird dasInnovationCamp von Martin Maitz, dem Organisatordes Innovationskongresses im CongressCenter Villach, zu dem wieder über 1.200 TeilnehmerInnenerwartet werden und am 14. und15. November 2013 stattfindet. Mehr Informationenunter www.innovationskongress.at.Sonnentor feiert25-Jahr-JubiläumAm15. August lud SONNENTOR zum Jubiläums-Kräuterfestin Sprögnitz. Zu MariäHimmelfahrt – dem traditionellen Kräuterweihtag– öffnete SONNENTOR für mehr als 7.000Besucher seine Tore. An diesem Tag standen dieKräuter-Schätze der Natur ganz im Mittelpunkt.Ein buntes Programm für die ganze Familie mitLivemusik und Bio-Schmankerln sorgten fürsonnige Unterhaltung. Ein besonderes Highlightwar der Versuch, ein für das Waldviertel typischesGebäck für das Guiness Buch der Rekordezu backen: einen Riesen-Mohnzelten mit 70 kgGewicht und einem Durchmesser von 1,60 Meter!Die Besucher hatten außerdem die Gelegenheit,einen Blick hinter das „SONNENTOR“ zuwerfen und sich selbst ein Bild davon zu machen,wie die Kräuter, die später ihren Tee oder ihreSpeisen veredeln, angebaut und verarbeitet werden.Der SENAT DER WIRTSCHAFT gratuliertseinem Mitgliedsunternehmen mit Gründer undGeschäftsführer Senator Johannes Gutmannzum Jubiläum und wünscht weiterhin viel Erfolgdurch beispielhaftes, nachhaltiges und ökosozialesWirtschaften!84


Haberkorn gewinntTRIGOS AuszeichnungBeider TRIGOS Gala im Wiener Rathausam 3. Juni konnte Haberkorn den TRIGOSPreis für ganzheitliches CSR-Engagement in derKategorie Großunternehmen entgegennehmen.Der TRIGOS ist Österreichs Auszeichnung fürCorporate Social Responsibility (CSR) und wirdan Wirtschaftsunternehmen vergeben, die sichsozial und ökologisch besonders engagieren.Dass Haberkorn den TRIGOS 2013 gewinnenkonnte, freut Vorstand Gerald Fitz besonders:„Den TRIGOS zu gewinnen ist etwas Besonderes.Es ist für uns eine Bestätigung, dass wir denrichtigen Weg gehen und natürlich eine Motivation,diesen konsequent fortzusetzen.“ Die Jurybegründet ihre Entscheidung mit dem verantwortungsvollenWirtschaften von Haberkorn,das eng mit der Unternehmensstrategie verknüpftist. Neben zahlreichen Klimaschutzaktivitätenund einer umfassenden betrieblichenGesundheitsförderung hat die Jury vor allem diedurchgeführte Nachhaltigkeitsüberprüfung deskompletten Produktsortiments überzeugt. DerSENAT DER WIRTSCHAFT gratuliert seinemMitgliedsunternehmen zu dieser besonderenAuszeichnung. Foto: v. l. n. r.: Sektionschefin BernadetteGierlinger (BMWFJ), Michael Opriesnig(Stv. Generalsekretär Rotes Kreuz), Gerald Fitz(Haberkorn GmbH), Christian Friesl (BereichsleiterGesellschaftspolitik, Industriellenvereinigung)Fotocredit: TRIGOS/Richard Tanzer.SOT-Süd-Ost Treuhand– Sommergesprächezum Thema„Gleichheitfreiheit“Die SOT Süd-Ost Treuhand lud bereits zum14. Mal zu den Sommergesprächen ins„Casineum am See“ des Casino Velden ein. Über130 Manager aus Industrie und Wirtschaft sowieSteuer- und Rechtsexperten widmeten sichdem spannenden Thema „Gleichheitfreiheit“,ein Wort, das schon beim Lesen zum Nachdenkenanregt. Es diskutierten u. a. Anton Schmidl(SOT Partner), Horst Pirker (Vorstand des EntsorgungskonzernsSaubermacher), Horst Gross(Präsident des Universitätsklubs Klagenfurt),Peter Kostelka (Volksanwalt a. D.), HeinrichNeisser (2. Nationalratspräsident i. R. und Jurist),die Journalisten Robert Misik und ChristianOrtner sowie Friedrich Spritzey (Partner derSOT – Siehe Foto v. l. n. r.). Inhaltlich stand dieFrage im Mittelpunkt: Was kann die beiden BegriffeGleichheit und Freiheit verbinden, gehörensie zusammen oder getrennt? „Mit dieser Fragesetzten wir den Reigen der Behandlung von philosophischenund soziologischen Grundüberlegungenbei den SOT Sommergesprächen fort“,zeigt sich Dr. Anton Schmidl, SOT Partner undInitiator der Sommergespräche, erfreut über diegroße Teilnehmerzahl. SOT ist Mitgliedsunternehmenim SENAT DER WIRTSCHAFT.85


SENATE // Wirtschafts-NewsWilli Opitz kreiertCuvée für PrinceGeorgeIm Rahmen der „Royal Summer Party“ derAustro-British-Society kreierte Senator WilliOpitz, unterstützt von der anglophilen Gästeschar,einen besonderen Wein für den jüngstenund derzeit wohl berühmtesten Engländer, fürPrince George Alexander Louis von Cambridge.Der Botschafter Österreichs beim VereinigtenKönigreich, S.E. Emil Blix, wird die besondereKreation des burgenländischen Starwinzers undder Mitglieder der ABS an die Royal Family übergeben.ABS-Präsident KR Dr. Kurt Tiroch stellteallerdings fest: „Verkosten darf der künftige Königden edlen Tropfen aber erst bei seiner Hochzeit.“Senator Willi Opitz ergänzt im Hinblickauf die Qualität der erstellten Cuvée: „So wie fürPrince George die besten Ingredenzien verwendetwurden, Kate und William, so wurde auch fürden Royal-Baby-Cuvée nur das Beste der Weinrebendes Burgenlandes herangezogen.“1. Career MovesChancen-BarometerIst Chancengleichheit ein Lippenbekenntnisoder bereits Realität in Österreichs Unternehmen?Bis dato gab es zum Thema Arbeit und Behinderungin Österreich keine aussagekräftigenund repräsentativen Zahlen. Daher hat die Online-JobinitiativeCareer Moves dieses Jahr denChancen-Barometer ins Leben gerufen, um erstmaligdie Situation von Menschen mit Behinderungam Arbeitsmarkt in Österreich auszuloten.Mehr als 250 CEOs und Personalverantwortlichevon österreichischen Betrieben haben im Zugeeiner repräsentativen Erhebung zur Einstellungvon Menschen mit Behinderung ihre Meinungabgegeben. Die Ergebnisse belegen erstmals mitkonkreten Zahlen den Stand der Inklusion vonMenschen mit Behinderung in österreichischenBetrieben und die diesbezügliche Haltung undEinstellungsbereitschaft der PersonalentscheiderInnen.Der Career Moves Chancen-Barometerwird ab heuer jährlich die Entwicklung vonChancengleichheit von Menschen mit Behinderungam Arbeitsplatz dokumentieren und soll alsBasis für weitere Initiativen in diesem Bereichdienen. Die Ergebnisse des Career Moves Chancen-Barometerwurden am 27. August erstmalsder Öffentlichkeit zusammen mit BundesministerRudolf Hundstorfer präsentiert.86


Sie können uns fragen!Oder die,die eh` nichts wissen.Neues Buch vonBarbara TollinererschienenBarbara Tolliner ist fasziniert, was Kinderalles können. Ihr Motto: „Kinder könnenmehr, wenn man sie lässt.“ Tagtäglich sieht siebesorgte Eltern, die das Beste für ihre Kinderwollen. Noch nie haben Eltern so viel für ihreKinder getan wie heute. Und sie vertrauen gehorsamdas Wertvollste – ihr Kind – einem Schulsysteman, das noch nicht im 21. Jahrhundert angekommenist. In ihrem eben erschienen Buch„Die ambitionierten Eltern und ihre Feinde“, miteinem Vorwort des bekannten dänischen Familientherapeutenund Buchautors Jesper Juul,zeigt sie anhand von acht dialogischen Gesprächen,wie sich Eltern für ihre Kinder einsetzen,sich in Sachen Schule ins Zeug werfen, was ihnenund ihren Kindern Druck und Stress verursachtund wie Schule von diesen Erkenntnissen profitierenkann. Barbara Tolliner ist Senatorin imSENAT DER WIRTSCHAFT und Initiatorin desImpulsforums „Unternehmen & Familie“.MASCO Consult GmbHInnsbrucker Bundesstraße 40/2, A – 5020 SalzburgT +43 662 82 56 88F +43 662 82 56 88-21office@mascoconsult.comwww.mascoconsult.com


SENATE // Wirtschafts-NewsWolfgang B. SchmidtGeschäftsführer MASCO Consult, Senatorim SENAT DER WIRTSCHAFTIn Las Vegas stehtein Hofbräuhaus …Über ein nicht alltägliches InvestmentLas Vegas, die Stadt mit den größten Hotels derWelt und ca. 40 Millionen Besuchern jährlich,die Stadt der Casinos, Shows und des Entertainments.Themenhotels wie Paris, Venedig, NewYork und Mandela Bay – was für Dimensionen!München sollte da doch nicht fehlen, der Transferbayrischen Kulturgutes drängt sich regelrechtzwingend auf. Was eignet sich da nicht besserals ein originalgetreuer Nachbau vom „Hofbräuhaus“in München …Die Idee erschien zunächst abwegig, eher eineSchnapsidee. Kaum jemand konnte sich dasvorstellen. Las Vegas – Mafia, Spielerparadies,Schutzgelder – waren die spontanen, nicht vorurteilsfreienGegenargumente, die natürlichallesamt überhaupt gar nicht mehr stimmten.Aber wo in Las Vegas könnte eine solche Projektideeumsetzbar sein? Am Strip? Aussichtslos,unbezahlbare Lage. Ach ja, und überhaupt, wersoll denn so etwas finanzieren, ca. 13 MillionenUS-Dollar für eine Gastronomie mit ca. 1.000Plätzen, mit Schwemme und Biergarten, und dasauch noch bei durchschnittlich 40 Grad trockenerHitze?Der Reiz, das Unmögliche zu tunWenn ein Projekt von allen als unmöglich realisierbareingestuft wird, ergibt sich ein besonderesReiz, es eben doch zu schaffen. Neben einerumfangreiche Due Diligence war die entwickeltewirtschaftliche und organisatorische Konzeptionund das Know-how schlussendlich die Grundlagefür die erfolgreiche Realisierung, angefangenbeim Grundstück, über die Architekten, den Generalunternehmer,den Lizenzvertrag bis hin zurKapitalbeschaffung und Bankkredit sowie dasManagement.Ein ideales Grundstück fand sich parallel zum„Strip“ an der Paradiese Road, direkt gegen-88


über des Hard Rock Cafés und des Casinos. Dasca. 1,53 acres (ca. 6.190 m²) große Grundstückerlaubte die Bebauung mit einer Grundflächevon ca. 1.700 m².Genug für eine Nachbildung der „Schwemme“wie im Münchner Original mit ca. 500 Plätzenund einem Biergarten mit ebenfalls 500 Plätzen.Der allerdings nicht im Freien, sondern mit14 Meter Deckenhöhe voll klimatisiert, Brunnenund Kastanien und weiß-blauem bayrischemHimmel. Das Ganze überdacht mit über 70.000echten Creaton – Biberschwanzziegeln aus Bayern.Realisierungs-GegenwindGanz reibungslos verlief der Bau jedoch nicht.Die „Union“ (Gewerkschaft) demonstrierte mehrereMonate, weil der Generalunternehmer Arbeiterbeschäftigte, die nicht der Gewerkschaftangehörten.Ein Übriges tat dann noch die Diskussion darüber,ob das Hofbräuhaus in München nicht dieUrzelle des Nationalsozialismus gewesen sei. Soverzögerte sich die für Oktober 2003 geplanteFertigstellung um fast ein halbes Jahr. Die Eröffnungam 31. Januar 2004 führte dann allerdingszu einem Verkehrskollaps auf der Paradise Road,der Verbindung vom Flughafen zum ConventionCenter mit über 60.000 Fahrzeugen pro Tag.Nahezu 10 Jahre später …Ein Lizenzvertrag mit dem Staatlichen Hofbräuhausin München auf Dauer von 20 Jahren sorgtfür die regelmäßige Lieferung aller in Münchengebrauten Biersorten, ab Rampe München überBremerhaven per Schiff nach Los Angeles unddann per Truck nach Las Vegas, alle 4 Wochenein 49-Fuß-Container.Originales, importiertes Bier insbesondere nachdem Reinheitsgebot gebraut ist genauso wichtigwie originale bayrische Speisen, abgerundet mitLive-Musik von Bands aus dem alpenländischenRaum, die alle vier Wochen wechseln. Die aufeinem Alphorn geblasene amerikanische Nati-Hofbräuhaus Las Vegas89


SENATE // Wirtschafts-NewsWolfgang B. Schmidt (MASCO) mit Ottfried Fischer und Sigfried Fischbacher von Siegfried & Royonalhymne führt zur allgemeinen Entzückung.Einzig die typische „Weißwurscht“ hat sich bisjetzt nicht so richtig durchsetzen können, dieamerikanischen Gäste bevorzugen eher die gegrillteForm.Seit Eröffnung in 2004 besuchen durchschnittlichca. 360.000 Gäste pro Jahr den originalgetreuenNachbau mit Spitzenbesuchen beim„Oktoberfest“, in der Regel durch Siegfried &Roy zeitgleich mit dem Münchner Oktoberfesteröffnet, aber dann sechs Wochen lang. So ziemlichallen bedeutenden Prominenten in den USAob Schauspieler, Künstler, Showgröße, Sportleroder Politiker war das Hofbräuhaus Las Vegaszwischenzeitlich einen Besuch wert.US-Dollar als Non-recourse-Kredit gewährt wurde.Die Kommanditisten profitieren von einerregelmäßigen jährlichen Ausschüttung von mindestens12% auf das eingesetzte Kapital.Für profitable Ergebnisse sorgt ein aus vier Urbayernbestehendes Management, das umsatzabhängigvergütet wird. Einen beträchtlichenAnteil am Umsatz hat das Merchandising, ineinem großzügigen integrierten Shop sowie onlinegibt es fast alles mit bayrischem alpenländischemHintergrund. Von Krügen über Dirndl,Lederhosen, Kuckucksuhren bis hin zu Markenproduktenwie Porzellan und Trachten. Aufgeht`s, in Vegas steht ein Hofbräuhaus … oans,zwoa, gsuffa!Das FinanzierungskonzeptFinanziert wurde das Investment durch eineLimited Partnership, vergleichbar Kommanditgesellschaft,deutsche Anleger erbrachten8.750.000 US-Dollar Eigenkapital Die Bank ofNevada war offensichtlich von dem Projekt undder damit verbundenen Historie so angetan,dass der der benötigte Kredit über 4 MillionenWolfgang B. Schmidt ist Geschäftsfüher des internationalenProjektentwicklungsunternehmens MASCO, miteinem jährlichen Auftrags- und Investitionsvolumen vonca. 2,5 Mrd. Euro. Die Schwerpunkte liegen dabei imBereich Sachwertanlagen, erneuerbare Energie, M&Asowie Corporate Finance. MASCO ist ein Mitgliedsunternehmenim SENAT DER WIRTSCHAFT.www.mascoconsult.com90

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