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"Familienbetriebe heute" (PDF-Download: 175,6 KB) - WDR 5

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Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteeiner übersichtlichen Struktur aufwachsen, und dann habe ich gedacht, dann wäreder Landarzt nicht schlecht. Und das habe ich mit Dorothee besprochen, ob dasdenn eine Option ist und Dorothee konnte sich das auch gut vorstellen.Take 9, Günter Urban:Mein Großvater hat in Tinleff gelebt, das war zur damaligen Zeit noch deutsch. 1920,nach dem verlorenen Weltkrieg ging es ja darum, wird es deutsch oder geht es zuDänemark? Da war die Volksabstimmung hier oben. Und dann ist es halt zuDänemark gekommen und meine Großeltern wollten keine Dänen sein. Deswegensind sie nach Sörup gezogen 1920 und haben das Haus hier gekauft. Und dann hatmein Großvater, er ist gelernter Buchdruckermeister, hier den Betrieb gegründet, -mein Vater, der aus der Gefangenschaft gekommen ist, aus Russland, hat dasweitergeführt. Und ich selbst habe das auch noch so gelernt, wie Gutenberg daserfunden hat in Bleisatz, mit Winkelhaken und Setzkasten, alles, was dazu gehört.Ich habe in Flensburg gelernt, beim Flensburger Tageblatt und habe einige Jahre dadie Zeitung gemacht.Take 10, Hayo Färber:Mein Vater war ein sehr kreativer Mensch, der auch selber modelliert hat, wir habeneine Figur im Haus von Hans Albers, einiges spricht dafür, dass er die gemacht hat.Ich bin natürlich schon als Kind immer damit in Berührung gekommen, mit demKreativen. Mein Vater war absolut nicht autoritär, eher antiautoritär. Der hat sich inmeine Erziehung nicht so sehr eingemischt. Ich weiß, ich habe einmal eine Ohrfeigebekommen, das war eine richtige Sensation. (lacht) Meine Hauptbezugsperson warmehr meine Mutter. Für meine Mutter war es immer sehr wichtig, dass ich später maleinen Beruf ergreife, der mit einem Studium verbunden ist, weil meine Mutter auseinem sehr gebildeten Elternhaus stammt, wo sehr auf Bildung Wert gelegt wurde.Und das hat sie natürlich auf mich, ihren einzigen Sohn, etwas übertragen.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.4


Christian Kröger:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteDie Dorothee sehr verletzt haben, die ich aber überhaupt nicht gesehen habe, weilMutter, na klar!Take 14, Mandy Urban:Aber es ist aber auch nicht so leicht, wie die Leute sich das immer vorstellen: duarbeitest bei Papa... Es ist schon schwieriger, mit Familie zu arbeiten. Es istschwierig, da zu trennen, wir verstehen uns nicht im Job und wir verstehen uns nichtim privaten Leben. Da muss man manchmal ein oder zwei Mal schlucken. Es istmeistens so, dass man sich hier so einigt, lassen wir es, aber zuhause kommt esnoch mal auf beim Mittagessen. Man söhnt sich doch eher aus, als mit einem Chef,mit dem man nicht zusammen wohnt. Es sind nicht so viele unausgesprocheneDinge im Raum wie in anderen Firmen. Es gibt auch Momente, da schaffen wir esnicht, aber dann sehen wir uns ein Wochenende nicht, und dann ist es doch wiederin Ordnung.Take 15, Hayo Färber:Als 1980 meine Frau den Wunsch äußerte, das Panoptikum zu übernehmen, alsmein Vater eben auch alt geworden war, war meine Mutter gar nicht dafür. Sie hatgesagt, es kommt überhaupt nicht in Frage, dass Du als Frau auf St. Pauli dasPanoptikum machst! St. Pauli ist ja, damals noch mehr als heute, immer ein etwasanrüchiger Stadtteil gewesen.Take 16, Hayo Färber:Meine Mutter hätte es lieber gesehen, wenn das Panoptikum damals in andereHände übergegangen wäre. Meine Frau, die sehr durchsetzungsstark war, hat sichdadurch nicht beirren lassen und hat dann auch das Panoptikum weiter geführt.Dieses etwas schwierige Verhältnis kann man auch daran erkennen, dass meineEltern sehr wenig Öffentlichkeitsarbeit gemacht haben. Mein Vater hat nie einInterview gegeben im Zusammenhang mit dem Panoptikum.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.6


Take 17, Dorothee Kröger:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteIhr Rollenverhältnis ist auch wichtig. (Sie ist als Arzttochter): Ihr Vater war ja Arzt inVorpommern, dann war sie immer die Arzt-Ehefrau, und jetzt war ihr die Rolle wichtigals Mutter (…) des Arztes. Die hat sie sich nicht nehmen lassen, sie hat ja schwerdarum gekämpft. Ich kam hier an, und dann hat sie mich vorgestellt: „Das ist meineSchwiegertochter aus der DDR, Kreis Strausberg!“ Und damals war eine Hasstiradegegen die Ossis, die langsam die West Landschaft durchströmte. Es war schwierigzu bestehen mit der Geschichte. Ich war sehr unglücklich hier. Ich hatte studiert inBerlin, hatte immer was zu tun und hier plötzlich keine Aufgabe mehr, nur noch zuHause, auf dem Land, raus aus der Stadt, vom Leben.Take 18, Christian Kröger:Erst hat sie selber den Schlussstrich gezogen und ist nach Damp gezogen an derOstsee, wo sie ja eine Wohnung hat, war aber in einer Depression und sehr einsamdort, weil wir ihr die alte Rolle nicht mehr zugestanden haben, weil es nicht mehrging. Und von daher war sie sehr lange mit der Trauer und dem Schock, dass meinVater gestorben war und dieses Umorientieren, das war für sie nicht einfach.Und als sie dann wiederkommen wollte, haben wir gesagt: „Nee, wir schaffen dasnicht!“ Erstens hatten wir dann sechs Kinder und brauchten den Raum. Und zumanderen hatten wir auch gesagt, wir wollten es emotional nicht: wir wollen eigentlichnicht unter einem Dach wohnen, wobei wir sie schon gerne in Horneburg hätten. Wirwollen sie jetzt nicht entwurzeln. Und das war für meine Mutter schon das Problem,weil sie ja ein Flüchtling aus Hinterpommern war, war sie ja schon einmal geflüchtet.Jetzt war immer im Raum dieser Vorwurf, wir würden sie erneut ihrer Heimatberauben. Wir haben dann eine Wohnung für sie gefunden im Ort, wo siehingezogen ist. Und sie hat hier gleich um die Ecke noch einen Schrebergarten wosie ein Sommerhäuschen hat, ein kleines.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.7


Take 19, Hayo Färber:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteIch habe meine Einstellung gewandelt, sicher in erster Linie durch die Arbeit meinerFrau. Mit 15, 16 Jahren, fand ich eigentlich das Panoptikum sehr langweilig. MeineEltern hatten da einen etwas anderen Stil. Meine Eltern hatten Berührungsängste mitdem Stadtteil. Meine Eltern legten immer ganz großen Wert darauf, dass dasPanoptikum sehr, sehr seriös ist. Deswegen fanden hier auch bestimmte Dinge nichtstatt. Es gab z.B. keine Gruselecke, das wäre für meine Eltern unvorstellbargewesen. Wir hatten natürlich hier Figuren, ist ja klar, die Figuren standen häufig vorgrauen Plastikvorhängen. Das ist langweilig. Meine Frau hat das alles sehr vielbunter, sehr vielfältiger gemacht, sie hat sich intensiv mit der Geschichte desPanoptikums auseinandergesetzt und viele Dinge eingeführt, die es auch in demalten Panoptikum gab, was mir heute auch wichtig ist. Das möchte ich meinenBesuchern heute auch zeigen: was Wachsfigurenkabinette früher waren. Und dieseEinstellung hatte meine Frau auch.Take 20, Günter Urban:Und dann kam der besagte Unfall. Das war auf einem Freitag, 25. August, da war derUnfall abends, die stehende Sonne, da hat er ein Fahrzeug übersehen und am 29.August war die Beerdigung, das war mein Geburtstag, mein 22. - Wir hatten dannden Familienrat, wie geht das weiter, ich habe das deshalb gemacht, damit meineMutter die Möglichkeit hatte, hier im Haus zu bleiben. Wir hatten damals noch einenPapierladen, (und äh) das hat überwiegend meine Mutter gemacht, das Geschäft.Damit das nicht ganz ein Fall nach unten war. Da habe ich meine Arbeitsstelleaufgegeben, die richtig gut bezahlt war, weil es eine Tageszeitung war mitSchichtarbeit, Wochenend-Arbeit.Sprecherin:Auch ein Brötchen kostet seinen Preis, - die Menge macht's, sicherlich. Das wirdschwierig in einem mecklenburgischen Dorf.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.8


Take 21, Dopp:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteIch wollte (oder hätte) eigentlich die Bäckerei nicht übernehmen oder hier miteinsteigen. Ich habe in Rostock damals Facharbeiter für Bachwarentechnik,Spezialisierung Konditor beim Konsum Backwarenkombinat gelernt, habe auch einpaar Jahre in Rostock in Schichten gearbeitet und bin kurz vor der Wende 89 wiederzurückgekommen. Und bin hier mit eingestiegen und habe den Absprung auch nochmal richtig geschafft. In der Wendezeit sind ja sehr sehr viele Betriebe kaputtgegangen. Da war ich froh, dass ich hier wieder unterkommen konnte, genau!Take 24, Dopp:Früher war es ja so, da wurde im Dorf geheiratet. Mein Uropa, der die Bäckereigegründet hatte, hatte sich seine Frau damals schon aus dem Nachbarort geholt.Mein Opa hat sich seine Frau aus Rostock mitgebracht, die dann eben hier miteingestiegen ist und die Bäckerei geführt hat. Wir haben hier nebenan noch eineGastwirtschaft, eine Kneipe, das war der Altenteil. Die Jungen haben die Bäckereigemacht und die Alten haben in der Gastwirtschaft mitgearbeitet. Und ganz frühergab es noch Gästezimmer für Urlauber oder Sommerfrischler, wie man so schönsagte. Und der Tanzsaal, in den 50ger Jahren ist das Dach zusammen gefallen. Ichselbst kenne das nicht mehr. Nach dem Krieg war das immer noch so ein Zubrot. Dawar aber auch bedeutend mehr in den Dörfern los. Wenn meine Oma morgens umzehn die Kneipe aufgemacht hat, war die erst mal voll. Jeder, der durchs Dorf fuhr,hat erst mal halt gemacht.Mutter:Es war ja Leben im Dorf. Es gab eine Molkerei gegenüber. Es war Leben. Und dasDorf war an sich ein Selbstversorger. Wir hatten einen Tischler, einen Stellmacher,Molkerei, Schmied, war alles im Dorf, war alles da. Dann kam der, der nächste, unddann ging’s los ein Bier, ein Schnaps, dann wurde gefeiert. Das war richtig lustig, dahabe ich die Tür offen gelassen, da haben sie den einen hochgenommen, denandern.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.9


Dopp:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteBei uns ist die Sprache ja noch platt – für uns Kinder war das immer ganzinteressant, man war dann ganz leise und hat zugehört, war immer ganz lustig, wenndie Alten sich ihre Sachen erzählt haben.Take 25, Hayo Färber:Mein Urgroßvater, der Gründer, ist schon sehr früh gestorben, um 1900 herum.Das neue Panoptikum wurde in der Ruine 1948 gegründet, das hat ja bis Mitte, Endeder 50ger Jahre bestanden. Und ich erinnere noch gut meinen Großonkel, der jaselbst die Figuren hergestellt hat, und natürlich meinen Großvater. Die waren sehrimponierend, die waren sehr kreativ, und sie hatten ein unglaubliches Interesse anmoderner Technik. Das drückt sich einmal dadurch aus, dass mein Urgroßvater daserste Auto in Hamburg besaß: 1894! Und begeisterungsfähig: Das drückte sich auchin dem alten Panoptikum aus, wo viele Dinge gezeigt wurden, die ganz ungewöhnlichwaren, z. B. Tanagra war eine optische Täuschung, bei der man eine Tänzerin durchHohlspiel so verkleinerte, dass man den Eindruck hatte, die tanzte auf einemSchreibtisch. Mein Großonkel und sein Bruder, die ihr ganzes Leben wie Pech undSchwefel zusammen gehangen haben hatten z. B. auch ein Flugzeug konstruiert,Anfang des 20. Jahrhunderts. Die haben hier in Hamburg Flugversuche gemacht!Und diese Begeisterungsfähigkeit ist auch auf meinen Vater übergegangen, meinVater war künstlerisch hochbegabt. Der Traumberuf meines Vaters wäre eigentlichArchitekt gewesen. Mein Vater hat, als ich Kind war, schon ein Modell dieses Hausesentworfen mit Laubsäge und Stricknadeln, das hat mich schwer beeindruckt inminutiöser Kleinarbeit. Er hat natürlich seine künstlerische Begabung hier auch imHaus ausgetobt, wir haben ja ein Diorama, der gesamte Entwurf für das Dioramastammt von meinem Vater, das Panorama von Paris, das hat er in minutiöserKleinarbeit gezeichnet für den Bildhauer, der das umgesetzt hat.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.10


Take 26, Mandy Urban:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteUnd es gibt ja auch in Schleswig ein Druckereimuseum, da wird mein Vater immerganz sentimental mit ganz alten Maschinen. Ich denke, wenn man's gelernt hat undes ist schon so veraltet, dann kann man auch sentimental werden – (lacht). Ich habeda nicht so einen Bezug zu. Ich stelle mir nur vor, das war unglaublich anstrengendund aufwändig, allein eine A 4 Seite Text alles aus einzelnen Buchstaben...Take 27, Hayo Färber:Die bedeutendste Veränderung, die ich in Angriff genommen habe, dass wir einevöllig andere Fassade gebaut habe. Wir haben eine professionelle Hörführung, wirhaben eine neue Internetseite. Natürlich, ich frage mich auch, was machen wireigentlich, machen wir hier Kunst oder ist das Kitsch, oder ist das Kunsthandwerk?Wir haben z. B. hier eine Figur von Willi Bartels. Das ist der sog. Kiezkönig gewesen,für den Stadtteil ein sehr bedeutender Mann. Diese Wachsfiguren werden ja sohergestellt, dass man zunächst mal eine Tonskulptur macht. Man hat also von dieserTonskulptur nicht nur eine Wachsfigur hergestellt, sondern man auch eine Bronzegegossen. Und diese Bronze steht im Hotel Hafen Hamburg. Wenn man nun fragenwürde, was ist denn diese Bronzefigur? Dann würde jeder sagen, ja, das ist Kunst.Wenn man unsere Figur sieht, dann kommt man ins Grübeln. Trotzdem ist es diegleiche bildhauerische Arbeit. Und ich behaupte, dass unsere Bildhauer wirklichKünstler sind, aber das wird nicht überall so gesehen und das wird sicherlich auchvon der Kulturbehörde etwas anders gesehen.Take 29, Dorothee Kröger:Ich bin gelernte Krankenschwester und habe zu DDR-Zeiten ja nicht mein Abiturmachen können, und habe mit Mitte 20 angefangen, Medizin zu studieren und dannpolterten die Kinder.Take 30, Hayo Färber:Was für mich am Anfang das größte Problem war, nachdem ich sehr lange meineeigene Praxis hatte: Ich fing auf St. Pauli an, war Mr. Nobody, hatte im Grunde keine© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.11


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteAhnung von der Geschäftsführung des Panoptikums, hatte keine Ahnung von demStadtteil. Mich kannte niemand, und das fand ich nicht sehr angenehm, das muss ichzugeben. Ich hatte so ein Schlüsselerlebnis: Wir haben hier eineInteressengemeinschaft St. Pauli, wo alle seriösen Gewerbetreibenden zusammengefasst sind, wir treffen uns einmal im Monat. Ich fuhr da zu unserem Treffpunkt imHotel Hafen Hamburg und begegnete im Fahrstuhl einem der Vorstandsmitglieder,einem alten St. Paulianer, und der musterte mich von oben bis unten und sagte: „Ah,Herr Färber, Sie wollen also ein St.Paulianer werden.“(lacht)Take 31, Mandy Urban:Wenn ich jetzt die Drucksachen angucke, die ich mache, wie sich die Zeitungverändert hat in den letzten 10 Jahren, das ist ein sehr sehr großer Unterschied. Unddas sagen mir die Leute auch. Dass ich mir so viele Gedanken mache, welchesThema haben wir diesen Monat. Das Ausprobieren von verschiedenen Sachen... Esist wie ein Baum, ein kleiner Zweig, dann geht es in diese Richtung, nee, das ist esnoch nicht, dieses Schöpfen von Dingen, das finde ich schön, das ist eigentlich amschönsten. Und durch den Ort zu gehen und zu sehen, das habe ich gemacht. Esfreut mich, dass andere Leute das sehen und anerkennen.Take 32, Hayo Färber:Ich habe versucht, die Geschäftsführung so anzupacken, wie es meine Frau getanhat, ich habe sie da als großes Vorbild gesehen, sehe sie heute auch noch, meineFrau hat das völlig anders gemacht als meine Eltern. Sie hat sich voll hinter diesesUnternehmen gestellt, sie hat sich ehrenamtlich auch in verschiedenen Positionen imStadtteil beteiligt und ich mache das genauso. Ich bin also hier im Vorstand desBürgervereins, im Vorstand der Kirche, im Beirat der IG St. Pauli, das heißt, ichkümmere mich, soweit es mir möglich ist, sehr intensiv um diesen Stadtteil, so dassich mich inzwischen hier sehr zu Hause fühle. St. Pauli ist ja wirklich ein ganz bunterStadtteil, zu diesem bunten gehört auch die Prostitution. Was wir nicht wollen, undwo wir auch aktiv werden würden, dass die Prostitution in den kriminellen Bereichabsinkt. Aber die Prostitution als solche gehört sicherlich zu diesem Stadtteil.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.12


Sprecherin:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteDer Vater war Landwirt, hatte den Hof von seinem Großvater übernommen, beideEltern kamen an ihre Grenze:Take 33, Jens Hansen:93 haben sie gemerkt, das geht so mit der Landwirtschaft, wie sie das machen, nichtweiter. Anfang der 80ger Jahre haben sie die Landwirtschaft umgestellt aufbiologische Landwirtschaft und 93 war so ein Punkt, wo sie gemerkt haben, sieverdienen kein Geld, um zu investieren, was eigentlich nötig war. Wir hatten ja nochden alten Kuhstall, Anbindehaltung, wie das da üblich war. Es war aber kein Geld da,keine Reserven da, um zu sagen, wir machen jetzt den nächsten Schritt. Um zuinvestieren, wie es eigentlich nötig war einen Kuhstall zu bauen, einen Melkstand, umeinfach weiter existieren zu können. Und dann haben sie gedacht, was machen wirjetzt? Wir haben 29 ha Land, die biologisch bewirtschaftet werden, wir wollen gerne,dass das weiter biologisch bewirtschaftet wird. Wie können wir das lösen? Und dannhaben sie eine GmbH gegründet mit mehreren Freunden und haben den Hof alsGrundkapital in die GmbH gesteckt. Das heißt, der Hof war damals 1,3 Mio. Markwert, heute ist das wahrscheinlich in Euro und hatten dann 300.000 Mark Schuldenauf den Banken, haben das damit aufgelöst und eine Million der GmbH alsGrundkapital damit gestiftet. Damit haben sie Geld gehabt, um einen neuen Kuhstallzu bauen, einen neuen Melkstand, um einen Schritt nach vorne zu kommen. Das wardann 93, d.h. sie haben noch mal 10 Jahre hier gewirtschaftet.Take 34, Dopp:Der Ofen, der wurde 1928 gebaut. Das war damals wahrscheinlich das Modernstevon dem Modernsten. Und das Modernste an dem Dampfbackofen war es auch:durch den Ofen gehen so kleine Wasserrohre, wie eine Sprinkleranlage und mankonnte dann das Wasser aufdrehen, das Wasser fiel auf den heißen Backofen undhat Dampf erzeugt, damit die Krume vom Brot sich dehnt, sonst würde sieirgendwann reißen. Der musste Tag und Nacht geheizt werden, der Ofen. Das heißt,mein Vater ist morgens als erstes angefangen, ihn zu heizen und hat abends als© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.13


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteletztes abends aufgehört, ihn zu heizen. Damit er diese Temperatur hält! Der Ofenmuss ja immer bei 230, 240 Grad sein, damit man damit backen kann. Wenn wirUrlaub hatten, ich musste 3 Tage vorher schon anfangen zu heizen, um diesen Ofenwieder hoch zu kriegen. Wir haben das warme Wasser damals von dem Ofenbekommen, da wurde mit geheizt, im Winter war das der schönste Fleck im ganzenHaus, es war immer pottwarm da drinne, jetzt ist es richtig kalt in der Bäckerei, jetztist es manchmal nur 18 Grad in der Bäckerei.Take 35, Günter Urban:Und es ist ja auch so, dass die Leute kommen und sagen, ich habe hier was zurechtgemacht an (Pause) meinem Rechner, dann kriegen wir die Dateien und sollen daszu Papier bringen. Grauenhaft! Wenn wir dasselbe dem Kunden vorlegen würden,der würde uns das rechts und links um die Ohren hauen. Das habe ichwahrscheinlich auch von meinem Vater geerbt: ich kann dann mein Maul nichthalten. Ich sage den Leuten, mit was für'm Scheiß kommst du hier an? Das siehtdoch schrecklich aus! Meine Tochter sagt immer: Halt doch mal die Schnauze! Seidoch einfach mal ruhig, wir machen das, und dann ist gut! Sie hat das dann vielbesser im Griff als ich.Take 36, Christian Kröger:Vor vier Jahren, da war ich relativ frustriert, Alltagsfrust, da habe ich noch eineweitere Form der Chirotherapie kennengelernt, FDN, eine Form der Osteopathie, dashat mir noch einmal eine ganz neue Lebensqualität gegeben. Da hatte ich eineSprechstunde eingerichtet, wo ich diese Osteopathie mache auch wenn es einbisschen auf Kosten von allen geht, abends um 19.00 Uhr noch mal für zweiStunden. Es ist immer so erfrischend, Dinge zu machen, die sofort einen Erfolgzeigen. Da kommen Leute krumm rein und ich arbeite an ihnen rum, und sie gehenfröhlich nach Hause. Alles nur mit den Händen, ohne Chemie, ohne dass da einePharmaindustrie hinter steckt, eine ganz archaische Kunst, hätten schon dieNeandertalermachen können, das befriedigt mich sehr und das hat mir noch malganz viel Lebensqualität gegeben.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.14


Take 37, Mandy Urban:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteWenn es hektisch sein muss, dann kann ich auch hektisch sein. Aber ich versucheimmer zu sagen, ich mache das jetzt, und dann mache ich das nächste. (Und wennes nicht klappt, dann versuche ich es noch mal. Einen anderen Weg gibt es ja nicht.)Es muss gemacht werden, und ob ich mich jetzt ganz doll da drüber aufreg‘, oder obich rangehe und vielleicht eine Stunde länger brauche, aber dann habe ich mir denTag nicht selber versaut. Einfach mal so vor sich hin, wie mit einem Stift und einemBlatt Papier, da mal ein Kringel und da mal ein Kringel, irgendwann kommt man draufund sagt, jetzt ist es, manchmal dauert es seine 2,3, Tage, bis einem das, was mangemacht hat, gefällt.Take 38, Jens Hansen:Meine Eltern haben irgendwann gemerkt, dass für sie die Landwirtschaft nicht mehrdas ist, was sie wollen. Sie haben Beziehungsprobleme miteinander gehabt undhaben einfach gemerkt, sie können das nicht mehr gemeinschaftlich tragen. 2001haben sie hier auf dem Hof aufgehört. Die Stiftung hat ihn dann weiter verpachtet.Mein Opa war gar nicht so für die Landwirtschaft, ich denke mal, wäre sonstirgendwas anderes geworden hat den Hof aber übernommen, weil sein Bruder imKrieg gefallen ist. Er hat aber so psychisch einen mitgenommen aus dem Krieg, dasser einfach wirtschaftlich den Hof nicht gut führen konnte, weil er so mit sichbeschäftigt war in Gedanken. Dann hat er den Hof ziemlich verkommen lassen. Dannhat er zu meinem Vater gesagt, mit 15, so jetzt bist du aus der Schule raus, jetztmachst du den Hof weiter. Und dann hat mein Vater den mit 15 übernommen und hatden 35 Jahre geführt. Und dann hat er gesagt, jetzt habe ich das 35 Jahre gemacht,was normalerweise auch andere ihr Berufsleben haben: Jetzt mache ich noch maldas, wozu ich Lust habe. Und hat den Hof dann eben abgegeben.Take 39, Dopp:Ach hier, das ist zum Beispiel der Kimmendopp, der erste, der namentlich genanntworden ist. Kusak in Jürgenshagen, das war nicht ein Bauer, das war eine Büttnerei.Der lebte 1632, dann Heinrich Dopp, der lebte bis 1714, dann Karsten Dopp, der war© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.15


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heutebewirtschaftet haben, gesprochen, weil ich auch nicht wollte, dass die sich dabedrängt fühlen, ja, jetzt kommt die Familie und guckt denen auf die Finger, nachdem Motto. Und da haben sie mir eben erzählt, dass sie gerade gekündigt hatten(vor 2,3 Wochen) und im Januar nach Neuseeland gehen. Und ob ich mir nichtvorstellen könnte, die Landwirtschaft zu machen. Da habe ich gesagt: „Nee, ich willerst mal weg, und Beziehung gerade zu Ende, und muss erst mal einen klaren Kopfkriegen...“ Ich habe hier fast ein Jahr gelebt, ohne dass ich die Landwirtschaftgemacht habe, sondern mir das erst mal alles angeguckt habe, wie der Ezra dasgemacht hat. Für mich war eigentlich schon einen Monat später, nachdem ich hiergewohnt habe, klar, ich will das wieder machen.Take 42:Und so ist es dann auch gekommen.Take 43, Dopp:Morgen ist z.B. Vollkornbrot-Tag, da wird Vollkornbrot gebacken, Kürbiskernbrot undauch Dinkelbrot. Weizen und Mischbrot wird sowieso jeden Tag gebacken. Wirhaben ja auch Torten, besonders gut geht bei uns die Puddingcremetorte, Dabraucht man für eine Torte einen Liter Milch, also Pudding, ein Stück Butter. So, undden Pudding muss ich abends vorher kochen, weil er ja kalt sein muss. Nachmittags,wenn ich auf den Laden aufpasse, wird nebenbei der Pudding gekocht, es werdennebenbei die Äpfel geschnitten, der Rhabarber geschnitten. Ich bin immer schon kurznach 5 da, das wissen die Leute auch. Meine Mutter passt auf den Laden auf, wennich unten sauber mache oder die Torten mache. Sie löst mich auch ab, dass ich micheine Stunde hinlegen kann, was ich sehr gut finde.Take 44, Dorothee Kröger:Wir haben auch noch in einem anderen Arbeitsalltag angefangen. Ich musste auchdie vielen Notdienste mit abdecken. Damals gab es kein Handy, da musste ich immeram Telefon sitzen, die haben hier angerufen, ich musste bei dem Patienten, wo er© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.17


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heutegerade war, hinterher telefonieren und ihn weiterschicken. Wenn er Dienst hatte, wares immer Familiendienst.Take 45, Jens Hansen:Ich bin total auf den Betrieb gebunden, ich bin ja ein Sklave. Wenn man als Alleinigermelkt, sind das schon Fesseln, weil man ja morgens und abends auf dem Betriebsein muss. Na, ich gucke, wie die rindern: man kann das an den Kühen sehen, wiedie zum Bullen wollen, wenn die besamt werden wollen, dann kann man das sehen.Erst mal sind die verhaltensauffällig, die haben meistens weit aufgerissene Augen,muhen ein bisschen rum. Duldungsreflex nennt man das: und andere Kühe springendann rauf und sie versucht auch, auf andere Kühe zu springen. Ich kann nichtzwischen den Melkzeiten wegfahren und sagen, holla die Waldfee, das ist mir egal.dann verpasse ich 1,2 Kühe und dann dauert es wieder 3 Wochen, bis die wiederbesamt werden können. Und deshalb muss ich sehr achtsam sein in der Zeit, dassdas alles klappt.Take 46, Dopp:Meine Eltern arbeiten hier im Prinzip umsonst. (Die sind auf 225 Euro bei mirangestellt als Minijob) Dadurch geht das, dadurch behalte ich was für mich. Wenndas nicht wäre, würde es nicht funktionieren. (Denn eine sehr große Rente habenmeine Eltern nicht). Mein Vater hat mit 16 angefangen zu arbeiten, der kriegt 800Euro ausgezahlt an Rente, das ist ja im Prinzip ein Witz. Meine Mutter auch. (Diehaben ihr Leben lang hart gearbeitet, das war zu DDR-Zeiten schon so.)Ich habe Schicht gearbeitet in Rostock in so einem großen Backwarenkombinat, dieSchichtarbeiter sind mit 1000 Mark damals nach Hause gegangen. Das istunheimlich viel. Mein Vater hatte nicht mal so viel und hat hier 15, 16 Stunden in derBäckerei gestanden. Ich stehe um fünf auf und habe um sechs, halb siebenFeierabend. Und wenn am Montag jemand kommt mit einer Torte, sage ich auchnicht, nee, mache ich nicht. Wenn ich die Zeit habe und nicht gerade Arztterminehabe, mache ich das. Du hast hier keinen Feierabend, das ist das. Sonnabendhaben wir bis Mittag auf, dann mache ich sauber, Sonntag mache ich sowieso die© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.18


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteSachen, die anfallen, so wie Laden putzen, Bleche putzen, Montag wird wiedereingekauft für die Bäckerei. Du kannst nicht sagen, ich mache meine 8 Stunden unddann ist Ruhe. Man muss irgendwie durch, und wenn man sich mit dem Kopf unter'mArm zur Arbeit schleppt, das ist egal.Take 50, Dorothee Kröger:Ich bin hier angekommen, schon länger. Für mich ist es jetzt anstrengend, nachBerlin zu fahren. Ich brauch das nicht mehr. Weil ich auch mein Umfeld habe undmeinen Lebensmittelpunkt.Take 51, Hayo Färber:Es ist ein altes Unternehmen. Ich sage immer, unsere Kredite sind in 130 Jahrenabbezahlt, wir haben unser Grundstück auf eigenem Grund und Boden, das Hausgehört uns, wir bezahlen keine Miete. Das sind schon mal große Vorteile und ichmeine, wir haben zwischen 150 und 200.000 Besucher im Jahr.Take 52, Dopp:Das Problem ist, ich mach mich auch ein bisschen selbst damit fertig. Ich bin so einTyp, der das nachts austrägt, weil ich am Tag nicht die Zeit habe, mir darüberGedanken zu machen. Ich denke, so ein Betrieb funktioniert nur, wenn das in derFamilie ist, dann fühlt man sich dafür verantwortlich, da hängt ja auch ein bisschenHerzblut an der ganzen Geschichte. Ich bin ja nun Alleinverdienender, wenn ichjemand hätte, der regelmäßig Geld verdienen würde, dann kann man das ganzanders aufziehen, dann kann man sagen, ich mache hier ein Café draus.Take 54, Mandy Urban:Aber ich denk mal, dass es irgendwann auch wieder umschwenken wird und zuQualität zurückkehrt und nicht zu billig, billig und ist egal, wie es aussieht. Ich glaube,der Laden hier wird überleben. Mein Urgroßvater würde die Hände über'm Kopfzusammenschlagen, wenn er sehen würde, was wir hier jetzt machen. SolcheMaschinen wären für ihn vom Mond. Er hat ja wirklich nur gedruckt unten mit© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.19


Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteBleisatz. Ich finde es irgendwie toll zusagen, ich übernehme den Familienbetrieb.Das fühlt sich so heimelig an. Gerade weil es die Druckerei schon so viele Jahre indiesem Haus an diesem Ort gibt. Es ist hier und es bleibt hier. Hier kennt dich jeder,hier grüßt dich jeder, hier kann man mal stehen bleiben und schnacken, das finde ichschon schön.Take 55, Christian Kröger:Es ist bei mir sicher eine Phobie, selber einkaufen zu gehen. Ich liebe es, im Urlaubeinkaufen zu gehen, weil hier guckt man mich an. (Im Laden räusper) Manchekommen auch ungehemmt auf mich zu, das kann ich zwar abwehren, aber dieTechnik ist ja anstrengend. Wenn ich dann vor dem am Weinregal stehe, guckt man,oder wenn ich vor den Gummibärchen stehe.Take 56, Dopp:Es ist auch manchmal, dass man den Leuten ansieht, wenn sie Probleme haben,und dann fragt man, na, wie geht’s denn? Was ist denn? Und dass die sich auch maldas Herz ausschütten, man hat auch immer ein offenes Ohr dafür. Das ist klar, dafürkennt man die Leute zu gut. Das ist auch das, was eigentlich Spaß macht, dieserKontakt mit den Leuten. Unsere Nachbarin hat immer gesagt, das ist noch so dereinzige Ort im Dorf, wo man sich mal trifft.Take 57, Hayo Färber:Meine Tochter wurde schon in der Babyschale von meiner Frau hier rein getragen,meine Tochter steht voll und ganz hinter dem Panoptikum, sie ist wirklich, imGegensatz zu mir, viel intensiver damit aufgewachsen. Es würde mich sehrwundern, wenn sie nicht sehr gerne die Geschäftsführung in die nächste Generationtragen würde. Meine Tochter redet da sehr viel mit, meine Tochter ist da eine großeStütze, für mich ist der Rat meiner Tochter auch sehr wichtig. Auch schon weil ichweiß, wie eng sie mit dem Unternehmen hier verbunden ist.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.20


Take 59, Jens Hansen:Dok 5 – Das Feature, 07.04.2013Ich mache das, aber zu meinen BedingungenSpielarten der Tradition –Familienbetriebe heuteDas ist ne Freundin von meinem Bruders Frau. Ich kannte sie schon über Löstrup,über den Hofladen, da habe ich sie schon mal gesehen, sie hat eben auch zweiKinder, sie ist mal auf den Hof gekommen und dann hat das irgendwie geschnackelt.Sie ist jetzt auch gerade da. Weiß nicht, wo sie gerade hin ist. So haben wir unskennengelernt. Wo man eigentlich denkt, wenn man so von morgens früh bis abendsarbeitet, sollte man keine Frauen kennenlernen, aber das scheint nicht so zu sein.Und ich eigentlich auch keine Beziehung führen wollte oder nicht wieder, ich dachte,die eine reicht erst mal, ich kümmere mich jetzt erst mal um den Hof, aber dannkommt es eben so, wie das Leben es schreibt.Autorin: Margarete GroschupfRegie: Alexander SchuhmacherEine Produktion des SWR 2012.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.21

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