finden Sie meine Memoiren vom Gotthardmarsch 2013 - Strehler ...

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finden Sie meine Memoiren vom Gotthardmarsch 2013 - Strehler ...

und ein Dutzend gut trainiertePersonen mitwanderten, so warenes dieses Jahr bereits über 80 Personen.Bereits im 13. Jahrhundert entdecktenFeldherren und Handelsreisende,dass der Gotthard derkürzeste Weg von Nord- nachSüdeuropa ist. Aus Basel und Zürichgelangten die Transitgästezu Fuss oder auf Saumtieren zumVierwaldstättersee und auf demSeeweg oder zu Fuss über Seelisbergoder den Axen ins Urnerland.Sogar Hannibal mit seinen Elefantenoder die russische Armeeunter General Suworow wähltenden Weg über die Westalpenbzw. den Gotthardpass als bestenWeg von Süd nach Nord. Mitdem aufkommenden Tourismus im19. Jahrhundert wurden der wildromantischeGotthard und seineTäler von Künstlern und Dichternentdeckt. So war Johann Wolfgangvon Goethe dreimal aufdem Gotthardpass.Am Samstag, 15. Juni 2013, war eswieder so weit. Während Wochenhatten sich die Teilnehmer auf diesegrosse Herausforderung vorbereitet.Willy, Kari und ich, wir hattenuns für den Gotthardmarschnicht speziell vorbereitet. Wieschon erwähnt, sich regelmässigbewegen macht es aus, dassauch ein Marsch über 17 Stundenohne Probleme zu bewältigen ist.Ich persönlich absolvierte vier Wochenvor dem Gotthardmarschein Ultramarathontraining über 55Kilometer. Die Höhendifferenz betrugzirka 700 Meter. Nach sechseinhalbStunden Laufzeit erreichteich in Emmenbrücke das Ziel.Um 2.40 Uhr war es so weit. Paul Dubacher,Wanderleiter und Organisator,gab das Zeichen zum Start.Es war kühl. Die Nacht war dunkel.Der Mond war hinter einer dickenWolkendecke versteckt. Jetzt warenwir auf uns selbst angewiesen.Die am Kopf montierten Stirnlampengaben immerhin etwas Lichtins Dunkle. Erstaunlicherweise legtePaul Dubacher kurz nach demStart ein recht hohes Tempo vor.Erste kritische Gedanken tauchtenmitten in der dunklen Nachtauf. Wieso gibt Paul so Gas? Daskann doch nicht sein, dass wir 17Stunden lang in diesem Tempomarschieren? Warten wir mal ab,wie es weitergeht. Trotz wenigSchlaf hatte sich mein Körper baldan den Rhythmus gewöhnt. Schonbald einmal drosselte Paul dasTempo, es schien so, als ob wir jetztgemäss Marschtabelle wieder aufKurs waren. Wir marschierten inRichtung Bauen, Isleten, Attinghausen.In Attinghausen angekommen,war es bereits 5.30 Uhr.Gemäss der Marschtabelle war esZeit für eine erste 15-Minuten-Pause.Der Gepäcktransport war bereitsvor Ort, als wir eintrafen. Genussvollnahmen wir am Ufer derReuss das Frühstück in Form einerSportlernahrung ein.Nach der ersten Pause marschiertenwir weiter in Richtung Erstfeld,Amsteg, Gurtnellen Wassen, Göschenen.Ab Amsteg wurde dieStrecke viel anspruchsvoller. Nebstder Distanz kamen jetzt noch zusätzlichdie Leistungskilometerdazu, das heisst, 100 Höhenmeterwerden als ein Kilometer im flachenGelände berechnet. Linksund rechts des Weges immernoch sehr hohes Gras. Mitten imGras herrlich blühende Alpenblumen.Der Bergfrühling scheint diesesJahr auf rund 900 Metern Höheetwas verspätet zu kommen, zumVorteil von uns. Inzwischen hattesich die Wolkendecke aufgelöst,denn die Sonne zeigte sich vonseiner schönsten Seite. Die warmenSonnenstrahlen wirkten beiStirnlampen marsch. Die letztenVorbereitungen vor dem Start zumelften Gotthardmarsch.


Alle Teilnehmer waren motiviert amGotthardmarsch. Frauen und Mannenzwischen 17 und 78 Jahren.Morgens um 5.30 Uhr in Seedorf.Das Bild vermittelt eine spezielleStimmung.mir wie Balsam auf meinem Körper.Links von uns die Gleise derGotthardbahn. In regelmässigenAbständen fuhren moderne ReiseundGüterzüge an uns vorbei. InGurtnellen winkten uns die Passagiereeiner Oldtimerbahn – die Lokomotivewar ein «Krokodil» – mitTaschentüchern zu. Die Temperaturenstiegen von Stunde zu Stunde.Spätestens jetzt war es Zeit füreinen Tenüwechsel. Das leichtereTenü vermittelte ein Gefühl vonLeichtigkeit.Nach zwölf Stunden erreichten wirum 13.45 Uhr das neunte TeilzielGöschenen. Auf 1111 m ü. M. legtenwir bis jetzt rund 50 Kilometerzurück. Die schlaflose Nacht gehörteschon längst der Vergangenheitan. Das Reusstal im KantonUri war so abwechslungsreich undschön, dass alle Anstrengungenvergessen waren. Viele interessanteDiskussionen mit Gleichgesinntenliessen den 11. Gotthardmarschsehr kurzweilig werden.Nach 15 Minuten Rast gings weiterin Richtung Andermatt. Für michpersönlich nahmen wir jetzt daswohl interessanteste Teilstück amGotthardmarsch unter die Füsse.Von Göschenen aus marschiertenwir auf dem alten Saumpfadin Richtung Andermatt. Schon dieFeldherren und Handelsreisendenmarschierten auf dieser Strecke.Die Sonnenstrahlen heizten jetzt sorichtig auf. Die tobende Reuss, mitsehr viel Schmelzwasser, schenkteuns ab und zu mit ihrer Wassergischteine kleine Abkühlung. DieStimmung bei der Gesellschaftwar sehr gut. Langsam, aber sichernäherten wir uns der Baumgrenze.Selbst beim Marschierengenoss ich den traumhaften Ausblickauf eine wilde Naturlandschaft.Die Schöllenenschlucht istetwas Einzigartiges. Manchmalkam es mir vor, als ob hier obendie Zeit stillgestanden sei. Auf derzweiten Brücke marschierten wirgemeinsam über die Schöllenenschluchtin Richtung Andermatt.Kurz davor, auf der linken Seite desWeges, sahen wir es, das grosse,in Felsen eingemeisselte Suworow-Denkmal.Beim Eintreffen in Andermatt fuhrauch der langsamste Schnellzugder Welt ein. Im Glacier- Expresssassen Touristen aus aller Welt. EinigePassagiere waren müde vonder langen Reise. Ein kleines Nickerchenhalf ihnen, dass sie wiederzu neuen Kräften kamen. Wirhingegen hatten keine Zeit für einNickerchen, denn unser Ziel warder Gotthardpass. Um dieses Zielzu erreichen, mussten wir nochmalsdreieinhalb Stunden marschieren.Was sind schon dreieinhalbStunden, wenn wir bis dahinsatte 13 Stunden unterwegs waren!Bei einigen Teilnehmern wares nicht mehr zu übersehen: Diekörperliche Anstrengung hinterliesslangsam, aber sicher ihre Spuren.Sie alle wollen aber auf denGotthardpass, und dafür musstensie den inneren Schweinehundüberwinden. Kari, Willy und ichfühlten uns gut. Wir zweifelten keinenAugenblick daran, dass wirdas Ziel Gotthard erreichen werden.Ich war stolz auf meine Beineund Füsse, dass sie mich ohneSchwierigkeiten so weit getragenhaben. Auch im mentalen Bereichspürte ich nie eine Schwäche. Eswar für mich die Bestätigung, dassich mit meiner Art von Lauftrainingauf dem richtigen Weg war. EinBlick auf die Sportuhr zeigt, dasses bereits 18.30 Uhr war. Noch 30Minuten Marschzeit, und wir sindam Ziel. Die letzten 200 Meter fordertenvon uns noch einmal alles.Zum ersten Mal in der Geschichtedes Gotthardmarsches musstenwir ein grosses Schneefeld überqueren.Bei herrlichem und fastwindstillem Wetter erreichten wirkurz vor 19 Uhr den Gotthardpass.Ein Erlebnis, das uns allen Beteiligtennoch sehr lange in Erinnerungbleiben wird.


Die Seitenbäche der Reuss brachten viel Schmelzwasser zu Tal. Der Winter war lang mit sehr viel Schnee.Ab Amsteg wurde der Weg in Richtung Göschenen um einiges anspruchsvoller und attraktiver.


In Gurtnellenkam der Sommer.Die Sonnezeigte sich vonder schönstenSeite.Kari ist paratzum Weitermarschieren.Wo sind wohlseine Gedanken?Physische undpsychischeVorbereitungfür die nächsteEtappe.Willy (rechts)benutzte die15-Minuten-Pause zumregenerieren.


Der Bergfrühling im Reusstal kam dieses Jahr mit Verspätung, zum Vorteil von uns.Auf rund 900 Meter ü. M. sahen wir sehr viele Frühlingsblumen. Der Bergfrühling in seiner vollen Pracht.


Die Autobahnbrücke oberhalb von Gurtnellen in Richtung Wassen.Wieder eine derunzähligen Brücken,die wir über einenSeitenfluss der Reusspassierten.


Von Göschenen nachAndermatt marschiertenwir auf dem alten Saumpfad.Für mich persönlichwar es das interessantesteTeilstück.Jungs alles klar!Meine Kamera zeigt denBlick kurz nach hinten.Im Kanton Uri ist dieSchöllenenschlucht eingewalltiges Naturspektakel.


Ein gewalltiger Blick zur Schöllenenschlucht. Der Wassergischt der wilden Reuss kühlte unseren Körper.Ein imposannter Ausblick. Wir marschierten auf der zweiten Teufelsbrücke in Richtung Andermatt.


Die wild tobende Reuss bei der Schöllenenschlucht oberhalb der Teufelsbrücke.Das in Felsen eingemeisselte Suworow-Denkmal kurz vor Andermatt. Ein Denkmal, das viele Touristen anzieht.


Der schon von weitemsichtbare, mittelalterlicheWohnturm von Hospental.Hier wohnten einst dieDienstherren des KlostersDisentis.Die letzte 15-Minuten-Rast beim Gotthard-Mätteli auf1791 Meter über Meer.Kari (links), gibt dem Körpernochmals Flüssigkeit. Willy(dritter von links) marschiertkonzentriert auf der altenGotthardstrasse. DieSchneemenge im RaumGotthard war Mitte Juniimmer noch sehr gross.


Bei herrlichem undfast windstillem Wettermarschierten wirin Richtung Ziel.Willy (links) und Hampi beimZieleinlauf auf dem Gotthardpass(2100 M. ü. Meer).Wir haben es geschafft.Die Freude war gross.Das Trio (von links):Hampi, Willy und Karikurz nach dem Zieleinlauf.Ein sportlichesErlebnis, das uns nochlange in Erinnerungbleiben wird.

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