Die Lageraußenkommandos

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Die Lageraußenkommandos

Die Lageraußenkommandos 3Bau der SS-Siedlung in KirchwerderDie erste SS-Siedlung auf dem Lagergelände erwies sich mitder zunehmenden Vergrößerung des Konzentrationslagersals zu klein. In Kirchwerder mussten deshalb Häftlinge 1944mit dem Bau eines neuen SS-Areals beginnen. Die Bauteilefür diese Fertighaussiedlung wurden im KonzentrationslagerNeuengamme produziert.


4Die LageraußenkommandosGeorges Bonnet aus Frankreich war als politischer Häftlingab Juli 1944 im KZ Neuengamme inhaftiert, von wo aus erbald darauf in das Außenlager Salzgitter-Watenstedt transportiertwurde.Am 18. Dezember wurde ich nach Neuengamme zurückgeschickt,wo ich danach im Kommando „SS-Siedlung“ arbeitete,das Baracken baute, eine Stadt für die SS. Die Arbeitsbedingungenwaren sehr hart, denn es war im Moor. Ichwurde sehr schnell krank und nach acht Tagen auf der Krankenstationwurde ich zur „Leichtarbeit“ [also zu einem Schonungskommando]eingestuft und fand mich im Keller wieder,wo ich Flechtarbeiten zu machen hatte.Georges Bonnet. Interview, 19.10.1982. (ANg)


Die Lageraußenkommandos 5Jean Le Bris aus Frankreich, als politischer Häftling vom1. August 1944 bis zum 27. April 1945 im KZ Neuengammeinhaftiert, berichtet:Bei Außenarbeiten, als wir die Baracken gebaut haben, beiden Plattenhäusern in den SS-Siedlungen [...] hatten wir gestreifteKleidung an, denn wir gingen ungefähr einen Kilometeraus dem Lager, vielleicht anderthalb. [...] Ich habehauptsächlich Erdarbeiten gemacht, und die Leute, die Kaposwaren, die hatten nun kein besonders hohes Niveau,und die Regel war, daß sie schlugen, wenn Leute ihre Arbeitnicht machten.Jean Le Bris. Gespräch, 19.10.1984. (ANg)


6Die LageraußenkommandosEntwässerungsarbeiten in der unmittelbarenUmgebung des HäftlingslagersDas Bild mit dem Lagerzaun imHintergrund zeigt Häftlinge derStrafkompanie, links im HintergrundSS-Posten mit Wachhunden.Das Foto stammt aus einemAlbum mit SS-Fotos, das sichnach 1945 im Besitz des ehemaligenHäftlings Heinz Masset befandund 1981 von der Gedenkstätteerworben wurde.(ANg)Das Konzentrationslager Neuengamme wurde auf sumpfigemGrund errichtet, d. h., ein Teil der Arbeiten bei derErrichtung des Lagers bestand aus Entwässerungs- und Trockenlegungsarbeiten.Auch musste die direkte Umgebungdes Konzentrationslagers entwässert werden.


Die Lageraußenkommandos 7Schutt- und Bombenräumarbeiten nachBombardierungen in HamburgHäftlinge bei Aufräumungsarbeitenin Hamburg-Hammerbrook,ca. Juli 1943.Foto: unbekannt. (StA HH)


8Die LageraußenkommandosWładysław Wołowiec, als polnischer politischer Häftlingvom 25. April 1941 bis zum 29. September 1944 im KZNeuengamme inhaftiert, berichtet:Wir kamen an, ohne übliches Geschrei und Gefluche, sie[die SS-Wachmannschaften] sagten nur, wir sollten ja nichtversuchen zu fliehen. [...] Wir begegneten der Zivilbevölkerung,aber wir durften den Menschen nicht zu nahe kommenund sie uns ebenfalls nicht. [...] Es war dort unerträglichheiß, überall lagen Menschenleichen und es gab dortsehr viel zu essen und zu trinken. [...] Die Posten sagtennichts, wenn wir aßen.Der Bericht bezieht sich auf die ersten großflächigen BombardierungenHamburgs 1943. Später waren, wie der nächsteBerichtsauszug verdeutlicht, gelegentlich Kontakte zur Zivilbevölkerungmöglich. Die Mitnahme von Nahrungsmittelnin das Lager wurde jedoch bestraft, in der Regel auch derVerzehr gefundener Nahrungsmittel vor Ort.Władysław Wołowiec. Bericht, 29.2.1984.Übersetzung. (ANg)


Die Lageraußenkommandos 9Ernst Saalwächter, als deutscher politischer Häftling vom5. Juni 1940 bis April 1944 im KZ Neuengamme inhaftiert,berichtet:Hier kann ich mich erinnern, daß wir schon bei einer der erstenFahrten nach Hamburg nach den ersten Bombenangriffenzurückströmende Frauen getroffen haben, die uns baten,daß wir sie gegen Hamburg mitnehmen. Der unsbewachende SS-Posten hat sich geweigert, dies zuzulassen.Dagegen erinnere ich mich, daß der Fahrer, SS-UnterscharführerEllerbrock, dem Posten sagte: „Für den Wagen binich verantwortlich. Du bist nur verantwortlich, daß die Häftlingenicht stiften gehen.“ Er gestattete, daß die Frauen undMädchen, die uns gebeten haben, aufsitzen konnten, umschneller wieder zu ihren ausgebombten Häusern zu kommen.[...]Bei mir war auch ein Hamburger Häftling, den wir nachHamburg-Barmbek mitnahmen. Dort traf er auf seine Mutterper Zufall und schrie: „Mutter! Mutter!“ – Die Postenwurden aufmerksam und es gab eine hochnotpeinliche Befragung.Ich hatte aber geistesgegenwärtig mich hinter derFrau hergemacht und habe ihr gesagt, daß ihr Sohn morgenzur gleichen Zeit käme und dann könnte sie mit ihm sprechen.– Dies haben wir dann unter großen Vorsichtsmaßnahmendurchführen können.Ernst Saalwächter. Bericht, 28.10.1963. (ANg)


10Die Lageraußenkommandos„Sofort aufgegessen“Trotz drohender Strafmaßnahmen boten die Schutträumkommandosin den Wohngebieten oft die Möglichkeit, sichzusätzliche Nahrung zu beschaffen.Jørgen H. Barfod, der als dänischer politischer Häftling vom14. Januar bis 20. April 1945 im KZ Neuengamme inhaftiertwar, berichtet:Im Herbst 1944 war die vordringlichste Aufgabe die Aufräumung,das fand natürlich in verschiedenen Stadtteilen statt,weil die ganze Stadt stark zerstört war durch die Bombenangriffe.Die Häftlinge wurden u. a. in einem Glaswerk, inHarburg in der Ölraffinerie, am Wilhelmsburger Bahnhof, ineiner Brauerei, an Bahngleisen an verschiedenen Stellenund schließlich auch im Hafen eingesetzt. Der Transportwurde in Personenwagen mit kaputten Fenstern durchgeführt,und mit dem Marsch zum Bestimmungsplatz konntees gut zwei Stunden dauern, bis man dort war, und zurückdauerte es mindestens ebenso lange, weil die Gefangenenoft lange warten mussten, bis wieder ein Zug zurück nachNeuengamme fuhr. Ein paar Mal erreichte man das Lagererst nach Mitternacht aufgrund der vielen Luftalarme.Während der Aufräumungsarbeiten wurde alles Essbare,was die Häftlinge finden oder erreichen konnten, sofortaufgegessen.Aus: Jørgen H. Barfod: Helvede har mange navne,Kopenhagen 1969, S.259. Übersetzung.


Die Lageraußenkommandos 11LeichenbergungNeben der Räumung von Schutt sowie der Blindgängersucheund -entschärfung gehörte die Leichenbergung zuden häufigsten Aufgaben von Häftlingen nach Bombardierungen.Walter Christensen, der als deutscher politischer Häftlingvom 31. Juli 1941 bis zum 7. November 1944 im KZ Neuengammeinhaftiert war, berichtet:Wir bekamen den Auftrag, den Toten die Papiere abzunehmen,um sie identifizieren zu können. Das ging angesichtsder vielen Toten nur kurze Zeit. Dann mußten wir nur nochaufschreiben, wie viele Tote es waren, wie viele davonmännlich, weiblich, Kinder. Wir selbst hatten keine Handschuheund mußten mit bloßen Händen die zum Teil ziemlichmitgenommenen Toten am Straßenrand aufstapeln. [...]Wir alle – wir waren sämtlich politische Häftlinge – mußtenohne besondere Schutzmaßnahmen die Arbeit verrichten.Wir versuchten uns so gut wie möglich dadurch zu schützen,indem wir uns Taschentücher vor den Mund bandenund von den Toten Kleidungsstücke um die Hände wickelten.Walter Christensen. Bericht „Der Lebenslauf eines HamburgerArbeiterjungen“, 1980/81, S. 71. (ANg)


12Die LageraußenkommandosFluchtversuch beim BombenräumenIm Hauptlager des Konzentrationslagers Neuengamme istbis Januar 1945 kein einziger gelungener Fluchversuchdokumentiert. Bei Fluchtversuchen in den Außenlagern undden kleineren Außenkommandos machte die SS sofort vonder Waffe Gebrauch. Die Flüchtenden wurden meist angeschossen,„auf der Flucht erschossen“ oder später gefasst.Ich hatte schon die Ankunft des Genossen aus St. Pauli geschildert,den wir über den Arbeitsdienst (André Mandrycxs)in einem Hamburger Kommando unterbrachten.Dieses Kommando war damit beschäftigt, aufzuräumen,Leichen zu bergen und auch Blindgänger auszubuddeln. Eswar aber kaum eine Woche vergangen, da kam eines Nachmittagsder Genosse André zu mir. Er war sehr erregt undsagte zu mir: „Walter, der Hamburger Genosse hat einenFluchtversuch gemacht, sie haben ihn zusammengeschossen,er liegt im Revier.“ André und ich waren eigentlich einwenig ärgerlich darüber, daß er die gebotene Chance nichtgenutzt hatte.Walter Christensen. Bericht „Der Lebenslauf eines HamburgerArbeiterjungen“, 1980/81, S. 75. (ANg)

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