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geldspeziald a s ma g a z in fü r ih r in v es t men tFreitag, 18.10.2013n o r isk , n o r u nst r at egie. Die vier Gründer des Start-upsRuntastic verraten, was sie mit einer Million €machen würden. Das WirtschaftsBlatt zeigt,wie Privatanleger ihr Geld jetztinvestieren sollten.


inhal t/edit orial wir tschaftsbla ttInvestor» 04 10 20 24Cover: Peroutka, Fotos: Peroutka, Bloomberg (2), MayrEin bisschen mehrdürfen Sie sich zutrauenEs gibt eine Unmenge von Österreichern, denen ihr Geldvollkommen egal ist. Immerhin dümpeln mehr als 145 Milliarden€ von privaten Haushalten als Spareinlagen, dienicht einmal mit einem Prozent verzinst sind, herum. Ganzzu schweigen von den zig Milliarden €, die auf den Girokonten verkümmern.Wer damit nicht zufrieden ist, muss sich selbst um mehrRendite kümmern. Und das kostet zumindest am Anfang Zeit. Aufden Bankberater sollten Sie sich dahin gehend nicht verlassen. Dasheißt: Verantwortung übernehmen und sich im Klaren sein, dassmehr Rendite auch mehr Risiko bedeutet. Da geht es nicht um Spekulation,sondern um langfristige Anlagemöglichkeiten, die durchausschwankungsanfällig sind. Aber einen guten Rotwein lässt manschließlich auch ein paar Jahre reifen. Die klare Empfehlung derinvestor-Spezialausgabe sind Aktien (s. Seite 10). Heuer haben europäischeund amerikanische Indizes bereits ein Plus von rund 20 Prozenterzielt. Sogar auf zehn Jahre gesehen schafft der Eurostoxx-50-Index eine jährliche Rendite von 5,3 Prozent – und das trotzdes Aktiencrashs im Jahr 2008.Inspiriert hat uns auch Florian Gschwandtner. DerCEO des Start-ups Runtastic holte sich kürzlich den MedienverlagAxel Springer als Millioneninvestor an Bord.Wir haben ihn zum Interview im Headquarter inPasching getroffen.impressumingrid Kra wari kingrid.krawarik@wirtschaftsblatt.at04 Cover. Runtastic-CEO Florian Gschwandtnerim Interview über Geld und Visionen.10 Aktien. Die nächste Hausse ist im Werden –diese Aktien gehören ins Depot.14 Gold. Das Edelmetall hat seine Tücken: WasSie beim Kauf beachten sollten.16 Anleihen. Die Trendwende am Bondmarkt istin vollem Gang. So verhalten Sie sich richtig.18 Ethisch anlegen. Wer nicht nur Geld hortenwill, findet hier Anregungen zum Investieren.19 Zinsen. Die Masse ist mit wenig zufrieden.Reißen Sie aus, das sind Ihre Alternativen.20 Immobilien. Beim Zinshauskauf geht Lagevor Rendite, sagt Experte Eugen Otto.22 Versicherung. Die befristete staatliche Invalidenrenteendet 2014. So sorgen Sie vor.24 Alternativ anlegen. Abseits der Norm versprechenVintage und Kunst gute Erträge.26 Auszeit. Ölhändler Andrew J. Hall verkauftAhornsirup und Bio-Rindfleisch.WirtschaftsB latt investorMedieneigentümer, Herausgeber, Verleger: WirtschaftsBlatt Medien GmbH, Anschrift: Hainburger Straße 33, 1030 Wien, Telefon: 01/60 117-0, Redaktion: DW 305, Fax 259,Vorsitzender der Geschäftsführung: Dr. Michael Tillian,Geschäftsführung: Mag. Herwig Langanger,Chefredakteurin: Dr. Esther Mitterstieler,Redaktionelle Leitung: Mag. Hans Jörg Bruckberger, Dr. Ingrid Krawarik (Investor),Geschäftsleiter Werbemarkt: Peter Steinlechner, DW 274Projekt- und Anzeigenleitung: Gregor Zethofer, DW 430, Druckunterlagenübermittlung: anzprod@wirtschaftsblatt.at,Produktion Leitung: Ing. Matthias Netopilek, Art-Direction: Mag.Jan Schwieger, Layout: Christian Stutzig, Patricia Varga, Fotoredaktion: Alexandra Eizinger, Infografik: Martin Cmund, Ulrich Wagensommerer, Litho: Theresia Öhler,Hersteller: Niederösterreichisches Pressehaus, Druck- undVerlagsgesellschaft m.b.H., Gutenbergstraße 12, 3100 St.Pölten, Tel. 02742/802-0, Fax 02742/802-1252, prepress@np-druck.at www.np-druck.atWeb: www.wirtschaftsblatt.at – Bankverbindung BA-CA 09494402200, BLZ 12000.Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträge nach § 44 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Gerichtsstand ist Wien.Offenlegung gem. § 25 MedienG. http://www.wirtschaftsblatt.at/impressumwirtschaftblatt.atinvestor 3


thema themaC h r is t ian k aar :Ich bin ... sportbegeistert aktiv(und vielleicht noch mehr passivvor dem TV)Dafür gebe ich gerne Geld aus:UrlaubEine App, die unbedingt erfundenwerden muss: Beaming-AppDas kaufe ich mir um eine Million€: einen FußballklubEine Weisheit, die ich weitergebenmöchte: Am Boden bleiben undhart weiter arbeitenAl f r ed l u g er :Ich bin ... OptimistDafür gebe ich gerne Geld aus: NettEssen gehenEine App, die unbedingt erfundenwerden muss: Fragts den Flo!Das kaufe ich mir um eine MillionEuro: investieren in Internet-StartupsEine Weisheit, die ich weitergebenmöchte: Aim high!F l o r ian G s c h wan d t n er :Ich bin ... ein MotivatorDafür gebe ich gerne Geld aus:KleidungEine App, die unbedingt erfundenwerden muss: Die präsentiere ichbald und ein paar andere wollen wirselbst noch bauenDas kaufe ich mir um eine MillionEuro: darüber mach ich mir Gedanken,wenn ich sie habeEine Weisheit, die ich weitergebenmöchte: If you fall, I’ll be there4 investor wirtschaftblatt.at


co verVier Gründermit klarem Zielvor Augen: dieNummer eins immobilen Gesundheits-undLifestyle-Bereichwerdeninterview . Der investor hat Florian Gschwandtner, CEO des Start-upsRuntastic, im Headquarter in Pasching bei Linz besucht und über denMillionen-Deal mit Axel Springer befragt. Was er mit seinem Geldmacht, hat er uns auch verraten und dabei Erstaunliches erzählt.von INGRID KRAWARIKDie c h a n c eh a be n w irje t z tFoto: PeroutkaRen e Giret z l eh n er:Ich bin ... sometimes crazy, aberunglaublich gern bei RuntasticDafür gebe ich gerne Geld aus:MountainbikenEine App, die unbedingt erfundenwerden muss: Stopp-die-Korruption-AppDas kaufe ich mir um eine MillionEuro: eine InselEine W eisheit, die ich weitergebenmöchte: Steh mindestens einmalmehr auf als du umfällstJung, dynamisch und auf fast alles eine Antwortparat – so präsentiert sich FlorianGschwandtner, CEO des Start-ups Runtastic,das vor zwei Wochen mit Axel Springer einenMillioneninvestor gewinnen konnte. VonMultimillionären war plötzlich in den Medien zulesen. Grund genug für den investor, nachzufragen.Sein Büro teilt sich der ausgebildete Landwirt weitermit Gründerkollege Alfred Luger. Und das Du-Wort ist in der Start-up-Szene so und so selbstverständlich.Wie fühlt man sich, wenn man plötzlich berühmt ist?Florian Gschwandtner: Nicht anders als vorgestern,weder beim Arbeiten noch sonst wo. Einbisserl viel Leute rufen an, schreiben auf Facebook,wollen Interviews. Obwohl, berühmt bin ich janicht, das ist nur ein weiterer Schritt in unsererUnternehmensgeschichte. Erschreckt hat uns schon,wie schnell die Medien die ganze Thematik mit denEuromillionen aufgreifen. Wir hatten bis jetzt Business-Angelsan Bord und nun ist ein weiterer strategischerPartner eingestiegen. Der bringt ein großeswirtschaftblatt.atinvestor 5


co verVisionär. KreativesChaos imBüro, aber FlorianGschwandtnerhat immereine Vision paratr u n t a s t icGegründet wurdeRuntastic im Jahr2009. Mittlerweilehat das mobileFitness-Unternehmen90 Mitarbeiterund stelltApps, Hardware-Produkte undOnline-DienstleistungenzurVerfügungNetzwerk von Start-ups mit, die größer sind als wirund wo wir im Managementlevel in die nächste Kompetenzkönnen. In Österreich ist das mittlerweileschwer.Inwiefern?Weil es nicht mehr so viel große, schnell wachsendeStart-ups gibt, die innerhalb von vier Jahren auf 90Mitarbeiter gewachsen sind. Da fahre ich nicht mehrnach Wien, sondern Berlin. Wir sind trotzdem vier junge„Buam“, wenn ich das so sagen darf, aber ich habeeine Verantwortung, die will ich auch wahrnehmen.Wenn man ganz klein ist, muss man dreimal anklopfenund sagen „ich würde gern mit dir reden“, mittlerweilehaben wir eine Größe, wo auch Leute mit uns sehrgerne reden. Da geht es nicht immer nur darum, Zahlenbeträgevorzustellen, sondern auch um Menschen,die unsere Vision und digitale Strategie verstanden haben.Aber Lottoschein musst du keinen mehr ausfüllen?Das hab ich noch nie gemacht. Das ist eher was fürmeine Eltern.Was machst du denn dann mit deinem Geld? Hast duAktien?Nein, da bräuchte ich ja Geld (lacht). Ich hatte währendmeines Studiums ein Konto mit Spielgeld und habmich als Trader versucht, aber dann schnell erkanntdass ich, wenn ich Aktien verstehen möchte, Zeit dafürbrauche und die habe ich nicht. Das ist mir ein zu großesRisiko. Ich besitze nicht einmal einen Bausparer.Wirklich. Das hat mich nie beschäftigt. Während desStudiums hab ich angespart, weil ich im Hinterkopfimmer wusste, dass ich mich selbständig machenmöchte. Es gibt bei uns so viel zu tun. Ich kenne meinenMarkt sehr gut, auch die Szene, in der wir tätigsind. Die wenige Zeit, die mir bleibt, investiere ich lieberin etwas anderes als vorm Computer zu sitzen undAktien hin und her zu schupfen.Das Thema Finanzkrise berührt dich also nicht?Relativ wenig, auch für meine Kunden in dem B2C-Segment ist das nicht wirklich relevant. Für kleineLifestyle-Produkte wird, glaube ich, immer Geld ausgegeben,das ist ein trendiger Markt. Ich würde jetztnicht sagen, dass es mich gar nicht interessiert, wenn inÖsterreich eine totale Wirtschaftskrise wäre, aber diehaben wir ja nicht. Es schaut doch jetzt gar nicht soschlecht aus.Wenn du sagst, für deine Produkte wird immer Geldausgegeben: Ist das Segment, in dem du arbeitest, danneine Art Lebensversicherung?Nein, es ist ein Hochrisikobereich, weil es in diesertechnologischen Welt mehrere Blasen gegeben hat. Dasist virtuelles Geld, eine virtuelle Bewertung, das kannimmer zerplatzen. Auch der App-Markt ist noch sehrunbekannt, wo hier die Reise hingeht. Die Geschäftsmodelleda drin ändern sich sehr schnell. Und man istvon den großen Playern abhängig, das darf man nievergessen. Apple, Google, Samsung, Facebook, die macheneinen wirklich abhängig. Weil wenn die sagen,das geht nicht mehr, das Modell wird umgedreht, dannhaben wir eher kurzfristig als mittelfristig eine großeHerausforderung zu lösen. Dementsprechend ist unsbewusst, das kann sehr schnell nach oben gehen undgenauso schnell nach unten. Das ist keine Garantie.Hast du vorgesorgt, falls es bergab geht?Insofern, dass wir gute ehrgeizige Leute sind, ja, in dieserHinsicht schon. Wenn eines nicht funktioniert, gibtFoto: Peroutka6 investor wirtschaftblatt.at


aktienS&P 500: DIE HISTORIE MACHT ANLEGERN MUT33323028261954241.1.54 1.6. 1.10.54Stagnation(13 Jahre)Boom(27 Jahre)20 20Stagnation(13 Jahre)60504030Boom(18 Jahre)Stagnationbis ?1990 1995 2000 2005 2010175016502000100060050040030020010060504030201930 1935 1940 1945 1950Quelle: Bloomberg1065431955 1960 1965 1970 1975 1980 198515501450201365432.1.13 1.6. 1.10.WirtschaftsBlatt10Grafik/Cmund


aktienAktien miteinem Netzzur Sicherheitdef ensiv e w ert e.Wer Einzelaktien kaufen will, abereine gewisse Sicherheit anstrebt,dem bieten sich Qualitätsaktien an.Das sind typischerweise Papierevon Firmen, die sich durch ein solidesGeschäftsmodell und eine ebensolcheBilanz auszeichnen. Wichtigist dabei auch der historische„Track Record“ und die Dividende.Denn eine gute Rendite garantiertschon mal eine laufende Verzinsungunabhängig von der Kursentwicklung.Zur Orientierung hat der investorKonzerne herausgefiltert, dieauf Basis der Analystenschätzungeneine hohe Rendite aufweisen.Dazu zählen Münchener Rück, Totaloder AT&T mit Renditen vonjeweils mehr als fünf Prozent. Einigeweisen freilich hohe Renditenauf, weil der Kurs stark gefallen ist.Das gilt etwa für große Energiekonzernewie Eon oder Iberdrola.Bezieht man die Historie und dieStabilität der Gewinne mit ein, soführt an Firmen wie Nestle oderJohnson & Johnson kein Weg vorbei.Letztere hat die Dividende seit50 Jahren stetig angehoben. Damitist die Aktie ein klassisches Investmentà la Kostolany: Zum Kaufen,ins Depot legen und Schlafen gehen.Das zeigt sich auch an derlangfristigen Performance: Seit1989 hat die Aktie mehr als 2000Prozent Ertrag lukriert. (bru)JOHNSON & JOHNSON100US-$50Indien. FließtausländischesKapital zurück,geht die Post abGewaltig. Johnson& Johnsonbeeindruckt mitKontinuitätsmallCharts for Bloomberg029.10.93 14.10.13Comeback imnächsten JahrEmerging Mark ets.Für die BRIC-Staaten (Brasilien,Russland, Indien und China) warder bisherige Jahresverlauf an denBörsen eine Enttäuschung. Einzigder indische Aktienmarkt bewegtsich leicht über seinem Jahresschlusskursvon 2012, alle anderenmussten zwischenzeitlich schonVerluste im Umfang von mehr als20 Prozent verkraften. Ausgelöstwurde der Kursrutsch durch dieAnkündigung der US-Notenbankim Mai, ihre offensive Geldpolitikzurückfahren zu wollen. Viele vorallem aus dem US-Raum stammendeInvestoren fuhren infolgedessenihr Engagement in den BRIC-Staatenetwas zurück.Damit erwies sich die so langegepflegte Idee von der Eigenständigkeitdieser Kapitalmärkte alsMär. Ohne das Engagement der kapitalkräftigenAnleger aus den altenIndustriestaaten geraten auchdie Aktienmärkte der BRIC-Staatenin Turbulenzen. Doch die Rahmenbedingungenhaben sich bereitswieder geändert. Die US-Notenbankist im September zurückgerudertund hat somit den Statusquo wieder hergestellt. Das Kapitalfließt jedoch nicht so schnell in dieaufstrebenden Ökonomien zurück,denn momentan erscheinen deninternationalen Anlegern die Aktienmärktein den USA, Japan undEuropa noch günstig genug.in d ie n v o r u m sc h w u n g .Hoffnung macht die Tatsache, dasdie Märkte sich von den gröbstenVerlusten erholt haben und ein Teildes zuvor abgezogenen Kapitalswieder zurückgeflossen ist. Am weitestenund aussichtsreichsten ist dabeider indische SENSEX-Index. Ergehört zusammen mit dem ShanghaiA-Index zu den Aktienmärkten,die wahrscheinlich im nächstenJahr ein stärkeres Comeback feiernkönnten. Viel fehlt zumindest nichtmehr, um sich der Hausse auf denetablierten Märkten anzuschließen.Der brasilianische BOVESPA-Indexdürfte hingegen so wie der russischeRTS-Index noch Zeit brauchen,um wieder in Fahrt zu kommen.Mittelfristig sollten aber auchdiese Länder von der angelaufenenHausse in den etablierten Märktenprofitieren. (wolf)BOVESPA INDEX (Brasilien)65000550004500015.10.12 1.5.13 14.10.smallCharts for Bloomberg12 investor wirtschaftblatt.at


aktienGewinn mitTrendwechselTurn-Around-AkE.ON20tien.Obwohl es für einen Großteil derAktien in diesem Jahr gut gelaufenist, gibt es immer vereinzelte Werte,die unter Sondersituationen leiden.Prominentes Beispiel aus dem vergangenenJahr war das Papierdes Smartphone-Herstellers Nokia.Nach dem die Aktie ihren absolutenTiefpunkt Mitte 2012 bei 1,40 €erreichte, ging es bis zum Jahresendelangsam wieder bis auf zwei €nach oben. Hier deutete sich eineTrendwende an, die als äußerst lukrativeinzustufen war.Tatsächlich schaffte es Nokiadieses Jahr schon bis auf fünf €.Wer also mit etwas Mut ein weniginvestiert hatte, konnte sich nacheinem dreiviertel Jahr über einenschönen Gewinn freuen. Natürlichist eine solche Strategie nur als Ergänzungzu einer Fundamentalanlageam Aktienmarkt zu sehen, nieals ausschließliches Investment.Zudem sollte es sich bei den entsprechendenKandidaten in der Regelschon um sogenannte Qualitätsaktienhandeln. Das bedeutet,entweder sind es bekannte, etablierteKonzerne oder Anbieter einerbewährten Marke oder eines Konzepts,deren Aktien durch bestimmteUmstände temporär unter Beschussgeraten sind.v e r so r g e r . Solche Aktien findensich trotz Aktienhausse auchim Jahr 2013 wieder zahlreich. Zunennen sind vor allem Werte ausdem Energieversorgerbereich wieEon, RWE, EVN oder Verbund.Diese Aktien lagen noch bis Septemberwie Blei in den Depots derAnleger, sind seitdem aber durchdiverse Ereignisse wie Wahlen odergerichtliche Entscheidungen ausihrem Dornröschenschlaf erwacht.Ähnlich sieht es bei der Stahlbrancheaus, deren Aktien bisher unterARCELORMITTAL15den schwachen Konjunkturausblickenin den Industrie- und Schwellenländerngelitten haben. In allerRegel beginnen Papiere wie ThyssenKrupp,Arcelor-Mittal oderKlöckner eine Verbesserung derkonjunkturellen Lage mit einemdeutlich zeitlichen Abstand im Vorfeldzu antizipieren. Das zeigte sichbereits in den vergangenen Wochen,sodass eine Fortsetzung des positivenTrends 2014 zu erwarten ist.Als dritte Gruppe von Turnaround-Wertenbieten sich Konsumaktienan. Auch sie profitierenvon einer sich abzeichnenden Verbesserungder Konjunktur. Vor diesemHintergrund sind Titel wieMetro und Carrefour, die bishereher eine mäßige Performance vorzuweisenhatten, zu favorisieren.Eines ist dann bei all diesen Kandidatenvonnöten: Geduld. Dennauch eine Nokia schaffte es erst imVerlauf des zweiten Quartals deutlichzuzulegen. Es kann zwar auchschneller gehen, fest einkalkulierensollte man dies aber nicht. (wolf)CARREFOUR26€€€1510211015.10.12 1.5.13 14.10.smallCharts for Bloomberg515.10.12 1.5.13 14.10.smallCharts for Bloomberg1615.10.12 1.5.13 14.10.smallCharts for BloombergFotos: Bloomberg (2)Das PrinzipdelegierterStreuungfonds.Aktienfonds lagen schon mal mehrim Trend. Kein Wunder: In schwierigenBörsephasen schauen derenManager oft alt aus. Anlegern fehltdann das Verständnis, wieso sie dafürGebühren zahlen. Trotzdem habenFonds ihre Existenzberechtigungund sind ein sinnvolles Investment.Allen voran für Anleger, dieEUROLAND FONDSPerformance in %Henderson Horizon EurolandDWS Invest Top EurolandAllianz Euroland Equity GrowthBlackRock Euro-MarketsFidelity Euro Blue Chip FundAXA FramlingtonEurozone CapitalisationSchroder Euro EquityTempleton EurolandPioneer Euroland EquityQuelle: Morningstar, 11.10.20135Rendite3 Jahre (p.a.) 5 Jahre (p.a.)15,34 13,3512,58 13,2412,00 18,0411,54 14,4011,21 12,3111,08-10,91 12,0110,83 9,6910,82 12,95WirtschaftsBlatt Grafik/Cmundweder Lust noch Zeit oder dasKnow-how haben, um täglich eineVielzahl an Aktien zu beobachtenund zu handeln. Dass die wenigstenFonds den Markt nachhaltig schlagen,ist eine Tatsache – mit der manleben kann, solange dieser steigt.Zwar ist die Vergangenheit keinGarant für künftige Gewinne, eineReferenz aber allemal. Der investorhat europäische Aktienfonds herausgefiltert,die zuletzt überzeugten.Der R Conviction hat in einem Jahr40 Prozent lukriert, der HendersonHorizon überzeugt auch längerfristig,hat auf Sicht von drei und fünfJahren rund 15 bzw. 13 ProzentPlus pro Jahr geschafft. (bru)wirtschaftblatt.atinvestor 13


goldDie Faszination des Goldes unddie Tücken des Edelmetallsausblick. Wer Gold als „eiserne Reserve“ kaufen will, sollte noch zuwarten– es ist mit einem Preisrückgang zu rechnen. von Martin F ellhuberBarren. 18Prozent desGoldes liegtbei denNotenbankenEs ist eine alte Regel, dass zwischenfünf und zehn Prozentdes Vermögens in Gold investiertwerden sollten. Gold als Krisenwährunghat sich bislang nochimmer bewährt. In den vergangenenzwei Jahren, als der Preis auf1900 $ je Unze in die Höhe schnellte,wurde das Interesse der Anlegeram Edelmetall erneut angefacht.Selbst wer bis dahin bestenfalls einpaar Gold-Dukaten zu Hause aufbewahrte,wurde auf den rasantenAnstieg des Edelmetall-Preises aufmerksam.Die Unsicherheit in derEurozone sowie die flaue Konjunkturweltweit haben zu dem Preisanstieggeführt und Gold hat sich damiteinmal mehr als sicherer Hafenbewährt. Nicht nur für private Anleger,auch die Notenbanker habennach der Krise 2008 erkannt, dassGold die einzige Währung ist, dienicht von anderen Zen-tralbanken oder durch politischeEntscheidungen so einfach manipuliertwerden kann.Das hat sich etwa bei der Lehman-Brothers-Pleiteunter Beweisgestellt. Als die Märkte ineiner Schockstarre handlungsunfähigwaren, konnten sich die Notenbankenmit einem kleinen Teilihrer Goldreserven retten.Daher bleiben die Notenbankenauch gelassen, wenn es mit demGold-Kurs abwärts geht. Seit denHöchstständen vor zwei Jahren habendie Notenbanken durch denPreisrückgang um rund 400 Milliarden$ weniger in den Büchernstehen. Dennoch wird kräftig zugekauft,schließlich kommt der Preisrückgangerst zum Tragen, wenndas Edelmetall zum schlechterenPreis auch tatsächlichveräuße r twerden sollte. Im Vorjahr erwarbendie Notenbanken 535 TonnenGold, heuer sollen es laut WorldGold Council gut 350 Tonnen sein,die zusätzlich in die Safes kommensollen. Wobei zuletzt vor allem dieZentralbanken der Schwellenländerals Käufer aufgetreten sind.Preisentwicklung. Mittlerweileist das Gold-Fieber zumindestbei Privatanlegern etwas abgeflaut,auch wenn dieEntscheidung der US-Notenbank,weiterhin 85 Milliarden $ monatlichin den Markt zu pumpen, demGold-Kurs kurzfristig auf dieSprünge geholfen hat. Aber in denvergangenen Wochen hat sich derGoldpreis auf rund 1300 $ je Unzeeingependelt. Die Edelmetall-Analystentun sich derzeit mit einerEinschätzung schwer. Solange dieUS-Notenbank weiterhin Geld inden Markt pumpt, sollte der Goldpreistendenziell in die Höhe gehen.Andererseits kann dies nichtauf Dauer so weitergehen. Daherhaben UBS und Barclays ihreGoldpreis-Prognosen angehoben.UBS rechnet im vierten Quartal»Goldpreis-Prognosensehen maximalkurzfristig einenPreisanstiegmit einem Durchschnittspreis von1375 $ je Unze, Barclays mit 1463$. JP Morgan hat kürzlich erklärt,Long-Positionen bei Gold aufgebautzu haben. Goldman Sachswiederum hält einen Preisverfallbis unter 1000 $ je Unze für realistisch.Die Analysten der SocieteGenerale gehen von einem Durchschnittspreisvon 1125 $ je Unzeim nächsten Jahr aus. Das decktFoto: Bloomberg14 investor wirtschaftblatt.at


goldGOLD VERLIERT AN GLANZ20001800US-$ je Feinunze1400100060017.10.08 1.5.1115.10.13smallCharts for Bloomberg, Stand: 15.10.2013 - 12Uhr041900,23-33,8%1257,71sich auch mit den Konsens-Schätzungender Analysten. Demnachsollte der Goldpreis im erstenQuartal 2014 auf 1250$ fallen, anschließendbis auf 1210$ zurückgehen.Im ersten Quartal 2015 erwartendie Experten einenGoldpreis knapp unter der1200$-Marke. Wer sich also eineeiserne Reserve zulegen will, solltemit weiteren Käufen noch ein paarMonate zuwarten.Die US-Notenbank versuchtauch, mit einem alten Klischee aufzuräumen:Gold als absolut sichererInflationsschutz. 1980 notiertedas Edelmetall bei 850 $. Wie dieFed von Minneapolis berechnete,kostet die Unze inflationsbereinigtderzeit nur 464 $ je Unze. Wer alsoden Notgroschen zu einem ungünstigenZeitpunkt antastenmuss, zahlt womöglich einen hohenPreis dafür.Kn appes Gut . Was langfristigfür das Edelmetall spricht: DieVorkommen sind endlich. Die bishergeförderte Menge passt ineinen Würfel mit einer Seitenlängevon 20,65 Meter. Geologen schätzen,dass weltweit noch Vorrätevon etwa 52.000 Tonnen in derErde ruhen, wobei zum aktuellenPreisniveau wohl nicht alles davonrentabel abgebaut werden kann.Davon entfallen etwa 7400 Tonnenauf Australien, etwa 6000Tonnen auf Südafrika und 5000Tonnen auf Russland. Der größteGoldproduzent ist aktuell jedochChina.Die größten Goldreserven findensich in den Safes der USA, wo gut8100 Tonnen gebunkert sind. Anzweiter Stelle kommt bereitsDeutschland mit etwa 3400 Tonnen,innerhalb der Eurozone sindes 10.000 Tonnen und in den Safesdes Internationalen Währungsfondswerden etwa 2800 Tonnengelagert. Insgesamt horten die Notenbankenetwa 18 Prozent derweltweiten Goldreserven.Aber der Großteil des Edelmetalls– rund 51 Prozent – geht nochnach wie vor in die Schmuckproduktion.im d et a ilProduktion.Dasbisher geförderteund verarbeiteteGold passt ineinen Würfel mit20,65 Meter Seitenlänge


anleihenAnleihen. Bond-Investoren müssensich künftigwärmer anziehenFür Anleiheninvestoren beginntdie kalte JahreszeitAnfang der 1980er-Jahre begannan den Zinsmärktenbei rückblickender Betrachtungeine neue Zeitrechnung. Damalsmusste der damalige Chef derUS-Notenbank Fed, Paul Volcker,den Leitzins in für heutige Begriffeschwindelerregende Höhen schrauben,um der galoppierenden Inflation,angefacht durch eine Lohntrendwende.Die Phase langfristig fallender Anleihenrenditen scheintder Vergangenheit anzugehören. von Alexander HahnPreis-Spirale, Herr zu werden. DerLeitzinssatz erreichte in den Jahren1980 und 1981 drei Mal exakt 20Prozent, wodurch der Preisauftriebtatsächlich unter Kontrolle gebrachtwerden konnte.Seither kannten Zinsen und Renditenlangfristig nur eine Richtung,nämlich nach unten – eine komfortableZeit für Anleiheninvestoren.Die Zinskupons waren hoch, dieInflation begann zu sinken und dieAnleihen notierten deshalb zumeistüber dem Nominalwert. Wer sichvor Laufzeitende von seinen Beständentrennte, konnte folglichauch noch deutliche Kursgewinneerzielen.Gegen Ende der 1990er-Jahre begannensich unter dem Volcker-Nachfolger Alan Greenspan globaldie wirtschaftlichen Krisen zu mehren.Dieser zögerte nicht lange undfederte jene in Asien und Russlandund vor allem den spektakulärenZusammenbruch des HedgefondsLTCM mit bereitgestellter Liquiditätab – das Zeitalter des billigenGeldes war eingeläutet.z w e i k r ise n spä t e r . Dies warjedoch nur ein zarter Auftakt, denndas Zusammenfallen der Internet-Manie der Jahrtausendwende undvor allem die durch eine geplatzteUS-Immobilienblase ausgelöste Finanzkrisestellten Greenspan undseinen Nachfolger, den amtierendenFed-Chef Ben Bernanke, vorweit größere Herausforderungen.Selbst Leitzinsen von null reichtennicht aus, um die Weltwirtschaftvor dem Kollaps zu bewahren. Eineneue Lösung musste aus dem Hutgezaubert werden – was durch dieAnleihenkaufprogramme der Fedauch geschah. Insgesamt wurdenBillionen US-$ in den Anleihenmarkt– und damit auch die Volkswirtschaft– gepumpt.Nun, wo sich die US-Wirtschaftwieder zu stabilisieren scheint, stelltsich jedoch die Frage, wie man ausdieser unkonventionellen Geldpolitikwieder herauskommt. Alleinedie Ankündigung Bernankes, imJahresverlauf die Anleihenkäufe zurückfahrenzu wollen, hat zu starkenRenditeanstiegen geführt: Jenefür zehnjährige US-Staatsanleihenverdoppelten sich von Mai bis Septemberbeinahe von 1,6 auf dreiProzent. Auch sonst waren weltweitähnliche Kursbewegungen festzustellen.In Deutschland stieg diezehnjährige Rendite etwa im selbenZeitraum von unter 1,2 auf überzwei Prozent.k a l t e f ü SSe . Dass die Renditenseitdem wieder leicht zurückgekommensind, ist Bernankes Rückzieherim September zu verdanken. Zustark waren nicht nur die Fluchttendenzenaus US-Anleihen, auch in einigenSchwellenländern setzte daraufhineine Kapitalabwanderungein. Folglich wurden die Anleihenkäufenicht wie erwartet verringert,16 investor wirtschaftblatt.at


anleihensondern auf die lange Bank geschoben.Derzeit ist sogar offen, ob dieserSchritt noch unter BernankesAmtszeit, die im Jänner nächstenJahres endet, erfolgen wird, oderseiner designierten Nachfolgerin JanetYellen zukommt.Tatsache ist jedoch, dass die Anleihenkäufeder Fed nicht zumDauerzustand werden können unddamit die künstliche Nachfragenach Uncle Sam’s Schuldtiteln wegfallenwird. Wahrscheinlich wirddadurch die Trendwende bei denAnleihenrenditen, die sich in denvergangenen Monaten abgezeichnethat, endgültig vollzogen. Erste-Group-Analystin Mildret Hagerglaubt aber nicht, dass dies in stürmischerWeise geschehen wird:„Die starken Renditeanstiege vonSommer werden sich nicht im gleichenAusmaß fortsetzen.“ Vielmehrerwartet sie einen gemächlichenAnstieg um durchschnittlichetwa 10 Basispunkten pro Quartal.Dennoch sind dies für Anleiheninvestorenkeine erfreulichen Aus-»Die starkenRenditeanstiegewerdensich nicht imgleichen AusmaßfortsetzenMildret Hager, Analystin Erste GroupSTAATSANLEIHENDEUTSCHLAND2,0zehnjährig; Rendite in Prozent1,51,015.10.12 14.10.13smallCharts for BloombergUS-STAATSANLEIHEN3,2zehnjährig; Rendite in Prozent2,21,215.10.12 14.10.13smallCharts for Bloombergihre Nullzinspolitik wird die US-Notenbank – aus derzeitiger Sichtaber wahrscheinlich bis 2015 –nicht ewig beibehalten können.Erste Zinserhöhungen würdenwohl auch zu einem weiteren Renditeschubbei Anleihen führen. Zudemist an den Rentenmärkten inder Historie nämlich ein 30-Jahres-Zyklus zu beobachten – und dieeingangs erwähnten Zins- und damitauch Renditespitzen von Anfangder 80er-Jahre sind bereitsüber drei Jahrzehnte her.f a z it . An Anleihen führt in einemdiversifizierten Portfolio zwar keinWeg vorbei, allerdings werden diesewohl kaum die großen Renditebringer.Daher sollten Rententendenziell untergewichtet undhöchstens bei sich abzeichnenderwirtschaftlicher Abschwächungvorübergehend erhöht werden.Risikoaufschlag.Etwas höhereVerzinsungensind mit Unternehmensanleihenzu erzielenFotos: Colourbox (2)sichten, schließlich sind Renditeanstiegemit Kursverlusten verbunden.Wie sollen sich Investoren insolch einer Situation verhalten?Wer auf kurzlaufende Anleihensetzt und bis zur Tilgung hält, musssich mit noch geringerer Verzinsungdes Kapitals zufriedengebenals bei zehnjährigen Titeln. Diesewiederum könnten während derLaufzeit bei weiteren Renditeanstiegendeutliche Kursverlusteansammeln. Anleihen dennoch biszur Tilgung auszusitzen, würdehingegen bedeuten, sich in denkommenden Jahren mit einer unterdem Renditeniveau liegenden Verzinsungzufriedenzugeben.Und die Chancen stehen gut,dass die Zinsen auch langfristigweitersteigen werden. Denn auchUnternehmenals Alternativecor por at e bonds.Das Umfeld für Anleihen gestaltetsich generell sehr herausfordernd,da machen Teilmärkte wie jener fürUnternehmensanleihen keine Ausnahme.Auch sie unterliegen denRenditeschwankunken, die derMarkt für risikolose Staatsanleihenaus Deutschland oder den USA erzeugt.Dazu kommt als weitererFaktor ein sogenannter Risikoaufschlag,den die Emittenten an die Investorenbezahlen müssen.Dieses „Aufgeld“ ist grundsätzlichvon der Kreditwürdigkeit einesUnternehmens abhängig, wobei diesegrundsätzlich in zwei Kategorieneingeteilt sind. Im sogenannten Investment-Grade-Bereichsind dieEmitenten mit guter Bonität bzw.gutem Rating zusammengefasst,wobei dieser derzeit kaum Spielraumfür weitere Rückgänge der Risikoaufschlägebietet.Dies ist eher in der zweiten Kategorie,dem Hochzins-Bereich, derFall, wo der erwartete Aufschwungin den USA und Europa das allgemeineAusfallsrisiko senken sollte.Allerdings drängten zuletzt auchviele Mittelständler mit Anleihen andie Börse, bei denen das individuelleRisiko mitunter sehr hoch ausfällt –womit die höhere Verzinsung beieinem Ausfall sehr teuer erkauft wäre.Darum prüfe, wer sich bei Unternehmensanleihenlange bindet.wirtschaftblatt.atinvestor 17


ethisch anlegenSparen für eine bessere WeltEt hik. Wer vorsorgt, denkt an die Zukunft. Immer mehr Sparer habendabei aber nicht nur das Horten von Geld im Kopf. von manfred haiderZukunft. Bildung,Armutsbekämpfungund Umweltschutzist diebeste Investitionin die ZukunftIn Maria Enzersdorf bei Mödlingbefindet sich seit 2002 dieZweigniederlassung der deutschenSteyler Bank. Es ist zwar keinegroße Bank, sie will aber Großesbewegen. Ende 2012 verwaltetedas zum Steyler Missionsorden gehörendeGeldhaus für ihre 2460Kunden in Österreich Einlagen inHöhe von 40,2 Millionen €. EinPlus von 2,6 Millionen € im Vergleichzu 2011. Inklusive Deutschlandstieg das Volumen um 6,9 Prozentauf 397,4 Millionen €.Missio n . Nachzulesen ist obigesZahlenwerk in der Bilanz 2012.Daneben veröffentlicht die Bankaber auch den „Geschäftsberichtder guten Taten“. Demnach flossenaus dem Bankgewinn im Vorjahr412.000 € an die Steyler Mission.Hinzu kamen 377.136 € aus Stiftungserträgen.Den Löwenanteilsteuerten mit 1,79 Millionen € aberdie Kunden via Zins- und Kapitalspendenbei. Alles freiwillig, verstehtsich, wobei die Kunden dasentweder beim Kontoantrag festlegenkönnen oder später. Wer spendenwill, kann laut NiederlassungsleiterAndreas Kolde sowohlbestimmen, wie viel er oder siespenden will (25, 50, 75 oder 100»Sparer könnenzum Beispieldie Arbeit mitStraßenkindernauf den PhilippinenunterstützenAndreas Kolde, Steyler BankProzent der Zinsen), als auch welchemZweck diese zugute kommensollen. Wem das nicht reicht, kannsogar verfügen, welcher Region dieGelder zugute kommen sollen. Selten,aber doch, passiert es auch,dass die Kunden einen Steyler Missionaroder eine Missionsschwesterpersönlich kennen. Dann ist es sogarmöglich, konkret die von ihnenbetreuten Projekte zu unterstützen.Mü l l d e po n ie n . „Die meistenKunden legen aber einfach nur fest,wie viel Prozent der Zinsen gespendetwerden sollen“, sagt Kolde,„weil sie wollen, dass das Geld dorteingesetzt wird, wo es am dringenstengebraucht wird.“ Danach folgtder Spendenzweck Bildung. Beliebtsind auch medizinische und sozialeProjekte. Etwa die Arbeit mit Straßenkindernauf den Philippinen,wo „Müllmenschen“ auf riesigenMülldeponien leben. Dass die Bankpunkto Zinsen mit einigen Onlinebankennicht nicht mithalten kann,wird von den meisten Kundennachgesehen. „Es gibt sogar Kunden,die sagen, es gibt eh schon sowenig Zinsen, da kann ich gleichalles spenden“, so Kolde.a bse g n e n . Dass die Gelder beiden Steylern nach ethischen Kriterienveranlagt werden, versteht sichfast von selbst. Aber auch bei derzu 85 Prozent im Eigentum der KatholischenKirsche stehenden PrivatbankSchelhammer & Schattera,gibt es seit geraumer Zeit einEthik-Sparkonto (s. rechts), wo dieAnlagen von einem Ethikbeirat abgesegnetwerden müssen. An denThemen Todesstrafe, Waffenproduktionund anderen will die Bankdabei nicht anstreifen. Angaben,wie hoch die aktuellen Einlagen beidem Produkt sind, will SprecherStefan Schrabmayr keine machen.Einen anderen Ansatz verfolgtdie VKB-Bank beim „Bonussparenmit Umweltbonus“. Je mehr Kundensich hier für das Produkt entscheiden,desto höher fällt der Zuschussder Linzer Bank für Umweltprojekte,wie etwa Abfalltrennsystemein Schulen, aus.18 investor wirtschaftblatt.at


s pa r k o n d it io n enZinsen.Über gute, undganz gute KonditionenDie höchsten Sparzinsen für täglich fällige Einlagen,gibt es derzeit in Österreich mit 1,15 Prozent p.a. beider Denizbank (s. Grafik). Im historischen Vergleich istdas sehr wenig, im Vergleich zu den Großbanken sehrviel. Dort gibt es meist nur noch 0,125 Prozent,manchmal sogar nur 0,0625 Prozent. Die breite Masseder Österreicher fühlt sich dort aber offenbar gut aufgehoben.Irgendwo dazwischen rangieren die nebenanporträtierten Banken, die den Spar- mit einem Ethikgedankenverbinden. Welche Konditionen nun die gutenund welche die besseren sind, ist Ansichtssache. Diebreiteste Palette an Sparprodukten hat die Steyler-Bank. Der Sparbrief ist mit Laufzeiten von einem bisacht Jahre erhältlich. Derzeit gibt es zwischen 0,35und 0,8 Prozent p.a. Tagesgeld wird je nach Anlagebetragmit 0,1 bis 0,2 Prozent verzinst. Beim Wachstumssparensteigen die Zinsen Jahr für Jahr sukzessivean. Gewählt werden kann zwischen drei und sechs JahrenLaufzeit. Bei drei Jahren Bindung und einem Mindestanlagebetragvon 5000 € werden im ersten Jahr0,3 Prozent, im zweiten 0,4 Prozent und im dritten 0,5Prozent p.a. gezahlt. Bei sechs Jahren Bindung gibt esje nach Anlagebetrag bis zu 0,65 Prozent p.a. Beimtäglich fälligen „Online-Ethik-Sparen“ von Schelhammer& Schattera gibt es für Einlagen bis 100.000 €0,5 Prozent, für darüberliegende Beträge 0,25 Prozent.Das „Bonussparen mit Umweltbonus“ der VKB-Bankgibt es mit Laufzeiten von zwei bis sechs Jahren. DieGesamtverzinsung bewegt sich derzeit zwischen 0,6und 1,25 Prozent pro Jahr.(hama)DIE ATTRAKTIVSTEN ZINSSÄTZEFÜR TÄGLICH FÄLLIGES GELD *Zinssatz p.a.1,150%BankDenizbankMindestanlageab 1000 €1,125%1,125%1,100%1,100%1,070%1,000%1,000%1,000%0,900%0,800%VakifbankVolksbank Wien (online)Denzelbank (online)Livebank.at (online)Autobank (online)Easybank (online)ING-DiBa (online)Porsche Bank (online)Bankdirekt (online)Sparprofi.at (online)von 10.000bis 250.000 €ab 1000 €Wir tschaftsBlatt Grafik: ulrix*befristete Neukundenangebote blieben unberücksichtigt / Quelle: Unternehmensangabenwirtschaftblatt.at


immobilienZinshäuser sind etwasfür die Ewigkeitwerthal tig. Gründerzeitobjekte sind trotz Preissprüngen sehr begehrt. Investorensollten einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren mitbringen. von ingrid krawarikDie Nachfrage nach Zinshäusernin Österreich unddabei vor allem in Wien istnach wie vor ungebrochen hoch.Da ist es fast schon egal, dass diePreise für Gründerzeitbauten inden letzten Jahren gestiegen sind.Im Durchschnitt werden diese Objektederzeit um 1,5 Millionen €verkauft, wobei weniger attraktiveeinstöckige Zinshäuser in nicht soangesagten Bezirken wie dem 15.oder 17. auch für 500.000 € zu habensind. In der Kärntner Straßegibt es nichts unter zwei-, manchmalsogar dreistelligen Millionenbeträgen.„Bei Zinshäusern habenInvestoren den Vorteil, dass diemeisten noch in den nächsten Jahreneine Entwicklung sehen werden.Vorsorgewohnungen werdenzu einem Top-Preis verkauft unddann um zehn € pro Quadratmetervermietet. Das Steigerungspotenzialist dadurch geringer“, meintEugen Otto, Chef des ImmobilienmaklersOtto Immobilien.Die Preise in Wien seien dabeinicht zu teuer, sagt der Experte.„Der Standort Wien wird als zukunftssicherangesehen. Die Angemessenheitder Preise beurteilt immerder Markt und auf dem gibt esgenügend Interessenten.“ Das zeigtesich jetzt auch auf der erstenWiener Zinshausauktion. Über diezwei angebotenen Objekte hattensich im Vorfeld angeblich mehr als100 Kaufwillige informiert.bar a uf die hand . In Österreichsind 41 Prozent der ZinshauskäuferPrivatinvestoren. Dieallermeisten erwarben das Zinshausin den vergangenen Jahren20 investor wirtschaftblatt.at


immobilienFotos: Mayr, Tanzer, Colourboxohne Bankkredit. Viele denkenlangfristig. Das steht im krassenGegensatz zu den Käufern vorfünf, zehn oder gar 20 Jahren. Damalswurde das Haus billig gekauftund nach einiger Zeit teurerabgestoßen. Solche Spekulantengibt es aktuell kaum.„Wer sich heute für ein Zinshausentscheidet, sollte mindestens zehnbis zwanzig Jahre dabei bleiben. Investoren,die nur einen Horizontvon fünf Jahren haben, sind beiEigentumswohnungen eindeutigbesser aufgehoben“, erklärt Otto.Da das finanzielle Volumen beiZinshäusern immer noch steigt,verkleinert sich auch die Gruppederer, die als Käufer infrage kommen,bei Eigentumswohnungenkann man hingegen aus einem größerenPool an Interessenten schöpfen.Für ein gutes Objekt in guterLage gebe es aber immer einenKäufer.Re n d it e bis f ü n f pro z e n t .Zinshäuser bieten auf jeden Falleine gewisse Vermietungssicherheit,gerade weil oft 20 bis 30 Parteieninnerhalb eines Hauses wohnenund kaum alle gleichzeitig kündigenwerden. Der Mix aus alten undneuen Verträgen ist ein zusätzlichesAsset. Bei Gründerzeithäusern beträgtder Mietzins im Schnitt 3,50bis 4,50 € pro Quadratmeter. Infast allen Außenbezirken sind vierbis fünf Prozent Mieteinnahmenpro Jahr durchaus möglich – beieinem Kaufpreis von einer Million€ bedeutet das Einnahmen vonetwa 25.000 € p.a. Innerhalb desGürtels sinken die Mieteinnahmenauf etwa 2,5 bis vier Prozent. Ausgenommensind der erste Bezirksowie Objekte in Feststraßen.Die Entwicklung zeigt, dass derUmschlag an einschlägigen Immobilienin den Außenbezirken zugenommenhat, da es innerhalb auchnicht mehr beliebig viel in der richtigenPreisspanne zu kaufen gibt.»Die Pflege des Zinshauseskostet einViertel der MieteinnamenEugen Otto, Otto ImmobilienBei einem alten Zinshaus sollteman jedoch nicht vergessen, dassein Teil der Einnahmen für Instandhaltungsmaßnahmenherhaltenmuss. „Man sollte damit rechnen,dass ein Viertel oder auch die Hälfteder Einnahmen zur laufendenPflege der Immobilie aufgewendetwerden muss. Diese Kosten habeich bei einer modernen Eigentumswohnungin den ersten Jahrennicht“, sagt Otto. Und: „So einZinshaus hat schon einen emotionalenWert und ist sicher stressfreierund entspannter als irgendwelcheInvestments in Aktien.“Den größen Interessentenkreisgibt es für Zinshäuser in der Preiskategoriezwischen einer und dreiMillionen €. Etwaige Veränderungenim Mietrecht dürften keine allzugroßen Auswirkungen auf Zinshäuserhaben. „Bei Zinshäuserngibt es relativ moderate Mieten, dakann mir nicht viel passieren“, sagtOtto.Für den Makler ist der Worst-Case,dass Vermieter von Wohngebäudendamit rechnen müssen, dass siemit ein paar Prozent Abschlag beiden Mieteinnahmen rechnen müssen.Wer also heute etwa 100.000 €im Jahr durch Mieteinnahmen einnimmt,wird bei einer Mietrechtsreformim schlimmsten Fall fünfbis zehn Prozent weniger verdienen.„Das ist nicht existenzbedrohlichund das Haus wird dadurchauch nicht entwertet.“deutschland a tt raktiv .Neben Österreich ist der BerlinerZinshausmarkt sehr stark gefragt.Deutschland hat grundsätzlicheine weitaus ältere Immobilienkulturund eine deutlich größere Immobilienindustrie.Die Objektesind etwas günstiger, die Renditendadurch um etwa ein bis zwei Prozenthöher. Das Mietrecht ist allerdingsein anderes und daher nichteins zu eins mit Österreich vergleichbar.Tipp. Sachverständigehelfenbeim Zinshauskauft ipps : z in s h a u s k a u fEugen Otto ist einer der ZinshausprofisÖsterreichs. Für den Investor hat derExperte fünf Tipps parat, was voreinem Kauf beachtet werden sollte.Für die nächste Zinshausauktion2014 können bei ihm bis zum 15.Dezember Objekte eingebracht werden.2012 wurden übrigens 830 Millionen€ in den Kauf von Zinshäuserninvestiert.»»l age vor r endit e „Wenn ich dieWahl habe zwischen einem Zinshausin den Wiener Innenbezirken, alsozweiter bis neunter mit drei ProzentRendite, und einem Objekt im 15.mit vier Prozent, würde ich ersteremden Vorzug geben. Lage zählt enorm.“»»zust and Bevor der Kaufvertragunterschrieben wird, sollte die Immobilieauf die Bewirtschaftung der letztendrei Jahren überprüft werden.„Wurde was investiert, wenn ja, was?“»»Exper t en „Holen Sie sich einenSachverständigen an die Seite, dermit Ihnen die Immobilie von oben bisunten durchcheckt.“»»bew eggr und „Werden Sie sich klar,aus welchem Grund Sie ein Zinshauskaufen wollen. Wenn da nicht eineBehaltedauer von mindestens zehnJahren vorkommt, würde ich eher abbiegenzu einem anderen Investment“»»f inanzier ung „Ich würde ein Zinshausnur dann kaufen, wenn ich über80 Prozent des Kaufpreises verfüge,dann kann ich ruhig schlafen.“wirtschaftblatt.atinvestor 21


ver sicher ungDer Staat treibt Arbeitnehmer indie Hände privater AnbieterBerufsunf ähigkeit . Arbeitnehmer, die jünger als 50 Jahre sind, erhalten ab 2014 keinebefristete staatliche Invalidenrente mehr. Private Vorsorge wird wichtiger. von Manfred haiderPflege. Auch dieKrankenschwesterkann berufsunfähigwerdenDef in it io nGründe.Als berufsunfähiggilt,wer infolge vonUnfall, Krankheitoder Kräfteverfallmindestens sechsMonate ununterbrochen(zu mindestens50 Prozent)nicht fähigist, die zuletztausgeübte Tätigkeitzu verrichten.Derzeit erhalten in Österreich550.000 Menschen eine Invaliditäts-,Berufsunfähigkeits-,Erwerbsunfähigkeits- bzw.Versehrtenrente vom Staat. Grundfür das Wirrwarr ist, dass der Gesetzgeberfür Arbeiter, Angestellte,Selbständige etc. verschiedene Begriffeverwendet. Bei privaten Anbieternhingegen heißt die Absicherunggegen diese Risiken einheitlichBerufsunfähigkeitsversicherung[BU]. Besonders gut merken solltensich den Begriff Menschen, die jüngerals 50 Jahre alt sind und ab2014 vorübergehend berufsunfähigwerden. Denn sie erhalten aufgrundeiner Gesetzesänderung keine befristetestaatliche Invaliditäts- bzw.BU-Pension mehr.Um sc h ul e n . Die Zahl der Betroffenenist gar nicht so gering,wenn man bedenkt, dass 2012 rund7200 Personen unter 50 Jahren einestaatliche BU-Rente zuerkannt bekamen– 6400 davon befristet. InZukunft bekommen alle – oder zumindestfast alle, denn Beamte genießeneinen erhöhten Schutz –, dielänger als sechs Monate nicht arbeitenkönnen, salopp formuliert, vomAMS „eine besondere Zuwendung“.Wobei die Betroffenen eineMitwirkungspflicht haben, umdurch Rehabilitation oder Umschulungmöglichst bald wieder in denArbeitsprozess eingegliedert zuwerden. Nur wer dauerhaft invalideist oder wenn ein Berufswechselnicht mehr zweckmäßig ist, bekommteine staatliche BU-Rente.Auch bei Selbständigen unter 50Jahren wird vor Anerkennung einerErwerbsunfähigkeitspension künftiggeprüft, ob durch Rehabilitationoder Umschulung eine Wiedereingliederungsinnvoll ist. Doch währendArbeiter und Angestellte zumindesteinen gewissen Qualifikationsschutzauf bisherigem Ausbildungsniveauhaben, können(ehemalige) Selbständige sogar aufjegliche Tätigkeit verwiesen werden,sei es nun im selbst- oder unselbstständigenBereich.Solche Änderungen kommen fürdie Anbieter privater BU-Versicherungennatürlich wie gerufen. Hinzukommt die Gefahr der dauerhaftenBerufsunfähigkeit, unabhängigvom Alter. Im Schnitt sind betroffeneFrauen aber 48 und Männer 50Jahre alt. Die staatlichen Leistungensind mit durchschnittlich 1053 €pro Monat keineswegs üppig.Un ise x . Eine private Absicherungmag zwar eine feine Sache sein,aber da ist natürlich die Frage derKosten. Das WirtschaftsBlatt hatVersicherungsmaklerin ElisabethSchörg gebeten, Prämienvergleichemit diversen Berufsgruppen durchzurechnen.Relevant für die Höheder Prämie ist neben dem Berufauch das Alter beim Abschluss, dasgewählte Endalter (wie lange derVersicherungsschutz gelten soll – inder Regel bis zum Pensionsantritt)und wie hoch die BU-Rente imLeistungsfall sein soll. Dabei hatsich gezeigt, dass die Prämien fürÄrtze, Unternehmensberater undEDV-Programmierer bei manchenAnbietern ident sind, bei anderenaber nicht. „Die Komplexität desThemas liegt auch darin, dass dieeinzelnen Berufe bei den Versicherernin unterschiedlichen Gefah-22 investor wirtschaftblatt.at


ver sicher ungFoto: Colourboxrenklassen sein können“, sagtSchörg. Wegen der signifikantenPrämienunterschiede haben wireine Ärztin und eine Krankenschwesterherausgegriffen. Aufgrundder seit Anfang 2013 geltendenUnisexrichtlinie würde espunkto Prämienhöhe übrigens keinenUnterschied machen, die Ärztindurch einen Arzt und dieSchwester durch einen Pfleger zuersetzen. Pikanterweise diskriminiertder Staat beim Antrittsalterder Alterspension weiter Männergegenüber Frauen.Pr ä m ie n . Eine heute 35-jährigeKrankenschwester zahlt beim günstigstenAnbieter (Continentale) monatlich57 €, um im BU-Fall bis zumgewählten Endalter von 60 Jahreneine monatliche Rente von 1000 €zu bekommen. Beim Blick auf dieMonatsprämie der in der Regel besserverdienenden Ärztin dürften Gerechtigkeitsfanatikeraufheulen.Denn diese bezahlt bei ansonst gleichenGrundvoraussetzungen beider Continentale mit 28,46 € nurdie Hälfte der Schwester.Der Grund ist natürlich simpel,denn die Versicherer kalkulierenihre Prämien aufgrund von statistischenWahrscheinlichkeiten, berufsunfähigzu werden. Bei einigenAnbietern wird diese bei Krankenschwesternund Bautechnikern sogargleich groß angesehen. Ganzbitter wird es für unsere Schwester,wenn sie beim Vertragsabschlussnicht 35 sondern bereits 45 Jahrealt ist, denn dann muss sie monatlich72,96 € zahlen. Die Prämiensind übrigens im Rahmen der Sonderausgabensteuerlich absetzbar.Unser Rechenbeispiel bezieht sichBERUFSUNFÄHIGKEITSVERSICHERUNGMonatsprämie (in €) für eine BU-Rente von 1000 € / MonatLaufzeit bis Endalter 60 JahreKrankenschwester/-pfleger, 35 Jahre 45 JahreContinentaleDialogHDI-GerlingNürnbergerNervenkrankheitenWirtschaftsBlattWWKZürich*Arzt/Ärztin, 35 Jahre 45 JahreContinentaleDialogHDI-GerlingNürnbergerWWKZürich*2628,4638,9230,3839,1830,6036,4131,1738,1622,8526,8930,3536,5557,0Skelett-und Bewegungsapparat58,71Krebs72,9671,8268,9281,3781,0171,21Die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit (Angaben in %)85,71Herz- undGefäßsystem25 16 9 8 16Unfälle97,5997,76SonstigeGrafik/Cmund; Quelle: Versicherungsmakler Dr. Schörg, Morgen & Morgen GmbH, *Zürich Deutscher Heroldauf eine reine Risikoabsicherung.Das heißt, wer bis zum gewähltenEndalter von – in unserem Fall 60Jahren – nicht berufsunfähig wird,hat die Prämien umsonst bezahlt.Laut der Maklerin gibt es aberauch die Möglichkeit, den BU-Schutz als Baustein in eine Lebensversicherungeinzubinden. Dann»Die einzelnen Berufe können beiden Versicherern in unterschiedlichenGefahrenklassen seinElisabeth Schörg, Versicherungsmaklerinwird es zwar teurer, hat aber denVorteil, dass bei Ablauf ohne BU-Leistungsfall Kapital zur Verfügungsteht und im BU-Leistungsfallauch für die Lebensversicherungdie Prämienzahlung entfällt.R isiko w e g f a l l . Relevant fürdie Prämienhöhe bzw. ob ein Versicherereinen Kunden überhaupt akzeptiert,ist auch der individuelle118,51Gesundheitszustand, den wir imVergleich natürlich nicht berücksichtigenkönnen. Teurer wird dieMonatsprämie wenn, man als Endalter65 statt 60 Jahre wählt. Undwas ist, wenn man bereits mit 62Jahren in Alterspension geht?„Dann kann man den Vertragselbstverständlich stornieren“, sagtSchörg, wobei ein vorhandenerRückkaufswert ausbezahlt wird.Ganz wichtig sei auch, dass maneinen Anbieter wählt, der auf dieVerweisbarkeit auf einen Job verzichtet,der nicht dem zuletzt ausgeübtenBeruf bzw. der Lebensstellungund dem Einkommenenspricht.Und was ist, wenn einem Betroffenenvon der privaten Versicherungzwar die BU-Rente zuerkanntwird, aber die staatliche nicht? Angenommenman landet beim AMSund bekommt Notstandshilfe.Wird dann die private Geldleistungangerechnet? „Nein“, sagt Schörgund die Rente ist überdies derzeiteinkommenssteuefrei.wirtschaftblatt.atinvestor 23


al terna tiv anlegenIn unsicheren Zeiten steigt die Aversion der Anlegergegenüber Aktienbörsen. Das von dort abgezogeneGeld fließt traditionellerweise in „sichere Häfen“wie Gold oder Immobilien. Auf der Suche nach Streuungfindet es aber immer häufiger auch seinen Weg inalternative Investmentklassen: So ist es kein Zufall,dass 2011, am Höhepunkt der Eurozonen-Schuldenkrise,der Liv-Ex-100, eine Benchmark für die beliebtestenWeine der Welt, sein Allzeithoch erreichte.Bei echten Anlageweinenhandelt es sich im PrinzipWeinnur um klassifizierte Bordeauxoder große Burgunder.Sie erfüllen abseits derQualität ein wesentliches Kriterium für den Erfolg aufSammlermärkten: Gesetzliche Produktionslimits garantierenExklusivität, gleichzeitig reicht die Mengefür eine weltweite Bekanntheit aus.Auch eine hinterdem Produkt stehende Geschichte ist förderlich: Fürzwei Kisten mit je zwölf Flaschen „Château Lafite-Rothschild“ von 1982 aus dem Weinkeller von RegisseurFrancis Ford Coppola („Der Pate“) zahlte ein Bieter2011 gut 50.000 $.Risiko . Wein haftet als Naturprodukt ein qualitativesRisiko an. Darüber hinaus verändern sich Geschmacksvorliebenim Laufe der Zeit, was die Freisetzung amMarkt schwierig machen kann. Es gelten ähnliche Gefahren,wie in anderen Asset-Klassen. Während sichdie Aktienmärkte erholten, hat der Liv-Ex-100 seit seinemRedord um rund ein Viertel eingebüßt.Tizian, Picasso und Schiele sind schön, aber alsGeldanlage reichlich teuer. Wer sich mit Kunstbeschäftigt, hat jedoch gute Chancen, unter jungen,noch unbekannten Künstlern Juwelen zu finden.Werke von Zeitgenossen legen derzeit Spitzenwertsteigerungenhin und laufen alten Meistern zunehmendden Rang ab. Zwischen Juli 2012 und Juli 2013wurden 1,05 Milliarden € mit Arbeiten von nach 1945geborenen Künstlern umgesetzt.Das auf Kunstmärktespezialisierte fran-kunstzösische Unternehmen Artprice,das die Zahl erhob,sieht einen „historischen Rekord“. Noch macht zeitgenössischeKunst nur 13 Prozent an den weltweitenKunstverkäufen aus. Das könnte sich aber bald ändern.Die Auktion einer Sammlung aus dem Besitz desMalers Pierre-Auguste Renoir verlief kürzlich mit nur1,3 statt erwarteter drei Millionen $ Erlös enttäuschend.TREND. Das Interesse der Sammler gilt den jungenKreativen. Im Mai wurde in New York ein Bild vonJean-Michel Basquiat (1960-1980) um 48,8 Millionen$ (Schätzpreis 30 Mio.) versteigert. Im September erzieltenFotografien und Skulpturen des britischen ModelsKate Moss in London 1,97 Millionen €. Und beiSotheby’s Hong Kong sprengte im Oktober das Bild„Last Supper“ von Zeng Fanzhi (geboren 1960) Rekorde.Es wurde für 23,3 Millionen $ verkauft.Edler Tropfen.Von ChâteauLafite-RothschildträumenWeinliebhaberLuxusanlageBasquiat. Er warder erste in derweißen KunstszeneanerkannteAfroamerikaner24 investor wirtschaftblatt.at


al terna tiv anlegenBlickfang.Schmuck undKleidung vonElizabeth Taylorsind gefragtMode sammeln ist als massentaugliches Phänomenrelativ neu. Erst um die Jahrtausendwendetauchte das Schlagwort „Vintage“ inden Medien auf, nachdem Models und Schauspielerinnenbegannen, mit jahrzehntealter Designerkleidungam roten Teppich zu erscheinen.Echte Sammler, die Vintage-Textilien heute mit Blickauf die Wertsteigerung kaufen, tragen die Stücke allerdingsnicht. Gebrauchsspuren gefährden die Rendite,die mitunter beträchtlich sein kann. Ein Beispiel ausdem Auktionshaus Christie’s:Ein Chanel-Kleid, daseinst um 1000 £ versteigert vint agewurde, konnte der Bieter2010 für 13.000 £ wiederverkaufen.Der beste Preistreiber sind Provenienz, einwandfreieOriginalfassung und eine interessante Herkunft. ElisabethTaylors Hochzeitskleid, das die Schauspielerin beiihrer ersten Ehe 1950 mit dem Hotelier Conrad Hiltontrug, wurde im Juni für umgerechnet 121.875 £ in Londonauktioniert. Für ein Kleid, das Kate Middleton,Ehefrau von Prinz William, als Studentin bei einer Modenschaugetragen hatte, zahlte ein Bieter 2011 90.000£. Rekordpreise werden regelmäßig bei Hermes-Handtaschensowie Kleidern des ’12 verstorbenen britischenDesign-Genies Alexander McQueen erzielt.Fotos: Bloomberg, apa-epa, Reuters, RolexLeidenschaft . Gutes Leben ist teuer, aber es kannsich rentieren. Alternative Anlageklassen stehen denherkömmlichen im Ertrag um nichts nach. Und sievereinen Hobby und Vorsorge. von Edith LacknerPaul Newman.Die Daytonazählt zu den beliebtestenSammlerstückenTIPP. Auktionen bei www.kerrytaylorauctions.com.Wer günstigere Preise anpeilt, darf nicht erst bei derAuktion zuschlagen. Auf in den Vintage-Shop!Bei Christie’s London erregte im Sommer eineHerrenarmbanduhr Aufsehen, die ein Schnäppchenjägerum 25 £ erworben hatte. Wie sich herausstellte,handelte es sich um ein Unikat, noch dazumit prominenter Vergangenheit: Die Uhr der MarkeBreitling aus 1962 wurde für den James Bond Film„Thunderball“ adaptiert und von Sean Connery getragen.Doppeltes Glück fürden Flohmarktstöberer:Geschätzt auf 30.000 £ bis uhren60.000 £ ging das Stückum 103.875 £ weg. FürHerrenarmbanduhren existiert seit Jahren ein gesunder,wachsender Markt. Spitzenreiter bei Auktionensind Erzeugnisse von Patek Philippe. 2004 wurde einModell des Schweizer Herstellers aus den 1940er-Jahrenauf der Plattform Antiquorum um 6,4 MillionenFranken versteigert. Firmen wie Patek Philippe oderVacheron Constantin produzieren nicht nur sehr komplexeUhren. Sie haben sich auch auf große mechanischeModelle der 30er- bis 50er-Jahre besonnen, alsüberall sonst Quarzwerke hergestellt wurden. 2012kam eine diamantenbesetzte Patek Philippe zu einemRekordpreis für eine Uhr ohne Zusatzfunktion um22,43 Millionen € unter den Hammer.Be r ü h m t. Zu den beliebten Sammlerstücken gehörtaußerdem die durch Paul Newman berühmt gewordeneRolex Daytona. Statt 1495 Franken im Jahr 2008zahlte man dafür 2011 schon 69.700 Franken.wirtschaftblatt.atinvestor 25


AuszeitRinderzucht. ÖlhändlerHall machtauch mit Kühen einGeschäftder Newhall Farm Obst, Honig,Most, Pflanzenseife und Fleischproduktevon Tieren, die frei vonWachstumshormonen und Antibiotikaaufwachsen, verkauft. UndAhornsirup – gewissermaßen einNationalprodukt des Staates. Vermontist zu weiten Teilen vonAhornbäumen bedeckt. Hall kauftein der 660-Seelen-GemeindeReading riesige Flächen Land undließ mehrere Wohnhäuser daraufniederreißen. Unter anderem auch,um ein Kunstmuseum darauf zu eröffnen.Mein Bauernhofein Milliardär als f ar mer. Der legendäre Ölhändler Andrew J. Hallbetreibt eine Landwirtschaft in Vermont. von Edith LacknerAndrew J. Hall ist ein Meisterder Voraussicht. Als Händlerfür die Citigroup-RohstofftochterPhibro setzte der studierteChemiker so erfolgreichauf Veränderungenan den Energiemärkten,dass ihm jährliche Bonivon 100 Millionen $ zustanden.Unter anderemsetzte er eine einträglichelangfristige Wette auf denChina-Boom und die damitverbundene Verteuerungvon Erdöl. In der Öffentlichkeitkam das Megagehaltallerdings nicht gut an, zumalder Staat zig Milliarden Dollarin die Mutterbank gepumpt hatte,Papa ist der Beste.Andrew J. Hallmit seinerTochter Emmaum sie vor der Pleite zu bewahren.2010 verkaufte die Citigroupschließlich Phibro und ihren teurenHändler unter dem Druck der Politikan den kalifornischen ÖlmultiOccidental Petroleum.f a r m . Angst vor umstrittenenAktionen hat der als öffentlichkeitsscheugeltendeHall weiter keine. Heute ister nicht nur Chef der Occidental-Rohstoffhandelssparteund des Hedgefonds AstenbeckCapital, sondernauch Bauer im US-BundesstaatVermont – im großen Stil verstehtsich. Viereinhalb Autostundenvon New York entfernt werden aufst e u e r v e r m e id u n g . Beführworterdes Engagements sind davonüberzeugt, dass dadurch dieLandschaft in ihrer Ursprünglichkeitkultiviert wird. Die abgerissenenHäuser, ein Nachbarschaftsstreitüber Stromleitungen und vorallem der niedrige Steuersatz, derfür einen Teil des Besitzes zu entrichtenist, ruft aber Kritiker aufden Plan. Land aus dem BesitzHalls ist für ein Programm desBundesstaates registriert, das dieSteuerlast für Bauernhöfe und Wäldersenkt, berichtet Bloomberg.Dadurch soll eigentlich die Landwirtschaftgefördert und die Entwicklungkommerzieller Projektehintangehalten werden.G r u n d be sit z . Über die genauereVermögenssituation des 62-Jährigengibt es keine Auskunft.Bloomberg recherchierte einenWert des Anwesens in Reading von13,8 Millionen $. Der Nachrichtenagenturgegenüber schrieb Hall,sein Bauernhof aus dem 18. Jahrhundertund die drei Gästehäuserseien bescheiden – verglichen mitanderen Luxus-Immobilien in Vermont.Hall begann bereits in den1980er-Jahren, Land in Reading zukaufen. Ein Wochenendhaus in derIdylle Vermonts hat bei Vermögendenaus den umliegenden Staateneinen ähnlichen Stellenwert, wieein Chalet in St. Anton. Dem deutschenMaler Georg Baselitz kaufteer vor einigen Jahren Schloss Derneburgbei Hildesheim ab.Fotos: Bloomberg (2)26 investor wirtschaftblatt.at

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