WAS ICH TUE, IST EINZIGARTIG - Quinte

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WAS ICH TUE, IST EINZIGARTIG - Quinte

P.P. 4144 Arlesheimwww.quinte.chAusgabe 29 | 2011 | FrühjahrWAS ICH TUE,IST EINZIGARTIGDie ITa wegman klinik informiertSibylle Strofus, WALA GärtnerinFünf Beiträge zu Gesundheit und QualitätGenauso einzigartig wiedie WALA Arzneimittel.WALA Heilmittel GmbH • 73085 Bad Boll / Eckwälden • Service-Telefon +49 (0)7164 930-181 • www.walaarzneimittel.de • info@walaarzneimittel.deKräftige, gesundeHeilpflanzen stehenam Anfang -natürliche, verträglicheArzneimittel am Ende.Ihr persönliches ExemplarZum Mitnehmen!Jubiläumsausgabe90 JahreAnthroposophische Medizin1921 – 2011ISSN-Nr.: 1424-9146


2011ein Jahr voller JubiläenIta Wegmans Persönlichkeit | Seite 4Peter SelgEin ungewöhnlicher LebenswegDie Arlesheimer Klinik und die Ausbreitungder Anthroposophischen Medizin | Seite 10Peter Selg„Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Wegman!“ | Seite 16Gunhild PörksenDie Korrespondenz im Ita Wegman ArchivIta Wegman Klinik heute | Seite 2290 Jahre Anthroposophische MedizinLiebe Leserin, lieber LeserWarum feiert man eigentlich Jubiläen? Wenn besondereDaten wiederkehren, erinnert man an einen Menschen,ein Ereignis. Ein Jubiläum ist auch geeignet, innezuhalten,sich auf Erreichtes zu besinnen und der Freudedarüber Ausdruck zu verleihen sowie nach vorn zuschauen, über die nächsten Schritte zu orientieren.So wird im Jahr 2011 an verschiedene Persönlichkeitenund Ereignisse erinnert: beispielsweise an Franz Liszt,der vor 200 Jahren geboren wurde, oder an GustavMahler und Konrad Duden, deren Todestage sich 2011zum 100. Mal jähren. Auch Rudolf Steiner, vor 150 Jahrengeboren, wird in diesem Jahr in besonderem MassAufmerksamkeit zuteil.Die Ita Wegman Klinik wird in diesem Jahr 90 – und mitihr die Anthroposophische Medizin. Beide Jubiläen sindmit dem Jubeljahr „150 Jahre Rudolf Steiner“ eng verbunden.Denn so notierte sich Ita Wegman 1940: „Waswären wir ohne Anthroposophie? Welch ein mächtigesGeschenk ist uns da gegeben worden, mit dem wir dieMenschheit und die Welt verstehen können.“ Durch einGespräch mit Rudolf Steiner wurde Ita Wegman angeregt,Medizin zu studieren. 1917 schreibt sie in einemBrief an Marie Steiner, sie wolle „bestrebt sein, nach Dr.Steiners Lehren der Medizin zu dienen“. Sie setzt in dieserZeit erstmals Steiners Empfehlungen für die Mistelbehandlungvon Krebspatienten in die Tat um, mit demPräparat „Iscar“, aus dem Jahrzehnte später und nachvielen Forschungen und technischen Entwicklungen dasheutige „Iscador“ entstand.Aus Anlass des Jubiläumsjahres haben wir die Ausgabe10 der „Quinte“ überarbeitet. (Übrigens gibt es dasMagazin auch bereits seit 10 Jahren!) Zur Zeit der 10.Ausgabe, im Herbst 2004, wurde gerade die Volksinitiative„Ja zur Komplementärmedizin“ lanciert.Mit überzeugender Stimmenmehrheit wurde diese Initiative2009 angenommen. Das war ein grosser Erfolg– und doch nur ein erster Schritt. Denn nun muss dieUmsetzung des Verfassungsartikels auf Gesetzesebeneund vor allem auf kantonaler Ebene erfolgen. Dassdas keine Selbstverständlichkeit ist, wurde klar, als dieEidgenössische Leistungskommission dem BundesratAnfang Dezember 2010 empfahl, die Wiederaufnahmeder fünf komplementärmedizinischen Richtungen in dieobligatorische Krankenversicherung abzulehnen. DochBundesrat Didier Burkhalter entschied anders, und sowerden ab 1. Januar 2012 die ärztlichen komplementärmedizinischenLeistungen wieder über die Grundversicherungvergütet. Dieser Entscheid ist mit der Auflageverbunden, den Nachweis über die Wirksamkeit, Zweckmässigkeitund Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizinzu erbringen. Ist das nicht bereits vor Jahrenmit der PEK-Studie (Programm Evaluation Komplementärmedizin)weitgehend erfolgt?Einzelne Beispiele zeigen, dass auf kantonaler Ebeneein Umdenken im Gang ist und mit der Berücksichtigungder Komplementärmedizin dem Volkswillen Rechnunggetragen wird. So finden erste Gespräche statt, wie derneue Verfassungsartikel auf kantonaler Ebene umgesetztwerden kann. Im Kanton Thurgau konnten die kantonalenAngestellten in diesem Winter wählen, ob sie sichgegen Grippe impfen lassen oder eine Grippeprophylaxeauf pflanzlicher Basis nutzen. Auch die Frage nachKostengutsprachen für ausserkantonale Hospitalisationenin komplementär geführten Kliniken hängt damitzusammen, wie der Verfassungsartikel „Bund und Kantonesorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für dieBerücksichtigung der Komplementärmedizin“ umgesetztwird. Wenn ein Kanton selber keine komplementärmedizinischestationäre Behandlung anbieten kann, so sollteer eine Kostengutsprache für eine Klinik in einem anderenKanton gewähren!Auch wenn wir in diesem Jahr 2011 Erreichtes feiernund zum Beispiel auf erfolgreiche 90 Jahre Ita WegmanKlinik schauen, so bleibt doch Vieles zu tun, um auchin Zukunft allen Menschen den Zugang zur AnthroposophischenMedizin zu ermöglichen.Für das RedaktionsteamVerena JäschkeAktuelles | Seite 23Neues aus der Ita Wegman Klinik


10 Aus der Ita Wegman KlinikDie Arlesheimer Klinik 11Die Arlesheimer Klinikund die Ausbreitungder Anthroposophischen Medizin„Wie wird wohl alles aufgenommen werden, war bei mir dieFrage, als ich unseren verehrten Lehrer Rudolf Steiner einlud,das Institut zu sehen, als es ganz fertig war zum Empfang derPatienten. Mit klopfendem Herzen zeigte ich die Zimmer, diein den verschiedenen Farben gemalt waren, das Behandlungszimmer,die Veranden, was wird er sagen? Und unvergesslichbleibt mir der Moment, als wir in die oberste Etage angelangtzur offenen Veranda uns begaben, um den schönen Ausblick zusehen, den Arlesheim auf die Vogesen hat, Rudolf Steiner sichmir zuwendete, mir die Hand gab und die Worte aussprach,dass er mit mir arbeiten wolle, und dass es ihm Freude gemacht,dass das Institut zustande gekommen ist, dem er den NamenKlinisch-Therapeutisches Institut geben wolle und für das erjetzt mit mir zusammen einen Prospekt ausarbeiten wollte.“(Ita Wegman)Peter SelgDie Ita Wegman Klinik zur Zeit ihrer Gründung (1921)Der erste Anbau (1927)Der Erweiterungsbau (1954)Der Neubau (1964)Die Ita Wegman Klinik heute


14Die Arlesheimer KlinikDie Arlesheimer Klinik15„Ein heilendes Prinzipüberall um uns her verbreiten“„Mir macht die ganze Weltlagegrosse Sorgen.“Am Ende des Jahres 1923 berief Rudolf Steiner ItaWegman zur Leiterin der Medizinischen Sektion derFreien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanumund übergab ihr – nur fünfzehn Monate vorseinem Tod – die persönliche Verantwortung für dietherapeutische, soziale und wissenschaftliche Zukunftder Anthroposophischen Medizin. Diese geistige Verpflichtungnahm Ita Wegman bis an ihr Lebensendeernst und arbeitete mit ihrer ganzen Wesenskraftan der grösstmöglichen Erfüllung der damit gestelltenAufgaben. Unter ihrer Förderung entstanden inden folgenden Jahren zahlreiche weitere anthroposophischeKliniken und Sanatorien, therapeutischeZentren und heilpädagogische Institute in verschiedeneneuropäischen Ländern, aber auch internationaleMöglichkeiten der Herstellung und des Vertriebsder neu entwickelten Heilmittel; es entstanden Formender berufsspezifischen Aus- und Weiterbildungin Anthroposophischer Medizin, Krankenpflege, Heilpädagogikund Kunsttherapie, Weisen der Kommunikation,Publikation und Forschung („Nur so, wennes uns Ärzten gelingt, alles das, was Dr. Steiner denÄrzten gegeben hat, lebendig in uns zu tragen, wirdes uns auch gelingen, nicht nur kranke Menschen zuheilen, sondern auch ein heilendes Prinzip überallum uns her, wo wir wirklich sind, zu verbreiten.“ ItaWegman). Von Arlesheim aus initiierte, begleitete undunterstützte Ita Wegman all diese Bemühungen mitunerschöpflicher Energie und reiste mehr als die Hälftedes Jahres zu den einzelnen, weitverstreuten Orten,ermutigte, energisierte und inspirierte die dort tätigenund oft am Rande ihrer Kräfte arbeitenden Menschen,stärkte ihnen den Rücken, ermöglichte Ferien, Vertretungenund Erholungspausen. Nicht zuletzt aberverkörperte und lebte Ita Wegman die fortbestehendeVerbindung der gesamten Arbeit mit ihren spirituellenFundamenten, wie sie durch Rudolf Steiners Lebenund Werk geschaffen worden waren. Sie vereinigte dieMenschen zu einer geistigen Gemeinschaft mit einergemeinsamen inneren Zielsetzung, die oft alle äusserenWiderstände überwinden liess.Die tatsächlich vorgefundenen Hindernisse aberwaren von Anfang an gross und kulminierten in den30er-Jahren, die die nationalsozialistische Machtübernahmein Deutschland und eine aufkommendeVorkriegsstimmung mit sich brachten. Die anthroposophischeHeilkunst stand – und steht – in ihrer Betonungder konkreten Individualität des Menschen bisin seine einzelnen leiblichen Ausdruckswege hineinder üblicherweise verbreiteten Medizin in vielemkonträr gegenüber; die Anthroposophie selbst wurdein ihrer gesellschaftlich organisierten Form vonden deutschen Machthabern 1935 aufgrund ihres„Internationalismus“ und „Individualismus“ verboten– und die heilpädagogischen Institute befandensich ab 1933 in einem schwierigen Kampf angesichtsder drohenden Sterilisierung und Euthanasie dervon ihnen betreuten und liebevoll geförderten Kinder.Ita Wegman aber hielt das humanistisch-christlicheMenschenbild auch in den Zeiten der Not undBedrängnis aufrecht, organisierte wirksame Hilfenzur Flucht und Wege der Rettung – auch, als im September1939 der Zweite Weltkrieg in Mitteleuropaausbrach, die einzelnen Orte voneinander getrenntwurden und auf sich selbst angewiesen waren. Sietrug die Menschen und all ihre Bemühungen weiterin ihrem Herzen und lebte bis zuletzt in Richtung desKommenden, das sie vorbereitete und dem sie biszu ihrem Tod mit allen Kräften diente. Der Schweizals ihrem Gast- und Heimatland war Ita Wegmantief und dankbar verpflichtet – in ihrer politischenNeutralität, Gastfreundschaft und Weltoffenheit sahsie Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für dieZukunft, gerade auch im Bereich der sozialen Medizin.Im Übrigen hatte Rudolf Steiner Ita Wegmanbereits früh zu verstehen gegeben, dass in diesemLand die ärztliche Therapiefreiheit am längstenerhalten bleiben würde.Dr. Rudolf Steiner (1861 - 1925) Dr. Ita Wegman (1876 - 1943)... Mir macht die ganze Weltlage grosse Sorgen, weil so, wie dieDinge sich gestalten, nicht viel Gutes daraus entstehen wird. Sotun mir oft besonders die Kinder leid, die dieses alles mitmachenmüssen, sei es auf der einen Seite den Glückstaumel, sei es aufder anderen Seite die von Hass erfüllten Verfolgungen andersDenkender, wie Juden usw. So möchte ich fast den Ärzten mit ansHerz legen, mit dazu beizutragen, dass die Kinder aus Deutschlandherausgeschickt werden. Denken Sie daran, dass wir mit Liebe dieKinder hier aufnehmen werden.Ita Wegman, 17.03.1933


„Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Wegman!“17„Sehr verehrte, liebeFrau Dr. Wegman!“Die Korrespondenz im Ita Wegman ArchivGUNHILD PÖRKSENDas ArchivWenn man das grosse Zimmer im Holzhaus betritt, indem das Ita Wegman Archiv eingerichtet ist, sieht man aussereinem Raum, der nur aus Fenstern und warmem Holzzu bestehen scheint, eine Wand voller Regale mit schwarzenLeitzordnern und einen langen Ar beitstisch mit Blickin den schönen Garten. Die 150 Ordner enthalten den vomUmfang her grössten Teil des Nachlasses von Ita Wegman,der im Archiv aufbewahrt, geordnet, durchgearbeitet undzu gänglich gemacht wird und werden soll. Sie versammelnihre Korrespondenz und die Korrespondenz des „KlinischTherapeutischen Instituts“ seit der Gründung im Juni 1921bis zu Ita Wegmans Tod im März 1943. Nach einer ungefährenSchätzung sind es 50’000 bis 60’000 Briefe, nachJahrgängen und alphabetisch geordnet. Das klingt einigermassentrocken.Schlägt man einen der Ordner auf, so sieht man die teilweisevergilbenden maschinenschriftlichen Durchschläge ausArlesheim – Ita Wegman und ihre Ärztinnen haben meistihre Briefe diktiert, findet viele handschriftliche Briefe vonihr und unzählige Anschreiben an sie aus nahezu alleneuropäischen Ländern, aus Amerika, aus Palästina, meistmit der Hand geschrieben und oft nur mit Mühe zu entziffern.Die Korrespondenz ist mehrsprachig; die deutscheSprache überwiegt bei Weitem, doch finden sich auch vieleholländische, englische und eine Reihe von französischenSchreiben.Vielleicht könnte man denken: was soll eigentlich in einerArzt-Patienten-Korrespondenz, in einer Klinik-Korrespondenzso sonderlich Interessantes stehen, dass es gegenwärtigund zukünftig noch eine Bedeutung hat – ausser vielleichtfür eine Handvoll Spezialisten? Aber dann fängt manan, irgendeinen der blauen Briefdurchschläge zu lesen –und staunt.Plan zum Neubau einer Wohnbaracke.Baueingabe für das Ita Wegman Haus, Juli 1924MITARBEITGunhild PörksenARBEITS­SCHWERPUNKTStudium der Germanistik.Mehrere Veröffentlichungen überParacelsus. Arbeitet seit Januar 2003im Ita Wegman Archiv.KONTAKT061 705 73 77wegmanarchiv@wegmaninstitut.ch


18 „Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Wegman!“„Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Wegman!“19Das Holzhaus im Klinikgarten, von Rudolf Steinerentworfen, im Sommer 1924 aufgerichtet, alsWohnhaus für Ita Wegman und ihre Mitarbeiter50’000 BriefeMedizinHeilpädagogikMenschenDie Briefe von und an Ita Wegman und die Klinik erweiternund übersteigen jede frühere oder gegenwärtige Arzt-Patienten-Korrespondenz,jede Klinik- und Geschäftskorrespondenznach allen Seiten und Richtungen. Was hier brieflichdargelegt, gefragt, geklagt, ausgesprochen und beantwortetworden ist, ist kaum zu fassen und kann nur mit ein paarSchlaglichtern beleuchtet werden.Liebes Fräulein D.Arlesheim, den 23. Dezember 1936Herzlichen Dank für Ihre beiden Briefe mit demschönen Taschentuch, das Sie mir geschenkt haben.Ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit.Vielleicht können Sie ein paar Tage Ferien nehmen,um einmal auszuruhen und Ihr Herz wiederzu kräftigen. Ich habe mit grossem Bedauern vonall den Schwierigkeiten gelesen, die Sie mit IhremVater gehabt haben. Es ist ganz gut, dass Sie jetztnichts weiter gegen ihn tun; es ist besser, solcheMenschen nicht zu reizen. Das Einzige, was Sietun können, ist zu beten, dass er und auch Siegeschützt werden. Finanzielle Unterstützung würdeich an Ihrer Stelle niemals geben, auch wenn manan Sie mit dieser Bitte herankommt, es kann niemandSie zwingen, dies zu tun. ...Zum einen sind es, wie zu erwarten, Briefe mit gänzlich oderteilweise medizinischen Inhalten: Beispielsweise werden – oftüber viele Jahre – Ärzte aus der Schweiz, aus Deutschlandund aus anderen europäischen Ländern beraten, die sich fürdie Anthroposophische Medizin interessieren oder bereitsdamit arbeiten, die in Briefen ihre Patienten beschreibenund konkret nach Heilmitteln und Anwendungsbereichenfragen. Die in Arlesheim neu entwickelten Medikamente unddie dort durchgeführten Therapien werden erfragt und mitgeteilt.Die Pflegepraxis des Klinisch-Therapeutischen Institutsstrahlt aus und findet Bewerberinnen, die sie erlernenwollen. Die Jahre sind geprägt durch die unablässige Weiterbildungvon Ärzten und Pflegenden in Kursen und aufTagungen, die in Arlesheim initiiert werden. Forschungsfragenwer den angeregt, weitverstreute Ärzte um Erfahrungsberichteund wissenschaftliche Beiträge gebeten. Diekünstlerischen Therapien, die Heileurythmie werden zu -nehmend ausgearbeitet und eingesetzt. Patienten aus Berlin,Prag oder London bitten um ärztlichen Rat und Medikamente,die dann mit genauen Anweisungen zugesandt werden.Ita Wegman hat die in der Schweiz, in Deutschland, England,Island begründeten heilpädagogischen Einrichtungengefördert, unterstützt und medizinisch und menschlichbegleitet. Die Entwicklung dieser Einrichtungen, die darinbetreuten Menschen, die Probleme der Mitarbeiter, diegeistige Arbeit, die ein solcher Ort nötig hat, spielen ebensoeine Rolle in den Korrespondenzen, wie die oft schwierigeFinanzierung. Es geht um das Aufbringen von Geldernfür Projekte und Initiativen, um Anthroposophie und dieAnthroposophische Gesellschaft, um Nahrungsmittel undbiologisch-dynamische Landwirtschaft, um Haushaltung,um Patenkinder und Versicherungen, um Politik und dieMöglichkeiten, aktiv einzugreifen oder spirituell Widerstandzu leisten. Für Ita Wegman geht es, oft nur in einemeinzigen prägnanten Satz, immer wieder um die ihr vonRudolf Steiner anvertrauten Aufgaben.Überdies haben sehr viele Menschen an die Ärztin Ita Wegmanganz persönliche Dinge geschrieben und ihr halbesLeben und ihre inneren Widersprüche ausführlich brieflichunterbreitet, Probleme mit Eltern, komplizierte Liebesgeschichten,schwierige Ehen, Orientierungslosigkeit, Träumeund Fantasien. Als heutiger Leser findet man manchmal,sie hätten der „lieben, verehrten Frau Dr. Wegman“ rechtviel zugemutet. Doch haben ihre Briefe eine Empfängerinerreicht, die sie in einer unvergleichlichen Weise aufnimmt:es findet eine wirkliche Begegnung statt! Nicht nur kann derBriefschreiber, die Briefschreiberin das Gefühl haben, dasses natürlich und richtig war, so zu schreiben, wie er oder siegeschrieben hat, vielmehr wird ihr oder ihm ebenso freilassendwie herzlich eine Art von Zugehörigkeit eröffnet.Suryhof in Arlesheim Anfang der 20er-Jahreder spätere „Sonnenhof“, eine der ersten heilpädagogischen Einrichtungen


20 Aus der Ita Wegman Klinik„Sehr verehrte, liebe Frau Dr. Wegman!“ 21Die Kunst zu verbindenIta Wegman hat immer wieder Menschen eingeladen nachArlesheim und später nach Ascona, sowohl um Heilungzu finden, sich nach Krankheiten oder Schicksalsschlägenzu erholen, wie an dem, was dort Neues gesucht,erforscht und verwirklicht wurde, teilzunehmen und mit -zuarbeiten. Ein Grundton von Gastfreundschaft und Menschenfreudezieht sich durch ihre Briefe. Nicht selten bekundetihr erster Satz, dass sie einen lose gewordenen Fadenaufnimmt, dass sie nachfragt, dass sie mit aktiver Treueanknüpft und Verbindungen hält. Wenn man ihre eigeneArbeitsbelastung und die Situation der Klinik bedenkt inden Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges, kannman sich kaum vorstellen, von woher die Zeit und die Ruhegekommen sein mögen, um die ankommenden Briefe zubeantworten und so zu beantworten. Die deutsche Grammatikhat Ita Wegman nie ganz tadellos beherrscht. Gleichwohlhat sie die inhaltsreichsten, herzlichsten Briefe geschrieben,hunderte, tausende. Sie spricht mit ihrem Gegenüber, klar,direkt, lebenspraktisch, spirituell, in einfachen, manchmalein bisschen holländisch grundierten Sätzen.Ita Wegman InstitutPfeffingerweg 1ACH-4144 ArlesheimLeitung: Prof. Dr. med. Peter SelgMail: sekretariat@wegmaninstitut.chTelefon: 0041/61 705 73 77Telefax: 0041/61 705 71 06wegmanarchiv@wegmaninstitut.chwww.wegmaninstitut.chÖffnungszeiten:Dienstag und Donnerstag10-16 Uhrund nach VereinbarungSpendenkonto CH/DE:Basellandschaftliche KantonalbankKto.-Nr. 162.160.439.07IBAN CH48 0076 9016 2160 4390 7BIC: BLKB CH 22GLSGemeinschaftsbank BochumZukunftsstiftung GesundheitVermerk: „Ita Wegman Institut“Kto-Nr. 104 700 300BLZ 430 609 67„Wir haben hier immer recht viel zu tun, recht viele schwereKrankheiten und haben auch vor einer Woche eine liebePatientin Fräulein Dr. Helene von Grunelius aus Stuttgartverloren. Das war ein trauriges Ereignis, aber wenn mandie Anthroposophie recht versteht und den Toten begleitenkann zur geistigen Welt, dann wird das, was zuerst einemso ungeheuer traurig vorkommt, doch zuletzt etwas Helles.Wie einen Gang zur Heimat empfindet man es und mangibt innerlich Grüsse mit für alle diejenigen, die schon vorhergegangen sind. So kann solch ein Ereignis uns intensivwieder verbinden mit der geistigen Welt. Und in diesem Zeichenwollen wir ja auch die jetzt kommende Weihnachtszeitverbringen. Ich denke mit Liebe an Sie und hoffe, dass Siesich in dieser Zeit recht schön erholen können.Mit recht herzlichen Grüssen, Ihre I. Wegman.“NachlassIta Wegman hat viele Jahre im Holzhaus gewohnt. Der heutigeArchivraum umfängt ihre beiden kleinen Zimmer unddie verglaste Veranda, die sie sich gewünscht hatte. IhrNachlass, insoweit er archivierbar ist, enthält ausser derKorrespondenz zahlreiche Notizbücher von ihrer Hand,Manuskripte, Krankengeschichten, die originalen Nummernder Zeitschrift „Natura“, die sie gegründet und herausgegebenhat, persönliche Dokumente, Fotos, die nach Motivengeordnete Sammlung von Kunstdrucken, die sie Vorträgenin Ascona zugrunde legte, Autographen und anderes mehr.Immer wieder, auch in nicht wenigen der Briefe, begegnetman ihrer schönen fliessenden Handschrift.Das Holzhaus, in dem Ita Wegmanviele Jahre gewohnt hat, beherbergtheute ihren Nachlass.


als AboSie können die Quinte kostenfrei abonnierenauf www.quinte.ch oder per Post:Redaktion Quinte, Ita Wegman Klinik,Pfeffingerweg 1, 4144 Arlesheim.Der Versand ist nur innerhalb der Schweizund Deutschland möglich.www.quinte.chIta Wegman Klinik heuteDie Körperpflegeprodukte aus der Heilmittelherstellungder Ita Wegman Klinikkönnen Sie ab sofort online bestellen:www.quinteshop.chDas stationäre Angebot umfasstUmfangreiches Therapieangebot – auch ambulant• 24-Stunden-Notfall für Erwachsene• Maltherapie / Plastizieren• Spitalbehandlungen in den Bereichen Innere Medizin,Psychosomatik und Psychiatrie• Schwerpunkte der Inneren Medizin: Kardiologie,Onkologie, Pneumologie, Infektionskrankheiten undRheumatologie• Äussere Anwendungen in der Pflege(Wickel, Auflagen, Rhythmische Einreibungen)• Künstlerische Therapien• SozialdienstAusserdem in der Ita Wegman Klinik:• ambulant: Hausarztmedizin, Gynäkologie, Pädiatrie,Psychosomatik, Innere Medizin, Kardiologie,Pneumologie, Onkologie und Psychiatrie• Onkologische Tagesklinik• eigene Heilmittelherstellung und öffentliche Apotheke• Forschung• öffentliche Cafeteria mit anerkannter Bio-Küche• Ernährungsberatung• Pflegeweiterbildung• öffentliche Kurse, Vorträge und Workshops• reiches Kulturleben mit Ausstellungen, Konzerten u.v.m.• Musiktherapie• Therapeutische Sprachgestaltung• Heileurythmie• Physiotherapie• Rhythmische Massage nach Dr. med. Ita Wegman• Medizinische Bäder und Einreibungen90 JahreAnthroposophische Medizin1921 – 2011Mit 90 Jahren Erfahrung ist die Ita Wegman Klinikheute ein Kompetenzzentrum für AnthroposophischeMedizin. Sie ist ein öffentliches Akutspital in privaterTrägerschaft (ohne Subventionen) mit 63 Betten. Es werdenPatientinnen und Patienten aller Versicherungsklassenbehandelt. Für Einwohner des Kantons Baselland reicht dieGrundversicherung, Einwohner anderer Kantone benötigendie Zusatzversicherung «Allgemein ganze Schweiz».Peter SelgRudolf Hauschkaam Klinisch-Therapeutischen Institutin Arlesheim 1929 – 1941320 Seiten, 94 Abb., gebundenEuro 39,– / CHF 59,–ISBN 978-3-905919-21-9Dr. Rudolf Hauschka (1891 – 1969) trat als promovierter Chemiker zuBeginn des Jahres 1929 in das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheimein. Dort – und in den Arlesheimer Klinikfilialen von London undGnadenwald – arbeitete Hauschka zwölf Jahre in einem hochbegabtenund kreativen Stab von Ärzten, Therapeuten und Wissenschaftlern unterLeitung Ita Wegmans. Im Kontext der Arlesheimer Gemeinschaft, ihrenAufgaben und Zielen, entwickelte Hauschka seine grundlegenden Neuansätzeim Bereich der Heilmittel-, Substanz- und Ernährungsforschung,die schließlich zur Begründung der WALA führten. Die Dokumentationseiner Arlesheimer Wirkenszeit vermittelt ein lebendiges Bild einer eindrucksvollenInitiative, die in schwieriger Zeit ihren Weg suchte – gefördertund begleitet von Ita Wegman, Rudolf Steiners engster Mitarbeiterinim Bereich der geisteswissenschaftlich erweiterten Medizin.Verlag des Ita Wegman InstitutsImpressumQuinte ®Fünf Beiträge zu Gesundheitund QualitätHerausgeber:Natura-Verlag, ArlesheimISSN-Nr.: 1424-9146Ita Wegman Klinik AG, Pfeffingerweg 1CH-4144 Arlesheim, Telefon +41 (0)61 705 71 11www.wegmanklinik.ch, www.quinte.chRedaktion:Verena Jäschke, Christoph Oling,Dr. oec. Hans-Peter Studer, Dr. med. Lukas SchöbPhotos:Michael Saupe, Archiv, Andreas Jäschke, Marcel MuraKonzeption und Gestaltung:Saupe Communication, Holger Spreda,Michael Saupe, Mittelbiberach, Dwww.saupe-communication.deErscheinungsweise: 3 mal pro JahrFür den Inhalt der einzelnen Beiträge tragen die jeweiligenAutoren die Verantwortung. Für unverlangt eingesandteManuskripte und Bilder wird keine Haftung übernommen.Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicherGenehmigung des Verlags.

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