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Regiemanuskript_Der Rhein_Folge 3 - WDR 5

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Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinCollage Tiefenblick: Mythos, Muße und Geschäft, Folge 1-3Musik: Jack Nitzsche “Medication Valse” (One Flew Over The Cuckoo’s Nest)Musik: Heino “Oh, du wunderschöner deutscher Rhein, op 232”(Einmal am Rhein – Die schönsten Rhein- und Weinlieder)Musik: Boudewijn de Groot, Lennaert Nijgh “Het land van Maas en Waal”(Het land van Maas en Waal)ANSAGE:Der Rhein: Mythos, Muße und Geschäft:Verkehrsader RheinEin Feature von Heike SicconiMusik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)1 O-Ton Funkverkehr im Simulator Duisburg SchifferberufskollegSchüler: MS Weser . Lehrer: Ja Leitung hört. Schüler: Sollen wir zu Tal oder zuBerg? Lehrer: Ihr fahrt aus in Richtung Rhein und dann zu Tal nach Schwelgern. So- ich starte jetzt die Übung und ihr stellt euch das Radar ordentlich ein und fahrtdann los und ich möchte ordentlichen Funkverkehr hören und auch Schallzeichen.Wenn keine Fragen mehr sind. Ready, Steady. Go..Schüler: Zweimal lang, einmalkurz, Tuten….ErzählerinFahrtraining im Schifferberufskolleg in Duisburg. In vier Zimmern sitzen angehendeBinnenschiffer im 2. Lehrjahr und fixieren Monitore und Radargeräte. In jedem derZimmer wird der Führerstand eines Frachtschiffes simuliert. MS Donau, MS Neckar,MS Elbe und MS Weser. Auf der MS Weser sitzt der 18-jährige Tim Junkes amSteuer. Er absolviert gerade eine Ausbildung beim Wasser- und Schifffahrtsamt Trier.Den Funkverkehr erledigt der 19-jährige Christian Ehringer, der eine Ausbildung aufeinem Tankschiff absolviert.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.1


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader Rhein2 O-Ton FunkverkehrMS Donau für MS Weser , MS Donau hört../.. hier MS Weser jetzt bei Kilometer 782,kommen Backbord an euch vorbei – Ja ist gut..tuuut…ErzählerinAngespannt navigieren die beiden die 135 Meter lange MS Weser aus demDuisburger Hafen auf den Rhein. Ihr Lehrer Ralph Häring überwacht von seinemComputer im Nachbarzimmer aus ihre Manöver, gibt Routen vor und simuliertschlechte Sicht. Tim und Christian sind 2 von rund 400 angehendenBinnenschiffern, die derzeit in Duisburg ausgebildet werden. Der Arbeitsmarkt wartetschon auf sie, sagt Manfred Wieck, Leiter des Schifferberufskollegs, dennAuszubildende sind knapp.3 O-Ton WieckDie Zahlen sinken etwas, weil wir insgesamt weniger Jugendliche haben, als nochvor zwei drei Jahren, die bereit sind in den Beruf zu gehen. Des weiteren kommtdazu, dass die jungen Leute sich jetzt Berufe aussuchen können, sie werdeninzwischen von den Betrieben abgeholt. Das heißt, die Betriebe gehen in dieSchulen und werben gezielt junge Leute an und da der Beruf des Binnenschiffers,von der Arbeitszeit her nicht gerade der günstigste ist, muss man viel Werbungmachen, um Leute zu bekommen.Musik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)4 O-Ton EhringerWir fahren hauptsächlich Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen bis nach Basel. Immerhoch und runter den Rhein. Und wir machen 24 Stunden-Fahrten. Also wir sindsieben Tage die Woche, 24 Stunden unterwegs. Also ich arbeite jetzt vier WochenSchicht und bin zwei Wochen zu Haus.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.2


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinErzählerinChristian Ehringer gefällt der Beruf trotzdem. Er will sich nach der Ausbildung zumSchiffsführer weiterbilden. Mehrere Jahre Praxis und anspruchsvolle Prüfungen musser bis dahin absolvieren. Seine Berufschancen sind dann noch besser aus zweiGründen, meint Jörg Rusche, Geschäftsführer des Verbands der Binnenschiffer.Grund Nummer eins: die Personalstruktur in der Binnenschifffahrt.5 O-Ton RuscheSchiffsführer werden immer knapper, weil wir in der Binnenschifffahrt einen hohenAnteil an älteren Arbeitnehmern in der Flotte haben. Wir haben schon über 40Prozent Schiffsführer, die über 50 Jahre alt sind.ErzählerinGrund Nummer zwei: In der Binnenschifffahrt macht sich wieder Optimismus breit.Die Talsohle der letzten Jahre, eine Folge der Wirtschaftskrise, scheint zumindestteilweise langsam überwunden.6 O-Ton RuscheMan sieht jetzt schon, dass sich gewisse Segmente in der Binnenschifffahrt wiedererholen. Dass wir in der Containerschifffahrt nach einem gedämpften Wachstumwieder ein größeres Wachstum erwarten können. Und es gibt bestimmte Felder, indenen die Binnenschifffahrt sich sehr gut entwickelt hat, da denke ich an dasSchwergut. Andere Felder bleiben schwierig, die zum Beispiel von derAutomobilindustrie abhängig sind. Von der Zulieferung. Da wird vieles davonabhängen, wie sich der Wirtschaftsstandort insgesamt entwickelt.Musik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)ErzählerinIn den Seehäfen Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam stehen die Zeichenjedenfalls auf Wachstum. Gerade erst wurde in Rotterdam ein neuer Hafenteil für© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.3


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinDer Rhein als Wasserstraße ist gerüstet für steigenden Verkehr. Häfen expandieren,die Binnenschiffflotte verfügt über genügend freien Frachtraum. Doch bei der Bahnhapert es. Auch wenn die Niederlande vorgelegt und im Jahr 2007 mit derBetuweline eine neue Trasse für den Güterverkehr entlang des Rheins gebauthaben.9 O-Ton JuchelkaDer Engpass ist auf der deutschen Seite, von Emmerich über Oberhausen insRuhrgebiet hinein. Die deutsche Bahn tut sich im Netzausbau sehr schwer, geradeweil dieser Raum am Niederrhein, aber auch im nördlichen Ruhrgebiet starkbesiedelt ist und dort eine Trasse zu finden, die ausgebaut werden kann ist höchstproblematisch.Erzählerin73 Kilometer Strecke fehlen zwischen Emmerich und Oberhausen. Und auf demNRW Streckenteil ist noch viel zu tun, räumt Bahnchef Rüdiger Grube ein.10 O-Ton GrubeZum Beispiel müssen 55 Bahnübergänge abgeräumt werden, es müssen 38 Brückengebaut werden, es muss ein Stellwerk verlegt werden. Es muss dieStromschienentechnik verändert werden.ErzählerinIm Juli 2013 wurde zumindest die Finanzierung der Strecke Emmerich-Oberhausenbeschlossen. 1,5 Milliarden Euro wollen sich Bund, Land und deutsche Bahn denAusbau gemeinsam kosten lassen. Das letzte Planfeststellungsverfahren wurdeeingeleitet. Einen schnellen Bau der Trasse erwartet Prof. Juchelka trotzdem nicht.11 O-Ton JuchelkaDas ist ja erst das klassische deutsche Planungsrecht, was jetzt wirksam wird undjetzt können da wieder alle Interessengruppen gehört werden. Können noch mal© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.5


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader Rheinneue Einwände machen. Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten Jahrenbaulich etwas realisiert wird.ErzählerinAndere Strecke. Ähnliche Situation. Auch bei der Bahn-Verbindung vom SeehafenAntwerpen ins Ruhrgebiet gibt es Probleme. Einst verband der sogenannte „eiserneRhein“ den Seehafen Antwerpen mit dem Ruhrgebiet. Die Trasse war Anfang des 19.Jahrhundert gebaut worden, weil rheinische Kaufleute die ständig steigendenRheinzölle der Anrainer umgehen wollten. Doch nach dem zweiten Weltkrieg verlordie Strecke an Bedeutung. Anfang der 90er befuhr nur noch ein einziger Güterzugdie Strecke, so dass die Deutsche Bahn aus Kostengründen Strecke undGrenzübergang für den Bahn-Reiseverkehr zwischen dem niederländischenRoermond und dem deutschen Dahlheim schloss. Jetzt will man den eisernen Rheinwieder aktivieren. Doch das ist nicht so leicht. Auf niederländischem Gebiet, dasdurchquert werden muss, versperrt mittlerweile ein Naturschutzgebiet den Weg undauch in Deutschland fehlt noch die passende Strecke, bedauert Michael Groschek,Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr in NRW:12 O-Ton GroschekWenn er kommt, kommt er entlang der A52 Trasse. Die Wahrscheinlichkeit, dassgegen die A52 geklagt wird, ist wesentlich geringer, als gegen die historische Trasse.Die historische Trasse wurde in den Niederlanden und in Deutschland Ortskernezerschneiden, und man könnte sich ausmalen, wie diese Klagewelle alleshinwegspülen würde.ErzählerinAuch bis zur Realisierung des neuen „Eisernen Rheins“ könnten 10 Jahre ins Landgehen, schätzt Prof. Juchelka. Doch die Zeit drängt.13 O-Ton Juchelka© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.6


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinEr muss kommen. Da die Verkehre von den großen Seehäfen nicht andersabgewickelt werden können. Die Alternative ist, wir müssen die Autobahnenachtspurig ausbauen.ErzählerinAls Konkurrenz empfindet man die geplanten Bahntrassen in der Binnenschifffahrtnicht. Man gibt sich entspannt. Auch wenn sich eines Tages der Güterverkehr überdie Betuwe-Linie und den Eisernen Rhein verdoppeln würde, bliebe genügend Frachtfür die Binnenschifffahrt, meint Jörg Rusche.14 O-Ton RuscheDer Hafen Rotterdam hat zum Beispiel den Unternehmen, die sich dort niederlassen,feste Quoten vereinbart, dass der Anteil der Binnenschifffahrt am Transport, vondiesen Terminals ins Hinterland bei 45 Prozent liegen muss. Jetzt liegt er zwar auchschon knapp unter 40 Prozent, aber er soll eben noch gesteigert werden.ErzählerinEs sind Strukturveränderungen innerhalb der Binnenschifffahrt, die den Reedereien,den Genossenschaften und Partikulieren, also den Einzelunternehmern,Kopfzerbrechen machen. Sicherheitsauflagen für die Schiffe werden höher, dieKosten für Treibstoff steigen, Personal will angemessen entlohnt werden und dieFrachtraten sind im Keller, da es in der Binnenschifffahrt derzeit nochÜberkapazitäten gibt – zu viele Schiffe, zu wenig Fracht.Musik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)15 O-Ton Hafenmeister DuisburgFunkspruch..Der Hafenmeister hört : Guude Mittag..holländischer Lotse meldenAnkunft von Schiff.1742 Tonnen Stahl… kommt von Spanien morgen oderübermorgen löschen, wissen wir noch nicht genau und weiter wissen wir noch nichts.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.7


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinJa wo aus Spanien kommt ihr ..Alcaziras.. Alcaziras ja und anschließend auch wiederwas laden?.. Lotse : Keine Ahnung : Bours.. Ja sag dann noch mal Bescheid..ErzählerinDetlef Bours ist einer von fünf Hafenmeistern im Duisburger Hafen, dem größtenBinnenhafen der Welt. Seit 30 Jahren arbeitet er auf und am Rhein. In den letztenJahren hat es eine regelrechte Welle von Neubauten gegeben, sagt er, Schiffe, dieimmer größer wurden.16 O-Ton BoursDa, wo früher vier Schiffe gelegen haben, da liegen heute zwei. So ein normalesStandardschiff heutzutage, das hat ne Länge von 135 Metern. Wir reden hier vonBreite, 17 Meter. Das Breiteste, dass wir haben ist 17,60 Meter. Das heißt, das istdoppelt so breit, wie das was wir früher hatten. Wir sind mit 100 Tonnen gefahren.Heute haben wir einen Kuppelverband, einen holländischen Schubverband, derkommt mit 11.000 Tonnen hier an.ErzählerinEin Grund für die vielen Neubauten ist eine EU Verordnung. Tanker dürfen ab 2015nur noch mit Doppelhülle fahren. Für Binnenschiffe, die Trockengut transportieren,wird die Regel ab 2018 gelten. Neue Schiffe fahren heutzutage vor allem unterniederländischer Flagge, denn bei den Nachbarn in den Niederlanden hat dieBinnenschifffahrt eine größere Lobby, sagt Jörg Rusche.17 O-Ton RuscheEs gibt in den Niederlanden eine traditionelle Förderung der Binnenschifffahrt. DieFamilienbetriebe, die wir da in den Niederlanden antreffen, können sich nicht nur aufsteuerliche Anreize verlassen, sondern sie können sich mit Staatsbürgschaften ihreFinanzierung günstig gestalten.Erzählerin© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.8


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinVon den 15.000 Schiffen, die auf dem Rhein unterwegs sind, fahren 54 Prozent unterniederländischer Flagge. Davon 3000 Partikuliere. Unter den rund 5000Binnenschiffen, die auf dem Rhein unter deutscher Flagge fahren, sind nur noch rund700 Partikuliere. Auch das Schiff, auf dem Nina Mertes ihre Ausbildung absolviert,gehört einer Reederei.O17a Nina MertesDonau bei Rheinkilometer 791, wir wollen in den Hafen einfahren. Der da vorne kannnoch bei uns vorbeifahren. Wir fahren dann dahinter rum.ErzählerinIm Simulator des Schifferberufskollegs in Duisburg nimmt sie gerade Kurs auf denHafen Schwelgern. Eines Tages ein eigenes Schiff zu steuern, ist für sie ein fernerTraum.O17b Nina MertesAlso für mich persönlich ist es erstmal utopisch. Aber man kann ja nie wissen.ErzählerinUnd selbst Binnenschiffer mit eigenem Schiff, können sich einen Neubau oft nichtleisten, bedauert Petronella Jacobs, Geschäftsführerin der Triton-Werft in Duisburg.18 OTon Petronella JacobsDas wird einfach in der ganzen Öffentlichkeit bis hin zu der Politik gar nicht gesehen,dass Binnenschifffahrt wirklich ein sehr, sehr wichtiger Transport, den man nichtvernachlässigen sollte und man lässt diese Branche einfach im Regen stehen.Wenn man überlegt, dass ein neues Schiff vom Preis her zwischen vier und sechsMillionen Euro liegt, dann muss man sich natürlich fragen, ob ein Einzelunternehmermit einem Schiff, das überhaupt schultern kann. Die Banken spielen da nicht mehrmit.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.9


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinErzählerinEiner, der sich vor sechs Jahren gegen den Bau eines neuen Schiffs entschiedenhat, ist Peter Fendel. Fünfundzwanzig Jahre waren er und seine Frau mit demTankschiff MS Perseus auf eigene Rechnung unterwegs. Dann konnte er das Schiffzu einem guten Preis verkaufen. Heute fährt er mit seiner Frau auf der MS WernerReich - ein neues Tankschiff mit 110 Meter Länge. Als Angestellter.19 O-Ton FendelZur Zeit sind wir hier in Beladung. 650 Tonnen sollen wir laden, Crack BenzinUnd dann kommt die zweite Partie rein und das wird dann irgendwann morgen frühwerden, so wie das ausschaut, auch für Amsterdam.ErzählerinZwei Wochen ist er mit seiner Frau und einer zweiten Besatzung an Bord nonstopunterwegs, dann hat er zwei Wochen frei. Bis jetzt haben die beiden den Schritt ausder Selbstständigkeit nicht bereut.20 O-Ton FendelWir haben geregelte Arbeitszeiten. Die Sorgen sind auch weniger geworden. Es isteinfacher nach Hause zu gehen und zu sagen, tschüss was soll’s. Wenn’s haltschlecht läuft, läuft schlecht .Frau Fendel: Es sind schon sehr viele Entbehrungen da,wenn man selbstständig ist. Wir waren die ersten 14 Jahre nur an Bord, da haben wirglaube ich dreimal Urlaub gehabt, ansonsten sind wir gar nicht vom Schiff runtergekommen.ErzählerinUnd auch die Kosten, die ein Tankschiffs im 24 Stunden Betrieb mit sich bringt,bereiten ihnen keine schlaflosen Nächte mehr.21 O-Ton Fendel© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.10


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinDie Bahn ist nicht untätig. Schon seit 1999 rüstet sie auf modernere und leisereSchienennetze um. Doch es geht nur langsam voran. Noch 20 bis 30 Jahre könntees dauern, bis alle Schienenstrecken saniert und damit leiser sind. Doch auch alteGüterwaggons, die noch mit lauten Grauguss-Bremsen ausgerüstet sind, müssenumgerüstet werden, sagt Peter Westenberger, Leiter der Abteilung Umweltschutz,Grundsätze, Gestaltung und Entwicklung der Deutschen Bahn AG.27 O-Ton WestenbergerDie Perspektive ist, dass wir diese Graugussbremssohlen jetzt ersetzen durchVerbundstoffbremssohlen , dass heißt, dass da nicht Metall bremst, sondernorganische, teilweise auch in einem Gemisch mit Metallen und die dann dafürsorgen, dass die Oberfläche des Rades dann nicht aufgeraut wird, glatt bleibt undallein dadurch werden Minderungen von 9 bis manchmal 12 dba des Geräuschs desFahrzeuges erreicht. Das ist für denjenigen, der daneben steht, wie eine Halbierung.ErzählerinDoch selbst wenn der Lärmpegel sinken würde, allein durch die geplante Öffnungdes Gotthardt-Basistunnels im Jahr 2017 wird die Anzahl der Züge, die zwischenGenua und Rotterdam fahren, dramatisch ansteigen. Bürgerinitiativen im Rheintalfordern deshalb schon lange eine alternative Bahntrasse, die nicht direkt amRheinufer entlangführt. Doch auch da ist der Professor für Logistik und Verkehrwieder skeptisch.28 O-Ton JuchelkaIch sehe da für eine komplett neue Trasse weder finanziell die Möglichkeit, nochsehe ich Akzeptanz bei der Bevölkerung. Dann sind andere Menschen betroffen, dieeine neue Trasse ertragen müssen. Ich glaube, es läuft nur auf technische Lösungenhinaus. Lärmschutzmaßnahmen, modernes rollendes Material einsetzen. Aber manmuss immer bedenken, Lärmschutz kostet Geld, Lärmschutz ist optisch nichtansprechend. Und gerade in touristischen Regionen große Lärmschutzwändeaufzubauen, ist sehr sehr schwierig. Es ist ein gewaltig, großes Problem.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.13


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinMusik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)ErzählerinErfreut über die geplante Öffnung des Gotthard-Basistunnels ist man dagegen imHafen von Basel. Denn dort setzt man schon jetzt in der Logistik vor allem auf dieKombination von Schiff und Bahn. Und die soll weiter ausgebaut werden, sagt diePresssprecherin des Port of Switzerland, Nina Hochstrasser.29 O-Ton HochstrasserDie schweizerischen Rheinhäfen bauen in Zusammenarbeit mit der Bahn ein neuesContainerterminal, mit einem neuen Hafenbecken, ein drittes Hafenbecken und einleistungsfähiges Containerterminal, das direkt zwischen Hafen und Bahn gelegen ist.ErzählerinAuf den ersten Blick geht es ruhig zu im Hafen Kleinhünigen, dem größten derinsgesamt drei Basler Rheinhäfen, die zum Port of Switzerland gehören. Nur eineHandvoll Schiffe fährt dort täglich ein und aus. Trotzdem spielen die Häfen eineimmer wichtigere Rolle in der Versorgung des Landes.30 O-Ton Nina HochstrasserEs sind mehr als 10 Prozent von allen Importen, die über das Wasser kommen. ImContainerverkehr ist es etwa ein viertel. Also jeder vierte, importierte Containerkommt über Wasser. Und wir rechnen auch damit, selbst wenn wir mit einerstagnierenden Wirtschaft rechnen, dass der Containerumschlag in denschweizerischen Rheinhäfen mindestens verdoppelt.Musik: Thomas Newman “Power of Denial”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)31 O-Ton Schifferberufskolleg Funkansage Häring© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.14


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinHäring: Rheinkilometer 786 zu Tal. Backbord, Backbord. Begegnung mit derTalfahrt. Junkes: MS Weser zu Tal. Unterhalb Barler Brücke. Erhinger: Oberhalb:Junkes: Korrektur oberhalb Barler Brücke.ErzählerinIm Simulator des Schifferberufskollegs droht der MS Weser am Barler BogenUngemach. Der Rhein macht eine langgestreckte Kurve. Die Autobahnbrücke der A42 und eine Eisenbahnbrücke überspannen den Strom. Ein Pfeiler steht mitten imWasser, die Durchfahrtsbreite ist beschränkt, die Strömung stark.32 O-Ton Tim JunkesJetzt kracht et.. Ich bin durch den falschen Brückenbogen. Es ist kein zugelassenerBrückenbogen und ich treibe jetzt sehr stark zu Tal auf den Pfeiler zu … Christian:Hier musst du durch.. Tim : Ich komme aber nicht durch. Ich bin mit dem Bug schondurch die Brücke. Dat schaff ich noch.ErzählerinTim Junkes hat es doch noch geschafft, die MS Weser auf Kurs zu halten. Damit er,seine Ausbildungskollegen und die Binnenschifffahrt im Allgemeinen auch Kurs aufeine gesicherte Zukunft nehmen können, müssen sich einige Rahmenbedingungenverändern: höhere Frachtraten, die gewinnbringende Transporte ermöglichen, mehrAuszubildende, welche die Personalstruktur auf den Schiffen verjüngen. Und nichtnur für die Bahnstrecken von den Seehäfen bis Basel müssen Lösungen gefundenwerden. Auch für den Rhein als Wasserstraße insgesamt muss etwas getan werden,meint Jörg Rusche.33 O-Ton RuscheJetzt gilt es, die Unterhaltung der Wasserstraße sicherzustellen, finanziell. Jetzt giltes, dann aber auch die Defizite, die einzelne Wasserstraßen noch haben, oderwegen ihres Alters wieder haben, aufzufangen, und da haben wir in der Infrastruktureine Unterdeckung. Finanzieller Art. Wir haben bei den Leuten, die Wasserstraßen© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.15


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader Rheinplanen zuwenig Juristen, wir haben zu wenig Ingenieure, die das umsetzen in derStraßen und Schifffahrtsverwaltung . Und das sind Punkte, die angegangen werdenmüssen.ErzählerinUnd außerdem, mahnt Prof. Juchelka, ist es an der Zeit, den Rhein auchinternational besser an andere Wasserstraßen anzubinden.34 O-Ton JuchelkaDer interessante Punkt ist, wie die Wasserstraße Rhein vielleicht mit andereneuropäischen Wasserstraßen, zum Beispiel mit der Donau vernetzt wird. Die Donauist gerade für Süd-Ost Europa eine hochwichtige Wasserstraße. Aber der Engpassist der Rhein Main Donau-Kanal, der kaum genutzt wird, weil der Binnenschiffe derheutigen Größe kaum tragen kann. Insofern sollte der Rhein zunehmend alsgesamteuropäische Wasserstraße mit Nachbarstraßen vernetzt werden.ErzählerinInternationale Vernetzung, Logistikkonzepte, die Bahn-, LKW- und Schiffstransportkombinieren, Ausbau der Bahnstrecken entlang des Rheins und Instandhaltung derWasserstraßen sind strukturelle Anforderungen, die die Zukunft des Rheins alsTransportweg und Verkehrsader bestimmen werden. Und dazu werden auchgenügend begeisterte Nachwuchsbinnenschiffer gebraucht, die wie ChristianEhringer ihren Beruf gerne ausüben.Musik: Thomas Newman “Dead already”(American Beauty – Music from the original motion picture soundtrack)35 O-Ton EhringerDas Schöne an dem Beruf, man erlebt viel von der Welt, wenn man Liegezeit hat ,gezwungenermaßen durch Wasserstände oder irgendwas, dann kommt man anLand und sieht ziemlich viel von der Welt und dadurch, dass man halt nie zu Hauseist, dass man wirklich frei ist, das ist schön.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.16


Tiefenblick, 08.12.2013Der Rhein: Mythos, Muße und GeschäftFolge 3 – Verkehrsader RheinABSAGE:Der Rhein, Mythos, Muße und Geschäft.Verkehrsader RheinEin Feature von Heike SicconiEs sprach: Nina Petri.Technische Realisation: Gerd NesgenRegieassistenz: Nike ZafirisRegie: Thomas WolfertzRedaktion: Frank Christian StarkeEine Produktion des Westdeutschen Rundfunks 2013.Am kommenden Sonntag beginnt unsere neue Serie. Sie hat den Titel:Im "Dickicht der Stadt".Weitere Informationen hat unsere Hotline unter 0221 56789 dreimal die fünf,Downloadmöglichkeiten und die Manuskripte der Serie finden Sie im Internet, unterwdr5.de© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.17

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