DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNGMIT DEN BEILAGEN: STADT UND SIEDLUNG / WETTBEWERBEKONSTRUKTION UND AUSFÜHRUNG / BAUWIRTSCHAFT UND BAURECHTHERAUSGEBER:SCHRIFTLEITER:PROFESSOR ERICH BLUNCKREG.-BAUMSTR. FRITZ EISELENAlle Rechte Vorbehalten. — Für nicht verlangte Beiträge keine Gewähr.61. JA H RG A N G BERLIN, DEN 30. APRIL 1927 Nr. 35Das Weinrestaurant Kempiński auf dem Kurfürstendamm in Berlin.Architekten: Gustav Hart und Richard Binder, Berlin.(Hierzu 11 Abbildungen.)er Zug nach dem W esten, derschon eine ganze Reihe vornehmer Geschäfte, G aststättenusw. veran laß t hat, sich dort eineN iederlassung zu schaffen, hatauch das W einhaus Kem piński,das sein Stam m haus bekanntlichin der Leipziger Str. besitzt, dazuangeregt, an dem bereits m itL uxusgaststätten gepflastertenK urfürstendam m , der sich m ehr und m ehr zu einerV ergnügungsstätte von besonderem G epräge entwickelt, eine neue Filiale zu errichten.S teht diese auch in räum licher A usdehnung hinterdem Stam m haus zurück, so besitzt sie vor diesem denVorzug, aus einem Guß entstanden zu sein und inihrer vornehm - luxuriösen A usstattung durch alleRäum e hindurch ein einheitliches G epräge zu besitzen.A uftraggeber und A rchitekt haben darauf verzichtet,etw as sensationell Neues zu schaffen, ihr A ugenm erkw ar vielm ehr darauf gerichtet, einen, dem C harakterdes U nternehm ens als S tätte behaglich-heiterenGenusses entsprechenden, Rahm en zu schaffen, wobeisie die Einzelheiten der Form gebung im C harakter deslebensfreudigen R okoko ausgestalteten.Der Bau bot insofern besondere Schw ierigkeiten,als es sich nicht um eine vollständige N euschöpfung,sondern um den Umbau eines vorhandenen Baues ander E cke K urfürstendam m und F asanenstr. handelt,der als der „Alte F asa n “ bekannt ist.Abb. 1. Ovaler Saal im Erdgeschoß m it Durchblick nach dem Hauptraum . V ertäfelung in Mahagoni m it Intarsien.297


Abb. 2. Schnitt durch die Haupträum eder beiden Stockw erke.(1 : 150.)Abb. 3 u. 4 (links).Grundriß des Erdgeschossesund des Obergeschosses.(1 : 500.)A rchitekten:G ustav Hart und R ichard Binder,Berlin.Fasanen -Sfr.W o Umbauten in größerem Umfange in F ragekommen, w ird die an Luxusbauten m eist heutgem achte E rfahrung, daß ein N eubau sich nicht nureinfacher, sondern auch w irtschaftlicher erw eist, sichm eist bestätigen, und der ausführende A rchitekt wirddaher zunächst versuchen, den B auherrn für einenN eubau zu gewinnen. L iegt das außer Bereich derM öglichkeit, so w ird die Lösung der A ufgabe nicht nurfür den B aukünstler schwieriger, sondern auch für denB auherrn verhältnism äßig kostspieliger. Dem A rchitektenbleibt allerdings auch der Reiz, seine F ähigkeitenan dem kom plizierteren O bjekt besonderserweisen zu können.Auch bei dem Umbau des „A lten F asanen “ amK urfürstendam m , dessen P latz nunm ehr seit w enigenM onaten das neue K em pinski-R estaurant einnimmt,stand ursprünglich der G edanke eines H ochhausneubauesan erster Stelle, dessen A usführung jedochdurch die im H aus bestehenden M ietsverträge vereiteltw urde. Die dann geplante B eschränkung aufUmbau des E rdgeschosses und I. S tockw erkes ließkeinen P latz für die notw endigen N ebenräum e, insbesondersG arderoben und T oiletten, und so m ußte mansich zu dem erheblich schw ierigeren E ntschluß durchringen,auch den II. S tock hinzuzunehm en und einU ntergeschoß vorzusehen. Die von den A rchitektenG ustav Hart und R ichard Binder entw orfene unddurchgeführte Lösung h at dann allerdings einen Bauentstehen lassen, der für die U m baufrage allgem einbesonders in teressant ist und auch als durchaus glücklichbezeichnet w erden darf.D urch g eschickte A ufteilung des im E ckgrundstückgegebenen G rundrisses (Abb. 3 u. 4, oben) gelang es,zwei auffallend gut gegliederte Säle herauszuschneiden,298 Nr. 35.


A b b . 5 . C K x l f f im . O b c r g e a c i io d . S c k M f l a c k i a G f e a b e i s t o » m i t G r t a x a d G t l d .0* *i K€■-1


Abb. 7. Hauptraum im Obergeschoß.Schleiflack in Elfenbeinton mit Grün und Gold. W ände m it Spiegel und Panneaux.Abb. 8.T eilansicht vom Hauptraum im Obergeschoß.sowie die schon erw ähnte Ü berbauung des Hofesließen sich zwei ovale R estaurationssäle erzielen, derengefällige Form durch eine dem ovalen G rundrißangepaßte Säulenreihe eine gute G liederung m it v ertiefterPerspektive erfuhr. Die hieraus gew onnenenw irkungsvollen D urchblicke von jedem S tandpunkt imSaal geben die A bbildungen 1, S. 297, u. 7, oben,besonders g u t w ieder.Mit dieser R aum konstruktion h a tte sich der Architek t aber zugleich die V orbedingung für eine eigenartigeund geschm ackvolle In n en a u ssta ttu n g gesichert,die verhältnism äßig geringen A ufw and erforderte.300 Nr. 35.


l ^ y¿ ¡ ZDas Weinrestaurant Kempiński auf dem Kurfurstendamm in Berlin.1 1 1)(t ^30. April 1927. 301


Im Erdgeschoß entstand so ein R estaurationssaal,dessen glatte, auf Hochglanz polierte Ma,hagoniwändeund Säulen, die m it Intarsien unaufdringlich und dochw irksam geschm ückt und m it holzgeschnitzten, vergoldetenL ichtträgern geziert w urden, V ornehm heitm it B ehaglichkeit verbinden. Die vorgelagerte breiteindirekt von oben erleuchtete reich geschliffene undgoldverzierte G laskuppel über einem auch eim nal alsintime T anzfläche benutzbaren E ckoval noch b eitrag t(Abb. 5 S. 299). Die V erw endung der gleichen, nurin der Bem alung dem R aum angepaßten B eleuchtungskörperwie im unteren Saal, g ib t fast unbew ußt eineAbb. 10. Untergeschoß. Eingang zu den T oiletten und V erkaufstisch.Kirschbaumholz poliert, Fußboden Solenhofener Platten.T errasse g e stattet gleichzeitig eine angenehm eE rw eiterung für den Som m erbetrieb (Abb. 4, S. 298).In dekorativem Schwünge führt die H aupttreppem it reichgeschnitztem Geländer zu dem oberen Saaleempor, dessen in grünem Schleiflack m it leichter V ergoldungausgeführte und von bem alten Panneauxund Spiegelflächen unterbrochene W ände eineSteigerung ins H eitere erfuhren, wozu die abendsfeine V erbindung zwischen beiden insgesam t mit700 Sitzplätzen au sg esta tte te n F esträum en, die imSommer auf B alkon und T errasse noch w eitere150 G äste fassen können.Als ganz besonders glücklich h at sich dieG arderobenanlage im U ntergeschoß erw iesen, die dieR estaurationsräum e nicht nur äu ß e rst w ertvoll entlastet,sondern m it ihrem F ußboden aus Solenhofener302 Nr. 35.


Planen und der W andv-rtäfelnng aus poliertem Kdrsclibanmhofcxfast noch einen weheren Geseöschaftsramnabgibt Abb. 10 tl 11. 5. 30f .C‘Ae V estibül in gelbem , grünem, und weiSemM arm or ( Abb. 9 . 3 . 3 0 i ist ein ele-^anter 7 ~ i —i n - x ulen festlichen R aum en, auf ie r einen Seite, w ahrendsteh nacn der anderen der w eitläufige hohe F einkentladenin kaukasischem . m atrpoEertem N ußbaum m itseinen in teressan ten L ichtträg ern nicht w enigergeschm ac k r o 2 präsentiert.Mit dem in rund elf M onaten. einsehEenEch einersechsw öchigen Streikpau.se. ausgeführten Umbau istBerEn um ein w eheres w eltstädtisches R estaurantbereichert w orden.Vermischtes.L mgestalning der Neuen Wache za einer Gedenkhaile.Zu dem sehr interessanten Vorschlag in Nr. f f der Deuts-.nenBauzeitung für einen Umbau der Neuen W iehe Unterden Linden mochte ich mir gestatten in bemerken. daßneben der großen Ruhm es halle des deutschen Heeres die^CedS*.4rV


Mustervorgang für manche deutsche Städte, in denen sicherviele Möglichkeiten der Wiedergeburt alter Kunst nochnicht erschöpft sind. —Kl-Tote.Friedrich Ohmann, Wien f. Am 6. April d. J. ist inWien der Architekt Hofrat Dr. h. c. Friedrich Ohmann,Professor an der Akademie, im 69. Lebensjahre gestorbenMit ihm ist ein feinsinniger Architekt, der sich mit Vorliebeder Formensprache des österr. Barock bei seinen Bauschöpfungenbediente, dahingegangen. Tn Lemberg geboren,später Professor an der Techn. Hochschule zu Prag,wurde Ohmann 1899 in das Hofbaukomitee für die Erweiterungsbautender Wiener Hofburg berufen und mit derBauoberleitung betraut. Die Tätigkeit war eine schwierigeund undankbare, er hatte zunächst vor allem die Aufgabe,die Fehler seiner Vorgänger wieder gutzumachen undkonnte seine eigenen Absichten gegenüber persönlichenEinflüssen des Hofes nur zum Teil durchsetzen. 1906wurde das Hofbaukomitee aufgelöst und 1907 legte Ohmannsein Amt als Bauleiter endgültig nieder. Ein durchschlagenderErfolg war ihm hier also versagt. —Eine Reihe bedeutender und wertvoller, namentlichöffentlicher Bauten, vor allem Museen, sind nach denPlänen Ohmanns an verschiedenen Orten entstanden. Sostammt der, allerdings nachträglich zum Teil abgeänderte,Entwurf des Museums in Reichenberg i. B. von Ohmannher. In Deutschland ist nach seinen Plänen und unterseiner künstlerischen Oberleitung das Kaiser-Friedrich-Museum in Magdeburg erbaut. (Vgl. Jahrg. 1899, S.601,und die Veröffentlichung des ausgeführten Baues 1907,S. 349.) Über seine Pläne zu der Frage der Umgestaltungdes Karlsplatzes in Wien (zusammen mit Entwürfen vonanderer Seite) haben wir Jahrg. 1904, S. 364 ff., berichtet.Ohmann gehörte nicht zu den österr. Architekten, diewie Wagner u. A. dem Bauschaffen eine neue Richtung gegebenhaben. Aber was er, auf der Überlieferung fußend,geplant und gebaut hat, zeigt doch eine starke eigene Noteund eine in sich gefestigte hohe Künstlerschaft, so daß sichseine Werke behaupten werden. —Personal-Nachrichten.Stadtbauratswahl. Zum Stadtbaurat in Frankfurt a. 0.ist, an Stelle des nach Breslau gegangenen früheren StadtbauratesDr.-Ing. A. Althoff, der bisherige MagistratsbauratMorgenschweis gewählt worden. —Ehrendoktoren Techn. Hochschulen. Rektor und Senatder Techn. Hochschule Aachen haben auf Antrag derFakultät für Stoffwirtschaft dem Direktor der GelsenkirchenerBergwerks-A.-G., heute Vereinigte StahlwerkeAbteilung Schalker Verein, Bergassessor Franz Carl Burgersin Gelsenkirchen „in Anerkennung seiner Verdiensteauf dem Gebiete des Hochofen- und Gießereibetriebes“, demGeneraldirektor des Bochumer Vereins und Vorstandsmitgliedder Vereinigten Stahlwerke AktiengesellschaftDüsseldorf Walter B o r b e t in Bochum „in Anerkennungseiner hervorragenden Verdienste um die Entwicklung desHerdfrischverfahrens“ die Würde eines Dr.-Ing. Ehrenhalberverliehen. —Die Techn. Hochschule Braunschweig hat demOberbaurat Nagel, Vorstandsmitglied des DeutschenStraßenbau-Verbandes, wegen seiner ausgezeichnetenwissenschaftlichen Forschungen auf dem Gebiete desStraßenbaues die Würde eines Doktor-TngenieursEhren halber verliehen. —Hofrat Dr. jur. Schubert-Soldern, Wien, 60 Jahre. Am2. Mai 1927 feiert das Bundesdenkmalamt für Deutsch-Österreich den 60. Geburtstag seines allverehrten Leitersoder, wie die Stellung des Jubilars im vertrauten Kreisegern genannt wird, seines Vaters. Kein W ort vermagFortunat Schubert-Soldern gleich hoch und gleich umfassendzu feiern, wie dieser Ehrentitel im Munde seinerMitarbeiter und Verehrer. Er möge auch unserem Glückwunschdie rechte Freudigkeit und Wärmeleihen.Der großen deutschen Öffentlichkeit der schaffendenArchitekten ist Hofrat Schubert-Soldern zum wenigstensdem Namen nach seit längerem bekannt, insbesonderepflegen alle Freunde und Förderer der Bestrebungen derDenkmalpflege sich seiner allzeit in aufrichtiger Verehrungzu erinnern als des Vertreters unseres Brudervolkesauf allen Fachkongressen und -Tagungen des letztenJahrzehnts. Geboren in Paris als Sohn des HistorienmalersViktor von Schubert-Soldern, verlebte Fortunat Schubertseine Jugendjahre in Dresden und Prag, seiner elterlichenHeimat. Nach beendeten juristischen Studien widmete ersich als Schüler von Riegel, Wickhoff und Benndorf derKunstgeschichte. Seit 1899 war er in Dresden an den304Sammlungen des W ettinischen Hauses tätig bis ihn imJahre 1913 ein Ruf nach Wien als Leiter der Zentralkommissionfür Denkmalpflege — des jetzigen Bundesdenkmalamtes— in sein Heimatland zurückführte. ReicheErfolge sind seiner Tätigkeit an dieser verantwortungsvollenStelle seither beschieden gewesen. Gewiß, der Kriegund mehr noch der Friede von St. Germain mit seineneinengenden Grenzen geographischer finanzieller Art hatgerade ihm so manche schaffenfroh begonnene Arbeit vernichtet,andere gestört. Docli darf der Jubilar aut' Erfolgzurückblicken, der selbst schwer erduldete Rückschlägewettzumachen vermag: unter seiner Amtsführung kam nachfast zwanzigjährigem Bemühen im Jahre 1923 das österreichischeDenkmalschutzgesetz zustande, die notwendigeBasis für jede wahrhaft gedeihliche Arbeit auf diesemGebiet, die gerade in Preußen bedauerlicherweise immernoch entbehrt werden muß.Wir hoffen und wünschen, daß diesem. einen grundlegendenErfolg der deutsch-österreich. Denkmalpflege auchdank ihrer mustergültigen Organisation, die der jetzigeFreistaat übernehmen und sich erhalten konnte, nochweitere reiche Erfolge sich anreihen mögen unter derweiteren, wie wir hoffen, noch lange dauernden Führungihres jetzt 60-jährigen verehrten Hauptes. —W ettbewerbe.In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen fürdie Frauenfriedenskirche in Frankfurt a. M. waren insgesamt157 Entwürfe eingegangen. Es erhielten: I. PreisProf. Dominikus Bölim, Köln, in Gemeinschaft mit Prof.Dr. Schwarz, Aachen; II. Preis Prof. Mich. Kurz undArch. D ö 11 g a s t , Augsburg. Angekauft wurden dieEntwürfe der Architekten Herkommer, Stuttgart.Schwippert, Köln-Essen, Prof. Wach, Düsseldorf,und Holzbauer, München. —In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfenfür den Neubau eines Bankgebäudes in Ratibor waren insgesamt81 Entwürfe eingegangen. Es erhielten: I. Preisvon 2000 M. der Entw. m. d. Kenn w.: J. G. Farben“,II. Preis von 1500 M. „4lA '%“, Verf. beider Arbeiten: Arch.Otto K e i d e 1, Beuthen 0. S., u. Arch. B. D. A. HansPantke, Görlitz; HL Preis von 1C00 M. „Im Stadtbild“,Verf.: Arch. Osk. Goltz, Oppeln. Zum Ankaufempfohlen wurden die Entwürfe: „Kredit“, Verf.: Arch.B. D. A. Alb .Kempter, Breslau; „Klinker“, Verf.:Arch. O. K e i d e 1, Beuthen 0. S. u. Arch. B. D. A. H.Pantke, Görlitz; „Prima-Wechsel“, Verf.: Dipl.-Ing.Stadtrat FI e m p e 1, Glogau. —Als ein Wettbewerbs-Unfug ist das Ausschreiben deretwa 4060 Einwohner zählenden sächs. Stadt Bad Lausickzu bezeichnen, die für ein Sechsfamilienhaus am Bahnhofmit Wohnungen von 70 bzw. 85

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