Ethylglucuronid und Alkoholkonsum - Mtaschule-os.de

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Ethylglucuronid I Ausscheidung IEthylglucuronid (EtG) entsteht im menschlichen Körper auseinem kleinen Teil des aufgenommenen Alkohols (je nachLiteraturquelle ca. 0,02 %). Es wird deutlich langsamerausgeschieden als Alkohol selbst, d.h. man kann denAlkoholkonsum auch dann noch nachweisen, wenn derAlkohol selbst nicht mehr im Körper auffindbar ist.Die drei Grafiken zeigen das Ausscheidungsprofil von EtG inUrin nach verschiedenen Alkoholkonsummengen. Aus derEtG-Konzentration kann derzeit weder auf die genaueTrinkmenge oder den Trinkzeitpunkt noch auf die Art deskonsumierten Getränkes geschlossen werden. DieBestimmung eignet sich vielmehr zur Beurteilung vonAbstinenzbehauptungen oder zur Widerlegung einesbestimmten Konsummusters. So kann z.B. ein EtG-Wert, wieer nach Konsum von großen Mengen Alkohol typisch ist,üblicherweise nicht durch sehr kleine Alkoholmengenverursacht werden.Als Probenmaterial wird üblicherweise Urin verwendet daGewinnung und Nachweis hier relativ unkompliziert sind und,abhängig von der konsumierten Alkoholmenge, der Nachweisbis über 80 Stunden lang geführt werden kann. Als weitereMaterialien kommen auch Haare in Betracht, wobei dieAnalytik jedoch weitaus aufwendiger ist. In den Kopfhaarenwird ein längeres Nachweisfenster abgedeckt (ganz grobetwa 1 Monat pro cm Haar). Im Blut ist EtG auchnachweisbar, jedoch bei weitem nicht so lang wie im Urin.Organe, Knochenmark und sonstige Körperflüssigkeiteneignen sich prinzipiell ebenfalls zum Nachweis von EtG,stehen aber bei lebenden Probanden nur selten zurVerfügung.Nachweis von EthylglucuronidH OCH 3Institut fürRechtsmedizinForensischeToxikologieEthylglucuronidundAlkoholkonsumDerzeit ist EtG nur mit relativ aufwändigen Methodennachweisbar. Im Institut für Rechtsmedizin Freiburg wird dieäußerst leistungsfähige Flüssigkeitschromatographie-Tandemmassenspektrometrie benutzt. Demnächst soll einweniger aufwändiger, aber immer noch laborgebundenerTest nach dem Prinzip der Antigen-Antikörper-Reaktion aufden Markt kommen.COOHH O HHOH HHO OH OHCH 3


Alkoholkonsum in Deutschland Folgen des Alkoholkonsums AlkoholkonsummarkerDer jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol inDeutschland liegt bei ca.10 L. Obwohl vieleMenschen einen verantwortungsvollenUmgangmit demGenussmittel Alkoholpflegen, ist insbesonderebei Jugendlichen derTrend zum sogenannten„Binge Drinking“ (Rauschtrinken)zu verzeichnen.In Deutschland sind1,6 Mio. alkoholabhängig,2,65 Mio. betreiben Alkoholmissbrauch. Jährlich sterben ca.42.000 Menschen in Deutschland an den direkten oderindirekten Folgen von Alkohol.Wieviel Alkohol?Mit folgenden Formeln lassen sich die konsumierteAlkoholmenge in Gramm (AM) und dieBlutalkoholkonzentration in ‰ (BAK) grob abschätzen:Alkoholmenge (in g) =Alkoholgehalt (in Vol-%) · 0,8 · Trinkmenge (in dL)Alkoholmenge=Körpergewicht ! 0,7BAK (für Männer)Alkoholmenge=Körpergewicht ! 0,6BAK (für Frauen)Risikoarmer KonsumDies bedeutet für Frauen weniger als 2 kleine Gläser Bier proTag bzw. 0,125 L Wein, für Männer 3 kleine Gläser Bier bzw.0,2 L Wein. Dabei ist zu beachten, dass 2-3 Tage pro Wochealkoholfrei sein sollten.Alkohol wird zum Teilschon über dieSchleimhäute aufgenommenund gelangtrasch über die Blutbahnin dengesamtenOrganismus. Er wirktzunächst anregend,dann sedierend. Mitzunehmendem BlutalkoholsteigenRisikobereitschaft,Aggressivität undUnfallgefahr und abetwa 3 ‰ beginnt der Bereich der schweren akutenAlkoholvergiftung.Der Abbau erfolgt hauptsächlich über die Leber mit einerGeschwindigkeit von ca. 0,15 ‰ pro Stunde.Alkoholkonsum kann auch ohne Abhängigkeit zuGesundheitsschäden führen, vor allem zu Leberschäden, aberauch Gehirn, Bauchspeicheldrüse und der Magen-Darm-Traktwerden in Mitleidenschaft gezogen. Ebenso erhöht sich dasRisiko für bestimmte Tumorerkrankungen.Alkoholmissbrauch beinhaltet jeden Konsum, der zukörperlichen, seelischen und/ oder sozialen Schäden führt. BeiAlkoholabhängigkeit führt eine Alkoholkarenz zuEntzugserscheinungen.Alkoholabhängigkeit bzw. -sucht ist als Krankheit anerkanntund kann mit fachlicher Hilfe durchaus bewältigt werden.Weiterführende Informationenwww.dhs.de (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragene.V.)www.bzga.de (Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung)Bundesweite Sucht- und Drogenhotline:01805/ 31 30 31 (12 ct/ min.)Alkoholkonsummarker sind Stoffe im Körper, die sich durchAlkoholaufnahme in typischer Weise verändern bzw. neubilden. Die bekanntesten Beispiele sind die „Leberwerte“,darunter fallen z.B. GPT, GOT und GGT. Diese sog.Transaminasen sind Enzyme, die u.a. Leberzellschäden (v.a.GGT und GPT) anzeigen, da sie bei Zelltod ins Blutausgeschüttet werden. Sie reagieren jedoch nicht nur aufalkoholbedingte Schäden, sondern können sich auch aufgrundanderer Einflüsse verändern. Diese Marker sind erst nachlänger andauerndem Konsum großer Alkoholmengen erhöht.Ähnliches gilt auch für die Marker MCV (mittleres Volumen derroten Blutkörperchen) und CDT (ein Transportprotein), dienicht nur auf gesteigerten Alkoholkonsum, sondern auch aufandere Einflüsse reagieren können.Bei ständigem Konsum von methanolhaltigen Alkoholika (v.a.Steinobstschnäpse, z.B. Kirschwasser) kann es zu erhöhtenMethanolspiegeln kommen, die ebenfalls als Nachweis fürhäufigen/ übermäßigen Alkoholkonsum gewertet werdenkönnen.Direkte AlkoholkonsummarkerWeil die o.g. Enzyme und das MCV auch durch andereFaktoren beeinflusst werden, wurde nach Substanzen gesucht,die nur dann im Körper gebildet werden, wenn Alkoholaufgenommen wurde, sog. ‚direkte Alkoholkonsummarker’.Kleine Mengen des aufgenommenen Alkohols werden vonbestimmten, im menschlichen Körper natürlich vorkommendenEnzymen verarbeitet und können dann nachgewiesen werden.Dies führt z.B. zur Bildung der Substanz Phosphatidylethanol(PEth) oder zur Biosynthese von Fettsäureethylestern (FAEE).Aber auch diese Stoffe haben noch den Nachteil, dass sicheinmalige Trinkereignisse nicht nachverfolgen lassen.Diese Schwierigkeit wurde durch den Nachweis vonEthylglucuronid überwunden.Verfasser:Institut für RechtsmedizinForensische ToxikologieTel.: 0761/203-6856Albertstraße 979104 Freiburg


Bitte beantworten Sie die folgenden Kontrollfragen:(1) Welche Probenmaterialien eignen sich für die Bestimmung von Ethylglucuronid?(2) Ein Mann mit einem Körpergewicht von 85 kg trinkt 0,5 Liter Weißwein und danach 1 GlasCognac (40 ml). Berechnen Sie die Blutalkoholkonzentration nach Maßgabe des Artikels!Wie ist die Situation 3 Stunden nach Trinkende, wenn man berücksichtigt, dass die Leber0,15 Promille Alkohol pro Stunde abbaut? Darf er nach einem solchen Abend noch Autofahren?(3) Kann man aus der gemessenen Ethylglucuronid-Konzentration Rückschlüsse ziehen auf- die Art der genossenen alkoholischen Getränke?- die Menge des getrunkenen Alkohols?- den Trinkzeitpunkt?(4) Läßt sich über einer EtG-Konzentrationsbestimmung nachweisen- ob jemand innerhalb der letzten 48 Stunden Alkohol getrunken hat?- ob jemand alkoholabstinent lebt?- ob jemand, der behauptet, er tränke täglich nur ganz wenig Alkohol, die Wahrheit sagt?(5) Unter welchen Umständen finden sich im Blut eines Mitbürgers auch erhöhte Methanolspiegel?(6) Kann man durch eine EtG-Bestimmung ein einmaliges Trinkereignis nachweisen? Wenn ja,wie lange?(7) Welche anderen Alkoholkonsummarker gibt es noch? Sind sie empfindlich? Sind sie spezifisch?(d.h. sind erhöhte Werte dieser Marker beweisend für Alkoholkonsum oder kann eine Erhöhungdieser Werte auch andere Ursachen haben?(8) Erhöhter Alkoholkonsum kann die Leber schädigen. Welche anderen Organe auch noch?(9) Welche Verfahren kommen für die EtG-Bestimmung in Betracht?(10) Was ist der Unterschied zwischen "Alkoholmissbrauch" und Alkoholabhängigkeit?

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