Präsentation "Vereine und Steuern" - Ehrenamt Emsland

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Präsentation "Vereine und Steuern" - Ehrenamt Emsland

Vereine und SteuernIdeller Bereich, wirtschaftlicher Bereich,Haftung und SteuernReferentin: Elisabeth KnollenborgKnollenborg & PartnerWP – StB – RAeLingenDonnerstag, den 27. September 2012


Vereine und Steuern1. EinführungVereine spielen in unserem Land eine wichtige Rolle.Es wäre das kulturelle und gesellschaftliche Leben in denStädten und Gemeinden um vieles ärmer, würden sich nichtMillionen Bürger ehrenamtlich engagieren.Das Finanzamt unterstützt diese Arbeit, indem es Vereinenoftmals Steuerfreiheit oder zumindest Privilegien gewährt.Seit 2007 haben sich nicht nur die Voraussetzungen für dieAnerkennung eines gemeinnützigen, mildtätigen oderkirchlichen Vereins als steuerbegünstigte Körperschaftverbessert, sondern auch die Vorteile bei seinen Förderernund Mitarbeitern. Um diese Vorteile zu erhalten, müssen dieFörderer und Institutionen eine Reihe von Formvorschrifteneinhalten. Das beginnt mit der ordnungsgemäßen Spendenbescheinigungund endet mit der strikten Mittelverwendungdes gemeinnützigen Vereins für förderungswürdigeZwecke.


Vereine und SteuernDie hier dargestellten Grundzüge sollen den Einstieg in diesteuerliche und zivilrechtliche Materie erleichtern und alserste Orientierungshilfe dienen.


Vereine und Steuern2. Die GemeinnützigkeitDie Befreiung von der Körperschaft- und Gewerbesteuersetzt voraus, dass eine Körperschaft gemeinnützige,mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt.Steuerbegünstigte Vereine benötigen zuallererst eineschriftliche Satzung. Diese regelt den Vereinsnamen, denZweck, die Tätigkeit, die Mitgliedschaft, die Art und Aufgabender Organe und die Auflösung des Vereins. In derSatzung muss eindeutig zum Ausdruck kommen, welchenZweck der Verein anstrebt und wie er diesen verwirklichenwill. Andernfalls kann er nicht als steuerbegünstigtanerkannt werden.


Vereine und Steuern4. Die VergünstigungenBedingung für den Spendenabzug ist, dass der Verein alsKörperschaft als gemeinnützig anerkannt ist. Hierzu musser selbstlos, ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigteZwecke verfolgen. Welchen steuerbegünstigtenZweck er verfolgt und auf welche Art das verwirklicht wird,muss die Satzung festlegen. Sie muss während desgesamten Jahres diesen Anforderungen genügen, darf aberauch die Unterhaltung eines nicht begünstigten Betriebsausdrücklich erlauben.Darüber hinaus muss sich die Geschäftsführung an dieseSatzungsbestimmungen halten.


Vereine und Steuern4.1 GründungBei neu gegründeten oder erst im Nachhinein gemeinnütziggewordenen Körperschaften erteilt das Finanzamt aufAntrag eine vorläufige Bescheinigung, die maximal 18Monate gilt. Aus dieser geht hervor, ob die Satzung denVoraussetzungen der Gemeinnützigkeit entspricht und obder Verein berechtigt ist, Spendenbescheinigungenauszustellen. Hintergrund dieser Vorabbescheinigung ist,dass die Gemeinnützigkeit vorerst nur anhand der Satzungüberprüft werden kann, weil die tatsächliche Geschäftsführungerst anschließend ihre Arbeit aufnimmt. Aber dieKörperschaft kann dadurch bereits steuerlich abziehbareSpenden entgegennehmen.


Vereine und SteuernSpätestens nach 18 Monaten überprüft das Finanzamt dietatsächliche Geschäftsführung sowie die Einnahmen undAusgaben. Danach tritt erst der endgültige Körperschaftsteuer-Freistellungsbescheidan die Stelle der vorläufigenBescheinigung.


Vereine und Steuern4.2 TätigkeitsbereicheEine gemeinnützige Körperschaft kann über vier Tätigkeitsbereicheverfügen:Ideeller Bereich: Hierhin fließen Spenden, Mitgliedsbeiträge undAufnahmegebühren. Hierauf wird wederKörperschaft- noch Gewerbe- oder Umsatzsteuererhoben.Vermögens-Verwaltung:Zweckbetrieb:Die Kapitalerträge aus angelegtenVereinsgeldern sind nicht zu versteuern.Gleiches gilt für die Mieten aus überlassenenRäumen. Umsatzsteuer fällt auf solcheLeistungen in der Regel nicht an.Auf sportliche und kulturelle Veranstaltungenfallen keine Körperschaft- und Gewerbesteueran. Die Leistung ist grundsätzlich mit 7 %umsatzsteuerpflichtig, beim Wettbewerb mitDritten gilt der Regelsteuersatz in Höhe von19 %.


Vereine und SteuernWirtschaftlicherGeschäftsbetrieb: Einnahmen aus Vereinsfesten, einer Gaststätteund Werbemaßnahmen unterliegen derKörperschaft- und Gewerbesteuer, wenn derJahresbruttoumsatz die Grenze von 35.000 €übersteigt. Dabei unterliegen Gewinne bis5.000 € weder der Körperschaft- noch derGewerbesteuer (Freibetrag). Die Einnahmenunterliegen der Umsatzsteuer mit 19 %.


Vereine und SteuernTätigkeitsbereicheIdeellerBereich- Spenden- MitgliedsbeiträgeVermögensverwaltung- Zinsen- VermietungWirtschaftlicher GeschäftsbetriebZweckbetrieb§ 65 – 68 AOSteuerpflichtigerwirtschaftlicherGeschäftsbetrieb§ 64 AOKStGewStSteuerfreiSteuerpflichtig(35.000 € Besteuerungsgrenze)UStnichtsteuerbar7 % nach § 12 Abs. 2 Nr. 8a UStG(wenn nicht stfrei n. § 4 UStG;ggf. 19 %)19 % USt-Satz(i. d. R.)


Vereine und Steuern4.3 Steuerberechnung beim wirtschaftlichenGeschäftsbetriebEine gemeinnützige Körperschaft muss ordnungsmäßigeAufzeichnungen über ihre Einnahmen und Ausgabenführen, auch wenn sie wegen der Umsatzgrenze oder einesFreibetrags keine Steuern zahlen muss. Denn nur anhandder Unterlagen lässt sich im Nachhinein kontrollieren, obsie eine auf die ausschließliche und unmittelbare Erfüllungder steuerbegünstigten Zwecke gerichtete Geschäftsführunghat.


Vereine und SteuernErzielt der Verein aus seinem wirtschaftlichen Geschäftsbetriebeinen Verlust, wirkt sich dies steuerlich nur dannaus, wenn er im gleichen Zeitraum die Umsatzgrenze von35.000 € überschreitet. Ansonsten ist der Verlust - wie auchein Gewinn - steuerlich irrelevant. Bei Umsätzen oberhalbder Grenze ist der Verlust rück- und vortragbar und mindertim Vorjahr oder in der Zukunft erzielte Überschüsse, soferndie Einnahmen in diesen Jahren ebenfalls die Umsatzgrenzeübersteigen. Aufgrund dieser Verrechnung fälltauch auf diese Gewinne weniger oder überhaupt keineSteuer an.


Vereine und SteuernBeispiel:Ein Verein erzielt 2010 Bruttoeinnahmen von 40.000 € bzw.34.500 € und einen Gewinn von 8.000 €.Bruttoeinnahmen 40.000 € 34.500 €Umsatzgrenze erreicht nicht erreichtGewinn 8.000 € 8.000 €Steuerpflichtig ja neinFreibetrag - 5.000 € -Einkommen 3.000 € -Körperschaftsteuer 15 % 450 € 0 €Solidaritätszuschlag 5,5 % 24,75 € 0 €Gewerbesteuer Hebesatz -Gemeinde


Vereine und Steuern5. ErtragsteuernDer Verein unterliegt grundsätzlich der persönlichenKörperschaft- und Gewerbesteuerpflicht, die sein gesamtesEinkommen erfasst. Ein als steuerbegünstigt anerkannterVerein ist bei ideellen Geschäften, der Vermögensverwaltungund dem Zweckbetrieb jedoch davon befreit.


Vereine und Steuern5.1 VeranstaltungenFür Vereine gibt es verschiedene Anlässe, ein Festoder eine sonstige Unterhaltung zu organisieren.Wohltätigkeitsveranstaltung:Sollen die Eintrittserlöse einer Benefizveranstaltung einemguten Zweck dienen, sind diese nicht schon deshalbsteuerfrei, weil der Gewinn für einen steuerbegünstigtenZweck verwendet wird. Hierzu muss die Veranstaltung ihrerArt nach selbst einen Zweckbetrieb darstellen, etwa dasKonzert eines Musikvereins.


Vereine und SteuernSportveranstaltung:Werden über die sportlichen Darbietungen Einnahmenerzielt - zum Beispiel Eintrittsgelder, Startgebühren, KursundLehrgangsgebühren oder Geld für die Fernsehübertragung-, stellt die Veranstaltung einen steuerpflichtigenwirtschaftlichen Geschäftsbetrieb dar. Eingemeinnütziger Verein kann eine Sportveranstaltungwahlweise auch dem Zweckbetrieb zuordnen, ist dann aberfür fünf Jahre an diese Zuordnung gebunden. Liegen dieJahreseinnahmen aus dem Zweckbetrieb unter 35.000 €,sind die Sportveranstaltungen steuerfrei, sonst gehören siezum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Dann kann derVerein beispielsweise Verluste mit den steuerpflichtigenGewinnen aus der Werbung verrechnen


Vereine und Steuern5.2 Werbung und SponsoringWirbt der Verein bei eigenen Veranstaltungen, in seinenDruckerzeugnissen, auf eigenen Gegenständen und auf derInternetseite für ein Unternehmen, gehören diese Werbeleistungenstets zum separaten steuerpflichtigenwirtschaftlichen Geschäftsbetrieb.Zuwendungen eines Sponsors können steuerfreieEinnahmen im ideellen Bereich und aus der Vermögensverwaltung,aber auch steuerpflichtige Einnahmen eineswirtschaftlichen Geschäftsbetriebs darstellen. Das hängtdavon ab, ob der Verein vom Zufluss einer steuerfreienSpende ausgehen kann, für die er eine ordentlicheZuwendungsbestätigung ausstellen darf. Hierzu müssendie erhaltenen Geld- oder Sachmittel freiwillige undunentgeltliche Zuwendungen sein.


Vereine und Steuern5.3 Körperschaft- und GewerbesteuerBemessungsgrundlage für die Körperschaftsteuer ist daszu versteuernde Einkommen aller zusammengefasstensteuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe nachAbzug des Freibetrags von 5.000 €. Der Steuersatz beträgt15 %. Sie wird vom zuständigen Finanzamt im Körperschaftsteuerbescheidfestgesetzt; das gilt auch für dievierteljährlichen Vorauszahlungen.Die wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe unterliegen wederder Körperschaft- noch der Gewerbesteuer, wenn dieJahresbruttoeinnahmen (einschließlich Umsatzsteuer) dieGrenze von 35.000 € nicht übersteigen. Zur Ermittlung desGewinns oder Verlusts werden von den Einnahmen aus densteuerpflichtigen Tätigkeiten die durch sie veranlasstenAusgaben abgezogen. Die Kosten für ideelle Aufgaben undfür zweckgemäße Tätigkeiten sind nicht abziehbar.


Vereine und SteuernDie Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer ist derGewinn des Vereins, der durch bestimmte Hinzurechnungenund Kürzungen verändert und von dem einFreibetrag von 5.000 € abgezogen wird.Beispiel:Der Verein erzielt aus seinen steuerpflichtigenwirtschaftlichen Geschäftsbetrieben einen Gesamtgewinnvon 20.000 €.Gewinn des Geschäftsbetriebs 20.000 €Freibetrag - 5.000 €Gewerbeertrag 15.000 €Messbetrag (3,5 %) 525 €Gewerbesteuer-Hebesatz 450 %Gewerbesteuer 2.362 €


Vereine und Steuern5.4 KapitalertragsteuerZinsen aus Anleihen, Tages- oder Festgeldkonten,Dividenden, Fondsausschüttungen sowie ähnliche laufendeKapitalerträge und Verkaufsgewinne unterliegen grundsätzlicheinem Steuerabzug von 25 %. Diese Abgeltungsteuerwird vom Kreditinstitut einbehalten und ansFinanzamt abgeführt. Eine Steuerbescheinigung stellt dieBank auf Verlangen des Vereins aus. Von der Abgeltungsteuerkönnen sich Vereine jedoch unter bestimmtenVoraussetzungen freistellen lassen.Gehört die Kapitalanlage zum steuerfreien Bereich(Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb) eines steuerbegünstigtenVereins und werden die Konten auf denVereinsnamen geführt, braucht keine Abgeltungsteuereinbehalten zu werden. Dazu muss der Bank rechtzeitig einNachweis der Steuerbefreiung vorgelegt werden.


Vereine und SteuernHierfür kommen in Betracht:▪ eine Nichtveranlagungsbescheinigung, die beim Finanzamt zubeantragen ist,▪ eine amtlich beglaubigte Kopie des zuletzt erteilten Freistellungsbescheidsoder▪ bei neu gegründeten Vereinen eine amtlich beglaubigte Kopieder vorläufigen Bescheinigung des Finanzamts über dieAnerkennung der Gemeinnützigkeit.Legt der Verein den Nachweis seiner Steuerbefreiung erstnachträglich vor, kann die Bank den Steuerabzug rückgängigmachen und die einbehaltenen Steuerbeträge auszahlen. Machtsie von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, kann der Verein dieErstattung der Kapitalertragsteuer beim Finanzamt beantragen.Aber auch für steuerpflichtige Vereine kommt zumindest teilweiseeine Freistellung von der Abgeltungsteuer in Betracht. Erzielen sieEinkünfte aus Kapitalvermögen, steht ihnen der Sparerpauschbetragvon 801 € zu. Erteilen sie einen Freistellungsauftrag, wirdAbgeltungsteuer nur einbehalten, soweit die Kapitalerträge denSparerpauschbetrag übersteigen


Vereine und Steuern6 Sonstige SteuernAnders als bei der Körperschaft- und Gewerbesteuer, beidenen es in der Regel zu gar keiner oder nur für spezielleBereiche des Vereins zur Steuerpflicht kommt, sieht esinsbesondere bei der Umsatz- und Lohnsteuer aus. Zudemsind Besonderheiten bei der Grunderwerb- und derErbschaftsteuer zu beachten.


Vereine und Steuern6.1 UmsatzsteuerBei der Umsatzsteuer muss eine gemeinnützige Institutionunterscheiden▪ Zum nicht-unternehmerischen Bereich gehörenAufnahmegebühren, Mitgliedsbeiträge, Spenden undZuschüsse. Diese Einnahmen sind nicht steuerbar undlösen somit keine Umsatzsteuerschuld aus. Im Umkehrschlusskönnen mit diesen Einnahmen zusammenhängendeAufwendungen auch nicht zum Vorsteuerabzugberechtigen.▪ Zum unternehmerischen Bereich zählen derwirtschaftliche Geschäfts- sowie der Zweckbetrieb unddie Vermögensverwaltung wie etwa die langfristigeVermietung von Vermögen.


Vereine und SteuernUmsätze aus dem unternehmerischen Bereich sindgrundsätzlich steuerpflichtig, wobei aber allgemeine sowiespezielle Steuerbefreiungen in Betracht kommen:▪ Vermietung von Grundstücken, z.B. eines Raums imVereinsheim an einen anderen Verein, nicht aber diesteuerpflichtige Vermietung von Sportanlagen(stundenweise Überlassung von Schießständen,Sporthallen, Fußball- und Tennisplätzen)▪ Kulturelle und sportliche Veranstaltungen, soweit dasEntgelt aus Teilnehmergebühren und nicht ausEintrittsgeldern besteht▪ Ärztliche Heilbehandlung, Diagnostik, Befunderhebungund weitere Tätigkeiten▪ Beförderung kranker und verletzter Personen mitbesonders eingerichteten Fahrzeugen▪ Leistungen der freien Wohlfahrtspflege


Vereine und Steuern▪ Umsätze durch Theater, Orchester, Kammermusikensembles,Chöre, Museen, botanische undzoologische Gärten, Tierparks, Archive, Büchereiensowie Denkmäler der Bau- und Gartenbaukunst, soferndie zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass siekulturelle Aufgaben erfüllen Kulturelle und sportlicheVeranstaltungen, soweit das Entgelt aus Teilnehmergebührenund nicht aus Eintrittsgeldern besteht▪ Unmittelbar Schul- und Bildungszwecken dienendeLeistungen▪ Vorträge, Kurse und andere Veranstaltungen wissenschaftlicheroder belehrender Art, wenn die Einnahmenüberwiegend zur Deckung der Kosten verwendet werden▪ Leistungen förderungswürdiger Träger der freienJugendhilfe▪ Ehrenamtliche Tätigkeiten


Vereine und SteuernAufgrund der Kleinunternehmerregelung wird die Umsatzsteuernicht erhoben, wenn der Umsatz im Vorjahr 17.500 €nicht überstiegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich50.000 € nicht übersteigen wird. Dafür hat derVerein auch keinen Vorsteuerabzug.Hinweis:Der gemeinnützige Verein kann gegenüber dem Finanzamtauf die Anwendung dieser Kleinunternehmerregelungverzichten, was ihn für mindestens fünf Jahre bindet. Dasist bei regelmäßigen Vorsteuerüberschüssen sinnvoll.


Vereine und SteuernWird bei einem Verein die Kleinunternehmerregelung nichtangewendet, hat er seine Umsätze nach den allgemeinenVorschriften des Umsatzsteuergesetzes zu versteuern. Vonder Umsatzsteuer können die in Eingangsrechnungengesondert ausgewiesenen Umsatzsteuerbeträge alsVorsteuer abgezogen werden, wenn die Leistungen denunternehmerischen Bereich des Vereins betreffen - zumBeispiel beim Einkauf für die Vereinsgaststätte. Dagegen istder Vorsteuerabzug ausgeschlossen, wenn die Leistungenfür den nichtunternehmerischen Bereich erfolgen oder derVerein hiermit anschließend steuerfreie Umsätze ausführt.Dient ein Einkauf oder eine in Anspruch genommeneLeistung zur Ausführung von Tätigkeiten, die nur teilweisezum Vorsteuerabzug berechtigen, was bei Vereinen sehrhäufig der Fall ist, muss die Vorsteuer grundsätzlich ineinen abziehbaren und einen nichtabziehbaren Teilaufgeteilt werden.


Vereine und SteuernBei einer Vorsteuerpauschalierung wird die Ermittlung derabziehbaren Vorsteuerbeträge für nicht buchführungspflichtigegemeinnützige Körperschaften erleichtert, indemein Durchschnittsatz angewendet wird. Die Vorsteuer kanndann pauschal mit 7 % der steuerpflichtigen Umsätzefestgesetzt werden, wenn dieser im Vorjahr netto 35.000 €nicht überschritten hat. Für die Vorsteuerpauschalierungbesteht ein Wahlrecht; wird sie angewendet, ist einweitergehender Vorsteuerabzug ausgeschlossen.Der Verein muss für die Zwecke der Umsatzsteuer Aufzeichnungenüber seine Umsätze führen, aus denenersichtlich sein muss, wie sich die Einnahmen auf diesteuerpflichtigen und -freien Umsätze und auf dieSteuersätze verteilen.


Vereine und SteuernHat der Verein umsatzsteuerpflichtige Einnahmen, muss er aufelektronischem Weg eine Umsatzsteuervoranmeldung beimFinanzamt abgeben und darin die für den Voranmeldungszeitraumzu entrichtende Steuervorauszahlung berechnen. DerVoranmeldungszeitraum richtet sich nach der Steuer desvorangegangenen Jahres. Beträgt die Steuer für dasvorangegangene Kalenderjahr▪ mehr als 7.500 €, ist der Monat der Voranmeldungszeitraum,▪ mehr als 1.000 €, ist das Kalendervierteljahr derVoranmeldungszeitraum,▪ nicht mehr als 1.000 €, darf der Verein auf Antrag nur dieJahressteuererklärung abgeben; Vorauszahlungen sindin diesem Fall keine zu leisten.HinweisNeugegründete Vereine müssen in den ersten beiden Jahrenihre Umsatzsteuervoranmeldung immer monatlich abgeben.


Vereine und Steuern6.2 LohnsteuerVereine, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben Arbeitnehmerbeschäftigen, sind Arbeitgeber und unterliegen als solcheden allgemeinen Bestimmungen des Lohnsteuer- undSozialversicherungsrechts. Vereinsmitglieder, derenTätigkeit bei besonderen Anlässen eine bloße Gefälligkeitoder eine gelegentliche Hilfeleistung darstellt, sind insoweitaber keine Arbeitnehmer.Diese Differenzierung erfolgt auch bei der Ausübung einesEhrenamts, etwa als Vereinsvorsitzender oder Kassierer.Die unentgeltliche Ausübung eines Ehrenamts ist in derRegel kein steuerliches Dienstverhältnis, auch wenn demehrenamtlich tätigen Vereinsmitglied seine Aufwendungenwie Fahrtkosten ersetzt werden.


Vereine und SteuernSteuerfrei ist die Erstattung von Mehraufwendungen für dieVerpflegung durch den Verband aus Anlass der ehrenamtlichenTätigkeit. Soweit diesen Einnahmen Aufwendungengegenüberstehen, die zu Werbungskosten führen,entfällt die Besteuerung.Insbesondere bei Amateursportlern kann ein Dienstverhältnisvorliegen, wenn sie Zahlungen erhalten, die überihren tatsächlichen Aufwand hinausgehen. Dann wird derSport als Mittel zur Erzielung von Einkünften ausgeübt unddie Zahlungen unterliegen der Lohnsteuer.Engagiert ein Verein im Rahmen seines wirtschaftlichenGeschäftsbetriebs Musik- oder Tanzkapellen, stehen dieeinzelnen Musiker in der Regel in einem Dienstverhältniszum Verein als Veranstalter. Dadurch stellen die gezahltenGagen Arbeitslohn dar und der Verein als Arbeitgeber istzur Einbehaltung und Abführung der Lohnsteuerverpflichtet.


Vereine und SteuernDen Steuerabzug muss ein Verein grundsätzlich wie jederandere Arbeitgeber auch aufgrund von Lohnsteuerklasse,Zahl der Kinderfreibeträge und Kirchensteuermerkmalberechnen, was sich aus den im Laufe des Jahres 2012eingeführten elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalenergibt. In der Praxis kommen jedoch oftmals zwei Ausnahmenin Betracht. Dann wird anstelle des Lohnsteuerabzugsnach den individuellen Verhältnissen desArbeitnehmers eine Pauschalierung der Lohnsteuerdurchgeführt.


Vereine und Steuern▪ Kurzfristige Beschäftigung: Ist der Arbeitnehmer bei demVerein nur gelegentlich beschäftigt (50 Tage bzw. 2Monate jährlich), beträgt der Pauschsteuersatz 25 %.Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und diepauschale Kirchensteuer.▪ Mini-Job: Bei einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnisliegt das Arbeitsentgelt im Monat nicht über400 €. Dann zahlt der Verein den pauschalen Rentenversicherungsbeitragvon 15 %, Krankenversicherungsbeiträgevon 13 % und eine Pauschsteuer von 2 %, wasden Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer miteinschließt. Diese Pauschsteuer wird zusammen mit denBeiträgen zur Renten- und Krankenversicherung, also inHöhe von 30 %, an die Deutsche RentenversicherungKnappschaft-Bahn-See abgeführt.


Vereine und Steuern6.3 ÜbungsleiterfreibetragVergütungen für eine begünstigte Nebentätigkeit bei einemgemeinnützigen Verein bleiben bis zu 2.100 € im Jahr steuer- undsozialversicherungsfrei. Ist die Vergütung höher, ist derübersteigende Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig.Nach § 3 Nr. 26 EStG sind Einnahmen aus einer nebenberuflichenTätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder aus einervergleichbaren Tätigkeit für eine nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStGsteuerbegünstigte Körperschaft, ab 01.01.2007 bis zur Höhe von2.100 € im Kalenderjahr von der Einkommensteuer befreit.Begünstigt sind danach drei Tätigkeitsbereiche:▪ Nebenberufliche Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder,Erzieher, Betreuer oder eine vergleichbare Tätigkeit,▪ Nebenberufliche künstlerische Tätigkeit,▪ Nebenberufliche Pflege alter, kranker oder behinderterMenschen,


Vereine und SteuernZusätzlich zur Übungsleiterpauschale von 2.100 € bleibenweitere Zahlungen steuer- und sozialversicherungsfrei -insbesondere die Erstattung von Reisekosten, Verpflegungspauschbeträge,Übernachtungskosten zuauswärtigen Auftritten, Spielen und Einsätzen. Hinzukommen Reisenebenkosten wie Parkgebühren undUnfallschäden.Steuerfreibetrag - § 3 Nr. 26 a EStGAufgrund der Neuregelung des § 3 Nr. 26 a EStG können ab01.01.2007 alle, die Einnahmen aus nebenberuflichenTätigkeiten oder die sich nebenberuflich im mildtätigen,gemeinnützigen oder im kirchlichen Bereich engagieren,einen Steuerfreibetrag nach § 3 Nr. 26 a EStG i. H. von 500 €geltend machen, sofern sie nicht bereits eine Steuerbefreiungnach § 3 Nr. 12 oder Nr. 26 EStG in Anspruchnehmen.


Vereine und SteuernBegünstigt sind allerdings nur Nebentätigkeiten, die nichtmehr als ein Drittel der Arbeitszeit einer vergleichbarenVollzeittätigkeit in Anspruch nehmen. Die Vergütungenkönnen bis zu einem Betrag von 500 € im Jahr steuerbefreitsein.Für eine Tätigkeit, die ihrer Art nach nicht übungsleitend ist- beispielsweise die des Geräte- und Platzwarts bei einemSportverein -, kommt eine sogenannte Ehrenamtspauschalevon 500 € im Jahr in BetrachtDarüber hinaus muss die Tätigkeit für den steuerbegünstigtenBereich des Vereins ausgeübt werden.


Vereine und Steuern6.4 ErbschaftsteuerErwirbt ein gemeinnütziger Verein aufgrund einerSchenkung oder per Testament Vermögen, fällt Erbschaftsteueran. Allerdings sind gemeinnützige Vereine steuerbefreit,wenn sie als Erbe, Vermächtnisnehmer oderEmpfänger einer Schenkung Geld- oder Sachvermögenerhalten. Diese Steuerbefreiung entfällt jedoch rückwirkend,wenn beim Verein innerhalb von zehn Jahren nachder Erbschaft oder Schenkung die Voraussetzungen für dieGemeinnützigkeit wegfallen und das Vermögen für andereals steuerbegünstigte Zwecke verwendet wird.


Vereine und Steuern7. Der Spendenabzug7. 1 VoraussetzungenAusgaben zur Förderung mildtätiger, kirchlicher, religiöser,wissenschaftlicher und besonders förderungswürdigergemeinnütziger Zwecke sind bis zu einer gewissen Höheals Sonderausgaben abzugsfähig, sofern sie für steuerbegünstigtesatzungsmäßige Zwecke verwendet werden. Eineschädliche Mittelverwendung liegt vor, wenn sie in densteuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb einerKörperschaft fließen. Die Ausgaben können Geld-, SachoderAufwandsspenden sein und müssen freiwillig undohne Gegenleistung erfolgen. Steuerbegünstigt sindSpenden und - unter bestimmten Voraussetzungen auch -Mitgliedsbeiträge zur Förderung gemeinnütziger Zwecke.Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen.


Vereine und Steuern1. Mildtätige, kirchliche, religiöse, kulturelle und wissenschaftlicheZwecke: Bei Zuwendungen an diese Gruppekönnen sowohl Spenden als auch Mitgliedsbeiträge vonder Steuer abgesetzt werden.2. Gemeinnützige Zwecke: Zu dieser Kategorie zählenZwecke, die auch der Sport- und Freizeitgestaltung derVereinsmitglieder oder der Heimatpflege und -kundedienen, etwa bei Turn-, Gesangs- oder Musikvereinen.Hier können nur Spenden, aber keine Beiträge steuerlichgeltend gemacht werden.Alle gemeinnützigen Institutionen, die steuerbegünstigteZwecke fördern und vom Finanzamt anerkannt sind,können unmittelbar Ihre Spenden entgegennehmen undselbst Spendenbescheinigungen (Zuwendungsbestätigungen)ausstellen.


Vereine und SteuernDer Steuerabzug setzt die Vorlage einer ordnungsgemäßenSpendenbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenemVordruck beim Finanzamt voraus. Diese muss derEmpfänger ausstellen.


Vereine und Steuern7.2 DurchführungDer Spendenabzug ist pro Jahr grundsätzlich auf 20 % desGesamtbetrags der Einkünfte begrenzt.Für Unternehmer gibt es einen alternativen Höchstbetrag:Sie können auch 0,4 % der Summe ihrer Umsätze undgezahlten Löhne absetzen.Als Sonderrechnung ist bei Großspenden ein zeitlichunbegrenzter Vortrag nicht ausgeschöpfter Beträge erlaubt.Dabei werden in einem Jahr nicht abziehbare Spenden vomFinanzamt per Bescheid festgesetzt und uneingeschränktauf die Steuererklärungen der Zukunft vorgetragen. Dortwirkt sich der zuvor nicht verbrauchte Betrag dannzusammen mit den neuen Spenden im Rahmen des20%igen Höchstbetrags aus.


Vereine und SteuernBeispielEin Steuerpflichtiger mit Einkünften von 120.000 € spendetdem Heimatverein einmalig 40.000 €.Höchstbetrag 120.000 € x 20 %gespendeter Betrag 40.000 €steuerlich maximal abzugsfähig 24.000 €als Sonderausgaben anzusetzen 24.000 €unbegrenzt vortragbar 16.000 €


Vereine und Steuern8. Die GewinnermittlungEin gemeinnütziger Verein muss gegenüber dem Finanzamtregelmäßig nachweisen, dass seine tatsächliche Geschäftsführungmit den Vorgaben in der eigenen Satzung übereinstimmt.Diese Erklärung erfolgt durch ordnungsgemäßeAufzeichnungen über die Einnahmen und Ausgaben sowieeine Aufstellung über das Vermögen. Hinzu kommenNachweise über die Tätigkeit des Vereins wie beispielsweisedie Protokolle der abgehaltenen Mitgliederversammlungen.Dabei muss der zuständige Vereinskassenwartoder Buchhalter - wie in jedem Unternehmen auch - dieGrundbedingungen für die Rechnungslegung beachten unddafür sorgen, dass die Aufzeichnungen wahr, vollständigund zeitnah laufend erfolgen. Bei kleinen Vereinen reichtmöglicherweise schon ein einfaches Kassenbuch, währendaktive und große Einrichtungen eine formell korrekteBuchführung und Bilanz benötigen.


Vereine und SteuernHinweis:Die Aufzeichnungen müssen strikt getrennt erfolgen: fürdie begünstigten Bereiche einerseits und für nichtsteuerbefreite Geschäfte andererseits.Sofern der Verein Rücklagen gebildet hat, muss der Nachweisjeweils den Bestand, die neu zugeführten Beträgesowie den Abgang ausweisen. Die Rücklage muss dabei abihrer Bildung hinsichtlich der laufenden Zuführungen undder laufenden Verwendung bis hin zur endgültigenAuflösung in den Aufzeichnungen des Vereins nachvollzogenwerden können.


Vereine und SteuernZur Bilanzierung ist ein steuerbegünstigter Verein meistnicht verpflichtet. Das kommt für den gewerblichen Bereichnur dann in Betracht, wenn der Verein ein buchführungspflichtigerKaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuchs istoder wenn das Finanzamt den Verein ausdrücklich zurBuchführung aufgefordert hat. Dies geschieht, wenn eineder Buchführungsgrenzen nach der Abgabenordnungüberschritten ist:▪ Jahresumsatz mehr als 500.000 €▪ Jahresgewinn mehr als 50.000 €an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen!


Vereine und SteuernHinweis:Der Gewinn und Verlust aus allen steuerpflichtigenwirtschaftlichen Geschäftsbetrieben kann nur einheitlich -entweder durch Einnahmenüberschussrechnung oderdurch Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung - ermitteltwerden.Besteht keine Buchführungspflicht, kann der Verein einesimple Einnahmenausgabenrechnung ähnlich einer Geldverkehrsrechnungdurchführen. Dann muss er zusätzlichzur Steuererklärung die Anlage EÜR abgegeben, wenn dieBruttoeinnahmen aus dem steuerpflichtigen wirtschaftlichenGeschäftsbetrieb 35.000 € übersteigen.


Vereine und Steuern9. HaftungsregelnDem einzelnen Spender ist zumeist unbekannt, ob der Verein,an den er seine Zuwendungen leistet, vom Finanzamt alsgemeinnützig anerkannt ist. Er hat auch kaum Einfluss darauf,wie seine Mittel tatsächlich verwendet werden. Dem Spenderbleibt daher kaum etwas anderes übrig, als auf die Richtigkeitder Angaben in der Zuwendungsbestätigung des Vereins zuvertrauen.Diesem Vertrauensschutz auf Seiten des Spenders steht aufSeiten des Vereins und seiner Verantwortlichen die Haftungfür mögliche Steuerausfälle gegenüber: Wer vorsätzlich odergrob fahrlässig eine unrichtige Bestätigung im Namen desVereins ausstellt oder veranlasst, dass Zuwendungen nicht zuden in der Spendenbestätigung angegebenen steuerbegünstigtenZwecken verwendet werden, haftet für dieentgangene Steuer. Diese wird pauschal mit 30 % deszugewendeten Betrags angesetzt. Darüber hinaus wird nocheine ungerechtfertigte Steuerminderung bei der Gewerbesteuermit 15 % berücksichtigt.


Vereine und SteuernDiese persönliche Haftung soll den Missbrauch offiziellerZuwendungsbestätigungen vermeiden. Ein Missbrauchliegt zum Beispiel vor, wenn▪ ein nicht gemeinnütziger oder nicht spendenbegünstigterVerein Zuwendungsbestätigungen ausstellt,▪ der Wert einer Spende in der Bestätigung zu hochangegeben wird,▪ eine Bestätigung über gar nicht gezahlte Spenden erteiltwird,▪ erhaltene steuerpflichtige Umsätze als umgewidmeteSpenden bescheinigt werden oder▪ Bestätigungen über Spenden unzulässigerweise für denwirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgestellt werden.


Vereine und SteuernSolche Handlungen können sogar zum Verlust der Gemeinnützigkeitführen.Darüber hinaus haften Vorstandsmitglieder gegenüber demVerein für Pflichtverletzungen, die in Ausübung derVorstandstätigkeit mit Vorsatz oder grober Fahrlässigkeitbegangen wurden. Hierdurch bleibt der Verein auf denSchäden sitzen, die nur mit leichter Fahrlässigkeitverursacht wurden. Das ist mit einem Risiko für den Vereinverbunden.Bei einer Schädigung durch die Nichtabführung derSozialversicherungsbeiträge liegt ein Verstoß gegen dieVorstandspflichten vor. Dann haftet das einzelneVorstandsmitglied in Hinsicht auf Schadenersatz, wenn esdiesen Umstand zumindest für möglich gehalten undbilligend in Kauf genommen hat.

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