Unsere Bäche und Kanäle in Augsburg - WasSerLeben - Natur in ...

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Unsere Bäche und Kanäle in Augsburg - WasSerLeben - Natur in ...

LandschaftspflegeverbandStadt Augsburg e.V.ImpressumHerausgeber: Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. (LPVA),Dr.-Ziegenspeck-Weg 10, 86161 AugsburgTelefon: 0821 3 24 - 60 54, Telefax: 0821 3 24 - 60 50,E-Mail: info@lpv-augsburg.dewww.lpv-augsburg.dewww.wasserleben-augsburg.deKooperationspartner: Stadt Augsburg und Regio AugsburgText: Nicolas Liebig (LPVA)Fotos: Andreas Zahn / AZ, Angelika Prem / AP, Gerhard Mayer / GM,Horst Jetter / HJ, Helmut Weißenbach / HW, Marc Roberts / MR,Michael Mährlein, www.photoArs.de / MM, Nicolas Liebig / NL,Norbert Liesz, www.norlies.de / NoL, Norbert Pantel / NP,OKAPIA KG Frankfurt / OK, Hubert Schuster / HSKarten: Geodatenamt der Stadt AugsburgGestaltung: www.billa.spiegelhauer.deStand: Mai 2013, 2. AuflageWasSerleben – Natur in AugsburgEin Projekt des Landschaftspflegeverbandes Stadt Augsburg e.V.als Beitrag zur UNESCO-Welterbe-Bewerbung der Stadt AugsburgDieses Projekt wurde mit dem Förderpreis des Deutschen Naturschutzpreises2012 ausgezeichnet, der vom Bundesamt für Naturschutz alsTräger und Jack Wolfskin als Stifter ausgelobt wird.Der Landschaftspflegeverband wird unterstütztvon den Stadtwerken Augsburg undder Stadtsparkasse Augsburg.Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,wer in Augsburg unterwegs ist oder sich im Siebentischparkaufhält, kommt unweigerlich mit den zahlreichen Bächen undKanälen in Kontakt, die wie Adern das Stadtgebiet durchströmen.Wasser bestimmt seit jeher die Entwicklung Augsburgs. UnsereVorfahren gaben mit ihren ausgezeichneten wasserbaulichen Fertigkeitenvor, wo es zu verlaufen hat. Denn das Wasser wurde dringendbenötigt: zur Verteidigung der Stadt, zum Transport von Gütern,zum Abtransport von Unrat, zur Gewinnung von Energie und– ganz wichtig – zum Trinken und Kochen.Aber die Bäche und Kanäle übernahmen auch ökologischeFunktionen, indem sie sich zu Lebensräumen zahlreicher Tier- undPflanzenarten entwickelten, die heute selten und teilweise sogarvon Aussterben bedroht sind.Augsburg bewirbt sich mit seinen einzigartigen Technik- und Kulturdenkmälernder städtischen Wasserwirtschaft um die Auszeichnungzum UNESCO-Welterbe. Wir finden zu Recht! In diesem Erbe stecktauch ein Naturerbe. Deshalb unterstützen wir die Bewerbung undwollen dabei zusätzlich Aspekte der Biologischen Vielfalt in den Vordergrundrücken. Diese Broschüre informiert Sie, welche Bachtypenes in Augsburg gibt, wie sie entstanden sind, wie sie genutzt wurden(und werden), wo sie verlaufen und welche Arten in und an ihnenleben. Spannende Einblicke sind garantiert!Übrigens: Unsere Broschüre entstand im Rahmen unseres Projektes„WasSerleben – Natur in Augsburg“. Die Projektidee wurde am29. Oktober 2012 mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet.Der Preis wird vom Bundesamt für Naturschutz verliehen, dasPreisgeld stiftet Jack Wolfskin. Mit dem Preisgeld sind wir nun in derLage, Sie auf vielfältige Weise von der fantastischen Vielfalt unsererBäche und Kanäle in Augsburg zu begeistern. Informieren Sie sichüber unser Projekt unter www.wasserleben-augsburg.de undnutzen Sie unsere zahlreichen Angebote!Mit besten GrüßenIhrRainer SchaalUmwelt- und Forstreferent,Vorsitzender Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg2 I Arten Vorwort I 3


© AP© MM© NL© NLZusammenfluss des Hinteren und Mittleren Lechs zum Stadtbach Wasserwerk am Hochablass Ölbachquelle im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“ Der Höhgraben im Augsburger Norden ist ein QuellbachLebensadern unserer StadtSeit der Stadtgründung vor mehr als 2000 Jahren beschäftigen sichdie Augsburger mit Fragen der Wasserversorgung. Die hoch entwickelteWasserarchitektur und Wasserkunst sowie das reich verzweigte,135 Kilometer lange Netz an Bächen und Kanälen sind Zeugendieser historisch bedeutsamen Entwicklung. Bis heute prägen sie dasAugsburger Stadtbild.Es gibt zwei Bachtypen: Lechkanäle und Quellbäche.6 I Bäche und KanäleLechkanäle - Bäche aus MenschenhandLechkanäle (im Mittelalter auch als „Leche“ bezeichnet) werden mitWasser gespeist, das heute an der Staustufe 22 und am Hochablassaus dem Lech ausgeleitet wird. Zunächst dienten die Kanäle dazu,den Stadtgraben als Verteidigungsanlage mit Wasser zu versorgen.Später nutzte man auch die Energie und die Transport- und Entsorgungsmöglichkeiten,die das fließende Wasser bot. Das war dieentscheidende Voraussetzung für die industrielle Entwicklung Augsburgs.Der Bau der Kanäle außerhalb der Stadt erfolgte meist in altenFlutrinnen des Lechs. Schon die Römer lenkten Lechwasser auf dieseWeise nach Augsburg. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmalzu natürlichen Bächen unserer Region ist, dass die Wasserstände derLechkanäle regulierbar sind. Hochwasserereignisse finden deswegennicht statt. Dennoch können unsere Lechkanäle ein wichtiger Lebensraumfür zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sein.Quellbäche - Glasklar und extrem empfindlichQuellbäche (im Volksmund auch „Gießer“ genannt) entspringen inQuellfluren der Flussauen und führen reines Grundwasser. Die Gießerdienten über Jahrhunderte der Trinkwasserversorgung Augsburgs. IhrVerlauf wurde oft künstlich verändert, um bestimmte Verteilerpunktegezielt mit Trinkwasser zu bedienen. Ein Beispiel ist der Brunnenbachim Stadtwald Augsburg. Wasserbauer leiteten ihn zu den Wassertürmenam Roten Tor (aus dem 15. Jahrhundert). Von dort versorgteman die Augsburger bis 1840 mit Trinkwasser. Auch die berühmtenAugsburger Prachtbrunnen erhielten ihr Wasser aus dem Brunnenbach.Die Fließstrecke der Gießer im Stadtgebiet misst rund 50 km.Quellbäche sind sehr sauber und sauerstoffreich. Seltene Tier- undPflanzenarten leben in und an ihnen. Weil sie sehr empfindlicheBach-Ökosysteme sind, verdienen sie das besondere Augenmerk desNaturschutzes.Bachläufe und Bachnamen - Ein ständiger WandelDer Verlauf der Bäche in Augsburg wurde immer den Bedürfnissender jeweiligen Epoche angepasst. So wurde zum Beispiel bis in die1870er Jahre darauf geachtet, dass in die Quellbäche kein Lechwassergelangt. Als mit der Eröffnung des Wasserwerkes am Hochablass imJahr 1879 das Zeitalter der Grundwasserbrunnen begann, verlorendie Quellbäche ihre ursprüngliche Funktion. Man führte nun beideBachsysteme - Quellbäche und Lechkanäle - an geeigneten Stellenzusammen. Auch die Namen der Bäche unterlagen einem ständigenWandel. Bei einem Vergleich mit historischen Karten wird das deutlich.So wurde der heutige Lochbach im 18. Jahrhundert als HaunstetterMühlbach und der Brunnenbach als Mittelbach bezeichnet.Bäche und Kanäle I 7


Lech früherFlussbettAue© NL© NLKiesbankQuellbächeLech heuteehemalige AueDammAueFlussbett Aue ehemalige AueUfersicherungDammtrockengefalleneQuellbächeGrundwasserGrundwasserNach der Begradigung des Lechs hat sich das Flussbett immer weiter eingetieft. Dies führte zu einer Absenkungdes Grundwasserspiegels und zum Trockenfallen vieler Quellbäche in der Flussaue.Der Lech ist heute in ein enges Korsett gezwängtWarum Bäche „trockenfallen“Nach dem verheerenden Hochwasser von 1910 begann man, diemächtige Gewalt des Lechs „einzudämmen“. Deichbauten zwängtendas ursprünglich mehrere hundert Meter breite Flussbett auf nur 50bis 80 Meter ein. Außerdem wurde der Flusslauf begradigt. Das Wasserfloss nun in einem schmalen Gerinne deutlich schneller, was zurFolge hatte, dass sich der Lech in den Untergrund grub. Die Situationverschärfte sich mit dem Bau der Staustufen. Sie unterbrachen dieKiesfracht aus den Bergen. Der Lech räumte mit jedem Hochwassersein Flussbett weiter aus. Da von oben kein Kies nachkam, hat er sichbis heute um bis zu sieben Meter in den Untergrund eingetieft.Trockengefallene ÖlbachquelleDie Auswirkungen dieses Prozesses sind vielseitig. Besondersproblematisch ist die Absenkung des Grundwasserspiegels. Sie führtdazu, dass Quellen und Bäche in flussnahen Bereichen austrocknenund somit wertvolle Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenartenverloren gehen. Die schrumpfende Siebenbrunner Quellflur oder dastrockengefallene Ziegelmoorbächlein im Stadtwald Augsburg sindBeispiele dafür.Der trockengefallene Branntweinbach im Augsburger Norden wirdinzwischen in einem kleinen Abschnitt wieder künstlich mit Wasserversorgt.8 I Bäche und Kanäle Bäche und Kanäle I 9


© NoL2. ArtensteckbriefeWir stellen Ihnen neun Arten vor, die Sie anunseren Bächen und Kanälen beobachtenkönnen. Weitere Artensteckbriefe finden Sieunter www.wasserleben-augsburg.de.10 I Bäche und KanäleSpitalbach in den Grünanlagen am Roten Tor11


Eisvogel(Alcedo atthis)Wasseramsel(Cinclus cinclus)© HWWussten Sie,dass der Eisvogel eineFluggeschwindigkeitvon 90 km/herreichen kann?Der „fliegende Edelstein“ lebt an klaren Gewässern. Er ernährt sichhauptsächlich von Klein- und Jungfischen. Spektakulär ist seineJagdmethode. Von einer Sitzwarte aus stößt er blitzschnell zu, indemer sich wie ein Pfeil ins Wasser stürzt. Dabei taucht er bis zu einenMeter tief. Nachdem er den Fisch gefangen hat, wird dieser mit demKopf voraus verschlungen.Neben geeigneten Ansitzwarten (über dem Wasser hängendeÄste) braucht der Eisvogel senkrechte Uferabbrüche. Hier baut derVogel seine Brutröhre. Leider sind solche Bedingungen durch dieVerschmutzung und den Verbau unserer Bäche und Flüsse seltengeworden. Deshalb gehört der Eisvogel heute zu den starkgefährdeten Vogelarten.In Augsburg ist der Eisvogel ein seltener, aber regelmäßiger Brutvogel.Etwas häufiger ist er im Winter anzutreffen, wenn auch Tiere ausnördlichen oder höher gelegenen Regionen zu uns ziehen. Mit etwasGlück kann man den Eisvogel sogar in der Innenstadt beobachten.Bemerkbar macht er sich vor allem durch seinen scharfen Pfiff.Die Wasseramsel ist ganzjährig an sauberen, schnell fließendenBächen und Flüssen zu Hause. Sie lebt von Wasserinsektenund deren Larven, die sie tauchend vom Gewässergrund pickt. WennWasseramseln auf einer Ansitzwarte sitzen, „knicksen“ sie ständig.Das sieht aus, als ob der Vogel ohne Unterlass Kniebeugen macht.Typische Brutplätze sind Nischen und Höhlungen in derUferböschung. Geeignete Nistmöglichkeiten befinden sich oftunter Brücken. Gerne werden auch Nistkästen angenommen.In Augsburg ist die Wasseramsel relativ häufig anzutreffen. GuteBeobachtungsmöglichkeiten bieten Bäche, in denen sich Sitzwarten(Wurzelstöcke, Steine) befinden. Wie der Eisvogel zeigt sich auch dieWasseramsel regelmäßig in der Innenstadt. Ihr Gesang istein anhaltendes, aber unauffälliges Geplapper, das oftvom Rauschen des Baches übertönt wird.© HWWussten Sie, dass die Wasseramsel der einzigeSingvogel in Europa ist, der seine Nahrung unterWasser sucht? Sie ist für ihre Tauchgänge äußerstgut angepasst. So hat sie zum Beispiel eine großeBürzeldrüse. Mit dem Sekret fettet sie ihr Gefiederregelmäßig ein und schützt es so vor Nässe.12 I ArtenArten I 13


Augsburger NordenDerchinger StraßeAindlinger StraßeS traßeSüdtiroler StraßeMeranerBlücherstraßeFriedberger StraßeMeringer Straße©Stadt Augsburg, Geodatenamt.Mühlhauser StraßeBerliner Alleer aßeNagahama-AlleeFriedberger StraßeHans -Böckler-StraßeJakoberwallstHaunstetter StraßeLandsberger StraßeDonauwörther StraßeRiedingerstraßeFrölichstraßeHermanstraßeStettenstraßeRosena u straßeGögginger StraßeSchertlinstraße16 I Arten Arten I 17Innenstadtund StadtwaldEichleitnerstraßeermeister-Müller-RingßeInninger Straße


Mühlkoppe(Cottus gobio)Biber(Castor fiber)© OKDie Mühlkoppe ist ein typischer Fisch klarer, sauerstoffreicher Bäche.Sie erreicht eine Länge von 15 cm. Ihre Tarnfarbe macht sie auf steinigemUntergrund nahezu unsichtbar.Der Biber ist fast an jedem Bach in Augsburg anzutreffen.Experten schätzen den Bestand im Stadtgebiet auf mindestens100 Tiere in mehr als 20 Revieren.© OKWussten Sie, dass Mühlkoppen schlechteSchwimmer sind? Weil sie keine Schwimmblasehaben, die ihnen Auftrieb verleiht, können sie sichnur am Gewässergrund aufhalten. Zur Fortbewegungdienen ihnen dort ihre kräftigenBrustflossen, mit denen sie sich gut abstoßenund festhalten können.Als Nahrung dienen der Mühlkoppe kleine Würmer und Wasserinsekten,die sie zwischen Steinen und Kieseln am Gewässergrundsucht. Hier legt das Weibchen auch seine Eier ab. Die Überwachungübernimmt das Männchen. Nach vier bis fünf Wochen schlüpfen dieJungfische. Gefährdet ist die Mühlkoppe vor allem durch den Verbauund die Verschmutzung unserer Gewässer.In Augsburg findet man den in Bayern selten gewordenen Fisch nochin fast allen Bächen und Kanälen. Bevorzugt werden allerdings Quellbächewie der Höhgraben, der Brunnenbach oder der Große Ölbach.Als reine Vegetarier ernähren sich Biber im Sommer von Gräsern,Kräutern und Wurzeln. Im Winter fressen sie Rinde und Knospenvorzugsweise von Weiden und Pappeln. Um an die schmackhaftenjungen Teile der Bäume zu kommen, nagen sie sie um. Dabei stellenselbst Bäume mit mehr als 80 cm Durchmesser kein Hindernis dar.Im Mai/Juni werden in der Biberburg ein bis drei Jungtiere geboren.Sie bleiben zwei Jahre im Familienverbund und helfen den Eltern imnächsten Jahr bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister.Biber bauen gerne Dämme. Auf diese Weise stauen sie Bäche auf,um bequem zu ihrer Nahrung schwimmen zu können. In Biberrevierenfinden viele Kröten und Frösche einen Laichplatz. Das wiederumist für Ringelnattern von Vorteil, da ständig Beute vorhanden ist.Weitere Nutznießer der Biberaktivitäten sind Libellen,Jungfische und Sumpfpflanzen.Wussten Sie, dass auf einem QuadratzentimeterBiberhaut mehr als 20.000 Haare wachsen? Damitist er gut gegen Kälte und Nässe geschützt. UnsMenschen wachsen maximal 300 Haare pro Quadratzentimeter– wenn überhaupt.Wenn Biber in der Nähe von Straßen, Bahnlinien, Parkanlagenoder landwirtschaftlichen Flächen aktiv sind, können sie auchSchäden verursachen.20 I ArtenArten I 21


© NoLWeiden(Salix spec.)Wussten Sie, dass geschälte, zerkleinerte undgetrocknete Weidenrinde im Altertum gegenSchmerzen, Fieber oder Rheuma eingesetztwurde? Der Wirkstoff ist die Salicyl-Säure.Sie wird heute synthetisch hergestellt undist Hauptwirkstoff vieler Schmerzmittel.© NLWeiden sind eine sehr arten- und formenreiche Pflanzengattung.Einige Arten, wie zum Beispiel die Silberweide, haben sich optimalan die Lebensraum-Bedingungen der Bach- und Flussauen angepasst.Ihre Wurzeln sind besonders kräftig, ihre Äste und Zweige sehrbiegsam und die Blätter äußerst schmal. Mit diesen Eigenschaftenhaben Silberweiden beste Chancen, reißende Überflutungen schadloszu überstehen. An Ufern von Bächen und Flüssen gehören sie deswegenzu den charakteristischen Baumarten.Typisch für unsere Region sind die Kopfweiden. Das ist keine Weidenartsondern eine besondere Wuchsform, die durch regelmäßigesSchneiden von Weidenruten entsteht. Früher wurden die Ruten zumKorbflechten genutzt. Mittlerweile gibt es diese Nutzungsform nurnoch selten. Weil speziell ältere Kopfweiden für zahlreiche selteneTierarten einen wichtigen Lebensraum darstellen, werden sie heutevon Naturschützern geschnitten und damit erhalten.3. BachsteckbriefeWir stellen Ihnen beispielhaft drei Bächeaus dem Naturschutzgebiet „StadtwaldAugsburg“ vor. Weitere Steckbriefe findenSie unter www.wasserleben-augsburg.de.Achten Sie bei Ihren Spaziergängen auchauf die Bachnamensschilder an den Brücken.Über den aufgedruckten QR-Code gelangenSie mit Ihrem Smartphone direkt zumpassenden Bachsteckbrief.24 I ArtenReichskanal im Siebentischwald25


BrunnenbachGrenzgrabenTypLängeVerlaufQuellbach10 kmDie Quelltöpfe befinden sich im südlichen Haunstetter Wald (Höhe Lautersee). Der Bach fließtin nördliche Richtung entlang der Westgrenze des Naturschutzgebietes „Stadtwald Augsburg“.Südlich von Siebenbrunn nimmt er den Jägerbach und den Ochsenbach (mittlerweiletrockengefallen) auf. Im Siebentischwald wird vom Brunnenbach ein Großteil des Wassers inden Zigeunerbach ausgeleitet. Der Brunnenbach verläuft weiter durch die Dürrenastheide,die Sportanlage Süd und die Kleingartenanlage am Rande des Siebentischparks bis in denSilbermannpark, wo er in den Lochbach mündet. Zuvor erhält er über den BrunnengrabenLechwasser aus dem Siebenbrunner Bach.Wissenswertes Der Brunnenbach ist wohl der wichtigste Quellbach in der Geschichte Augsburgs. Bis 1840floss er vom Gebiet des Silbermannparks parallel zum Lochbach bis zu den Wassertürmen amRoten Tor. Beide Bäche wurden durch eine Holzspundwand voneinander getrennt. Vom RotenTor aus wurde das Trinkwasser in die Stadt weiterverteilt. Unter anderem erhielten auch dieberühmten Augsburger Prachtbrunnen „Brunnenbach-Wasser“.Bacherlebnisorte Dürrenastheide südlich der Sportanlage SüdWiese am Alten Forsthaus nordwestlich von SiebenbrunnAquädukt am Roten TorZigeunerbachStempfleseeSiebenbrunner BachGenzgrabenTypLängeVerlaufWissenswertesQuellbach2,5 kmBacherlebnisorte GalgenablassGalgenwieseIm Gegensatz zu den meisten Bächen im Stadtwald verläuft der Grenzgraben nicht in Süd-Nord sondern in West-Ost-Richtung. Sein Wasser erhält der Grenzgraben aus dem Brunnenbach.Unweit vom Hochablass wird aus dem Grenzgraben der Reichskanal.Bis 1806 markierte der Grenzgraben die Grenze zwischen dem Kurfürstentum Bayern undder freien Reichsstadt Augsburg. Interessant ist der sogenannte Galgenablass. An diesem Ortwird ein Teil des Grenzgrabenwassers durch einen Düker (Rohrleitung) unter dem SiebenbrunnerBach durchgeleitet. Bis in die 1870er Jahre war das genau umgekehrt. Damals kreuzte derGrenzgraben an dieser Stelle den Siebenbrunner Bach über eine Brücke. Dann tiefte man denSiebenbrunner Bach für die Wasserkraftnutzung der Textilfabrik im Siebenbrunner Unterdorfein (größere Fallhöhe = mehr Energieausbeute). Um weiterhin das Quell- vom Lechwassertrennen zu können, musste der Düker angelegt werden.Etwas bachabwärts des Dükers stand einmal eine Schleuse, über den sich die Wassermengeim Siebenbrunner Bach regulieren lies. Der dafür nötige „Schütz“ (eine Bretterwand) war aneiner Vorrichtung „aufgehängt“, die einem Galgen glich. Der Name „Galgenablass“ beschreibtdiese wasserbauliche Einrichtung und nicht, wie manchmal behauptet, den Ort einer ehemaligen„Richtstätte“.ZigeunerbachStempfleseeSiebenbrunner BachBrunnenbach26 I SteckbriefSteckbrief I 27


© NL© NL© NL© NL© HJUmbau einer Sohlschwelle in eine Raue RampeTotholz im AumühlbachZusammenfluss von Lech- und QuellwasserVollsperrungen für Bach-WandererIm Stadtwald existieren zahlreiche künstlicheAbstürze (Querbauwerke). Für viele Gewässerorganismenstellen sie unüberwindbareHindernisse dar. Um die Bäche durchgängigzu machen, müssen die Abstürze in sogenannteRaue Rampen umgebaut werden.Das ist am Alten Floßgraben bereits passiert(siehe Bilder).Abwechslung ist gefragtViele Bachläufe sind sehr monoton. Durchdie Einbringung von Wurzelstöcken und Kieserhöht sich die Strukturvielfalt, und mit derAufweitung von Bachabschnitten entstehenwertvolle Flachwasserzonen. So lässt sich fürjeden Bachbewohner das richtige Wohnzimmereinrichten.Klar und sauber muss es bleibenViele Gewässerorganismen haben sich aufbesonderen Bedingungen der Quellbächespezialisiert. Durch die Zuleitung vonLechwasser verschlechtern sich für vieleArten die Lebensbedingungen. Quellbächeund Lechkanäle sollten deswegen möglichstwieder getrennt werden.30Augsburg-Pfersee von oben. Links im Bild: Wertach und WertachkanalArten I 31


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