Konnektoren im Deutschen und im Sprachvergleich. Beschreibung ...

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Studien zur Deutschen SpracheFORSCHUNGEN DES INSTITUTS FÜR DEUTSCHE SPRACHEGisella Ferraresi (Hrsg.)Konnektoren im Deutschenund im SprachvergleichBeschreibung und grammatische Analyse


STUDIEN ZUR DEUTSCHEN SPRACHE53


Studien zur Deutschen SpracheFORSCHUNGEN DES INSTITUTS FÜR DEUTSCHE SPRACHEHerausgegeben vonArnulf Deppermann, Stefan Engelberg und Ulrich Hermann WaßnerBand 53


Gisella Ferraresi (Hrsg.)Konnektoren im Deutschenund im SprachvergleichBeschreibung und grammatische Analyse


Redaktion: Franz Josef BerensBibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detailliertebibliografische Daten sind im Internet über abrufbar.© 2011 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KGDischingerweg 5 · D-72070 TübingenDas Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwer tung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzu lässig und strafbar. Das gilt insbesonderefür Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro ver fil mun gen und die Einspeicherung und Ver arbeitung inelektronischen Systemen.Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier.Internet: http://www.narr.deE-Mail: info@narr.deSatz: Volz, MannheimDruck und Bindung: Hubert & Co., GöttingenPrinted in GermanyISSN 0949-409XISBN 978-3-8233-6558-7


InhaltGisella FerraresiKonnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln:Einleitende Bemerkungen ............................................................................... 7Eva BreindlNach Rom freilich führen viele Wege.Zur Interaktion von Informationsstruktur, Diskursstrukturund Prosodie bei der Besetzung der Nacherstposition .................................. 17Ulrich Hermann WaßnerAusdrucksalternativen bei Konnektoren – Varianten oder Fehler?Protokoll eines fiktiven Gesprächs ............................................................... 57Daniel SchnorbuschKomplexe Konnektoren – eine Annäherung ................................................. 99Anna VolodinaSweetsers Drei-Ebenen-Theorie: Theoretische Überlegungenvor dem Hintergrund einer korpuslinguistischen Studie überkonditionale und kausale Relationen .......................................................... 127Karin PittnerSubsidiäre Begründungen ........................................................................... 157Manuela Caterina MoroniZur nicht-modalen und modalen Lesart von schon ..................................... 183Miriam Ravetto / Hardarik BlühdornDie Kausalkonnektoren denn, weil, da im Deutschenund poichè, perchè, siccome im Italienischen ............................................. 207Giancarmine BongoKonnektoren in der deutschen und in der italienischenWissenschaftssprache (am Beispiel der Einleitungenzu wissenschaftlichen Zeitschriftenaufsätzen) ............................................ 251


6InhaltSilvia Dal NegroSatzverknüpfungen im Kontakt: Italienisches che im Walserdeutschen..... 289Michail L. KotinKonnektoren als prototypische Tempusmarker.Versuch einer kognitivistisch basierten Reanalyse ..................................... 311Gisella FerraresiDas Vorfeld als Baustelle im Deutschen. Zyklischer Wandelund Variation bei Adverbkonnektoren ........................................................ 325


Gisella FerraresiKonnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln:Einleitende BemerkungenDen Leitfaden dieses Bandes bildet das Thema ‘Konnektoren’, das sich inletzter Zeit sowohl in funktionalen als auch in formalen Arbeiten eines erneutenInteresses erfreut – auch dank der zahlreichen Publikationen des Institutsfür Deutsche Sprache wie dem Handbuch der deutschen Konnektoren vonPasch u.a. (2003), auf das viele der Beiträge dieses Bandes selbst Bezug nehmen.Das Hauptanliegen in diesem Band besteht in dem Bemühen, einen weitenBlickwinkel anzubieten – sowohl hinsichtlich des theoretischen Rahmens,in dem die einzelnen Beiträge entstanden sind, als auch der Auswahl der einzelnenSchwerpunkte. Neben Aufsätzen, die sich mit theoretischen Fragenbefassen (Breindl, Waßner, Moroni, Volodina, Pittner, Schnorbusch), findenhier auch die diachrone (Ferraresi, Dal Negro, Kotin) und die sprachvergleichendePerspektive (Ravetto / Blühdorn, Bongo) Beachtung.Um der Mehrdimensionalität der Konnektorenthematik Rechnung zu tragen,ist die Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte der Konnektorenforschungunumgänglich, die erst zu einem vollständigen Verständnis dieses facettenreichenThemenbereichs der Grammatik führen kann. Zu den theoretischen Fragengehören solche, die sich – wie in Fabricius-Hansen (2011) angerissen –mit den syntaktischen und semantischen Eigenschaften von Satzverknüpfungen– asyndetisch, konjunktional und adverbial – befassen, wobei die Terminologieein erstes Hindernis darstellt. Der Terminus ‘Satz’ im engeren Sinn bedeutetden Ausschluss von Verknüpfungen auf anderen Ebenen als der propositionalen,auf denen beispielsweise kausale oder konditionale Verbindungeninterpretiert werden können: In einem Satz wie (1) wird beispielsweise mitdem wenn-Konditionalsatz die Einstellung des Sprechers geäußert und mitdem Hauptsatz verknüpft, eine Ebene, die abstrakter ist als die reine propositionaleVerknüpfung:(1) Wenn ich es offen sagen darf, halte ich das Ganze für einen Schwindel(aus Pittner 2000, ex. 13b)Verberstkausalsätze mit doch – Thema von Pittners Beitrag – werden in Zifonun/ Hoffmann / Strecker u.a. (1997) als Kommentierung auf der Ebene desModus dicendi, worunter diese Autoren epistemische und sprechaktbezogeneBezüge subsumieren, beschrieben. Pittner allerdings merkt an, dass bei uneingeleitetenNebensätzen der Sprechaktbezug gar nicht möglich ist, und dass


8Gisella FerraresiZifonun / Hoffmann / Strecker (1997) dieses Faktum schlichtweg ignorieren.Wie bei Verberstkausalsätzen ist ein Sprechaktbezug auch bei Verberstkonditionalsätzennicht möglich.Syntaktisch könnte man im Falle von sprechaktbezogenen Kausal- oder Konditionalsätzenauf die Verknüpfung auf einer höheren Ebene zurückgreifen –wie beispielsweise von Haegemann (2009) vorgeschlagen.Ein weiterer Fragekomplex im terminologischen Bereich betrifft die Begriffe‘Nacherst-’, ‘Vorerst-’ und ‘Nullstelle’, wie sie in Pasch u.a. (2003) und denVeröffentlichungen der IDS-Mitarbeiter verwendet werden. Die ersten beidendieser drei syntaktischen Positionen entsprechen im topologischen Modell jeweilsdem Vorfeld und die dritte dem Vor-Vorfeld. Durch diese Terminologiewird aber nicht explizit gemacht, ob das Element im Vorfeld mit dem Konnektoreine einzige Konstituente bildet oder nicht. Dürscheid (1989, S. 26) z.B.spricht sich für zwei Konstituenten aus. Breindl (in diesem Band) hingegenanalysiert den Komplex XP-Konnektor in der Nacherstposition als Konstruktionim Sinne von Goldberg (1995). Ferraresi (2008a, 2008b, 2010, in diesemBand) geht diese Frage aus der diachronen Perspektive an. Diachron betrachtetkann man nämlich die Entwicklung im Ausbau dieser peripheren Positionensehr deutlich erkennen – wie im Beitrag von Ferraresi diskutiert – unddaraus zum Schluss kommen, dass die diachrone Perspektive zur Mehrdimensionalitätder Konnektorenforschung entscheidend beiträgt. In seinem Beitragstellt Kotin (in diesem Band) deutlich dar, dass der Funktionsleistung vielerKonnektoren das temporale Konzept zugrunde liegt, das teilweise noch in derLesart vorhanden ist.Die diachrone Perspektive erlaubt es auch, interessante und wichtige Korrelationenaufzudecken. Aus der Kontaktforschung ist z.B. bekannt, dass Konnektorensehr häufig zu den ersten Elementen gehören, die entlehnt werden. Diesgeschieht in vielen Fällen in einer geordneten Abfolge. So stellt Dal Negro (indiesem Band) die Implikation „unterordnende Konjunktion koordinierendeKonjunktion Diskurspartikel“ auf, die die Autorin durch eine präzise empirischeStudie zur Konjunktion che in drei walserdeutschen Dialekten belegt.Als problematisch erweist sich auch die Klassifizierung einiger Elemente alsKonnektoren; zu diesen gehört doch, das im Handbuch eine Sonderstellungeinnimmt. In Pittner (in diesem Band) wird anhand der so genannten Verberst-Kausalsätze, in denen die kausale Lesart durch das Zusammenspiel von Verbstellungund Semantik der Modalpartikel kompositional zustande kommt, dagegenargumentiert. Auch Schnorbusch (in diesem Band) will mit seinem


Konnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln 9Beitrag eine eingehendere Diskussion anregen in Bezug auf die Exklusionsolcher komplexer Ausdrücke wie im Hinblick darauf, dass / unter der Voraussetzung,dass aus der Klasse der Konnektoren. Sie verbinden genausowie andere Konnektoren Propositionen, teilen aber mit Präpositionen dieEigenschaft der Kasuszuweisung. Im heutigen Deutsch scheinen mehrerekomplexe Präpositionen teilweise grammatikalisiert zu sein (vgl. Di Meola2005). Deshalb erscheint es nicht abwegig, solche komplexen Konjunktionenals Konnektoren zu klassifizieren. Lexikologisch stellt sich natürlich dieFrage, ab wann ein komplexer Ausdruck in die Wörterbücher aufgenommenwerden soll.Ein weiterer, wichtiger Aspekt betrifft die Relation zwischen Norm und Gebrauch,die Waßner (in diesem Band) anhand von Konnektoren mit konzessiverSemantik wie nichtsdestotrotz, nichtsdestoweniger und nichtsdestominderausführlich diskutiert. Ist das, was man in den Korpusdaten findet, relevant fürdie Feststellung der Norm?Die terminologische Diskussion wird nicht nur in der germanistischen Linguistikgeführt. Für andere Sprachen stellt sich ebenso die Frage, ob die für dasDeutsche festgelegten Klassifikationskriterien prinzipiell auf Konnektoren inanderen Sprachen anwendbar sind – selbstverständlich unter Ausschluss solcher,die deutschspezifisch sind, wie z.B. des topologischen Kriteriums. WieBongo (in diesem Band) allerdings deutlich macht, bleibt dies ein kompliziertesUnterfangen. Der einzige Ausweg ist eine detaillierte, konnektorenspezifische,sprachvergleichende empirische Untersuchung, wie sie Ravetto / Blühdorn(in diesem Band) in ihrer Studie zu ausgewählten Kausalkonnektoren imDeutschen und im Italienischen vorantreiben.Zu den Fragen, die im semantisch-pragmatischen Bereich diskutiert werden,gehören solche wie die in Breindl (in diesem Band) und Moroni (in diesemBand), welche Kategorien genau für eine präzise Beschreibung benötigt werden,z.B. wie feinkörnig die Definition von Topik oder von Modalität seinmuss, um zunächst nur einen deskriptiv adäquaten Ansatz für die Verwendungvon Konnektoren zu liefern.Nun zu den einzelnen Beiträgen dieses Bandes:Eva Breindl konzentriert sich in dem Beitrag „Nach Rom freilich führen vieleWege. Zur Interaktion von Informationsstruktur, Diskursstruktur und Prosodiebei der Besetzung der Nacherstposition“ auf die Nacherstposition, wie diePosition direkt nach dem ersten Element im Satz im Handbuch der deutschenKonnektoren bezeichnet wird. Diese Bezeichnung ist weitgehend neutral so-


10Gisella Ferraresiwohl in syntaxtheoretischem Sinn als auch in Bezug auf die Funktion derElemente in dieser Position. Breindl analysiert deswegen die Abfolge XP-Konnektor in präverbaler Position als Konstruktion im Sinne von Goldberg(1995) und begründet ihre Entscheidung mit der Unmöglichkeit der kompositionellenAbleitung dieser Abfolge. Das Konnektorelement dient nämlichweiterhin der Verknüpfung, markiert aber in dieser Stellung Topikwechsel.„Topikwechsel durch Adverbkonnektoren in der Nacherstposition“ (TAN-Konstruktion genannt) wird im weiteren detailliert diskutiert. In dem Beitragwerden die nacherstfähigen Konnektoren auf ihre semantischen und syntaktischenEigenschaften untersucht, und gleichzeitig werden die Unterschiede zuFokuspartikeln und Adverbien herausgestellt, um zu der Schlussfolgerung zukommen, dass die TAN-Konstruktion insbesondere in der geschriebenenSprache die eindeutige Signalisierung des Topikwechsels für den Leser erleichternsoll.Ulrich Waßners Beitrag „Ausdrucksalternativen bei Konnektoren – Variantenoder Fehler? Protokoll eines fiktiven Gesprächs“ ist in dialogischer Formverfasst. Es handelt sich um eine Diskussion zwischen einem Sprachwissenschaftler,mehreren als Laien bezeichneten Personen und einer „Korpus“-Instanzüber didaktische und sprachkritische Aspekte der Verwendung von Konnektorenmit konzessiver Semantik wie nichtsdestotrotz, nichtsdestowenigeroder nichtsdestominder. Ein weiterer Gesprächsteilnehmer ist der „Moderator“.Die Diskussion bewegt sich vor allem um die Frage, welche Vorgehensweisewichtiger sei, die Deskription oder die Präskription. Die Figur des„Sprachwissenschaftlers“ verteidigt den ersten Standpunkt, die „Laien“stehen für das „System“. Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die Korrelationzwischen dem aus der Generativen Grammatik stammenden Kompetenzprinzipund dem in der Korpuslinguistik viel diskutierten Häufigkeitsfaktor.Miriam Ravetto und Hardarik Blühdorn untersuchen in ihrem Beitrag „DieKausalkonjunktionen denn, weil, da im Deutschen und perchè, poichè, siccomeim Italienischen“ kausale, durch denn, weil und da eingeführte Satzverknüpfungenim Deutschen anhand eines Korpus aus verschiedenen Textsortenund vergleichen sie mit den entsprechenden Konstruktionen im Italienischen,insbesondere mit perchè-, poichè- und siccome-Sätzen. Im Zentrum der Untersuchungsteht die Interaktion mit der Informationsstruktur sowie die syntaktischeLinearisierung und Hierarchisierung der verknüpften Teilsätze unddie semantische Interpretierbarkeit der Verknüpfung. Die Ergebnisse zeigen,dass konjunktionale Kausalverknüpfungen im Deutschen und Italienischenähnliche semantische Eigenschaften aufweisen, aber recht unterschiedliche


Konnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln 11syntaktische und informationsstrukturelle Merkmale. Die größte Ähnlichkeitbesteht zwischen weil und perché, das aber auch Gemeinsamkeiten mit dennzeigt. Da scheint hingegen mehr semantische Affinität zu poiché und siccomezu haben. Gut 70% der Belege im Deutschen weisen die Nachstellung desKausalsatzes auf. In den italienischen Belegen sind dagegen ca. 60% der Kausalsätzevorangestellt. Die Autoren machen vor allem informationsstrukturelleFaktoren dafür verantwortlich: im Italienischen wird die Voranstellung thematischerAusdrücke viel häufiger eingesetzt als im Deutschen.Manuela Moronis korpusgestützte Studie „Zur nicht-modalen und modalenLesart von schon“ untersucht die für die unterschiedlichen Lesarten verantwortlichensyntaktischen und semantischen Faktoren. Die Autorin unterscheidetdie verschiedenen Varianten von schon auf der Basis von Löbners (1990)‘Grenzüberschreitung’, die sie auf verschiedenen Ebenen annimmt. Im Fallvon schon als Adverbkonnektor bzw. Fokuspartikel handelt es sich um dieGrenzüberschreitung von einem temporalen Auswertungskontext zu einemanderen: hier operiert schon auf der Faktizitätsebene und wird nicht-modalgelesen. Die Daten zeigen auch, dass schon nicht-modal interpretiert wird,wenn es mit Zeitangaben bzw. Skalen assoziiert wird. In diesem Fall stehtschon in Distanzstellung, einer Position, die der der Fokuspartikel im engerenSinne entspricht. Bei der Grenzüberschreitung von einem epistemischen Auswertungskontext(dem eines hypothetischen Adressaten) zu dem des Sprecherswird schon modal gelesen. Die wichtigste Rolle bei der Interpretationvon schon spielt die syntaktische Position. Das Vorfeld und das Nachfeld erlaubennur die nicht-modale Lesart. Im Mittelfeld kann schon sowohl nichtmodalals auch modal interpretiert werden. Hierfür ist die aspektuelle Umgebungrelevant.„Sweetsers Drei-Ebenen-Theorie: Theoretische Überlegungen vor dem Hintergrundeiner korpuslinguistischen Studie über konditionale und kausale Relationen“von Anna Volodina überprüft für das Deutsche Sweetsers (1990)Korrelation zwischen den drei Ebenen – ‘content level (A)’, ‘epistemic level(B)’ und ‘speech act level (C)’ – und syntaktischen sowie prosodischen Eigenschaften.Anhand von Explizitversionen der nach Sweetser metaphorisch induziertenInterpretationen versucht die Autorin, die Ebenenunterscheidung zuoperationalisieren. Ihr Vorschlag besteht in einer dreistufigen Skala der syntaktischenund einer zweistufigen der prosodischen Integration kausaler undkonditionaler Konstruktionen, auf der Basis derer sie die Integriertheit derKonstruktionstypen in beiden Dimensionen auf den angenommenenSweetser'schen Ebenen vergleicht. Kausale Konstruktionen sind nach ihren


12Gisella FerraresiErgebnissen syntaktisch / prosodisch auf den Ebenen B und C in ähnlicherWeise kodiert, während die konditionalen Gegenstücke eine ähnliche Kodierungauf den Ebenen A und B zeigen. Den unterschiedlichen sprachlichenKodierungsweisen liegen Volodina zufolge „allgemeine pragmatische Eigenschaften“zugrunde, die sie in Unterschieden der Informations- und Sprechaktstrukturwähnt.In seinem Beitrag „Konnektoren in der deutschen und in der italienischenWissenschaftssprache (am Beispiel der Einleitungen zu wissenschaftlichenZeitschriftenaufsätzen)“ diskutiert Giancarmine Bongo zunächst die verschiedenenDefinitionen von ‘Konnektor’ / ‘connettivo’, wie sie in der italienischenLiteratur vorgeschlagen werden, um zu einem vergleichbaren Konzeptzu gelangen. Im zentralen Teil des Beitrags werden die Ergebnisse einer empirischenUntersuchung zur semantischen Funktion von Konnektoren in einemKorpus aus Einleitungen wissenschaftlicher Aufsätze vorgestellt. Dasuntersuchte Korpus besteht aus 20 deutschen und 20 italienischen Texten mitinsgesamt ca. 10 000 laufenden Textwörtern für jede der beiden Sprachen. Zugrundegelegt wurde ein Kategorienraster in Anlehnung an die Klassifikationender Dudengrammatik (Duden 2005, S. 1085) und von Blühdorn / Breindl /Waßner (Hg.) (2004). Mithilfe des Differenzparameters ‘Symmetrische Relation’wurden die Daten klassifiziert. Anhand dieser Neuklassifizierung ergabsich, dass die symmetrischen Relationen überwiegen, was an der speziellenText sorte liegen dürfte.Im Mittelpunkt von Karin Pittners Beitrag „Subsidiäre Begründungen“ stehenso genannte Verberst-Kausalsätze. Es sind Sätze mit Verberststellung unddoch im Mittelfeld, denen eine kausale Lesart zukommt, wie „Aufschlussreichsind Haiders Ausfälle allemal. Bestätigt er doch einmal mehr sein originellesDemokratieverständnis: [...]“ (St. Galler Tageblatt 2001, aus Pittner indiesem Band). Pittners Analyse für doch als Modalpartikel stellt sich gegendie Hypothese im Handbuch der deutschen Konnektoren, dass doch ein Konnektorsei. Sie schlägt stattdessen eine kompositionelle Analyse vor, in der diekausale Lesart durch verschiedene Faktoren wie Verbstellung und lexikalischeSemantik zustande kommt. Die Funktion dieses Kausalsatztyps ist subsidiär:Damit werden Informationen als Argumentationsstütze der vorangehendenSprechhandlung ausgedrückt. Subordiniert sind sie deshalb nur pragmatisch,aber nicht syntaktisch.Im Beitrag „Komplexe Konnektoren – Eine Annäherung“ von Daniel Schnorbuschwerden Ausdrücke wie im Hinblick darauf, dass / unter der Voraussetzung,dass – die aus mehreren lexikalischen, teilweise flektierbaren Teilen


Konnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln 13bestehen und die sich aus so genannten phraseologischen Präpositionen zusammensetzen– als ‘komplexe Konnektoren’ analysiert, entgegen der Positionder Standardliteratur, in der man keine einheitliche Bezeichnung findet.Dies zeigt Schnorbusch anhand der Widerlegung dreier Argumente, die nachdem Handbuch der deutschen Konnektoren gegen den Status dieser Ausdrückeals Konnektoren sprechen. Das Argument, dass Konnektoren keinen Kasusregieren können, ist nicht haltbar, denn Präpositionen und Konnektorensind Kategorien unterschiedlicher Ebenen. Das zweite Argument, die Forderungnach Finitheit des Verbs, ist unmotiviert. Eine zeitliche Situierung einerSatzbedeutung kann nämlich auf vielfältige und keineswegs allein nur aufflexionsmorphologische Weise geschehen. Das dritte Argument, komplexePräpositionen weisen den Kasus auf eine andere Art zu als einfache Präpositi-(2003) folgend schlägt Schnorbusch eine Raising-Struktur vor, in der das ersteNomen zunächst mit der ersten Präposition eine Konstituente bildet, an diedann das Komplement des ersten Nomens angebunden wird. Dies modelliertSchnorbusch in seiner Analyse nach den syntaktischen Prinzipien der HPSG.Silvia Dal Negro untersucht in ihrem Beitrag „Satzverknüpfung in Kontakt:Italienisches che im Walserdeutschen“ die subordinierende Konjunktion cheim Walserdeutschen, einer alemannischbasierten Kontaktsprache, die vondeutschen Sprachminderheiten in nordwestitalienischen Regionen gesprochenwird. Anhand einer Korpusuntersuchung an den Dialekten von Formazzaund Rimella in Piemont und von Issime im Aostatal diskutiert die Autorindie verschiedenen Funktionen des italienischen polyfunktionalen Konnektorsche als einfacher oder zusammengesetzter Konjunktion. Diese ersetzt – in unterschiedlichemGrade bei einzelnen Dialekten und Sprechern – in verschiedenenSatztypen den deutschen Konnektor dass. Damit verbunden sind auchsyntaktische Veränderungen wie im Bereich der Verbstellung. Dal Negro stelltschließlich die Hierarchie „eingebettete Unterordnung > nicht-eingebetteteUnterordnung > Beiordnung > Diskurspartikeln“ auf.Michail Kotin diskutiert in seinem Beitrag „Konnektoren als prototypischeTempusmarker. Versuch einer kognitivistisch basierten Reanalyse“ die ursprünglicheFunktion konjunktionaler Konnektoren und stellt die These auf,dass sich die prototypische Funktionsgeltung einer konjunktionalen Verknüpfungunmittelbar aus der Versprachlichung des Zeitkonzepts ergibt. Die vonihm betrachteten Konnektoren sind primär Tempusmarker, die als Signale derSatzlinearität interpretiert werden, die durch die temporale Abfolge ikonischabgebildet wird. Die Konnektoren sind nach Kotin auf der Ebene der Prädika-

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