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Yetisuche im Labor Mit Haaren, Knochen und Genetik - WDR 5

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1Leonardo - Wissenschaft und mehrSendedatum: 25. Oktober 2013Schwerpunkt: Yetisuche im LaborMit Haaren, Knochen und Genetikvon Michael StangAtmo: heftiger Wind und MusikSprecherin:1951 in Nepal. Der britische Bergsteiger Eric Shipton entdeckt bei seiner Himalaja-Tour in einer Höhe von 6 000 Metern riesige, menschenartige Fußabdrücke. Zuerstim Schnee, später auch auf einem Gletscher. Er verfolgt die Spur, doch verliert sie.Shipton fotografiert die Abrücke.Zwei Jahre später besteigen Edmund Hillary und Tenzing Norgay als ersteMenschen den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Auch sie stoßen aufgroße Fußspuren, die von einem Yeti stammen sollen. Hillary widmet sich bis zuseinem Tod 2008 der Suche nach dem sagenumwobenen Schneemenschen. Einenoffiziell anerkannten Beweis, dass der Yeti tatsächlich existiert, kann Hillary jedochnie erbringen.Atmo: Wind, geht in Schritt und Gespräch überSprecher:Das Museum für Zoologie im schweizerischen Lausanne befindet sich an einem derhöchsten Punkte der Stadt. Der Weg vom tief im Tal gelegenen Hauptbahnhof iststeil, aber die Besucher nehmen den Weg bergan gern auf sich, sagtMuseumsdirektor Michel Sartori. Schließlich können sie hier viele Ausstellungensehen. Eine besondere Sammlung bekommen sie aber nicht zu Gesicht, dieSammlung des Kryptozoologen Bernard Heuvelmans. Er wird auch als Vater derKryptozoologie bezeichnet, dem Gebiet der Zoologie, das vor dem Menschen© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


3O-Ton:„He wrote on the travel that he has…”O-Ton Übersetzung:„Heuvelmans hat viel auf Reisen geschrieben, das hier etwa bei seinen Tripnach Indien. Er schreibt hier über all die seltsamen Tiere, die er gesehen hatoder von denen ihm berichtet wurde, vor allem über diese Affenmenschen.Also diese ganzen Unterlagen sind alles handschriftliche Aufzeichnungenvon Heuvelmans selbst, es ist eine unglaubliche Menge an Material.“Sprecher:Heuvelmans starb 2001. Schon zu Lebzeiten vermachte er dem Museum inLausanne eine Sammlung, die er in mehr als 50 Jahren akribischer Arbeitzusammengetragen hatte. Man müsse sie als Teil der Wissenschaft begreifen, auchwenn viele dies nicht wahrhaben wollen, so Michel Sartori. Immerhin warHeuvelmann Forscher. Er hatte einen Doktorgrad in Biologie erworben, Zeit seinesLebens jedoch nie eine universitäre Anstellung erhalten.O-Ton:„And up to the collection of the data…”O-Ton Übersetzung:„Schaut man sich die ganze Sammlung und die Daten an, das ist alles sehrwissenschaftlich akkurat zusammengetragen. Kurios sind aber seineSchlussfolgerungen. Er geht davon aus, dass es keinen physischen Beweisdes Yetis in Form eines toten Körpers im Museum bedarf, um seine Existenzzu belegen. Und das ist das Hauptproblem.”Sprecherin:Der Bigfoot lebt! Ein 16-mm-Film liefert 1967 den Beweis. Roger Patterson undRobert Gimlin zeigen darin ein riesiges, behaartes Wesen. Es ist wohl eher einMensch im Affenkostüm, meinen viele sofort. Auch Forscher Michael Wallace kannnicht überzeugen: Er entdeckt zwar mehrfach Bigfoot-Fußspuren – aber sie stammenvon ihm selbst. Wallace’ Sohn gibt 2002 zu Protokoll, dass sein Vater die Spuren mitaus Holz geschnitzten Füßen gelegt und so die Öffentlichkeit getäuscht habe.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


4Sprecher:Bigfoot nennt man die sagenumwobenen Waldmenschen in Nordamerika, vom Yetispricht man in Asien, im Kaukasus werden Geschichten über die Almati erzählt. Ummit den Spekulationen über all diese Wesen endgültig aufzuräumen, hat ForscherMichel Sartori ein Projekt gestartet. Zusammen mit dem britischen Genetiker BryanSykes aus Oxford gab er im Mai 2012 eine Pressemitteilung zum sogenannten„Oxford-Lausanne Kollateral-Hominden-Projekt“ heraus. Darin laden die beidenWissenschaftler Institutionen und Privatpersonen auf der ganzen Welt ein, ihnen beider Suche nach der genetischen Verwandtschaft zwischen unserer eigenen ArtHomo sapiens und anderen Menschenformen zu helfen. Dazu sollen Haar- oderZahnproben von unbeschriebenen Lebensformen oder Kryptiden für eine genetischeSpezies-Analyse geschickt werden, samt dokumentierter Fundgeschichte. Damitwollen die Forscher erstmals systematisch die angeblichen Beweise für die Existenzvon Yeti, Bigfoot & Co untersuchen. Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt:Probensammlung, genetische Analyse und Veröffentlichung der Ergebnisse.O-Ton:„We get answers and we get much more answers…”O-Ton Übersetzung:„Wir haben schon viele Rückmeldungen bekommen und zwar gleich mehr alswir uns erhofft hatten. Aus diesen Dutzenden Antworten suchen wir nun dieerfolgversprechenden heraus, diese Haare sollen dann gleich nach Oxfordzu Untersuchungen ins Labor geschickt werden.“Sprecher:Das Projekt läuft besser als erhofft, sagt Michel Sartori. Der Aufruf, ihm und BryanSykes angebliche Yeti-Proben zu schicken, sei jetzt schon ein Erfolg.O-Ton:„Some of the names were known to me…”O-Ton Übersetzung:„Einige der Leute, die uns geantwortet haben, sind mir bekannt. Ich bin jaaber kein Kryptozoologe und lese auch nicht alles, was da veröffentlicht wird,© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


6Schwindel auf. Es stellt sich heraus: In der Gefriertruhe liegt wieder nur ein Bigfoot-Kostüm.Sprecher:Michel Sartori arbeitet nicht allein im Heuvelmansarchiv. Bryan Sykes ist für ein paarTage aus Oxford nach Lausanne gekommen, um den Fortgang des Projekts zudiskutieren. Für den britischen Genetiker ist dies nicht die erste Begegnung mitvermeintlichen Yeti-BeweisenO-Ton:„Ten years ago my lab did analyze some…”O-Ton Übersetzung:„Vor zehn Jahren haben wir in meinem Labor in Oxford Haare eines Yetiuntersucht und zwar die vom so genannten Migyur aus Butan, zweiHaarproben waren das. Und bei der ersten Analyse war das Ergebnis, dasses sich um Menschenhaar handelt. Also haben wir unsere Analyse verfeinert,um sämtliche Verunreinigungen von Menschen aus der Probe zu entfernenund siehe da: Es war kein Mensch, sondern einmal das Haar einesBraunbären, das andere Haar stammte von einem asiatischenSchwarzbären.“Sprecher:Es sei mitunter gar nicht so leicht, die Verunreinigung von den Haaren zu entfernen.Befragungen haben gezeigt, dass oft mehr als 15 verschiedene Menschen solcheHaare angefasst hätten und jeder hinterlässt Hautschuppen daran. Heute würde ihmein solches zweifelhaftes Ergebnis aber nicht mehr unterkommen.O-Ton:„I am particularly keen to examine hair sample…”O-Ton Übersetzung:„Ich bin zunächst sehr an Haarproben interessiert, weil ich zusammen mitmeinen Kollegen in den vergangen Jahren eine Methode entwickelt habe, mitder wir DNA-Untersuchungen am Haar machen können, auch wenn dieHaarwurzel fehlt. Wir können dabei alle Verunreinigungen, die außenanhaften, entfernen und dann das Erbmaterial untersuchen, welches sich imInneren des Haares befindet.“© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


7Sprecher:Bei der Methode wird das Haar zunächst gereinigt. Je nach Zustand und Menge derHaare kann das mit Wasser und Seife geschehen, meist werden noch chemischeHilfsmittel wie Chlorbleiche zu Hilfe genommen. Alternativ kann man die Haare auchmit UV-Licht bestrahlen. Zunächst möchte Bryan Sykes nur die ringförmigeMitochondrien-DNA untersuchen, die von der Mutter auf ihre Kinder vererbt wird.Allenfalls bei kniffligen Ergebnissen will er gegebenenfalls die Zellkern-DNAhinzuziehen, in der sich Informationen von Vater und Mutter wieder finden und diedaher Belege liefern könnte für Mischwesen zwischen Mensch und Yeti.O-Ton:„It is unlikely we’ll find a new species…”O-Ton Übersetzung:„Es ist unwahrscheinlich, dass wir bislang unbekannte Lebewesen entdeckenwerden, aber das wissen wir ja erst hinterher. Ich bin aber sehr gespannt aufdie Proben und möchte gerne wissen, von was für Tieren die Haare dieserangeblichen Mischwesen stammen. Das ist eigentlich mein Hauptantrieb fürdieses Projekt.“Sprecher:Mithilfe moderner Methoden sei es möglich, Mythen auf den Grund zu gehen. DurchBestätigung – oder durch Ausschluss. Sollten alle Proben nicht von unbekanntenWesen stammen, sondern von Ziegen, Bären oder Menschen, könne man immerhinsagen: Yetis und Bigfoots sind Fabelwesen.Sprecherin:2005 startet das Erickson Project. Es soll die Existenz des kanadischen Sasquatchbeweisen. Der Name bedeutet in der Sprache der dortigen Ureinwohner soviel wie„stark behaarter Mensch“. Anhand von Videos, Audioaufnahmen und DNA-Probenwill der amerikanische Millionär Adrian Erickson die letzten Zweifel ausräumen. Anmindestens vier Orten in den USA und Kanada konnte er eigenen Angaben zufolgeschon Proben nehmen und den kanadischen Bigfoot filmen. Mit im Boot ist auch die© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


8Genetikerin Melba Ketchum aus Texas. Seit mehreren Jahren spricht sie davon,dass Ergebnisse von Bigfoot-Haar-Analysen vorliegen und schon bald veröffentlichtwerden sollen. Ihre Beweise seien eindeutig – gut genug, um einen Schutz dieserSpezies zu organisieren.Sprecher:Alte Haare und Knochen untersucht auch Joachim Burger von der Universität Mainz.Er leitet die Arbeitsgruppe Paläogenetik. Das Yeti-Projekt aus Lausanne und Oxfordbetrachtet er allerdings mit einer gewissen Skepsis.O-Ton:„In der Regel sind solche Museumsstücke durch so viele Hände gegangen,dass sie unglaublich verunreinigt sind, eben durch menschlicheVerunreinigung. Also, wenn der Kollege in England dann eines Tages dortmenschliche Mischwesen oder altertümliche Menschenformen feststellenwird, dann sollte er wahrscheinlich eher wieder zurück ins Labor und nochmal gründlich säubern.“Sprecher:An der von Bryan Sykes eingesetzten Technik sei an sich nichts zu bemängeln. DasKeratin schützt die wenigen DNA-Moleküle im Inneren eines Haares, sodass eseigentlich relativ gut schon allein mechanisch von Verunreinigungen gesäubertwerden kann. Aber auch wenn eine Probe eine interessante Geschichte hat, stelltsich für Joachim Burger die Frage nach der wissenschaftlichen Relevanz einessolchen Projekts.O-Ton:„Ich befürchte lediglich, dass dort Fragen aufgegriffen sind, die vonzoologischer Seite überhaupt gar keine Fragen mehr sind, sondern eherboulevardhafte Züge in sich tragen und vielleicht in der Öffentlichkeit nochInteresse finden, aber von ernsthaften Zoologen eigentlich gar nie diskutiertwurden.“Sprecher:Diese Bedenken kennt der britische Genetiker Bryan Sykes aus Oxford zur Genüge© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


9– und sie haben ihn nicht kalt gelassen.O-Ton:„I certainly wouldn’t have done it 20 years ago…”O-Ton Übersetzung:„Mit Sicherheit hätte mich an ein solches Projekt vor 20 Jahren noch nichtgewagt, weil es sehr riskant ist und viele Kollegen sagen, dass ein seriöserWissenschaftler so etwa nicht macht. Aber andererseits sagen viele Leute‚Warum nicht? Ihr habt doch den genetischen Beweis’. Und damit fühle ichmich eigentlich auch sicher.“Sprecher:Wird man sagen können: Der Yeti lebt? Sykes glaubt eher nicht daran. Aber er kannes verstehen, dass manche Menschen plötzlich von der Existenz einesSchneemenschen überzeugt sind.O-Ton:„From people that have actually seen…”O-Ton Übersetzung:„Für Menschen, die so etwas wie Yeti oder Bigfoot gesehen haben wollen, istdas wie eine Art religiöse Erfahrung. Sie können es sich nicht erklären undglauben daher fest an ihre Beobachtung. Sie sind nicht mehr zu objektivemHandeln oder Bewerten von Fakten fähig. Anders gesagt: Wenn manirgendwo am Rande der Welt riesige Fußspuren sieht, glaubt man plötzlichan ein solches Lebewesen. Und viele von ihnen verbringen den Rest ihresLebens damit allen zu beweisen, dass sie das nicht geträumt haben.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2013Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engenGrenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript wedervervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.

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