DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNGMIT DEN BEILAGEN: STADT UND SIEDLUNG / WETTBEWERBEKONSTRUKTION UND AUSFÜHRUNG / BAUWIRTSCHAFT UND BAURECHTHERAUSGEBER:SCHRIFTLEITER:PROFESSOR ERICH BLUNCKREG.-BAUMSTR. FRITZ EISELENAlle Rechte Vorbehalten. — Für nicht verlangte Beiträge keine Gewähr.61. JAHRGANG BERLIN, DEN 19. MÄRZ 1927 Nr. 23Garten-Planung und -Gestaltung.Von Hermann Koenig, Gartenarchitekt D.W.B. und B.D.G.A., Hamburg.(Hierzu 12 Abb. nach ausgeführten Anlagen des Verfassers.)nzulänglichkeit m enschlichen Planensm acht sich d o rt bald bem erkbar, woneue bauliche K ulturw erte geschaffenw erden sollen. Die natürtürlichenH em m ungen und W iderständebeginnen schon bei der A uswahl des G rundstücks. In denseltensten Fällen w erden ja alle A n­sprüche befriedigt w erden können, hier gilt es danneben, klug abzuw ägen zwischen Vorteilen und vielleichtauch nur scheinbaren N achteilen des Geländes.Es w ird dem Laien, der nicht einen besondersgeschulten Blick für die E ignung des G rundstückesdem jeweiligen Zwecke entsprechend, für den Vorzugdes Baum bestandes, der B odengüte, für den W ert oderUnwert von W asser im Gelände, in Form von Bächen,Teichen oder Sümpfen, besitzt, kaum zu raten sein, nurauf die A npreisung des V erkäufers oder g u ter Freundehin ein Gelände zu kaufen. W er die A bsicht hegt, sicheinen Landsitz zu schaffen, sei es auch in denbescheidensten A bm essungen, gibt dam it schon zuerkennen, daß er auch auf die G estaltung des G artensentsprechenden W ert legt. Einfache Form eln zurE rkennung der Bodengüte wie etw a, daß das V orkomm en von Brennesseln, K letten und Löwenzahn,H afer- sowie W eizen- und G erstenbestände gutenBoden, Binsen, Schilf und H ahnenfuß aber verm oortesfeuchtes Land oder feines S traußgras, Schafschwingel,G rasnelke und H eidekraut ärm sten Boden, densogenannten K iefernboden fünfter K lasse anzeigen —genügen da m eistens nicht.In den seltensten Fällen w ird der K äufer dieK enntnisse oder die Zeit haben, um die verschiedenstenF ragen, die beim Erw erb eines G rundstückes für dieA nlage eines Landsitzes an ihn herantreten, beantworten zu können. Es w ird daher eine A ufgabe seinesfachlichen B eraters sein, zu untersuchen, welchesG rundstück sich für den beabsichtigten Zweck ambesten eignet. Zur Prüfung des Bodens genügen imallgem einen ja einfache Bohrungen, und nur inkritischen F ällen w ird m an zum A bteufen vonS chächten schreiten müssen.Die G esam tplanung ist durch die Lage des H ausesim Gelände bestim m t. Sollen die Vorzüge des Grund-Abb. 1.Beispiel eines nur m it der Axt — durch E ntfernung des Überflüssigen — gestalteten Parkbildes.


'( ;Abb. 2.Anlage einer Stauden- und R osenterrasse.Stückes entsprechend zur Geltung kommen und etw avorhandene Nachteile ausgeschaltet werden, so mußdem G artenarchitekten und seinen begründeten A usführungenüber die Lage des H auses in der Landschaft,die Benutzung schöner Fernsichten, die F ührung derZufahrtswege, die Angliederung w irtschaftlicherBauten (Stallungen, Garage, Gewächshäuser u. dgl.)Gehör geschenkt werden. Ist das H aus jedoch schonvorhanden, so gilt es unter Benutzung der besonderenVerhältnisse die W ünsche des Besitzers m it bezug aufdie G eländegestaltung in einwandfreie Form zubringen, etwaige bauliche Sünden durch geeigneteMaßnahmen zu verdecken, und gute A rchitekturteilehervorzuheben.Besondere Geländereize können wohl dazu führen,von der üblichen Einstellung des H auses nach derHimmelsrichtung in gewissen Grenzen abzugehen oderaber können auch Veranlassung geben, durch besonder.e,halbrunde, rechtw inklige Grundrisse, Vor- und R ücksprüngeim Grundriß oder A usbauten, schönen F ernsichtengerecht zu werden, bzw. den Zimmern ent--sprechende Sonnenlage zu sichern. Auch die E rhaltungvorhandener alter Bäume w ird eine besondereGrundrißform immer rechtfertigen. In hügeligemGelände ist, falls es sonst die Sonnenlage zuläßt, beider Auswahl des Bauplatzes zu berücksichtigen, daßdie Niederschläge auf der, dem herrschenden W indezugekehrten Seite größer sind als auf der anderen, derR egenschattenseite. Bei kleineren G rundstücken wirdm an nur, w enn ganz besondere Umstände, wieErhöhungen, schöne F ernsichten, alte Bäume u. dgl.dafür sprechen, aas H aus in die Mitte des Grundstücksltgen, da auf diese W eise das G rundstück zerkleinertund die E ntw icklung des G artens außerordentlicherschw ert w ird, vielm ehr ist zur E rreichung möglichstzusam m enhängender F lächen und eines wenigbeschatteten G artenstückes das H aus so zu legen, daßsich der G arten vor der W ohnseite des Hauses, alsonach Süden und O sten ausbreitet. Doch schon beiG rundstücken in Größe einiger M orgen w ird man oftvon dieser Regel zu G unsten der sonstigen praktischenAufteilung des G eländes abw eichen.Eine V oraussetzung für die gew issenhafte Ausarbeitungeines guten G arten- oder P arkplanes ist derauf G rund örtlicher A ufnahm e anzufertigende Lageplan,in dem die G eländehöhen, etw a vorhandene Bauwerke, der alte B aum bestand, sowie sonstige Geländemerkw ürdigkeiten und A nm erkungen über dieUmgebung jenseits der G rundstücksgrenzen einzutragensind. Diese U nterlagen sollen nach M öglichkeit durchL ichtbilder vom G elände und seiner Umgebung unterstützt werden. Sonst an und für sich schön gelegeneB augelände, die Sum pfland oder doch einen so hohenG rundw asserstand aufw eisen, daß dadurch dasPflanzenw achstum u nd vor allem auch seine Benutzungzum Gemüse- und O bstbau in F rage gestellt werden —202Abb. 3. Plan für den G arten H. in H.Nr. 23.


IA.. -lä*IAbb. 4.Blick vom Hause (Abb. 2) über die Rosen- und Staudenterrasse.ck.ii-Abb. 5. A rchitektonischer W asserlauf im P ark des .Schlosses D. in A.kr■19. März 1927.Abb. 6. Staudenterrasse aus dem G artenplan (Abb. 3).G artenarchitekt D. W. B. und B. D. G. A. H. K o e n i g , Hamburg.203


denn hochstehendes Grundw asser m acht den Bodenkalt und ertraglos — muß allein schon unter Berücksichtigungetwaiger gesundheitlicher Schädigungen(Fieberluft, Schnakenplage) drainiert werden. Das204Abb. 8.Abb. 7. Brunnen im Schattengarten des Landsitzes F. in B.W asserbecken mit Springstrahl in einem kleinen Hausgartenbei Hamburg.G rundw asser soll w ährend der V egetationsperiode beiW iesen nicht höher als etw a 50 cm und bei Obstanlagennicht höher als etw a 1,50 m u n ter Erdoberfläche stehen.Auf einem Gelände ohne Baum und Strauch istder W unsch, w enigstens am H ause ein paargrößere schattenspendende Bäume zu haben,nicht nur vom architektonischen Standpunkteaus verständlich. Manche Hausplanungverlangt ja geradezu die Kulisseeiner oder m ehrerer Baum kronen. Unserehochentw ickelte T echnik der Verpflanzungalter Bäume, bis zu einem Stam m um fang von1.5 m, gibt uns die M ittel an die Hand, derN atu r um einige Jah rzeh n te vorzugreifen.A llerdings sind nicht alle Baum arten ingleicher W eise hierzu geeignet. Ulme. Linde,Gleditschie, K astanie, Pappel, Platane,W eide sowie der G ötterbaum wachsen beientsprechender H andhabung ohne besondereSchw ierigkeiten w eiter, w ährend Eiche undBuche sowie auch Birke nicht so sicherenErfolg versprechen. Besonders Birken sindin größeren E xem plaren sehr empfindlich,und w achsen nur bei sorgfältigster Vorbereitung.Den sichersten Erfolg gewährtnoch ihre V erpflanzung nach E in tritt derV egetation, also w enn sie die ersten grünenSpitzen zeigt. —W o es die G eländeverhältnisse irgendgestatten, w ird m an das L andhaus möglichstso bauen, daß m an ohne viele Stufen vomHause in den G arten gelangen kann; denndieser leichte Ü bergang vom H ause zumG arten gibt erst das rechte Gartenbehagen(Abb. 3, S. 202). M it einem S chritt im Gartensein, bed eu tet eine häufigere Benutzungdes G artens, und erm öglicht erst Gartenleben.Die vielen G artenschöpfungen, in diem an erst durch eine lange Treppe vom Hauseaus hinabgelangt, bew eisen überzeugend dieN otw endigkeit der Zw ischenlagerung einerTerrasse, die vom H ause zum G arten überleitet(Abb. 2, S. 202). D erartige Terrassenzu B lum engärten zu gestalten, gehört zuden d ankbarsten gartenkünstlerischen Aufgaben.—H ier finden Rosen, S tauden und Sommerblumenihren geeigneten P latz. Die Vorbedingungeneiner gedeihlichen Entwicklungder Rose, gutg ed ü n g ter und gelockerterLehm boden, lassen sich wohl immer schaffen.Eine reine SücÖage befördert die Mehltaubildung.Am günstigsten sind südöstlicheund südw estliche L agen; immerhin sind auchbei nördlichen L agen erfreuliche Ergebnissezu verzeichnen. Die niedrige Rose findet ihregeeignete V erw endung in jeweils m it einerF arbe besetzten regelm äßigen Beeten; dieH ochstam m rose, die leicht geeignet ist, dieR aum w irkung aufzuheben und die erwünschteF lächigkeit zu zerstören, w ird m an nachM öglichkeit im m er am R and des Blumengartensverw enden. Die gem ütvollste allerRosen, die sich im größeren H ausgarten undvorzugsw eise auch im P ark immer verwendenläßt, ist, die w ilde Rose in ihren reizendenA barten (Abb. 4, S. 203).N eben den Rosen sind die Stauden einäu ß erst dankbares farbiges A usdrucksm ittelim G arten. W ährend im R osengarten dieBeete sinngem äß m it B uchsbaum eingefaßtw erden, bildet im S taudengarten der Plattenweg,dessen Fugen durch blühende Moosebepflanzt w erden, die dem C harakter derS taude angepaßte, w eicheA bgrenzung(A bb.6,S. 203).Ein Gestaltungsm ittel von eigenartigemReize ist das W asser im G arten, sei es inNr. 23.


Abb. 9. G artenbad im Hausgarten Sch. in L.Abb. 10. W aldpark G. in H. Blick aus dem Badehaus über das Schwim mbeckenund Sonnenbad nach der A ussichtsterrasse.G artenarchitekt D. W. B. und B. D. G. A. H. K o e n i g , Hamburg.19. Marz 1927. 205


Form des Brunnens (Abb. 7), des W asserbeckens mitSpringstrahl (Abb. 8, S. 204), des architektonisch gefaßtenW asserlaufes. (Abb. 5, S. 203) oder in seiner praktischenVerwendung als G artenbad. Als Ergebnisunserer Freiluftbew egung und von mir schon seit15 Jahren mit Erfolg vertreten, h at sich heute dasGarten- und Sonnenbad im G arten und P ark H eim atrechteerworben. Selbst im kleinen H ausgarten laßtsich immer ein geschütztes, durch hohe Hecken abzudeckendesPlätzchen hierfür finden (Abb. 9, S. 205).unglückliche G ärten ihr E ntstehen einem Reißbretteidwurf,der dann von irgendeinem G ärtner ausgeführtwurde, verdanken. Das Lebendige des zum Garten verwandten B aum aterials unterb in d et an und für sichschon die M öglichkeit der durchaus festen StandortsbtStimmung jeder Pflanze auf dem Plan, und der ausführendeF achm ann m uß hier erst zum großen Teil demG arten das verleihen, w as wir gem einhin als „Seele“bezeichnen. —B erücksichtigen wir, daß jede K unstform Aus-Abb. 11. Aussichtsterrasse des Luft- u. Sonnenbades im W aldpark G. in H.iê.némufyuirfjknm"Jmfu/r* •«/?'* 4¡¿SaqnhXt*/ : là flv /f’r r i f c S ■*J t ' iiflfc.fyé'Uttt . Ätwr —a.OÜLné t tk fà t \àti•>Mrs*/. wrAïxi nJunnk^k .*.’■■¿ffartir j£^é,jkwtfOK..n;ff •** iÛM h&intïm a. Ààkmrïtr-ft, >ii itÿjrifli- /Àtitkfatt *.Mv&.V •> /■«*•/> J f t w » Jte/kutMf•V.***/*»* - A r rf ^ .. .m jtp r . U fK & uo*.wcémmfàs/w^.-^■■.im/iomtdomU*—-*■Ju/ririr/fàrbrüitvftÿàtiUKW■Abb. 12. Gesamtlageplan vom Landsitz G. in H. (Grüße 85 Morgen.) A ufgeforstet 1914.G artenarchitekt D. W. B. uud B. D. G. A. Herm ann K o e n i g, Hamburg.Es liegt auf der Hand, daß jede G artenplanungnur in enger Anlehnung an den baulichen Organismus— das W ohnhaus — zu befriedigenden Lösungen führenkann, weshalb allein aus diesem Grunde ein engesZusammenarbeiten zwischen dem A rchitekten desHauses und dem des G artens V orbedingung für jedeharmonische Gesam tleistung ist. Immerhin sollte derB auarchitekt noch mehr als bisher dessen eingedenkbleiben, daß die G rundlage für erfolgreiches G artenschaffeneine umfassende Kenntnis des hierbei zu verwendendenPflanzenm aterials, sowie der k u ltu r­technischen V oraussetzungen ist, und daß daher viele200druck der seelischen Entwicklung eines Volkes ist, sow ird uns das V erständnis für die K unstform desP arkes offenbar werden. Der D eutsche neigt, imG egensatz zu dem Rom anen, was sein seelischesEm pfinden bew egt, zur Evolution. Die strengeform ale E inheit des R om anen (Lenötre, Versaillesusw.) w idersprach seiner phantastischen Auffassung;das deutsche K unstem pfinden war letzten Endesimmer assym m etrisch. D a s‘M etaphysische im Gestaltenfindet daher im P ark einen viel sinnfälligeren Ausdruck,als in dem von der A rchitektur des Hausesbeherrschten G arten. Alter schöner Baum bestand istNr. 23.


für den P ark oft das Form bestim m ende, und sehr oftgenügt es schon, schöne Bäume durch geschickteHiebführung der A xt freizulegen und überflüssigeSolitärs zu entfernen, um gute räum liche P arkbilder zuerzielen (Abb. 1, S. 201).Das Gelände ohne Baum und Strauch bedeutetgartenkünstlerisches N euland. H ier m it den üblichenAnpflanzungen von Baum - und Strauchgruppenbeginnen zu wollen, die eine dauernde Pflege benötigenund trotzdem oft große Ausfälle ergeben, ist verfehlt.Viel vorteilhafter bedient m an sich der E rfahrungen desI ’orstm annes und beginnt u n ter B erücksichtigung derBodenverhältnisse planm äßig aufzuforsten. Diese Aufforstungerfolgt ziemlich eng ■— dam it sich die Bäum ­chen gegenseitig hochtreiben —- m it zweimal verschultenPflanzen, 30 cm bis 1 m hoch. Schon nachetw a 8 Jahren ist hier ein W aldbestand von 2 bis 3 mHöhe entstanden. N atürlich m üssen derartige P ark ­aufforstungen nach einem bestim m ten, vorher festgelegtenPlane erfolgen. Im vierten Ja h re schon kannman beginnen, die gew ünschten G artenbäum e aus demB estand herauszuschlagen. Auf diese A rt lassen sichauch heute noch, die nötigen forsttechnischen undkulturtechnischen K enntnisse vorausgesetzt, großeW aldparke m it erheblichen w irtschaftlichen N utzungenschaffen. Diese Nutzungen bestehen in der H erausnahme und dem V erkauf der später zu engstehendenPflanzen, von W eihnachtstannen, des geschlagenenHolzes und der W eidenutzung. Nach meinenE rfahrungen konnten hierdurch nicht nur die U nterhaltskostenvollständig gedeckt, sondern auch eineA m ortisation der A nlage in 10 bis 15 Jah ren erreichtwerden.Die A rt der Pflanzung muß sich der w echselndenB odenart des Geländes, die form ale G estaltung — zurV erm eidung größerer E rdbew egungen — den tellurisc-henEigenschaften anpassen. Es ist kaum zubestreiten, daß diese A rt des P arkaufbaues für absehbareZeit die w irtschaftlich einzig verantw ortliche undunserem Em pfinden entsprechende Parkform seinwird, da ihr C harakter der in uns w ohnenden W aldsehnsuchtw eitestgehend entspricht (Abb. 10— 13). —■Die Bauberatung.Ein Schm erzenskind des heutigen B auw esens.u einer Aussprache über d i e Bedeutungder Bauberatung unter Berücksichtigungder Berliner Verhältnissehatte der B. D. A., LandesbezirkBrandenburg, am 28. Februar d. J.eingeladen. Es sprachen zum Thema alsBerichterstatter Stadtbaurat Fritz Bräuning, Berlin-Tempelhof, Arch. B. D. A. Heinz Stoff regen, Berlin,und Arch. B. D. A. Prof. Dr. Paul Schultze-Naumburg,Berlin. In der Aussprache ergriffen u. a. das WortStadtbaurat a. D. Bruno Taut, Arch. Henry G r o s s ,Arch. P a u 1 s e n.Einleitend wurde von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe,Prof. Gessner, darauf hingewiesen, wieunbefriedigend sehr oft die Handhabung der an und fürsich gut gedachten Bauberatung sei. Es wäre zu untersuchen,ob die Grundlagen der Bauberatung eine Revisionnötig erscheinen lassen und nach welcher Richtung hin eineneue Gestaltung der Bauberatung erwünscht wäre. Überdie Wege könne man verschiedener Meinung sein, aberwohl nicht über das Ziel. Wollen wir zu einer einheitlichenBaugesinnung kommen, so ist, zumal in dem augenblicklichenkünstlerischen Übergangsstadium, eine Bauberatungnotwendig. So wertvoll auch Spitzenleistungensind, eine Hebung des allgemeinen künstlerischen Niveausgehört mit zu den vornehmsten kulturellen Aufgaben.Hierfür ist aber, soll fruchtbringende Arbeit geleistetwerden, -eine Angle'ichung der Anschauungen erforderlich.Hierin besteht der Zweck der Aussprachen, aus denen sichGrundlagen für die Bauberatung herauskristallisierensollen, Grundlagen, deren Aufstellung unzweifelhaft Sacheder freischaffenden Architekten ist, die durch ihre Vertretungendie Formulierung, die gesetzliche Fassunganzustreben haben.Stadtbaurat Bräuning betonte, daß es sich beider Bauberatung um eine ästhetische Frage handele.Die gesetzliche Handhabe sei das Gesetz gegen Verunstaltungvom 15. Juli 1907. Es werde daselbst unterschieden,ob eine gröbliche Verunstaltung odereine Beeinträchtigung des Charakters einerGegend vorliege. Im Sinne des Heimatschutzes solle einerVerschandelung vorgebeugt werden. Sehr oft können aberdie mit der Bauberatung beauftragten Organe auf Grunddes Gesetzes nichts ausrichten, da für die meisten der zurBeurteilung stehenden Fälle das Gesetz nicht anwendbarsei. Das einzige Druckmittel, das bei Einreichung künstlerischminderwertiger Baupläne angewendet werden kann,sei die Abhängigmachung der Gewährung einer Hauszinssteuerhypothekvon einem guten Bauplan. Aber vor demKriege und auch jetzt schon wieder sind es gerade diekleinen Objekte etwa bis 20 000 M., die an der Peripherieder Großstadt entstehen und als übelste Erzeugnisse einestalentlosen Unternehmertums zu gelten haben. Wenn indiesen Fällen ohne Staatsbeihilfe gebaut wird, so bleibt nurder Rat, einen tüchtigen Architekten zu nehmen, der aberwohl nie befolgt wird. Es ist eben tief bedauerlich, daßdie frühere handwerkliche Tüchtigkeit, die auch ingeschmacklicher Beziehung große Sicherheit aufwies, verlorengegangenist.Wichtiger aber als das Einzelhaus müßte die Gesamtwirkungeiner Straße, eines Platzes sein, die eine Einheitzu bilden habe und nicht durch herausfallende Einzelobjektegestört werden dürfte. Eine Aufgabe der Bauberatungbestehe darin, das einzelne Haus einzuordnen. Indieser Beziehung bleibt noch viel zu tun übrig. Auch imwestlichen Berlin, wo öfter die Pläne von wirklichen Architektenherrühren, fehle die Harmonie der Gesamterscheinung.Wie jedes Instrument eines Orchesters sichder Gesamtdirektion unterordnen muß, so hat der einzelneBau auch unter einer einheitlichen Grundgesinnung zustehen. Die Bauberatung kann aber noch einen Schrittweitergehen und die Mängel eines Bebauungsplanes mildernhelfen. Z. B. ließe sich die Bebauung eines von hohenBrandgiebeln flankierten Geländes mit niedrigen Siedlungshäuserndadurch vermeiden, daß ein Austausch desBaugeländes, also eine Umlegung, vorgenommen wird.Nach Lage der heutigen Verhältnisse ist eine Bauberatung,wenn auch ein unzweifelhaftes Übel, notwendig. —Arch. Stoffregen lenkte darauf zuerst die Aufmerksamkeitauf den guten Durchschnitt, der bei demWiederaufbau Ostpreußens erzielt worden ist. Ein Gebiet,dessen Baukultur im allgemeinen wenig erfreulich war,wurde durch das Mittel der Einsetzung von Bezirksarchitektennicht nur mit guten Einzelbauten, sondern auchmit Stadt-, Platz- und Straßenbildern versehen, die beiAnschmiegung an den Charakter des Landes gerade dasdarstellen, was wir mit Hilfe der Bauberatung erreichenwollen. In Berlin liegen insofern jetzt die Verhältnisseähnlich, als auch mit öffentlichen Geldern gebaut wird.Leider läßt, abgesehen von guten Einzelleistungen, derGesamteffekt die städtebaukünstlerische Auffassung vermissen.In Hamburg ist unter Mitwirkung des Sta-dtbaudir.Prof. Fritz Schumacher zusammen mit der Architektenschaftauf Grund -eines Wettbewerbes eine Eignungslisteaufgestellt worden, die den guten Durchschnitt gewährleistet.In Bremen ist man in ähnlicher Weise vorgegangen.Folgender Vorschlag wurde dann von demR ainer gemacht. Eine Gliederung in Architekten undMeisterarchitekten müsse innerhalb des Faches erfolgen;den letzteren läge dann die Begutachtung ob. Auch schonauf den Schulen, also beim Studium, müßte entsprechendder Veranlagung, da Idee, Gefühl und Verstand sehr verschiedenim Einzelnen gemischt sind, die besondereEignung gefördert werden, so daß also eine Trennung dergestaltenden von den verwaltungsfähigen Kräften eintritt.Zum Schluß betonte er, daß die heutigen Grundlagen derBauberatung, die gesetzlich nur eine Kannvorschrift sind,in eine Sollvorschrift, in eine Mußvorschrift umzuwandelnwären, und daß bei einer entsprechenden fachlichenZusammensetzung der Bauberatung diese zusammen mit denStadterweiterungsämtern die Planaufstellung vorzunehmenhätte.Prof. Dr. Schultze-Naumburg faßte dasProblem an der Wurzel an; er sprach über d i e M ö'g-


lichkeiten und Grenzen e,in®r . ® a i :b e r a t u n g. Daß es z. B. Unbefähigten erlaubt sei, in dieGestaltung unserer Umgebung, unserer Heimat einzugreitenund diese auf Jahrzehnte hinaus zu v e r d e r b e n , muß als einZustand bezeichnet werden, der unserem sonstigen Kuituistandeunwürdig ist. Da man aber weiß, daß auch durciExamina eine Geschmacksbefähigung nicht gewährleistetwerden kann, daß Baubeamte ihrer ganzen Tätigkeit nactigleichfalls nicht die Organe zur Prüfung und richtigenBewertung von ästhetischen Dingen dar st eilen, so bleiDals mögliches Regulativ die Bauberatung, vorgenommenvon Berufenen. Allerdings darf die Bauberatung, nicht wiees bisher oft der Fall war, geradezu eine Prämie auf dasF.inreichen stümperhafter Entwürfe setzen, indem che Bauberatungsozusagen zwangläufig und kostenlos den Entwuitkünstlerisch zurechtgebogen wieder zurückliefert. Es wärewohl zweckmäßig, den Nichtskönnern ihren Entwurf solange und so oft zurückzugeben, bis er geschmacklich einwandfreivorgelegt wird. Vielleicht stellt das das einzigeMittel dar, um von vornherein den Auftraggeber zu veranlassen,sich an einen wirklichen Architekten zu wenden.Allerdings dürfen wir hierbei nicht vergessen, daß dieÜbersetzung in die Wirklichkeit mit das Schwerste ist unddas Einzelobjekt nur dann eine baulich gute Leistung seinwird, wenn der Architekt von der Ausführung nicht ausgeschlossenbleibt.Da unsere Auffassung aber immer mehr den großenrichtunggebenden Gesichtspunkten den ersten Platz einräumt,so sehen wir auch in diesen Dingen den Gesamtrhythmusals Hauptsache an. Das einzelne Haus hat sicheiner gemeinsamen städtebaukünstlerischen Idee unterzuordnen.Ein gutes Beispiel hierfür stellt die Rue deRivoli in Paris dar, während etwa das banale Platzbild desNollendorfplatzes in Berlin nur darin den Rhythmus aufweist,daß die umgebenden Häuser einförmig und schematischdie fast gleichen Etagenhöhen zeigen. Ein Zusammenschweißeneines Platz- oder Straßenbildes zu einer Städtebaukünstlerischen Gesamtleistung wäre wohl die Aufgabeeiner großzügigen Bauberatung. Eine derartige Generalideemüßte in jedem Einzelfalle zur Pflicht gemacht werden.Alsdann ging Prof. Schultze-Naumburg auf die kunsttheoretischenUntergründe der ganzen Frage ein. Wir lebenin einer Zeit, wo zwei verschiedene Kulturwellen aufeinanderprallen.Wenn man z. B. das hohe Dach als zweckmäßiger,konstruktiv einwandfreier und praktischerbeweisen kann als ein flaches Dach, so können die Verfechterdes letzteren dieses doch schöner finden und seineMängel durch höheren Kostenaufwand (für Isolierung usw.)herabdrücken. Ein Mittel, objektiv das eine von beiden alsbesser zu beweisen, gibt es nicht, geschweige denn alsschöner. Das parlamentarische Prinzip der Volksabstimmungwird wold Niemand auf die Bauberatungausgedehnt wissen wollen. Die seelische Voraussetzung beiW ettbewerbe.Einen Ideen-Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfenfür „Wochenendhäuser“ schreibt das Berliner Messe-Amtim Einvernehmen mit dem B. D. A., Landesbezirk Brandenburg,dessen Ergebnis auf der Ausstellung „DasW o chenend e“ vom 16. April bis 12. Juni 1927 in denAusstellungshallen am Kaiserdamm ausgestellt werden soll,mit Frist zum 8. April, 12 Uhr mittags, aus. Zugelassensind deutsche Bewerber (Personen oder Firmen),die in der Provinz Brandenburg wohnhaft sindoder einen ständigen Geschäftssitz haben, außerdem auchfür solche außerhalb der Provinz Brandenburgansässige deutsche Bewerber (Personenoder Firmen), die bis Freitag, den 8. April, 12 Uhrmittags, ein gebrauchsfertig ausgeführtes Musber einesWochenendhauses zur Ausstellung „Das Wochenende“angemeldet haben.An Preisen sind ausgesetzt: 3 I. Preise je 2000 M.,3 II. Preise je 1000 M., 10 Entschädigungen für besondersinstruktive Modelle je 150 M., 5 je 100 M.Dem Preisgericht gehören unter anderem an:Stadtbrt. Dr.-Ing. Martin Wagner, Prof. Albert Gessner,Prof. Bruno Paul, Arch. Albert B i eben dt.Bedingungen vom Berliner Messe-Amt, Abt. „Wochenend-Wettbewerb“,Berlin C 2, Breitestr. 35, erhältlich. —Einen Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfenfür den Neubau eines Geschäftshauses der Städt. Sparkassein Detmold schreibt die Stadt unter den in Lippeansässigen oder geborenen Architekten, mit Einlieferungs-M m TT1T6 -T ,A p -r i l o d - J - aus- L P r e i s 2 0 0 0 M -1 II. PreisIfW III. Preis 800 M. Unter den Preisrichtern: Prof.Muhlenpfordt Braunschweig, StadtoberbauratSchultz, Bielefeld, Stadtbaurat Supan, Detmold. Er-208den Vertretern der verschiedenen Anschauungen ist ebenn-anz verschieden. Da gibt es eben keine Methode der Verständigung.Seine Ahnen sind für den Menschen auch indieser Beziehung verantwortlich. Werden wir auch vondem Zauber der W erke der Vergangenheit gefangengenommen und beklagen wir das trostlose Heute, so könnenwir doch nicht das Irrationale durch das Rationale beweisen.Die heutige Zeit hat in ihrem Sensationstrieb dasangeblich Neue auf den Schild gehoben und argumentiertdamit dessen Wert, daß es von den Anderen eben nichtverstanden wird.In der Aussprache kritisierte Stadtbaurat a. D. Tautdie einzelnen Paragraphen des „Verunstaltungsgesetzes“und machte den Vorschlag, daß zwei Kommissionen vonSachverständigen gebildet werden sollten; in der einensäßen die Vertreter der historisierenden Richtung, in deranderen die der modernen. Jedes Projekt, das eine derKommissionen passiert, also von ihr genehmigt wird, hätteAnspruch zur Ausführung. Selbst Anhänger einer neuenBauauffassung betonte er, daß nicht nur von rechts,sondern auch von links die gleiche Furcht vor Mitläufernvorhanden wäre, die sich also bei Verwirklichung desVorschlages keine Förderung versprechen dürfen, wenn sieohne innere Berechtigung ihre W erke nur modisch aufputzen.In diesem Zusammenhänge war die Bemerkungsehr wichtig, daß jede Zeit die künstlerischen Leistungeneiner früheren Zeit für besser gehalten habe.Arch. Henry G r o s s sprach gegen die Existenzeiner Bauberatung, wie sie gegenwärtig ausgeübt wird.Sehr radikal trat Arch. P a u 1 s e n dem Grundgedankender ganzen Frage, die als eine ästhetische aufgefaßt würde,entgegen. Weder unsere Kleidung noch das erweiterteKleid, unser Haus, seien Dinge eines hohen Kunstausdruckes.Wir leben wohl in einer Zeit gesteigerterZivilisation, aber durchaus nicht hoch anzuschlagenderKultur. Wenn der Architekt sich selbst und Anderen Vorrede,das Hineinlegen von Persönlichkeitswerten in dieseDinge sei notwendig und von den Bestellern auchgewünscht und verlangt, so sei das nicht wahr. Da diesals Mittel zum Geldverdienen benutzt wird, so sei dieIndividualität: Nepp. Der Architekt solle auf das Betonendes Irrationalen verzichten, man glaube es ihm nicht mehr.Nachdem noch ein Vertreter der Baupolizeigesprochen und hervorgehoben hatte, daß bei der Fülle dereingereichten Baupläne in Groß-Berlin einige wenigeKommissionen die Bauberatung gar nicht bewältigenkonnten, gab in seinem Schlußwort der Vorsitzende, Prof.Gessncr, dem Wunsche Ausdruck, daß bei der Wichtigkeitdes Gegenstandes in weiteren Besprechungen dieFrage zu einer vollen Klärung geführt werden möge, ummit entsprechenden Anträgen alsdann an die maßgebendenStellen herantreten zu können. —- — Bt. —satzpreisrichter: Reg.- u. Baurat Vollpracht, Blomberg.Unterlagen gegen Einsendung von 5 M. von derStädt. Sparkasse Detmold. —Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen fürden Bau eines Pfarrhauses und eines Gebäudes für besondereGemeindezwecke in Neunkirchen (Saar) schreibt dieEvangelische Gemeinde unter den im Saargebiet, im Rheinlandund in der Pfalz ansässigen Architekten aus. Unterlagensind gegen Einsendung von 6 Fr. bzw. 1 M. vomevangelischen Gemeinderat in Neunkirchen (Saar), Vogelstraße4, zu beziehen. —Einen Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfenfür ein Planetarium in Bremen schreibt die Stadt Bremenunter den Architekten, die am 1. März 1927 im BremerStaatsgebiet wohnen oder aus dem Bremer Freistaat gebürtigsind, mit Einlieferungsfrist zum 25. April d. J. aus.Preise: Für das Planetarium allein: I. Preis 1500 M.,11. Preis 1000 M., III. Preis 750 M. Für das Planetariummit Sternwarte: 1. Preis 2000 M., II. Preis 1500 M., III. Preis1000 M. Für Ankäufe sind 2000 M. vorgesehen. Unter denPreisrichtern: Senator Stadtbaurat Elkart, Hannover,Baudir. Dr.-Ing. Rane k. Hamburg, Arch. B.D.A. Behrens,Baudir. K nop, Oberbaurat L e m p e , OberbauratOhnesorge, Bremen. Ersatzpreisrichter: BauratO eh ring. Unterlagen gegen Einsendung von 10 M. vonder Kanzlei des Hochbauamtes Bremen, Herrlichkeit 16. —Inhalt: Garten-Planung und -Gestaltung. — Die Banberatung.Ein Schmerzenskind des heutigen Bauwesens. — Wettbewerbe.—V erlag der D eu tsch en B auzeitu n g, G .m .b .H . in Berlin.Für die R edaktion veran tw ortlich: Fritz Eiselen in Berlin.D ruck: W . Büxenstein, B erlin SW 48.Nr. 23.

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