Deutscher Betriebsräte-Preis 2013 - Bund-Verlag GmbH

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Deutscher Betriebsräte-Preis 2013 - Bund-Verlag GmbH

Deutscher2013Betriebsräte-PreisEine Initiative der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«Die JuryDie achtköpfige Jury des DeutschenBetriebsräte-Preises ist mitVertretern aus Gewerkschaften,Wissenschaft und ausgewiesenenBetriebsratspraktikern besetzt:Dina BöschMitglied desver.di-BundesvorstandesBUNDVERLAGPeter DonathBereichsleiter Betriebs-und BranchenpolitikbeimIG Metall-VorstandThorsten Halm[m]5-consulting,Berater vonBetriebsräten undGewerkschaftenDietmar HexelMitglied desGeschäftsführendenBundesvorstandesdes DGBPetra KronenBetriebsratsvorsitzendeder Bayer AGGünter SchölzelJustiziar der IGBCE, Leiter derAbteilung BetriebsverfassungEva-MariaStoppkotteVerantwortlicheRedakteurin derZeitschrift »AiB«Prof. Dr.Heinrich WottawaProfessor an derRuhr-UniversitätBochum, Fakultätfür PsychologieAusgezeichnete BetriebsräteWo sich Betriebsräte engagieren undMitbestimmung leben, sind die Arbeitsbedingungendeutlich besser und dieZufriedenheit der Mitarbeiter spürbarhöher. Was oft fehlt, ist die Wertschätzungdieser so wichtigen Arbeit. Der»Deutsche Betriebsräte-Preis«, eine Initiativeder Zeitschrift »Arbeitsrecht imBetrieb«, würdigt seit 2009 das Engagementund die erfolgreiche Arbeit vonBetriebsräten. Am 17.10.2013 wurdenin Bonn beispielhafte Projekte ausgezeichnet.Deutscher Betriebsräte-Preis in Gold: Betriebsrat der Metsä Board Zanders GmbHPapierpark ZandersBetriebsrat verhindert Schließung des Unternehmensund erarbeitet ein »Papierparkkonzept«, dasStandort, Produktion und Beschäftigung sichert.Ausstieg aus der Papierproduktion und damit Einstiegin die Komplettschließung, drohender Personalabbauvon 400 Mitarbeitern. Dies war die Ausgangssituationim Frühjahr 2011 bei der Papiermühle MetsäBoard Zanders GmbH in Bergisch-Gladbach. Bereitsin den Vorjahren hatten sich die wirtschaftlichen Perspektivendes ehemals familiengeführten Unternehmenszunehmend verschlechtert.Der Betriebsrat zeigte sich durch jahrelange Vorarbeitund Vereinbarungen gut vorbereitet. BereitsAnfang 2010 hatte er eine Rahmenvereinbarung geschlossen.Diese sollte das Weiterbestehen durch dieKonzentration auf Spezialpapiere und innovative Produkteermöglichen. Bereits zu diesem Zeitpunkt gabes Überlegungen zu einem »Papierparkkonzept«.Nachdem die Schließungspläne bekannt wurden,begann der Betriebsrat umfangreiche Verhandlungenmit der Arbeitgeberseite.Nach diesem Papierparkkonzept fertigen am Standortmehrere Eigentümer als einzelne UnternehmenPapier und nutzen sowie teilen sich dazu die vorhandeneInfrastruktur und Ressourcen. Das Gremiumsuchte den intensiven Kontakt zu den Medien undbezog aktiv Politik und Behörden mit ein. Hinzu kamdie enge Vernetzung mit der IG BCE und externen Beratern.Ein »runder Tisch« wurde eingerichtet.Nach massiven Widerständen des deutschen Managementsund mehrmonatiger rechtlicher Auseinandersetzunginklusive einberufener Einigungsstellekonnte die Schließung verhindert werden. Die Papiererzeugungund der Standort bestehen nach wievor fort. Es liegt eine Beschäftigungsgarantie für dieLaufzeit von 2,5 Jahren vor. Alle Maschinen sind nocham Standort, und der Personalabbau war erheblichgeringer als gefordert, er konnte fast vollständig sozialverträglichgelöst werden.Weit über das Betriebsverfassungsgesetz hinaushat es der Betriebsrat verstanden, Mitbestimmungs-und Gestaltungsansprüche durchzusetzen.Mit fundierten Zukunftskonzepten des Betriebsratswurde der finnische Mutterkonzernüberzeugt, den traditionsreichenPapierstandort nicht zu schließen.Mehrere hundert Arbeitsplätze konntendadurch gesichert werden.Reiner Hoffmann, Landesbezirksleiter IG BCE


Deutscher Betriebsräte-Preis 2013www.dbrp.deDeutscher Betriebsräte-Preis in Silber: Gesamtbetriebsrat der Finanz Informatik GmbH & Co. KGTarifsozialplan – ein neuer WegInteressenvertretung erzwingt Verhandlungen über einen Tarifvertrag/Tarifsozialplan und erzielt beispielhafte Regelungen für die Beschäftigten.Bei der Finanz Informatik (FI), dem gemeinsamenIT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe,war im Rahmen einersogenannten »Strukturverbesserung« dieSchließung von sieben der zehn Standortegeplant. Das vorrangige Ziel der Betriebsrätewar nun die Einflussnahme aufdas ‚Ob‘, ‚Wann‘ und ‚Wie‘ der unternehmerischenEntscheidung durch Abschlusseines Tarifvertrages zum Interessenausgleichund Sozialplan, dies zunächst unterRuhen des betriebsverfassungsrechtlichenWeges.Der GBR beschloss, alle Ebenen und Möglichkeitender Mitbestimmung, des Tarifrechtsund der politischen Interventionzu nutzen, um Einfluss auf die unternehmerischeEntscheidung zugewinnen. Der Versuch, ineinem Projektbeirat des Aufsichtsratsgemeinsam sozialverträglicheRegelungen zuerarbeiten, wurde trotz allerSkepsis angenommen, scheiterteaber nach kurzer Zeit ankonträren Auffassungen.Der Betriebsrat starteteeine breit angelegte Informations-und Mobilisierungskampagne.Diese beinhaltete u. a. zeitgleiche Versammlungenan allen Standorten, Demonstrationen(Foto), intensive Öffentlichkeitsarbeit,intensive Einbindung vonver.di und dosierte Arbeitskampfmaßnahmen.Ziel aller Maßnahmen: Verhandlungenüber einen Tarifvertrag/Tarifsozialplanerzwingen.Obwohl die Schließung von sieben Standortennicht verhindert werden konnte,erzielte das Gremium einen Tarifvertrag/Tarifsozialplan (TSP) mit für die Brancheinnovativen und beispielhaften Regelungen.Dazu zählen u. a. der Ausschlussbetriebsbedingter Beendigungskündigungen,Standortsicherung für Zielstandorte,Versetzungsschutz, Mobilitätsunterstützungenund weitere Regelungenzu Altersteilzeit, Abfindungen, Telearbeitund Altersversorgung.Der Gesamtbetriebsrat erzwingt zusammenmit der Belegschaft Verhandlungenzu einem Tarifsozialplan. In der Doppelrolleals Betriebsräteund Tarifkommissionsmitgliedernutzensie alle Rechte unddie starken Durchsetzungsmittel.Andrea Kocsis,StellvertretendeVorsitzende ver.diDeutscher Betriebsräte-Preis in Bronze: Betriebsrat der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbHGleichstellung im BetriebBetriebsrat initiiert Datenerhebung. Paritätisch besetzter Ausschuss befasst sich regelmäßig mit derFörderung von Chancengleichheit im Unternehmen und entwickelt eine Vielzahl von Maßnahmen.Förderung der Gleichstellung im Betrieb –in politischen Sonntagsreden taucht dasThema gerne und seit langem regelmäßigauf. Aber wie kann es ganz konkret im Betriebumgesetzt werden, welche Hürdensind auf dem Weg dahin zu überwindenund wie lässt sich diese schnell formulierteForderung mit Leben füllen?Bei Hüttenwerke Krupp MannesmannGmbH, Duisburg, treffen täglich Menschenunterschiedlichen Geschlechts,Alters und vor allem aus verschiedenenKulturen, Deutsche und Migranten, zusammen.Hinzu kommt: Werden Potentiale,gerade auch von jungen Frauen,genutzt? Und kann ein Betrieb, der vornehmlichmännliche Mitarbeiter beschäftigt,es sich auf Dauer leisten, diese Potentialebrach liegen zu lassen?Der Betriebsrat initiierte ein Projekt zudiesem komplexen Thema und führte zusammenmit einem wissenschaftlichenInstitut eine Datenerhebung im Unternehmendurch, die die Grundlage für alleweiteren Aktionen bildete. Erfasst wurdenEntgeltgruppen und -spannen, hierarchischeStrukturen, Unterschiede zwischenDeutschen und Migranten sowiezwischen Männern und Frauen.Neben der Erstellung eines Gleichstellungsberichts,der dann in verschiedeneAktionen mündete, konnte der Betriebsratmit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarungüber einen »AusschussMigration, Integration, Gleichstellung«schließen. Dieser Ausschuss ist paritä-2 Arbeitsrecht im Betrieb | Sonderausgabe zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2013


Eine Initiative der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«tisch besetzt und kommt alle drei Monatezusammen. Ziel der Ausschussarbeit istdie Förderung von Chancengleichheitinsbesondere im Hinblick auf die ThemenMigration, Integration und Gleichstellungvon Frauen und Männern, Schwerbehinderteund ältere Belegschaftsmitglieder.Das Gremium setzte eine Vielzahl vonkonkreten Maßnahmen um und planteine neue Datenerhebung in 2014.Betriebsräte, vor allem Migranten undMigrantinnen im Gremium, sind diewichtigsten Akteure, um Chancengleichheitin der Arbeitswelt voranzubringen.Angesichts des drohenden Fachkräftemangelsund der demographischenEntwicklungwerden die Potenziale vonMigranten und Migrantinnenimmer bedeutender.Eva-Maria Stoppkotte,Verantwortliche Redakteurinder Zeitschrift »AiB«Deutscher Betriebsräte-Preis i. d. Kategorie »Beschäftigungssicherung«: Betriebsrat der Merck KGaAVom Getriebenen zum TreiberProaktive Betriebsratsarbeit erzielt Lösungen, die Mitarbeitern und Unternehmen langfristig nutzen. Ausgliederungund Outsourcing werden verhindert, geplanter Stellenabbau fällt deutlich geringer aus als geplant.Ende 2011 verkündete die Merck KGaAmassive Einsparvorhaben am StandortDeutschland mit einem Personalabbauvon bis zu 2 500 Stellen. Außerdem warenOutsourcing und Ausgliederung, umfassendeEingriffe in Tarifstrukturen, Verlagerungins osteuropäische Ausland unddie Schließung kleinerer Produktionsstandortein Deutschland geplant.Der Betriebsrat entschied sich, einenneuen Weg zu gehen: Statt nur zu reagieren,wollte er von Beginn an das Projektmitgestalten und damit einen Rollenwechselvom »Getriebenen zum Treiber«einleiten. Dazu engagierte das Gremiumeine erfahrene Unternehmensberatung,die das Projekt über alle Phasen begleitensollte. Darüber hinaus wurden ein externerjuristischer Berater hinzugezogenund die IG BCE eng mit eingebunden.Nach einer Neuorganisation des Gremiumswurden ein umfassendes Begleitkonzepterarbeitet und eigene konzeptionelleAnsätze zu den einzelnen Handlungsfeldernentwickelt. Dazu zählten u.a. eine»HR-Toolbox« mit Instrumenten und Prozessen,um frühzeitig einen sozialverträglichenMitarbeitertransfer in neue Aufgabenzu ermöglichen. Der Betriebsrat legtedem Arbeitgeber ein eigenes Eckpunktepapiervor und es folgten umfangreicheVerhandlungen.Die Parteien erzielten eine Vereinbarungmit einer Laufzeit bis Ende 2017, die nachhaltigArbeitsplätze sichert. Der geplantePersonalabbau konnte deutlich reduziertwerden, außerdem wurden umfangreicheAbsicherungen für Mitarbeiter erreichtund die deutschen Standorte nachhaltiggestärkt. Gleichzeitig wurden betriebsbedingteBeendigungskündigungen füreinen Zeitraum von mehr als fünf Jahren,bis Ende 2017, ausgeschlossen.Das wünschen sich viele Betriebsräte:nicht nur reagieren, sondernmal in die Vorhandkommen: Beispielhaftist das dem BR derMerck KGaA gelungen.Martin Lemcke, LeiterBereich Mitbestimmung,ver.di-BundesverwaltungKategorie »Europa mitbestimmen«: KBR und Eurobetriebsrat der Unilever Deutschland GmbHDie Barcelona-AgendaBetriebsräte initiieren Projekt zur Teilhabe auf europäischer Ebene. Ein Rahmenabkommenermöglicht beteiligungsorientierte Zusammenarbeit aller Betriebsparteien über Landesgrenzen hinaus.Unilever beschäftigt in Europa 30 000Mitarbeiter. Nach Restrukturierungsprozessen,Standortschließungen sowieharten Einschnitten bei Sozialleistungenwandte sich der KonzernbetriebsratDeutschland/Österreich/Schweiz (KBR)an den Unilever Eurobetriebsrat (UEWC).Das Anliegen: die Konsequenzen aus denRestrukturierungsmaßnahmen für dieMitarbeiter nachhaltig positiv zu gestalten.Auf nationaler Ebene gab es durch dieneue Konzernstruktur keine Entscheidungsträgerund damit Ansprechpartnermehr. Der UEWC hat zwar aufgrund derEuropäischen Gesetzgebung Informations-und Konsultationsrechte – jedochkeine Mitbestimmungsrechte. Dazu kameine hohe Fluktuation beim EuropäischenManagement. Der Eurobetriebsrat undder KBR wollten sich dieser Lage nichtausliefern, sondern Initiative ergreifen.KBR und UEWC initiierten ein Projekt füreinen partizipativen Beteiligungsprozessauf Europäischer Ebene. Dieser sollte inArbeitsrecht im Betrieb | Sonderausgabe zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2013 3


Deutscher Betriebsräte-Preis 2013www.dbrp.deForm eines Europäischen Rahmenabkommensverankert werden. Die Grundideewar, ein Gleichgewicht zwischen unternehmerischerWertschöpfung und Wertschätzungder Mitarbeiter herzustellen.Nach einer von den Betriebsräten in dieWege geleiteten Demografieanalyse wurdenauf europäischer Ebene Handlungsfelderidentifiziert, die die Grundlage fürdas weitere Vorgehen bilden sollen. Diesewerden in paritätisch besetzten Arbeitsgruppenbeteiligungsorientiert bearbeitetmit dem Ziel, Ende 2013 in einem Rahmenabkommenverbindliche Regelungenzu formulieren, die für alle Länder Gültigkeithaben.Es wurde eine europäische Beteiligungerreicht, die es so bisher bei Unilevernoch nicht gab. Die angestrebten Rahmenabkommenbilden nicht nur dieGrundlage für die Mitbestimmungsarbeitin den Ländern, sondern auch für die Sicherungnachhaltiger Beschäftigung inden nächsten Jahren.Es gibt einen Gestaltungsspielraumüber die nationalen Grenzen hinaus.Der EBR von Unilever ist zu seiner Initiativezu beglückwünschen.Er hat das Heft desHandelns in dieHand genommen,Er hat überzeugtund er gestaltetdie Zukunft mit.Doris Meißner,IG BCE, AbteilungBetriebsverfassungDeutscher Betriebsräte-Preis in der Kategorie »Gute Arbeit«: Betriebsrat der Rheinbahn AG»Belastungsampel« gegen ArbeitsausfälleBetriebsrat erzielte eine arbeitnehmerfreundliche Dienstplangestaltung und die Einstellung neuerMitarbeiter. Dadurch konnten der Krankenstand gesenkt und Arbeitsausfälle reduziert werden.Die gesundheitlichen Belastungen derFahrdienstbeschäftigten führen zu branchentypischvielen Arbeitsausfällen. DerBetriebsrat startete ein Projekt, um einedauerhaft längere Verweildauer im Fahrdienstzu erreichen und den hohen Krankenstandzu reduzieren.In einer »Ist-Aufnahme« ermittelte dasGremium Überstundenaufkommen, Krankenstandsowie dessen Verteilung auf dieAltersgruppen, Arbeitszeitverteilung undführte eine Messung und Auswertung derFahrtzeiten durch. Auf Grundlage dieserDaten konnte der Betriebsrat erreichen,dass kurzfristig neue Mitarbeiter eingestellt,neue Vorgaben für die Fahrzeitenerarbeitet und in einem weiteren Schrittnoch einmal zusätzliches Personal eingestelltwurde.Ein besonders innovativer Aspekt desProjektes ist die vom Betriebsrat entwickelte»Belastungsampel«: Diese hilft,zu starke Belastungen im Dienst schonbei der Diensterstellung zu vermeidenund das Arbeitsvolumen gleichmäßigauf alle Mitarbeiter zu verteilen. Der Abschlusseiner Betriebsvereinbarung zurDienstplangestaltung ist noch für 2013vorgesehen. Der belastungsorientierteDienstplan sollte dann mit FahrplanwechselSeptember 2013 beginnen.Die bisher umgesetzten Fahrzeitanpassungenhaben bereits zu mehr Pünktlichkeitund somit zu einer spürbaren Verbesserungfür die Fahrgäste der Rheinbahngeführt. Der Krankenstand sank deutlichund die Zufriedenheit der Belegschaftstieg. Der Arbeitgeber stellte im Zuge desProjektes insgesamt 83 neue Mitarbeiterein.Die beste Gesundheitsförderung bestehtdarin, überlastungsbedingteKrankheiten gar nichterst entstehen zulassen. Dies wurdein diesem Projektin vorbildhafterWeise erreicht.Prof. Dr. HeinrichWottawa, Ruhr-UniversitätBochum,Schwerpunkt Personalentwicklung4 Arbeitsrecht im Betrieb | Sonderausgabe zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2013


Eine Initiative der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«Deutscher Betriebsräte-Preis i. d. Kategorie »Innovative BR-Arbeit«: Betriebsrat der Airbus Operation GmbHMeisterinnenförderprogrammDie Quote weiblicher Führungskräfte ist bei der Airbus Operations GmbH besonders niedrig. Der Betriebsrat kämpfteerfolgreich für ein spezielles Förderprogramm – Frauen können damit den Industriemeisterbrief erlangen.In Führungsebenen dominieren Männer.Frauen schaffen nur selten den Sprungnach oben. Dieses Phänomen ist in denvon Technik geprägtenBranchen besonders ausgeprägt.Der Betriebsratder Airbus OperationsGmbH initiierte daher einFörderprogramm, um anden Standorten Hamburg,Bremen, Buxtehude undStade die niedrige Frauenquoteauf der Ebene derMeister zu erhöhen. DieseQuote betrug vor dem Startdes Programms 3% – und lag damit nocherheblich niedriger als die generelle Frauenquotevon 18%.Kern des Meisterinnenförderprogrammsist eine Gesamtbetriebsvereinbarung(GBV) vom Dezember 2011. Die Förderungermöglicht es hochqualifizierten Frauen,eine Führungslaufbahn einzuschlagen.Die Teilnehmerinnen werden darin unterstützt,die IHK-zertifizierte Qualifikationder Industriemeisterin zu erlangen. DieGBV hatte dabei das explizite Ziel, die zulastenvon Mitarbeiterinnen bestehendenNachteile beim Zugang zu Führungspositionenzu verhindern bzw. auszugleichen.Die Schulkosten und die Kosten der flankierendenMaßnahmen übernahm derArbeitgeber zu 100%. Die auf die Meisterschuleentfallende Arbeitszeit trugen zugleichen Teilen Arbeitgeber und Teilnehmerinnen.Unterrichtsstunden wurden alsArbeitsstunden gerechnet. Aus Kostengründenwollte der Arbeitgeber ursprünglichnur zwölf Mitarbeiterinnen fördern.Der Betriebsrat erreichte aber, dass bisherschon 24 Frauen am Programm teilnehmenkonnten. Alle Frauen haben denLehrgang erfolgreich durchlaufen und dieersten frisch gebackenen Meisterinnenhaben eine Meisterstelle angetreten.»Der Airbus Betriebsrat hat einen großenSchritt für eine gleichberechtigtereZukunft im Produktionsbereichinitiiert. Frauenförderungganzkonkret, mit Sicherheitlohnend für alle.«Peter Donath,Bereichsleiter Betriebs-und Branchenpolitik,IGMetall VorstandNominierteBetriebsrat der E.G.O. Elektro-Gerätebau GmbHMotivation und Eigenverantwortung fördernIntensive Einbindung und Beteiligung der Belegschaft führen zu höherer Motivation,stärken Eigenverantwortung und Identifikation mit dem Unternehmen.Zunehmender Kostendruck und Effizienzsteigerungführen häufig zu mangelnderIdentifikation und damit zuMotivationsverlusten. Der Betriebsratbeschäftigte sich seit Ende 2011 mit derFrage: Wie lässt sich unter Einbeziehungaller Beschäftigten eine erfolgreiche Zukunftsperspektivefür Unternehmen undMitarbeiter entwickeln und gleichzeitigVerantwortungsbereitschaft und Motivationfördern?In Zusammenarbeit mit einem sozialwissenschaftlichenInstitut wurde eineBefragung zur persönlichen Einschätzungder Arbeitsbedingungen und derInnovationsmöglichkeiten durchgeführt.Auf Basis dieser Ergebnisse wurden dannkonkrete Maßnahmen zur Verbesserung entwickelt.Das Projekt hat einen kontinuierlichenVeränderungsprozess in Gang gesetzt:Ein innovationsfreundliches Umfeldist entstanden, das sich durch größerenGestaltungsspielraum und aktive Einbindungauszeichnet. Betriebsklima und Motivationhaben sich deutlich verbessert.Der Fortschritt des Projekts und dieQualitätssicherung werden anhand vonStatusmeetings und Onlineumfragen gemessen.Die Mitarbeiter werden ständiginformiert und haben die Möglichkeit,Feedback zu geben und sich in den Prozesseinzubringen.Arbeitsrecht im Betrieb | Sonderausgabe zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2013 5


Eine Initiative der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«Betriebsrat der Landbäckerei Ihle GmbH & Co.KGPsychische GefährdungsbeurteilungEntwicklung einer Betriebsvereinbarung für eine Gefährdungsbeurteilung.Diese umfasst sowohl psychische als auch technische Faktoren.Zunehmende Arbeitsbelastung führte ausSicht des Betriebsrates zu steigendemKrankenstand und überdurchschnittlichvielen Arbeitsunfällen. Da von Seiten derGeschäftsleitung keine Bereitschaft bestand,die Situation für die Mitarbeiter zuentschärfen, entschied sich das Gremiumfür Gegenmaßnahmen.Nach qualitativer Betriebsrats-Schulungund auf Grundlage eines intensiven Austauschsmit der zuständigen Berufsgenossenschafterzielte die Interessenvertretungeine Betriebsvereinbarung zurDurchführung einer technischen und psychischenGefährdungsbeurteilung nachdem Arbeitsschutzgesetz. Neben Mitarbeiterbefragungund Workshops wurdeaußerdem ein Steuerkreis initiiert. Diesererarbeitete verbindliche Qualifizierungenfür Vorgesetzte und Maßnahmen zur Belastungsreduzierung.Dem Betriebsrat ist es damit gelungen,die gesundheitlichen Belastungen übereine in einer entsprechenden Betriebsvereinbarungverankerten Gefährdungsbeurteilungqualitativ und quantitativfeststellen zu lassen. Belegschaft undFührungskräften werden Workshops undspezielle thematische Fortbildungenangeboten. Diese helfen, Arbeitsbelastungenfrühzeitig zu erkennen und zuverringern.Betriebsrat der Neue Westfälische GmbH & Co. KG»Türen Auf!« – Ein BR-AdventskalenderBetriebsrat verpackt und versendet seine Informationen in Form eines virtuellen Adventskalenders analle Mitarbeiter. Neue Form der Kommunikation von BR-Themen trifft auf große Resonanz.Welche Möglichkeiten hat ein Gremium,seine Inhalte zu kommunizieren, ohnedass diese als »trockene« oder gar »nervige«PR wahrgenommen wird? Womitkann die Neugier der Kollegen gewecktund wie können sie zum Lesen der Betriebsratsinformationenund -themen gebrachtwerden?Wer, wenn nicht Journalisten, die als Interessenvertreterunterwegs sind, wüsstendarauf eine passende Antwort. Der Betriebsratder Tageszeitung wollte diesemProblem auf charmante Art begegnen undhat dazu eine Idee abseits der üblichenWege entwickelt.Das Gremium erstellte einen virtuellenAdventskalender für alle Mitarbeiter imVerlag. Per E-Mail wurde dazu an jedemWerktag im Dezember bis Weihnachteneine Information durch das Gremiumversandt. Die Aktion wurde »Türen auf!«genannt und versinnbildlicht das Öffneneines täglichen Kläppchens, nichtwissend, was sich dahinter verbirgt. DerBR hat so in Wort und Bild Personen ausdem Verlagsgebäude vorgestellt. Damitverbunden wurde eine Art »Aufklärung«über die aktuellen Betriebsratsthemenund -baustellen im Haus.Eurobetriebsrat der Rheinmetall AGGesundheitsmanagement europaweitDer Europäische Betriebsrat der Rheinmetall AG fand einen Weg, dem Gesundheitsmanagementder Beschäftigten europaweit einen einheitlichen Rahmen zu geben.Durch die zunehmende Globalisierungstellen die länderübergreifend gestiegenengesundheitlichen Belastungenund der in ganz Europa stattfindende demografischeWandel besondere Herausforderungenan das Engagement der betrieblichenInteressenvertretungen unddie betriebliche Personalpolitik.Der Europäische Betriebsrat (EBR) derRheinmetall AG hat im Juni 2012 eineeuropäische Rahmenvereinbarung zumbetrieblichen GesundheitsmanagementArbeitsrecht im Betrieb | Sonderausgabe zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2013 7


Deutscher Betriebsräte-Preis 2013www.dbrp.deerarbeitet und verhandelt. Diese Vereinbarungbeinhaltet Reglungen zu den ThemenArbeits- und Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung,Suchtmanagementund Betriebliches Eingliederungsmanagement.Für die Erarbeitung dieser europäischenVereinbarung bildete der EBR eine Projektgruppeunter Einbeziehung von zweiexternen Beratern. Auf der Grundlage einereigenen Befragung der betrieblichenInteressenvertreter an den verschiedeneneuropäischen Standorten wurden danndie Verhandlungen aufgenommen. DieVereinbarung beinhaltet zudem eine kontinuierlicheEvaluation der Maßnahmen undBegleitung durch eine Projektgruppe undBerater.Betriebsrat der ZF Friedrichshafen AGMarkt- und mitarbeitergerechte MontageMontagebänder werden nach aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet.Betriebsrat erzielt Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Sicherung von Arbeitsplätzen.Betriebsrat und Montageleitung erarbeitetenLösungen für den Aufbau eines neuenund die Umgestaltung eines bereits bestehendenMontagebandes. Das Gremiumsteuerte das mehrstufige Projekt von derBeraterauswahl bis zur Umsetzung maßgeblichmit.Dazu wurden im ersten Schritt, unterstütztdurch ein externes Beratungsinstitut, Gestaltungsmerkmaleund Planungsgrundsätzefür eine Getriebemontage aus arbeitswissenschaftlicherSicht entwickeltund in dem Projekt »M3: Markt- und MitarbeitergerechteMontage« festgeschrieben.Ergänzend dazu wurde eine separateBetriebsvereinbarung abgeschlossen.Schließlich folgtendie Umsetzung derPlanung und der Aufbauder neuen Bänder.Der Betriebsrat erreichte,dass neueMontagebänder nachaktuellen arbeitswissenschaftlichenErkenntnissen zuoptimaler Ergonomieund gesundheitsförderlicherund qualifizierungserhaltenderArbeitsorganisation gestaltet werden. Außerdembeachten die Projektverantwortlichendiverse Richtlinien zur Vermeidungvon psychischen Fehlbeanspruchungenund Dequalifikation.DEUTSCHER BETRIEBSRÄTE-PREIS 2014Ihre Teilnahme zählt.Machen sie mit!Als Betriebsrat sind Sie herzlich eingeladen, sich bereits jetztfür den »Deutschen Betriebsräte-Preis 2014« zu bewerben.Melden Sie Ihr Projekt ganz einfach hier an:www.DeutscherBetriebsraete-Preis.dewww.DeutscherBetriebsraete-Preis.deSchirmherrschaft: Bundesministerium für Arbeit und SozialesEine Initiative der Zeitschrift In Kooperation mitArbeitsrechtim Betrieb35. jahrgangissn 01741225d 3591zeitschrift für den betriebsrat | aib-web.de 1 | 2014Mit Unterstützung vonImpressumSonderdruck der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«. Autor: Christof Herrmann. Redaktion: Susanne Ebner-Schurr. Grafik & Gestaltung:LingoVision Hamburg/Gelsenkirchen. Verlag: Bund-Verlag GmbH. Geschäftsführer: Rainer Jöde. Titelbild: Dirk Baumbach Fotografie.130652_AZ_DBRP_2014_Teilnahmeaufruf_205x85_1-3_4c.indd 1 10.10.13 09:31

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