84 World of MTB | KURVENREICH - Pure Mountains

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Langsam findet manGefallen am losenUntergrund>>UnterkommenSierra NevadaPure Mountains BikeLodgeCortijo Márcula18451 BérchulesGranada, SpainTel.: +34 686 032 003jenny@puremountains.comwww.puremountains.comAuf der oben genanntenWebsite finden sich unter„Schedule & Prices“sämtliche Termine, zudenen man als Einzelpersonoder zu zweit zu einerGruppe stoßen kann. AufAnfrage organisieren Jennyund Tim jedoch auchextra Veranstaltungen fürgrößere Gruppen (z. B.Vereine) ab 5 Personen.Im Preis enthalten sindFlughafen-Transfer,Unterkunft, Frühstück,Lunch, (teilweise) Abendessenund Guiding mitPick-up-Support. Unter18-Jährige und Nichtbikerzahlen 65% des ausgeschriebenenPreises.Granadawww.airbnb.deab ca. 15,- Euro/Person/Nachtin direkter Nachbarschaftragt der Mulhacénstolze 3.482 Meter empor.Der höchste Berg der iberischen halbinselbegrünt mit dem Schmelzwasser seinerSchneeKuppe die Alpujarras.1Nun, wenn einer, der schon überall gewesen ist, von einemganz besonderen Spot erzählt, spitzt man die Ohren.Das Ohr, von der Muschel bis zum Hammer, dreht sichgen Sprecher. Lauschangriffshaltung. „Das warme Spanien“,sagt er. „Mmmmh“, sagt man zurück. Vom Meererzählt er, vom Weg hinauf in die Berge. „Mmmmh.“Von hübschen Dörfern, die sich an die Hänge schmiegen.Und, so flüstert er, dort hoch droben im Nationalpark derSierra Nevada findet man eine einsam gelegene Bike-Station: geschmackvoll vom Steinhaus bis hin zum Essen.Klingt alles ganz mmmh. Dann dies: Die Station wird vonEngländern geführt. Das Ohr zuckt! Qué? Engländer inSpanien?! Rot verbrannte Haut, „Man United“-Trikotsund fiese Tattoos, Bierdosen und Baked Beans. Er sprichtvon englischer Höflichkeit, schwarzem Humor und TeaTime. Na dann!Recht nah dran am HimmelDeutschland herbstelt, Spanien flipflopt. Wir stopfenunsere Daunenjacken in den Koffer und sitzen dankzweistündiger Warteschlange am Mietauto-Schalterpünktlich zum Sonnenuntergang-Picknick am Meer.Selbst die billigsten Oliven aus dem Supermarkt machenwas her und „Calamari en su tinta“ verspritzen einen86 World of MTB | KURVENREICH


Muesli-Bars? „We servetea and biscuits!“ So siehteine Verschnauf-Pause beiTim & Jenny aus4 Sightseeingper pedes5 Coach NeilMcDonaghue inseinem Element6 Caballos7 Tim & LucyStrampelnd streben wir über runde Kuppen auf die 2.000-NN-Marke zu. Diese abgerundete Weite hat schon vieleBiker verführt, diese Region ordentlich zu unterschätzen,weiß Tim zu berichten. Dabei befindet man sich auch hierim Hochgebirge, wie nicht nur die Häufchen des iberischenSteinbocks beweisen. Plötzliche Wetterumschwüngeoder das Aufziehen von Nebel hat zur Folge, dass mansich ruck, zuck verlieren kann in der Abgeschiedenheithier oben. Und zwar nicht nur in seinen Gedanken, sondernganz real in unzähligen Kuppen, die dem Revolver-Gebiss eines Hais gleich bis an den Horizont reichen.So schön es ist in der Heimat, in den Alpen, in Finaleoder den Dolomiten – allein für sich ist man nicht. Inder Sierra Nevada begegnet man hingegen höchstensTomatenbauern oder Ziegenhirten. Kein Wanderer,kein Bike-Verbotsschild. Das lieblichen Almwiesenund dramatischen alpinen Gesteinsformationengeneigte Auge muss sich erst gewöhnen an diesesparsam begrünte Umgebung. Nach einer Weilejedoch offenbart sich der Reiz der mit Wacholder undstacheligen Gräsermatten bewehrten Kuppen: In derEinsamkeit lenkt nichts ab. Andere Sinne übernehmendie Oberhand: Es sind da Schafgeläut, Hundebellen,Eselsschreie. Rosmarin- und Thymianduft bezirzen.Und auch der Geruch von frischgebrühtem AfternoonTea hängt hinter der nächsten Kurve. Wie man weiß,unterbrechen die Engländer zur Tea Time alles, ob Sexoder Krieg – und somit selbstverständlich auch Bike-Ausritte. So erwartet uns mitten auf der Strecke derLandrover, und Jenny serviert Tea & Biscuits auf 2.000Metern. Für die Engländer selbstverständlich, für unsselbstverständlich shocking.BIKE-, BENIMM-& ENGLISCH-UNTERRICHTDie Piniennadeln knacken nur so unter unserenReifen, als wir die Abfahrt antreten. Flüssig führt derkaum wahrnehmbare Trail durch den dicht stehendenNadelwald. Lucy, der Münsterländer, rast mit fliegendenOhren als unser Schäferhund voran. Die letzten200 hm führt der Weg über exponiertes Gelände miteinem fordernden Untergrund aus losem Glimmerschieferund einer kurzweiligen Führung über jedeMenge kleiner Sprünge und Anlieger. Viel zu schnellsteht man wieder vor der Finca.Was lernt man? Fahrtechnik, Benehmen und Englischgleichzeitig auffrischen. Tim ist eine Maschine, Jennyeine Frohnatur und beide sind ungemein höflich undplaudern zuvorkommend. Gott sei Dank fehlt auchder stereotypische britische Humor nicht. Und NeilDonaghue, der Coach? Wäre er Frauenarzt, irgendjemandwürde ihm bestimmt den „Arzt, dem die Frauenvertrauen“ auf den Leib schreiben. Mit der ruhigen Artund der herausragenden Fahrkunst des UK GravityEnduro Champions 2012 stellt sich die Frage nacheinem weiblichen Fahrtechnikcoach gar nicht. Nachmittagsbeim Fahrtechnikkurs lernen, üben, ab in denPumptrack im Vorgarten.WILDERNESS FOR GROWN-UPSTim hat viele der Tracks und Trails, die scheinbar diegesamte Sierre Nevada durchziehen, selbst gezimmert.Morgens schraubt er vor in der Werkstatt, sattelt denLandrover mit Hunden, Werkzeug und ähm Tee. Dannguidet er, erklärt und ähm schenkt Tee aus. Außerdemrasiert er seine Beine, fährt Rennen, braut sein eigenesBier – und ist immer, immer, immer und stets höflich.Treppen über Treppen lotst Tim uns durch die berühmtenweißen Dörfer der Sierra Nevada – wer hatbehauptet, dass es Spitzkehren nur im Gelände gebenkann?! Auch in Bérchules, Alcutár, Juviles und wie siealle heißen, diese bezaubernden Ortschaften, lauerneine Fülle an fahrtechnischen Herausforderungen,Steilrampen, riesige Stufen, Zaunlatten zum Balancieren.Von Dorf zu Dorf führt er uns zielsicher durchheilloses Gestrüpp und eng geschnittene Täler, diedurchzogen sind vom ausgeklügelten Bewässerungs-88 World of MTB | KURVENREICH


system der Mauren. Macht uns auf unzähligen schmalenPfaden entlang steiler Bergrücken zu Liebhabernlosen Untergrunds und zu Routiniers im Umgang mitbröckeligen Absätzen und engen Kehren. Überrascht unsmit einer völlig konträren Umgebung, einer üpppigen,grünen, voller Azaleen, Agaven und Trauben. Und einerunglaublich lauten, festlichen, als wir uns urplötzlich ineiner andalusischen Festivität wiederfindet, die tälerübergreifenddie stolzen Bewohner der Alpujarras an denGrill- und Paella-Ständen des kleinen Örtchens Cádiarvereint. Man kann sich dem kunterbunten Treiben einfachnicht entziehen! Auf der Heimfahrt hält man nocham Straßenrand, trinkt drei café con leche und sinniertdabei über dieses und jenes oder beobachtet, wie die Einheimischen,die vorbeifahrenden Autos der Touristen.Nicht nur sie, auch Punier, Römer, Goten, Vandalen, Maurenund Franco: Alle beanspruchten diesen Teil der iberischenHalbinsel für sich. Es ist dennoch eine ungezähmte,deshalb eine geschichts- und geschichtenträchtige Umgebung,in der auch ein weitgereister, ehemaliger Schauspielerund eine Anwältin eine Rolle spielen: als perfekte Gastgeberder ganz besonderen Pure Mountains Lodge.GRANADA KULT1.000 Höhenmeter kurvige Abfahrt mit dem Mietautogönnen wir uns am letzten Urlaubstag. Als pflichtbewussteDeutsche (und Tiroler) können wir uns der Anziehungskraftdes „Must-Visit“ eines jeden Reiseführersnatürlich nicht erwehren. Um es in einem Satz auf denPunkt zu bringen: Granada ist mehr als einen Urlaubstagwert! Seien es die Zeugnisse maurischer Herrschaft wie dieAlhambra, die Karawanserei oder der alte Seidenmarkt,seien es der neoklassizistische Palacio de las Columnasoder die Jardins Botanicós: In dieser hügeligen Stadt imTal des Darros gibt es so viel zu entdecken, hinter so vieleTüren zu schauen und so viele Tapas zu probieren!9Alhambra, Generalife und das alte maurische WohnviertelAlbaicín mit seinem pittoresken Gewirr aus winzigenGassen, allesamt und zurecht UNESCO-Weltkulturerbe,muss man sich tagsüber mit vielen Touristen teilen. WerMüßiggang schätzt, sollte eher Richtung Universidad deGranada und Cartuja schlendern und sich einfach nur indie begrünten Innenhöfe der Campi mit ihren verschiedenenFakultäten fläzen. Womöglich in der Fakultät derSchönen Künste den Proben der Musiker lauschen unddabei die mitgebrachten „dulces“ aus einer der vielenBäckereien verspeisen. Und wer trotz aller Attraktion garnicht vom Bike lassen kann, möchte vielleicht bei Bullbikesnahe dem Instituto de Astrofisico vorbeischauen,sich dort ein Rad ausleihen und die Stadt erfahren.90 World of MTB | KURVENREICH


AnkommenAm besten mit dem Flugzeug(z. B. über expedia.de, Hin- und Rückflugsaisonabhängig, ab ca.250 Euro) von Deutschlandaus nach Malaga,Granada oder Almería.8>>RumkommenMietwagen sind in Andalusienrelativ günstig. Mansollte aber auf jeden Falleine Kategorie auswählen,die einigermaßen großeBodenfreiheit bietet (z. B.Citroën Berlingo), wennman plant, sich in denAlpujarras zu bewegen.>>Beste ReisezeitAnfang April bis EndeNovember.>>MietbikesPure MountainsDa Pure Mountains seitdiesem Jahr offizielleCanyon-Teststation ist,kann man sein eigenesBike getrost zu Hauselassen. Die 2014er-Bikessind top gewartet und bietendie beste Gelegenheit,sich von der Qualität derKoblenzer Ingenieure zuüberzeugen. Der Preisbeginnt bei 180 Euro/Bike/Aufenthalt.EL FINSo oder so, der Besuch Granadas rundet diesen an Eindrückenso reichen Bike-Urlaub kulturhistorisch ab undverpasst ihm das finale Sahnehäubchen. Die friedlicheIdylle der Pure Mountains Lodge, gewürzt mit einerkräftigen Prise schwarzen, britischen Humors. Weitgehendzivilisierte Bike-Fanatiker aus dem europäischenAusland, geeint in der wilden Bergwelt der Alpujarras.Quitschbunte und krachend laute Festividades in einerGegend, in der ansonsten ungerührt ein behäbiger Alltaggelebt wird. Er hatte Recht, der Weitgereiste. Andalusienist eine besondere Gegend. Rundum besonders, besondershoch droben.108 Einfach dasitzen,die Atmosphäre aufsaugenund die Seele baumeln lassen9 Die Versuchung, den ganzenTag in einem der vielen Cafészuzubringen, ist ziemlich groß10 Als wär er einem Reiseführerentsprungen: verwitterterGitarrenspieler mit heisererStimme vor der Kathedrale SantaMaría de la Encarnación de GranadaGranadaBull BikesCalle Fontiveros 46Granadainfo@bullbikes.comwww.bullbikes.com>>TourenBei der schier unendlichenAuswahlan Wanderwegen undTrampelpfaden ist mangerne geneigt, sich vomPure-Mountains-Teamguiden zu lassen. Werdennoch alleine losziehenwill, findet unter www.gpsies.com Informationenzu Touren.91

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