Der Jahresablauf auf einem Bauernhof im Dobriner Land. Wenn ...

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Der Jahresablauf auf einem Bauernhof im Dobriner Land. Wenn ...

Der Jahresablauf auf einem Bauernhof im Dobriner Land.Wenn man vom Silvestergottesdienst aus der Kirche zurückkehrte, dann begann bereits dasNeue Jahr. Es änderte kaum die Aufgaben und die zu verrichtenden Arbeiten, die man schon seitJahren fast wie im Schlaf tat, wenn nicht besondere Umstände, wie Geburt, Hochzeit oder Tod vonFamilienangehörigen die Aufgabenteilung etwas umschichtete oder abweichendeWitterungsverhältnisse den Zeitablauf geringfügig verschoben.Nun was tat man so auf einem Hof in den langen Wintermonaten, in denen Kälte und Schneenicht allzu viele Aktivitäten zuließen? Die kurzen Tage waren schon mit Arbeit ausgefüllt! Man hatteja Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, manchmal auch noch Kaninchen,Tauben und Bienen, aber auch Hunde und Katzen und eine nicht gerade kleine Anzahl vonFamilienangehörigen, Knechte und Mägde, die alle schon am Morgen Hunger hatten.So wurde zuerst das Feuer im Herd und unter dem Futterdämpfer in der Futterkücheangemacht, damit die lautstarken Schweine beim Betreten des Stalles zuerst ihr Fressen bekamen.Anschließend waren die Pferde und Kühe an der Reihe. Die Pferde bekamen kurzgeschnittenes Häcksel mit eingestreuter Kleie, das mit Wasser übergossen und verrührt wurde, dasVieh längeres Häcksel mit zerkleinerten Rüben oder Wruken vermischt, in die Krippe. Nun konntendie Bäuerin und die Magd mit dem Melken beginnen. Der Bauer und der Knecht misteten den Stallaus, striegelten die Pferde, damit die Tiere sauber da standen und sich wohlfühlten. In der gleichenZeit hat die Großmutter, manchmal auch die Bäuerin, wenn sie nicht beim Melken helfen brauchte,das Frühstück vorbereitet. Oft gab es Weizenrübeln mit einer Milchsuppe oder Roggenrübeln(zacierki) mit Kartoffeln und ausgebratenem Speck und Brot. An Feiertagen oder bei besonderenAnlässen aß man Butterbrot bestrichen mit Marmelade (Zwetschgenmus oder Sirup) und trankKaffee, Tee oder Milch. Nur an großen Festtagen ersetzte Kuchen das Brot. Nach dem Frühstückhaben die Frauen ihre Hausarbeit verrichtet, die Männer begaben sich in die Scheune, den Stall oderHof, wo es immer genug zu tun gab. Es musste gehäckselt und geschrotet, die Futterrübenzerkleinert - in den letzten Vorkriegsjahren gab es hierfür einen Rübenschneider - Heu und Stroh fürdie Tiere vom Stallboden oder Scheune heruntergeschafft und das Vieh getränkt werden. Viel Zeitnahm das Häckseln und Schroten in Anspruch. Eine wichtige Hilfe leistete das Rosswerk(Göpel/polnisch manez).Es wurde von Pferden an einer langen dicken Deichsel im Kreisgezogen, oft war es ein dicker behauener Baumstamm. Mithilfe des Göpels wurden alleArbeitsgänge an der Häcksel- und Dreschmaschine und der Schrotmühle bewerkstelligt.Mithilfe der Pferdekraft drehte sich das vertikal gelagerte große Zahnrad im Kreise undübertrug die Energie auf ein kleineres horizontal gelagertes Zahnrad. Dieses wiederumbewegte lange mit Klauen und Splinten verbundene Eisenstangen, die die Kraft auf die großenSpeichenräder der Häckselmaschine übertrug und so den notwendigen Arbeitsgang ausführte.Das Rosswerk war ein sehr wichtiges Arbeitsgerät, mit dem man die Muskelkraft der Pferdeausnutzte und eigene sparte. Bevor man dieses Gerät kannte, musste der Mensch alles mitHänden tun. Beim Häckseln benötigte man im Allgemeinen drei Leute. Einer, oft war es einKind, der Großvater, manchmal sogar ein gelehriger Hund, trieb die Pferde im Kreise herum.Zwei Männer bedienten die Häckselmaschine; einer davon reichte das Stroh dem an derMaschine stehendem, der es wiederum in die Lade einlegte und gegen zwei sich drehendeWalzen schob, die das Stroh pressten und den sich im Kreis drehenden Messern zuführte.Diese scharfen Messer schnitten das Stroh zu Häcksel. Bei 4 Messern wurde das kurze Häckselfür Pferde und bei 2 Messern das längere für Kühe geschnitten. Beim Schroten genügten zweiLeute. Diese Arbeiten wurden im Winter einmal wöchentlich den ganzen Tag hindurch getan.An einem weiteren Tag fuhr man Raps- oder Flachssamen in die Ölmühle, um Öl zu schlagenund Ölkuchen für die Milchkühe zu haben. Auch die Ölmühle wurde mithilfe des Rosswerksund der Pferdekraft betrieben. Wiederum an einem anderen Tag wurde Holz gefällt, vor alleman sumpfigen und unzugänglichen Stellen, weil jetzt im Winter alles zugefroren war unddadurch der Abtransport leichter geschehen konnte. Manchmal fuhr man in die Stadt.


Montags in die Kreisstadt und am Mittwoch nach Strasburg, um die Erzeugnisse des Hofes zuverkaufen, Getreide gegen Mehl einzutauschen und notwendige Waren einzukaufen.Eine geraume Zeit und viele Helfer benötigte man zum Getreidedreschen. Gedroschenwurde meistens bei starkem Frost, weil dadurch die Körner leichter aus den Ährenherausfielen. Zum Betreiben der Dreschmaschine spannte man mindestens 4 Pferde ansRosswerk und benötigte dadurch oft die Hilfe der Nachbarn, die neben den Pferden auch nochHilfskräfte zur Verfügung stellten. Dabei ging es hoch her, denn man benötigte 10 - 12Personen, um die anfallende Arbeit in einem Arbeitsgang zu erledigen. Die einen gabelten dieGarben auf den "Tisch". Hier oben stand eine Frau band sie auseinander und reichte sie demMaschinenführer, der mit der notwendigen Menge des nicht gedroschenen Getreides dieDreschmaschine "fütterte". Dieser Mann war auch für das Ölen und Abschmieren aller Geräteund das Funktionieren der Maschine verantwortlich. Das Korn fiel unter das Gestell derMaschine und musste mit einer Holzschaufel oder Harke weggeschafft werden. Das Stroh undauch ein Teil des Staubes wurden durch die Drehbewegung der Flegel zur Seite weggeblasenund mussten laufend mit einer Forke weitergeschoben werden, damit die Maschine sich nichtverstopfte. An dieser Stelle war es sehr staubig, die hier eingesetzte Person war schwarz vorStaub. Diese Arbeitsstelle nannte man die Hölle. Weitere Arbeitskräfte mussten das Stroh zumvorgesehenen Ort schaffen. Alle Arbeitsvorgänge mussten, wie erwähnt am "laufenden Band"ausgeführt werden, und so war das Dreschen keine leichte Arbeit. Wohl auch aus diesemGrunde sorgte die Bäuerin für gutes Mittagessen, damit die Arbeit auch am Nachmittagweitergehen konnte. Meistens gab es eine gute fette Brühe mit selbstgemachten Nudeln,Fleisch, Kartoffeln, Soße und Sauerkraut oder Gemüse, damit jeder zufrieden war. Das guteEssen trug auch zum Ansehen der Bäuerin bei. Während der Mittagspause wurden die Pferdeabgefüttert und auch das eigene Vieh versorgt. Über viele Tage hinweg dauerte das Dreschen,denn man hatte Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Klee, Buchweizen und Raps geerntet. NurFlachs oder Stroh zum Decken von Dächern, "sogenanntes gerades Stroh", wurde noch mitFlegeln, die von 2 oder 3 Männern im Takt auf und ab geschlagen wurden, gedroschen. Nachdem Drusch musste die Frucht von den Granen getrennt werden, was mithilfe der Windmühle(wialnia) geschah. Durch das Drehen von Windflügeln und Rütteln auf Sieben verschiedenerMaschengröße fiel die Frucht nach unten und die Spreu wurde nach hinten weggeblasen. DieKörner wurden dann eingesackt und auf dem Buckel der Männer zum Speicher oderHausboden getragen. Die Spreu wurde je nach Fruchtart verfüttert oder als Streu benutzt.Auch die Frauen nutzten die lange Winterzeit, um Arbeiten auszuführen, die beimEinsetzen der Feldarbeiten nicht mehr ausgeführt werden konnten. So wurden Wolle undFlachs gesponnen, um dicke Handschuhe, Wollstrümpfe, Pullover und Schals zu stricken undLeinsäcke weben zu lassen. Ansonsten wurden die Kleidungsstücke in den Textilgeschäftender Städte gekauft. Eine Arbeit, die an den langen Abenden getan wurde und sich oft bis in dieNacht erstreckte, war das Federschleisen, um zu warmen und weichen Betten zu kommen.Geschleist (Entfernen der Federkiele) wurden nur Gänse- und Entenfedern. Dabei durfte nichtzu stark ausgeatmet werden, sonst flogen die Federn durch die Luft. Noch schlimmer wurdees, wenn jemand niesen musste. Bei dieser Arbeit sollte der ganze Vorgang in einemArbeitsgang geschehen, damit das leidige Aus- und Einschütten der Federn nur einmal geschah.So halfen oft dabei Mädchen und Frauen aus der Nachbarschaft. Dabei wurden bekannteMelodien gesummt und Gruselgeschichten erzählt, sodass zur Freude der jungen Burschen dieMädchen nach getaner Arbeit Angst hatten, nach Hause zu gehen. So bot sich für die Burschen dieGelegenheit sie auf dem Nachhausewege zu begleiten, was natürlich gern geschah. Bei diesen vielenabwechslungsreichen Arbeiten verging der Winter sehr schnell und meistens begann dann schonum die Mitte des März die Tauperiode. Der Schnee schmolz, es tropfte von den Dächern, der Bodenbegann aufzutauen und damit fing die Schlammperiode an. "Blotte" nannte man den Schlamm undnur mit hohen Schaftstiefeln traute man sich ins Freie. Manche besser gestellten Leute hattenGummigaloschen, die man über die Stiefel stülpte und so keine nassen Füße bekam. War der Hof


nicht mit Steinen gepflastert, dann legte man Holzdielen vom Haus zum Stall und Scheune, damitman trockenen Fußes einigermaßen durchkommen konnte. Man bemühte sich das tauende Wasserabzuleiten, und wenn die Sonne es gut meinte, dann taute der Boden schnell auf und dieunangenehme Zeit war bald vorbei. Jetzt begann die Frühlingsarbeit. Die Doppelfenster wurdenauf dem Boden verstaut und man schaute sich im Haus und draußen um, und es stand manches an.Die Zäune wurden ausgebessert, damit das Vieh auf die Weide konnte. Die Kartoffelmieten wurdengeöffnet, um zu sehen, ob nichts erfroren ist. Die Saatkartoffeln sortierte man aus. Sie durften nicht zugroß und nicht zu klein sein. Die Sommerfrucht (Hafer, Gerste, Buchweizen) wurde mit derWindmühle (mürynek) noch einmal gereinigt, um taube Körner wegzublasen. Nun wurde der Mistauf die Felder gefahren und die Kartoffelaussaat begann. Der Bauer pflügte den Acker um. In dieFurchen wurden die Kartoffeln in Abständen von ca. 40 cm hineingelegt und beim nächstenPflugdurchgang wieder zugedeckt. Auch bei dieser Arbeit halfen mehrere Personen, damit derBauer zügig pflügen konnte. Die Sommerfrucht und auch die Rüben wurden in frisch gepflügtenund geeggten Boden ausgesät. Je nach Bodenbeschaffenheit wurde auch noch gewalzt. Wenn dieAussaat mit der Hand vorgenommen wurde, dann hängte man sich ein Leinentuch um und bandes über dem Hals zu. Dann füllte man das Leinentuch mit der Frucht. Nun ging der Bauer mitgemessenem Schritt durch den Acker und streute das Saatgut in den vorbereiteten Boden. DieseArbeit musste genau ausgeführt werden und die Körner gleichmäßig verteilt, damit dieErnte gut ausfiel. In den letzten Vorkriegsjahren ersetzte diese Arbeit die Drillmaschine, dievon 2 Pferden gezogen wurde und für gleichmäßige Aussaat die Garantie gab. Auch unsereBauern gingen mit der Zeit und haben sich modernisiert.In die Zeit der Frühlingsarbeiten fiel auch das Osterfest, das aufgrund der tiefenReligiosität unserer Menschen sehr feierlich begangen wurde. Am Gründonnerstag wurde dasHaus geputzt, der Hof gefegt und alle Festvorbereitungen getroffen. Besondere Bedeutungkam dem Karfreitag zu. Er war der höchste Feiertag des Jahres. Zwei Gottesdienste wurdengehalten; am Vormittag zur üblichen Zeit, am Nachmittag zur Sterbestunde Jesu um 3 Uhr (15Uhr). Die Gläubigen nahmen am Abendmahl teil und haben den ganzen Tag gefastet d. h. siehaben nichts gegessen. Erst am Abend nach Sonnenuntergang hat die Familie das Esseneingenommen. Nur die nicht konfirmierten Kinder waren von diesem Fasten befreit. AmKarsamstag wurden nur die notwendigsten Arbeiten im Haus und Hof durchgeführt.Ostersonntag war ein Freudentag, denn der Herr ist auferstanden. Vor Sonnenaufgang machteder Hausvater einen Rundgang um die Gebäude und betete dabei das Vaterunser. DieserGebetsgang sollte das Anwesen vor Unglück und Feuerbrunst bewahren. Heidnisches paartesich hier mit dem Christlichen. Zu den alten Bräuchen gehörte das Holen des "Osterwassers"aus einer Quelle, mit dem sich die Familie das Gesicht wusch. Frische und saubere Haut undFernbleiben von Augenleiden sollten dadurch erreicht werden. Nun war die Sonneaufgegangen - ich kann mich kaum an verregnete Ostern erinnern - und der Familienvaterforderte seine Angehörigen auf, in die Sonnenscheibe zu schauen, um das hüpfendeOsterlamm zu sehen. Bei längerem Hinschauen waren die Augen so überanstrengt, dass alleund insbesondere die Kinder das hüpfende Osterlamm sahen.Inzwischen war der Tisch gedeckt, eine Menge Ostereier lagen auf den Tellern und manbegann mit dem Ostereierklopfen. Man schlug mit der Spitze des Eies auf das Ei seinesNachbarn. Das zersprungene Ei musste dem Sieger gegeben werden. Auf diese Art und Weisekonnte man viele Eier gewinnen oder auch verlieren. Gut war es, wenn man einwiderstandsfähiges Ei mit harter Schale hatte. Mein Großvater drechselte mir mal ein Holzeiund färbte es an. Dieses wurde sehr schnell von den Mitspielern erkannt und ich als Betrügerentlarvt. Es wurde gut gespeist und mancher gute Esser schaffte 5 - 6 Eier, seinem Magenzuzuführen. Nach dem ausgiebigen Frühstück, bei dem es oft laut und lustig zuging, suchteman den Gottesdienst auf, um der Auferstehung Jesu zu huldigen. Am Kirchgang nahm dieganze Familie teil. Man begegnete unterwegs den Nachbarn und wünschte sich ein frohes


Fest. Der erste Feiertag wurde im Kreise der Familie begangen. Der Ostermontag wurde lustigund ausgelassen gefeiert.Er begann mit der Sitte des "Stipperns". Schon am frühen Morgen gingen die Burschen zuVerwandten, Nachbarn und Freunden, um junge Mädchen mit Birkenzweigen auf die Waden zuschlagen (stippern). Die meiste Freude hatte man daran, wenn die Auserwählte keineFrühaufsteherin war und noch im Bett angetroffen wurde. Für diese mühevolle Arbeitbekamen die jungen Männer von der Hausfrau bemalte Ostereier geschenkt. Am Nachmittagbesuchte man sich gegenseitig, erzählte über dieses und jenes und vergaß es auch nicht , die Gäste zubewirten. Oft wurde auch noch der Dienstag, der sogenannte dritte Feiertag als Besuchstag angesehen,vor allem, wenn die Frühjahrsfeldarbeiten schon beendet waren.Bis zur Ernte war noch eine lange Zeit; man nannte sie "przednowek" d.h. die Zeit vor demneuen Brot. Für die ärmeren Leute eine Zeit, in der der Brotkorb etwas höher hing. Doch anArbeit fehlte es auch jetzt nicht. Es wurde Torf gegraben, um für den nächsten WinterHeizmaterial zu haben. Zuerst wurde die Grasnarbe abgestochen und dann begann man mit demStechen des Torfes. Mit einem scharfen Spaten stach man ihn aus und warf ihn auf dievorgesehene Fläche. Dann wurden das schon beim Häckseln und Dreschen erwähnte Rosswerkund die Torfmaschine auf die Wiese transportiert, um den Torf zu "mahlen" und zu pressen. DieTorfmaschine arbeitete nach dem Prinzip des Fleischwolfs, nur war sie um das Vielfache größer. Dergestochene Torf wurde in die Maschine hineingeworfen. Durch die spiralartige Drehung der "Walze"kam der durchgemahlene und gepresste Torf am vorderen Teil heraus. Er wurde auf ca. 60 cmlangen Brettern abgefangen, die sich auf Rollen drehten. Mit den Brettern wurde der Torf auf dieSchubkarre geladen und zum Trocknen auf die Wiese ausgelegt. Die Torfmaschine wurdemithilfe des Rosswerks und der Pferdekraft betrieben. Nach einigen Tagen wurde der schonetwas angetrocknete Torf, der langen, schwarzen Broten ähnelte, gewendet und später zu kleinenStapeln aufgeschichtet, damit er noch besser trocknen kannte. Nach einer Trockenzeit von ungefährvon 2 - 3 Wochen, abhängig von den Witterungsverhältnissen, wurde der Torf in den Schuppengefahren und diente als Brandmaterial für Kachelöfen und Herde. Seine besondere Eigenschaft war,dass er die ganze Nacht hindurch die Glut hielt und dadurch morgens das Feueranmachenersparte. Ähnlich wie beim Dreschen halfen beim Torfmachen die ganze Familie und manchmal auchnoch die Nachbarn mit. Im Juni begann die Heuernte. Die Wiesen wurden noch von Männern mitSensen gemäht. Das Wenden von Heu besorgten meistens die Frauen. Am Zusammenstellen der Heuhaufenund dem Harken war wiederum die ganze Familie beteiligt. Auch beim Einfahren des Heuesbrauchte man mehrere Leute, vor allem beim Abladen über dem Stall, wo die Kinder das Heufest zusammentreten mussten. Zwischendurch wurden die Kartoffeln gehäufelt, die Rübengehackt und das Gemüse gejätet. In dieser Zeit hat man auch einmal im Jahr einen besonderenGroßwäschetag gehabt. D. h., der ganze Wäschebestand wurde in Bütten auf einen Wagenverladen und zum Spülen an den See gefahren. Am kleinen Tümpel in der Nähe des Hausesbleichte man die frisch gewebten Leinstoffe. Sie mussten mehrmals täglich mit Wasser bespritztwerden. Diese leichte Arbeit besorgten die Kinder. So verging die Zeit bis zur Ernte wie imFluge. Es gab immer genug zu tun, doch die Hektik der heutigen Zeit kannte man nicht.Und nun, meistens um Mitte Juli, stand die Ernte vor der Tür. Es galt genügend Leute fürdieses große Vorhaben aufzutreiben, denn es wurden noch fast alle Arbeiten mit der Handausgeführt. Als Art Vorernte wurde zuerst der Raps eingebracht. Dazu genügten die eigenenLeute. Zur Getreideernte da galt es, alles zu mobilisieren. Zunächst hat der Bauer mit einigenMännern und Frauen der Umgebung den Lohn im Voraus ausgehandelt. Während derErntezeit hörte man schon vor Sonnenaufgang weit und breit das Dengeln der Sensen. Nur miteiner gut geschärften Sense konnte man seinem Mann stehen. Zu jedem Mäher gehörte eineBinderin, die die Garben gleich zusammenband. Der Bauer und die Kinder stellten die Stiegenzusammen. Bei lebhaftem Hin und Her kam es öfter vor, dass um die Wette gemäht wurde.Man wollte sehen, wer der beste Mäher ist, denn er führte dann die Mäher an und bestimmte


auch das Arbeitstempo. Im gewissen Sinne war Arbeit auch noch Sport. Da die Ernte über eineWoche dauerte, wurde vorher ein Schafbock geschlachtet, um die schwer Arbeitenden beiKräften zu halten. Alle bekamen ihr Mittagessen auf dem Bauernhof. Brühe mit Nudeln dannKartoffeln mit Fleisch und frischem Salat und Dickmilch bildeten die Hauptspeise. Nach demEssen wurden noch einmal die Sensen gedengelt, denn man arbeitete bis zumSonnenuntergang. Die Vesper wurde von der Bäuerin aufs Feld gebracht, um nicht zu viel Zeitzu verlieren. Gerne aßen die Leute belegte Brote mit Eiern, Speck und sauren Gurken undKaffee oder Tee als Getränk. Für die Bäuerin war es nicht leicht, sich jeden Tag etwas Guteseinfallen zu lassen. Leute, die weiter wohnten, übernachteten im Hof, um den Anmarschweg zusparen. Geschlafen wurde in der Scheune oder auf dem Heuboden. Wenn das letzteGrundstück abgemäht war, haben die Mäher aus den schönsten Ähren einen Erntekranzgebunden - die Polen nannten ihn Pempek - und überreichten ihn der Bäuerin als Dank für diegute Versorgung während der Erntezeit und dem Wunsch, dass der Ernteertrag das Jahrhindurch ausreichen möge. Diese wiederum hatte eine Flasche Schnaps bereit und so wurdedie Ernte in froher Stimmung abgeschlossen. Bei der Ernte halfen sehr oft Polen, die dasAbmähen gerne in Akkordarbeit übernahmen.Für die Leute im Hof begann jetzt das Einfahren der Garben. Dafür mussten die Wagenverlängert und mit Leitern versehen werden, damit sie viele Garben fassen konnten. Wennman vom Felde mit dem vollen Erntewagen ankam, stellte man ihn zum Abladen in dieScheunendiele. Der zweite Wagen war ja inzwischen entladen und stand leer im Hof. Schnellspannte man die Pferde um und fuhr aufs Feld, um die neue Ladung herbeizuschaffen. Eilewar geboten, denn man wusste nie, ob das gute Wetter anhält. Zwei Leute sollten besondersmit diesen Erntearbeiten vertraut sein; der eine musste vom Einschichten der Garben in derScheune etwas verstehen, der andere vom Beladen des Wagens, damit dieser unterwegs nichtumkippte. Zwischendurch harkte meistens der Großvater die auf den leeren Feldern liegengebliebenen Ähren, das sogenannte "Lose" mit einer vom Pferd gezogenen Harke, auf der mansitzen konnte, zusammen, damit auch dieser Teil der Ernte eingefahren werden konnte. Auchdiese Arbeiten mussten zügig und schnell vor sich gehen, denn wie gesagt, man wusste nie,wie das Wetter sich verhalten wird. Nach Beendigung des Einfahrens wurde das Lose zuerstgedroschen, damit man Stroh und vor allem Brot aus frischem Korn hatte. In der Kirchegedachte man des Erntedankes. Nach der Ernte galt es jetzt, den Boden für die neue Aussaatvorzubereiten. Die Stoppelfelder wurden zuerst geschält d. h. ganz flach umgepflügt. BeiGründüngung, der mit Lupine bewachsenen Äcker, wurde für die Aussaat gleich tiefumgepflügt. Auf den Wiesen musste Grummet, die zweite Heuernte, eingebracht werden. Dannbegann man mit dem Dreschen der Saatfrucht und Anfang September mit der Aussaat desRapses, dann des Roggens und Winterweizens. Anschließend stand die Kartoffelernte bevor.Auch hier brauchte man viele fleißige Hände, denn die Kartoffeln wurden noch mit Hackenausgemacht. Diese schwere Arbeit, die in gebückter Haltung oder auf Knien getan wurde, zogsich über viele Tage hinweg und oft schon bei nasskalter Herbstwitterung. Ähnlich ging es beider Rübenrodung vor sich. Mit den Hackfrüchten wurden die Kellerräume in den Gebäudengefüllt, damit man auch bei winterlicher Kälte Vorräte für Mensch und Vieh hatte. Der größteTeil wurde in "Mieten", die in der Nähe der Gebäude gegraben wurden, aufbewahrt. DieMieten wurden zuerst mit Stroh eingedeckt und darüber etwas Erde geschaufelt. Bei denersten Frösten kam eine dickere Erdschicht darauf und bei starkem Frost kamen Blätter undNadeln als Isolierschicht darüber. Alle Herbstarbeiten mussten zügig vorangetrieben werden,denn man wusste nie, wann der Winter einsetzt. Nun hat man auch den Flachs vom Feldegeholt und bearbeitet. Er wurde nicht gemäht, sondern mit den Wurzeln ausgerissen, dann mitFlegeln handgedroschen und das "Stroh" in einen Torfgraben ins Wasser gelegt, damit dieäußere Schicht, die die Flachshaare sonst schützt, abfault. Dann wurde der Flachs nach Hausegefahren, in einer Darre getrocknet und dann gebrochen. Jetzt konnte man ihn hecheln und


danach erst zu dünnen Fäden spinnen, um anschließend auf einem Webstuhl zu wertvollemLeinen zu verarbeiten.Auch mit der Obsternte musste angefangen werden. Ein großer Teil des Obstes wurde inder Darre getrocknet (Dörrobst). Am besten eigneten sich Zwetschgen dazu, aber auchbestimmte Birnen- und Apfelsorten wurden auf diese Weise verarbeitet. Das Einkochen oderEindünsten in Gläsern oder Dosen hatte man damals noch nicht praktiziert. Das Dörrobstwurde verkauft, ein Teil davon im eigenen Haushalt als Beilage zu Suppen und als Kompottverwendet.Besonders verbreitet war das Kochen des Pflaumenmuses. Im Garten wurde eineHerdstelle gegraben, in die man einige Ziegelsteine setzte. Darauf wurde ein großerKupferkessel gestellt, der mit ausgesteinten Pflaumen gefüllt wurde. Zwischen denaufgebauten Ziegelsteinen wurde Holz aufgeschichtet und angezündet. Damit wurde schonam frühen Morgen begonnen. Die Kochprozedur dauerte 24 Stunden, wobei man das ständigeUmrühren mit einem langen Holzrührer nicht vergessen durfte, sonst brannte alles an. Ab undzu wurden noch Pflaumen nachgefüllt. An der Herdstelle fanden sich am Abend Leute ein,wärmten sich, versuchten den Mus, erzählten alte Geschichten und schauten auf die nahegelegene Wiese mit ihren Torfgräben, um die Irrlichter zu sehen. Bald verschwanden einige imHaus und begaben sich zur Nachtruhe. 2-3 Personen blieben auf bis der Mus, auch Kreidegenannt - ich kann mir die Herkunft dieses Namens nicht erklären - topffertig war. GagenMorgen wurde das Mus in Steintöpfe abgefüllt und oben mit einem Leinentuch zugebunden.Auf ähnliche Art und Weise kochte man auch Sirup, der jedoch viel süßer war. Um Zucker zusparen, mischte man auch nicht selten beide Arten zusammen und kochte sie noch einmal auf.Diese "Kreide" diente oft als Brotaufstrich und wurde gern von Kindern gegessen, die sichdabei die Wangen verschmierten und versuchten, mit der Zunge den Mund wieder sauber zulecken. Wenn der letzte Acker tief für den Winter umgepflügt war, dann folgte das Harkender Blätter und Nadeln im nahe gelegenen Wald, damit die schon erwähnten Mietenwinterfest abgedeckt werden konnte«. Auch nicht winterfeste Stallungen oder Hundehüttenwurden damit gegen Frost geschützt. Nun wurden noch die Keller mit Kartoffeln und Rübenvollgefüllt und meistens gegen Martini kam auch der erste Schnee. Die Kinder waren daraufgespannt, ob St. Martin auf einem Schimmel oder Rappen geritten kommt. Zu diesem Zeitpunktwechselte mancher Knecht und manche Magd ihren Bauer. Man fuhr auf den Jahrmarkt,kleidete sich für den erhaltenen Lohn neu ein und schaute nach einem neuen Arbeitgeber.Fand man einen neuen Herrn, so wurden der Lohn und sonstige Vereinbarungen gegenHandschlag getroffen. Langsam dachte man auch an die Hausschlachtungen, die auf dem Hoferfolgten. Am Vortag wurden die Messer auf dem Schleifstein geschärft und mit einemWetzstein nachgezogen. Das Holz wurde vorbereitet, damit genügend heißes Wasser auf demHerd zur Verfügung stand. Jetzt konnte man das ausgesuchte Schwein schlachten. Meistenswurde dazu ein Nachbar oder Verwandter, der dieses Handwerk verstand, hergebeten. Dasabgeschlachtete Schwein wurde in einen Trog gelegt und mit kochendem Wasser abgebrüht,dann die Borsten mit scharfen Messern abgeschabt. Dann wurde das saubere Tier mit denHinterfüßen an einem Haken aufgehängt, der Bauch aufgeschnitten und die Innereienherausgenommen. Jetzt reinigte man die Därme, das Fleisch wurde dem Verwendungszweckentsprechend aufgeteilt, im Kessel gekocht und zur Wurst verarbeitet. Schinken und Wursträucherte man, einen Teil hat man als Salzlake in einem Steintopf eingepökelt. Dass an solcheinem Tage ein deftiges Fleischgericht auf dem Tisch stand, versteht sich von selbst. Oft habenVerwandte und Bekannte in der Stadt davon etwas versuchen dürfen.Jetzt kam auch die Zeit, in der die Städter ihren Winterbrand bekamen. Die Frauen hattenjetzt Zeit, Flachs und Wolle zu spinnen, um noch rechtzeitig vor Wintereinbruch warmePullover, Socken und Handschuhe zu stricken oder zu häkeln. Der Bauer und seine Helferhäckselten und schroteten auf Vorrat, brachten Roggen und Weizen in die Mühle, um für


Weihnachten das nötige Mehl zu haben. Schlug man Holz, so wurde auch schon derTannenbaum mitgebracht. Zwischen Weihnachten und Neujahr sollten keine großen Arbeitenausgeführt werden. Am Nachmittag des Heiligen Abend wurde der Tannenbaum in die guteStube gebracht, die Frauen schmückten ihn und bereiteten die Geschenke vor. Bei Einbruch derDunkelheit kam die Familie und das Gesinde zusammen, man tauschte die Geschenke aus,wünschte sich ein frohes Fest, die Kinder sagten Gedichte auf und man sang die bekanntenWeihnachtslieder wie: "0, Tannenbaum," 0 du fröhliche" u.v.a.Nun folgte der Kirchgang. In der Kirche haben die Kinder meistens unter Anleitung ihresLehrers ein Weihnachtsspiel aufgeführt. Für mich die schönsten Kindererinnerungen! Auch anden beiden Festtagen wurde die Kirche besucht. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr dientezu Verwandten- und Bekanntenbesuchen. Die Arbeit stand im Hintergrund, nur die Abfütterungdes lebenden Inventars musste getätigt werden.So ging das Jahr zu Ende, man hatte was zu tun, war im Allgemeinen bescheiden undzufrieden, doch geschah alles ohne Hetze und Hektik im Vertrauen auf Gott, dass er allesgut geordnet und richtig gemacht hat.Sicherlich hätte ich noch über manches berichten können, wie Bräuche, Hochzeiten, Viehzucht undBienenhaltung u. v. a. Diese Zeilen sollten nur einen groben Abriss über das Leben auf einemgrößeren Bauernhof in unserem Dzierzno geben. Vielleicht wecken sie bei der älteren Generationmanche Erinnerung wach. Die Jüngeren, die die Heimat nicht mehr mit Bewusstsein erlebten,mögen erfahren, wie ihre Vorfahren ihr Dasein führten. Sollte mir das hier auch nur teilweisegelungen sein, so hat dieser Jahresüberblick seinen Zweck erfüllt.

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