Hannover-Langenhagen

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Hannover-Langenhagen

Hannover-LangenhagenEnde September/Anfang Oktober 1944 transportierte dieSS 500 weibliche Häftlinge nach Hannover. Die Frauen wurdenin zwei Abteilungen zur Arbeit in den Brinker Eisenwerkeneingesetzt: Im Werk I produzierten sie Munition, imWerk II waren sie in der Produktion von Flugzeugteilen undder Reparatur von Flugzeugen tätig. Die Frauen kamengrößtenteils aus Polen. Sie waren beim Warschauer Aufstandverhaftet und über das Durchgangslager Pruszkówund das Konzentrationslager Stutthof nach Hannoverdeportiert worden.Das Gelände der Brinker Eisenwerke war in den letztenKriegsmonaten Ziel zahlreicher Bombenangriffe der Alliierten.Anfang Januar 1945 zerstörte ein solcher Angriff auchdas Lager in Langenhagen, mindestens zwei Frauen kamenums Leben. Die Häftlinge wurden daraufhin in das bereitsbestehende Frauenaußenlager nach Hannover-Limmerverlegt.Wer Lagerführer des Frauenaußenlagers Hannover-Langenhagenwar, ist nicht bekannt.


2Hannover-LangenhagenWerk II der Brinker Eisenwerke inHannover-Langenhagen, ehemaligerArbeitseinsatzort der weiblichenHäftlinge des AußenlagersHannover-Langenhagen, vermutlich1990er-Jahre.Foto: unbekannt. (Privatbesitz)


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4Hannover-LangenhagenÜberlebende berichtenAm Gleis [in Stutthof] stand bereits eine kleine Schlange.Wir fanden uns rasch in den Waggons wieder. [...] Ich fühlte,dass ich nichts mehr gemeinsam mit den freien Menschenhatte. Jene hinter den Gitterfenstern gehörten zumeiner Welt. [...] In einer Nacht, während des Halts imUnbekannten, gingen Sirenen los. Die Deutschen verließeneilig den Zug und schlossen die Türen ab. Uns ergriff dasGrauen. Wir lehnten uns weinend aneinander. Nach einerStunde wurde es ruhiger und die Deutschen kamen aus denSchutzbunkern in den Zug zurück. [...] Ich meldete michfreiwillig für das Wegbringen der Dosen mit den Exkrementen,um etwas von der Umgebung zu sehen. Es gelang mir,in der Nähe der Waggons einen angebissenen Apfel zu finden.Ich hob ihn mit Freude auf und versteckte ihn in meinerTasche. [...] Die vier Tage lange Fahrt nach Hannoverhinterließ ihre Spuren. Tagsüber konnte man es noch aushalten,aber nachts zitterten unsere Körper vor Kälte. Einhalbes Brot und eine Scheibe Käse für ein paar Tage wareneine sehr bescheidene Portion. Der Magen knurrte. JedesKörperteil tat weh. Die ungewaschenen Gesichter und dieHände klebten vom Dreck. [...] Als der Zug in Hannoverzum Stehen kam, hatten wir keine Kraft, aufzustehen. Trägekrochen wir aus den Waggons hinaus.Maria Suszynska-Bartman, vom KZ Stutthof in das AußenlagerHannover-Langenhagen deportiert. Bericht, nicht datiert.Aus: Janet Anschütz/Irmtraut Heike: „Man hörte auf, einMensch zu sein“. Überlebende aus den Frauen-Konzentrationslagernin Langenhagen und Limmer berichten,Hamburg 2003, S. 33 f.


Hannover-Langenhagen5Das Konzentrationslager war an einem menschenleerenPlatz. Unsere Bewacher sollten uns von der deutschenBevölkerung abtrennen. Als wir ankamen, war das Lagerleer und sauber. Die Baracken waren sehr primitiv, und wir500 Frauen des Transportes wurden dort einquartiert. Fürdie Häftlinge waren insgesamt fünf oder sechs Barackenbestimmt – außerdem standen da Wirtschaftsgebäude. AmEnde des Geländes war ein Waschraum, in der Mitte einAppellplatz. Es gab auch einen runden Strafbunker von90 cm Durchmesser mit einem kleinen Fenster. [...] DasLager war von einem Drahtzaun umgeben, der unter Stromstand. [...] Auf dem Gelände waren nur die Gefangenenuntergebracht. Die SS hatte ihre Baracken außerhalb desZaunes. [...] Unsere „Stubowas“ [Stubenälteste] wurdennach ihren Deutschkenntnissen ausgewählt. Je eine „Stubowa“war für 26 Frauen in jedem Raum zuständig. Die Aufseherinnengaben ihnen die Befehle, welche die „Stubowas“an uns weiter gaben. Dazu kam eine sogenannte „Blokowa“[Blockälteste],die aus Frankreich stammte. [...] DieseFrau vertrat alle 500 Frauen. [...] Sie war ein sehr grausamerMensch. [...] Gegen Ende des Krieges fürchtete sie um ihrLeben, weil sie viele Leute sehr schlecht behandelt hatte.Maria S. Bericht, nicht datiert.Aus: Janet Anschütz/Irmrtaut Heike:Feinde im eigenen Land. Zwangsarbeit in Hannover,Bielefeld 2000, S. 201–203.


6Hannover-LangenhagenIch weiß nicht, wie viele Baracken es gab. Ich würde abersagen, dass das ganze Lagergelände nicht besonders großwar. [...] Küchen und Lagerräume standen auf einer Seite.Der Waschraum war kein normales Gebäude und an denSeiten offen. [...] Zum Waschraum wurde ein Rohr geleitet,an dem viele Wasserhähne angebracht waren. Wenn dasWasser in den Rohren nicht eingefroren war, wuschen wiruns draußen. War es gefroren, wärmten wir das Wasser inder Baracke auf. [...] Anfangs wurden unsere Barackenüberhaupt nicht geheizt. [...] Wir versuchten, hygienisch zubleiben. Draußen war es sehr kalt, und das war wirklich dieeinzige Möglichkeit, sich zu waschen.Krystyna N. Bericht, nicht datiert.Aus: Janet Anschütz/Irmtraut Heike:„Man hörte auf, ein Mensch zu sein.“Überlebende aus den Frauen-Konzentrationslagernin Langenhagen und Limmer berichten,Hamburg 2003, S. 79 f.


Hannover-Langenhagen 7Fernschreiben der Amtsgruppe Ddes Wirtschafts-Verwaltungshauptamtesvom 8. September1944 an die KonzentrationslagerNeuengamme und Stutthof zurVorbereitung eines Transportesvon 500 Frauen aus Stutthof indas Neuengammer AußenlagerHannover-Langenhagen(ASt)


8Hannover-LangenhagenFernschreiben der Amtsgruppe Ddes Wirtschafts-Verwaltungshauptamtesvom 21. September1944 an den Kommandanten desKZ Stutthof, SS-SturmbannführerPaul-Werner Hoppe.(ASt)


Hannover-Langenhagen 9Funkspruch des Kommandantendes KZ Stutthof, SS-SturmbannführerPaul-Werner Hoppe, vom27. September 1944 an den Kommandantendes KZ Neuengamme,SS-Sturmbannführer Max Pauly.(ASt)


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