Wie rede ich mit Zeugen

schwengeler

Wie rede ich mit Zeugen

RatgEbER

Es gibt kaum jemand, bei dem die Zeugen

Jehovas (Z. J.) noch nicht an der

Tür geklingelt haben. Ihre Frömmigkeit,

ihr Eifer und ihre Hingabe an ihren

Dienst beeindrucken. Wenn man sich jedoch

auf längere Gespräche und Bibelstudien

mit ihnen einlässt, merkt man, dass

sie den Namen Sekte zu Recht tragen,

auch wenn sie überzeugt sind, allein der

Bibel zu folgen. Ein Austausch mit ihnen

kann sich lohnen – für beide Seiten. Wer

jedoch biblisch kein einigermassen siche-

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Wie rede ich

mit Zeugen

Jehovas?

res Standbein hat, sollte sich darauf besser

nicht einlassen. Die Z. J. sind sehr gut

geschult und können einen schnell mit

unzähligen Bibelstellen, die ihre Thesen

belegen sollen, in Zweifel bringen. Auch

wenn das Gespräch irgendwann auf der

Stelle tritt, ist es besser, dieses zu beenden.

Häufig erzählen die Z. J. zunächst, wie

ernst sie die Bibel und Gottes Gebote

nehmen. Weil in Apostelgeschichte 15,29

steht, man solle sich des Blutes enthalten,

lehnen sie beispielsweise Bluttransfusio-

?

Die Religionsgemeinschaft der Zeugen

Jehovas scheint auf den ersten Blick

Gemeinsamkeiten mit bibeltreuen

Christen zu haben. Bei der Stellung,

die sie Jesus einräumt, und bei der

Betonung der Werkgerechtigkeit zur Rettung weicht

sie jedoch deutlich von der Bibel ab.

nen ab. Ausserdem

feiern sie

keine Geburtstage,

weil die beiden

in der Bibel

ausführlich beschriebenenGeburtstagejeweils

mit einer

Hinrichtung endeten:

Der Pharao

liess an seinem


Geburtstag den Bäcker erhängen (1. Mose

40,20 ff.) und die Feier von Herodes endete

mit der Enthauptung Johannes des

Täufers (Mark. 6,14 ff.). Ausserdem solle

sich ein Zeuge Jehovas in Demut üben

und sich nicht selbst feiern. Zudem sehen

sie in Geburtstagen eine zu enge Verbindung

zur Astrologie. Weihnachten wird

ebenso ausgelassen, da der 25. Dezember

ursprünglich ein heidnischer

Feiertag war, Jesus

im Herbst geboren sei und

nie verlangt habe, dass

wir seines Geburtstages

gedenken.

Das sind diskussionswürdigeAnsichten,

aber im Vergleich

zu den gleich folgendenschwerwiegenderen

Unterschieden wohl

eher zweitrangig. Letztendlich

ist es – nach Paulus

zu urteilen – die freie Gewissensentscheidung

eines jeden

Christen, welche Feste er (nicht)

feiern möchte: «So lasst euch von niemand

richten wegen Speise oder Trank,

oder wegen bestimmter Feiertage oder

Neumondfeste oder Sabbate» (Kol. 2,16).

Und Vers 20: «Wenn ihr nun mit Christus

den Mächten der Welt gestorben seid,

was lasst ihr euch Satzungen auferlegen,

als ob ihr noch in der Welt lebtet? ‹Rühre

das nicht an, koste jenes nicht, betaste

dies nicht!› – was doch alles durch den

Gebrauch der Vernichtung anheim fällt.»

Sinnvoller ist es, die Diskussion auf das

Wesentlichste des Glaubens zu lenken,

nämlich auf Jesus Christus. Jesus hat für

die Z. J. eine deutlich geringere Stellung,

als das Neue Testament (NT) bezeugt.

!

Sinnvoller ist es, die Diskussion auf das Wesentlichste

des glaubens zu lenken, nämlich auf Jesus Christus.

Die Z. J. beten Jesus nicht an, sie schliessen

ihre Gebete im Namen Jesu. Jesus ist

für sie nicht der Sohn Gottes, sondern nur

der erste, einzig gezeugte von mehreren

Söhnen Gottes − die anderen, später geborenen

Söhne sind die Engel.

Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet

sogar, Jesus sei der Erzengel Michael,

und beruft sich dabei zum Beispiel auf

Daniel 12,1 («Zu jener Zeit wird sich der

grosse Fürst Michael erheben, der für

die Kinder deines Volkes einsteht; denn

es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie

es noch keine gab.») und auf 1. Thessalonicher

4,16. Aus letzterem geht jedoch

eindeutig hervor, dass der Erzengel und

Jesus («der Herr») zwei verschiedene Personen

sind: «Denn der Herr selbst wird,

wenn der Befehl ergeht und die Stimme

des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt,

vom Himmel herabkommen, und

die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.»

Und in Hebräer 1,5 steht dazu:

«Denn zu welchem von den Engeln hat er

je gesagt: ‹Du bist mein Sohn; heute habe

ich dich gezeugt›?»

Auch im ersten Kapitel des Johannes-

Evangeliums behelfen sich die Z. J. mit einer

abweichenden Übersetzung, um ihr

Argument der geringeren Stellung Jesu

zu unterstützen. Statt «Und das Wort war

Gott» schreibt die von den Z. J. ausschliesslich

verwendete, eigene Neue-Welt-Übersetzung:

«Und das Wort war ein Gott». In

Vers 14 macht Johannes aber unmissverständlich

klar, dass das Wort Jesus ist. Aus

den ersten Versen geht hervor: Er ist ewig,

er ist göttlich, er ist eine eigene Person, er

hat alles erschaffen: «Im Anfang war das

Wort, und das Wort war bei Gott, und das

Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei

Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden;

und ohne dasselbe ist auch nicht eines

entstanden, was entstanden ist.»

Die meisten Zeugen Jehovas, die ja den

Spiritismus streng ablehnen, wären sicher

schockiert, wenn sie wüssten, dass

die Wachtturm-Gesellschaft (WTG) einige

Lehren und Schriften des Esoterikers

Johannes Greber übernommen hat,

der seine Offenbarungen von Geistwesen

empfing. Auch die Übersetzung «Und das

Wort war ein Gott», das Jesus nur als einen

unter vielen hinstellt, wurde von diesem

fragwürdigen Bibellehrer übernommen.

Hebräer 1,8 heisst bei ihnen: «Gott ist

dein Thron für immer», und den Vers

«Ich und der Vater sind eins» (Joh. 10,30)

interpretieren sie als «sich einig sein», da

ja Jesus auch seine Nachfolger ermahnte,

«eins» zu sein (Joh. 17,22).

Jesu Aussage «Der Vater ist grösser als

ich» (Joh. 14,28), den die Zeugen meist

zum weiteren Beleg ihrer Interpretation

heranziehen, lässt sich dagegen so erklären,

dass Jesus sich zu seiner Erdenzeit

seiner göttlichen Gestalt entäussert hatte,

um den Menschen gleich zu werden (vgl.

Phil. 2,4) – ohne seine göttliche Wesensart

zu verlieren. Er war als Mensch vielen

irdischen Grenzen (Hunger, Schmerz)

unterworfen, weshalb er auch die Stunde

seiner Wiederkehr nicht kannte. Erst danach

wurde er von Gott wieder «erhöht».

Eine der grössten Gottesoffenbarungen

Jesu steht meines Erachtens in Johannes

18,3 bis 8. Als die Häscher Jesus

gefangen nehmen wollten, sprach er: «Ich

bin» (griechisch ego eimi) – im Deutschen

wird meist ein «es» ergänzt. Um die Bedeutung

von ego eimi zu verstehen, sollte

man das «es» aber weglassen. Ich bin ist

die Offenbarungsformel von Gott-Jahwe

im Alten Testament (AT). Gott sprach

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zu Mose: «Ich bin, der ich bin! Und er

sprach: So sollst du zu den Kindern Israels

sagen: ‹Ich bin, der hat mich zu

euch gesandt›» (2. Mose 3,14–15). Für einen

kurzen Moment enthüllte also Jesus

seine göttliche Autorität und gebrauchte

die Worte seines Vaters. Das ist der wahre

Grund, warum die Häscher zu Boden fielen,

und nicht «weil sie über seine Kühnheit

erstaunt sind und nicht wissen, was

sie erwartet», wie es die Wachtturm-Gesellschaft

im Buch «Der grösste Mensch,

der je lebte» über Jesus schreibt.

Und in Offenbarung 1,17 sagt Jesus von

sich: «Ich bin der Erste und der Letzte»;

Worte, die Gott auch im AT von sich gebraucht

hat: «Ich bin der Erste und ich

bin der Letzte, und ausser mir gibt es keinen

Gott» (Jes. 44,6 und auch Jes. 48,12).

Ein weiterer Unterschied zur biblischen

Lehre wird deutlich, wenn man

die Zeugen Jehovas nach ihrem Evangelium

fragt. Sie werden kaum als Erstes davon

sprechen, dass Jesus für unsere Sünden

starb, am dritten Tage auferstanden

ist, damit jeder, der an ihn glaubt, gerettet

wird, wie Paulus es in den Briefen lehrt

(«wer es verdrehen wolle, sei verflucht»,

Gal. 1,7–8), sondern sie erzählen meist

von Jehovas Königreich auf dieser Erde.

In ihrer Monatszeitschrift «Wachtturm»

vom 1. April 2008 steht in einem Artikel

über die Welt-Endschlacht Harmagedon:

«Um gerettet zu werden, muss man zwei

Dinge tun. Erstens: die Wahrheit über Jehova

kennen und über sein Vorhaben, die

Erde von allem Bösen zu befreien. Zweitens:

nach Gottes gerechten Grundsätzen

leben. Dann gewinnt man Gottes Freundschaft

und steht unter seinem Schutz.»

Hier wird klar: Bei den Zeugen Jehovas

steht die Werkgerechtigkeit im Mittelpunkt,

was es der Wachtturm-Gesellschaft

ermöglicht, die Mitglieder unter

Druck zu setzen. Doch die Betonung der

Werkgerechtigkeit steht im Widerspruch

zu unzähligen Bibelstellen, die deutlich

machen, dass man allein aus Gnade und

Glauben gerettet wird.

• «Denn wenn du mit deinem Mund

Jesus als den Herrn bekennst und in dei-

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nem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus zes gerechtfertigt wird, sondern durch

den Toten auferweckt hat, so wirst du ge- den Glauben an Jesus Christus, so sind

rettet» (Röm. 10,9).

auch wir an Christus Jesus gläubig gewor-

• «Doch weil wir erkannt haben, dass den» (Gal. 2,16).

der Mensch nicht aus Werken des Geset- • «Denn die Schrift spricht: ‹Jeder, der

Der wichtigste Lehrunterschied betrifft die Person Jesus Christus?

Die Zeugen Jehovas übersehen gern alle Bibelstellen, die unmissverständlich klar

machen, dass Jesus Gott ist und angebetet werden will. Weil sie auf einzelne Verse

vorbereitet und mit Gegenargumenten gewappnet sind, bringen wir hier die wichtigsten

Stellen über Jesus als Herrn und Gott:

• «Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht

auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker

Gott, Ewig-Vater, Friedefürst» (Jes. 9,5).

• «Und Thomas sprach zu ihm (Jesus): Mein Herr und mein Gott» (Joh. 20,28).

• «Er aber sprach: Ich glaube Herr! Und fiel anbetend vor ihm nieder» (Joh. 9,38).

• «Da kamen die in dem Schiff waren, warfen sich anbetend vor ihm nieder und

sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn» (Matth. 14,33).

• «Sie aber traten herzu und umfassten seine Füsse und beteten ihn an» (Matth. 28,9).

• «Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit grosser Freude

und waren allezeit im Tempel und priesen Gott» (Luk. 24,52–53). Hätte Jesus nicht

gewollt, dass man ihn anbetet, hätte er Thomas, den Blinden (Joh. 9) und hier

die Jünger sicher korrigiert. In Offenbarung 19,10, als Johannes vor dem Engel

niederknien will, unterweist dieser ihn, nur Gott anzubeten.

• «Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen

Geist auf» (Apg. 7,59).

• «Und wenn er (Gott) den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er:

Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten» (Hebr. 1,6). Wenn die Engel Jesus anbeten

sollen, wie viel mehr dann die Menschen!

• In Hebräer 1,8 nennt Gott selbst seinen Sohn Gott: «Dein Thron, o Gott, währt von

Ewigkeit zu Ewigkeit.»

• In Johannes 5,23 heisst es: «Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht.»

• «Wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dies ist der wahre

Gott und ewiges Leben» (1. Joh. 5,20 b).

• Jesus sagt von sich selbst: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben» (Joh. 14,6).

• In 1. Korinther 1,2 grüsst Paulus die Gemeinde in Korinth folgendermassen: «… an

die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus

anrufen.»

• «Und von ihnen stammt dem Fleisch nach der Christus, der über alle ist, hochgelobter

Gott in Ewigkeit» (Röm. 9,5).

• «Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun» (Joh. 14,14; LU).

Beim letztgenannten Vers hat die Neue-Welt-Übersetzung (NWÜ) der Zeugen Jehovas

das «mich» weggelassen, das sich aber in vielen griechischen Handschriften und

Übersetzungen findet. Deshalb argumentieren die Zeugen Jehovas, dass man ein

Gebet nur in Jesu Namen schliessen, aber nicht direkt zu Jesus beten solle. Und zum

Gebet des Stephanus erklären sie, dass zu Jesus «sprechen» ja noch nicht zu Jesus

«beten» sei. Dazu bietet sich natürlich die Rückfrage an, warum sie dann nicht wenigstens

mit Jesus «sprechen».


!

bei den Zeugen Jehovas steht die Werkgerechtigkeit im Vordergrund. Doch

gemäss bibel wird ein Mensch allein aus Gnade und aus Glauben gerettet.

an ihn glaubt, wird nicht zuschanden

werden›» (Röm.

10,11).

• «Jetzt aber ist ausserhalb

des Gesetzes die Gerechtigkeit

Gottes offenbar gemacht worden,

die von dem Gesetz und den

Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit

Gottes durch den Glauben an

Jesus Christus, der zu allen und auf alles

kommt, die glauben» (Röm. 3,21–22).

• «Und es ist in keinem anderen das

Heil; denn es ist kein anderer Name unter

dem Himmel den Menschen gegeben,

in dem wir gerettet werden sollen!» (Apg.

4,12).

• «Denn aus Gnade seid ihr errettet

durch den Glauben, und das nicht aus

euch − Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken,

damit niemand sich rühme» (Eph.

2,8–9).

Natürlich werden die Zeugen Bibelstellen

dazu zitieren, dass Glaube ohne Werke

nichts wert ist. Es ist richtig, dass Werke

dazugehören, dies ist jedoch eine Folge,

nicht aber eine Bedingung des Heils. Da

die Z. J. sich vorgenommen haben, alle

anderen von ihrem Glauben zu überzeugen

und nicht umgekehrt, wird man sie

nicht so einfach von ihren Thesen abbringen

können. Schliesslich sind in ihren

Augen alle anderen die «Verlorenen»,

die den falschen Lehren folgen.

Warum also überhaupt mit ihnen reden?

Zum einen: Christen sollen ihren

Herrn bezeugen. Dabei lernt man selbst

viel aus diesen Gesprächen, weil man sich

sehr intensiv mit der Bibel befassen muss.

Zum anderen: Es kann bewirken, dass

der eine oder andere Zeuge doch einmal

zum Nachdenken kommt, wenn ihm im

Laufe der Jahre mehrere Christen eine an-

dere Bibel-Interpretation als die der WTG

nahe legen. Aussteiger unter den Z. J., die

zu Jesus fanden, sind Beleg dafür. Ihre

ehemaligen Freunde unter den Z. J. sind

dann jedoch angehalten, sie zu ächten.

Das sind die Regeln des «treuen und

verständigen Sklaven», wie sich die

Wachtturm-Gesellschaft selbst nennt. Die

meisten Z. J., die ja überzeugt sind, allein

der Bibel zu folgen, sehen nicht, dass sie

von einer autoritären Gesellschaft bevormundet,

falsch gelehrt und indoktriniert

werden. Ihr Ziel ist die Sammlung in ihre

Organisation, statt die Sammlung zu Jesus

hin.

Doch Fehler werden von der WTG bei

den anderen (Amts-)Kirchen gesucht; als

Beispiel werden Transsubstantiation (die

Wandlung beim Abendmahl), Heiligenverehrung,

Babytaufe, Glaube an eine deistische

Evolution angeführt. Erzählt man

den Z. J., dass es Christen gibt, welche die

aufgezählten Dinge ebenfalls als nicht biblisch

ansehen, sind sie oft ziemlich verblüfft.

So sehr die Z. J. im Bibelwissen

geschult sind, so wenig wissen sie leider

über andere christliche Gemeinden, was

daran liegt, dass die Wachtturm-Gesellschaft

ihren Mitgliedern nicht erlaubt,

andere christliche Literatur zu studieren

− abgesehen davon, dass sie kaum Zeit

dafür hätten, gilt es doch neben ihrem Beruf

noch Besuchsdienste zu machen und

mehrere Versammlungen wöchentlich zu

besuchen.

Da sie sich auch nicht politisch betätigen

dürfen (nicht wählen, keinen Wehrdienst

ableisten) und sich möglichst von

allem Weltlichen fernhalten sollen, was

so weit geht, dass sie häufig bewusst auf

eine akademische Karriere verzichten, leben

sie isoliert und lernen nicht, kritisch

zu denken. Umso abhängiger machen sie

sich von allen Aussagen der WTG.

Weil ihre Bibel-Übersetzung an einigen

Stellen nicht nur unpräzise, sondern

auch tendenziös übersetzt ist (bis hin zu

falschen Einfügungen wie «andere» in

Kolosser 1,16, um zu verschleiern, dass Jesus

der Schöpfer «aller Dinge» ist), ist es

den Z. J. nur sehr schwer möglich, falsche

Lehren der WTG zu entdecken. Schliesslich

wird ihnen doch immer weisgemacht,

ihre Übersetzung sei die Beste. Das sehen

Bibelgelehrte anders.

Die Evangelische Zentralstelle für

Weltanschauungsfragen nannte die NWÜ

1986 eine der «gravierendsten Bibelfälschungen

der Christenheit». Es spricht

für sich, dass die WTG die Namen der

Übersetzer nie preisgeben wollte. Ein

Aussteiger hat sie ausgeplaudert: Von den

vier genannten Übersetzern hatte nur einer

Griechisch studiert – ohne Abschluss.

Allein dass die NWÜ im Neuen Testament

immer Jehova statt Gott oder Herr

(Kyrios) schreibt, wie es eigentlich in den

Urschriften heisst, verschleiert die zentralen

Aussagen über Jesus. Statt «Wer den

Namen des Herrn anruft, wird gerettet»,

heisst es dann: «Jeder, der den Namen Jehovas

anruft, wird gerettet».

Deshalb ist ein Gespräch mit den Zeugen

Jehovas die einzige Möglichkeit, ihnen

andere Bibelübersetzungen und -interpretationen

nahe zu bringen. Christen,

bei denen sie an der Tür klingeln, sollten

zumindest versuchen, diesen Menschen,

deren Leben von Disziplin, Druck

und Selbstbeherrschung bestimmt ist, in

Liebe zu helfen, die frei machende Wahrheit

über Jesus Christus herauszufinden.


I Bettina Hahne-Waldscheck

ethos 7 I 2010 29

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