ARBEITSZEIT, RUHEZEIT - Arbeiterkammer

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Dr. Johann KalliauerAK-Präsidentihr rechtim job85 Millionen Euro an vorenthaltenen Ansprüchen habenwir von der Arbeiterkammer Oberösterreich im Vorjahrfür unsere Mitglieder erstreiten müssen. Das zeigt, wiedringend die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer denRechtsschutz ihrer Interessenvertretung brauchen. Dennmanche Unternehmen zahlen selbst bei eindeutigerRechtslage nicht und lassen es auf einen Streit ankommen.Übrigens: 80 Prozent derer, die bei uns Hilfe suchen, kommenaus Betrieben ohne Betriebsrat. Allein durch dieseAK-Leistung haben die Mitglieder um etliche Millionenmehr zurückbekommen als sie an Mitgliedsbeiträgeneingezahlt haben.Wir sorgen dafür, dass Sie zu Ihrem Recht kommen:mit Information wie zum Beispiel dieser Broschüre, mitBeratung und Intervention sowie – wenn notwendig –mit Vertretung vor Gericht.Dr. Johann KalliauerAK-Präsident


arbeitszeit und RuhezeitWichtig ist, genaue Arbeitszeitaufzeichnungen zuführen. Nur so können die AK-Berater/-innen imStreitfall helfen!


ARBEITSZEIT UND RUHEZEITDas Arbeitszeitrecht wurde entwickelt, um den Arbeitnehmervor gesundheitlichen Gefahren und Schädendurch übermäßige Inanspruchnahme seiner Arbeitskraftzu schützen.Arbeitszeit ist die Zeit vom Beginn bis zum Ende derArbeit mit Ausnahme der RuhepausenTagesarbeitszeit/Wochenarbeitszeit ist die Arbeitszeitinnerhalb eines Zeitraumes von 24 Stunden bzw. einerKalenderwoche.Das Gesetz geht von einer Normalarbeitszeit von 8 Stundenpro Tag bzw. 40 Stunden pro Woche aus. Viele Kollektivverträgesehen jedoch eine verkürzte Normalarbeitszeit(zB 38,5 Wochenstunden) vor.Auch bezüglich der Verteilung der Wochenarbeitszeitauf die einzelnen Arbeitstage gibt es viele Ausnahmen.Zum Beispiel ist eine tägliche Normalarbeitszeit vonneun Stunden zulässig, wenn dadurch eine verlängerteWochen(end)ruhe erreicht wird („kurzer Freitag“). Weitersdarf in Zusammenhang mit der Einarbeitung von „Fenstertagen“die tägliche Normalarbeitszeit während einesZeitraums von 13 Wochen zehn Stunden pro Tag betragen.Bei zulässiger Vereinbarung eines Durchrechnungszeitraumes,bei Vorliegen von Arbeitsbereitschaft, Vereinbarungvon Gleitzeit,... kann die wöchentliche Normalarbeitszeitauch mehr als 40 Stunden betragen.Lage der NormalarbeitszeitDie Lage der Arbeitszeit ist zwischen Arbeitnehmer undArbeitgeber zu vereinbaren (zB: 40-Stunden-Woche,Mo–Fr von 8.00–16.30 oder Mo–Do von 8.00–17.30 undam Fr von 8.00–12.00).TIPP:Vereinbaren Sie mit Ihrem Arbeitgeber die konkreteLage Ihrer Arbeitszeit schriftlich!AK InfoserviceAK Infoservice5


Mehr-, ÜberstundenarbeitMehrarbeit ist jene Arbeitszeit, die zwischen der vertraglichvereinbarten (zB 25 Stunden) bzw. der kollektivvertraglichverkürzten Arbeitszeit (zB 38,5 Stunden) und dergesetzlichen Normalarbeitszeit (zB 8 Stunden/Tag oder40 Stunden/Woche) liegt.Für Mehrstunden gebührt ein gesetzlicher Zuschlag inHöhe von 25%.Der Zuschlag wird vom Normallohn berechnet . Die Ver-geltungist möglich. Es kann auch Zeitausgleich für dieMehrarbeitsstunden und Bezahlung des Zuschlags vereinbartwerden.Sehen gesetzliche oder kollektivvertragliche Bestimmungenmehrere Zuschläge für Mehrarbeit vor, bestehtnur Anspruch auf den höchsten.Der gesetzliche Zuschlag von 25% gebührt nicht, wenn Mehrarbeitsstunden innerhalb eines Kalendervierteljahresoder eines anderen festgelegten Zeitraumesvon drei Monaten, in dem sie angefallen sind, durchZeitausgleich im Verhälntis 1:1 ausgeglichen werdenoder Bei vereinbarter Gleitzeit die vereinbarte Arbeitszeitinnerhalb der Gleitzeitperiode im Durchschnitt nichtüberschritten wird.Weiters gebührt der Zuschlag von 25% gemäß Arbeitszeitgesetzfür jene Anzahl von Mehrstunden nicht, diezwischen der gesetzlichen Normalarbeitszeit von 40Stunden und einer durch Kollektivvertrag verkürzten Wochenarbeitszeitliegt (sog. Differenzstunden). Sieht derKollektivvertrag für die Differenzstunden einen Zuschlagvor, erhalten diesen auch Teilzeitbeschäftigte.Die zuschlagsfreien Differenzstunden sind jedoch gemäßtenArbeitszeit zur Vollarbeitszeit zu aliquotieren. Wenn6 AK Infoservice


daher in einem Unternehmen beispielsweise eine Normalarbeitszeitvon 38 Stunden gilt und ein Arbeitnehmerhalbtagsbeschäftigt ist (19 Stunden), so sind nicht zweisondern nur eine Mehrarbeitsstunde pro Woche zuschlagsfrei.BEISPIEL:Der Kollektivvertrag setzt eine Normalarbeitszeit von 38Stunden für Vollzeitbeschäftigte fest. Der Kollektivvertragsieht für Mehrarbeit keinen Zuschlag vor.Die Differenz zur gesetzlichen Normalarbeitszeit von 40Stunden beträgt somit 2 Stunden pro Woche (= sog.Differenzstunden).Hat ein Arbeitnehmer in diesem Fall eine Teilzeitbeschäftigungim Ausmaß von 19 Wochenstunden vereinbartund arbeitet in einer Woche 23 Stunden, erhält er fürdie erste geleistete Mehrstunde (= 20. Stunde) keinenZuschlag, für die restliche 3 Stunden jedoch schon.Darüberhinaus kann der Kollektivvertrag abweichendeRegelungen bzgl der Zuschläge für Mehrarbeit vorsehen.Wird die gesetzliche Normalarbeitszeit überschritten,liegt Überstundenarbeit vor. Überstundenarbeit ist mindestensmit einem 50-prozentigen Zuschlag abzugelten.Viele Kollektivverträge sehen auch höhere Zuschläge vor(zB. für Überstunden am Sonntag).Ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kein Zeitausgleichvereinbart worden, sind Überstunden in Geld abzugelten.WICHTIG:Auch bei Abgeltung der Überstunden in Zeitausgleichgebührt Arbeitnehmern der Zuschlag!TIPP:Führen Sie genau Buch über den Beginn und das EndeIhrer täglichen Arbeitszeit sowie über die Pausen!AK Infoservice7


ACHTUNG:Viele Kollektivverträge/Arbeitsverträge sehen vor, dassMehr-/Überstundenentgelt binnen einer bestimmtenFrist schriftlich geltend gemacht werden muss, da essonst verfällt. Verfall bedeutet, dass Ihr Anspruch aufBezahlung unwiederbringlich verloren ist. Machen Siedaher nicht bezahlte Mehr- oder Überstunden (bzw.alle vom Arbeitgeber nicht rechtzeitig bezahlten Ansprüche)mittels eingeschriebenen Briefes geltend!Teilzeitarbeit(inkl. geringfügige Beschäftigung)Arbeiten Sie weniger als die gesetzliche oder kollektivvertraglichvorgesehene Normalarbeitszeit, liegt Teilzeitarbeitvor.ACHTUNG:Eine Änderung des Ausmaßes der Arbeitszeit (zB 30statt 25 Wochenstunden) muss schriftlich erfolgen!Leisten Sie regelmäßig Mehrstunden (nicht Überstunden!),sind diese im Durchschnitt in Sonderzahlungen(wie Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration) einzurechnen!Diese Einrechnung erfolgt jedoch nicht, wenn die Mehrstundenin Form von Zeitausgleich abgegolten werden.ReisezeitenGrundsätzlich ist Reisezeit auch Arbeitszeit. Aktive Reisezeiten,in denen eine Arbeitsleistung erbracht wird (zBbeitszeit.Bei geringer Intensität der Inanspruchnahmeeines Arbeitnehmers während der Reisezeit (=passiveReisezeit; zB Reisen im Schlafwagen) kann jedoch einegeringere Entlohnung vereinbart werden.Sehr oft enthalten Kollektivverträge Regelungen über dieBezahlung von Reisezeiten.8 AK Infoservice


RufbereitschaftKönnen Sie Ihren Aufenthaltsort selbst wählen, müssenjedoch jederzeit erreichbar sein, liegt Rufbereitschaft vor.Rufbereitschaft außerhalb der Arbeitszeit darf für maximalzehn Tage pro Monat (bzw. lt. Kollektivvertrag fürmaximal 30 Tage innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten)vereinbart werden. Haben Sie während der Rufbereitschafteinen Arbeitseinsatz, ist dies Arbeitszeit, diemit dem Normal- bzw. Überstundenlohn abzugelten ist.Rufbereitschaft außerhalb der Arbeitszeit darf nur währendzwei wöchentlichen Ruhezeiten pro Monat vereinbartwerden.WICHTIG:Rufbereitschaft ist keine Arbeitszeit. Haben Sie keinEntgelt für die Rufbereitschaft vereinbart, besteht Anspruchauf das ortsübliche Entgelt. Dieses kann auchgeringer als das Entgelt für die Arbeitszeit sein.TIPP:Sieht der Kollektivvertrag keine Entgeltregelung fürRufbereitschaft vor, sollten Sie die Höhe der Bezahlungschriftlich vereinbaren.(Ruhe)pausenArbeiten Sie mehr als sechs Stunden pro Tag, steht Ihneneine halbstündige Pause zu. Ist es im Interesse der Arbeitnehmeroder aus betrieblichen Gründen notwendig,kann diese Pause in zwei Pausen zu je 15 Minuten oderdrei Pausen zu je 10 Minuten geteilt werden.ACHTUNG:Diese Pausen sind keine Arbeitszeit und werden dahernicht bezahlt!Feiertagsruhe/FeiertagsarbeitFällt die Arbeit aufgrund eines Feiertags aus, erhaltenSie für die ausgefallene Arbeitszeit jenes Entgelt, das Sieerhalten hätten, wäre die Arbeitsleistung nicht aufgrunddes Feiertags ausgefallen (Ausfallsprinzip) – sog. Feiertagsentgelt.AK InfoserviceAK Infoservice9


Arbeiten Sie an einem gesetzlichen Feiertag, erhaltenSie zusätzlich zum Feiertagsentgelt die gearbeitetenStunden bezahlt bzw. bei Vereinbarung Zeitausgleichim Ausmaß der geleisteten Stunden. Haben Sie für dieNormalarbeitszeit an Feiertagen Zeitausgleich vereinbart,muß dieser mindestens einen Kalendertag oder 36 Std.umfassenBEISPIEL:Ein Arbeitnehmer, der € 10.–/Std verdient, arbeitetvon Montag bis Freitag je acht Stunden. Ist an einemDienstag ein Feiertag und arbeitet er trotzdem achtStunden, erhält er für diesen Dienstag € 80.– Feiertagsentgeltund € 80.– für die gearbeiteten Stunden.Arbeitet er nicht an diesem Feiertag, erhält er € 80.–Feiertagsentgelt.Wochen(end)ruheArbeitnehmer haben in jeder Kalenderwoche Anspruchauf 36 Stunden ununterbrochene Ruhezeit. Diese umfasstden ganzen Sonntag (Wochenendruhe).Fällt die Normalarbeitszeit eines Arbeitnehmers in dieWochenendruhe, hat er Anspruch auf eine andere36-stündige Ruhezeit, die einen ganzen Kalendertag umfassenmuss (Wochenruhe).Beispielsweise von Mittwoch 19.00 Uhr bis Freitag7.00 Uhr (= 36 Stunden). Unzulässig wäre zB Mittwoch6.00 bis Donnerstag 18.00 Uhr (= 36 Stunden), da keinganzer Kalendertag umfasst ist.10 AK Infoservice


Mehr zur Arbeitszeit und zu anderenArbeitsrechtsthemen finden Sie unterwww.arbeiterkammer.com/arbeitsrechte-mail newsletterjetzt kostenlos abonnieren!Und wer laufend per E-Mail mit den neuesten Infoszum Thema Arbeit versorgt werden will, der bestellt aufwww.arbeiterkammer.com den kostenlosen Newsletter„Arbeitswelt“.WeiterführendeAK-Broschüren:Über die Regelung für Teilzeit- und geringfügigBeschäftigte informieren jeweils eigene AK-Broschüren ausführlicher.Personenbezogene Bezeichnungen, diein dieser Broschüre nur in männlicher Formangeführt sind, beziehen sich auf Frauenund Männer in gleicher Weise.


die AKberät sie gerneFür Ihre Fragen stehen Ihnen die AK-Rechtsberaterinnenund -berater gerne zur Verfügung:am Telefon unter der Nummer 050/6906-1montags bis donnerstags von 7.30 bis 16 Uhr,dienstags zusätzlich von 16 bis 19 Uhr,freitags von 7.30 bis 13.30 Uhr.oder per E-Mail unter rechtsschutz@akooe.atIst Ihr Anliegen am Telefon oder per E-Mailnicht zu klären, vereinbaren wir mit Ihnen einenTermin für ein persönliches Gespräch.www.arbeiterkammer.com —wo sich arbeitnehmer/-inneninformieren!Medieninhaberin:Kammer für Arbeiter und Angestelltefür Oberösterreich, Volksgartenstraße 40,4020 LinzAutorin: Mag. a Brigitte Einfalt (AK Wien)Stand: Jänner 2013Hersteller: Gutenberg-Werbering Gesellschaftm.b.H., Anastasius-Grün-Straße 6,4021 Linzwww.arbeiterkammer.com

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