PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG - D&K drost consult

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PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG - D&K drost consult

Hochbaulicher Realisierungswettbewerb

BILDUNGS- UND GEMEINSCHAFTSZENTRUM NEUGRABEN-FISCHBEK

Der Bewerber stellt ein umfassendes Energiekonzept vor. Der Nachweis nach EnEV wird geführt. Die

Anforderungen der EnEV sollen danach um ca. 50 % unterschritten werden. Dem hohen baulichen

Wärmeschutz und einem sinnvollen Technikkonzept stehen Defizite im sommerlichen Wärmeschutz

und nicht ausreichende Technikflächen gegenüber. Der Entwurf erfüllt die energetischen Anforderungen

überwiegend.

Arbeit 1694

Dieser Entwurf geht in seiner Grundhaltung weit über den traditionellen Ansatz einer Schule hinaus: Wo

bei einem herkömmlichen Ansatz bisher Funktionen im Vordergrund standen, die es immer selbstverständlich

zu erfüllen gilt, wird bei dieser Schule im Inneren eine Offenheit und ein Gemeinschaftsgefühl

innenräumlich hervorragend umgesetzt. Damit aber nicht genug – Was hier innen beabsichtigt wird,

stellt sich ebenso konsequent nach außen dar. Die Schule wie auch die Sporthalle ziehen ihre Schüler

und Besucher quasi magnetisch in das Innere und zeigen sich bereits beim Eintritt weit sichtbar in der

Stadt von ihrer leicht offenen Seite als attraktives Gebäude.

Städtebaulich hervorragend gelöst sind die verschiedenen Eingangssituationen: Ohne die Begrenzung

des Baublocks aufzugeben, werden großzügige Vorplätze geschaffen, die einerseits weit sichtbar den

Sporthallenkomplex im Südwesten ankündigen und andererseits die unterschiedlichen Richtungen, aus

denen die Schüler ankommen, im Norden wie im Westen attraktiv unter einem großen Vordach zusammenführt

und in das Atrium überleitet.

Im Außenbereich vereint ein gemeinsamer Innenhof beide Gebäudeteile, Schule und Sporthalle, ohne

sich nach Außen, hier nach Osten, zu verschließen. Sowohl Geborgenheit als auch Offenheit nach

Osten charakterisieren diesen Schulhof: Es gibt Rückzugsbereiche wie auch perfekt besonnte Flächen.

Es ist ein großer Pluspunkt, dass das Atrium an den Schulhof großflächig angebunden wird, und so bei

Schlechtwetter zu einer direkten Ausweichmöglichkeit wird. Die Freianlagen orientieren sich am Stadtteil

und am Park. Sie sind unaufgeregt und passend gestaltet. Die Freiräume, die sich aus dem städtebaulichen

Konzept ergeben, sind eindeutig zuzuordnen und für die Nutzer (Kita, Schule, Kultur, Sport)

gut zugänglich. Das Gesamterschließungsbild erschließt sich logisch und berücksichtigt die Vorgaben

(Baumbestand etc.) ohne dabei unpoetisch zu wirken.

Die Sporthalle zeigt schon durch die Schnittführung im Plan ihre großen Stärken. Die Zuschauer werden

über ein offenes Forum bis in die Halle geleitet, die mit ihrer Dachkonstruktion einen attraktiven

Raum überspannt. Fließende Übergänge prägen hier das Raumerlebnis: Über Galerien werden die

Zuschauer auch jenseits der Sitzplätze in das Sportgeschehen integriert. Die Lichtführung wird raffiniert

über einen im ersten OG angeordneten Lichtschlitz unterstützt, der wiederum die Ränge räumlich

gliedert.

Offenheit und Gemeinschaftsgefühl mag hinsichtlich des Schallschutzes argwöhnisch beurteilt werden,

aber gerade in der Gemeinschaft lassen sich solche Probleme auch wieder lösen – durch gelebte

Rücksichtnahme auf die anderen.

Der bauliche Entwurf unterstützt im Wesentlichen das energiesparende Bauen (Kompaktheit, sommerlicher

Wärmeschutz). Es fehlen jedoch wesentliche Angaben zum energiesparenden Bauen (baulicher

Wärmeschutz, Technikkonzepte). Ob die Technikräume ausreichend bemessen sind kann somit nicht

abschließend bewertet werden. Problematisch ist die Tageslichtnutzug in den Räumen mit vorgelagerten,

feststehenden Holzlamellen. Es wird positiv bewertet, dass die Gemeinschaftflächen im Inneren

durch Klassen- und Fachräume umschlossen sind, die wiederum für einen energetischen Puffer nach

außen sorgen werden.

Abschließend muss man festhalten: Eine Schule ist wohl für viele Benutzer der erste und vielleicht

einzige Ort, wo man mehr als nur herkömmliche Raumzuschnitte erleben kann. Diese Schule zeigt den

Nutzern, dass Architektur nicht nur funktionieren, sondern darüber hinaus auch faszinieren kann.

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