DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNGMIT DEN BEILAGEN: STADT UND SIEDLUNG / WETTBEWERBEKONSTRUKTION UND AUSFÜHRUNG / BAUWIRTSCHAFT UND BAURECHTHERAUSGEBER:SCHRIFTLEITER:P R O F E SSO R ERICH BLU N C KREG.-BAUMSTR. FRITZ EISELENAlle Rechte Vorbehalten. — Für nicht verlangte Beiträge keine Gewähr.61. JAHRGANG BERLIN, DEN 9. APRIL 1927 Nr. 29Die Hochbauten des Königsberger Handels- und Industriehafens.Architekten: Hafenbecken III. M agistratsbaurat Dr.-Ing. Schaff.Hafenbecken IV u. Speicherbauten. Stadtbaurat Dr.-Ing. E. h. Kutschke.Von Architekt Kurt Frick, Königsberg. (Hierzu 25 Abbildungen. Schluß aus Nr. 28.)i e Bauten der Eisenbahnverwaltungin denHafenbecken III und IVbestehen in einem V erw altungsgebäude,Stellw erksgebäuden undeinem G üterabfertigungsgebäudeaußerhalb des Zollgebietes. DasBahnverwaltungsgebäudedien t zur V erwaltung des H afenbahnhofes.Das Gebäude enthält im Erdgeschoß etw a 150


Abb. 21. Sechsstöckiger Hauptteil der Holzw arenfabrik Königsberg.A rchitekt: Kurt Frick, Königsberg i. Pr.Abb. 22. Abfallholz-Silo der Holzw arenfabrik Königsberg.Architekt: K urt Frick, Königsberg i. Pr.geschah in E inzelvergebung durch die Stadt.Es w ar nicht im m er leicht, für die verschiedenartigstenA nforderungen, besondersunter B erücksichtigung aller Sonderwünschevon Zoll und Eisenbahn, eine Planung zuschaffen, die nicht nur reinen Selbstzweckenzu dienen, sondern die auch in dem neuen,architektonisch noch jungfräulichen Hafengebieternste künstlerische A ufgaben zu erfüllenh atte. Die Lösung der Aufgabe nachbeiden Seiten hin kann in jeder W eise alsgelungen bezeichnet w erden, und zwar fürdie G esam tw irkung bei der Hafeneinfahrtsowie für die architektonische Einzeldurchbildung,die besonders bei den großen Hallenm it den w asserseitigen Ram pen interessanteBilder ergeben. Schaff w ählte als einheitlichenA usdruck für alle B auten des Freihafenseine grüne, w eithin leuchtende Putzfarbe(Keimsehe M ineralfarbe), im Gegensatzzu den H ochbauten des -Industriehafens, diegrell gelb gehalten sind.Am Hafenbecken IV, dem Industriehafen,sind ebenfalls eine Reihevon H ochbauten errichtet. Die bedeutendstenB auten des Industriehafens, gleichzeitigdie größten G ebäude der ganzenH afenanlage, sind die beiden großenLagerhäuser am N ordufer des Hafenbeckens.(Abb. 20, S. 249, und 25, S. 252.)Sie sind die beiden ersten Teile einer Gruppe,die sich aus drei H auptspeichern zusammensetzt.In G em einschaft m it dem am ändernP regelufer gelegenen Silospeicher ist imK önigsberger H afen eine Getreidelagermöglichkeit von rd. 100 000 4 geschaffen,also die größte A nlage des Kontinents.D urch ihren Umfang und ihre Höhe beherrschendie neuen Speicher das gesamteH afengebiet. Der östlich gelegene Turmspeicher(Abb. 25, S. 252) ist für öffentliche,zentrale B ew irtschaftung zugeschnitten, währendder w estlich gelegene Gruppenspeicheran private G etreidefirm en in Einzelgruppenverm ietet w erden kann.Die w ichtigsten E inzelheiten über Gründung,K onstruktion und technische Ausführungdieser beiden großen Speicheranlagensind bereits früher in der DeutschenBauzeitung besprochen w orden*). Es sollenheute n u r einige w ichtige A ngaben ergänzendgegeben w erden. Die Gesamtlängedes Turm speichers b e trä g t 69,60 m, seineTiefe, in sieben A bteilungen und zweiäußeren L ängsgängen, 30 m. Sein Bergungsvermögen b eträ g t rd. 2 1 0 0 0 4 Schwergetreidevon 800 kg/cbm_ Das K ellergeschoß, das fürLagerung an d erer G üter benutzt wird, isthierbei nicht eingeschlossen. Seine Höheb eträ g t vom M ittelw asserstand aus bis zurT raufk an te 30,35 m, bis zur D achfirst 47,65 mund bis zur P lattform des Turm es 57,85 m.Der m ittlere T urm ist ein Aufbau desM aschinenhauses und dient zur Aufnahmeder E levatorenköpfe sowie der dazugehörigenV erteilungseinrichtungen.D e r Gruppenspeicher (Abb. 20,S. 249) h a t eine L änge von 63,10 1,1 und wirddurch zwei B randm auern in drei Einzelgruppeng etren n t, die zusam m en rd. 19 000 1fassen. Die G röße der einzelnen Zellen inden w agerechten Geschossen und die Anordnungder Silos ist die gleiche wie amTurm speicher. Zw ischen dem Gruppen- unddem T urm speicher befindet sich auf derW asserseite in H öhe der T raufe eine ge-*) V gl. d ie s. Z t. v o n u n s m itg e te ilte n E n tw ü rfe Ja h rg .11118, B e to n b e ila g e N r. 21, S 125 ff. —Nr. 29.


schlosseue V erbindungsbrücke, die etw a 20 m lang istund die das V erbindungstransportband aufnim m t. DieseB rücke besteht im G egensatz zur E isenbetonbauart derSpeicher aus zwei eisernen G itterträgern m it F achw erkausmauerung und m assiver Ü berdachung. Eine Seiteder Brücke ist fest aufgelagert, w ährend die andereauf Stahlgußrollenlagern ruht, um unausbleibliche Bewegungen bei T em peraturschw ankungen auszugleichen.V ervollständigt w erden die beiden Speicherbautendurch das an den T urm speicher angebaute V erw altungsgebäudesowie ein W erkstätten- und ein W ohnhausfür A ngestellte und Beamte.Str


Mit der H erstellung der Bauten wurde in denersten K riegsjahren begonnen. Ihre Fertigstellungund Inbetriebnahm e erfolgte im Jahre 1924. F ür ihreGründung sind 5600 Pfähle in Längen von 10 bis logeram m t. Die Entw ürfe dieser bedeutenden Anlagestammen von dem S tadtbrt. Dr.-Ing. E. h. Kutschke,dem Schöpfer der gesam ten neuen H afenanlage.Die äußere G estaltung der Speicher, die die reineZweckm äßigkeit und das K onstruktive betont, ist alseine gelungene architektonische Leistung zu bezeichnen,die dem neuen H afengebiet E igenart und C harakterverleiht. Die A usführung der Speicher lag in denHänden der Baufirm a Wolff&Döhring sowie derA. - G. f ü r Beton und M o n i e r b a u.Als w eitere beachtensw erte neue H ochbauten imIlafeno'ebiet kann die um fangreiche A nlage der H o 1 z -warenfabrik Königsberg i. P r . angesehenwerden. Die Abb. 21 und 22, S. 250, zeigen Teile deräußeren B augruppen. N äheres über G rundriß und Artdes F abrikbetriebes k an n an dieser Stelle leider nichtm itgeteilt w erden. Diese B auten stehen ebenfalls aufPfalilrost und sind in E isenbeton ausgeführt. Die Anzahlder Pfähle b eträ g t rd. 1500 in Längen von 15 bis20 m. Die A usführung besorgte die F irm a Windsc h i 1 d t & Langelott. Die architektonische Gestaltungund O berleitung lag in den H änden desK önigsberger Areh. K u rt F r i c k. Der Schornstein,der aus Zem entringen besteht, ist 63 1 hoch. —Abb. 25 (rechts).Turmspeicher mitGleisanschluß undKrananlagen imHafenbecken IV.Die Hochbautendes KönigshergerH andels- undIndustrie-Hafens.Arch.: StadtbauratDr.-Ing. E. h.Kutschke,Königsberg i. Pr.Das neue Studio-Jahrbuch 1927.Von Professor Dr. Albert Dresdner, Berlin.(Hierzu 5 Abbildungen.)er neue Jahresband des Studio-Jahrbuchs fürdekorative Kunst (London, The Studio Ltd.;Berlin, Deutsche Bauztg. G. m. b. H. Pr. 14 M.)liegt nunmehr vor und bietet gleich seinenVorgängern in seinem Bildstoffe ein Material,das man sonst an allerhand Stellen zusammensuchenmuß und das lehrreiche Ausblicke auf Wohnungsbauund Werkkunst der Gegenwart eröffnet.Der Löwenanteil der Abbildungen fällt, wie natürlich,England zu. Dort ist noch immer der Stil beliebt, den wirCottage-Stil zu nennen pflegen und der in seinen Bestandteilenbis auf die Tudorzeit zurückreicht. Der Baukörperwird den Bedürfnissen der Sonnenlage und Raumausnutzungentsprechend in Gliedern entwickelt, die nichtachsial zentriert oder symmetrisch geordnet sind, in TiefenundHöhenerstreckung voneinander abweichen und sich so11111 so mehr zu malerischer Gruppe zusammenschließen,als verschiedene Baustoffe und Bauweisen wie Putz-Backstein- und Fachwerkbau. Holz und Schindeln gernnebeneinander verwandt werden. Bodenständig in ihrerFormgebung, leicht in die englische Landschaft e r ­252wachsend und in Grundriß und Ausstattung echt landhausartigausgebildet, behaupten die Häuser dieses Stils sichin der Gunst der Architekten wie des bauenden Publikums.Wie innig sie mit der heimischen Überlieferung verknüpftsind, bezeugen die Erneuerungs- und Ergänzungsbauten,die James R a n so m e , Walter H. Godfreyund John D. Clarke an älteren ländlichen Bauten ausgeführthaben und die von einem vollkommen sicherenStilgefühle zeugen. Beachtung verdienen bei den englischenBauten überall die Grundrisse: praktische Raum Verteilungund reiche Ausstattung der Wirtschaftsräume bilden ihreHauptvorzüge.Einen anderen Typus des englischen Landhauses vertritt„Corrie Lodge“ von Oswald P. Mi Ine, wo der georgianischeStil den Ausgangspunkt bildet; die Bauten diesesTyps stehen in ihrer Erscheinung den unseren näher und„The Chimes“ von C. F. W. Dening, wo das Erdgeschoßzu einem einzigen stattlichen W ohnraume ausgenutzt ist,könnte am Ende auch irgendwo in Deutschland stehen.Ein interessanter Versuch einheitlicher Dorfanlage istd e r Entwurf von Portmeirion in Nord-Wales von Clough


Williams-Ellis. (Abb. 2, S. 254.) Die Lage desDorfes auf einer in die See vorstoßenden Landzunge istmit Glück ausgenutzt; mittelalterliche Erinnerungen,Walliser Bauüberlieferung und norditalienische Stilelementehaben die Formgebung bestimmt.Ganz aus dem englischen Rahmen fällt das Haus, dasProf. Peter Behrens für Mr. W. J. Bassett-Lowke gebauthat (Abb. 1, hierunter) und das bezeichnenderweise denNamen „New W ays“ führt. Wir freuen uns, diesem Werkedes deutschen Künstlers auf englischem Boden zu begegnen.hier nicht abgebildete Beispiel des modernsten Stiles an, einLandhaus in Boulogne-sur-Seine von Robert Mailet-Stevens: Horizontalismus, Schichtung, Flachdach,Fensterbänder. Ähnliches entsteht auch bei uns; manbeobachtet die Internationalität der Geschmacksströmungen.Unter den Innenräumen interessieren besondersdie französischen; der Anstoß der Pariser Ausstellung wirktnach. Es sind durchweg gute Arbeiten; in die Klarheitdes Aufbaus wird gelegentlich, nicht ohne Koketterie, einverunklärendes Element eingesetzt; die Formen sind fein‘ Abb. 1. W ohnsitz New W ays, Northam pton. Arch.: Prof. Dr. P. Behrens, W ien.Hier herrscht durchaus, im Sinne modernster Architektur,die Fläche und ihre Teilungen; das Dach ist flach; Einflüssedes Wiener Stils, die bis auf Otto W agner zurückzuführensind, lassen sich erkennen. Das mit energischemund strengem Raumgefühl aufgebaute Treppenhaus weistvon allen Bauten des Bandes die monumentalsteHaltung auf.Verwandt in der Gesinnung ist das Speisezimmer vonDjo-Bourgeois in Paris (Abb. 3, S. 254), dessenGestalt Platten und Flächen bestimmen und wo die geometrischeRaumgliederung sehr fühlbar ist; doch bleibt dasBedenken, inwieweit bei solcher Gestaltung der Wohncharaktersich wahren läßt. Frankreich gehört auch dasund elegant; es liegt im Ganzen ein Zug von Ästhetizismusüber dieser modernen französischen W erkkunst, deren E r­zeugnisse fast durchweg, man möchte sagen, einen Ateliergeschmackhaben. Sowohl die deutschen Räume (vonNiemeyer, Bertsch, Wieder anders) wie auchdie englischen stehen dem Leben näher; wie in Englanddem altnationalen Holzbau noch heute glückliche W irkungenabgewonnen werden, bezeugt besonders dasTreppenhaus, das Oliver Hill in einem Hause zu HolmburySt. Mary ausgeführt hat. Die Farbtafeln des Bandes zeigen,daß auch der Geschmack für die Anwendung starker,pikant aufeinander abgestimmter Farbtöne gegenwärtig alseine allgemeine Geschmackserscheinung anzusehen ist.9. April 1927. 253


Die dem Kunsthandwerk gewidmete Abteilungenthält durchweg Arbeiten von hoher Qualität. Um ei gEinzelheiten hen-orznheten. sei t a u t '""^w iesen daßdie Möbelkunst in England gern wieder auf das 18. Jahrhundert, auf Louis XV., H e p p i e w h i t e Sheraton zunickgreift. Ein Gegenstück bilden d i e holländischen Mobeil vonPaul Bromberg, schwer massig, streng ^ der Limführung. In Keramik und Glas bringen die Volker inschönem Wetteifer edle Stücke hervor. Sehr hoch stehedie deutschen Gläser von Anton Peter W i t t Karbitz,Dresden, und von der Fachschule Zwiesel in Bayern, dieWir hoffen, daß die hier gegebenen Andeutungen hinreichenwerden, um Inhalt und W ert des Bandes zu kennzeichnen.Der Grundgedanke des „Studio“-Jahrbuchs istso gesund und fruchtbar, daß man es nur ungern vermissenwürde Freilich weiß jeder Kenner der Verhältnisse, wieschwer ein Material der hier gebotenen Art zu sammeln ist;Vollkommenheit zu erreichen ist praktisch nahezu unmöglich.Immerhin würde eine gleichmäßigere Berücksichti°-ungdes Schaffens der verschiedenen Völker imInteresse°der Veröffentlichung liegen; wenn als Probe desdeutschen 'Wohnhausbaues nur eine Villa von Otto F i r 1 eAbb. 2. Modell einer (ausgeführten) Dorfanlage in Portm eirion, N orth M ales.Architekt: Clough Williams-Ellis, London.Abb. 3.Eßzimmer.?. Entwur, und Ausführung Djo-Bourgeois, Paris.trefflichen böhmischen Gläser setzen die altösterreichischeTradition fort. Das Zinn von Maurice Daurat, Paris,zeichnet sich durch feines Material- und Formgefühl aus.Auf dem Gebiete der Textilien glänzen wieder diedeutschen und die österreichischen Spitzen.mitgeteilt wird, so kann hierdurch von den Leistungenund Bestrebungen der Deutschen auf diesem Gebiete keinezureichende Vorstellung verm ittelt werden, was mit Rücksichtdarauf, daß im gesamten Auslande das Studio-Jahrbucheinen guten Ruf genießt, zu bedauern ist. —Vermischtes.Öffentliche V ersam m lung der preußischen A kadem ie desB auw esens. Am 22. März d. J., dem Geburtstage ihres Begründers,hielt die preußische Akademie des Bauwesens inhergebrachter Meise eine öffentliche Versammlung imKaiserhof zu Berlin ab, zu der sich zahlreiche Vertreter vonBehörden sowie Mitglieder und Gäste eingefunden hatten.254Der Präsident, Herr Oberhofbaurat Geyer, begrüßtedie Anwesenden und gab ein Bild von der Tätigkeit derAkademie im abgelaufenen Jahre, wobei er dem BedauernAusdruck gab, daß diese, aus hervorragenden Vertreterndes Baufaches sich zusammensetzende Körperschaft, ihrehohe Aufgabe als sachkundiger Berater leider nur zu_ seltenzur Geltung bringen könne, daß noch immer wichtigeNr. 29.


**t'S•St.Fragen entschieden würden, ohne die Akademie gutachtlichheranzuziehen. Andererseits konnte Redner die erfreulicheFeststellung machen, daß mit dem neuen Etatsjahr 1927der Akademie wieder Mittel zur Verfügung gestellt seinwerden, um zu wissenschaftlichen und baukünstlerischenUntersuchungen und Veröffentlichungen Zuschüsse zugeben.Die Akademie hat im vergangenen Jahre zwei ihrerMitglieder durch den Tod verloren: den Arch. Minist.-Dir.Aufstellung antiker Fundstücke im neuen Pergamon-Museum, über den Umbau des alten Opernhauses zu Berlin(bereits zum zweiten Male), über Reklamebeleuchtung amLichtspielhaus gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche,über die neue Verbindung des Südermarktes inFlensburg mit dem Bahnhof.Den Festvortrag hielt Herr Geh. Brt. Dr.-Ing.S o 1 d a n , Berlin, über die großen Schaden li ochwässerder letzten Jahre und ihre Ursachen.Abb. 4.Tisch, Eisengitter, Schreibtisch von Arch. Max W iederanders, München.Abb. 5. W ohnzimmer in einem E anahause. Arch. Franz Kaym und Alfons Hetmanek, W ien.Das neue Studio-Jahrbuch 1927.Prof. Martin Herr mann im Preußischen Finanzministerium,Berlin, und den ehern, Schriftleiter der DeutschenBauzeitung Dr.-Ing. E .h. Albert Hofmann in Karlsruhe.Zwei neue Mitglieder sind dagegen berufen worden, unterihnen der Stadtbaurat a.D . Fritz Beuster, Berlin. DieAkademie setzt sich jetzt aus 118 Mitgliedern zusammen, davon68 ordentliche, 50 außerordentliche. Dem Berufe nachsind davon 29 bzw. 19 Hochbauer, die übrigen Bauingenieurebzw. Maschinenbauer.Die Akademie hat im verflossenen Jahre 14 Sitzungenabgehalten und 4 Gutachten abgegeben: über die Frage derWährend in neuerer Zeit in anderen Ländern allenthalbenNaturkräfte verschiedener Art ungeheuren Schadenangerichtet haben, sind in Deutschland zwar nur solchedurch Hochwasser eingetreten, die in sechs Jahren aberdoch einen Gesamtschaden von über 300 Mill. M. verursachthaben; die Hochwasser von 1926 haben in ElbeundOdergebiet 120 Mill., im Rheingebiet 100 Mill. M.Schaden zur Folge gehabt, während letzteres Gebiet schonvon 1920 bis 1924 100 Mill. M. Schaden aus Hochwässernaufzuweisen hat. Die Gründe hierfür sind zu untersuchen,besonders auch die vielfach aufgeworfene Frage, ob9. April 1927. 255


unsere Flußregulierungen zur Erhöhungder Hochwassergefahr beigetragen haben.Redner verneint diese letzte Frage, denn wenn das ncntigwäre, müßte sich diese Erscheinung besonders im gebietdes Oberrheins gezeigt haben, bei dem nach dem Tulla sehenPlane eine ganz wesentliche Verkürzung des Stromlautesstattgefunden hat. Es hat sich aber nichts Derartiges gezeigt,und eine Zusammenstellung der Hochwässer derletzten 1ÜÜ Jahre zeigt, daß es sich um ein periodischesAuf- und Abwärtsschwanken handelt, wobei Häutungenhoher Hochwasser mit langen Zeiten mäßiger Anschwellungenabwechseln, die beeinflußt sind durch die besonderentellurischen und meteorologischen Verhältnisse.Redner verbreitet sich dann über die Mittel zumSchutz gegen Schadenhoch wasser durch Freihaltungeines ausreichenden Hochwassergebietes, durchbesondere Bauwerke, wie Talsperren, durch Deichschutzusw., wobei er aber auch auf die Gefahren der Eindeichunghinweist und auf die Grenzen des Anwendungsgebietes derTalsperren, für die keineswegs die Bedingungen einerWirksamkeit als Hochwasserschutz überall so günstig sind,wie bei der Edertalsperre. Hand in Hand mit den baulichenMaßnahmen müssen aber die Wasserstandsmeldungenund Wasserstandsvoraussagen ausgebaut werden, um beieintretendem Hochwasser rechtzeitig Warnungen ergehenlassen zu können und so Schaden für Mensch und Viehusw. möglichst hdntanzuhalten. Auch der Frage der Erhaltungeines ausreichenden Waldbestandes als Mittel zurVerzögerung des Abflusses der Hoohwasser ist erhöhteAufmerksamkeit zu widmen, außerdem muß die Gesetzgebungentsprechend ausgebaut werden, um überall erfolgreicheingreifen zu können, wo eine Verbesserung zurAbwendung von Hochwassergefahr nötig ist.An Lichtbildern zeigt dann der Redner die Wirkungder Überschwemmungen in den letzten großen Schadenhochwässernund weist auch darauf hin, wo durch verändertelokale Verhältnisse allerdings stellenweise eineVermehrung der Hochwassergefahr eingetreten ist bzw.Schäden überhaupt erst durch diese Veränderungen entstandensind. Hier muß natürlich überall eingegriffen undkann noch mehr erreicht werden. M a n darf aber aufalle Fälle behaupten, daß die großenWerke von Menschenhand an unseren Strömenusw. nicht die Ursache der Hochwasserschädensind oder die Hochwassergefahrvermehrt hätten. —Die Staatsbauverwaltung zum Umbau der Staatsoper.Am 7. März d. J. hielt Geh. Oberbrt. Dr. t. c. Fürstenauim Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin einen durchzahlreiche Lichtbilder erläuterten Vortrag über den imGange befindlichen Umbau des staatl. Opernhauses. Aufdie Geschichte des Bauwerks eingehend, zeigte er nebenden Funcke’schen Stichen von Knobelsdorffs Meisterwerkdie 1788 vollendete Umgestaltung des Innern durch Langhansdem Älteren, der aus dem Logentheater durch Zurücksetzender auf der Brüstung stehenden Rangstützen umfünf Fuß ein Rangtheater machte, die große Mittelloge inder noch heutigen Gestalt einfügte und im Proszeniumgleichfalls eine Loge für den König anbrachte. Nach demBrande von 1843 erhielt Langhans der Jüngere den Auftragzur Wiederherstellung „wie es war“, nahm aber gleichfallsVeränderungen vor. Damals entstand das jetzige dreiachsigeProszenium, das dem Zuschauerraum die wundervollestraffe Gliederung und den vorgezogenen geschwungenenLinien des I. und II. Rangs den festen Haltgibt, in den sechziger Jahren entstand der niedrigeresüdliche Anbau, der der Raumnot abhelfen sollte.Doch schon 1892 und wieder 1897 wurde ein Neubaudes Bühnenhauses erwogen. Von da an kam der Gedankean einen größeren, namentlich auch mehr Zuschauerfassenden Neubau nicht mehr zur Ruhe und wurde ernstlichverfolgt. Theaterkatastrophen, zuletzt die des Iroquois-Theaters in Chikago, gaben den Anstoß, trotz bevorstehendenNeubaus, im alten Gebäude wenigstens diedringlichsten Forderungen der Polizei und Feuerwehr zuerfüllen. Damals, 1910, wurde in nur Oümonatiger Bauzeitder Schnürbodenaufbau aufgesetzt, durch seitliche Anbauteneinige kleine Räume mehr geschaffen und die bekanntenäußeren Rettungsgalerien und eisernen Nottreppenangebaut, die das ehrwürdige Gebäude entstellten.Im Jahre 1914 wurde auf Grund des Entwurfes desGeh. Baurat Dr.-Ing. L. Hoffmann die I. Rate für den Neubauauf dem Kroll sehen Gelände vom Landtage bewilligtals der Krieg ausbrach und den Beginn der Arbeiten verhinderte.Mit dem unglücklichen Ausgange des Kriegesmußte der Neubaugedanke aufgegeben werden. Zugleichaber wurde der Auftrag zur Ausarbeitung von Vorschlägenfür einen Umbau des alten Gebäudes unter Erfüllung der256polizeilichen Anforderungen erteilt, damit an der historischenStätte weiter Oper gespielt werden konnte. Rednerschilderte die verschiedenen Vorentwürfe bis zu demjetzigen in der Ausführung begriffenen Entwurf und legtedar, wie die Verhältnisse im alten Gebäude allmählich durchdie ’Entwicklung der Oper und die erhöhten Bedürfnisse desBetriebes, durch die seit 1843 bestehende und veraltete,abhängige, vielfach ausgebesserte hölzerne Untermaschinerieso ^beengt’wurden, daß die Verantwortung für die Sicherheitder im Bühnenhause anwesenden Personen nicht mehrgetragen werden konnte. Die verantwortlichen Stellendrohten, das Theater zu schließen.Innerhalb der vorhandenen Umfassungsmauer ließensich aber die polizeilichen Anforderungen auf Verbesserungder Bühnenausgänge, Schaffen von breiten Fluren, Abstellräumenu. a. nicht erfüllen; auch kleine Opern hättennicht mehr gespielt werden können. Der Streit derMeinungen über die geeignetste Lösung für den Erweiterungsbauist bekannt. Der einseitige Ausbau nachOsten sctieiterte daran, daß ein Aufgeben der Verkehrsstraße„Am Festungsgraben“ nicht zu erreichen war. Derjetzt in der Ausführung begriffene Erweiterungsbau gibteine symmetrische Lösung — symmetrisch sowohl zurLängsachse des Gebäudes wie zu der durch den Schnürbodenaufzugbestimmten Querachse, die zugleich die Hauptachsedes Aulagebäudes ist —, die den Charakter des ehrwürdigenGebäudes soweit als möglich pietätvoll zu wahrensucht. Durch Zurückrücken der südwestlichen Ecke wirdauch der Blick auf die Hedwigskirche, von Unter denLinden her, freigehalten. Durch Beseitigung des Augustadenkmals,der gesamten Bepflanzung, Zuschüttung der denPlatz aufschneidenden Straßenbahntunnelrampe und schließlichPflasterung des ganzen Platzes wird hier wieder derfrüher vorhanden gewesene Architekturplatz geschaffen.Redner schilderte sodann den Gang der sehr schwierigenAusführung. Zwar erwies sich der Baugrund als ausgezeichnet,aus reinem Sand und Kies von so guter Beschaffenheitbestehend, daß der Sand zum Beton verwendetwerden konnte. Die Ausführung der modernen sogenanntenzweigeschossigen Tiefbühne erforderte aber dietiefe Unterfahrung schwer belasteter Bauteile sowie einevorübergehende Absenkung des Grundwassers um 10 m,eine Arbeit, bei der die ausführende Siemens-BauunionG. m. b. H. ihre Erfahrungen beim Bau der Untergrundbahnenzu verwenden reiche Gelegenheit fand. Betonarbeitenführte Gottlieb Tesch aus. Nachteile für vorhandeneGebäude sind zum Glück nicht eingetreten, vielmehrkonnten die beim Aulagebäude infolge der seit über10 Jahren bekannten Risse notwendige Unterfahrung derFundamente im Schutze dieser Grundwassersenkungleichter vorgenommen werden. Der Umbau wird auch imZuschauerraume Verbesserungen bringen. Die Eingangshallewird erweitert, die den Zuschauerraum umziehendenFlure werden verbreitert, ausreichende, durch Fenstergelüftete Abortanlagen, neue bequeme Treppen angelegt.Dank der günstigen W itterung konnten bisher alleFristen innegehalten und der technisch sehr schwierigeUmbau planmäßig gefördert werden. Die beim sorgfältigvorgenommenen Abbruch gewonnenen Werksteine werdensämtlich wieder verwendet, nur der Figurenschmuck dessüdlichen Giebelfeldes zeigte sich so sehr zerstört und mitGips ausgeflickt, daß er neu in der alten Weise hergestelltwerden muß. Die Staat sbauverwaltung hofft, den Umbaubis zum Herbst dieses Jahres fertigzustellen. —An den Vortrag schloß sich eine Aussprache, in deru. A. sich Prof. Dr. Schmitz vom Schloßmuseum mitkurzen Worten, aber im Sinne seiner von uns in Nr. 22,S. 196, abgedruckten Ausführungen, gegen das Vorgehendes Finanzministeriums in der Opernhausfrage wandte,sowie Anfragen von Stadtbaurat a.D . Prof. Seeling.Diese veranlaßten den Redner, sich auch n och zur Frageder Umgestaltung des Zuschauerraums zu äußern, der inBezug auf Platzzahl und gute Sicht doch auch einige Veränderungenerfahren wird. Allerdings betonte R edner, daßes nach dieser Richtung noch nicht über V orerw ägungenhinausgekommen sei. Danach is t die H inausschiebung derUmfassungswände, die Verstellung der R angpfeiler, eineZurückbiegung der Logenbrüstungen im v o rd eren, an dasProszenium anschließenden Teil usw. erw ogen worden,Maßregeln, die nach Ansicht des Redners den künstlerischenGesamteindruck nicht ändern würden. —Inhalt: Die H ochbauten des K önigsberger Handels- undIndustriehafens. — Das neue Studio-Jahrbuch 1927. — Vermischtes. —V erlag der D eu tsch en B au zeitu n g, G .m .b .H . in Berlin.Für die R edaktion veran tw ortlich : Fritz Eiselen in Berlin.D ruck: W . Büxenstein, B erlin SW 48.Nr. 29.

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