DEUTSCHE BAUZEITUNG

delibra.bg.polsl.pl

DEUTSCHE BAUZEITUNG

m ehr oder w eniger M enschen je tz t b e r e i t s ansassigsind, b e ru h rt d as P roblem nich t um das es sich h a n d e l^E s fra g t sich, w ie diese M enschen-A nsam m lungeu n terein ander in Y erbindung stehen oder ste enden. K ann m an w irklich beh au p ten, die ei^ e^m enschlichen L ebenserscheinungen au f diesem G ebiet,d as den B egriff „G roB -H am burg“ um aBt w oben sichebensogut bei ihrem A usreifen zur E n d g e sta lt zu em eorganischen G anzen zusam m en, o b . n u n e m v^ nb,tum sw ille oder m ehrere durch ein an d er w irken? Nochdazu, w enn der m ach tig ste dieser W a c h stu m sw lle n mso sinnlose unzusam m enhangende G rundform g eb an n tw ird? E s b ed arf k einer A n tw ort. _ , . ,W ir stoBen hier auf ein M i6verstandm s, das in deng anzen E ró rteru n g en iiber die G roB -H am burg-Fragevielfach h erv o rg etreten ist, ein M iB verstandm s u b er das,w as eigentlich „S iedeln“ fiir den G estalter d er rs ta d t b ed eu te t. , .M an h a t von gegnerischer preuB ischer Seite beispielsweise m it besonderem N ach d ru ck auf die l a t -sache hingew iesen, daB sich g eg en w artig eine R eihe vong enossenschaftlichen K lein g arten -S ied lu n g en zu entwickeln beginnen, die v on H am b u rg era auf preuB ischemN achbarboden unternom m en w erden. M an fo lg ertd arau s: w enn H am burg n u r w ollte, k o n n te es leich tiiber seine G renzen hinw eg seine W o h n u n g s f r a g e n _ zurL osung bringen. D en S tad teb au er w u n d ert es nicht,daB es uberall einige giinstige M oglichkeiten gibt, diem an pfliicken k an n ; seine A ufgabe ab er ist, die D ingeso zu lenken, daB die ungiinstigen M oglichkeiten,die dazw ischen liegen und u b erall die O berhand haben,auch zum G elingen g eb rach t w erden konnen. Siedemim Sinn der E rw eite ru n g einer G roB stadt is t n icht dasSchaffen einzelner W o hnungsgruppen, es is t w eit m ehr.Siedeln b ed eu te t das Schaffen eineso rganischen te ch n isch en System s vonV erk e h rsm itte ln des W assers und derSchiene, von Griinanlagen, von StraBenzligenund K a n a lisie ru n g e n von K raftundW asserv erso rg u n g en . D as Netz_ einessolchen System es laB t sich n ich t iiber beliebig zugeschnittene E inzelstiicke spannen, es b ed arf gleichsamgew isser n atiirlich gegebener P fo sten p u n k te, zw ischendenen es gezogen w erden k an n , m it einem W o rte, m anv erm ag es n u r zu entw ickeln, w enn m an groBe in n erlichzusam m engehorende G ebiete dafiir zur Y erfiigunghat. E rst innerhalb eines solchen N etzes h a t d a n n dasE rw eck en v on M enschenheim en an g eeig n eten S tellendes System es stad teb au lich en W ert. U nd das ist nochn ic h t A lles: neben diesem technischen S ystem muB zugleichein geistiges System geschaffen w erd en vonF ad en des U nterrichtsw esens, des P olizeiw esens, desS teuerw esens, d er W ohlfahrtspflege, der B odenpolitiku nd n ich t zu letzt des R ealk redites. Dieses Eingliederneines Stiickes W elt in klare o r -ganische B eziehungen b a u te c h n isc h e rund v e rw a ltu n g s te c h n is c h e r Art, furdas groBe Z u sam m en h an g e frei zur V e r -fiigung stehen miissen, das ist das, wasder heutige S ta d te b a u e r u n ter Siedelnv e r s t e h t. U nd n u r w enn ihm h ierfur freie B ahn geschaffenw ird, w enn er rech tzeitig ein planvolles N etzg esu n d er u nd lebensvoller B eziehungen um den K o rp ereiner G roB stadt herum u n d m oglichst w eit in dieL iicken dieses K o rp ers hineinspannen k an n , v erm ag erdie G rundlage zu schaffen, auf d er sich in em sigerW eiterarb eit die w erdende G roB stadt von dem F luch erlosenlaBt, d er je tz t au f ihr la s te t. L etzten E ndes ist esd er Fluch der P 1 a n 1 o s i g k e i t , der Planlosigkeitd u rch U n v erstan d o d er d u rch H em m ungen des W illens.Die E rk e n n tn is, daB n u r die einheitliche Y orarbeitau f lan g e S ich t die G ro B stad t zu erlosen verm ag, begin n t sich d eu tlich zu sp iegeln in d er R olle, w elche dieE in g em ein d u n g sp o litik d er groB en S tad te zu spielenb eginnt. M an k a n n an ih n en allen m it Schaudern erkenn en , daB in d er R eg el viel zu sp a t eingem eindetw urde E rs t w enn sich die F o lg en b ren n en d zeigten,die d a ra u s e n tsta n d e n , daB die U m gebung der GroBsta d t sich ohne gem einsam es Ziel n ach la u te r kleinenE in z elg esichtsp u n k ten e n tw ick e lte, griff m an ein. Dasist d as S ch ick sal u n serer G roB stadte gew orden. Daw o m an au s diesen v erh an g n isv o llen Z u stan d en gelernth a t u nd rechtz e itig e E in g em ein d u n g en betreibt, dienoch zu h an d eln erm oglichen, ehe es zu sp at ist, tónth eu te n och regelm afiig d er R u f: „W elche O bereilung! —W elche u to p istisch e O b ersch atzung d er E ntw icklung! —D as B ediirfnis is t ja n och g a r n ich t vorh an d en !“ —Solche R ufę e rto n e n je tz t a u c h b ei „G roB -H am burg“.M an h a t m it R e c h t g e sa g t, daB H am b u rg s Siedlungswiinsche den C h a ra k te r eines groB en E ingem eindungsan tra g e s haben. Sie k o n n en a b e r g a r k ein en anderenC h a ra k te r hab en . E s is t sehr falsch, solcher Feststellun g e tw a ein „ n u r“ hinzuzufiigen. S tark ere A rgument e ais dieses: „W en n ich n ic h t u b e r m eine jetzigenG renzen liinaus m eine E n tw ic k lu n g d n h e itlic h weiterfiihrenk ann, v erk rtip p e le ich “ — g ib t es nicht. Dasist bei H am b u rg ebenso gew iB, ja bei d er u n erh ó rtaiU n g u n st seiner" g e g e n w a rtig e n Z ufallsform noch vielgew isser, ais bei je d e r a n d eren G roB stadt. Bei anderenG roB stadten tre ib t es zum endlich e rk a n n te n H eilm itteld e r rech tzeitig en E in g em ein d u n g . H am b u rg soli diesesH eilm ittel v e rs a g t sein.E s w ird ihm v e rsa g t, w eil bei ihm ein solches „Eingem einden“ ein Y o rrlick en d er p o litisch en G renzen aufK o sten des N a c h b a rsta a te s b ed e u te t. D arin liegt eineT rag ik . J e d e r E in sich tig e w ird ein Y erstan d n is dafurh ab en , daB es in sb eso n d ere fiir Schlesw ig-H olsteinschw er ist, G ebiet h erzu g eb en . A b er diese Em sichtd arf d en A rzt, d er iib erzeu g t ist, daB seinem P atientenn u r ein en erg isch er o p e ra tiv e r E in g riff w irklich nutzenk an n , n ic h t dazu fu h ren , zu n icken, w enn m an stattdessen h eilk raftig e T ra n k e v o rsch lag t.N u tz t ihm d as n ich ts u n d k o m m t es doch zu einerT h erap ie m it M edikam enten, so muB er w enigstens aufdie ern sten W esen sp u n k te des L eid en s im m er wiederhinw eisen. S chw ache M ittel helfen gan z gewiB nichtsd ag eg en . D ie M ittel, die b ish er b e k a n n t sind, diirftenv e rsag en , w enn es sich d a ru m h a n d e lt, au f der einenSeite einen S ta d ts ta a t, au f d er a n d e re n S eite zwei Provinzen,drei R eg ieru n g sb ezirk e, d rei groBe S tad te undzahlreiche k lein e G em einden je d e r S c h a ttie ru n g in einelebensvolle S ch affen sg em ein seh aft zu bringen. Mochtees gelingen, ein M ittel zu finden, d as einfach und zugleichsta rk ist.A ber es ist niclit die A b sich t dieser Zeilen, aufsolche F ra g e ste llu n g e n einzugehen. H ier g a lt es nichtsA nderes, ais in k u rzeń Z iigen zu v erd eu tlich en , daB ind er G roB -H am burger F ra g e n eben d e r indiyiduellenN ot die allgem eine N o t d er h eu tig e n G roB stadt nachdem W eg sucht, d er au s d em E len d des jetzigen Zustan d e s allm ahlich h erau sfiih rt.DaB er gefu n d en w ird , ist bei d er R olle, die H am ­b u rg im L eben des R eiches sp ielt, n ic h t eine lokale,sondern eine d e u ts c h e F ra g e ! —Personal-Nachrichten.Professor Otto GeiBler in Hannover. Auf den durchdie Zurruhesetzung des Geheimen B aurats Danckwertserledigten Lehrstuhl der W asserwirtschaft ander Technischen Hochschule in Hannover ist der ZivilingenieurOtto GeiBler in Berlin-Nikolassee unter Ernennungzum ordentlichen Professor berufen worden. —W ettbewerbe.Bevorstehende Wettbewerbe der Stadt Trier. Fiir dieBebauung eines Gelandes in unm ittelbarer N achbarschaftder P o rta N igra in T rier m it einem stadtischen144Schwimmbad oder einem anderen stadtischen Mornimental-Gebaudesollen die Entw iirfe auf dem W eg desW ettbew erbes gewonnen werden. Ein W ettbew erb zur Erlangungvon Entw iirfen fiir eine Krieger-Ehrung inder S tadt oder in ihrer Nahe ist durch die S tadt bereitsausgeschrieben w orden. —Inhalt: GroB-Hamburg (SchluB). — Personal-N achrichten. —W ettbew erbe — Aus dem Vereinsleben. —Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m.b. H. in Berlin.Fur die Redaktion verantwortlich: AlbertHofmannin Berlin.W. Btixenstein Druokereigesellschaft, Berlin SW.


* DEUTSCHE BAUZEITUNG*1^0 Ciy-jłEO.lHamburg. Die durch die Papiem otder letzten Jah re notw endig ge-'K ł wordene E inschrankunj des Raumesk f i unserer Zeitung hat die Berichterstattuns:iiber die lebhafte Tatii:-keit des Y ereins dieser T atigkeit nicht in demerw unsehten llafi folgen lassen. Das Vers3nm teIafit sich heute nicht m ehr im Tollen Umfans:nachholen: ■wir greifen daher ans d er T atigkeitder Jah re 1918 bis 1920 nur das W esentlieheberatis. um die regelm ifiige B erichterstarrung mitdem J a h r 1921 w ieder zu beginnen.D er in der Y ersam m hm z vom 21. Februar1919 vorgetragene Jahresbericht fur 1918stellt fest. daił das hoffnungsfreudig begangeneJ a h r 191S ein furehtbares Ende fur unser Y aterlandgenommen hat. P e r einstimmige B u n schnach _Frieden um jeden Preis", habe den Friedenum einen ungeheuerliehen Preis gebracht. ImB erichtsjahr hat sich die łfitgliederzahl von 448auf 431. w ahrend des K rieges um insgesam t81 M itglieder verringert. Es w urden fS Yereinsabendeabgehalten. die von durchschn ittlic h37 Personen besucht wurden. Die durch dieRevoIution vorubergehend auf 9 Uhr gelegtePolizeistunde zw ang dazu. die Sitznngen ganzausfallen zu lassen. P e r Ausfall von X eubanten.die im Frieden fiir den grótłten Teil der Yortrassabendeden Stoff gaben. w urde durch diemit dem K rieg zusam m enhangenden Them atanur zum kleinsten T ed ausgegliehen. 11 'Vortrasrew aren dem Gebiet des Hochbaues. dreiA bende w aren baugesetzlichen Themen gewidmet.D as Ingenieurw esen w ar w ieder stark -rais der H ochbau mit Y ortragen rertreten. Am20. A pril 1918 fand zum erstenm al seit IangererZeit w ieder ein Stifrungsfest im U hlenhorstcrFahrhaus statt. In m ehrfaeher W eise h atte sichder Y erein m it allgem einen Standes- und Berufsangelegenheitenzu befasseu. Ein AusschuS betr.die" Stellung d er A rchitekten und Ingenieure imoffentlichen Leben konnte freilich seine .Arbeitennicht zum AbschluB bringen. A ngesichts der Yer-AUS DEM YEREINSLEBEN-K \ n iqoo


handlungen einer gemischten Kommission von Senat undBiirgerschaft, die m it der Durchsicht von V erfassung unaV erw altung beschaftigt war, erschien die Erw agung geboten,ob nicht aus dieser Y eranlassung die Techniker m:it :ihrenW unschen nach groBerem EinfluB im offentlichen Lebenim eigenen wie im allgemeinen Interesse hervorzutretenhatten. Es war jedoch nicht moglich, den AusschuB zudiesem Zweck zum Leben zu erwecken, d a die lnzwischeneingetretenen Ereignisse dem AusschuB kaum em sonaerlichfruchtbares Arbeitsfeld geschaffen haben wurden;„denn ob die heutigen leitenden Staatsm anner m _Hamburg,“sagt der Bericht, „einer ruhigen, organischenW eiterentw icklung unserer V eriassung zuneigen, mutsdahin gestellt bleiben.“ Den Soldaten- und A rbeiterratender Revolution gegeniiber bildeten sich zahlreiche Urganisationender Iibrigen Stande, zum Zeugnis, daB dasdeutsche Volk „nicht lediglich Manner m it schwieligerF aust umfasse." So entstand auch ein „Yerband technisch-wissenschaftlicherBerufe“, der die hoheren Technikeraller Fachgruppen in Hamburg umfaBt. Eine Verbmdungm it den Vereinen m ittlerer Techniker erwies sich wegendereń radikaler politischer Richtung ais untunlich.Techniker,“ ftihrt der Bericht aus, „sind ais schaffende,aufbauende K rafte im vollsten Sinne des W ortes anzusehen;sie konnen daher auch nur in aufstrebenden Zeitenzur rechten Entfaltung gelangen. Die Zeit, die wir heutedurchleben, laBt einstweilen nur die zerstorenden K rafteim Volk zu W ort kommen.“Die gedriickte Stimmung durchzieht auch noch denTatigkeitsbericht fiir das Jahr 1 9 1 9 . „Esw ar das Jah r des Friedens. . . . In der Tat, es wurdeFrieden! . . . In Berlin schossen im Jan u ar und in Hamburgim Juni Deutsche gegen Deutsche, um festzuśtellen,wer die besseren Ideale habe. Die K osten der Lebenshaltung,die Betrage fiir die Bauten stiegen ins Ungemessene.Und man organisierte sich, man schuf immerneue und groBere Verbande. Man schreibt und spricht,und spricht und schreibt und glaubt immer wieder an dasW under einer Besserung unserer wirtschaftlichen Yerhaltnisse.Die Manner der reinen Tat, die Manner, die ausdem Nichts die Maschinen schufen, die durch das LandKanale und Eisenbahnen ziehen, die das Gefiige derHauser entwerfen, die nichts kennen ais das nackte Ergebnisproduktiver Arbeit, die haben heute weniger zu sagenais je. Das Volk braucht Schwatzer, Schreier, Schreiber,geistreiche und geistreichelnde Fiihrer: Juristen, Schulmeister,Journalisten und all die Leute, die m it den Leistungenanderer handeln konnen! Sie sind gesucht;wir aber sind Knechte.11 Der Bericht sieht m it bangemHerzen der Zukunft entgegen. „Die Technik und dieK unst leben von dem OberschuB jenes volkischen Arbeitsertrages,der im Lande bleibt. Geht d e r ins Ausland,dann braucht man bald keine A rchitekten und keineTechniker mehr.“ Trotz aller schlechten A ussichten aberhielt der Verein seine Mitglieder zusammen. Freilich hatsich die Zabl w eiter auf 423 verringert; auf 37 auśgeschiedenekam en nur 29 neue. Gberblickt man die Reiheder Yortrage, so ist festzustellen, daB die Zahl jener ausdem Gebiet der B aukunst auBerordentlich gering war, dajede B autatigkeit ruhte. Hamburgische allgemeine Fragenwurden in vier Sitzungen behandelt; gering w ar auch dasErgebnis der Y ortrage auf dem Gebiet des Ingenieurwesens.Im sonstigen i n n e r e n Leben brachte der Zeitgeistallerhand Neuerungen. Die Damen der Mitgliederm achten von dem ihnen eingeraum ten Recht, an denSitzungen Teil zu nehmen, noch wenig Gebraueh. GeselligeV eranstaltungen konnten dem E rnst der Zeit entsprechendnicht in Aussicht genommen werden. Auchdieser Bericht spricht den W unsch aus, den MitgliederngroBeren EinfluB in den politischen Parteien und Korper-schaften einzuraumen. Denn „der Techniker ist mehr, aisjeder Andere berufen, Ph anta ster eien des offentlichenLebens auf das richtige MaB zuriick zu fiihren, eine Aj-beit,die uns jetzt bitter not tut. Und eine St&rkung des politischenund geschaftlichen Einflusses aller technisch Gebildetenbedeutet mehr ais die St&rkung desB e r u f e s ; sie kann zum Ausgleich der Klassepgegens&tzeund zur Gesundung des Ya-ter-1 a n d e s viel beitraaren.“Der Tatigkeitsbericht fiir das Vereinsja h r 1920 beginnt m it der Feststellung, daB wohl dieW affen ruhten, aber von den Segnungen eines wiedergewonnenenFriedens fiir unser arm es VoIk noch nichts146zu spiiren sei. Kein W under, wenn dadurch auch dieG rundlagen fur das W iederaufleben der beiden Fachrichtungen,die im Verein vertreten sind, noch vollig imUngewissen liegen, wenn auch w eiterhin B aukunst undIngenieurwesen schlechte Brotgeber bleiben, geknebeltdurch die Y erhaltnisse der auBeren und inneren W irtschaftD azu traten schw ere V erluste unter den Mit-2-liedern Es handelte sich dabei um Manner, die zumt eil an R ichtung gebender Stelle im bautechnischen, industriellenund offentlichen Leben H am burgs standen. DieZahl der Mitglieder, die einmal 500 iiberstieg, ist weiterVOn 423 am 31. Dezember 1919 auf 407, darunter 42 auswartige am SchluB des Jah res 1920 zuriick gegangen. Eswurden 27 Sitzungen m it V ortragen abgehalten. Die Beteili^ing von Damen an verschiedenen Darbietungensteigerte den Besuch der Y ereinsabende auf den Durchschnittyon 43 Kopfen. Der V erein h at aus dem NachlaBvon Skjold Neckelmann eine groBere Anzahl kiinstlerischausgefiihrter A rchitekturblatter ubernommen. Zusainmenfass^ndkann nach einer Schilderung des Vereinslebensim Einzelnen festgestellt w erden, daB auch in dieserBerichtszeit der V orstand und ein Stam m treuer, tatigerMitglieder sich bem iiht haben, dem Y erein seine fachlicheund ortliche B edeutung zu w ahren und sein Leben in FluBzu erhalten. Seine T atigkeit steht im Zeichen des Altruis-mus. Eine neue Zeit w ird neue A ufgaben bringen; einerarbeits- und erfolgreichen V ergangenheit w ird sich einegleiche Zukunft anschlieBen! —V ersam mlung am 11. April 1919. Yors.: Hr. Himmel-h e b e r. Anwes.: 35 Personen.Auf genommen ais neue M itglieder die Hrn. Dipl.-Ing.G ustav T h o r n , A rchitekt D. F. A. Bruno W i e c k undProfessor W ilhelm M i n e 11 i.Es spricht Hr. Dr. Brandt iiber „Das neue Erbbau-Gesetz“.Am 15. Jan u ar 1919 h a t die neue R egierung eine Verordnungiiber das E rbbaurecht herausgegeben, welche mitden U nsicherheiten und U nklarheiten, die sich bei der ungesundenFassung der §§ 1012— 1017 des BGB. ergebenhaben, im W esentlichen aufgeraum t hat. Seit dem Jahr1901 sind in D eutschland wohl m ehr Erbbau-Vertras:e


B edauerlich ist, daB die neugeschaffene klare Rechtslagenur neu zu bestellenden Erbbaurechten zugutekommt. Zu begriiBen ist, daB das Bauw erk nicht vernichtetw erden dari. Bedenklich ist die B egriindung vonErbbaurechten fiir Privatgrundstiicke. Die Sicherung derE ntschadigung ist nur im K leinw olm ungs-Erbbau festgelegtsonst nicht.Die W irkungen des neuen Gesetzes bestehen in Vorteilenfur den Erw erber (kein G rundstiickskauf, geringeYerzinsung, Sicherheit gegen Kiindigungen), solchen fiirden Geber (EinfluB auf die Bauweise, Zufall spaterenW ertzuwachses) und solchen fiir die Allgem einheit (preisregulierendeTendenz). N achteile sind fiir den Erw erberdie kleinere: B eleihungsm oglichkeit^ftir den E rbbaurechtgeberdie V ergiitung nach Ablauf der Frist.Ganz allgem ein w ird das E rbbaurecht mehr in Grofistadtenm it hohen Bodenpreisen eine Zukunft haben, aisauf dem platten L and m it mafiigen B auplatzkosten.Der R edner schlieBt m it dem Hinweis auf das W iederkaufsrecht,das jedoch so w enig wie das E rbbaurecht einAllheilmittel gegen die iibertriebene B odenspekulation seinkonne. Dazu gehóren noch gute B auordnungen, Bebauungsplane,D ezentralisation durch gesunde Yerkehrspolitiku. a. m.Reicher Beifall lohnte den hochinteressanten V ortrag.V ersam m lung am 24. Okt. 1919. Yors.: Hr. R a m b a t z.Anwes.: 59 Personen.Es spricht Hr. Dr.-ing. Brandt iiber „Die S o z i a -lisierung des W ohnungsbaues1'.Die gew altige Steigerung der Baustoffpreise wie derLóhne und das M ietesteigerungs-V erbot haben den W ohnungsbauunw irtschaftlich gem acht. Y or dem K rieg warendie H erstellungskosten einer K leinw ohnung etw a 5000 M.,augenblicklich sind es 20 000 M. Dem entsprechen Mietenvon etw a 500 M. und 2000 M. Die norm ale H erstellungszahlvon W ohnungen betrug in D eutschland vor dem K rieg200 000 jahrlich, der Fehlbetrag w ahrend des K rieges istauf m indestens 500 000 W ohnungen zu schatzen. Im Jah r1919 w ird es m it Hilfe der B aukostenzuschiisse vielleichtgelingen, 15 % des norm alen Bedarfs, d. h. etw a 30 000 neueW ohnungen zu schaffen.Gegen die W ohnungsnot haben letztenEndes alle Hilfsmittel v e rsa g t: Bauerleichterungen,Ersatzbauw eisen, T ypenbildung, wissenschaftlicherBaubetrieb, H errichtung von Notwohnungen, gemeindlicheSiedlungen und Baukosten-Zuschiisse. Die Zuschufiwirtschaftk ann nicht fortgesetzt werden, da die erforderlichenSummen zu groB sind, um vom Reich undden Gemeinden getragen w erden zu konnen, und fem erdie Zuschiisse keine V erbilligung des Bauens herbeizufiihrenverm ogen. Mit dem Abbau der Lohne auf denFriedensstand ist nicht zu rechnen. Die N eubautatigkeitmufi aber w ieder belebt w erden, w enn die W ohnungsnotnicht zu einer K atastrophe fiihren und das Baugewerbenicht vernichtet w erden soli.Ais H eilm ittel sind von verschiedenen Seiten V orschlagezur Sozialisierung des W ohnungsbaues aufgetaucht. DerRedner bespricht zunachst kurz die V orschlage der Bodenreformerzur Sozialisierung der G rundrente, V orschlagevon Georg H e y e r in Berlin und O berbiirgerm eisterK u t z e r in Mannheim zur E rhebung einer Mietsteuer, sowievon K arl Thiel in B lankenstein fiir ein Reichsheimstatten-Versicherungsgesetz, und tra g t verschiedene Be-denken dagegen vor. D ann w endet er sich den beidenwichtigsten Y orschlagen zu, dem Y orschlag des StadtbauratesDr.-ing. W agner in Berlin-Schoneberg- iiber dieSozialisierung der Baubetriebe und dem desLandesw ohnungsrates in Baden, Dr. Kampfmeyer,iiber eine V ergesellschaftung des Mietswohnungswesens.Der W agnersche V orschlag will in das Baugewerbedas R atesystem einfiihren und dadurch einen Betriebsaufbauschaffen, der R ettung aus der gegenw artigen Be-drangnis bringen soli. Die im schroffen G egensatz zueinanderstehenden H auptberufsgruppen, Baum eister, Bauunternehmer und B auarbeiter, sollen zu einer A rbeitsgemeinschaft vereinigt w erden. Den besonderen Eigenartendes B aubetriebes kann aber w eder die Form derK om m unalisierung noch die Fiskalisierung, sondern^ nurein sozialisierter Individualbetrieb gerecht werden. SeineOrgane sollen die G eschaftsleitung, die ortliche Betriebsleitung,der B etriebsvorstand und die B augew erkschaitsein. Sam tliche A rbeiter nehm en am Reingew inn teil.Jede. A rbeitsleistung w ird individuell entlolm t in A kkord-,Pram ien- und Stiicklóhnen. N achdem R edner noch eingehenddie A ufgaben der B augew erkschaften besprochenhat, auBert er zu dem V orschlag folgende Bedenken: Eserscheint fraglich, ob durch die Sozialisierung der Aus-O W q r>7 1 Q Q Ogleich zwischen A rbeitgebern und A rbeitnehm em geschaffenwird und ob dadurch die Produktion gesteigert und verbilligtwird. Die A usschaltung der m it eigenem Vermogenhaftenden Fachleute und die Moglichkeit, daB A gitatorenan die leitenden Stellen kommen, ist bedenklich, auch istes fraglich, woher das Beriebskapital kommen soli. In demR egierungsentw urf zum B etriebsrategesetz ist der Unternehmer bei den A ufgaben der G em einschaftsarbeit volligausgeschaltet; das ist ungerecht und unmoglich. Einenahnlichen Fehler begeht der W agnersche Y orschlag. DerAufgabenkreis der B augew erkschaft greift zu w eit in dieBetriebsleitung hinein. Der R edner fafit sein U rteil endlichdahin zusammen, daB der Yorschlag beachtensw erteEinzelheiten enthalte, aber eine Belebung der N eubautatigkeitin absehbarer Zeit nicht bringen werde.Der Kampfm eyersche Vorschlag iiber eine Vergesellschaftungdes M ietswohnungswesens ist durch die Mitarbeitm ehrerer Sachyerstandiger neuerdings erheblichreifer geworden, ais in der urspriinglichen Form eines„H eim stattengesetzes“. E r erstrebt den Ausgleich zwischenden Mieten der billig erbauten H auser der V orkriegszeitund den Mieten der teurer zu errichtenden N eubauten.Die , Mieten sam tlicher W ohnungen sollen unter Zugrundelegungder MiethOhe vón 1914 und der Selbsteinschatzungzum W ehrbeitrag’ von 1913 festgesetzt werden. Eine Mieterhohungist dem H ausw irt nur insoweit gestattet, aisseine Selbstkosten fiir Instandhaltung, H ypothekenzinsen,Steuern und dergl. nachweislich gestiegen sind. Von samtlichenMiet- und Eigentiim erw ohnungen soli eine nach demM ietwert und W ohnungsluxus abgestufte Umlage erhobenwerden, die zur Gewahrung von Mietzuschiissen bei neugebautenW ohnungen, zur V erbesserung bestehender W ohnungen,zu M ietnachlassen an kinderreiche Familien dienensoli. D er stadtische M iethausbesitz soli in die Y erw altungoder das Eigentum von Selbstverw altungskorpem iibergefiihrtwerden. Diese erhalten weitgehende VorkaufsundEnteignungsrechte. Ais geeignetste Organisationsfonnerscheint eine auf offentlichem R echt beruhende Genosso;nschaft,in dereń V erw altung Mieter, H ausbesitzer, politischeGemeinden und das Baugewerbe vertreten seinsollen. Die Selbstverw altungskórper umfassen im Allgemeinendie GroBe eines A m tsbezirkes oder Kreises, diezu grofieren V erbanden zusammengeschlossen werdenkonnen. Diese grofieren Y erbande iibernehmen die Errichtungvon H ypothekenbanken, die Beschaffung vonB aum aterial durch Betrieb von Ziegeleien, K alkw erken,Sagew erken und dergl. Die Selbstverw altungskorperhaben auch zur V erbesserung der W ohnverhaltnisse durchW ohnungsaufsicht beizutragen, Geld zu beschaffen undMietezuschiisse an kinderreiche Fam ilien zu gewahren.Gegen den Kam pfm eyerschen Yorschlag lassen sichviele Bedenken geltend machen. Diese liegen einmaldarin, dafi der V orschlag eine A usnahme-Gesetzgebunggegen die H ausbesitzer darstellt, die oft w ahrend desK rieges groBe M ietausfalle gehabt haben und jetzt durchdie erhohten U nterhaltungs- und V erw altungskosten,Steuern und andere Ausgaben stark belastet werden. DieH ausbesitzer verlangen teilweise, dafi sich ihre reinen Einnahmen aus den Mieten im V erhaltnis zur allgemeinenG eldentw ertung steigern. Demgegeniiber w eist der Rednerauf die grofie Gefahr hin, dafi die aus der gegenw artigenN otlage entstandenen Mieten und G rundstiickspreise sichfestigen und bleiben, weil jeder W erterhohung des Bodenssofort die Ausschopfung dieses W ertzuw achses durch denG rundkredit folgt. Sind aber die G rundstiicke erst hoherbelastet, so ist der W ertzuw achs durch viele Strange so inder gesam ten V olksw irtschaft verankert, dafi ein Abbaunicht m ehr moglich ist. Zurzeit wird die unangem esseneSteigerung der Mietpreise und ihre K apitalisierung nochdurch die M ieteinigungsam ter zum Teil yerhindert, dochkonnen diese bei ihren geringen Befugnissen die Umgehungdurch fingierte M ietyertrage nicht verhindem . Zudieser Gefahr tritt noch die zweite, dafi auslandischesK apitał m it Hilfe der Y aluta G rundstiicke zu hohenPreisen erw irbt und den W ertzuw achs schon jetzt ausschopft.Es erscheint fraglich, ob die H ausbesitzer dasR echt haben, die W ertsteigerung restlos fiir sich in Anspruchzu nehmen. W er sein Vermogen in anderer W eiseangelegt hat, h at auch keine V erm ehrung seines Vermogenserfahren, bei der Anlage in K riegsanleihe undStaatspapieren sogar V erluste hinnehm en miissen. Fiir dieH ypotheken auf seinem Besitz braucht der H ausbesitzerkeine hoheren Zinsen aufzuw enden. Eine hohere steuerliche B elastung fiir den H ausbesitz ais fiir die A llgem einheitliegt nicht vor.W enn m an daher iiberhaupt eine M ietsteuer einfiihrenwill, so miifiten die unberechtigten M ietsteigerungen' nachBefriedigung der berechtigten Forderungen der H ausbesitzerfiir V erm ehrung der U nkosten, im Ubrigen fiir die147

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