Biologika und nicht tuberkulöse Infektionen Einleitung

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Biologika und nicht tuberkulöse Infektionen Einleitung

Die Zeitschrift der Ärztinnen und ÄrzteOADr. Rudolf Rumetshofer1. Interne Lungenabteilung,SMZ Otto-Wagner-SpitalWienUniv.-Prof.Dr. Sabine SchmaldienstKlin. Abt. für Nephrologieund Dialyse,Univ.-Klinik für InnereMedizin III, MedUni WienUniv.-Prof.Dr. Erich SchmutzhardUniv.-Klinik für Neurologie,Department Neurologieund Neurochirurgie,MedUni InnsbruckUniv.-Prof.Dr. Adrian Tanew-IliitschewKlin. Abt. für AllgemeineDermatologie,Univ.-Klinik für Dermatologie,MedUni WienPrim. Univ.-Prof.Dr. Franz TrautingerAbteilung für Haut- undGeschlechtskrankheitenLandesklinikum St. Pöltenrecht selten Infektionen beim Menschen. Was Patienten unterBiologika angeht, so zeigten Daten aus einem prospektivenfranzösischen Register in drei Jahren bei Patienten unterTNFα-Blockern vier Listeriosen und vier Nokardiosen unterinsgesamt 45 Fällen nicht tuberkulöser opportunistischerInfektionen [38].In Österreich kommen jährlich zehn bis 15 Fälle von Listerieninfektionenvor. Bei Gesunden liegt die Inzidenz nur bei0,7/100.000 Einwohner [39], bei Patienten mit Risikofaktoren(Alter >75a, Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Immunsuppression,Leberinsuffizienz, HIV-Infektion, Splenektomie)jedoch bei 210/100.000 [40]. Listerieninfektionen werden vorallem über Lebensmittel wie Roh- oder Weichkäse, andereRohmilchprodukte, geräucherten Fisch oder rohes Fleischakquiriert [39]. Als Prophylaxe ist die Vermeidung derExposition (Ernährung) zu sehen. Daten zu einer medikamentösenProphylaxe fehlen – diese erscheint auch unterBiologikatherapie nicht sinnvoll und durchführbar.Die Literatur zu Nokardiosen ist sehr spärlich; es gibt lediglicheinige wenige Fallberichte [38]. Die Inzidenz liegt in derBevölkerung bei 1–3/100.000 [41]. Die Infektion mit Nokardienerfolgt durch Inhalation, ist also durch Expositionsvermeidungkaum zu verhindern. Auch hier fehlt zur medikamentösenProphylaxe jegliche Literatur, und sie erscheint auch unterBiologikatherapie nicht sinnvoll.Für die Therapie der Listeriose ist Ampicillin Mittel der Wahl. BeiPenicillinallergie kann Trimethoprim/Sulfamethoxazol (TMP/SXT) verwendet werden. Die Daten zu Aminoglykosiden sindwidersprüchlich – ob sie einen Nutzen bei Listeriose bringen,dürfte von der Lokalisation der Infektion abhängen. WeitereOptionen sind Meropenem plus Rifampicin, Levofloxacin,Moxifloxacin, Doxycyclin, Minocyclin, Vancomycin oderLinezolid. Die Therapie muss mindestens zwei Wochen dauern[42].Für die Therapie der Nokardiose ist TMP/SXT erste Wahl, auchhier ist die Rolle von Aminoglykosiden nicht ganz eindeutig.Weitere Möglichkeiten sind Imipenem, Meropenem,Linezolid, Ceftriaxon und Cefotaxim. In beiden Fällen sollteunbedingt eine Resistenztestung erfolgen. Die Therapiedauerbeträgt drei bis sechs Wochen i.v., bei Immunsuppressionkann eine Suppressionstherapie über sechs bis zwölf Monatenotwendig werden [43].3.1.3 Nicht tuberkulöse Mykobakterien (MOTT)Unter TNFα-Blockern wird auch eine erhöhte Rate an Infektionenmit nicht tuberkulösen Mykobakterien („MycobacteriaOther Than Tuberculosis“ – MOTT) – in erster Linie M. avium –gesehen, wobei neben pulmonalen Infektionen auch ein erhöhterProzentsatz an extrapulmonalen Manifestationen, z. B.Haut- und Weichteilinfektionen (häufig durch schnell wachsendeMOTT), zu beobachten ist [44].Pulmonale Mykobakteriosen treten bevorzugt dann auf,wenn relevante pulmonale Vorerkrankungen bestehen, diemit Störungen der Lungenarchitektur (Bronchiektasien, ausgeprägtesEmphysem, fortgeschrittene interstitielle Lungenerkrankungen)einhergehen. Diese Erkrankungen begünstigeneine Besiedelung durch MOTT (langsam wachsende wieM. avium, M. kansasii und M. xenopii, seltener schnell wachsendewie M. fortuitum und M. abscessus).Sollte das im Zuge der Planung der Biologikatherapie vorgeseheneLungenröntgen bereits pathologisch sein oder derPatient eine schwere chronische Bronchitis in der Anamnesehaben, dann sollten weiterführende Untersuchungen wieeine Computertomographie und Sputumuntersuchungen(Kulturbefund auf Mykobakterien), ggf. eine Bronchoskopie,erfolgen. Die Diagnose einer pulmonalen, nicht tuberkulösenMykobakteriose ergibt sich aus dem eindeutigen Keimnachweis,der Klinik und der typischen Radiologie mit entzündlichenpulmonalen Veränderungen ähnlich der Tuberkulose.Bei positivem Keimnachweis (im Sputum ist ein zweimaligerNachweis, bronchoskopisch ein einmaliger Nachweiserforderlich) ist erst eine Sanierung anzustreben, bevor einBiologikum gegeben werden kann. Bei negativem Keimnachweisbesteht zumindest eine guter radiologischer Ausgangsbefund,falls später pulmonale Beschwerden auftauchen.Eine präventive Therapie wie bei der Tuberkulose ist nichtsinnvoll. Weichteilläsionen durch MOTT treten meist erst unterTherapie auf (bevorzugt M. marinum, M. fortuitum) undmüssen natürlich entsprechend diagnostiziert und behandeltwerden8 Supplementum ■ Juli 2012

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