Schlösser und Burgen

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Schlösser und Burgen

53Sch l ö s s e r u n d Bu r g e n


Sch l o s s Fr a u e n s t e i nSchloss Frauenstein, auf einer Terrasse unter den Wäldern desKraiger Berges gelegen, ist eines der besterhaltenen Beispielespätmittelalterlicher Burgenbaukunst in Kärnten.Im Jahre 1197 wurde Frauenstein erstmalig genannt. 1519-1521errichtete Christoph I. Welzer von Eberstein über Resten einerälteren Anlage den bestehenden Bau. Er starb um 1550 und sowurde 1553 sein Sohn Moritz mit Schloss Frauenstein belehnt.Dieser erweiterte den Bau um die Laubengänge im ersten Stockdes Ost- und Nordtraktes. Nach den Welzern ging die Burg imspäten 16. Jahrhundert an die Trauttmansdorfer über. Nach einemhäufigen Besitzerwechsel befindet sich die Anlage heute inPrivatbesitz.55


Ar c h i t e k t u rDie um einen trapezförmigen Hof gruppierte Anlage warursprünglich von einem breiten Wassergraben umgeben.Heutzutage zählt das einstige Wasserschloss wohl zu denschönsten spätgotischen Schlössern Österreichs. Um denstimmungsvollen Arkadenhof ordnen sich mehrere Gebäude.An der äußeren Umfassungsmauer liegen Meierei, Wirtschaftsgebäudeund ein romantisches Tortürmchen aus dem19. Jahrhundert. Die Steinplattdächer bieten dem Betrachterdas unveränderte Bild einer Kärntner Schlossanlage ausder ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.56


59Ursprünglich war das Schloss zur Verteidigung eingerichtet. Eshat seinen wehrhaften Charakter bis auf den heutigen Tag erhalten.Das Schlosstor besitzt noch seinen alten Eisenpanzer undein dreieckiges Schussloch. Vom Wassergraben hingegen sindnur mehr zwei kleine Teiche übrig. Im Erdgeschoss des Schlossesbefinden sich gewölbte Wirtschaftsräume. Im Obergeschossreihen sich mehrere Repräsentationsräume.


Im Hof ist ein Gedenkstein mit Wappendes Christoph Welzer sowie seinerFrau Agnes von Hohenbarten ausdem Jahr 1519.Moritz Welzer hat noch zu Lebzeitendas Schloss Frauenstein seinem jüngerenSohn Christoph übergeben, derdie Baulust seines Vaters und seinesGroßvaters erbte. In der Mitte desWesttraktes über dem Einfahrtstorließ er den Denkstein einbauen.61


Ar c h i t e k t u rDie ältere Burgruine Hochkraig ist die Hauptburg. Eine kleine aber sehenswerteBurgruine, die jedoch schwer zugänglich ist. Ein breiter Halsgrabentrennt den teilweise steil abfallenden Burgplatz von der Hochfläche im Nordenund im Westen. Einst führte eine hölzerne Brücke zum hoch liegendenMauertor des kleinen unteren Berghofes.Die gesamte Berganlage wird von einem romanischen Bergfried, mit zumTeil abgerundeten Ecken zur Angriffsseite im Westen, beherrscht. Erst mitder Erweiterung des Vorwerks im Spätmittelalter entstand eine bedingtbewohnbare Burg. Nördlich davon befindet sich ein isolierter Vorwerkturmdes 11. oder 12. Jahrhunderts. Auch Reste der Zwingmauer, der gotischenWohn- und Wirtschaftsbauten und der kleinen, tiefer gelegenen Kapelle,ermöglichen einen Blick in vergangene Zeiten.Rui n e Ni e d e r k r a i g64


Neu- oder Niederkraig ist eine imposanteweitläufige Burganlageauf einem niedrigen Felsrückensüdlich der Ruine Altkraig. Nachdem ersten Tor, gelangt man aufeine längliche Terrasse. Die längsgerichteteHochburg wird imSüden und Norden von je einemmächtigen Turmbau dominiert.Um den südlichen, höher liegendenTurm gruppieren sich Reste derim 15. und 16. Jahrhundert erweitertengotischen Wohnbauten.65


Rä u m l i c h k e i t e nDer Palas war in seinem gesamten Ausmaß unterkellert undhat sich nach dem Zerfall der hölzernen Decken als drei Metertiefes Loch dargestellt. Im „Kellergeschoß“ sind an der 180 cmstarken Außenwand Lichtschlitze angebracht. Im Erdgeschoßfinden sich drei großzügige Fensteröffnungen, die darauf hinweisen,dass man sich über eine Erstürmung oder Beschießungvon dieser Seite keine Sorgen machen musste.Das Erdgeschoß war mit einer hölzernen Täfelung versehen.Alle Decken, wahrscheinlich Holztramdecken, von Nord nachSüd gespannt, sind eingestürzt. In den Mauern finden sichmehrere rechteckige Nischen, die zur Anbringung von Beleuchtungskörpernoder als kleine Wandschränke dienten.67


Eine Besonderheit ist die in der Burgruine Niederkraigmalerisch auf einem Fels thronende Johannes-Nepumuk-Kapelle. Sie war ursprünglich ein Rundturm und wurde1730 in eine dem heiligen Johannes Nepumuk geweihteKapelle umgebaut. Weiters muss jedoch darauf hingewiesenwerden, dass das gesamte Burgareal derzeitnicht öffentlich zugänglich ist.Beeinruckend ist auch, wenn man plötzlich mitten imWald auf ein imposantes mittelalterliches Aquädukttrifft, welches die Wasserleitung zwischen Hoch- undNiederkraig trug.68


Bur g r u i n e Nu s s b e r gAn der Straße von St. Veit nach Steinbichl liegt der Ort Nussberg mit der gleichnamigensehenswerten Burgruine an der Kuppe des Gauerstalls. Nussberg gehört wohl zu denältesten Burgen im Burgenkranz rund um St. Veit an der Glan.Die Geschichte der Burg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, schon 1136 wird Rudegerde Nuzperch bezeugt. Die Nußberger waren Ministeriale der Herzöge von Kärnten. Siehatten die Burg als Lehen des steirischen Nonnenstiftes Göss erhalten und waren damalsein bekanntes Rittergeschlecht. So war ein Nußberger als Teilnehmer des berühmtenTunieres von Friesach genannt, ein anderer wiederum nahm an der Venusfahrt des Ulrichvon Liechtenstein teil. Um 1300 starben die Nussberger aus und die Burg fiel daraufhin inden Besitz der Värber, den damaligen Besitzern von Frauenstein.71


Ar c h i t e k t u rF. X. Kohla beschreibt in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhundertsdie Burg richtig als „ansehnliches - romanisch - gotisches“ Bauwerk.Die romanische Burg bestand aus einem dreistöckigen Wohnbauan der höchsten Stelle des Burgfelsens im Westen. Das ersteObergeschoß bestand aus einem einzigen großen Raum mit je einemAbtritterker im Westen und Norden.Der große Turm im Osten - heute Wohnturm mit Eingangstor - dürfteursprünglich nur ein dreigeschossiger Wehrturm gewesen sein. DieBurgkapelle befand sich immer im untersten Geschoss des Turmes -in den Räumen darüber Feuerstätten und Kamine. Im Turm wurde beiden Freilegungsarbeiten eine in den Felsen gehauene Zisterne entdeckt.72


Die beiden Baukörper – Wohngebäudeim Westen und Turm imOsten – waren an der südlichenAngriffsseite mit einer 2,5 m starkenSchildmauer verbunden. Ander Nordseite zum Felsabsturzhin verbindet die Gebäude einewesentlich niedere und dünnereMauer, da von dieser Seite keineAngriffe zu befürchten waren.74


Der letzte Umbau erfolgte unter den Welzern, zeitgleich mitFrauenstein. Die Burg erhielt einen spätgotischen Arkadenhof.Während dieser im Schloss Frauenstein noch erhaltenist, findet man in Nussberg nur mehr Säulen und Kapitelle,die dieselben Merkmale wie in Frauenstein aufweisen.Damals erhielt die Burg auch eine aufwändigeFließwasserleitung. Scherbenfunde von Kachelöfenund Bodenfliesen ergeben das Bild einerwirklich wohnlichen Burg. Spätgotische UmundAusbauten, insbesondere im südlichenHofteil, gaben der Burg einen ausgeprägtenwohnlichen Charakter, wie er nur selten beiSchlössern des Spätmittelalters und derFrührenaissance in Kärnten zu bemerkenist.75


Sc h a u m b u r gGeht man von der Ruine Nussberg aus weiternach Norden, entlang der Steinbichler Straße,erreicht man oberhalb der Trotter Mühle imMühlbachgraben in Schaumboden die Resteder Schaumburg, einen 4 - 6 Meter hohen romanischenBergfrit.Einst im Besitz der Propstei Gurk wird in einemLehensverzeichnis um 1200 die Burg alsLehen der Trixener urkundlich genannt. Nochim Jahr 1723 wird der „Rhuenacher turn inSchaumb“ erwähnt. Der Verfallsbeginn derBurg ist jedoch nicht genau datiert.76


Die Burganlage wurde auf einem kleinen Felskopf errichtet. Heute jedoch ist von der Schaumburgnicht mehr allzu viel zu sehen. Die Burg bestand nur aus zwei Gebäuden, zwischen denensich ein geräumiger, annähernd rechteckiger Hof erstreckte. Von der Wohnburg siehtman nordwestlich des Rundturmes nur mehr einen kärglichen Mauerrest. Die Balkenlöcherjedoch verraten, dass die Wohnung mindestens zweistöckig gewesen sein muss.Südlich der Wohnburg, steht der mächtige Rundturm mit einer Mauerstärke von 3 m. In denquadratischen Innenraum führte einst im zweiten Geschoss ein Tor, das wegen des steilenFelsabhanges jedoch nur schwer zu erreichen war. Dieser Turm war ein reiner Wehrbau undnicht für Wohnzwecke geeignet. Er schützte den gesamten Burgplatz nach Süden. Die nahegelegenen Teiche wurden von Burgherren angelegt und um 1200 wurde nach urkundlichemBericht hier sogar Wein angebaut.77


Fe s t e Fr e i b e r gDie uralte Feste Freiberg, auf einem Felskegel unweit von Schloss Frauenstein gelegen, war in derersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Sitz der Freiberger, eines Ministerialengeschlechtes. Schon inder ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist das Geschlecht der Freiberger bezeugt. 1181 wird dieBurg als „castrum vrieberch“ das erste Mal erwähnt. Der wohl bekannteste Spanheimer, HerzogBernhard (1202-1256), ließ die Burg auf Freiberg ausbauen und überließ sie seinen Ministerialen, diedamals bekannt und gefürchtet waren. Die Ritter von Freiberg waren ursprünglich im Dienst der Gurkerund dienten ab dem Jahre 1254 dem Kärntner Herzog.Gegen Ende des 13. Jahrhunderts verschwor sich der Kärntner Adel gegen den von Tirol aus residierendenHerzog Meinhard. Deshalb entsandte der Herzog seinen Sohn Otto nach Kärnten, der sich inFreiberg niederließ. Dorthin lud er die Kärntner Herren zu Gast, nahm die Überraschten in der Burggefangen und ließ sie auf dem Hauptplatz von St. Veit öffentlich hinrichten.78


79Die herzogliche Burg wurde ab 1325 Sitz eines umfangreichenLandesgerichtes dessen ursprünglicherSitz St. Veit gewesen sein dürfte. In derfolgenden Zeit wechselte Freiberg öfter seinenBesitzer. Im Jahre 1982 verkaufte schließlichdie Familie Freuthofer die Burgparzelle anden St. Veiter Architekten Robert Caldera.


Die Feste Freiberg zählte einst zu den größten BurgenKärntens. Heute ist nur mehr der westliche Torturmsowie die einmalige doppelgeschossige Kapelle zu einemEnsemble besonderer Art vereint und wiederbelebt.Robert Caldera, dem Altes nicht nur ein Anliegensondern Auftrag ist, hat hier sein Lebenswerk geschaffen.Er sanierte die Mauerreste im Vorburgbereich,der schon im 16. Jahrhundert als „öde“ bezeichnetenBurg. Auf der Spitze des Felskegels sind Reste der ehemaligenHochburg aus dem 12. Jahrhundert zu finden.80


Südlich davon, auf mehreren Terrassen befindetsich die weitläufige, ehemalig ummauerte Vorburg,mit je einem Turm bei den beiden Toren. Vomöstlichen Turm sind kaum Reste vorhanden.Isoliert zwischen den Tortürmen steht die Ruineder ehemaligen Burgkapelle der Heiligen Nikolausund Rupert. Eine der seltenen hochromanischenDoppelkapellen in Österreich mit zwei halbkreisförmigenApsiden übereinander. Im Außenbaudurchgehend, mit kleinen Rundbogenfenstern undausgezeichneter Mauertechnik versehen.81


Sch l o s s Do r n h o fNördlich von St. Veit an der Glan, dort wo die Wälder allmählich ansteigen, liegt am Fußedes Lorenziberges, dem letzten der vier heiligen Berge, Schloss Dornhof.Das provinzielle Renaissanceschloss Dornhof stammt aus dem 16. Jahrhundert. Vorgängerdes Schlosses war eine Burg namens Altdornhof, die 1162 urkundlich aufscheint.Von ihr blieben nur spärliche Mauerreste übrig. Diese lassen erkennen, dass Altdornhofeine ansehnliche Anlage, eine Doppelburg gewesen sein muss. Sie könnte in ihrem Kernin frühmittelalterliche Zeit zurückreichen. Man hatte sogar angenommen, sie sei vonLangobarden oder Ostgoten angelegt worden.82


Sch l o s s WimitzsteinDirekt an der Wimitz befindet sich am Ortsrand der Ortschaft Breitenstein,Schloss Wimitzstein, das „kleinste Schloss Kärntens“.Seltsamerweise steht dieser mittelalterliche Turm gegen alle befestigungsmäßigenGrundregeln in einer Mulde. Deshalb dürfteauch die Vermutung, er habe als Vorwerk des Schlosses Pfannhofgedient, nicht zutreffend sein. Andererseits bestanden entlangdes Wimitzbaches eine Reihe Eisen verarbeitender Betriebe, sodass die Möglichkeit nahe liegt, ein Gewerke habe sich in der Näheseiner Betriebsstätten ein Haus erbaut.84


Der dreigeschossige gotische Turm steht aufeinem niederen Felsen und wurde erstmals1513 erwähnt. In dieser Zeit wurde der Turmauch mit dem charakteristischen Walmdachversehen.Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurdees von Grund auf erneuert und adaptiert. Derschmucke Bau - die hellgelbe Färbelung kontrastiertmit den Fensterläden und den weißabgesetzten Ecksteinen – ist ein Schmuckstückin der Landschaft.85


Sch l o s s Hu n n e n b r u n nZur linken Hand an der Straße nach Friesach gelegen, knapp nach dem Verlassen des Stadtgebietesvon St. Veit an der Glan, liegt auf einer Anhöhe das Schloss Hunnenbrunn.Der Name des Schlosses hat nichts mit den Hunnen zu tun, denn bis in die Mitte des vorigenJahrhunderts trug es noch seinen ursprünglichen Namen „Hungerbrunn“. Der Nameleitet sich von der Schloßquelle her, die in trockenen, so genannten Hungerjahren, versiegte.Die Bezeichnung „Hunnenbrunn“ kam erst später auf, als man den Namen nicht zu deutenverstand und ihn umwandelte. Ursprünglich war der Bau ein Bauernhof auf der eine FamilieHunnerbrunner saß.Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Haus zu einem Schlösschen umgebaut.Ursprünglich gehörte das Schloss zur Herrschaft Kraig. Von 1570 bis 1619 war es im Eigentumder Khevenhüller. Nach vielen Besitzern erwarb die Landesregierung im Jahr 1946 dasSchloss und richtete hier eine landwirtschaftliche Fachschule für Mädchen ein.86


Das Schloß Hunnenbrunn ist ein Renaissanceschloss und stammtaus dem 16. Jahrhundert. Es handelt sich um einen zweigeschossigen,rechteckigen Bau mit Rundtürmen an den Schmalseiten. In derehemaligen Umfassungsmauer sieht man einen barock ausgebautenEckpavillon mit Zwiebelhelm. Im Schlosshof befinden sich Fragmentee i n e s Ma r m o r b r u n n e n s m i t z w e i Mä n n e r b ü s t e n, d a t i e r t m i t E n d e d e s16. Jahrhunderts. Weiters gibt es einen barocken Meierhof mit dreiseitigem,zweigeschossigem Arkadenhof.Auch heute ist der zweigeschossige Bau noch immer recht eindrucksvoll.Das schmiedeeiserne Gitter, das die den Eingang schützende Terrasseumgibt, der Glockenturm über der Dachmitte sowie die dreigeschossigenRundtürme mit den Zwiebelhelmen verleihen dem Schlossetwas Märchenhaftes.89

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