DIE TÄGLICHE PORTION TWANG - Grosh Guitars

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DIE TÄGLICHE PORTION TWANG - Grosh Guitars

GRAND ELECTRICSDIE TÄGLICHE PORTION TWANGDon Grosh Plexijet LTD & Electrajet Custom62 grand gtrs


Die Vergangenheit kann mehr! Das findet auch Edel-Gitarrenbauer DonGrosh und kombiniert mit seiner Electrajet Jazzmaster- und Stratbzw.Tele-Anleihen zu einem eigenen Gesamtkonzept. Statt klassischenSingle Coils machen sich auch andere Pickups in dem Gitarrentypgut: Deshalb wird die Electrajet in reichlichen Variationen angeboten,darunter mit TV Jones-Pickups oder klassischen Humbuckern.Von Nicolay KettererDon Grosh beschreibt die Electrajet als einen Meilensteinim Sortiment – ein Blick in die Galerie seiner Webseitemacht auch gleich klar, warum: Die neu ersonneneForm, die die bereits erwähnten Anleihen von Jazzmasterund Strat in der Formgebung kombiniert, macht einengleichermaßen traditionell-angelehnten wie eigenständigenEindruck. Dazu ist das Grundmodell in unzähligenAusführungen, teils streng limitiert, mit exquisiter Holzauswahl,Pickups (PAF-Style oder moderne Humbucker,TV Jones-Pickups und P90) oder mit Telecaster-Bestückungerhältlich. Was für Leo selbst die Tele- oder Strat-Form war, ist im Hause Grosh das Electrajet-Modell. Daließ die Gefolgschaft nicht lange auf sich warten – sozählt beispielsweise Mark Knopfler zu den begeistertenBesitzern einer Electrajet mit P90-Bestückung.Plexijet LTDDie Plexijet LTD stammt aus der „Grosh Reserve“-Kollektion.Limitiert auf zehn Exemplare besteht sie ausspeziell ausgesuchten, alten Hölzern aus Don Groshspersönlicher Sammlung, passend dazu wird ein limitiertesCase mitgeliefert. Die Gitarre in Electrajet-Form istmit Powertron-Humbuckern von TV Jones ausgestattet,die Gretsch-inspirierte Klänge liefern. Auch sonst stehtdiese Grosh-Variante mit Gretsch-typischer Hardwarewie den schraubbaren Gurtpins und den entsprechendenVolume- und Tone-Potiknöpfen ganz im Zeichen desVorbilds. Der große Unterschied: Es handelt sich umeine Solidbody-Gitarre mit Fender-Mensur (648 mm).Der Korpus hat für Erle eine überraschend schöne Maserung,wie man sie sonst nur von Esche kennt, und diein Verbindung mit der durchscheinenden Mary KayeBlonde-Lackierung dezent zur Geltung kommt.SoundBisher waren für mich persönlich Humbucker seltendie richtige Wahl, da meine Finger zusammen mit dem„warmen“ Grundsound damit tendenziell dumpf klangen.Dennoch übten die Gretsch-Humbucker immereinen Reiz auf mich aus, aufgrund der im Vergleichzum klassischen Humbucker strahlenderen, offenerenObertöne, gepaart mit der Single Coil-nahen, schnellenAnsprache. Die meisten Gretsch-Gitarren jedoch verfügendabei über eine kürzere Mensur (625 mm), wodurchdie Gitarre mitunter voller klingt, dafür aber dieSpritzigkeit verliert, wie man sie von Fender-Gitarrenkennt. Dazu verlangt die vergleichsweise feedbackanfälligeHalbresonanz-Konstruktion vieler Gretsch-ModelleRücksichtnahme bei lauten Einsatzgebieten.Beides fällt bei der Plexijet weg.Neulich fragte mich ein Gitarrist, ob mir auch aufgefallensei, wie nah manche Gretsch eigentlich an der Tele wäre.Stimmt: Die Tonabnehmer der Gretsch vermitteln reichlichTwang, trotz der komplett unterschiedlichen Gitarrenkonstruktion.Das Tremolo ist straff justiert undverhilft dem Ton zu ungebrochen direkter Ansprache.Am durchsetzungsfähigsten ist der Steg-Pickup. Hierzeigt sich auch, was die unterschiedlichen Gitarren- undHolztypen sowie Verarbeitung ausmachen: Die FenderLa Cabronita (siehe Test in dieser Ausgabe) verfügt überden gleichen Powertron-Pickup am Steg. Bei der Plexijetklingt der Pickup deutlich anders: Klarer und mit deutlicheremHöhenanteil über 3 Khz, während der Tonabnehmerin der La Cabronita seine Betonung auf den Mittenum 1,5 Khz auslebt. Die Steg/Hals-Kombination hat dennäselnden Klang, wie man ihn von Gretsch kennt, ohnedie Hollow-Body-typische Öffnung der oberen Mitten bei2 Khz. Der Hals-Pickup konzentriert sich auf einen warmenGrundklang, der durch transparente Obertöne ergänztwird. Die Pickups klingen gleichzeitig „schön“ (mandenke bei den Höhen an die typischen Surf-Sounds) undHumbucker-typisch druckvoll. Das macht die Gitarreauch für verschiedene Stilistiken einsatzfähig: Clean istdie Plexijet für Pop- und Rock-Sounds ebenso prädestiniertwie Surf und Rock’n’Roll in Richtung Brian Setzer,Blues oder gar Jazz. Verzerrt bestätigt sich der Gretsch-Eindruck der Pickups: Volle Tiefmitten, definierter Bass,abgerundet mit transparenter, aber unaufdringlicherKlarheit oberhalb von 3 Khz – interessant somit auch fürtragfähige, härtere Sounds. In beiden Fällen erfüllt die Gitarreim Proberaum ihre Aufgabe einwandfrei, sowohlHumbucker-Klangfülle als auch Single Coil-ähnliche Frischein einem Sound zu kombinieren, der gerade imBandkontext als alleinige Gitarre mit Bass und Schlagzeugseine Stärken ausspielt. Der Medium/Large Roundback-Halsliegt angenehm in der Hand und der10-Zoll-Radius trägt dazu bei, dass die Plexijet zu einemkomfortabel-schnellen Vintage-Brett wird.DETAILSHersteller: Grosh GuitarsModell: Plexijet LTDKorpus: ErleHals: MapleGriffbrett: Indian RosewoodInlays: Bullseye MOP/Black Pearldot inlaysBünde: 6150 Medium, 22 BündeRadius: 10“Pickups: 2 x TV Jones PowerTronHumbuckerElektronik: Standard 3-Weg-Schalter,1 Master Volume, 1 Master ToneMechaniken: Kluson Locking TunersKnöpfe: Gretsch-styleBridge: Gotoh 510 Vintage TremoloNeck Shape: Medium/LargeRoundbackFarbe: Mary Kay Blonde,matching headstockBesonderheit: Limited EditionGrosh Reserve #5 of 10,handgefertigt in USAGewicht: 3,4 kgPreis: 4.400 Euro,inkl. Limited Edition CaseModell: Electrajet CustomKorpus: Swamp AshHals: MapleGriffbrett: Indian RosewoodInlays: Abalone dot inlaysBünde: 6105 Tall/Narrow, 22 BündeRadius: 10“Pickups: 2 x Grosh G5 HumbuckerElektronik: Standard 3-Weg-Schalter,1 Master Volume, 1 Master Tone,Push/Pull coil tappingMechaniken: Kluson Locking TunersKnöpfe: Gretsch-styleBridge: Gotoh 510 Vintage TremoloNeck Shape: Medium/LargeRoundbackFarbe: Candy Apple Red,matching headstockBesonderheit: Handgefertigt in USAGewicht: 3,35 kgPreis: 3.290 Euro, inkl. Casewww.groshguitars.comwww.station-music.degrand gtrs 63


GRAND ELECTRICSElectrajet CustomEine Custom-Variante der Custom-Gitarre? Die ElectrajetCustom ist mit „regulären“ Humbuckern ausgestattet.Wobei – was heißt schon regulär? Was optisch nachklassischen Gibson PAF-Pickups aussieht, ist in Wirklichkeiteine Eigenentwicklung und nennt sich „GroshG5“-Tonabnehmer. Per Push-/Pull-Poti sind die Spulenzu Single Coils splittbar. Eingebettet in einen Sumpf -esche-Korpus, sind ansonsten die Features weitgehendidentisch mit dem Plexijet-Modell. Die Optik zeigt Anleihenmit PRS- bzw. Les Paul-artig anmutenden TonundVolume-Knöpfen, die unterhalb der Chromekappen-Humbuckerprangen. Die Candy Apple Red-Lackierunghat einen hellrötlichen Stich fernab der typischenFender-Lackierung, die beinahe zu einem mindestensebenso interessanten Orange-Metallic tendiert.SoundKlar, dass es hier in Richtung Les Paul geht. Unerwartetallerdings assoziiere ich das Instrument als erstesmit „Ehrlichkeit“, denn die Humbucker kommen unglaublichdirekt und präsent durch, ohne dabei ihrenklassischen, warmen Vintage-Charme zu verlieren.Wie schon bei der Gretsch-Variante wird klar: Seltenhat ein Strat-typisches Tremolo wie das Gotoh 510mehr nach Tele geklungen mit dem typischen Attackund Twang, was wohl größtenteils derString-Through-Body-Konstruktion zu verdankenist. Dabei verzichtet das Konzept auf dieleicht metallischen Resonanzen, die der Tele-„Aschenbecher“ mit sich bringen würde.Wo bisher „Best of both Worlds“ meist ein faulerKompromiss war, der in Form einer Top-40-Gitarreirgendwie Soundwelten zu vereinigen versuchte, werdenhier gewissermaßen die ausschlaggebenden Ele-64 grand gtrs


mente vereint. Das straff justierte, direkt reagierendeTremolo verleiht den Humbuckern die schwebendeLeichtigkeit einer Jazzmaster bzw. Strat. Die Pickupsklingen dunkler und rauer als die Powertron-Pickups.Selbst in dem völlig anderen Gitarrendesign lässt sicherkennen, dass Grosh wohl erstklassige Pickups gewickelthat, die vermutlich jeder Les Paul zur Ehre gereichenwürde. Warm, aber trotz des geringerenHöhenanteils klingen sie in Kombination mit dem Tremolound der längeren Mensur sehr durchsetzungsfähigund spritzig in Verbindung mit dem Divided by 13JRT 9/15 Testamp und dem Bad Cat „Classic Cat“. Soertappe ich mich bei der Steg- und Zwischenpositionmit cleanem Sound, wie ich an Chris Isaaks „WickedGame“ denke – äußerst ungewöhnlich für traditionelleHumbucker.Klar, wer im Push/Pull-Single Coil-Modus ernsthaft eineStrat emulieren will, wäre hier hoffnungslos verloren –das geht mit dem klassischen Humbucker-Sound einfachweniger. Aber statt einem gesplitteten Dünnbrett habendie Pickups eigene brauchbare Splittsounds, die interessanteAlternativen für Rhythmusarbeit bieten können.Auffällig ist, dass sie auch verzerrt trotz des warmenGrundcharakters nicht matschen, sondern feinzeichnendabbilden. Noch mehr als die Powertron-Pickups schiebendie Humbucker in den unteren Mitten ab 500 Hz. Seltenhabe ich einen so fetten Zerrsound vernommen, der sichauch schon im Crunch-Bereich andeutet – ein Alleinstellungsmerkmaldes Instruments. Das wurde auch imBandkontext mit Bass, Gitarre und Schlagzeug deutlich:Hier sortierte sich das volle Fundament oberhalb derBassgitarre ein, und der warm anmutende Sound ließwunderbar Platz beispielsweise für eine Tele.FinaleEs juckt, und das schwere Los des Gitarrentesters kommteinmal mehr zum Vorschein: Grosh hat ein sehr potentesGrundmodell entwickelt, das Spiellaune verbreitet, sehrsauber verarbeitet ist und klanglich neue Wege geht. Aufaktuelle Trends wie Aging verzichtet Grosh komplett undkonzentriert sich auf gute Gitarren. Für mich persönlichkürt sich die Electrajet Custom zum Favoriten – das istinsofern ungewöhnlich, weil ich nie das Verlangen nacheiner „klassisch“ bestückten Humbucker-Gitarre hatte.Bleiben nur zwei Fragen: Wie viele Reviews muss ichwohl noch schreiben, bis ich Millionär bin? Und was passiert,wenn ich erst die P90-Version teste? ■Anzeigegrand gtrs 12

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