DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNGW O C H E N S C H R IF T FÜ R_________________BAUGESTALTUNG*BAUTECHNIK 66 ■ JAHR 1932STÄDTEBAU «SIEDLUNG «WETTBEWERBEBAUW IRTSCHAFT U. BAURECHT12. O KTO BERSCHRIFTLEITER • R E G IE R U N G S B A U M E IS T E R D R .-IN G . E. h. F R IT Z EIS ELENALLE R E C H T E V O R B E H A L T E N » FÜ R N IC H T V E R L A N G T E B E IT R Ä G E K E IN E G E W Ä H R B E R LIN S W 48r rPLANWIRTSCHAFT DER STADTLANDSIEDLUNGLeberecht Migge, BerlinW arum P lanw irtschaft? W e il d ie erste, g rö ß te , b le ib e n d eund dam it entscheidende Erfahrung ausunserer nun m ehr als z e h n jä h rig e n S ie d lu n g sp ra xis a u fallen G e b ie te n w a r und ist:O h n e eine k la re Entscheidungüber das W a s und W ie , o hne eine S am m lung derKräfte a u f das W e se n tlich e , o hne system atische und umfassendeV o r- und A u fb e re itu n g des gesam ten S iedlungsfeldesin w irtsch aftlich e r, technischer undethischer Beziehunggeht es nicht.Fast alle unsere kolonisatorischenAnstrengungen waren bisherumsonst, und alle weiteren Opfer hierfürwerden umsonst sein, wenn wir weiterohne Plan und Ziel siedeln.Unsere S iedlungsspielereimuß a u fh ö re n ; auch d ie städtische S iedlung ve r­langt nach einem kla ren und um fassenden Plan.Eröffnungsbilanz1. Weltgeschichte und Stadtlandkultur. Zu B eziehung w ird unsere G e g en ü b e rste llun g e n d g ü ltig zugunstendiesem Zw ecke müssen w ir w issen, w as es m it dieserdes in te llig e n te n , o rg a n is a tio n s fä h ig e n , konsum ­S tadtlandsiedlung1) a u f sich hat. S ta d tla n d k u ltu r, w ie ich k rä ftig e n , städtischen G artenm annes entschieden. Diediese S iedlung auch g e n a n n t h a b e 2), h e iß t nichts anderesals die „sach g e m ä ß e , s ta d tg e m ä ß e , lückenlose B oden­S iedlung unserer Z e it ist eine geistige A u fg a b e undd a m it g rundsätzlich eine A u fg a b e d e r Stadt.bestellung des W e ic h b ild e s e in e r S ta d t", g e n a u e r desganzen g e g e n w ä rtig e n V erkehrs- und natürlichen W ir t­schaftsgebietes e in e r S tadt.D ie städtischen K u ltu rg ürte lsind keinesw egs e ine E rfin d u ng d e r N e u z e it.D ie g a n zeorientalische K ultur, von B a b y lo n bis B a g d a d , eine ausgesprocheneS ta d tku ltu r, fu ß t a u f ih ren „P a ra d ie s e n ".Noch heute h a b en w ir in d e r „ G u th a " von Dam askus, d ersyrischen H a u p ts ta d t, ein le b e n des Beispiel solcherstädtischen G a rte n la n d s c h a fte n . N och heute stellt dieFruchtlandschaft vo n V a le n c ia einen S ta a t im S taate d a r.Aber auch d ie g a n z e m itte le u ro p ä ische und besondersdie deutsche S ta d tk u ltu r vom M itte la lte r bis zu r H ansezeit(einschl. des ju n g e n G ro ß -B e rlin bis um 1800) w a rin ihrer Existenz w esentlich a u f dem geschlossenen K ranzeihrer „B ü rg e rg ä rte n " rings um ih re S ta d t g e g rü n d e t.Eine g anze Reihe unserer h e u tigen G ro ß s tä d te , z. B.Stuttgart, B a m b e rg , W ü rz b u rg , H a m b u rg (V ie rla nde) u. a.verfügen ü b e r e ig e n e G rü n v e rs o rg u n g s g e b ie te . Undunsere neue städtische S ie d lu n g s b e w e g u n g ist w irts c h a ftlichund ethisch nichts a n d ere s als das S tre b en : nacheiner Zeit unfruchtbarer Übertreibungder Steinstadt die alte Landstadt wiederherzustellen ; a lle rd in g s in neuem G e w ä n d e .1) D ie h e u tig e B e z e ic h n u n g S t a d t r a n d s ie d lu n g h a lt e n w ir in m e h r­facher B e z ie h u n g fü r ir r e f ü h r e n d ; w ir b le ib e n b e i u n se re m a lt e nV o rsch lag .2) S ie h e „ D e u tsc h e B in n e n k o lo n is a t io n #/, D e u tsch e r K o m m u n a l- V e ria g ,Berlin, S . 87.2. Bauer oder Gärtner? — eine Schicksalsfrage.D ie neue Landstadt können w ir nicht a u fb a u e n ,ohne v o rh e r ih r V erhältnis zum „p la tte n Lande" geistigund sachlich g e k lä rt zu haben.S ollen w ir lä ndliche o d e rstädtische K o lo n isa tio n b e tre ib e n ? W elch e G rü n d esprechen d a fü r o d e r d a g e g e n in n e rh a lb d e r a lten F rage:B auer o d e r G ä rtn e r? Daß w ir schon aus Raummangel(rd. 60 M illio n e n Menschen a u f rd. 30 M ill. haK ulturland) nicht M illio n e n neuer Landw irtschaften (zu10 ha) einrichten können, ist unbestritten. Im n a tio n a le nBereich könnte auch d er berühm te „O s tw a ll aus Fleischund B lu t" gegen B om bengeschw ader und G a skrie g g a rnicht h e lfe n ; unsere künftige n politischen Entscheidungenkom m en nicht von den R ändern d er Länder, sondern ausd e r K ra ft ih re r Kerne. Technisch und w irtschaftlichvo lle n d s spricht alles fü r die V erm ehrung d e r K le in b o d e n ­w irtschaften a u f gärtnerischer G ru n d la g e .In ku ltu re lle r3. Siedlungspolitische Grundlagen. V ond e r S ta d t gehen auch d ie G ru n d la g e n aus, d ie zu r Entfesselungd er B ew e g u n g : Zurück zur Natur, hinzum Boden! g e fü h rt haben.Und z w a r sow ohl dieg eistigen und seelischen als auch d ie hygienischen undw irtschaftlichen, die fast ausschließlich zum „B e s itz " d erS tadt g e h öre n .I h r V ersagen in ku ltu re lle r B eziehungw a r es, das ih re B ürger a u f d ie Seen und in d ie W ä ld e r,a u f d ie S p o rtp lä tz e und in d ie N a tu rv e re in e tre ib t. Undd ie w irtschaftliche Krisis d er heutigen S tadt, der I n -d u s t r i e z e n t r e nT oren w achsen läßt.ist es, d ie M assengärten v o r ihren(Die Krisis d er Landw irtschaft istseku n dä re r N a tu r und w e itg e h e n d erst Folge jenes z w ie ­fachen städtischen De- und Regenerationsprozesses.)N ichts n a h e lie g e n d e r nun, als d ie B ehandlung der K rankheitan ihrem H erde vorzunehm en.D ie Untersuchung des heutigen S tadtle id e n s stellte in w a n d fre i fest: 6 M illio n e n A rb e its lo s e ; m it A n ­g e h ö rig e n sind es 12 M illio n e n ; d .h . ein Fünftel d erN a tio n ist e rw e rb s u n fä h ig . W e n n m orgen das A rb e its ­losenheer das produktive H eer an Z ahl erreichthaben w ird , ist das C haos da.Angesichts dieser Lageist ein o p e ra tiv e r E in g riff in den (Stadt-) K ö rp e r unverme id lich ; es g e h t um Leben und T od. D er Bau vonS traßen und K anälen ist u n p ro d u ktiv, U nterkünfte undT ra n sp o rte von M assen aufs p la tte Land ve rb ie te n sichvon selbst; w a ru m k ra m p fh a ft nach A rb e it suchen, sie817


lie g t fü r M illio n e n vo r den Toren b e re it: hinaus mitden städtischen Erwerbslosen auf dasStadtland. W ie ist a b e r d ie R iesenaufgabe des Umzugsder S tädter a u f ih r Land praktisch zu b e w e rk ­stelligen?Technische V o raussetzungen4. Ergreifung des Stadtlandes. Zunächst mußfü r S iedlungsland g e so rg t w e rden. V e rfü gen unsereS tädte über g e n ügend Land? In d er Z eitschrift „D ieT a t"3) habe ich nachgew iesen, daß sich a u f den500 000 ha u n ü berbauten G e b ie te n unserer Städte m ehrals zw ei M illio n e n in neuen S tadtsiedlungen a lle r A rtansetzen ließen.Die R aum frage ist a b e r vollends gelöst,w enn w ir über das G e m e in d e g e b ie t d er S tädte hinausgre ife n in ihr natürliches Verkehrs- o d e r W irtschaftsgebiet,w ie es K o m m u n a lp o litike r aus a n ­deren G ründen schon längst fo rd e rn .W e n n w ir Pachtgä rte n und W ohnheim stätten (von 500 bis 1000 qm) undS elbstversorgersiedlungen (von 1 bis 2 M org e n ) m it einerentsprechenden Z ahl von H a n d w e rke rn , G e w e rb e tre ib e n ­den, Beam ten, F reiberuflern sow ie Fachgärtnern mischen(siehe „D ie w achsende S ie d lu n g "), so w e rden w ir solcherart leicht drei Millionen unserer städtischenErwerbslosen auf ihrem Stadtland organischansiedeln können.Im Z w e ife ls fa lle w ird in n e rh a lb dieses städtischen S iedlungsfeldesdie Landw irtschaft d er intensiveren g ä rtn e ­rischen S iedlung weichen müssen.Diese N o tw e n d ig k e ith ilft auch n a h e lie g e n d e politische Bedenken zerstreuen.Denn w enn w ir heute schon a lle n th a lb e n fre iw illigd a ra n gehen, den a u fg e b lä h te n B aubodenpre is a u f z e itgemäß e G renzen zurückzuführen — mit d er la n d w irtschaftlichenB odenrente w e rde n unsere S ta d tsie d le r a lle ­m al fe rtig .Schließlich ve rsch a fft sich eine ele m e n ta reB ew egung auch selbst ihre elem entaren G esetze, ebenB odengesetze.H ier spricht d ie P olitik das letzte W o rt.5. Befruchtung der Stadtgebiete. Für diestädtische S iedlung w e rden o ft nicht die besten Bödenund Lagen bere itste h e n ; sie ist ja d ie e in zig e S ie d ­lungsform , die auch m it schlechterem Boden auskom m t— w enn ihr die A b fä lle d e r S tadt zu r V erbesserung d erB öden ü b e ra n tw o rte t w e rd e n . In ihren Abfällen(Fäkalien, M ü ll, Kehricht)lie fe rn unsere S tädte jährlichetw a 500 000 Tonnen Stickstoff und P hosphorsäure(die Industrie fa st ebensoviel), d a zu 2,5 M ill. t Hum usstoffe 1).H iervon w ird bisher nur ein kle in e r Bruchteil(etw a 5 bis 10 v. H.) fü r den Boden ausg ew erte t. W e n nes g e lin g t, nur 50 v. H. dieser hochw ertigen D u n g stoffe zuerfassen, so können und w e rd e n aus den typischen S ta d t­wüsten S ta d tp a ra d ie se entstehen.Städtische S ie d lu n g involksw irtschaftlichem M a ß sta b ist ohne B ereitstellung d erstädtischen A b fä lle nicht d e n kbar. H ier lie g t eine Kernforderungd er S ie d lu n g sp la n w irtsch a ft vo r.Zu denA b fä lle n unserer Städte rechnen auch die gro ß e n A b ­w ärm em engen ih re r Industrie (E lektrizitätsw erke u. a.).Zur Befruchtung d e r städtischen S ie d lu n g sg e biete g e ­hören auch solche Fragen w ie die nach Windschutz,3) V e r la g E u g e n D ie d e r ic h s ,d e n B o d e n " .J e n a , N o v e m b e r h e ft 31, „ K ä m p ft fü r4) W i r h a b e n a u s g e r e c h n e t, d a ß a l le in m it d e m jä h r lic h e n K e h ric h t-u n d M ü lla n f a ll G r o ß - B e r lin s ( r d .g e fa h r e n e n M ü llb e r g e u n g e r e c h n e t)1,85 M i l l . c b m , d ie a lt a u f-e r s tk la s s ig m e lio r ie r t w e r d e n k ö n n te n . A n d e r e r s e its , w a s s a g t a )d e r H y g ie n ik e r , b ) d e r E r n ä h r u n g s p h y s io lo g e , c) d e r V o lk s w ir t ­s c h a ftle r z u d e r b e r ü c h tig te n A m m o n ia k v e r g a s u n g (u n d - v e ra s u n g )d e r B e r lin e r R ie s e lfe ld e r , d ie s o n s t te c h n is c h d ie g e b o r e n e n S ie d ­lu n g s g e b ie te d ie s e r im ü b r ig e n s o s a u b e r e n S ta d t w ä r e n ?je10 000 b is 20 000 S ie d lu n g e nEntwässerung und v o r allem nach e iner ausreichendenBewässerung’) (in w eiterem Sinne auch dien o tw e n d ig e n Zufahrtswege).A b e r 'was soll mand a zu sagen, w enn auch heute noch in unserer Stadtlan d s ie d lu n g fü r intensive B odenkultur (nämlich Gartenkultur)v ö llig u n g e n ü g e n d e H andbrunnen angelegt werden,o b g le ich m an fü r dasselbe G e ld bei einer genügendg ro ß e n A n z a h l auch gem einsam e Druckwasserversorg u n g hätte haben können.A lle Siedlung — auchd ie S ta d tsie d lu n g — g e h t vom Boden aus, d .h . hier undheute von seiner g ro ß m ö g lich e n A usbeutung!6. Arbeitspioniere der Stadtsiedlung. Bevo r unser S ie d le r einen Fuß a u f sein Grundstück setzt,muß es in s ta n dgesetzt w e rd e n .Der Siedler selbst kanndiese g ru n d le g e n d e n und fü r seine W irtschaft entscheidenden A rb e ite n nicht leisten; er hat zu bauen und ersticktin la u fe n d e n A rb e ite n fü r Jahre — er muß produ z ie re n ! W e r soll nun diese Vorsiedlungsarbeitleisten?U nter d er A n n a h m e , d a ß von 3 M illio n e n Stadtsiedlungen2 M illio n e n m ehr o d e r w e n ig e r m eliorationsbedürftig seinw e rd e n , können w ir durchschnittlich 100 Arbeitsstundenje Einheit als e rfo rd e rlic h ansetzen. Das entsprächeu n g e fä h r dem Leistungsverm ögen d er 200 000 Jugendlichen,d ie nach neuesten Plänen (auf je 20 Wochen) imArbeitsdienst angesetzt w e rde n sollen. W ir setzenh ie rb e i nur 5 A rbeitsstunden je K o p f und Tag und nur250 A rb e its ta g e im Jahr in Rechnung, w o b e i die W egearb e ite n auch als Nachsiedlungsarbeit von dergleichen A rb e its lo s e n k a te g o rie b e w ä ltig t werden könnte.Den anzusetzenden S ie d le rko lo nnen der Verheiratetenhätten also Siedlungspionierkolonnen Jugendlicherv o ra n zu g e h e nmit d e r A u fg a b e , das Siedlungslan d fe rtig , d. h. sie d lu n g sre if zu machen.Daß dieseP lanierungs-, M e lio rie ru n g s -, Entwässerungs- und notfallsauch gleich Bew ässerungs- und W egebau a rb e iten aufG ru n d g e n a u e r geolo gischer, wassertechnischer undhö h e n m ä ß ig e r Untersuchungen und m öglichst gleich mitBezug a u f um fassende B esiedlungspläne vor sich zugehen hätten, ist zw eckm äß ig.Jedenfalls ist auf keinenpraktischen E rfolg unserer S ie d lu n g sa rb e it und damit aufkeine w esentliche Entlastung unseres öffentlichen Fürsorgehaushalteszu rechnen, w enn w ir dem wirtschaftlichenUnternehmen unserer Stadtsiedlungnicht die ihm gemäßen sachlichenVorbedingungen verschaffen.7. Stadtland und Landverstand. A ber mit derm a te rie lle n A usstattung des Siedlers ist es nicht getan;es muß auch geistig v o rb e re ite t w erden.W as nützenihm d ie besten B odeneinrichtungen und -gerate, wenner d a m it nichts a n z u fa n g e n w e iß . Deshalb ist eineintensive Schulung des S tadtsiedlers fü r seine Aufgabeunerläß lich.Diese technisch-w irtschaftliche Führung hättem it dem ersten T ag einzusetzen und solange zu dauern,bis unser neuer M an n a u f seinem Boden mit Fug „selbstä n d ig " gesprochen w e rd e n kann.Für diese elementareund fü r den S ie d le r le bensw ichtige A u fg a b e denke ichm ir ein elastisches System von Siedlerschulen,dessen hauptsächlich praktische Lehrkräfte den Siedlerbeim Bau seines Hauses und bei der Bestellung seinesBodens gle ich e rw e ise ta tk rä ftig belehrenund beraten.Bei d e r D ichtig ke it d er städtischen Siedlungen, die einer’ ) Z u r E rz e u g u n g v o n 1 k g G e m ü s e b ra u c h e n w ir e tw a 100 I W asser.D e r G e s a m tw a s s e r b e d a r f f ü r le ic h te r e n B o d e n is t 50 cm N ie d e r­s c h la g . H ie r v o n m ü sse n in u n s e re m K lim a d u rc h s c h n ittlic h 20 cm zusä tz lic h , d . h . k ü n s tlic h g e g e b e n w e r d e n .D a s e r fo r d e r t fü r 1000 qm200 c b m W a s s e r o d e r 20 000 G ie ß k a n n e n in h ö c h s tfa lls 100 V egeta t io n s ta g e n . W e r s o ll d ie s c h le p p e n u n d d a n n noch Z e it fü r dieü b r ig e V e r s o r g u n g v o n G a r te n , H a u s u n d F a m ilie e rü b rig e n ?ie«iÄ i,ieZ*jaita»*«1.¡¿¡ato tat818


Planwirtschaft vora u sse tzt, w ü rd e je d e dieser S ie d le r­schulzellen in d e r Lage sein, g le ic h z e itig einen ganzenKreis von S iedlungsstellen zu v e rsorg e n . N ach E rfüllungihrer A u fg a b e w ü rd e n d ie Lehrkrä fte g a n z o d e r te ilweisein einen neuen Kreis ü b e rsie d e ln . D ie fü r diesenLehrzweck a u f je d e r Lehrsiedlung geschaffenen Einrichtungenw ü rden je n e r als M uste rg ä rte n und W irts c h a ftfür alle Z eit v e rb le ib e n . Es lie g t nahe, diese S ie d le r­schulen g le ich ze itig auch d e r g e istig e n A u frü stu n g derjugendlichen A rb e its p io n ie re n u tz b a r zu m achen: V olkshochschulendes praktischen Lebens. Land und A usrüstunggenügen nicht fü r d ie neue S ta d tla n d s ie d lu n g .Zum S tadtland g e h ö rt S ta d tla n d v e rs ta n d .8. Aussiedlung der städtischen Industrie.Bei allen diesen V o rb e re itu n g e n fü r d ie zw eckm äß igeAnsiedlung d er S ta d tla n d s ie d le r d a rf m an natürlich nichtvergessen, daß es sich h ie r um N e b e n e rw e rb s s ie d le r,höchstfalls um H a lb -u n d -H a lb -A rb e ite r h a n d e lt. Da dieseA rbeitskategorie z w a r statistisch, also theoretisch demdeutschen N o rm a la rb e ite r entspricht, praktisch a b e r nocheine Ausnahm e d a rs te llt, so h ä n g t E rfo lg und M a ß sta bunserer S tadtsie d lu n g von e in e r g le ich ze itig e n U m -organisation der stadtgebundenen Industrieab.Die ganze Frage sp itzt sich d a ra u f zu, o b unsere Industrieo d e r doch ein w esentlicher Teil d a v o n in d e r Lageund W ille n s ist, ih re B e trie b e a u f halbschichtige A rb e its ­zeit um zustellen. S o w e it h ie rfü r u n ra tio n e lle B etriebsbelastungenaus S ta n d o rtsg rü n d e n A n la ß g ä b e n , käm eeine Aussiedlung g ew isser F a b rik a tio n s z w e ig e indas w e ite re W irtsch afts- und V e rke h rs g e b ie t d er S tadtdiesen Bestrebungen e n tge g e n .Unsere W irts c h a fts fü h re r sollten ein Interesse d a ra nhaben, den chaotischen Prozeß unserer Arbeitsverteilungdurch Umsiedlung in geordneteBahnen überzuführen. Zu diesem Zw eckmuß g e fo rd e rt w e rd e n , d a ß endlich ein m a l das a lteStandortsproblem d e r Industrie a u f G ru n d derneuen Ereignisse und d e r voraussichtlichen künftigen Bedingungenin n e rh a lb d e r städtischen W irtsch afts- undLebensform e in e r P rüfung u n te rzo g e n w ird . V o rh e r istkeine organische S ta d tla n d s ie d lu n g von vo lksw irtsch aftlicherW irk u n g d e n k b a r.Gestaltung und V erfa ssu n g9. Fruchtlandschaften. Es ist nicht d e n k b a r, M illionenneuer S ie d le r g e tre n n t als Einzel- o d e r G ru p p e n ­siedler rings um d ie S ta d t a n zusetzen. D ie natürlichenMittel des A u fb a u e s , ebenso w ie d ie g e p la n te b e trie b s ­wirtschaftliche B etreuung d e r e in g e rich te te n S iedlungensetzen g e n ügend g ro ß e , ö rtlich geschlossene Gemeinschaftenvo ra u s. A n d e re rse its z e ig t d ie S iedlu n g s­geschichte aus a lle r W e lt bis zum heutigen T age (z. B.Vierlande bei H a m bu rg ) lückenlos, d a ß nur räum lich b e ­deutende, klim atisch und g e o lo gisch e in h e itlich e G e b ie temit intensiver B o d e n b e ste llu n g d ie w echselnde Kurve desDaseins ü b e rw in d e n . N u r sogenannte Fruchtlandschaftensind siedlungsgeschichtlichvon Dauer. W e n n w ir also unseren S ta d t­siedlern P ro sp e ritä t w ünschen, müssen w ir d ie e in ze ln eSiedlungszelle als B e sta n d teil d e r S tadt I a n d s c h a f tim biologischen Sinne betra ch te n und d e m g e m ä ß e n t­wickeln. W ie das geschehen kann, das h a b e ich in d er„W achsenden S ie d lu n g "6) im e in ze ln e n e rlä u te rt.ö) D ie w a c h s e n d e S ie d lu n g n a c h b io lo g is c h e n G e s e tz e n , F ra n c k h s c h eV e r la g s h a n d lu n g , S tu t t g a r t 1932, P re is 2,4 0 R M .10. Diktatur oder Selbstverwaltung? Fürd ie A n tw o rt h ie ra u f w ä re eine V o rfra g e zu stellen: g iltes dem ra tio n a le n A u fb a u o d e r dem irra tio n a le n Lebender S ie d lu n g ? Es scheint ausgem acht, d a ß die O rg a n i­sation d e r A n sie d lu n g von M assen ohne einen ü b e r­legenen W ille n nicht in d ie T at um gesetzt w e rd e n kann.D ie G eschichte a lle r groß en B innenkolonisationen kenntkaum eine A usnahm e, und unsere g a n ze neuere S iedlungsentwicklung ist ja nur eine n e g ative B estätigungdieses elem entaren S iedlungsgesetzes. W ir braucheneinen S ie d lu n g sd ikta to r als w irksam es W e rk z e u g einesdiktatorischen Siedlungsgesetzes, das den systematischenA u fb a u und reibungslosen A b la u f des U m siedlungsprozessessich erstellt.G a n z anders a b e r w ird unsereFrage nach der V e rw a ltu n gsfo rm d er S ta d tla n d sie dlun gzu b e a n tw o rte n sein.H ier, w o d er Mensch in seinerG ru n d a n la g e und seiner geschichtlichen Form ung entscheidet,kann, je d e n fa lls fü r uns in M itte le u ro p a , nurdas P rinzip d er Selbstverantwortung in seinerga n zen um fassenden W e ite und B edeutung in Fragekom m en. H inausführen durch einen überle g e n e n W ille n ,und F ortführen, V o lle n d e n des S iedlungsw erkes in e ig e n erRegie — diese Z w e ig lie d e ru n g d ü rfte das richtige Schemafü r die P lanw irtschaft der S ta d tla n d sie dlun g sein.11. Maßstab der Stadtlandsiedlung. Jedesorganische W e rd e n braucht seinen ihm gem äßen Raum.Eine in ihren Festen zerbrochene V olksw irtschaft kannnicht dadurch saniert w e rd e n , d aß man sie an denF ingerspitzen kitzelt. 25 000 S iedler bedeuten bei 6 M illionenErw erbslosen nichts, ja , durch Erweckung trü g e ­rischer H o ffn u n g w e n ig e r als nichts. Und w enn w ir eineS ta d tw irtscha ft etw a w ie Berlin um stellen w o lle n , so w irdein S iedlungsplan, d er in a b se h b a re r Z eit noch nicht1 v. H. d e r A lle rb e d ü rftig s te n e rfa ß t, kaum irg endw e lch eW irk u n g a u f A b ste llu n g d e r N o t haben. Es muß deshalb v e rla n g t w e rden, daß alle Siedlungspläneund insbesondere die, d ie die U m siedlung d e r S ta d t­massen b e tre ffe n , von vo rn h e re in in einem M aß ­stabe a n g e le g t w e rden, d e r d e mUmfang derKrise, deren A b ste llu n g sie dienen, entspricht.12. Umbau des Stadtdaseins. W a s unsererstofflich und geistig zerrissenen M enschheit fe h lt, sindü b e rw ä ltig e n d e A u fg a b e n . N icht A u fg a b e n , die nurm a te rie ll g ro ß e und bre ite A rb e it bring e n — die habenw ir genug g e h a b t — , sondern A u fg a b e n , d ie unserTiefstes an seelischer K ra ft und persönlichen Einsatz fo r ­d e rn : utopische Aufgaben. Eine solche m onumentale A u fg a b e stellt d er U m bau unserer S ta d ta rb e itund unseres S tadtlebens d a r, w ie ihn d ie S ta d tla n d ­sie d lu n g nach d e r Landseite hin e in le ite t.Es ist klar,d aß erst nach solcher B e reinigung des S tadtkerns vonseinen Schlacken dieser selbst an die Erneuerung seineseigenen Lebens (C ity) h e rangehen kann. In diesenTagen ist a lle W e lt v o ll von Bestrebungen zu r A u ta rk ied e r n a tio n a le n V olksw irtschaft.M an ve rg iß t, daß eind e ra rtig e r z e n tra le r S elbstversorgungsplan eine gew isseau to n o m e B e frie d ig u n g d e r N e b e n zentre n , also d erS tädte zu r V oraussetzung h ätte. Die S tädte brauchenihren eig e n en W irtsch aftsra u m . G eschlossene Ernährungsräume m it in d u strie lle r R ückversorgung, d ie die ü b e ra lläußerlich bestehende W e c h selb e zie hung von S ta d ta rb e itund o rts g e b u n d e n e r L a n d a rb e it in ein festes G e g e n s e itig ­keitsverhältnis b rin g e n . W ir brauchen autarkischeStadtprovinzen, derep Blüte in e in e r fruch tb a re nLebensführung ih re r B ürger ve ra n k e rt ist. Es g e h t umeine neue b io lo g isch e V o rs te llu n g : Stadt. S ta d t undLand v e re in ig e n sich zum S ta d tla n d .819


Sich'Ein Überblick über den heutigen Stand der GasinstallationU nsere zusa m m e n fasse n d e n D a rs te llu n g e n von T e ilg e b ie te n des B auw esens, von d e n e n H e ft 29 d ie Einfügungd e r In s ta lla tio n e n in d e n B a u k ö rp e r und H e ft 41 e in ig e s ü b e r d ie e le ktris c h e In s ta lla tio n e n th ä lt, erw eitern wirdurch d re i A b h a n d lu n g e n : B e d e u tu ng des G ases im W o h n u n g s b a u . G e s ta ltu n g von A b g a sa b fü h ru n g e n . —Technische F ortschritte (neueste G a sh e rd e )BEDEUTUNG DES GASES IM WOHNUNGSBAUDirektor W. A. Franke,S tand d e r V ersorgungBerlinDie Bedeutung des G ases fü r den H aushalt ist amklarsten zu ermessen an d er Tatsache, daß heute von15 M illio n e n deutschen H aushaltungen 10 M illio n e n mitG as v e rso rg t sind. In seiner Eigenschaft als im m er b e ­ie ite r W ä rm e trä g e r, sei es fü r Kochzwecke, fü r W a rm ­w a sserbereitung, zum H eizen, W aschen und B ügeln, undü b e ra ll d o rt, w o sonst W ä rm e im H aushalt b e n ö tig tw ird , hat das G as D ank seiner W irtsch aftlich ke it, seinervielseitigen G ebrauchsm öglichkeit, seiner S a u b e rke it ind e r V e rw e n d u n g und auch seiner Sicherheit sich so inw e nigen Jahrzehnten einerschlossen.ungeheures V e rb ra u ch sg e b ietDem heutigen Stand der D inge, w ie er an H and d e r o bengenannten Z ahle n gekennzeichnet ist, entspricht auch dieEntwicklung, die d ie G a sversorgung d e r W o h n u n g e n beid e r N e u b a u tä tig k e it in denhat.letzten Jahren genom m enDie steigende Tendenz d e r E inführung des Gasesin N e u b a u te n g e h t aus d e r fo lg e n d e n T a b e lle , die sicha u f das von den B erliner Städtischen W e rk e n ve rso rg teG e b ie t b ezieht, gut h ervor.e rh ie lte n :V on säm tlichen N e u b a u te nv o lls t ä n d ig e g a s b e h e iz teG a s k ü c h e n W a r m -m it G a s - w a s s e r- K o h le n G a s h e izba c k ö fe n V e r s o r g u n g b a d e ö fe n Ö fe n1928 79,36 v . H. 21,62 v. H. 11,68 v . H. 22,70 V. H.1929 87,20 v . H. 17,70 v . H. 15,00 V. H. 22,60 V. H.1930 88,20 v . H. 21,90 v . H. 13,30 V. H. 5,78 V. H.1931 84,90 v. H. 27,00 v. H. 13,50 V. H. 13,60 V. H.Das Gas im N o tb a u p ro g ra m mIn a lle rle tz te r Z eit, nam entlich so w e it N o t- und S p a r­tendenzen ihre Berücksichtigung fin d e n m ußten, hat hie undda d er G e d a n ke aufkom m en können, daß nunm ehr a u f je ­den K o m fo rt verzichtet w e rden müßte, ja selbst unsere A n ­schauungen über H ygiene sollten e in e r Reform unterzo g e nw e rd e n und A nsprüche in dieser Hinsicht zugunsten e inerfalschen S parsam keit zurückgestellt w e rd e n . Es ist v e r­fe h lt, an A nschaffungskosten Ersparnisse zu m achen, a b e rfü r id e e lle und m a te rie lle Betriebskosten überflüssigeSummen la n g e Jahre a u fz u b rin g e n , d ie zu dem Erspartenin keinem V erhältnis stehen. Das Zurücktreten d e r G ro ß ­w ohnblocks in d e r neueren B a u tä tig ke it zugunsten deszw e i- bis dreigeschossigen Einzelw ohnhauses, fü r das imallg e m e in e n d ie G em einschaftseinrichtungen w ie A u fz ü g e ,S am m elheizung, W a rm w a sse rve rso rg u n g und ähnlicheEinrichtungen nicht m ehr in Frage kom m en, b ie te t durchauskeinen A n la ß , a u f lie b g e w o rd e n e B equem lichkeitenzu verzichten.Denn hier sp rin g t d ie G astechnik ein, die,zwischen d er starren K ostenbindung durch G em einschafts­einrichtungen und d e r m ühevollen A rb e it einer Wärmewirtsch aft m it festen B rennstoffen stehend, Bequemlichkeitund H yg ie n e unter p e rsönlicher V erantw ortung der Einwo h n e r lie fe rt.G astechnische N eu e ru n g e nG e ra d e in jü n g ster Z e it w u rde n in der Gastechnik Gerätegeschaffen,die unter A u fw e n d u n g g e ringer Kosten gestatten,sich auch im E inzelhaus d ie gew ohnte Behaglichkeit zu leisten. N e b e n dem Kochgas in der Küche,zu dessen V e rw e n d u n g bestens durchkonstruierte Gasherde(kom b in ie rt m it Backöfen und auch mit Gasheizöfen) zu r V e rfü g u n g stehen, spielt das Gas für Warmwasserversorgungeine g ro ß e Rolle.Großwarmwa ssere rh itzer in Form von D urchlauferhitzern, als Badeöfe n und A u to m a te n fü r eine o d e r m ehrere Zapfstellenge e ig ne t, bieten v o llw e rtig e n Ersatz fü r die zentraleW a rm w a sse rve rso rg u n g , ihnen zu r Seite steht der kleine,a b z u g lo s e K le in h e iß w a sserb e re ite r, der über dem Spülbeckenin d e r Küche, als W a rm w a sse rb ere ite r für Rasier-und a n d e re hygienische Zw ecke imBadezimmer odersonstw o an Stelle eines Z ap fh a h n es angebracht werdenkann.Auch d ie Heizung mit Gas, insbesondere dort,w o schnelle B etriebsbereitschaft in V erbindung mit Zusatz-o d e r Ü b e rg a n g sh e izu n g in Frage kommt, hat ihrebesonderen V o rz ü g e durch d ie B efreiung von der Starrhe it d e r G em einschaftseinrichtung, a u f der anderenSeite g e g e n ü b e r d e r V e rw e n d u n g fester Brennstoffe ind e r E inzelheizung durch d ie Ersparnis an Raum undPersonal, durch d ie B efreiung von Ruß, Asche und Staubund durch d ie autom atisch regulie rte , wohltemperierteRaum luft.Selbst fü r D a u e rh e izu n g kann das Gas unterBerücksichtigung dieser A rg u m e n te wirtschaftlich sein.Auch fü r Wasch- und Bügelzwecke ist dasG as d e r g e e ig n e te W ä rm e trä g e r, und vielerlei brauchba re G e rä te , w ie P lätteisen, b illig e Sprudelwäscher undkleine W aschm aschinendes anspruchsvollenV e rw e n d u n g .S ich erh eit durch Gasbis zu r TrommelwaschmaschineH aushalts, sind in tausendfältigerD ie vie ls e itig e A n w e n d u n g des Gases und seine steigendeB enutzung h a b en w e itg e h e n d zu einer Ablösung derfesten B rennstoffe im H aush a lt geführt. Damit einhetg e h t eine beachtensw erte S teigerung der Sicherheit, vora lle m g e g e n ü b e r B ra n d g e fa h re n .So ist nach den Feststellungend e r H a m b u rg e r F euerw ehr mit der steigendenE inführung des G ases d ie Z ahl d er Brände ständig zurüc k g e g a n g e n ; im Jahre 1912 betru g sie noch etwa600 B rände, 1930 noch rund 130 Brände.*, 8f£idVorteDieseitieli¡ t o r i 'i - ior,-jt« seien,und 5 e i


V o lksw irtschaftliche N o tw e n d ig k e ite nNeben dieser S icherheit, d ie im volksw irtschaftlichenInteresse lie g t, b ie te t d ie V e rw e n d u n g des G ases auchandere b e d e u te n d e V o rte ile , d ie in seiner E igenschaft alsveredelter B rennstoff, aus dem R ohstoff K ohle stam m end,liegen. Diese V o rte ile fo rd e rn eine strikte A b le h n u n gder neuerdings m ehrfach a u fg e ste llte n F ord e ru n g , nureine E nergieart — es h a n d e lt sich w o h l im m er um d ieElektrizität — in d ie N e u b a u te n zu legen. Bei d erFrage, ob eine o d e r b e id e E n e rg ie arte n in d ie H äuserzu bringen seien, h a n d e lt es sich nur um eine Fragerechtzeitiger und geschickter P lanung, d ie durch d ie g e ­meinsame A rb e it von S tä d te b a u e rn , A rch ite kten und G a s­ingenieuren fa st in jedem Fall im Sinne e in e r v e rn ü n ftig e nEnergiewirtschaft und d a m it durch V e rw e n d u n g b e id e rEnergiearten zu lösen ist. Es ist noch nicht d re i Jahreher, daß unter e in e r g a n zen Reihe fü h re n d e r S iedlungsarchitektend ie M e in u n g g a lt, e ine W o h n u n g könne ü b e r­haupt nicht te u er g e n u g sein, w enigstens in B ezug a u fdie Baukosten. Für tra g b a re M ie te n hatte d ie Finanzierung,d. h. d ie reichliche Z u te ilu n g von b illig e n Z u ­schußhypotheken zu sorg e n . M a n ist sich heute in d erHauptsache kla r d a rü b e r, w elche F ehlleitung des a u fdem freien M a rk t so n o tw e n d ig e n K a p ita ls es b e d eute that, K leinw ohnungen m it einem K o m fo rt auszustatten, fü rden die Bevölkerungsschichten, denen sie zu g e dach twaren, kaum einen B e d a rf hatten.Der Typ d e r n euen S iedlungHeute lie g t nun d e r u m g e ke h rte Fall v o r: b e i e in e r d erwichtigsten G ru p p e n von W o h n u n g s n e u b a u te n , bei denRandsiedlungen, w ill m an auch a u f d ie technischen Einrichtungenverzichten, an w elche a lle Klassen d e r s tä d tischenB evölkerung seit J a h rzehnte n g e w ö h n t sind. M anunterstellt o hne w e ite re s, d a ß d ie K leinhäuser d e r R andsiedlungenvon v ö llig m ittellosen Bevölkerungsschichteneingenom m en w e rd e n ; ein Irrtum , und z w a r d e r gleiche,der seinerzeit bei den g ro ß e n W o h n b lo c k s b e g a n g e nworden ist. In n e u g e b a u te W o h n u n g e n z ie h t im m er derverhältnism äßig w o h lh a b e n d s te T eil d e r B e vö lke ru n g ;denn das S treben nach e in e r e ig e n en Scholle lä ß t eineausgesprochen b e sitzfre u n d lich e Lebenseinstellung v o r­aussetzen. Es soll h ie r keinesfalls irg e n d w e lch e n Bestrebungendas W o rt g e fü h rt w e rd e n , nun auch den K le in ­siedler mit a lle rh a n d technischen S egnungen zu b e d e n ­ken, fü r die er kein G e ld hat. W ir müssen a b e r nachder A rt d e r in B etracht kom m enden B e w o h n e r diesemdie M ög lichke it schaffen, sich frü h e r o d e r sp ä te r m it denEinrichtungen zu u m geben, d ie nach dem heutigen Standder Technik nun e in m a l zu e in e r noch so einfachenW ohnungseinrichtung g e h ö re n .Zu dieser z ä h lt a b e r u n b e d in g t das G as. Schon heutehat es ü b e ra ll d o rt, w o G a s v e rso rg u n g e n v o rh a n d e nsind, den w e ita u s g rö ß te n T eil a lle r Küchen e ro b e rt.Heute ist es d a b e i, d ie H e iß w a sserve rsorg u n g d e r e in ­facheren W o h n u n g e n zu ü b e rn e h m e n , d ie bis je tz t v ö lligvernachlässigt w o rd e n w a r. S eit z w e i Jahren ist d e r K le in ­heißw asserbereiter in se in e r h e u tigen Form a u f denMarkt gekom m en, und b e re its heute g ib t es V e rso rg u n g s­bezirke, in denen von 1000 A b n e h m e rn bereits 60 bis70 G a s-K le in h e iß w a sse rb e re ite r a n g e sch a fft h a b e n . Eswird nicht a llz u la n g e d a u e rn , d a ß fü r d ie B eheizungunregelm äßig o d e r k u rz fris tig b e n u tz te r Räume auch inDeutschland das G a s den V o rz u g e rh a lte n w ird . Es seiin diesem Rahmen d a vo n abgesehen, d a ß in zahlreichenG e w e rb e n das G as a n d e re Brennstoffe v e rd rä n g t.A u fje d e n Fall muß m an m it Rücksicht a u f die kü n ftige Entwicklung d e r S iedlungen heute schon d ie M ö g lic h k e ite in e r G a sversorg ung ü b e ra ll d o rt g eben, w o dies nurd e n k b a r ist.F re ih e it d e r EntschließungM a n kann eine d e ra rtig e Frage nicht a llg e m e in g ü ltigre g e ln und muß es den einzelnen V ersorgungsw erkenüberlassen, w ie w e it sie es fü r w irtschaftlich halten, ihreN e tz e auch in d ie R andsiedlungen auszudehnen.G as-,W asse r- und E lektrizitätsw erke sind keine B ehörden,sondern w irtschaftliche U nternehm ungen, und von dem Begriff des U nternehm ers lä ß t sich das W a g e n , das V o ra u s­rechnen k ü n ftig e r Entw icklungen nicht trennen.G la u b tdas G a sw e rk, im H inblick a u f d ie w e ite re S teigerung derA nw e n d u n g sm ö g lich ke ite n des Gases a u f den Anschlußd e r R andsiedlungen nicht verzichten zu sollen, so mußihm diese F reiheit g e w a h rt b le ib e n , auch w enn man vona n d e re r Seite g la u b t, einen augenblicklichen B e d a rf ve r­neinen zu müssen.K risen feste G asw irtschaftSeit dem A ufkom m en d er E lektrizität, also seit etw a einemh a lb e n Jahrh u n d e rt, muß das G asfach im m er w ie d e rhören, d a ß es eigentlich überflüssig sei. A lle diese V o r­aussagen sind ihm vo rzü g lich bekom m en, und d e r A b sa tzd e r deutschen G a sw e rke ist von rund 600 M illio n e n m3 imJahre 1890 a u f ü b e r 4 M illia rd e n m3 im Jahre 1930 g e ­stiegen.Selbst d ie g e g e n w ä rtig e W irtschaftskrise hat nureinen A b sa tzrü ckg a n g von 3,2 v. H. zu r Folge g e h a b t,eine Z a h l, d ie ein Beweis fü r die innere Lebensfähigkeitdes G asfaches ist.Die g e g e n w ä rtig e V e rw irru n g a lle r w irtschaftlichen Begriffe hat zu m ancher E inseitigkeit g e füh rt, ü b e r d ie mansich sp ä ter w u n d e rn w ird .Die deutsche G asindustrie hatih re tra d itio n e lle Ruhe b e w a h rt und ihre g ro ß e v o lk s w irtschaftlicheA u fg a b e auch im D ra ng e der heutigen N o tz e itnicht vergessen.Diese H a u p ta u fg a b e ist d ie Schonungd e r deutschen K o h le n vo rrä te , dieses w ichtigen und unersetzlichenS toffes unserer W irtsch aft. Durch diebesseren W irk u n g s g ra d e , d ie das G a s g e rä t g e g e n ü b e rdem festen B rennstoff e rz ie lt, ist es uns heute m öglich,a u s einem Kilogramm Kohle auf dem Umwegüber das Gaswerk etwa doppelt sovielWärme nutzbar zu machen wie beidirekter Verbrennung und etwa dreieinhalbmalsoviel wie bei dem Umweg überdas Elektrizitätswerk.D a b e i lie fe rt nach demheute üblichen V e rfa h re n eine Tonne K ohle nur etw a400 bis 500 m3 G as, d azu 600 bis 500 kg Koks, m it denensich jedoch nicht d e r gleiche W irk u n g s g ra d erreichen läßt.Bei v o lls tä n d ig e r V erg a sun g , fü r d ie heute bereits dietechnischen E inrichtungen vo rh a n d e n sind, lie fe rt eineTonne K ohle 1200 bis 1300 m3 G as und ersetzt d a m itreichlich d re i Tonnen K ohle bei d ire k te r V e rb re n n u n g .W e n n es heute noch kein G as g ä b e , so m üßte in w e n ig e nJahrze h n te n seine E rzeugung e rfu n d e n w e rd e n .Die Erschöpfungunserer B ra u n kohle n vo rrä te , d ie heute in d erH auptsache den H a u sb ra n d lie fe rn , ist in dieser Z e it zue rw a rte n , und d ie g a n z e E ntw icklung d er G a sw e rke gehtd a ra u f hinaus, zu diesem Z e itp u n kt fü r d ie Ü bernahm ed e r gesam ten häuslichen W ä rm e v e rs o rg u n g gerüstetzu sein.821


GESTALTUNG VON ABGASABFÜHRUNGENOberingenieur Arthur Rasche, Berlin /13 AbbildungenIn den letzten Jahren ist durch den enorm gesteigertenG a s b e d a rf d er B evölkerung eine erhebliche Um stellungim G asfach a u f die neuen F orderungen eingetre te n . Soist man z. B. aus b rennstoffw irtschaftlichen, vo lk s w irtschaftlichenund v o r allem heiztechnischen G ründen img ro ß e n M aß sta b e dazu ü b e rg e g a n g e n , an Stelle desreinen S teinkohlengases das je tz ig e „ N o r m a I g a s"zu lie fe rn . Dieses G as, das heute von den meistendeutschen G asw erken und K okereien g e lie fe rt w ird , istund betriebstechnischer B eziehung m it den seitherigenB auarten fa st nicht m ehr zu vergleichen sind.A u f G ru n d d er S achlage hat selbstverständlich der Baufachmann ein groß es Interesse d a ra n , zu wissen, welcheNeuerungen a u f dem G e b ie te d er Gasinstallationstechnikgeschaffen w o rd e n sind, w e il er doch mehr oderw e n ig e r bereits w ä h re n d d er Planung a u f diese Bezugnehm en muß.Es ist erfre u lich , daß sich in Baufachkreisenim G e g en sa tz zu frü h e r ein lebhaftes Interesse für dasG a sin stalla tionsfa ch k u n d g ib t; g a n z besonders gilt diesfü r d ie A b g a s a b fü h ru n g von G asfeuerstätten.Aus diesemG ru n d e ist d ie A u fz e ig u n g des neuesten Standesdieses S onderg e b ie te s besonders w ich tig :E rlä u te ru n g e n zu d en n euen Richtlinien desD V G W fü r d ie A b g a s ab fü h ru n g von häuslichenG a s fe u e rs tä tte nD er „D eutsche V e re in von G as- und Wasserfachmännerne. V ." (D V G W ), Berlin, h a t „R ichtlinien fü r die Abgasab fü h ru n g von häuslichen G asfe ue rstä tte n "1) herausge g eben, d ie e in ig e neue B e g riffe enthalten.Die Einha ltu ng d e r Richtlinien b e d e u te t a lle rdings lediglich eineSicherheitsm aßnahm e, m it deren Erfüllung keineswegsa lle A nsprüche, die an ein gutes G e rä t gestellt werdenmüssen, e rschöpft sind.G e rä te , die den Richtlinien desD V G W entsprechen, können also noch sehr wesentlicheU nterschiede a u fw e ise n, und es soll durch die Richtliniend ie A u sw a h l unter den Erzeugnissen der verschiedenenG e rä te h e rs te lle r nicht beschränkt w erden.eine M ischung von rund 70 v. H. S teinkohlengas frü h e re rB eschaffenheit und 30 v. H. W assergas.Das le tzte re istnun nicht etw a aus W a sser e rz e u g t o d e r in besonderemM aß e w asse rh a ltig , sondern nichts anderes als ein ausgutem S teinkohlenkoks erzeugtes G as, w o b e i W a sse r­d a m p f nur beim H e rstellungsprozeß b e te ilig t ist.h ätte es deshalb besser „K o k s g a s " genannt.M anDa dasbrennende W assergas bei hohem W a sse rsto ffg a sg e h a lteine erheblich h öhere F lam m entem peratur a u fw e ist alsunser früheres reines S teinkohlengas (etw a 2100° C), soh a t seine Zum ischung zu letzterem d ie Folge und denZweck, daß die Flam m entem peratur unseres N o rm a l­gases eine nicht unbeträchtlich h öhere ist als jene desreinen Steinkohlengases, w o m it fü r d ie gasve rb ra uch e n d eB evölkerung wärm etechnische V o rte ile verb u n d e n sind.W e ite r sind die G asw erke a llg e m e in bestrebt, den Gasdruckfü r den V e rbrauch zu e rh ö h e n ; m an erre ich t d a ­durch einen höheren W irk u n g s g ra d d e r G a s a n la g e n inbezug a u f deren B elastung, und insbesondere einenhöheren verbrennungstechnischen W irk u n g s g ra d .A ls d ritte r Um stand in d e r Entw icklung des G asw esenskom m t hinzu, daß d ie Gasgeräte h ersteiler ihreH erde, W a rm w a sse rg e rä te , H e izö fe n , in d u strie lle n G a s­feuerstätten usw. w esentlich verbessert und d e ra rt v e r­vollkom m net h aben, daß sie in w ä rm e w irtsch a ftlicherIvt ' t1o$* W i.a ) b ) c )Z u g ¿ t a u R ü ckstro mA u ftrie b ¿tills ta n d Abtrieb2B e g riffs e rk lä ru n g e n (B ild 1)Die A b g a s le itu n g um faß t die G esam theit aller Abgaswe g e vom A b g a sstu tzen des G erätes bis zur Schornsteinausmündung (Bild 1).Schornstein ist der in das Gebäudee in g e b a u te a u fw ä rts fü h re n d e A b zugskanal zur Abfüh ru n g d e r V e rb re n n u n g spro d u kte einer oder mehrererFeuerstätten ins Freie.E ingebaute, a u fw ä rts fü h re n d e A b zugskanäle aus verschiedenenB austoffen gelten als Schornsteine im Sinned e r Richtlinien selbst dann, w enn die Ausmündung ausnahmsw eise nur bis in den D achboden führen sollte.N ach den V orschriften d e r B a u p o lize i in Preußen undan d e re n Ländern sind auch Schornsteine zugelassen, dieaus einem w ärm etechnisch günstigeren Baustoff bestehen,z. B. aus A sbestzem ent o d e r Ton (vgl. „Häusliche Gasfeuerstätte n und G e rä te fü r N ie d e rd ru ckg a s", 10. Auflage,Z iffe r 27, Seite 102, und T a fe l 11, Seite 104 und 105„B a u s to ffe fü r A bgassch o rn ste in e "). Blechschornsteinesind im a llg e m e in e n nach den Bauordnungen nicht zulässig.A b g a s ro h r ist d ie V e rb in d u n g sle itu n g vom G erät zumSchornstein.A bgasstu tzen ist d ie A nschlußstelle des Abgasrohres imG e rä t.Z u g : Z ustand a u fs te ig e n d e r Ström ung im Schornstein(Bild 2a).S tau: R uhezustand des Schornsteininhaltes. Der Schornsteinist h ie rb e i unw irksam (Bild 2b).t) V e r la g d e s D e u ts c h e n V e r e in s vo n G a s - u n d W asserfach-m ä n n e rn e . V ., B e r lin W 3 0, P re is 0,25 R M , d e sg leich en „HäuslicheG a s fe u e r s tä tte n u n d G e r ä t e fü r N ie d e r d r u c k g a s " , 10. A uflage,P re is 3,50 R M .822


Rückstrom: Z ustand a b s te ig e n d e r S tröm ungen im Schornstein.Rückstrom kann verursacht w e rd e n durch W in d ­anfall auf d ie S chornsteinausm ündung, durch ungünstigeDruck- und u n günstige T em p e ra tu rverh ä ltn isse (Bild 2c).Sicherungen fü r d ie A b g a s a b fü h ru n gDer Zugunterbrecher (U n terbrechung im A b g a s ­weg, welche b e i zu n e h m e n d e r Z u g w irk u n g des Schornsteinsden Z u tritt von B e ilu ft h in te r dem W ä rm e a u s ­tauscher des G e rä te s e rm ö g lic h t und eine s tö re n d e Beeinflussungdes V e rb re n n u n g s v o rg a n g e s durch Z u g ­schwankungen v e rh in d e rt) besteht b e i W a rm w a s s e r­bereitern g e w ö h nlich aus m ehreren kleinen Ö ffn u n g e nim O b e rte il des G e rä te m a n te ls (Bild 3). Diese A rt G e ­räte g ilt als v e ra lte t. Bei H e iz ö fe n in d e r A usfü h ru n gnach Bild 4 besteht d e r Z u g u n te rb re c h e r g e w ö h nlich nuraus einer Ö ffn u n g im A b g a sstu tzen, und bei solchennach Bild 5 d ie n t d ie Ö ffn u n g o b e rh a lb d e r G lü h k ö rp e rgleichzeitig als Z u g u n te rb re ch e r.Unter Stausicherung z. B. b e i W a rm w a s s e rb e re ite rn v e r­steht man eine U nte rb re ch ung im A b g a s w e g , w elche beiStau den A u s tritt d e r A b g a s e aus dem G e rä t e rm ö g ­licht, ohne den V e rb re n n u n g s v o rg a n g w esentlich zu b e ­einflussen. Eine S tausicherung ist also ein stausichererZ ugunterbrecher. Bei B a d e ö fe n und W a rm w a s s e r­autom aten soll d e r Z u g u n te rb re c h e r g le ic h z e itig S tausicherungsein, w e il Stau v o r a lle m in d e r A n h e iz p e rio d ezu befürchten ist und d a h e r b e i G e rä te n m it aussetzendem,ku rz z e itig e m B e trie b (B a d e öfe n u. dgl.)Schwierigkeiten leich te r a u ftre te n als b e i d a u e rn d b e ­triebenen G e rä te n (R aum heizöfen). A uch v e ra lte te G e ­räte, die keine S tausicherung besitze n, müssen gegenStau gesichert w e rd e n . (Siehe auch den n a ch fo lg e n d e nAbschnitt „R ückstrom sicherung".) D ie Stausicherung istalso auch g le ic h z e itig Z u g u n te rb re c h e r (Bild 6).Unter Rückstromsicherung ve rste h t m an eineUnterbrechung im A b g a s w e g , w e lch e b e i Rückstrom d ieAbgase entw eichen lä ß t, o h n e den V e rb re n n u n g s v o rg a n gwesentlich zu beeinflussen. W a rm w a s s e rb e re ite r ä lte re rKonstruktion, d ie keine als S tausicherung zu b e w e rte n d eZugunterbrechung besitzen, müssen diese in Form e in e rnachgeschalteten, a u f das G e rä t a b g estim m te Rückstromsicherunge rh a lte n (Bild 7). D ie R ückstrom sicherung kannentweder m it dem G e rä t ko n stru ktiv v e re in ig t, d. h., imG erät e in g e b a u t o d e r a u f dem G e rä t a u fg e b a u t sein(Bild 8), o d e r sie kann auch als S o n d e rv o rric h tu n g demG erät nachgeschaltet w e rd e n (B ild 7). A u f je d e n Fallmuß sie a u f das G e rä t a b g e stim m t sein. Eine Rückstromsicherungkann das G a s g e rä t g e g e n Rückstrom schützen,sie kann a b e r nicht den Rückstrom im Schornstein v e r­hindern. Z u g u n te rb re c h e r und S tausicherung könneneinen Rückstrom a u f das G e rä t niem als fe rn h a lte n , w o h laber kann e ine R ückstrom sicherung das G e rä t nicht nurgegen Z ug und Stau, so n d ern auch g e g e n Rückstromschützen.Die zusätzliche Rückstromsicherung muß, w iebereits erw ähnt, a u f das G e rä t a bgestim m t sein, d. h.,sie muß m it einem entsprechend langen unteren Rohrstück„ a " g e lie fe rt w e rden (Bild 7).Dieses Rohrstück sollso la n g sein, d a ß durch den A u ftrie b s g e w in n in diesemRohr d e r A u strittsw id e rsta n ddes G erätes überw u n d e nw ird . Da a b e r d e r A u strittsw id e rsta n d bei G e rä te n v e r­schiedener Firmen nicht gleich sein w ird , w ird auch dasb e tre ffe n d e untere Rohrstück verschieden la n g seinmüssen; d a h e r ist d a ra u f zu achten, daß a u f einen B adeofeno d e r D ruckautom aten d er Firm a A d ie Rückstromsicherungm it dem Rohrstück „ a " d e r gleichen Firm a g e ­setzt w ird und nicht eine solche d e r Firma B o d e r umgekehrt.H e izö fe n erh a lte n nur in seltenen Fällen eine zusätzlicheRückstrom sicherung, w e il sie meist nur w ä h re n d d erH e iz p e rio d e , im W in te r, benutzt w e rd e n , also in e inerZ eit, w o Rückstrom durch Tem peraturunterschiede w e n ig e rzu e rw a rte n ist.Bei H e izö fe n d a g e g e n , d ie v o rw ie g e n dnur in d er Ü b e rg a n g sze it o d e r nur vo rü b e rg e h e n d in Benutzunggenom m en w e rd e n , e m p fie h lt sich, w enn keinebesonders günstigen Schornsteinverhältnisse vo rh a n d e nsind, d ie A n b rin g u n g e iner Rückstromsicherung.Bei W a rm w a sse rb e re ite rn w ird neuerdings die Rückstromsicherungvielfach m it dem G e rä t ve re in ig t, sie ist entwe d e r im G e rä t e in g e b a u t o d e r a b e r auch a u f demG e rä t a u fg e b a u t (Bild 8).D ie W in d sch u tzhaube (S chornsteinaufsatz zu r Unschädlichmachung des W in d a n fa lle s a u f d ie A usm ündung d erA b g a s le itu n g , Bild 1) soll ve rh in d e rn , daß d e r W in d inden Schornstein blä st und daß Rückstrom durch W in d ­a n fa ll im Schornstein a u ftritt.Bei Schornsteinen, bei denen d ie A usm ündung ü b e r Firstlie g t und d e r W in d diese A usm ündung von alle n Seitenin w a a g e re c h te r Lage bestreichen kann, ohne d a ß alsoG e fa h r besteht, d a ß d e r W in d in d ie Schornsteinausm ündung bläst, brauchen W in d sch u tzhauben nicht u n b e d in g ta n g e w e n d e t zu w e rd e n .Den Rückstrom durch ungünstige Druck- o d e r T e m p e ra tu r­verhältnisse kann eine W in d sch u tzhaube nicht verh in d e rn .7 8823


K o n fro ll-b c ^ w -Anm Bei gutziehendemSchornstein nicht — -unbedingt notw endig.1b1 011W indschutzhauben, bei denen d ie M ö g lic h k e it besteht,daß sie in fo lg e ih re r Konstruktion verschneien o d e r ve r­eisen können, sind fü r diese Zw ecke nicht g e e ig net.R ichtlinien fü r d ie A b g a s a b fü h ru n g 1)Gasgerät, Abgasrohr und Schornsteinmüssen im H inblick a u f die A b g a sfü h ru n g als ein zusam ­m engehöriges G anzes b etrachtet w e rden. Das Z u­sam m enw irken dieser d re i B auteile ist eine fe u eru n g s­technische A u fg a b e ; ve rsa g t eine von den d reien, so isteine e in w a n d fre ie A b fü h ru n g d e r A b g a se unm öglich.1. W a r m w a s s e r b e r e i t e rW a rm w a sse rb e re ite r m it e iner N e n n b elastu n g bis zu150 kcal/m in 2) (entsprechend e iner N ennle istu ng bis zuetw a 130 kcal/m in) brauchen nicht an einen Schornsteinangeschlossen zu w e rden, sofern sie nur m inutenw eisebenutzt und in ausreichend b e lü fte te n und genügendgroß en Räumen a u fg e ste llt sind.A lle D u rchlaufg e räte m it g rö ß e re r N e n n le istu ng (über130 W E /m in.) b e d ürfe n som it des Anschlusses an einenSchornstein.1) B e is p ie le a u s d e r P ra x is , v o r a lle m a uch F e h le r u n d ih r e B e ­s e itig u n g , b r in g t d a s L e h rb u c h f ü r In s ta lla te u r e u n d T e c h n ik e r d e sG a s fa c h e s v o n O b e r in g . R asche, 2 . A u f la g e , B a n d IV . P re is4,50 R M , z u z ü g lic h P o rto 0,30 R M .2) D ie s e G r ö ß e n a n g a b e is t k e in F e s tw e r t, s o n d e r n d ie n t z u n ä c h s ta ls v o r lä u f ig e r A n h a lt . B e i d e r Z u la s s u n g v o n a b z u g s lo s e n W a r m ­w a s s e r b e r e ite r n s p ie le n n e b e n d e r B e la s tu n g b z w . L e is tu n g d e sG e r ä ts a uch d ie R a u m g rö ß e , d ie B e lü ftu n g u n d B e n u tz u n g s d a u e rd e s G e r ä ts e in e w ic h tig e R o lle .OVRücksfrom-11 S icK e ru n qS peich e rge rä te (W arm w asser- und Kochendwasserspeicher)bis zu 10 Liter In h a lt brauchen, sofern sie inausreichend b e lü fte te n und g e n ügend großen Räumena u fg e s te llt sind, nicht an einen Schornstein angeschlossenzu w e rden.Bei d e r Zulassung von abzugslosen W arm wasserbereiternspie lt neben d er Leistung des G erätes auch der Rauminh a lt, d ie Belastung und d ie B enutzungsdauer des Geräteseine w ich tig e Rolle. U nter minutenweiser Benutzung,w ie sie b eispielsw eie bei Schnellwassererhitzernin Frage kom m t, versteht man eine begrenzte Benutzungsdauer. Sie soll bei diesen G eräten im allgemeinen, fa lls sie nach einander ohne Betriebsunterbrechungin B etrieb sind, höchstens 10 M inuten betragen.S chnellw assererhitzer d ü rfe n nur dann fü r die Herstellungvon V o llb ä d e rn b e n utzt w e rd e n , w enn die Abgase einwa n d fre i a b g e fü h rt w e rd e n . Die Konstruktion und Insta lla tio n des G e rä te s muß Rücksicht d a ra u f nehmen, daßdie Schornsteineinflüsse nicht störend auf den Verbrennu n gsvo rg a n g e in w irke n können.Zug: Im G e rä t ist eine Zugunterbrechung konstruktiva n z u b rin g e n . Das G e rä t soll so ausgebildet sein, daßd e r A u strittsw id e rsta n d m öglichst g e rin g ist, und daß einhöchstens 20 cm langes, senkrechtes Rohrstück ausreicht,um bei G ren z b e la s tu n g den A u stritt von Abgasen amZ ug u n te rb re ch e r zu verhüten. (Dies ist alleinige Ange le g e n h e it des G eräteherstellers.)Stau: D ie Z ug u n te rb re ch un g muß so ausgebildet sein,d a ß im Falle des Staues d ie A b g a se hier austretenkönnen, d a m it keine w esentliche Beeinflussung des Verbre n n u n g svorg a n g es e in tritt. D iejenige Zugunterbrechung,die g le ic h z e itig gegen Stau gesichert ist, bezeichnetm an a llg e m e in als Stausicherung. W armwasserge rä te , bei denen von e in e r bestim m ten Nennleistung abdie A b g a s e a b g e fü h rt w e rd e n müssen, müssen mit Stausicherungausgerüstet sein. G e rä te , die diese Schutzvo rrich tu n g nicht besitzen, gelten als unvorschriftsmäßig.Bild 3 z e ig t z. B. ein W a rm w a s s e rg e rä t veralteter Konstruktion,das nur einen Z ugunte rb re ch er, aber keine Stausicherungbesitzt. W e rd e n solche G e rä te gegenwärtignoch ve rw e n d e t, so muß eine Rückstromsicherung nachgeschaltetw e rd e n , d a m it das G e rä t gegen Stau gesichertw ird . Bild 6 z e ig t ein W arm w assergerät mitStausicherung.824


Rückstrom: Geräte, bei denen die Rückstromsicherungnicht Bestandteil des Apparates ist, müssen imBedarfsfälle durch eine besondere zusätzliche Rückstromsicherunggeschützt werden, die jedoch auf das Gerät abgestimmtsein muß. Sie ist so auszubilden, daß derAustrittswiderstand des Gerätes und die Rückwirkung desEintrittswiderstandes durch eine entsprechend senkrechteRohrlänge ausgeglichen werden. Dieses Rohrstück mußfest mit der Rückstromsicherung verbunden sein.Bild 7 zeigt ein Warmwassergerät mit nachgeschalteterRückstromsicherung; Bild 8 ein solches mit aufgebauterRückstromsicherung.Unter Austrittswiderstand des Gerätes verstehtman den Widerstand, der beim Obergang der Abgasevom Gerät in den Abgasstutzen entsteht. Er wird verursachtdurch die Querschnittsveränderung und denRichtungswechsel der Abgase.Aus vorstehendem ist zu ersehen, daß die B a u h ö h e(von Mitte Brenner bis Mitte Abgasrohr) verschieden hochsein kann, je nachdem, ob Geräte mit nachgeschalteteroder aufgebauter Rückstromsicherung zur Anwendungkommen. Um die erforderlichen Längen der Anlaufstreckezu erreichen, muß die Raumhöhe ausgenützt werden.Bei geringer Raumhöhe sind zweckdienlich nur Geräte mitaufgebauter Rückstromsicherung (Bild 11) zu verwenden,weil bei dieser Anordnung die Bauhöhe günstiger ist, alsdiejenige von Bild 10. Als Montagehöhen (Maßvon Oberkante Fußboden bis Mitte Brenner) wähle manbei entsprechenden Raumhöhen für Badeöfen 1 m und fürDruckautomaten 1,20 bis 1,40 m, vorausgesetzt, daß dieerforderlichen Maße für die Anlaufstrecken erreicht werden.Gegebenenfalls müssen die Montagehöhen verringertwerden, niemals aber die Längen der Anlaufstrecken.2. Raumheizgeräte (Gasheizöfen).Grundsätzlich müssen die Abgase von Raumheizöfen insFreie geführt werden. Ausnahmen unterliegen von Fallzu Fall der Genehmigung des zuständigen Gaswerkes.Als Ausnahme kann man beispielsweise nicht bewohnteRäume mit besonders guter Be- und Entlüftung ansehen,als Spezialfälle z. B. Treppenhäuser, große Schuppen,größere freiliegende Abortanlagen in Schulen usw.Untere Anlaufstrecke (Bild 9) versteht man auftriebliefernde,senkrechte Rohrlängen, mit deren Hilfe Einzelwiderständeüberwunden werden sollen. AusreichendeAnlaufstrecken begünstigen durch den in ihnen erzeugten Zug: Jeder Gasraumheizofen ist mit einer ZugunterbrechungAuftrieb die Abgasgeschwindigkeit (Schornsteinzug).auszustatten. Der Einbau der ZugunterbrechungDem Gerät muß eine Anlaufstrecke a nachgeschaltetwerden, um zu verhüten, daß Abgase aus den Öffnungenins Gerät ist anzustreben. (Dieser Hinweis ist nicht nurAngelegenheit des Geräteherstellers, sondern auch fürder Stausicherung bei normalem Betrieb austreten. Dies den Installateur von Bedeutung.)wird erreicht, sobald die Kraft, die der Auftrieb in dieserAnlaufstrecke erzeugt, den Austrittswiderstand des GerätsStau : Die Anwendung einer Stausicherung ist dort notwendig,wo die Schornstein- und klimatischen Verhältnisseüberwindet. Das Maß dieser Anlaufstrecke erfrage es erfordern.man zweckmäßig beim Gerätehersteller, denn der Austrittswiderstandkann bei Geräten verschiedener Größen,Rückstrom: Gasraumheizöfen arbeiten im allgemeinenbezüglich der Abgasabführung unter günstigeren Verhältnissenals Warmwasserbereiter.Konstruktionen und Firmen verschieden hoch sein unddaher auch verschiedene Längen bedingen. Je nach demDa Gasraumheizöfen meist längere Zeit und bei Außentemperaturenbetrieben werden, die geringer als dieAustrittswiderstand kann das Maß 20 bis 35 cm betragen.Nach Ausführungen, wie sie Bild 10 zeigt, müssen zweiTemperaturen im Innern des Gebäudes sind, ist RückstromAnlaufstrecken vorhanden sein, und zwar diejenigenach dem Gerät (Anlaufstrecke a), und die nachbei richtig angelegten Schornsteinen in der Regel nicht zuerwarten. Ist im Bedarfsfälle eine Stau- oder Rückstromsicherungerforderlich, so kann diese entweder kon­der Rückstromsicherung (Anlaufstrecke b). Das Rohrstückder Anlaufstrecke a soll mit der Rückstromsicherung feststruktiv mit dem Gerät vereinigt sein (Bild 5 und Bild 12)verbunden vom Gerätehersteller geliefert werden. Dasoder zusätzlich nachgeschaltet werden (Bild 13); jedenfallsmuß sie besonders auf das Gerät abgestimmt sein.Maß der Anlaufstrecke b erfrage man ebenfalls beimGerätehersteller, denn da auch hier der Ein- und Austrittswiderstandder Rückstromsicherung verschieden hochDie Stau- und Rückstromsicherungen können unter Umständenauch Nachteile für die Abgasführung mit sichsein kann, wird auch die Länge der Anlaufstrecke b verschiedenhoch sein können. Die Länge des Rohrstückesbringen, besonders bei kleingestellten Flammen, z. B. zustarke Abkühlung (Schwitzwasser) und Verkleinerung derund somit der Auftriebgewinn muß jedenfalls so großAnschubwirkung auf den Schornsteininhalt. Die N otwendigkeitder Anbringung ist daher gegebenenfalls auchsein, daß Abgase aus der Öffnung der Rückstromsicherungnicht austreten können. Zweckdienlich wähleunter diesen Gesichtspunkten sorgfältig zu überprüfen.man ebenfalls eine Länge von 20 bis 35 cm.In Fällen, wo eine Rückstromsicherung zusätzlich nachgeschaltetBei Geräten mit aufgebauter Rückstromsicherungwird und wo der Heizofen bereits einen Zug­(Bild 11) erfrage man gleichfalls bei dem unterbrecher besitzt, wie z. B. bei der OfenkonstruktionGerätehersteller das Maß der Anlaufstrecke b. Auf die nach Bild 13 wird zur Verhütung des Eindringens von zuAnlaufstrecke kann verzichtet werden, wenn ein gut viel kalter Luft die Öffnung des Zugunterbrechers a gegebenenfallsziehender Schornstein vorhanden ist und dieser dann diegeschlossen.Oberwindung des Austrittwiderstandes übernimmt.Für die Prüfung an gasbeheizten Warmwasserbereiternund Gasheizöfen bestehen sehr eingehende Vorschriftendes DVGW, für die Ausführungen der Abgasrohre ebenfalls;aber die besten Gasgeräte und die einwandfreiestenAbgasrohre müssen versagen, wenn der Schornsteinnicht einwandfrei arbeitet.825


TECHNISCHE FORTSCHRITTER e in e r G a s h e r d (Bild 1)Der Herd selbst ist weiß, die Kochplatte schwarzemailliert. Alle Hähne sind einzeln gegen zufälliges ö ffnengesichert und gegen Wärmeleitung gut isoliert. ImGegensatz zu allen anderen Ausführungen liegen dieGalerie und das Anschlußrohr im Herdinnern verdeckt.Die Brenner sind Sparbrenner, vollkommen rückschlagsicher,mit einem Stundenverbrauch von etwa 420 I.Unter den Brennern ist eine Schmutzfangmulde zum Auffangender überkochenden Speisen angebracht. DieHerdplatte ist aus Stahlblech gezogen, aufklappbar, unddie Kochringe sind an der Platte durch Schrauben befestigt.Durch diese Anordnung ist das Reinigen desHerdes sehr einfach und bequem. Der unter der Herdplatteangeordnete Bratofen ist innen vollkommenemailliert; die Außenwände sind gegen Wärmestrahlunggut isoliert. Zwischen Herdplatte und Bratofen läßt sicheine geschlossene oder offene Wärmenische einbauen,die zum Warmhalten der Teller, Schüsseln usw. dienenkann. Größe des Bratofens 32X47 cm, Höhe 23 cm.Gasanschluß y2", normaler Stundenverbrauch 2 cbm.Dieser Herd eignet sich wegen seiner kleinen Grundflächeam besten f ü r Kleinstwohnungen, hat allerdingsden Nachteil, daß sich die Hausfrau bei der Herstellungvon Brat- und Backgerichten etwas bücken muß.Hersteller: Homann-Werke, Vohwinkel, Rhld.H e r d m it h o c h g e b a u te m B r a t - u n d B acko fen(Bild 2)Ein derartiger Herd ist zu empfehlen, sobald der Grundrißder Küche nicht allzu knapp bemessen ist. Dann istdie obenerwähnte Unbequemlichkeit für die Hausfrauvermieden. Abmessungen des Herdes: Breite 55 cm;Länge ohne Abstellplatten 105 cm, mit Abstellplatten120 cm; Gasanschluß y2 bis Auch bei dieser Herdartkönnen Wärmenischen geschlossen oder offen eingebautwerden. Ein zweiter Backofen kann über demersten angeordnet und der Herd je nach den Ansprüchender Hausfrau und der Größe der Familie mitweiteren Kochgelegenheiten versehen werden.Hersteller: Prometheus-Werke, Frankfurt a. M.K o m b in ie r t e r H e r d (Bild 3)überall dort, wo keine zentrale Heizung vorhanden istund die Küche als Wohnraum benutzt wird, ist ein sogenannterkombinierter Herd empfehlenswert. Er bestehtaus einem Gasabteil und einem Kohleabteil. Das Gasabteilist ein Gasherd für sich und hat genau dieselbenEinrichtungen wie der in Bild 1 beschriebene reine Gasherd.Das Kohleabteil ist im Gegensatz zu anderenkombinierten Herdkonstruktionen als irischer Ofen miteiner Schachtfeuerung ausgebildet und durch doppelteScheidewände und Luftisolierung vollkommen vom eigentlichenGasabteil getrennt. Bei dieser neuen Konstruktionersetzt das Kohleabteil einen Heizofen, kann aber zugleichfür Kochzwecke im W inter mitbenutzt werden. ImSommer wird es durch ein emailliertes Blech abgedecktund dient dann als Abstellfläche für Kochtöpfe, Geschirrusw. Die ganze Herdfläche kann wieder durch eineAbstellplatte (im Bild links) vergrößert werden. Abmessungendes Herdes: Breite 55 cm; Länge ohne Abstellplatten90 cm, mit Abstellplatten 105 bis 110 cm;Gasanschluß y2". Die Galerie ist verdeckt in das Inneredes Herdes verlegt.Hersteller: Homann-Werke, Vohwinkel, Rhld.(£**ff,|0US,CI1> J erisner5 & r¿ ¡ 1 Aldos. irtfinit !•* F»«Je«aili'^AirfoilV omE n„Is»*»-Mktionen■;gend* H*3 S K « Stofs Se missen.uig eine dou: «Uiger stof• tön «r»1«8 Meie,s sowie durdn B e * *I t f - M e -?»SkA, «a: lira; n je- DO'i n H i l f wir¡ f e io w gr i « Obe- w d atgr'» t o b e?< * < e iifödtawtajDie: ? * i m eNi'SfciW,5 ty»onnc•»tkließer^«Sonisd*M a g 2ndA G eflnEiende*l i' *16diehe'tnd*sindS de,^benäti,S ffe826


auen a l s r a u m w ir t s c m a f tD ip l.-Ing. Dr. Artur Günther, Berlin (Schluß aus Heft 41)2. D ie Baustoffe.(Bauelement — Funktion — Konstruktion.)Wenden wir uns nunmehr den stofflichen Mittelnzu. Zur Erfüllung der aus der Raumdisposition sich ergebendenAnforderungen muß jedes Bauwerk aus einerReihe verschiedener stofflicher Elemente zusammengesetztwerden. Ein jedes dieser Bauelemente, wie wirdiese Teile in Analogie zu dem Maschinenelement nennenwollen, hat seine bestimmte Funktion innerhalb desGanzen; es wird dieser entsprechend stofflich ausgebildet.Die Abmessungen der Bauelemente, ihr konstruktivesGefüge sowie ihre physikalischen und chemischen Eigenschaftenwerden aus diesen ihren allgemeinen Funktionensowie aus den Anforderungen für den bestimmten Sonderfallabgeleitet. Vom Bauelement ist der Bauteil zuunterscheiden. Ein Bauteil (Decke, Fenster, Fußbodenusw.) vereinigt in sich mehrere Bauelemente, die ihrerseitsdurch einen Baustoff oder auch durch mehrere miteinanderverbundene Baustoffe vertreten werden.Ihren Funktionen nach sind die Bauelemente:2. „Hemmen d" wirken alle Bauelemente, deren Zweckes ist, einen Raum gegen einen anderen so abzugrenzen,daß die Übertragung irgendwelcher, dem Benutzungszweckentgegenstehender physikalischer oderchemischer Zustände aus den angrenzenden Räumen aufdiesen Raum verhindert bzw. nur verringert wird, ohneden Zutritt zu verhindern (die Bauelemente der Wände,Decken, Dächer). Die physikalischen und chemischen Zustände,gegen die ein Raum oder ein Raumsystem geschütztwerden soll, sind: zu hohe und zu niedrige Temperaturen,W ind, Nässe in Form von Schnee, Regen,Nebel, Staubwirbel, Gase, Dämpfe, Lärm, Geräusche,während Licht, normale Wärme und Luft erwünscht sind.3. „Umschließend" sind Bauelemente, die denÜbergang organischer oder anorganischer Körper vonder Umgebung zu dem abgegrenzten Raum ganz oderteilweise verhindern sollen (Bauelemente der Wände,Türen, Gitter, Geflechte usw.).4. „S c h ü t z e n d e" Bauelemente haben die gleicheFunktion wie die hemmenden zu erfüllen, nur, daß sienicht einen Raum oder ein Raumsystem, sondern tragende,hemmende, umschließende und leitende Bauelementeschützend umgrenzen.5. „Leitend" sind diejenigen Bauelemente, die derFortbewegung der Personen und der innerhalb desRaumsystems benötigten Güter dienen, sei es, daß diesesich in festem, flüssigem oder gasförmigem oder elektrischemZustand befinden (Fußboden, Aufzüge, Rohrpost,Leitungen aller Art für Gas, Wasser, Elektrizitätusw.). „Bahnen" im weitesten Sinn.Die Form der stofflichen Begrenzung wird in der „Konstruktion"ideell festgelegt. Die allgemeine Aufgabeder Technik ist es, grundsätzlich für die verschiedenenFunktionen der Bauelemente optimale Lösungen zusuchen. Für die Anwendung im Einzelfall sind die unterC behandelten ökonomischen und wirtschaftlichen Gesichtspunktemaßgebend.3. D ie energetischen Hilfsmittel.Das dritte Mittel des Bauens, das energetische, betrifftdie Zusammenfassung aller persönlichen und sachlichenHilfsmittel und ihren Einsatz bei der Ausführung derBegrenzungsarbeit nach einem Bauplan. W ie oben dargelegt,bezeichnen wir die sichtbare Betriebsorganisation,welche die technische Ausführung eines Bauwerkes zumZiel hat, als „B a u". Es ist dies ein Betrieb, der gegenüberanderen Produktionsbetrieben einen besonderen Aufbauzeigt. Er produziert nicht selbst. Es wird im Bau nichteine für längere Dauer bestimmte Fabrikation zur Herstellungbestimmter Produkte organisiert, sondern dasauf eine gewisse Zeit erforderliche Zusammenarbeiten1. „Trage n d ." Hierzu gehören alle Teile, die dieraumgestaltende stoffliche Abgrenzung in ihrer Lagesichern. Sie müssen allen Kräften widerstehen, derenAuswirkung eine dauernde Veränderung der räumlicheneiner Reihe von Einzelbetrieben. Arbeitstechnisch gesehenbesteht gleichfalls ein wesentlicher Unterschied.Lage wichtiger stofflicher Teile verursachen würde.Diese Kräfte werden hervorgerufen durch das Eigengewichtder Bauteile, durch die ruhende und beweglicheBeim Bau wird nicht ein räumlich zusammenhängendesSystem von Bearbeitungsstätten geschaffen, eine Fabrik,Nutzlast sowie durch W ind und sonstige von außeneine Werkstatt, sondern nur eine Betriebsorganisation,wirkende Kräfte wie Erd- und Lufterschütterungen allerwelche die Errichtung eines Bauwerkes zur Aufgabe hat.Art. Zu den tragenden Elementen gehören auch alleW ährend im ersten Fall das Arbeitsgut von einer feststehendenArbeitsstätte zur anderen bewegt wird, bisdiejenigen Stoffe, welche die eigentlichen Baustoffemechanisch miteinander zu verbinden haben: Nägel,das Erzeugnis fertig ist, folgen beim Bau die Arbeitsstättendem werdenden Bauwerk. Die Arbeit am BauNiete, Schrauben, Dübel, Kitt, Leim u. dgl.selbst ist verschiedener Art: teils reine Montage, d. h.mechanische Zusammenfügung fabrikatorisch hergestellterBauteile (Eisenkonstruktion), teils eine durch Einleitungchemischer Vorgänge hervorgerufene Verbindung solcherTeile (Mauern), teils eine eigentliche, aber dauernd wanderndeFabrikation von Bauteilen (Eisenbeton). Die allgemeinenLösungen für die Organisation des Baues hatdie „Baubetriebswissenschaft" zu geben, deren Aufgabees zunächst ist, die technisch optimalen Formen zu erforschen,in denen die menschlichen und sachlichen A r­beitskräfte zusammengefaßt werden. Es ist dies eineAufgabe, die grundsätzlich in das Gebiet der Energiewirtschaftgehört, d. h. der Bewirtschaftung der Arbeitskräfte,die einer Volkswirtschaft zur Verfügung stehen.Praktisch gesehen ist die Bauorganisation heute, besondersmit der zunehmenden Mechanisierung, ein Arbeitsgebiet,das weitreichende maschinen- und psychotechnischeKenntnisse erfordert und daher in neuererZeit besonderen Lehrstühlen für Baubetriebswissenschaftan den technischen Hochschulen zugewiesen ist.C. D ie P r o b le m e in d e r A n w e n d u n g d e r M it t e l(technisch — ökonomisch — wirtschaftlich— Lösung — Leistung — Kosten).Bisher wurden im wesentlichen diejenigen Fragenbesprochen, welche die technische Lösung der Aufgabendes Bauens umfassen. Untrennbar damit verbundensind jedoch stets das ökonomische und das827


wirtschaftliche Problem, von denen das S. 116); vgl. hierzu auch: Fritsch, „Bauvertrag oder Bauberatung"erstere sich um den Begriff der „Leistung", letzteres(Wochenschrift der DGfB. 1931 Nr. 37), Heiss,um den der „Kosten" gruppiert. Für den Hersteller Berlin, „W as ist Gestaltungswissenschaft?" (Wochenschriftsind die Kosten maßgebend, während der Benutzer von d. DGfB. 1931 Nr. 9), ferner: Vorschläge von Distel, Hamburg,dessen Leistung für seine Zwecke ausgeht. Rein theoretisch,zur Vereinheitlichung des Berechnungsverfahrensvom Eigennutz aus gesehen, hat der Hersteller von Krankenhausbaukosten, auf dem Internationalennur ein Interesse an niedrigsten Kosten, der Benutzer nur Krankenhauskongreß 1931 vorgelegt. Ein Bauwerk darf nuran höchster Leistung. Dagegen ist es das Interesse der dann errichtet, ein Bauverfahren gewählt, eine KonstruktionVolkswirtschaft, in einer Herstellung beide Tendenzenso weit als möglich anzugleichen: höchste Leistung verwendet, eine Maschine angesetzt werden, wenneinwandfrei feststeht, daß durch diese Maßnahmen inbei geringsten Kosten. Je eindeutiger nun die Anbetracht sämtlicher Umstände ein Optimum der LeistungLeistung erkannt werden kann, um so mehr wird diesevolkswirtschaftlich erwünschte Angleichung stattfinden undum so mehr wird sich bei der fraglichen Erzeugung nichtnur privatwirtschaftliche Rentabilität, sondern auch volkswirtschaftlicheund der Kosten erreicht wird, und zwar nicht nur für dieHerstellungskosten, sondern ebenso für die Nutzungskosten.Qualität, Lebensdauer, Zinsfuß und Leistung sindnicht als voneinander unabhängige Dinge, sondern alsProduktivität einstellen.zusammenhängende Funktionen anzusehen. Alles dasim voraus zu bestimmen, muß der Bauherr für sein Bauvorhabeneine Rentabilitätsberechnung aufstellen,jeder beteiligte Unternehmer eine Vorrechnu n g für die Ausführung der Bauarbeiten.Die wichtigste Aufgabe ist es daher, die Leistungder Bauelemente für die Erfüllung ihrer Funktionen,die Leistung des Bauwerkes für die Erfüllung seineswirtschaftlichen Zweckes und der menschlichen Arbeitskraftund maschinellen Einrichtungen für den Fortgangder Bauarbeiten durch Aufstellung exakter BewertungsundPrüfungsmethoden so genau wie möglich zu erfassenund damit die Unterlagen zu geben für einedenkbar vollkommen richtige Bewertung der beimBauen entstehenden Kosten. In dem handwerklichenEntwicklungsstadium, in dem sich im allgemeinen dasBauwesen noch befindet, wird die Leistung der verwendetenBaustoffe und Bauteile für den Bauzweck bzw.die Leistung des Bauwerkes für seine Nutzung nachErfahrung und Brauch in die Rechnung eingesetzt undnur in Ausnahmefällen wird sie exakt in Maß und Zahlgewertet. D ie Entwicklung muß aber dahingeleitet werden, daß bei allen Maßnahmendie entstehenden Kosten zudiesen Leistungswerten in exakte Beziehunggesetzt werden können.Um beispielsweise die Leistung bzw. den Wirkungsgradeines Bauwerkes zu bestimmen, wird maneine neue Theorie der Leistungsbewertung entwickelnmüssen. Es wird sich in praktischer Hinsicht empfehlen,zunächst von einer allgemeinen Leistungszahl auszugehen.Als primitivste Werte werden jetzt etwa verwendet:Kubikmeter umbauten Raumes*), Kubikmeterlichten Nutzraumes, Quadratmeter Nutzfläche, Zahlder Sitzplätze der Wohnräume usw. Man braucht abernur verschiedene Lösungen mit gleichen derartigenZahlen zu vergleichen, um zu erkennen, wie verbesserungsbedürftigdiese Methode ist und wievielklärende Forschungsarbeit noch erforderlich ist. Der Gedanke,zu solcher planmäßigen Bestimmung des Wirkungsgradesvon Bauwerken zu kommen, also von Dingen, dienoch bis vor nicht allzu langer Zeit vorwiegend vonkünstlerischen und handwerklichen Gesichtspunkten beurteiltwurden, wird vielen als absurd erscheinen. Aberwir haben das Bauwerk als zweckgebundenes Produktionsmittelerkannt; wir werden deshalb auch die Konsequenzziehen müssen und es wie jedes andere Produktionsmittelnach seinem Wirkungsgrad werten. Für die exakte Bewertungder baulichen Gestaltung Richtlinien aufzustellen,hat man erst ganz vereinzelt begonnen. W ie etwa vorgegangenwerden kann, zeigen Stratemann, Münster, im„Grundrißkatalog", W olf in „Die Grundrißstaffel" sowieKlein in „Beiträge zur W ohnfrage" (Probleme des Bauens“) Bekanntlich besteht bisher nicht einmal eine einheitliche Berechnungsartdes umbauten Raumes. Der Ausschuß für die Hochbaunormunghat jetzt einen Normungsentwurf hierzu vorgelegt.Die Richtigkeit der Rechnung muß nachträglich in derErtragsrechnung der Bauwerksnutzung (Bilanz) bzw. derNachrechnung für die Arbeiten geprüft werden. Auchbei allen diesen rechnerischen Nachweisen muß die Entwicklungvon der handwerksmäßigen Übung zur Wissenschaftgeführt werden. Es kann nicht mehr genügen, reinzahlenmäßig nach irgendeinem Kontierungsschema dieerrechneten geldlichen Aufwendungen in die Rechnungeinzustellen, sondern auch in der Ertrags- bzw. Nachrechnungmuß d ie Leistung im einzelnen erfaßtwerden. Dies würde bedeuten, daß für die Konstruktioneneine Leistungsstatistik der Stoffe und Konstruktionen,für die Maßnahmen des Baubetriebes eineBetriebsstatistik, für die verschiedenen Bauwerke eineNutzungsstatistik geführt und wissenschaftlich ausgewertetwird. Hierbei wären alle Anforderungen andie verschiedensten Leistungen, wie oben entwickelt,zahlenmäßig zu verfolgen. Wissenschaftlich bearbeitetist von diesen Gebieten bisher nur die Betriebsstatistik.Z u s a m m e n fa s s u n gDie Verwendung der raumbildenden Mittel:Raum, Stoff und Energie geschieht nach technischen,ökonomischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten.Die darin liegenden Zentralproblemesind entsprechend: technische Lösung,Leistung und Kosten. Alle drei sind volkswirtschaftlichauf das engste miteinander verknüpft,was an sich nicht ausschließt, daß im Einzelfall das eineProblem stark in den Vordergrund treten, ja allein bestimmendwerden kann.Aus obigen Darlegungen ergibt sich als vordringliche Aufgabe,einerseits die ökonomische Leistung der Bauwerkefür ihren volkswirtschaftlichen Zweckund andererseits die Leistung der einzelnen Bauelementeund der Bauvorgänge bei der Herstellung des Bauwerkesim Dienst eben dieses Zweckes eindeutig zu erfassen.Solche exakte Festlegung der ökonomischen Leistung läßtnicht nur den wahren, d. h. volkswirtschaftlichen Werteiner technischen Lösung klarer erkennen, sondernwürde auch dahin wirken, daß die Preise, die für bestimmteLeistungen zu zahlen sind, immer mehr ihremvolkswirtschaftlichen W ert genähert werden. Es kommtletzten Endes nicht darauf an, billig zu bauen oderrentable Bauverfahren zu entwickeln — so wichtig dasals Sonderaufgabe sein kann —, sondern einzig undallein darauf: mit dem Bauen praktische Raumwirtschaftzu treiben.828


DIE EV. AUFERSTEHUNGSKIRCHE IN MÜNCHENArchitekt: Geheimrat Prof. Dr. German Bestelmeyer, München / 10 AbbildungenAnsicht von der GerolfstraßeMit vier größeren Arbeiten, der Universität, dem Verwaltungsgebäudeder „A rm inia", der Technischen Hochschuleund dem Ausbau des Deutschen Museums, hatBestelmeyer den Münchener Bauten ein starkes Geprägegegeben. Es sind Werke, bei denen Schönheit und einerichtig verstandene Sachlichkeit völlig im Einklang stehen.Dieser Reihe fügt sich ein Sakralbau, die evangelischeAuferstehungskirche, in der würdigsten Weise an.Diese Auferstehungskirche ist ein einheitlich geschauterOrganismus; er differenziert sich in größter Klarheit inseine einzelnen Teile, alles aus einem verwandten Formgefühlaufs schönste zusammenstimmend gestaltet, ingroßem Beziehungsreichtum zueinander und in straffen,edlen Verhältnissen. Die Kirche stellt sich von den verschiedenenBlickpunkten aus glücklich dar, sie fügt sichharmonisch ein und gibt ihrer Umgebung Gewicht undHaltung.W ar auch die Notwendigkeit, in relativ kleinem umbautenRaum 850 Sitzplätze unterzubringen, Veranlassung,die geräumige Empore zu schaffen, so war dieLösung eines Hauptschiffes und eines Seitenschiffes, dasdie Empore aufnehmen sollte, glücklich und originell.Die Absicht wurde erreicht und zugleich der Hauptraumgroß und unbeengt erhalten. Der Kirchenraum wirktdurch das Zusammenspiel des feierlichen, hohen, sakralwirkenden Hauptschiffes, der hohen Kämpferlinie unddes hohen Lichteinfalls mit der Asymmetrie des einenSeitenschiffes gewachsen und lebendig. Als eine besondersglückliche Lösung muß die Anordnung der dreiHauptstätten der Liturgie (Altar, Kanzel und Taufstein829


Ev. A u fe rs te h u n g s ­k irc h e in M ünchenArchitekt Professor Dr.German BestelmeyerMünchenj i-iS^-B'IN OER-NVEC U D 'E 'W A H R H É IT U ^^tE 'B í.^


Blick gegen die Orgel. Das auf rot und blau gestimmte Glasgemälde des Rundfensters (segnender Christus) von Adolf Schlnnerer; dlTaufsteinplastik von Bildhauer von Rechenbergim Chor) im Angesicht der ganzen Gemeinde hervorgehobenwerden.Die Formen der Kirche klingen an die romanischen an;sie sind aber aus unserem Lebensgefühl neu geborendurch die Art, wie auf das Ursprüngliche ihrer künstlerischenWirkung zurückgegangen wird, wie ihre sachlicheFunktion in ihrem Fürsich- und in ihrem Beisammenseinganz unmittelbar und ursprünglich erlebt und in einembesonderen, durch Bauaufgabe und Bauplatz bedingtenZusammenklang erschaut wird. Man sollte sich abgewöhnen,mit Schlagworten, wie „historisierend", zu arbeiten,und das Auge wieder für Wertunterschiede empfänglichmachen, die allerdings in nichts geringerem beruhen als indem Umstand, ob lediglich ein historisches Vokabular verwendetwurde oder ob das W erk durch eigene Schöpferkraftaus dem Geist und der Syntax des unwandelbarKünstlerischen geflossen ist. Auch scheint von großerWichtigkeit, daß dieses schlichte und demütige Eingehenauf die ursprüngliche und eigentümliche Wirkung der Verhältnisse,des Zusammenstehens des Ganzen mit seinenTeilen ganz von selbst den allgemein verständlichen undin dieser Verständlichkeit beglückenden Ausdruck desKirchlichen zur Folge hat; eine Tatsache, die bei einemKirchenbau heute keineswegs selbstverständlich ist, einUmstand, der aber Bestelmeyers Kirchenbauten über diemeisten zeitgenössischen Kirchenbauten hinaushebt; dennnur solange die Verhältnisse, die Verteilung von Masseund Öffnung, die Art der Einzelform, der Grad ihrerArtikulation und ihres Verhältnisses zum Ganzen allgemeinverbindlicher Ausdruck eines ganz bestimmtenSeelischen sind, ist das Bauen Kunst.Dr. Hans Kiener, MünchenLageplan der ev.Auferstehungskirchein München;darüber das vonTh. Fischer erbauteLedigenheim831


Blick gegen den ChorraumMan blickt unter der Orgelempore durchdas hoch und feierlich wirkende Langhausbis zu dem mit einem Klostergewölbe geschlossenenChorraum, der sich in einemmächtigen halbkreisförmigen Triumphbogenöffnet. Sieben Stufen führen hinaufzum Altar; hoch von oben fällt das Lichtherein. W änd e: geriebener Verputz,warme, weiße Tönung; Emporenbrüstungund Gestühl: Lärchenholz; Un!erzüge;Eichenholz; Fußboden: Solnhofer Platten,-Chortreppe: Muschelkalk; Lüster: Messing.Die Plastik der Kanzel aus Muschelkalkvon Stumpf.Vorhalle mitBlick auf denEmporenaufgangBoden: Klinker; Bohlendecke und Türflügel: Lärchenholz; Türsturz: Eichenholz.Handgeschmiedete Beschläge.832


A ltarDer auf einer Stufe erhöhteAltartisch ausMuschelkalk wird überbautvon einem auf viergrünlichen M arm orsäulenruhenden Ziboriummit schlichtem G ie ­bel aus TreuchtlingerMarmor. Das In vornehmerForm gehalteneAltarkreuz und die sechsflankierenden Leuchtervon Fritz Schmidt, dasAntependium und derAltarteppich von KarlCaspar.€HR£S8 G0HE vangelischeA u fe r s te h u n g s ­k ir c h e M ü n c h e nArchitekt Prof. Dr.G. BestelmeyerMünchenBrauthalle.Bodenbelag: Solnhofer PlattenSakristei. Täfelung in Lärchenholz833


DER GRENZ­BAHNHOFBEUTHENArchitekt ReichsbahnoberratGrossart mit ReichsbahnratHess und Reg.-BaumeisterHettler / 5 AbbildungenZu den schweren Opfern, die das Deutsche Reich nachdem verlorenen Kriege bringen mußte, gehören auch diegroßen Aufwendungen für Zwangsbauten. Dazu könnenalle die Bauten gerechnet werden, die infolge Verlegungder Grenzen zwangläufig für die Behörden als Ersatzfür verlorengegangene Dienst- und Wohngebäude zuerrichten waren oder auf Grund der geänderten Verhältnisseerforderlich wurden.In ganz besonderem Maße war die Reichsbahnverwaltunggenötigt, derartige Bauten auszuführen. Ander Strecke Breslau—Kattowitz wurde der HauptbahnhofBeuthen (Oberschlesien) von einem Durchgangsbahnhofzu einem Grenzbahnhof, der nunmehr ganzandere Aufgaben zu erfüllen hatte.In Nr. 84, Jahrgang 1928, dieser Zeitschrift waren dasModell des neuen Empfangsgebäudes gezeigt und einigeAngaben über das Raumprogramm gemacht worden.Insbesondere war darauf hingewiesen, daß in den Baudrei Schalterhallen, eine Zollhalle und ein Hotel nebenden sonstigen Dienst- und Warteräumen unterzubringenwaren. Der beschränkte Platz, insbesondere für die imErdgeschoß erforderlichen Räume, zwang dazu, die£mP£AnGSG£BA£UC>£ö A u r u io t e £ m w c n %Ansicht von WestenWartesäle 1., 2. und 3. Klasse übereinander zu legen.Die Grundrißgestaltung war bei dem reichen Bauprogrammauf dem langgezogenen, wenig tiefen Grundstückum so verwickelter, als noch beträchtliche Höhenunterschiedeüberwunden werden mußten. Liegt dochder Fußboden der Haupthalle 2,16 m und derjenige derWesthalle sogar 3,16 m über dem Fußboden der Zollhalle.Die Bauausführung in vier Abschnitten ging trotz allerErschwernisse auf dem Platz des alten Bahnhofsvorgebäudesglatt vor sich.Das Äußere des Empfangsgebäudes zeigt den reinenNutzbau. Alles überflüssige ist vermieden worden. Eswurde versucht, die Baumasse, die bei unseren Empfangsgebäudenan und für sich keine besondere Höhenentwicklunghat, möglichst geschlossen zu halten. Derturmartige Bauteil überspringt den Bürgersteig des durchschnittlichnur 29 m breiten Vorplatzes, schließt diesennach Osten einigermaßen ab und zieht einen Trennungsstrichzwischen dem Vorplatz und der nach der SchombergerUnterführung zu stark abfallenden Straße. Wennman von der Schomberger Unterführung heraufkommt,sieht man die Baumassen von der niedrigen ZollhalleM. 1:1000...o n n o c r n r r834


w1.Grenzbahnhof Beuthen. Ansicht von der östlichen Seite des Vorplatzesüber die Osthalle (für den Verkehr nach Polen) und über dlensteten und derjenigen des Hotels war das Bestreben,dem Dienstflügel in ständiger Steigerung wirkungsvoll die gute Tradition der alten, preußischen Bahnhofslndem Hochhaus ausklingen. Die Vorplatzwand ist gebäude, wenn auch in etwas gewandeltem Ausdruck,ruhig gelagert mit starker Betonung der Horizontalen, in Beuthen (Oberschlesien) fortzuführen,nur unterbrochen durch den Eingang zum Reichsbahnhotel.Grossart, Frankfurt a. M.Vom Innern der Stadt gesehen findet die Bahnhofstraße,die Hauptverkehrsstraße, durch den turmartigen Bauteilmit seiner großen Uhr ihren starken Abschluß. Trotzder verhältnismäßig geringen Höhe des Empfangsgebäudesund trotz seiner schlichten Haltung wird mansich dem ernsten und monumentalen Eindruck der Baugruppenicht entziehen können.Unter Berücksichtigung und Verwendung der wertvollentechnischen Errungenschaften der letzten Jahre bei derAusstattung der Räume für die Reisenden und die Be-835


VOR!HAUS EINES ARZTES IN DER TSCHECHOSLOWAKEInq. Arch. Artur Szalatnai, Preßburg0# CHRIj p 0■ m m im umn m cStraßenansichtErdgeschoß 1 : 250836j ŁEinordnung des Hauses in das PlatzbildGrundriß und Aufbau dieses Gebäudesweisen auf die Aufgaben eines universalbeschäftigten Arztes in der Provinzhin. Maßgebend für die ganze Gebäudelösungwar der Erdgeschoßgrundrißals Ausgangspunkt. Aus ihmerhielten der gesamte Aufbau und dieFassade ihren eigentlichen Charakter,der zumal in der Fassadenausbildungvon den umliegenden gewöhnlichenWohnhäusern erheblich abweicht.Im Obergeschoß befinden sich dieWohnräume, deren Anordnung sich derEinteilung des Erdgeschosses anpaßt.Zum Souterrain gehören ferner noch dieWohnung des Hauswartes, Garage,Zentralheizung und andere Nebenräumlichkeiten.Das Haus liegt an einem neuerrichtetenPlatz der Stadt und steht allein alsmoderner Kubus zwischen von Provinzbaumeisternentworfenen und gebautenHäusern, über Konstruktion und Ausführungsei kurz folgendes gesagt:Sämtliche Stützen sind aus Eisenbeton,desgleichen die Decken, mit Ausfüllmauerwerk.Die Öffnungen habenPatentstahlfenster erhalten, die Türenbestehen aus Stahlzargen und Sperrholzplatten,die Fußböden sind Gummi,die Fassade hat Dolomitsandverputz.SzalatnaigVortriegsze.j^teire stark.«iMiinb? G d ! undober die Ti■SÄtien bout-Sodtknegszef; j i aon z *®Ädeofc&«-? Bctime'sren;amdejiestcit f a t Z & d a i: e Totale #i c r f l s »sdsbl net« 5ä t t i d e r e i lotyk*jenMldi«IlliSti fün s t a l J Ü i■®Ä zur Ford«dofi» * " äfcider« ¡e -K e m i,^ctedi vor aus•taolcita^ WM.^ d ie gute,,I " » » und sh* 5 ® in Müiin der Te* “«f Vei0I^oKnotfclid«LH(^ b rn e vu .Iri“S Johntum Sk,« k t¡Wy sein,' 6i ibrast

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