SECURITY insight 6/11

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SECURITY insight 6/11

Im Fokus: Verkehr und LogistikIm Fokus: Verkehr und LogistikMit dem durch das Forschungsprojektidentifizierten Trend zur Identifikation von„gefährlichen Personen“ statt „gefährlichenWerkzeugen“ steigert sich dieseEntwicklung, der mit kritischer Reflektionund vorsichtiger Abwägung begegnetwerden sollte. Drittens tendiert die Diskussionum Sicherheitsmaßnahmen dazu,davon abzulenken, dass Sicherheitsmaßnahmenzwar offiziell der Risikominimierungdienen sollen, die Wahrnehmungeines Risikos allerdings je nach Individuumstark variieren kann.Risiken und Unsicherheiten sind nicht,wie politische Verantwortungsträgerund Massenmedien oftmals suggerieren,„objektiv“ existent. Vielmehr ist „Sicherheit“als „Erwartungssicherheit“ zubegreifen, also als Konstrukt, das kulturellgeprägt und sowohl subjekt- als auchsituationsabhängig ist. Genau deshalbirritiert die sich öffnende Schere zwischenerfahrener Bedrohung und etabliertenSicherheitsmaßnahmen. Geradeweil es in deutschen Flughäfen oder imZusammenhang mit deutschen Fluglinienseit über drei Jahrzehnten keinen terroristischenAnschlag gegeben hat, stelltsich die Frage, ob es nicht eher politischeErwägungen einer Selbstdarstellung als„starke Entscheider“ sind, die den Diskursüber Luftverkehrssicherheit bestimmenund zu einer prekären Sicherheitsspiraleführen, die die Grenzen des Nötigenin mancher Hinsicht zu überschreitendrohen.www.sira-security.deDie Autoren arbeiten an der Fakultätfür Staats- und Sozialwissenschaftender Universität der Bundeswehr in Münchenund kooperieren eng beim ProjektSIRA.Die Richtung macht den UnterschiedDer Flughafen Düsseldorf verfügt über spezielle Karusselltüren,die vom Gate zurück in den öffentlichen Bereich führenWer schon einmal geflogen ist, hatsie bereits passiert: die Sicherheitskontrollenam Flughafen. Die Checkssind für die Passagiere auf dem Wegzu ihrem Abfluggate bekanntlich unerlässlich.In Deutschland werden dieKontrollen von der Bundespolizei inZusammenarbeit mit privaten Sicherheits-Unternehmendurchgeführt. Füralle, die den Sicherheitsbereich wiederverlassen möchten – vielleicht,weil sie etwas vergessen haben –,gibt es am Düsseldorfer Flughafennun eine neue Sicherheitstüre von BoonEdam.Der Anbieter von Türsystemen undSicherheitszugängen hat auf Basis seinesModells Tourlock eine spezielle vierflügeligeSicherheitskarusselltür entwickelt.Erstmals installiert wurde sie im Herbstvergangenen Jahres auf dem FlughafenDüsseldorf. Sowohl Passagiere als auchFlughafenmitarbeiter können durch dieseKarusseltür den Sicherheitsbereich verlassenund befinden sich dann wieder imöffentlichen Bereich des Flughafens.In umgekehrte Richtung kann man dieTür natürlich nicht passieren. Und dieGefahr bei herkömmlichen Türen, nämlichdass jemand einen Gegenstandin dem Augenblick in den Sicherheitsbereichwirft, in dem sich die Türeöffnet, besteht in diesem Fall ebenfallsnicht. Nicht möglich ist darüber hinaus,blitzschnell etwas an der Tür zu befestigen,denn sie ist mit Anti-Haft-Farbebearbeitet.Ein Sensorsystem erkennt und verhindertunberechtigte Zutrittsversuche. Esdetektiert darüber hinaus Gegenstände,die größer sind als 3 x 3 x 3 Zentimeter,und blockiert, sobald jemand Gegenständedieser Ausmaße in die falscheRichtung schmuggeln möchte. KleinereDinge werden in eine Bodenboxbefördert. Die Tür blockiert so lange,bis das Sicherheitspersonal alles inAugenschein genommen hat.Auf diese Weise wird durch die Sicherheitskarusselltürenvon Boon Edam einsicherer und schneller Übergang in denöffentlichen Bereich garantiert.www.boonedam.deKraftakt für KraftstoffDer Dieselklau ist ein Metier mit Zuwachsraten und kommt Speditionen teuer zu stehen– doch sie können sich dagegen schützen„Zwischen Freitagabend und Samstag 18 Uhr wurden aus einem in der MetternicherStraße abgestellten Lkw 700 Liter Diesel entwendet. Zwei Tankschlösserder Lkw-Tanks waren aufgebrochen worden.“ Diese knappe Polizeimeldung vom23. Oktober ist ebenso lapidar wie alltäglich. Was sich hier in einem kleinen Ortunweit von Köln abgespielt hat, wiederholt sich tagtäglich – Spritdiebstahl. Esist vornehmlich Diesel-Treibstoff, der mehr und mehr zum Objekt der Begierdewird. Die Diebe sind dreist, verfügen über die entsprechende Ausrüstung – denn700 Liter Kraftstoff lassen sich kaum im einfachen Pkw abtransportieren – undmüssen nur ein geringes Entdeckungsrisiko in Kauf nehmen. Am Wochenendehaben sie ihre Haupteinsatzzeiten.Zur Schadenssumme des Treibstoff-Verlusts(im genannten Fall rund 1.000 Euro)kommen die meist noch höheren Kollateralschäden.Die Reparatur der zerstörtenTankdeckel und vor allem die damit verbundenenStillstandzeiten der Maschinen,vom Lkw über Bagger bis zum Radlader.Außerdem lassen die Spritdiebebeim Umfüllen des kostbaren Gutes nichtimmer Sorgfalt walten und nehmen dieKontaminierung des Erdreichs billigendin Kauf. Der Treibstoffdiebstahl ist alsoein weit größeres Problem, als es mitdem „Wiederbeschaffungswert“ (alsodem Spritpreis) zu beziffern wäre. Fachleuteschätzen, dass gegenwärtig rundzwei Prozent Dieselkraftstoff durch Diebstahlden Besitzer wechseln.Dieseldiebin flagrantiEin Fall aus der PraxisEs gibt eine zweite Seite: den Diebstahldurch den Fahrzeugführer selbst oderandere Mitarbeiter. Die Redaktion vonSECURITY insight hat sich einen Fallgenauer angesehen: Mitte des Jahresstellte eine Spedition mit Sitz im süddeutschenRaum fest, dass an einemTruck, der im südlichen Sachsen-Anhaltstationiert war, regelmäßig 800 Literund mehr aus dem Tank verschwanden.Wenn in der Zugmaschine die Zündungeingeschaltet war, ließ sich der Füllstanddes Tanks wie die anderen Datendes Fahrzeugs via Datenfernübertragungin der Firmenzentrale ablesen. So warunschwer festzustellen, dass das Fahrzeugzwischen Freitagabend und Montagfrühzwar nicht bewegt worden war,doch der Füllstandanzeiger für den Tankerhebliche Schwindsucht registrierte.Hatte sich der Fahrzeuglenker eine eigeneÖlquelle geschaffen oder hatten sichhier Langfinger mit einem Nachschlüsselans Werk gemacht?Die Spedition, bei der die Bedenkzeitschon mit einem Verlust von rund 8.000Liter Diesel zu Buche schlug, beauftragteschließlich eine Detektei mit der Observationdes Fahrzeugs. Ein teurer Spaß,wenn man kalkuliert, dass bei einemStundensatz von 50 Euro allein an den 60Stunden eines Wochenendes 3.000 Euroanfallen. Dabei war der Erfolg fraglich,denn es war nicht möglich, das Geländeohne aufwändigen Einsatz von Technikzweieinhalb Tage lang zu observieren,ohne dass die Spürnasen auffielen. Ständigwechselndes Personal zur Observationhätte die Kosten weiter in die Höhe34Security insight 6/2011 35

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