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'12JAHRESBERICHTMONITORINGDas eigene Tun ständig überprüfen> Seite 16ABC – 2015Eine neue Schule für Makefta > Seite 20LEBENSGRUNDLAGEN SICHERNAufforstung am Mount Kundudo> Seite 32


UNSERE VISIONUnsere Vision ist eine Welt, in der es die Spaltung in Arm und Reichnicht mehr gibt. In Äthiopien lebt dann auch die ländliche Bevölkerungunter menschenwürdigen und förderlichen Bedingungen. Armut undUnwissenheit gehören der Vergangenheit an. Hilfe von außen ist nichtmehr nötig.Die Menschen können vom Ertrag ihrer Böden und der eigenenHände Arbeit leben. Sie haben genug zu essen und sauberes Wasserzum Trinken. Ihre Kinder gehen zur Schule und erlernen Berufe.So wächst in den Familien das Wissen über die Zusammenhängeder Natur und des gesellschaftlichen Lebens. Wer krank ist, erhältmedizinische Hilfe, und alle haben Zugang zu Gesundheitsvorsorgeund -aufklärung.Alle, Kinder, Frauen und Männer, bringen ihre Fähigkeiten ein,um gemeinsam die Lebensbedingungen ihrer Gemeinde, ihrer Regionweiter zu verbessern. Selbstbewusst gehen sie neue Wege, um ihreZukunft zu sichern – und ihr Land, Äthiopien, voranzubringen.„Es gibt keine erste,zweite oder dritte Welt.Wir alle leben auf einund demselben Planeten,für den wir gemeinsamdie Verantwortungtragen.“„Es geht nicht darum,fertige Entwicklungskonzepteabzuliefern,sondern darum, gemeinsammit den Menschenvor Ort herauszufinden,was sie brauchen, damitsie sich aus eigenerKraft weiterentwickelnkönnen.“Karlheinz BöhmUNSERE MISSIONMenschen für Menschen will dazu beitragen, dass sich die Lebenssituationder Menschen im ländlichen Äthiopien nachhaltig verbessert.Wir folgen dabei dem Impuls unseres Gründers KarlheinzBöhm: Mit seinem Engagement in Äthiopien wollte er ein Zeichensetzen für die Überwindung der Ungerechtigkeit in der Welt.Die Kluft zwischen Arm und Reich lässt sich nicht durch Almosenbeseitigen. Stattdessen brauchen die Menschen unsere Partnerschaft.Unser Prinzip heißt deshalb: Hilfe zur Selbstentwicklung.Wir wollen die Bevölkerung im ländlichen Äthiopien befähigen,ihre Lebenssituation aus eigener Kraft zu verbessern – so weit, dasssie unsere Unterstützung in absehbarer Zeit nicht mehr braucht.Die Herausforderungen, die die Menschen in Äthiopien bewältigenmüssen, betreffen alle Lebensbereiche. Und sie sind eng miteinanderverzahnt. Deshalb verbinden wir im Rahmen Integrierterländlicher Projekte Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Agrarökologie,Wasser, Gesundheit, Frauenförderung, Infrastrukturund Soziales. Stets sind dabei die Bevölkerung und die zuständigenlokalen Behörden aktiv beteiligt.


3INHALTJAHRESBERICHT 2012EDITORIAL 4LEISTUNGSBILANZ 2012 5ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENWER WIR SIND UND WAS WIR TUN 6UNSERE ORGANISATION 10WIE WIR ENTWICKLUNGSPROJEKTE UMSETZEN 13UNSERE ÖFFENTLICHKEITSARBEIT IN DEUTSCHLAND 15MONITORINGDas eigene Tun zu überprüfen, ist eine ständige Aufgabe“ 16PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENMASSNAHMEN UND ERGEBNISSE 2012 18Bildung 20Landwirtschaft und Agrarökologie 22Wasserversorgung 24Gesundheit 26Frauenförderung 28Infrastruktur 30Soziales 31SCHWERPUNKTTHEMAAufforstung am Mount Kundudo 32FINANZBERICHTJAHRESABSCHLUSS 2012Bilanz 36Ergebnisrechnung 38Gedruckt auf ungebleichtemumweltfreundlichem PapierPLANUNG 2013Projektplanung 42Risiken 42Finanzplanung 43Ausblick 43


4EDITORIALJAHRESBERICHT 2012Liebe Freunde,326 Schulen hat Menschen für Menschen bis heute gebaut,29 davon wurden im Berichtsjahr fertiggestellt. Mit Ausgabenin Höhe von 9,9 Millionen Euro – über zwei Millionen mehr als2011 – stand der Bildungsbereich für uns damit auch 2012wieder an erster Stelle. Aus gutem Grund: Allein die 29 Schulneubautendes vergangenen Jahres bieten mehr als 39.000Jungen und Mädchen die Möglichkeit, sich Wissen anzueignenund später vielleicht einen Beruf zu erlernen. Damit haben siegute Chancen, einmal ein weniger entbehrungsreiches und abhängigesLeben zu führen als ihre Eltern.Diese Chancen wollen wir nicht nur einer Generation vonSchülern vermitteln, sondern möglichst vielen. Deshalb stellenwir an die Bauqualität unserer Schulen seit jeher hohe Ansprüche.Wir legen sie strikt auf Nachhaltigkeit aus: Die Gebäudesind solide konstruiert und aus haltbaren Materialien errichtet,sodass sie den teilweise extremen Witterungsbedingungen gutstandhalten und über Jahre genutzt werden können.Bildung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit und ein zentralerFaktor für den wirtschaftlichen und sozialen FortschrittÄthiopiens. Mit unserem Ansatz der Integrierten ländlichenEntwicklung setzen wir jedoch noch weit umfassendere Maßnahmenum. In den Bereichen Wasser, Landwirtschaft, Infrastruktur,Frauenförderung, Gesundheit und Soziales schaffenwir gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Basis für eineZukunft unabhängig von fremder Hilfe. Dabei sind die Einbindungder Bevölkerung und die Zusammenarbeit mit den lokalenBehörden wichtige Komponenten unserer Arbeit.Das Konzept der Integrierten ländlichen Entwicklungsprojekteerfordert eine langfristige praktische und finanzielle Planung.Für jedes Projekt schließt Menschen für Menschen mehrjährigeVerträge mit der äthiopischen Regierung ab. Deshalb mussauch die finanzielle Basis unserer Arbeit in Äthiopien dauerhaftgesichert sein. Nur so sind wir den Menschen dort ein zuverlässigerPartner. Aus diesem Grund investieren wir nicht alleGelder unmittelbar in unsere Projekte, sondern bilden Rücklagen.Auch hierbei geht es uns um Nachhaltigkeit.Bei meinen Besuchen in den Projektgebieten habe ich immerwieder gesehen, wie unsere Maßnahmen das Leben derMenschen verändern: Bauern, die vorher kaum ihre Familieernähren konnten, verkaufen Überschüsse auf dem Markt. VerödeteBöden sind wieder fruchtbar. Mädchen gehen zur Schuleund schmieden Berufspläne. Frauen entwickeln Geschäftsideenund schaffen sich eigene Einkommensquellen. Ich habe unzähligedieser Geschichten gehört und erlebt, wie die Menschenan Fähigkeiten und Selbstbewusstsein gewinnen, wenn sienicht mehr jeden Tag um das Nötigste zum Überleben kämpfenmüssen.Die fortlaufende Prüfung und Dokumentation von Einsatzund Ergebnis ist im Rahmen unserer Projekte seit jeher Standard.Darüber hinaus haben wir im Jahr 2012 noch einmalexterne Berater hinzugezogen und mit zusätzlichen Prüfungenbeauftragt. Aber der Leitgedanke der Nachhaltigkeit veranlassteuns im vergangenen Jahr auch, unser Monitoring weiter auszubauenund zu systematisieren. Auch die längerfristigen Fortschrittewollen wir künftig systematisch dokumentieren.So können wir unsere Arbeitsweise und die Ergebnisse fürunsere Spender und für die Öffentlichkeit noch nachvollziehbarermachen. Vor allem aber werden uns die Daten helfen,unsere Arbeit für die Menschen in Äthiopien noch effizienterund wirkungsvoller zu gestalten.IhreAlmaz BöhmVorstandsvorsitzende der Stiftung Menschen für Menschen


5KENNZAHLENJAHRESBERICHT 2012Leistungsbilanz 2012Während seiner über dreißigjährigen Tätigkeit in Äthiopien hat Menschen für Menschen die Arbeit in den Projektgebieten kontinuierlich erweitertund immer mehr Menschen ein besseres Leben ermöglicht. Die Entwicklung einiger zentraler Leistungskennzahlen der Integrierten ländlichenEntwicklungsprojekte veranschaulicht diesen Fortschritt.BAUMSETZLINGESetzlinge fürWiederaufforstungsowie ObstanbauWASSERSTELLENBrunnen und Quellfassungen,ausgebautmit Viehtränke,Waschplatz sowie teilweiseNachtspeicherbeckenund DuschenKLEINKREDITEAn Frauen vergebeneEinzelkrediteAUGEN-OPERATIONENVor allem Trachom-und Kataraktbehandlungzur Erhaltung desAugenlichtsSCHULEN*Grund-, Haupt- undweiterführende Schulenbis200785.825.000 1.240 11.056 37.833 1912008 +6.985.000 +93 +1.938 +2.710 +292009 +8.136.000 +110 +1.958 +2.640 +222010 +9.457.000 +77 +2.001 +1.075 +332011 +6.088.000 +105 +667 +2.347 +222012 + 10.755.300 +108 +700 +2.704 +29gesamt127.246.300 1.733 18.320 49.309 326* Für die Fortschritte im Bildungsbereich steht ebenso die stetig steigende Teilnehmerzahl der Alphabetisierungsprogramme.Mit 17.306 Teilnehmern im Berichtsjahr summierte sie sich auf insgesamt 248.102.


6ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012Wer wir sind und was wir tunDER GRÜNDERMenschen für Menschen wurde von KarlheinzBöhm ins Leben gerufen. Der Schauspieler, derin den fünfziger Jahren durch seine Rolle als KaiserFranz Joseph in der Filmtrilogie „Sissi“ berühmtgeworden war, brillierte später in Filmennamhafter Regisseure wie Rainer Werner Fassbindersowie als Darsteller an großen deutschsprachigenBühnen. Erschüttert von Berichtenüber die Hungerkatastrophe in der Sahel-Zone,nutzte Karlheinz Böhm 1981 seine Bekanntheit,um zu helfen: Seine legendäre Wette in der ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“ brachte 1,2 MillionenDM für die Menschen in Afrika ein. Im Oktober1981 flog Böhm erstmals nach Äthiopien. Am 13.November 1981 gründete er die Stiftung Menschenfür Menschen, die er bis 2011 leitete. Heuteist er Ehrenvorsitzender der Stiftung, an derenSpitze nun seine Frau, Almaz Böhm, steht. Siewurde im Herbst 2011 zur Vorsitzenden des Vorstandsberufen.DIE ZIELEZiel der Stiftung Menschen für Menschen ist es,die Menschen, die sie unterstützt, in einemüberschaubaren Zeitrahmen zu befähigen, ihreLebensumstände aus eigener Kraft weiter zu verbessern– bis eines Tages, so die Vision, Äthiopienkeine Hilfe von außen mehr benötigt. Zudiesem Zweck fördern wir – wie in der Satzungfestgelegt – die Entwicklungshilfe und die Völkerverständigung.Um dies der Satzung gemäß zu verwirklichen,führt Menschen für Menschen Soforthilfemaßnahmendurch und stellt Mittel für dieVerbesserung der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung,des vorschulischen und schulischenBildungswesens, der allgemeinen und beruflichenWeiterbildung, der medizinischen Versorgung,der Infrastruktur sowie der Land- und Viehwirtschaftbereit. Durch vielfältige Maßnahmen unterstützenwir zudem den Schutz der natürlichenRessourcen. Außerdem klären wir über die gesundheitlichenFolgen schädlicher Traditionenauf und fördern die Eindämmung von Seuchenund HIV / AIDS.Darüber hinaus betreibt Menschen für Menschengezielt Bewusstseinsbildung, um der Bevölkerungder Industrieländer die Notsituationder Menschen in armen Ländern nahezubringenund sie über die Arbeit der Stiftung in Äthiopienzu informieren. Medienarbeit, Veranstaltungenund öffentlichkeitswirksame Kampagnen sind dabeiunsere Instrumente.DIE STRATEGIEMenschen für Menschen will dauerhafte und tragfähigeVeränderungen anstoßen. Hierzu setzenwir auf das Prinzip der Integrierten ländlichenEntwicklungsprojekte. Gemeinsam mit der Bevölkerung,die einen hohen Anteil an Engagementund Arbeitseinsatz einbringt, werden verschiedene,für eine nachhaltige Entwicklung nötigeMaßnahmen angegangen und miteinander verzahnt:Straßen- und Brückenbau zur Anbindungentlegener Gegenden; Sicherung der Nahrungsversorgungdurch verbesserte Anbau- und Viehzuchtmethoden;Terrassierung und Aufforstunggegen die Bodenerosion; Bau von Brunnen, Quellfassungenund Wasserreservoiren zur Versorgungmit sauberem Trinkwasser; Schulen, Ausbildungszentrenund Schülerwohnheime gegen denBildungsnotstand; Krankenhäuser und Gesundheitsstationengegen die medizinische Unterversorgung;Weiterbildungsprogramme und Aufklärungfür die Besserstellung der Frauen.Daneben leisten wir auch kurzfristige Nothilfe,etwa bei Hungersnöten. Um sicherzustellen,dass die Hilfe ankommt, führen wir Nothilfemaßnahmengrundsätzlich nur mit eigenen Mitarbeiterndurch. Zudem muss gewährleistet sein, dasswir unsere eigene Logistik und Infrastruktur zurVerteilung der Hilfsgüter nutzen können. Auchden Einkauf von Hilfsgütern übernehmen wirstets selbst.


7ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012GambellaSüd-SudanBenishangulGumuzDaleWaberaMettuABCHNonoSelleIllubaborSouthernNationsGindeBeretTigrayAmharaWogdiDerraDanoBorechaBorenaAbuneGindeBeretMeitschauAddisAbebaAB CMiddaMerhabeteAsagirtHagereMariamOromiaAfarDire DawaHarariATTCHararBabileinkl. Erer-TalInfrastrukturprojekteGebiete, in denen Menschenfür Menschen derzeit einzelneoder mehrere Infrastrukturprojektedurch führt:A LegehidaB JammaC Wore IluEinzelprojekteOrte, an denen Menschenfür Menschen längerfristigeEinzelprojekte durchführt:Abdii Borii Children’s Home(Mettu), Agro Technical andTechnology College (Harar)Integrierte ländlicheEntwicklungsprojekteIllubabor 35.000 km 2Midda 900 km 2Babile 3.500 km 2Asagirt 437 km 2Borecha 960 km 2Hagere Mariam 752 km 2Borena 980 km 2Ginde Beret 1.200 km 2Abune Ginde Beret 1'360 km² Ab 2013 geplante EntwicklungsprojekteDale Wabera 1.131 km²Dano659 km²Wogdi 1.122 km²An die Bevölkerungübergebene EntwicklungsprojekteMerhabete 1.210 km 2Derra 1.500 km 2Nono Selle 2.000 km 2


8ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012NACHHALTIGKEIT ALS LEITPRINZIPAlle Maßnahmen von Menschen für Menschenorientieren sich an der Maßgabe, Hilfe zur Selbstentwicklungzu leisten und so zur nachhaltigenEntwicklung der jeweiligen Region beizutragen.Das heißt: Alle Projekte und erzielten Fortschrittemüssen fundiert und auf Dauer angelegt sein. Sowird sichergestellt, dass sie auch nach unseremRückzug aus dem betreffenden Gebiet fortbestehenbeziehungsweise von der Bevölkerung undden Behörden weitergeführt werden können.Um diese Maßgabe zu verwirklichen, habenwir 2012 unsere Grundsätze und die Voraussetzungenfür Nachhaltigkeit in einem Leitfadenzusammengefasst. Die „General Guiding Principlesfor Sustainability“ enthalten Richtlinien zu13 Handlungsfeldern. Sie stehen in Einklang mitden drei zentralen Grundsätzen, die seit jeher fürdie Arbeit von Menschen für Menschen gelten:• PARTIZIPATION:DIE BEVÖLKERUNG BETEILIGEN, DASVERANTWORTUNGSGEFÜHL STÄRKENFür alle unsere Maßnahmen gilt: Sie müssensowohl dem Einzelnen als auch der betreffendenGemeinde einen klaren und gewünschtenNutzen bringen. Nur dann werdendie Menschen ein Gefühl der Verantwortungfür das gemeinsame Projekt entwickeln.Um dies zu fördern, beziehen wir stetsalle Interessengruppen (Stakeholder) mitein. Dazu gehören neben den Mitgliedern derGemeinde etwa auch lokale und regionaleBehörden, Religionsführer oder der Ältestenrat.Sie alle wirken an der Planung undUmsetzung unserer Maßnahmen mit. Daskann auf unterschiedliche Weise geschehen– von der Abstimmung bei einem Gemeindetreffenüber den praktischen Arbeitseinsatzbis hin zur finanziellen Beteiligung an einemProjekt.• UNABHÄNGIGKEIT:INFRASTRUKTUR IN LOKALE VERANT-WORTUNG ÜBERGEBENEinrichtungen wie Schulen, Gesundheitsstationenoder Wasserstellen sind zentral fürdie Entwicklung im ländlichen Äthiopien. Siegehören deshalb in den Besitz der Gemeinden,die sie nutzen, und sollten von diesenbetrieben werden. Andernfalls gerieten dieMenschen in eine dauerhafte Abhängigkeitvon externen Eignern und Betreibern dieserInfrastruktureinrichtungen. FertiggestellteBrunnen, Schulen oder Gesundheitsstationenübergeben wir deshalb seit jeheran die lokalen Behörden. Diese haben dieVerantwortung, sie zu erhalten und weiterzubetreiben.• DIALOG AUF AUGENHÖHE:OFFEN INFORMIEREN, DEN MENSCHENZUHÖREN, IM AUSTAUSCH BLEIBEN Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeitund das Engagement aller Beteiligten. Menschenfür Menschen begleitet die Bevölkerungund die lokalen Verantwortlichen daherstets über einen Zeitraum von mehrerenJahren. Von Anfang an informieren wir dieMenschen darüber, dass es nach dieser Zeitin ihrer Verantwortung liegen wird, das Erreichtefortzuführen. Während der Projektarbeittauschen wir uns kontinuierlich mit denMenschen aus und gehen auf ihre Anfragenund Bedürfnisse ein.


9ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012


10ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012Unsere OrganisationStiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms ÄthiopienhilfeSTIFTUNG MENSCHEN FÜR MENSCHEN – KARLHEINZ BÖHMS ÄTHIOPIENHILFEStiftung Menschen für MenschenDeutschlandSitz: MünchenStiftung Menschen für MenschenSchweiz und LiechtensteinSitz: ZürichVerein Menschen für MenschenÖsterreichSitz: WienMenschen für Menschen V. o.G.BelgienSitz: EupenStiftungsratVorsitzender: Dr. Reinhard HinneStiftungsratPräsidentin: Almaz BöhmGeneralversammlungVerwaltungsratPräsidentin: Bernadette HüwelsKuratoriumStiftungsvorstandVorsitzende: Almaz BöhmGeschäftsführungJosefine KammVereinsvorstandVorsitzende: Almaz BöhmGeschäftsführungAxel Haasis*GeschäftsführungRupert Weber* Ab 02.04.2013Geschäftsführung Ralph KochPCO – Project Coordination Office ÄthiopienSitz: Addis AbebaLandesrepräsentant: Berhanu NegussieIllubaborMiddaBabileAsagirtBorechaNono Selle*Hagere MariamBorenaGinde BeretAbune Ginde BeretATTCAbdii BoriiIntegrated RuralDevelopmentProjectProject Manager:Yeshimabet TeferiIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:WossenyelewemMengistuIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Esrael AsfawIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Demere AnnoIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Ayalew KibretIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Belete Abdi*Das Projektwurde Ende 2012abgeschlossenIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Demere AnnoIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Adane NigusIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Berhanu BedassaIntegrated RuralDevelopment ProjectProject Manager:Berhanu BedassaAgroTechnical andTechnology CollegeDirector: MuzeyenAhmedChildrens HomeProject Manager:Mulatu SisayEHRENVORSITZENDER (D/A) / EHRENPRÄSIDENT (CH): DR. H.C. MULT. KARLHEINZ BÖHM, SEIT NOVEMBER 2011Menschen für Menschen ist politisch und konfessionellneutral und wirtschaftlich unabhängig. InDeutschland gegründet, hat die Hilfsorganisationihre Verwaltungsbasis stetig erweitert und internationalisiert.Über Deutschland, Österreich unddie Schweiz hinaus sind wir heute auch in Belgienmit einer eigenständigen Organisation vertreten.Die vier Landesorganisationen sammeln unabhängigvoneinander Spenden und betreiben Informations-und Öffentlichkeitsarbeit im eigenenLand. In die Projektarbeit in Äthiopien fließenMittel aus allen vier Ländern. Dabei werden dieeinzelnen Projektgebiete jeweils ganz oder überwiegendvon einer der Landesorganisationenfinanziert. Das zentrale Projekt-Koordinationsbüroin Addis Abeba koordiniert alle Maßnahmenin den Projektregionen, setzt sie um und überwachtsie.Die Zentrale der deutschen Stiftung Menschenfür Menschen befindet sich in München.Dort arbeiten 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin der Spendenverwaltung, im Einkauf und in derLogistik, in der Buchhaltung und in der Informations-und Öffentlichkeitsarbeit. In Äthiopien beschäftigenwir 737 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,von denen nur fünf nicht aus dem Land selbststammen.In Deutschland unterstützen zusätzlich rund600 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterunsere Aktivitäten. Nur so gelingt es, beigeringem Aufwand für Verwaltung und Spendenwerbungein Maximum an Hilfe für die Menschenin Äthiopien zu erreichen.


11ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012ORGANISATIONSSTRUKTURENDie Organe der Stiftung Menschen für MenschenDeutschland sind der Stiftungsvorstand und derStiftungsrat. Hinzu kommt das Kuratorium alsberatende Instanz.DER STIFTUNGSVORSTAND führt gemeinsammit dem Geschäftsführer die Geschäfte, verwaltetdas Stiftungsvermögen und sorgt dafür, dass dieAufgaben der Stiftung so wirksam wie möglicherfüllt werden. Dem Vorstand gehören fünf Mitgliederan, die vom Stifter bestimmt wurden.Neue Mitglieder werden vom Vorstand gewählt(Kooptation). Ihre Bestellung bedarf der Zustimmungdes Stiftungsrats.Die Mitglieder des Vorstands sind ehrenamtlichtätig. Lediglich die Vorstandsvorsitzende, diein Vollzeit tätig ist, bezieht ein Gehalt, das insbesonderedie Projektarbeit in Äthiopien vergütet.Übernachtungs- und Fahrtkosten (2. Klasse / EconomyClass), die im Rahmen der Tätigkeit imStiftungsvorstand anfallen, werden den Vorstandsmitgliedernzum Teil erstattet.Vorstandsmitglieder: Almaz Böhm (Vorsitzende),Dr. Peter Hanser-Strecker (stellvertretenderVorsitzender), Dr. Martin Hintermayer,Hermann Orgeldinger. Dr. h.c. Karlheinz Böhm istEhrenvorsitzender der Stiftung.DER STIFTUNGSRAT wacht darüber, dass dieStiftung dem Willen des Gründers entsprechendhandelt, und berät den Vorstand in allen grundsätzlichenAngelegenheiten. Er setzt sich aussechs Mitgliedern zusammen, die vom Gründerernannt wurden. Neue Ratsmitglieder werdendurch Zuwahl (Kooptation) bestimmt. Über dieErnennung des Vorsitzenden und dessen Vertreterentscheiden die Ratsmitglieder. Die Mitgliederdes Stiftungsrats sind ehrenamtlich tätig. Übernachtungs-und Fahrtkosten (2. Klasse / Economy-Class),die im Rahmen der Tätigkeit im Stiftungsratanfallen, werden den Ratsmitgliedernzum Teil erstattet.Mitglieder des Stiftungsrats: Dr. ReinhardHinne (Vorsitzender), Joachim Gröger (stellvertretenderVorsitzender), Heide Dorfmüller, DietmarKrieger, Vera Reuter, Peter Spiegel.DAS KURATORIUM wurde vom Stiftungsrat eingerichtet.Es berät den Stiftungsvorstand und denStiftungsrat in Grundsatzfragen der Umsetzungder Stiftungszwecke. Es stellt zudem Kontakteher und bemüht sich um Spenden und Zustiftungen.Dem Kuratorium gehören zurzeit elf Mitgliederan, die jeweils für fünf Jahre vom Stiftungsratberufen wurden. Eine erneute Berufungist zulässig. Die Mitglieder des Kuratoriums sindehrenamtlich tätig.Mitglieder des Kuratoriums: Ralf Bos, Prof.Dr. Geza Csomos, Dr. Roland Folz, Erich Jeske,Sara Nuru, Isolde Reiher, Prof. Dr. MatthiasSiebeck, Christian Ude, Helga Weygandt, EckartWitzigmann, Dennenesch Zoudé.DER GESCHÄFTSFÜHRER wird – wie auch seinStellvertreter – vom Vorstand bestimmt. Er führtgemeinsam mit dem Vorstand die laufenden Geschäfteim Inland und die Korrespondenzen.Außerdem ist er dafür verantwortlich, dass dieInteressen der Stiftung gewahrt und die Stiftungsmittelsatzungsgemäß verwendet werden.Der Geschäftsführer ist hauptamtlich tätig.


12ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012TRANSPARENZIm Jahr 2009 würdigte die WirtschaftsprüfungsgesellschaftPricewaterhouseCoopersMenschen für Menschen für seine vorbildlicheSpendentransparenz und Berichterstattung:Unser Jahresbericht 2008 belegtebeim Transparenzpreis 2009 den drittenPlatz. Beim Transparenzpreis 2012 erreichteder Jahresbericht 2011 der Stiftung nacheinem veränderten Bewertungsschema91 von 100 Punkten. Damit zählen wir weiterzu den transparentesten Hilfsorganisationenin Deutschland.Auf Initiative von TransparencyDeutschland e.V. haben Akteure ausZivilgesellschaft und Wissenschaft zehnPunkte definiert, die jede gemeinnützigeOrganisation der Öffentlichkeit zugänglichmachen sollte. Insbesondere geht es darum,welche Ziele die Organisation verfolgt,woher die Mittel stammen, wie sie verwendetwerden und wer darüber entscheidet.Menschen für Menschen ist Unterzeichnerder Initiative Transparente Zivilgesellschaftund veröffentlicht alle geforderten Informationenauf seiner Website.Transparente Informationen finden Sieauch auf unserer Website:SYSTEMATISCHE KONTROLLEAlle Ausgaben der Stiftung werden durch mehrereInstanzen geprüft und genehmigt, bevor sieumgesetzt werden. Neben den Projektleitern sindder Projektkoordinator und der Landesrepräsentantsowie Almaz Böhm regelmäßig in den Projektgebietenunterwegs, um die Verwendung derMittel zu überprüfen. Außerdem besuchen unsereControlling-Mitarbeiter die Projektgebiete. Sieprüfen vor allem die Kassen, die Lagerbeständeund den Treibstoffverbrauch. Daneben begutachtensie die Fortschritte auf den Baustellen. DieAbteilungsleiter in den Projektgebieten berichtenden Projektleitern. Die Projektleiter berichten inQuartalsberichten dem Landesrepräsentantensowie den äthiopischen Behörden. Letztere prüfendie Berichtsangaben regelmäßig in den Projektgebietenauf Übereinstimmung mit der umgesetztenArbeit.UNABHÄNGIGE PRÜFUNGUnsere Rechnungslegung lassen wir alljährlichvon einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer kontrollieren.Der Prüfbericht wird dem Stiftungsvorstand,dem Stiftungsrat und dem Kuratoriumvorgelegt. Für die Jahresrechnung 2012 habenwir einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerkerhalten. Überdies kontrollieren externeWirtschaftsprüfer die Ausgaben in Äthiopien sowiedie dazugehörigen Belege und vergleichen siestichprobenweise mit der umgesetzten Arbeit.Über die Befunde berichten sie direkt an die Stiftungsvorsitzende.Darüber hinaus unterziehtsich Menschen für Menschenjedes Jahr der Prüfung durchdas Deutsche Zentralinstitut fürsoziale Fragen (DZI). Auch2012 haben wir wieder dasSpenden-Siegel des DZI erhalten,das uns seit der Einführung 1992 alljährlichzuerkannt wurde. Der Prüfbericht des DZI bestätigt,dass Menschen für Menschen die Verwaltungskostenniedrig hält und Spenden zweckgerichtetund sparsam einsetzt.Daneben prüft die Regierung von Oberbayernregelmäßig den Jahresabschluss der Stiftungsowie die Protokolle der Stiftungsratssitzungenauf Einhaltung der Maßgaben des BayerischenStiftungsgesetzes.ZUSAMMENARBEIT MIT ANDERENORGANISATIONENSchon seit der Gründung bewahrt sich Menschenfür Menschen ein hohes Maß an Eigenständigkeit,um effizient und wirkungsvoll arbeiten zukönnen. Wir kooperieren nur dort mit anderenOrganisationen, wo sich aus der Zusammenarbeitein klarer Mehrnutzen für die Bevölkerungder Projektregionen ergibt. Die Kooperationenbeziehen sich hauptsächlich auf den Austauschvon Know-how sowie die finanzielle Förderung.So ist das Bundesministerium für wirtschaftlicheZusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein bedeutenderPartner der Stiftung. Es finanziert Projektemit und begleitet sie auch inhaltlich.Ein weiterer wichtiger Partner ist das CarterCenter. Mit der vom ehemaligen US-PräsidentenJimmy Carter gegründeten Stiftung arbeiten wirbei der Bekämpfung des Trachoms zusammen.Das Carter Center führt seit sieben Jahren in Äthiopienerfolgreich Kampagnen gegen die Augenentzündungsowie gegen Malaria durch. Auch dieInternational Trachoma Initiative ist unser Partnerbei der Eindämmung des Trachoms.Im Bildungsbereich haben wir 2010 eineKooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) begonnen. Die Hochschule unterstütztdas Agro Technical and Technology College(ATTC) in Harar insbesondere bei der Fortbildungseines Lehrpersonals. Außerdem ermöglicht dieZusammenarbeit wechselseitige Praxisaufenthalte.In der Öffentlichkeitsarbeit geht Menschenfür Menschen Kooperationen mit Kommunen,Medienpartnern und Unternehmen ein. Ein wichtigesAnliegen ist uns darüber hinaus die Bewusstseinsbildungjunger Menschen. Hier setzenwir auf kompetente Partner wie das Bundes-ministerium für Bildung und Forschung (BMBF).Dieses unterstützt den Jugendwettbewerb GenerationABC – 2015.


13ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012Wie wir Entwicklungsprojekte umsetzenHERANGEHENSWEISEUm mit begrenzten Mitteln möglichst viel zu erreichen,plant Menschen für Menschen jedesProjekt sehr sorgfältig. Ausgangspunkt sind stetsdie konkreten lokalen Bedürfnisse, die im Austauschmit der Bevölkerung ermittelt werden. Dadie verschiedenen vorgefundenen Probleme inder Regel miteinander verwoben sind, ist es seltensinnvoll, einzelne Missstände isoliert zu bekämpfen.Wir verfolgen deshalb einen ganzheitlichenAnsatz und planen unsere Projekte auflange Sicht.In allen Projektregionen beteiligen wir dieBevölkerung aktiv an der Projektarbeit. Einzelprojektewie der Bau einer Gesundheitsstation, dasAnlegen von Erdterrassen oder die Vergabe vonKleinkrediten sind in der Regel Teil eines langfristigausgerichteten Integrierten Entwicklungsprojekts.So festigt sich über die Jahre eine partnerschaftlicheZusammenarbeit. Auf dieser Basiskann das wichtigste Projektziel erreicht werden:Die Bevölkerung und die lokalen Behörden nehmendie Entwicklung ihrer Region Schritt fürSchritt selbst in die Hand – so lange, bis wir unszurückziehen und das Projekt in die Selbstständigkeitentlassen können.Auch nach der Übergabe eines Projekts andie Bevölkerung und die lokalen Behörden bleibenwir für die Menschen ansprechbar. Regelmäßigbesuchen Mitarbeiter von Menschen fürMenschen das ehemalige Projektgebiet undbieten Beratung an. In Ausnahmefällen sind auchtechnische Investitionen möglich. Auf dieseWeise sichern wir den dauerhaften Erfolg unsererProjekte.PROJEKTABLAUFJedes unserer Integrierten Entwicklungsprojekteverläuft in sechs Etappen, die sich insgesamtüber etwa 15 Jahre erstrecken:1. WAHL DES PROJEKTGEBIETS: Die Initiativefür ein neues Projekt geht stets von der lokalenBevölkerung aus. Vertreter bedürftiger Regionenvermitteln Anfragen an Menschen für Menschen.Daraufhin verschaffen sich unsere Mitarbeiter imRahmen einer Überblicksstudie (PreliminaryStudy) einen ersten Eindruck von der Situationvor Ort. Auf Basis der Studie entscheiden sie, woder Bedarf am größten ist und die Probleme amdrängendsten sind.2. PLANUNG: Ist die Entscheidung für ein Entwicklungsprojektgefallen, erarbeiten unsere Expertengemeinsam mit der lokalen Bevölkerungeine genaue Bedarfsanalyse und auf dieser Basiseinen Projektplan. Beides, Analyse und Plan, werdenin unserer Zentrale in Addis Abeba geprüftund genehmigt. Daraufhin beschließen der Vorstandund der Stiftungsrat die Finanzierung desProjekts. Schließlich wird ein Rahmenvertrag mitäthiopischen Regierungsstellen unterzeichnet.3. IMPLEMENTIERUNG: Die Umsetzung desProjektplans erfolgt in drei Projektphasen, für diejeweils ein Drei- oder Fünfjahresvertrag mit denäthiopischen Behörden abgeschlossen wird. Jederdieser Verträge legt Ziele, Maßnahmen undZuständigkeiten fest.4. ZWISCHEN-EVALUIERUNG: Neben dem laufendenMonitoring durch unsere Mitarbeiter führendie äthiopischen Behörden und in jüngerenProjektregionen auch wir selbst eine Zwischen-Evaluierung durch. Die Ergebnisse des Monitoringsund der Zwischen-Evaluierung sind Grundlagefür die Festlegungen in den Projektverträgen.5. PHASE-OUT: Ist ein Integriertes Entwicklungsprojektso weit fortgeschritten, dass diegesteckten Ziele erreicht und die Menschen in derLage sind, den begonnenen Weg eigenständigfortzusetzen, ziehen wir uns Schritt für Schrittaus der Region zurück.6. POST-PHASE-OUT-EVALUIERUNG: Nachvollständigem Abschluss des Projekts ermittelnwir im Rahmen einer umfassenden empirischenStudie, wie wirkungsvoll unsere Arbeit war undinwieweit ihre Ergebnisse nachhaltig sind. DieUntersuchung wird von unabhängigen Fachleutendurchgeführt und nach einigen Jahren wiederholt.


14ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012PROJEKTMANAGEMENTUND QUALITÄTSSICHERUNGBei der Projektarbeit legt Menschen für Menschengrößten Wert auf Transparenz und Effizienz.Für jede der drei Implementierungsphasenlegen wir Projektumfang, Ziele, Maßnahmen undZuständigkeiten genau fest. Auch stellen wir sicher,dass jeder einzelne Schritt nachvollziehbarist. Damit die eingesetzten Spendengelder dengrößtmöglichen Nutzen für die Bevölkerung einerProjektregion bringen, wird der Projektverlaufsystematisch dokumentiert und kontrolliert, derEinsatz von Personal und Projektmitteln laufendüberprüft. Zuständig hierfür ist zum einen dasProjektmanagement in den Regionen, das alleMaßnahmen detailliert plant und sie durch Fachkräftebegleiten und kontrollieren lässt. Zum anderenliegt die Verantwortung bei Fachleuten unseresKoordinierungsbüros in Addis Abeba. Dieseslegt dem Vorstand der Stiftung turnusmäßigeinen Jahresbericht vor, in dem für jedes Projektdetailliert Bilanz gezogen wird.Um zu gewährleisten, dass in allen Projektgebietendie Techniken und Vorgehensweiseneingesetzt werden, die sich nach aktueller Kenntnisam besten bewährt haben, tauschen sich dieVerantwortlichen der verschiedenen Regionenregelmäßig untereinander aus. Das geschiehtzum Beispiel anlässlich des zweimal im Jahrstattfindenden Reviews, zu dem sich alle Projektmanagerin der Zentrale von Menschen für Menschenin Addis Abeba treffen. Hier sprechen sieüber praktische Herausforderungen, lösen Problemeund diskutieren Verbesserungen. Auf dieseWeise hat sich zum Beispiel der im ProjektgebietMidda erprobte „Village Approach“ in vielen Projektgebietendurchgesetzt: Alle geplanten Aktivitätenwerden jeweils für eine Siedlungseinheit(Village) gleichzeitig im Paket durchgeführt. Soarbeitet man sich in den ausgedehnten Streusiedlungenvon Dorf zu Dorf voran. Auf diese Weiselassen sich Kapazitäten besser organisieren undeffizienter nutzen. Außerdem erlebt die Bevölkerungso von Anfang an, wie unterschiedlicheMaßnahmen zusammenwirken und sich dadurchschon in recht kurzer Zeit ihre Lebensumständeverbessern.LEISTUNGS- UND WIRKUNGSMESSUNGWirkungsebene Maßnahmen angewandt fürOutputMONITORING• Wöchentlich bzw. 14-tägig Meetings der Projektbüros vor Ort:Prüfung und Anpassung der Arbeitspläne, oft unterEinbeziehung aktueller Hinweise der Begünstigten.• Vierteljährlicher Review der Projektmitarbeiter und Leiter;Bericht geht an die Zentrale in Addis Abeba (PCO) sowie anäthiopische Behörden /gelegentlich Kontrollbesuche vonBehördenvertretern (Zonal Offices).• Halbjährlicher Review der Projektleiter mit detailliertem Bericht,der vom PCO geprüft und mit den Projektleitern besprochenwird; daraufhin ggf. Empfehlungen für Änderungen amJahresplan.• Mehrmals jährlich Besuche der Projektkoordinatoren des PCOin den Projektgebieten zur Leistungsüberprüfung.• Dokumentation individueller Erfahrungsberichte Begünstigter,um Veränderungen der Lebensbedingungen zu belegen.• Regelmäßiges Finanz-Controlling; Besuche der Buchprüfer desPCO vor Ort.Outcome • Monitoring generell im Aufbau.• Kriterien zur Wirkungsmessung definiert; teilweise bereitsHaushaltsbefragungen durchgeführt.Impact • Livelihood Asset Status Tracking (LAST); basiert auf regelmäßigenHaushaltsbefragungen.• Geplant: Jährliches Participatory Impact Assessment: wiederkehrendeBefragung Begünstigter; Jahr für Jahr werdenAntworten zu denselben Fragen verglichen.Siehe auch Seite 16 /17EVALUIERUNG• Zwischen- und Schlussevaluierung durch äthiopischeRegierungsbehörden; Ergebnisse sind Voraussetzung undGrundlage für die Verlängerung der Projektverträge.• Evaluierung durch von Menschen für Menschen beauftragteunabhängige Experten (jeweils ein internationaler und einlokaler äthiopischer Fachmann) fand bisher nach Projektabschluss(Post-Phase-out Evaluation) statt. In Zukunftregelmäßig am Ende einer Projektphase bzw. nach der Hälfteder Vertragslaufzeit.alle laufendenProjekteMehrzahl der laufendenProjektealle laufendenProjektealle laufendenProjektealle Projektealle laufendenProjektealle laufendenProjekteeinzelne jüngereProjekteeinzelne Projektealle Projektealle laufendenProjektealle Projekte


15ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012Unsere Öffentlichkeitsarbeit in DeutschlandMit unserer Informations- und Öffentlichkeitsarbeitwollen wir in wohlhabendenLändern wie Deutschland das Bewusstseinfür die Not in Äthiopien schärfen unddie Menschen dazu bewegen, zu spendenoder sich persönlich einzusetzen – fürÄthiopien und für eine gerechtere Welt.Täglich bringen die Medien Nachrichten aus allenKontinenten. Doch die Flut der Bilder und Berichteführt nicht ohne Weiteres zu größerer Informiertheit.Menschen für Menschen will Hintergründeund Zusammenhänge beleuchten und bei der Bevölkerungin Deutschland das Bewusstsein für dieVerantwortung gegenüber ärmeren Ländern wieÄthiopien wecken. Zugleich wollen wir deutlichmachen, über welches Potenzial diese Länderverfügen – auch und gerade dies ist Zweck unsererKommunikationsaktivitäten.Ob wir in Pressemitteilungen auf Themenund Ereignisse hinweisen, junge Menschen überdie Jugendwebsite www.ichwillgerechtigkeit.dezum Nachdenken anregen oder Spender und Förderermit dem NAGAYA MAGAZIN über Fortschrittein unseren Projektgebieten informieren– immer geht es darum, Zusammenhänge undEntwicklungen verständlich zu machen. Auch dieWebsite www.menschenfuermenschen.de verfolgtdieses Ziel, ebenso wie Journalistenreisen indie Projektgebiete, die wir regelmäßig organisieren.Letztere sind für uns zudem ein Weg, überdie Aktivitäten in Äthiopien Rechenschaft abzulegen:Die Medienvertreter können sich vor Ortselbst ein Bild machen und ihren Lesern darüberberichten.Bei der Spendenwerbung setzen wir ausschließlichseriöse und nachweislich wirksameMittel ein. Dazu gehören beispielsweise Mailings,Veranstaltungen und Aktionen mit Partnern wieder Initiative „Spitzenköche für Afrika“. Kosten-effizienz, Transparenz und der Schutz der Spenderdatensind dabei wichtige Grundsätze.Unsere Richtlinien zu Spendenwerbung undBewusstseinsbildung sind abrufbar unter:www.menschenfuermenschen.deBEISPIELE UNSERER AKTIVITÄTENIM JAHR 2012SCHÜLER FÜR SCHÜLER. Im Rahmen des Projekts„Generation ABC – 2015“ sammeltenSchülerinnen und Schüler in ganz Deutschlandinsgesamt 290.000 Euro für den Bau der HigherPrimary School in Degele. Im Juli 2012konnte Menschen für Menschen-BotschafterinSara Nuru die neue Schule eröffnen. „GenerationABC – 2015“ aber geht weiter: Jetzt sammelndie Jungen und Mädchen für den Baueiner Schule in Gefre Guda.Menschen für Menschen-Botschafterin Sara Nuru weiht die neue Schule in Degele ein.BOTSCHAFTERIN FÜR ÄTHIOPIEN. Im Augustund September besuchte Sara Nuru acht deutscheStädte. Im Rahmen einer gut besuchtenVortragsreihe sprach sie vor Schülern und Studentenüber die Situation in Äthiopien und dieArbeit von Menschen für Menschen.KULINARISCHER KICK. In der Aktion „Spitzenköchefür Afrika“ engagieren sich Köche ausganz Deutschland. Im Mai 2012 taten sie diesnicht wie gewohnt am Herd, sondern auf demFußballplatz. Bei einem Benefizspiel traf die„Deutsche Fußballmannschaft der Spitzenköche& Restaurateure“ auf die Traditionself desTSV 1860 München, die als verdienter Siegervom Feld ging. Gewonnen haben aber auch dieKinder in Äthiopien: Der Erlös des Spiels, 13.410Euro, kommt dem Bildungsprogramm ABC – 2015zugute.PRESSEGESPRÄCH IN HAMBURGIm März 2012 informierte Almaz Böhm im Rahmeneines Pressegesprächs in Hamburg überdie Aktivitäten der Stiftung und die Situation inÄthiopien. Vor acht Medienvertretern erläuterte siedie Ziele und Schwerpunkte der Arbeit in den Projektgebietenund zog eine Zwischenbilanz für dasBildungsprogramm ABC – 2015.EIN JAHR STÄDTEWETTE. Bei der Städtewettezum 30-jährigen Jubiläum von Menschen fürMenschen hatten im Jahr 2011 Bürger 24deutscher Städte rund drei Millionen Euro gespendet.Im Oktober 2012 konnte Menschenfür Menschen die erste der 14 durch die Städtewettefinanzierten Schulen ihrer Bestimmungübergeben. An der feierlichen Eröffnungder Higher Primary School in Anano Mitae imDistrikt Jarso, etwa 600 Kilometer östlich vonAddis Abeba, nahmen neben 1.000 Schulkindernauch der TV-Koch Mike Süsser, Wettpateder Stadt Kiel, und der Bürgermeister derStadt Pfaffenhofen, Thomas Herker, teil.


16ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012„Das eigene Tun zu überprüfen,ist eine ständige Aufgabe“Eine vielfältige Kontrolle der geleistetenMaßnahmen sichert bei Menschenfür Menschen, dass die Gelder effizienteingesetzt werden. In Addis Abebaarbeitet eine Arbeitsgruppe aus äthiopischenund deutschen Mitarbeitern aneiner weiteren Vertiefung des Monitoringsystems:Zusätzlich wird künftig dieWirkung der Maßnahmen laufend gemessenund überprüft.„Ländliche Entwicklungsarbeit ist so vielfältig,dass das Wissen vieler Fachleute zusammenfließenmuss“, sagt Yilma Taye, stellvertretenderProjektkoordinator im Büro von Menschen fürMenschen in Addis Abeba. In der Arbeitsgruppekommen deshalb die verschiedensten Disziplinenzusammen: Yilma Taye ist Agraringenieur. BenjaminFreiberg, Koordinator für Bildungsprojekteund Monitoring, ist Ökonom. Programm-KoordinatorinBahritu Seyoum konzentrierte sich in ihrerakademischen Ausbildung auf Statistik. UndAgrarwissenschaftlerin Sigrid Janssen ist Fachfraufür Ressourcenmanagement. Die Entwicklungsexpertenhaben die Aufgabe, das Monitoringinnerhalb der Organisation weiter zu systematisieren.Die Überwachung der eigenen Arbeit sei ausmehreren Gründen wichtig, betont Benjamin Freiberg.Das Monitoring sorge für Transparenz: „Wirkönnen so Rechenschaft ablegen gegenüber denSpendern und institutionellen Geldgebern wiedem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeitund Entwicklung.“ Daneben erfahredie Organisation, „ob wir unsere Ziele tatsächlicherreichen, oder ob wir unsere Maßnahmenanpassen und weiter verbessern können“.Somit wird Monitoring zu einem wichtigen Instrumentder Nachhaltigkeit, sagt Sigrid Janssen:„Wir sichern, dass die Ergebnisse unserer Arbeitauch noch wirken, wenn wir uns aus einem Gebietzurückziehen.“Das eigene Tun zu überprüfen, sei seit derGründung im Jahr 1981 ein integraler Bestandteilder Arbeit der Äthiopienhilfe. „Unsere DevelopmentAgents und Sozialarbeiterinnen in den Dörfernhaben detaillierte Arbeitspläne, verbundenmit Terminen, wann die Maßnahmen umgesetztsein müssen“, sagt Yilma Taye. „In wöchentlichenoder zweiwöchentlichen Treffen besprechen sieihre Fortschritte mit den Vorgesetzten in den Projektbüros.“In vierteljährlichen Berichten informierendie Projektleiter der einzelnen Gebiete dieZentrale in Addis Abeba. Zweimal im Jahr treffensich alle Leiter, um Erfolge und Herausforderungenin jedem einzelnen Projektgebiet zu besprechenund bei Problemen Lösungsvorschlägezu entwickeln. Yilma Taye und andere Führungskräftebesuchen mehrmals im Jahr kurzfristig dieProjektgebiete, um die inhaltliche Arbeit der Mitarbeiterzu überprüfen.Zusätzlich reisen Buchprüfer für ein finanziellesControlling in die Projektregionen und untersuchen,ob die Ausgaben plausibel sind undmit den Projektplänen übereinstimmen. Wenneine Bauerngruppe beispielsweise laut Plan aufKredit eine Pumpe erhalten hat, um ihre Felderbewässern zu können, dann kontrollieren die Prüfer,ob die Pumpe geliefert wurde und die Bauernmit den ersten Ernteerlösen begonnen haben, denKredit zurückzuzahlen.Bislang wurden mit den Monitoring-Maßnahmenhauptsächlich die Outputs überprüft, alsodie erbrachten Leistungen – beispielsweise dieZahl der gebauten Brunnen. Künftig sollen zusätzlichauch die unmittelbaren (Outcome) und diemittelbaren beziehungsweise weiterreichendenWirkungen (Impact) dokumentiert werden. Beieinem Brunnenbau wäre der Outcome etwa dieZahl der Menschen, die nun einen verbessertenZugang zu Trinkwasser hat, ein Impact wäre dieerreichte Senkung der Kindersterblichkeit.Die Arbeitsgruppe soll in Zusammenarbeitmit anerkannten Experten für alle Bereiche derArbeit von Menschen für Menschen ein Systemaussagekräftiger Indikatoren implementieren, anhandderer sich die Wirkungen messen lassen.Das Erreichen des Ziels „Verbesserter Zugangzu Trinkwasser“ lässt sich beispielsweise darübermessen, wie hoch der Prozentsatz der Familienist, die weniger als 15 Minuten Gehzeit zumnächsten Brunnen haben.Um die Feldarbeit nicht wissenschaftlich zuüberfrachten, gehe es darum, „aussagekräftigeund gleichzeitig leicht zu erhebende Indikatoren“zu finden, betont Bahritu Seyoum. Beispiel Holzsparende Lehmöfen, mit denen die Waldressour-


17ÜBER MENSCHEN FÜR MENSCHENJAHRESBERICHT 2012cen geschont werden: „Es wäre schwierig bisunmöglich, herauszufinden, wie durch die Öfendie Entwaldung verlangsamt wird“, erklärt dieStatistik-Expertin „Stattdessen können wir aberdie Frauen fragen: Wie oft sammelt ihr Holz?“ DieAntwort: früher täglich, seit Einführung der Öfennur noch ein- bis zweimal die Woche. „Das ist einleicht zu gewinnender und doch starker Indikator.“Grundlage der Wirkungsmessungen sindBaseline-Studien. In allen neuen Projektgebietenwerden solche umfangreichen sozio-ökonomischenAnalysen mit rund 150 Haushaltendurchgeführt. Sie beschreiben die Situation vorder Intervention durch Menschen für Menschenund sind so ein Bezugspunkt, an dem sich allerFortschritt messen lässt. „Schwieriger ist die Wirkungsmessungin alten Projektgebieten, wo solcheumfangreichen Anfangsstudien nicht gemachtwurden“, sagt Bahritu Seyoum. „Dort behelfenwir uns mit Interviews mit Ältesten, dieuns schildern können, wie die Situation vor demArbeitsbeginn der Stiftung war.“„Im Prinzip betreiben wir schon lange Wirkungsmessung,ohne sie so zu nennen“, überlegtSigrid Janssen: „Für das NAGAYA MAGAZIN, fürMailings und für die Homepage hat die Stiftungaus allen Projektgebieten über die Jahre unzähligeErfolgsbeispiele gesammelt, also Geschichtenvon Menschen, die schildern, wie sich ihr Lebenzum Positiven gewendet hat. Das sind alles kleineWirkungs-Fallstudien.“ Nun gehe es darum, dieseindividuellen Geschichten „auf einen höherenMaßstab zu heben und mit quantitativen Indikatorenzu systematisieren“, sagt Bahritu Seyoum.Eine Aufgabe, die Training und Coaching auf allenEbenen der Organisation bis zu den DevelopmentAgents und Sozialarbeiterinnen auf Dorfebenebraucht, betont Sigrid Janssen: „Wir werden etwazwei bis drei Jahre brauchen, bis die Wirkungsmessungüberall eingeführt ist.“Ein wichtiges Begleitwerkzeug zur Entwicklungder Wirkungsmessung ist der neue LeitfadenDie Arbeitsgruppe Monitoring (von links): Benjamin Freiberg, Bahritu Seyoum, Sigrid Janssen und Yilma Taye.zur Nachhaltigkeit, den die Arbeitsgruppe ineinem Workshop in Addis Abeba zusammen mitden Projektleitern entwickelt hat. Der Leitfadenbeschreibt als eine Art Manual, wie Maßnahmenin den wichtigsten Handlungsfeldern umzusetzensind, um einen dauerhaften Erfolg zu sichern.Durch alle Felder zieht sich die Erfahrung, wiewichtig die Partizipation der Bevölkerung für dieNachhaltigkeit einer Maßnahme ist.EINSATZ UND WIRKUNGEN AM BEISPIEL WASSERVERSORGUNGFachwissen,Material,BudgetSo lautet im Handlungsfeld „Schulbau“ einer derersten Schritte für die Helfer, bei den Eltern undder Gemeindeverwaltung eine Diskussion zu starten:Wie können die lokalen Akteure am Bau undErhalt der Schule mitwirken? Bisweilen könnendie Empfehlungen des Leitfadens im Sinne derNachhaltigkeit und der erwünschten Wirkungsehr konsequent klingen: „Wenn keine klare Bereitschaftzu erkennen ist, sich einzubringen, istes besser, die Schule nicht zu bauen.“Input Aktivität Output Outcome ImpactBaueines BrunnensSauberes Trinkwasserfür DorfbewohnerVerbesserungder GesundheitssituationLangfristigVerringerung derKindersterblichkeitin der Region


18PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Maßnahmen und Ergebnisse 2012Im Jahr 2012 hat Menschen für Menschen seineArbeit in zehn Integrierten ländlichen Entwicklungsprojektenund zwei Infrastrukturgebietenfortgesetzt. Nach wie vor unterhalten wir zudemein College für handwerkliche und technischeBerufe (ATTC) sowie ein Kinderheim. Ein wichtigerSchwerpunkt der Projektarbeit lag erneutauf der Bildungsinitiative ABC – 2015 und demBau von Schulen innerhalb wie außerhalb unsererProjektgebiete.Wie geplant werden bis Ende 2013 drei Projektregionenin die Eigenständigkeit entlassen: Illubabor,Babile und Mida. Im Berichtsjahr begannenwir daher bereits mit vorbereitenden Arbeiten inneuen Gebieten, denen die damit frei werdendenKapazitäten zugute kommen sollen. In Wogdi undDano, zwei entlegenen Regionen, in denen dieMenschen in bitterster Armut leben, bauen wirIntegrierte ländliche Entwicklungsprojekte auf.Zugleich haben wir die Infrastrukturmaßnahmenin den Distrikten Wore Ilu und Legehida planmäßigfortgesetzt.Deutsche Projektaufwendungen in Äthiopien nach AufgabenbereichenWasser 6 %Agrarökologie 8 %Soziales 2 %Gesundheit 8 %Infrastruktur 1 %Frauenförderung 3 %Insgesamt wandte Menschen für Menschen 2012rund 22 MillionenEuro (Vorjahr: 18,7 MillionenEuro) für die Projektarbeit in Äthiopien auf. Diedeutsche Stiftung trug dazu 15,0 Millionen Euro(Vorjahr: 13,2 Millionen Euro) bei. Gegenüber2011 stiegen die aus Deutschland finanzier-ten Projektaufwendungen damit um 1,8 MillionenEuro. Der Anstieg geht vor allem auf die erwähn-ten Infrastrukturprojekte sowie das umfangreicheAufforstungsprojekt am Mount Kundudo zurück.Hinzu kamen Aufwendungen für die Erweiterungdes ATTC, das künftig 600 Studierende – stattbisher 400 – aufnehmen wird.Projektaufwendungen 2012nach GeberländernEuroProzentDeutschland 15.002.555 65,93Österreich 4.829.009 21,21Schweiz 2.918.580 12,83Belgien 6.727 0,03Gesamt 22.756.871 100,00ProjektgebietePROJEKTFÖRDERUNGIntegrierte ländliche Entwicklungsprojekte (laufend)IllubaborMiddaBabileAsagirtBorechaHagere MariamBorenaGinde BeretAbune Ginde BeretIntegrierte ländliche Entwicklungsprojekte (abgeschlossen)DerraNono SelleMerhabeteInfrastrukturprojekte (laufend)LegehidaJammaWore IluEinzelprojekteAbdii Borii Children´s HomeAgro Technical and Technology College (ATTC)KrankenhausprojekteBau von Bildungseinrichtungen außerhalb der ProjektgebieteNothilfe in den Regionen Arsi und West-ArsiSonstige ProjekteGESAMT ProjektförderungPROJEKTBEGLEITUNGProjektplanung / Steuerung, Überwachung, EinkaufGESAMT ProjektbegleitungGESAMT Projektförderung / ProjektbegleitungBildung 72 %Die unter „Bildung“ zusammengefassten Aufwendungen kommen teilweise auch anderen Aufgabengebietenzugute. Denn die Bildungsaktivitäten beschränken sich nicht auf den Bau und dieAusstattung von Schulen und Berufsbildungszentren. Wenn Menschen für Menschen etwaBauern in neuen Anbau- und Tierhaltungsmethoden schult, Dorfbewohner nach dem Bau einesBrunnens über dessen Wartung und den hygienischen Umgang mit Wasser informiert, FrauenKenntnisse in der Verwendung von Kleinkrediten vermittelt oder die Bevölkerung über HIV / AIDSaufklärt, unterstützen diese Bildungsmaßnahmen die Aktivitäten in den Bereichen Agrarökologie,Infrastruktur, Frauenförderung und Gesundheitsvorsorge.


19PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Projektbeginn Projektende Unterstützte Beschäftigte Aufwendungen gesamt Aufwendungen der deutschen StiftungBevölkerung Mitarbeiter 2012 E 2012 E 2011 TE1985 1.363.000 88 2.265.855 2.265.854,73 2.0822000 101.000 79 550.234 543.507,46 9122002 108.000 41 1.098.301 1.098.301,34 9752007 54.000 65 810.903 13.762,83 2622007 85.000 68 854.383 854.383,36 7012008 60.000 59 921.906 0 02011 180.000 51 1.322.049 1.322.049,08 1.3092011 131.000 53 1.343.633 0 02012 126.000 17 748.256 0 01997 2010 209.000 - 27.691 0 02007 26.000 11 230.609 230.609,00 4031992 2009 126.00 - 0 0 02011 76.000 - 391.053 382.013,96 2012005 139.000 - 0 0 282011 109.000 - 871.727 871.727,14 5661989 157 Kinder 40 201.494 0 01992 2.491 115 1.174.244 1.174.244,00 7662003 Einzugsgebiet 84.167 84.167,30 4710 Millionen Menschen2007 67.000 Schüler 3 7.499.786 4.428.500,45 2.7582011 49.677 - 69.742 69.741,71 1.146- 519.113 445.566,13 5620.985.146 13.784.428,49 12.21253 1.771.725 1.218.126,41 9831.771.725 1.218.126,41 98322.756.871 15.002.554,90 13.195Erläuterungen zur TabelleIntegrierte ländliche Entwicklungsprojekte• Asagirt: Den Großteil der Projektkosten trägt Menschen für Menschen Schweiz.• Nono Selle: Das Projekt wurde Ende 2012 abgeschlossen.• Hagere Mariam: Die Projektkosten trägt Menschen für Menschen Schweiz.• Abune Ginde Beret, Ginde Beret und Derra: Die Projektkosten werden von Menschen fürMenschen Österreich übernommen.Infrastrukturprojekte• In den hier genannten Regionen führt Menschen für Menschen jeweils einzelne odermehrere Infrastrukturmaßnahmen durch. Dazu zählt zum Beispiel der Bau von Straßen,Gesundheitsstationen und Schulen. Die Maßnahmen werden von den angrenzendenProjektgebieten aus organisiert.• Jamma: Den Großteil der Projektkosten tragen Menschen für Menschen Schweiz undBelgien.Einzelprojekte• Abdii Borii Children’s Home: Die Projektkosten trägt Menschen für Menschen Schweiz.• Sonstige: Hierzu zählen Einzelprojekte, für die im Berichtsjahr jeweils Beträge von unter50.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden.• Bau von Bildungseinrichtungen außerhalb der Projektregionen: Wird von Mitarbeiternangrenzender Projekte und der Zentrale in Addis Abeba organisiert.Projektbegleitung• Für die Projektbegleitung sind vorrangig das Projekt-Koordinationsbüro in Addis Abebasowie die Koordinationsstelle Europa-Äthiopien und die Einkaufsabteilung in Münchenverantwortlich.


20PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012BildungIn Äthiopien herrscht noch immer einBildungsnotstand. Vor allem auf demLand fehlt es an Schulen, Berufsbildungsstättenund Weiterbildungsmöglichkeiten.Mit der 2008 gegründetenInitiative ABC – 2015 haben wir dieStärkung des Bildungsbereichs zu einerunserer Schlüsselaufgaben gemacht.Ziel ist es, Hunderttausenden Kinderneine Schulbildung zu ermöglichen.Außerdem sollen die Alphabetisierungsrateerhöht und mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeitengeschaffen werden. FÜR BILDUNG EINGESETZTE MITTELDER DEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:9.867.045 EuroDIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 26 Schulen, darunter sieben Gymnasien,eine Grund- und 17 Mittelschulen sowieeine Kollegstufe wurden fertiggestellt.Davon profitieren insgesamt 23.578Schülerinnen und Schüler• 13.491 Erwachsene nahmen an Alphabetisierungsprogrammenteil• 30 Schulbibliotheken wurden mit BüchernausgestattetPLANUNG 2013: 17 Gymnasien und 13 Mittelschulensowie eine Kollegstufe und einBerufsbildungszentrum, die sich Ende 2012noch im Bau befanden, sollen 2013 fertiggestelltwerden. Außerdem ist der Baubeginnweiterer zehn MIttelschulen und eines GymnasiumsgeplantUnterricht in der neuen Makefta Higher Primary School.PROJEKTBEISPIELABC – 2015:Eine neue Schulefür MakeftaSouth WolloAddis AbebaDer Schwerpunkt unserer Arbeit im Rahmen desBildungsprogramms ABC – 2015 liegt auf demBau von Schulen. Im Jahr 2012 entstanden insgesamt29 neue Schulen, eine davon in Makefta.Der Ort liegt in der zentraläthiopischen RegionSouth Wollo, etwa 600 Kilometer nördlich vonAddis Abeba.AUSGANGSSITUATIONIn Äthiopien können rund 60 Prozent der Erwachsenenweder lesen noch schreiben, und nochimmer haben 40 Prozent der Kinder keine Möglichkeit,eine Schule zu besuchen. So auch in derGegend um Makefta. In dem Ort gab es zwar eineSchule, doch sie war zu klein geworden, um dieimmer zahlreicheren Kinder aus den umliegendenSiedlungen aufzunehmen. Auch waren das 1985in traditioneller Lehmbauweise errichtete Schulhausbaufällig und die Ausstattung der fünf Klassenräumemangelhaft.


21PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Unterrichtsgebäude der alten und der neuen Schule von Makefta.ZIELEDurch den Neubau einer Mittelschule (Output)sollen in Makefta mehr Kinder Zugang zur Schulbildungerhalten und die Schulbesuchsrate indem Gebiet erhöht werden (Outcome). Langfristigsoll dies dazu beitragen, das Bildungsniveauin South Wollo anzuheben und die sozioökonomischeEntwicklung der Region voranzutreiben(Impact).MASSNAHMENMitte 2011 begann Menschen für Menschen mitdem Bau der Makefta Higher Primary School, inder rund 1.000 Schülerinnen und Schüler bis zurachten Klasse lernen können. Errichtet wurdendrei Gebäude mit je vier Klassenräumen, ein Verwaltungsgebäudeund zwei Latrinen. Abschließendstattete Menschen für Menschen die neueSchule mit Schulmöbeln und Lehrbüchern aus.Wie bei allen Schulbauten haben wir die Gemeindeund das lokale Bildungsbüro von Anfangan in die Planung, das Monitoring und die Evaluationdes Projekts mit einbezogen. Die Bautätigkeitselbst sowie die Ausstattung der Schulräumelagen allein in unseren Händen, während die Verpflichtungvon Lehrkräften und die laufendenBetriebskosten der Schule komplett vom Bildungsbüroübernommen wurden.Am 22. Januar 2013 konnten wir die neueSchule ihrer Bestimmung übergeben. An der feierlichenEinweihung nahm auch der Oberbürgermeisterder Stadt Aachen teil: Bürgerinnen undBürger der Stadt hatten im Rahmen der Städtewettezum 30-jährigen Jubiläum der StiftungMenschen für Menschen 194.135 Euro für denBau der Schule in Makefta gespendet.EINGESETZTE FINANZMITTELDie Gesamtkosten des Schulbaus (einschließlichder Einrichtung) betrugen 208.025 Euro.ERGEBNISSE SOUTH WOLLO• Kaum fünf Monate nach der Einweihung wirddie Makefta Higher Primary School heuteschon von 1.121 Schülern besucht, davon571 Mädchen und 550 Jungen.• Im Vergleich zur alten Schule (930 Schüler)hat sich die Schülerzahl um 20 Prozent erhöht.


22PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Landwirtschaft und AgrarökologieÜber 80 Prozent der Menschen in Äthiopienleben von der Landwirtschaft. Esherrschen tradierte Viehzucht und Anbaumethodenvor. Sie bringen meist nurschmale Erträge und gefährden zugleichlebenswichtige Ressourcen. Menschenfür Menschen unterstützt die Bauernfamilienmit einem Maßnahmenpaket, das jeweilsan den drängendsten und folgenreichstenProblemen in der Region ansetzt.Fast überall spielt dabei der Kampfgegen die Bodenerosion eine tragendeRolle – so wie in der Region Borecha.FÜR AGRARÖKOLOGIE EINGESETZTEMITTEL DER DEUTSCHEN STIFTUNGIM JAHR 2012:1.124.290 EuroDIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 6 Millionen Setzlinge wurden zur Erosionseindämmungund für denAnbau herangezogen und ausgepflanzt• 10 neue Baumschulen entstanden• 1.687 Kilometer Feldterrassen wurdenzur Wasserkonservierung und Erosionseindämmungangelegt• 3.287 Bauern lernten in Trainings u. a.verbesserte Methoden für Erosionsschutz,Ackerbau, Gemüseanbau undViehzucht kennen• 2.729 Hühner wurden an Bauernausgegeben. Es handelt sich um Kreuzungenmit lokalen Hühnerrassen,die widerstandsfähiger sind und mehrEier legenReiche Ernte: Auch Papayas gedeihen in Borecha.PROJEKTBEISPIELBorecha:Ressourcenerhalten,Erträge steigernAddis AbebaBorechaDas Projektgebiet Borecha liegt im Westen Äthiopiens,1.300 bis 2.400 Meter über dem Meeresspiegel.Es umfasst eine Fläche von 960 Quadratkilometern.Von seinen rund 85.000 Bewohnernleben 96 Prozent von der Landwirtschaft. Im Jahr2007 begann Menschen für Menschen hier einIntegriertes ländliches Entwicklungsprojekt.AUSGANGSSITUATIONDie Bauern in Borecha haben mit vielschichtigenHerausforderungen zu kämpfen. Die Äcker gebenimmer weniger her, die Familien haben oft kaumgenug zu essen. Das Hauptproblem: Praktischauf allen landwirtschaftlich genutzten Flächenerodieren die Böden. Weil sie Ackerflächen, BauundBrennholz brauchen, fällen die Bauern dieBäume. Dadurch verschwindet das stabilisierendeWurzelwerk, sodass der Regen den wertvollen


23PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012ZIELE UND MASSNAHMENDen Teufelskreis von Abholzung und Erosion zudurchbrechen, ist das erste Ziel unserer landwirtschaftlichenMaßnahmen in Borecha: Flächensollen begrünt, Bodenressourcen erhalten undzurückgewonnen werden. Dazu haben wir 2012unsere Maßnahmen zur Wiederaufforstung undzur Terrassierung der Felder verstärkt. Wir halfenden Bauern, Terrassen und Gräben anzulegen,und verteilten Setzlinge für die Aufforstung undden Obstanbau.Unser zweites Ziel ist es, die landwirtschaftlicheProduktivität zu steigern. Hierzu haben wir2012 Hunderte Bauern mit verbesserten landwirtschaftlichenMethoden vertraut gemacht und ihnenTechniken vermittelt, mit denen sie Ernteverlusteverringern und ihren Anbau diversifizierenkönnen. Außerdem wurden Bewässerungssystemegebaut.Das dritte Ziel ist, die Produktivität des Viehbestandszu erhöhen und eine tierärztliche Versorgungaufzubauen. 2012 lag ein Schwerpunktauf künstlichen Besamungen. Daneben unterstütztenwir die Bauern beim Anbau geeigneterFutterpflanzen und verteilten modernere Bienenstöckean ausgewählte Bauernfamilien.Mutterboden wegschwemmt. So nimmt die nutzbareFläche weiter ab, neues Land wird gerodet,die Erosion greift unvermindert um sich – einTeufelskreis, von dem vor allem die Siedlungen inden oberen und mittleren Höhenlagen betroffensind.Eine zentrale Rolle spielt für die Bauern inBorecha auch die Viehhaltung. Umso gravierenderwirken sich die zahlreichen Krankheitenaus, unter denen die Nutztiere immer wieder leiden.Insbesondere im Tiefland stellen sie eingroßes Problem dar. Eine tierärztliche Versorgungfehlt jedoch fast ganz.EINGESETZTE FINANZMITTELFür die Maßnahmen im Bereich Agrarökologieund Aufforstung wurden im Jahr 2012 in Borecha138.579 Euro aufgewendet.ERGEBNISSE BORECHAZiel 2012 erreicht 2012Verteilte Setzlinge fürWiederaufforstungund Anbau (in Mio.) 0,56 0,67Errichtete, kontrollierteund instandgehalteneTerrassen und Dämme(in km) 283 323,5Auspflanzungen vonVetiver-Gras etc. zurBodenerhaltung (in km) 50 76Verteilte Jungpflanzenfür den Obstanbau 60.000 57.000Verteilte Bienenstöcke 60 160Künstliche Besamungvon Nutztieren 60 48Oben: Moderne Bienenstöcke erleichtern den Bauerndie Imkerarbeit.Unten: Gabionen schützen vor Überflutungen in derRegenzeit.


24PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012WasserversorgungIn den ländlichen Gebieten Äthiopienshaben acht von zehn Menschen nichtgenug zu trinken. Brunnen und Quellensind rar. Zudem sind sie häufig mitKrankheitserregern verschmutzt. DieFrauen und Mädchen, deren Aufgabe dasWasserholen ist, müssen bis zur nächstenWasserstelle oft viele Stunden gehen.Gemeinsam mit der Bevölkerung bauenwir deshalb Brunnen, Quellfassungenund Auffangbecken für Regenwasser.Ist eine neue Wasserstelle fertig, zeigenwir den Bauern, wie sie das Wassersauber halten, die Anlage pflegen undmit speziellen BewässerungstechnikenWasser sparen können.FÜR WASSERVERSORGUNG EINGESETZ-TE MITTEL DER DEUTSCHEN STIFTUNGIM JAHR 2012:824.755 EuroEine 1.600 Meter lange Steigleitung führt hinauf zum Wasserreservoir.DIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 4.000 Menschen werden durch diefertiggestellte Wasserversorgung fürdie Stadt Ginager mit sauberem Trinkwasserversorgt• 18 Quellfassungen für 4.800 Menschenund 32 Brunnen für 8.480Menschen entstanden• 280 Bauern aus verschiedenen Regionennahmen an Schulungen zuWartung und Wassermanagement teil• 6 Bewässerungssyteme entstanden,von denen etwa 1.270 Menschen profitierenPROJEKTBEISPIELAsagirt:Wasser für dieKleinstadt GinagerAsagirtAddis AbebaDer Distrikt Asagirt liegt rund 125 Kilometernordöstlich von Addis Abeba. Das Integrierteländliche Entwicklungsprojekt, das Menschen fürMenschen hier im Jahr 2007 begann, wird vonder Schweizer Stiftung getragen. Menschen fürMenschen Deutschland führte jedoch ein größeresEinzelprojekt in Asagirt durch: den Aufbaueiner kompletten Wasserversorgung für dieKleinstadt Ginager. Unterstützt wurde das Vorhabendurch das Bundesministerium für wirtschaftlicheZusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).HINTERGRUNDImmer öfter errichtet Menschen für MenschenTrinkwassersysteme für ganze Städte. Dazu veranlasstuns ein doppelter Trend: In den ländlichenGebieten Äthiopiens nimmt die Bevölkerung weiterstark zu. Gleichzeitig verbinden neue Straßenauch entlegene Gegenden mit den Städten. Aufder Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten verlassenso immer mehr Menschen ihre Dörfer undsiedeln sich in größeren Gemeinden und Kleinstädtenan. Diese verfügen jedoch nicht über dieInfrastruktur, um die zuströmenden Menschen zuversorgen.


25PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Pumpen. Bei einem Fassungsvermögen von 75Kubikmetern sichert das Reservoir die Versorgungder Stadt für mindestens acht Stunden täglich.Es speist acht öffentliche Entnahmestellenund versorgt zusätzlich auch das Gesundheitszentrumdes Ortes sowie zwei Schulen. Für dasVerteilungsnetzwerk wurden insgesamt übersechs Kilometer Rohre verlegt. Alle manuell ausgeführtenAushubarbeiten und auch das Wiederauffüllender Gräben nach dem Verlegen der Leitungenübernahm die lokale Bevölkerung unentgeltlichselbst.Zusätzlich wurde ein Gebäude für das Wasserkomiteeerrichtet. Letzteres wartet und verwaltetdie Anlage und legt die Wassergebühren fest.Solange die Stromversorgung über den Generatorläuft, kosten 20 Liter 0,5 Birr (etwa 2 Eurocent).Kommt der Strom künftig aus dem öffentlichenNetz, dürfte sich dieser Normalpreis auf dieHälfte verringern. Für arme Einwohner gilt generellein reduzierter Tarif.Beim Bau des Wasserreservoirs helfen alle mit.EINGESETZTE FINANZMITTELDer Finanzierungsplan veranschlagte Gesamtausgabenvon 336.913 Euro. Die Aufwendungen fürdie Projektumsetzung betrugen 322.448 Euro. 75Prozent dieser Kosten trug das BMZ.AUSGANGSSITUATIONGinager ist der Hauptort des Projektgebiets Asagirt.Obwohl es in der Region Flüsse, Quellen undGrundwasserressourcen gibt, haben die wenigstenihrer Bewohner Zugang zu sauberemTrinkwasser. So auch die 2.700 Einwohner vonGinager. Wer es sich leisten konnte, erwarb dortWasser bei Verkäufern in der Stadt. Die weitausmeisten Bewohner bezogen ihr Wasser jedochaus Quellen in der Umgebung, die nur in mehrstündigenFußmärschen zu erreichen und oft verunreinigtwaren. Verschärft wurde die Notlagedurch Hunderte von Kindern aus der Umgebung,die in Ginager die Schule besuchen. Damit sind indem Städtchen täglich rund 4.000 Menschen mitWasser zu versorgen.ZIELEErstes Ziel war es, den Einwohnern und den täglichin Ginager anwesenden Schülern Zugang zuausreichend sauberem Trinkwasser in unmittel-barer Nähe zu verschaffen. Dabei war auch das zuerwartende Wachstum der Stadt innerhalb dernächsten 20 Jahre zu berücksichtigen.Weiter sollten der Gesundheitszustand derErwachsenen und insbesondere der Kinder (Outcome)sowie mittelbar auch die sozioökonomischeSituation der Frauen und Mädchen verbessertwerden (Impact). Denn wenn die stundenlangentäglichen Wege zum Wasserholenentfallen, haben die Frauen mehr Zeit für dieKindererziehung und die Mithilfe bei der Feldarbeit,die Mädchen können zur Schule gehen.MASSNAHMENAußerhalb der Stadt wurden drei Quellen eingefasstund – über eine Länge von insgesamt 1.890Metern – Fallrohre installiert, durch die das Quellwasserin ein Auffangbecken gelangt. Von dortwird es über eine 1.600 Meter lange Steigleitungzu einem Wasserreservoir befördert. Das geschiehtmithilfe eines Generators und zweierERGEBNISSE GINAGERAm 19. Februar 2013 wurde das Wassersystemdurch die deutsche Botschafterin LiselotteCyrus feierlich eingeweiht.• 4.000 Menschen in Ginager werden heutemit sauberem Wasser versorgt.• Jedem Einzelnen stehen 20 Liter Wasserpro Tag zur Verfügung – die von den äthiopischenBehörden vorgesehene durchschnittlicheVerbrauchsmenge.• Die Versorgung funktioniert in der Regenwieauch in der Trockenzeit zuverlässig.• Die Voraussetzungen für eine Verbesserungder Hygiene und damit der Gesundheitssituationder Menschen sind geschaffen.• Frauen und Mädchen sparen beimWasserholen Zeit und können sichnun vermehrt anderen Aufgaben widmen.


26PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012GesundheitNach Statistiken des nationalen Gesundheitsministeriumsteilen sich in Äthiopienrund 39.000 Personen einen Arzt.Auf dem Land müssen die Menschenoft mehrere Tagesmärsche zurücklegen,um zum nächsten Arzt oder Krankenhauszu gelangen. Für viele ist medizinischeHilfe gar nicht erreichbar. Um zur Verbesserungder medizinischen Grundversorgungbeizutragen, errichtet Menschenfür Menschen Polikliniken, ermöglichtOperationen und unterstützt Impfprogramme.Außerdem klären wir überHIV/AIDS auf und beraten die Menschenin Fragen der Gesundheitsvorsorge undFamilienplanung.FÜR GESUNDHEIT EINGESETZTE MITTELDER DEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:1.114.275 EuroDIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 1.154 Augenoperationen wurden durchgeführt• 2 Polikliniken für rund 50.000 Menschenwurden gebaut und ihrer Bestimmungübergeben• 209.741 Menschen nahmen eine HIV /AIDS-Beratung in Anspruch und ließensich testen• 15.857 Schwangere ließen sich auf HIVtesten• Für 13.823 Kinder wurden ImpfprogrammeorganisiertAugenuntersuchung in einer Schule in Were Anko.PROJEKTBEISPIELBorecha:Bausteine für einebessere GesundheitsversorgungAddis AbebaBorechaDie Bevölkerung der westäthiopischen RegionBorecha hatte bisher kaum Zugang zu medizinischerVersorgung. Um dem abzuhelfen, hatMenschen für Menschen 2010 im Rahmen desdortigen Integrierten Entwicklungsprojekts einumfangreiches Programm zur Verbesserung dergesundheitlichen Versorgung für die 85.000 Einwohnerder Region begonnen.AUSGANGSSITUATIONEines der Hauptprobleme ist die starke Verbreitungübertragbarer Krankheiten. Die Ursachensind vielfältig: Viele Menschen sind schlecht ernährt.Es fehlt zudem an sauberem Trinkwasser,und die Hygiene-Bedingungen sind mangelhaft.Charakteristisch sind weiter hohe ErkrankungsundSterblichkeitsraten bei Krankheiten, denenmit Impfungen vorzubeugen wäre, sowie bei


27PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012endemischen Krankheiten wie Malaria. HIV/AIDSist stark verbreitet, bei weiter steigender Infektionsrate.Der Anteil der AnwenderInnenvon Verhütungsmethoden liegt mit 26 Prozentdeutlich unter dem Durchschnitt in Äthiopien(34 Prozent).ZIELEÜbergeordnetes Ziel ist es, den Gesundheitszustandder 85.000 Einwohner von Borecha zu verbessern.Dazu• soll in der Gegend von Beleti ein Gesundheitszentrum(Poliklinik) erbaut werden, dasfür rund 25.000 Menschen im Einzugsgebietdes Ortes Möglichkeiten einer medizinischenGrundversorgung bietet;• sollen die Gesundheitsdienstleistungen desDistrikts gefördert und erweitert werden;Mutter mit Baby bei einer Gesundheitskontrolle.• soll die Anwendungsrate von Methoden derFamilienplanung auf 70 Prozent (bei Abschlussdes Programms) erhöht werden;• sollen bis zum Ende der Projektlaufzeit derAnteil der über HIV/AIDS aufgeklärten Personenan der Bevölkerung auf 60 Prozentgesteigert und die Neuinfektionsrate auf unterein Prozent gesenkt werden.MASSNAHMENDer umfangreiche Maßnahmenkatalog umfasstdrei Kernbereiche:1. Medizinische Grundversorgung: Einzelmaßnahmenwie der Bau des Gesundheitszentrums,die Bereitstellung einermobilen Klinik sowie eines Ambulanz-Fahrzeugs für Krankentransporte in dieKliniken von Jimma (145 Kilometer entfernt)oder Mettu (173 Kilometer entfernt)sollen die Versorgungssituationder Bevölkerung verbessern.Durch den Aufbau eines „Revolving DrugFund“ soll zudem sichergestellt werden,dass immer genug Medikamente für dieGrundversorgung verfügbar sind. Beidiesem System wird – nach einer Anfangsinvestitionfür den Erstbestand –die laufende Beschaffung von Medikamentendirekt aus den Einnahmen desMedikamentenverkaufs finanziert.2. Gesundheit von Müttern und Kindern: Einintegriertes Programm zur medizinischenKontrolle, Behandlung und Betreuungvon Schwangeren, Gebärenden,Müttern und Kindern soll die Gesundheitssituationvon insgesamt rund 3.500Frauen und 4.000 Kindern verbessern.Dazu gehören auch Impfprogramme sowie– vor allem in den besonders betroffenentiefer gelegenen Gegenden derRegion – Aufklärungskampagnen, vorbeugendeMaßnahmen und die Vergabevon Medikamenten gegen Malaria undansteckende Krankheiten. Hinzu kommenAktionen zur Entwurmung vonSchulkindern.3. Familienplanung und Kampf gegen HIV/AIDS: Um Frauen und Männern Möglichkeitender Familienplanung zugänglichzu machen sowie HIV/AIDS-Infektionenvorzubeugen, führen wir auf breiter EbeneAufklärungsveranstaltungen durchund verteilen Verhütungsmittel.EINGESETZTE FINANZMITTELFür die Maßnahmen im Bereich Gesundheitsversorgungwurden im Jahr 2012 in Borecha201.591 Euro aufgewandt.ERGEBNISSE BORECHA• Bau eines Gesundheitszentrums• Bereitstellung eines Ambulanzfahrzeugs• Impfprograme für 12.000 Schwangere,Mütter und Kinder durchgeführt• 1.815 Kinder entwurmt• 2 Großveranstaltungen zur Aufklärungüber HIV/AIDS durchgeführt• 4.305 Personen zu HIV / AIDS beratenund getestet• 462 Personen zur HIV / AIDS-Präventionund zur Pflege Infizierter geschult• 5.773 neue Anwenderinnen von Methodender Familienplanung hinzugewonnen


28PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012FrauenförderungFrauen sind in der äthiopischen Gesellschaftauf vielfältige Weise benachteiligt.In ländlichen Gebieten tragensie die Hauptlast der Armut. Um ihreLebensbedingungen zu verbessernund ihre soziale Stellung zu stärken,führen wir Aufklärungskampagnen,Ausbildungskurse sowie Trainings zuHaushaltsführung, Familienplanungund Hygiene durch. Kreditprogrammeeröffnen den Frauen die Möglichkeit,eine eigene Existenz aufzubauen und sozum Familieneinkommen beizutragen.FÜR FRAUENFÖRDERUNG EINGESETZTEMITTEL DER DEUTSCHEN STIFTUNG IMJAHR 2012:445.149 EuroAlfi Usso (27) aus Babile hat mithilfe eines Kleinkredits ein kleines Mast- und Viehhandelsgewerbe aufgebaut.DIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• Weitere 700 Frauen nahmen Kleinkreditein Anspruch und beganneneine gewerbliche Tätigkeit• 2.749 Frauen besuchten Kurse zuThemen wie Hauswirtschaft, Handarbeit,Gemüseanbau, Gesundheitund Hygiene• 11.808 Brennholz sparende Öfenwurden zu subventionierten Preisenan Bäuerinnen verkauft• 223 Haushalte wurden mit SolarlichtausgestattetPROJEKTBEISPIELBabile: Mehr Einflussfür die FrauenAddis AbebaBabileBabile liegt im Osten Äthiopiens, etwa 560 Kilometervon Addis Abeba entfernt. Die Region umfasst3.500 Quadratkilometer und erstreckt sichauf einer Höhe von 900 bis 2.000 Metern. Vonihren 108.000 Einwohnern leben 81 Prozent aufdem Land und 19 Prozent in städtischen Gebieten.49,7 Prozent der Bevölkerung sind weiblich.Menschen für Menschen ist seit 2002 imRahmen eines Integrierten ländlichen Entwicklungsprojektsin Babile tätig. Nach drei Projektphasenhatten sich die Lebensbedingungen fürviele Menschen in Babile bereits nachweislichverbessert. Unser Monitoring der bisherigen Arbeitzeigt jedoch auch, dass in einigen Bereichenweitere Schritte nötig sind. Für 2012 – das zweiteJahr der vierten und letzten Projektphase – habenwir uns daher neuerlich ein umfangreiches Paketvon Maßnahmen vorgenommen. Ein Schwerpunktist dabei die Förderung der Frauen.


29PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Bizuwork Gulilat (49) gehört zur Kleinkreditgenossenschaft Andenet in Alem Katema. Sie hält Schafe und eineMilchkuh; daneben braut sie Bier und Schnaps.ZIELEUnser übergeordnetes Ziel ist es, die Stellung derFrauen in den Dorfgemeinschaften zu verbessernund ihre Möglichkeiten, mitzuentscheiden undEinfluss zu nehmen, zu erhöhen (Impact).EINGESETZTE FINANZMITTELFür das Gesamtprogramm zur Frauenförderungwurden 2012 in Babile 69.472 Euro ausgegeben.ERGEBNISSE BABILEAUSGANGSSITUATIONIn den Dörfern Babiles tragen die Frauen –wie praktisch überall auf dem Land – die Hauptlastder täglichen Arbeit. Sie versorgen dieKinder, kochen und putzen, schleppen – oft ausgroßen Entfernungen – Wasser und Brennholzheran, hüten und melken die Tiere, helfen denMännern bei der Arbeit auf dem Feld und verkaufendie Erzeugnisse auf dem Markt. Diese Arbeitsteilungist seit Jahrhunderten eingespielt und ausSicht der Männer kaum hinterfragbar. Ein gleichberechtigterZugang zu wirtschaftlichen Ressourcenund Entscheidungsbefugnissen ist denFrauen damit nach wie vor verwehrt.MASSNAHMENUm dieses Ziel zu erreichen, haben wir ein Programmaufgesetzt, das ein ganzes Bündel vonMaßnahmen umfasst, darunter• Kreditprogramme, die es Frauen ermöglichen,mit eigenen Geschäftsideen Einkommenzu erzielen• Programme zur Verbesserung der häuslichenArbeitsbedingungen:1. durch das Vermitteln entsprechenderKenntnisse in Schulungen,2. durch das Bereitstellen hilfreicher Technologien,etwa der „Green Stoves“, die dasKochen auf offenem Feuer überflüssigmachen, die Gesundheit der Frauenschützen und zugleich Brennholz sparen.• Maßnahmen gegen schädliche Traditionen.Dazu gehören insbesondere Aufklärungsveranstaltungen,die Einrichtung und Förderungvon Vereinen, die sich für die Abschaffungdieser Traditionen stark machen, sowie dieFörderung des Schulbesuchs von Mädchen.• 51 neue Kreditnehmerinnen hinzugewonnen• 91 Frauen in Trainings geschult• 1.000 Brennholz sparende Öfen zu subventioniertenPreisen an Bäuerinnen verkauft


30PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012InfrastrukturDer Bulldozer von Menschen für Menschen planierteine Zugangsstraße in der Region Borena.In Äthiopien sind viele entlegene Ortschaftennur über Schotterpisten oderPfade erreichbar. In der Regenzeit werdendie unbefestigten Wege oft unpassierbar.Dann sind die Menschen nicht seltenwochenlang von den Märkten und medizinischenEinrichtungen abgeschnitten.Um den Bewohnern entlegener Gebieteeinen Zugang zu Entwicklungsmöglichkeitenzu eröffnen, baut Menschen fürMenschen Straßen, Wege und Brücken.FÜR INFRASTRUKTUR EINGESETZTE MITTELDER DEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:116.347 EuroDIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 135 Kilometer Straße und Zufahrtswegewurden fertiggestellt• 45 Kilometer beschädigter Straßenwurden repariertPROJEKTBEISPIELBorena:ZugangsstraßenermöglichenEntwicklungBorenaAddis AbebaMenschen für Menschen ist seit 2011 in Borenatätig. Die Region liegt etwa 580 Kilometer nördlichvon Addis Abeba. Sie ist annähernd 980 Quadratkilometergroß und wird von rund 180.000Menschen bewohnt. Die Landschaft Borenas istvielfältig. Teilweise prägen eher sanfte Hügel dasBild, andernorts sind es schroffe Abhänge,Schluchten und tiefe Täler. Etwa 42 Prozent derFläche werden für den landwirtschaftlichen Anbaugenutzt, weitere acht Prozent als Weideland.Die übrigen Gebiete sind überwiegend vonBüschen und Bäumen bestanden.AUSGANGSSITUATIONVerglichen mit anderen Projektregionen verfügtBorena über ein etwas besseres Straßennetz. Soverbindet eine 180 Kilometer lange befestigteStraße die Region mit Dessie, der Hauptstadt desBezirks South Wollo, und in einige Nachbardistrikteführen Schotterstraßen. Kleinere und vorallem entlegene Siedlungen sind jedoch auch inBorena meist nur durch unbefestigte Wege undPfade miteinander und mit der Außenwelt verbunden.Die mangelhafte Infrastruktur ist damit einesder größten Hindernisse, die bisher eine Entwicklungder Region blockiert haben.ZIELEZiel ist es, die Verkehrsinfrastruktur in dem nochjungen Projektgebiet so weit zu verbessern undzu erweitern, dass a) eine reibungslose und effizienteProjektarbeit dort möglich ist und b) für dieMenschen der Weg zu Markt und Handel, zu Bildungund medizinischer Versorgung, zu Austauschund Entwicklung frei gemacht wird.MASSNAHMEN UND ERGEBNISSEZu diesem Zweck haben wir im Jahr 2012 zumeinen beschädigte Straßenabschnitte wieder instandgesetzt.Zum anderen wurden mithilfe desBulldozers der Stiftung insgesamt 135 Kilometerplaniert, um Zugänge zu abgelegenen Siedlungenzu schaffen.EINGESETZTE FINANZMITTELFür den Straßenbau wandten wir 2012 in Borena29.317 Euro auf. Das Integrierte ländliche EntwicklungsprojektBorena wird von 2011– 2013 zu75 Prozent aus Mitteln des BMZ finanziert. Einzelmaßnahmenwie den Straßenbau trägt Menschenfür Menschen jedoch komplett.


31PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012SozialesHiwot Zenebe Desta (23) lebte früher im Abdii-Borii-Kinderheim. Heute ist sie Krankenschwester undPraktikantin im Family Planning and HIV/AIDS-Departmentvon Menschen für Menschen.In Äthiopien gibt es keine staatlicheSozialhilfe. Hilfsbedürftige Menschenwerden meist von Verwandten aufgenommen.Oft sind die Familien jedochnicht in der Lage, die Mehrkosten dafürallein zu tragen. In solchen Notfällenhilft unser Sozialfonds. Wir unterstützendaraus vor allem Schüler, Studenten undWaisenkinder, aber auch behinderte undalte Menschen ohne Angehörige. Meistgewähren wir eine finanzielle Hilfe fürden Kauf von Sachmitteln. In einigenFällen übernehmen wir auch die Kostenfür Medikamente und medizinische Behandlungen.FÜR SOZIALES EINGESETZTE MITTELDER DEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:222.822 EuroDIE WICHTIGSTEN ERFOLGE DERDEUTSCHEN STIFTUNG IM JAHR 2012:• 341 Aidswaisen wurden unterstütztPROJEKTBEISPIELIllubabor: BessereLebensumständefür AIDS-Krankeund -WaisenIllubaborAddis AbebaBereits seit 1985 ist Menschen für Menschen inIllubabor tätig. In der über 32.000 Quadratkilometergroßen Region im Westen Äthiopiens lebenmehr als 1,3 Millionen Menschen. Wie in anderenGebieten des Landes stellt auch in Illubabor dieVerbreitung von HIV/AIDS ein großes Problemdar. 2002 starteten wir in dem Projektgebiet einumfangreiches Programm zur Eindämmung derSeuche und ihrer gesundheitlichen und sozioökonomischenFolgen. Im Januar 2012 wurde dasProgramm um eine vierte Phase verlängert, die imDezember 2013 abgeschlossen werden soll.AUSGANGSSITUATIONNach einem Jahrzehnt des Kampfes gegen HIV/AIDS konnte die Verbreitung des Virus im Projektgebietverlangsamt, jedoch noch nicht gestopptwerden. Nach wie vor sind Frauen, Kinderund Jugendliche in besonderer Weise betroffen.Erkrankt oder stirbt ein Familienmitglied, hat diesneben persönlichem Leid oft auch gravierendesoziale und wirtschaftliche Folgen – für die Einzelnenwie für die Gemeinde.ZIELENeben dem Hauptziel, die Verbreitung von HIV/AIDS-Infektionen einzudämmen, konzentriertsich das Programm auf zwei weitere Ziele:1. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen vonAIDS-Erkrankungen sollen abgefedert werden;2. die medizinische und soziale VersorgungErkrankter soll sichergestellt und ihre Lebensqualitätsowie die ihrer Kinder verbessertwerden.MASSNAHMENUm diese beiden Ziele zu erreichen,• unterstützen wir die medikamentöse VersorgungAIDS-Kranker in einer Klinik;• stellen wir die häusliche Betreuung bettlägerigerAIDS-Patienten sicher und versorgensie mit Nahrungsmitteln;• unterstützen wir AIDS-Waisen und ihreAngehörigen oder Betreuer durch Nahrungsmittel,Schulbücher, Kleidung, Schuhe undMedikamente.EINGESETZTE FINANZMITTELFür das gesamte Anti-HIV/AIDS-Programm hatMenschen für Menschen im Jahr 2012 in Illubabor144.598 Euro aufgewandt.


32PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012


33PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Die Lebensgrundlagensichern und bewahrenAm Berg Kundudo im Osten Äthiopiens hat Menschen für Menschen zusammen mitder Bevölkerung ein gewaltiges Aufforstungsprojekt begonnen. Das Ziel ist dieRehabilitierung der Landschaft – und damit der Lebensgrundlagen der Bevölkerung.Mitte des 16. Jahrhunderts ist Maximilian II. Kaiserdes Heiligen Römischen Reiches. Auf einerReise nach Italien sieht er einen alten Bauern Dattelbäumepflanzen. Der Kaiser lacht: „Ei Bäuerlein,die Datteln tragen erst in 100 Jahren Früchte;das wirst du nicht erleben!“ Der Bauer antwortet:„Ja, Gnädiger Herr, ich weiß es wohl; ich tue esaber Gott zu Ehren und den Nachkommen zumNutzen!“ Die Antwort gefiel dem Kaiser so gut,dass er dem Bauern 100 Gulden schenkte. „Sowurde ihm seine Arbeit für die Nachkommenreichlich belohnt“, schrieb die Naturforscherinund Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647–1717)in ihrem „Neuen Blumenbuch“.Die Anekdote zeigt: Der Gedanke von Naturschutzund Nachhaltigkeit ist nicht neu. Schonvor Jahrhunderten gab es ein Bewusstsein dafür,dass das Erhalten und Erweitern der natürlichenLebensgrundlagen eine Aufgabe ist, die von deraktuellen für die folgenden Generationen geleistetwerden muss. Dass diese Aufgabe weltweit häufignicht wahrgenommen wird, liegt meist amStreben nach kurzfristigem materiellem Gewinn.Am Mount Kundudo im Osten Äthiopiens jedochist die Zerstörung der Landschaft nackter Armutgeschuldet: Statt Lebensgrundlagen zu erhalten,zerstörten die Väter sie.So erzählt es der 27-jährige Abdi Hassan,Bauer aus Bedada, einem am Fuße des Kundudogelegenen Dorf. Er jätet Unkraut zwischen denneu gepflanzten Bäumchen auf den Terrassenhängen,die von den Bauern auf Initiative vonMenschen für Menschen angelegt wurden. Erwischt sich den Schweiß aus dem Gesicht, deutetden Berg hinauf und sagt: „In meiner Kindheit warder Hang noch bedeckt mit Bäumen. Pavianelebten im Wald, kamen auf die Felder und fraßensich satt.“ Aber nicht die Affen waren das eigentlicheProblem, sondern die Überbevölkerung –noch heute hat Äthiopien mit durchschnittlichmehr als fünf Kindern pro Frau eine der höchstenFruchtbarkeitsraten der Welt. „Die jungen Familienbrauchten Häuser, Brennholz und Ackerland“,sagt Abdi Hassan: Also fielen immer mehr Bäumeder Axt und dem Feuer zum Opfer.Die Folgen ließen in dem tiefgründig verwittertenund lockeren Boden und bei dem steilenGefälle nicht lange auf sich warten. Das Wasseraus den Wolkenbrüchen der Regenzeiten stürztmit besonderer Wucht zu Tal. Wenn am Oberhangkeine Baumwurzeln als Barriere wirken, reißt esden fruchtbaren Boden auch am Unterhang mit.Außerdem kann im Wald viel mehr Wasser versickernund damit das Grundwasser speisen; fehlendie Bäume, schießt das Wasser oberflächlich zuTal. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, Quellenversiegen oder tröpfeln nur noch spärlich, denMenschen mangelt es an Brauch- und Trinkwasser.„Und manchmal erleben wir nach starkenRegenfällen Erdrutsche“, erzählt Abdi Hassan.„Sie können die Straße abschneiden, sodass beiNotfällen nicht mal mehr ein Krankenwagen zuunserem Dorf durchkommt.“„Wir Jungen haben die Alten mit der Fragekonfrontiert: Warum habt ihr uns diese Problemeeingebrockt?“, erzählt der junge Bauer. „Wirdachten nicht daran, was in 20 Jahren sein würde,sondern daran, wie wir den nächsten Monatund den nächsten Tag überleben“, antwortetendie Alten. „Natürlich verstehe ich die alte Generation“,sagt Abdi Hassan. „Aber nun gehen wir mitHilfe von Menschen für Menschen für unsere eigenenKinder einen anderen, besseren Weg.“


34PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Forstexperte Agunachew Reta leitet das Projekt amMount Kundudo.Maftuha Mume hat an der Baumschule im Dorf Chalaihre erste bezahlte Anstellung gefunden.Jetzt, im September, am Ende der Regenzeit,schießen Gras und Unkraut auf, und es ist für denLaien kaum zu erkennen, dass die erodierten Bödendas Hauptproblem der Menschen sind: DerMount Kundudo hat sich mit frischem Grün geschminkt,die Landschaft zu seinem Fuße hat ihreWunden überdeckt, überall blühen die leuchtendgelbenBlüten der Meskel-Blume. Heute ist derTag der Woche, an dem Abdi Hassan wie vieleandere Nachbarn auch unentgeltlich in den Terrassenhängendas Unkraut jätet, damit die BaumpflänzlingeLicht und Luft zum Wachsen bekommen:„Ich will, dass unsere Umwelt wiederhergestelltwird.“An anderen Tagen hilft Abdi Hassan gegenBezahlung durch die Äthiopienhilfe mit, die Terrassenan den steilen Hängen weiter voranzutreiben:Mit Hacken und Schaufeln ziehen die Männerdann etwa 50 Zentimeter tiefe Gräben. Das ausgehobeneMaterial häufen sie hangabwärts zuErd- und Steinwällen auf. „Diese Terrassierungwirkt als Falle für das Regenwasser“, erklärtAgunachew Reta, Forstexperte von Menschen fürMenschen und für das Projekt Kundudo verantwortlich.„Damit die Niederschläge nicht seitwärtsdurch die Gräben ablaufen, werden sie allevier Meter von einer Querwand aus Erde unterbrochen.“In den Gräben werden die Baumsetzlingegepflanzt, dort finden sie genug Wasser. Wieweit die Terrassen voneinander gezogen werden,kommt auf das Gefälle an: je steiler der Abhang,desto enger die Gräben und Wälle. „Menschenfür Menschen finanziert das Training der Bauern,die Tagelöhne für das Terrassieren und das Materialfür den Erosionsschutz“, erklärt AgunachewReta – an besonders steilen Taleinschnittenbraucht es Gabionen, kubikmetergroße Körbe ausstarkem Draht, die mit Steinen gefüllt werdenund den Sturzbächen die Wucht nehmen. „Dochwir fordern auch sehr stark die Beteiligung derBevölkerung.“ Deshalb erbringen die Einheimischendas Pflanzen der Bäume und das Jätenohne Bezahlung.Die Aufzucht der Pflänzlinge in den stiftungseigenenBaumschulen jedoch honoriert die Äthiopienhilfemit den üblichen Tagelöhnen und bietet dortvor allem Frauen eine begehrte Verdienstmöglichkeit– ein willkommener Nebeneffekt des Projektes.Beispielsweise hat Maftuha Mume, eineMutter von sechs Kindern zwischen einem undzehn Jahren, an der Baumschule im Dorf Chaladie erste bezahlte Anstellung ihres Lebens gefunden:„Mit meinem Verdienst kaufe ich Kleider,Schulsachen, und wir ernähren uns besser, zumBeispiel kaufe ich jetzt regelmäßig Milch.“Vor allem aber gehe es um die langfristigen,nachhaltigen Wirkungen, betont ProjektleiterAgunachew Reta. Dazu gehört, dass 900 Familienmit Setzlingen schnell wachsender Bäume zuhofeigenen Aufforstungen ermuntert werden:„Wenn die Menschen ihr Brennholz selbst produzieren,werden die noch bestehenden natürlichenWaldinseln geschont.“Erstaunlich sind die Wirkungen, die BauerAbdi Hassan nur Monate nach der Terrassierungder Hänge über seinem Dorf Bedada beobachtet:„Wir haben einen Brunnen mit einer Handpumpeim Tal, bisher gab er morgens nach einer halbenStunde kein Wasser mehr. Jetzt aber hat sich dieWassermenge schon so erholt, dass wir dreiStunden lang unsere Kanister füllen können.“Abdi Hassans Frau Karima steigt den Hangherauf und bringt ihm Tee in einer Thermoskanne.Auf ihrem Rücken trägt sie Söhnchen Khalid.Anders als bei dem Dattelbäume pflanzendenBauern, dem Kaiser Maximilian begegnete, wirdes kein Jahrhundert dauern, bis sich die Früchteder Arbeit ernten lassen. Abdi Hassan rechnetdamit, dass er in wenigen Jahren in den jungenBäumen des neuen Waldes Bienenkörbe aufhängenund der Imkerei nachgehen kann. „Vor allemaber werden wir bald genug Wasser haben,um unsere Felder im Tal zu bewässern. Dannwerde ich Tomaten, Knoblauch und Paprikaanbauen“ – Anbauprodukte, die Khalid gesundaufwachsen lassen und auf dem lokalen Marktgutes Geld bringen.


35PROJEKTARBEIT IN ÄTHIOPIENJAHRESBERICHT 2012Mount Kundudo –das Projekt in Zahlen und FaktenDie Aufforstung am Mount Kundudo in denDistrikten Gursum und Jarso unweit der StadtHarar im Osten Äthiopiens ist eines der umfangreichstenLand schaftsschutz-Einzelprojekte inder Geschichte von Menschen für Menschen.Die Stiftung wendet dafür zwischen 2012und 2014 insgesamt 17.677.356 Birr (knapp750.000 Euro) auf.Im Frühjahr bedecken Gras und Unkraut die erodierten Böden am Mount Kundudo mit frischem Grün.An den westlichen Hängen des Tafelbergesentstehen auf einer Länge von rund zehn Kilometernneue Schutzwälder. Die Pflanzungensollen Sturzfluten an den Unterhängen und damitBodenerosion auf den Feldern der Bauernverhindern. Gleichzeitig werden die Bäume fürdie Stabilisierung des Grundwassers sorgen.„Bis Ende 2014 sollen insgesamt fünf MillionenSetzlinge gepflanzt werden, die in stiftungseigenenBaumschulen gezogen werden“, erklärtProjekteiter Agunachew Reta. Darunter sindEukalyptus- und Olivenbäume, Silbereichen,Maulbeerfeigen und ostafrikanischer Wacholder.Im Jahr 2012 wurden 1.963.800 Waldbaumund159.000 Obstbaumsetzlinge sowie 650.000Gras- und Futterpflanzen gezogen und gepflanztsowie 448 Kilometer Terrassen fertiggestellt.Im Jahr 2012 hat die Stiftung Menschen fürMenschen für das Projekt am Mount Kundudo281.892 Euro eingesetzt.Bauer Abdi Hassan beim Terrassenbau. Seine FrauKarima ist mit Söhnchen Khalid gekommen, um ihmTee zu bringen.


36FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012Jahresabschluss 2012Im Jahr 2012 gingen die Einnahmen der deutschen Stiftung im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Millionen Euro auf 12,2 MillionenEuro zurück, während die Aufwendungen von 15,8 auf 17,0 Millionen Euro stiegen. Die Differenz zwischen Aufwendungen undEinnahmen in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro wurde aus den Rücklagen gedeckt. Auf diese Weise konnten alle laufenden Vorhabenplangemäß finanziert werden. Die Bilanzsumme verringerte sich auf 42,6 Millionen Euro (Vorjahr: 47,3 Millionen Euro).RECHTLICHE GRUNDLAGENDie Stiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfeist von der Regierung von Oberbayern gemäß §§ 80,81 des Bürgerlichen Gesetzbuchs als rechtsfähige Stiftungbürgerlichen Rechts mit Sitz in München anerkannt.Das Finanzamt München für Körperschaften hat unter derSteuernummer 143 / 235 / 72144 zuletzt am 10. Februar 2012bestätigt, dass die Stiftung ausschließlich und unmittelbarsteuerbegünstigten gemeinnützigen und mildtätigen Zweckenim Sinne der §§ 51 ff. AO dient.GRUNDLAGEN DER BILANZIERUNGDie Stiftung Menschen für Menschen erstellt ihren Jahresabschlussin Anlehnung an die Vorschriften von § 264 Absatz 2des Handelsgesetzbuches (HGB). Der Abschluss entsprichtden Bestimmungen von Artikel 25 Absatz 1 des BayerischenStiftungsgesetzes (BayStG). Die Bilanz und die Ergebnisrechnungsind in Anlehnung an die Vorschriften der §§ 266 und275 Absatz 3 des HGB gegliedert. Den Besonderheiten derStiftung wird durch weitergehende Untergliederungen Rechnunggetragen.BILANZIERUNGS- UNDBEWERTUNGSMETHODENDie Bewertungsgrundlagen i. S. d. § 321 Abs. 2 Satz 4 HGBumfassen die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowiedie für die Bewertung von Vermögensgegenständen und Schuldenmaßgeblichen Faktoren.Als Anlagevermögen bilanziert die Stiftung nur Vermögensgegenstände,die dazu bestimmt sind, ihrem Geschäftsbetriebdauernd zu dienen. Das aktivierte Sachanlagevermögenist zu Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige lineareAbschreibungen, angesetzt. Geringwertige Anlagegüter (Anschaffungskostenbis 410 Euro), die in den Vorjahren angeschafftwurden, sind jeweils im Jahr der Anschaffung voll abgeschriebenworden. In den Jahren 2008 und 2009 wurdengeringwertige Anlagegüter mit Nettoanschaffungskosten zwischen175 und 1.000 Euro zusammengefasst und linear überdie Dauer von fünf Jahren abgeschrieben.Wertpapiere werden mit ihren Anschaffungskosten erfasst.Ist jedoch der Wert am Bilanzstichtag niedriger, so wirdBILANZ ZUM 31.12.2012AKTIVAA. ANLAGEVERMÖGENI. Immaterielle VermögensgegenständeSoftware 96.259,99 123II. SachanlagenBetriebs- und Geschäftsausstattung 198.876,49 152B. UMLAUFVERMÖGENVorjahr T I. Forderungen und sonstige VermögensgegenständeSonstige Vermögensgegenstände 382.207,17 521davon mit einer Restlaufzeit von mehrals einem Jahr: 22.621,98 II. Wertpapiere 16.993.938,41 26.983davon Grundstockvermögen: 1.199.097,82 III. Kassenbestand, Postgiroguthaben,Guthaben bei Kreditinstituten 24.995.554,33 19.566C. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN 3.978,94 3dieser angesetzt (Niederstwertprinzip). Rücklagen bildet dieStiftung nach gesetzlichen Vorgaben für satzungsgemäße Aufgaben.Rückstellungen werden in Höhe des nach vernünftigerkaufmännischer Beurteilung notwendigen Betrages gebildet.Sie berücksichtigen alle erkennbaren Risiken und ungewissenVerpflichtungen. Die Kassen- und Bankbestände in äthiopi-scher Währung wurden nach der Stichtagsmethode am Bilanztagumgerechnet.42.670.815,33 47.348


37FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012ERLÄUTERUNGEN ZUR BILANZA. EIGENKAPITALPASSIVAVorjahr T I. Stiftungskapital (Stand 01.01.) 1.191.597,82 1.160Zustiftungen im Jahr 2012 7.500,00 31II. Ergebnisrücklagen1. Kapitalerhaltungsrücklage 170.000,00 1452. Sonstige Ergebnisrücklagena. Projektmittelrücklage 26.878.863,50 27.528b. freie Rücklage 14.165.000,00 18.390B. RÜCKSTELLUNGENSonstige Rückstellungen 62.350,00 41C. VERBINDLICHKEITEN1. Verbindlichkeiten aus Lieferungenund Leistungen 169.896,87 20davon mit einer Restlaufzeitbis zu einem Jahr: 169.896,87 2. Sonstige Verbindlichkeiten 25.607,14 33davon aus Steuern: 24.912,23 davon im Rahmen der sozialen Sicherheit: 694,91 davon mit einer Restlaufzeitbis zu einem Jahr: 25.607,14 42.670.815,33 47.348AKTIVAIMMATERIELLE VERMÖGENSGEGENSTÄNDE. Unter dieser Positionwird die planmäßig abgeschriebene Software ausgewiesen. Im Geschäftsjahr2012 wurden keine Anschaffungen in diesem Bereich getätigt.SACHANLAGEN. Unter der Betriebs- und Geschäftsausstattung sindhauptsächlich die Büroausstattung sowie zwei PKWs erfasst, vermindertum Abschreibungen. Es wurden 2012 unter anderem ein PKW, einServer und ein Multifunktionsdrucker ersetzt bzw. neu angeschafft.FORDERUNGEN UND SONSTIGE VERMÖGENSGEGENSTÄNDE. Alssonstige Vermögensgegenstände werden Mietkautionen, Forderungenan Sponsoren aus Vereinbarungen, Rückerstattungen von Lieferantensowie Kostenerstattungen der SchwesterorganisationenStiftung Menschen für Menschen Schweiz und des Vereines Menschenfür Menschen Österreich ausgewiesen.WERTPAPIERE, KASSENBESTAND, GUTHABEN BEI KREDITINSTI-TUTEN. Das Vermögen der Stiftung ist entsprechend der Ausgabenplanungkurz- und mittelfristig auf dem Kapitalmarkt angelegt. Es wurdenetwa zu gleichen Teilen Festgeldanlagen getätigt und festverzinslicheWertpapiere mit der Bonitätsstufe „Investmentgrade“ erworben. Aktienund Investmentfonds werden nur durch Erbschaften in das Portefeuilleübernommen. Die Papiere werden bis zum günstig erscheinendenVeräußerungs-Zeitpunktwert gehalten. Der Anteil der Aktien und Investmentfondsist sehr gering (2 %). Für die Vermögensanlage ist vomStiftungsvorstand eine Anlage-Richtlinie verabschiedet worden. Diesefindet sich auf unserer Website unter „Transparenz“.PASSIVAEIGENKAPITAL. Das Grundstockvermögen der Stiftung wuchs im Berichtsjahrdurch weitere Zustiftungen leicht an. Zur Sicherung desGrundstockvermögens wird eine Kapitalerhaltungsrücklage gebildet,die im Jahr 2012 um 25.000 Euro erhöht wurde. Die sonstige Ergebnisrücklageumfasst eine Projektmittelrücklage gemäß § 58 Nr. 6 AOsowie freie Rücklagen. Die Projektmittelrücklage ist zweckgebunden fürlangfristige, vertraglich zugesicherte Maßnahmen (siehe S. 34). Diefreien Rücklagen sind vorgesehen zur nachhaltigen Sicherung der Stiftungstätigkeitund für unvorhersehbare Notsituationen in Äthiopien.SONSTIGE RÜCKSTELLUNGEN. Die sonstigen Rückstellungen betreffenPrüfungs- und Steuerberatungskosten sowie ausstehende Urlaubsansprücheder Arbeitnehmer in Deutschland.VERBINDLICHKEITEN. Die sonstigen Verbindlichkeiten enthalten imWesentlichen noch abzuführende Lohn- bzw. Umsatzsteuer.


38FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012ERLÄUTERUNGEN ZUR ERGEBNISRECHNUNGZUWENDUNGEN. Die Zuwendungen an die Stiftung sind 2012 im Vergleichzum Vorjahr um 37 Prozent gesunken. Dieser Rückgang erklärtsich im Wesentlichen aus den außergewöhnlich hohen Einnahmen derStiftung im Jubiläumsjahr 2011 sowie aus Sonderzuwendungen anlässlichder Dürrekatastrophe in Äthiopien im Sommer 2011. Hinzu kamendeutlich niedrigere Einnahmen aus Zuwendungen von Todes wegen imJahr 2012.BETRIEBLICHE ERTRÄGE. Erträge fielen im Vergleich zum Vorjahr deutlichniedriger aus. Hintergrund ist eine einmalige Sponsoringvereinbarungim Jahr 2011.ZINSEN UND ERTRÄGE AUS WERTPAPIEREN UND FESTGELDANLA-GEN (KAPITALERTRÄGE). Aufgrund des verringerten Vermögens sowiesinkender Renditen sind die Erträge gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen.PROJEKTFÖRDERUNG. Der weitaus größte Anteil an den Kosten derProjektförderung entfiel auf den Bildungssektor. Die Ausgaben in diesemBereich stiegen um 22 Prozent. Menschen für Menschen hat dasBildungsprogramm ABC – 2015 auch außerhalb der Projektregionenweiter fortgesetzt. Zudem wurde im Berichtsjahr ein Erweiterungsbaufür das Ausbildungszentrum ATTC errichtet, um eine deutlich größereZahl von Studenten unterrichten und unterbringen zu können. Danebenstiegen die Ausgaben im Bereich der Agrarökologie. Dies ist neben umfangreichenMaßnahmen in den Projektregionen auch auf das großangelegteAufforstungsprogramm am Mount Kundudo zurückzuführen.Die Aufwendungen für die Frauenförderung stiegen im Vergleich zumVorjahr, da wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich in allen Gebietenausgeweitet haben. Demgegenüber sind die Ausgaben im Bereich Soziales/ Nothilfe im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken, da dasNothilfe-Programm in Arsi und West-Arsi im Januar 2012 beendet werdenkonnte.ERGEBNISRECHNUNG ZUM 31.12.2012A. ERTRÄGE DER STIFTUNG 12.186.309,75 18.597I. Zuwendungen1. Geldspenden 9.095.746,65 13.7132. Sachspenden 8.885,08 133. Beiträge Förderverein 263.000,00 2744. Öffentliche Zuwendungen 448.323,10 5435. Bußgelder 12.600,00 196. Zuwendungen von Todes wegen 945.961,72 2.50310.774.516,55 17.065II. Betriebliche Erträge1. Sponsoringbeiträge 145.321,75 3452. Sonstige Erträge 7.543,14 26152.864,89 371III. Zinsen und Erträge aus Wertpapierenund Festgeldanlagen1. Einnahmen aus Wertpapieren 838.078,87 1.1532. Festgeldzinsen 370.368,30 1783. Sonstige Kapitalerträge 31.714,26 314. Ergebnis aus Währungsumrechnung - 17.078,91 - 375. Wertänderung bei Wertpapieren 35.845,79 - 1641.258.928,31 1.161Vorjahr TPROJEKTBEGLEITUNG. Die Projektbegleitung beinhaltet neben der Betreuungder Projekte auch vor- und nachgelagerte Tätigkeiten der Projektförderung.Dazu gehören etwa die Vorbereitung und Auswahl geeigneterProjekte, das Controlling und die Evaluierung von Projekten sowieEinkauf und Logistik. Diese Tätigkeiten werden vorrangig von unseremProjekt-Koordinationsbüro in Addis Abeba und der KoordinationsstelleEuropa-Äthiopien sowie von der Einkaufsabteilung der deutschen Stiftungübernommen. Die deutsche Stiftung trägt die Aufwendungen fürdas Projekt-Koordinationsbüro in Addis Abeba nahezu vollständig. Sieübernimmt auch einen Großteil der Personalkosten der KoordinationsstelleEuropa-Äthiopien.KAMPAGNEN-, BILDUNGS- UND AUFKLÄRUNGSARBEIT. Die Schaffungvon öffentlichem Bewusstsein ist in der Stiftungssatzung als eigenständigerZweck verankert. Unter die Ausgaben fallen Kampagnen-, Bildungs-und Aufklärungsarbeit, z. B. auch die Sensibilisierung von Jugendlichenzum Thema soziale Verantwortung. Die Ausgaben sankenim Vergleich zum Vorjahr, da das Jubiläumsjahr 2011 für umfangreicheInformationskampagnen genutzt wurde.


39FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012Vorjahr TB. AUFWENDUNGEN DER STIFTUNG 17.035.247,60 15.810I. Projektförderung1. Bildungsprojekte 9.867.045,46 7.6912. Agrarökologische Projekte 1.124.290,26 5143. Wasserprojekte 824.755,46 1.0134. Gesundheitsprojekte 1.114.275,49 8275. Infrastrukturprojekte 116.347,87 6466. Frauenförderung 445.149,26 1557. Soziales und Nothilfe 292.564,69 1.36613.784.428,49 12.212II. Projektbegleitung1. Sachaufwand und Dienstleistungen 536.675,58 4452. Personalaufwand 681.450,83 5381.218.126,41 983III. Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit1. Sachaufwand und Dienstleistungen 602.210,82 1.0872. Personalaufwand 477.727,95 4411.079.938,77 1.528IV. Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit1. Sachaufwand und Dienstleistungen 166.763,92 3402. Personalaufwand 104.387,60 109271.151,52 449V. Verwaltung1. Personalaufwand 386.737,85 3532. Abschreibungen 64.588,27 603. Portokosten 39.590,71 404. Sonstige Aufwendungen(Mieten, Büromaterial, Reisekosten,Rechtsberatung u.a.) 190.685,58 185681.602,41 638C. MEHREINNAHMEN / -AUSGABEN -4.848.937,85 2.787ALLGEMEINE ÖFFENTLICHKEITSARBEIT. Unter dieser Position werdenin erster Linie Ausgaben für die Mittelbeschaffung – insbesondere Geldspendensowie Zuwendungen durch Förderstiftungen und Unternehmen– erfasst. Ein Instrument dafür sind Mailings. Das Verhältnis derMailingkosten zu den unmittelbaren Einnahmen aus diesen Aussendungenlag 2012 bei 1:12.VERWALTUNG. Die Stiftung berechnet ihre Verwaltungs- und Werbekostennach den Richtlinien des Deutschen Zentralinstituts für sozialeFragen (DZI). Die Verwaltungsausgaben beziehen sich auf die Organisationals Ganze. Sie gewährleisten die Grundfunktionen des betrieblichenAblaufs. Dazu gehören vor allem die Geschäftsleitung, die Buchhaltungund die Personalverwaltung.PERSONALAUFWAND. Der Geschäftsführer der Stiftung Deutschlandbezog 2012 ein Bruttojahresgehalt von 82.410 Euro. Dieser Betrag istauf die Positionen für Personalaufwand unter V. Verwaltung sowieIII. Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeitaufgeteilt. Derstellvertretende Geschäftsführer bezog ein Bruttojahresgehalt von73.688 Euro. Der Leiterin der Koordinationsstelle Europa-Äthiopienzahlte die Stiftung im Berichtsjahr ein Bruttojahresgehalt in Höhe von78.260 Euro. Die Vorsitzende des Stiftungsvorstands ist bei derSchwesterorganisation Verein Menschen für Menschen in Österreichangestellt. Für ihre Tätigkeit, insbesondere für die Projektleitung inÄthiopien, wurden der deutschen Stiftung im Berichtsjahr 80.640 Eurozuzüglich anteiliger Sozialversicherung in Rechnung gestellt. Alle weiterenMitglieder des Vorstands, des Stiftungsrats sowie des Kuratoriumswaren und sind ehrenamtlich tätig.VERÄNDERUNG DER ERGEBNISRÜCKLAGE. Die Kapitalerhaltungsrücklagewurde im Jahr 2012 um T 25 erhöht. Die Mehrausgaben imGeschäftsjahr 2012 wurden durch eine Verminderung der freien Rücklageum T 4.225 sowie der Projektmittelrücklage um T 648 ausgeglichen.D. VERÄNDERUNGEN DER ERGEBNISRÜCKLAGEN1. Einstellungen in die Kapitalerhaltungsrücklage 25.000,00 252. Veränderungen der Rücklagen für SatzungszweckeVerminderung der Projektmittelrücklagegemäß § 58 Nr. 6 AO -648.937,85 2.762Einstellung in freie Rücklage gemäß § 58 Nr. 7a AO 0,00 0Verminderung der freien Rücklageaus testamentarischen Verfügungen -4.225.000,00 0E. JAHRESERGEBNIS 0,00 0,00


40FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012WOHER DIE MITTEL KAMENMittelherkunft 2012WOHIN DIE MITTEL FLOSSENMittelverwendung 201263,2 % Zuwendungen80,9 % Projektförderung7,2 % Projektbegleitung28,5 % Verminderung derErgebnisrücklage6,3 % Kampagnen-, BildungsundAufklärungsarbeit1,6 % Allg. Öffentlichkeitsarbeit4,0 % Verwaltung7,4 % Kapitalerträge0,9 % betriebliche ErträgeENTWICKLUNG UND VERWENDUNG DER PROJEKTMITTELRÜCKLAGENMio. Projektmittelrücklagen31.12.2011Entnahme ausden Rücklagen 2012Zuführung zuden Rücklagen 2012Projektmittelrücklagen31.12.2012Geplanter Finanzmittelbedarf2013 – 2017Integrierte ländliche EntwicklungsprojekteIllubabor 2,70 2,26 0,88 1,32 3,80Midda 0,06 0,54 0,79 0,31 0,31Babile, Kundudo 1,40 1,10 0,70 1,00 2,80Borecha 1,90 0,90 0,00 1,00 5,80Nono Selle 0,50 0,23 -0,27 0,00 0,00Borena 2,20 1,32 -0,35 0,53 6,20InfrastrukturprojekteWore Ilu und Legehida 2,54 1,25 -1,02 0,27 4,79EinzelprojekteAgro Technical and Technology Collegein Harar (ATTC) 2,00 1,17 1,11 1,94 5,30Sonstige ProjekteBau von Bildungseinrichtungen außerhalbder genannten Projektgebiete 8,10 4,57 -2,88 0,65 10,93Krankenhausprojekte 0,00 0,19 0,00 0,00 0,33Adi Gudom TVET, Arekit Town Water 0,00 0,17 1,81 1,64 1,64Neue ProjektregionenDano 2,78 0,03 8,69 11,44 11,44Wogdi 1,75 0,04 5,07 6,78 6,78Projektplanung / Steuerung und Überwachung1,60 1,23 -0,37 0,00 0,00Gesamt 27,53 15,00 14,16 26,88 60,12


41FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012ENTWICKLUNG DER ZUWENDUNGEN UND AUFWENDUNGEN 2007 BIS 2011T €18.00016.00014.00012.00010.0008.0006.0004.000Zuwendungen2.000Aufwendungen für Projektförderungund Projektbegleitung02008 2009 2010 20112012Aufwendungen für VerwaltungBESTÄTIGUNGSVERMERK DES ABSCHLUSSPRÜFERSAn die Stiftung Menschen für Menschen –Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe –, München:Wir haben den Jahresabschluss – bestehend aus Bilanz, Ergebnisrechnung undAnhang – unter Einbeziehung der Buchführung der Stiftung Menschen für Menschen– Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe – für das Geschäftsjahr vom 1. Januarbis 31. Dezember 2012 geprüft. Durch Artikel 16 Abs. 3 BayStG wurde der Prüfungsgegenstanderweitert. Die Prüfung erstreckte sich daher auch auf die Erhaltungdes Grundstockvermögens und die satzungsgemäße Verwendung seinerErträge und etwaiger zum Verbrauch bestimmter Zuwendungen. Die Buchführungund die Aufstellung des Jahresabschlusses nach den deutschen handelsrechtlichenVorschriften liegen in der Verantwortung der gesetzlichen Vertreter derStiftung. Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage der von uns durchgeführtenPrüfung eine Beurteilung über den Jahresabschluss unter Einbeziehung der Buchführungsowie über den erweiterten Prüfungsgegenstand abzugeben.Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach § 317 HGB und Artikel 16 Abs.3 BayStG unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestelltendeutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen.Danach ist die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeitenund Verstöße, die sich auf die Darstellung des Jahresabschlusses wesentlichauswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden und dass mit hinreichenderSicherheit beurteilt werden kann, ob die Anforderungen, die sich aus derErweiterung des Prüfungsgegenstandes nach Artikel 16 Abs. 3 BayStG ergeben,erfüllt werden. Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen werden die Kenntnisseüber die Geschäftstätigkeit und über das wirtschaftliche und rechtlicheUmfeld der Stiftung sowie die Erwartungen über mögliche Fehler berücksichtigt.Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogeneninternen Kontrollsystems sowie Nachweise für die Angaben in Buchführungund Jahresabschluss überwiegend auf der Basis von Stichproben beurteilt.Die Prüfung umfasst die Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätzeund der wesentlichen Einschätzungen der gesetzlichen Vertreter sowie die Würdigungder Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses. Wir sind der Auffassung,dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage für unsere Beurteilungbildet.Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt.Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisseentspricht der Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften. Die Prüfungder Erhaltung des Grundstockvermögens und die satzungsgemäße Verwendungseiner Erträge und etwaiger zum Verbrauch bestimmter Zuwendungen nach Artikel16 Abs. 3 BayStG hat keine Einwendungen ergeben.München, den 21. Mai 2013Max MustermannWirtschaftsprüfer


42FINANZBERICHTJAHRESBERICHT 2012PLANUNG 2013Mit einem Einnahmeergebnis von 12,2 Millionen Euro im Jahr 2012 verfügt Menschen für Menschen über eine gute finanzielle Basis, um die Integriertenländlichen Entwicklungsprojekte weiter auszubauen und das Bildungsprogramm ABC – 2015 fortzusetzen wie geplant.PROJEKTPLANUNGIm Jahr 2013 wird Menschen für Menschen dieArbeit in den Integrierten ländlichen Entwicklungsprojektenmit unvermindertem Elan fortsetzen– sie ist und bleibt das Fundament unsererAktivitäten in Äthiopien. Daneben werden wirunser Bildungsprogramm ABC – 2015 weiter vorantreiben,um bis zum Jahr 2015 HunderttausendenKindern den Schulbesuch zu ermöglichenund die Alphabetisierungsrate zu erhöhen. Für2013 planen wir den Bau von zehn Mittelschulenund einem Gymnasium. Gleichzeitig werdenwir 17 Gymnasien, 13 Mittelschulen sowie eineKollegstufe fertigstellen, die sich 2012 noch imBau befanden. Zudem wird der Bau des handwerklich-technischenBerufsbildungszentrumsAdigudom im Landkreis Hentalo Wajerat in derRegion Tigray weitergeführt.Drei Projektregionen werden wir in diesemJahr schrittweise in die Eigenständigkeit entlassen:Midda, Babile und Illubabor. Die dadurch freiwerdenden Mittel und Kapazitäten setzen wir fürden Aufbau zweier weiterer Integrierter ländlicherEntwicklungsprojekte ein. Um sicherzustellen,dass die in Midda, Babile und Illubabor erreichtenFortschritte dauerhaft sind, werden wir in derletzten Projektphase insbesondere die Kompetenzund Leistungsfähigkeit der zuständigen Behördenstärken und das Verantwortungsgefühl der lokalenGemeinden fördern. Dazu gehört, dass wirFahrzeuge, Büromöbel und benötigte Geräte zurVerfügung stellen und die Verantwortlichen inTrainings zu Themen des Managements und Monitoringsschulen.Während wir uns aus den erwähnten Gebietenzurückziehen, beginnen wir bereits mit demAufbau in den beiden neuen Projektregionen, Danound Wogdi. Die Region Dano liegt etwa 200Kilometer südwestlich von Addis Abeba aufeinem ausgedehnten Hochplateau. Die meistenihrer 105.430 Einwohner leben – mehr schlechtals recht – von Ackerbau und Viehzucht. Erosionsgräben,ausgelaugte Böden sowie veralteteTechniken und Geräte erschweren die Arbeit derBauern. Um die vielfältigen Probleme der Regionin Angriff nehmen zu können, haben wir für dasProjektjahr 2013 ein Budget von 1,6 MillionenEuro vorgesehen.Auch die 150.000 Bewohner der 580 Kilometernordöstlich von Addis Abeba gelegenenRegion Wogdi leben überwiegend von der Landwirtschaft.Die Probleme gleichen denen in Dano:Die Erosion zieht Gräben durch das Land, dieBöden sind ausgelaugt, die Ernteerträge gering.Mit einem Budget von 1,3 Millionen Euro für daserste Projektjahr wollen wir in Wogdi die Grundlagefür umfassende Maßnahmen schaffen.Der Wahl der beiden Gebiete gingen umfangreicheBasiserhebungen voraus. Deren Ergebnissewerden auch als Grundlage für die Maßnahmenplanungund das Monitoring dienen.Neben den Voraussetzungen in den fraglichenProjektgebieten haben wir auch die Bedingungenin benachbarten Regionen untersucht. Denn wirwollen die Infrastruktur, die wir in einem Projektgebietaufbauen, möglichst auch für eine künftigeArbeit in umliegenden Gebieten nutzen. Auf dieseWeise zahlen sich die Investitionen noch stärkeraus.Ein wichtiges Vorhaben bleibt für uns auchdas 2012 begonnene, umfangreiche Wiederaufforstungsprojektam Mount Kundudo (geplantesBudget 425.000 Euro) in Babile. Wir führen esunabhängig vom Auslaufen des dortigen Integriertenländlichen Entwicklungsprojekts fort.Auch die beiden Infrastrukturprojekte in Legehida(Budget 36.000 Euro) und Wore Illu (Budget393.000 Euro) werden 2013 fortgesetzt.RISIKENProjektrisiken. In Äthiopien werden Baustoffeimmer wieder knapp. Dadurch kann sich insbesonderedie Fertigstellung der geplanten Schulbautenverzögern. Grundsätzlich versucht Menschenfür Menschen dem Baustoffmangel durcheine – bei gleichbleibender Qualität – möglichstmaterialeffiziente Bauweise entgegenzuwirken.Während Zement mittlerweile in ausreichenderMenge vorhanden ist, stellt sich die Lagebeim Stahl weiter schwierig dar – ein weltweitesProblem, das nicht zuletzt auf den großen BedarfChinas zurückgeht. Weil wir vorsorgen, sind wirinzwischen jedoch nicht mehr von Engpässenbetroffen. Zu Beginn jedes Jahres importieren wireine für die jeweils geplanten Bauvorhaben ausreichendeMenge Stahl aus Europa und halten siein einem Lager in Addis Abeba vor.Ein weiteres Projektrisiko erwächst nach wievor aus der Zusammenarbeit mit den äthiopischenBehörden. Diese müssen sich stets verpflichten,ihren Teil zu einem Projekt beizutragen– so zum Beispiel durch den Bau einer Straße, diees uns ermöglicht, Baumaterialien in die betreffendenGemeinden zu transportieren. Die zugesagtenTermine werden jedoch nicht immer eingehalten.In der Folge können auch wir unserenPlan nicht erfüllen.Darüber hinaus stellt der Fachkräftemangelin Äthiopien ein gewisses Risiko dar. Währendinternationale Einrichtungen ein höheres Gehaltsniveaubieten, orientiert sich Menschen für Menschenan den Gehältern des äthiopischen Staates.Dies erschwert es uns, qualifizierte Kräfte zu gewinnen.Trotzdem gelingt Menschen für Menschendie Bindung vieler erfahrener Fachleute auflange Sicht, nicht zuletzt, weil eine betrieblicheAltersvorsorge garantiert wird, die in Äthiopiensonst unüblich ist.


43JAHRESBERICHT 2012Eine Wasserstellein Wogdi.Planungsrisiken. Kaum abwenden lässt sich dasPlanungsrisiko, das aus dem immer wieder starkschwankenden Wechselkurs zwischen äthiopischemBirr und Euro entsteht: Menschen fürMenschen veranschlagt seine Projektkosten inBirr. Unsere Ergebnisrechnung stellen wir dagegenin Euro auf. Daraus ergeben sich oft Abweichungenzwischen Plan und Ergebnis, die teilweisesehr deutlich ausfallen.AUSBLICKVorwürfe eines Großspenders führten Anfang2013 zu einer kritischen Berichterstattung überMenschen für Menschen in den Medien. Vordiesem Hintergrund kann es zu einem Rückgangder Einnahmen in diesem Jahr kommen. Dieswurde in der Aufstellung der Finanzplanung 2013nicht berücksichtigt. Wir gehen davon aus, dasswir im zweiten Halbjahr durch öffentlichkeitsstarkeKampagnen für die neu begonnen Projektein Äthiopien höhere Zuwendungen erreichen,sodass ein möglicher Einnahmerückgang ausgeglichenwird. Ansonsten wird es im Wesentlichenvon der Entwicklung der Wechselkurse abhängen,inwieweit wir unsere Finanzplanung einhaltenkönnen.FINANZPLANUNG 2013Zuwendungen 12.350Betriebliche Erträge 150Zinsen und Erträge aus Wertpapieren und Festgeldanlagen 800EINNAHMEN GESAMT 13.300Projektförderung1. Bildungsprojekte 11.4402. Agrarökologische Projekte 1.8023. Wasserprojekte 3774. Gesundheitsprojekte 1.2805. Infrastrukturprojekte 5736. Frauenförderung 6127. Soziales 558. Reserve für Unvorhergesehenes 500Projektbegleitung 1.647Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit 1.050Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit 350Verwaltung 550AUFWENDUNGEN GESAMT 20.236MEHRAUSGABEN 6.936Verminderung der Rücklagen 6.936JAHRESERGEBNIS 0T


ART.NR. 2013-06 013JALSpendenkonto: 18 18 00 18,Stadtsparkasse München,BLZ 701 500 00IMPRESSUMHerausgeber: Stiftung Menschen für Menschen, Brienner Straße 46, 80333 München Verantwortlich: Ralph Koch Projektleitung:Anne Dreyer Kontakt: Telefon: +49 (0)89 383979-0, Telefax: +49 (0)89 383979-70, E-Mail: info@menschenfuermenschen.orgInternet: www.menschenfuermenschen.de Konzept und Redaktion: Mona Dirnfellner Kommunikation + BeratungText: Mona Dirnfellner, Bernd Hauser Gestaltung: Ute Vogt, Gestaltung + Art Direction Fotos: Rainer Kwiotek, Peter Rigaud,Stiftung Menschen für Menschen, Ronny Zimmermann Druck: OMB2 Print GmbH

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