3. Bielefelder Tage des Israelischen Films im Bielefelder Lichtwerk ...

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3. Bielefelder Tage des Israelischen Films im Bielefelder Lichtwerk ...

Arbeitsgemeinschaft Bielefeld3. Bielefelder Tage des Israelischen Films im Bielefelder LichtwerkDie Bielefelder Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelische Gesellschaft setzt 2013in Kooperation mit dem Lichtwerk die Tage des Israelischen Films fort. Wiederwerden zwei Dokumentar- und zwei Spielfilme gezeigt:15.5. 2013, 19 UhrEröffnungsfilm: Life in Stills (HaZalmania)22.5. 2013, 19 UhrThe Policeman5.6. 2013, 19 UhrDie Wohnung12.6.2013, 19 UhrDu sollst nicht lieben„Life in Stills“ von Tamar Tal:Die Witwe, der Enkel und der Fotoladen„Life in Stills“ ist ein wahres Kleinod: Der Dokumentarfilm hat eine weltweite Festival-Karriere hinter sich, wobei er ein gutes Dutzend Jury- und Publikumspreiseeinheimste.Die Protagonisten: Miriam Weissenstein, Witwe des Fotografen Rudi Weissenstein,während der Dreharbeiten 96 Jahre alt, schwerhörig aber dennoch sehr streitbar undoft genug grantig. Ihr Enkel, der drei Köpfe größere Ben, kümmert sich rührend umseine widerborstige Oma und kämpft mit ihr Seite an Seite, um das Vermächtnisseines Großvaters zu bewahren: das berühmteste Fotogeschäft Israels.Das Photohouse, das Miriam 1940 mit ihrem Mann in Tel Aviv eröffnete, ist eineechte Institution. Hier findet sich die Geschichte Israels auf fast einer Million Fotos.Die unersetzlichen Negative vom Tag der israelischen Unabhängigkeitserklärunglagern bei Miriam zu Hause: Ihr Mann war der einzige Fotograf, der die Zeremoniedokumentieren durfte. Rudi Weissenstein ist heute Legende, seine Fotografiengeradezu Ikonen des israelischen Staates. Nach seinem Tod führte Miriam dasFotogeschäft zunächst alleine weiter.„Life in Stills“ erzählt nicht einfach nur davon, wie Oma und Enkel als sich inbrünstigkabbelndes "odd couple" im Laden arbeiten, Ausstellungen organisieren und sich fürden Bestand des Fotogeschäfts einsetzen, das einem Neubau weichen soll. DerKampf um den Laden ist der große dramaturgische Bogen und die Kluft zwischenden Generationen ein Aspekt, der durchaus für Lacher sorgt. Doch der Film erzähltviel mehr und von vielem – gerade von den schweren Dingen erzählt er wienebenbei: Von der erschütternden Familientragödie, die hinter Bens engerBeziehung zu seiner Oma steckt. Davon, was es bedeutet, sich im hohen Alter


plötzlich mit einem Neuanfang konfrontiert zu sehen. Von der Impertinenz, mit derMiriam ignoriert, dass ihr Enkel schwul ist und jetzt mit seinem Freundzusammenzieht. Von intimen Alltagsmomenten und hereinbrechendenSchicksalsschlägen.In „Life in Stills“ verknüpfen sich all diese Aspekte rund um die anrührendeBeziehung von Oma und Enkel zu einem wunderbar lebendigen Film, der tief unterdie Oberfläche geht, ein überzeugendes, äußerst unterhaltsames Porträt eineraußergewöhnlichen Frau. Und eine berührende Erinnerung, denn MiriamWeissenstein ist noch vor der internationalen Premiere des Films 2011 verstorben.Sie wurde 98 Jahre alt. Ben hat ihr versprochen, den Laden weiterzuführen, so langeer lebt."Policeman" von Nadav Lapid"Policeman" von Nadav Lapid hat beim Filmfest in Locarno Aufsehen erregt. Undzwar gerade, weil es in seinem Film NICHT um den Dauerkonflikt zwischen Israelund den Palästinensern geht.Im Mittelpunkt steht Yaron, Mitglied einer Anti-Terroreinheit der Polizei. Ein Macho,wie er im Buche steht: körperliche Stärke, Kameradschaft und die Ehre seiner Einheitsind zentrale Werte für ihn. Frauen existieren nur in Form bewundernder Blicke aufseinen vitalen Körper.Doch es zeigen sich Brüche im Leben Yarons: einer seiner Freunde erkrankt anKrebs und zu Hause wartet auf Yaron seine hochschwangere Frau, um die er sichliebevoll kümmert.Erst in der zweiten Hälfte des Films entwickelt der Film eine Parallelhandlung undeine Gegenfigur zu Yaron. Die junge Shira ist der intellektuelle Kopf einerlinksradikalen Gruppe israelischer Studenten, die die Entführung einer reichenUnternehmerclique plant, um auf die sozialen Unterschiede in Israel aufmerksam zumachen. Sie ist keine Lichtgestalt: Naiv und fanatisch wirkt das Pathos, mit dem siefordert, dass die Armen reich werden und die Reichen sterben sollen.Der Zuschauer ahnt, mit welchem Ausgang diese beiden Gruppen aufeinandertreffen. Regisseur Nadav Lapid zeichnet ein unheimliches Bild der israelischenGesellschaft: zerrissen in Widersprüchen, zwischen arm und reich, Frauen undMännern, Intellektuellen und Kleinbürgern, Nationalismus und Familie.Der Film "Policeman" verteilt dabei keine Sympathien oder nimmt Partei. Einverstörender und formal ungewöhnlicher Film, der den Zuschauer seinen Standpunktselbst finden lässt.„Die Wohnung“ von Arnon GoldfingerHier lassen wir den Regisseur zu Wort kommen:„Der Film entwickelt seine Geschichte wie ein Detektivfilm. Insofern sollte man nichtallzu viel vorab verraten. In Israel waren die Menschen, die ihn ihren Freundenempfehlen wollten, peinlich darauf bedacht, nur das Nötigste über seine Geschichtezu erzählen.Wenn ich einen Film mache, bin ich darauf gefasst, dass mich das über einen langenZeitraum beschäftigen wird. Jeden Stein muss ich umdrehen, jeden Flecken Erde


Das Milieu ist authentisch, was der orthodoxen Lebensweise Würde zugesteht undsie trotz allem nicht herabqualifiziert. Jede Einstellung sitzt in Tabakmans erstaunlichstilsicherem Erstling, der mit schöner Metaphorik ein Tabuthema abhandelt, damitLebenslust und Genussfeindlichkeit gegenüberstellt. Doch Tabakmans Form ist nichtdie einer Anklage, sondern einer stillen Studie über geistige Fesseln, die vonInnerlichkeit bestimmt wird und nicht die große Geste sucht, sondern wie dieHauptfigur Aaron mit düsteren Blick in unergründlichem Schweigen brütet.

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