DEUTSCHE BAUZEITUNG

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DEUTSCHE BAUZEITUNGMIT DEN BEILAGEN: STADT UND SIEDLUNG / WETTBEWERBEKONSTRUKTION UND AUSFÜHRUNG / BAUWIRTSCHAFT UND BAURECHTHERAUSGEBER:SCHRIFTLEITER:P R O F E SSO R ERICH BLUNCKREG.-BAUMSTR. FRITZ EISELENAlle Rechte Vorbehalten. — Für nicht verlangte Beiträge keine Gewähr.61. JAHRGANG BERLIN, DEN 23. FEBRUAR 1927 Nr. 16Altes und Neues aus Brünn.Von Arch. Ing. Hermann Eder, Brünn. (Schluß aus Nr. 15.)II.Die K aunic’schen Studentenkollegien der tschech. H ochschulen in Brünn.Architekt: Prof. K. H. K e p k a f, Brünn.(Hierzu 11 Abb.)äh ert m an sich von N ordw esten,durch das herrliche Schw arzatalabw ärts, der L andeshauptstadtB rünn, so sieht m an auf denH ügeln, die die S tad t Brünngegen N orden hin abschließen,m alerisch liegen den von derF em e noch im posanter erscheinendenBau der K aunic’schenK ollegien. Dieses Gebäude sollnicht nur allein die D om inante bilden des sich an diesemG elände im V illencharakter entw ickelnden neuen S tad t­teiles, sondern auch den G rundstock für das zukünftigeakadem ische V iertel. (Vgl. Abb. 1 und den LageplanAbb. 4, S. 146.)Im Ja h re 1908 w urde der Verein der K aunic’schenK ollegien gegründet, dem schon dam als durch eineselten große Stiftung des Dr. W enzel Grafen Kaunicein genügend breites F undam ent gegeben w urde für diew eitere E ntfaltung und Entw icklung des Vereines,dessen Zweck die U nterstützung der tschech. ak ademischen Jugend bildete und auch noch heute ist.Gleich in der ersten A usschußsitzung obengenanntenV ereines w urde über die E rrichtung einesStudentenheim es verhandelt, doch konnte zu dieser Zeitkein geeigneter Bauplatz verschafft w erden. E rst imJa h re 1918 w urde beschlossen, an der nördlichenPeripherie der S tad t Brünn ein Studentenheim zu errichten.Aus diesem Grunde w urde eine Studienreisenach D eutschland, D änem ark, Schweden und E nglandunternom m en, um ähnliche, in diesen L ändern bestehendeA nstalten zu besichtigen.D ieser Beschluß w äre vielleicht nicht so schnell indie T a t um gesetzt w orden, w enn nicht Um stände ein-- »■


3,€5Abb. 2 (oben). Grundriß des Obergeschosses. (1 : 500.)Abb. 3 (Mitte). Grundriß des Erdgeschosses. (I : 500.)Erklärung:1. L a g e rä u m e . — 2. H e iz u n g . — 3. K e lle r. — 4. W a s c h k ü c h e . —5. R o ll- u. B ü g e lra u m . — 6. W ä s c h e a u f b e w a h ru n g . — 7. K ü c h e .— 8. Z im m e r. — 9. D u s c h e . — 10. K r a n k e n z im m e r . 11. P f ö rtn e r.— 12. K le id e r a b la g e . — 13. F e s ts a a l. —Abb. 4 (links). Lageplan. (1 : 4000.)Die K aunic’schen Studentenkollegien ln Brünn.14G Nr. 16.


g etreten w ären, die zur D urchführung g ed rängt hätten.Denn zu jener Zeit hatte die S tudentenschaft unter derallgem einen W ohnungsnot sehr zu leiden, und diesesü b el w urde noch fühlbarer dadurch, daß in diese Zeitdie N euerrichtung m ehrerer tschech. H ochschulenin Brünn fiel, wie der M asaryk-U niversität, der H ochschulefür T ierarznei und der H ochschule für Bodenkultur.U nter diesem D range entschloß sich einm ütigder V erein auf der G eneralversam m lung am 5. März1922 m it dem Bau eines In tern ates zu beginnen. DieBaukosten w urden m it 7 Mill. K c veranschlagt, diesichergestellt w urden durch die Staatssubvention, aufGrund des Gesetzes über die B auförderung, durchU nterstützung aus dem M asaryk-Fonds, durch die Sub-Techn. H ochschule in Brünn, der uneigennützig alleP läne ausarbeitete.G esam tanlage und A ufbau der K ollegien geht ausden G rundrissen und Schnitten Abb. 2 u. 3, S. 146,Abb. 5 u. 6 a. d. S. hervor. Sie bestehen aus zwei dreistöckigenG ebäuden und einem ebenerdigen Saalbau.Im K ellergeschoß sind überall dort, wo durch die Geländeverhältnissedie Räum e über der E rde zu liegenkommen, W irtschaftsräum e untergebracht, wie Heizung,Lagerräum e, B äder und Duschen, daran anschließenddie W äscherei, dann K üchen, K rankenzim m er, H ausmeisterw ohnung, G arderobe und einige Zimmer. Dieanderen Stockw erke sind durchw eg in Zimmer geteiltfür je 2 und 3 Personen. Es sind im ganzen 182 ZimmerSchnitt a - bSchnitt g - hSchnitt e - fSchnitt c-dAbb. 5 u. 6. Schnitte durch die einzelnen Gebäudeteile. (1 : 400.)vention des M inisterium s für U nterricht und V olksku ltu r und teilw eise durch eigene Mittel. Der Bauw urde in öffentlicher A usschreibung der F irm a N ekvasilum 5 598 434 K c übergeben. Die Installation derZentralheizung, der B äder und der W äscherei w urdeder Firm a P ribran & Zilka um 995 000 K c übertragen.Am 26 Juni w urde m it der G rundaushebung begonnenund bis zum W inter w ar der Bau u n ter Dach. Im Jahre1923 w urde an der V ollendung des Baues g earbeitetund an der Inneneinrichtung. Mit Beginn des Schuljahres1923/24 konnte der Bau bezogen w erden. E rstim Ja h re 1926 w urden die das G ebäude um gebendeG artenanlage und die U m zäunung fertiggestellt. Dieendlichen G esam tkosten beliefen sich auf 8 300 000 Kc.Die neuen G ebäude sind das W erk des verstorbenenArch. K. H. K epka, o. ö. Professor an der tschech.vorhanden, in denen 504 S tudenten unterg ebrach t w erdenkönnen. Die Zimmer sind einfach, aber geschmackvoll eingerichtet. A ußerdem sind in dem Gebäudenoch vorhanden: eine Filiale der akadem ischenMensa, die den H örern F rühstück und N achtm ahl gewährt, dann Lesezim m er und B ibliothek und fernersind einige Räum e den studentischen V ereinigungenals Versam m lungs- und A m tslokale zugew iesen für dieZeit, bis zu w elcher für diesen Zweck ein eigenesakadem isches H aus errichtet wird.W ie schon am A nfang erw ähnt, liegt das G ebäudeauf dem sanften H ange einer A nhöhe (vgl. LageplanAbb. 2). D urch seine geschlossenen B aum assen w irdnicht nur allein für die N ähe, sondern auch für dieFerne, was bei der Lage des G ebäudes von W ichtigkeitist, eine günstige W irkung erzielt, die noch durch die23. Februar 1927. 147


K n ®®IS! n i j j I i n 8 n 8 n 8 i ISii j j i n 8 n 8 n 8! U SSI " i n 8 n 88 B U IS! g Iss in h s j 31* mii.' h i n n n n n n n n n n n n b n n n n b h i h I In n I u I n n n | i i | n n n i is n n n il 11 hi h | »In nlsSIn n nlBSln n n l8Sin n nIS Sin nil»IHr hi n h n h n h n n n n n n n n n n n n igimiiiiiiiiiuhi Hi" "Ib h Biggin h *!■■!* b b ü >i b h ;Hi Hi Ii i In Hi B liiln H b IimIb B HI i l l Hi Hn n b ö Hi n n b b n b b b b h h n b b n nS 5 2 5 H H H i H H i B H i H i H H H H i H B H i H i H i B H ih i b |8 j i b n h I ■ ■ I b n | ■ ■ | b b h | ■ I b bH h i |i S Ib b n l i Bln b b IS S Ib b n l i S l n r iAbb. 7. Fassadenzeichnung der W estansicht. (1 : 400).'yyä/y/ÄYZlAbb. 8. Einzelheit des Haupteingangs.(1 : 100.)Die Kaunic’schen Studentenkollegien in Brünn.Arch. Prof. K. H. Kepka f, Brünn.glückliche W ahl der F arben erhöht wird. Es sind alleGesimse, F enster- und T ürum rahm ungen, wie die Steiuverkleidungdes U nter- und E rdgeschosses, in rötlichemK unststein ausgeführt, w ährend die übrigen M auerflächenin steingrauem Edelputz (vgl. die auf Seite 149w iedergegebenen Abb. 10 u. 11) gehalten sind. DieM auerflächen zwischen den F enstern des dritten S tockwerkes sind m it allegorischen Sgraffiten, entw orfenvom akadem ischen Maler Ladi N oväk, geziert, wodurchum dieses.Stockw erk ein B and entsteht, das nichtnur allein einen Schm uck für das G ebäude bedeutet,sondern dieses auch gegen das Dach hin besser abschließtund ein G egengew icht schafft gegen diem ächtige Steinverkleidung in den Erdgeschossen. DieD achdeckung besteh t aus rotem Ziegel in der A rt vonMönch und Nonne. (Vgl. Abb. 1 u. Abb. 9— 11. S. 149.)Hiermit wurde ein Bau geschaffen, der nichtnur den Gründern, sondern auch der tschechischenStudentenschaft Brünns zur Freude gereichen kann. —Nachschrif t d er Schriftlei t u n g. Die„Deutsche Bauzeitung“ hat es sich zur Aufgabe gestellt,nicht nur das deutsche Bauschaffen ihren Lesern vorAugen zu führen, sondern auch das des Auslandes.Hierbei sollen aber nicht in erster Linie die Werkeextravaganter Baukünstler gezeigt werden, sondern eswird besonderer W ert darauf gelegt, ein Bild vomStande der allgemeinen Bautätigkeit des Landes zugeben. In diesem Sinne haben wir heute aus derTschechoslowakei einen neuen Bau veröffentlicht, derfür das derzeitige Niveau des dortigen Bauschaffenswohl als gutes Beispiel zu betrachten ist, —148 Nr. 1C.


Abb. 9. Ansicht des Osteinganges.Abb. 10 (rechts). A nsicht des W esteinganges.Abb. 11. W estansicht. A rchitekt: Professor K. H. Kepka f , Brünn.Die Kaunic’schen Studentenkollegien in Brünn.Die technische Durchbildung neuzeitlicher Krankenhausbauten.Von Dipl-Ing. U. Wekwerth, Harburg.(Hierzu 5 Abb.)ast alle Städte waren oder sind in diesenJahren gezwungen, ihre Krankenhäuser zuerweitern, den hygienischen Erfordernissenanzupassen oder neue Häuser zu bauen.Über die Fragenkomplexe hinaus, die fürjede Anstalt nach Lage, Größe und Sonderzweckeverschieden beantwortet werden mußten undderen Lösungsversuch in dem Aufsatz in Nr. 15 für denEinzelfall der Harburger städtischen Anstalten geschildertworden ist, erstehen vor dem Krankenhausbauer auchFragen, die zwar für alle Anstalten fast gleich gestelltwerden, auf die aber eine endgültige Antwort bisher nochnicht gegeben ist: die Fragen der technischenDurchbildung der neuzeitlichen Krankenhausbauten.Vor dem Kriege schien es, als ob in den Neuanlagender Großstädte — genannt seien nur Düsseldorf, Hamburgllarmbeck,Leipzig - St. Georg — eine gewisse Höchstleistungerreicht sei. Fünf Jahre Krieg, fünf Jahre23. Februar 1927. 119


Kriegsfolgen und zehn Jahre ärztlicher Fortschritt habenuns vom Gegenteil überzeugt. Da die wirtschaftliche Notlins an der Schaffung wirklich großzügiger Anlagen in derNachkriegszeit gehindert hat, ist das Tempo dieses Fortschrittesüberdies nur wenigen zum Bewußtsein gekommen,ein Blick jedoch in das reichere Ausland, das auch baulichden neuen Theorien Ausdruck geben kann, muß zurBescheidenheit führen. Es sei nur an das große LyonerProjekt Corbusiers erinnert mit seiner glänzenden Ausnutzungvon Licht und Luft. Aus diesem allgemeinenInteresse heraus sei hier kurz auf die technische Durchbildungder Neu- und Umbauten der Harburgerstädtischen Krankenanstalten eingegangen,da gerade die in Harburg vorliegende Aufgabe — Verbesserungeiner Gesamtanlage mit älteren Bauten, unzulänglicherAusstattung und Bettenzahl — in vielen anderenStädten ebenfalls gestellt wird.W ährend Beheizung und Wärmehaltungdurch genügend bemessene Warmwasserheizung, Doppelfensterund Isoliermittel, wie Torf- oder Korkplattenkeine Schwierigkeiten machen, und man nur gegen ihrVersagen Vorkehrungen treffen muß. ist die Frage derSchallisolierung noch immer ein Schmerzenskindwohl aller Krankenhäuser. Wie auch durch neuere Untersuchungen1)festgestellt wurde, ist der sogenannte Luft-MauerwenkAsphaltfilzLinoleumSt& nho/z 2 ,5 cmKörte in Zement 3 cmßimsbeton 2 ,5 cw■EisenbetonP u tzGeschossdecke.Lllllllllll| illl|l| 'l|ll'H lliiiliil.lL IIIIIU IIIIII[illlllli(i;il[H H ji ■* P u tz-Asphalt 2 cm' Zementestrich m it ßabitz\ KorA i. Ooudron vert. 5 cmßim sbeton 5 c/7>EisenbetonDachdecken über Krankenzimmern.Abb. 1 u. 2.Decken in K rankenhäusern.schall, also die Lautübertragung durch Luft und Wändeam leichtesten durch verhältnismäßig starke massigeTrennwände zu bekämpfen. Aus diesem Grunde wurdenauch in unserem Falle als Scheidewände zwischen denKrankenzimmern grundsätzlich Mauerstein- oder Schwemmsteinwände,nie aber solche aus Gipsdielen oder anderenPlattenkonstruktionen gewählt. Nach Möglichkeit wurdensie auch nicht durch Deckenlasten gespannt, da auch dieSpannung der Wände die Schallübertragutag befördert.Der Erfolg ist bisher zufriedenstellend zu nennen. Ineinem in diesem Jahre wegen seiner großen Hellhörigkeitdes Umbaues harrenden älteren Hause soll die Luftschallübertragungdaher durch Schwemmsteinmauern bekämpftwerden, die ohne Zwischenraum neben den als Prüß’scheWände aufgeführten Scheidemauern aufgesezt werden.Sehr viel schwieriger ist dagegen die Frage derIsolierung gegen den Bodenschall, also dieÜbertragung von Tritt- und Stoßgeräuschen durch dieDecken. Da man die Vorteile von Beton- bzw. Steineisendeckennicht aufgeben konnte, so wurden die in Abb. 1und 2 dargestellten und ähnliche Deckenprofile gewählt,die auch der von vielen Schalltheoretikern aufgestelltenForderung möglichster Unhomogenität der DeckenmasseRechnung tragen. Erwähnt sei, daß in einem der im Baubefindlichen Häuser eine weitere Verbesserung dadurchJ) V gl. Z e its c h r. f. d. g e s. K r a n k e n h a u s w e s e n X X III. J a h r g . H e ft 2,17. 1. 1927. O b e r b a u a m tra a n n L o m m e l, W ü r z b u r g : H e llh ö r ig k e it u n dS c h a lld ä m p fu n g in K r a n k e n h ä u s e r n . -erstrebt wurde, daß jede Raumdecke völlig für sich ohneZusammenhang — Zwischenlegen eines Brettes beimStampfen — ausgebildet wurde, so daß wenigstens dieÜbertragung auf andere Räume verhindert wird.Grundforderung bleibt, den Schall bei der Entstehungschon zu dämpfen. Korklinoleum „Jasp e“, dasim Gegensatz zu dem bisher nur üblichen einfachen Korklinoleumeine glatte Oberfläche zeigt, ist für alle künftigenBauten in Aussicht genommen, war aber bei der Errichtungder Chirurgischen Klinik noch nicht erhältlich. Vonbesonderer W ichtigkeit für die Schallübertragung ist aberohne Frage die Ausbildung der Deckenauflagerohne die Verbindung und damit die Möglichkeit der Übertragungauf das aufgehende Mauerwerk. Während anfangsdas Auflager noch aus 2 .4 mm starkem Asphaltfilzgebildet wurde, sind bei dem im Bau befindlichen InfektionshauseK o r s i 1 platten angewandt. Wenn aucheine restlose Verhinderung- der Schallisolierung hier, wiewohl überall, nicht erreicht wurde, so ist der Erfolg imVergleich zu anderen neuen Krankenhausbauten doch sehrzufriedenstellend.Das gefürchtete Dröhnen der Türen, die hier, wieneuerdings oft, aus beiderseits auf Rahmen aufgeleimtenSperrholzplatten bestehen und in eiserne Zargenschlagen, ist mit Erfolg durch Ausfüllung der Hohlräumemit Sägemehl bzw. strammsitzenden Korkplatten fast aufgehoben.Im Neubau der Prosektur ist mit gutem Erfolgean Stelle der unschönen und unangenehm einzumauerndenEckschutzschienen von der neuen Kautschukkompositionsmassevon Wehner, Erfurt, Gebrauchgemacht worden. Jedenfalls ist mit diesem Mittel einbesserer Ersatz der Eisenschienen gefunden, der fürnormale Beanspruchung stets, an besonders gefährdetenStellen allerdings wohl nicht ausreichen dürfte.Die Installation, die der modernen Anschauungentsprechend recht reichlich bemessen wurde, ist in geschlossenen,verputzten Schlitzen verlegt; es erschien nichtratsam, durch freiliegende Rohre Staublager zu schaffen.Erfahrung hat gelehrt, daß auch auf diese Weise Ausbesserungenkeine erhebliche Mehrarbeit verursachen. Vonbesonderer W ichtigkeit ist naturgemäß die Aufteilung inmöglichst zahlreiche unabhängige Steigestränge bzw.Stromkreise.Ein besonders schwieriges Kapitel bildete die Auswahlhygienisch einwandfreier, dabei aber wohnlicherBeleuchtungskörper. Selbstverständlich kommtfür derartigen Massenbedarf nur die Verbindung fertigerArmaturen und Glocken in Frage. Nur in verschwindendemMaße kann die Industrie dieser einfachen ForderungGenüge tun. Eine Ausnahme bilden naturgemäß dievorzüglichen Decken reflexlampen von Zeiß inden großen Sälen und die Tiefstrahler resp. Tiefstrahlergruppenin Behandlungszimmern und dem septischenOperationssaal, während der aseptische Saal mit einergroßen, der Seziersaal der Prosektur mit zwei kleinerenScialythiquelampen ausgerüstet ist.Die Erschwerung der Installation durch das Nebeneinandervon Wechsel- imd Gleichstrom infolge der ärztlichenApparatur sei nur erwähnt.Von Interesse dürfte auch die sonstige Einrichtungder beiden Operationssäle sein. Einmal wegen ihrer besondersdurchgebildeten eingebauten Sterilisationsanlage,zum ändern wegen ihrer neuartigen Belichtung, die aufAnregungen von Prof. Dr. Heller, Leipzig, zurückgeht.Die von Lautenschläger, Berlin, gelieferteSterilisationsanlage ist zwischen den Sälen ineinem besonderen Raum eingebaut. Sie umfaßt Heißluft-,Dampf- und Trockensterilisation, sowie Wasser- und Kochsalzlösungsbereitung.Durchgabeschränke stellen die Verbindungmit den Sälen her; die Kochsalz- und Wasserentnahmeerfolgt in den Sälen selbst. Die Anlage verwendetreduzierten Dampf, Gas und elektrischen Stromfür ihre Zwecke.Leider war die Planung und der Bau des Operationsbauesschon zu weit vorgeschritten, als die umwälzendeSchrift von Prof. Dr. Heller2) bekannt wurde, so daßRaumgestalt, Fenster- und Oberlichtgrößen nicht mehr zuändern waren. Trotzdem konnten noch, nachdem Verfassersich über die Ausführung in der Klinik von Prof.Heller unterrichtet hatte, wertvolle Neuerungen durchgeführtwerden. Herr Prof. Dr. Heller kommt zu dem Ergebnis,daß bei chirurgischen Operationen die übliche allseitigeLichtfülle die W undtiefe nur um so dunkler er-2) P ro f. D r. H e lle r , L e ip z ig : „ L ic h t u n d S e h e n im O p e r a tio n s s a a l“.B ru n s B e iträ g e z. k lin . C h ir u rg ie . 134, H . 4. 1925 u n d ».Ü ber B e le u c h tu n gin C h iru rg . O p e r a tio n s s ä le n “. Z e its c h r. f d. g e s. K r a n k e n h a u s w e s e n 1926X X II. H e f t 20!21. —150 Nr. 16.


%ÄHi», rjîflÉfe■Ł ®oirintI InMteRte-IWlilt'SMBptaii m10*^ li'p .*Abb. 3.Chirurgische Klinik.Sept. Operationssaal.cHi.n ** 1 4•kiUl tol1119. ti,btlüj,1Erfoi»UfflMUoi.MniśSudàfc ikubklinrth éïhfek l»a biikfir? Ip.Prosektur.Abb. 4.Sektionssaal.i ii! iSd»r Wä irr I1siii®Abb. 5.Prosektur. Teil desLeichenkellers.Aus den Erweiterungsbautender städt. Kranken-Anstalten in Harburg a. E.23. Februar 1927.


scheinen läßt und das Auge des Operateurs blendet undermüdet. Er gibt günstigste Gebrauchsmuster für die Abmessungendes Raumes, des Oberlichtes und der Fensterund fordert Schonung des Auges des Operateurs durchnicht blendende, dunkle Umgebung der möglichst günstig— also oft nur von schräg oben zu beleuchtenden Wundliefe.So wurden zwischen die großen Seitenfensterunserer Operationssäle von unten her aufrollbare Jalusieneingebaut, womit ein beliebig steiler Lichteinfall zu erzielenist. Für die Oberlichter sollen, falls es nötig wird,(zur Erzielung reinen Seitenlichtes) ähnliche Verdunkelungsmöglichkeitengeschaffen werden. Als überaus großeW ohltat wird aber schon jetzt von den Ärzten die dunkleVerkachelung der W ände empfunden — matte dunkelgrüngraueW andplatten von Villeroy & Boch besonderer Herstellung.•—-Die großen schrägen Eckfenster sollen zur schnellenRaumentlüftung dienen, ihr leichter Gang wird dauerndüberwacht. Luftklappen mit geräuschlos laufenden Ventilatorensollen überdies bereits während der Operation dielästigen Chloroformdämpfe absaugen.Für die Beheizung ist größte Sicherheit erstrebtworden. Jeder der beiden Gegenstromapparate vermagjeden der beiden Operationssäle zu beheizen. Eine weitereSicherheit stellt ein mit dem Kondenswasser der Dampfleitungbeheizter Boiler dar. dessen W asservorrat zu einerfünf- bis siebenstündigen Beheizung der Säle ausreicht.Auf die weiteren besonderen Einrichtungen, wieHöhensonnenanlage, Laboratorium, Vorbereitungszimmerusw., sei nicht weiter eingegangen.Baulich war die Prosektur gemäß ihrem Charakter alsForschungsinstitut und Aufbalirungs- und Andachtsstättewesentlich einfacher, wenn auch hier Aufbahrung undTransport der Leichen und die Einrichtung des räumlichbeschränkten Seziersaales sowie der Arbeitsiräume ihreSchwierigkeiten brachten.So wurde auf Grund des Vorschlages der FirmaFortbmann, Hamburg, eine A u f b afirungsmöglichkeitim Leichenkeller eingebaut, die es in Verbindungmit dem dazugehörigen Transportkarren ermöglicht, daßdie Leiche ohne jede Umlagerung von einem Mann transportiert,aufgebahrt und zum Sektionstisch gebrachtwerden kann.Die räumliche Beschränktheit des Seziersaales zwangdazu, drehbare Seziertische aufzustellen, was wieder dieZuführung des warmen und kalten Wassers voii oben ausnötig machte.Auch in diesem Hause sind im Interesse der Sauberkeitdie Leitungen unter Putz verlegt. Der Aufgabenkreisder Prosektur als Forschungsstätte für den Krankenhausbetniebund als öffentliches Medizinaluntersuchungsamtmachte eine umfangreiche Apparatur mit ihren Zuleitungenan Dampf, Gas, W asser und elektrischem Strom notwendig;so sind in den Untersuchungsräumen für Mikroskopie,Serologie und den bakteriologischen Vorbereitungsräumenzahlreiche Brutschränke, Sterilisatoren, Autoklaven, Dampftöpfeu. a. Apparate eingebaut worden.Es ist mit diesen Einrichtungen ein guter Schritt derhygienischen und technischen Modernisierung der Krankenanstaltgetan.Es sind bisher im Rahmen der Gesamtanlage ein Hausder Inneren Abteilung aufgestockt, die Chirurgische Klinikerweitert und um einen Neubau bereichert, die Prosekturneu erbaut und das Bestattungswesen verbessert. Ein Infektionshausist im Bau und der Umbau eines Hauses derInneren Abteilung ist in Vorbereitung. Es bleibt zu leisteneine dem vergrößerten Umfange der Gesamtanstalt angepaßteErweiterung der W irtschafts- und Verwaltungsgebäudeund die Errichtung eines der chirurgischen Klinikgleichwertigen, mit den technischen Neuerungen ausgestattetenNeubaues der Inneren Klinik. —Personal-N achrichten.Ehrendoktoren Technischer Hochschulen. Die TechnischeHochschule Berlin hat auf Antrag der Fakultätfür Bauwesen dem Direktor der Hochbahngesellschaft,Herrn Baurat Bousset, Berlin, „in Anerkennungseiner hervorragenden Verdienste um die praktischeund wissenschaftliche Förderung der Bauingenieurtechnikund des Eisenbahnbetriebes bei der Planung undDurchbildung der Erweiterungsbauten der Berliner Hochbahngesellschaft“die Würde eines Dr.-Ing. E. h. verliehen.—Die Technische Hochschule Hannover hat auf einstimmigenAntrag der Fakultät für Bauwesen dem Wirkl.Geh. Oberbaurat Minist.-Dir. a.D. Herrn Carl Breusingin Berlin-Steglitz in Anerkennung seiner hervorragendenwissenschaftlichen und organisatorischen Verdienste aufdem Gebiete des Eisenbahnbetriebes und um die Ausgestaltungdes Eisenbahnnetzes von Niedersachsen dieakademische Würde „Doktor-Ingenieur Ehrenhalber“ verliehen. —W ettbew erbe.Einen öffentlichen Wettbewerb zur Erlangung vonEntwürfen für ein Werbeplakat der Heidelberger Festspieleschreibt die Stadtgemeinde Heidelberg mit Einlieferungsfristzum 31. März 1927 aus. Das Plakat soll in zwei Farbenund in der Größe 60 : 84 cm gedruckt werden. I. Preis700 M., II. Preis 300 M., III. Preis 200 M. Weitere Ankäufebehält sich die Stadt vor. Unter den Preisrichternu. a.: Oberbanrat Prof. Max Läuger, Karlsruhe, OberbauratDr. L. Schmied er, Heidelberg. —Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eineRudolf-Oetker-Halle in Bielefeld wird unter den deutschenreichsangphörigen Künstlern, die am 1. 2. 1927 in den preuß.Piovinzen Westfalen, Hannover und Rheinland oder in denFreistaaten Lippe, Schaumburg-Lippe, Hamburg und Bremenihren Wohnsitz oder ihre Hauptgeschäftsstelle haben oderin Bielefeld geboren sind, mit Einlieferungsfrist zum 1. Juni1927 ausgeschrieben. I. Preis 10 000 M., II. Preis 5000 M.,111. Preis 3500 M., IV. Preis 2500 M. 3 Ankäufe zu je 1700 M.sind in Aussicht genommen. Unter den Preisrichtern: StadtoherbauratSchultz, Bielefeld, Prof. Tessenow,Berlin, Prof. Mich.e 1, Hannover, Prof. Bestelmeyer,München. Ersatzpreisnichter: Arch.B. D. A. Kramer,Reg.- u. Baurat G e l hausen, Bielefeld. Unterlagen für10 M. bis zum 1.4.1927 durch den Magistrat Bielefeld. —Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einDienstgebäude für den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirkin Essen wird unter allen im Stadtgebiet Essen ansässigenArchitekten mit Einlieferungsfrist zum 15. März 1927 aus-geschrieben. 5 Preise von zusammen 11 000 M., für 2 Ankäufe1000 M. Unter den Preisrichtern: Verbandsdir. Dr.8c h m i d t , Dr.-Ing. Rappaport, Essen, StadtbauratDiefenbach, Bochum, Prof. F ahrenkamp, Düsseldorf.Einer der Preisträger soll zur Mitarbeit bei derweiteren Planung herangezogen werden. Entwürfe sindeinzureichen an Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk Essen.Burgplatz 2, Zimmer 16. —Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen fürein Verwaltungs- und Abfertigungsgebäude für den WasserundLandflughafen Stettin schreibt die F lu g h afen StettinG .m .b.H . unter allen in Pommern ansässigen oder geborenendeutschen Architekten mit Einlieferungsfrist zum30. April 1927 aus. I. Preis 3000 M.. II. Preis 2500 M.,III. Preis 2000 M. 3 Ankäufe zu je 1000 M. Unter den Preisrichtern:Landesbaurat Viering, Stadtbaurat Dr.-Ing.W e i s h a u p t , Reichsbahnrat Dr. - Ing. N i t s c h k e ,Gartenbaudir. Schulze, Arch. B. D. A. Max T a u t ,Stadtbaurat a, D. Fabricius, Reg. - Baumeister a. D.Natalis. Unterlagen gegen Einsendung von 10,50 M.vom Flughafen Stettin G .m .b.H ., Stettin-Freibez. —ln dem Wettbewerb betreffend Umgestaltung derLokalitäten der Durlacher Hofbrauerei Mannheim unter denMitgliedern der Ortsgruppe Mannheim des B. D. A. wareninsgesamt 16 Entwürfe eingegangen. Den I. Preis von 800 M.erhielten die Arch. M a r s & Wagner, die beidenH. Preise zu 400 M. Reg.Bmstr. Sehrade. Angekauftwurden fünf Entwürfe, und zwar von den Arch.: Huge& Voll, Dr. Hofmann, Morkel, Esch & Anke und Reichert. —Wettbewerb Rathaus Wilkau. Vom Verfasser des besondersangekauften Entwurfes „Kassenhalle“, Arch.Dr. Geyer, Berlin, erfahren wir. daß sein Entwurf, derzum I. Preis ausersehen war, aber wegen eines Formfehlersvon der Preisverteilung ausgenommen werden mußte, vonder Stadtverordneten versammlung in Wilkau zur Ausführungbestimmt worden ist. Die W eiterbeaibeitung derPläne und die Bauleitung sind Herrn G. übertragen worden.(Vgl. den Entwurf in W ettbewerbsbeilage Nr. 4, S. 13.) —In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen fürein Pfarr- und Gemeindehaus in Guben erhielt den 1. undIII. Preis Stadtarchiitekt II. Barton, MitarbeiterG. Nickel, den 11. Preis Reg.-Binstr. E n d e r 1e i n . sämtlichin Guben. —Inhalt: Altes und Neues aus Brünn. (Schluß ) — Die technische Durchbildung neuzeitlicher K rankenhausbauten. — Personal-N achrichten. — W ettbew erbe. —Verlag der Deutschen Bauzeitung, G.m.b.H. in Berlin.Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Eiselcn in Berlin.Druck: W. Büxen stein, Berlin SW 48.152 Nr. 16.

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