Die Güte des Herrn hat kein Ende (Stefan Zolliker, 4.3.2012)

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Die Güte des Herrn hat kein Ende (Stefan Zolliker, 4.3.2012)

Bezirk Kloten-GlattbruggGottesdienst 2.3.12Die Güte des Herrn hat kein EndePredigt von Stefan Zolliker Klagelieder 3,22.23I. Meine Lieben,der heutige Predigttext ist so kostbar und tröstlich, ich werde ihn mehrmals inverschiedenen Uebersetzungen lesen:Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind,seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende,sondern sie ist alle Morgen neu,und deine Treue ist groß.Es sind die Gnadenerweise des HERRN,dass es nicht ganz und gar zu Ende ist mit uns,denn sein Erbarmen hat sich nicht erschöpft.An jedem Morgen ist es neu. Deine Treue ist gross!Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft,sein Erbarmen ist nicht zu Ende.Neu ist es an jedem Morgen;groß ist deine Treue.Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben.Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende,seine Liebe ist jeden Morgen neuund seine Treue unfassbar groß.(Luther)(Zürcher)(Einheit)(Gute Nachricht)Liebe Gemeinde,Ihr habt‘s gewiss bemerkt, wir haben den heutigen Predigttext ja auch schon zweimalgesungen!- All Morgen ist ganz frisch und neu …- Die Güte des Herrn hat kein Ende.Ich liebe diese beiden Lieder. Ich liebe die Melodien, ich liebe den Inhalt, ich liebe dieseGnadenbotschaft. Ich liebe das Thema „immer wieder neu anfangen“ dürfen. Das ThemaGnade und Vergebung. Die Verheissung, dass Gott uns nie aufgibt, sondern es immerwieder neu mit uns wagt!Die Natur und unser Körper erzählen uns schon von dieser Gnade:Dass wir in der Nacht schlafen dürfen,dass sich unsere müden Knochen erholendass sich unsere Seele regeneriert in Traum und Schlaf,dass die Sonne am Morgen aufgeht und das Dunkel vertreibt.Dass das helle Tageslicht uns belebt und vitalisiert.Dass uns ein feiner Kaffe, ein Stück Brot beglückt und lebendig macht,dass die Natur nun nach der langen Winterstarre wieder zum Leben erwacht …wer wollte es nicht von selbst spüren, ohne grosse Worte:All Morgen ist ganz frisch und neu …Die Güte des Herrn hat kein Ende.Ich will es gelten lassen. Ich will mich daran freuen, ich will mein Leben ganz und gardarauf aufbauen.


Wie wirst du nur fertig mit uns - mein Gott?!Aber du wirst ja nicht fertig mit uns, mein Gott,du machst uns ja nicht fertig, mein Gott,du fängst mit uns an,jeden Tag neu und liebst uns ins Leben.Wie wirst du Gott nur fertig mit uns? Wie schaffst du das?Zum Glück, ja zum guten Glück, wirst du nie fertig mit uns!Du machst uns auch nicht fertig. Obwohl wir dich vergassen. Du fängst neu mit uns an.Und du wünschst dir, dass auch wir unsere Anfänge ganz bewusst mit dir machen!Nein, es reicht nicht, am Sonntagmorgen inbrünstig „Die Güte des Herrn hat kein Ende zusingen“. Wir wollen vielmehr die Chancen packen, die Gott uns offeriert und mit ihmzusammen die neuen Anfänge gestalten und mit seiner Kraft leben.Der Sinn der Passionszeit und des Karfreitags ist, dass wir uns darüber besinnen, wie Gottdamit fertig geworden ist, ohne endgültig mit uns fertig zu sein und uns loszuwerden.Gott entschied sich, noch eins drauf zu setzen auf sein Erbarmen, auf seineVergebungsbereitschaft, die schon 2000 v. Chr. da war. Er entschied sich, seinen eigenenSohn für uns zu geben. Er entschied sich nach x Heimsuchungen des Volkes Israels durchPropheten, durch andere Völker, durch verlorene Kriege, durch verlorene Heimat, durchWegführung ins Exil, und vieles mehr … nicht mit noch grösserer Strenge zu reagieren,obwohl seine Geschöpfe das verdient hätten. Er entschied sich vielmehr dazu, sich selbstunter uns zu begeben und sich verletzlich zu machen.So wurde er zu dem Gott, der lieber Schmerz erträgt, heimatlos wird, sich verstossen undmissverstehen lässt, und alles hingibt, als dass er uns aufgibt oder uns gar ausradiert wieim Weinberglied angedeutet … Er wollte stets eines: uns gewinnen und unsere Herzenzurückzuerobern, statt uns zu verstossen. Lasst uns mit ihm, diesem liebenden, gütigenGott zusammen unsere neuen Anfänge gestalten!III. Die Güte des Herrn ist unerschöpflich. An jedem Morgen ist sie neu. Diese Versewollen nicht nur sagen: Zum Glück verschont uns Gott vor Strafe, zum Glück verschont eruns vor den Folgen unseres eigenen Tuns. Sondern sie wollen uns locken: Wer mit ihmzusammen immer wieder mutig, vertrauensvoll neu anfängt, der bringt auch etwaszuwege. Seine Güte ist nicht nur das Pardon, sondern sie will das Lebenselixier sein,woraus wir leben und etwas gutes zustande bringen.Lasst uns diese Gnade des neu anfangen dürfens bewusst gestalten! Lasst uns etwasdamit anfangen. Lasst diese Güte nicht nur geschehen über euch, sondern lasst uns damitwas machen, daraus leben! Ja, lasst uns bessere Anfänger werden!Anfangen heisst nicht zwingend alles abschütteln können, was je war. Sondern: Demneuen Anfang trauen. Sich der Schöpferkraft ausliefern mit allem Schwierigen, wasgeschehen war.Ich will lernen: Wie kann ich neu mein Leben wagen, wie kann ich Anteil bekommen ander schöpferischen Kraft Gottes, die Versagen, Enttäuschung und Bitterkeit über diesesLeben überwindet – und wieder neu in den Strom des Lebens eintauchen?Anfangen kann, wer Ideen hat, wer kreativ ist. Ein Weiser aus dem Osten hat mal gesagt:„Im Kopf des Anfängers finden sich viele Möglichkeiten, im Kopf des Fachmanns wenige.“Anfangen heisst, diese neuen Möglichkeiten Gottes denken können, und ausprobieren.Weil Gott in seiner unerschöpflichen Güte uns schon voraus ist!Anfangen kommt von „fangen“ – den fliegenden Vogel einfangen. Den Vogel fangen, abernicht um ihn einzusperren, sondern damit er mich mitziehe, damit ich hinter ihm herfliegeins Leben hinaus.


Hilde Domin beschreibt es so in ihrem berühmten Gedicht:„Nicht müde werdensondern dem Wunderleisewie ein Vogeldie Hand hinhalten.“Anfangen heisst, dem neuen Anfang, den Gott mit dir macht, zu trauen. Lauf nicht davon.Halte ihm deine Hand, ja dein Leben hin. Lege es in seine gute Hand.Anfänger sein hat mit Jungbleiben zu tun. Mit Kindlichkeit, mit Verspieltheit. Mit grössererFehlertoleranz sich selbst gegenüber, mit Experimentierfreude und Phantasie.Neu anfangen hat meiner Meinung nach auch mit Aufräumen zu tun. Mit ordnen. Mitschön einrichten. Mit Verräumen. Nicht mit Putzfimmel, aber damit, dass ich mein Lebenin Ordnung bringe. Ich weiss, aufräumen ist nicht einfach, es kostet manchmal ungeheuerKraft. Aufräumen? Ich höre nun schon einige, wie sie zu seufzen beginnen. Aufräumen –die Idee ist gut, allein, mir fehlt die Kraft die dazu. Ihr kennt die Sprüche rund um das„Aller Anfang ist schwer …“Ja, es gibt lästige Dinge auf unserer To-do-Liste. Es ist nur zu verständlich, dass wir dieseDinge gern vertagen. Über Wochen hinweg, manchmal Monate, und es gibt sogarAngelegenheiten, die schieben wir über viele, viele Jahre weg. Solche hinausgezögertenAufgaben haben eine merkwürdige Eigenschaft. Je weiter man etwas wegschiebt, umsogrösser wird es. So gross, bis es uns Angst und wir einen immer weiteren Bogen darummachen. Genau wie bei Turtur, dem Scheinriesen, aus der Geschichte von Jim Knopf undLukas, dem Lokomotivführer. Von weitem gesehen war er furchterregend und keinerwollte zu ihm. Deswegen blieb er sehr einsam und traurig. Aber wer es gewagt hatte,sich ihm nähern, der konnte sehen, wie er immer kleiner wurde und zu einem normalen,freundlichen Menschen schrumpfte.Lasst uns mit aus Gottes unerschöpflicher Güte heraus gerade an diese Scheinriesenherangehen! Um zu erfahren, dass es geht, dass mit dieser Anfängerlust Dingehinkriegen, die wir nicht gedacht hätten!Es sind die Gnadenerweise des HERRN,dass es nicht ganz und gar zu Ende ist mit uns,denn sein Erbarmen hat sich nicht erschöpft.An jedem Morgen ist es neu. Deine Treue ist gross!Probier es doch. Fang mit dem an, was Du vor Dir hergeschoben hast, weil Gottesunerschöpfliche Güte dir gilt, weil Gott es mit dir wagt. Nähere Dich mutig denaufgeschobenen Grässlichkeiten. Wenn Du ganz nah dran bist, dann wirst du dichwahrscheinlich wundern, dass du davor so viel Angst und Abscheu hattest. Möge Gott dichreich segnen dabei! Amen.

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