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www.steuer-consultant.deMat.-Nr. 03053-5158 17,80 EUROSteuerConsultantDie kompakte Information für steuer- und wirtschaftsberatende Berufe9/2013SteuerrechtAufgabe des subjektiven Fehlerbegriffs ~ Gerhard Bruschke 20Kapitalertragsteuer: Ansprüche einer Kommanditgesellschaft gegen Kommanditisten ~ RA Johannes Höring 24BeratungspraxisDie Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung ~ RA Dr. Stefan Lammel /RA Dr. Jan Henning Martens 11Betriebsprüfung der Sozialversicherung ~ Horst Marburger 26KanzleimanagementNetzwerke – Wer ernten will, muss sähen 34Digitales Büro – Mobile Endgeräte in der Steuerkanzlei 39Verschärfte AnforderungenHaftungsfalleSelbstanzeigeberatungMit zahlreichen Praxistipps >> 14


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EDITORIALSeien Sie merkwürdigAnke Kolb-Leistner, ChefredakteurinEin ungewöhnlicher Ratschlag ist auf Seite 35 dieser Ausgabe zu lesen. Er stammtvon Michaela Stach von der Akademie für Systemische Moderation. Sie empfiehlt:„Damit man sich auch hinterher an mich erinnert, sollte ich mich schonvon der Masse abheben – also seien Sie ‚merkwürdig‘ im besten Sinne. DochVorsicht: Authentizität steht immer an erster Stelle.“ Das ist ein Erfolgsrezeptder als leidenschaftliche Netzwerkerin geltenden Beraterin aus dem badenwürttembergischenAlmersbach im Tal. SteuerConsultant-Autorin Dr. UlrikeFelger hat sie im Rahmen ihrer Recherchen zu der Frage, wie Networkingeffizient gestaltet werden kann, befragt. Ein anspruchsvolles Thema. Dennvielen Steuerberatern ist zwar klar, dass gute Kontakte nachhaltig zum Kanzleierfolgbeitragen können. Jedoch fehlt es häufig an praktikablen Ideen wie einNetzwerk mit vertretbarem Aufwand auf- und ausgebaut werden kann. Wer mitseinen speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen punkten will, braucht eine individuelleStrategie, um diese seinen bestehenden und potentiellenKontakten zu vermitteln. Gleichwohl können Beispiele versierter Netzwerkerhilfreich sein. Lassen Sie sich von den Erfahrungen anderer inspirieren -den Artikel finden Sie ab Seite 34.Eine anregende Lektüre wünscht IhnenIhreAnke Kolb-LeistnerRAin/FAStRSteuerConsultant FachbeiratUm „SteuerConsultant“ für die Leser optimal zu gestalten, hat die Redaktion einen prominent besetztenFachbeirat ins Leben gerufen, der sie unterstützt:StB Prof. Dr. Dieter Endres, Vorstand Pricewaterhouse Coopers, Frankfurt am Main; vBP/StB Dr. Harald Grürmann, PräsidiumsmitgliedBStBK, Lüneburg; Prof. Dr. Johanna Hey, Direktorin des Instituts für Steuerrecht der Uni Köln; WP/StB Gunther Hübner, Partner bei Hübner& Hübner, Wien; Prof. Dr. Monika Jachmann, Richterin am BFH, München; WP/StB Prof. Dr. H.-Michael Korth, Vizepräsident DStV,Hannover; CFP/CEP Dr. Jörg Richter, Geschäftsführer Institut für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen GmbH,Hannover; WP/StB/RA Dr. Bernd Rödl, Geschäftsführender Gesellschafter bei Rödl & Partner, Nürnberg; WP/StB Dr. Ferdinand Rüchardt,Vorstand Ecovis, München; RA Dr. Rolf Schwedhelm, Partner bei Streck, Mack, Schwedhelm, Köln; RA Dr. Alexander George Wolf,Hauptgeschäftsführer StB-Verband Niedersachsen Sachsen-Anhalt, Hannover.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 3


InhaltFakten & Nachrichten > 06Aktuelle Urteile, Verwaltungsanweisungen und neue gesetzliche Regelungen mit Praxishinweisen mit u. a. folgenden Beiträgen:07 EinkommensteuerMinderung der Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuerbei Übernahme der Erwerbsnebenkosten durchVeräußerer09 KörperschaftsteuerVerwendung des steuerlichen Einlagekontos nach§ 27 KStG i. d. F. d. SEStEG bei unterjährigen Zugängen10 ErbschaftsteuerErbschaftsteuerrechtliche Gleichbehandlung vonGeschwistern mit Ehegatten oder Lebenspartnernverfassungsrechtlich nicht geboten11 InvestitionszulagegesetzAufzugsanlage in einer Bäckerei13 Aktueller Beratungsanlass WirtschaftsrechtDie Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkterBerufshaftungRA Dr. Stefan Lammel, RA Dr. Jan Henning Martens, Freiburg14 Checkliste Vereine und StiftungenTätigkeitsvergütungen15 Praxis VermögensgestaltungVermögensnachfolgeDr. Jörg Richter, Hannover>> Den Monat im Überblick finden Sie auf > Seite 6FAchBeiträge > 16» Steuerrecht20 Aufgabe des subjektiven FehlerbegriffsLange gab es immer wieder Streit zwischen der Finanzverwaltungund dem Steuerbürger über die Frage, ob einfehlerhafter Bilanzansatz vom Fiskus berichtigt werdendurfte, wenn der Kaufmann diesen Ansatz als subjektivrichtig ansah und ihm keine besonderen sachlichen Fehlerbei der Bestimmung des Wertes nachgewiesen werdenkonnten. Jetzt hat der BFH festgestellt, dass der materiellenRichtigkeit eines Bilanzansatzes immer der Vorrangeinzuräumen ist.Dipl.-Finw. Gerhard Bruschke, Möhnesee» Schwerpunktthema14 Misslungene Selbstanzeigeberatung – Haftungsfallefür den steuerlichen Berater und ihre FolgenZiel jeder Selbstanzeige ist die Straffreiheit. Die Voraussetzungenwurden durch das Schwarzgeldbekämpfungsgesetzverschärft. Mit den Anforderungen wächstdas Haftungsrisiko des steuerlichen Beraters, denneine verunglückte Selbstanzeige ist nicht heilbar. Beratungsfehlerführen deshalb zu irreparablen Schäden.RA Bernd Guntermann, Düsseldorf24 Zum Anspruch der KG gegen ihren Kommanditistenauf Erstattung des auf Kapitalerträge der Gesellschaftentfallenden Teils der KapitalertragsteuerDer BGH hat sich jetzt mit der Frage des Anspruchs einerKG gegen ihren Kommanditisten auf Erstattung des aufKapitalerträge der Gesellschaft entfallenden Teils derKapitalertragsteuer auseinandergesetzt.RA Johannes Höring, Trier» Sozialversicherung26 Betriebsprüfung der SozialversicherungIn den letzten Jahren ist es zu einer Ausweitung derBetriebsprüfungen durch die Rentenversicherungsträgergekommen. Die Zuständigkeit umfasst neben derKranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungauch die Entgeltfortzahlungsversicherung und die Künstlersozialversicherung.Horst Marburger, Geislingen4 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


SteuerConsultant 09.2013Kanzlei & Persönliches > 30» Unternehmensberatung30 Flutkatastrophe. Nach den verheerenden Überschwemmungenim Juni dieses Jahres unterstützenBundesländer und der Bund Betroffene mit speziellenFörderprogrammen.Foto: Claudio Divizia / shutterstock.de30Im Juni dieses Jahres hieß esin vielen Bundesländern „Landunter“. Auch Steuerkanzleienwaren betroffen.» Kanzleimanagement34 Netzwerke waren früher oft erlesenen Kreisenoder bestimmten Berufsgruppen vorbehalten.Heute allerdings tun Kanzleichefs gut daran, überNetzwerke den Kontakt zu Kollegen und Mandantenzu suchen.39 Endgeräte werden immer kleiner sowie wendigerund lassen sich auch gut mit internetbasierendenAnwendungen nutzen. Dem klassischen Tisch-PCdroht das „Aus“.42 Internet im Auto ist längst keine Seltenheit mehr,das Auto wird zum „mobile Device“. Als Schnittstellezwischen Kanzlei, Fahrzeug und Internet spielt dasSmartphone eine wichtige Rolle.42 Internet im Auto gibt es inzwischenauch in der Kompaktklasseund macht den PKW zumrollenden Büro.48 Windows 8 ist seit geraumer Zeit auf dem Markt,inzwischen in der aktuellen Version 8.1. Ziel vonMicrosoft war es, ein Betriebssystem für unterschiedlicheEndgeräte zu schaffen.52 Umsatzplus. Um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahrkonnte die Datev ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2012steigern.56 Mandantenseminare sollten Kanzleien dazunutzen, Bestandsmandanten durch ein ganzheitlichesKonzept und viel Engagement von der Kanzlei zuüberzeugen und damit langfristig zu halten.57 Übersteuert. Merkwürdiges aus der Steuerberatung,aufgegriffen von StB/WP Harald Elster, Berlin, undReiner Holznagel, Berlin.Foto: BMW Group58 Vorschau und Impressumwww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 5


Fakten & NachrichtenAktuelle Urteile und Verwaltungsanweisungen im Überblick*Einkommensteuer07 Minderung der Bemessungsgrundlage derGrund erwerbsteuer bei Übernahme derErwerbsneben kosten durch VeräußererKörperschaftsteuer09 Verwendung des steuerlichen Einlagekontosnach § 27 KStG i. d. F. d. SEStEG bei unterjährigenZugängen07 Nachträgliche Anschaffungskosten zur Rettungeiner Kapitalanlage08 Einkünfteerzielungsabsicht bei Vermietung vonGewerbeobjekten08 Einkünfteerzielung bei Mietvertragsübernahme09 Kosten einer Teilungsversteigerung nichtzwangs läufig* Die Urteilskommentierungen stammen aus derin der Haufe Gruppe erscheinenden ZeitschriftBFH/PR und wurden durch die Redaktion gekürzt.6 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


EinkommensteuerFakten & Nachrichten» EinkommensteuerMinderung der Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuerbei Übernahme der Erwerbsnebenkostendurch VeräußererBFH, 17.4.2013, II R 1/12, HI3956953Ist der Veräußerer eines Grundstücks verpflichtet, dem ErwerberErwerbsnebenkosten zu erstatten, vermindert sich die Bemessungsgrundlageder Grunderwerbsteuer um die zu erstattenden Kostenmit Ausnahme der Grunderwerbsteuer.» SachverhaltK bot dem Verkäufer V den Abschluss eines Kaufvertrags über eineEigentumswohnung für 98.000 EUR an. Das Angebot sollte erstwirksam angenommen werden können, wenn die Finanzierung desKaufpreises sichergestellt sei.Die Kosten des Angebots, der Annahme, des Vollzugs und die Grunderwerbsteuersollte K tragen. V nahm das Angebot an und verpflichtetesich, die Kosten zu erstatten, wenn die Zahlung des Kaufpreisessichergestellt ist.Das Finanzamt setzte die Grunderwerbsteuer auf Basis des Kaufpreisesfest. Der Bescheid wurde bestandskräftig.Später beantragte K, die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuerum die Erstattung von V zu vermindern. Das Finanzamt lehnteden Antrag ab. Die Klage hatte keinen Erfolg.» Entscheidung des BFHDer BFH hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zurück.Die K von V erstatteten Erwerbsnebenkosten vermindern – mit Ausnahmeder Grunderwerbsteuer – zwar die Bemessungsgrundlageder Grunderwerbsteuer.Das FG hat aber noch zu prüfen, ob die Voraussetzungen für dieÄnderung des bestandskräftigen Bescheids erfüllt sind.» PraxishinweisDie nach § 448 Abs. 2 BGB vom Käufer zu tragenden Erwerbsnebenkostensind keine Gegenleistung i. S. d. § 8 Abs. 1, § 9 GrEStG.Denn der Käufer schuldet diese Kosten nicht dem Verkäufer, sondernDritten.Auch wenn der Verkäufer diese Kosten übernimmt, erhöht dies dieBemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer nicht. Eine Gegenleistungfehlt auch, wenn der Käufer die Erwerbsnebenkosten trägtund ihm diese Kosten vom Verkäufer erstattet werden. Demgemäßvermindert die Verpflichtung des Veräußerers, dem Erwerber dieErwerbsnebenkosten zu erstatten, die Bemessungsgrundlage derGrunderwerbsteuer.Vermindert das Finanzamt bei der Festsetzungder Grunderwerbsteuer die Bemessungsgrundlage nicht um dieErstattung und wird der Bescheid bestandkräftig, lässt sich aus§ 16 Abs. 3 GrEStG kein Anspruch auf Steuerherabsetzung herleiten.Diese Vorschrift gilt nur, wenn die Herabsetzung der Gegenleistungnach Entstehung der Steuer vereinbart wird.Andere Grundsätze gelten für die Übernahme der Grunderwerbsteuer.Nach § 9 Abs. 3 GrEStG darf die Grunderwerbsteuer der Gegenleistungweder hinzugerechnet noch von ihr abgezogen wird. Damit wirdim Ergebnis nur die zusätzliche Einbeziehung der Grunderwerbsteuerin die Bemessungsgrundlage ausgeschlossen. Übernimmt allein derVerkäufer die Grunderwerbsteuer und erhöht sich mithin der vomKäufer zu entrichtende Kaufpreis um diesen Betrag, ergibt sich eineinsgesamt höhere Steuerschuld.Dr. Armin Pahlke, Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.Nachträgliche Anschaffungskosten zur Rettungeiner KapitalanlageBFH, 12.3.2013, VIII B 85/12, HI3721587Zu den Anschaffungskosten gehören auch nachträgliche Anschaffungskostenauf den Vermögensstamm, die aufgewendet werden, umeine notleidende Kapitalanlage zu retten.» SachverhaltEine vermögensverwaltende KG hatte 2 US-Unternehmen verzinslicheDarlehen gewährt. Nachdem diese mit Zinszahlungen in Rückstandgeraten waren, erhielt die KG nach Verhandlungen mit der an denSchuldnern beteiligten AG den vollen Darlehensbetrag und die rückständigenZinsen. Die Zinsen leitete die KG unmittelbar an die AGweiter. Sie erzielte aus der Darlehenshingabe einen Totalüberschuss.In der Gewinnermittlung machte die KG die an die AG weitergeleitetenZinsen erfolglos als Werbungskosten geltend.Das FG gab der Klage insoweit statt, als die Zahlung an die AG auf dieRealisierung der Zinsen entfallen ist. Im Übrigen wies es die Klageab. Die Nichtzulassungsbeschwerde blieb erfolglos.» Entscheidung des BFHZu den Anschaffungskosten gehörten auch nachträgliche Anschaffungskostenauf den Vermögensstamm, die aufgewendet werden,um eine notleidende Kapitalanlage zu retten. Dies ist hier der Fall.Nach der Zahlungseinstellung hat die KG die AG als Vermittlereingeschaltet, um ihr Kapital und die ausstehenden Zinsen ohneZwangsvollstreckung zu erhalten. Im Gegenzug musste sie die Zinsenunverzüglich an die AG weiterleiten. Die für die Vermittlungstätigkeitder AG entstandenen Aufwendungen sind danach einer bestimmtenKapitalanlage – dem Darlehen – als nachträgliche Anschaffungskostenzuordenbar.» PraxishinweisAufwendungen auf Kapitalanlagen sind uneingeschränkt zum Werbungskostenabzugbei den Einkünften aus Kapitalvermögen zuzulassen,wenn die Absicht zur Erzielung steuerfreier Vermögensvorteilenicht im Vordergrund steht, d. h. nur mitursächlich für die Anschaffungder ertragbringenden Kapitalanlage ist.Bei der Gewährung eines Darlehens ist der durch die Hingabe desKapitals erworbene Rückerstattungsanspruch Gegenstand eineswww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 7


Fakten & NachrichtenEinkommensteuer / KörperschaftsteuerAnschaffungsvorgangs. Demgemäß gehören weder die für den Erwerbeines solchen Wirtschaftsguts anfallenden Anschaffungskosten nochdie Anschaffungsnebenkosten zu den Werbungskosten bei den Einkünftenaus Kapitalvermögen.Die Zurechnung von Aufwand als Nebenkosten zu den Anschaffungskostenvon Kapitalvermögen setzt grundsätzlich voraus, dass er einzelnen,bestimmten Kapitalanlagen zugeordnet werden kann. Zu denAnschaffungskosten gehören auch nachträgliche Anschaffungskostenauf den Vermögensstamm, die aufgewendet werden, um die notleidendeKapitalanlage zu retten.Solche nachträglichen Anschaffungskosten können im Bereich derÜberschusseinkünfte nur nach den §§ 17, 23 EStG sowie § 21 UmwStGvon Bedeutung sein. Im Übrigen ist der Werbungskostenabzug fürAnschaffungs(neben)kosten solcher Wirtschaftsgüter ausgeschlossen.Prof. Dr. Heinz-Jürgen Pezzer, Vors. Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.nachhaltige Vermietungsbemühungen. Deren Nachweis fehlt hier. DieMaßnahmen reichen für die Annahme der Einkünfteerzielungsabsichtjedenfalls dann nicht aus, wenn das Objekt gleichzeitig auch zumVerkauf angeboten wird.Darüber hinaus hätte die GbR angesichts des schlechten Zustands desObjekts neben der Neugestaltung von Mietkonditionen (TeilflächenstattGesamtvermietung) auch auf die nahezu fehlende Marktgängigkeitdes Objekts reagieren müssen, um eine günstige Ertragsprognosezu erreichen. Dass eine Sanierung des Objekts für einen gewerblichenZwischenmieter wegen der fehlenden rechtlichen Absicherung vonInvestitionen ausschied, führt nicht dazu, die Notwendigkeit einersolchen Investitionsentscheidung ausnahmsweise zu verneinen.Der Abzug der Werbungskostenüberschüsse scheitert auch, weil dieZwischenschaltung der GbR letztlich die Insolvenz der GmbH verhindernsollte. Das Motiv des Handelns war nicht die Einnahmeerzielungdurch die GbR, sondern die Verlustvermeidung bei GmbH.Einkünfteerzielungsabsicht bei Vermietung vonGewerbeobjektenBFH, 19.2.2013, IX R 7/10, HI37216231. Bei Gewerbeimmobilien ist stets im Einzelfall festzustellen, ob derSteuerpflichtige beabsichtigt, auf die voraussichtliche Dauer der Nutzungeinen Überschuss der Einnahmen über die Werbungskostenzu erzielen.2. Aufwendungen für ein nach Anmietung leerstehendes Gewerbeobjektkönnen als vorab entstandene Werbungskosten abziehbarsein, wenn der Steuerpflichtige als gewerblicher Zwischenmieter dieEinkünfteerzielungsabsicht hinsichtlich dieses Objekts erkennbaraufgenommen und sie später nicht aufgegeben hat.3. Ist dem Steuerpflichtigen von Anfang an bekannt oder zeigt sichspäter aufgrund bislang vergeblicher Vermietungsbemühungen, dassfür ein seit Jahren leerstehendes Objekt, so wie es baulich gestaltetist, kein Markt besteht und es deshalb nicht vermietbar ist, mussder Steuerpflichtige – will er die Aufnahme oder Fortdauer seinerVermietungsabsicht belegen – zielgerichtet darauf hinwirken, u. U.auch durch bauliche Umgestaltungen, einen vermietbaren Zustanddes Objekts zu erreichen.» SachverhaltEine GbR pachtete 1999 von einer personenidentischen GmbH einGrundstück mit mehreren Vorkriegsbauten, die dem Verfall preisgegeben,für Lagerzwecke aber z.T. noch nutzbar waren. Bis 1995 wardas Grundstück vermietet, ab 1996 stand es leer. Zwecks Vermietungschaltete die GbR einen Makler ein, stellte eine 1 x 2 m große Tafelam Objekt auf und kontaktierte zahlreiche Interessenten. Dennochkonnten nur Teilflächen an einzelne Nutzer vermietet werden. In denStreitjahren 1999 bis 2005 betrugen die Mieteinnahmen 7.978 EUR,die Werbungskosten 116.426 EUR.Deren Ansatz wurde in allen Instanzen mangels Einkünfteerzielungsabsichtabgelehnt.» Entscheidung des BFHAufwendungen für ein gemietetes leerstehendes Gewerbeobjekt könnenals vorab entstandene Werbungskosten abziehbar sein, wenndie Einkünfteerzielungsabsicht erkennbar aufgenommen und späternicht aufgegeben wird. Hierfür sprechen vorrangig ernsthafte und» PraxishinweisAufwendungen infolge der beabsichtigten Vermietung eines Gewerbeobjektskönnen grundsätzlich als vorab entstandene Werbungskostenberücksichtigt werden, wenn ein ausreichender wirtschaftlicherZusammenhang mit der entsprechenden Einkunftsart besteht.Allerdings ist bei Gewerbeimmobilien stets im Einzelfall zu prüfen,ob der Steuerpflichtige beabsichtigt, auf die voraussichtliche Nutzungsdauereinen Einnahmenüberschuss zu erzielen. Die Typisierungsrechtsprechunggilt hier nicht, sondern nur für die Vermietungvon Wohnimmobilien.Dr. Bernd Heuermann, Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.Einkünfteerzielung bei MietvertragsübernahmeBFH, 22.1.2013, IX R 13/12, HI4050450Tritt der Erwerber eines Mietobjekts in einen bestehenden Mietvertragein, so wird seine Einkünfteerzielungsabsicht auf der Grundlageder Auslegung dieses Mietvertrags durch den Umgang des Erwerbersmit ihm, insbesondere auch mit einer noch laufenden Befristung und/oder Eigenbedarfsklausel, indiziert.» SachverhaltK hatte mit Erwerb einer Immobilie im April 2006 das zwischen ihrerGroßmutter G und Mieter M begründete, bis zum 31.8.2009 befristeteMietverhältnis übernommen. Begründet wurde die Befristung mitspäterem Eigenbedarf der Familie der G. K zog im Oktober 2008 indie Immobilie um. Für 2006 und 2007 machte K Verluste aus derVermietung geltend, die Finanzamt und das FG nicht anerkannten.» Entscheidung des BFHDer BFH bestätigte das FG. K hat ein befristetes Mietverhältnis übernommen,das ab Erwerb noch gut 3 Jahre bestehen sollte. Dies istnicht als auf Dauer angelegt zu werten, was durch das Fehlen weitergehenderVermietungsbemühungen und den eigenen Einzug imOktober 2008 bestätigt wird. Die Eigenbedarfsklausel wurde zwar mitG vereinbart, bezieht sich aber ausdrücklich auf deren Kinder und8 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Enkel. Es ist daher revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, wenndas FG den Mietvertrag so auslegt, dass die Klausel auch für K vonBedeutung ist, weil K dadurch begünstigt wird. Bestätigt wird dieswiederum durch die kurzfristige Eigennutzung.» SachverhaltWeil seine Ehefrau E nicht sofort dem Verkauf eines Mietgrundstückszustimmte, stellte K einen Teilungsantrag. Im Scheidungsverfahrenvereinbarten K und E, dass E das Mietgrundstück erhält und K eineEigentumswohnung. Das Amtsgericht hob darauf das Teilungsverfahrenauf. K machte Anwalts- und Gerichtskosten als Werbungskostenoder außergewöhnliche Belastung erfolglos geltend.» Praxishinweis» PraxishinweisVon einer auf Dauer ausgerichteten Vermietung mit Einkünfteerzielungsabsichtist nur auszugehen, wenn sie nach den bei Beginnersichtlichen Umständen nicht befristet ist. Ein Zeitmietvertragbedeutet noch keine solche Befristung. Vielmehr muss die Befristungmit einer ausdrücklich erklärten Selbstnutzungs- oder Verkaufsabsichtverknüpft sein. Dieses Indiz wird verstärkt, wenn sich der Steuerpflichtigetatsächlich so verhält. Die kurzfristige Vermietung mitWerbungskostenüberschüssen wegen geplanter und umgesetzterSelbstnutzung spricht also gegen die Einkünfteerzielungsabsicht.Legt der Steuerpflichtige keine weiteren Umstände dar, muss siemittels Prognose im Einzelfall geprüft werden.Maßgeblich ist die Einkünfteerzielungsabsicht des Steuerpflichtigen,der den Handlungstatbestand der Vermietung verwirklicht. Für eineZurechnung der Einkünfteerzielungsabsicht des Rechtsvorgängersfehlt jegliche Rechtsgrundlage. Die Einkünfteerzielungsabsicht istfür den Erwerber unter Berücksichtigung der gesetzlichen Übernahmedes Mietvertrags gesondert zu prüfen. Enthält der MietvertragRegelungen, die sich speziell auf die Person des Verkäufers beziehen,sind diese regelmäßig nicht auf den Erwerber zu übertragen. Indizienfür oder gegen die Einkünfteerzielungsabsicht des Erwerbers ergebensich aus seinem Verhalten im Umgang mit dem übernommenenMietvertrag.Dr. Bernd Heuermann, Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.Kosten einer Teilungsversteigerung nichtzwangsläufigDie Aufwendungen sind keine Werbungskosten. Es fehlt der Zusammenhangmit der Vermietung des Grundstücks, dessen Teilungsversteigerungbeantragt wurde. Letztere zielte vielmehr darauf ab, dieVermietung zu beenden. Ein Zusammenhang mit der vermietetenEigentumswohnung besteht ebenfalls nicht. K hatte die Teilungsversteigerungnicht angestrengt, um das Alleineigentum an dieser zuerlangen, sondern weil er eine gütliche Einigung im Scheidungsverfahrennicht abwarten wollte. Das hat mit dem späteren Erwerb derEigentumswohnung nichts zu tun.Die Aufwendungen sind auch keine außergewöhnliche Belastung:Kosten für nicht in den Zwangsverbund fallende familienrechtlicheund sonstige Regelungen im Zusammenhang mit der Ehescheidungsind grundsätzlich nicht nach § 33 EStG zu berücksichtigen.Eheleute können frei entscheiden, wie sie ihre Verhältnissegüterrechtlich regeln. Deshalb stellen Kosten, die ihnen in Ausübungdieser Dispositionsfreiheit entstehen, keine unvermeidbare,zwangsläufige Belastung dar.Die aus dem Teilungsantrag resultierenden Kosten sind auchnicht unabhängig vom Gegenstand des Prozesses aus rechtlichenGründen zwangsläufig erwachsen. Die Kosten waren für K nichtunausweichlich. K war nicht gezwungen, die Teilungsversteigerungzu beantragen. Er hätte die Vermögensauseinandersetzung imZuge des Scheidungsverfahrens als Folgesache verlangen können.Der Antrag auf Teilungsversteigerung beruhte auf persönlichenGründen. Es ist nicht Zweck des § 33 EStG, die Allgemeinheit durchden Abzug von Kosten für eine vermeidbare Inanspruchnahme vonGerichten als außergewöhnliche Belastung zu belasten.Dr. Bernd Heuermann, Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.BFH, 19.3.2013, IX R 41/12, HI40504521. Wer die Auflösung einer Grundstücksgemeinschaft durch Verkaufdes gemeinschaftlichen, bislang vermieteten Grundstücks im Wegeder Teilungsversteigerung beantragt, kann die damit verbundenenProzess- und Anwaltskosten nicht deshalb als Werbungskosten absetzen,weil er rein hypothetisch die Möglichkeit hat, das Grundstückim Wege der Versteigerung selbst zu erwerben.2. Wer die Auflösung einer Grundstücksgemeinschaft begehrt undohne das Scheidungsverfahren und die damit verbundene vermögensmäßigeAuseinandersetzung abzuwarten sogleich einen Antrag aufTeilungsversteigerung stellt, weil ihm eine Gemeinschaft mit demgeschiedenen Ehegatten nicht zumutbar erscheint, kann die dadurchentstandenen Gerichts- und Anwaltskosten nicht als außergewöhnlicheBelastung geltend machen.» KörperschaftsteuerVerwendung des steuerlichen Einlagekontosnach § 27 KStG i. d. F. d. SEStEG bei unterjährigenZugängenBFH, 30.1.2013, I R 35/11, HI3956955Die Verwendung des steuerlichen Einlagekontos ist ungeachtetunterjähriger Zugänge zum steuerlichen Einlagekonto auf den zumEnde des vorangegangenen Wirtschaftsjahrs festgestellten positivenBestand des Kontos begrenzt.» SachverhaltAlleingesellschafter der Klägerin, der K-GmbH, ist die R-AG. DasEigenkapital der K-GmbH belief sich zum 31.12.2006 auf 28.712 EUR,das steuerliche Einlagekonto auf 0 EUR. Mit Wirkung zum 15.2.2007legte die R-AG ihre Anteile an der D-GmbH nebst fälligem Dividendenanspruchvon rd. 135 Mio. EUR in die K-GmbH ein.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 9


Fakten & NachrichtenKörperschaftsteuerDiese veräußerte die Anteile sodann zu diesem Wert ebenfalls zum15.2.2007. Im Streitjahr nahm die K-GmbH eine Ausschüttung von rd.53 Mio. EUR (Beschluss vom 7.2.2007, Zahlung am 12.3.2007) sowieeine Vorabausschüttung für 2007 von rd. 53 Mio. EUR (Beschlussvom 30.6.2007, Zahlung am 20.7.2007) vor. Das Finanzamt stelltedas steuerliche Einlagekonto zum 31.12.2007 mit rd. 140 Mio. EURgesondert fest. Dabei wurden als Zugänge die Einlage der Anteilean der D-GmbH und der Dividendenanspruch erfasst. Die beidenAusschüttungen wurden wegen des unterjährigen Zugangs nichtals eine Verwendung des Einlagekontos berücksichtigt. Klage undRevision hatten keinen Erfolg.» PraxishinweisDie Folgen des Urteils lassen sich anhand der Wirkungen des steuerlichenEinlagekontos verdeutlichen:Bei der Gesellschaft ist die Auskehrung von Einlagen an die Gesellschaftersteuerneutral. Hierfür ist keine Kapitalertragsteuer einzubehalten.Beim Gesellschafter ist wie folgt zu differenzieren:– Eine natürliche Person wird nur dann „belangt“, wenn sie qualifiziertbeteiligt ist oder die Beteiligung im Betriebsvermögenhält. Jeweils unterfällt entweder der die Anschaffungskostender Beteiligung oder der den Buchwert übersteigende Betragdem Teileinkünfteverfahren. Sonst sind Auskehrungen aus demsteuerlichen Einlagekonto nicht steuerbar.– Eine Körperschaft erzielt in dem mit dem Beteiligungsbuchwertverrechenbaren Umfang keine steuerbare Vermögensmehrung.Gesichert ist aber nach wie vor nicht, ob die Einlagenrückgewährin dem Umfang, in dem sie den Beteiligungsbuchwert überschreitet,unmittelbar oder erst in Gestalt späterer Veräußerungsgewinneaußer Ansatz bleibt. Es spricht einiges für Letzteres.Ausschlaggebend für den Eintritt dieser Folgen ist der Bestand dessteuerlichen Einlagekontos:Unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaften haben dienicht in das Nennkapital geleisteten Einlagen am Schluss jedesWirtschaftsjahrs auf dem steuerlichen Einlagekonto auszuweisen.Das steuerliche Einlagekonto dient dazu, die nicht steuerpflichtigeAuskehrung von Einlagen von der grundsätzlich steuerpflichtigenGewinnausschüttung zu separieren.Um dies zu gewährleisten, wird ausgehend vom Bestand am Ende desvorangegangenen Wirtschaftsjahrs das steuerliche Einlagekonto umdie jeweiligen Zu- und Abgänge des Wirtschaftsjahrs fortgeschriebenund zum Schluss jeden Wirtschaftsjahrs gesondert festgestellt:– Der Feststellungsbescheid ist Grundlagenbescheid für denBescheid über die gesonderte Feststellung zum folgenden Feststellungszeitpunkt.Leistungen der Kapitalgesellschaft – ausgenommendie Rückzahlung von Nennkapital – mindern dassteuerliche Einlagekonto nur, soweit die Summe der im Wirtschaftsjahrerbrachten Leistungen den auf den Schluss desvorangegangenen Wirtschaftsjahrs ermittelten ausschüttbarenGewinn übersteigt.– Erfasst werden (nur) Leistungen, die im Wirtschaftsjahr abgeflossensind. Als ausschüttbarer Gewinn gilt das um das gezeichneteKapital geminderte, in der Steuerbilanz ausgewiesene Eigenkapitalabzüglich des Bestands des steuerlichen Einlagekontos.– Der gesondert festgestellte Bestand des steuerlichen Einlagekontoswirkt nicht nur für die Gesellschaft, sondern gleichermaßenfür den „empfangenden“ Gesellschafter.Unterjährige Einlagen stehen zur Finanzierung einer im gleichenWirtschaftsjahr abgeflossenen Leistung nicht zur Verfügung, weil§ 27 KStG den Direktzugriff auf das steuerliche Einlagekonto verhindernsoll. Hierzu bedarf es einer praktikablen Regelung, die dann vorliegt,wenn man uneingeschränkt auf den „Kontostand“ zum Schlussdes Vorjahrs abstellt:Dem Bestand des steuerlichen Einlagekontos kann als reine Berechnungsgrößezur Ermittlung des ausschüttbaren Gewinns keinanderer Zeitpunkt als der bei der Ermittlung des ausschüttbarenGewinns zugrunde gelegt werden. Beide Ermittlungszeitpunktemüssen miteinander übereinstimmen und korrespondieren.Die Richtigkeit dieses Ergebnisses bestätigt § 27 Abs. 2 Satz 3KStG: Beim Zuzug einer ausländischen Gesellschaft ins Inlandwird die unterjährige Erfassung von Einlagen im Einlagekonto aufden Schluss des Vorjahrs zurückbezogen. Diese Regelung ist alsAusnahme konzipiert und nicht verallgemeinerungsfähig.Die Rechtsprechung zur Finanzierung einer Gewinnausschüttungaus unterjährigen Zugängen zum Körperschaftsteuer-Guthabengreift nicht. Der Wortlaut des seinerzeit relevanten § 37 Abs. 3KStG und des nunmehrigen § 27 Abs. 1 Satz 3 KStG unterscheidensich. Insbesondere fehlte früher ein gesondertes Feststellungserfordernis.Der verwaltungsvereinfachende Effekt veranlasst den BFH, einenetwaigen Gleichheitsverstoß zu verwerfen. Es darf zwar nicht verkanntwerden, dass die Folgen der vom BFH favorisierten Regelungsdeutungfür den ausschüttungsempfangenden Anteilseignerbeträchtlich sein können. Doch bestehen in Einzelfällen durchausAuswegmöglichkeiten.Prof. Dr. Dietmar Gosch, Vors. Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.Für den Fall, dass ein Verwaltungsakt noch vor Ablauf des Zeitraumsvon 3 Tagen nach Aufgabe zur Post förmlich zugestellt und das aufdem Umschlag vermerkte Zustelldatum nicht zur Kenntnis genommen,sondern auf das Bescheiddatum abgestellt wird,• hat der III. Senat entschieden, dass die mangelnde Kenntnis desauf dem Umschlag handschriftlich eingetragenen Zustellungsdatumsselbst dann unverschuldet sein kann, wenn das zuzustellendeSchriftstück den Stempelaufdruck „Zugestellt durch Postzustellungsurkunde“enthält und der Steuerpflichtige durch einen Steuerberatervertreten wird. Diese Entscheidung betraf zwar einen Extremfall,deren abstrakten Maßstäbe beschränken sich jedoch nicht auf einensolchen Sachverhalt.• hat der VIII. Senat offengelassen, ob er sich den genannten Maßstäbenuneingeschränkt anschließen kann. Diese Maßstäbe müssen aberdann gelten, wenn auf dem zuzustellenden Schriftstück ein Hinweisauf die förmliche Zustellung fehlt und es sich um eine Naturalparteihandelt, die nicht erkannt hat, dass eine förmliche Zustellung vorliegt.Dies ist dem Zustellungsempfänger dann nicht vorzuwerfen.Prof. Dr. Heinz-Jürgen Pezzer, Vors. Richter am BFH, aus: BFH/PR 8/2013,durch die Redaktion gekürzt.10 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


WirtschaftsrechtFakten & NachrichtenAktueller Beratungsanlass Wirtschaftsrecht» Die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter BerufshaftungSeit dem 19.07.2013 kann eine „Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung“ gegründet werden.So können u.a. Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer nun auch in Form der Partnerschaftsgesellschaftihre Berufshaftung (aber auch nur diese!) beschränken.» HintergrundEinige große Anwaltskanzleien waren in den letzten Jahren in die englischeRechtsform der Limited Liability Partnership (LLP) gewechselt.Hierdurch konnte die persönliche Haftung der Partner ausgeschlossenwerden, ohne die Steuernachteile der GmbH in Kauf nehmenzu müssen. Die LLP wird in Deutschland nämlich als Personengesellschaftund damit steuerlich transparent behandelt, sodass aufEbene der Gesellschaft keine Körperschaftsteuer, keine Gewerbesteuerund kein Solidaritätszuschlag anfallen. Der Gesetzgeber hatauf diese Entwicklung reagiert und die „Partnerschaftsgesellschaftmit beschränkter Berufshaftung“ (PartGmbB) geschaffen. Das seit19.7.2013 in Kraft getretene Gesetz ermöglicht eine berufshaftungsbeschränkteGesellschaft für alle freien Berufe, denen auch bislangdie Partnerschaftsgesellschaft offen stand (d. h. selbstständige Ärzte,Rechts- und Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratendeVolks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Ingenieure,Architekten, Sachverständige etc., § 1 PartGG).» Der Inhalt des PartGmbB-GesetzesDas Gesetz zur Einführung der PartGmbB sieht vor, neben der herkömmlichenPartnerschaftsgesellschaft mit Haftungskonzentrationauf die Gesellschaft und den handelnden Partner die Partnerschaftsgesellschaftmit beschränkter Berufshaftung zu schaffen.Bei dieser haftet den Gläubigern für etwaige Fehler bei der Berufsausübungnur das Gesellschaftsvermögen. Die Partner bleiben jedochpersönlich haftbar für sonstige Verbindlichkeiten wie Mieten, Versicherungsbeiträgeund Lohn der Angestellten. Mandanten müssenauf die Haftungsbeschränkung durch den Zusatz „mbB“ oder „mitbeschränkter Berufshaftung“ hingewiesen werden, der auch in dasPartnerschaftsregister einzutragen ist.Voraussetzung für den Wechsel einer PartG in eine PartGmbB ist derAbschluss einer Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssummevon (i) 1,0 Mio. EUR für Wirtschaftsprüfer (§ 54Abs. 1 WPO i.V.m. § 323 Abs. 2 Satz 1 HGB) und Steuerberater (§52 DVStB) sowie (ii) 2,5 Millionen Euro für Rechtsanwälte für jedenVersicherungsfall.Eine Mindestsumme für andere freie Berufe ist nicht vorgesehen,diese müssen ausweislich der Begründung des Bundestages aber„angemessen“ versichert sein. Die Haftungsbegrenzung auf dasGesellschaftsvermögen geht damit einher mit einem ganz erheblichen,gesetzlichen Versicherungsschutz, der den Gläubigern zugutekommt.» AnmerkungFür Steuerberater kam bislang vor allem der Wechsel in die GmbH &Co. KG in Betracht, um die persönliche Haftung zu beschränken, ohnedie Steuernachteile einer GmbH in Kauf nehmen zu müssen. Zwarfordert die Tätigkeit in Form einer GmbH & Co. KG nach § 105 HGBan sich ein Gewerbe (ist also für freie Berufe ausgeschlossen). FürSteuerberater machte die Rechtsprechung allerdings eine Ausnahmevon dieser Regel, während eine Tätigkeit in Form der GmbH & Co.KG für Ingenieure, Rechtsanwälte und andere freie Berufe bislangabgelehnt wird. Für Anwälte stellten die Obergerichte regelmäßig fest,dass eine Tätigkeit in Form der GmbH & Co. KG auch berufsrechtlichnicht möglich sei.Diese Rechtsprechung und die hierdurch ausgelöste Flucht in ausländischeRechtsformen verstärkten den Druck auf den Gesetzgeber,eine adäquate Gesellschaft zur Beschränkung der Haftung von Freiberuflernzu schaffen. Schließlich wurden diese bislang gegenüberden Gewerbetreibenden schlechter gestellt, da für Gewerbetreibendeimmer die Tätigkeit in Form einer GmbH & Co. KG möglich war.Die Einführung der PartGmbB schafft nun nicht nur für Steuerberater,sondern auch für andere freie Berufe eine attraktive Rechtsform mitbeschränkter Haftung, die als Ausgleich und zum Schutz der Gläubigerüber einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügen muss.Bestehende Partnerschaftsgesellschaften können identitätswahrendin eine PartGmbB umgewandelt werden. Der entsprechende Versicherungsschutzmuss erfüllt sein und die Haftungsbegrenzung indas Partnerschaftsregister eingetragen werden.RA Dr. Stefan Lammelist als Rechtsanwalt bei der Sozietät FriedrichGraf von Westphalen & Partner in Freiburgtätig.RA Dr. Jan Henning Martensist als Rechtsanwalt bei der Sozietät FriedrichGraf von Westphalen & Partner in Freiburgtätig.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 11


Fakten & NachrichtenEinkommensteuerVereine und Stiftungen» TätigkeitsvergütungenDurch das Ehrenamtsstärkungsgesetz und durch das BMF-Schreiben zur Umsatzsteuerbefreiung für Tätigkeitsvergütungen(vom 27.3.2013, IV D 3 – S 7185/09/10001) wurden die steuerlichen Regelungen für Vereine undStiftungen geändert. Hier werden die Neuregelungen, die auf dem BMF-Schreiben beruhen, vorgestellt.Folgende Punkte sind zu beachten: Ja NeinAuslagenersatz und angemessene Entschädigung für ZeitaufwandEine ehrenamtliche Tätigkeit ist umsatzsteuerbefreit, wenn das Entgelt für diese Tätigkeitnur in Auslagenersatz und einer angemessenen Entschädigung für das Zeitversäumnisbesteht. Erstmals wurde seitens der Verwaltung eine Nichtbeanstandungsgrenze festgelegt.Wichtig: Die Umsatzsteuer stellt für die regelmäßig nicht vorsteuerabzugsberechtigten Vereineund Verbände einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, wenn die Steuerbefreiung nicht greift.Mandanten sollten hier aber auch auf die Kleinunternehmerregelung hingewiesen werden.Definition EhrenamtMateriell-rechtlich setzt ein ehrenamtliches Engagement das Fehlen eines eigennützigenErwerbsstrebens, die fehlende Hauptberuflichkeit und den Einsatz für eine fremdnützigbestimmte Einrichtung voraus (BFH, Az. XI R 70/07 und Az. V R 32/08). Fehlen diese materiellenBestandteile, liegt – unabhängig von der Höhe des Entgelts – kein Ehrenamt undmithin keine Steuerbefreiung vor. Indiz für das Fehlen: der Zeitaufwand für die Tätigkeit.Bereits bei einer hauptberuflichen Teilzeitbeschäftigung wird ein Ehrenamt verneint.Wichtig: Bestimmt sich das Entgelt an der Qualifikation des Tätigen oder orientiert es sichan seiner Leistung, ist also zeitunabhängig, liegt kein Ehrenamt vor! Mandanten sollten aufdiese Falle bei der Vertragsgestaltung und bei Vereinbarungen hingewiesen werden. Damitunterliegen alle für diese Tätigkeit bezahlten Entgelte der Umsatzsteuer. Unschädlich istneben dem Auslagenersatz also lediglich eine Entschädigung für den Zeitaufwand.Wichtig: Es besteht eine Übergangsfrist bis zum 31.3.2014. Bis dahin sollten Verträge undSatzungen auf Unschädlichkeit in Bezug auf die Umsatzsteuerbefreiung geprüft und nötigenfallsgeändert worden sein.Angemessenheit der Entschädigung für das ZeitversäumnisDie Angemessenheit lässt sich nur im Einzelfall beurteilen. Eine Entschädigung bis zu50 EUR je Tätigkeitsstunde wird ohne weitere Prüfung als angemessen anerkannt. Voraussetzung:Die gesamte Vergütung für die ehrenamtliche Tätigkeit übersteigt nicht die jährlicheGrenze von 17.500 EUR. Bei der Ermittlung der Gesamtvergütung ist auf die tatsächlicheHöhe der Entschädigungen im Vorjahr sowie die voraussichtliche Höhe der laufendenAufwandsentschädigungen des aktuellen Jahrs abzustellen.Wichtig: Ein echter Auslagenersatz, z. B. Ersatz vor vorverauslagten Reisekosten nach steuerlichenRegelungen, wird nicht mitgerechnet.Wichtig: Die Nichtbeanstandungsgrenze von 17.500 EUR gilt nicht je Verein, sondern fürdie gesamte Tätigkeit. Jeder Verein oder Verband muss seine Ehrenamtlichen über weitereehrenamtliche Tätigkeiten und deren Vergütung befragen. Mandanten ist anzuraten, dieAntworten schriftlich zu dokumentieren.Glaubhaftmachung von ZeitaufwandIm Grundsatz muss der tatsächliche Zeitaufwand glaubhaft gemacht werden. Die Finanzverwaltungsieht davon jedoch ab, wenn die Entschädigungen die Übungsleiterpauschale(2.400 EUR jährlich) nicht überschreiten. Dann genügt es, die Tätigkeit und die Höhe derEntschädigungen anzugeben. Echter Aufwandsersatz rechnet auch hier nicht mit.Wird der Betrag (2.400 EUR) überschritten, sollten Aufzeichnungen über einen mindestensrepräsentativen Zeitraum (i. d. R. drei Monate) geführt werden.12 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


VermögensgestaltungFakten & NachrichtenPraxis Vermögensgestaltungsberatung» VermögensnachfolgeIrgendwann muss sich jeder damit beschäftigen, dass sein Leben begrenzt ist. Und beim Thema „Vermögen“ stehendiese Fragen häufig im Mittelpunkt: Wer soll mein Vermögen erhalten? Und: Wie schaffe ich es, dass der Fiskus nichtzu viel davon erhält? Traditionell spielen auch Versicherungsprodukte bei diesen Fragen eine Rolle. In den letztenMonaten wird in den Beratungen Vermögender häufiger eine altbekannte Variante neu vorgestellt: Die „Ummantelung“einer Vermögensverwaltung durch eine Lebensversicherung. Der versprochene Vorteil: Steuerfreiheit aller Erträge.» Fall aus der PraxisDie Eheleute Sorkora haben in den letzten Monaten ihren 55.Geburtstag feiern können. Das Vermögen der beiden besteht zumgroßen Teil aus Wohnimmobilien. Gut 27 Mio. Euro beträgt deraktuelle Verkehrswert dieser Vermögensklasse. Hinzu kommenmehrere Depots mit Wertpapieren im mittleren einstelligen Millionen-Bereich.Das vermögensstrategische Problem der beiden:Die Immobilien sind in Personengesellschaften verpackt, die imRahmen einer alten Zusammenarbeit mit mehreren Geschäftspartnerngegründet wurden. Das Verhältnis der ehemaligen Kollegenist geschäftsmäßig, aber keinesfalls stressfrei. Insbesondere gibtes regelmäßig Unstimmigkeiten über die strategische Ausrichtungdes Immobilienvermögens.Ihre Steuerberaterin verweist auf einen weiteren gravierenden Punkt:Die Eheleute leben zwar im Güterstand der Zugewinngemeinschaft,die Immobilien gehören aber ausschließlich Herrn Sorkora. Wenn derUnternehmer versterben sollte, erbt Frau Sorkora alles. Kinder alspotentielle Vermögensnachfolger sind nicht vorhanden. In der letztenJahresbesprechung warnt die Steuerexpertin die beiden deutlich: Daaufgrund der Rechtsform die Immobilien nicht so einfach zu verwertensind, droht Frau Sorkora eine großes Liquiditätsrisiko. Sie mussihre Erbschaftsteuer zahlen, kann aber evtl. die Immobilien nichtverkaufen und somit zu Geld machen. Sie muss also anderweitig dieLiquidität aufbringen. Dabei wird sie wohl auf ihr Wertpapiermögenzugreifen müssen.Dieses Thema ist anschließend Gesprächsstoff in der Beratung mitihrem „Private Banker“. Und dieser macht einen Vorschlag: FrauSorkora soll ihr Vermögen weiterhin durch die Vermögensverwaltungder Bank betreuen lassen, aber das Depot in eine „Nachlass-Police“einbringen. Laufzeit des Vertrags: „whole life“, also bis zum Tode derversicherten Person. Der Vorteil ist beträchtlich, so die Argumentation.Zum einen bleiben Veräußerungsgewinne bis zur endgültigenAuszahlung in dem Versicherungsmantel unversteuert. Beim bisherigenDepot ist das anders: Wird ein Gewinn erzielt, wird die Abgeltungssteuerfällig. Dieser „Thesaurierungseffekt“ erhöht die Renditeder Kapitalanlage und überkompensiert auch die Kosten der Police.Der eigentliche „Clou“ ist aber folgende Konstruktion der Versicherung:Frau Sorkora ist Versicherungsnehmerin und somit Inhaberder Police. Versicherte Person ist dagegen Herr Sorkora. Sollte derEhemann versterben, wird die Lebensversicherung fällig. Das Depotin der Versicherung wird aufgelöst und an Frau Sorkora ohne jeglicheAbgeltungssteuer und Erbschaftssteuer ausgezahlt. Denn sie istVersicherungsnehmerin, hat die „Prämien“ bezahlt und erhält dieseVersicherungsleistung im Todesfall folglich steuerfrei.Mit Blick auf das Liquiditätsproblem im Todesfall von Herrn Sorkoraklingt die Lösung verlockend. Sie kann die Erbschaftssteuer bezahlen,ohne durch Entnahme aus ihrem Depot oder der Lebensversicherungzusätzlich Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlagbezahlen zu müssen.Der Bankberater argumentiert zudem: Wenn die Eheleute nach 12Jahren doch über ihr Vermögen verfügen wollen, versteuern sie dieGewinne „nur“ mit der Hälfte ihres dann gültigen Steuersatzes.Die Eheleute wollen eine Zweitmeinung hören. So diskutieren sie dieEmpfehlung mit einem weiteren Experten, einem Finanzplaner. Derrechnet nach. Die Anlage soll 5.000.000 € betragen. Die Kosten fürdie Versicherung betragen 0,38 % vom Depotvermögen pro Jahr. DieEinrichtungskosten sind mit 1.000 € verhältnismäßig gering. Schafftder Vermögensverwalter eine durchschnittliche Rendite von 5 % p. a.und würde Herr Sorkora in 25 Jahren sterben, erhält Frau Sorkora ca.10.300.000 €. Bei einem „normalen Depot“ würde sie nach Steuernlediglich knapp 9.000.000 € zur Verfügung haben. Der Vorteil beträgtalso 1.300.000 €. Stirbt der Unternehmer 10 Jahre später, werdenknapp 14 Millionen Euro ausgezahlt – im Vergleich zu 11,4 MillionenEuro. Soweit, so gut. Aber: Die Rendite spielt eine gewichtige Rollefür die Vorteilsrechnung: Bei 3 % Rendite werden aus 14 MillionenEuro nur 7,1 Mio. Euro. Und der Vorteil schrumpft auf ca. 300.000 €.Und noch eins wird bei der Berechnung deutlich: Bei einer 3 %-Renditesollten die Eheleute die Versicherung bis zum „bitteren Ende“, alsodem Tod von Herrn Sorkora, halten. Sollten sie vor dem Tod über ihrGeld verfügen, wäre die Lösung ohne Versicherung besser gewesen.Der „Thesaurierungseffekt“ hätte die Kosten der Versicherung nicht(!) kompensiert. Erst bei einer durchschnittlichen Rendite von 4,5 %ist die Depot-Ummantelung vorteilhaft – aber auch erst nach einerLaufzeit von mindestens 27 Jahren!Fazit: Der Ansatz einer „Nachlass-Police“ ist für Vermögende mithohem illiquiden oder nur schwer veräußerbarem Vermögen eineprüfenswerte Variante. Aber es muss jeder Einzelfall gerechnet werdenund es bedarf eines guten Vermögensverwalters sowie einergünstigen Police.Dr. Jörg Richter, CFP, CEP, CFEP,leitet die Kanzlei für Vermögensmanagement undRuhestandsplanung, ein Geschäftsbereich desInstituts für Qualitätssicherung und Prüfung vonFinanzdienstleistungen GmbH, Hannover (IQF).Er ist Fachbeirat des SteuerConsultant und Partnerder Private Banking Prüfinstanz. Er gilt alsführender Experte in der Beratung Vermögender.Tel. 05 11/36 07 70, www.dr-richter.dewww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 13


FachbeiträgeSelbstanzeige» RA Bernd Guntermann, DüsseldorfMisslungene SelbstanzeigeberatungEine Haftungsfalle für den steuerlichen Beraterund ihre FolgenPresseberichte über den wiederholten Ankauf von Steuer-CDs durch mehrere Bundesländer undprominente Steuersünder rücken die Selbstanzeige gemäß § 371 AO in das Blickfeld einer breitenÖffentlichkeit. Ziel jeder Selbstanzeige ist die Straffreiheit. Deren Voraussetzungen wurden durch dasSchwarzgeldbekämpfungsgesetz im Jahr 2011 und die restriktive Rechtsprechung des ersten Strafsenats desBGH in den letzten Jahren erheblich verschärft. Mit den Anforderungen wächst das Haftungsrisikodes steuerlichen Beraters. Denn eine verunglückte Selbstanzeige ist in der Regel nicht heilbar.Beratungsfehler führen deshalb zu irreparablen Schäden.» 1. Gesetzliche Grundlagen1.1 TatbeständeDie §§ 370 und 371 AO sind die Grundnormen der Selbstanzeigeberatung.1.1.1 Steuerhinterziehung gem. § 370 AODer Tatbestand des § 370 Abs. 1 AO definiert die Tathandlungen derSteuerhinterziehung. Den Tatbestand verwirklicht, wer den Finanzbehördenüber steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständigeAngaben macht (Nr. 1) oder die Finanzbehörden pflichtwidrigüber steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt (Nr. 2)und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nichtgerechtfertigte Steuervorteile erlangt.Die Strafandrohung des § 370 Abs. 1 AO von einer Freiheitsstrafe biszu fünf Jahren oder Geldstrafe wird durch die Strafverschärfung des§ 370 Abs. 3 AO erheblich erweitert. Danach reicht der Strafrahmenin besonders schweren Fällen von einer Mindestfreiheitsstrafe vonsechs Monaten bis zur Höchststrafe von zehn Jahren.Grundfall der Strafverschärfung ist die Verkürzung von Steuern oderdie Erlangung ungerechtfertigter Steuervorteile in großem Ausmaßgem. § 370 Abs. 3 Nr. 1 AO.Zwar gab der erste Strafsenat des BGH mit der Grundsatzentscheidungvom 2. Dezember 2008 1 und der darauf aufbauenden Rechtsprechungeine Faustformel vor. Danach liegt ein großes Ausmaß beider Erlangung ungerechtfertigter Erstattungs- oder Verrechnungsguthaben,dem sogenannten „Griff in die Kasse“, bei 50.000 EUR.Werden lediglich Einkünfte verschwiegen, liegt die Wertgrenzebei einer Steuerlast von 100.000 EUR. Zahlreiche Detailfragen derAbgrenzung sind aber komplex und teilweise ungeklärt, etwa dieBehandlung vorgetäuschter Betriebsausgaben, die Frage, ob bei mehrerenTathandlungen die verursachten Steuerschäden zu addierensind und die Behandlung der Steuerverkürzung auf Zeit, etwa durchAbgabe einer verspäteten Umsatzsteuervoranmeldung. Gleichwohlist die zutreffende Abgrenzung zwingende Voraussetzung der Selbstanzeigeberatung.Denn die Verjährungsfrist beträgt in den Fälleneinfacher Steuerhinterziehung fünf und in den Fällen besondersschwerer Steuerhinterziehung zehn Jahre gem. § 376 Abs. 1 AO.Die Selbstanzeige muss sich indes gem. § 371 Abs. 1 AO auf alleunverjährten Steuerstraftaten beziehen.Die Abgrenzung zwischen einfachem und besonders schwerem Fallder Steuerhinterziehung ist schließlich für die Strafzumessung vonerheblicher Bedeutung. Die Faustformel des ersten Strafsenats istGegenstand der Medienberichte über öffentlichkeitswirksame Steuerstrafverfahren.Bei Hinterziehungsbeträgen über 100.000 EUR istnach der Auffassung des ersten Strafsenats eine Geldstrafe nur nochbei Vorliegen gewichtiger Milderungsumstände schuldangemessen.Regelfall ist die Verhängung einer Freiheitsstrafe. Bei Hinterziehungsbeträgenjenseits der Grenze von einer Million EUR kommt eine zurBewährung aussetzungsfähige Freiheitsstrafe unter 24 Monatennur noch bei Vorliegen besonders gewichtiger Milderungsgründein Betracht.1.1.2 Selbstanzeige gem. § 371 AODie Selbstanzeige gem. § 371 AO ist eine steuerstrafrechtliche Besonderheitohne Entsprechung in anderen Bereichen des Strafrechts. Sieeröffnet dem Täter oder Teilnehmer einer Straftat die Möglichkeit,die Folgen einer bereits beendeten und vollendeten Straftat zwingendund von seinem Willen abhängend wieder zu beseitigen.1.1.2.1 Eintritt der StraffreiheitDie Berichtigung unrichtiger, die Ergänzung unvollständiger oderdie Nachholung unterlassener Angaben führt gem. § 371 Abs. 1 AOzum Eintritt der Straffreiheit infolge eines persönlichen Strafaufhebungsgrunds.1) BGH, 1 StR 416/08, NJW 2009, 528 ff.14 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Voraussetzung der Straffreiheit ist seit dem Inkrafttreten desSchwarzgeldbekämpfungsgesetzes allerdings, dass der die Selbstanzeigeerstattende Täter oder Teilnehmer „reinen Tisch“ macht 2 .Eine Teilselbstanzeige führt damit nicht, auch nicht teilweise, zurStraffreiheit. Denn bei ihr fehlt es an der „Rückkehr zur vollständigenSteuerehrlichkeit“.Die Selbstanzeige ist damit nur wirksam, wenn drei Voraussetzungenkumulativ gegeben sind. Die Selbstanzeige muss die Berichtigung,Ergänzung oder Nachholung der Angabenzu allen unverjährten Steuerstraftateneiner Steuerartin vollem Umfangenthalten (§ 371 Abs. 1 AO). Zudem tritt die Straffreiheit für den ander Tat Beteiligten nur ein, wenn er die aus der Tat zu seinen Gunstenhinterzogenen Steuern innerhalb der ihm bestimmten angemessenenFrist entrichtet (§ 371 Abs. 3 AO).1.1.2.2 SperrgründeDie Straffreiheit tritt nicht ein, wenn ein Sperrgrund gem. § 370Abs. 2 AO eingreift.Ein solcher liegt gem. § 371 Abs. 2 Nr. 1 AO vor, wenndem Täter oder seinem Vertreter eine Prüfungsanordnung bekanntgegeben worden ist oderdem Täter oder seinem Vertreter die Einleitung des Straf- oderBußgeldverfahrens bekannt gegeben worden ist oderein Amtsträger der Finanzbehörde zur steuerlichen Prüfung, zurErmittlung einer Steuerstraftat oder einer Steuerordnungswidrigkeiterschienen ist oderwenn gem. § 371 Abs. 2 Nr. 2 AOeine der Steuerstraftaten im Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzungoder Nachholung ganz oder zum Teil bereits entdeckt war undder Täter dies wusste oder bei vollständiger Würdigung der Sachlagedamit rechnen musste.Schließlich greift gem. § 371 Abs. 2 Nr. 3 AO ein Sperrgrund ein, wenndie nach § 370 Abs. 1 AO verkürzte Steuer oder der nicht gerechtfertigteSteuervorteil einen Betrag von 50.000 EUR übersteigt. In diesenFällen führt die im Übrigen vollständige Selbstanzeige gem. § 398aAO allerdings, wenn zusätzlich ein Geldbetrag in Höhe von 5 Prozentder hinterzogenen Steuern entrichtet wird, zu einem strafprozessualenVerfolgungshindernis. Von der Verfolgung der Steuerstraftatwird in diesem Fall abgesehen.1.2 FolgenIn der grundsätzlichen Konzeption der §§ 370, 371 AO in der Fassungdes Schwarzgeldbekämpfungsgesetzes sind zugleich Anforderungenund Haftungsrisiken für den steuerlichen Berater bei der Selbstanzeigeberatungangelegt.Denn das drohende Eingreifen der Sperrgründe gem. § 371 Abs. 2AO führt zu erheblichem Zeitdruck für die Beteiligten. Die drohendeTatentdeckung, etwa durch Auswertung einer bereits angekauftenSteuer-CD oder etwa infolge des bevorstehenden Beginns der Betriebsprüfungbei Geschäfts- und Vertragspartnern des Mandanten, erfordertschnelles Handeln.Gleichzeitig bedingt die Unwirksamkeit der Teilselbstanzeige, dass dieSelbstanzeige in Bezug auf den zeitlichen und inhaltlichen Umfangder berichtigten Angaben vollständig im Sinne des § 371 Abs. 1 AOsein muss. Gerade in Fällen, in denen die Besteuerungsgrundlagenin Ermangelung vollständiger Unterlagen, etwa bei Auslandskonten,ungeklärt sind, steht der steuerrechtliche Berater vor schwierigenAnforderungen. Gleichwohl ist wegen der Unwirksamkeit der Teilselbstanzeigeim Verbund mit dem drohenden Eingreifen der Sperrgründeeine Korrektur der Angaben nicht mehr möglich. Vielmehrmuss im Bereich der Selbstanzeigeberatung „der erste Schuss sitzen“.Praxishinweis: Eine zweite Selbstanzeige offenbart die Unvollständigkeitund damit Unwirksamkeit der ersten. Die zweite Selbstanzeigeist regelmäßig ebenfalls unwirksam, da die Tat infolge der erstenbereits entdeckt ist. Erstellt der Steuerberater beide Selbstanzeigen,liegt eine Pflichtverletzung nahe.» 2. HaftungsfallenDie Entscheidungen des ersten Strafsenats seit Inkrafttreten desSchwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes befassen sich mit zahlreichenDetailfragen zur Wirksamkeit der Selbstanzeige. Sie werden imSchrifttum teilweise kontrovers diskutiert. Die Diskussion über dieAnforderungen an eine wirksame Selbstanzeige ist im Fluss.In dieser Situation sind die Anforderungen an eine pflichtgemäßeBeratung besonders hoch. Denn der steuerliche Berater muss seinenMandanten im Rahmen seines Auftrags umfassend beratenund ungefragt über alle bedeutsamen steuerlichen Einzelheiten undderen Folgen unterrichten. Er muss seinen Auftraggeber möglichstvor Schaden bewahren und hat den sichersten Weg zu dem erstrebtensteuerlichen Ziel aufzuzeigen 3 .Bei der Selbstanzeigeberatung ist dieses Ziel klar definiert. Der steuerlicheBerater hat, soweit möglich, für eine strafbefreiend wirkendeSelbstanzeige zu sorgen. Detailkenntnisse sind dazu unerlässlich.2.1 Der BerichtigungsverbundWirksamkeitsvoraussetzung ist, dass die Selbstanzeige für alle nochnicht verjährten Steuerhinterziehungen derselben Steuerart abgegebenwird. Sie muss sich damit auf den sogenannten Berichtigungsverbundbeziehen.2.1.1 Zeitliche AnforderungenDer Berichtigungsverbund muss alle unverjährten Steuerstraftatenumfassen. Maßgeblich ist die Strafverfolgungsverjährung nach den§§ 78 ff. StGB und nicht die Festsetzungsverjährung nach §§ 169 ff.AO. Die Verjährungsfrist für die einfache Steuerhinterziehung gemäߧ 370 Abs. 1 AO beträgt damit gem. § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB fünf Jahre.Für die Fälle der besonders schweren Steuerhinterziehung gemäߧ 370 Abs. 3 AO beträgt die Verjährungsfirst gem. § 376 Abs. 1 AOdagegen zehn Jahre.Nach der Entscheidung des BGH vom 5. März 2013 4 kommt es fürdie Abgrenzung nicht darauf an, ob die Strafschärfung des § 370Abs. 3 AO im Zeitpunkt der Tatbegehung in Kraft getreten war. Bereitsdie Verkennung der Strafverschärfung hat regelmäßig eine zeitlichunvollständige und damit unwirksame Selbstanzeige zur Folge.Die Verjährung beginnt gem. § 78a StGB mit der Beendigung derTat, d. h. mit der Festsetzung der Steuer auf der Grundlage der falschenSteuererklärung. Im Fall des Ausbleibens einer Veranlagunginfolge der Unterlassung pflichtgemäßer Erklärung beginnt die Verjährungsfrist,wenn die Veranlagungsarbeiten in dem betreffenden2) BGH, 20.5.2010, 1 StR 577/09, NJW 2010, 2146 ff.3) BGH, 16.10.2003, IX ZR 167/02, DStRE 2004, 237 ff.4) BGH, 5.3.2013, 1 StR 73/13.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 15


FachbeiträgeSelbstanzeigeBezirk im Wesentlichen, d. h. zu etwa 95 Prozent abgeschlossen sind 5 .Differenziert zu betrachten ist der Beginn der Verjährung im Fallder Nichtveranlagungsverfügung 6 . Die aktuellen Zweifelsfragen imHinblick auf die zutreffende Berechnung der Verjährungsfrist werdendem steuerlichen Berater noch längere Zeit erhalten bleiben. Zwarhat sich der Bundesrat in seiner Sitzung vom 3. Mai 2013 für eineVerlängerung der Verjährungsfrist auch für die einfache Steuerhinterziehungauf zehn Jahre ausgesprochen 7 .Die Gesetzesänderung kann sich aber nur auf die Fälle erstrecken,die im Zeitpunkt des möglichen Inkrafttretens dieses Gesetzes nochnicht verjährt sind, was wiederum von der zutreffenden Beantwortungder Frage abhängt, ob die dann alte fünfjährige Verjährungsfristeinschlägig war oder nicht.2.1.2 SteuerartDas Vollständigkeitserfordernis ist auf die Steuerstraftaten derselbenSteuerart beschränkt. Damit ist beispielsweise eine Selbstanzeige, mitder die Einkünfte aus Kapitalvermögen um Angaben zu einer bishernicht berücksichtigten Bankverbindung im Ausland ergänzt werden,unwirksam, wenn weiterhin andere Einkünfte aus Kapitalvermögenoder Einkünfte aus Gewerbebetrieb verschwiegen werden.Werden die Einkünfte aus Gewerbebetrieb ergänzt, schließt dies einespätere Berichtigung, etwa im Bereich der Umsatzsteuer, grundsätzlichnicht aus. In der Praxis dürfte in diesem Fall eine spätere Selbstanzeigeim Hinblick auf die Umsatzsteuer an der Tatentdeckung gem.§ 371 Abs. 2 Nr. 2 AO infolge der vorherigen Selbstanzeige im Bereichder Einkommensteuer scheitern.Bislang ungeklärt ist die Frage, ob die Besteuerungsgrundlagen imFeststellungsverfahren gem. § 179 ff. AO in steuerstrafrechtlicherHinsicht als Steuerart anzusehen sind. Diese Frage kann von erheblicherBedeutung sein, wenn beispielsweise die Gesellschafter einerPersonengesellschaft die Angaben zu den gewerblichen Einkünften,die Gegenstand des Feststellungsverfahrens sind, zum Gegenstandeiner Selbstanzeige machen.Ist diese Selbstanzeige bezüglich des beteiligten Gesellschaftersunwirksam, wenn dieser (in strafrechtlich unverjährter Zeit) nichterklärte Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt hat? Der erste Strafsenatdes BGH hat diese Frage bisher im Bereich des § 371 AO nichtentschieden 8 . Um den haftungsrechtlich geforderten „sichersten Weg“zu beschreiten, wird der steuerliche Berater zu einer Erstreckungder Selbstanzeige auf alle Einkünfte, seien sie Gegenstand des Feststellungsverfahrensoder der persönlichen Steuererklärung, ratenmüssen.2.1.3 HöheDie Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung der Angaben mussgem. § 371 Abs. 1 AO in vollem Umfang erfolgen.2.1.3.1 SchätzungenDie vor Inkrafttreten des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzesgebräuchliche „gestufte Selbstanzeige“ ist infolge der Unwirksamkeitder Teilselbstanzeige nicht mehr möglich. Sind die Besteuerungsgrundlagenteilweise unbekannt, etwa weil die Erträgnisaufstellungenund Depotauszüge der ausländischen Bank nichtvorliegen, ist es nicht möglich, die Selbstanzeige zunächst „demGrunde nach“ zu erstatten und die Angaben zur Höhe der Einkünftenachzureichen.Dem steuerlichen Berater bleibt in diesem Fall nur die Schätzung derEinkünfte. In einem solchen Fall ist die Berücksichtigung eines injedem Fall ausreichenden Sicherheitszuschlags unerlässlich.2.1.3.2 BagatellabweichungenBereits vor Inkrafttreten des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzesvertrat der BGH die Auffassung, dass lediglich geringfügige Abweichungenin der Berichtigung oder Nacherklärung vom gefordertenInhalt unschädlich sind.Diese Rechtsprechung gilt auch nach der Gesetzesänderung fort,wobei der BGH in seiner Entscheidung vom 25. Juli 2011 9 klargestellthat, dass Abweichungen mit einer Auswirkung von mehr als fünfProzent vom Verkürzungsbetrag jedenfalls nicht mehr geringfügigsind. Allerdings auch unterhalb dieser Schwelle kommt die Annahmeeiner nicht mehr geringfügigen Differenz auf der Grundlage einerGesamtwürdigung der Umstände bei der Abgabe der Selbstanzeigein Betracht.Bei dieser Würdigung soll es unter anderem darauf ankommen, ob essich um eine bewusste Abweichung handelt oder ob, etwa bei einerSchätzung der Besteuerungsgrundlagen, in der Selbstanzeige trotzder vorhandenen Abweichung noch die Rückkehr zur Steuerehrlichkeitgesehen werden kann. Weiterhin ungeklärt ist der Anknüpfungspunktfür die Berechnung der Geringfügigkeitsgrenze. Teilweise wirdim Schrifttum angenommen, es sei eine Gesamtbetrachtung allerunverjährten Taten einer Steuerart geboten 10 .Teilweise wird angenommen, es sei eine tatbezogene Berechnungerforderlich 11 . Der Verpflichtung des steuerlichen Beraters, den fürden Mandanten sichersten Weg zu gehen, wird demnach nur die ander einzelnen Tat orientierte Berechnung genügen können.2.1.3.3 Undolose TeilselbstanzeigeIm steuerstrafrechtlichen Schrifttum wird teilweise angenommen,auch die sogenannte undolose Teilselbstanzeige sei wirksam 12 .Gemeint sind Fallgestaltungen, in denen der Steuerpflichtige nacheiner vorsätzlichen Steuerhinterziehung unabsichtlich eine unvollständigeBerichtigungserklärung abgibt.Begründet wird dies damit, auch in diesen Fällen sei die Absicht zurvollständigen Rückkehr in die Steuerehrlichkeit vorhanden. Gegendiese Auffassung spricht, dass § 371 Abs. 1 AO explizit die Berichtigungder unrichtigen Angaben in vollem Umfang verlangt und keinesubjektiven Tatbestandsmerkmale enthält.Selbstverständlich kann der steuerliche Berater nur Umstände beider Selbstanzeige berücksichtigen, die ihm der Mandant offenbart.Er wird aber den Mandanten eingehend über die voraussichtlichenFolgen unvollständiger Angaben belehren müssen. Dem Mandantenist zu raten, alle in Betracht kommenden Geschäftsvorfälle und Einkunftsquelleneiner sorgfältigen Überprüfung zu unterziehen.2.2 Formelle AnforderungenEine bestimmte Form der Selbstanzeige ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.Insbesondere muss die Selbstanzeige auch nicht als solchebezeichnet werden. Schließlich muss sich der Erstatter einer Selbstanzeigeauch nicht zur Verwirklichung eines Steuerstraftatbestandsbekennen.5) BGH, 7.11.2001, 5 StR 395/01, NStZ 2002, 265 ff.6) Guntermann, PStR 2013, 68 ff.7) BR-Drucksache 339/13.8) Durst, PStR 2012, 61 ff.9) BGH, 25.7.2011, 1 StR 631/10, NJW 2011, 3249 ff.10) Hunsmann, NJW 2011, 1482 ff.11) Prowatke/Kelterborn, DStR 2012, 640.12) Hunsmann, NJW 2011, 1482 ff.; Schwartz/Külz, PStR 2011, 249 ff.16 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Aus strategischen Gesichtspunkten ist es in vielen Fällen sinnvoll,eine den Anforderungen des § 371 AO inhaltlich genügende,im Übrigen aber neutral abgefasste Erklärung abzugeben.Auch die schlichte Abgabe einer Steuererklärung kann, wenn sieden Anforderungen des § 371 AO genügt, eine Selbstanzeige darstellen13 .Erforderlich ist indes, dass der Steuerpflichtige die wirklichenBesteuerungsgrundlagen nach Art und Umfang so darlegt, dass dieFinanzbehörde aufgrund dieser Angaben in die Lage versetzt wird, dieSteuer richtig zu veranlagen oder eine bereits erfolgte Veranlagungzu berichtigen 14 .In zeitlicher Hinsicht ist der Eingang der Selbstanzeige bei derFinanzbehörde, nicht dagegen die tatsächliche Überprüfung derAngaben maßgeblich. Adressat kann jede Finanzbehörde gemäߧ 6 Abs. 2 AO sein.Angesichts des möglichen Eingreifens von Sperrgründen genügtder steuerliche Berater den haftungsrechtlichen Anforderungen nur,wenn er den Zugang der Selbstanzeige, etwa durch beweisbarenEinwurf in den Hausbriefkasten der Finanzbehörde, sicherstellt.2.3 Erstatter der SelbstanzeigeDie wirksame Selbstanzeige bewirkt einen persönlichen Strafaufhebungsgrund. Daraus ergibt sich, dass die Wirkungen des § 371Abs. 1 AO auch nur zugunsten desjenigen eintreten, der in seinerPerson die Voraussetzungen für die Strafbefreiung erfüllt.Praxishinweis: Die Selbstanzeige des Geschäftsführers einer Kapitalgesellschaftwegen einer Körperschaftsteuerhinterziehung durcheine verdeckte Gewinnausschüttung wirkt nur zu seinen Gunsten. Sieführt nicht zur Straffreiheit des Gesellschafters wegen der möglichenHinterziehung von Einkommensteuer. Vertritt der die Selbstanzeigebegleitende steuerliche Berater auch den Gesellschafter, liegt einePflichtverletzung nahe.2.3.1 UnternehmenWurden für ein Unternehmen unrichtige oder unvollständige Steuererklärungenabgegeben, müssen jedenfalls die gesetzlichen Vertreter(§§ 34, 35 AO), gegebenenfalls aber auch an der Tat beteiligte Mitarbeiterdes Unternehmens in die Schutzwirkung des persönlichenStrafaufhebungsgrundes einbezogen werden.Die Zahl der Beteiligten kann, insbesondere in größeren Unternehmungen,unüberschaubar sein. Zudem ist die Außenwirkung einerdurch einen größeren Personenkreis erstatteten Selbstanzeige demUnternehmen sehr ungünstig.Eine Lösung kann in diesen Fällen die Erstattung einer Selbstanzeigeim Wege der verdeckten Stellvertretung bieten. Dies geschiehtdadurch, dass andere Personen den Verfasser der Selbstanzeige (gegebenenfallsden steuerlichen Berater) verdeckt bevollmächtigen, dieSelbstanzeige auch in ihrem Namen abzugeben.Dem steuerlichen Berater obliegt es, in diesen Fällen für eine nachvollziehbareDokumentation vor Erstattung der Selbstanzeige zu sorgen.2.3.2 Täter und TeilnehmerJeder Täter und auch jeder Teilnehmer einer Steuerstraftat kannSelbstanzeige erstatten. Die Wirkungen der Selbstanzeige kommenausschließlich dem Tatbeteiligten zugute, der die Selbstanzeige erstattet.Die Selbstanzeige durch einen Mittäter oder Teilnehmer wirkt alsonicht ohne Weiteres zugunsten der anderen Beteiligten.Auch dieSperrgründe des § 371 Abs. 2 AO gelten für jeden Täter und Teilnehmerder Steuerstraftat.Praxishinweis: Die Selbstanzeige eines Gesellschafters führt nichtzur Straffreiheit für die Mitgesellschafter, möglicherweise aber zumEingreifen eines Sperrgrundes (Tatentdeckung) zu ihrem Nachteil.Vertritt der die Selbstanzeige erstellende steuerliche Berater auch dieMitgesellschafter, liegt eine Pflichtverletzung nahe.2.4 SperrgründeDas mögliche Eingreifen eines Sperrgrundes gemäß § 371 Abs. 2AO zwingt den steuerlichen Berater zu unverzüglichem Handeln.Setzt der steuerliche Berater den Auftrag zur Erstellung der Selbstanzeigenicht unverzüglich um, obwohl ihm dies auf der Grundlageder erteilten Auskünfte möglich gewesen wäre, kann das Eingreifeneines Sperrgrundes zum Haftungsfall werden.Kündigt das zuständige Finanzamt beispielsweise, etwa im Rahmeneiner Terminabstimmung, die Bekanntgabe einer Prüfungsanordnungnach § 196 AO (fern-)mündlich an, ist schnelles Handeln gefragt.Denn die Prüfungsanordnung bedarf zu ihrer Wirksamkeit gemäß §196 AO der Schriftform, sodass vor der förmlichen Bekanntgabe derPrüfungsanordnung gemäß § 371 Abs. 2 Nr. 1a AO eine wirksameSelbstanzeige noch möglich ist.Mit Blick auf die Wirkungen der Bekanntgabe der Prüfungsanordnungbestreiten Steuerpflichtige gelegentlich wahrheitswidrig den Zugang.Dem steuerlichen Berater kann von einer Beratung in dieser Hinsichtnur dringend abgeraten werden, denn ein solcher Rat kann die Strafbarkeitdes steuerlichen Beraters wegen (versuchter) Strafvereitelungzur Folge haben.Praxishinweis: Ob die Bekanntgabefiktion gemäß § 122 Abs. 2 AOauch für die Bekanntgabe der Prüfungsanordnung gilt, ist streitig.Geht die Prüfungsanordnung tatsächlich früher zu, bleibt dem Steuerpflichtigenmöglicherweise noch ein Zeitfenster von ein oder zweiTagen zur Erstattung einer strafbefreienden Selbstanzeige. Offenbartder Mandant die Steuerhinterziehung in diesem Zeitfenster seinemsteuerlichen Berater, dürfte die Pflicht zum sofortigen Hinweis aufdiese Möglichkeit besteht.2.5 NachentrichtungDie Nachzahlung der zugunsten des jeweiligen Tatbeteiligten hinterzogenenSteuer innerhalb der ihm bestimmten angemessenenFrist ist Voraussetzung der Straffreiheit. Die Fristsetzung obliegtden Strafverfolgungsbehörden und muss nicht mit der Zahlungsfristidentisch sein, die sich aus den infolge der Selbstanzeige ergehendenSteuerbescheiden ergibt.In der Praxis verweisen die Strafverfolgungsbehörden allerdingsregelmäßig auf die sich aus den Steuerbescheiden ergebende Zahlungsfrist.Die Steuer ist bereits dann zugunsten des Täters hinterzogen, wennihm aus der Tat wirtschaftliche Vorteile erwachsen sind. Der Tätermuss nicht Steuerschuldner sein. Im Einzelnen ist indes streitig,in welchen Fällen die Straffreiheit von der Nachentrichtung einerfremden Schuld abhängen soll.So soll diese Pflicht nicht bestehen, wenn der (Fremd-)Geschäftsführerzugunsten der GmbH Steuern hinterzieht, um auf diesem Wege seinenArbeitsplatz zu erhalten 15 . Dagegen soll die Steuerhinterziehung desgeschäftsführenden (Allein-)Gesellschafters zugunsten der GmbHzu einem unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteil im Sinne des § 371Abs. 3 AO führen 16 .13) BGH, 25.7.2011, 1 StR 631/10 a. a. O.14) BGH, 5.5.2004, 5 StR 548/03, NJW 2005, 2720 ff.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 17


FachbeiträgeSelbstanzeigeSchließlich soll die gleichzeitige Unterschlagung der hinterzogenenSteuer durch den Täter zu einem wirtschaftlichen Vorteil im Sinnedes § 371 Abs. 3 AO führen. Im Fall der Steuerverkürzung auf Zeitsoll gleichwohl der nachzuentrichtende Betrag und nicht lediglichder Zinsschaden maßgeblich sein 17 .In vielen Einzelfragen ungeklärt ist zudem das Verhältnis zwischenetwaigen abgabenrechtlichen Rechtsbehelfen gegen die Steuerfestsetzungaufgrund der Selbstanzeige und der Fristsetzung im Sinnedes § 371 Abs. 3 AO.Dies gilt auch für die Wirkungen einer möglichen Aussetzung derVollziehung gemäß §§ 361 Abs. 2 Satz 1 AO, 69 Abs. 3 Satz 1 FGOim abgabenrechtlichen Verfahren auf die strafrechtliche Nachzahlungsfristim Sinne des § 371 Abs. 3 AO.Auch insoweit gilt, dass der mit der Selbstanzeigeberatung befasstesteuerliche Berater seinem Mandanten den sichersten Weg zu demerstrebten Ziel der Straffreiheit aufzuzeigen hat.Jede Beratung dahin gehend, die Nichtbeachtung der Fristsetzunggemäß § 371 Abs. 3 AO habe keine Auswirkung auf die Straffreiheit,da der Mandant die geforderte Steuer nicht, nicht in diesem Umfangoder nicht zu diesem Zeitpunkt schulde, birgt ohne umfassendeAufklärung über die Risiken dieses Rechtsstandpunkts ein erheblichesHaftungsrisiko.» 3. Anforderungen an den BeraterAus den vorstehend dargelegten Besonderheiten der Selbstanzeigeberatungergeben sich zugleich die Anforderungen an den mit ihrerBearbeitung betrauten steuerlichen Berater.3.1 Das MandatsverhältnisIm Schrifttum findet sich verschiedentlich der Hinweis, die Erstattungder Selbstanzeige durch den steuerlichen Berater setze einenvorherigen ausdrücklichen Auftrag voraus 18 . Sicherlich zutreffendist, dass der steuerliche Berater weder verpflichtet, noch aufgrundder Verschwiegenheitspflicht berechtigt ist, gegen den Willen seinesMandanten für diesen eine Selbstanzeige zu erstatten.Davon unberührt bleibt das Recht des steuerlichen Beraters zur Erstattungeiner Selbstanzeige im eigenen Namen, wenn er sich als Mittäteroder Teilnehmer an den vorangegangenen Hinterziehungshandlungendes Mandanten beteiligt hat.Ob das Fehlen eines ausdrücklichen Auftrags die Wirksamkeit oderZulässigkeit der im Namen des Mandanten erstatteten Selbstanzeigeausschließt, erscheint allerdings zweifelhaft. Denn vielfach wird dieSelbstanzeige durch die dem steuerlichen Berater erteilte Vollmachtgedeckt sein. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang beispielsweisedie Erstellung einer verspäteten Umsatzsteuervoranmeldung,die, obwohl den Beteiligten die rechtliche Einordnung nicht einmalbewusst ist, eine strafbefreiende Selbstanzeige gemäß § 371 Abs. 1AO darstellen kann.3.2 Beratung des MandantenEine Entscheidung des Reichsgerichts vom 10. Juni 1942 19 findetbis heute im berufsrechtlichen Schrifttum Erwähnung 20 . Der Mandantoffenbarte dem steuerlichen Berater eine Steuerhinterziehung,worauf ihm dieser von der Erstattung einer bereits damals möglichenstrafbefreienden Selbstanzeige abriet. Das Reichsgericht bejahte dieSchadensersatzpflicht des Beraters für diesen fehlerhaften Rat.Die Grundsätze der Entscheidung des Reichsgerichts gelten bis heute.Ein steuerlicher Berater, der seinem Mandanten von einer möglichenstrafbefreienden Selbstanzeige abrät, ist einem erheblichen Haftungsrisikoausgesetzt.3.3 Vertretung des MandatenIm Regelfall erwarten die Mandanten von ihrem steuerlichen Beraternicht nur die Beratung im Hinblick auf die Möglichkeiten derSelbstanzeige, sondern vielmehr die Vertretung bei ihrer Erstattung.Diese ist uneingeschränkt zulässig. Allerdings wird der steuerlicheBerater im eigenen Haftungsinteresse für eine Dokumentation derAngaben des Mandanten und der Freigabe der entsprechenden Erklärungdurch den Mandanten sorgen.Zudem verbietet § 6 Abs. 2 BOStB dem Steuerberater (ebenso wie§ 3 Abs. 1 BORA) die Vertretung widerstreitender Interessen, sofernkein gemeinsamer Auftrag vorliegt. Der steuerliche Berater wird imeigenen Haftungsinteresse sorgfältig zu überprüfen haben, inwieweitdie Vertretung des Mandanten bei der Erstattung einer strafbefreiendenSelbstanzeige mit den Interessen weiterer Mandantenkollidiert.Praxishinweis: Die Einkommensteuererklärung eines Arbeitnehmers,die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit enthält, für diekeine Lohnsteuer einbehalten wurde, kann eine Selbstanzeige darstellen.Sie führt nicht zur Straffreiheit des abzugsverpflichteten Arbeitgebers,möglicherweise aber zum Eingreifen eines Sperrgrundes zuseinem Nachteil. Vertritt der die Einkommensteuererklärung erstellendesteuerliche Berater auch den Arbeitgeber, liegt eine Pflichtverletzungnahe.» 4. HaftungsfolgenDer steuerliche Berater ist dem Mandanten zum Ersatz von Vermögensschädenverpflichtet, die sich aus einer Pflichtverletzung ergeben.4.1 Haftung bei VorsatztatenGrundsätzlich gilt, dass der steuerliche Berater für vorsätzlich strafbareHandlungen seines Mandanten nicht verantwortlich gemachtwerden kann. Verstößt der Mandant gegen Rechtsvorschriften, somuss der Steuerberater den Mandanten hierauf hinweisen. Verlangtdieser trotzdem eine gesetzwidrige Behandlung des steuerlich relevantenSachverhalts – etwa die Verbuchung von privaten Aufwendungenals Betriebsausgaben –, dann darf der Steuerberater demnicht nachkommen, sondern muss notfalls das Mandat beenden 21 .Anders liegt der Fall, wenn der Mandant sich über die Rechtswidrigkeiteines bestimmten Vorgehens nicht im Klaren ist. In diesem Fallmuss ihn der Steuerberater davor bewahren, sich durch Überschreitungdes zulässigen Rahmens der steuerstrafrechtlichen Verfolgungauszusetzen. Diese Schutzpflicht gilt regelmäßig auch bei leichtfertigemVerhalten des Mandaten 22 .Daraus ergibt sich, dass der sich einer Steuerhinterziehung strafbarmachende Mandant die strafrechtlichen Folgen seiner Tat nicht aufden Steuerberater abwälzen kann, dagegen kommt eine Haftung dessteuerlichen Beraters bei einer lediglich leichtfertigen Steuerverkürzunggem. § 378 AO in Betracht 23 .15) BGH, 22.7.1987, 3 StR 224/87, NStZ 1987, 514 ff.16) Franzen/Gast/Joecks, Steuerstrafrecht, § 371 Rn. 101 AO.17) Klein/Jäger, Kommentar zur Abgabenordnung, § 371 Rn. 84 AO.18) Schmitz, DStR 2001, 1821 ff.; Klein/Jäger, Abgabenordnung, § 371, Rn. 35.19) RG, 10.6.1942, III 14/42 RGZ, 169, 267.20) Meixner, Die Steuerberatung 2011, 176 ff.; Streck, DStR 1996, 288 ff.21) BGH, 14.11.1996, IX ZR 215/95, NJW 1997, 518 ff.22) BGH, 15.4.2010, IX ZR 189/09, DStR 2010, 1695.18 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


4.2 Haftung für SelbstanzeigeberatungDie Anwendung dieser Grundsätze auf die misslungene Selbstanzeigeberatungist höchstrichterlich nicht entschieden.Zwar ist der Regelfall, dass der Mandant sich infolge der misslungenenSelbstanzeige der Verurteilung wegen einer Vorsatztat ausgesetztsieht. Daraus kann aber nicht gefolgert werden, dass damitdie Haftung des steuerlichen Beraters für eingetretene Schäden ausgeschlossenist.Mit der Entscheidung vom 10. Juni 1942 bejahte das Reichsgerichtdie Schadensersatzpflicht des steuerlichen Beraters, der seinem Mandantenpflichtwidrig von der Erstattung einer Selbstanzeige abriet.Die Schadensersatzpflicht des steuerlichen Beraters richtete sich aufden Ersatz der Geldstrafe, zu der der Mandant im Steuerstrafverfahrenwegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war, obwohl es sichum eine Vorsatztat handelte.Diesen Gedanken griff das Landgericht Saarbrücken in einer Entscheidungvom 23. Januar 2012 auf und verurteilte den Beklagten,einen Steuerberater, unter anderem zur Schadensersatzleistung inHöhe von 130.000 EUR 24 .Diesen Betrag hatte der Mandant zuvor als Bewährungsauflage ineinem Steuerstrafverfahren gezahlt, in dem ihn das Gericht durcheinen Strafbefehl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monatenwegen Steuerhinterziehung verurteilt hatte. Das LandgerichtSaarbrücken begründet diese Entscheidung damit, der Beklagtehabe es pflichtwidrig unterlassen, für eine strafbefreiend wirkendeSelbstanzeige des Mandanten zu sorgen. Die durch den steuerlichenBerater abgegebene Erklärung beurteilte das Gericht zutreffend alsunzureichend.Die Entscheidung lässt viele Detailfragen offen, insbesondere auchdie Frage, wie der Sachverhalt zu beurteilen gewesen wäre, wenn derMandant zu einer nicht bewährungsfähigen Freiheitsstrafe verurteiltworden wäre.Für den steuerlichen Berater bleibt die Erkenntnis, dass eine misslungeneSelbstanzeigeberatung nicht folgenlos bleibt, sondern miterheblichen Haftungsrisiken verbunden ist. Diese können nur durcheine an den Sorgfaltspflichten des Beraters orientierte fachkundigeund umfassende Beratung vermieden werden.RA Bernd Guntermannist Rechtsanwalt und Partner der Sozietät Wilhelmin Düsseldorf. Als Fachanwalt für Steuerrechtberät er unter anderem steuerliche Beraterin steuerstrafrechtlichen und haftungsrechtlichenFragen.23) Schmitz, StC 2011, H 5, 26 ff.; Meixner, Die Steuerberatung 2011, 176 ff.24) LG Saarbrücken, 23.1.2012, 9 O 251/10, BeckRS 2013 03306.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 19


FachbeiträgeSteuerrecht» Dipl.-Finw. Gerhard Bruschke, MöhneseeAufgabe des subjektiven FehlerbegriffsÜber Jahrzehnte hinweg gab es immer wieder Streit zwischen der Finanzverwaltung und dem Steuerbürgerüber die Frage, ob ein fehlerhafter Bilanzansatz vom Fiskus berichtigt werden durfte, wenn der Kaufmanndiesen Ansatz als subjektiv richtig ansah und ihm keine besonderen sachlichen Fehler bei der Bestimmungdes Wertes nachgewiesen werden konnten. Die Besonderheit in diesen Fällen bestand darin, dassder Bilanzansatz zwar objektiv falsch, subjektiv jedoch richtig war. Dieser Streit ist jetzt durch den GroßenSenat des BFH zugunsten der objektiven Richtigkeit entschieden worden. Mit Beschluss vom 31.1.2013 1 hater eindeutig festgestellt, dass der materiellen Richtigkeit eines Bilanzansatzes immer der Vorrangeinzuräumen ist.» 1. Der AusgangsfallIn der vom BFH entschiedenen Streitfrage ging es vordergründigum die Frage, wie die Gestellung eines Mobiltelefons durch einenMobilfunkanbieter im Rahmen eines neu abgeschlossenen Dienstleistungsvertragesbilanziell abzubilden ist. Der I. Senat des BFH 2hatte dazu in Übereinstimmung mit dem Finanzamt und der vorherigenInstanz 3 die Auffassung vertreten, dass in diesen Fällendie periodengerechte Besteuerung durch einen aktiven Rechnungsabgrenzungspostensicherzustellen ist. Demgegenüber hatte derMobilfunkanbieter die entsprechenden Kosten als sofort abziehbareBetriebsausgaben behandelt und seinen Gewinn im Ausgabejahr involler Höhe gemindert.Er vertrat die Auffassung, dass die Frage der bilanziellen Behandlunghöchstrichterlich bisher nicht geklärt sei und die von ihm vorgenommeneErfassung der Anschaffungskosten der Mobiltelefone als sofortabziehbare Betriebsausgaben durchaus zulässig sei. Darüber hinausbestehe seitens des Finanzamtes eine Bindung an die tatsächlichvorgenommene Bilanzierung, da die Unterlassung der Aktivierungangesichts der ungeklärten Rechtslage der kaufmännischen Sorgfaltentsprochen habe.Diese Einlassung hat letztlich dazu geführt, dass der I. Senat desBFH dem Großen Senat die Frage vorgelegt hat, ob das Finanzamtim Rahmen der ertragsteuerlichen Gewinnermittlung in Bezug aufzum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung ungeklärte bilanzielle Rechtsfragenan die Auffassung gebunden ist, die der vom Steuerpflichtigenaufgestellten Bilanz zugrunde liegt, wenn diese Rechtsauffassungaus der Sicht eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmannsvertretbar war.» 2. Fehlerhafter BilanzansatzLetztlich hängt die Entscheidung somit von der Beantwortung derVorlagefrage ab. Nach den Ausführungen des I. Senates ist der Ausgangspunktfür die steuerliche Gewinnermittlung die vom Steuerpflichtigenbeim Finanzamt eingereichte Steuerbilanz. Von dieserdarf und muss das Finanzamt abweichen, wenn und soweit sie denGrundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) oder den zwingendenbilanzrechtlichen Vorgaben des Einkommensteuergesetzesnicht entspricht und deshalb fehlerhaft ist. 4 Diese Erfordernisse füreine Abweichung von der eingereichten Bilanz entsprechen dabei denVoraussetzungen, an die § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG die Zulässigkeit einernachträglichen Änderung der Bilanz durch den Steuerpflichtigen(Bilanzberichtigung) knüpft.Nach der bisherigen Rechtsprechung des BFH war ein Bilanzansatznur dann im eben beschriebenen Sinne fehlerhaft, wenn der Steuerpflichtigeden objektiv gegebenen Rechtsverstoß nach den Erkenntnismöglichkeiteneines ordentlichen Kaufmanns im Zeitpunkt derBilanzaufstellung erkennen konnte. Dieser sogenannte subjektiveFehlerbegriff galt dabei nach bisheriger Rechtsprechung sowohl fürTatsachenkenntnisse als auch für die Beurteilung der rechtlichenVerhältnisse. 5 Für die Fälle, in denen die Rechtslage zum Zeitpunktder Bilanzaufstellung ungeklärt ist, weil noch keine Rechtsprechungzu der in Rede stehenden Bilanzierungsfrage ergangen ist, war somitdavon auszugehen, dass jede der kaufmännischen Sorgfalt entsprechendeBilanzierung als „richtig“ anzusehen ist. 6Legt man diese Rechtsprechung zugrunde, dann hat die Steuerpflichtigedurch das Unterlassen der Bildung des aktiven Rechnungsabgrenzungspostensin der Bilanz des Streitjahres eine zum Zeitpunktder Bilanzaufstellung der kaufmännischen Sorgfalt entsprechendeEntscheidung getroffen. Bis dahin existierte weder Rechtsprechungnoch Literatur zur spezifischen Frage der Bildung eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostensbei verbilligter Überlassung von Mobiltelefonen.Die in diesem Zusammenhang auch relevante Frage, ob auchVermögensminderungen durch geldwerte Sachleistungen zu einer1) GrS 1/10, BStBl II 2013, 317; StC 7-8/2013, 9.2) Beschluss vom 7.4.2010, I R 77/08, BStBl II 2010, 739.3) FG Düsseldorf vom 20.5.2008, 6 K 3224/05, K, F, EFG 2008, 1607.4) BFH vom 5.6.2007, I R 47/06, BStBl II 2007, 818.5) BFH vom 23.1.2008, I R 40/07, BStBl II 2008, 669.6) BFH vom 17.7.2008, I R 85/07, BStBl II 2008, 924.20 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


„Ausgabe“ i.S. des § 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG führen können, warauch damals im Schrifttum umstritten, ohne dass sich ein verfestigterMeinungsstand in eine bestimmte Richtung herausgebildet hatte.Demnach könnte das Unterlassen der Aktivierung nicht als Verstoßgegen die kaufmännische Sorgfalt angesehen werden; die Bilanz warsomit im beschriebenen Sinne subjektiv nicht fehlerhaft. Auf derGrundlage der bisherigen BFH-Rechtsprechung wären Revision undKlage mithin begründet.» 3. Grundsätzliche Bedeutung der RechtsfrageDer danach entscheidungserheblichen Frage nach der Bindungswirkungder bei ungeklärter Rechtslage vom Bilanzierenden bei Aufstellungder Bilanz befolgten Rechtsauffassung maß der I. Senat desBFH grundsätzliche Bedeutung (§ 11 Abs. 4 FGO) bei. Der sogenanntesubjektive Fehlerbegriff, von dessen unveränderter Beibehaltungsowohl die in der Vorlagefrage angesprochene Bindungswirkung fürdie Finanzverwaltung als auch die Möglichkeit des Bilanzierenden zurBilanzberichtigung nach § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG abhängen, sei einezentrale und umstrittene Grundfrage des Bilanzsteuerrechts, mit dersich alle Ertragsteuersenate des BFH im Rahmen bilanzrechtlicherStreitfälle zu befassen haben.Entsprechend betrifft die Frage alle bilanzierenden Unternehmen;ihrer Beantwortung kommt angesichts der zunehmenden gesetzlichenNeuregelungen auch im Bilanzsteuerrecht und der damit verbundenensteigenden Zahl ungeklärter Rechtsfragen in diesem Bereicheine wesentliche Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund hielt es der I.Senat für geboten, dass eine Bestätigung, Änderung oder Fortbildungder bisherigen Rechtsprechung vom Großen Senat als senatsübergreifendemSpruchkörper getragen wird.» 4. Die Entscheidung des Großen SenatesNach einer fast dreijährigen Verfahrensdauer hat jetzt der GroßeSenat des BFH entschieden, dass das Finanzamt im Rahmen derertragsteuerlichen Gewinnermittlung auch dann nicht an die rechtlicheBeurteilung gebunden ist, wenn der vom Steuerpflichtigen aufgestelltenBilanz und deren einzelnen Ansätzen eine Beurteilungzugrunde liegt, die aus der Sicht eines ordentlichen und gewissenhaftenKaufmanns im Zeitpunkt der Bilanzaufstellung vertretbar war.Das gelte auch für eine zu diesem Zeitpunkt von Verwaltung undRechtsprechung praktizierte, später aber geänderte Rechtsauffassung.7 Der BFH hat sich damit augenscheinlich unter Abkehr vonder bisherigen Rechtsprechung vom subjektiven Fehlerbegriff verabschiedet.Allerdings lässt die Entscheidung noch einige Fragenunbeantwortet.In den tragenden Gründen der Entscheidung weist der Große Senatjedoch darauf hin, dass das subjektive Rechtsverständnis und diesubjektive Einschätzung des ordentlichen und gewissenhaften Kaufmannsausschlaggebend für die Bilanzierung sein können. Dochhandele es sich bei dieser Subjektivität vermutlich nicht um einenGrundsatz ordnungsmäßiger Bilanzierung, der damit auch für dasBilanzsteuerrecht verbindlich sei. Darüber hinaus verlange das Steuerrechtdie gleichmäßige Beachtung der Rechtsregeln. Diese Regelnkönnen nicht durch eine subjektive Einschätzung der Beteiligtenüberlagert werden. Ausschlaggebend ist nach der Auffassung desBFH allein das objektive öffentliche Recht. Dabei ist es unbeachtlich,ob sich dieses zugunsten oder zuungunsten des Steuerpflichtigenauswirkt. Das verlange im Eingriffsrecht der allgemeine Gesetzesvorbehalt.Ein subjektiver Fehlerbegriff habe hier nichts zu suchen.Das Finanzamt hat vielmehr bei der Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleichebenso wie auch sonst bei der Steuerfestsetzungunabhängig von den Rechtsansichten des Steuerpflichtigen zu prüfen,ob bei der Gewinnermittlung die Rechtslage zutreffend beurteilt wordenist. Spezielle steuerrechtliche Vorschriften sind dabei auch danneigenständig auszulegen und anzuwenden, wenn sie im Handelsrechteine Entsprechung finden, 8 und zwar unter Berücksichtigungdes systematischen Zusammenhangs, in dem sie zum Steuerrechtstehen. 9» 5. Keine Bindung des Finanzamtes an falscheBeurteilungEine Bindung des Finanzamts an eine objektiv unzutreffende, aber imZeitpunkt der Bilanzaufstellung aus der Sicht eines ordentlichen undgewissenhaften Kaufmanns vertretbare rechtliche Beurteilung, dieder vom Steuerpflichtigen aufgestellten Bilanz oder deren einzelnenAnsätzen zugrunde liegt, lässt sich aus dem EStG nicht ableiten.Gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG ist bei buchführenden Gewerbetreibendenfür den Schluss des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögenanzusetzen, das nach den handelsrechtlichen GoB auszuweisen ist.Dem vergleichbar schreibt § 243 Abs. 1 HGB vor, dass Kaufleute denJahresabschluss nach den GoB aufzustellen haben. Neben den speziellenRegelungen des § 5 Abs. 2 bis 5 EStG sind die Vorschriften überdie Entnahmen und die Einlagen, über die Zulässigkeit der Bilanzänderung,über die Betriebsausgaben, über die Bewertung und über dieAbsetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung zu befolgen.Der Große Senat hat in diesem Zusammenhang nicht abschließendentschieden, ob der subjektive Fehlerbegriff zu den GoB gehört. Er hatdies damit begründet, dass auch ein solcher handelsrechtlicher GoBeine Steuerfestsetzung auf der Grundlage der jeweils maßgebendensteuerrechtlichen Vorschriften nicht verhindern könnte.Er begründet das damit, dass Verwaltung und Gerichte verpflichtetsind, ihrer Entscheidung die objektiv richtige Rechtslage zugrundezu legen. Dies ergäbe sich aus dem allgemeinen Gleichheitssatz 10und dem verfassungsrechtlich garantierten Rechtsstaatsprinzip. 11 Ander gesetzmäßigen und damit gleichmäßigen Besteuerung be steheein hohes öffentliches Interesse, das in diesen grundlegenden verfassungsrechtlichenGarantien verankert ist und deshalb einen Ranghat, der über das nur fiskalische Interesse an der Sicherung desSteueraufkommens hinausgeht. 12 Im Steuerrecht müssten daher steuerbegründendeVorschriften dem Prinzip einer möglichst gleichmäßigenBelastung der Steuerpflichtigen besonders sorgfältig Rechnungtragen.Für die Besteuerung sei danach generell die objektive Rechtslagemaßgebend. Damit komme der vom Steuerpflichtigen vertretenenRechtsansicht auch dann keine Bedeutung zu, wenn sie bei der Aufstellungder Bilanz vertretbar war oder der damals herrschendenAuffassung entsprach. Die Besteuerung knüpfe ausschließlich anden tatsächlich verwirklichten Sachverhalt an, nicht aber an Rechtsansichtendes Steuerpflichtigen, und erfolge materiell-rechtlich ohneRücksicht auf deren Vertretbarkeit oder ein Verschulden des Steuerpflichtigen.7) GrS 1/10, BStBl II 2013, 317; StC 7-8/2013, 9.8) BFH vom 15.7.1998, I R 24/96, BStBl II 1998, 728.9) BFH vom 7.4.2010, I R 77/08, BStBl II 2010, 739.10) Art. 3 Abs. 1 GG.11) Art. 20 Abs. 3, 28 Abs. 1 Satz 1, 97 Abs. 1 GG.12) BFH vom 18.1.2012, II R 49/10, BStBl II 2012, 168.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 21


FachbeiträgeSteuerrechtDies gelte auch bei der Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich,und zwar sowohl bei der Anwendung spezieller bilanzsteuerrechtlicherVorschriften als auch bei der Heranziehung der handelsrechtlichenGoB. Mit den verfassungsrechtlichen Anforderungenan die Besteuerung nicht vereinbar wäre daher eine Auslegung des§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG, nach der bei der Gewinnermittlung durchBetriebsvermögensvergleich hinsichtlich bilanzieller Rechtsfragender subjektive Fehlerbegriff zu beachten sei. Die Verwirklichung einesbestimmten Sachverhalts könne ansonsten je nach der subjektivenBeurteilung der Rechtslage durch den Steuerpflichtigen bei der Aufstellungder Bilanz trotz vergleichbarer Sachverhalte zu unterschiedlichensteuerlichen Belastungen führen. Dies würde jedoch gegen dasGebot der gesetzmäßigen Besteuerung verstoßen.» 6. Keine steuerrechtlichen Gestaltungsmöglichkeitendes KaufmannsGrundsätzlich stehe es nicht im Belieben des Kaufmanns, durch handelsbilanzrechtlicheGestaltungsmöglichkeiten seine wirtschaftlicheLeistungsfähigkeit mit steuerrechtlicher Wirkung unzutreffend darzustellen.13 Mit diesen Grundsätzen sei es nicht vereinbar, dem Kaufmannhinsichtlich bilanzieller Rechtsfragen bei der Gewinnermittlungmit für das Finanzamt bindender Wirkung faktisch ein Wahlrechtzwischen mehreren vertretbaren Rechtsansichten einzuräumen. Essei vielmehr Zweck der steuerrechtlichen Gewinnermittlung, grundsätzlichden Periodengewinn so zu erfassen, wie er sich aus den steuerrechtlichmaßgeblichen Vorschriften ergibt. Damit wird eine denGesetzen entsprechende gleichmäßige Besteuerung gewährleistet.Die Anwendung des subjektiven Fehlerbegriffs auf bilanzielle Rechtsfragenwürde nach Ansicht des Großen Senates darüber hinaus demZeitpunkt der Bilanzaufstellung eine materiell-rechtliche Bedeutungfür die Besteuerung beimessen. Die Beurteilung, ob ein objektiv fehlerhafterBilanzansatz zum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung vertretbarwar, kann sich nämlich je nach der Entwicklung der Verwaltungsauffassung,der Rechtsprechung und der Literatur ändern. Eine solchemateriell-rechtliche Bedeutung kommt dem Zeitpunkt der Bilanzaufstellungindes nicht zu; denn dieser Zeitpunkt gehört nicht zu dem imjeweiligen Veranlagungszeitraum verwirklichten Lebenssachverhaltund somit nicht zu dem Tatbestand, an den das Einkommensteuergesetzoder Körperschaftsteuergesetz die Leistungspflicht knüpft.Der BFH stellt zudem eindeutig klar, dass es auch dann auf die objektiveRechtslage ankommt, wenn die vom Steuerpflichtigen einemBilanzansatz zugrunde gelegte Rechtsauffassung einer seinerzeitvon der Finanzverwaltung oder Rechtsprechung gebilligten Bilanzierungspraxisentsprach. Auch in einem solchen Fall ist allein dieim Zeitpunkt der endgültigen Entscheidung maßgebliche, objektivzutreffende Rechtslage zugrunde zu legen. Somit kann eine lediglichvertretbare Rechtsansicht des Steuerpflichtigen weder die Finanzverwaltungnoch die Gerichte bei der Steuerfestsetzung binden. Soweites einem Bilanzierenden erlaubt sein sollte, die subjektiv richtigeHandelsbilanz nicht korrigieren zu müssen, wenn er bei ihrer Aufstellungdie Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns an den Tag gelegthat, könnte dies nicht auf die Besteuerung übertragen werden.» 7. Grundsatz des BilanzzusammenhangesAus der sogenannten Zweischneidigkeit der Bilanz und den Grundsätzendes formellen Bilanzzusammenhangs ergäbe sich nichts anderes.Mit dem Begriff der Zweischneidigkeit der Bilanz wird umschrieben,dass die Bilanz Bestandteil der Gewinnermittlung für zwei Wirtschaftsjahreist, in denen sich gegenläufige Gewinnauswirkungenergeben können. Dies ist eine Folge des Grundsatzes der Bilanzidentität,nach der das Endvermögen des laufenden Wirtschaftsjahreszugleich das Anfangsvermögen des folgenden Wirtschaftsjahres ist. 14Danach können sich Fehler bei der Bilanzierung später wieder ausgleichen,wenn z. B. eine zu Unrecht gebildete Rückstellung späteraufgelöst wird.Dass sich in einem solchen Fall der Bilanzierungsfehler nicht auf denwährend des Bestehens des Unternehmens entstehenden Gesamtgewinnauswirkt, bedeutet nicht, dass auch die Steuer in diesem Zeitraumin identischer Höhe entsteht. Dies wird vielmehr häufig nichtder Fall sein. Gründe dafür sind in der progressiven Gestaltung desEinkommensteuertarifs, Vergünstigungen bei der Besteuerung vonVeräußerungs- und Aufgabegewinnen sowie möglichen Änderungendes Steuersatzes in diesem Zeitraum zu sehen. Zudem kann eine zuniedrige Steuerfestsetzung in einem Veranlagungszeitraum unterUmständen erhebliche Liquiditäts- und Zinsvorteile zur Folge haben.Der Große Senat weist zudem darauf hin, dass sich Bilanzierungsfehlertrotz der Zweischneidigkeit der Bilanz nicht in jedem Fall inspäteren Wirtschaftsjahren ausgleichen. Zu einem solchen Ausgleichkomme es z. B. dann nicht, wenn zu Unrecht als Betriebsvermögenbehandeltes Privatvermögen endgültig an Wert verliert und dies zueiner Gewinnminderung im Betriebsvermögen führt.» 8. Bilanzänderungen nach § 4 Abs. 2 EStGGemäß § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG darf der Steuerpflichtige die Vermögensübersicht(Bilanz) auch nach ihrer Einreichung beim Finanzamtändern, soweit sie den GoB unter Befolgung der Vorschriftendieses Gesetzes nicht entspricht. Diese Änderung ist jedoch nichtzulässig, wenn die Bilanz bereits einer Steuerfestsetzung zugrundeliegt, die nicht mehr aufgehoben oder geändert werden kann. Darüberhinaus ist eine Änderung der Bilanz gemäß § 4 Abs. 2 Satz 2 EStGnur zulässig, wenn sie in einem engen zeitlichen und sachlichenZusammenhang mit einer Änderung nach Satz 1 steht und soweitdie Auswirkung der Änderung nach Satz 1 auf den Gewinn reicht.Das sich aus § 4 Abs. 2 EStG ergebende Recht des Steuerpflichtigenzur Änderung der Bilanz steht der Pflicht des Finanzamts zurSteuerfestsetzung nach Maßgabe der objektiv richtigen Rechtslagenicht entgegen. Entsprechen Bilanzansätze objektiv nicht den jeweilsmaßgebenden speziellen bilanzsteuerrechtlichen Vorschriften oderden handelsrechtlichen GoB, ist das Finanzamt unabhängig von einemRecht oder einer Pflicht des Steuerpflichtigen zur Berichtigung derBilanz gemäß § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG zu einer eigenständigen Gewinnermittlungberechtigt und verpflichtet. Somit besteht auch in diesenFällen keine Bindung an subjektiv vertretbare Bilanzansätze desSteuerpflichtigen.Zwar kann nur der Steuerpflichtige selbst die Bilanz nach § 4 Abs. 2Satz 1 EStG berichtigen. 15 Indes ist die Abweichung von der Gewinnermittlungdes Steuerpflichtigen im Rahmen der Steuerfestsetzungkeine Bilanzberichtigung, sondern eine eigenständige Ermittlung derBesteuerungsgrundlagen durch das Finanzamt, der § 4 Abs. 2 EStGnicht entgegensteht.Ist eine Rechtsansicht, die der Steuerpflichtige der Gewinnermittlungdurch Betriebsvermögensvergleich zugrunde gelegt hat, mit speziellensteuerrechtlichen Vorschriften oder den handelsrechtlichen13) Vgl. BFH vom 3.2.1969, GrS 2/68, BStBl II 1969, 291; vgl. auch BFH vom 21.10.1993, IVR 87/92, BStBl II 1994, 176.14) Vgl. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG.15) BFH vom 13.6.2006, I R 84/05, BStBl II 2007, 94.22 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Bestimmungen für die Handelsbilanz nicht vereinbar, darf das Finanzamtdie Gewinnermittlung insoweit der Besteuerung nicht zugrundelegen. Es muss vielmehr eine eigene Gewinnermittlung durchBetriebsvermögensvergleich mit gegenüber der Handels- oder Steuerbilanzabgeänderten Werten vornehmen. 16 Ob die Handelsbilanz trotzeines Verstoßes gegen die GoB unter Anwendung des subjektivenFehlerbegriffs handelsrechtlich als richtig anzusehen ist oder nicht,ist unerheblich. Maßgebend sind vielmehr die für den Bilanzstichtaggeltenden Vorschriften in objektiv zutreffender Auslegung.» 9. Zeitpunkt der KorrekturDas Finanzamt hat einen Bilanzierungsfehler des Steuerpflichtigengrundsätzlich bei der Veranlagung für den Zeitraum zu berichtigen,in dem der Fehler erstmals aufgetreten ist und steuerliche Auswirkungenhat. Das gilt auch dann, wenn die Bilanzierung auf einerspäter geänderten Rechtsprechung beruht. Liegt die fehlerhafteBilanz einem Steuer- oder Feststellungsbescheid zugrunde, der ausverfahrensrechtlichen Gründen nicht mehr geändert werden kann,so ist nach dem Grundsatz des formellen Bilanzzusammenhangsder unrichtige Bilanzansatz grundsätzlich bei der ersten Steuerfestsetzungoder Gewinnfeststellung richtigzustellen, in der dies unterBeachtung der für den Eintritt der Bestandskraft und der Verjährungmaßgeblichen Vorschriften möglich ist. 17» 10. Keine ÜbergangsregelungDer Große Senat hat es abgelehnt, eine Übergangsregelung zu treffen.Das ist unter Beachtung seiner Rechtsauffassung und der bisherigenRechtsprechung auch sachgerecht, da sowohl die Finanzverwaltungals auch die Rechtsprechung gemäß Art. 20 Abs. 3 GG an die Gesetzegebunden sind, und nur ausnahmsweise eine Übergangsregelungzugunsten der Steuerpflichtigen möglich ist. 18Diese Voraussetzungen sind jedoch im vorliegenden Fall nicht erfüllt.Zu der vom Großen Senat entschiedenen Frage gibt es keine langjähriggefestigte Rechtsprechung des BFH zugunsten der Steuerpflichtigen.Es kann nur Vertrauensschutz gemäß § 176 Abs. 1 Satz 1Nr. 3 AO zu gewähren sein. Eine Übergangsregelung zugunsten derFinanzverwaltung scheidet wegen deren Bindung an die Gesetze vonvornherein aus. 19» 11. FazitDie Entscheidung des Großen Senates zur Frage des subjektivenFehlerbegriffs ist zu begrüßen. Allerdings ist hier festzuhalten, dassbisher lediglich der I. Senat des BFH, der auch den Vorlagebeschlusserlassen hat, in zwei Urteilen Zweifel an der Rechtslage hat aufkommenlassen. Von daher war eine Anrufung des Großen Senates möglicherweiseentbehrlich.Zu beachten ist, dass sich der Beschluss lediglich auf Fehler in derRechtsanwendung bezieht. Fehler, die bei der Ermittlung des Sachverhaltesentstehen, aber zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung derErkenntnisfähigkeit eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmannesentsprechen, werden davon nicht tangiert. Allerdings ist auchdiese Erkenntnisfähigkeit objektiv zu ermitteln. Dies gilt auch fürEntscheidungen des Steuerpflichtigen, mit denen Beurteilungsspielräumeausgefüllt werden. Die Möglichkeiten der legalen Bilanzpolitikbestehen daher auch steuerrechtlich weiter.Dennoch ist der Steuerpflichtige auch bei Sachverhaltsfehlern gefordert.Werden diese für ihn offenbar, besteht über § 153 AO die grundsätzlichePflicht zur Erklärungsberichtigung. Diese Pflicht umfasstauch die Änderung bereits erstellter Steuerbilanzen. Unerheblichist dabei, ob sich die Änderung zugunsten oder zuungunsten desSteuerpflichtigen auswirkt.Von diesem Sachverhalt abzugrenzen sind die Fälle, in denen durchdie Änderung der Rechtsprechung eine für den Steuerpflichtigenungünstigere Beurteilung erfolgt. Hier wird regelmäßig der Schutzmechanismusdes § 176 AO greifen, nach dem Rechtsprechungsänderungenzuungunsten des Steuerpflichtigen nicht berücksichtigtwerden dürfen, wenn die bisherige und günstigere Rechtsprechungbereits in einer Steuererklärung oder Steuerfestsetzung berücksichtigtworden ist.16) BFH vom 4.11.1999, IV R 70/98, BStBl II 2000, 129.17) BFH vom 19.7.2011, IV R 53/09, BStBl II 2011, 1017.18) BFH vom 17.12.2007, GrS 2/04, BStBl II 2008, 608.19) BFH vom 17.7.2008, I R 77/06, BStBl II 2010, 209.Dipl.- Finw. Gerhard Bruschkeist als Sachgebietsleiter in einem westfälischenFinanzamt tätig. Er ist bereits durch vielesteuerrechtliche Veröffentlichungen in Erscheinunggetreten und unter anderem als Autor fürden Bewertungskommentar „Gürsching/Stenger“ tätig.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 23


FachbeiträgeWirtschaftsrecht» RA Johannes Höring, TrierZum Anspruch der KG gegen ihrenKommanditisten auf Erstattung des aufKapitalerträge der Gesellschaft entfallendenTeils der KapitalertragsteuerDer Bundesgerichtshof (BGH) hat sich in seinem Urteil vom 16.4.2013 mit der Frage des Ansprucheseiner Kommanditgesellschaft (KG) gegen ihren Kommanditisten auf Erstattung des auf Kapitalerträge derGesellschaft entfallenden Teils der Kapitalertragsteuer auseinandergesetzt.» 1. HintergrundDer II. Zivilsenat des BGH hat sich in seinem Urteil vom 16.4.2013mit der Frage des Anspruches einer KG gegen ihren Kommanditistenauf Erstattung des auf Kapitalerträge der Gesellschaft entfallendenTeils der Kapitalertragsteuer befasst.Der BGH hat entschieden, dass es sich allein nach dem Gesellschaftsvertragrichtet, ob eine KG gegen ihren Kommanditisteneinen Anspruch darauf hat, dass er ihr den auf Kapitalerträge derGesellschaft entfallenden Teil der Kapitalertragsteuer erstattet, dervon dem Kapitalertragsschuldner einbehalten und an das Finanzamtabgeführt wird. 1» 2. Der Streitfall2.1. SachverhaltDem Urteil lag folgender Streitfall vor: Der Kläger ist Verwalter indem Insolvenzverfahren über das Vermögen der A. GmbH & Co. KG(nachstehend auch Schuldnerin genannt), das am 1.1.2001 eröffnetwurde. Er verlangt mit seiner am 18.12.2009 beim Landgericht eingegangenenKlage vom Beklagten, der mit einer Einlage von 150.000,-DM einziger Kommanditist der Schuldnerin ist, die Erstattung vonJahrKapital ertragssteuerSolidaritätszuschlagSumme2001 3.539,40 € 194,61 € 3.734,01 €2002 6.804,96 € 374,19 € 7.179,15 €2003 2.250,60 € 123,74 € 2.374,34 €2004 1.886,36 € 103,71 € 1.990,07 €2005 1.826,84 € 100,45 € 1.927,29 €2006 2.447,11 € 134,57 € 2.581,68 €2007 2.635,88 € 144,96 € 2.780,84 €2008 1.917,08 € 105,42 € 2.022,50 €Summe 23.308,23 € 1.281,65 € 24.589,88 €Quelle: Bundesgerichtshof, Urteil vom 16.4.2013, II ZR 118/11.Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschlägen (nachstehend auchals Zinsabschläge bezeichnet) in Höhe von insgesamt 24.589,88 €,die auf Kapitalerträge der Schuldnerin im Zeitraum 2001 bis 2008wie folgt abgeführt wurden (siehe Tabelle).Das Landgericht hat der Klage nur hinsichtlich der seit dem Jahr2005 abgeführten Zinsabschläge in Höhe von 9.312,31 € nebst Zinsenstattgegeben und den Anspruch des Klägers im Übrigen für verjährtgehalten. Die dagegen gerichteten Berufungen beider Parteien hat dasBerufungsgericht zurückgewiesen. Mit seiner vom Berufungsgerichtzugelassenen Revision verfolgt der Kläger seinen Zahlungsantrag inHöhe der restlichen 15.277,57 € nebst Zinsen weiter.2.2. BGH-Urteil bestätigt die Auffassung des BerufungsgerichtesDie Revision des Klägers hatte vor dem BGH keinen Erfolg, da dierechtlichen Ausführungen des Berufungsgerichtes einer rechtlichenÜberprüfung im Ergebnis standhalten.Dem Kläger stehe gegen den Beklagten ein bereicherungsrechtlicherErstattungsanspruch in Höhe der Zinsabschläge für die Jahre 2005bis 2008 zu. Der Beklagte sei als einziger Kommanditist der Schuldnerinnach § 20 Abs. 1 Nr. 7, § 43 Abs. 1 Nr. 7, § 2 Abs. 1 Nr. 2, § 15Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG Schuldner der auf die Insolvenzmasse zuentrichtenden Kapitalertragsteuer und des Solidaritätszuschlags. Mitder Abführung dieser Steuer tilge die Gesellschaft nicht eine eigene,sondern die Steuerschuld des Gesellschafters, dem die Zinsabschlägenach § 36 Abs. 2 Nr. 2, Abs. 4 EStG auf die Einkommensteuerschuldanzurechnen oder bei einem Überschuss an diesen auszukehrenseien. Die Abführung des Zinsabschlags komme bei der werbendenGesellschaft einer Einnahme der Gesellschaft und einer Entnahmedes Gesellschafters gleich, zu der der Beklagte bis zur Eröffnungdes Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Schuldnerin gemäßden Vorgaben im Gesellschaftsvertrag berechtigt gewesen sei. In derInsolvenz der Personenhandelsgesellschaft ändere sich an der steu-1) BGH, Urteil vom 16.4.2013, II ZR 118/11, DB 2013, 1355.24 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


errechtlichen Situation grundsätzlich nichts. Allerdings gehöre dergesamte Kapitalertrag zur Insolvenzmasse und das Entnahmerechtdes Gesellschafters sei entfallen. Einen anderen zivilrechtlichenGrund, den mit der Abführung des Zinsabschlags verbundenen geldwertenVorteil behalten zu dürfen, gebe es nicht.Der Erstattungsanspruch der Schuldnerin könne zwar weder ausdem Gesellschaftsvertrag hergeleitet werden noch bestehe wegender Nichterstattung des Zinsabschlags ein Schadenersatzanspruchgegen den Gesellschafter wegen Verletzung der gesellschafterlichenTreuepflicht. Es handele sich vielmehr um einen Fall der Eingriffskondiktion,weil der Beklagte den Vermögensvorteil allein auf Grundder gesetzlichen Pflicht des Kreditinstituts zur Abführung der Quellensteuererlangt habe. Diese Vermögensverschiebung sei wie beider werbenden Gesellschaft als Entnahme zu behandeln. Die Rückforderungeiner unzulässigen Entnahme erfolge aber nicht auf gesellschaftsrechtlicher,sondern auf bereicherungsrechtlicher Grundlage.Der Bereicherungsanspruch verjähre nach §§ 195, 199 BGB drei Jahrenach dessen Entstehung und der Kenntnis des Insolvenzverwalters.Für die Kenntnis des Klägers komme es nicht auf den Zugang derSteuerbescheinigungen an, sondern auf den Zugang der Kontoauszüge,in denen die Zinsabschläge ausgewiesen würden.Es bestehe auch kein auf Erstattung der Zinsabschläge für das Jahr2001 gerichteter Schadenersatzanspruch. Durch das Verjährenlassendes Bereicherungsanspruchs ändere sich dessen Charakter nicht. DieFestsetzungsverjährung habe keinen Einfluss auf die Verjährung derErstattungsforderung.Zu den Voraussetzungen eines Anspruchs auf Rückzahlung der Einlagefehle jeder nachvollziehbare Tatsachenvortrag des Klägers. ImÜbrigen habe der Kläger mit dem Verweis auf einen Anspruch aufRückzahlung der Einlage oder nach den Vorschriften zur Kapitalerhaltungerstmals in der Berufung unzulässig neue Streitgegenständeeingeführt.Der BGH führt zudem aus, dass es dahingestellt bleiben kann, obein bereicherungsrechtlicher Anspruch des Klägers gegen denBeklagten auf Erstattung der von der Schuldnerin vor dem Jahr2005 abgeführten Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschlägebesteht, ob dem Kläger ein Erstattungsanspruch auf gesellschaftsvertraglicherGrundlage zusteht oder ob das Entnahmerecht desBeklagten auch in der Insolvenz der Schuldnerin besteht. Ein etwaigerErstattungsanspruch wäre jedenfalls gemäß §§ 195, 199 Abs.1 BGB (für Kapitalerträge in 2001 ggf. in Verbindung mit Art. 226Abs. 4 Satz 1 EGBGB) verjährt. Die Verjährungsfrist hätte für denjeweiligen Anspruch bereits mit der Erhebung der Zinsabschlägeund der Kenntnisnahme des Klägers von den entsprechendenAbzügen begonnen und wäre abgelaufen, bevor der Kläger auf dieHemmung der Verjährung gerichtete Maßnahmen ergriffen hat.Nach der Rechtsprechung des Senats ist bei einer werbenden Personenhandelsgesellschaftdie gem. § 43 Abs. 1 Satz 1 EStG durchAbzug auf Kapitalerträge der Gesellschaft erhobene Einkommensteuer(Kapitalertragsteuer) vermögensmäßig als Abzug von Gesellschaftskapitalanzusehen und durch deren steuerliche Anrechnungauf die Einkommensteuer des Gesellschafters wie eine Entnahmeihres Gesellschafters zu behandeln. Der Abzug der Kapitalertragsteuervon den Kapitalerträgen der ihrerseits nicht einkommen- oderkörperschaftsteuerpflichtigen Personenhandelsgesellschaft bewirktim Hinblick auf die Anrechnung nach § 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG eineVorauszahlung auf die Einkommensteuerschuld der Gesellschafterals Mitunternehmer nach § 2 Abs. 1 Satz 1, § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr.2 EStG, die entweder zur Minderung der Einkommensteuerschulddes Gesellschafters oder zu einer Steuererstattung nach § 36 Abs.4 Satz 2 EStG führt.Der hierdurch erlangte Vorteil kann zivilrechtlich nicht anders bewertetwerden, als sei der Gesellschaft zunächst der gesamte Kapitalertragzugeflossen und sodann von ihr im Umfang der Kapitalertragsteuerzur Leistung einer Vorauszahlung auf die Einkommensteuerschuldder Gesellschafter verwendet worden. Ob die Gesellschaft gegen ihrenGesellschafter einen Anspruch darauf hat, dass er ihr den einbehaltenenTeil der Kapitalertragsteuer erstattet, richtet sich sodann nachdem Gesellschaftsvertrag. Diese Grundsätze gelten entsprechend fürdie Erhebung der Solidaritätszuschläge.Der Senat muss die Frage, ob und ggfls. auf welcher Rechtsgrundlageder Gesellschafter zur Erstattung von Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlägenverpflichtet ist, die auf Kapitalerträge der Insolvenzmasseabgezogen worden sind, im Streitfall nicht entscheiden. Ein aufErstattung der abgeführten Zinsabschläge gerichteter Anspruch desKlägers wäre, wenn man ihn bejahen wollte, unabhängig von seinerrechtlichen Einordnung als bereicherungsrechtlicher oder aus demGesellschaftsvertrag abgeleiteter Anspruch innerhalb von drei Jahrennach seiner Entstehung verjährt (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB; Art. 229§ 6 Abs. 4 Satz 1 EGBGB).Entgegen der Ansicht der Revision wäre ein Erstattungsanspruchbereits mit der Abführung der Zinsabschläge entstanden. Der Klägerhatte von der Erhebung der Zinsabschläge für die Jahre 2001 bis2004 vor dem 31.12.2005 Kenntnis. Er kannte damit die möglicheErstattungsansprüche der Schuldnerin begründenden Tatsachen,sodass diese Ansprüche spätestens mit dem Ablauf des Jahres 2008verjährt wären, ohne dass der Kläger auf die Hemmung der Verjährunggerichtete Maßnahmen ergriffen hat.RA Johannes Höringist im Bereich des Internationalen Steuerrechts, des Bank- und Kapitalmarktrechtssowie des Investment(steuer-)rechts tätig. Als aktivesMitglied diverser Verbände und Interessenvereinigun gen verfolgt erintensiv nationale und internationale Änderungen und ist zudem als(Buch-)Autor aktiv.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 25


FachbeiträgeSozialrecht» Horst Marburger, GeislingenBetriebsprüfung der SozialversicherungDie Arbeitgeber haben viele Aufgaben in Zusammenhang mit der Sozialversicherung ihrer Arbeitnehmer.Sie haben über die Versicherungspflicht und -freiheit ihrer Mitarbeiter zu entscheiden, die notwendigenMeldungen zu erstatten und sind Schuldner des Gesamtsozialversicherungsbeitrags. In Bezug auf dieBeiträge zur Sozialversicherung ziehen sie die Arbeitnehmeranteile vom Lohn ihrer Arbeitnehmer einund überweisen diese zusammen mit dem Arbeitgeberanteil sowie mit den allein vom Arbeitnehmer zuzahlenden Beiträgen zur Kranken- und ggf. Pflegeversicherung sowie mit den allein vom Arbeitgeberzu zahlenden Umlagen an die Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Letzteres ist dieKrankenkasse des Arbeitnehmers. Geht es um geringfügig Beschäftigte, ist die Deutsche RentenversicherungKnappschaft-Bahn-See (sog. Minijob-Zentrale) zuständig.» 1. GrundsätzeDie Übertragung wichtiger Aufgaben an die Arbeitgeber, die vor allemöffentliche Gelder berühren, verpflichtet den Gesetzgeber, die Durchführungder jeweiligen Pflichten zu kontrollieren, d. h. zu prüfen.Rechtsgrundlage ist hier zunächst § 28p Sozialgesetzbuch – ViertesBuch (SGB IV), der die Überschrift trägt: „Prüfung bei den Arbeitgebern“.Danach (§ 28p Abs. 1 SGB IV) prüfen die Träger der Rentenversicherungbei den Arbeitgebern, ob diese ihre Meldepflichten undihre sonstigen Pflichten nach dem SGB ordnungsgemäß erfüllen. Esmuss sich um Pflichten handeln, die in Zusammenhang mit demGesamtsozialversicherungsbeitrag stehen.Zuständig für die Durchführung der Prüfung sind – wie erwähnt – dieRentenversicherungsträger. Hier sind die Deutsche RentenversicherungBund, die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-Seeund die Regionalträger (frühere Landesversicherungsanstalten) zuunterscheiden.Im Bereich der Regionalträger richtet sich die örtliche Zuständigkeitnach dem Sitz der Lohn- und Gehaltsabrechnungsstelle des Arbeitgebers(§ 28p Abs. 2 SGB IV). Die Rentenversicherungsträger stimmensich darüber ab, welche Arbeitgeber sie prüfen. Ein Arbeitgeber istjeweils von einem Rentenversicherungsträger zu prüfen.Die Träger der Rentenversicherung haben die Einzugsstellen für denGesamtsozialversicherungsbeitrag über Sachverhalte zu unterrichten,soweit sie die Zahlungspflicht oder die Meldepflicht des Arbeitgebersbetreffen.Aufgrund des § 28n sowie des § 28p Abs. 9 SGB IV ist durch dasBundesministerium für Arbeit und Sozialordnung eine weitere wichtigeRechtsgrundlage erlassen worden.Es handelt sich um die Verordnung über die Berechnung, Zahlung,Weiterleitung, Abrechnung und Prüfung des Gesamtsozialversicherungsbeitrags(Beitragsverfahrensverordnung – BVV) vom 3.5.2006,die allerdings zwischenzeitlich mehrfach geändert worden ist. Siebeschäftigt sich in ihrem vierten Abschnitt mit der Prüfung beimArbeitgeber (§§ 7 bis 13a). In den letzten Jahren ist es zu einer Ausweitungder Betriebsprüfungen durch die Rentenversicherungsträgergekommen. Die Zuständigkeit umfasst nunmehr nicht nur dieKranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Außerdemwerden vielmehr die Entgeltfortzahlungsversicherung (auch als Ausgleichsversicherungbezeichnet) sowie die Künstlersozialversicherungerfasst.Die Arbeitgeber können beantragen, dass die Lohnsteueraußenprüfungdes Finanzamts zusammen mit der Sozialversicherungsprüfungdurchgeführt wird.» 2. Wie oft und wann mit einer SV-Betriebsprüfunggerechnet werden mussNach ausdrücklicher Vorschrift in § 28p SGB IV sind Betriebsprüfungenmindestens alle vier Jahre durchzuführen. Allerdings solldie Betriebsprüfung in kürzeren Zeitabständen erfolgen, wenn einArbeitgeber es verlangt.Wichtig: Die Betriebsprüfung muss nicht immer eine Belastung sein,sondern kann auch zu Sicherheit bei der Entgeltabrechnung führen.Praxis-Tipp: Ein Arbeitgeber sollte die Betriebsprüfung in kürzerenZeitabständen verlangen, wenn im Betrieb Unregelmäßigkeitenvorgekommen sind und zu befürchten ist, dass diese sich auf dieBerechnung und Zahlung der Gesamtsozialversicherungsbeiträgeausgewirkt haben.Das Gleiche gilt, wenn die Gefahr von System- oder Abrechnungsfehlernüber mehrere Jahre besteht oder ein Personalwechsel imLohnbüro erfolgt ist.Die Einzugsstelle unterrichtet den zuständigen Rentenversicherungsträger,wenn sie eine alsbaldige Prüfung bei dem Arbeitgeber fürerforderlich hält.» 3. Ankündigung einer Prüfung§ 7 BVV schreibt ausdrücklich vor, dass die Prüfung bei einem Arbeitgebergrundsätzlich nach vorheriger Ankündigung durch den zuständigenVersicherungsträger zu erfolgen hat.26 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Die Ankündigung soll möglichst einen Monat und muss jedoch spätestens14 Tage vor der Prüfung erfolgen. Mit Zustimmung des Arbeitgeberskann hiervon allerdings abgewichen werden.Praxis-Tipp: Ein Arbeitgeber sollte sich die Gründe nennen lassen,wenn der Rentenversicherungsträger ohne seine Zustimmung vonden Ankündigungsfristen abweicht.Eine Prüfung kann ohne Einhaltung von Fristen durchgeführt werden,wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Ein wichtiger Grund ist z. B. danngegeben, wenn der begründete Verdacht auf Beitragshinterziehungbesteht. Der Arbeitgeber kann einen solchen Verdacht dadurch entkräften,dass er eine Gegendarstellung abgibt.Die Bitte des Versicherungsträgers, von der Ankündigungsfristabweichen zu dürfen, wird im Allgemeinen organisatorische Gründehaben, wenn es z. B. darum geht, mehrere Prüfungen am selbenOrt durchzuführen.Wichtig: Liegt ein wichtiger Grund vor, wird keine Bitte ausgesprochen.In diesem Fall kann der Rentenversicherungsträger nämlichohne Vorankündigung tätig werden.Der erstgenannte Fall unterscheidet sich hiervon dadurch, dass nichtohne Vorankündigung geprüft, sondern lediglich um die Verkürzungder Ankündigungsfrist gebeten wird.» 4. Maßgebender Prüfungsort§ 98 Abs. 1 Sozialgesetzbuch – Zehntes Buch (SGB X) sieht bezüglichdes Prüfungsortes ein Wahlrecht für den Arbeitgeber vor. Diesesentfällt allerdings, wenn besondere Gründe eine Prüfung in denGeschäftsräumen des Arbeitgebers rechtfertigen. Beispielsweise istdies dann der Fall, wenn der Verdacht besteht, dass der Arbeitgebernicht alle Unterlagen vorlegt. Ein solcher Verdacht würde allerdingsvoraussetzen, dass bei früheren Prüfungen entsprechende Anhaltspunktefestgestellt werden. Solche Gründe kann die prüfende Stelleallerdings nicht gegenüber Arbeitgebern des öffentlichen Dienstesgeltend machen.Will ein Arbeitgeber, dass die Betriebsprüfung nicht in seinen Räumen,sondern in denen des Versicherungsträgers durchgeführt wird,ist es empfehlenswert, dies rechtzeitig schriftlich zu beantragen. EineBegründung ist nicht unbedingt erforderlich. Da es aber in der Praxisüblich ist, Beitragsüberwachungen in den Räumlichkeiten derArbeitgeber durchzuführen und es diesen auch nicht gleichgültig seinkann, wie die Beziehungen zum Rentenversicherungsträger sind, istes empfehlenswert, den Antrag zu begründen.» 5. Arbeitsplatz für den BetriebsprüferDer Arbeitgeber hat dem Prüfer kostenlos einen zur Durchführungder Prüfung geeigneten Raum oder Arbeitsplatz sowie die erforderlichenHilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Die hier maßgebendeVorschrift des § 7 Abs. 2 SGB IV ist dem Steuerrecht nachgebildet.Zu den notwendigen Hilfsmitteln gehören z. B. Rechenmaschinen,aber auch ein PC.Das setzt natürlich das Vorhandensein solcher Geräte im Betriebdes Arbeitgebers voraus. Eine besondere Anschaffung wegen derBeitragsüberwachung kann nicht verlangt werden. In der Praxisbringen die Betriebsprüfer entsprechende Geräte meist selbst mit(z. B. ein Laptop).Handelt es sich um voraussichtlich zeitaufwendige Prüfungen, wirdder Betriebsprüfer den Einsatz vorher mit dem Arbeitgeber bzw. seinemPersonalleiter oder dem sonst zuständigen Mitarbeiter absprechen.Der Prüfer darf die Unterlagen des Arbeitgebers vervielfältigen,soweit es für die Erfüllung seiner Aufgaben notwendig ist. Er ist auchberechtigt, seine elektronischen Unterlagen zu speichern. In beidenFällen hat dies aber auf Kosten des Versicherungsträgers zu erfolgen.Um sicherzustellen, dass alle relevanten Unterlagen vorgelegt werden,kann der Prüfer den Arbeitgeber auffordern, eine entsprechendeErklärung zu unterschreiben.Kosten der Verdienstausfälle, die dem Arbeitgeber oder seinem Steuerberater(vgl. dazu die Ausführungen unter 6.) entstehen, werdendem Arbeitgeber vom Rentenversicherungsträger nicht erstattet. Inder Praxis sind solche Kosten allerdings gering. Nach der Vorschriftdes § 28p Abs. 5 SGB IV sind die Arbeitgeber verpflichtet, angemessenePrüfhilfen zu leisten. Abrechnungsverfahren, die mithilfe automatischerEinrichtungen durchgeführt werden, sind in die Prüfungeinzubeziehen (vgl. dazu auch die Ausführungen unter 7.).» 6. Prüfung des Steuerberaters undanderer StellenNach § 28p Abs. 6 SGB IV sind auch steuerberatende Stellen, Rechenzentrenund vergleichbare Einrichtungen zu prüfen. Voraussetzungist, dass diese im Auftrag des Arbeitgebers oder einer von ihm beauftragtenPerson Löhne oder Gehälter abrechnen oder Meldungenerstatten.Beendet der Arbeitgeber die Beauftragung z. B. des Steuerberaterswährend der Prüfung, bleibt das Recht auf Prüfung für den zu prüfendenZeitraum bestehen. Sie wird dann beispielsweise bei demSteuerberater durchgeführt, der neu beauftragt wird, oder beimArbeitgeber.Das Ergebnis der Prüfung bei einem Steuerberater oder einer sonstbeauftragten Stelle ist auch dem Arbeitgeber mitzuteilen. DieseMitteilung soll dem Arbeitgeber innerhalb von zwei Monaten nachAbschluss der Prüfung zugehen.Für den Rentenversicherungsträger bleibt im Übrigen das Recht derPrüfung beim Arbeitgeber oder in den Räumen des Versicherungsträgersunberührt.» 7. Prüfbarkeit elektronischer BuchführungenNach ausdrücklicher Vorschrift des § 10 Abs. 3 BVV hat bei Abrechnungsverfahren,die mithilfe automatischer Einrichtungen durchgeführtwerden, der Arbeitgeber ein ordnungsgemäßes Verfahren zugewährleisten. Eine Prüfung einzelner Geschäftsvorfälle wie auch desAbrechnungsverfahrens insgesamt muss möglich sein.Änderungen des Abrechnungsverfahrens sind in der Dokumentationso zu vermerken, dass die zeitliche Abgrenzung einzelner Verfahrensversionenersichtlich ist. Die Dokumentation des Abrechnungsverfahrensist bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren.Der Arbeitgeber muss gewährleisten, dass die gespeicherten Angabenjederzeit lesbar gemacht werden können. Zur Prüfung einzelnerGeschäftsvorfälle wie auch des Abrechnungsverfahrens muss derArbeitgeber die notwendigen Darstellungsprogramme sowie Maschinenzeitenund sonstigen Hilfsmittel, wie z. B. Personal, Bildschirme,Lesegeräte, bereitstellen.Aus der erforderlichen Verfahrensdokumentation müssen Aufbauund Ablauf des Abrechnungsverfahrens vollständig ersichtlich sein.Praxis-Tipp: Eine Verfahrensdokumentation kann verbal, z. B. durchArbeitsanweisungen, grafisch, z. B. durch Ablaufpläne, tabellarisch,z. B. durch Entscheidungstabellen oder anhand des Programmprotokollsin Verbindung mit den dazugehörigen Programmvorgabenerfolgen.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 27


FachbeiträgeSozialrechtDie Verfahrensdokumentation muss folgende Problembereichebeschreiben: Verarbeitungsregeln einschließlich Kontrollen undAbstimmungsverfahren, Fehlerbehandlung, Sicherung der ordnungsgemäßenProgrammanwendung, Organisation der manuellen Vor- undNachbehandlung von Daten.Bei interner Prüfung von Programmen durch Testaufgaben sind dieerforderlichen Arbeiten vom Arbeitgeber bzw. seinen Mitarbeiternselbst durchzuführen. Das Testergebnis ist den Betriebsprüfern zuübergeben.Es dürfen nur gemeinsame Testaufgaben verwendet werden. Dabeihandelt es sich um die von den Spitzenverbänden der Kranken- undRentenversicherungsträger entwickelten Testfälle. Der Arbeitgeberkann eine Änderung der Testaufgaben verlangen, soweit dies durchbetriebliche Gegebenheiten begründet ist.Eine Dokumentation der Programmprüfung ist vom Arbeitgeber biszur nächsten Prüfung aufzubewahren und dann vorzulegen. Verfahrenoder Verfahrensteile, die bereits geprüft, nicht beanstandetund später nicht geändert worden sind, dürfen nicht erneut geprüftwerden.Bei bereits geprüften Verfahren oder Verfahrensteilen, die spätergeändert worden sind, kann die Prüfung auf Änderungen beschränktwerden.Weist der Arbeitgeber nach, dass die Testaufgaben im Rahmen einerSystemprüfung bereits erfolgreich geprüft wurden, ist auf eine entsprechendePrüfung bei ihm zu verzichten.Sind bei der Prüfung Mängel festgestellt worden, hat der Arbeitgeberdiese unverzüglich zu beheben. Außerdem hat er Vorkehrungen zutreffen, damit sich die festgestellten Mängel nicht wiederholen. Dafürkann dem Arbeitgeber eine Frist gesetzt werden. Darüber hinauskann dem Arbeitgeber die Auflage erteilt werden, dem prüfendenSozialversicherungsträger die ordnungsgemäße Mängelbeseitigungund die getroffenen Vorkehrungen nachzuweisen.» 8. Unterlagen für den BetriebsprüferHinsichtlich der vorzulegenden Unterlagen unterscheidet die BVVzwischen Entgeltunterlagen und Unterlagen, die mit der Beitragsabrechnungim Zusammenhang stehen (z. B. Beitragsnachweise).Welches die Entgeltunterlagen sind, ergibt sich aus § 8 BVV. Hier werdenzunächst die persönlichen Daten des Arbeitnehmers, außerdemder Beginn und das Ende der Beschäftigung erfasst. Angesprochenwird auch das Wertguthaben aus flexibler Arbeitszeit einschließlichder Änderungen (Zu- und Abgänge), der Abrechnungsmonat derersten Gutschrift sowie der Abrechnungsmonat für jede Änderung.Gefordert wird ferner ein Nachweis über die getroffenen Vorkehrungenzum Insolvenzschutz. Bei auf Dritte übertragenen Wertguthabensind diese beim Dritten zu kennzeichnen.Anzugeben ist auch die Beschäftigungsart (z. B. Schweißer, Buchhalterusw.). Außerdem sind die für die Versicherungsfreiheit oderHorst MarburgerOberverwaltungsrat a. D., war bis zu seinerPensionierung Leiter der Schadensersatzabteilungder AOK Baden-Württemberg. Der Autor istLehrbeauftragter der Hagen Law School. Er istVerfasser von Fachaufsätzen und Fachbüchern.die Befreiung von der Versicherungspflicht maßgebenden Angabenzu machen. Dazu gehört z. B. die Angabe, dass eine Beschäftigunggeringfügig ist (Entgelt überschreitet die Geringfügigkeitsgrenze von450 EUR nicht oder: Die Beschäftigung wird nicht länger als an zweiMonaten oder 50 Arbeitstagen ausgeführt).Vor allem sind auch das Arbeitsentgelt, seine Zusammensetzungund zeitliche Zuordnung (z. B. Provisions-, Prämienberechnung,Jubi läums zuwendungen, Stundenzettel, Fehlzeitbelege, Zeiterfassungsprotokolle)zu nennen. Ausgenommen hiervon sind allerdingsSachbezüge und Belegschaftsrabatte, soweit für sie keine Aufzeichnungspflichtnach dem Einkommensteuergesetz (EStG) besteht.Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt ist bis zur Beitragsbemessungsgrenzeder Rentenversicherung anzugeben. 2013 sind dies monatlich5.800 EUR (Osten: 4.900 EUR). Anzugeben ist auch seine Zusammensetzungund seine zeitliche Zuordnung.Weitere wichtige Angaben sind: die zuständige Einzugsstelle, dervon der Einzugsstelle mitgeteilte Beitragsgruppenschlüssel, der vomBeschäftigten zu tragende Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitragnach Beitragsgruppen getrennt, die für die Erstattung vonMeldungen erforderlichen Daten und bei Entsendung ins Ausland dieArt und zeitliche Begrenzung der Beschäftigung. Anzugeben ist auchdas im Auftrag der Agentur für Arbeit gezahlte Kurzarbeitergeld unddie hierauf entfallenden beitragspflichtigen Einnahmen.Der Arbeitgeber hat ferner die Angaben über die betrieblichen Verhältnissezu erfassen und vorzulegen, die für seine Veranlagung undfür die Zuordnung der Entgelte der Versicherten zu den Gefahrklassendes jeweiligen Unfallversicherungsträgers erforderlich sind. Dazubenötigt er alle erforderlichen Geschäftsunterlagen wie z. B. Verträge,Ausgangsrechnungen, Materialrechnungen, Stundenzettel.Bestehen die Entgeltunterlagen aus mehreren Teilen, sind diese Teiledurch ein betriebliches Ordnungsmerkmal zu verbinden, z. B. durchdie Arbeitnehmernummer. Es kann sich dabei um eine fortlaufendeNummer handeln. Bestandteil kann dabei auch die Abteilung oderder sonstige Tätigkeitsbereich des betreffenden Arbeitnehmers sein.Insbesondere die Angaben über das Arbeitsentgelt, die Einzugsstellen,den Beitragsgruppenschlüssel, den Arbeitnehmeranteil an denBeiträgen usw. sind für jeden Lohn- und Gehaltsabrechnungszeitraumerforderlich. Berichtigungen der Angaben, die hierfür notwendig sind,müssen durch entsprechende Vermerke besonders kenntlich gemachtwerden.Die Angaben über die Beschäftigungsart, die für die Versicherungsfreiheitoder die Befreiung von der Versicherungspflicht maßgebendenTatsachen und die Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitragkönnen verschlüsselt werden. Dabei müssen dieSchlüssel natürlich dem Prüfer bekannt gegeben werden.Bestimmte Schriftstücke sind zu den Entgeltunterlagen zu nehmen.Dazu gehören beispielsweise die Daten der erstatteten Meldungen,die Erklärung des geringfügig entlohnten Beschäftigten gegenüberdem Arbeitgeber, dass die Befreiung von der Versicherungspflichtin der Rentenversicherung beantragt wird, sowie die Erklärung deskurzfristig geringfügigen Beschäftigten über weitere kurzfristigeBeschäftigungen im Kalenderjahr usw.§ 9 BVV beschäftigt sich mit der Beitragsabrechnung. Zur Prüfung derVollständigkeit der Entgeltabrechnungen sowie der Eintragungen inden vom Arbeitgeber monatlich zu erstattenden Beitragsnachweisensind vom Arbeitgeber alle Beschäftigten für jeden Abrechnungszeitraummit bestimmten Angaben listenmäßig zu erfassen.Die Angaben sind nach Einzugsstellen getrennt zu sammeln. Die Listeist im Übrigen entsprechend der Sortierfolge der Entgeltunterlagenzu erstatten.28 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Zu den hier zu erfassenden Abgaben gehören das beitragspflichtigeArbeitsentgelt, der Beitragsgruppenschlüssel, die Sozialversicherungstage,der Gesamtsozialversicherungsbeitrag, die beitragspflichtigenSonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge, die Umlagesätzenach dem Aufwendungsausgleichsverfahren (AAG) und das umlagepflichtigeArbeitsentgelt und die Parameter zur Berechnung dervoraussichtlichen Höhe der Beitragsschuld.Beschäftigte, für die Beiträge nicht oder nach den Vorschriften derGleitzone gezahlt werden, müssen gesondert erfasst werden.» 9. Wichtige Neuerung:Elektronische BetriebsprüfungAm 1.1.2012 ist § 28p Abs. 6a SGB IV in Kraft getreten. Danachkann der zuständige Rentenversicherungsträger die Betriebsprüfungelektronisch durchführen.Das Recht der Sozialversicherung wird damit insoweit dem Steuerrechtangeglichen.Im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber kann der Rentenversicherungsträgerzukünftig eine maschinelle Übermittlung der notwendigenDaten verlangen.Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestimmt in Grundsätzenbundeseinheitlich das Nähere zum Verfahren der Datenübermittlungund der dafür erforderlichen Datensätze und Datenbausteine.Die Grundsätze bedürfen der Genehmigung des Bundesministeriumsfür Arbeit und Soziales. Dieses hat vorher die Bundesvereinigung derDeutschen Arbeitgeberverbände anzuhören.Momentan ist die elektronisch unterstützte Betriebsprüfung (euBP)noch in der Pilotierungsphase. Es ist unklar, ob sie noch 2013 odererst später in Kraft treten wird.Im Übrigen soll auch nach Verfahrensfreigabe die Teilnahme derBetriebe auf freiwilliger Basis bleiben.» 10. Ergebnis der BetriebsprüfungVom Betriebsprüfer getroffene Beanstandungen werden dem Arbeitgebermitgeteilt, wenn auch ein eigentlicher Betriebsprüfungsberichtnicht mehr vorgeschrieben ist. In den Bescheiden, die die Arbeitgeberüber einzelne Fälle erhalten, werden ihnen auch die Gründe benannt,warum sie beispielsweise Beiträge nachberechnen müssen oder diesezu Unrecht gezahlt worden sind.Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die bei der Prüfung festgestelltenMängel zu beheben und Vorkehrungen zu treffen, dass sich die festgestelltenMängel nicht wiederholen.Wichtig: Dem Arbeitgeber kann dafür eine Frist gesetzt werden.Außerdem kann ihm auferlegt werden, dem prüfenden Sozialversicherungsträgerdie ordnungsgemäße Mängelbeseitigung und diegetroffenen Vorkehrungen nachzuweisen.Der für die Betriebsprüfung zuständige Rentenversicherungsträgererlässt im Rahmen der Prüfung Verwaltungsakte zur Versicherungspflichtund Beitragshöhe in der Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- undArbeitslosenversicherung. Hiergegen kann der Arbeitgeber innerhalbeines Monats nach Zugang des Bescheids Widerspruch einlegen.Allerdings werden eventuelle Beiträge trotzdem fällig. Der Widerspruchdes Arbeitgebers hat keine aufschiebende Wirkung.Wichtig: Ansprüche der Versicherungsträger auf Beiträge verjährenvier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie fällig gewordensind. Bei absichtlicher Beitragshinterziehung sind allerdings 30Jahre zu beachten.Der Versicherungsträger kann dem Widerspruch abhelfen, demArbeitgeber also recht geben. Er kann aber auch einen negativenWiderspruchsbescheid erlassen. Gegen diesen Bescheid kann Klagevor der Sozialgerichtsbarkeit erhoben werden.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 29


Kanzlei & PersönlichesUnternehmensberatungFlutkatastropheLand unterKurzarbeitergeld, Soforthilfe, Stundung: Bund und Länder unterstützen Flutopfer mit speziellen Förderprogrammen sowie mitSteuervorteilen. Welchen Beratungsbedarf die Mandanten haben und wie Kanzleichefs sie unterstützen können.Die Kellerräume standen komplett unter Wasser.In den Büroräumen fielen der Strom unddamit auch sämtliche Telekommunikationsanlagenaus: Steuerberater Frank Mohr inGera musste seine Praxis nach dem HochwasserAnfang Juni für eine gute Woche schließen.„Wir hielten zwar eine Notbesetzung vor.Doch unsere Arbeit lag brach“, erklärt derKanzleichef. Seine vier Mitarbeiter beschäftigtensich in den ersten Tagen noch damit,etwa liegengebliebene Belege wegzuheftenund andere Bürotätigkeiten auszuführen,die sie ohne Strom erledigen konnten. „Dochirgendwann konnte ich sie zumindest fürmehrere Stunden am Tag nach Hause schicken“,sagt Mohr. Den damit verbundenenUmsatzausfall wird Mohr niemand ersetzen.„Auch die Lohnfortzahlungen und Fixkostenwerde ich selbst leisten müssen“, sagt derSteuerberater.Dennoch hält sich sein Schaden damit immernoch in Grenzen. Denn die Sanierung derKellerräume übernimmt seine Versicherung.Mohr hat eine Elementarschadenversicherungabgeschlossen, die ihm denSchaden von rund 30.000 Euro überweisenwird. „Das letzte Hochwasser lag mehr als50 Jahre zurück, deshalb habe ich die Policenoch bekommen“, so Mohr. Die Betriebsunterbrechungsversicherunggreift allerdingsnicht, „da es sich um ein externes Ereignishandelt“, sagt Mohr. Da keine elektronischenDaten in Folge des Hochwassers gelöschtwurden, konnte der Praxisinhaber seineKanzlei reibungslos wieder starten, sobaldder Strom wieder da war.Einkommensgrenze fürFlutopferhilfe liegt bei 36.000 EuroVom Staat erwartet der Steuerberater keineUnterstützung. Das Bundesland Thüringenzahlt zwar grundsätzlich allen Flutopferneine Soforthilfe von 2.000 Euro. Doch liegtder Steuerberater über der Einkommensgrenzevon 36.000 Euro im Jahr, die zum Beispielein Zweipersonenhaushalt bekommen kann.Genauso war Steuerberater Silvio Häckel inGreiz vom Hochwasser betroffen. „Wir wurdenüberrascht. Das letzte Hochwasser gabes in unserem Gebiet im Jahr 1954“, erklärtFoto: Claudio Divizia/Shutterstock.comIm Juni dieses Jahres hieß esin vielen Bundesländern „Landunter“. Auch Steuerkanzleienwaren davon betroffen.30SteuerConsultant9 _ 13www.steuer-consultant.de


Förderungen und Hilfen für FlutopferUnternehmen und Haushalte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Bayern werden von Bundund Ländern unterstützt. Das Wichtigste im Überblick.Kurzarbeitergeld- Für drei Monate zwischen Juni und Dezemberdieses Jahres können Unternehmenbei der Agentur für Arbeit am Sitz derFirma Kurzarbeitergeld beantragen.- Einen Anspruch haben Unternehmen, dieihren Betrieb aufgrund des Hochwassersnicht oder nur eingeschränkt weiterführenkönnen. Das gilt auch dann, wenn etwa einLieferant nicht leistet oder falls der Abnehmerdie Ware nicht an seine Kunden ausliefernkann.- Arbeitnehmer mit Kindern erhalten 67Prozent und Kinderlose 60 Prozent derNettoentgeltdifferenz.- Unmittelbar vom Hochwasser betroffeneFirmen können sich die Sozialversicherungsbeiträgeerstatten lassen. Die Anzeigeüber den Arbeitsausfall muss bereits imbetreffenden Monat bei der Agentur fürArbeit eingereicht werden.- Wichtig: Mitarbeiter können trotz Kurzarbeitergeldihren Chef bei den Aufräumarbeitenunterstützen. Der Anspruch bleibtbestehen. Es müssen auch nicht Arbeitszeitkontenausgeglichen oder Urlaubstagegenommen werden.Aktionsplan HochwasserDie KfW stellt den Flutopfern 100 MillionenEuro zur Verfügung und refinanziert die Förderbankenin den betroffenen Bundesländern.Im Einzelnen:außergewöhnliche Belastung: Übernimmtkeine Versicherung die Schäden, könnenprivate Mandanten ihre Aufwendungenals außergewöhnliche Belastung geltendmachen.Beratung: Unternehmer erhalten Zuschüssefür Beratungsleistungen, netto 160 Europro Tag à 8 Stunden. Gefördert werden biszu zehn Tage. Die Umsatzsteuer sowie dieFahrtkosten übernimmt der Firmenchef. DerAntrag läuft über die Hausbank. Fristendeist der 30.6.2014. Antragstellung muss vorBeginn des Vorhabens erfolgen, mindestensmuss ein konkretes aktenkundiges Finanzierungsgesprächbei der Hausbank stattgefundenhaben. - Insolvenz: Firmen, die inFolge der Überschwemmungen in massiveLiquiditätsschwierigkeiten geraten unddeswegen eigentlich Insolvenz anmeldenmüssten, sind von der Pflicht bis Ende diesesJahres befreit.Sanierung von Gebäuden und Lagerbeständen:Es greifen die Programme KfW-Unternehmerkredit, ERP-Gründerkredit„Start Geld“ sowie „Gründerkredit Universell“zu Sonderkonditionen. Der Effektivzinsliegt bei 1,21 Prozent.Schäden an Wohngebäuden: Für die Renovierungsowie für Reparaturen gibt es bis zu50.000 Euro Sofortkredit – ohne Auflagen–, etwa für die Reparatur der Elektrik oderMalerarbeiten. Konditionen: Für Selbstnutzerund Vermieter 1 Prozent Effektivzins pro Jahr.Spenden: Bis Ende September 2013 genügteine vereinfachte Spendenbescheinigung.Abschreibung: Unternehmer profitieren vonSonderabschreibungen und Rücklagen.Steuervorteile: Auch die Finanzämtergewähren eine zinsfreie Stundung. Wichtig:Anträge, etwa in Sachsen, müssen bisEnde September eingehen. Gleiches gilt beiAnpassung der Einkommensteuervorauszahlungen.Stundung: Firmen, die wegen der Betriebsunterbrechungkurzfristig Zins- und Tilgungnicht mehr leisten können, gewährt die KfWeine Stundung sowie Laufzeitverlängerungdes Vertrags.Zuschuss: Unternehmer und Selbstständige,die ihre Mitarbeiter unterstützenwollen, können ihnen steuer- und sozialversicherungsfreieine Zuwendung von biszu 600 Euro gewähren.Informationen zur FluthilfeNachfolgende Websites informieren über die Programme in den betroffenen Bundesländern.AnbieterBayernBaden-WürttembergBrandenburgNiedersachsenSachsenSachsen-AnhaltThüringenDatevLinkwww.stmf.bayern.de/internet/stmf/aktuelles/neuigkeiten/21719/index.htmwww.stmf.bayern.de/service/finanzielle_hilfen/hochwasser_2013/www.mfw.baden-wuerttemberg.de/sixcms/detail.php?id=299353&template=wm_pressemeldung&nav_id=63446-4-www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/975/www.mdf.brandenburg.de/sixcms/detail.php/612166www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Fluthilfe/_node.htmlhttps://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Pressematerial/Themen-kompakt/Hochwasserhilfe/?kfwmc=KOM.Adwords.Corporate2013.HochwasserhilfeBRAND.Hochwasserwww.mf.niedersachsen.de/themen/steuern/steuerfachinformationen/einkommensteuer_lohnste uer/115941.htmlwww.sab.sachsen.de/de/p_is/detailfp_is_51712.jspwww.smf.sachsen.de/download/2013-06-04_Hochwasser-Erlass.pdfwww.sachsen-anhalt.de/index.php?id=58740www.thueringen.de/th1/tsk/aktuell/veranstaltungen/72025/index.aspxwww.thueringen.de/th5/tfm/aktuell/ai/72092/index.aspxwww.datev.de/portal/ShowPage.do?pid=dpi&nid=150907www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 31


Kanzlei & PersönlichesUnternehmensberatungHäckel. Bei ihm stand das Wasser ebenfallsim Keller, den er als Archiv nutzte. Der Kanzleichefmit sechs Mitarbeitern muss seinenSchaden selbst tragen. „Eine Elementarschadenversicherunghabe ich nicht bekommen“,so Häckel. Auch er liegt über der Einkommensgrenzefür die Soforthilfe.Rund zwei Wochen dauerten die AufräumundSanierungsarbeiten in der Kanzlei.„In dieser Zeit nahmen verschiedene MandantenKontakt zu uns auf, die vom Hochwasserbetroffen waren“, sagt Häckel. Beiseinen Beratungen ging es dabei vor allemum Schadensbegrenzung. In einem erstenSchritt ermittelte er den Stand der Dinge.Im Zweiten ging es darum, welche Unterstützungdie Unternehmer erhalten konnten(siehe Interview unten).Häckel informierte das zuständige Finanzamt,falls steuerrelevante Unterlagen vernichtetwurden: „Zumeist konnten die Firmenchefsgenau angeben, welche Belege undUnterlagen betroffen waren.“ Die Finanzverwaltungihrerseits hat zugesichert, dass denvom Hochwasser betroffenen Steuerberaternund Mandanten keine Nachteile entstehen.Folglich beantragte Häckel Steuerstundungenoder Herabsetzungen für Vorauszahlungenseiner Mandanten: „Das lief von Seiten derVerwaltung reibungslos“.Seine Leistungen sieht er als Extraservicefür die betroffenen Mandanten. „Sicherlichkönnte ich meine Tätigkeit nach Stundensätzenabrechnen. Doch das verbietet sichfür mich moralisch. Die Flutopfer brauchenHilfe“, meint Häckel. Insofern wertet er seineUnterstützung als Maßnahme zur Mandantenbindung.Zumal die Unternehmer nachseiner Erfahrung auch bereits recht gut überdie Medien informiert sind.Erhöhter Informationsbedarfbeim KurzarbeitergeldErhöhter Informationsbedarf besteht beiUnternehmern wie auch Steuerberatern allerdingsin puncto Kurzarbeitergeld. Betriebe,die von hochwasserbedingten Arbeitsausfällenbetroffen sind, haben darauf einenAnspruch. Der Bund übernimmt sogar dieSozialversicherungsbeiträge. Das Antragsverfahrenläuft weitgehend über die Agenturfür Arbeit. „Im Normalfall wird die Leistunginnerhalb von wenigen Tagen bewilligt“,weiß StB Thomas Schnellhammer von Ecovisim bayerischen Passau. Er hat mehrereMandanten dabei unterstützt, Förderhilfenzu beantragen: Hier greifen die ProgrammeKfW-Unternehmerkredit, ERP-Gründerkredit„Start Geld“ sowie „Gründerkredit universell“zu Sonderkonditionen. Die Verwendung derMittel sollten die Mandanten nachweisenkönnen, Belege zu sammeln lohnt sich. Diemeisten Unternehmer, die mit Schnellhammerin Kontakt treten, haben hohe Schadenssummenzu verkraften. In seinen Beratungengeht es auch darum, eine zinsfreie Steuerstundungzu beantragen.Die Datev e.G. bietet regelmäßig kostenloseSeminare an, die die Steuerberater über Fördermöglichkeiten,Soforthilfen oder organisatorischeMaßnahmen informieren. Zudemunterstützt Datev ihre Mitglieder mit speziellenMaßnahmen und stellt Räume für dieMandantenberatung zur Verfügung. Außerdembietet sie ihren Mitgliedern eine Versandumleitungder Post an. Steuerberater,die Kanzleisoftware in der Cloud nutzen,können auch bei Totalausfall der EDV in derKanzlei von anderen Endgeräten aus aufAnwendungen und Daten zugreifen. Daraufhat StB Mohr aus Gera verzichtet. Er hat sichin der einen Woche mit seinen Mandantenper Handy verständigt und in seinen trockengelegtenKanzleiräumen getroffen.Interview„Der erste Schock ist überwunden“Silvio Häckel ist Steuerberater im thüringischen Greiz. Er betreut verschiedeneMandanten, die von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind.SteuerConsultant: Welchen besonderen Beratungsbedarfsehen Sie bei den Unternehmern?StB Silvio Häckel: Im Prinzip geht es um denganzheitlichen Beratungsansatz. InsbesondereFirmen, die hohe Schäden zu verzeichnenhaben, waren in den ersten Tagen verständlicherweisemit der Situation überfordert. Wirhaben sie bei der Schadensaufnahme genausowie bei der Suche nach Lösungen unterstützt.SteuerConsultant: Welche Probleme gab eskonkret?Häckel: Vielfach ging es darum, wie über dieSoforthilfe hinaus neue Finanzmittel für dieSanierung unbürokratisch und schnell beschafftwerden können. In dem Zusammenhang habenwir dann über die einzelnen Programme sowieüber die Anforderungen der Sächsischen Aufbaubankoder der KfW informiert. Bei Bedarfhaben wir auch zeitnah mit den einzelnen HausbankenKontakt aufgenommen.SteuerConsultant: Wie schätzen Sie dieZusammenarbeit mit den Geldinstituten sowieden Finanzämtern in puncto Hochwasserhilfeein?Häckel: Wir erkennen, dass alle an einem Strangziehen. Den Unternehmern und den Familiensoll geholfen werden. Die Unterstützung kommtprompt und unbürokratisch. Deshalb sind diegröbsten Schwierigkeiten auch bereits behobenund der Schock ist überwunden. Das Hochwasserhat keinen meiner Mandanten in existenzielleProbleme gebracht, obwohl die wenigstenfür Elementarschäden eine Versicherung haben.SteuerConsultant: Wo liegen jetzt die Herausforderungen?Häckel: Sicherlich immer noch im Wiederaufbauund der Sanierung, obwohl die meisten Betriebewieder arbeiten können. Darüber hinaus wirdes wichtig sein, für potenzielle weitere Förderungendie einzelnen Fristen einzuhalten. ZumBeispiel können Immobilieneigentümer inSachsen-Anhalt für die Trockenlegung nur bis 15.August die Soforthilfe beantragen, in Sachsenbis 12. August. Andere Fristen enden Silvesteroder Mitte nächsten Jahres. Solche Termine giltes für den Berater wie auch den Unternehmerstets im Blick zu haben.32 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


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Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementNetzwerkeWer ernten will, muss säenWaren Netzwerke früher erlesenen Kreisen oder bestimmten Berufsgruppen vorbehalten, tummeln sich heute Menschen allerCouleur in virtuellen Zirkeln und bei Präsenz-Netzwerktreffen. Einzelkämpfer und Inhaber kleiner Steuerkanzleien tun gut daran,über Netzwerke den Kontakt mit Kollegen und Mandanten zu suchen.Netzwerke bestimmen die Zukunft. Auch dievon Steuerberatern. Nicht umsonst hat dieBundessteuerberaterkammer im vergangenenJahr die Veröffentlichung „Steuerberatung2020 – Perspektiven für Steuerberater“dem gezielten Knüpfen von „Nutzengemeinschaften“eine These gewidmet. Dort ist zulesen, dass die Erwartungen der Mandantenan die Leistungsfähigkeit und das Beratungsspektrumder Steuerkanzleien weiter steigen.Allerdings kann dem nicht jeder gerechtwerden. Neben der Konzentration auf größereBeratungseinheiten werden strategischeAlternativen erfolgreich sein. Einfachergesagt: Kooperationen und Netzwerke weisenvielen, gerade kleineren Kanzleien, denWeg in die Zukunft.Netzwerksbeziehungen sindähnlich wie Pflanzen – siemüssen intensiv gepflegt werden.Netzwerk für optimaleMandantenversorgung gegründetRainer Ziegler, Geschäftsführer von ZHPSteuerberater Rechtsanwälte im rheinlandpfälzischenMaikammer, kann diesen Tenornur bestätigen: „Wenn der Steuerberater zumUnternehmer wird, kommt er um Netzwerkenicht herum.“ Als logische Konsequenz hatZiegler letztes Jahr ein Netzwerk aus 25 Spezialistenrund um die optimale Mandantenversorgunggegründet.Unter dem Namen „ZHP-Netzwerk“ bieten dieselbstständigen Kanzleien und Fachberateralles, was das Mandantenherz begehrt. „Wirbilden die Leistungen großer Wirtschaftsprüfungsgesellschaftenab und können auch inRandgebieten professionell agieren“, erklärtNetzwerkgründer Ziegler. Drei Mitarbeitersind damit beschäftigt, die Zusammenarbeitder Netzwerkpartner zu koordinieren. Stattzweitklassig Dinge mitzumachen, so Ziegler,hätten sich die ZHP-Netzwerker entschieden,Aufträge erstklassig zu erledigen.Als Steuerberater im internationalen Kontextsucht StB/RA Volker Weidemann ausDüsseldorf Online-Plattformen wie LinkedIn, um sein „Cross-Border“-Netzwerk gezieltzu erweitern. „Mit dem Aufbau eines eigenenBeratungsnetzwerkes kann man auch34 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


als kleine Kanzlei den Großen Konkurrenzmachen bzw. Stand halten“, sagt StB Weidemann.Seine ständig im Ausbau befindlicheinternationale Schiene erlaubt ihm dieBetreuung von Mandaten über die GrenzenDeutschlands hinaus. „Es besteht für Mandantenkeine Notwendigkeit, sich an andereBerater mit einem formellen internationalenNetzwerk zu wenden, zumal mein Netzwerkim Vergleich zu diesen eher kostengünstigist“, betont der Steuerberater.Seine Erfolge geben ihm Recht: Ein Mandanthatte einen zahlungsunwilligen Kunden imdeutschsprachigen Ausland, der sich sicherund unerreichbar fühlte. Weidemanns Netzwerkbelehrte ihn eines Besseren: Nach Einschalteneines Kollegen aus diesem betreffendenLand kapitulierte der Kunde sofortund zahlte seine Außenstände. Volker WeidemannsMandant war begeistert.Neben regionalen oder überregionalen,exklusiven oder offenen Netzwerken gibt esinformelle oder formelle Varianten. Lions-Club- oder Alumni-Treffen liefern ebensoNetzwerkkontakte wie der örtliche Sportvereinoder die Mitspieler auf dem Golfplatz.„Es gibt jede Menge Gelegenheiten zur Kontaktanbahnung“,weiß Netzwerkprofi Ziegler.Dabei entscheidet der erste Eindruck überden weiteren Verlauf einer Beziehung.Der Steuerberater plädiert dafür, schon inder Vorstellungssituation den eigenen USPzu vermitteln:Interview„Seien Sie ‚merkwürdig‘ im besten Sinne“Ein Netzwerk ist keine Verkaufsveranstaltung. Wer den schnellen Euro erwartet, wird enttäuscht werden. Ein Gesprächmit Michaela Stach von der Akademie für Systemische Moderation im baden-württembergischen Almersbach im Tal.Sie gilt als leidenschaftliche Netzwerkerin.SteuerConsultant: Frau Stach, auf waskommt es Ihrer Ansicht beim Netzwerkenbesonders an?Michaela Stach: Freude am Kontakt mitMenschen und das verinnerlichte Gefühl,durch das Netzwerk langfristig Nutzen zuerhalten – wie auch immer dieser genauaussehen mag, sind unverzichtbar.Wer im Netzwerk kurzfristig Aufträge abgreifenmöchte, wird durchschaut und abgestraft.SteuerConsultant: Welche Grundvoraussetzungensollten Steuerberater unbedingtmitnehmen, die erfolgreich netzwerkenwollen?Stach: Am wichtigsten ist ein ehrliches Interessean anderen Menschen und die Freudedaran, ganz unterschiedliche Persönlichkeitenkennenzulernen und sich mit Ihnenauszutauschen. Netzwerken bedeutet Gebenund Nehmen, genau in dieser Reihenfolge.Wer Erfahrungen und Tipps großzügig teilt,Kontakte vermittelt und im Sinne des anderendenkt, wird auf Dauer seine Erfolge ausdiesem Netzwerk ziehen.Das heißt nicht, dass wir uns nicht gut präsentierensollten. Auch wenn es nicht förderlichist, sich als lebender Werbespot aufDauerschleife darzustellen, ist es dennochwichtig, dass die Gesprächspartner erfahren,wer wir sind und was uns ausmacht.SteuerConsultant: Und wie findet man dasrichtige Netzwerk für sich?Stach: Es gibt verschiedenste Möglichkeiten,mit Netzwerken in Kontakt zu kommen. Diemeisten Netzwerke haben heute eine rechtaussagekräftige Internetpräsenz. So lässtsich im Vorfeld sondieren, ob es von denThemen und Personen passen könnte. Undpassen muss es!Man muss sich in seinem Netzwerk wohl fühlen.Nur wer sich wohlfühlt, kann authentischund mit Freude kommunizieren.SteuerConsultant: Online oder offline – woliegt Ihrer Ansicht nach die Zukunft vonNetzwerken?Stach: Wir leben in einer digitalen Welt. DasNetz öffnet größere Möglichkeiten, Kontaktezu knüpfen und zu pflegen. Ich selbst bedienebeide Kanäle. So bin ich im Netz beispielsweiseauf Xing aktiv.Schöner – da persönlicher – sind für michdie Netzwerkveranstaltungen unseres Netzwerksder ‚Genialen Frauen‘. Die virtuellenBeziehungen passen für mich, da ich beruflichdeutschlandweit unterwegs bin. Wem eshingegen ausschließlich um lokale Kontaktegeht, der sollte seine Priorität eher auf daspersönliche Netzwerk vor Ort legen.Die Verknüpfung beider Kanäle funktioniertdann besonders gut, wenn die Netzwerkervirtuell unterwegs sind, aber dennoch in derselbenRegion verortet sind. So lade ich gerneXing-Kontakte aus dem Raum Stuttgart zuunseren Netzwerkveranstaltungen vor Ortein.SteuerConsultant: Wie schafft man es,innerhalb eines Netzwerkes auf sich aufmerksamzu machen?Stach: Wer aufgeschlossen und interessiertauf andere zugeht, wird wahrgenommen.Damit man sich auch hinterher an mich erinnert,sollte ich mich schon von der Masseabheben – also seien Sie „merkwürdig“ imbesten Sinne. Doch Vorsicht: Authentizitätsteht immer an erster Stelle.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 35


Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagement„Warum sollte ein Mandant zu Ihnen kommen?“und:„Was machen Sie in Ihrer Kanzlei anders?“Ein sogenannter „Elevator Pitch“, eine gründlichvorbereitete, ansprechende Blitzvorstellungin maximal 60 Sekunden, hilft, beimGegenüber zu punkten.Anreizpunkte liefert der Dreiklang aus Vertrauen,Sympathie und Transparenz, dazueine gute Prise Verbesserungspotenzial. StBZiegler nennt das „eine erste Nadel setzen.“Er hat gute Erfahrungen damit gemacht, dassGesprächspartner noch länger darüber nachdenken,warum ihnen ihr Steuerberater dieseInformation nicht zur Verfügung gestellt hat.Häufig schließen sich Menschen mit bestimmtenProfilen oder formalen Voraussetzungenin Netzwerken zusammen. Klassiker sinddie Netzwerke bestimmter Berufsgruppenoder Frauennetzwerke. Dabei ist die Grundeinstellung„Ich habe keine Konkurrenten,sondern nur Verbündete gefragt“. Lokale oderregionale Unternehmerverbände stellen fürSteuerberater ebenfalls reizvolle Networking-Anlässe zur Verfügung.Dr. Ulrike Felgerist Wirtschaftsjournalistinund Kommunikationsberaterin.Sie beschäftigtsich seit vielen Jahren mitThemen, die kleine undmittelständische Betriebebewegen.E-Mail: felger@espresso-kommunikation.de» Zwölf Schritte in die virtuelle NetzwerkweltSteuerberater, die Netzwerke on- wie offline knüpfen wollen,sollten sich folgende zwölf Punkte genauer ansehen.1 Bestimmen Sie einen Networking-Fokus(Branche, Thema,Zielgruppe).2 Formulieren Sie Ihr Leistungsspektrum,Ihr Alleinstellungsmerkmalund Ihren Außenauftritt.3 Setzen Sie sich ein klaresNetworking-Ziel.4 Wählen Sie ein geeignetes sozialesNetzwerk aus.5 Entscheiden Sie sich bewusst fürIhre individuellen Sicherheitseinstellungenund vergeben Sie aktivZugriffsrechte.6 Erstellen Sie ein ansprechendesund gut verständliches Profil.7 Sorgen Sie für Neuigkeiten undAktualität Ihrer Informationen.Alle Beteiligten müssen vomNetzwerk profitierenEgal, was diese Menschen miteinander verbindet,allen gemeinsam ist das Grundprinzipfunktionierender Netzwerke: Alle müssenvon ihrem Einsatz etwas haben. Eine ausgewogeneWin-Win-Balance der Beteiligten istnotwendig, sonst verlieren Treffen und Austauschschnell ihren Reiz. Wer zu Geheimniskrämereineigt, gute Ideen oder ernsthafteProbleme lieber für sich behält oder einfachseine Ruhe haben will, lässt besser die Fingervon Netzwerken. „Erst geben, dann nehmen“,ist das Grundprinzip guter Netzwerketikette.Ein solides Selbstbewusstsein und ein stabilesSelbstwertgefühl sind Ausgangspunktejeder Netzwerkaktivität.Wer selbst von dem, was er anderen bietenkann, nicht überzeugt ist, wird diese kaumfür seine Leistungen einnehmen können.Gerade Online-Netzwerke, aber auch Präsenztreffen,müssen die Spreu vom Weizen trennen:„Wenn zu viele Netzwerkteilnehmer ihreeigenen Akquisitionsziele verfolgen, funktioniertes nicht“, erklärt RA/StB NormanPeters, Geschäftsführer des Deutschen Steuerberaterverbandesund Moderator der Xing-Gruppe „Steuerberater“ mit knapp 3.500 Mitgliedern.„Bei uns wird mit Klarnamen undrelativ offenen Karten gespielt, wir diskutierenauf vielen verschiedenen Ebenen, da wollenwir Kollegenstimmen von Berufsträgernund keine Kanzleiberater, Headhunter oderandere, die etwas verkaufen wollen“, erklärtPeters. Über 400 Aspiranten hat das Netzwerkbisher abgelehnt. Zunehmend werdedieses zum Recruiting von Nachwuchskräftengenutzt: „Social Media schenken diesejungen Leute mehr Aufmerksamkeit als einerklassischen Zeitungsanzeige.“StB Beatrix Debertshäuser, Inhaberin derKanzlei Bug & Debertshäuser im hessischenKönigstein, moderiert die Xing-Gruppe„Erfahrungsaustausch Steuerberater“ undknüpft auch außerhalb des virtuellen Raums8 Trennen Sie Privates von Geschäftlichem,nutzen Sie ggf. verschiedeneNetzwerke oder erstellen Sie separateProfile für Ihre Kanzlei und fürSie als Person.9 Pflegen Sie kontinuierlich IhreNetzwerkkontakte.10 Überdenken Sie regelmäßigAufwand und Nutzen Ihrer Netzwerkaktivitäten.11 Sondieren Sie Foren und Communitiesim Hinblick auf für Sie interessanteThemen.12 Prüfen Sie, ob ein Thema schonaufgegriffen wurde und wie dieDiskussion verlaufen ist.engagiert ihre Netze: „Die Leute suchen inNetzwerken Lösungen, deshalb erwarten sievon Netzwerkpartnern, dass sie sich ernsthaftum ein Anliegen kümmern.“Online sucht StB Debertshäuser Kollegenzum Erfahrungsaustausch, für fachliche Diskussionenund Inspiration bei inhaltlichenFragen oder zum Thema Kanzleimanagement.Bis zu zwei Stunden am Tag investiertsie dafür phasenweise, um sich online gutaufzustellen. Wege, sich zu zeigen, gibt esviele – ob in Form von Foren oder Stellenanzeigen.Ebenso gibt es die Option, Vor-Ort-Veranstaltungen über die Event-Funktioneines Internet-Netzwerks auszuschreiben.Ähnliche Möglichkeiten bieten Communitiesauf Branchenportalen wie dem desHaufe-Verlages für Steuerberater bei Xing.Ihre Suche nach neuen Mandanten verfolgtBeatrix Debertshäuser hingegen in der realenWelt und dort vor allem beim örtlichenGewerbeverein sowie einem ansässigen Frauennetzwerk:„Neugeschäft generiere ich überXing eher selten.“36 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Trotzdem tut jeder gut daran, auf seinenseriösen Auftritt im Netz penibel zu achten.Gerade in Online-Foren, in denen fachlichdiskutiert wird, schlagen die verbalen Wellenbisweilen hoch. Entgleisungen, wie sie inmanchen Foren immer auftauchen, machenauf potenzielle Mandanten oder möglicheneue Mitarbeiter einen schlechten Eindruck.Und: Die virtuelle Welt vergisst nie.„Kritische Menge an gutenPersönlichkeiten wichtig“„Netzwerke funktionieren erst dann richtig,wenn eine kritische Menge ‚guter‘ Persönlichkeitenzusammenkommen“, erklärt StBMelanie Kell aus Wiesbaden. „Gut“ beschreibtan dieser Stelle vor allem die Bereitschaft unddas Portfolio, für andere etwas zu tun und mitattraktiven Fähigkeiten weiterzuhelfen. Dazumüssen Netzwerker auf Menschen zugehen,sagen was sie wollen und ihr Angebot klarformulieren. „Sich beruflich positionieren“,nennt das StB Kell, die als Landesvorsitzendedie Geschicke des Verbands der Unternehmerinnenin Hessen steuert. Der deutschenScheu, Beruf und Freizeit zu vermischen undeiner übertriebenen Zurückhaltung erteiltKell an dieser Stelle eine bewusste Absage:„Es gibt überall wunderbare Netzwerkmöglichkeiten,die man nur ergreifen muss.“ Diesgilt umso mehr für Steuerberater, deren Leistungjeder braucht und deren Metier vielmit Vertrauen und einem guten Gefühl desMandanten zu tun hat.„Netzwerken und Steuern sind beides emotionaleThemen“, so Couch Kirstin Wolf ausdem bayerischen Erding in ihrem Beitrag„Erfolgreich Netzwerken für Steuerberater“,der in dem Buch „Unternehmen Steuerkanzlei– Die erfolgreiche Kanzleiführung übererfolgreiches Netzwerken für Steuerberater“veröfentlicht worden ist. „Empfehlungen sinddas wertvollste Gut bei der Gewinnung neuerMandanten“, unterstreicht Michaela Stach,die seit vielen Jahren das Netzwerk „GenialeFrauen“ in der Region Stuttgart mitorganisiert.Im Netzwerk knüpfe man nicht nurselbst Kontakte, sondern im Idealfall öffnetendiese Kontakte den Zugang zu ihren Kontakten:„Vielleicht sucht meine interessanteGesprächspartnerin beim Netzwerkabendtatsächlich einen neuen Steuerberater. Odernicht sie selbst, sondern ihre Tennispartnerinoder ihr Nachbar schaut sich geradenach einem kompetenten Ansprechpartnerfür seine Steuerfragen um“, ermuntert dieGeschäftsführerin der Akademie für SystemischeModeration dazu, ein Stück weiterzu schauen.„Was mache meine Mandatenin den sozialen Netzwerken?“Um Mehrwert für die Mandanten geht esauch StB Johannes Lemmiger aus Achernin Baden-Württemberg. Er ist seinen Mandantenin Xing, Twitter und Facebook gefolgt:„‘Was machen meine Mandanten?‘, ist fürmich eine ganz wichtige Frage.“ Die sozialenNetzwerke geben ihm Einblick in jeneHat die kleineSteuerkanzleieine Zukunft? ?Im Wettbewerb mit großenKanzleien bestehen - aber wie?Wann geht Mandantenbetreuungzu Lasten der Rentabilität?Wir haben die Antworten!Seien Sie unser Gast in sechs deutschen Städten: Hamburg,Stuttgart, Düsseldorf, München, Dresden und Berlin.Wir laden Sie ein zum „Tag der kleinen Kanzlei“.Melden Sie sich gleich an:www.steuerberaterseite.de/eventsEin Projekt von:


Interview„Der Austausch mitKolleginnen ist sehr wertvoll“Gerade Inhaber von Einzelkanzleien tun gut daran, sich mit anderen zuvernetzen. Ein Interview mit StB Melanie Keil aus Wiesbaden, hessischeLandesvorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen.SteuerConsultant: Sie haben mit anderenBerufsträgerinnen ein Netzwerk für Steuerberaterinnengegründet. Wie sieht ihrNetzwerk genau aus?StB Melanie Kell: Unser Netzwerk existiertseit acht Jahren und entstand aus einerDatev-Initiative. Heute sind wir knapp 15Frauen aus Einzelkanzleien. Wir treffen unssechs Mal jährlich und haben schon vielzusammen gemacht, zum Beispiel unsereZertifizierung.Ich nehme aus den Treffen vor allem Motivationmit, aber auch fachliche Themen.Jedes Jahr machen wir einen Workshopmit einem externen Referenten. Als letztesThema hatten wir „Internetseite und SocialMedia“, davor „Work-Life-Balance“ undauch „Führung“.SteuerConsultant: Bei Netzwerken stehtdie Nutzenfrage immer im Raum. Wasversprechen Sie sich von diesem Engagement?StB Kell: Der Austausch mit Kolleginnenist sehr wertvoll. In unserer Runde sindwir vertraut, das ist ein „closed job“. Meistgeht es um Kanzleimanagementthemen,oft arbeiten wir mit kollegialer Beratung.Ohne angestellte Steuerberater ist dasextrem wichtig. Wir haben ein gut funktionierendesNetzwerk, das auch tätige Hilfeleistet.SteuerConsultant: Können Sie uns hierzuein Beispiel nennen?StB Kell: Die Mitarbeiterin einer Kolleginwar aufgrund gesunkener Mandateschlecht ausgelastet. Um die Durststreckezu überbrücken, hat sie drei Tage pro Wochebei einer anderen Netzwerkkollegin gearbeitet,die dringend Unterstützung brauchte.Übrigens haben wir alle miteinanderVereinbarungen zur Praxisvertretung –das ist in einem Einzelkämpferdasein auchextrem wichtig.SteuerConsultant: Nutzen Sie über diesesgeschlossene Netzwerk hinaus auch andereNetworking-Plattformen?StB Kell: Ich bin schon immer eine überzeugteNetzwerkerin. Netzwerken istimmer nützlich: Ohne das kriegt man nichtsmit von der Welt, bekommt keine Mandateund keine Inspiration. Rauszugehen gehörtzum Leben und zum Geschäft einfach dazu.SteuerConsultant: Welche Rolle spielenfür Sie die sozialen Netzwerke?StB Kell: Wenn man wie ich mit vielenverschiedenen Menschen zu tun hat, istes manchmal schwierig, Kontakte gutnachzuhalten. Da helfen die Profile aufXing oder Facebook enorm. Um zu profitieren,ist es allerdings unverzichtbar, dieeigenen Kontakte gut zu kategorisieren –das kann man auch im Outlook machen. Ichnutze die sozialen Medien ausgesprochengerne, doch echte Kontakte von Mensch zuMensch sind durch nichts zu ersetzen.SteuerConsultant: Haben Sie einen Tippfür Netzwerkeinsteiger?StB Kell: Der Wunsch zu netzwerkenmuss von innen heraus kommen. Es sollSpaß machen – wenn es jemandem keineFreude bereitet, bringt es nichts und es istbesser, es sein zu lassen. Und man mussseinen Einsatz gut hinterfragen: Wennmich jemand dreimal hintereinander versetzt,sich in Ankündigungen ergeht, aufdie nichts folgt oder mir ein schlechtesGewissen macht, weil ich mich nicht melde,streiche ich ihn von meiner Kontaktliste.Dinge, die seine Mandanten umtreiben. UberKommentare oder Likes entstehe Wertschätzung,so seine Überzeugung. Der Bezug zuseinen Mandanten ist für jeden Steuerberaterein wertvolles Gut. Deshalb nutzt der überzeugteNetzwerker besonders gerne Facebookals Plattform: „Dort erfährt man mehrals in anderen Netzwerken.“ Rund 400 Kontaktekönne man realistisch konstant pflegen,so StB Lemminger. Er selbst verfolgt täglichrund 40 Personen auf virtuellen Netzwerken.Via Facebook hält sich der Steuerberater auchfachlich auf dem Laufenden: „Viele Verlageinformieren auf ihren Pages zu aktuellenNeuerungen, Urteile werden gepostet, dasist alles immer up-to-date.“Sein Engagement im Netz ist für den StBletztlich aber nur Vorgeplänkel: „Erst face-tofaceentsteht eine echte Beziehung, damit istder Schritt von Online- zu Offline-Netzwerkenunverzichtbar.“Wer sich hinter dem PC verschanzt unddirekte Kontakte meidet, ist für Netzwerk-Aktivitäten nur bedingt geeignet. Bevorman startet, rät der Steuerberater, der auchals Social-Media-Referent für die Datev tätigist und etwa eine Stunde am Tag ins Online-Networken investiert, müsste man sich klarmachen, welche Mandate und Kontakte maneigentlich will. „Es gibt keinen Königsweg,Netzwerken ist eine individuelle Angelegenheit.“Netzwerkziele ausmachen, imnächsten Schritt persönlich treffenXing beispielsweise sei ideal, um Netzwerkzieleauszumachen und sich im nächstenSchritt dann persönlich zu treffen. Doch könnenNetzwerkbegegnungen durchaus auchabsichtslos stattfinden. Wenn die Beteiligtenauf Kontakt gepolt sind, ergeben sich vieleDinge wie von selbst.Bei einem Punkt sind sich Netzwerkbegeisterteeinig: Ein schmaler Grat trennt diefreundliche Unterstützung vom schamlosenAusnutzen des Gegenübers. „Ich achte immerstrenger darauf, was ich wem kostenloszukommen lasse“, hat VdU-NetzwerkerinKell mittlerweile gelernt. Alles, was längerals zwei Stunden dauert, wird von ihr selbstim engeren Umfeld zum Selbstkostenpreisberechnet.„Man kann sich tagelang in virtuellen Netzwerkentummeln, aber da verdient man keinGeld“, erklärt Xing-Moderatorin BeatrixDebertshäuser. Zudem weist sie auf eineweitere Gefahr hin: „Gerade auf Expertenseitenmüssen Steuerberater vorsichtig undmit Haftungsausschluss agieren – schließlichhat man hier gar kein explizites Mandat.“38 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


KanzleimanagementKanzlei & PersönlichesEndgeräteKleiner, leichter, mobilerSmartphones werden noch smarter, Laptops kleiner und selbst unterwegs haben die Nutzer immer einen flotten Zugriffaufs Internet. Die klassische Kombination von Tischrechner mit Maus kommt schwer in Bedrängnis und könnte eines Tageszum Auslaufmodell werden.Steuerberater, die ihre Mandanten besuchenoder auf Geschäftsreise sind, schätzenleichte Endgeräte wie Tablet-PCs, Ultrabooksund Smartphones: Sie glänzen mit geringemGewicht und ermöglichen mithilfe schnellerMobilfunkverbindungen den Zugriff auf dieKanzleisoftware von unterwegs aus – das istheute schon Realität.„Mobile Endgeräte spielen in unseremKanzleialltag eine immer bedeutendereRolle. Informationen erhält man mithilfevon Tablets und Smartphones oft wesentlichschneller. Zudem sind die Geräte meist handlicherund somit neben den Akten besser zutransportieren“, erklärt StB Daniel Roth ausdem rheinland-pfälzischen Saarburg die Vorteile.Die Roth und Munch SteuerberatungsgesellschaftTreuhandgesellschaft Aktiengesellschaftbeschäftigt 18 Mitarbeiter an denStandorten Saarburg und Konz.Tippen auf Glasoberflächeerfordert ÜbungNeben den Notebooks setzt seine Kanzleischon länger auf Smartphones und seiteinigen Monaten auch auf Tablet-PCs. Letzterewerden mit den Fingern gesteuert undverfügen weder über eine Maus noch übereine Tastatur. Die Bildschirme haben einenMindestdurchmesser von 20 cm, das Tippenauf der Glasoberfläche erfordert Übung. EineDatenverbindung erfolgt über W-Lan, mancheModelle haben auch einen Schacht füreine Sim-Karte, so dass über Mobilfunk eineDatenverbindung besteht.Verschwommen sind inzwischen die Grenzender einzelnen Gerätegattungen: Bei denSmartphones werden vor allem die Android-Varianten immer größer, bei den Tablets gibtes Zwischengrößen wie das Apple I-Pad Minioder das HP Slate. Bei Modellen wie demMicrosoft Surface gibt es eine Tastatur, beimXPS 12 von Dell lässt sich der Bildschirm um180 Grad drehen und als Tablet nutzen. DieGerätevielfalt ist erstaunlich und jedes Quartalkommen neue Varianten hinzu.Das Segment der Laptops/Notebooks wurdeinzwischen um die sehr leichten Ultrabookserweitert. Wer viel unterwegs ist, wird daszu schätzen wissen. Allerdings fallen deswegenauch die Bildschirme kleiner aus, es gibtweniger Anschlüsse, kein CD/DVD-Laufwerkund kürzere Akkulaufzeiten. Das Mac BookAir von Apple wiegt 1,0 kg, das SamsungChromebook 1,12 kg.Beim Chromebook von Google handelt es sichum eine komplett neue Gattung: Der Speicherhat nur 16 GB, der Nutzer greift auf Softwarezu, die in der Cloud abgespeichert ist undTablet-PC und Laptop sindaus dem (Arbeits-)Alltagvieler kaum mehrwegzudenken.legt auch dort Daten ab. Das Betriebssystemstammt von Google und man erhält 100 GBSpeicherplatz auf deren Servern. Vorteil:Geht das Gerät verloren, sind alle Daten nochvorhanden. Auch um Software-Updates musssich der Anwender nicht kümmern. Nachteil:Man benötigt immer eine Datenverbindungzum Server.Speicherbausteine lösen klassischeFestplatten nach und nach abWer Daten in seinem klassischen Laptop speichernmöchte, benötigt eine Festplatte. Hiersteht die Branche vor einem einschneidendenWechsel. Drehten sich bislang magnetisierteScheiben unter einem Lesearm, haltenjetzt Speicherbausteine Einzug. Diese Solid-State-Drive- oder SSD-Festplatten bestehenaus sogenannten Halbleiterbausteinen, dieInformationen dauerhaft speichern. Betriebssystemund Programme starten nun deutlichschneller, Dateien lassen sich zügiger öffnen.Lärm- oder Wärmeentwicklung gibt es keinemehr und die Speicher sind resistent gegenüberErschütterungen. Allerdings ist die neueTechnik teuer und das Speichervolumenbewegt sich zwischen 128 und 256 GB.Alle drei bis vier Jahre tauscht die KanzleiRoth und Munch die Notebooks aus, „Smartphoneswerden in aller Regel nach knappzwei Jahren erneuert. In Sachen Tablets müssenwir schauen, wie sich der Markt entwickelt.Hier wird ein Austausch wohl wie beiden Notebooks stattfinden“, sagt Roth. EineGarantie für Zukunftssicherheit kann keinHersteller mehr bieten. Wie schnelllebig dieBranche ist, zeigen die Beispiele Nokia undRim.Die Finnen haben sich beim Betriebssystemin die Arme von Microsoft gerettet. Rim,der kanadische Hersteller der Blackberrys,etablierte 1999 ein neues Segment E-MailfähigerHandys. In der Geschäftswelt war derBlackberry mit seiner festen Tastatur Standard,doch I-Phone & Co setzten den Kanadiernzu. Der weltweite Marktanteil lag zuletztbei 2,9 Prozent, das Unternehmen brauchtewww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 39


Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementLaptops inzwischenstark bedrängtInsbesondere Tablet-PCs konkurrierendirekt mit Laptops, deren Anbieter versuchen,dagegenzuhalten. Aktuelle Laptopssind leichter und wesentlich schnellerbetriebsbereit als die Vorgänger.Einige haben auch noch zusätzlich einenberührungsempfindlichen Bildschirm.SmartphonesHersteller Apple Google LGModell I-Phone 5 Nexus 4 E975 Optimus GBetriebssystemAnmerkungIOS 6 Android 4.2 Android 4.1.2Referenzgerät für die gesamte Branche.Edles Design und intuitiveBedienung bei gehobenen Preisen.LG hat das günstigeEinsteiger-Smartphonefür Google entwickelt.Preis (ab)* 554 € 299 € 319 €Elegantes Smartphonemit einer13-MP-KameraTablet-PCsHersteller Apple Asus Microsoft SamsungModell I-Pad Padfone 2 Surface Pro Galaxy Tab 2 10.1BetriebssystemAnmerkungIOS 6 Android 4.1 Windows 8 Pro Android 4.0Die Mutter aller Tablet-PCs. Inzwischenauch als Mini mit einer Bildschirmdiagonalevon 20,1 cm(7 Zoll) erhältlich.Kombination ausSmartphone undTablet-PCKombiniert Bildschirmbedienung undTastatur. Bietet die klassischen Office-Programme.Kommt im vierten Quartal 2013.Vorgänger ist das Surface RT (479 €).Preis (ab)* 439 € 679 € 865 € 319 €LaptopsHersteller Acer Apple Dell SamsungModell Aspire S7 MacBook Air XPS 12 Ultrabook Chromebook XE303C12Mit einem Headset lässtsich das Tablet auch alsTelefon nutzen.BetriebssystemWindows 8 Mountain Lion (OS X) Windows 8 Chrome OSGewicht 1,3 kg 1,08 kg 1,54 kg 1,12 kgAnmerkung Aluminiumgehäuse,Bedienung per Touchscreenund TastaturmöglichExtrem leichtes unddünnes Gerät mitSSD-FestplatteSchwenkbildschirm, lässtsich als Tablet-PC oderLaptop mit Tastatur nutzenChrome OS ist ein Betriebssystem von Google.Das System arbeitet ohne klassische Festplatte;Software, Programme und Dateien liegen in derCloud. Benötigt stets eine Datenverbindung.Preis (ab)* 999 € 889 € 829 € 272 €* Hinweis: Preise inkl. USt., evtl. zzgl. Versandkosten, Quelle: Herstellerangaben, Vergleichsportal www.idealo.de, Preise vom 8.8.2014sind, vertrauen wir auf die Marke Apple. Beider Nutzung legen wir somit großen Wert aufhandliche Bedienung und Qualität“, erklärtRoth. Wer in der Kanzlei Mac-Rechner vonApple nutzt, sollte auch bei den mobilenGeräten auf Apple setzen. Die harmonierenüber I-Tunes und die I-Cloud einwandfreimit Windows-Systemen. Für BlackberryundAndroid-Geräte gibt es kein Pendant imComputerbereich.Doch die Zusatzprogramme der Herstellerzum Datenabgleich liegen meist als Windows-Versionen vor. Während Apple seine IOSeinenBefreiungsschlag. Der deutsche ChefThorsten Heins stand vor der Entscheidung,einen Pakt mit einem Betriebssystemanbietereinzugehen oder etwas Eigenes zu machen.Heins entschied sich dafür, das eigeneBetriebssystem komplett neu programmierenzu lassen.Es heißt Blackberry 10 und läuft auf demSmartphone Z10, das nur aus einem Bildschirmbesteht und auf dem getippt werdenkann. Für Bestandskunden, die nicht auf einefeste Tastatur verzichten mögen, gibt es dasQ10. Blickt man auf die europäischen Marktanteile,dann liefern sich – laut der Website„Global Stats“ – Apples IOS (40,16 %) undGoogles Android (38,82 %) Betriebssystemein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für den DrittplatziertenBlackberry bleiben gerade mal neunProzent und Microsoft ist mit Windows Phoneauf Platz fünf weit abgeschlagen (1,9 %).Für welches Betriebssystem sich der Nutzerbei mobilen Geräten entscheidet, hängtauch mit der vorhandenen Ausstattung inder Kanzlei zusammen. „Da es nicht so einegroße Auswahl an technischen Geräten gibt,die mit den Datev-Angeboten kompatibel40 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Versionen nummeriert, gibt es bei Androidzusätzlich Dessertnamen. Aktuell ist es „JellyBean“ (Geleebohne) mit der Versionsnummer4.2, die Version 5.0 „Key Lime Pie“ (Limettentorte)wird in den nächsten Monaten erwartet:Androidgeräte werden nicht immer mitder aktuellsten Version ausgeliefert.Hauptkritikpunkt an Googles Betriebssystem:Die meisten Geräte machen nur zwei, dreiUpdate-Runden mit, danach passt die Hardwarenicht mehr zu den Anforderungen derGoogle-Entwickler. Darum sollten Sie bereitsbeim Kauf erfragen, mit welcher Version dasGerät ausgeliefert wird und ob es für diesesModell bereits ein Update gibt.Selbst wenn Google eine neue Android-Versionauf den Markt bringt, heißt dies noch langenicht, dass alle Geräte sofort nachgerüstetwerden können. Die Gerätehersteller müssenAndroid erst auf ihre Hardware anpassenund legen eine Benutzeroberfläche über dasBetriebssystem. Sonst gäbe es für die Anbieterkeine Differenzierungsmerkmale.Bei Samsung heißt die Oberfläche „TouchWiz“ und bei HTC „Sense“. Motorola wirdsein „Motoblur“ zugunsten der reinen Android-Oberflächeaufgeben. Dazu muss manwissen, dass Motorola Mobility inzwischenzu Google gehört: Der kalifornische Suchmaschinenkonzernist längst im Geschäft mitHardware aktiv. Unter der Marke „Nexus“vertreibt Google eigene Geräte. Die angebotenenBildschirmdiagonalen vier, sieben undzehn Zoll entsprechen ziemlich genau denMaßen der Apple-Geräte. Hier kämpfen zweiUnternehmen um die Vormachtstellung inder Mobilfunkbranche. Rein mengenmäßighat Samsung die Nase vorn: Die Südkoreanerverkauften im vergangenen Jahr rund 216Millionen Geräte und sind damit weltgrößterHandyhersteller.Es ist allerdings wenig hilfreich, wenn sichvon außerhalb der Kanzlei nicht auf denzuletzt eingetragenen Termin auf dem Kanzleirechneroder das Word-Dokument für denanstehenden Vortrag zugreifen lässt. Hierspielt der mobile Datenzugriff auf sämtlicheAdressen, Termine und Dateien seine Vorteileaus. Allerdings geht es dabei nicht nur umden alleinigen Zugriff, sondern auch um dieArbeit in Gruppen: Hier hat sich das sogenannteCloud-Computing auf breiter Frontdurchgesetzt.Die meisten Anbieter von Kanzlei-Softwarebieten ASP-Lösungen, bei denen das Programmund auch die erstellten Daten ineinem gesicherten Rechenzentrum liegen.„Da wir schon seit einigen Jahren Datev-ASPim Einsatz haben, konnten wir uns mit demOutsourcen schnell anfreunden“, sagt Roth.„Die Bedeutung von Online-Speichern wieDatev Cloud und Dropbox nimmt bei uns undden Mandanten fast wöchentlich zu. Für vieleMandanten stellt dies eine Erleichterung dar“,so Roth weiter. Neben der beliebten Dropboxexistieren Angebote wie Box, Google Drive,I-Cloud (Apple), Skydrive (Microsoft) und dasMediencenter (Deutsche Telekom). Ist einMail-Anhang zu groß für den Versand, stelltman dem Empfänger einen Link zum Wolkenspeicherzur Verfügung. GemeinsamesArbeiten an einem Dokument wird dadurchermöglicht. Apple gleicht über die I-CloudTermine, Adressen, Mails und Lesezeichenab, sodass sie zeitgleich auf mehreren Gerätenzur Verfügung stehen.Gleichzeitig werden hier Datensicherungenhinterlegt. Wird ein I-Phone verlegt odergestohlen, kann es mithilfe der I-Cloud geortet,im Falle eines Diebstahls gesperrt undseine Inhalte gelöscht werden. Egal welchenSpeicherdienst man nutzt, liegt hier ein Backupder Daten vor, falls ein Gerät defekt oderim schlimmsten Fall die Kanzlei ausgebranntist. Natürlich haben Steuerberater aufgrundihrer Verschwiegenheitspflicht besondereAnforderungen an den Datenschutz. Bisauf das Mediencenter der Telekom stehendie allermeisten Server der Anbieter dabeiim Ausland. Somit unterliegen sie den dortigenDatenschutzregeln und eventuell demZugriff von Sicherheitsbehörden. Damit diesenicht „mitlesen“, bietet die Secomba GmbHaus Augsburg die VerschlüsselungssoftwareBox Cryptor an, die Daten in der Dropbox,im Sky Drive und im Google Drive unlesbarfür Dritte ablegt.Ablösung des klassischen PCs stehtin den kommenden Jahren bevor„Dass die neuen Geräte den klassischen PCin Zukunft ablösen werden, davon gehe ichstark aus. Zumindest wird hier eine Verlagerungstattfinden. Insbesondere wir jungenKollegen werden uns in den kommenden Jahrenmit vielen technischen Veränderungenund Neuheiten befassen müssen“, ist der34-jährige Roth überzeugt.Tritt man einen Schritt zurück und betrachtetdie Computerentwicklung mit etwas Abstand,gewinnt man den Eindruck, die Steuerungper Maus war ein Umweg. Geben Sie heuteeinem Einsteiger erstmals einen Computermit Maus in die Hand, realisieren Sie, wieschwierig das Erlernen der Hand-Auge-Koordinationist. Das Berühren einer Oberflächemit dem Finger und die Steuerung durchWischbewegungen sind für den Menschenviel natürlicher. Bleibt jedoch die Schwierigkeit,ohne physischen Widerstand auf einervirtuellen Tastatur zu tippen. Bluetooth-Tastaturen oder Modelle wie das Surface vonMicrosoft sind Zwischenschritte.In wenigen Jahren wird mit Sprache gesteuert,das Diktat erlebt seine Renaissance.Bereits heute arbeiten aktuelle Smartphonesmit Spracherkennung, wobei die Geschwindigkeitund die Erkennungsrate dabei immerbesser werden. Für Kanzleien ist das Diktatkein Neuland, doch der Verzicht auf denSchritt der Abschrift könnte in SekretariatenKapazitäten für andere Tätigkeiten schaffen.Ob die Google-Suche über das integrierteMikrofon und per Siri auf dem I-Phone zeigen,dass die Suchmaschine der Zukunft übergesprochene Worte bedient wird. In den USAsucht Siri bereits heute für den Nutzer nachRestaurants in der Nähe und reserviert einenTisch oder zeigt Kinofilme und kauft das passendeTicket dazu.Darüber hinaus entwickeln sich Smartphoneszur virtuellen Geldbörse. Bereits heute reserviertman mit Apps Hotelzimmer, kauftBahn- und Flugtickets und checkt mit digitalerBordkarte ein. Der letzte Schritt ist dasBezahlen mit dem Smartphone. Die meistenHersteller der Android-Liga setzen dabei aufNFC (Nearfield Communication). Es ist einkleiner Funkchip im Gerät, der an ein Lesegerätneben der Kasse gehalten wird und sodie Zahlung autorisiert – somit wird auchdie Kreditkarte digitalisiert. Apple ist beimThema NFC noch zurückhaltender, weil esnoch wenige Akzeptanzstellen gibt.Mit dem Passbook bietet Apple bereits einevirtuelle Brieftasche im I-Phone. Hier landenaus den jeweiligen Apps Hotelreservierungen,Flugtickets und Kundenkarten.Sobald sich der Nutzer dem Bahnhof oderFlughafen nähert, erscheint der Eintrag samtCode-Muster auf dem Bildschirm. Man hatdas Bahngleis oder das Gate direkt im Blickund kann sich per Scanner legitimieren. DasPapierticket kann im Büro vergessen werden,das I-Phone hat man mit Sicherheit immerdabei.Dirk Kundeist Diplom-Volkswirtund betreibt das JournalistenbüroTextkundein Hamburg. SeineSchwerpunkte bildendie digitale Wirtschaftsowie nutzwertorientierteGeldthemen.E-Mail: kunde@textkunde.dewww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 41


Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementInternet im AutoRollendes Online-BüroAuch im Auto hat die mobile Nutzung des Internets längst Einzug gehalten, das Fahrzeug wird so zum„Mobile Device“. Als Schnittstelle zwischen Kanzlei, Fahrzeug und Internet spielt das Smartphone dabeieine entscheidende Rolle.BMW Connected-Drive. Nach Angabendes Konzernssei es ein Ziel, denOutlook-Kalender zuintegrieren. Ist etwafür einen Termin eineAdresse hinterlegt,so lässt sich diesesofort in die Navigationübertragen.Assistentinnen heißen die flinken Damen,die sich im Büro um alles Organisatorischekümmern. In den aktuellen Firmenwagen dersogenannten Premiumhersteller wie Audi,BMW oder Mercedes-Benz heißen die Helferauch Assistenten: sie sind voll digital, untereinanderund mit dem Internet vernetzt underhöhen die Sicherheit. Sie schauen in dentoten Winkel, blinken oder piepsen, wenn esbrenzlig wird. Sie rütteln am Lenkrad, wennder Wagen die Spur verlassen will. Sie schlagenAlarm, wenn der Abstand zum Vordermannzu gering ausfällt. Sie helfen beim Einparken,spiegeln aktuelle Tempolimits in denTacho oder auf die Frontscheibe. Sie gewährenZugang zum Internet. Nur Kaffee kochenkönnen sie nicht. Aber mit dem Symbol einerKaffeetasse vor Übermüdung warnen – daskönnen sie schon.Die Entwicklung der Fahrzeugelektronik inden letzten Jahren ist erstaunlich. NebenKomfortausstattungen wie automatischerKlimaregelung und elektronischem Tempomat(1978), Sicherheitsmerkmalen wieGurtstraffern (1986) oder dem StabilitätsprogrammESP (1987) gesellten sich Helferwie Parkassistent (1991) und Wegfahrsperre(1995) dazu. Ende der 90er gab es die erstenfest eingebauten Navigationssysteme.Nachhaltigkeit bei Wahl desDienstwagens zunehmend wichtigEin Firmenwagen vom Schlage eines BMW7er, einer Mercedes S-Klasse oder eines AudiA8 muss es heute nicht mehr unbedingt sein.Für viele Steuerberater und Wirtschaftsprüferkommen solche „Dickschiffe“ angesichtsvon steigendem Kostendruck undaufgrund der geforderten Nachhaltigkeitmehr und mehr aus der Mode. Statt Sechs-, Acht- oder gar Zwölfzylindermotorensind inzwischen Vierzylindermaschinengefragt, die dank Downsizing nachhaltigerunterwegs sind. Für Vielfahrer bieten sichDieselmodelle an, deren Verbrauchswerteweit unterhalb von zehn, oft gar unterhalbvon fünf Litern pro 100 Kilometer liegen.Eine ähnliche Zweiteilung findet sich auchFotos: BMW Groupbei den Internetzugängen in den Autos: GroßeLimousinen, da sind sich die sogenannten-Premiumhersteller einig, müssen das Bestevom Besten bieten: Im Mobilfunk ist das derzeitder künftige Übertragungsstandard LongTerm Evolution, kurz LTE. Die Technologieermöglicht den Internetzugriff mit einemTempo, das mit dem des Festnetzanschlussesin der Kanzlei vergleichbar ist. Aber auchkleinere und mittelgroße Fahrzeuge stellenheute bereits den Zugang zum Internet perMobilfunk zur Verfügung. Die Nutzer müssensich hier aber mit der Datenübertragungin der langsameren UMTS-Geschwindigkeitzufrieden geben. Für effizientes Arbeiten istdas aber immer noch schnell genug.Zur Optimierung der Konnektivität habendie Hersteller die Einzelkomponenten Schrittfür Schritt miteinander vernetzt. Audi verknüpftmit Multi-Media-Interface, Mercedesmit Comand online und BMW mit ConnectedDrive die Elemente Audio, Navigation, Telefon,Internet, Fahrzeugdaten und Assistenzsystemezu einem übergreifenden Systemverbund.Alle Funktionen werden zentral bedient undauf fest verbauten Bildschirmen visualisiert,die zwecks übersichtlicher Darstellung derInformationsfülle zu beachtlicher Größegewachsen sind, der Standardbildschirmweist eine Diagonale von 17,8 cm auf.„Das vergangene Jahrzehnt war dadurchgeprägt, dass wir das Fahrzeug in sich vollvernetzt haben. In diesem Jahrzehnt werdenwir es nahtlos mit seiner Umwelt vernetzen“,sagt Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik bei Audi. Der Ingolstädter Autobauerarbeitet daher seit 2005 mit Google42 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


LTEMobilfunk, neuester StandDer Nachfolger der heute verbreiteten GSM und UMTS-Netzeheißt LTE. Man spricht auch von der vierten Mobilfunkgenerationoder kurz „4G“.Wegen gesetzlicher Auflagen bei derFrequenzvergabe mussten die Netzbetreiberdie neue Technik zuerst inländlichen Gegenden, den sogenannten„weißen Flecken“ aufbauen, dievorher keine Breitbandversorgung perDSL oder Breitbandkabel aufwiesen.Mittlerweile kann man LTE auch mitSmartphones und Tablets nutzen.Per „Tethering“ (wörtlich: an dieLeine legen) können diese den Highspeed-Datenfunkdann auch angeschlossenenGeräten wie Notebooksoder vereinzelt sogar Infotainment-Lösungen im Auto zur Verfügungstellen.Vom flachen Land wuchsen die4G-Netze in die Städte. Mittlerweileversorgt die Deutsche Telekom bereitsüber 100 deutsche Städte mit LTE,Konkurrent Vodafone reklamiert sogar150 Städte für sich. O2 startete LTE indiesem Frühjahr in München und Berlin,neun weitere Großstädte sollen biszur Jahresmitte dazu kommen. EinzigE-Plus bietet bislang kein LTE an. Weildie Autobranche LTE auch so schnellwie möglich in Fahrzeugen nutzenwill, haben die LTE-Anbieter zudemangekündigt, beim weiteren Ausbauihrer 4G-Netze künftig auch wichtigeAutobahnen zu berücksichtigen.Damit der Kunde die derzeit schnellsteMobilfunktechnik nutzen kann, mussder gebuchte Mobilfunktarif die Nutzungvon LTE erlauben. Das trifft beiVodafone und O2 derzeit nur für deren„größere“ Tarifpakete zu. Bei derTelekom sind zwar alle Smartphone-Tarife LTE-tauglich, allerdings mitdeutlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen.Wer LTE-typischeschnelle Datenraten von 20 und mehrMbit/s nutzen will, muss Grundgebührenab etwa 50 Euro pro Monatkalkulieren.Ein Sonderfall sind Apple-Geräte wiedas I-Phone 5 oder das I-Pad 4: Diebisherigen Apple-Modelle unterstützenLTE nur auf Frequenzen, die eherauf die USA als auf Europa ausgerichtetsind. In Deutschland können dieApple-Geräte deshalb nur innerstädtischeLTE-Netze der Telekom nutzen,die für das 1.800-MHz-Frequenzbandausgelegt sind. LTE auf dem Land,das mit 800 MHz arbeitet, oder Netzeanderer Anbieter (800 und 2600 MHz)bleiben der aktuellen I-Phone- undI-Pad-Generation bislang versperrt.und Nvidia, einem Hersteller von Grafikprozessorenund Chipsätzen, zusammen. Seit2009 bietet Audi Autos mit Internetdienstenan. Damit wandelt sich der Geschäftswagenvom reinen Fortbewegungsmittel und Statussymbolquasi zu einem mobilen Gerät, mitdem Fahrer und Beifahrer auch unterwegsständig online sind.Weil UMTS in seiner schnellsten Ausprägung,das die Daten abhängig von der jeweiligenNetzauslastung mit maximal 7,2 Mbit/sins Auto transportiert, hinter den vom Festnetzanschlussgewohnten Datenraten zurückbleibt,wollen die Hersteller künftig im Automit LTE Boden gutmachen. Wie weit dieseEntwicklung mittlerweile vorangeschrittenist, hat Audi im Frühjahr 2013 zunächst aufder Consumer Electronics Show (CES) inLas Vegas und Anfang März auf der Cebit inHannover eindrücklich demonstriert. Damitdie Mitfahrer im Auto komfortabel arbeitenkönnen, bietet Audi den WLAN-Hotspot AudiConnect an.Audi versorgt bis zu siebenmobile Smartphones und TabletsEr kann bis zu sieben mobile Geräte wieI-Phone, Blackberry, Notebook und Tabletin das System einloggen. So können alleMitfahrer während der Fahrt nach Beliebenim Internet surfen, Mails empfangen undversenden oder aufs Kanzleinetzwerk bzw.die Kanzleisoftware in der Cloud zugreifen.Voraussetzung dafür ist eine datenfähigeSIM-Karte im Bordnetzwerk.Diese Vernetzungsmöglichkeit ist bei Audinicht auf die großen Limousinen beschränkt,sondern findet sich auch in kleineren Fahrzeugmodellen.Der neue A3, der im März2013 auf der Cebit erstmals in Deutschland zusehen war, ist mit einer Infotainmentlösungder neuesten Generation ausgestattet. Einesder Highlights ist neben Audi Connect einin den Drehdrücksteller integriertes Touchpad,womit Audi die einfache und intuitiveBedien- und Anzeigephilosophie stringentweiterverfolgt.„Always on“ ist auch für Peter Häußermann,Leiter Elektrik/Elektronik, Telematik bei derDaimler AG, „ein Trend, der vor dem Fahrzeugnicht Halt macht.“ Dazu muss man beiMercedes aber nicht unbedingt die S-Klassekaufen. Den Internetzugang gibt es auch fürdie kleineren Modelle als Sonderausstattung.„In unseren Fahrzeugen bieten wir mitComand Online die Möglichkeit, im Auto insInternet zu gelangen. Der Zugang zum Netzwww.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 43


Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementläuft via VPN-Kanal über unseren eigenenServer, das sogenannte Daimler VehicleBackend“, erklärt Häußermann. Das VirtualPersonal Network (VPN) sorgt dabei für einesichere und verschlüsselte Datenübertragungim Internet.Apps kommen als „Over-the-airupdate“ins Fahrzeug„Über dieses Backend ist es uns möglich,neue Apps als Over-The-Air-Update ins Fahrzeugzu bringen, ohne dass unsere Kundenzum Händler oder in die Werkstatt müssen“,fährt Häußermann fort. Das heißt: NeueAnwendungen werden drahtlos via Internetins Auto übertragen. Vergleichbar mit einemSoftware-Update, das der Rechner im Büroauch über das Internet vornimmt.Fotos: AudiAuch Mercedes bietet in vielen Modelleneinen WLAN-Hotspot an, über den sich diemobilen Geräte der Mitfahrer mit dem Internetverbinden können. „So wird aus dem Autoein Büro auf Rädern“, ergänzt der Mercedes-Manager und gibt einen Ausblick auf dienahe Zukunft: „Wir arbeiten daran, mobileEndgeräte wie etwa das I-Phone in unsereFahrzeuge zu integrieren – und zwar vollumfänglich.“Damit kann das Apple-Telefonkomplett über den Drehdrücksteller des Multimediasystemsbedient werden.Auch in der neuen A-Klasse oder dem CLACoupé von Mercedes hat das Internet bereitsEinzug gehalten. In den Kompaktklassefahrzeugenspielt das Apple I-Phone (aktuell dieModelle 4 und 4S), das per Dockingstation inder Armlehne mit dem Bordsystem verbundenist, eine zentrale Rolle. Über eine kostenloseApp namens Drive Kit Plus werdenOnline-Dienste wie Staudaten, Google oderWebradio realisiert, die Nutzung der SpracherkennungssoftwareSiri soll demnächstdie Eingabe weiter erleichtern.Über einen Sprachbefehlschalter am Lenkradsollen dann Wegbeschreibungen, Kalendereinträgeund eingegangene Nachrichtenabgerufen werden, die das System dem Fahrervorliest. Das Apple-Programm Siri EyesFree kann sogar noch mehr: Die Funktionerlaubt das sprachgesteuerte Schreiben vonMails, Textbotschaften, Facebook-Postingsoder das Eintragen neuer Termine in denKalender.Inzwischen sind neun Automobilherstellereingestiegen, um gemeinsam mit AppleSiri Eyes Free in die Fahrzeuge zu bringen.Neben Mercedes-Benz sind das BMW, GeneralMotors, Land-Rover, Jaguar, Audi, Toyota,Chrysler und Honda. Selbst im Kleinwagen-Segment ist diese Technik mittlerweile angekommen.So unterstützt beispielsweise Opel im Adamdie Siri-Eyes-Free-Funktion. Über das serienmäßigeIntellilink-Infotainment-Systemund ein I-Phone können – ähnlich wie in derMercedes A-Klasse – mittels eines simplenKnopfdrucks am Lenkrad Telefongesprächeaktiviert, Musiktitel abgespielt, Termine verwaltetoder Nachrichten verschickt werden,zusätzlich zu den bisher schon verfügbarenNavigations- und Radio-Apps.Das System stellt so die ideale Unterstützungfür den Fahrer dar, ohne ihn vom Straßenverkehrabzulenken. Das Intellilink-Systembasiert auf einem sieben Zoll großen Bildschirmin der Mittelkonsole, das die Informationenübersichtlich darstellt. Anders alsviele Angebote anderer Hersteller ist diepreiswerte Opel-Lösung nicht nur für Apple-Geräte geeignet, sondern unterstützt auchAndroid-Smartphones.Seit Juli 2012 ist auch der neue Siebener vonBMW auf dem Markt. Dynamik, Komfortund Verarbeitung sind, wie üblich, auf sehrhohem Niveau. Die Umweltverträglichkeitwurde besser, denn jetzt gibt es auch in derLimousine den sogenannten Eco-Pro-Modus,in dem die große Limousine auf Kompaktauto-Niveaueingebremst wird. Der Motorstoppt im Stillstand, das Gas geht langsamerzu Werke, der Automat hält die Tourenzahlendurch schnelles Schalten niedrig.Das Multi-Media-Können des 7er ist ebenfallsbemerkenswert. Der Fahrer wird im ModusOnline-Office per Sprache arbeiten können(Speech-to-Text-Technik), um weniger vomVerkehr abgelenkt zu sein. Er kann nacheinem Geschäftstermin zum Beispiel dieErgebnisse des Treffens dem System diktierenund als Audiodatei abspeichern. Dieslässt sich direkt aus dem Auto heraus in dieKanzlei verschicken. „So kann man unterwegsein wenig arbeiten, Mails löschen oderals ungelesen markieren. Oder sich die eingelaufenenMails während der Fahrt vorlesenlassen“, erklärt Martin Arend, TeamleiterConnectivity bei BMW.Audi Connect bietet nach Herstellerangabenbis zu sieben internetfähigenEndgeräten Zugang zummobilen Internet.BMW will Kalender aus Outlookin das Bordsystem integrieren„Das Ziel sind kurze Wege und kurze Kommandosbei der Bedienung, um den Fahrermöglichst minimal abzulenken. Dazu gehörtauch, dass wir den Kalender aus Outlook integrieren.Ist für den Termin auch die Adressehinterlegt, kann der Fahrer aus dem Kalenderheraus via Google Maps sofort das angestrebteZiel in die Navigation übertragen.“Bereits seit 15 Jahren stattet BMW seineFahrzeuge mit einer SIM-Karte aus und vertrautdabei auf T-Mobile als Anbieter. Damithaben BMW-Fahrer Zugang zur allerneuestenMobilfunktechnologie: „Schnelleres Internetwie LTE ist beispielsweise jetzt verfügbar“,erklärt Stephan Durach, bei BMW „Headof App Center, Entertainment and MobileDevices“. Die „Cloud und die Kommunikationvon Fahrzeugen untereinander sind inArbeit.“Bevor es damit weiter geht, hat BMW sich umdie Verankerung von Apps im Gesamtpaketgekümmert. Mit „My BMW Remote“, einerkostenlosen App, kann man ferngesteuert44 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


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Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementdas Fahrzeug öffnen und schließen. Falls demSteuerberater während der Besprechung beieinem Mandanten plötzlich Zweifel kommen,ob er das Auto abgeschlossen hat oder nicht,kann er aus der Ferne den Wagen schließen.Und das App-Angebot wird sich weiter vergrößern:Zwischenzeitlich haben die Bayernsich auch für „3rd Party Apps“ geöffnet.Der Blick in die Zukunft ist atemberaubend:Dank der Cloud sind die dort gelagertenDaten immer und überall abrufbar. Wieman das für das Auto nutzen kann, zeigtVerkehrssicherheit spieltkünftig verstärkte RolleBei den Fahrerassistenzsystemen der Zukunftwird das Thema Verkehrssicherheit bei derKommunikation zwischen dem Auto und seinerUmwelt eine verstärkte Rolle spielen. Soermöglicht es die Vernetzung der Fahrzeugeuntereinander, informiert Verkehrsteilnehmerfrühzeitig über Gefahren wie Unfälle,Blitzeis oder massive Schneefälle. Festeinbautenwerden inzwischen bei allen Herstellernangeboten – nicht nur in der Oberklasse.Sie bieten den Vorteil, dass sie alle Medien imFahrzeug über einen einzigen Schalter oderTouchscreen bedienbar machen. So bietetVW mit dem Discover Pro eine Touchscreen-Version mit sehr empfindlich reagierenderOberfläche (auch Wischbewegungen wiebeim Smartphone), besten Kartendarstellungenund guter Bedienbarkeit, seit Juni2013 ist der Online-Dienst verfügbar.Auch im Toyota Auris ist mit dem „Touch &Go“ ein online-fähiges und mit 850 Euro sehrden Grad des Komforts. Wer jedoch seinSmartphone immer dabei hat und sein Telefonseinigermaßen gut kennt, für den gibt eskostengünstige Alternativen. Das Drive Kitder Mercedes A-Klasse integriert das I-Phone4 und 4S in das CD-Radio Audio 20 für 416Euro. So werden der Zugang zu sozialen Netzwerken,Parkplatzsuche, Internet-Radio undandere Anwendungen wie beim modularenA3-System realisiert und können über denbordeigenen Drehdrücksteller bedient werden.Preislich liegen diese Angebote etwa beieinem Zehntel dessen, was eine umfassendeFesteinbaulösung mit Online-Zugang kostet.Trotz eines geringeren Funktionsumfangs hatman über das Smartphone und seine Appsalles zur Verfügung, was im Arbeitsalltagunterwegs wichtig ist.Zu guter Letzt ist auch eine völlig schlankeVersion realisierbar. Da sowohl I-Phone (abIOS-Version 4.3) und Blackberry (ab Version7.1) oder Android (über diverse Apps) überdie Funktion Personal Hotspot oder Tetheringverfügen, lassen sich Smartphones sehr wohlnutzen, um mobil ins Internet zu gelangen. Indieser Einstellung können auch zusätzlicheSmartphones oder mehrere Laptops, Tabletsoder I-Pads online gehen und unterwegs dieOnline-Arbeit unterstützen.Mercedes macht Werbung für seinen Drive Kit Plus für das I-Phone.das BMW-Forschungsprojekt InfotainmentAssistent: Ein Programm im Fahrzeug filtertautomatisch aus dem umfassenden Datenangebotheraus, was für den Fahrer im Momentpassend erscheint. Es stellt relevante Nachrichtenzur Verfügung oder spielt entspannendeMusik ein. Auch die Daten für dieNavigation werden aus der Cloud abgerufen.Und am Abend auf der Fahrt von der Kanzleinach Hause liest das Auto beispielsweise dasAudio-Book vor – wie von Zauberhand fährtes genau dort fort, wo man am Abend zuvoraufgehört hat.günstiges System integriert. Allerdings istdie Anmeldung über den heimischen Rechnerkompliziert und die Funktionalität eingeschränkt.Hier sollten sich Steuerberater entsprechendberaten lassen, denn auf dem Genfer Autosalonim März 2013 stellten auch Hersteller wieRenault (R-Link) oder Ford (Ford Sync oderApp Link) die Online-Fähigkeit für die nähereZukunft in Aussicht. Ford ist als erster Autoherstellersogar bereit, ein offen zugänglichesProgramm für App-Entwickler anzubieten,das den Smartphones Zugriff auf die SprachsteuerungFord Sync bietet.Grundsätzlich gilt Hersteller-unabhängig,dass das Internet bei den Top-Ausstattungenin vollem Umfang dazugehört. Funktionenwie E-Call, das bei einem Unfall die Rettungskräfteautomatisch mobilisiert, oderBMW Assist, eine Hotline, die Restaurants,Tankstellen oder Ähnliches aussucht und diepassenden Navi-Daten direkt ins Fahrzeugschickt, sind eine Frage des Geldbeutels:Beim Audi A3 fallen 4.100 Euro an, im EinserBMW 4.380 Euro. Der Preis bestimmtAudi eröffnet Ausblickin die Zukunft des AutosEinen Ausblick auf die fernere Zukunft botAudi auf der CES, der Konsumelektronikausstellungin Las Vegas. Als erster deutscherHersteller haben die Ingolstädter die Erlaubnis,im Staat Nevada Fahrzeuge autonomfahren zu lassen.Wenn sich diese Technologie in den nächstenzehn Jahren durchsetzen sollte, wird manwährend eines Großteils der Fahrt onlinearbeiten können und nur wenige Eingriffein die Fahrt selbst vornehmen müssen. Abernoch ist das Zukunftsmusik.Josef Clahsenlebt im baden-württembergischenEsslingen und warlange Jahre Chefredakteurbei einerAutofachzeitschrift.Seit einiger Zeit arbeiteer als freier Journalistund hat sich unter anderem auf dasThema Auto konzentriert.E-Mail: joclahsen@t-online.de46 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


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Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagementWindows 8.1Eines für allePC, Tablet und Smartphone einander näherbringen soll das neue Betriebssystem von Microsoft, Windows 8.1.Gemeinsames Erkennungsmerkmal auf allen Endgeräten sind das Kachel-Design und Apps. Doch erst ein genauer Blickverrät, ob Microsoft-Klassiker wie Excel, Word und Outlook tatsächlich ohne Probleme auf allen Geräten laufen.» Windows 8Zwei Versionen für Tablet-PCsWindows beherrscht den Markt der Betriebssystemebei PCs, Laptops und Netbooks:Der Konzern aus dem US-amerikanischenRedmond kommt mit seinen verschiedenenBetriebssystemen auf einen Marktanteil vonknapp 92 Prozent, Mac OS X von Apple liegtbei gut 6 Prozent. Das zeigen Marktzahlender US-amerikanischen Web-AnalysefirmaNetmarketshare. Demnach kommt Windows7 immer noch auf einen Anteil von gut 44Prozent. Aber auch Windows XP läuft miteinem Anteil von etwa 37 Prozent noch aufmehr als einem Drittel aller PCs. Das neueWindows 8 in seinen verschiedenen Versionenkommt auf etwas über fünf Prozent,Markteinführung war 2007.Microsoft verfolgt bei Windows 8 ein völliganderes Konzept als bei seinen früherenBetriebssystemen. Alle Vorgänger vonWindows 8 waren für die Bedienung mitder Maus optimiert. Doch mit dem Siegeszugder Touchscreen-Smartphones hält dieTouchscreen-Bedienung auch bei Windows 8Einzug. Nach den Vorstellungen von Microsoftsollen Tablets und herkömmliche PCsüber die gleiche Oberfläche bedient werden.Wer ein Smartphone mit dem BetriebssystemWindows Phone benutzt, muss sich bei derBedienung nicht groß umstellen. „Alles auseinem Guss“ lautet die Idee.Grundlage der neuen Ordnung auf dem PCsind bunte Kacheln, hinter denen sich dieProgramme und Anwendungen verbergen.Programme heißen jetzt Apps und werden– sofern nicht bereits vorinstalliert – überden sogenannten Windows-Store heruntergeladen.Die Kacheln selbst sind daraufausgelegt, dass der Nutzer mit dem Fingerdarüberwischt oder sie berührt („Touch“).Damit öffnet er Menüs und wechselt zwi-Tablets mit Windows RT sindvergleichbar mit dem I-Pad: Sielaufen auf einem stromsparendenARM-Prozessor und können wiedas I-Pad nur Software ausführen,die speziell für das Tabletgeschrieben wurde – keine herkömmlicheWindows-Software.Allzu groß ist die Software-Auswahlderzeit nicht.Die zweite Version von Windows8 für Tablets – ohne den ZusatzRT – ist dieselbe, die auch aufnormalen PCs läuft. Diese Versionerlaubt schnellere Hardware unddas bedeutet mehr Leistung. DieTablets, darunter das Surface Provon Microsoft, stellen damit eineAlternative zum Notebook dar.Auf ihnen läuft auch klassischePC-Software. Für Anwendungenin der Kanzlei sollte also das dieerste Wahl sein.48 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


schen mehreren „Seiten“ (früher: Fenstern)hin und her. Hat man sich einmal darangewöhnt, wirkt die Touch-Bedienung durchausdurchdacht. Leider ist die Bedienung perTouch auf stationären Desktop-PCs aber eherdie Ausnahme. Zudem ist die Bedienung desKachel-Designs mit der Maus umständlich,stattdessen ist man immer versucht, mit demFinger darüberzuwischen. Wer überlegt, einUltrabook zu kaufen, sollte daher nach einemGerät mit Touchscreen-Oberfläche Ausschauhalten.Inzwischen hat Microsoft diese Problematikerkannt, die Version Windows 8.1 soll Abhilfeschaffen: Wer sich nicht an das knalligeKachel-Design gewöhnen kann, hat auf demPC die Möglichkeit, die Oberfläche von Windows7 herbeizaubern. Unter dem Punkt„Einstellungen“ lässt sich festlegen, welcheOberfläche der Anwender wünscht: Kacheldesign(voreingestellter Standard) oder die klassischeDesktop-Oberfläche. Nutzer, die aufdas Windows-Symbol auf der Tastatur drücken,erhalten den Desktop im bekanntenWindows-7-Layout, während die Kachel-Oberfläche im Hintergrund weiterläuft.Klassische Ansicht undKacheldesign zur AuswahlAuf Windows 8 stehen somit beide Weltenparallel zur Verfügung: Die klassische Windows-Oberflächemit Anwendungen im herkömmlichenWindows-Design und die neueKachel-Oberfläche, die auf die Bedienung mitdem Finger optimiert ist. PC-Nutzer tendierendabei sehr stark dazu, die alte Ansicht herbeizuklicken.Die hatte übrigens noch denVorteil, dass Programme über das „x“ obenrechts geschlossen werden konnten.Auf dem Windows-8-Desktop gibt es das „x“nicht mehr: Die meisten Programme stellendem Anwender keine explizite Funktion undzumeist auch keine Auswahl zur Verfügung,die ein Beenden der App ermöglicht: Verlässtder Nutzer die App, so wird sie „schlafengelegt“, ist aber immer noch mehr oderminder aktiv im System. Wer die nicht mehrbenötigten Apps endgültig beenden will,muss entweder den Task-Manager bemühen,eine App, die alle aktiven Programmelistet, oder er drückt die Tastenkombination„Alt-Taste“ und „F4“: Diese Kombinationfunktioniert auch in den modernen Appsund beendet sie wirklich. Das schont dieSystemressourcen und macht das Systemwieder schneller.Ganz schön verwirren können die zweiGesichter von Windows 8 manchmal. Öffnetein Nutzer am PC einen Webbrowserim Kachel-Layout und später im Windows-Interview„Nutzer brauchen sich nicht umstellen“Oliver Gürtler, Leiter Geschäftsbereich Windows bei Microsoft in Deutschland,über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Windows 8 und WindowsPhone 8.SteuerConsultant: Wenn man Windows 8und Windows Phone 8 vergleicht: In welchenBereichen sind die Systeme gleich?Oliver Gürtler: Erste Gemeinsamkeit ist derWindows 8 Kernel. Das bedeutet, dass beideSysteme auf der gleichen Plattform basierenund die Code-Basis die gleiche ist. Reinäußerlich ist das Design sehr ähnlich, in beidenFällen ist die Kacheloptik auffällig. In beidenSystemen gibt es sogenannte Live Tiles, diesich ständig aktualisieren (Wetter, Aktienkurseetc.). Nutzer brauchen sich also in der Bedienungnicht umstellen.SteuerConsultant: Wo gibt es Unterschiede?Gürtler: Unterschiede gibt es noch bei denApps. Die Programmierer haben zwar wenigerAufwand, Apps für Windows Phone 8/Windows 8 zu programmieren, die Apps laufenaber noch nicht auf beiden Plattformenautomatisch gleichzeitig. Das heißt, nicht jedeApp ist für Smartphone, Tablet und Desktopgleichermaßen erhältlich.SteuerConsultant: Läuft die Windows 8-Variantefür den Tablet-PC flüssiger und schnellerals ein Laptop/Ultrabook mit dem normalenWindows 8?Gürtler: Windows 8 gibt es in zwei Varianten– Windows 8 und Windows 8 Pro. Windows 8Pro ist mit Zusatzfunktionen, die für Unternehmenwichtig sind, ausgestattet, z.B. im BereichSicherheit und Administrierbarkeit. Beide Variantenlaufen auf Tablets und allen anderen PCsgleich flüssig und schnell.SteuerConsultant: Müssen beim gemeinsamenZugriff auf ein Office-Dokument dieDateien auf dem Server liegen oder ist esmöglich, das Dokument auf dem Laptop/Smartphone/Tablet-PC zu speichern undmit einem anderen Windows-8-Gerät daraufzuzugreifen?Gürtler: Dokumente werden heutzutage überCloud-Dienste wie Skydrive ausgetauscht.Windows 8 bietet eine sehr einfache Möglichkeit,Daten in die Cloud zu legen. Der Anwenderkann dann von jedem PC oder Windows Phoneauf die Dokumente zugreifen und diese sogarbearbeiten. Wichtig ist auch für Unternehmen,dass alle Applikationen, die unter Windows 7laufen, auch unter Windows 8 lauffähig sind.SteuerConsultant: Wie sicher ist es, mitWindows-8-Endgeräten zu arbeiten – Stichwort„Angriff von außen“? Ist es ratsam, aufWindows-8-Endgeräten zusätzlich Firewallsund Virenscanner zu installieren?Gürtler: Ja, das ist immer sinnvoll. Genausowie der Einsatz eines Browsers, der sicherheitstechnischauf dem neuesten Stand ist.Wie der Internet Explorer 10. Dieser ist aucherst kürzlich für Windows 7 veröffentlicht worden.SteuerConsultant: Hat die Idee „EinBetriebssystem, mehrere unterschiedlicheEndgeräte“ – in der Steuerkanzlei – Zukunft?Gürtler: Kanzleien, die Software unter Windows7 einsetzen, brauchen sich keine Gedankenmachen bezüglich eines Umstiegs aufWindows 8. Wer noch Windows XP nutzt, solltesich damit beschäftigen, dass der Support imApril 2014 ausläuft und Microsoft dann keineSicherheitsupdates mehr zur Verfügung stellt.Wir sehen große Vorteile darin, ein Betriebssystemüber mehrere Endgeräte hin zu nutzen,weil die Bedienung und Funktionen immergleich sind.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 49


Kanzlei & PersönlichesKanzleimanagement7-Layout, werden zwei unterschiedlicheInstanzen gestartet – wodurch der Nutzerin beiden Browser-Versionen verschiedeneWebsites geöffnet hat. Auf Smartphone undTablet ergibt sich diese Problematik allerdingsnicht, da man mit dem Kachel-Look hier gutzurechtkommt.Weitere Überraschung und zugleich Kritikpunkt:Die neue Windows-8-Kacheloberflächein der Variante für das Smartphone und denTablet-PC – Microsoft nennt sie „Modern UI“– unterstützt keine Fenster mehr: Sie sindin Windows 8 und 8.1 nur noch Bestandteildes Desktop-Modus. Apps im „Modern UI“Kachel-Design werden im Vollbildmodusausgeführt, lassen sich aber, zumindest inder Version Windows 8.1, flexibler nebeneinanderausführen, beispielsweise in einer50/50%-Ansicht. Bei Windows 8 war dies aufein Verhältnis 30/70% beschränkt.Windows 8 baut auf Windows 7 auf – mit demVorteil, dass ein Großteil der alten Treiber»Smartphone, Tablet-PC, Ultrabook(für Drucker und Software-Programme) problemlosweiterverwendet werden kann. Ähnlichverhält es sich mit Software-Programmenwie Office 2010. Im Großen und Ganzen funktioniertdie Software, die unter Windows 7läuft, auch unter Windows 8.Windows 8 bietet noch weitere Vorteile:Zum einen läuft das Programm sowohl aufPC und Notebook als auch auf Tablet undSmartphone stabil. Programmabstürze sindeher bei Drittanbieteranwendungen aus demWindows Store zu verzeichnen als bei Officeund Outlook.Live-Kacheln geltenals echte VerbesserungEine echte Verbesserung stellen die Live-Kacheln dar. Sie aktualisieren sich selbstund zeigen die neuesten Informationen an: Soverrät die Kachel für die Wetter-App von Windows8 auf einen Blick die aktuelle Temperatur.Die E-Mail-Applikation zeigt dort bereitsFolgende Anhaltspunkte helfen Ihnen dabei, herauszufinden,welches Endgerät für Sie passt.1 Einsatzgebiet. Wer nur telefonieren will, braucht kein Smartphone. Da reicht ein günstigesHandy für 20 bis 60 Euro. Wer unterwegs neben Telefonaten auch Nachrichtenlesen oder E-Mails beantworten will, ist mit einem Smartphone gut beraten. Wer außerHaus arbeiten will, greift zum Tablet oder noch besser zum Ultrabook.2 Gerätegröße. Je größer der Bildschirm, desto besser. Bei Smartphones sind 4,5-5,5 Zoll(11,43 – 13,97 cm) derzeit die Obergrenze. Bei Tablets kann man zwischen 7,8 und 10 Zoll(17,78, 20,32 und 25,40 cm) wählen. Ultrabooks bieten mit 11 bis 14 Zoll (27,94 bis 35,56cm) die größten Bildschirme. In puncto Gewicht liegen Tablets bei 500-800 Gramm,die ultraleichten Notebooks sind deutlich schwerer und wiegen zwischen einem undeineinhalb Kilogramm.3 Akkulaufzeit. Ein Smartphone schafft im Schnitt nur ein bis zwei Tage bei durchschnittlicherNutzung. Ein Tablet hält zwischen fünf und zehn Stunden im Surfbetrieb durch.Die meisten Ultrabooks liegen knapp darunter.4 Anschlüsse. Ein Smartphone kann per USB-Kabel oder per WLAN mit dem PC verbundenwerden. Tablets bieten – je nach Hersteller – USB-Anschluss für Kamera oder Speichersticks,Bluetooth für eine externe Tastatur und manchmal auch eine Schnittstelle zumFernseher oder zu einem Monitor. Ultrabooks liefern neben mehreren USB-Anschlüssenauch immer eine Schnittstelle für einen Monitor. Manchmal gibt es auch eine Ethernet-Buchse für das Netzwerkkabel.5 Mobiles Internet. WLAN ist in allen Smartphones, Tablets und Ultrabooks eingebaut.Eine Mobilfunkanbindung ist nur im Smartphone garantiert. Tablets gibt es meist mitund ohne UMTS-Mobilfunk – der Sim-Kartensteckplatz kostet einen Aufpreis. Und solangsam ziehen auch die Ultrabooks nach und bieten schnelles Internet über HSDPAoder LTE. Aber Standard ist das noch lange nicht, daher beim Kauf darauf achten.die Betreffzeile der neuesten Nachricht unddie Kalender-App verrät den nächsten Termin.Und das gilt nicht nur für den Desktop, sondernauch fürs Tablet und für Windows Phone.Im Herbst 2013 soll das neue Windows 8.1(alias „Blue“) als kostenloses Upgrade fürWindows 8 auf den Markt kommen. Grundsätzlichgilt Windows 8 als eine Bereicherungfür Desktop-PCs, deswegen sind das Kachel-Design und das App-Konzept geblieben.Verbesserungen von Blue können sich Nutzererwarten, die ihren PC mit der Maus bedienen– für sie ist das Betriebssystem verbessertworden. Beispiel Benutzeroberfläche:Ab Windows 8.1 kann der Nutzer einstellen,dass nicht der Kachelscreen, sondern der alteDesktop hochgefahren wird, wenn man denPC einschaltet.Außerdem öffnet die Tastenkombination„Windows-Taste + X“ ein Menü, das demStartmenü in Windows 7 ähnelt. Hierüberkommt der Nutzer beispielsweise direkt indie Systemsteuerung und zu den Programmen.Insgesamt wurde das neue Menü umviele Funktionen, darunter „Rechner herunterfahren“,deutlich erweitert. Doch dieserKomfort ist nicht Standard: Er muss erst inden Einstellungen aktiviert werden.Standardmäßig steht weiterhin die Menüführungim Vordergrund, die für Touchscreensoptimiert ist. Eine andere Neuerung gehtdagegen weg vom Touchscreen: Über die imTablet oder Notebook integrierte Webcamerkennt das Betriebssystem Bewegungen undlässt sich darüber steuern. So ist es beispielsweisemöglich, durch ein Buch zu blättern,ohne den Bildschirm zu berühren.Weiter hat Microsoft den Internet Explorerverbessert. Der Browser unterstützt die Technik„Web Graphics Library“ (Web GL) zurDarstellung von 3D-Inhalten und soll Webseiteninsgesamt schneller laden.YvonneGöpfert,freie Journalistin inMünchen, hat sich aufIT- und Mobilfunkthemenkonzentriert .Sie testet rund 50Handys und Smartphonespro Jahrund beschäftigt sich tagtäglich mit denNeuerungen moderner Technik – von Applebis Microsoft. E-Mail: yvonne.goepfert@googlemail.com50 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Kanzlei & PersönlichesNachrichtenFoto: DATEV eGDatev 2012 mit UmsatzplusMitte Juli konnte der Vorstandsvorsitzendeder Datev, Prof. Dieter Kempf, bei derPräsentation des Geschäftsberichts für dasGeschäftsjahr 2012 (1. Januar bis 31. Dezember)erneut eine Umsatzsteigerung verkünden,die diesmal 3,9 Prozent gegenüber demVorjahr betrug.Wie die Datev in einer Pressemitteilung darlegte,betrug das Betriebsergebnis 45,8 MillionenEuro, wobei die Genossenschaft davon33,9 Millionen Euro als genossenschaftlicheRückvergütung an ihre Mitglieder ausschüttenwill, was, so die Datev, 5,0 Prozent desrückvergütungsfähigen Umsatzes entspreche.Im Geschäftsjahr 2011 lag der Anteilbei 4,6 Prozent. Als Gründe für den Zuwachsgibt der Nürnberger IT-Konzern die starkeNachfrage nach Cloud-Dienstleistungen,Software und Beratung an.Auch die Zahl der Datev-Genossen ist imGeschäftsjahr 2012 auf 40.013 gewachsen,2011 lag die Zahl der Mitglieder noch bei39.771. Zuwachs gab es auch bei der Zahlder Mitarbeiter, die von 6.110 auf 6.411 zugenommenhat.Um fast 4 Prozentkonnte die Datev 2012ihren Umsatz gegenüberdem Vorjahrsteigern.Um fast 4 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2011 steigerte die Datev 2012 ihrenUmsatz. Sie profitierte von einer starken Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen, Softwareund Beratung. Auch im ersten Halbjahr 2013 wuchs der Umsatz erneut.Stichwort Umsatz: Der stieg nach Unternehmsangabenvon 1. Januar bis 30. Juni2013 von 382,6 Millionen Euro (GJ 2012) auf401,9 Millionen Euro, was einem Umsatzplusvon fünf Prozent im Vergleich zumVorjahreszeitraum entspricht.Hintergrund für den weiteren Umsatzzuwachsim ersten Halbjahr 2013, so dieDatev, sei ein hohes Interesse an IT-Dienstleistungenim Bereich Rechnungswesen,an Seminaren und an Beratungsdienstleistungengewesen. Zudem hätten die MitgliederDokumentenmanagementsysteme,Druck- und Versanddienstleistungen fürDritte nachgefragt. Optimistisch gibt sichDatev-Chef Kempf: „Für das Gesamtjahr2013 trauen wir uns zu, das Wachstumsniveaubei fünf Prozent zu halten.“Vor dem Hintergrund der AusspähaktivitätenUS-amerikanischer Geheimdiensteforderte Kempf von „Politik und Sicherheitsbehördenschnell größtmögliche Transparenzund Aufklärung, um das Vertrauen inCloud- und Internetdienste nicht dauerhaftzu beeinträchtigen.“TermineSteuerrecht18. September unterwww.online-training-plus.deIm Fokus: SteueroptimierteBehandlung von Immobilien beiPersonengesellschaften• Teilnahmegebühr 98 Euro*• Veranstalter: Haufe-LexwareGmbH & Co. KG• Telefon: 0800 723 42 442. Oktober unterwww.online-training-plus.deIm Fokus: Umsatzsteuer – aktuelleEntwicklungen im Jahr 2013• Teilnahmegebühr 98 Euro*• Veranstalter: Haufe-LexwareGmbH & Co. KG• Telefon: 0800 723 42 4430. Oktober unterwww.online-training-plus.deIm Fokus: Kapitalgesellschaften –aktuelle Tendenzen für IhreBeratungspraxis• Teilnahmegebühr 98 Euro*• Veranstalter: Haufe-LexwareGmbH & Co. KG• Telefon: 0800 723 42 44*Preise zzgl. USt.Bei BYOD gehen viele Unternehmenunverhältnismäßige Risiken einNur wenige deutsche Firmen haben Richtlinien zurberuflichen Nutzung privater Geräte erlassen.Viele mittlere und große deutsche Unternehmen nehmen dasThema „Einsatz privater Endgeräte für berufliche Zwecke“(„Bring your own device“/BYOD) auf die leichte Schulter:dies ist das Ergebnis einer weltweiten Untersuchung des IT-Unternehmens Acronis und des Ponemon Institute aus denUSA, die dazu auch 650 deutsche Teilnehmer befragt haben.Denmnach haben rund 44 Prozent der befragten Unternehmenkeine Richtlinie zur Nutzung privater Geräte. Von denübrigen 56 Prozent machen 10 Prozent dabei Ausnahmenfür das Management, obwohl vor allem diese Mitarbeiter inaller Regel auf besonders sensible Daten zugreifen können.Sensible Daten bei Online-Speicherdiensten immer selbst sichernOnline-Speicherdienste sind praktisch, doch die Skepsis wächst.Die „Stiftung Warentest“ hat 13 Dienste untersucht (Heft 8/2013).Grundsätzlich werden europäische Cloud-Dienste sicherer eingestuft alsdie US-Konkurrenz. Doch geht es um sensible Informationen wie die Korrespondenzmit der Krankenkasse oder dem Arbeitgeber, sollten Nutzerihre Daten dort nicht unverschlüsselt speichern, so die Empfehlung der„Stiftung Warentest“. 13 Anbieter hat sie getestet, darunter sieben europäische.Ergebnis: Sieben Anbieter wurden mit „befriedigend“ bewertet,sechs erhielten nur ein „ausreichend“. Alle Cloud-Dienste speicherndie Daten ihrer Nutzer verschlüsselt ab, 12 von 13 Firmen erstellenanschließend eine Kopie des Schlüssels und haben so weiter Zugriff aufdie Daten. Zum Schutz vor neugierigen Blicken empfiehlt „Test“ (Heft8/2013) kostenlose Programme wie Boxcryptor und Cloudfogger.52 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


AnzeigenKarriere & Kontakte+++ 20 JAHRE ERFAHRUNG +++ DURCHBLICK STATT ÜBERBLICK +++ MIT AWS PERFEKT VORBEREITET IN DIE PRÜFUNG GEHEN +++KOMBINIERTER LEHRGANGzur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung 2014Zwei Unterrichtsprinzipien kombiniertergeben ein Ziel: Ihre Prüfungsreife1. TEIL: SAMSTAGSLEHRGANGDauer: 02.11.2013 - 29.03.2014inkl. zwei PrüfungsklausurenIm Samstagslehrgang erhalten Sie parallel zuIhrer Berufstätigkeit kompaktes Wissen in denwichtigsten Steuerrechtsgebieten.2. TEIL: VERKÜRZTER VOLLZEITLEHRGANGDauer: 02.07.2014 - 13.09.2014inkl. 20 Prüfungsklausuren auf ExamensniveauIm verkürzten Vollzeitlehrgang werden Sie anschließendin nur 10 Wochen zielgerichtet auf dieExamensprüfung vorbereitet (inkl. Besprechungvon ausgewählten Prüfungsklausuren).IHRE FAXANTWORT BITTE AN 06171-699610Bitte senden Sie mir unverbindlich und kostenfrei IhreInformationsbroschüre zu dem/denKombinierten Lehrgang 2013/2014Steuerberater-Fernlehrgang 2014/2015An einem Mustermanuskript bin ich interessiertName, VornameStraßePLZ WohnortODER QR-CODE SCANNEN UNDUNTER WWW.AWS-ONLINE.DEINFO-MATERIAL ANFORDERN!E-Mail Adresse / TelefonAWS ARBEITSKREIS FÜR WIRTSCHAFTS- UND STEUERRECHT OHGADENAUERALLEE 32 | 61440 OBERURSELTELEFON 06171-69960 | TELEFAX 06171-699610POST@AWS-ONLINE.DE | WWW.AWS-ONLINE.DE+++ SCHWIMMEN KANN JEDER – STEUERN NICHT +++ WWW.AWS-ONLINE.DE +++ IHR ERSTER SCHRITT ZUM STB - EXAMEN +++AWS_AZ_KombiLG_mitLaufspruch_189x243-RZ.indd 1 16.08.2013 12:40:44www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 53


Kanzlei & PersönlichesNachrichtenViele Geringverdiener inDeutschlandHierzulande verdienen überdurchschnittlich viele Menschenwenig Geld: Der Anteil der Geringverdiener ist größer als inanderen westlichen EU-Staaten.Knapp ein Viertel aller Beschäftigten habe im Jahr 2010 zu denGeringverdienern gehört, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- undBerufsforschung (IAB) in Nürnberg in ihrem IAB-Kurzbericht fürJuli 2013 mit. Berücksichtige man ausschließlich Vollzeitbeschäftigte,sei der Anteil schlecht Bezahlter mit rund einem Fünftelzwar etwas niedriger, aber im internationalen Vergleich immernoch relativ hoch.Länderübergreifend gehörten besonders Frauen, Jüngere, Geringqualifizierte,Ausländer, befristet Beschäftigte und Arbeitnehmerin Kleinbetrieben zu den Geringverdienern. In Deutschland seiendie Niedriglohnquoten von Frauen und Teilzeitbeschäftigten auffallendhoch, ergänzten die Experten. Mehr als vier Fünftel allerGeringverdiener in der Bundesrepublik haben dabei eine abgeschlosseneBerufsausbildung.Für die Forscher ist jemand dann ein Geringverdiener, wenner weniger als zwei Drittel des nationalen Medianlohns erhält.2010 waren dies 9,54 Euro brutto pro Stunde. Beim Medianlohnverdient genau die Hälfte der Beschäftigten mehr, die andereHälfte weniger.„Einerseits könnte die zunehmende Verbreitung von Niedriglöhnendie Chancen für Erwerbslose vergrößern, wieder in Arbeit zukommen“, kommentierte Arbeitsmarktforscher Thomas Rhein.Andererseits klaffe dadurch die Schere bei den Einkommen weiterauseinander. Im Ländervergleich lasse sich nicht feststellen,dass ein größerer Anteil von Geringverdienern mit einemhöheren Beschäftigungsstand einhergehe.Steuerfahnder dürfenInternet-Plattformen filzenInternet-Handelsplattformen wie Ebay müssen dieDaten ihrer Nutzer herausgeben – auch wenn sie sichvertraglich zur Geheimhaltung verpflichtet haben.Das hat der Bundesfinanzhof in München entschieden.Im konkreten Fall hatte die Steuerfahndung Hannoverein Internethandelshaus aufgefordert, ihr die Namen allerNutzer zu anzugeben, die pro Jahr Waren für mehr als17.500 Euro verkauft haben.Zusätzlich sollte das Unternehmen auch die jeweiligenGeburtsdaten und Bankverbindungen nennen sowie diePseudonyme, mit denen die Verkäufer im Internet auftreten.Dies hatte das Unternehmen abgelehnt und argumentiert,sich mit einem Schwesterunternehmen im Auslandauf Geheimhaltung der Daten geeinigt zu haben. Zudemsei der Zugriff auf die Daten nicht möglich, da sich derServer im Ausland befinde (Aktenzeichen II R 15/12).54 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


AnzeigenKarriere & KontakteWas in der Praxis wichtig istMit Beispielen undBeratungshinweisenFundierter Überblick über die Besteuerung der GmbHund ihrer Gesellschafter. Von der Gründung bis zurLiquidation beleuchtet das Werk sämtliche Lebensphasender GmbH. Darüber hinaus behandelt es Gestaltungen,in denen die GmbH als Teil eines komplexenUnternehmensverbundes auftritt. Auch Steuerfragengrenzüberschreitender Aktivitäten werden erläutert.Über legungen zur Rechtsformwahl, viele Praxishinweisezur Umstrukturierung und Gesellschafternachfolgesowie jüngste Gesetzesänderungen runden dieGesamtschau ab. Zu Organschaft, GmbH & Co. KG, GmbH & Still,Betriebsaufspaltung Rechtsstand: 1. Juli 2013Grobshäuser/Preißer (Hrsg.)Die Besteuerung der GmbH3., vollst. überarb. und aktual. Auflage 2013.855 S., 79 s/w Abb., 56 Tab. Geb. € 99,95ISBN 978-3-7910-3108-8978-3-7992-6574-4Fax 08 00 / 7 77 77 70 (gebührenfrei) | www.schaeffer-poeschel.dewww.twitter.com/Schae_Poe | www.facebook.com/schaefferpoeschelverlag08_Grobshaeuser_STC_189x243_4c.indd 1 20.08.2013 16:30:50www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 55


Kanzlei & PersönlichesSerie KanzleimanagementMandantenseminareGlücksmomenteZiel jeder Steuerkanzlei sollte es sein, seine Bestandsmandanten durch ein ganzheitliches Konzept und mit viel Engagement zuüberzeugen und damit langfristig zu halten. Denn zufriedene Mandanten sind es, die eine Kanzlei weiterempfehlen. Zudem ist esgünstiger, bestehende Beziehungen zu stärken als neue Mandanten zu finden.» SerienplanerTeil 79 –SteuerConsultant 7-8/2013Vom ExpertenzumMarkenstatusTeil 80 –SteuerConsultant 9/2013WeiterbildungTeil 81 –SteuerConsultant 10/2013Sponsoring – Win-Win-Situationen schaffenAbonnenten-ServiceAbonnenten können im Internetunter www.steuer-consultant.dedas Themenarchiv nutzen undunter anderem alle Teile der Serie„Marketing“ kostenlos nachlesen.Mandantenseminare bieten eine tolle Gelegenheit,sie für seine Mandanten zu Glücksmomentenwerden zu lassen und so dieBeziehung langfristig zu stärken. Wer hierseinen Mandanten Möglichkeiten und Themenzur Fortbildung bietet, hebt sich damitvon seinen Mitbewerbern ab. Allerdings istes oft schwierig, gute Seminarthemen zufinden – und zwar fernab vom Steuerrecht.„Softe“ Seminarthemen führen zuausgezeichneten RückmeldungenHohe Rückmeldungen vonseiten der Mandantenverzeichnen zurzeit Anbieter vonSeminaren und Workshops mit „soften“ Themenwie beispielsweise „Work-Life-Balance“,„Social Skills“ oder „Mind-Management“: beisolchen Veranstaltungen wird den Teilnehmernweniger Fachwissen vermittelt – vielmehrwerden ihnen Ansätze und Ideen zumehr Gleichgewicht im Privat- und Berufslebenmit auf den Weg gegeben. Wer es schafft,seinen Mandanten damit ein Aha-Erlebnis zubieten, wird sich besser in dessen Hinterkopfpositionieren.Eine Mandantenveranstaltung bietet sichauch hervorragend dazu an, die eigenenMitarbeiter einzubinden: Sie sind die Spezialistenund haben engen Kontakt zu IhrenMandanten. Mit einem gemeinsamen Mandanten-/Mitarbeiter-Seminarlässt sich dabeiein angenehmer Rahmen zur Beziehungspflegeschaffen.Im Übrigen ist es ohnehin schwer, interessanteThemen für Mitarbeiter zu finden. Hierspricht also nichts dagegen, eine Seminareinladungauch an die Mitarbeiter auszusprechen:Das kommt gut an und motiviert.Perfekte Vorbereitung undadäquates Budget notwendigUm einen Workshop mit Niveau und gutemInhalt auf die Beine zu stellen, bedarf eseiner perfekten Vorbereitung und einesadäquaten Budgets, um etwa hochkarätigeVortragende zu engagieren. Hinzukommt einstilvolles Ambiente.Wer für eine Veranstaltung ein eher moderatesBudget einplant, für den könnte es interessantsein, mit einem Branchenkollegenzusammenzuarbeiten: Die Veranstaltungwird gemeinsam geplant und durchgeführt,wodurch der Aufwand im überschaubarenRahmen bleibt. Will man diese Möglichkeitnicht nutzen, finden sich vielleicht perfekteKooperationspartner unter den Rechtsanwälten,die mit Ihrer Kanzlei vertrauensvollzusammenarbeiten.Mandanten sind anspruchsvoll, sowohl inBezug auf die Qualität der gekauften Leistungals auch in Hinblick auf die Individualität derBetreuung. Durch ein Mandantenseminarwird dieser Wunsch nach etwas Besonderemerfüllt und die Beziehung gestärkt. Zudemschlägt sich eine starke Bindung des Mandantenan seinen Steuerberater nicht nur imUmsatz von heute nieder, sondern auch ineiner Mandantenempfehlung von morgen. Jezufriedener der Mandant nämlich ist, umsoeher wird er „seinen“ Steuerberater als gutenTipp an seine Geschäftsfreunde weitergeben.Genau hier schlägt jedes Steuerberaterherzhöher. Was gibt es Schöneres, als weiterempfohlenzu werden?Gleichgültigkeit häufig Grund,sich vom Steuerberater zu trennenMandantenempfehlungen fallen in vielenFällen auf fruchtbaren Boden, was eine Zahlaus der jüngsten Atikon-Umfrage ergebenhat: Demnach fühlen sich 70 Prozent derMandanten, die sich von ihrem Steuerberatertrennen, gleichgültig behandelt.Vor diesem Hintergrund sollte man sichverstärkt um seine Bestandsmandantenkümmern und ihnen Seminare anbieten,von denen sie möglichst stark profitieren.So entstehen Aha-Erlebnisse bei den Mandanten:sie fühlen sich umsorgt und gut inihrer Steuerkanzlei aufgehoben. Damit schaffenSie die Basis dafür, dass Mandanten ihreKanzlei weiterempfehlen.Erstellen Sie am besten noch heute einenSeminarplan, informieren Sie Ihre Mandantenund Mitarbeiter und legen Sie damitden Grundstein für etwas ganz Besonderes:Glücksmomente in der Beziehung zwischenSteuerkanzlei und Mandanten.MarkusDanningerist Geschäftsführer derAtikon Marketing &Werbung im oberösterreichischenLeonding.Atikon hat sich aufdas Marketing und dieHomepagegestaltungfür Steuerberaterspezialisiert. E-Mail: markus.danninger@atikon.com, www.atikon.com56 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


Merkwürdigkeiten der SteuerberatungKanzlei & PersönlichesÜbersteuertStB/WP Harald Elster,Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandse. V. (DStV), BerlinHaftungsfalle ELSTER:Bürokratie – Wahnsinn für KanzleienSpätestens nach dem jüngsten Urteil des Bundesfinanzhofs(BFH, Az. III R 12/12) kann dem Steuerberater die elektronischeÜbermittlung von Steuererklärungen zum Verhängnis werden:Den Steuerberater trifft ein grobes Verschulden am nachträglichenBekanntwerden von Tatsachen, wenn er dem Steuerpflichtigennur das komprimierte Formular zur Überprüfung aushändigt,ohne vorher den vollständigen Sachverhalt ermitteltzu haben. In dem zu entscheidenden Fall konnte der in derkomprimierten Steuererklärung unberücksichtigt gebliebeneSachverhalt nachträglich nicht mehr berücksichtigt werden.Der Steuerpflichtige blieb so auf der zu hohen Steuerlast sitzen.Die zunehmende elektronische Kommunikation ist zu befürworten,da sie allen Beteiligten das Verfahren generell erleichternsoll. Dieses Urteil bestätigt jedoch, dass die seit der Einführungder elektronischen Steuererklärung kritisierten Nachteilein nicht hinnehmbarer Weise auf die Steuerberaterschaftabgewälzt werden. Gewollter Bürokratieabbau wird so zumBürokratie-Wahnsinn für die Kanzleien. Um Risiken einzudämmen,muss die Steuerberaterschaft gerade nach diesem Urteildie alten Papiervordrucke wieder bemühen. Nur deren Aushändigungan den Mandanten sowie eine Freigabe der erklärtenDaten durch die Unterzeichnung des kompletten Ausdrucksschützen nach diesem Urteil des Bundesfinanzhofs den Beratervor Haftungsrisiken.Auch wird die Arbeit in den Kanzleien nach wie vor durch dieNachforderungen von Papierbelegen seitens der Finanzverwaltungstrapaziert und verursacht unnötigen bürokratischenMehraufwand. Wünschenswert sind ein bundesweit geltenderLeitfaden, in dem der Umfang der einzureichenden Belege mitAugenmaß bestimmt wird, sowie auch die elektronische Übertragbarkeitder Belege.Reiner Holznagel, Präsident des Bundesder Steuerzahler e. V., BerlinSolidaritätszuschlagerneut in der ÜberprüfungNach dem erneuten Vorlagebeschluss des NiedersächsischenFinanzgerichts muss das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeitdes Solidaritätszuschlags erneut prüfen. Ausgangsfallist ein Musterverfahren des Bundes der Steuerzahler.Das Niedersächsische Finanzgericht hält den Solidaritätszuschlagfür verfassungswidrig, weil gleichgelagerte Sachverhalteungleich behandelt werden. Dies stellt einen Verstoß gegenArt. 3 GG dar. Das Gericht zeigt dies an einem Arbeitnehmerfallauf. Im Beispielsfall leben beide Arbeitnehmer in Deutschland,sind beim selben Arbeitgeber tätig und erzielen gleich hoheEinkünfte. Der Unterschied besteht darin, dass der eine Arbeitnehmerin Deutschland und der andere nur wenige Meter überder Grenze in einer Zweigstelle in Liechtenstein arbeitet. Durchdie Anrechnung der in Liechtenstein gezahlten Einkommensteuermindert sich die Bemessungsgrundlage für die deutscheEinkommensteuer, was wiederum zu einer niedrigeren Festsetzungdes Solidaritätszuschlags führt. Dies ist sachlich aus Sichtdes Gerichts nicht zu rechtfertigen.Der Soli ist kein Spielball der Politiker und er darf auch nicht fürdie Ewigkeit festgezurrt werden. Deshalb wäre es gut, wenn dieobersten Richter einen Abbaupfad vorgeben würden.www.steuer-consultant.de 9 _ 13 SteuerConsultant 57


IMPRESSUMVORSCHAUOktober 2013> Die Ausgabe 10/2013 erscheint am 4.10.2013ISSN 1866-8690, 6. JahrgangZitiervorschlag: StC 2013, H 4, S. 34.Verlag:Haufe-Lexware GmbH & Co. KGMunzinger Straße 9D-79111 FreiburgVerlagsleitung: Reiner StraubTel. 0761 898-0www.haufe.de, www.steuer-consultant.deRedaktion:RAin/FAStR Anke Kolb-Leistner(Chefredakteurin), Tel. -3213, Fax -99-3213E-Mail: anke.kolb-leistner@haufe-lexware.comRüdiger Frisch (Chef vom Dienst),Tel. -3214, Fax -99-3214E-Mail: ruediger.frisch@haufe-lexware.comFreie Mitarbeiter:Prof. Dr. Claudia Ossola-HaringE-Mail: claudia.ossola-haring@haufe-lexware.comManfred Ries (Chefreporter)E-Mail: manfred.ries@haufe-lexware.comRedaktionsassistenz:Brigitte Pelka, Tel. 0761 898-3921,Fax -99-3921, Sabine Schmieder,Tel. 0761 898-3032, Fax -99-3032,E-Mail: redaktion@steuer-consultant.deAutoren dieser Ausgabe:Gerhard Bruschke, Josef Clahsen, Dr. UlrikeFelger, Yvonne Göpfert, RA Bernd Guntermann,RA Johannes Höring, Dirk Kunde,RA Dr. Stefan Lammel, Horst Marburger,RA Jan Henning Martens, Eva-MariaNeuthinger, Dr. Jörg RichterGrafik/Layout:Hanjo TewsDruck:Firmengruppe Appl,Echter Druck, WürzburgMitglied der Informationsgemeinschaftzur Feststellung der Verbreitungvon Werbeträgern e.V. (IVW)Anzeigen-Verkauf:Anzeigen-Verkauf:Markus Lutz (Anzeigenleitung)Tel. 0931 2791-677markus.lutz@haufe-lexware.comThomas Horejsi, Tel. 0931 2791-451thomas.horejsi@haufe-lexware.comTobias Schmid, Tel. 0931 2791-753tobias.schmid@haufe-lexware.comDavid Zenetti, Tel. 0931 2791-752david.zenetti@haufe-lexware.comYvonne Göbel (Anzeigendisposition)Tel. 0931 2791-470, Fax -477anzeigen@steuer-consultant.deErscheinungsweise:11 x im JahrAbo-Service:Haufe Service Center GmbHPostfach, 79091 FreiburgTelefon 0800 7234253 (kostenlos),Fax 0800 5050446 (kostenlos),E-Mail: zeitschriften@haufe.deBezugspreis:Inland: 208 Euro(MwSt. und Versand inklusive)Für Mitglieder des SteuerberaterverbandsNiedersachsen Sachsen-Anhalt e.V. ist derBezug mit der Zahlung ihres Mitgliedsbeitragsabgegolten.Bezieher der Steuerrechtsdatenbank„Haufe Steuer Office ProfessionalKanzlei Edition“ erhalten SteuerConsultantim Rahmen ihres Abonnements.In den mit Namen versehenen Beiträgen wirddie Meinung der Autoren wiedergegeben.Nachdruck und Speicherung in elektronischenMedien nur mit aus drück licherGenehmigung des Verlags und unter vollerQuellenangabe. Für eingesandte Manuskripteund Bild materialien, die nicht ausdrücklichangefordert wurden, übernimmtder Verlag keine Haftung.»»WeitereTopthemaBesteuerung von FirmenwagenHäufig wird einem Arbeitnehmer zusätzlich zum vereinbartenLohn ein Firmenwagen zur privaten Nutzung zur Verfügunggestellt. Den hieraus erwachsenden geldwerten Vorteil hat derArbeitnehmer als Sachbezug zu versteuern. In der jüngeren Vergangenheitgab es Bewegung in Bezug auf die Ermittlung undBesteuerung des geldwerten Vorteils.ThemenStillhalterprämienDer Bundesfinanzhof hat sich mit der Körperschaftsteuerpflichtvon Stillhalterprämien aus Optionsgeschäften im Zusammenhangmit Anteilsankäufen und Anteilsverkäufen auseinandergesetzt.SelbstanzeigeVerschiedentlich vertreten BuStra-Stellen und Staatsanwaltschaften,dass eine Selbstanzeige in den Schweiz-Fällen gar keinestrafbefreiende Wirkung hat, da durch den CD-Ankauf die Tatenentdeckt seien. Es gibt jedoch auch Gegenargumente.Altersgerechte ImmobilienFachleuten zufolge gibt es in Deutschland in den kommenden Jahrenzu wenig altersgerechte Wohnmöglichkeiten. Künftig Betroffeneund Investoren können in altersgerechte Immobilien investieren.BusinessangelsMandanten, die eine gute Geschäftsidee haben, können ihr Vorhabenoft nicht über die Bank finanzieren. Vermögende Geldgeber,sogenannte Businessangels, könnten hier eine Alternative sein.58 SteuerConsultant 9 _ 13 www.steuer-consultant.de


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