Januar 2013 Liahona - Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten ...

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Januar 2013 Liahona - Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten ...

KIRCHE JESU CHRISTI DER HEILIGEN DER LETZTEN TAGE • JANUAR 2013Inspirierendesaus dem Lebenund den Lehren vonPräsident Lorenzo Snow, Seite 12, 18Auf der Suche nach Weisheit, Seite 20Hausaufgaben und deine Missionim Leben, Seite 54Konnten wir jemals Freundinnen sein? Seite 58


„Verglichenmit Gott istder Menschnichts, unddoch bedeutenwirGott alles.“Präsident DieterF. Uchtdorf, ZweiterRatgeber in derErsten Präsidentschaft,„Sie sind dem Herrnwichtig“, Liahona,November 2011,Seite 20


Liahona, Januar 201332BOTSCHAFTEN4 Botschaft von derErsten Präsidentschaft:Die Stimme des HerrnPräsident Henry B. Eyring7 Besuchslehrbotschaft:MissionsarbeitBEITRÄGE FÜRDIESEN MONAT12 Saure Gurken, Rüben und einZeugnis: Inspirierendes ausdem Leben und den Lehrenvon Lorenzo SnowAaron L. WestEinleitung zum diesjährigenLeitfaden für das MelchisedekischePriestertum und die FHV20 Ehrfurcht gegenüber Gottist die Quelle aller WeisheitElder Neil L. Andersen28 Sinnvoller Unterrichtzu HauseDarren E. SchmidtVier Möglichkeiten, wie wirunseren Kindern wichtige Lektionenfürs Lebens beibringen32 Junge Frauenund die Entscheidung,auf Mission zu gehenJunge Frauen haben denprophetischen Rat zum ThemaVollzeitmission umgesetzt.36 Welche Mission ist die beste?Wie die Verhältnisse auch seinmögen – für ältere Mitgliedergibt es immer Möglichkeiten,eine Mission zu erfüllen.WEITERE RUBRIKEN8 Notizen zurHerbst-Generalkonferenz10 Wir sprechen von Christus:Ausreichend heilMichele Reyes31 Aus der BroschüreFür eine starke Jugend:Vom Wert der Bildung38 Stimmen von Heiligender Letzten Tage74 Nachrichten der Kirche79 Anregungen für denFamilienabend80 Bis aufs Wiedersehen:Wegen fünf Minuten!Christopher J. SmithUMSCHLAGBILDVorderseite: Abdruck des Fotos von PräsidentLorenzo Snow von C. R. Savage mit freundlicherGenehmigung der L. Tom Perry SpecialCollections, Harold B. Lee Library, Brigham-Young-Universität; Abdruck des Rahmens mitfreundlicher Genehmigung der Kongressbibliothek,Washington, D.C.; Rückseite: Gemäldevon John Willard Clawson © IRI. Umschlaginnenseitevorn: Foto von Andrey Shumilin.Januar 2013 1


JUNGE ERWACHSENE544242 Glaube, Hoffnungund BeziehungenElder Michael T. RingwoodDiese drei Bausteine desGlaubens helfen beim Werben umden zukünftigen Ehepartner undbeim Entschluss, zu heiraten.JUGENDLICHE18 Lerne Lorenzo Snow kennenChristopher D. FosseInteressantes und Motivierendesüber Präsident Snow46 Geben wir das BuchMormon weiter!Elder Juan A. UcedaWer seinen Freunden ein BuchMormon gibt, kann wunderbareBekehrungsgeschichten erleben.49 Zeile um Zeile: Lehreund Bündnisse 87:8Der Leitgedanke sagt uns,wo wir stehen müssen, umin Sicherheit zu sein50 Leitgedanke für 2013Die Präsidentschaften der JungenMänner und der Jungen DamenGedanken dazu, wie wir anheiligen Stätten stehen können52 Was Agung beim Badmintongelernt hatAdam C. OlsonHoffnung hilft im Alltag54 Für eine starke Jugend:Bildung und AusbildungElder Craig A. Cardon56 Hör nicht auf zu übenWillis JensenIch hätte nie erwartet, dass dieKlavierstunden mir eines Tageshelfen würden, den Geist zuverspüren.57 Poster: An heiligenStätten stehen58 Das Gute in KylieKarinne StaceyMeine Mutter meinte, einMädchen, das in der Schuleandere schikaniert, braucheeine Freundin.KINDER59 Besondere Zeugen: Wie kannich ein Zeugnis erlangen?Elder Robert D. Hales60 Ein Plan für unsere FamilieMarissa WiddisonAls Levis kleine Schwesterviel zu früh geboren wurde,brauchte sie Gebete und einenPriestertumssegen.62 Auf den Spuren derPioniere: Zwei Häuser,in denen Joseph Smithgewohnt hatJan Pinborough64 Geschichten von Jesus: JesusChristus und die erste Vision65 Unsere Seite66 Zum Vorlesen bereitMerillee BoorenFreundschaft und Güte halfenMary, ihre Angst zu besiegen68 Die PV bei dir zu Hause:Der Vater im Himmel liebtmich und er hat einen Planfür mich70 Für kleinere Kinder81 Porträt eines Propheten:Joseph Smith66Suche den Liahona,der in dieser Ausgabeversteckt ist. Hinweis:„Wie kann ich erlangen“?


JANUAR 2013, 139. JAHRGANG, NR. 1LIAHONA 10781 150Internationale Zeitschrift der Kirche Jesu Christider Heiligen der Letzten TageErste Präsidentschaft: Thomas S. Monson, Henry B. Eyring,Dieter F. UchtdorfKollegium der Zwölf Apostel: Boyd K. Packer, L. Tom Perry,Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard, RichardG. Scott, Robert D. Hales, Jeffrey R. Holland, David A. Bednar,Quentin L. Cook, D. Todd Christofferson, Neil L. AndersenEditor: Craig A. CardonBerater des Editors: Shayne M. Bowen, Bradley D. Foster,Christoffel Golden Jr., Anthony D. PerkinsManaging Director: David T. WarnerDirektor für Support von Familien und Mitgliedern:Vincent A. VaughnDirektor der Zeitschriften der Kirche: Allan R. LoyborgBusiness Manager: Garff CannonManaging Editor: R. Val JohnsonAssistant Managing Editor: LaRene Porter GauntPublikationsassistentin: Melissa ZentenoRedaktionsteam: Susan Barrett, Ryan Carr, David Dickson,David A. Edwards, Matthew D. Flitton, Mindy Raye Friedman,Hikari Loftus, Lia McClanahan, Michael R. Morris, RichardM. Romney, Paul VanDenBerghe, Julia WoodburyManaging Art Director: J. Scott KnudsenArt Director: Tadd R. PetersonDesignteam: Jeanette Andrews, Fay P. Andrus, C. KimballBott, Thomas Child, Kerry Lynn C. Herrin, Colleen Hinckley,Eric P. Johnsen, Scott M. Mooy, Brad TeareBeauftragte für Urheberschutz: Collette Nebeker AuneProduction Manager: Jane Ann PetersProduktionsteam: Connie Bowthorpe Bridge, HowardG. Brown, Julie Burdett, Bryan W. Gygi, Kathleen Howard,Denise Kirby, Ginny J. Nilson, Ty Pilcher, Gayle Tate RaffertyPrepress: Jeff L. MartinLeiter Druck: Craig K. SedgwickLeiter Vertrieb: Evan LarsenÜbersetzung: Axel GomannLokalteil: Siehe Impressum Regionale UmschauDeutschland und Österreich – SchweizVertrieb:Corporation of the Presiding Bishop of The Church ofJesus Christ of Latter-day Saints, Steinmühlstraße 16,61352 Bad Homburg v. d. Höhe, DeutschlandTel.: 00800-2950-2950 (gebührenfrei)oder 49-6172-4928-33/34E-Mail: orderseu@ldschurch.org; online: store.lds.orgJahresabonnement:EUR 7,50; CHF 11,10Überweisung auf folgendes Konto: Commerzbank AG,Kontonr.: 07 323 712 00, BLZ 500 800 00Verwendungszweck: Abo-Nr. + Name + GemeindeBei Einzahlungen aus Österreich und der Schweiz zusätzlich:SWIFT: DRES DE FFIBAN: DE42 5008 0000 073237 1200Adressänderungen bitte einen Monat im Voraus melden.Manuskripte und Anfragen bitte online an liahona.lds.org oder per Post an: Liahona, Room 2420, 50 East NorthTemple Street, Salt Lake City, UT 84150-0024, USA, oderper E-Mail an: liahona@ldschurch.org.Der Liahona (ein Begriff aus dem Buch Mormon, der„Kompass“ oder „Wegweiser“ bedeutet) erscheint aufAlbanisch, Armenisch, Bislama, Bulgarisch, Cebuano, Chinesisch,Chinesisch (vereinfacht), Dänisch, Deutsch, Englisch,Estnisch, Fidschi, Finnisch, Französisch, Griechisch, Indonesisch,Isländisch, Italienisch, Japanisch, Kambodschanisch, Kiribati,Koreanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Madagassisch,Marshallesisch, Mongolisch, Niederländisch, Norwegisch,Polnisch, Por tu giesisch, Rumänisch, Russisch, Samoanisch,Schwedisch, Slowenisch, Spanisch, Tagalog, Tahitianisch,Thai, Tongaisch, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urduund Vietnamesisch (Häufigkeit variiert nach Sprache).© 2013 Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten.Printed in the United States of America.Text- und Bildmaterial im Liahona darf für den gelegentlichen,nichtkommerziellen Gebrauch in Kirche und Familievervielfältigt werden. Bildmaterial darf nicht vervielfältigtwerden, wenn dies aus dem Quellenhinweis entsprechendhervorgeht. Fragen richten Sie bitte an: Intellectual PropertyOffice, 50 East North Temple Street, Salt Lake City, UT 84150,USA, E-Mail: cor-intellectualproperty@ldschurch.org.For Readers in the United States and Canada:January 2013 Vol. 139 No. 1. LIAHONA (USPS 311-480)German (ISSN 1522-9203) is published monthly by The Churchof Jesus Christ of Latter-day Saints, 50 East North Temple, SaltLake City, UT 84150. USA subscription price is $10.00 per year;Canada, $12.00 plus applicable taxes. Periodicals Postage Paidat Salt Lake City, Utah. Sixty days’ notice required for changeof address. Include address label from a recent issue; old andnew address must be included. 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Wenn Sie es vorziehen, den Leitfadenonline zu lesen, finden Sie ihn auf LDS.orgunter der Rubrik „Hilfsmittel“.FÜR JUGENDLICHEAuf Seite 50 legt Elder Craig A. Cardon vonden Siebzigern dar, welchen Einfluss Bildungund Ausbildung auf deinen späteren Lebensweghaben. In der Rubrik For the Strengthof Youth auf youth.lds.org kannst du mehrüber Bildung und Ausbildung erfahren (inenglischer Sprache).IN IHRER SPRACHEDer Liahona und anderes Material der Kirchestehen unter languages.lds.org in vielenSprachen zur Verfügung.Geschichte der Kirche, 12,18, 62Glaube, 42Göttliches Wesen, 68Heiliger Geist, 4Heilung, 10Hoffnung, 42, 52Jesus Christus, 10Leitgedanke für die gemeinsamenAktivitätender JM und JD, 49, 50Missionsarbeit, 7, 32, 36,38, 40, 41, 46Musik, 56Mutterschaft, 10Offenbarung, 32Priestertumssegen, 40, 60Schriftstudium, 28Smith, Joseph, 42, 62,64, 81Snow, Lorenzo, 12, 18Tempel, 65, 70Unterricht, 28Weisheit, 20Widrigkeiten, 10Zeugnis, 39, 46, 59Januar 2013 3


BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFTPräsidentHenry B. EyringErster Ratgeber in derErsten PräsidentschaftDIE STIMME DESHERRNDas Buch Lehre und Bündnisse lädt alle Menschen,wo auch immer sie sich befinden, ein, die Stimmedes Herrn Jesus Christus zu vernehmen (siehe LuB1:2,4,11,34; 25:16). Es steckt voller Botschaften, Warnungenund ermutigender Ermahnungen, die erwählten Prophetendurch Offenbarung von Gott gegeben wurden. Andiesen Offenbarungen lässt sich erkennen, wie Gott einvoller Glaube gesprochenes Gebet mit lehrreichen, beruhigendenund mahnenden Worten erhören kann.Wir beten, um in Erfahrung zu bringen, was Gott vonuns möchte und was wir tun müssen, um in diesem undim nächsten Leben Frieden und Glück zu finden und umherauszufinden, was noch vor uns liegt. Das Buch Lehreund Bündnisse ist voll von Antworten auf genau diese Fragen,wie sie von ganz gewöhnlichen Menschen und vonPropheten in demütigem Gebet gestellt wurden. Es kannein wertvoller Ratgeber sein und uns zeigen, wie man aufFragen zum zeitlichen Wohlergehen und zur ewigen Errettungeine Antwort bekommt.Demut und der Glaube an den Herrn Jesus Christussind dabei ausschlaggebend. Oliver Cowdery erhielt in Bezugauf seinen Wunsch, bei der Übersetzung des BuchesMormon mitzuhelfen, eine Antwort vom Herrn: „Denkedaran: Ohne Glauben kannst du nichts tun; darum bitte imGlauben. Gehe nicht leichtfertig mit all diesem um; bittenicht um das, was du nicht solltest“ (LuB 8:10).Im Buch Lehre und Bündnisse fordert der Herr immerwieder Glauben und Demut, bevor er uns Hilfe gewährt.Ein Grund dafür ist, dass seine Antworten vielleicht nichtin der Weise kommen, wie wir es erwarten würden. Es istauch nicht immer einfach, sie anzunehmen.Die Geschichte der Kirche und die Erfahrungen unsererVorfahren veranschaulichen uns diese Wahrheit. Als meinUrgroßvater Henry Eyring im Jahr 1855 vom wiederhergestelltenEvangelium erfuhr, betete er flehentlich um Erkenntnis,was er machen sollte. Die Antwort erhielt erin einem Traum.Er träumte, er säße mit Elder Erastus Snow vom Kollegiumder Zwölf Apostel und mit einem Ältesten namensWilliam Brown an einem Tisch. Elder Snow sprach, wiees ihm schien, ungefähr eine Stunde lang über die Grundsätzedes Evangeliums. Danach sagte Elder Snow: „Im NamenJesu Christi gebiete ich dir, dich taufen zu lassen, unddieser Mann (Elder Brown) … soll dich taufen.“ 1 MeineFamilie ist so dankbar, dass Henry Eyring den Glaubenund die Demut besaß, eines Morgens um 7:30 Uhr in einemRegenwasserbecken in St. Louis in Missouri von ElderBrown getauft zu werden.Die Antwort auf sein Gebet erfolgte nicht durch eineklar vernehmliche Stimme des Herrn. Sie wurde ihm in einerVision und einem nächtlichen Traum zuteil, so wie dasauch bei Lehi der Fall gewesen war (siehe 1 Nephi 8:2).4 Liahona


Links: In diesemTagebuch schriebHenry Eyring (Fotolinks) die Ereignisseauf, die dem Märtyrertodvon ElderParley P. Pratt (Fotounter dem Foto vonHenry Eyring) folgten.Auf der Tagebuchseitelinks wird derMärtyrertod erwähnt.Unter dem Tagebuchbefindet sich eineAusgabe des BuchesLehre und Bündnisseaus dem Jahr 1890.WIE MANGEDANKEN AUSDIESER BOTSCHAFTVERMITTELT1. Vielleicht möchtenSie die Absätzeüber das Gebet zusammenlesen. BittenSie Ihre Familie, beimLesen darauf zu achten,auf welche WeiseGott Gebete erhört.Vielleicht wollen Sieauch Zeugnis von derBedeutung des Gebetsgeben.2. Das Buch Lehreund Bündnisse stecktvoller Antwortenauf Fragen, die imGebet gestellt wurden.Was wäre, wenn dieAntworten auf dieseFragen (die Offenbarungen)niemalsaufgeschrieben wordenwären? FordernSie Ihre Familie auf,auf Eingebungen desGeistes zu achten undihnen zu folgen. Vielleichtwollen sie ihreGedanken in Bezugauf das Gebet auch imTagebuch festhalten.FOTO VON PARLEY P. PRATT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER CHURCH HISTORY LIBRARY; TAGEBUCH UND FOTO VON HENRY EYRINGMIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER UTAH MARRIOTT LIBRARY SPECIAL COLLECTIONS; FOTO DER GEGENSTÄNDE VON DAVID STOKERDie Antwort kann uns auch in Form einesGefühls zuteilwerden. Im Buch Lehre undBündnisse sagt der Herr zu Oliver Cowdery: „Ja,siehe, ich werde es dir in deinem Verstand undin deinem Herzen durch den Heiligen Geistsagen, der über dich kommen wird und der indeinem Herzen wohnen wird.“ (LuB 8:2.)Und er versichert Oliver: „Habe ich deinemSinn nicht Frieden in dieser Angelegenheit zugesprochen?Welch größeres Zeugnis kannstdu haben als von Gott?“ (LuB 6:23.)Aus dem Buch Lehre und Bündnisse, derGeschichte der Kirche und den Aufzeichnungenvon Henry Eyring von seiner Mission, aufdie er bald nach seiner Taufe berufen wurde,habe ich gelernt, dass Antworten sowohl alswarnende Stimme als auch als friedevollesGefühl kommen können.Im April 1857 nahm Elder Parley P. Pratt vomKollegium der Zwölf Apostel an einer Konferenzim heutigen Oklahoma teil. Henry Eyringschreibt in seinem Tagebuch, dass Elder Pratts„Seele erfüllt war von düsteren Vorahnungen …und er nicht imstande war, die Zukunft oderirgendeinen Ausweg zu erkennen“. 2 Kurz darauferwähnt Henry in seinem Tagebuch die traurigeNachricht vom Märtyrertod des Apostels. ElderPratt hatte seine Reise jedoch auch trotz dieserVorahnung fortgesetzt – genau wie JosephSmith, als er nach Carthage ging.Es ist mein Zeugnis, dass der Herr ein vollerDemut und Glaube gesprochenes Gebetimmer erhört. Aus dem Buch Lehre und Bündnisseund aus eigener Erfahrung lernen wir,wie man Gottes Antwort erkennen und glaubensvollannehmen kann, und zwar in jederForm – ob es sich hierbei um eine Anweisunghandelt, um eine Bestätigung der Wahrheitoder um eine Warnung. Ich bete darum, dassauch wir stets auf die liebevolle Stimme desHerrn hören und sie erkennen. ◼ANMERKUNGEN1. „The Journal of Henry Eyring: 1835–1902“, unveröffentlichtesManuskript im Besitz von Präsident Eyring2. „The Journal of Henry Eyring: 1835–1902“Januar 2013 5


JUGENDLICHEIch hörte auf die EingebungenMaría Isabel MolinaEines Abends lief meine kleineCousine von zu Hause weg, und somachte ich mich gleich auf die Suchenach ihr. Als ich die Straße entlangfuhr,betete ich um den Heiligen Geist. Daich wusste, dass Gott mich erhörenund führen werde, bemühte ich michsehr, auf den Geist zu hören. Als ichaber gar nichts hören konnte, schwandmeine Hoffnung, und ich meinte, vomHeiligen Geist keine Ein gebung zuerhalten.Obwohl ich eigentlich weiter entferntsuchen wollte, hatte ich doch dasGefühl, ich solle in der Nähe des Hausesmeiner Cousine bleiben. Also beschlossich, dort noch eine Runde zu drehen.Als ich an einer Kreuzung anhielt, sahich in der Ferne ein Mädchen gehen. Eswar meine Cousine!Ich stieg aus und lief zu ihr hinüber,und mir wurde klar, dass mir derHeilige Geist die ganze Zeit über dasGefühl gegeben hatte, ich solle in derNähe bleiben. Da ich jedoch davonausgegangen war, er würde mit leiserStimme sprechen, hätte ich dieseEingebung beinahe überhört. Damalswurde mir bewusst, dass wir oftmalskeine Stimme hören, sondern einenEindruck im Herzen verspüren.Ich war wirklich dankbar für dieFührung durch den Heiligen Geist. Erist einfach immer zur Stelle! In der heiligenSchrift heißt es: „Der Heilige Geistwird dein ständiger Begleiter sein.“(LuB 121:46.)Wenn wir würdig sind, durch denGeist geführt zu werden, und wenn wirauf diese Führung achten, können wirein Werkzeug in der Hand Gottes werdenund vielen Menschen Gutes tun.Mit dem Heiligen Geist als ständigemBegleiter kennen wir den Weg, dereinzuschlagen ist.KINDEREin Abenteuer mit dem GebetPräsident Eyring zufolge gibt es viele verschiedeneMöglichkeiten, wie ein Gebet erhört werdenkann. Du kannst ein Abenteuer erleben, wenndu in den Schriften nach einigen dieser Möglichkeitensuchst.Diese Karte hilft dir bei deiner Bildungsreise.Schlage jede Schriftstelle auf, die auf der Karte angegebenist. Schreibe auf die freien Linien ein paarWorte zu dem, was in der Schriftstelle über Antwortenauf das Gebet gesagt wird.Zwischendurch kannst du auch in dein Tagebuchschreiben, was du aus den Schriftstellen lernen kannstund wie deine Gebete schon erhört worden sind.Lehre undBündnisse 6:22,23Sprichwörter 8:10,11Lehre undBündnisse 8:2Johannes 14:26Lehre undBündnisse 9:8,9ILLUSTRATIONEN VON BRYAN BEACH6 Liahona


BESUCHSLEHRBOTSCHAFTFOTO VON MATTHEW REIERBefassen Sie sich gebeterfüllt mit diesem Lesestoff und besprechen Sie ihn mit den Schwestern,die Sie besuchen, wie es Ihnen angebracht erscheint. Überlegen Sie anhand der Fragen, wieSie Ihren Schwestern Kraft geben können und wie Sie die FHV zu einem aktiven Teil Ihres Lebensmachen können. Mehr dazu finden Sie unter www.reliefsociety.lds.org (in englischerSprache).MissionsarbeitDie Mitglieder der Kirche sindausgesandt, um im „Weingarten[des Herrn] für die Errettung derMenschenseelen zu arbeiten“ (LuB138:56). Das schließt die Missionsarbeitmit ein. Wir müssen nicht offiziellauf Mission berufen werden, um mitanderen über das Evangelium sprechenzu können. Wir sind von Menschenumgeben, für die das Evangeliumein Segen wäre, und wenn wiruns bereit machen, kann sich derHerr unserer bedienen. Die Besuchslehrerinnenkönnen ihrer geistigenAufgabe gerecht werden und dabeimitwirken, „die Unsterblichkeit unddas ewige Leben des Menschen zustandezu bringen“ (Mose 1:39).Als der Prophet Joseph Smith 1842die Frauenhilfsvereinigung gründete,sagte er, dass die Frauen nicht nurden Armen helfen, sondern auch Seelenerretten sollen. 1 Dies ist nach wievor unser Ziel.„[Der Herr] betraut … diejenigenmit einem Zeugnis von der Wahrheit,die es an andere weitergeben werden“,sagt Präsident Dieter F. Uchtdorf,Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft.„Ja, der Herr erwartet vonden Mitgliedern seiner Kirche sogar,Was kann ich tun?1. Achte ich, wenn ich den SchwesternZeugnis gebe, auf die Eingebungen desHeiligen Geistes?‚allezeit [ihren] Mund auf[zu]tun und[sein] Evangelium mit dem Ton derFreude [zu] verkündenʻ (LuB 28:16). …Manchmal kann ein einziger Satz, mitdem man Zeugnis gibt, etwas anstoßen,was sich für alle Ewigkeit auf dasLeben eines anderen auswirkt.“ 2Aus den heiligen SchriftenLehre und Bündnisse 1:20-23; 18:15;123:12ANMERKUNGEN1. Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche:Joseph Smith, Seite 5042. Dieter F. Uchtdorf, „Wartende auf demWeg nach Damaskus“, Liahona, Mai 2011,Seite 763. Siehe Die Töchter in meinem Reich: DieGeschichte und das Werk der Frauenhilfsvereinigung,Seite 104ff.2. Inwiefern bin ich den Schwestern,über die ich wache, dabei behilflich,das Evangelium zu lernen?Glaube,Familie,HilfeAus unserer GeschichteWas Olga Kovářová aus derehemaligen Tschechoslowakeierlebt hat, ist in der Geschichteunserer FHV ein gutes Beispielfür Missionsarbeit durch Mitglieder.In den Siebzigerjahrenstudierte Olga Medizin undsehnte sich nach einem geistigerenLeben. Da fiel ihr der75-jährige Otakar Vojkůvka auf,der der Kirche angehörte. „Auchwenn er schon 75 war, kam esmir so vor, als sei er im Herzennicht älter als 18, denn er warvoller Lebensfreude“, sagte sie.„Das war wirklich ungewöhnlich,denn damals herrschte in derTschechoslowakei eine sehr pessimistischeLebenseinstellung.“Olga wollte von Otakar undseiner Familie wissen, woher ihreFreude kam. Durch sie lernte sieweitere Mitglieder der Kirchekennen und erhielt ein BuchMormon. Gespannt las sie es undwurde bald darauf getauft undkonfirmiert. Von da an ging vonOlga inmitten einer Welt derpolitischen Unterdrückung undreligiösen Verfolgung ein positiverEinfluss aus. Sie wurde FHV-Leiterin ihrer kleinen Gemeindeund half mit, Seelen zu erretten,indem sie Menschen zu Christusführte. 3Januar 2013 7


NOTIZEN ZUR HERBST-GENERALKONFERENZ„Was ich, der Herr, gesagt habe, das habe ich gesagt, … sei esdurch meine eigene Stimme oder durch die Stimme meinerKnechte, das ist dasselbe.“ (LuB 1:38)Sie beschäftigen sich mit der Herbst-Generalkonferenz 2012? Diese Seiten(und die Notizen zur Konferenz in künftigen Ausgaben) dienen dem Studiumund der Umsetzung der aktuellen Aussagen der lebenden Propheten undApostel und weiterer Führer der Kirche.GESCHICHTEN VON DER KONFERENZWar es Zufall, dass sichunsere Wege kreuzten?An einem besonders kalten Samstagabendim Winter 1983/84fuhren meine Frau und ich die meh -rere Kilometer lange Strecke insGebirgstal von Midway in Utah, wowir ein Haus haben. Die Temperaturan diesem Abend lag bei minus 24Grad Fahrenheit, das entspricht minus31 Grad Celsius, und wir wollten unsvergewissern, dass mit unserem Hausdort alles in Ordnung war. Wir fandenalles in gutem Zustand vor. Alsomachten wir uns auf den Rückwegnach Salt Lake City. Wir schaffen esgerade mal [ein] paar Kilometer [weit],ehe unser Wagen seinen Dienst versagte.… Wir saßen fest. …Zögerlich machten wir uns zuFuß auf den Weg in den nächstenOrt, während die Autos an unsvorbeizischten. Schließlich hielt einAuto an und ein junger Mann bot unsHilfe an. … Der nette junge Mannfuhr uns zurück zu unserem Haus inMidway. Ich wollte ihm … Geld in dieHand drücken, [aber] er meinte, er seiein Pfadfinder und wolle eine guteTat vollbringen. Ich sagte ihm, wer ichwar, und er erwiderte, es sei ihm eineEhre gewesen, uns zu helfen. Da ichannahm, dass er sich ungefähr im Alterfür eine Mission befand, fragte ich ihn,ob er vorhabe, auf Mission zu gehen.Er deutete an, dass er sich nicht ganzsicher sei, was er zu tun beabsichtigte.Am darauffolgenden Montagmorgenschrieb ich diesem jungen Manneinen Brief und bedankte mich dafür,dass er so freundlich gewesen war.Ich ermunterte ihn auch, eine Vollzeitmissionzu erfüllen. …Etwa eine Woche danach rief michdie Mutter des jungen Mannes an underzählte mir, dass ihr Sohn ein ganzfeiner Junge sei, aber wegen gewisserEinflüsse in seinem Leben seinlanggehegter Wunsch, auf Mission zugehen, nicht mehr so ausgeprägt sei.Sie sagte, dass sie mit ihrem Mann darumgefastet und gebetet habe, dasser eine Herzenswandlung erfährt. …[Sie] wollte mir sagen, dass sie in denEreignissen an jenem kalten Abenddie Antwort auf ihre Gebete für ihrenJungen sah. Ich antwortete: „Ich binda ganz Ihrer Meinung.“Es gingen noch einige Monate insLand und ich hatte weiterhin Kontaktmit dem jungen Mann. Dann hattenmeine Frau und ich die große Freude,seiner Verabschiedung beizuwohnen,ehe er in die Kanada-Mission Vancouverabreiste.War es Zufall, dass sich unsereWege an diesem kalten Dezemberabendkreuzten? Daran glaube ich keinenAugenblick! Vielmehr glaube ich,dass durch unser Zusammentreffendie aufrichtigen Gebete einer Mutterund eines Vaters für den Sohn, derihnen teuer war, erhört worden waren.Präsident Thomas S. Monson, „Denken Sie an dieSegnungen“, Liahona, November 2012, Seite 88Fragen zum Nachdenken• Wie stärkt eine Mission Sie unddiejenigen, die Sie unterweisen?• Wie können Sie sich auf eineMission vorbereiten?Vielleicht möchten Sie Ihre Gedankenin einem Tagebuch festhaltenoder mit anderen darüber sprechen.Weitere Quellen zu diesem Thema: Verkündetmein Evangelium! – eine Anleitung für denMissionsdienst, 2004; Russell M. Nelson, „FragenSie die Missionare! Sie können Ihnen helfen!“,Liahona, November 2012, Seite 18–218 Liahona


ProphetischeVerheißungen„Der Vater im Himmel weiß, was wirbrauchen, und hilft uns, wenn wir ihnum Beistand anrufen. Ich glaube, dasskeines unserer Anliegen zu klein oderzu unbedeutend ist. Der Herr hat jedeEinzelheit unseres Lebens im Blick.“Präsident Thomas S. Monson, „Denken Sie an dieSegnungen“, Liahona, November 2012, Seite 88ÄNDERUNG DES MINDESTALTERS FÜR MISSIONAREBei der Herbst-Generalkonferenz2012 hat Präsident ThomasS. Monson angekündigt: „Alle würdigenund fähigen jungen Männer,die ihren Schulabschluss oder etwasVergleichbares in der Tasche haben,[werden] die Möglichkeit haben …,ab dem Alter von 18 Jahren für denMissionsdienst empfohlen zu werden,anstatt ab 19 Jahren. … Fähige, würdigejunge Frauen, die auf Missiongehen möchten, [können] ab demAlter von 19 Jahren anstatt ab 21Jahren für eine Mission empfohlenwerden.“ („Willkommen zur Konferenz!“,Liahona, November 2012,Seite 4f.)LERNECKEEinander ergänzende Aussagenzum Thema wahre BekehrungFOTOS VON MICHAEL GOIMARAC UND CHRISTINA SMITHBei der Generalkonferenz werdendie wichtigsten Themen manchmalvon mehreren Sprechern aufgegriffen.Hier stehen vier Aussagenzu wahrer Bekehrung. Achten Siebeim Lesen der Konferenzansprachenauf weitere Äußerungen zu diesemThema.• „[Zu] wahre[r] Bekehrung …gehört auch der feste Entschluss,ein Jünger Christi zu werden.“ 1– Elder David A. Bednar vomKollegium der Zwölf Apostel• „Bei der Taufe versprechenwir, ,den Namen [ Jesu] Christiauf [uns zu nehmen,] mit derEntschlossenheit, ihm bis ansEnde zu dienen.‘ [Moroni 6:3;Hervorhebung hinzugefügt.]So ein Bund erfordert tapferesBemühen, Hingabe und Redlichkeit.“2 – Elder QuentinL. Cook vom Kollegium derZwölf Apostel• „Wir folgen unserem ErlöserJesus Christus nach. So bekehrtund dabei selbstsicher zu sein,ist das Ergebnis eifriger undwohlüberlegter Bemühungen.Es ist eine Sache des Einzelnen.Es ist ein lebenslanger Prozess.“ 3– Ann M. Dibb, Zweite Ratgeberinin der Präsidentschaft derJungen Damen• „Nur wenn unser Zeugnis überdas, was wir mit dem Verstanderfassen, hinausgeht und sichuns tief ins Herz eingräbt, wirdunser Beweggrund, warumwir lieben und dienen, demdes Erretters gleich werden.“ 4– Elder M. Russell Ballard vomKollegium der Zwölf ApostelANMERKUNGEN1. David A. Bednar, „Zum Herrn bekehrt“,Liahona, November 2012, Seite 1072. Quentin L. Cook, „Ist euch auch jetztdanach zumute?“, Liahona, November 2012,Seite 93. Ann M. Dibb, „Ich weiß es. Ich lebe es. Esbedeutet mir viel.“, Liahona, November2012, Seite 104. M. Russell Ballard, „Widmen wir uns eifrigeiner guten Sache“, Liahona, November2012, Seite 30Die Ansprachen von derGeneralkonferenz kann manauf conference.lds.org lesen,sehen und anhören.Januar 2013 9


WIR SPRECHEN VON CHRISTUSAUSREICHEND HEILMichele ReyesWie sollte ich, die Einarmige, Windeln wechseln, Essen kochen oder meine Kinder trösten können?Mit 17 verlor ich bei einem Autounfallden größten Teil meineslinken Arms. Dadurch sollte sichmein Leben für immer ändern. Trotzschwieriger Tage und beschwerlicherAugenblicke habe ich durch diesesläuternde Feuer die Macht des Sühnopfershöchstpersönlich erlebt.Mein Leben dreht sich derzeiteinzig und allein darum, Ehefrau undMutter zu sein, und diesen beidenAufgaben komme ich mit ganzemHerzen nach. Doch bevor meine Kinderzur Welt kamen, habe ich meineEignung zur Mutterschaft hinterfragt.Wie sollte ich, die Einarmige, Windelnwechseln, Essen kochen oder meineKinder trösten können? FünfzehnJahre später bin ich – mit fünf liebenKindern – mittendrin im Muttersein.Ich komme gut damit zurecht, undmeine Kinder bemerken kaum, dassich anders bin als andere Mütter.Mein fehlender Arm ist kein Hindernismehr, er ist vielmehr ein Symbolder Liebe. Für meine Kinder ist eströstlich, wenn sie sich – abends beimEinschlafen oder wenn sie weinen– an dem Stumpf festhalten können.Diese Anhänglichkeit mag verschiedeneUrsachen haben, doch für michist sie ein Beweis dafür, dass der Heilandauch etwas Tragisches in etwasGutes verwandeln kann.Ich kann gar nicht beschreiben,wie schön es ist, dass dieser Teil vonmir meinen Kindern solchen Trostbieten kann. Die Mutterschaft hatmeine Einstellung zu meiner körperlichenBenachteiligung verändert, undich spüre, wie das Sühnopfer schonbegonnen hat, mich zu heilen.Die täglichen Anforderungen aneine Mutter erweisen sich hin undwieder als schwierig. Schwere Zeitensind für mich ein Anlass, über dieTatsache der Auferstehung nachzudenkenund über die Fähigkeit desErlösers, mich zu heilen. Die glaubensstärkendenBerichte, wie ChristusMenschen geheilt hat, sind aus diesemGrund für mich von besondererBedeutung. Wie der Heiland dieMenschen auf dem amerikanischenKontinent besucht und ihre Krankenheilt, gehört zu meinen Lieblingsstellen.Ich habe mir vorgestellt, wie eswohl gewesen sein mag, zu denen zugehören, die vom Erlöser geheilt wurden.Der Bericht beginnt mit seinerliebevollen Aufforderung:„Habt ihr welche unter euch, diekrank sind? Bringt sie her. Habt ihr welche,die lahm sind oder blind oder hinkendoder verkrüppelt … oder die inirgendeiner Weise bedrängt sind? Bringtsie her, und ich werde sie heilen, dennich habe Mitleid mit euch; mein Inneresist von Barmherzigkeit erfüllt. …KRAFT, UM MIT IHRERHERAUSFORDERUNG ZU LEBEN„Machen Sie sich bewusst, dass manch eine Herausforderungnicht hier auf Erden gelöst wird. Paulus flehtedreimal, dass der Stachel in seinem Fleisch entferntwerde. Der Herr erwiderte einfach: ‚Meine Gnade genügtdirʻ (2 Korinther 12:7,9). … Er gab Paulus die Kraft, einenAusgleich zu finden, sodass er ein sinnerfülltes Leben führen konnte.[Jesus] möchte, dass Sie erfahren, wie Sie Heilung finden können, wenndas sein Wille ist, und wie Sie Kraft bekommen können, mit Ihren Herausforderungenzu leben, wenn er diese zu einem Werkzeug Ihres Wachstumsmachen will. Der Erlöser wird Sie in jedem Fall unterstützen.“Elder Richard G. Scott vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Heilung finden“, Der Stern,Juli 1994, Seite 610 Liahona


OBEN: FOTO VON ROBERT CASEYDenn ich sehe, dass ihr genügend Glaubenhabt, sodass ich euch heilen kann. …Als er so geredet hatte, ging die ganzeMenge einmütig hin, mit ihren Kranken undihren Bedrängten und ihren Lahmen und mitihren Blinden und mit ihren Stummen und mitall denen, die auf irgendeine Weise bedrängtwaren; und er heilte sie, jeden Einzelnen.“(3 Nephi 17:7-9.)Dieses Ereignis zählt für mich zu den bewegendstenin den heiligen Schriften. Dochmeine Sichtweise hat sich verändert, seit ichdie Mutterschaft mit einem Arm bereitwillig aufmich genommen habe. Früher dachte ich, ichgehöre wohl zu den Menschen, die sich ammeisten auf die Auferstehung freuen und aufdie Vorstellung, heil gemacht zu werden. Dochjetzt habe ich es nicht mehr so eilig. Ich merkeimmer mehr, wie das Sühnopfer schon jetzt inmeinem Leben wirkt. Ich habe erkannt, dassdie heilende Kraft nicht erst bei der Auferstehungwirksam werden muss. Das Heil-Werdenhat bereits begonnen, und zwar an jedemAbend, wenn eines meiner Kinder zärtlich dashält, was mir von meinem Arm geblieben ist,und allmählich einschläft. Diese Erkenntnis warfür mich ebenso bedeutsam, wie es eine wundersamekörperliche Heilung gewesen wäre.In meinen Augen bin ich derzeit so heil, wieich sein muss. ◼Mein fehlenderArm ist keinHindernismehr, sondernein Sinnbildfür Liebe. Erist für meineKinder eineQuelle des Trostes,denn beimEinschlafenoder wenn sieweinen, haltensie sich an demStumpf fest.WARUM PASSIERT DAS GERADE MIR?Elder Ronald A. Rasband von der Präsidentschaftder Siebziger ist in seiner Ansprache „BesondereLektionen“ auf der Frühjahrs-Generalkonferenz2012 auf diese Frage eingegangen.„Durch dieses Leben bereiten wir uns auf dieewige Erhöhung vor, und dies bringt Prüfungenmit sich. Das war schon immer so und keinerbleibt davon verschont.Dass wir auf Gottes Willen vertrauen, ist einwesentlicher Aspekt des Erdenlebens. Wenn wiran ihn glauben, können wir die Macht des SühnopfersJesu Christi zu Zeiten in Anspruch nehmen,da sich Fragen häufen und es nur wenigeAntworten gibt. …Auch wenn wir Prüfungen, Widrigkeiten,Behinderungen, Kummer und alle Arten vonBedrängnissen durchmachen müssen, ist dereinfühlsame, liebevolle Heiland stets für uns da.Er hat verheißen:‚Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,sondern ich komme wieder zu euch. … MeinenFrieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wiedie Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhigesich nicht und verzage nicht.ʻ (Johannes14:1-3, 27.)“Auf welche Weise können Sie in Ihren Prüfungennach Trost und Frieden vom Erlöser streben?Januar 2013 11


Aaron L. WestRedakteur derAbteilung LehrplanSaure Gurken, Rübenund ein Zeugnis:INSPIRIERENDES AUS DEM LEBEN UNDDEN LEHREN VON LORENZO SNOWLINKS: HINTERGRUND © ARTBEATS; PORTRÄT VON JOHN WILLARD CLAWSON © IRI; RECHTS: FOTO VON ROBERT CASEYWenn Sie sich dieses Jahr mit denLehren von Präsident LorenzoSnow befassen, werden Sie ihn alsPropheten, Seher und Offenbarerkennenlernen, dessen Worte auchheute noch bemerkenswert vielGültigkeit haben.Wer schon einmal ein Porträt vonLorenzo Snow, dem fünften Präsidentender Kirche Jesu Christider Heiligen der Letzten Tage, gesehen hat,wird vielleicht seinen langen weißen Bart undseinen liebevollen Gesichtsausdruck bemerkthaben. Und wenn Sie sich ein paar MinutenZeit nehmen, sein Porträt genauer zu betrachten,fallen Ihnen wahrscheinlich auch dieAugen von Präsident Snow auf – müde zwar,aber nicht matt, alt zwar, aber voller Energieund Licht.Vielleicht wissen Sie auch, dass PräsidentSnow die Eingebung erhalten hatte, über denZehnten zu sprechen, und möglicherweisehaben Sie schon einmal etwas über jenesheilige Erlebnis gelesen, das er im Salt-Lake-Tempel hatte.Aber wissen Sie, warum es überhaupt zudiesem Erlebnis gekommen ist und was dieFolge davon war? Wollen Sie mehr über dieHintergründe jener Offenbarung erfahren,die er in Bezug auf das Gesetzdes Zehnten empfangen hatte?Und seine Augen und sein Gesichtsausdruck?Nachdem ein Geistlichereiner anderen Kirche PräsidentSnow kennengelernt hatte,schrieb er: „Sein Antlitz spendeteFrieden; seine Gegenwart besiegeltediesen Frieden. In derfriedvollen Tiefe seiner Augenspiegelten sich nicht nur stilleGebete wider, sondern auch geistigeKraft. … Was ich empfand,war höchst seltsam; etwas sagtemir, dass ich auf heiligem Bodenstand.“ 1 Möchten Sie etwas überdie Abenteuer, Versuchungen,Triumphe, Sorgen, Freuden undOffenbarungen erfahren, die allezusammen schließlich diesesAntlitz geprägt haben?In diesem Jahrwerden sich dieSchwestern der FHVund die Träger desMelchisedekischenPriestertums mitdem LeitfadenLehren derPräsidentenJanuar 2013 13


BIOGRAFISCHE ANGABENLorenzo Snow wurde am 13. April 1814 in Mantua im BundesstaatOhio geboren. Seine Eltern, Rosetta und Oliver Snow, zogen ihnund seine sechs Geschwister in einem Zuhause auf, das von Glauben,harter Arbeit, Dienst am Nächsten und Lerneifer geprägt war.Diese Grundsätze bereiteten ihn darauf vor, das wiederhergestellteEvangelium anzunehmen. Im Juni 1836 schloss er sich in Kirtland derKirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, weil er durchdie Eingebungen des Heiligen Geistes dazu gedrängt wurde undweil ihn auch seine Schwester Eliza, die bereits Mitglied war, dahingehendbeeinflusste. Knapp ein Jahr später wurde er auf Vollzeitmissionberufen.Während der nächsten zwölf Jahre diente er in verschiedenenMissionen in den Vereinigten Staaten und führte auch eine Gruppevon Pionieren ins Salzseetal. Er war ein engagierter, machtvollerMissionar, der in Italien, Hawaii und im Westen der VereinigtenStaaten seinen Dienst versah. Am 12. Februar 1849 wurde er zumApostel ordiniert. Auch in anderen Bereichen hatte er Führungspositioneninne – so war er mehr als fünf Jahre lang erster Präsident desSalt-Lake-Tempels. Am 10. Oktober 1898 wurde er als Präsident derKirche eingesetzt. Am 10. Oktober 1901 verstarb er in Salt Lake City.der Kirche: Lorenzo Snow befassen. Und wennSie sich eingehend mit seinen Lehren befassenund in der Kirche und zu Hause darübersprechen, werden Sie ihn kennenlernen underkennen, dass er mehr ist als nur ein netterMann auf einem alten Gemälde. Sie werdenihn als Mann Gottes kennenlernen, als Propheten,Seher und Offenbarer, dessenWorte auch heute noch bemerkenswertviel Gültigkeit haben.Um Ihnen einen Vorgeschmack zu geben,finden Sie hier ein paar seiner Worteund einige Geschichten, mit denen Sie sichdieses Jahr befassen werden. Kapitel und Seitenzahlenbeziehen sich auf das Buch Lehrender Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow.Vielleicht erinnern Sie sich an die Generalkonferenzansprache,bei der Elder DavidA. Bednar vom Kollegium der Zwölf Aposteldie Bekehrung mit dem Einlegen von Gurkenverglich. 2 Elder Bednar war nicht dererste Apostel, der diesen Vergleich zog. PräsidentSnow erwähnte vor 150 Jahren etwasÄhnliches:„Legen Sie eine Gurke in ein Essigfass. Inder ersten Stunde tut sich nicht viel, auch inden ersten zwölf Stunden nicht. ÜberprüfenSie es selbst, und Sie werden feststellen, dassdie Wirkung nur an der Schale zu sehen ist, daes längere Zeit dauert, eine Gurke einzulegen.Wenn jemand durch die Taufe in diese Kircheeintritt, hat das natürlich eine Wirkung auf ihn,er hat damit aber die Lehre nicht gleich vollständigin sich aufgenommen. In den erstenzwölf oder vierundzwanzig Stunden wurde inihm dadurch noch nicht das Gesetz von Rechtund Pflicht verankert. Er muss in der Kircheverbleiben wie die Gurke im Essig, bis ervom rechten Geist durchdrungen ist.“ 3Wenn Präsident Snow von Bekehrungsprach, sprach er immer aus eigener Erfahrung.Häufig sprach er von zwei Erlebnissen– einem vor seiner Taufe und einem kurznach seiner Taufe und Konfirmierung, die ihmhalfen, „vom rechten Geist durchdrungen“ zuwerden. Den Bericht darüber finden Sie aufden Seiten 1, 3 und 65 bis 67.


Präsident Snow hat klargemacht, dassdas Zahlen des Zehnten Segnungenbringt. Der Zehnte wurde normalerweisein Büros wie diesem hier entgegengenommen(Salt Lake City, um dasJahr 1880). Links: Als Präsident Snoweinmal Gäste geladen hatte, fertigte eraus Rüben Kerzenhalter an undbeleuchtete so sein Blockhaus.VON LINKS: ILLUSTRATION VON BRIAN CALL; FOTO VON ROBERT CASEY; ABDRUCK DES FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DESHISTORISCHEN ARCHIVS DER KIRCHE„Warum wird ein Mann berufen, über andere zu präsidieren?“,fragte Präsident Snow einmal. „Soll er an Einflusszunehmen und sich dann selbst damit verherrlichen?Nein, im Gegenteil: Er ist berufen, ein solches Amt nachdemselben Grundsatz auszuüben wie das Priestertum, dasdem Sohn Gottes gegeben wurde, nämlich um Opfer zubringen. Für sich selbst? Nein, sondern für die Menschen,über die er präsidiert. … Er soll der Diener seiner Brüderwerden, nicht ihr Herr, und er soll in ihrem Interesse undzu ihrem Wohl tätig werden.“ 4Präsident Snow lebte als Führer der Kirche nach diesemGrundsatz und fand mitunter recht anschauliche Worte.Unter Zuhilfenahme von Rüben, Bettlaken und Stroh gelanges ihm, eine Gruppe notleidender Heiliger ein wenigaufzumuntern. Diesen Bericht finden Sie in Kapitel 7.Wenn Sie nachlesen möchten, was er über Führung in derKirche sagt, schlagen Sie in Kapitel 18 nach.Präsident Snow war deswegen ein machtvoller, kreativerund erfolgreicher Führer, weil er wusste, wer der wahreFührer ist. Er sagte: „Das große Werk, das nun verrichtetwird – die Sammlung der Menschen aus den Völkern derErde –, entspringt nicht der Fantasie eines Menschen undwurde auch von keiner Gruppe Menschen ersonnen, sonderngeht vom Herrn, dem Allmächtigen, aus.“ 5 Zu denMitgliedern, die zusammengekommen waren, um seinen85. Geburtstag zu feiern, sagte er: „Ich habe das Gefühl,dass alles, was ich erreicht habe, nicht Lorenzo Snow zuzuschreibenist; die Umstände, die mich in diese Positionals Präsident der Kirche gebracht haben, hat nicht LorenzoSnow herbeigeführt, sondern der Herr.“ 6Während seiner gesamten Amtszeit vermittelte er stetsdiese Einstellung, denn kurz bevor er Präsident der Kirchewurde, war ihm das auf heilige und höchst persönlicheWeise klargeworden. Nach dem Tod von Präsident WilfordWoodruff am 2. September 1898 wurde er der dienstältesteApostel der Kirche. Da er sich für diese Aufgabe als unzulänglichbetrachtete, ging er allein in einen Raum im Salt-Lake-Tempel, um zu beten. Er betete flehentlich um Führung,verspürte aber keine Antwort auf sein Gebet, weshalber nach einiger Zeit den Raum verließ und den großenFlur betrat. Dort erhielt er die Antwort, die er ersehnt hatte.Der auferstandene Erretter erschien ihm. Er stand vor ihm,knapp einen Meter über dem Boden, und sagte ihm, wieer als Führer der Kirche vorgehen solle. Mehr über diesesErlebnis finden Sie in Kapitel 20.Präsident Snow ist hinlänglich dafür bekannt, dass ihmeine Offenbarung in Bezug auf das Gesetz des Zehntenzuteilwurde. Für die Mitglieder damals im Jahr 1899 warendies kühne einleitende Worte: „Für jeden Heiligen derLetzten Tage, der willens ist, sich für die Zukunft bereitzumachenund unverrückbar auf festem Grund zu stehen,ist jetzt die Zeit gekommen, den Willen des Herrn zu tunJanuar 2013 15


Lorenzo Snow hatte ein heiliges Erlebnis: Im Salt-Lake-Tempelsah er den auferstandenen Herrn.und den vollen Zehnten zu zahlen. Dies ist das Wort desHerrn an Sie.“ 7Glaubenstreu befolgten die Heiligen den Rat ihresPropheten, und darum segnete der Herr sowohl die einzelnenMitglieder als auch die Gemeinschaft. Der Einflussdieser Offenbarung ist auch heute noch spürbar,und die Mitglieder der Kirche in aller Welt empfangengeistig und zeitlich Segnungen, weil sie das Gesetz desZehnten befolgen. Die Ereignisse, die zu dieser Offenbarungführten, und die Segnungen, die darauf folgten,werden in Kapitel 12 beschrieben.Wie alle Propheten gab auch Präsident Snow machtvollZeugnis von Jesus Christus. Er erklärte: „Wir alle sindauf Jesus Christus angewiesen; darauf, dass er in die Weltgekommen ist, um den Weg zu bereiten, wie wir Frieden,Glück und Erhöhung erlangen können. Und hätte er dieseStrapazen nicht auf sich genommen, hätten wir niemalsdiese Segnungen und Vorzüge erlangen können, die uns imEvangelium dank der Vermittlung, die Jesus Christus zuwegegebracht hat, zugesprochen werden.“ 8 Er gab Zeugnisvon der Geburt des Erretters, von seinem irdischen Wirken,dem Sühnopfer, seinem persönlichen Mitwirken in der wiederhergestelltenKirche und dem Zweiten Kommen. Mehrzu seinem Zeugnis von Jesus Christus steht in Kapitel 24.Natürlich kann dieser kurze Artikel Ihnen nur einen16 Liahona


ABDRUCK DES FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES HISTORISCHEN ARCHIVES DER KIRCHE; AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE DAS ZWEITE KOMMEN VON GRANT ROMNEY CLAWSON © IRIkleinen Vorgeschmack auf das Leben und Wirken vonPräsident Snow geben. Durch Ihr Studium des LeitfadensLehren der Präsidenten der Kirche: Lorenzo Snow finden Sieviele weitere inspirierende Geschichten – unter anderemeinen Bericht darüber, wie er zum ersten Mal als Missionargepredigt hat, oder seine völlige Überraschung, als er insKollegium der Zwölf Apostel berufen wurde, oder seine Gefühle,als sein Schiff auf dem Atlantik in Seenot geriet, undwie er viermal jemanden durch die Macht des Priestertumsvor dem Tod bewahrt hat (darunter auch sich selbst). Ausseinen Worten lässt sich vieles über ganz unterschiedlicheThemen lernen – etwa Einigkeit, Demut, Bündnisse, Tempelarbeit,Beziehungen innerhalb der Familie, Streben nachVollkommenheit, Priestertum, FHV und die Freude, die esmacht, wenn man mit anderen über das Evangelium spricht.Wenn Sie sich Zeit genommen haben, über die Berichteund Worte nachzudenken, die in diesem Artikel erwähntwerden, oder wenn Sie sich entschlossen haben, sie demnächstzu lesen, können Sie davon ausgehen, dass sich PräsidentSnow darüber freuen würde. Er lernte selbst sein Lebenlang, und er erklärte, dass wir uns anstrengen müssen, damitwir „in die Grundsätze der Wahrheit“ vordringen und an„göttlichem Wissen“ 9 zunehmen. Er legte uns dringend ansHerz: „Jeder vergangene Tag und jede vergangene Wochemüssen die Besten sein, die wir je erlebt haben; das heißt,wir sollen uns jeden Tag ein wenig steigern – in Wissen undWeisheit und in der Fähigkeit, Gutes zu vollbringen“ 10 .Möge Ihr Leben durch das diesjährige Studium desLeitfadens Lehren der Präsidenten der Kirche: LorenzoSnow bereichert werden. Sie können dabei ähnliche Erlebnissehaben wie jener Geistliche, der Präsident Snowpersönlich kennenlernte. Wenn Sie hinter das freundlicheGesicht und den gelassenen Blick sehen, können auch Siespüren, dass Sie auf heiligem Boden stehen – nicht weil SieLorenzo Snow kennengelernt haben, sondern weil Sie demVater im Himmel und Jesus Christus, deren Zeuge er war,nähergekommen sind. ◼ANMERKUNGEN1. Reverend Prentis, zitiert in Lehren der Präsidenten der Kirche:Lorenzo Snow, 2012, Seite 332. David A. Bednar, „Ihr müsst von neuem geboren werden“,Liahona, Mai 2007, Seite 19-223. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 734. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 2385. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 1996. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 1667. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 169f.8. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 3059. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 7010. Lehren: Lorenzo Snow, Seite 112WAS ERWARTET SIE IN DEM LEITFADENLEHREN DER PRÄSIDENTEN DER KIRCHE:LORENZO SNOW ?Dieser Leitfaden ist ein weiterer in der Reihe Lehrender Präsidenten der Kirche und sollte Teil IhrerBüchersammlung sein. In den bisher insgesamt elfBüchern werden inspirierende Einsichten zu vielenEvangeliumsthemen behandelt. Wodurch sich diesesBuch auszeichnet:• inspirierende Aussagen von Präsident LorenzoSnow zu mehr als 75 Evangeliumsthemen• neue, bisher kaum veröffentlichte Bilder undFotos aus dem Leben von Lorenzo Snow• zu jedem Kapitel drei Arten von Unterrichtshilfen:Fragen zum Nachdenken, einschlägigeSchriftstellen und Tipps für Unterricht undUnterrichtsgespräch• drei Seiten mit Anregungen, wie die Mitgliedermehr aus dem Buch herausholen und daheimoder in der Kirche mit dem Geist daraus unterrichtenkönnenLehren der Präsidentender KircheLorenzo SnowDieser Leitfaden ist auch online auf LDS.org und inder Gospel Library app (auf Englisch) auf mobile.lds.orgverfügbar.Januar 2013 17


Lehren der Präsidentender KircheLorenzo SnowLERNELORENZO SNOWKENNENChristopher D. FosseIn diesem Jahr wird in den Klassender FHV und des MelchisedekischenPriestertums aus dem Leben und denLehren von Präsident Lorenzo Snow(1814–1901) unterrichtet. Dass deineAltersgruppe diesen Leitfaden höchstwahrscheinlichnicht benutzt, bedeutetjedoch nicht, dass du nicht auch etwasüber ihn lernen kannst. PräsidentSnow führte ein erstaunliches Lebenvoll tiefer Täler und großer Höhen.Ein Verfechter des EvangeliumsLorenzo Snow lernte die Kirche inseiner Jugend kennen. Zuerst hatteer nicht den Wunsch, sich taufen zulassen, obwohl seine Schwester Eliza(jene Eliza R. Snow, die so viele Liederfür die Kirche geschrieben undals zweite FHV-Präsidentin gedienthat) das Evangelium freudigst angenommenhatte. Doch die Lehre derKirche sprach Lorenzo an. Als er inOberlin in Ohio am College studierte,unterhielt er sich häufig mit den dortstudierenden angehenden protestantischenGeistlichen über die Glaubensansichtenunserer Kirche. Obwohl erselbst noch nicht zur Taufe bereit war,stellte er doch das Evangelium so gutdar, dass viele seine Studienkolle genin Oberlin zu dem Schluss kamen,die wiederhergestellte Kirche könnewahr sein.Da Lorenzo schon vor seiner Taufeein begeisterter Missionar war, ist eskein Wunder, dass er sich nach seinerTaufe noch viel mehr in diesemWerk engagierte. Während der erstenJahre seiner Mitgliedschaft wurde ermehrmals auf Vollzeitmission berufen.Zunächst diente er in Ohio, dannin Missouri, Kentucky und Illinois.Später wurde er nach Großbritanniengeschickt, um die Kirche dort aufrichtenzu helfen. Dort überreichte ersogar Königin Victoria und Prinz Albertje ein Buch Mormon. Später warer Missionar in Italien, in der Schweizund auf jener Inselgruppe, die späterHawaii genannt wurde.Wunder auf dem MeerAls Elder Snow von Englandnach Nauvoo in Illinois zurückkehrte,nahm er eine große Gruppe neugetaufterMitglieder mit. Sie alle buchtendie Überfahrt auf dem Schiff Swantonund bereiteten alles für die lange Reisenach Nordamerika vor.Obwohl der Kapitän der Swantondie Heiligen der Letzten Tage nichtunbedingt unfreundlich behandelte,war er ihnen überhaupt nicht freundlichgesinnt und wollte nichts mitihnen zu tun haben. Doch nach zwei18 Liahonaerfüllte eineMission inHawaiierfüllte mehrereMissionen inden VereinigtenStaatensprach mit Theologiestudentenüberdie Grundsätze desEvangeliums


Hier stehen ein paar Fakten über den fünften Präsidentender Kirche, die du vielleicht noch nicht kennst.JUGENDLICHEILLUSTRATIONEN VON THOMAS S. CHILD UND JEANETTE ANDREWS; KARTE © ISTOCKPHOTO/THINKSTOCKWochen auf See ereignete sich einUnglück. Der Steward wurde bei einemUnfall schwer verletzt. Man gingdavon aus, dass er die Nacht nichtüberleben werde.Eine der glaubenstreuen Schwestern,die sich um den Sterbenden kümmerte,hatte jedoch einen Vorschlag.Sie sagte dem Verletzten, Elder LorenzoSnow könne ihm einen Segen geben,der ihm das Leben retten könne. DerMatrose, dessen Frau und zwei Kinderdaheim in Deutschland auf sein Einkommenangewiesen waren, stimmtesogleich zu.Elder Snow wurde mitten in derNacht geweckt und gebeten, in dasZimmer des Sterbenden zu kommen.Dort hatte sich auch der Kapitäneingefunden. Er dankte Elder Snowfür sein Kommen, hatte jedoch keineHoffnung mehr für seinen Steward.Elder Snow fiel auf, dass der Kapitängeweint hatte.Er ging in das Zimmer, legte demMatrosen die Hände auf und gab ihmeinen Priestertumssegen. Kaum hatteElder Snow den Segen beendet, sosetzte sich der Mann im Bett auf undstand gleich danach auf. Er war ganzund gar geheilt und ging am nächstenTag wieder seiner Arbeit nach.Der Wert der SeelenDie Heilung des Stewards änderteeiniges an Bord der Swanton. DerKapitän verbrachte von nun an möglichstviel Zeit mit den Heiligen undbefasste sich sogar mit dem Evangeliumund besuchte die Versammlungen.Auch die übrigen Matrosenwaren äußerst beeindruckt. Als dasSchiff im Zielhafen einlief, verabschiedetesich die Mannschaft freundlichvon den Mitgliedern. Durch die Machtdes Priestertums war nicht nur einemMann das Leben gerettet worden,sondern viele andere hatten ebenfallseinen Blick auf Gottes Macht undLiebe erhascht. Der Steward und vieleMänner der Schiffsbesatzung ließensich schließlich taufen.Im Leben von Präsident Snow ereignetesich viel Erstaunliches. Wennalso die Erwachsenen in diesem Jahrden Leitfaden Lehren der Präsidentender Kirche: Lorenzo Snow studieren,warum nicht auch du? Du könntestam Sonntag oder sonst in deinerFreizeit einige Worte von PräsidentSnow lesen. So kannst du bei eurenUnterhaltungen über das Evangeliumin der Familie mehr mitreden – undaußerdem lernst du einen erstaunlichenMenschen kennen, der späterein Prophet Gottes wurde. ◼heilte einen Stewardauf der Schiffsreisenach Amerikagab Königin Victoriaund Prinz Albert jeein Buch MormonJanuar 2013 19


Elder NeilL. Andersenvom Kollegiumder Zwölf ApostelEHRFURCHT GEGENÜBERGOTT IST DIE QUELLE ALLERWeisheitWeltliche Weisheitbringt dann denmeisten Gewinn,wenn sie sich inDemut vor GottesWeisheit beugt.Wir leben in einer Welt, die vonInformationen überfrachtet ist.Am deutlichsten sieht man dasvielleicht an Wikipedia, der erstaunlichenund weltweit größten Online-Enzyklopädie.Im Jahr 2012 umfasste sie allein in der englischenSprache über 2,5 Milliarden Wörterund über 22 Millionen Artikel in rund 280Sprachen. Wikipedia gibt es in über 70Sprachfassungen, von denen jede mindestens10.000 Artikel umfasst. In der englischen Fassunggibt es über vier Millionen Artikel. 1Genauso deutlich drückt sich diese Informationsflutin der explosionsartig angewachsenenNutzung sozialer Netzwerke wie etwadem im Jahr 2004 gegründeten NetzwerkFacebook aus, das 2012 weltweit bereits übereine Milliarde angemeldeter Nutzer hatte. 2Und einige der Videoclips auf dem im Jahr2005 gestarteten Videoportal YouTube wurdenangeblich bereits über 100 Millionen Malangesehen.Angesichts dieser Informationsflut ist Weisheitdringend notwendig – Weisheit beimEinordnen der Informationen und Weisheitbei der Entscheidung, wie wir was nutzenwollen. T. S. Eliot, Schriftsteller und gläubigerChrist, dichtete einst so passend für dieheutige Welt:O Welt von Frühling und Herbst,von Geburt und Sterben!Endloser Ring von Idee und Tat,endlose Erfindung, endloser Versuchbringt Wissen von Wallung,doch nicht von Stille;bringt Wissen von Rede,doch nicht von Schweigen;bringt Wissen von Worten,Unwissen des Worts.All unser Wissen bringt uns näherdem Unwissen,all unser Unwissen näher dem Tode,doch Nähe des Todes nicht näher zu Gott.Wo ist das Leben, das wir im Lebenverloren?Wo ist die Weisheit, die wir im Wissenverloren?Wo ist das Wissen, das wir in Informationenverloren?Des Himmels Kreisen in zwanzigJahrhundertenbringt uns Gott ferner und näher demStaub. 3Wo auf der Weisheitsskala stehen Sie? Demeinen oder anderen geht es vielleicht wie derjungen Frau, deren Hochzeit kurz bevorstand.In ihrer Aufregung rief sie ihren Eltern zu:FOTOS VON DEREK ISRAELSEN20 Liahona





„Ach, bald heirate ich! All meine Sorgen finden nun einEnde.“ Da flüsterte die Mutter dem Vater zu: „Stimmt. Sieweiß aber nicht, welches Ende.“Je mehr ich über die Weisheit Gottes in Erfahrungbringe, desto mehr erahne ich, dass ich erst am Anfangmeiner Weisheit stehe. Es stimmt mich demütig, wenn icherkenne, wie viel ich noch lernen muss. Jetzt hoffe ich,meine Worte mögen dazu beitragen, dass unser Verlangennach dem Erwerb von Weisheit – insbesondere GottesWeisheit – zunimmt.Aus Weisheit erwachsen SegnungenIch möchte einige Grundlagen behandeln, auf denenWeisheit beruht. Erstens müssen wir in unserer von Informationund Wissen geprägten Zeit nach wahrer Weisheitstreben. Weisheit hat mehr als eine Dimension und zeigtsich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Erwirbt manWeisheit zu einem frühen Zeitpunkt, erwachsendaraus immense Segnungen. Auf einembestimmten Gebiet erworbene Weisheit mussnicht unbedingt auf andere Gebiete übertragbarsein. Und letztlich ist weltliche Weisheitzwar vielfach sehr nützlich, doch bringt sienur dann den meisten Gewinn, wenn sie sichin Demut vor Gottes Weisheit beugt.In den heiligen Schriften werden zweiArten von Weisheit unterschieden: die Weisheitder Welt und die Weisheit Gottes. WeltlicheWeisheit hat sowohl eine positive alsauch eine negative Seite. Im schlimmsten Fallkönnte man sie als Teilwahrheit bezeichnen,gepaart mit Intelligenz und Manipulation unddarauf ausgerichtet, eigennützige oder garböse Ziele zu erreichen.Ein Beispiel hierfür ist Amlissi aus demBuch Mormon. In den Schriften heißt es, dass„ein gewisser Mann namens Amlissi, der einsehr arglistiger Mann war, ja, ein weiser Mannnach der Weisheit der Welt, … viel Volk mitsich fortgezogen“ habe. Des Weiteren wirdAmlissi als „schlechter Mensch“ beschrieben,„denn es war seine Absicht, die Kirche Gotteszu zerschlagen“ (Alma 2:1,2,4; Hervorhebunghinzugefügt). An dieser Art von Weisheit liegtuns wahrlich nichts.Es gibt jedoch noch eine zweite Seite derweltlichen Weisheit, und die ist keineswegs22 LiahonaViele leidvolleErfahrungen,die so mancherim Leben machenmuss, könntenwir umgehen,wenn wir frühzeitigWeisheitlernten.so unheilvoll. Sie ist sogar sehr konstruktiv. Diese ArtWeisheit eignet man sich bewusst an, indem man lernt,nachdenkt, beobachtet und fleißig arbeitet. Sie ist äußerstnützlich und hilft uns in allem, was wir tun. Gute undanständige Menschen eignen sich diese Art Weisheit durchdie Erfahrungen des Erdenlebens an.Vielleicht kommt Ihnen bekannt vor, was Mark Twaineinst gesagt hat: „Als ich 14 war, wusste mein Vater sowenig, dass ich es kaum ertragen konnte, den alten Mannin der Nähe zu haben. Als ich aber 21 wurde, staunte ichdarüber, wie viel er in diesen sieben Jahren gelernt hatte.“ 4Wenn wir aufmerksam und umsichtig sind, kann uns dieZeit vieles lehren.Ich erinnere mich noch gut an die Zeit meines Collegeabschlusses.Damals fuhr ich von der Brigham-Young-Universität zu meiner Großmutter Mary Keller nach Prestonin Idaho. Sie war bereits 78 Jahre alt und ziemlich gebrechlich.Zwei Jahre darauf starb sie. Sie war einewundervolle Frau, und ich wusste, dass ich vonihr Weisheit für meinen weiteren Lebenswegmitnehmen konnte, wenn ich ihr nur zuhörteund mir ihre Erfahrungen zunutze machte.Viele leidvolle Erfahrungen, die so mancherim Leben machen muss, könnten wirumgehen, wenn wir frühzeitig Weisheit lernten,die über das eigene Lebensalter hinausreicht.Streben Sie nach dieser Art Weisheit– überlegen Sie viel, seien Sie ein aufmerksamerBeobachter, denken Sie über das nach,was Ihnen im Leben so widerfährt.Auch beruflich wie privat können wir unsviel Weisheit aneignen. Das möchte ich anhandvon zwei Beispielen veranschaulichen.Dr. DeVon C. Hale verbrachte seine Kindheitin Idaho Falls und ist nun Arzt in Salt LakeCity. Ich staune über seine Kenntnisse undseine Weisheit im Bereich Tropenkrankheiten.Nicht nur seine Kenntnisse sind staunenswert,sondern vor allem die Art, wie er sie anwendet,verschiedene Aspekte betrachtet undalles gegeneinander abwägt. Die Missionareweltweit profitieren von seiner Weisheit aufdiesem Gebiet der Medizin.Ein weiteres Beispiel: Als unser ältesterSohn bei uns daheim in Tampa in Florida andie Vorschule kam, freuten wir uns schondarauf, seine Kindergärtnerin Judith Graybell


kennenzulernen. Sie war über 50 und konnteunglaublich gut mit kleinen Kindern umgehen.Sie wusste einfach, wie man sie motivierenkonnte, wann ein Lob angebracht warund wann man unnachgiebig sein musste.Neben dem Wissen, das sie für den Unterrichtbrauchte, hatte sie noch viel mehr. Wirsetzten alles daran, dass jedes unserer Kinderin ihre Vorschulklasse kam.Diese beiden Menschen legen viel fachspezifischeWeisheit dieser Welt an den Tag.Ihre Weisheit ist vielen eine Hilfe und verschafftihnen Erfolg im Beruf.Dennoch sollten wir uns die Grenzen dieserArt Weisheit vor Augen halten. Weisheitauf einem Gebiet kann nicht unbedingt aufein anderes Gebiet übertragen werden. Sowürde ich etwa ungern Frau Graybell mit derDiagnose von Tropenkrankheiten betrauen,und Dr. Hale mag sich nur bedingt dafüreignen, meine Kinder in der Vorschule zuunterrichten.Wichtiger ist, dass die Weisheit, die unsErfolg in der Welt bringt, hinter der WeisheitGottes zurücksteht und nicht meint, dieseersetzen zu können.Denken Sie daran: Nicht alle Weisheit istgleich viel wert.Der Psalmist sagt: „Die Furcht des Herrnist der Anfang der Weisheit.“ (Psalm 111:10.)Diese Schriftstelle sagt aus, dass Weisheitihren Anfang bei einer „tiefgründigen Ehrfurcht“5 vor dem Herrn nimmt. Diese tiefgründigeEhrfurcht rührt daher, dass der Vater imHimmel „alle Weisheit und alle Macht hat,sowohl im Himmel wie auf Erden“ (Mosia4:9). Seine Weisheit ist vollkommen. Sie istunverfälscht. Sie ist selbstlos.Bisweilen steht diese Weisheit imWiderspruch zur Weisheit der Welt oderist ihr vielleicht sogar direkt diametralentgegengesetzt.Denken Sie an die Worte des Herrn imBuch Jesaja:„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,und eure Wege sind nicht meine Wege– Spruch des Herrn.So hoch der Himmel über der Erde ist, sohoch erhaben sind meine Wege über eureWege und meine Gedanken über eure Gedanken.“( Jesaja 55:8,9.)Auf Gottes Weisheit haben wir nicht vonvornherein Anspruch; wir müssen vielmehrgewillt sein, sie anzustreben. „Fehlt es abereinem von euch an Weisheit, dann soll er sievon Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben,Weisheit, die Erfolg inder Welt bringt, mussbereit sein, hinter GottesWeisheit zurückzustehen,und nichtmeinen, diese ersetzenzu können.Januar 2013 23


denn er gibt allen gern und macht niemandeinen Vorwurf.“ ( Jakobus 1:5; Hervorhebunghinzugefügt.)Weisheit von Gott ist eine Gabe des Geistes.„Trachtet nicht nach Reichtum, sondernnach Weisheit, und siehe, die GeheimnisseGottes werden sich euch entfalten, und dannwerdet ihr reich gemacht werden.“ (LuB 6:7;Hervorhebung hinzugefügt.)Wer nach Gottes Weisheit strebt, ist stetsauch bemüht, Gottes Gebote zu halten.Für gewöhnlich erlangt man die Gabe derWeisheit Schritt für Schritt und weil man sichaufrichtig und eifrig darum bemüht. „Ich werdeden Menschenkindern Zeile um Zeile geben,Weisung um Weisung[;] und gesegnet sind,die auf meine Weisungen hören …, denn siewerden Weisheit lernen; denn dem, der empfängt,werde ich mehr geben.“ (2 Nephi 28:30;Hervorhebung hinzugefügt.)Joseph Smith hat gesagt: „Das, was vonGott ist, hat tiefe Bedeutung, und nur Zeit,Erfahrung und sorgfältiges, gewichtiges undernstes Nachdenken vermögen es zu ergründen.“6 Wenn man sich um Gottes Weisheitbemüht, folgt die Entlohnung nicht sofort aufdem Fuß.Und letztlich ist die Quelle der WeisheitGottes eine andere als die der Weisheit der Welt. DieWeisheit Gottes findet man in den heiligen Schriften,in den Worten der Propheten (etwa bei der Generalkonferenz)und natürlich im Gebet (siehe LuB 8:1,2). Unddiese Weisheit wirkt immer – immer – durch die Machtdes Heiligen Geistes auf uns ein. Der Apostel Paulus hatgesagt:„Wer von den Menschen kennt den Menschen, wennnicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkenntauch keiner Gott – nur der Geist Gottes. … Davon redenwir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheitsie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt.“ (1 Korinther2:11,13; Hervorhebung hinzugefügt.)Mit Gottes Weisheit blicken wir über unsere derzeitigeSituation hinaus, denn es heißt in der Schrift: „DerGeist … spricht … von Dingen, wie sie wirklich sind, undvon Dingen, wie sie wirklich sein werden.“ ( Jakob 4:13.)Gottes Weisheit ist es wert, dass wir genauestens aufsie achten.24 LiahonaGottes Weisheitfinden wir inden heiligenSchriften, inden Worten derPropheten (etwabei der Generalkonferenz)undnatürlichim Gebet.Weisheit und ZehnterDer vielleicht wichtigste Aspekt ist der,dass nicht alle Weisheit gleichwertig ist. Wirmüssen erkennen, dass wir unseren Willender Weisheit Gottes unterordnen müssen,wenn die Weisheit der Welt im Widerspruchzu Gottes Weisheit steht.Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Wirsind geistige Wesen auf einer irdischen Mission.Obwohl wir eifrig sowohl nach weltlicherWeisheit als auch nach Gottes Weisheitstreben, dürfen wir nicht aus den Augenverlieren, welche Weisheit nun wichtiger ist.Ich möchte Ihnen von einem Erlebnisberichten, das eine liebe Schwester aus SãoPaulo in Brasilien hatte. Sie musste sich entscheiden,ob sie von ihrem Geld den Zehntenoder ihr Schulgeld zahlen sollte, und sie berichtetdavon, wie schwer diese Entscheidungwar. Dies sind ihre Worte:„Die Universität … untersagte den Studenten,die Schulden hatten [oder ihr Schulgeldnicht bezahlt hatten], die Teilnahme an denPrüfungen.Damals gab es eine Zeit, als ich … großefinanzielle Schwierigkeiten hatte. An einemDonnerstag erhielt ich mein Gehalt. Als ich dasMonatsbudget aufstellte, stellte ich fest, dassdas Geld nicht reichte, um [sowohl] den Zehnten als auchdas Schulgeld für die Universität zu zahlen. Ich musste michfür eines entscheiden. Die Prüfungen, die alle zwei Monatestattfanden, sollten in der nächsten Woche beginnen, undwenn ich nicht antreten konnte, verlor ich womöglich einganzes Jahr. Ich litt große Qualen. … Das Herz tat mir weh.“In diesem Fall stand nun die Weisheit der Welt in krassemWiderspruch zur Weisheit Gottes. Selbst wenn mangut und rechtschaffen ist, wird man – sofern man sichselbst gegenüber ehrlich selbst ist – feststellen, dass dasHerz wehtut, wenn man vor eine Konfliktsituation dieserArt gestellt wird.Ich kehre zum Bericht der Schwester zurück. Am Sonntagzahlte sie zuerst ihren Zehnten. Dann berichtet sie, wasam darauffolgenden Montag geschah:„Die Arbeitszeit neigte sich dem Ende zu, als meinArbeitgeber kam und die letzten Anweisungen für denTag gab. … Plötzlich hielt er inne und fragte: ‚Wie läuft’sam College?ʻ [Laut ihrer Beschreibung war er immer recht


schroff, und so entgegnete sie nur:] ‚Es istalles in Ordnung.ʻDaraufhin ging er wieder. Plötzlich betratdie Sekretärin den Raum. Sie sagte: ‚Der Chefhat gerade gesagt, dass von heute an dieFirma Ihren College-Besuch und Ihre Büchervollständig bezahlt. Kommen Sie, bevor Siegehen, bei mir vorbei und nennen Sie mir dieKosten, damit ich Ihnen morgen den Scheckgeben kann.ʻ“ 7Wenn Sie den Blick dafür entwickeln, werdenSie feststellen, dass Sie sich oftmals imLeben derartigen Prüfungen stellen müssen.Worein setzen Sie Ihr Vertrauen? Der Herr hatdiese Warnung direkt an uns gerichtet:„O die Eitelkeit und die Schwächen unddie Narrheit der Menschen! Sind sie [nach derWeisheit der Welt] gelehrt, so denken sie, sieseien weise, und sie hören nicht auf den RatGottes, denn sie schieben ihn beiseite undmeinen, sie wüssten [weltliche Weisheit] aussich selbst; deshalb ist ihre Weisheit Narrheit,und sie nützt ihnen nicht. Und sie werdenzugrunde gehen.Aber es ist gut, [nach der Weisheit derWelt] gelehrt zu sein, wenn man auf GottesRatschläge hört.“ (2 Nephi 9:28,29; Hervorhebunghinzugefügt.)Nun zitiere ich Paulus:„Wo ist ein Weiser? … Hat Gott nichtdie Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?“(1 Korinther 1:20.)„Keiner täusche sich selbst. Wenn einerunter euch meint, er sei weise in dieser Welt,dann werde er töricht, um weise zu werden.Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheitvor Gott.“ (1 Korinther 3:18,19; Hervorhebunghinzugefügt.)Oftmals werden wir auf die Probe gestellt,ob wir uns auch dann von der Weisheit Gottesleiten lassen, wenn sie im Gegensatz zurWeisheit der Welt steht.Ammon klagte: „Denn sie trachten nichtnach [Gottes] Weisheit und haben auch nichtden Wunsch, dass sie über sie herrsche.“(Mosia 8:20.) Wenn ich so überlege, wer ausmeinem Bekanntenkreis den Wunsch hat,sich Gottes Weisheit unterzuordnen, kommtmir unter anderem mein Freund Xie Ying ausChina in den Sinn. Er hat erhebliche OpferBetrachten wir nur,was Gottes Weisheitin Bezug auf unsereFinanzen sagt. DemGeld weisen wir denrichtigen Stellenwertzu, wenn wir ehrlichden Zehnten zahlenund bei den Opfergabengroßzügig sind.


gebracht, um sich der Kirche anschließen zu können, undist in New York auf Mission gewesen. Und ich denke anmeine beiden Töchter, die beide gebildet sind und denMasterabschluss in der Tasche haben. Dennoch haben siesich dafür entschieden, Kinder zu bekommen und Mutterzu sein. Ich denke auch an einen Freund aus Südamerika,der seine lukrative Stelle aufgegeben hat, als er von Steuerhinterziehungenin seiner Firma erfuhr. All diese Menschenhaben Gottes Weisheit über die Weisheit der Welt gestellt.Leider kann die Weisheit der Welt auch fähige Menschenin die Irre führen. Joseph Smith hat das so ausgedrückt:„In unseren Reihen gibt es viele kluge Männerund Frauen – so klug, dass sie sich nicht bekehren lassen.Darum müssen sie in ihrer Unwissenheit sterben, undbei der Auferstehung werden sie dann ihrenFehler sehen.“ 8Weisheit und FinanzenDa die wirtschaftliche Lage derzeit soschwierig ist, möchte ich unsere Finanzenansprechen. So wie es jetzt um uns bestelltist, sind wir alle demütiger und einsichtigergeworden. Denken Sie aber daran, wie es vorein paar Jahren noch gewesen ist.Die Welt sagt uns, wir sollten sofort bekommen,wonach uns gerade der Sinn steht. Wirsollten nicht darauf warten müssen. Wenn wirSchulden machen, können wir es sofort haben.Diese Schulden häuft man vielleicht mit derKreditkarte an oder dadurch, dass man für dasEigenheim zu viel Fremdkapital aufnimmt. Mankann für alles einen Kredit aufnehmen, selbstfür die Ausbildung. Die Werte werden immerweiter steigen, und wir werden im Wohlstandleben. Nach der Weisheit der Welt kommt derHöhe der monatlichen Raten eine größereBedeutung zu als der Kreditsumme. Wie vielwir wann zurückzahlen, ist uns freigestellt, undfalls alles schiefgeht, bleibt uns immer noch derPrivatkonkurs.Betrachten wir nun, was Gottes Weisheit inBezug auf unsere Finanzen sagt – was uns seitjeher von den Propheten nahegelegt wird. DasFundament bilden Eigenständigkeit und Arbeit.Dem Geld weisen wir den richtigen Stellenwertzu, wenn wir ehrlich den Zehnten zahlen undbei den Opfergaben großzügig sind. Wir geben26 LiahonaGerade jetztkann man vielüber Weisheitlernen. Ichverheiße Ihnen,dass der HerrSie segnen wird,wenn Sie sichum Weisheitbemühen – umGottes Weisheit.weniger aus, als wir einnehmen, und können zwischen echtemBedarf und dem entscheiden, was wir uns bloß wünschen.Schulden nehmen wir höchstens für unsere grundlegendstenBedürfnisse auf. Wir halten uns an einen Haushaltsplan.Wir legen etwas Geld auf die Seite. Wir kommenall unseren finanziellen Verpflichtungen getreulich nach.Vor etwa 14 Jahren hat uns Präsident Gordon B. Hinckley(1910–2008) gewarnt: „Ich meine, dass es an der Zeit ist,dass wir unser Haus in Ordnung bringen. Viele unserer Mitgliederleben so, dass sie nur knapp mit ihrem Einkommenauskommen. Tatsächlich leben viele mit geborgtem Geld. …Es gibt Anzeichen dafür, dass uns stürmisches Wetter bevorsteht,und darauf sollten wir besser achten.“ 9Als wir vor ein paar Jahren auf dem Höhepunkt derHochkonjunktur waren, sagte PräsidentThomas S. Monson:„Liebe Brüder und Schwestern, leben Sienicht nach der Devise, dass das, was gesternnoch Luxus war, heute schon lebensnotwendigsei. Es wird erst dann eine Notwendigkeit,wenn wir es dazu machen. Viele gehen langfristigeSchulden ein und stellen dann fest, dasssich Änderungen ergeben: Sie werden krankoder erwerbsunfähig, Firmen gehen pleite oderverkleinern sich, Arbeitsplätze gehen verloren,Naturkatastrophen kommen über uns. Aus vielenGründen können die Raten für große Schuldennicht mehr erbracht werden. Unsere Schuldenhängen dann wie ein Damoklesschwertüber uns und drohen, uns zu vernichten.Ich bitte Sie eindringlich, im Rahmen IhrerMittel zu leben. Man kann nicht mehr ausgeben,als man verdient, und trotzdem solventbleiben. Ich verheiße Ihnen, dass Sie dannglücklicher sein werden, als wenn Sie sich ständigsorgen müssten, wie Sie die nächste Ratefür unnötige Schulden begleichen sollen.“ 10Sehen Sie, wie da die Weisheit Gottes zurWeisheit der Welt im Widerspruch steht? Alsalles noch gut aussah, war nicht ganz so offensichtlich,welche Wahl die richtige ist. VieleMitglieder der Kirche wünschen sich nun, siehätten damals besser hingehört.Das ist die Weisheit Gottes.Ich schlage vor, Sie konzentrieren sich aufeinige der Probleme, die Sie gerade beschäftigen.Ziehen Sie auf einem Blatt Papier mittig


Weisheit der WeltGottes Weisheiteine Linie von oben nach unten. Tragen Siezu den jeweiligen Themen auf der linkenSeite die Weisheit der Welt und auf der rechtenSeite die Weisheit Gottes ein. SchreibenSie die Punkte auf, die zueinander in Widerspruchstehen.Wie entscheiden Sie sich?In Abschnitt 45 des Buches Lehre undBündnisse werden die Ereignisse behandelt,die zum Zweiten Kommen des Erlösersführen. Der Herr wiederholt das Gleichnisder zehn Jungfrauen und wendet sich dannan uns: „Denn diejenigen, die weise sindund die Wahrheit empfangen haben undsich den Heiligen Geist als ihren Führergenommen haben und sich nicht habentäuschen lassen – wahrlich, ich sage euch:Sie werden nicht umgehauen und ins Feuergeworfen werden, sondern werden den Tagaushalten.“ (LuB 45:57)Mögen wir nach der Weisheit Gottesstreben. Wir befinden uns derzeit weltweitin einer schwierigen wirtschaftlichen Lage,und Fragen zu Arbeitsplatz, beruflichemFortkommen und Einkommen mögen Anlasszur Sorge geben. Aber es liegen auch vielegute Tage des Wohlstands vor uns. Geradejetzt kann man viel über Weisheit lernen.Ich verheiße Ihnen, dass der Herr Sie segnenwird, wenn Sie sich um Weisheit bemühen –um Weisheit Gottes. ◼Nach einer Ansprache bei einer Abschlussfeier an derBrigham-Young-Universität Idaho am 10. April 2009.Den englischen Text finden Sie in voller Länge unterhttp://web.byui.edu/DevotionalsAndSpeeches.ANMERKUNGEN1. Vgl. Andrew Lih, The Wikipedia Revolution, 2009,Seite XVf.; vgl. auch http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Size_comparisons; http://wikimediafoundation.org/wiki/FAQ/en; http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Wikipedia2. Vgl. Ramona Emerson, „Facebook Users Expectedto Pass 1 Billion in August: iCrossing“, The HuffingtonPost, 14. Januar 2012, www.huffingtonpost.com/2012/01/13/facebook-users-1-billion-icrossing_n_1204948.html3. „Choruses from‚ The Rock’“, aus T. S. Eliot: TheComplete Poems and Plays, 1909–1950, 1980, Seite 964. Mark Twain Laughing: Humorous Anecdotes byand about Samuel L. Clemens, Hg. P. M. Zall, 1985,Seite XXII5. Vgl. Marion G. Romney, „Converting Knowledgeinto Wisdom“, Ensign, Juli 1983, Seite 56. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith,Seite 2957. Siehe Gordon B. Hinckley, „Als Glaubende gehenwir unseren Weg“, Liahona, Juli 2002, Seite 81f.8. Lehren: Joseph Smith, Seite 2229. Gordon B. Hinckley, „An die Jungen und die Männer“,Der Stern, Januar 1999, Seite 6510. Thomas S. Monson, „Treu in dem Glauben“, Liahona,Mai 2006, Seite 19Konzentrieren Siesich auf einige derProble me, die Siegerade beschäftigen.Ziehen Sie auf einemBlatt Papier mittig eineLinie von oben nachunten. Tragen Sie zuden jeweiligen Themenauf der linken Seitedie Weisheit der Weltund auf der rechtenSeite Gottes Weisheitein. Schreiben Sie diePunkte auf, die zueinanderin Widerspruchstehen.Januar 2013 27


SinnvollerUNTERRICHT ZU HAUSEBei acht Kindern war es nicht so einfach,Momente zu finden und zu nutzen, indenen wir ihnen etwas beibringen konnten– aber es lohnt sich. In dem Bewusstsein,dass „das Zuhause der erste Ort für Kinder [ist],um die Lektionen des Lebens erfolgreich zu lernen“1 , haben meine Frau und ich versucht, allesin unserer Macht Stehende zu tun, um unserenKindern zu helfen, dass sie diese Lektionen auchwirklich lernen. Hier sind ein paar Grundsätze, die unsgeholfen gehaben.Das Beste tunAls unsere Kinder anfingen, an immer mehr Aktivitätenteilzunehmen, erwies es sich zunehmend als notwendig,Prioritäten zu setzen. Elder Dallin H. Oaks vom Kollegiumder Zwölf Apostel hat erklärt, dass „allein die Tatsache,dass etwas gut ist, noch kein triftiger Grund ist, es auch zutun. … Einiges ist besser als gut, und dem sollten wir inunserem Leben vorrangig Aufmerksamkeit widmen.“ Außerdemsagt er: „Eltern müssen handeln, um Zeit für dasFamiliengebet, das gemeinsame Schriftstudium und denFamilienabend sowie andere wertvolle Zeiten freizuhalten,die sie zusammen oder allein mit einem Kind verbringenund die die Familie miteinander verbinden und dieWerte der Kinder auf das ausrichten, was ewig Bestandhat. Eltern müssen durch das, was sie mit ihren Kinderntun, lehren, welche Prioritäten das Evangelium vorgibt.“ 2Das hat sich für unsere Familie als guter Rat erwiesen.Als meine Frau und ich über die Aktivitäten unserer Kinderaußerhalb der Familie nachdachten und darüber beteten,stellte sich heraus, dass einiges, was wir für wichtigVier Möglichkeiten,wie wirunseren KindernwichtigeLektionenfürs LebensbeibringenDarren E. Schmidtgehalten hatten, unnötig war. Eine Überraschungwar für mich ihre Antwort auf die Frage, ob sienicht in einer Basketball-Mannschaft mitspielenwollten, wenn ich der Trainer wäre. Sie sagten:„Eher nicht“, und „Papa, wir haben einen Korbim Vorgarten, und es ist schön, wenn du mituns spielst und wir gegen die Nachbarn spielen.Dann bekommen wir den Ball viel öfter!“In den Schriften studieren unddas Gelesene in die Tat umsetzenEs ist etwas ganz anderes, ob man in den Schriftenliest oder ob man sie studiert. Der Prophet Josua aus demAlten Testament hat gesagt, dass das Schriftstudium dannetwas nützt, wenn wir „Tag und Nacht darüber nachsinnen“und „darauf [achten], genau so zu handeln, wie daringeschrieben steht “ ( Josua 1:8; Hervorhebung hinzugefügt).Am meisten bringt uns das gemeinsame Schriftstudium,wenn wir unseren Kindern Zeit geben, über konkrete Fragennachzudenken, und sie dann auffordern, „genauso zu handeln, wie darin geschrieben steht“.Eines Abends saßen wir draußen bei einem leckerenEssen und lasen im Buch Mormon über den Niedergangder Nephiten. Ich spürte, dass ich die Kinder fragen sollte,weshalb die Nephiten ihrer Meinung nach so schlecht gewordenwaren. Die sechsjährige Celeste meinte, sie denke,die Nephiten und Lamaniten hätten aufgehört, jeden Tag zubeten. Wir waren uns alle einig, dass der Niedergang derNephiten damit begonnen hatte, dass sie das Beten undanderes, was scheinbar nicht so wichtig war, vernachlässigthatten. In diesem Augenblick kam mir der Gedanke, ichsolle meine Kinder bitten, ernstlicher und inniger zu beten.28 Liahona


FOTO VON CODY BELL © IRITags darauf fragte ich sie, wie es ihnen beimBeten ergangen war. So konnten sie über ihreErfahrungen sprechen, und ich konnte wiederumZeugnis vom Gebet geben. Nicht immerverläuft unser Schriftstudium in der Familie soproblemlos. Aber wenn wir über eine Schriftstellesprechen und die Kinder bitten, dannauch entsprechend zu handeln, gewinnen dieheiligen Schriften an Bedeutung.Den Kindern helfen,Verantwortung zu übernehmenWir haben festgestellt, dass es viel bringt,wenn wir unseren Kindern Aufgaben übertragenund sie so manches selbst herausfindenlassen. Wenn unsere Kinder bei einigen Entscheidungen,die die Familie betreffen, mitredendürfen, ist die Wahrscheinlichkeit größer,dass sie sich aktiv am Familienleben beteiligen.Am meisten bringtuns das gemeinsameSchriftstudium,wenn wirunseren KindernZeit geben, umüber konkreteFragen nachzudenken,und siedann auffordern,„genau so zu handeln,wie daringeschrieben steht“.Sie werden sich ihrer Verantwortung und ihrerRechenschaftspflicht bewusst. So lernen sie,„vieles aus ihrem eigenen, freien Willen [zu]tun und viel Rechtschaffenheit zustande [zu]bringen“ (LuB 58:27). Folgendes hat unserenKindern geholfen, ihrerseits Verantwortung zuübernehmen:• Für den Familienabend dürfen sie mitelterlicher Hilfe eine Lektion oder eineSchriftstelle vorbereiten oder einen eigenenBeitrag beisteuern.• Die Kinder dürfen das Lied aussuchen,das beim gemeinsamen Schriftstudiumgesungen wird, und dann bitten wir einKind, das Gebet zu sprechen.• Die Kinder dürfen sich an der Planung einesFamilienausflugs beteiligen und sindfür einen Teilbereich selbst zuständig.Januar 2013 29


• Bei einem Familienrat über Finanzendürfen die Kinder mitentscheiden,was gekauft werden soll.• Zeigen Sie ihnen, wie man einebestimmte Arbeit macht, und übertragenSie ihnen eine Woche langdie Verantwortung dafür.• Führen Sie als Familie jeden Monatein Dienstprojekt durch, und lassenSie die Kinder entscheiden, wemdie Familie etwas Gutes tun soll.• Lassen Sie jedes Kind einmal aussuchen,wen die Familie an einembestimmten Sonntag besucht.• Die Kinder dürfen eine Familienaktivitätfür einen bestimmten Abendim Monat aussuchen.Die Kinder behütenBisweilen fühlen meine Frau und ich uns wie Schafhirten,die unsere Kinder zum Beten oder Schriftstudium inden Pferch treiben. Doch es gibt auch Zeiten, zu denenwir stark den Geist verspüren und wissen, dass wir unserekleine Herde wahrhaftig behüten und dass sie gut versorgtist. Wir müssen aufpassen, dass wir diese Momente nichtverpassen, in denen wir Behüter sein können.Ein solcher Moment ergab sich einmal, als ich unsereKinder zu Bett brachte. Einer meiner Söhne fragte mich:„Papa, was stellt für dich eine Versuchung dar?“Diese Frage kam wie aus heiterem Himmel.Dann fügte er hinzu: „Wir haben darüber gesprochen,was für uns eine Versuchung darstellt, und nun frage ichmich, was für Versuchungen du hast.“Ich wusste, dies war genau der richtige Zeitpunkt,die Kinder zu belehren, aber ich war nach einem langenArbeitstag erschöpft. Ich hatte nicht das Bedürfnis, zu sospäter Stunde mit zwei Jungs ein tiefschürfendes Gesprächzu führen, vor allem auch deshalb nicht, weil sie am Morgenja wieder zur Schule mussten.Mir kam jedoch die Geschichte vom Heiland am Brunnenin den Sinn. Selbst nachdem er 50 Kilometer oder mehrzu Fuß unterwegs gewesen war, nahm er sich Zeit, um diesamaritische Frau zu belehren (siehe Johannes 4). Ich fand,dass einer dieser Augenblicke „am Brunnen“ gekommenwar, setzte mich zu den Kindern und fragte sie, ob sie meinten,es sei Sünde, wenn man versucht wird. Erst gab es einelange Pause, doch dann fand ein offenes Gespräch statt, beidem wir aufeinander eingingen. Ich sprach mit ihnen überdes Heilands Begegnung mit dem Satan (siehe Matthäus 4)und gab ihnen Zeugnis von den Segnungen,die man empfängt, wenn man derVersuchung widersteht.Es war einer dieser besonderenMomente für Eltern. Wir kamen etwasspäter als gewöhnlich ins Bett, doch dieFreude, die ich empfand, war mir diesesOpfer wert.„Wir müssen unbedingt dann demKind Antwort geben, wenn es eineernsthafte Frage stellt, denn bedenkenwir, dass es nicht immer fragen, dass esnicht immer belehrbar sein und nichtimmer auf uns hören wird“, hat ElderRichard L. Evans (1906–1971) vom Kollegiumder Zwölf Apostel gesagt. „Undoftmals müssen wir es dann tun, wenn es ihnen passt, zuihrer Zeit, und nicht immer dann, wenn es uns passt undzu unserer Zeit. … Wenn sie mit belanglosen Fragen zuuns kommen können, entwickeln sie Zutrauen und tun esspäter vielleicht auch mit schwerwiegenderen Fragen.“ 3Erwählt und vom Herrn unterstütztDie Aufgabe, über Gottes Kinder zu wachen, ist einegroße Verantwortung. Sooft ich mich als Vater unzulänglichfühle, denke ich an etwas, was Elder Neal A. Maxwell(1926–2004) vom Kollegium der Zwölf Apostel einmalgesagt hat: „Gott, der den Stern Jahrtausende, bevor dieserzur Ankündigung der Geburt des Kindleins über Betlehemerschienen ist, schon auf seine genaue Umlaufbahn gesetzthat, verwendet mindestens ebenso viel Aufmerksamkeitdarauf, einen jeden von uns auf seine Lebensbahn zu setzen,damit wir sozusagen die Landschaft unseres Lebenserhellen, sodass unser Licht andere nicht nur führt, sondernauch wärmt.“ 4Diese Aussage richtet mich auf, wenn ich entmutigt bin.Sie verleiht meiner Frau und mir Mut, was unsere Fähigkeitenals Eltern betrifft, denn wir wissen, dass unsereKinder nicht ohne Grund in unsere „Lebensbahn“ gesetztworden sind und dass der Vater im Himmel uns vertraut.Möge Gott Ihre Familie segnen, wenn Sie gemeinsamvom Evangelium lernen, Ihren Kindern helfen, Verantwortungzu übernehmen, und diese kostbaren Augenblickewahrnehmen, sie zu lehren. ◼ANMERKUNGEN1. David O. McKay, in Family Home Evening Manual, 1968, Seite III2. Dallin H. Oaks, „Gut, besser, am besten“, Liahona, November 2007,Seite 104f.3. Richard L. Evans, „The Spoken Word,” Ensign, Mai 1971, Seite 124. Neal A. Maxwell, That My Family Should Partake, Seite 86DAS VERLORENE SCHAF, GEMÄLDE VON DEL PARSON30 Liahona


AUS DER BROSCHÜRE FÜR EINE STARKE JUGENDVOM WERT DER BILDUNGILLUSTRATION VON TAIA MORLEYBildung ist ein wesentlicherBestandteil des Evangeliumsund dient der Vorbereitung darauf,einen Beitrag in der Gesellschaft zuleisten und für sich selbst und seineFamilie sorgen zu können. 1 ElderCraig A. Cardon von den Siebzigernspricht auf Seite 54f. dieser Ausgabedarüber, wie wichtig Bildung undAusbildung sind.„In dieser zunehmend komplexenWelt gehören Bildung und Ausbildungmit zum Wichtigsten, was manim Leben erwerben kann“, schreibter. „Zwar geht eine bessere Ausbildungim Allgemeinen auch mit höheremEinkommen Hand in Hand, dochwas wichtiger ist: Durch größeresWissen können wir auch mehr dazubeitragen, die Absichten des Herrnzu verwirklichen.“In der Broschüre Für eine starkeJugend heißt es: „Teil eurer Bildungmuss sein, dass ihr euch Wissen ingeistigen Belangen aneignet. Studiertdie heiligen Schriften und die Worteder neuzeitlichen Propheten. Nehmtan Seminar und Institut teil. Befassteuch euer Leben lang mit dem Plandes himmlischen Vaters. Dieses Lernenim geistigen Bereich hilft euch,Lösungen für die Schwierigkeiten desLebens zu finden, und der HeiligeGeist kann bei euch sein.“ 2Anregungen für Gesprächemit Jugendlichen• Lesen Sie in der Broschüre Füreine starke Jugend den Abschnittüber Bildung. Berichten Sie voneigenen positiven Erlebnissenin der Schule und beim Studiumdes Evangeliums. Das macht esIhnen leichter, diesen Grundsatzmit Ihrem Teenager zu besprechenund auf die Fragen einzugehen,die Ihr Kind vielleichtstellt.• Unterstützen Sie Ihr Kind dabei,sich für Beruf und AusbildungZiele zu setzen, die sich anseinen Talenten und Interessenorientieren. Helfen Sie ihm, dieersten Schritte festzulegen, uman diesen Zielen arbeiten zukönnen.• Vielleicht möchten Sie einenFamilienabend zum ThemaBildung und Ausbildung abhalten(eine gute Quelle hierfürist der Artikel „Die Heiligen derLetzten Tage und die Bildung“von Dallin H. Oaks und KristenM. Oaks, Liahona, April 2009,Seite 26–31).• Suchen Sie youth.lds.org aufund klicken Sie auf „For theStrength of Youth“ im Menü„Youth Menu“. Unter „Education“finden Sie Schriftstellenzum Thema Bildung, Videoclips(sehen Sie sich etwa denClip „Surfing or Seminary?“ an),Programme des RadiosendersMormon Channel, Fragen undAntworten sowie Artikel undAnsprachen von Generalautoritäten(in englischer Sprache).Anregungen für Gesprächemit KindernEs macht Spaß, Neues zu lernen,doch Lernen kann auch schwierigsein. In dieser Ausgabe gibt es eineSCHRIFTSTELLENZUM THEMA LERNENSprichwörter 4:72 Nephi 9:29Alma 37:35Lehre und Bündnisse88:77-80Geschichte mit dem Titel „Zum Vorlesenbereit“ (Seite 66). Sie handelt voneinem Mädchen mit Lese- und Rechtschreibschwäche,dem das Vorlesenschwerfällt, dem aber die Kinder inder PV helfen, sein Bestes zu geben.Vielleicht möchten Sie die Geschichtemit Ihren Kindern lesen und danachfolgende Fragen besprechen:• Wie hat sich Mary wohl gefühltbei dem Versuch, etwas zu tun,was ihr schwergefallen ist? Warumist es wichtig, selbst dannweiterzulernen, wenn es einemschwerfällt?• Was haben die anderen Kindergetan, um Mary zu helfen? Waskannst du tun, um andere zuHause, in der Kirche oder inder Schule beim Lernen zuunterstützen? ◼ANMERKUNGEN1. Siehe Für eine starke Jugend, Seite 92. Für eine starke Jugend, Seite 10Januar 2013 31


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Junge Frauenund dieEntscheidung,auf Mission zu gehenLINKS: FOTO VON ROBERT CASEY; RECHTS: FOTO EINES NAMENSSCHILDES VON EMILY LEISHMAN BEUS © IRIBei der Herbst-Generalkonferenz2012 gab Präsident ThomasS. Monson bekannt, dass „fähige,würdige junge Frauen, die auf Mission gehenmöchten, ab dem Alter von 19 Jahren anstatt ab21 Jahren für eine Mission empfohlen werdenkönnen“. Auch wenn junge Frauen „nicht derselbenVerpflichtung wie die jungen Männer“unterlägen, so würden sie doch „als Missionarinneneinen wertvollen Beitrag leisten, undwir begrüßen es, wenn sie dienen“. 1Wie entscheidet eine Frau, ob sie auf Missiongehen soll? In den nachstehenden Berichtenerzählen einige Schwestern, wie sie, vomGeist geführt, den Weg erkannt haben, der fürsie richtig ist.Das fehlende BindegliedHätte mich jemand gefragt, ob ich auf Mission gehenwill, als ich noch ein Kind war, hätte ich dies verneint. Ichöffnete mich diesem Gedanken jedoch, als ich älter wurde,und zwar unter anderem deshalb, weil meine älterenGeschwister auf Mission gewesen waren. Trotzdem gingich nicht davon aus, dass ich tatsächlich gehen würde.Als ich 21 wurde, fragte ich mich zwar, ob ich eineMission erfüllen solle, betete jedoch nie ernsthaft darum.Im Laufe der Zeit hatte ich den Eindruck, dass in meinemLeben etwas fehlte. Ich sprach mit meiner Mutter darüber,und sie schlug vor, ich solle noch einmal eine Mission inErwägung ziehen. Sie sagte, in meinem Alter habe sie ähnlicheGefühle wie ich durchlebt. Auf Mission zu gehen warfür sie die Lösung – vielleicht war es ja auch für mich so.Ich fürchtete mich jedoch, darüber zu beten. Ein Grund,Lesen Sie, wieeinige jungeFrauen denprophetischenRat zum ThemaVollzeitmissionumgesetzthaben!warum eine Mission für mich nicht inFrage gekommen war, bestand darin,dass ich mich nicht für stark genug hielt.Ich würde an meine Grenzen gehen undvielleicht sogar eine neue Sprache erlernenmüssen. Außerdem kannte ich das Evangeliumdoch gar nicht gut genug, um es verkündenzu können. Doch als ich zielgerichtetdarum betete, schwanden meine Ängste. DieAntwort, die ich empfing, war überwältigend:Der Herr liebte mich und er wollte, dass icheine Mission erfüllte.Ich war verblüfft, wie sicher ich mich nachdieser Antwort fühlte. Ich war nicht längernervös oder fühlte mich unzulänglich, sondernfreute mich darauf, das Evangelium zuverkündigen, und stellte meine Missionspapierefertig. Kurz darauf wurde ich in die Tempelplatz-Mission Salt Lake City berufen.Rebecca Keller MonsonEin missionarisch orientiertes LebenMit 17 Jahren wurde ich oft gefragt, ob ich auf Missiongehen wolle. Da ich noch keine Entscheidung getroffenhatte, winkte ich immer ab.Kurz vor meinem 21. Geburtstag begann ich dannjedoch, darüber nachzudenken. Ich las in meinem PatriarchalischenSegen, sprach mit meinen Eltern und betete.Ein Verlangen hatte ich jedoch nie und auch nie das Gefühl,ich müsse gehen. Ich dachte an den Rat von PräsidentGordon B. Hinckley (1910–2008), der gesagt hatte, Missionarinnenseien erwünscht, aber „nicht verpflichtet, eineMission zu erfüllen“ 2 . Mir kamen auch die Worte des HerrnJanuar 2013 33


DER GEIST DEROFFENBARUNG„Wenn sich eineEntscheidung sehrauf unser Lebenauswirkt … und wirim Einklang mit demHeiligen Geist lebenund uns von ihmführen lassen, könnenwir sicher sein, dasswir die Weisung, diewir brauchen, umunser Ziel zu erreichen,auch erhalten.Der Herr lässt unsnicht im Stich.“Elder Dallin H. Oaks vomKollegium der Zwölf Apostel,„Revelation“, BrighamYoung University 1981–1982Fireside and DevotionalSpeeches, 1982, Seite 26aus dem Buch Lehre und Bündnisse in denSinn: „Wenn ihr den Wunsch habt, Gott zudienen, seid ihr zu dem Werk berufen.“ (4:3.)Diese Schriftstelle half mir bei der Entscheidung,keine Mission zu erfüllen. Alsich dem Herrn im Gebet meinen Entschlussdarlegte, verspürte ich Frieden und eine Bestätigung,dass ich auch eine Missionarin seinkönne, ohne eine Vollzeitmission zu erfüllen.Ich habe seitdem festgestellt, dass ich meinZeugnis auf vielerlei Weise geben kann – beiGesprächen über die liebevolle, große Barmherzigkeitdes Herrn, beim Besuchslehrenoder indem ich mich der Genealogie undder Tempelarbeit widme. Ich weihe michder Missionsarbeit, indem ich mich bemühe,nach dem Evangelium zu leben und denEingebungen des Geistes zu folgen.Amy SimonSei mutig und starkAnfang 2010 machte ich ein paar Prüfungendurch. Einmal ging ich spazieren,um klare Gedanken zu bekommen. Als ichunterwegs war, flüsterte mir der Heilige Geistzu, ich solle mir wegen der Vergangenheitkeine Sorgen machen; vielmehr solle ich anmeine Zukunft denken. Ich wandte mich alsodem Ziel zu, mein Studium abzuschließen,als mir der Gedanke kam, auf Mission zu gehen.Daran hatte ich noch nie gedacht, aberder Gedanke ließ mich nicht mehr los, undmich erfüllte eine gewisse Vorfreude und derWunsch, eine Mission zu erfüllen. Allerdingsbefand ich dann, dass ich noch ein wenigZeit brauchte, um eine so große Entscheidungtreffen zu können.In den nächsten paar Monaten hatte ichimmer wieder die Eingebung, ich solle aufMission gehen. Ich spürte bei diesen Eingebungenzwar nach wie vor das Verlangen unddie Freude, jedoch kamen mir auch Zweifelund Ängste. Ich wusste, dass Frauen unterstütztwerden, eine Mission zu erfüllen, wennsie den Wunsch verspüren, dass sie aber nichtdazu verpflichtet sind. Ich empfing in dieserZeit Priestertumssegen, in denen mir gesagtwurde, der Herr sei mit meiner Entscheidungeinverstanden, wie sie auch ausfalle.Im darauffolgenden Sommer hatte ich eineMitbewohnerin, die eine Mission erfüllt hatte.Sie berichtete, dass ihr ebenfalls Ängste gekommenwaren, bevor und sogar nachdemsie sich zu einer Mission entschlossen hatte.Sie machte mir bewusst, dass sich der Geistuns nicht durch Zweifel und Ängste kundtut(siehe 2 Timotheus 1:7). Bei diesem Gesprächberührte mich der Geist. Ich ging in mein Zimmerund las den Brief einer Freundin, die geradeauf Mission war. Diese Freundin fordertemich auf, Josua 1:9 zu lesen, und der Geistdrängte mich, die Schriftstelle aufzuschlagen.Was ich dort las, drang mir tief ins Herz:„Sei mutig und stark[!] Fürchte dich alsonicht und hab keine Angst; denn der Herr,dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.“Es war, als spräche der Herr direktzu mir. Ich wusste, dass ich eine Missionbewältigen konnte. Ich brauchte mich nichtzu fürchten, denn ich war ja nicht allein – derHerr war bei mir.Einen Monat später wurde ich in diePhilippinen-Mission Iloilo berufen. Das Mottodieser Mission war Josua 1:9.Kristen Nicole DannerEine andere Art von MissionMein Leben lang hatte ich geplant, eineVollzeitmission zu erfüllen. Als ich jedochmein Studium an der Brigham-Young-Universität aufnahm, wurde ich nervös.Wie konnte ich wissen, ob ich wirklichauf Mission gehen sollte? In dem Jahr vormeinem 21. Geburtstag flehte ich den Vaterim Himmel an, mir zu sagen, ob ich gehenOBEN: FOTO VON DEREK ISRAELSEN; RECHTS: FOTO VON JERRY L. GARNS34 Liahona


solle. Eines Tages sagte einer meiner Religionsprofessorenetwas, was mein Leben änderte: „Der Herr kannkein geparktes Auto fahren.“ Ich beschloss, etwas zuunternehmen.Ich reichte meine Papiere ein, erhielt meine Berufung,kaufte mir Missionarskleidung und fuhr von Utah in meineHeimat North Carolina – und nebenbei bereitete ich michdurch aufrichtiges Beten, Studium und Fasten auf dieMission vor.Als ich in North Carolina angekommen war, kam michein junger Mann besuchen, den ich beim Studium kennengelernthatte, und wir führten ernsthafte Gespräche überunsere Beziehung.Erneut flehte ich den Herrn aufrichtig an, spürte jedoch,dass er mir vertraute und ich selbst die Entscheidungtreffen sollte. Diese Verantwortung lastete schwer auf mir,doch empfand ich auch die tröstliche Gewissheit, dass derHerr meine Entscheidung unterstützen würde, wenn ichsie voller Glauben traf.Zehn Tage vor Missionsantritt machte mir mein Freundeinen Heiratsantrag. Ich verschob die Mission erst einmal,um einen klaren Kopf zu bekommen. Als ich beschloss,den Antrag anzunehmen, bestätigte der Heilige Geist meinemVerlobten und mir, dass die Entscheidung richtig war.Ich habe zwar keine Vollzeitmission erfüllt, doch die Vorbereitunghat mein Leben geändert. Weil ich dem Herrn sonahegekommen bin, konnte ich der Mensch werden, den erbrauchte – für meine Mission als Ehefrau und Mutter.Cassie RandallErlebnisse im ganzen LebenSchon in jungen Jahren war ich mit einem starkenZeugnis und einer Liebe für das Evangelium gesegnet,aber es gab kein bestimmtes Erlebnis, das mir zeigte, dassich eine Mission erfüllen solle. Ich wusste einfach immer,dass ich gehen würde. Bereits früh setzte ich mir das Ziel,so zu leben, dass ich für eine Mission würdig war.Als ich meine Missionspapiere ausfüllte, fastete und beteteich und besuchte den Tempel. Mein Bischof stand mirdabei zur Seite, und wie schon mein ganzes Leben langverspürte ich auch weiterhin Frieden bei dem Gedanken,auf Mission zu gehen.Die Vorbereitung war mitunter schwierig: Alles schienplötzlich teurer zu werden, und beim Studium und bei derArbeit wurde mehr von mir verlangt. Ich studierte nicht inder Nähe meiner Familie, und alle meine Freunde schienenzu heiraten. Es machte mir Angst, dass sich alle, diemir nahestanden, weiterhin ändern würden, während ichauf Mission war.Da mein Entschluss, auf Mission zu gehen, nicht aufeinem einzigen geistigen Erlebnis beruhte, kamen mirleicht Zweifel, wenn es einmal schwierig wurde. Der Herrsegnete mich jedoch, nachdem ich in die Chile-MissionSantiago Ost berufen worden war: Ich empfand für dieMenschen in dem Missionsgebiet bereits vor der Missioneine große Zuneigung. Mein ganzes Leben hindurch hatteich Erlebnisse, die mir davon Zeugnis gaben, dass eineMission die richtige Entscheidung für mich war. ◼Madeleine BaileyANMERKUNGEN1. Thomas S. Monson, „Willkommen zur Konferenz!“, Liahona,November 2012, Seite 4f.2. Gordon B. Hinckley, „An die Bischöfe der Kirche“, WeltweiteFührerschaftsschulung, Juni 2004, Seite 27ANTWORTEN AUF FRAGENMüssen alle Heiligen der Letzten Tage eine Missionerfüllen? Nein, eine Mission ist ein freiwilligerDienst. Von den jungen Männern wird erwartet,dass sie auf Mission gehen; bei jungen Frauen wirdeine Mission begrüßt, ebenso bei Mitgliedern imRuhestand und älteren Ehepaaren, falls sie dazu imstandesind. Jungen können ab 18 Jahren zwei Jahrelang auf Mission gehen. Mädchen können ab 19Jahren 18 Monate lang auf Mission gehen. Mitgliederim Ruhestand und ältere Ehepaare können in vielenverschiedenen Aufgaben von 6 bis zu 23 Monatentätig sein.Die Mitglieder der Kirche betrachten es als einenSegen, ihre Liebe zu ihren Mitmenschen und zumHerrn zu bekunden, indem sie seinen Auftrag erfüllen:„Darum geht zu allen Völkern … und lehrt sie.“(Matthäus 28:19,20.)Näheres dazu finden Sie unter mormon.org/faq.Klicken Sie dort auf „Missionare“.Januar 2013 35


Näheres zu Einsatzmöglichkeitenfür ältereMissionare erfahren Sie beiIhrem Priestertumsführeroder auf lds.org/service/missionary-service.Welche Mission


ist die beste?Wie Ihre Umstände auch aussehen mögen –für Missionarsehepaare gibt es allerhand zu tun!VollzeitmissionMission imKirchendienstEhrenamtlicherLangzeitmitarbeiterWer darf aufMission gehen?ältere Ehepaare,alleinstehendeältere Schwesternältere Ehepaare,alleinstehende ältereBrüder, alleinstehendeältere SchwesternjederMuss man eintempelwürdigesMitglied sein?ja ja neinWie viele Stundenist man alsMissionar tätig?über 32 Stundenpro Wochezwischen 8 und 32Stunden pro Wocheweniger als8 Stunden pro WocheWie langedauert die Mission?6 bis 23 Monate6 bis 24 Monate (Missiondarf mit Genehmigungdes Pfahlpräsidentenverlängert werden)beliebig langeBerufstätigkeitdes Missionarsin der Regelim Ruhestandim Ruhestand oderberufstätigim Ruhestand oderberufstätigMissionsgebietweit weg von zu Hausein der Nähe von zuHause oder zu Hausezu HauseFinanzenmuss die Mission selbstfinanzieren können;Miete für Unterkunft(bis zu 1400 US-Dollarpro Monat für Ehepaare),Krankenversicherung,Fahrtkosten (nachAnkunft im Missionsfeld),persönliche Ausgabenmuss die Mission selbstfinanzieren können;Miete für Unterkunft,Krankenversicherung,Fahrtkosten,persönliche Ausgabenmuss für alle eigenenAusgaben aufkommenFOTO VON ROBERT CASEYJanuar 2013 37


STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGEICH WILL MEIN LICHT AN ANDERE WEITERGEBENEs war ein Tag mit ungewöhnlichemWetter für Südkalifornien: Esdonnerte, blitzte und goss in Strömen,zudem war es drückend heiß. Dochdurch die Klimaanlage war es bei mirzu Hause angenehm kühl. Ich freutemich darauf, mich zu entspannen,und wollte mir einen Film ansehen.Kaum hatte ich mich hingesetzt, hatteich das Gefühl, ich solle meine FreundinSherrill anrufen.Sie sagte mir, dass bei ihr bereitsam Morgen der Strom ausgefallen war.Sie sorgte sich, dass ihre tiefgekühltenLebensmittel auftauen und die Milchverderben könnte, also räumten wiralles in meinen Kühlschrank.Am nächsten Abend standenSherrill und ich vor ihrem Haus. AlleHäuser auf ihrer Straßenseite warenabsolut finster, doch die Häuser gegenüberhatten Strom. Insbesonderedas Haus direkt gegenüber zog meineAufmerksamkeit auf sich. Es war hellerleuchtet, und es saßen Leute auf derVeranda, die sich unterhielten, lachtenund sich amüsierten.In den Tagen danach musste ichständig an diese Szene denken. DerKontrast war frappierend: auf dereinen Seite vollkommene Dunkelheitund auf der anderen Seite hellesLicht. Hier Menschen, die im Dunkelnsaßen, und dort ihre Nachbarn, dieein hell erleuchtetes Haus hatten.Mit diesem Bild im Kopf fragte ichmich, wie oft ich mich wohl wie dieseLeute auf der gegenüberliegendenStraßenseite am Licht des Evangeliumserfreute, während andere im Dunkelnsaßen. Ich stellte mir vor, dass ich mitein paar Freunden aus der Kirche imLicht des Evangeliums auf meinerVeranda saß, ohne dieses Licht jedochan andere weiterzugeben.ILLUSTRATIONEN VON BRIAN CALLAls ich im Dunkeln stand, fragte ich mich, wie oft ich mich wohl wie dieseLeute auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Licht des Evangeliumserfreue, während andere im Finstern sitzen.


Jeder Mensch wird mit Licht geboren– dem Licht Christi. Wir als Mitgliederder Kirche dürfen dieses Lichtnoch heller werden lassen, indem wiranderen vom Evangelium erzählen.Jesus hat gesagt:„Siehe, zündet man eine Kerze anund stellt sie unter einen Scheffel?Nein, sondern auf einen Leuchter,dann gibt sie allen Licht, die imHause sind; darum lasst euer Lichtvor diesem Volk so leuchten, dass sieeure guten Werke sehen können undeuren Vater, der imHimmel ist, verherrlichen.“(3 Nephi12:15,16.)Wir Mitglieder der Kirche haben dieAufgabe, unser Zeugnis von Christusleuchten zu lassen, damit es allesehen können, besonders diejenigen,die – geistig gesehen – im Finsternsind. Nach diesem Erlebnis war ichfest entschlossen, jemand zu sein, aufden der Vater im Himmel bauen kann.Ich wollte meine bequeme Verandaverlassen, um das Licht des Evangeliumsmeinen Nachbarn zu bringen, diesich im Dunkeln befanden. ◼Dolores Sobieski, KalifornienMEIN ERSTESGEBET WEGENDER ERSTENVISIONIch entschloss mich zur Taufe, weilsich in der Zeit, als ich mich mit denMissionaren traf, einige Probleme lösten.Mein Beweggrund war nicht, dassich gebetet und ein Zeugnis erhaltenhatte, dass das Buch Mormon wahr istoder dass Joseph Smith den Vater imHimmel und seinen Sohn Jesus Christusgesehen hat. Die Missionare batenmich zwar, deswegen zu beten, aberich tat es nie. Ich glaubte einfach, wasdie Missionare mir sagten.Drei Jahre nach meiner Taufe standeinmal in der Kapelle eine Schwesteram Rednerpult und gab Zeugnisvom Buch Mormon und von JosephSmith. Sie bat die Anwesenden, überfolgende Frage nachzudenken: „Habenwir wirklich darum gebetet, zuwissen, ob das Buch Mormon wahrist und ob Joseph Smith wirklich Gottgesehen hat?“ Diese Frage ging mir zuHerzen, und ich dachte mir: „Ich habedeswegen noch nie gebetet, aber ichsollte und werde es tun.“Da mein Glaube zu jener Zeitschwach und mein Zeugnis von denSchriften nur oberflächlich war, warmir sehr daran gelegen, mein Vorhabenin den Tat umzusetzen. An jenemAbend betete ich zu Gottvater wegenJoseph Smith und der Wahrheit desBuches Mormon.Das erste Mal fühlte ich nichtsund auch nicht beim zweiten Mal.Um nicht mutlos zu werden, griff ichzu meinen heiligen Schriften undschlug Joseph Smith – Lebensgeschichte1:14-17 auf, wo steht, wieJoseph Smith in den Wald ging, umein Gebet zu sprechen:„Ich [sah] gerade über meinemHaupt, heller als das Licht der Sonne,eine Säule aus Licht, die allmählichherabkam, bis sie auf mich fiel.Kaum war sie erschienen, da fandich mich auch schon von dem Feindbefreit. … Als das Licht auf mir ruhte,sah ich zwei Personen.“Als ich diese Worte las, begannich am ganzen Körper zu zittern, alsob ich einen Stromschlag bekommenhätte. Ich wusste sogleich, dassJoseph Smith wahrhaft den Vater imHimmel und seinen geliebten SohnJesus Christus gesehen hatte. Und ichwusste, wir hatten das Buch Mormon,weil Gott es durch seinen Prophetenhatte übersetzen lassen.Ich bin dankbar, dass mir derVater im Himmel dieses Zeugnisvon der Wahrheit der ersten Visiongewährt hat. Ich habe erkannt: Ichhätte meinen Erlöser nicht kennengelernt,wenn das Evangelium nichtwiederhergestellt worden wäre. Ichweiß, dass das Evangelium in seinerFülle wahr ist, und ich weiß, dassauch mir Gottes Verheißungen gelten,sofern ich glaubenstreu bis ans Endeausharre. ◼Jing-juan Chen, TaiwanJanuar 2013 39


KANN ICH EINEN SEGEN BEKOMMEN?Vor vielen Jahren begleitete ichBruder Schaaf, dessen Heimlehrerich war, einmal zum Krankenhaus,um seiner Frau vor ihrer Operationeinen Priestertumssegen zu geben.Schwester Schaaf lag in einem Zimmermit einer Frau namens AnnieLeddar, die an Krebs im Endstadiumlitt und laut Auskunft der Ärzte nichtmehr lange zu leben hatte.Vor dem Segen wollte ich denVorhang zwischen den beidenKrankenhausbetten zuziehen, dochplötzlich hielt ich inne. Ich wollteAnnie nicht ausschließen und erklärteihr, was wir vorhatten und obsie den Segen miterleben wolle. SieVor dem Segen wollteich schon den Vorhangzwischen den beidenKrankenhausbettenzuziehen, doch plötzlichhielt ich inne,denn ich wollte Annienicht ausschließen.entgegnete, sie würde gern zusehen.Ihr verstorbener Mann war Geistlichergewesen, und sie wollte gernmehr über unseren Glauben erfahren.Bruder Schaaf und ich gabenalso seiner Frau einen Segen, undAnnie hörte zu.Bevor Schwester Schaaf ein paarTage später aus dem Krankenhausentlassen wurde, fragte Annie, obsie auch einen Priestertumssegenbekommen könne. Bruder Schaafund ich gingen gern noch einmalins Krankenhaus und gaben Annieeinen Segen. Sie wurde nicht geheilt,aber ihr Zustand verbesserte sichdeutlich.Annie wollte mehr über das Evangeliumerfahren, und so bat ich dieMissionare, sie im Krankenhaus zubesuchen und zu belehren. Sie waraufgeschlossen für die Botschaft desEvangeliums und ließ sich taufen.Jede Woche fuhren wir zum Krankenhaus,um Annie, die im Rollstuhl saß,zur Kirche zu bringen.Da Annie krank war, war es für sieschwierig, sich fortzubewegen, aberschon bald fand sie eigene Wege,dem Herrn zu dienen. Wir brachtenihr eine Schreibmaschine, und stundenlangarbeitete sie jeden Tag imKrankenhaus an ihrer Familiengeschichte.Annie lebte drei Jahre längerals erwartet und bereitete vor ihremTod hunderte Namen von Angehörigenfür den Tempel vor.Nach Annies Tod vollzog SchwesterSchaaf für viele von Annies weiblichenVorfahren die stellvertretendeArbeit im Tempel.Meines Wissens war Annie dieEinzige aus ihrer Familie, die sichder Kirche anschloss. Ihre lebendenAngehörigen fanden sich mit ihremEngagement für die Kirche nieso recht ab, aber ich bin mir sicher,dass viele ihrer verstorbenen Angehörigensehr dankbar sind für dieArbeit, die stellvertretend für sieverrichtet wurde.Wir wissen nie, ob jemand, denwir kennenlernen, bereit ist, dasEvangelium anzunehmen. Ich bindankbar, dass ich miterleben konnte,wie der Same, der dadurch in AnniesHerz gepflanzt wurde, dass sie einenPriestertumssegen miterleben konnte,aufblühte und hunderten Kinderndes Vaters im Himmel zum Segengereichte. ◼Art Crater, New York


MEIN GEBURTS-TAGSWUNSCHAls ich mit 18 Jahren das Evangeliumannahm, wurde mir bewusst,dass ich die süßeste Frucht von allengekostet hatte. Ich verspürte großeFreude, musste jedoch an alle meineAngehörigen denken, die ziellosumherirrten. Es stimmte mich traurig,dass ich als Einzige in meiner Familieder Kirche angehörte, ich wusste abernicht, wie ich ihnen Augen und Ohrenfür die Wahrheit öffnen sollte.Auf vielerlei Weise bemühte ichmich, meine Familie dazu zu bringen,dass sie den Missionaren zuhörten. Jemehr ich mich aber bemühte, destoverstockter reagierten sie.Da verlor ich den Mut und überlegtesogar, ob ich überhaupt nochzur Kirche gehen sollte. Als ich jedochbetete, kam mir eine Schriftstelle inden Sinn: „[Wenn ihr] mich danachverleugnet, dann wäre es besser füreuch, ihr hättet mich nicht gekannt.“(2 Nephi 31:14.) Also betete ich nochinniger, las in den Schriften, besuchtedie Versammlungen der Kirche undbemühte mich zu erkennen, wiegesegnet ich doch war. Und siehe da:Der Schmerz verschwand allmählich.Als mein Geburtstag näherrückte,hatte ich das Gefühl, ich solle eineGeburtstagsfeier bei mir zu Hauseausrichten und all meine Freunde ausder Kirche sowie die Vollzeitmissionareeinladen. Ich wünschte mir fürmeine Familie näheren Umgang mitden Mitgliedern der Kirche, die mirallesamt so glücklich vorkamen. Fürmich war diese Feier wie ein großerFamilienabend.Nach diesem Tag änderte sichetwas. Die Missionare waren nunbei uns zu Hause willkommen undAls mein Geburtstag näherrückte, hatte ich das Gefühl,ich solle eine Geburtstagsfeier bei mir zu Hause ausrichtenund all meine Freunde aus der Kirche sowie dieVollzeitmissionare einladen.freundeten sich mit meiner Familie an.Eines Tages verkündete mein Vater, essei sein Wunsch, dass unsere gesamteFamilie die Missionare anhört und indie Kirche geht. Ich war verblüfft.Drei Jahre nach meiner Taufe ließsich meine ganze Familie taufen. BeimTaufgottesdienst gab meine MutterZeugnis, und mein Vater dankte denMissionaren. Die Mitglieder der Gemeindekonnten über diese Bekehrungnur staunen.Wie war sie möglich? All die Tränen,die ich vergossen hatte, und dieZiele, die ich mir gesetzt hatte, spieltenwohl auch eine Rolle. Doch vor allemwurde das Herz meines Vaters durchdie Zuneigung und Freundschaft derMissionare und der Mitglieder der Gemeindeerweicht. Die Mitglieder warenallesamt Missionare, denn sie lebtennach dem Evangelium Jesu Christi undgaben so ein gutes Beispiel. Ich binsowohl für sie als auch für den Plandes Vaters im Himmel dankbar, der esallen Familien ermöglicht, für immervereint zu sein. ◼Angelica Carbonell Digal, PhilippinenJanuar 2013 41


Elder MichaelT. Ringwoodvon den SiebzigernGlaube,Hoffnung undBeziehungenWunsch,Zuversicht undHoffnung solltenuns dazubewegen, eineBeziehungaufzubauen,die letztlich zurHeirat führt.Was, du hast wirklich eineListe mit den Vor- undNachteilen erstellt?“ Ungläubigstellte mir mein heranwachsenderSohn diese Frage und wiesauf eine Liste, die er in einem meinerTagebücher gefunden hatte. Es warnicht bloß irgendeine Liste: Es wardie Liste, die ich vor 30 Jahren angefertigthatte, bevor ich seiner Muttereinen Heiratsantrag gemacht hatte.Ich weiß nicht, wie viele Männersolch eine Liste erstellen, aber als ichals 24-jähriger Student über die Ehenachdachte, schien es mir einfachrichtig, dies zu tun.Weitere Fragen meines Sohnes überunsere Zeit des Werbens sind mir vondem Tag nicht in Erinnerung, denndiese Liste hatte es ihm angetan. Ichsehe ihn noch immer vor mir, wie erseinen Geschwistern zuruft: „Papa hateine Liste über Mama geschrieben! Dasmüsst ihr euch mal ansehen!“ Rückblickendfallen mir jedoch viele Fragenein, die er gestellt haben könnte.Hast du sie denn nicht geliebt?Diese Frage hätte die erste sein sollen.Meine Antwort wäre „doch“gewesen – deshalb habe ich die Listeja gemacht. Ich liebte sie wirklich,und ich wünschte mir mehr als allesandere, dass sie glücklich war. DieListe war eher dazu da, festzustellen,ob ich sie glücklich machen könne,als dafür, ob ich sie liebte oder nicht.Habt ihr denn keinen Spaßzusammen gehabt? Wieder wäremeine Antwort „doch“ gewesen– deshalb habe ich die Liste ja gemacht.Die Liste sollte aufzeigen, obmeine Hoffnung, dass sie immer mitmir Spaß haben würde, Wirklichkeitwerden könnte.Hast du denn nicht gemerkt, dasssie die Richtige ist? Das wäre wohl dieinteressanteste Frage von allen gewesen.Ich hätte wieder „doch“ geantwortet.Ich hatte die Zuversicht, dasssie „die Eine“ war, aber ich wolltesicher sein, dass meine Zuversichtmich auch zu Taten bewegen konnte,damit es auch funktionierte.Ich glaube nicht, dass mir damalsvollständig bewusst war, welcheAuswirkungen die Worte meines Missionspräsidentenüber den Glaubenund seine Bausteine Wunsch, Zuversichtund Hoffnung auf meine Zeitdes Werbens hatten. Inzwischen seheich die Dinge klarer und bin PräsidentF. Ray Hawkins für seinen Einflusssehr dankbar. Ich habe immer nochdie Notizen, die ich mir als 20-jährigerFOTO VON ANN HIGGINS42 Liahona


Januar 2013 43JUNGE ERWACHSENE


Missionar gemacht habe, als meinjunger Missionspräsident die Schriftenaufschlug und uns die Bausteine desGlaubens näherbrachte, die später beider wichtigsten Entscheidung meinesLebens eine Rolle spielen sollten.Almas Lehre vom GlaubenPräsident Hawkins sprach unteranderem über Almas Worte zu denArmen unter den Zoramiten. Almaerklärte, dass wir einen winzigen TeilGlauben aufbringen müssen, und erbezeichnet dies als Wunsch (sieheAlma 32:27). Der Wunsch, dass etwasgeschieht, trägt sehr dazu bei, dasswir tun, was notwendig ist, um anGlauben zuzunehmen.Ein zweiter Baustein des Glaubensergibt sich, wie Alma lehrt, aus diesemWunsch, nämlich die Zuversicht. Almawies die Zoramiten an, diesen ihrenWunsch in sich wirken zu lassen, bissie auf eine Weise glauben konnten,dass sie seinen Worten im HerzenRaum geben konnten (siehe Vers 27).Diese Verbindung von Wunsch undZuversicht fängt dann an, uns in derBrust zu schwellen, und daran merkenwir, dass die Wirkung gut ist, denn siefängt an, uns die Seele zu erweiternund unser Verständnis zu erleuchten.Sie fängt an, uns köstlich zu werden(siehe Vers 28).Die Hoffnung ist ein weiterer wichtigerBaustein des Glaubens. Almasagte den demütigen Zoramiten,dass der Glaube keine vollkommeneKenntnis ist. Es ist vielmehr die „Hoffnungauf etwas, was man nicht sieht,was aber wahr ist“ (Alma 32:21; Hervorhebunghinzugefügt). Gleichermaßenlehrt auch Mormon, dass Hoffnungein wichtiger Bestandteil desGlaubens ist. Er sagt zu Moroni: „Wiewollt ihr Glauben erlangen, wenn ihrnicht Hoffnung habt?“ (Moroni 7:40.)Hoffnung kann als die Fähigkeitbeschrieben werden, in der ZukunftGutes zu entdecken. 1 Meine Liste warfür mich der Weg gewesen, mit gläubigemAuge in die Zukunft zu blickenund wie Abraham festzustellen, dassmir „mehr Glück und Frieden beschiedensein würde“ (Abraham 1:2),wenn ich meine Frau heiratete.Da ich also den Wunsch hatte,musste ich meinem Glauben nunnoch die Bausteine Zuversicht undHoffnung hinzufügen, und ich musstemeinen Glauben in die Tat umsetzen,nämlich um Rosalies Hand anhalten.Die Liste, in der mein Wunsch, meineZuversicht und meine Hoffnungzum Ausdruck kamen, war für michwichtig, denn sie machte mir Mut, dienotwendigen Taten folgen zu lassen,ohne die mein Glaube unvollständiggeblieben wäre. Laut Jakobus istGlaube ohne Werke tot (siehe Jakobus2:17). Wären mein Wunsch, meineZuversicht und meine Hoffnung auchnoch so groß gewesen – das alleshätte mir nicht geholfen, jenes größereGlück und jenen größeren Friedenzu finden, den ich in der Ehe gefundenhabe, wenn ich nicht letztlich dieentscheidende Frage zu stellen gewagthätte. (Leider hat Rosalie meinenersten Heiratsantrag abgelehnt – aberdas ist eine andere Geschichte. Geradedann, wenn etwas nicht nach Planoder gemäß unserem Zeitplan läuft,spielt der Glaube eine große Rolle.)Wir brauchten beide noch etwas Geduldund Ausdauer, doch schließlichheirateten wir an einem verschneitenDezembertag des Jahres 1982.Glaube ist bei allem wichtig, waswir tun, auch bei Verabredungen undin der Zeit des Werbens umeinander.Der Wunsch, die Zuversicht und dieHoffnung, dass wahrhaftig größeresGlück und größerer Frieden auf unswarten, sollten uns dazu bewegen,eine Beziehung aufzubauen, die zurEhe führt. Habt ihr den Wunsch,dem Plan des Glücklichseins zufolgen? Habt ihr die Zuversicht, dassdas Befolgen dieses Plans euch zugrößerem Glück und zu größeremFrieden führt? (Glaubt mir bitte, dassdas Befolgen des Plans und die Eheschließungim Tempel euch zu größeremGlück und zu größerem Friedenführen!) Hofft ihr auf eine glücklicheEhe? Versetzt euch eure Hoffnung indie Lage, euch für die Zukunft etwasGutes vorzustellen? Wenn ja, dannmüsst ihr euren Glauben dadurchvollenden, dass ihr etwas tut. Verabredeteuch! Nehmt die Einladung zueiner Verabredung an! Begebt euchdorthin, wo ihr gleichgesinnte jungeErwachsene kennenlernen könnt.Kurz gesagt: Schlagt einen Kurs ein,der zu größerem Glück und zu größeremFrieden führt.Joseph Smith –ein Vorbild im GlaubenBetrachten wir Joseph Smith:Er ist uns ein Vorbild im GlaubenFOTO VON CRAIG DIMOND UND JUSTIN JOHN SODERQUIST44 Liahona


und jemand, bei dem die BausteineWunsch, Zuversicht und Hoffnungdeutlich zutage traten.Joseph Smith wollte die wahre KircheJesu Christi finden. Sein Wunschwar so stark, dass er die Schriftenaufschlug. Dort las er: „Fehlt es abereinem von euch an Weisheit, dannsoll er sie von Gott erbitten.“ ( Jakobus1:5.) Er dachte über diese Schriftstellenach. Er wünschte sich Weisheit, under hatte die Zuversicht, dass er sieerhalten würde, wenn er Gott darumbat. Er tat das einzig Logische: Erbetete und fragte Gott. Denken Sieeinmal kurz darüber nach. Josephhatte den Wunsch, die Wahrheit zuerfahren. Er hatte Zuversicht und hieltdie Worte des Jakobus für wahr. Erhoffte auf eine Antwort. Aber wenner es dabei hätte bewenden lassen,wären wir heute nicht hier. Um seinemGlauben Werke folgen zu lassen,musste er in den Wald gehen undbeten. Als er in den Wald hineinging,um zu beten, erwartete er ganz bestimmt,dass er anschließend mit einerAntwort herauskommen würde. Er hatwohl nicht erwartet, dass er den Vaterim Himmel und Jesus Christus sehenwerde, aber eine Antwort hat er sehrwohl erwartet. Was für ein vorbildlicherGlaube! Er hatte den Wunsch,die Zuversicht und die Hoffnung,und dann unternahm er etwas.Der Glaube eines 14-Jährigen hatdie Welt verändert. Weil Joseph Smithim heiligen Hain betete, öffneten sichdie Himmel und Gott sprach erneutdurch einen Propheten zu seinenKindern.Wie auch ihr Glaubenan den Tag könntDer Herr spricht auch heutenoch durch seinen Propheten. Vorgut anderthalb Jahren hat PräsidentThomas S. Monson gesagt:„Brüder, es kommt der Zeitpunkt,da Sie ernsthaft über die Ehe nachdenkenund sich eine Partnerin suchensollten, mit der Sie die Ewigkeit verbringenmöchten. Wenn Sie Ihre Wahlweise treffen und alles daransetzen,eine gute Ehe zu führen, gibt es in diesemLeben nichts, was Ihnen größeresGlück verschafft.Wenn Sie heiraten, … werdenSie den Wunsch haben, im Haus desHerrn zu heiraten. Für Sie, die Siedas Priestertum tragen, darf es keineandere Option geben. Geben SieAcht, dass Sie die Eignung für eineTempelehe nicht einbüßen. Sie können… ausgehen und eine schöneZeit verleben und sich dennoch inden richtigen Grenzen bewegen.“ 2Vielleicht tut ihr euren Wunsch,eure Zuversicht und eure Hoffnungnicht in Form einer Liste kund, sowie ich das getan habe, aber aufwelche Art ihr auch immer dieseEigenschaften an den Tag legt – siehelfen euch, euren Glauben zu vollenden.Hört also auf den Prophetendes Herrn und sucht euch eine Partnerin,mit der ihr sehr glücklich seinkönnt. Euer Wunsch, eure Zuversichtund eure Hoffnung tragen dann dazubei, dass ihr eine weise Entscheidungtreffen könnt.Die Segnungen, die damit einhergehen,dass wir eine ewige Ehe anstrebenund diese Beziehung pflegenwollen, führen letztlich dazu, dass wirvon der Frucht des Evangeliums kosten,die Alma als „höchst kostbar, …süßer als alles Süße und … reiner alsalles Reine“ beschreibt. Er führt weiteraus: „Ihr werdet euch an dieser Fruchtlaben, selbst bis ihr satt seid, sodassihr nicht hungert, und auch dürstenwerdet ihr nicht.“ (Alma 32:42.) ÜbtGlauben, statt Angst vor der Zukunftzu haben. So könnt ihr eines TagesAnspruch auf die Verheißungen desHerrn erheben. ◼ANMERKUNGEN1. Siehe Dennis F. Rasmussen, „What FaithIs“, in Larry E. Dahl und Charles D. TateJr., Hg., The Lectures on Faith in HistoricalPerspective, Seite 1642. Thomas S. Monson, „Die Macht des Priestertums“,Liahona, Mai 2011, Seite 66f.JUNGE ERWACHSENEJanuar 2013 45


Elder JuanA. Ucedavon den SiebzigernGeben wir dasBuchMormonweiter!Ich wusste, dass das BuchMormon wahr ist, weil ichbeim Lesen dreierlei verspürte.Mit 18 lebte ich in Lima in Peru,wo ich geboren und aufgewachsenwar. Damals trafmein Vater einen guten Freund, dener schon lange nicht gesehen hatte.Mein Vater war beeindruckt, dasssein Freund so jung aussah und sogut gekleidet war. Er fragte ihn also,wie es zu dieser Veränderung gekommensei. „Hast du im Lotto gewonnen?“,scherzte er. Sein Freund entgegnete:„Eigentlich noch viel besser.Ich habe mich der Kirche Jesu Christiangeschlossen und möchte, dass auchdu mit deiner Familie das Evangeliumkennenlernst.“Mein Vater hielt das für einenScherz. Also sagte er: „Na gut, wenndu unbedingt deine Missionare zuABDRUCK DER FAMILIENFOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON ELDER UCEDA; ILLUSTRATIONEN VON BRIAN CALLElder Uceda (Zweitervon rechts) kurz nachseiner Taufe – mitseiner Familie in Lima46 Liahona


mir schicken willst – bitte sehr!“ SeinFreund hatte das aber ernst gemeint,und ein paar Tage später kamen dieMissionare und klopften an unsereTür. So nahm etwas Wunderbaresseinen Anfang.Die Missionare erzählten uns vomBuch Mormon und gaben uns eineszum Lesen. Dies alles trug sich imSommer zu. Ich hatte nach meinemersten Jahr an der Uni gerade Ferien,und so nahm ich gleich am Nachmittagnach unserem Gespräch das BuchMormon zur Hand.Ich las Seite um Seite und konnteeinfach nicht aufhören. Von diesemBuch ging ein eigenartiger Zauberaus. Ich lese sehr gern und habeschon viele Bücher gelesen. Mitdiesem verhielt es sich aber anders.Das Buch hatte mich in seinen Banngezogen, und nachdem ich mehrereStunden gelesen hatte, mahnte meineMutter: „Juan, mach das Licht aus!Deine Brüder wollen schlafen.“ Daraufich: „Klar, einen Moment noch,nur einen Moment.“ Ich las einfachweiter. Selbst nach stundenlangemLesen spürte ich weder Hungernoch Durst noch ein Verlangennach Schlaf.Noch bevor ich das Buch ganzdurchgelesen hatte, wusste ich, dasses etwas Besonderes enthielt. Ichbekam ein Zeugnis, weil ich dreierleiverspürte, als ich das Buch zumersten Mal las.Das Erste, was ich in jenen Stundenverspürte, war ein tiefes Gefühldes Friedens, das sich von allem unterschied,was ich bisher erlebt hatte.Dieses Gefühl des Friedens hielteinige Stunden lang an.Das Zweite, was ich beim Lesenverspürte, war ein Gefühl der Freude.Es war nicht die Art von Freude, dieich bereits kannte, wenn ich etwa mitmeinen Freunden zusammen waroder etwas gekauft hatte, was mirwirklich gefiel. Es war kein Gefühl derZufriedenheit, sondern ein tiefes Gefühlinnerer Freude. Während ich las,fing ich an zu weinen, und mir wurdebewusst: „Genau so soll es sein!“Das Dritte, was ich verspürte, warErleuchtung. Anfangs war das Buchschwer zu verstehen, denn es kamenBegriffe wie Nephi oder Sühnopferdarin vor, die mir nicht vertraut waren.Doch nachdem ich ein paar Stundengelesen hatte, öffnete sich mein Verstandund es war, als sei Licht hineingelangt.So konnte ich immer mehrvon dem verstehen, was ich las.JUGENDLICHEJanuar 2013 47


Später erfuhr ich, dass sich derHeilige Geist unter anderem durchdiese drei Arten der Einflussnahmekundtut. Ich hatte den Geist empfangenund war bereit zur Taufe, dochich musste noch warten, bis auchmeine Familie ein Zeugnis empfing.Schließlich ließen sich am 6. April1972 meine Mutter, meine Schwesterund ich taufen. Mein Vater und meinebeiden Brüder waren auch da undbeobachteten aufmerksam, was mituns geschah. Ein paar Monate späterließen auch sie sich taufen.Die Kirche und das Evangeliumtraten gerade im richtigen Augenblickin mein Leben. Im ersten Jahr an derUniversität war ich vielen Menschenphilosophien,neuen Vorstellungenund Lebensweisen ausgesetzt, diesich von dem, was ich kannte, sehrunterschieden. Viele Werte, die mirals Kind in meiner früheren Kirchevermittelt worden waren, wurdendurch diese neuen Vorstellungen inFrage gestellt.Das war schwierig für mich, undich war ziemlich durcheinander. Esgab so viel Neues, was – so spürte ich– nicht richtig war, jedoch als normalangesehen wurde. Und mein Wissenwar zu dürftig, als dass ich für meineWerte hätte eintreten können.Nach meiner Taufe ging ich jedochbesser gerüstet an die Universität zurück,denn ich wusste nun, was ichliebevoll erwidern konnte. Selbstbewusstkonnte ich sagen: „Nein, danke,das ist nichts für mich.“ Und ichkonnte auch den Grund dafür nennen.Die Kirche und das Buch Mormonkamen genau zur rechten Zeitfür mich. Mein Leben hat sich durchsie verändert, und ich bin dankbardafür.Der Entschluss, mich der Kircheanzuschließen, brachte viele Segnungenmit sich. In der Kirche fand ichgute Freunde. Ich war immer sehrschüchtern und gerne allein gewesen.Ich las viel und lernte viel – daswar meine Welt. Als jedoch die Kirchein mein Leben trat, lernte ich,was wahre Freundschaft bedeutet.Ich lernte auch eine liebe jungeFrau kennen, die ich später heiratete.Es gab Priestertumsführer und Menschen,die sich um mich kümmerten.In der Kirche des Herrn fand ich, wasich brauchte.So viele würden in der Kirche dasfinden, was sie brauchen. Habt alsokeine Angst, zu euren Freunden zusagen: „Daran glaube ich. Darübermöchte ich mit dir sprechen.“ Manchmalsagen einem ältere Leute, wasrichtig oder falsch ist. Doch wennman es von einem gleichaltrigenFreund hört, nimmt man es sich eherzu Herzen. Aus irgendeinem Grundhat seine Stimme mehr Gewicht alsdie Stimme eines Älteren. Setzen wiralso ein gutes Beispiel, denn manweiß ja nie, ob da nicht vielleicht einJuan Uceda wartet. Das weiß manerst, wenn man den Mund aufmachtund sagt: „Juan, ich möchte dich einladen,zur Kirche mitzukommen. Ichmöchte, dass du dieses Buch liest.“ Esist so einfach. Und man kann dadurchein Menschenleben ändern. ◼Später arbeitete Elder Uceda in Peruals Vollzeitmissionar und konnte sooftmals Zeugnis vom Buch Mormongeben. Links oben: Elder Uceda(rechts) mit einer neugetauftenFamilie, die er belehren half.Links unten: Elder Uceda (hintereReihe rechts) zusammen mitanderen Missionaren vor einemGemeindehaus.48 Liahona


ZEILE UM ZEILELehre und Bündnisse 87:8Der diesjährige Leitgedanke für die gemeinsamen Aktivitäten der Jungen Männerund der Jungen Damen macht uns klar, wo wir stehen müssen, um in Sicherheit zu sein.JUGENDLICHESteht„Der Herr lädt uns ein:‚Naht euch mir, undich werde mich euchnahen; sucht micheifrig, dann werdetihr mich finden.ʻWenn wir dies beherzigen, werdenwir seinen Geist verspüren, der in unsden Wunsch und den Mut weckt, starkzu sein und fest zu stehen in Rechtschaffenheit– an ‚heiligen Stättenʻ zustehen und nicht zu wanken.“Präsident Thomas S. Monson, „Stehen Sie an heiligenStätten“, Liahona, November 2011, Seite 84Er kommt schnell„Wir müssen nach den Zeichen[des Zweiten Kommens] Ausschauhalten, wir müssen so glaubenstreuwie möglich leben. … Aber wird dürfenuns nicht davon lähmen lassen,dass dieses Ereignis und alles, wasdamit zusammenhängt, uns irgendwanneinmal bevorsteht. Wir könnennicht aufhören zu leben. Nein, wirmüssen sogar noch intensiver lebenals jemals zuvor.“Elder Jeffrey R. Holland vom Kollegium der ZwölfApostel, „Diese Evangeliumszeit – die großartigstevon allen“, Liahona, Juli 2007, Seite 20Der Tag des HerrnTag des Herrn – Zweites KommenJesu ChristiAn heiligen Stätten„Was sind … ‚heilige Stättenʻ?Gewiss gehört der Tempel dazu unddass wir die Bündnisse, die wir dortschließen, treu halten. Gewiss gehörtein Zuhause dazu, in dem Kindergeschätzt und Eltern geachtet werden.Gewiss gehören zu den heiligen Stättendie Ämter, die uns durch Priestertumsvollmachtübertragen werden,wie Missions- und andere Berufungen,die in Zweig, Gemeinde oderPfahl glaubenstreu erfüllt werden.“Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der ZwölfApostel, „Vorbereitung auf das Zweite Kommen“,Liahona, Mai 2004, Seite 10; HervorhebunghinzugefügtWankt nichtEs folgen einige Möglichkeiten,die sicherstellen, dass etwas nicht zuwanken beginnt:• Ein Anker – „Hoffnung … wird fürdie Menschenseelen zum Anker.“(Ether 12:4.)• Ein stabiles Fundament – „Es [ist]auf dem Fels unseres Erlösers …,und das ist Christus, der SohnGottes, dass ihr eure Grundlagebauen müsst …, der eine sichereGrundlage ist.“ (Helaman 5:12.)• Ein fester Stand – Man kann nichtmit einem Fuß in Zion stehen undmit einem Fuß in der Welt, denn„ein Mann mit zwei Seelen [ist]unbeständig auf all seinen Wegen“( Jakobus 1:8).• Zeltpfähle – Die Pfähle des ZeltesZions tragen dazu bei, dass dieKirche aufrecht und fest verankertsteht und uns Schutz bietet: „Damitdie Sammlung im Land Zion und inseinen Pfählen Schutz bewirke undeine Zuflucht sei vor dem Sturm.“(Lehre und Bündnisse 115:6.)Anmerkung des Herausgebers: Diese Seite ist nicht gedacht als umfassende Erklärung derausgewählten Schriftstelle, sondern nur als Ausgangspunkt für dein eigenes Schriftstudium.Januar 2013 49


LEIT­GEDANKEfür 2013AUF HÖHEREMGELÄNDE STEHENDavid L. BeckPräsident der Jungen MännerDer Leitgedanke der Jungen Damen und Jungen Männerfür 2013 stammt aus Lehre und Bündnisse 87:8: „Darumsteht an heiligen Stätten und wankt nicht, bis der Tagdes Herrn kommt.“ Die Frage, von der ich hoffe, dass siesich dieses Jahr jeder junge Mann stellt, lautet: Stehe ich anheiligen Stätten?Ich habe überall auf der Welt tapfere junge Männer kennengelerntund konnte mit eigenen Augen beobachten, wieTausende von euch genau dies schon auf vielerlei Art tun.Jedes Mal, wenn ihr in den Tempel geht, um Taufen für dieVerstorbenen zu vollziehen, steht ihr an den allerheiligstenStätten. Ich bitte euch: Nehmt jede Gelegenheit wahr, in denTempel zu gehen, und seid dessen immer würdig. Ihr stehtjeden Tag an heiligen Stätten, wenn ihr eure Pflicht vor Gotterfüllt, und dadurch richtet ihr auch andere auf. Wenn ihrsonntags das Abendmahl vorbereitet, segnet und austeilt,steht ihr an heiligen Stätten. Und wenn ihr mit anderen überdas Evangelium sprecht und euch wie ein ortsgebundenergeistlicher Diener verhaltet – immer bereit, willens undwürdig, euren Mitmenschen zu dienen und sie zu stärken –dann steht ihr ebenfalls an heiligen Stätten.Die Träger des Aaronischen Priestertums sollen warnen,erläutern, ermahnen, lehren und alle einzuladen, zu Christuszu kommen (siehe LuB 20:59). Präsident Harold B. Lee(1899–1973) hat gesagt: „Sie können eine andere Seele nurdann erheben, wenn Sie selbst auf höherem Gelände stehenals sie. … Sie können kein Feuer bei jemand andersentzünden, wenn Ihre eigene Seele nicht brennt.“ 1 JungeMänner, das bedeutet: Ihr müsst beständig daran arbeiten,euer Zeugnis zu stärken, und immer willens sein, es anderenmitzuteilen.Ihr habt die heilige Aufgabe, ein Werkzeug in den Händendes Herrn zu sein. Wenn ihr betet und in den Schriftenstudiert, euch bemüht, die Gebote zu halten, und auf dieEingebungen des Geistes hört, dann steht ihr auf höheremGelände. Daraus folgt: Überall, wo ihr steht, kann eineheilige Stätte sein. Und dann habt ihr im Fall des Falles auchdie Kraft, den Mut und die Fähigkeit, andere emporzuheben.Ihr habt dann die Macht und den Schutz bei euch, dieder Herr denen verheißt, die an heiligen Stätten stehen.Mir gefällt, was Präsident Thomas S. Monson über dieseVerheißungen gesagt hat. Er hat uns versichert, wenn wir unsdem Herrn nähern, dann „werden wir seinen Geist in unseremLeben spüren, der uns den Wunsch und den Mut gibt,standhaft und fest in Rechtschaffenheit zu verbleiben und ‚anheiligen Stätten zu stehen und nicht zu wanken‘ (LuB 87:8).Wenn Veränderungen uns umwirbeln und das Rückgratder Gesellschaft immer weiter unmittelbar vor unseren Augenzerfällt – mögen wir dann an die kostbare Verheißungdes Herrn an diejenigen denken, die auf ihn vertrauen:‚Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst,denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir, ja, ich mache dichstark‘ ( Jesaja 41:10).“ 2 ◼ANMERKUNGEN1. Harold B. Lee, „Stand Ye in Holy Places“, Ensign, Juli 1973, Seite 1232. Präsident Thomas S. Monson, „Stehen Sie an heiligen Stätten“, Liahona,November 2011, Seite 8650 Liahona


„STEHT ANHEILIGENSTÄTTEN UNDWANKT NICHT.“(SIEHE LUB 87:8)JUGENDLICHEFOTO VON JOHN LUKEHEILIGE STÄTTENIN DEINEM LEBENElaine S. DaltonPräsidentin der Jungen DamenDer diesjährige Leitgedanke für die gemeinsamen Aktivitätender Jungen Männer und der Jungen Damenfordert euch auf, aus der Welt herauszukommen und indas Reich Gottes einzutreten. Präsident Boyd K. Packer,Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat gesagt,dass wir in Feindesland leben. 1 „Steht an heiligen Stätten“ist der Schlüssel zum Überleben.Dieser Leitgedanke wirft wichtige Fragen auf: Was isteine heilige Stätte? Wo ist eine heilige Stätte? Wie könnenwir an heiligen Stätten stehen? Wie machen wir Orte, wowir uns regelmäßig aufhalten, heiliger? Wenn ihr eineAntwort auf diese Fragen sucht, wirkt sich diese auf sovieles aus – darauf, mit wem ihr Umgang pflegt, was ihrunternehmt, wie ihr euch kleidet, was ihr sagt und wasihr tut oder lasst.Ihr habt euch verpflichtet, euer Zuhause und eureFamilie zu stärken. Bemüht euch, aus eurem Zuhause eineheilige Stätte zu machen, die vom Geist des Herrn erfülltist. Ihr könnt beim Familiengebet und beim gemeinsamenSchriftstudium mitmachen.Euer Zimmer kann eine heilige Stätte sein, die den Geisteinlädt. Wenn der Prophet euer Zimmer sehen könnte,würde er darin eine heilige Stätte sehen? Und ihr selbst?Wir können an heiligen Stätten stehen, wenn wir indie Kirche gehen. In den Schriften steht, dass die Gemeindenund Pfähle Zions heilige Stätten sind, die „Schutz[bewirken] und eine Zuflucht … vor dem Sturm“ sind(LuB 115:6).Der heiligste Ort auf dieser Erde ist der Tempel. PräsidentThomas S. Monson hat gesagt: „Euch, meinen Freunden imJugendalter, möchte ich sagen: Richtet euren Blick stets aufden Tempel. Tut nichts, was euch davon fernhält, den Tempelzu betreten und an den heiligen und ewigen Segnungendort teilzuhaben. Ich möchte euch, die ihr bereits regelmäßigin den Tempel geht und euch für Verstorbene taufenlasst, loben.“ 2 Seid immer würdig für einen Tempelschein,auch wenn kein Tempel in eurer Nähe ist.Wo immer ihr euch befindet und wo der Geist zugegenist, kann eine heilige Stätte sein. Präsident Harold B. Lee(1899–1973) hat gesagt, dass heilige Stätten mehr damit zutun haben, wie man lebt, als damit, wo man lebt. 3 Wennihr so lebt, dass ihr den heiligen Geist immer bei euchhaben könnt, dann steht ihr an heiliger Stätte.An jedem Tempel findet sich die Inschrift „Heilig demHerrn“. Strebt danach, immer an heiligen Stätten zu stehen.Wenn ihr nach den Maßstäben der Kirche lebt, täglich betetund in den Schriften lest – vor allem im Buch Mormon –,spürt ihr, dass der Heilige Geist bei euch ist. Der Herr selbstverheißt euch: „Denn wahrlich, ich sage euch: Großeserwartet euch.“ (LuB 45:62.) Dem stimme ich zu und bezeuge,dass dies wahr ist! ◼ANMERKUNGEN1. Siehe Boyd K. Packer, „Wie man in Feindesland überlebt“, Liahona,Oktober 2012, Seite 34ff.2. Thomas S. Monson, „Der heilige Tempel – ein Leuchtfeuer für dieWelt“, Liahona, Mai 2011, Seite 923. Siehe Lehre und Bündnisse – Leitfaden für den Schüler: Religion 324und 325, Seite 204f.Januar 2013 51


Adam C. OlsonZeitschriften der KircheWAS AGUNGBEIM BADMINTONGELERNT HATEin Jugendlicher aus Indonesien hat erkannt,dass man Hoffnung braucht, um nichtaufzugeben.Es ist ein typisch feuchtwarmer Tag in Jogjakartain Indonesien, und Agung tropft der Schweißvon der Stirn, während er auf den Aufschlagseines Gegners wartet. Beide Gegner haben beidiesem Badminton-Spiel annähernd dieselbePunktezahl, und der Fünfzehnjährige will unbedingtgewinnen.Nach einem erbitterten Ballwechsel schlägtder Gegner den Federball hoffnungslos ausAgungs Reichweite. Da Agung nicht bereitist, den Punkt in diesem spannenden Wettkampfaufzugeben, hechtet er nach demFederball, erreicht ihn aber nicht – undals er aufsteht, blutet er, weil er über denZement gerutscht ist.Man sieht sofort, dass er gernBadminton spielt. Doch Agung träumtnicht davon, einmal Profispieler zuwerden. Er wird eines Tages nichtwählen müssen, ob er bei der Olympiadeden Federball aufschlägt odereine Mission erfüllt. Nach eigenerAussage ist er nämlich nicht besondersgut in dem Sport.Warum versucht dieser kleine Jugendlichemit dem breiten Lächeln es dann so sehr?Hoffnung.„Ich glaube, dass ich besser werden kann“,meint er.FOTOS VON ADAM C. OLSON52 Liahona


Grund zur HoffnungHoffnung ist der Grund für vieles,was wir tun. Wir trainieren in derHoffnung, dass wir dadurch stärkerund gesünder werden. Wir üben aufeinem Musikinstrument in der Hoffnung,dass wir einmal gut spielenkönnen. Agung übt Badminton in derHoffnung, dass er sich verbessernkann.„Wenn ich keine Hoffnung hätte,dass ich überhaupt besser werde undeinmal gewinne, wäre es sehr leicht,aufzugeben“, gesteht Agung.Hoffnung ist ein ganz wesentlicherTeil im Erlösungsplan. Die Hoffnung,dass uns vergeben werden kann, bewegtuns dazu, umzukehren und esvon Neuem zu versuchen, wenn wires einmal nicht geschafft haben, einGebot zu halten.Des Satans Angriffauf die HoffnungDer Satan hat zwei wirklich guteWaffen, die er gegen uns einsetzt,nämlich Zweifel und Entmutigung.Er vermochte den Plan des Vaters imHimmel nicht zu vereiteln, weil er dasSühnopfer nicht verhindern konnte.Aber er kann noch immer versuchen,die reinigende Wirkung des Sühnopfersin unserem Leben zunichtezumachen– wenn es ihm nämlich gelingt,uns die Hoffnung zu rauben, dass unsvergeben wird.„Der Satan möchte, dass wir dieHoffnung verlieren“, erklärt Agung,„denn wenn wir aufgeben, sind wirweit vom Vater im Himmel weg.“Doch selbst wenn es dem Satanmal gelingt, uns zu entmutigen, könnenwir dennoch wieder Hoffnungerlangen.Hoffnung erlangenWenn wir Hoffnung für die Zu kunftbrauchen, können wir auf die Vergangenheitzurückblicken. Agung erklärtan einem Beispiel aus der Schule,woran er das erkannt hat. „Ich habefestgestellt, dass ich bei meinen KlausurenErfolg haben kann, wenn ichfleißig lerne“, berichtet er. „Weil ichdiese Erfahrung gemacht habe, habeich Hoffnung, dass ich mich auch imBadminton verbessern kann, wennich eifrig übe“, fügt er hinzu. „DieseErfahrung verleiht mir Hoffnung.“Wenn wir Hoffnung auf JesusChristus brauchen, können wir sie inden Erfahrungen finden, die wir bereitsmit der Macht des Sühnopfers gemachthaben (siehe Römer 5:4), oder in denErfahrungen anderer, unter anderemdenen, die wir in der Abendmahlsversammlung,der Sonntagsschule,im Liahona oder in den Schriftenmitbekommen (siehe Jakob 4:4-6).Wenn wir uns mit den hoffnungsvollenWorten der Propheten befassen,um Hoffnung, diese Gabe des Geistes,beten und lernen, die Macht des Erlösersin unserem Leben zu erkennen,nimmt unser Glaube an ihn zu und damitauch unsere Hoffnung, dass er unsin Zukunft ebenfalls helfen wird. 1Gib niemals auf!Agung weiß, dass wohl nie einProfisportler aus ihm wird. Er weißaber auch: Solange er es immer wiederversucht, besteht Hoffnung, dasser besser wird.Er hat erkannt, dass der Hoffnungeine große Stärke innewohnt: „Solangedu nicht aufgibst, gibt es Hoffnung“,stellt er fest.Das Sühnopfer Jesu Christi ist füruns die größte Quelle der Hoffnung.Dank des Sühnopfers können wirumkehren, wenn wir einen Fehlerbegangen haben. Das bedeutet auch:Dank des Sühnopfers scheitern wirnicht, wenn wir einen Fehler machen,es sei denn, wir bemühen uns dannnicht mehr, umzukehren und gehorsamzu sein.Deswegen lädt Agung seinen Vaterauch weiterhin jeden Sonntag zur Kircheein. Deswegen versucht er, für dasRechte einzustehen, auch wenn seineFreunde das nicht tun. Deswegen fährter mit dem Fahrrad so oft die halbeStunde zum Gemeindehaus – zumSeminar, zu den Aktivitäten, zu denVersammlungen am Sonntag, zum Missionsvorbereitungskursund um beimReinigen des Gebäudes zu helfen.„Es ist nicht so einfach, wenn mansich bemüht, so zu sein wie Jesus“,gesteht Agung. „Manchmal verliereich den Mut, aber ich gebe nicht auf.Dank des Opfers, das er für michgebracht hat, habe ich Hoffnung, dassich besser werden kann.“Dank des Sühnopfers gibt es Hoffnung.Und wegen der Hoffnung kannuns das Sühnopfer verändern. ◼ANMERKUNG1. Siehe Dieter F. Uchtdorf, „Die unendlicheMacht der Hoffnung“, Liahona, November2008, Seite 23EINE VERHEISSUNG DER HOFFNUNG„Weil Gott in der Vergangenheit treu war und seine Verheißungen erfüllthat, können wir voller Zuversicht für die Gegenwart und die Zukunft aufGottes Verheißungen hoffen.“Präsident Dieter F. Uchtdorf, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft,„Die unendliche Macht der Hoffnung“, Liahona, November 2008, Seite 23Januar 2013 53JUGENDLICHE


FÜR EINE STARKE JUGENDBildungund AusbildungGrößeres Wissen verschafft uns die Möglichkeit, mehr zurVerwirklichung der Absichten des Herrn beizutragen.Mit inniger Sorge um dasWohlergehen ihrer Seelenlehrte Jakob das Volk Nephi„in Bezug auf das …, was ist und waskommen wird“ (2 Nephi 6:4). Es warsein Volk, und er liebte es. Er erklärteden Menschen, wer sie wirklichwaren und was ihnen der Herr verheißenhatte. Als er über den Errettersprach, rief er aus: „O wie groß istdie Heiligkeit unseres Gottes! Denner weiß alles, und es gibt nichts, waser nicht weiß.“ (2 Nephi 9:20; Hervorhebunghinzugefügt.)Behalten wir diese Worte im Kopf,wenn wir über den Wert der Bildungsprechen. Jahrhunderte zuvor trachteteVater Abraham in einem anderenTeil der Welt „nach den Segnungender Väter … und … wünschte,jemand zu sein, der viel Erkenntnisbesaß, und ein besserer Nachfolgerder Rechtschaffenheit zu sein undmehr Erkenntnis zu besitzen“(Abraham 1:2).Ihr seid alle geliebte Söhneund Töchter Gottes 1 ,„und ihr seid von demBund, den der Vatermit [Abraham] gemachthat“ (3 Nephi 20:25). Sowie Abraham tragt auch ihr dieFähigkeit in euch, mehr Erkenntniszu besitzen, wenn ihr in dem unterwiesenwerdet, „was ratsam ist, dassihr es versteht“ (LuB 88:78).Der Herr hat uns wissen lassen,dass erstrebenswerte Erkenntnis auchvon dem handelt, „wassowohl im Himmelals auch aufder Erde und54 Liahona


Elder CraigA. Cardonvon den SiebzigernJUGENDLICHEFOTOS VON ROBERT CASEYunter der Erde ist; dem, was gewesenist, dem, was ist, dem, was sich inKürze begeben muss; dem, was daheimist, dem, was in der Fremde ist;den Kriegen und den Verwirrungender Nationen und den Strafgerichten,die auf dem Lande lasten; und aucheiner Kenntnis von Ländern und vonReichen“ (LuB 88:79).Warum? Weshalb ist es sowichtig, eine Ausbildung zuerlangen? Der Herr selbstnennt uns einen triftigenGrund: „Damit ihr in allembereit seiet, wenn ich euchabermals aussende, um dieBerufung, zu der ich euchberufen habe, und die Mission,mit der ich euch beauftragthabe, groß zu machen.“(LuB 88:80.)In dieser zunehmend komplexenWelt gehören Bildung undAusbildung mit zum Wichtigsten,was man im Leben erwerben kann.Zwar geht eine bessere Ausbildungim Allgemeinen auch mit höheremEinkommen Hand in Hand, dochwas wichtiger ist: Durch größeresWissen können wir auch mehr dazubeitragen, die Absichten des Herrnzu verwirklichen. In der BroschüreFür eine starke Jugend steht: „DerBildung kommt im Plan des Vatersim Himmel große Bedeutung zu. Siesoll euch helfen, ihm ähnlicher zuwerden. Er möchte, dass ihr eurenVerstand schult und eure Fähigkeitenund Talente entfaltet, damit ihr eurenAufgaben gut nachkommt und immermehr Freude am Leben habt.“ 2Etwas Ähnliches hat der ProphetJoseph Smith gesagt: „Im Wissenliegt Macht. Gott hat mehr Macht alsalle anderen Wesen, weil er größeresWissen hat.“ 3Eine solide Schulbildung erfordertaus guten Gründen, dass man sichetliche Jahre lang mit einem breitenSpektrum an Themen und Fertigkeitenbefasst, die einem vielleichtnicht alle so ganz liegen oder vondenen man einige nicht unbedingtsehr gerne lernt. Gleichwohl solltetihr beim Lernen fleißig sein, dennso erweitert ihr euren Horizont underlangt vermehrt die Fähigkeit, auchauf anderen Gebieten etwas dazuzulernen.Wenn ihr euch mit einerbreiten Palette grundlegender Fertigkeitenund Themen auseinandersetzt,findet ihr eher heraus, auf welchemGebiet eure eigentlichen Interessenliegen. Und wenn ihr eure Interessenkennt und dann mit eurer Ausbildungfortfahrt, könnt ihr euch eingehenderden Themen widmen, die euch wirklichFreude bereiten.Präsident Henry B. Eyring, ErsterRatgeber in der Ersten Präsidentschaft,hat von seinem Vater einen wertvollenRat erhalten. Sein Vater hat ihmgeraten, eine Ausbildung anzustreben,die „dir so wichtig ist, dass du auchdann daran denkst, wenn du geradean nichts denken musst“ 4 . Meine Frauund ich haben unseren Kindern geraten,einen Beruf zu ergreifen, der sieso sehr interessiert, dass sie nicht dasGefühl haben, „arbeiten“ zu müssen.Jakob hat sein Volk vor den„Schwächen und [der] Narrheit derMenschen“ gewarnt. Er sagte: „Sindsie gelehrt, so denken sie, sie seienweise, und sie hören nicht auf denRat Gottes.“ Dem setzte er eineweitere erhabene Wahrheit hinzu:„Aber es ist gut, gelehrt zu sein,wenn man auf Gottes Ratschlägehört.“ (2 Nephi 9:28,29.)Seid also gelehrt und hört auf Gott.Er wird euch segnen und euch helfen,sodass ihr seine Absichten verwirklichenkönnt. ◼ANMERKUNGEN1. Siehe „Die Familie – eine Proklamationan die Welt“, Liahona, November 2010,Umschlagrückseite2. Für eine starke Jugend, Broschüre, 2011,Seite 93. Lehren der Präsidenten der Kirche: JosephSmith, Seite 2944. Siehe Gerald N. Lund, „Elder HenryB. Eyring: Von prägenden Einflüssengeformt“, Der Stern, April 1996, Seite 28Januar 2013 55


HÖR NICHT AUF ZUÜBENIch wollte aufhören. Was hatte ich denn von all der Mühe?Willis JensenIch möchte keinen Klavierunterrichtmehr nehmen“, erklärte ich meinerMutter. Ich hatte seit einigen JahrenUnterricht und war des vielen Übensmüde. Ich wollte aufhören. Ich warsowieso nicht besonders gut. Weil ichetwas gehörgeschädigt bin und einHörgerät trage, habe ich mich nie alsbesonders musikalisch eingestuft. Ichmusste immer viel üben, bis ich dieMelodie eines Liedes spielen konnte.Meine Mutter sagte nicht viel, sondernforderte mich einfach auf, weiterhinUnterricht zu nehmen, bis ichdie Lieder der Kirche spielen konnte.Ich jammerte zwar immer wieder,doch meine Eltern motivierten michohne Unterlass, sodass ich dann beschloss,nicht aufzuhören.Überspringen wir nun einige Jahreund begeben wir uns tausende Meilenweiter in ein Gemeindehaus mitten inden Bergen Guatemalas. Als Missionarbesuchte ich gerade eine Distriktskonferenz.Ich kam früh an und sah dortein Klavier. Also setzte ich mich hinund spielte ein paar Lieder der Kirche.In den meisten Gemeinden und Zweigengab es bloß diese kleinen elektronischenKeyboards, auf denen man soschwer spielen konnte. Deshalb wares schön für mich, auf einem richtigenKlavier spielen zu können. Schließlichwurde ich sogar gebeten, bei der Konferenzzu spielen.Wodurch hatte sich meine Einstellunggeändert? Was war auf Missionnun anders als in meiner Kindheit?Durch die Musik konnte ich dieMacht des Geistes spüren.Auf Mission hatte ich oftmals dieGelegenheit, meine Fertigkeiten amKlavier einzusetzen. Ich genoss dieChance, zu singen und Klavier zuspielen, und spielte nahezu jede Wochein der Abendmahlsversammlung.Der Gesang dieser treuen guatemaltekischenMitglieder wird mir immer inErinnerung bleiben. Ich brachte ihnenLieder bei, die sie noch nicht kannten.Ich gab ein wenig Klavierunterricht.Meine Mitarbeiter und ich sangen denMenschen, mit denen wir über dasEvangelium sprachen, etwas vor. Undselbst wenn wir den Ton nicht ganztrafen, war der Geist doch immer zugegenund berührte die Herzen.Ich habe gelernt, dass es nichtdarauf ankommt, wie begabt man ist.Man kann in jedem Fall musikalischeFertigkeiten entwickeln. Ich werdenie ein Weltklassepianist sein, unddie meisten Mitglieder aus Guatemalawerden wohl nie dem Tabernakelchorangehören. Doch darum ging es nicht.Denn wir konnten dessen ungeachtetdurch die Musik den Geist verspüren.Ich bin so dankbar, dass meine Elternmich ermutigt haben, weiter Klavierunterrichtzu nehmen, und ich binfroh, dass ich weiter geübt habe. ◼ENTWICKLE DEINEFÄHIGKEITEN UND TALENTE„Der Bildung kommt im Plan desVaters im Himmel große Bedeutungzu. Sie soll euch helfen, ihm ähnlicherzu werden. Er möchte, dass ihr eurenVerstand schult und eure Fähigkeitenund Talente entfaltet, damit ihr eurenAufgaben gut nachkommt und immermehr Freude am Leben habt. DasWissen, das ihr euch hier aneignet,wird euch im Erdenleben, aber auchim künftigen Leben von Nutzen sein.“Für eine starke Jugend, Seite 9FOTO VON ISTOCKPHOTO © BRIAN STEELE56 Liahona


FOTO VON WELDEN C. ANDERSEN; HINTERGRUNDFOTO © DIGITAL VISION/GETTY IMAGESAN HEILIGEN STÄTTENSTEHEN„Wo immer ihr euch befindet und wo der Geist zugegen ist,kann eine heilige Stätte sein.“(Elaine S. Dalton, „Heilige Stätten in deinem Leben“, Liahona, Januar 2013, Seite 51; siehe auch LuB 87:8)


Das Gute in KylieKarinne StaceyWir konnten einander nichtausstehen. Konnten wir jemalsFreundinnen werden?Die vierte Klasse war die schönstefür mich. Alles in dieser Klassewar einfach super – bis auf Kylie(Name geändert). Kylie war zu fast jedemgarstig, auch zu mir. Ich sah, wiesie andere im Gang schubste, und sieschubste sogar mich ein paarmal. Ichkam immer wieder mal weinend nachHause, weil ich nicht begriff, weshalbsie mich so schikanierte.Sie hatte keine Freunde. Beim Mittagessenhatte sie ihren eigenen Tisch,denn niemand wollte bei ihr sitzen. Icherzählte meiner Mutter von Kylie, undsie sagte mir einige weise Worte, diemein Leben veränderten: „Vielleichtbraucht sie einfach eine Freundin.“Das war für mich ein Schock. Wiekonnte ich denn nett zu jemand sein,der mich, ohne zu zögern, mit einemSchimpfnamen bedachte? Widerstrebendbeschloss ich jedoch, netterzu Kylie zu sein und zu versuchen,sie zu verstehen. Als ich sie besserkennenlernte, stellte ich fest, dass sieeigentlich recht nett war. Ich erfuhr,dass ihr Leben viel schlimmer war, alsich es mir je hätte vorstellen können.Sie lebte in einem schwierigen Zuhauseund mied jedes Gespräch mitdem Wort „Familie“.Eines Tages saß ich mit meinenFreundinnen beim Mittagessen. DaKylie garstig zu den anderen war, gabes auch einige Mädchen, die ebenfallsnicht nett zu ihr waren. Sie fingenan, sich über Kylie lustig zu machen,und redeten so laut, dass sie es hörenmusste. So sagten sie etwa: „Komm,setz dich – woandershin!“ „Was stinkthier so? Oh, das ist Kylie!“, und „Bleibbloß weg!“ Ich hörte das alles mit an.Plötzlich sagte eine leise Stimme inmeinem Kopf: „Tu was!“ Ich stand aufund spürte, wie sich ein Dutzend Augenpaareauf mich richteten. „Stopp!“,sagte ich. „Seid doch nicht so gemein!Seid einfach nett zu ihr!“ Alle verstummten.Ich setzte mich wieder undblickte zu Kylie hinüber. Sie wandtesich zu mir und sah mich dankbar an.In der sechsten Klasse stand meinzwölfter Geburtstag bevor, und ichwollte mit ein paar Freundinnenfeiern. Als meine Mutter fragte, obich noch jemanden einladen wolle,hörte ich dieselbe leise Stimme imKopf: „Lade Kylie ein.“„Ich möchte Kylie einladen“, teilteich meiner Mutter mit.„Wirklich?“Ich nickte. Nach der Geburtstagsfeierwaren meine Freundinnen undich – und auch Kylie – so gut miteinanderbefreundet, dass wir uns in denletzten drei Schulmonaten jeden Freitagtrafen. Kylie war immer dabei. Wirwurden wirklich dicke Freundinnen.Jetzt bin ich in der achten Klasse.Wir sind inzwischen in einen anderenBundesstaat gezogen, aber ich binimmer noch in Kontakt mit Kylie, dennsie ist nach wie vor eine meiner bestenFreundinnen. Manchmal fragen michmeine anderen Freundinnen, wie wiruns so nahe gekommen sind.„In der vierten Klasse suchte sieimmer Streit, und wir konnten einandernicht ausstehen“, sage ich dann.„Aber wie seid ihr dann so guteFreundinnen geworden?“„Ich habe nach dem Guten in ihrAusschau gehalten. Jeder Mensch hatetwas Gutes in sich, und ich habe versucht,es bei ihr zu finden.“ ◼ILLUSTRATION VON TAIA MORLEY


BESONDERE ZEUGENElder RobertD. Halesvom Kollegiumder Zwölf ApostelWie kann ich einZEUGNIS erlangen?KINDERDie Mitglieder desKollegiums derZwölf Apostel sindbesondere Zeugenfür Jesus Christus.Wer ein Zeugnis erlangen will, mussin den Schriften studierenund betenund geduldig und beständig nach dem Evangelium lebenILLUSTRATIONEN VON BRAD TEAREund den Geist einladen und mit ihm verbunden sein.Das Leben Joseph Smiths istein gutes Beispiel dafür.„Ein Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi erlangen“,Liahona, November 2003, Seite 28Januar 2013 59


Ein Plan fürunsereFamilie„Immer und ewig wolln wir vereint sein – der Herr verheißt uns das.“(Liederbuch für Kinder, Seite 98)Marissa WiddisonZeitschriften der KircheNach einer wahren BegebenheitMama und Papa fehltenmir sehr. Sie warennicht da, und ich saßauf ihrem Bett.Da klingelte das Telefon.„Du, Levi, rate mal, was esNeues gibt!“, meldete sich Papa.„Seit heute Nachmittag hast du einSchwesterchen: Nora!“Ich konnte spüren, dassPapa glücklich war, dochseine Stimme klangauch irgendwiebesorgt.„Wie viel wiegtsie denn?“, fragteich vorsichtig.Papa schwiegeinen Moment.„Knapp zwei Pfund“, sagte er.Jetzt klang er ganz offensichtlichbesorgt. Nora hätte eigentlich so umWeihnachten auf die Welt kommensollen, es war aber erst September.„Sie ist wirklich winzig“, fuhr Papafort. „Vergiss nicht, für sie zu beten,Levi. Und bete auch für uns – dasswir darauf vertrauen, dass der Vaterim Himmel weiß, was für unsereFamilie am besten ist.“Nach dem Telefonat ging ich indie Küche und nahm eine PackungBohnen zur Hand, aus denen Mamaeine Suppe hatte machen wollen.Ein Kilo – das war ungefähr so viel,wie Nora jetzt wog. Ich hielt diePackung in der Hand und versuchtemir vorzustellen, wie ein Baby mitdiesem Gewicht wohl aussehenmochte.„Ihr Geist kommt geradewegsvom Vater im Himmel“, dachte ichund überlegte, was ich schon überdas vorirdische Dasein und denErlösungsplan gehört hatte. Ichwusste, dass wir Nora – selbst wennsie sterben müsste – wiedersehenwürden, da wir als Familie aneinandergesiegelt waren. Ich hoffte aber,ILLUSTRATIONEN VON BEN SIMONSEN60 Liahona


KINDERdass sie auch auf der Erde bei unsbleiben würde.Im Laufe der folgenden Monatewaren Mama und Papa oft im Krankenhaus.Oma und Opa kamendann zu uns nach Hause, um aufmich und meine jüngeren Geschwisteraufzupassen. Die Gemeinde fasteteund betete für unsere Familie,und nette FHV-Schwestern versorgtenuns manchmal mit Essen. Jedeninteressierte, wie es Nora ging.Eines Abends holten uns Mamaund Papa alle ins Wohnzimmer. Sieteilten uns mit, Papa werde mit demBischof zu Nora fahren, um ihr einenSegen zu geben. Papa trug Anzugund Krawatte. Nachdem er gegangenwar, setzte sich Mama mit unsauf das Sofa und sprach ein Gebet.„Bitte segne Papa, wenn erNora einen Priestertumssegen gibt“,betete Mama. Ihre Stimme wurdeganz leise. „Und wenn es dein Willeist, lass sie bitte gesund nach Hausekommen.“Ich spürte beim Beten, wie derHeilige Geist das Zimmer mit Friedenund Liebe erfüllte. Es war, alswolle mir der Vater im Himmelmitteilen, dass alles zu seinem Plangehört – ganz gleich, wie es mitNora weitergeht.Am Abend kam Papa nachHause und berichtete uns, dass imKrankenhaus etwas Wunderbaresgeschehen sei. In Noras Zimmerwar es normalerweise immer sehrlaut. Da gab es viele Apparate undMonitore mit piepsenden Alarmenund blinkenden Lichtern, und immerhuschten Schwestern und Ärzte hinund her, um den winzigen Babysdort zu helfen. Aber als Papa undder Bischof ankamen, war alles ganzanders als sonst. Sämtliche Apparatewaren stumm. Die Schwestern saßenbei den Babys, lasen etwas oderwachten über sie. Ohne jede Unterbrechungkonnten Papa und derBischof Nora den Segen geben.Ich weiß nicht, ob Nora hier aufder Erde heranwächst oder ob siebald wieder zum Vater im Himmelzurückkehrt. Aber ich weiß, dassder Vater im Himmel unsere Gebetehört und erhört, und ich fühle Friedenin mir, wenn ich daran denke,dass er einen Plan für jeden in meinerFamilie hat. ◼Januar 2013 61


AUF DEN SPUREN DER PIONIEREKommt, erforschen wir wichtige Orte aus der Geschichte der Kirche!2 HÄUSER,Jan Pinborough Zeitschriften der KircheIN DENEN JOSEPH SMITH GEWOHNT HATIm Palmyra in New York nahm vor 193 Jahren die Wiederherstellung der Kirche Jesu Christi der Heiligen derLetzten Tage ihren Anfang. Luke, Rachel und Julia S. haben diesen besonderen Ort besucht, um mehr darüber zuerfahren, wo der Prophet Joseph Smith gewohnt hat und was er dazu beigetragen hat, die Kirche auf der Erdewiederherzustellen.DAS BLOCKHAUSDieses Blockhaus wurde dem Haus nachgebaut,in dem Joseph Smith zwischen seinem 12. undseinem 19. Lebensjahr gewohnt hat.1.Joseph hatte fünf Brüder unddrei Schwestern. Es war einkleines Haus für elf Menschen!2.Die Familie saß oftum den Küchentisch,um in der Bibel zulesen. Als Joseph 14war, las er Jakobus1:5: „Fehlt es abereinem von euch anWeisheit, dann soller sie von Gott erbitten.“Er hatte Gotteine wichtige Fragezu stellen.FOTOS VON BRENT WALTON; DER ENGEL MORONI ERSCHEINT JOSEPH SMITH, GEMÄLDE VON TOM LOVELL, © 2003 IRI


3.Im Frühjahr 1820 gingJoseph in einen kleinenWald unweit des Blockhausesund betete, weil er wissenwollte, welcher Kircheer sich anschließen solle.Der himmlische Vater undJesus Christus erschienenund sagten ihm, er solle sichkeiner Kirche anschließen.Jesus sagte ihm, Josephwerde dazu beitragen, dieKirche des Herrn auf dieErde zurückzubringen.4.Alle sechs Jungen schliefen in einemZimmer unter dem Dach. Eines Nachts, alsJoseph 17 Jahre alt war, erschien ihm derEngel Moroni dreimal und erzählte ihmvon goldenen Platten, die Joseph Smithübersetzen und als Buch Mormon veröffentlichensolle. VierJahre später erhieltJoseph Smith diesePlatten.KINDERDAS HOLZHAUSAls Joseph 19 Jahre alt war, zog seine Familie inein neues Haus. Dort wohnte er, als er die goldenenPlatten vom Hügel Cumorah holte.5.Einige Leute kamen, um die goldenen Plattenzu stehlen. Joseph versteckte sie unter denZiegelsteinen vor dieser Feuerstelle.6.Josephs Schwestern Sophroniaund Katherine schliefen in diesemkleinen Schlafzimmer. Einmalwickelte Joseph die Plattenin ein Tuch und versteckte siein der Nacht im Bett zwischenden beiden Mädchen.Januar 2013 63


GESCHICHTEN VON JESUSJesus Christus und die erste VisionMit der ersten Vision – als JosephSmith den Vater im Himmel und JesusChristus gesehen hat – begann dieRückkehr der Kirche Jesu Christi aufdie Erde.Joseph Smith erfuhr durch die ersteVision, dass der Vater im Himmel undJesus Christus zwei eigenständigeWesen sind.In den heiligen Schriften werden nebender ersten Vision (siehe Joseph Smith– Lebensgeschichte 1:17) nur nochzwei weitere Ereignisse erwähnt, beidenen der Vater im Himmel persönlichseinen Sohn Jesus Christus vorgestellthat. Das eine Mal trug sich zu, als derErlöser die Nephiten besuchte, unddas andere Mal, als er sich taufen ließ(siehe 3 Nephi 11:7; Matthäus 3:17).DIE ERSTE VISION, GEMÄLDE VON GARY KAPP, VERVIELFÄLTIGUNG UNTERSAGT64 Liahona


Unsere SeiteKINDERCarolina L., 11, aus Venezuela, ist inder Kirche Jesu Christi der Heiligen derLetzten Tage aufgewachsen und wollteschon immer in den Caracas-Tempel inVenezuela gehen. Im März 2012 hat sieden Tempel zum ersten Mal besucht.Sie war sehr glücklich.Als ich zum Tempelfuhr, hatte ich eineschöne Zeit mitmeinem Papa undmeinem BruderRyan, währendmeine Mutter undihre Freundin inder Session waren.Im Warteraum des Tempels war ich ganzandächtig. Ich war so froh, weil ich imHaus des himmlischen Vaters war undseine Liebe und Güte durch den Geistspürte. Ich habe das Haus des Herrnsehr gern.Jorge M., 6, Costa RicaDas ist ein Bild vom Asunción-Tempel inParaguay. Ich bin so glücklich, weil wirbald als ewige Familie gesiegelt werden.Ich danke dem Vater im Himmel dafür,dass er mir eine Familie gegeben hat.Angelo N., 5, ParaguayIch habe eine ganzbesondere Familie.Wir wohnen sechsStunden von derKirche entfernt,aber wir fahren hin,wenn wir können.Mein Vater segnetjeden Sonntag dasAbendmahl für uns, und meine Mutterunterrichtet mich in der PV. Einmal imJahr fahren wir zum Recife-Tempel inBrasilien. Wenn ich alt genug bin, werdeich auf Mission gehen. Jeden Tag leseich in den Schriften und bete. Ich versuche,dem Vater im Himmel Freude zumachen, indem ich ein guter Junge bin.Das Evangelium ist mir sehr wichtig.Kevin L., 8, BrasilienMeine kleineSchwester Omegaund ich sehen sogern den Tempel.Wenn unsereGemeinde denMonterrey-Tempelin Mexiko besucht,fahren wir umMitternacht ab und sind sechs Stundenunterwegs. Ich weiß, dass man im Tempeleine ewige Familie werden kann.Bald ziehen wir nach Tuxtla Gutiérrez.Dort gibt es einen Tempel, und wir werdenihn öfter besuchen können. Ich bindankbar für die Tempel.Helem N., 4, MexikoSolene S., 6, BrasilienAls ich in denQuetzaltenango-Tempel in Guatemalakam, fühlteich dort großenFrieden. Währendder Weihung warich sehr glücklich.Die Ansprachendrangen mir tiefins Herz.Juan G., 11,GuatemalaJanuar 2013 65


ZumZum ZumZumMerillee BoorenNach einer wahren Begebenheit„Gott hat uns nicht einen Geist derVerzagtheit gegeben, sondern denGeist der Kraft.“ (2 Timotheus 1:7)Mary rutschte unruhigauf ihrem Platz hin undher, während sie denanderen Kindern in der PV-Klassezuhörte, die nacheinander aus denSchriften vorlasen. Hoffentlich kamsie nie an die Reihe!Mary hatte eine Lernschwäche,die Legasthenie genannt wird.Wenn sie sich die Buchstaben aufeiner Seite ansah, schienen siesich zu drehen und die Plätze zutauschen. Wenn sie laut vorlas,las sie stockend und manchmalohne Zusammenhang.ILLUSTRATIONEN VON APRYL STOTT66 Liahona


VorlesenVorlesenbereitbereit bereitKINDEROftmals las sie Worte, die gar nichtdastanden.Nur noch ein paar Kinder, dannwar sie dran! Mary bekam es mitder Angst zu tun. Als die Reihe anihr war, konnte sie es nicht längerertragen.„Ich muss mal auf die Toilette“,sagte sie unvermittelt und sprangso ungestüm vom Stuhl auf, dassihre Schriften zu Boden fielen. Maryrannte den Flur entlang und zu denToiletten. Hoffentlich war niemanddrin! Sie stellte sich in eine Eckeund weinte los.Ein paar Minuten später hörtesie, wie Schwester Smith hereinkamund nach ihr rief. „Mary, was istdenn los?“Mary wusste nicht, was sie sagensollte. Sie schämte sich so. Keinesvon den anderen Kindern hatte diesesProblem. „Ich kann nicht lesen!“,weinte sie und vergrub den Kopf inihren verschränkten Armen.„Du kannst nicht lesen?“, fragteSchwester Smith verdutzt. „Du hastdoch schon Ansprachen in der PVgehalten. Natürlich kannst du lesen.“Mary schüttelte den Kopf. „Ichlerne meine Ansprachen auswendig.Ich übe sie immer wieder, damit ichsie nicht vorlesen muss. Ich kannnicht vorlesen, und wenn, dann macheich viele Fehler. Ich will nicht,dass die anderen mich auslachen.“„Ach, Mary, das tut mirleid. Ich werde dich erstbitten, etwas vorzulesen,wenn ich weiß, dass dudazu bereit bist“, sagteSchwester Smith. „Undich glaube nicht, dass dichjemand auslacht. Das sinddoch deine Freunde.“„Die Kinder in derSchule lachen mich aus“,flüsterte Mary.Schwester Smith wischteMary die Tränen ab. „Kommin die Klasse. Du wirst schonsehen“, sagte sie.Zusammen gingen sie insKlassenzimmer zurück. MarysFreundin Betsy saß auf dem Stuhlneben ihrem und war gerade dabei,die zerknickten Seiten von MarysSchriften zu glätten. Mary setztesich hin, und Betsy gab ihr dieSchriften zurück.„Wer möchte als Nächstes lesen?“,fragte Schwester Smith.„Mary ist dran“, sagte ein Junge.Mary zögerte, aber sie sah sichunter ihren Klassenkameraden umund sah nur freundliche Gesichter.Schwester Smith nickte ihr zu undlächelte auch. Mary war nervös,aber sie fand die Stelle und fing anzu lesen.Sie las langsam. Sie machte einpaar Fehler, aber wenn sie stockte,flüsterte ihr Betsy leise das richtigeWort ins Ohr. Mary las zwar nichtso gut wie die anderen Kinder, aberniemand lachte sie aus oder machtesich über sie lustig. Dann war jemandanders an der Reihe, und derUnterricht ging weiter.Als sie nach der Klasse ins PV-Zimmer gingen, flüsterte SchwesterSmith Mary zu, dass sie stolz auf siesei. Mary war erleichtert, dass sieihr Problem mit dem Lesen nichtlänger vor den anderen verheimlichenmusste. „Ich werde einfachweiter üben“, dachte sie. Und sielächelte, weil sie wusste, dass sie inder Kirche gute Freunde hatte, diesie auf diesem Weg unterstützenwürden. ◼Januar 2013 67


DIE PV BEI DIR ZU HAUSEMit dieser Lektion und der Aufgabekannst du mehr über das PV-Themain diesem Monat erfahren.Der Vater im Himmel liebt michund er hat einen Plan für michDer Duft von gebackenenKeksen erfüllte die Luft.Nataniel half seiner Oma,Teighäufchen auf dem Backblechzu verteilen. Oma lächelte ihn an.„Wer liebt dich?“, wollte sie wissen.Nataniel dachte daran, wie seineOma immer seine Lieblingskeksebackte und Papier bereitlegte, weilsie wusste, dass er gern malte. „Du“,antwortete er.„Das stimmt“, sagte Oma. „Ichkenne dich schon länger als jederandere, ausgenommen Mama undPapa. Aber es gibt jemand anders,der dich sogar noch länger kenntals ich.“„Wer denn?“, fragte Nataniel.„Jemand, der dich schon geliebthat, bevor du zur Erde gekommenbist“, sagte Oma.„Ach so“, sagte Nataniel. „Dumeinst den Vater im Himmel.“„Genau“, sagte Oma und umarmteNataniel.Er lächelte. Das Wissen, geliebtzu werden, gab ihm ein warmesGefühl.Beim Miteinander erfährst dudieses Jahr mehr über die wunderbareWahrheit, dass du ein KindGottes bist. Der Vater im Himmelkennt dich und liebt dich. Er hat einenPlan für dich, damit du zu ihmzurückkehren und eines Tages beiihm leben kannst. ◼ILLUSTRATIONEN VON BECKY FAWSON; LINKS: EINSCHUB VON PHYLLIS LUCHLied und Schriftstelle• „Ich bin ein Kind von Gott“(Liederbuch für Kinder, Seite 2f.)• Römer 8:1668 Liahona


Schneeflocken basteln1. Falte ein 20 x 20 cm großes Blatt in dieHälfte. Falte es dann noch zweimal indie Hälfte.2. Schneide anhand des Musters eineJungen-Schneeflocke oder eine Mädchen-Schneeflocke aus. Die gelben Flächenmusst du wegschneiden.3. Nimm Wachsmalstifte oder Buntstifteund male die Figuren auf der Schneeflockeaus. Du kannst jede Figur andersausmalen, um zu zeigen, wie einzigartigjeder von uns ist.4. Schreibe „Der Vater im Himmel liebtmich“ in die Mitte der Schneeflocke.Das soll dich daran erinnern, dassder Vater im Himmel alles über dichweiß und dich sehr lieb hat.KINDERAnregungen fürFamilienaktivitäten• So wie Schneeflocken verschiedeneFormen und Größen haben, habenauch Kinder verschiedene Fähigkeiten,die jedes Kind einzigartig machen.Nachdem ihr für jeden in der Familieeine Schneeflocke ausgeschnitten habt,könntet ihr sie herumgeben. Jedersoll dann sagen, welche besonderenEigenschaften der Betreffende hat. Ihrkönnt auch eure Liebe zum Ausdruckbringen. Sagt dann jedem, dass derVater im Himmel ihn odersie kennt und liebt.• Ihr könnt auch einenSpiegel herumgeben.Jeder in der Familie sollhineinschauen. Sprechtüber Folgendes: Du bistein Kind Gottes. Der Vaterim Himmel hat dich sehrlieb. Ehe du auf die Erdegekommen bist, hast du bei ihm imHimmel gelebt. Deshalb nennen wirihn den Vater im Himmel. Er möchte,dass du glücklich bist und eines Tageszu ihm zurückkehrst. Wie kannst duwissen, dass der Vater im Himmeldich liebt?DerVater im Himmelhat mich liebDerVater im Himmelhat mich liebMädchenJungeJanuar 2013 69


FÜR KLEINERE KINDEREvelyns Zeugnis vom TempelMiche Barbosa und Marissa WiddisonNach einer wahren BegebenheitEvelyn ging gern in die PV. Sie meldete sich immer zum Beten. Sie halfauch ihren Lehrerinnen gern.Aber heute sollte Evelyn zumersten Mal eine Ansprachehalten. Als sie nach vorne ging,hatte sie ein komisches Gefühlim Bauch. Dann fing ihr Herzganz schnell an zu klopfen.Bumm-bumm. Bumm-bumm.Bumm-bumm.ILLUSTRATIONEN VON KATIE MCDEE70 Liahona


KINDER„Hallo“, sagte Evelyn, als sie vorne stand. „Ich heiße Evelyn. MeineFamilie war gerade beim Tempel, damit wir für ewig zusammen seinkönnen.“Evelyn erzählte den PV-Kindern von dem weißen Kleid, das sie getragenhatte. Der Tempel sah auch weiß aus. Sie erzählte ihnen, dass ihre Eltern,ihre Schwester und sie für alle Ewigkeit aneinander gesiegelt wurden.Januar 2013 71


„Ich weiß, dass der Vater im Himmel uns lieb hat“, sagte Evelyn. „Er lässtuns in den Tempel gehen, damit wir auf ewig mit unserer Familie zusammensein können.“Evelyn setzte sich wieder. Sie war glücklich. Es war ihr so, als strahlein ihr ein ganz warmes Licht. Sie war glücklich, dass sie zum Tempelgefahren war. ◼72 Liahona


Zeugnis vom TempelEvelyn sprach darüber, dass sie im Tempel an ihre Familie gesiegeltwurde. Kannst du einige Dinge in Evelyns Zimmer finden, über die sie inihrer Ansprache in der PV gesprochen hat? Kannst du auch die anderenversteckten Gegenstände finden?KINDERJanuar 2013 73


NACHRICHTEN DER KIRCHEWeitere Nachrichten und Veranstaltungen der Kirche finden Sie unter news.lds.org.Wie man Jugendlichen hilft,wirkungsvoll zu lernen und zu lehrenMichael BarberLehrplanentwicklung, Hauptabteilung PriestertumIn den neuen Lernhilfen für JugendlicheKomm und folge mir nach! werden vierMöglichkeiten aufgezeigt, wie Eltern, Lehrerund Führungsbeamte den Jugendlichenwirklich helfen können, sich zum Evangeliumzu bekehren.Aus den heiligen Schriften erfahrenwir über den zwölfjährigen Jesus,dass ihn seine Eltern „im Tempel[fanden], inmitten der Lehrer sitzend,und sie hörten ihm zu und stelltenihm Fragen.Alle, die ihn hörten, waren erstauntüber sein Verständnis und über seineAntworten.“ ( JSÜ, Lukas 2:46,47.)Schon in jungen Jahren war derErlöser eifrig bemüht, das Evangeliumzu lernen und zu lehren. Im Tempelerläuterte er die EvangeliumsgrundsätzeMenschen, die als wesentlichgelehrter und erfahrener als er galten.Er wusste, dass das Lehren und Lernenim Evangelium zum Kern seinergottgegebenen Mission auf Erdengehörte.Jesus Christus war ohne Zweifelbereits in seiner Jugend außergewöhnlich,was das Lernen und auchdas Lehren im Evangelium angeht,wobei seine Fähigkeiten, die Lehredes Reichs zu verstehen und zu vermitteln,immer mehr zunahmen. Inden heiligen Schriften lesen wir, dasser „von Gnade zu Gnade [ging], biser eine Fülle empfing“ (LuB 93:13).In dem Maß, wie die Jugendlichenheutzutage ihr Leben beständig nach74 LiahonaCHRISTUS IN EMMAUS, GEMÄLDE VON WALTER RANE © IRIdem ausrichten, was sie als wahrerkannt haben, können auch sie sichvollständig dem Erretter zuwenden,sich zu seinem Evangelium bekehrenund „Zeile um Zeile …, Weisung umWeisung“ (2 Nephi 28:30) an Weisheitzunehmen.In der Anleitung zu den Lernhilfenfür Jugendliche erklärt die Erste Präsidentschaft:„Der Herr hat Sie berufen,damit Sie den Jugendlichen helfen,sich zum Evangelium zu bekehren.“ 1Wenn der Erlöser unser Vorbild ist undwir uns eingehend mit seinem Wirkenbefassen, werden wir unseren Jugendlichenauf ihrem Weg erfolgreichGeistige Vorbereitung – Schriftstudium, Beten und Fasten – hilft Schülernwie Lehrern, den Einfluss des Heiligen Geistes zu verspürenbeistehen können, auf dem von ihnenverlangt wird, das Evangelium JesuChristi zu lernen, zu lehren und danachzu leben. Genau wie der Heiland könnenauch wir uns geistig vorbereiten,auf das eingehen, was die Jugendlichenbrauchen, sie anregen, Evangeliumswahrheitenfür sich zu entdecken, undsie auffordern, im Glauben zu handelnund sich dadurch zu bekehren.Geistige VorbereitungBevor er sein irdisches Wirkenbegann, bereitete sich der Errettergeistig darauf vor, indem er eifrigstudierte, betete und fastete. Er wurde


FOTO VON CRAIG DIMOND„vom Geist hinaufgeführt in dieWüste, um mit Gott zu sein“ und fastete„vierzig Tage und vierzig Nächte“( JSÜ, Matthäus 4:1,2). Am Ende desFastens sah sich der Erlöser einerReihe von Versuchungen des Widersachersgegenüber. Sein vorhergehendesSchriftstudium half Jesus, jederVersuchung mit einem Schriftzitat zubegegnen (siehe Matthäus 4:3-10).Seine geistige Vorbereitung half ihmnicht nur, sein ganzes Leben langerfolgreich Versuchungen zu widerstehen,sondern ermöglichte es ihmauch, das Evangelium im Zuge seinesgeistlichen Wirkens überzeugend zuvermitteln.Jugendliche zu unterrichten erfordertmehr an Vorbereitung, als nurkurz vor dem Unterricht rasch einenLeitfaden durchzublättern. Der Herrhat geboten: „Trachte nicht danach,mein Wort zu verkünden, sonderntrachte zuerst danach, mein Wort zuerlangen.“ (LuB 11:21.) Wir bereitenuns geistig vor, indem wir uns gebeterfülltmit den heiligen Schriften undden Worten der lebenden Prophetenbefassen und uns so wahre Lehreaneignen. Wenn wir uns derart vorbereiten,bestätigt der Heilige Geistdie Wahrheit der Lehre und ruft unspersönliche Erlebnisse in Erinnerung,von denen wir erzählen können.Als Estefani Melero vom PfahlSurco in Lima in Peru einmal mit denJungen Damen darüber sprach, wiewichtig persönliche Offenbarung ist,fühlte sie sich gedrängt, ihnen davonzu erzählen, wie sie sich selbst imAlter von 14 Jahren um ein Zeugnisbemüht hatte. Sie gab den MädchenZeugnis, dass ihr – als sie inständigum die Gewissheit gebetet hatte,dass das Evangelium wahr ist – eineFOTO VON RICHARD ROMNEYStimme die Worte zuzuflüstern schien,die sie seither niemals vergessen hat:„Du weißt doch, dass es wirklichwahr ist, Estefani. Du hast es schonimmer gewusst.“Wenn wir uns mit den Lehrsätzenbefassen und entsprechend leben, sindwir nicht nur Lehrer – wir werden zuZeugen, die die Wahrheit bezeugen.Fragen zum Nachdenken:Aus welchen Schriftstellen geht nochhervor, wie sich der Heiland daraufvorbereitet hat, zu lehren? Inwiefernwirkt sich Ihre Vorbereitung auf denUnterricht aus?Auf das eingehen, was dieJugendlichen brauchenIn seinem Gespräch mit einemder führenden Männer zeigte derErlöser, dass er die Bedürfnissederer kannte, die er belehrte. DerMann stellte zu Beginn eine Frage:„Was muss ich tun, um das ewigeLeben zu gewinnen?“ Nachdem derHeiland darüber gesprochen hatte,wie wichtig es sei, die Gebote zuhalten, erwiderte der reiche jungeMann: „Alle diese Gebote habe ichvon Jugend an befolgt.“ Da Jesusjedoch wusste, dass dem Mann noch„eines fehlt“, forderte er ihn auf,all seine Habe zu verkaufen, seinGeld unter die Armen zu verteilenund ihm nachzufolgen (siehe Lukas18:18-23). Wenn wir um Offenbarungbeten und uns so die Interessen,Hoffnungen und Wünscheder Jugendlichen bewusst werden,werden wir – genau wie derJugendliche stärken einander, wenn sie von ihren Erfahrungen bei der Umsetzungdes Evangeliums erzählenErlöser – wissen, wie wir sie lehrenund dazu bewegen können, dasEvangelium so in die Tat umzusetzen,dass es ihnen etwas bedeutet.Boyd K. Packer, Präsident desKollegiums der Zwölf Apostel, hatgesagt, dass unsere „jungen Leute… in Feindesland“ 2 aufwachsen.Als Eltern und Lehrer müssen wirJanuar 2013 75


egreifen, welchen Schwierigkeitenunsere Jugendlichen ausgesetzt sind.Kevin Toutai, Sonntagsschullehrerfür Jugendliche im Pfahl Columbinein Colorado, sagt: „Die Probleme,mit denen unsere Jugendlichenkonfrontiert sind, lassen sich nichteinfach aus dem Leitfaden lösen.Man ist als Lehrer auf persönlicheOffenbarung angewiesen, damitman weiß, wie man vorgehen unddie jungen Leute darauf vorbereitensoll, dem Satan Tag für Tag zu widerstehen.Ich erlebe immer wieder,dass es nicht ausreicht, wenn manam Sonntag einfach aus dem Leitfadenunterrichtet.“Wenn wir möchten, dass die Jugendlichendas Evangelium verinnerlichenund danach leben, müssenEltern, Führungsbeamte, Berater undLehrer an einem Strang ziehen. Wirmüssen uns um Inspiration durch denHeiligen Geist bemühen. Nur so könnenwir die Lehre wirksam darlegen,die die Jugendlichen auf die Versuchungenund Herausforderungenvorbereitet, denen sie ausgesetzt sind.Fragen zum Nachdenken: Wieunterscheidet sich die Welt heutzutageEs ist in erster Linie die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern zu helfen, Evangeliumswahrheitenzu ergründen. Jede Junge Dame und jeder Junge Mann hat für sichselbst die Aufgabe, sich noch vollständiger zum Evangelium zu bekehren.Die Jugendführer und Lehrer fördern diese Bemühungen.FOTO VON CHRISTINA SMITHvon der Zeit, als Sie noch jung waren?Welchen Problemen stehen die Jugendlichenheute gegenüber? WelcheLehren des Evangeliums – vorausgesetzt,sie werden verstanden – helfenihnen, diese Probleme zu meistern?Jugendliche anregen,Evangeliumswahrheitenselbst zu ergründenDer Heiland lehrte seine Jüngerso, dass sie angeregt wurden, selbstnach der Wahrheit zu suchen und eineigenes Zeugnis zu erlangen. Als erdie Nephiten unterwies, sagte er:„Ich sehe, dass ihr schwach seid,dass ihr nicht alle meine Worte verstehenkönnt, die ich euch zu dieserZeit sagen soll, wie mir der Vatergeboten hat.Darum geht nach Hause und denktüber das nach, was ich gesagt habe,und bittet den Vater in meinem Namen,damit ihr verstehen könnt, undmacht euren Sinn für den morgigenTag bereit.“ (3 Nephi 17:2,3.)Wer wie Christus lehren möchte,muss mehr tun, als nur Fakten weiterzugeben.Wir müssen die Jugendlichendazu bringen, die Lehre selbstzu ergründen. Oftmals sind wirversucht, einen Vortrag zu halten.Besser ist jedoch, wenn wir ihnenhelfen, selbst Antworten zu finden,die es ihnen ermöglichen, einZeugnis zu entwickeln, und ihnenerklären, wie sie selbst Antwortenauf weitere Fragen finden können.Wie in den neuen Lernhilfen Kommund folge mir nach! für Jugendlicheherausgestellt wird, können wir sieauch bitten, von Erfahrungen miteinem Leben nach dem Evangeliumzu erzählen und ihren Freundendas zu bezeugen, was sie als wahrerkannt haben.Elder Kim B. Clark, Gebietssiebzigerund Präsident der BYU Idaho,erzählte unlängst eine Geschichte76 Liahona


über ein Diakonskollegium, dessenBerater mit den Kollegiumsmitgliedernüber das Beten sprach. DerKollegiumspräsident hob unvermutetdie Hand und sagte: „Ich möchteeuch allen eine Frage stellen. Wervon euch möchte sich dazu verpflichten,in der kommenden Woche jedenTag morgens und abends zu beten?“Alle Kollegiumsmitglieder hoben dieHand – bis auf einen jungen Mann,der sich nicht sicher war, ob er dasauch schaffen würde. Der Beratersetzte sich daraufhin nach hinten undsah zu, wie die Kollegiumsmitgliedermit ihrem Freund über das Betensprachen, Zeugnis gaben und ihmsomit zu der Zuversicht verhalfen, dieAufforderung anzunehmen.Fragen zum Nachdenken:Bestimmt sind Ihnen schon einmalLehrer aufgefallen, die die Teilnehmerangeregt haben, sich aktiv am Lernenzu beteiligen. Auf welche Weise geschahdas? Die Jugendlichen, für dieSie zuständig sind, sollen es sich zurGewohnheit machen, sich regelmäßigmit dem Evangelium zu befassen.Wie können Sie ihnen dabei behilflichsein? Gibt es außer dem Unterrichtsgesprächnoch weitere Möglichkeiten,die Jugendlichen in den Lernvorgangeinzubeziehen?Zur Bekehrung führenBekehrung ist ein Vorgang, derdas ganze Leben lang andauert.Bekehrung bedeutet, dass man dasEvangelium sowohl lernt als auchdanach lebt – jeden Tag. Es reichtnicht, lediglich etwas über dasEvangelium zu wissen; Bekehrung„erfordert, dass wir etwas tun undwerden“ 3 . Nachdem der Erretterseinen Jüngern das Gleichnis vombarmherzigen Samariter erzählt hatte,forderte er sie auf: „Geh und handlegenauso!“ (Lukas 10:37.) Er bestärktesie darin, das Wort nicht nuranzuhören, sondern voll Glaubengemäß seinen Lehren zu handeln.Wir müssen unsere Jugendlichendazu anregen, immerzu nach demEvangelium zu leben, da man sichnormalerweise nicht urplötzlich mittenim Unterricht bekehrt. Bekehrtwerden die Jugendlichen vor allemdann, wenn sie – wie es in denneuen Lernhilfen Komm und folgemir nach! dargelegt ist –, wahreLehre begreifen, sich regelmäßigmit dem Evangelium befassen undrechtschaffen leben.Krista Warnick, Pfahl-JD-Leiterin imPfahl Arapahoe in Colorado, meint:„Die Jugendlichen sind heutzutage einemSturm von Anfechtungen ausgesetzt,die ich in meiner Jugend nichteinmal vom Hörensagen kannte. Ichhabe mir mein Zeugnis hauptsächlichin der Zeit erarbeitet, als ich von zuHause fortzog. In diesem Alter warich in der Lage, an das anzuknüpfen,was ich im Unterricht bei den JungenDamen gelernt hatte, und es imLeben anzuwenden. Verschafft manden Jugendlichen eine Gelegenheit,ihren Glauben auszuüben, entwickelnsich die Grundlagen ihres Zeugnissesbereits zu einem viel früherenZeitpunkt.“Die Bekehrung ist insofern eineHerausforderung, als wir das Evangeliumnicht nur lernen, sondern unsdurch das, was wir lernen, auch verändernsollen. Wir müssen unserenJugendlichen verständlich machen,dass die „mächtige Wandlung“ (Alma5:14) im Herzen nicht unbedingt sofort,sondern allmählich erfolgt, wennman sich beständig und regelmäßigmit den Schriften befasst, unablässigbetet und die Gebote hält. Wenn sieall das tun, werden sie feststellen,dass ihre Wünsche, ihre Einstellungund ihr Verhalten sich ändern undden Willen des Vaters im Himmelwiderspiegeln.Fragen zum Nachdenken:Denken Sie an Ihre eigene Bekehrung.Wie wichtig war es für Sie, imEvangelium dazuzulernen und nachdem Evangelium zu leben? Inwiefernwurden Sie durch Ihre Eltern oderdurch Lehrkräfte und Führungsbeamteder Kirche gestärkt?Unterstützung für unsereJugendlichenDie Lernhilfen Komm und folgemir nach! stellen lediglich einenkleinen Teil dessen dar, womit die Jugendunterstützt wird. Jeder Jugendlichehat zwar für sich die Aufgabe,sich noch vollständiger zu bekehren,doch „in erster Linie ist es die Aufgabeder Eltern, ihren Kindern zu helfen,den Vater im Himmel und seinenSohn Jesus Christus zu erkennen“ 4 .Als diejenigen, die für die Jugendlichenzuständig sind, können wir dieEltern unterstützen und dem Beispieldes Erretters folgen, indem wir unsgeistig vorbereiten, auf die Bedürfnisseder Jugendlichen eingehen, siedazu anregen, Evangeliumswahrheitenselbst zu ergründen und ihnenGelegenheiten bieten, im Glaubenzu handeln und sich zu bekehren.Wenn wir uns darum bemühen, JesusChristus nachzueifern, verbessern wiruns als Lernende und als Lehrendeund helfen den zukünftigen Führernunseres Landes und unserer Kirche,selbst gute Schüler und Lehrer zuwerden. ◼ANMERKUNGEN1. Das Evangelium auf die Weise des Erretterslehren (Anleitung zu den Lernhilfen Kommund folge mir nach! für Jugendliche, 2012),Seite 22. Boyd K. Packer, „Ratschläge für die Jugend“,Liahona, November 2011, Seite 163. Dallin H. Oaks, „Werden – unsere Herausforderung“,Liahona, Januar 2001, Seite 404. Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten,Abschnitt 1.4.1Näheres zum neuen Lehrplan fürdie Jugendlichen finden Sie unterlds.org/youth/learn?lang=deu.Januar 2013 77


INTERESSANTES RUND UM DIE KIRCHEKirche führt 2013 neuenLehrplan für die Jugendlichen einMit Beginn dieses Monatswerden die neuen Lernhilfenfür die Jugendlichen Kommund folge mir nach!, die erstmalsin einem Schreiben der ErstenPräsidentschaft vom Septemberangekündigt wurden, nun offiziellvon Lehrern und Führungsbeamtenin der ganzen Kircheverwendet.Auf der Internetseite lds.org/youth/learn?lang=deu gibtes für Junge Damen, Trägerdes Aaronischen Priestertums,Sonntagsschullehrer und FührungsbeamteLektionen in 23Sprachen. Alle Lektionen könnenauch ausgedruckt werden.Falls jemand keinen Internetzuganghat, soll er sich an seineörtlichen Priestertumsführerwenden und sie fragen, wie dieLernhilfen Komm und folge mirnach! in seinem Gebiet eingesetztwerden.„Der neue Lehrplan schließtsowohl grundlegende Evangeliumslehrenals auch Grundsätzeein, wie man auf die Weise desErretters lehrt“, heißt es in demBrief der Ersten Präsidentschaft.„Wir sind sicher, dass der neueLehrplan den Jugendlichenvon großem Nutzen in ihremBemühen sein wird, sich vollund ganz zum Evangelium JesuChristi zu bekehren.“In den Lernhilfen Komm undfolge mir nach! ist jeder Monateinem bestimmten Themagewidmet, und in allen Kursenin der Sonntagsschule, bei denJungen Damen und den JungenMännern wird das gleicheThema behandelt.Jede Lektion besteht aus vierAbschnitten: Geistige Vorbereitungder Lehrkraft, Gedanken zurEinführung in das Thema, konkreteAnregungen für Aktivitätenund ein Abschnitt, der die Jugendlichenzum Handeln animierensoll. Die Lehrer sind angehalten,sich um Inspiration zu bemühen,wenn sie die Lektionen auswählenund auf die Bedürfnisse derTeilnehmer zurechtschneiden.Die Internetseite enthält auchhilfreiche Videoclips, in denenerläutert wird, wie der neueLehrplan umzusetzen ist; außerdemIdeen dazu, wie man Aktivitätenausarbeitet, die aktivesLernen fördern, und eine neueAnleitung: Das Evangelium aufdie Weise des Erretters lehren. ◼FOTO VON TJ THOMASBei verschiedenen Projekten der Mormon HelpingHands leisteten Mitglieder der Kirche in Afrikawertvolle Dienste. Sie bauten Brücken zwischenden Religionen, vergrößerten den Bekanntheitsgradder Kirche und stärkten ihr Zeugnis von derNächstenliebe.Sechster jährlicher Dienstprojekttag in AfrikaAm Samstag, dem 18. August 2012, kamen tausendeMitglieder in mehr als einem halben Dutzendafrikanischer Länder zusammen, um an Ort und Stelleam sechsten Tag der Mormon Helping Hands teilzunehmen,der in Afrika jedes Jahr stattfindet.„Ganze Gemeinden und Zweige haben sich aufgemacht,wichtige Dienste zu leisten“, schreibt ElderC. Terry Warner, Missionar für Öffentlichkeitsarbeit, in einerE-Mail. „Sie haben sich Partner gesucht und Projekteausgewählt, die zwar schwierig, aber lohnend waren.Sie waren bereit zu helfen, sind in großer Zahl ausgezogenund haben der Kirche wirklich Freunde beschert.“Elder Adesina J. Olukanni, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeitim Gebiet Westafrika, sagt über diesenTag des Dienens: „Dies ist die einfachste Möglichkeit,dem Ruf des Propheten nachzukommen, seinen MitmenschenGutes zu tun, auf ihre Bedürfnisse einzugehenund zu geben, statt zu nehmen. Es ist die einfachsteMöglichkeit, das Evangelium zu verkünden, nämlichindem man ein Vorbild ist.“Mormon.org jetzt in 20 Sprachen verfügbarMormon.org ist jetzt auf Armenisch, Cebuano,Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Indonesisch,Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Lettisch, Niederländisch,Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch,Tagalog, Thai und Ukrainisch verfügbar.Die Mitglieder können nun in der Sprache ihrer Wahlein Profil auf Mormon.org erstellen und andere daraufaufmerksam machen.78 Liahona


LESERBRIEFEANREGUNGEN FÜR DEN FAMILIENABENDDer wahre Zweck der GnadeZwei Beiträge aus der April-Ausgabe 2012 des Liahonas habenmich besonders bewegt: Der Artikel„Das Sühnopfer und unsere irdischeReise“ von Elder David A. Bednar(Seite 12) und der Artikel „WundervolleGnade“ von Kristen NicoleCardon (Seite 10). Meine Fragenzum wahren Zweck der Gnadeim Erdenleben und bei unseremStreben nach ewigem Leben wurdenvoll und ganz beantwortet. Für dieseArtikel bin ich dankbar – sie habenmein Verständnis sehr erweitert, undich denke oft über sie nach.Emmanuel Adu-Gyamfi, GhanaBerichtigungIn der Botschaft der ErstenPräsidentschaft „Das Leben inFülle“ vom Januar 2012 haben wirbei einem Zitat versäumt, es MaryAnne Radmacher zuzuordnen. DasZitat befindet sich im Liahona aufSeite 5. Das Originalzitat von FrauRadmacher lautet: „Mut ist manchmaldie leise Stimme, die am Endedes Tages spricht: ‚Morgen versucheich’s wieder.ʻ“ Es wurde bereitsverschiedentlich veröffentlicht undist ihrem Buch Courage DoesnʼtAlways Roar aus dem Jahr 2009entnommen. Wir bedauern diesesVersäumnis.Viele Artikel und Beiträge in dieser Ausgabe können Sie für denFamilienabend verwenden. Hier einige Beispiele:„Ehrfurcht gegenüber Gott istdie Quelle aller Weisheit“, Seite 20:Vielleicht möchten Sie besprechen,wie sich die Weisheit der Welt von derWeisheit Gottes unterscheidet. Hierzukönnen Sie etwa 2 Nephi 9:28,29 lesenund sich Situationen ausdenken, indenen die Weisheit der Welt von derim Evangelium vermittelten WeisheitGottes abweicht. Überlegen Sie bei jederSituation, welchen Weg Sie einschlagenwürden.„Leitgedanke für 2013“, Seite 50:Lesen Sie die Beiträge von Elaine S. Daltonund David L. Beck zum Leitgedankenfür die gemeinsamen Aktivitäten 2013.Alle Familienmitglieder sollen Vorschlägemachen, was sie dazu beitragen können,dass das Zuhause zu einem heiligen Ortwird. Vielleicht möchten Sie bei sich zuHause das Bild eines Tempels aufhängenund sich zum Ziel setzen, als Familie denTempel zu besuchen.„Hört nicht auf zuüben“, Seite 56: OrganisierenSie doch maleine Familientalentshow. Bitten Sie jeden,eine Fertigkeit oder ein Talent vorzuführen.Lesen Sie dann gemeinsam den Artikel„Hört nicht auf zu üben“ und besprechenSie, wie man seinen Mitmenschen eineFreude machen kann, wenn man übt undseine Talente zum Nutzen anderer einsetzt.„Evelyns Zeugnis vom Tempel“,Seite 70: Vielleicht möchten Sie eineSchatzsuche zum Thema „Zeugnis in derFamilie“ veranstalten. Verteilen Sie einigeBilder im Zimmer. Jeder soll die Bilderzusammensuchen, die etwas darstellen,woran er glaubt (beispielsweise Bilder vonder Familie, vom Tempel, von PräsidentThomas S. Monson, von einer Taufe, einemSpendenzettel oder einem anständiggekleideten Jugendlichen). BesprechenSie anschließend, weshalb diese Bilderuns ansprechen.Lektionen im DunkelnUnsere Tochter Julia war beim Familienabend oftmals unruhig. Eines Tages im Oktobermeinte sie: „Wir hatten noch nie einen Familienabend im Dunkeln. Wäre das nicht malwas?“ Wir überlegten, wie und was wir ihr im Dunkeln beibringen sollten.Wir löschten das Licht, und vollkommene Dunkelheit umhüllte uns. Dann schaltetemein Mann sein Mobiltelefon ein und fing an, über das Licht Christi zu sprechen. Erzeigte, wie das Licht Christi uns aus der Dunkelheit ans Licht und uns als Familie zu ihmzurückführen kann. Das Licht des Telefons war zwar nicht sehr hell, doch hell genug, umetwas erkennen zu können.Immer wieder schaltete sich das Licht des Telefons automatisch aus. Auf diese Weisekonnten wir unserer Tochter zeigen, wie unser Leben ohne unseren Erlöser Jesus Christusaussehen würde. Der Heilige Geist war sehr stark zu verspüren, und unsere Tochterwurde ganz still und andächtig. Sie erinnert sich auch heute noch an unseren schönstenFamilienabend und an die Botschaft, um die es damals ging.Valquíria Lima dos Santos, BrasilienJanuar 2013 79


BIS AUFS WIEDERSEHENWEGEN FÜNF MINUTEN!Christopher James SmithAm Ende meines letzten Studienjahres fand– wie jedes Jahr – die akademische Feierstatt, bei der alle Absolventen, traditionell mitTalar und Doktorhut bekleidet, vom Rektor ihrDiplom überreicht bekamen. Ich freute michsehr auf diese Feier, den krönenden Abschlussvon vier anstrengenden Studienjahren. AmMorgen der Abschlussfeier hatte ich einSchreiben von der Universität erhalten, miraber nicht die Zeit genommen, es zu öffnen.Die Feier begann um 13:30 Uhr, und ichhatte davor noch einen Termin beim Fotografenvereinbart. Leider musste ich aber für dasFoto lange anstehen, und jeder Blick auf dieUhr zeigte mir, dass die Zeit langsam knappwurde. Doch ich hatte schon so lange gewartet,dass ich mich unbedingt fotografierenlassen wollte. Als ich endlich fertig war, hatteich noch zehn Minuten. Ich rannte zum Saal.Dort stand ich jedoch vor verschlossenenTüren, die von Sicherheitsbediensteten bewachtwurden. Ich bat sie, mich einzulassen,aber sie weigerten sich und wiesen darauf hin,dass ich spätestens 15 Minuten vor Beginnhätte da sein müssen. Da ich von dieser Bedingungzum ersten Mal hörte, protestierte ich.Aber die Sicherheitsleute rührten sich nichtvom Fleck. Vier Jahre hatte ich auf diesenAbschluss hingearbeitet, und nun konnte ichnicht einmal mein Diplom persönlich entgegennehmen.Ich musste mit den Zuschauernauf der Empore sitzen.Als ich nach Hause kam und den Brief öffnete,den ich am Morgen erhalten hatte, standdarin klipp und klar, dass die Absolventen 15Minuten vor Beginn ihren Platz einzunehmenhatten. Zuspätkommende würden nicht mehreingelassen. Ich kam mir vor wie eine dertörichten Jungfrauen in dem Gleichnis Jesu:„Während [die törichten Jungfrauen] nochunterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kamder Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren,gingen mit ihm in den Hochzeitssaal unddie Tür wurde zugeschlossen.Ich kam dochbloß fünf MinutennachSchluss derEinlassfrist zumSaaleingang.Das konntedoch wohl nichtbedeuten, dassich meine eigeneAbschlussfeierverpasste!Später kamen auch die anderen Jungfrauenund riefen: Herr, Herr, mach uns auf!Er aber antwortete ihnen: Amen, ichsage euch: Ich kenne euch nicht.“ (Matthäus25:10-12.)Von einer wichtigen Feier ausgeschlossenzu werden, mag einem als harte Strafe füreinen eher lässlichen Fehler vorkommen, aberich habe daraus gelernt, dass es sich bei unserenEntscheidungen und ihren Folgen eben soverhält. Hebt man das eine Ende eines Stocksvom Boden auf, hebt man unweigerlich auchdas andere Ende mit auf. Und so ist es mitjeder Entscheidung: Ich entscheide mich nichtnur für mein Handeln, sondern auch für diedamit verbundenen Folgen – wie unvorhersehbarsie auch sein mögen.Dem Satan liegt daran, unseren Blick alleinauf die Entscheidung zu lenken, ohne dieFolgen mit zu berücksichtigen. Häufig gelingtihm das, indem er uns dazu verleitet, nur daskörperliche Verlangen zu sehen, das „Wollendes Fleisches“ (2 Nephi 2:29) und sofortigeErfüllung.Der Vater im Himmel hingegen möchteunseren Blick auf unser Glück und die Segnungender Ewigkeit lenken. Er erwartet vonuns, dass wir die Folgen unserer Entscheidungmit bedenken und dass diese Folgen in unsereBeweggründe einfließen: „Sie sind frei,um Freiheit und ewiges Leben zu wählendurch den großen Mittler für alle Menschenoder um Gefangenschaft und Tod zu wählen.“(2 Nephi 2:27.)Ich bin zwar nicht froh darüber, dass ichdie feierliche Diplomverleihung verpasst habe,aber ich bin dankbar für das, was ich im Hinblickauf die Ewigkeit daraus gelernt habe: Ichwill nie eine Entscheidung treffen, die michdavon abhalten könnte, in die Gegenwart desBräutigams eingelassen zu werden. Ich möchtenicht mit den Worten „Ich kenne dich nicht“ausgeschlossen werden. Deshalb bemühe ichmich, so zu leben, dass ich einmal vom Herrndie Worte höre: „Komm, nimm teil an derFreude deines Herrn!“ (Matthäus 25:21.) ◼FOTO © PHOTOSPIN80 Liahona


PORTRÄT EINES PROPHETENILLUSTRATION VON R. T. BARRETTJOSEPH SMITHJoseph Smith war 14 Jahre alt, als er betete, um herauszufinden, welcheKirche die richtige sei. Der Vater im Himmel und Jesus Christus erschienenihm, und er hörte, dass keine Kirche auf der Erde die ganze Wahrheit hat.Joseph Smith half mit, das wahre Evangelium Jesu Christi wiederherzustellen,und er wurde der erste Prophet der Letzten Tage. Unter anderem übersetzte erdas Buch Mormon von den goldenen Platten und wies die Mitglieder an, denersten Tempel in dieser Evangeliumszeit – den Kirtland-Tempel – zu bauen.


Nachdem ein Geistlicher eineranderen Kirche Präsident Snowkennengelernt hatte, schrieb er:„Sein Antlitz spendete Frieden; seine Gegenwartbesiegelte diesen Frieden. In derfriedvollen Tiefe seiner Augen spiegeltensich nicht nur stille Gebete wider, sondernauch geistige Kraft. … Was ich empfand,war höchst seltsam; etwas sagte mir, dassich auf heiligem Boden stand.ʻ“ Siehe„Saure Gurken, Rüben und ein Zeugnis:Inspirierendes aus dem Leben und denLehren von Lorenzo Snow“, Seite 12.

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