Handelsblatt Afrikas_Aufschwung

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DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTS- UND FINANZZEITUNGG 0 2531 NR. 223 / PREIS 2,60 €WOCHENENDE 16./17./18. NOVEMBER 2012Der große BluffWie im Internet getäuscht,getrickst und manipuliert wirdSeiten 3 und 6 bis 8GBHandelsblatt GmbH AbonnentenserviceTel. 0180 599 00 10 (0,14 €/Min. a. d. dt. Festnetz,Mobilfunkhöchstpreis 0,42 €/Min.), Fax 0211 8873605, hb.aboservice@vhb.deBelgien 2,90 € Frankreich 3,40 € Großbritannien 3,00 GBPLuxemburg 2,90 € Niederlande 2,90 € Österreich 2,90 €Polen 18,80 PLN Schweiz 5,00 CHF Tschechien 115,00 CSKUngarn 950,00 FT Slowakei 2,90 €Bild: Corbis Germany / Grafi k : Nikolas JanitzkiSEITEN 54 BIS 67© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


TITELTHEMA► Reise durch das neue Afrika. Seiten 56/57► Interview mit Mo Ibrahim. Seiten 58/59► Investieren in Afrika. Seiten 60 bis 67KontinentderChancenAfrika gilt seit Jahrzehnten als Kontinent ohne Hoffnung. Jetzt aber sorgender Rohstoffboom, politische Reformen und eine junge GenerationSchwarzafrikaner, die ihre Länder selbst voranbringen wollen, für Anschlussan die globalisierte Welt. Eine Analyse von Hans Christian MüllerFotofeeling/OKAPIAZweimal schon hat sich dieWeltin den vergangenen 50 Jahrengeirrt, als es um Afrikas Zukunftging. Zuerst 1960, alsdas Zeitalter der Kolonialmächteendete. Damals prophezeite dieWeltbank den Ländern südlich der Saharaeine glorreiche Zukunft. Wachstumsratenvon sieben Prozent pro Jahr seienmöglich – höher als in Asien. Es kam anders.Während in Asien erst Japan, dannChina und schließlich Länder wie Singapur,Thailand und Vietnam zu den klassischenIndustrieländern aufschlossen,versank Afrika im Chaos. Statt Prosperitätherrschten Bürgerkriege und Hungersnöte,Malaria und Aids.Der zweite Irrtum folgte in den 90erJahren: DieWelt gab Afrika verloren. Der„Economist“ nannte Afrika den hoffnungslosenKontinent, Wissenschaftlersprachen von der Wachstumstragödie.Tatsächlich war die realeWirtschaftsleistungpro Kopf zwischen 1965 und 1990überhaupt nicht gewachsen, die in Südostasiendagegen um fünf Prozent – proJahr. Im Jahr 2000 noch lag das Bruttoinlandsproduktpro Kopf in Ghana bei 250Dollar, in Singapur war es 100-mal höher.Dabei waren beide Länder nachdem Ende der britischen Herrschaft1957 vom gleichen Niveau aus gestartet.Der Abgesang auf Afrika - auch er warein Irrtum. Denn der Kontinent hat seitder Jahrtausendwende das nachgeholt,was ihm 1960 prophezeit worden war:ein nie erlebtes Wachstum. Mit rundsechs Prozent pro Jahr sind die LänderSchwarzafrikas seit dem Jahr 2000 soschnell gewachsen wie keine andereWeltregion. Und auch in den nächstenJahren dürfte das jährliche Plus bei fünfProzent pro Jahr liegen, schätzt der InternationaleWährungsfonds.Sieben derzehn Länder mit den weltweit höchstenWachstumsraten liegen in Afrika. An derSpitze steht das Ölland Angola.Die Nachfrage nach Rohstoffen, dieneuen politischenVerhältnisse vor allemim Norden des Kontinents und eine jungeGeneration an Schwarzafrikanern,die nicht fragen, was der Westen für sietun kann, sondern die als tatkräftige Unternehmerund moderne Politiker selbstihre Länder voranbringen wollen, habendas Rennen der Afrikaner um Anschlussan die globalisierte Welt eingeleitet.Man darf das nicht falsch verstehen.Afrika, das ist noch immer ein Kontinentvoller Widersprüche – ein Kontinent mitStaaten wie Angola, in denen das Bruttoinlandsprodukteinerseits bei gerademal 6000 Dollar liegt, sich andererseitsaber im vergangenen Jahrzehnt verzehnfachthat; mit Ländern wie Tansania, wodie Lebenserwartung bei gerade mal 59Jahren liegt, aber im vergangenen Jahrzehntum 20 Prozent gestiegen ist; oderLändern wie Uganda, wo knapp 30 Prozentder Menschen mit weniger als 1,25Dollar am Tag auskommen müssen, esvor fünf Jahren aber noch 60 Prozentwaren. Für einen Kontinent wie Afrika,wo jahrzehntelange Hoffnungslosigkeitherrschte, sind diese Inseln des Fortschrittsaber eine echte Neuigkeit.Von den internationalen Unternehmensberatungen,die ihren Kunden derzeitoffensiv Investitionen in Afrika ansHerz legen, werden die Länder des Kontinentsbereits mit dem Titel Löwenstaatengeadelt – in Anlehnung an die TigerstaatenSüdostasiens. „Wir sind keineOpfer, sondern Partner“, sagte kürzlichder ruandische Präsident Paul Kagame,der denWohlstand seines Landes zuletztverdoppelt hat. So ist der Anteil derer,die umgerechnet mit weniger als 1,25Dollar pro Tag auskommen müssen, umfast zehn Prozentpunkte gefallen – auferstmals unter die Hälfte. Die Zahl derAnalphabeten hat sich südlich der Saharaseit 1970 von dreiVierteln auf ein Drittelverringert.Man sieht das auch daran, dasserstmals Großkonzerne ausAfrika auf der Karte der Weltwirtschaftauftauchen, die internationalBedeutung haben. Etwa der RohstoffrieseAnglo American oder derBraukonzern SAB Miller, die mittlerweilein London gelistet sind. Und essind nicht nur Bergbaukonzerne wieSasol, die auf dem Kontinent für Aufsehensorgen. Längst entstehen Unternehmenwie der Mobilfunker Celtel,den einst Mo Ibrahim gründete, die Vodafone-BeteiligungVodacom oder derMischkonzern Bidvest, die mit innovativenProdukten und Wachstumsratenvon bis zu 60 Prozent ihren Wettbewerbernaus den Industrieländern kaumnachstehen.© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


55Blick aufJohannesburg:Endlich Aufschwung?Plötzlich entsteht in Afrika eine Mittelschicht,von der sich die Welt einiges erhoffenkann: Ihr Drang, politischen Einflusszu bekommen und mit eigenen Unternehmenloszulegen, ist groß, die Lustauf Konsumgüter ebenso. In vielen Mega-Citys entstanden zuletzt große Shopping-Malls für diejenigen, die mehr verdienen,als sie zum bloßen Überleben brauchen.Die Zahl der Haushalte mit einem Jahreseinkommenvon mehr als 5 000 Dollarstieg afrikaweit auf 80 Millionen, meldetMcKinsey. Ihre Zahl hat sich seit der Jahrtausendwendeverdoppelt.Dieser Aufschwung Afrikas ist zumgroßen Teil selbst erarbeitet: Zwarprofitierte der rohstoffreiche Kontinentvonden steigendenWeltmarktpreisenfür Öl, Metalle oder Gold. Doch die Einnahmenwaren nur für ein Drittel des Wachstumsverantwortlich. Gewachsen sind alleSektoren – vor allem Handel, Landwirtschaftund Telekommunikation. Mit Hilfeder Weltbank werden gerade fast überallLeitungen für schnelle Internetverbindungenverlegt.Die Zukunft ist fürviele Afrikanernicht länger eine Bedrohung, die manhinnehmen muss, sondern eine Möglichkeit,die sich gestalten lässt.Parallelen drängen sich auf zu einer anderenWeltgegend,die, langevon Kolonialisierung,Kriegen und politischer Misswirtschaftgebeutelt, jenseits desweltwirtschaftlichenGeschehens dümpelte und dannaufstieg: Ist Afrika das neue Asien?Der Vergleich mit den asiatischen Wachstumsstaatenzeigt, wie schwer der Weg derAfrikaner noch wird. Optimistischer könnteman aber auch sagen: DerVergleich zeigt,wiegroß das Investitionspotenzial noch ist, dasauch und gerade mit westlichen Partnern genutztwerden könnte.Industrie etwa ist bis auf den Bergbau in Afrikakaumvorhanden. Schuld daran ist nicht nurdie fehlende Leistungskultur, die Asien großmachte. Sondern auch die fehlende Wettbewerbsfähigkeit.Anders als Südostasien kennt Afrika quasikeine Exporte: Die Länder, die kein Ölverkaufen,haben alle negative Leistungsbilanzsalden.Und auch der Handel zwischen den einzelnenStaaten des Kontinents ist zuletzt zwar deutlichgewachsen – aber kaum ausgeprägt. „Die Regierungentun sich schwer mit dem Gedanken,sich gegenseitig Konkurrenz zu machen“,sagt Rolf Langhammervom Kieler InstitutfürWeltwirtschaft. Natürlich ist auch dieInfrastruktur noch schlecht, die Korruptiongroß und dieVerwaltung lausig. Und natürlichbeginnen die meisten Länder von ganz, ganzunten.Aber die Afrikaner denken um. Die Ideendes Freihandels setzen sich durch. „Die Regierungensind wirtschaftsfreundlicher geworden“,sagt Carsten Ehlers, Afrikaexpertevon GermanyTrade and Invest (GTAI). So habenviele Staaten bürokratische Hürden fürGründer abgebaut. Keine andere Region derWelt hat in den vergangenen Jahren so vieleReformen umgesetzt, zeigt der „Doing Business“-Reportder Weltbank.Die Forderungenvon InternationalemWährungsfondsundWeltbank nach einer LiberalisierungderWirtschaft finden immer mehr Gehörin der Region. Seit 2005 sind die Summen,die ausländische Investoren jährlich auf demKontinent investieren, höher als die Entwicklungshilfezahlungender Industrieländer.„Ich glaube, dass auf staatlicher wie nichtstaatlicherEbene ein Umdenken stattfindet,das Hilfevon außen immerweniger goutiert“,sagt Afrika-Forscher Denis Tull von der StiftungWissenschaft und Politik.Afrika boomt – auchweil die politische Lagestabiler geworden ist: Zwar versinkt mitMali zurzeit wieder ein ehemaliger Hoffnungsträgerim Chaos – und Demokratiennachwestlichem Muster gibt es, mit Ausnahmedes kleinen Mauritius und Südafrikas,Afrika hat alle Chancen:Bildung statt Alimente,Rechtsstaatlichkeit stattKorruption und guteVerwaltung stattKlientelismus. Die Afrikanerhaben ihr Schicksal erstmalsselbst in der Hand.kaum. Doch gelingen nicht nur im revolutioniertenNorden des Kontinents immer häufigerRegierungswechsel. Viele Diktatorenhaben abgedankt.Die Stabilität hat positive Folgen: So ist dieInflation gesunken: Lag sie Mitte der 90er-Jahre im Schnitt des Kontinents noch bei 60Prozent, so sind es jetzt weniger als zehn.Gleiches gilt für die Auslandsschulden: DieStaaten haben die letzten Schuldenerlassegut genutzt – und die Quoten seither niedriggehalten. Niedriger jedenfalls als in Europa.Ob die Afrikaner die Geschichte, dieSchwellenländer aus anderen Regionen dieserWeltin denvergangenen drei Jahrzehntenvorschrieben, fortsetzen können, liegtvor allem an den Afrikanern selbst. Ein botswanischerMinister versuchte sich vor kurzemwährend einer Veranstaltung an denParallelen. Nurwenn die Afrikaner auch inSachen Disziplin und Arbeitsethik den Asiatennacheifern, haben sie eine Chance, dasnächste Wirtschaftswunder zu schreiben.Die Asiaten, fuhr der Minister fort, hättenihre Krisen genutzt, um Reformen und Liberalisierungdurchzusetzen, die Afrikanerwürden meist die Reformen einstellen, sobalddie schlimmsten Auswüchse einer Krisebekämpft seien. Das aber könne sich ändern:Durch Investitionen in Bildung stattAlimente, durch Rechtsstaatlichkeit stattKorruption, durch gute Verwaltung stattKlientelismus.Die Afrikaner hätten, endete der Ministerschließlich, es selbst in der Hand. DasSchlagwort von den Löwenstaaten kannRealität werden. Jetzt muss der Löwe nurspringen wollen.© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


56AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231REPORTAGEJäger des verborgenenSchatzesDas Wachstum einesBruttoinlandsproduktPrognose für 2012Veränderung zum Vorjahr+2,7 %Tunesien+2,6 %AlgerienVor nicht allzu langer ZeitwarLuanda eine malerische Kolonialstadtim Süden Afrikas– mit Barockbauten, engenGassen und einer lauschigenUferpromenade. Heute erstickt dieHauptstadtvon Angola im Dauerstau. EineBlechlawine ausTankzügen, Zementlasternund Geländewagen wälzt sichdurch die Altstadt. Befeuert vom Ölrauschwächst die Metropole wie keineandere Stadt in Afrika. Seit der Eröffnungeines Großflughafens treffen Direktflügeaus aller Welt ein, vor allem aus Asien.Nach einem dreißigjährigen Bürgerkriegist das Land zum zweitgrößten ÖlfördererAfrikas aufgestiegen. In den Einkaufszentenfindet sich nun teures Sortiment,eine Pizza kostet 25 Dollar, ein einfachesHotelzimmer bis zu 300 Euro die Nacht.Luanda ist die vielleicht typischste Metropoleim vielleicht typischsten Land einesuntypischen Kontinents. Währendsich in den 80er-Jahren die asiatischenLänder und in den 90er-Jahren die meistenlateinamerikanischen Länder aufmachten,mit dem Westen zu handeln,Anschluss zu suchen, blieb Afrika derblinde Fleck auf der Karte der Globalisierung.Wer aber heute Afrika neu entdeckt,der sieht nicht mehr nur Korruption,fehlende Infrastruktur und Armut,der sieht auch Wachstumsraten, wie siebisher Asien kannte, Politiker, die mitder Vergangenheit brechen und Unternehmer,die ihren Kontinent mit Fleiß,Geld und Ideen voranbringen und nichtmehr von der Entwicklungshilfe abhängigsein wollen. Aber kann dieser Aufschwungvon Dauer sein?Luanda.Whitey Basson ist einer derMenschen, die daran arbeiten.Basson ist ein Typ, der qua StatusvonwenigenWidrigkeiten erschreckbarzu sein scheint. Er hat mit Shoprite Checkersdie größte Supermarktkette Südafrikasgegründet. Lange konzentrierteer sich auf sein Heimatland. Mittlerweilehat er 230 Filialen außerhalb Südafrikasauf dem Kontinent eröffnet. Als Bassondieses Jahr seine Ergebnisse vorlegte,verkündete er, dass Angola einenwesentlichenTeil zum Umsatz beisteuert.Bassey ist kein Illusionist. Mit Blick auffehlende Infrastruktur, RegulierungswutAngetrieben von einer boomendenRohstoffindustrie findet Afrika Anschlussan die Globalisierung. An vielen Ortentrifft man tatkräftige Unternehmer undmutige Investoren, die an der Zukunftarbeiten. Eine Reise durch das andereAfrika, das Afrika der Chancen.Von Südafrika-KorrespondentWolfgang Drechslerund Korruption sagt er: „Man muss allesselber machen.“ Aber er sagt auch: „Irgendwielohnt es sich doch.“Er sieht das an Luanda. AusländischeRohstoffkonzerne investierten, in ihremSchlepptau entdeckten Dienstleister undZulieferer die Region. Der Boom begann.Seit 2002 hat das Land mehr als150 Milliarden Dollar in Brücken, Straßen,Schienen und Häuser gesteckt.Kontrolliert aber wird die Wirtschaft vonPräsident José Eduardo Dos Santos, derseit 33 Jahren herrscht, und seinen Generälen.Ohne sie läuft fast nichts. Angolazeigt das Potenzial des Kontinents,aber auch die fragilen Grundlagen. Zwischen2004 und 2008 wuchs die Wirtschaftmit durchschnittlich 20 Prozent.Doch sinkt der Ölpreis, sinkt auch dieKonjunktur.Wie ein deutscher Mittelständler untersolchen Umständen Geld verdient,zeigt Krones. Der Weltmarktführer fürGetränkeabfüllmaschinen hat 21 Komplettanlagenin das südwestafrikanischeLand geliefert. Um bei technischen Problemenvor Ort zu sein, hat Krones inAngola 40 Mitarbeiter angestellt. „DieKunden verlangen bei dem hohen Maschinenbestandneben einem schnellenService auch eine Ausbildung ihrer Mitarbeiter“sagt Afrika-Chef Heiko Feuring.Otavi. Etwas außerhalb des Nestsim Norden Namibias liegen Chanceund Risiko besonders eng zusammen.Gerhard Hirth, Chef des UlmerPep Bonet/Noor/laifZementherstellers Schwenk, lernt hiergerade sehrviel darüber,wieviele Rückschlägenötig sind, um von Afrikas Aufschwungzu profitieren. Im Februar 2011eröffnete Hirth im Beiseinvonviel Politprominenzhier im Norden eine Zementproduktion.250 Millionen Euro investiertendie Schwaben hier, so viel wiekein Konzern zuvor. Hirth war sich sicher:Es ist gut angelegtes Geld.Perspektivisch dürfte dies auch sosein. In der Gegenwart aber hatte Hirthmit einer Sache nicht gerechnet: Plötzlichüberschwemmten Billigimporte ausChina den Markt. In seiner Not appellierteHirth an die Regierung, seine Fabrik inder Startphase vor solchen Billigimportenzu schützen. Vieles spricht dafür,dass dies nun geschieht. Schließlich befindetsich ein Drittel der Fabrik in denHänden lokaler Investoren. Die Fabrikwird nun später als geplant Gewinn abwerfen.Aber einen langen Atem brauchtohnehin jeder, der in Afrika investiert.Diamantenschürfer in Botswana:Auch Rohstoffe können verlässlichWohlstand schaffen.+2,9 %Marokko+5,3 %Mauretanien+21,3 %Sierra Leone+7,0 %Burkina Faso+3,7 %Senegal+4,8 %Guinea+9,0 %Liberia+8,1 %Elfenbeinküste+8,2 %Ghana+5,0 %TogoDie VerliererBruttoinlandsproduktPrognose für 2012Veränderung zum Vorjahr-1,6 %Gambia-2,8 %Guinea-Bissau-4,5 %Mali-11,2 %Sudan-2,9 %SwasilandHandelsblatt | Quelle:International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, October 2012Gaborone. Lange ist auf der FahrtnachWesten nichts als Steppe undGeröll zu sehen. Es hat seinenGrund, dass Botswana in der Sprache seinerBewohner „lechzendes Land“heißt. Doch dann klafft plötzlich eine riesigeoffeneWunde im Boden: 320 Metertief ist die im Tagebau betriebene Minevon Jwaneng, 160 Kilometerwestlich derverträumten Hauptstadt Gaborone. Millionenvon Karat kratzen die Arbeiterund Ingenieure hier Jahr für Jahr ausdem roten Boden der Kalahari, mehr alsaus jeder anderen Diamantenmine.Insgesamt fördert Botswana in seinenvier Gruben rund 30 Prozent der weltweitenProduktion. Die Menschen hiererwirtschaften etwa 15 000 Dollar proKopf im Jahr, dreimal mehr als noch vorzehn Jahren. Grundlage seines Reichtumsist bis heute die erfolgreiche Partnerschaftdes Landes mit dem weltgrößtenDiamantenförderer De Beers. IhrJointVenture, Debswana, zeigt, was miteiner Kooperation des Staates und derPrivatwirtschaft in Afrika möglich wäre.Im Gegensatz zu vielen anderen Staatendes Kontinents verschleuderte BotswanasRegierung den neuen Reichtumnicht, sondern legt ihn klug an: Sowurden 6 000 Kilometer asphaltierteStraßen gebaut, ein modernes Kommunikationsnetzerrichtet und ein vorbildlichesGesundheits- und Bildungswesengeschaffen.Präsident Ian Khama und seine Vorgängerhaben sich nachweislich demGemeinwohl verpflichtet – und richtendas Land auch für die Zeit, in der dieDiamantenförderung zu Ende geht,neu aus. In zwei Jahrzehnten dürfte das© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231KontinentsAFRIKAS AUFSCHWUNG57+16,7 %*Libyen+3,5 %Benin+4,7 %Kamerun+5,7 %Äqu. Guinea+6,1 %Gabun+7,1 %Kongo+4,0 %Namibia+2,6 %Südafrika+14,5 %Niger+7,1 %Nigeria+6,8 %Angola+4,2 %BurundiZentralafrika+7,7 %Ruanda+4,1 %+2,0 %Ägypten+7,5 %Eritrea+7,3 %Tschad+7,0 %Äthiopien+4,9 %Dem. Rep. Kongo+4,2 %Uganda+5,1 %Kenia+6,5 %Tansania+6,5 %Sambia+4,3 %Malawi+7,5 %Mosambique+1,9 %Madagaskar+5,0 %Simbabwe+4,3 %Lesotho+3,8 %Botswana*Nach Berücksichtigung der politischen Lage: Angaben zu dem Wachstum Libyens = Prognose für 2013, Angaben zu Somalia und Südsudan ausgelassen, da nicht repräsentativso sein.Kampala. Kein Bier geht in JamesMutumbas Hinterhofkneipe inUgandas Hauptstadt so flott überdenTresenwie die Marke „Eagle“. Dabeigibt es das Gebräu aus Sorghumhirseund Maniok, einer Knollenfrucht, erstseit ein paar Jahren am ugandischenMarkt. Das Bier selbst schmeckt fastwiedie Hellbiere auswestlicher Produktion.Allerdings sind die lokalen Zutatenweitbilliger. Mutumba hat sich spezialisiert,dieses Bier auszuschenken – und sich soeine Zielgruppe erschlossen, die es sichbisher nicht leisten konnte, auszugehen.Erfinder von „Eagle“ ist der südafrikanischeBrauriese SAB Miller. „Wer inAfrika erfolgreich sein will, muss andereWege als in den reifen Märkten gehen“,sagt Mark Bowman, Chef der Afrika-Division.Für die Menschen in Ugandazahlt sich die Nutzung lokaler Bierzutatenaus: Gut 50 000 Kleinbauern ausganz Afrika beliefern inzwischen denBrauriesen mit Maniok und Sorghumhirse.Nachdem viele der Bauern dieFrucht lange Zeit fast nur für den Eigenbedarfanbauten, produzieren sie nunerstmals in größerem Stil für den Markt.Lagos. Solche Sorgen sind AlikoDangote fremd. Der Nigerianer,dessen Vermögen auf gut elf MilliardenDollar geschätztwird, gilt als Prototypdes afrikanischen Unternehmers.Ehe der Sohn einerwohlhabenden muslimischenFamilie aus Nordnigeria jedochin die Zementproduktion einstieg,etablierte er in einigen Marktnischen eineführende Position als Importeur. DerDurchbruch gelang ihmvor zwölf Jahrenmit dem Bau einer Zuckerraffinerie undeines Zementterminals.Seine Bewunderer loben DangotesMut beim Aufbau einer industriellen Basisin dem mit 160 Millionen Menschenbevölkerungsreichsten Staat Afrikas.Schließlich wird bisher nur wenig lokalproduziert. Hoch angerechnet wird dem55-Jährigen, dass er seinen Reichtumnicht, wie viele andere afrikanische Geschäftsleute,im Ausland bunkert, sondernim eigenen Land reinvestiert. Allerdingsberuht auch sein Erfolg wie so oftin Afrika auf den vielen engen Kontaktenbis in die Staatsspitze. Dangote selbsthält dies für völlig legitim: „Wer in einempolitisch unruhigen Umfeld so viel Geldinvestiert, ist gezwungen, auf gewisseWeise Einfluss zu nehmen“, sagt er.Auch die Margen von mehr als 50 Prozentrechtfertigt er. „Die hohen Renditenentschädigen für das mit Afrika verbundeneRisiko.“Tunis. Von hohen Renditen ist AhmedBen Miled weit entfernt. Ergibt die Hochglanzzeitschrift„Femmes de Tunisie“ heraus, eine Art„Cosmopolitan“. Daneben produziert ereine tunesische Version von „SchönerWohnen“ und das Bordmagazin derstaatlichen FluggesellschaftTunisair. Dieersten Gehversuche unternahm erschon während seines Studiums an einerPariser Business-School, 2008 kamdie erste Ausgabevon „Femmes deTunisie“auf den Markt. Heute beschäftigt erin seinen Büros nahe des FlughafensvonTunis 16 Festangestellte.Ben Miled lebt Unternehmergeist ineinem Land, das nichts dringender gebrauchenkann. Der Anfang 2011 davongejagteDiktator Ben Ali hat jahrzehntelangalles dafür getan, den Menschenjegliche Eigeninitiative auszutreiben –ähnlich wie seine SchicksalsgenossenHusni Mubarak in Ägypten oder LibyensMuammar el Gaddafi. Seinen Nachfolgernhinterließ Ben Ali einen aufgeblähtenStaatsapparat und eine unterentwickelteFirmenlandschaft. Die Wirtschaftkommt nur langsam in Fahrt, jeder fünfteTunesier ist arbeitslos.Ben Miled bekommt das zu spüren,„der Anzeigenmarkt ist nicht gerade euphorisch“,berichtet er. Aber es regtsich etwas: Mussten Verleger zu BenAlis Zeiten endlos auf Lizenzen für neueBlätter warten, entstehen seit demSturz des Diktators Dutzende neue Magazine,Zeitungen und TV-Sender. Siemüssen hart um Leser und Anzeigenkundenkämpfen, nur die gut gemachtenAngebote überleben. Ben Miled undseine Wettbewerber haben für ihreBranche etwas geschaffen, das nichtnur Tunesien am besten helfen wird: einenfunktionierenden, vibrierendenMarkt.Obnun Ben Miled inTunesien, AlikoDangote in Lagos oderWhiteyBasson in Südafrika – auf der BildflächeAfrikas tauchen Gesichter auf, diedort bisvor kurzem nichtvorstellbarwaren.Ob sie es schaffen, die Spirale ausBürgerkriegen, Korruption und Abhängigkeitvonausländischen Hilfen zu brechen,ist noch immer unklar. Wer sieaber trifft, wer sich von ihrer Begeisterungund ihrer Tatkraft überzeugt, derahnt: Bessere Hoffnungsträger hatteAfrika bisher selten.© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


58AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231MO IBRAHIM„Hungrig nach westlichen ProdMo Ibrahim ist Großunternehmeraus Schwarzafrika. Ein Gesprächüber Chancen für Investoren in Afrika,die neue Mittelschicht und warumzur Korruption immer zwei gehören.ge Fabrik für Mobiltelefone. Das ist dochnicht akzeptabel.Logo der Mo-Ibrahim-Stiftung.Das Gespräch führte Dirk HeilmannHandelsblatt: Herr Ibrahim, die Schlagzeileunseres Afrika-Titels, für denwir Sieheute interviewen, lautet „Afrika – Kontinentder Chancen“, weltweit empfehlenderzeit Berater, in Afrika zu investieren.Würden Sie das unterschreiben?Ibrahim: Absolut. Die Wirtschaft desKontinents ist im vergangenen Jahrzehntum durchschnittlich fünf Prozent im Jahrgewachsen. Afrika hat das Potenzial, diesesTempo in den nächsten zehn Jahrennoch deutlich zu steigern.Was muss passieren, damit Afrika seinvolles Potenzial ausschöpft?Da müssen noch viele Dinge passieren,auf vielen verschiedenen Ebenen. Zunächsteinmal müssen Afrikas Länderselber die Infrastruktur für Wachstumschaffen, die staatlichen Institutionenverbessern und sich zu regionalen Freihandelszonenzusammenschließen. Nurso können sie den großen Nachteil gegenüberChina kompensieren.Welchen?Na, den Nachteil, dass Afrika etwa so vieleEinwohner wie China hat, aber eben in54 einzelne Staaten zersplittert ist. 54Staaten mit ganz unterschiedlichen Gesetzen,Gebräuchen, Regeln und Handelsschranken.Diese Fragmentierungdes afrikanischen Marktes schreckt Investorenab und bremst das Wachstum.Aberwie ließe sich an diesem Zustand etwasändern?Wir müssen die Grenzen öffnen und diefreie Bewegung von Menschen, Güternund Kapital ermöglichen. China hat dankseines riesigen Marktes die Chance gehabt,Technologietransfer aus dem Westenzu erzwingen. Wie soll Afrika zumBeispiel Siemens bewegen, eine Fabrikvor Ort zu bauen? Afrika hat 500 MillionenMobilfunkkunden, aber keine einzi-Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass esbald eine afrikanische Freihandelszonegeben wird?Die Afrikanische Union hat sich auf mehrFreihandel geeinigt, aber muss jetzt dieBeschlüsse schneller umsetzen. Mir fehltda die Dringlichkeit.Es ist aber auch dieverbreitete Korruptionund Rechtsunsicherheit, die die afrikanischeEntwicklung hemmt, odernicht?Ach, das wird sehr übertrieben.Viele Unternehmenmachen in Afrika gute Geschäfteohne jede Korruption. WissenSie, zur Bestechung gehören immer zwei– der Regierungsvertreter, der sich bestechenlässt, und der Geschäftsmann, derbesticht. Wir müssen da auch an dieVerantwortungder Geschäftsleute appellieren.Ganz bestreiten können Sie aber dochnicht, dass es da Probleme gibt.Sicher gibt es die, doch der Index, dendie Mo Ibrahim Foundation jährlich veröffentlicht,zeigt auch die Fortschritte.Was Afrika nicht braucht, sind internationalePartner, die sich auf eine Seifen-VITAMO IBRAHIMVorzeige-Unternehmer Der 1946geborene Sudanese ist einer der erfolgreichstenafrikanischen Unternehmer.Der ehemalige technischeDirektor der British Telecom gründete1998 den Mobilfunkanbieter Celtel,der heute in 15 Ländern Afrikas aktivist. 2005 hat er das Unternehmen für3,4 Milliarden Dollar an die MTC verkauft.Kritischer Philanthrop Nach seinerUnternehmerkarriere gründete Ibrahim2006 die Mo Ibrahim Foundationmit Sitz in London, die für bessereRegierungsführung in Afrika eintritt.Die Stiftung vergibt seit 2007 einenauf Lebenszeit dotierten Preis fürehemalige afrikanische Staatschefs,die ihr Land vorbildlich geführt haben.Sie hatte den Mut, den Preis nurdreimal zu vergeben, weil sie nichtimmer würdige Kandidaten fand.REA/laif, SPIEKERMEIER/SIPA, LineairUnternehmerMo Ibrahim: „KeineIdeologie-Debatten.“© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231AFRIKAS AUFSCHWUNG 59ukten“kiste stellen und den AfrikanernVorträgeüber Korruption halten.Sondern?Auch sie müssen ihren Teil dazu beitragen,dass sich die Transparenz und dieRechtssicherheit in Afrika verbessern.Die USA zum Beispiel zwingen ihre ÖlundRohstoffunternehmen, dieVerträgemit afrikanischen Regierungen offenzulegen,die Europäer tun das nicht.Undwas können die multinationalenUnternehmentun?Sie müssen zum Beispiel in Afrika Steuernzahlen und nicht das Geld, das siehier verdienen, durch Bilanztricks außerLandes bringen. Nicht nur die Regierungenmüssen sich an die Regeln halten, dieUnternehmen müssen das auch tun.Werbung für einIbrahim-Unternehmen imTschad: Ein Kontinentvoller Möglichkeiten.Es istviel die Redevon der aufstrebendenafrikanischen Mittelschicht. Gibt es diewirklich schon, und ist sie als Konsumentengruppefürwestliche Konzerne schoninteressant?Aber ja. Die Verstädterung vollzieht sichin Afrika schneller als sonst irgendwo.Wir sind mit Dutzenden von Millionenstädtenso urbanisiert wie China undmehr als Indien. Die Mittelschicht isthungrig nach westlichen Produkten undDienstleistungen, vom Gesundheitssektorüber Mobilität bis zu Telekommunikation.Die Europäer werden nichtmithalten können, wennsie sich in klimatisiertenHotels verstecken.Dennoch scheint die Wirtschaft aufdem Kontinent vor allem durch denBoom auf den Rohstoffmärkten getriebenzu sein.Der Dienstleistungssektor ist in Afrikaschon so groß wie der ganze Rohstoffsektor.Wird diese Mittelschicht, die dort geradeentsteht, auch die Demokratie inAfrika stärken?Da bin ich mir sicher. Die letzten zehnJahre hat sich das Ausbildungsniveauder jungen Menschen in Afrika verbessert.Die Gesundheitssysteme werdenebenfalls besser. Das ökonomischeWachstum wird eine mächtige Grundlagefür die Demokratie in Afrika bilden.Die Zivilgesellschaft wird stärker.Was raten Sie konkret einem deutschenUnternehmer, der bisher nochnicht in Afrikavertreten ist. Soll er,wiebisher oft üblich, erst einmal nach Südafrikagehen?Sicher, viele Investoren fühlen sich imKomfort Südafrikas wohler. Aber siesollten sich mal ein Beispiel an denChinesen nehmen. Westliche Unternehmerwerden nicht mit den Chinesenkonkurrieren können, wenn siesich in klimatisierten Hotels verstecken.Das ist einfach Faulheit.Was sind für Sie afrikanische Staaten,die in den nächsten Jahren zu Wachstumschampionswerden könnten?Da gibt es eine ganze Menge, die ichaufzählen könnte. In Westafrika zumBeispiel Ghana, Senegal oder die Elfenbeinküste.Im Süden Botswana undNamibia, Tansania im Osten. Und dannwird sich auch Nordafrika gut entwickeln,wo junge, gut ausgebildete Menschendie Diktatoren verjagt haben.Dievergangenen Jahrewaren dadurchgekennzeichnet, dass sich China immerstärker in Afrika engagiert. Begebensich die Afrikaner da in ungute Abhängigkeiten?China ist jedenfalls heute der wichtigsteHandelspartner für Afrika. Und dasist gut so. Afrika braucht Kunden fürseine Rohstoffe, und wenn ein Kundedazukommt, dann kriegen wir besserePreise. Das ist der freie Wettbewerb ineiner globalisierten Wirtschaft.Verstehen Sie, dass Europa Angst hat,in Afrika ins Hintertreffen zu geraten?Ich verstehe nicht, dass Europa damitein Problem hat. Für Europa und dieUSA ist China doch auch der wichtigsteHandelspartner geworden. Afrikabraucht Handelspartner, und darumbin ich froh, dass sich China so auf demKontinent engagiert.Die Befürchtung vieler Europäer ist,dass sich Afrika in Zukunft mehr amchinesischen Staatskapitalismus orientiertals an der demokratischen Marktwirtschaft.Teilen Sie diese Befürchtung?Ach, das muss jedes Land für sichselbst entscheiden. Für mich zählennicht Ideologien, Parteiprogrammeoder schöne Reden, sondern einzigund allein Resultate. Die Regierungenmüssen das Leben der Menschen verbessern.Sie müssen Arbeitsplätzeschaffen und gute Schulen für die Kinder,sie müssen für sauberes Trinkwasser,bessere Straßen und ein modernesGesundheitswesen sorgen.Und sie müssen die Menschenrechterespektieren und Rechtssicherheitschaffen.Kann China dafür überhaupt ein Partnersein?Die Fortschritte Afrikas auf diesemWeg misst meine Stiftung jedes Jahrmit einem Index, der aus 88 einzelnenParametern besteht. Das sind messbare,wissenschaftliche Fakten. Daransollten wir uns orientieren und nichtan ideologischen Debatten.Also, Sie sehen nicht, dass das chinesischeModell an Einfluss gewinnt?Diese Debatte ist oberflächlich. MancheFührer in Afrika sprechen über daschinesische Modell und meinen nichtein neues Entwicklungskonzept, sondernein Einparteiensystem, um ihreHerrschaft zu festigen. Aber selbst inChina werden die Herrscher alle zehnJahre ausgetauscht. Was meinen dieseLeute denn mit chinesischem Modell?Wollen sie ihre Armani-Anzüge gegengraue Einheitskleidung tauschen undab und an einen Minister wegen Korruptionerschießen lassen? Das istdoch Unsinn.Oft wird behauptet, Afrika werde sichnicht so entwickeln wie Asien, weilAfrikaner einfach eine andere Mentalitäthätten. Was halten Sie davon?Jeder Mensch ist anders. Es gibt dochnicht „den Afrikaner“. Westafrikanersind ganz anders als Ostafrikaner, undan der Mittelmeerküste wohnen ganzandere Menschen als in Zentralafrika.Uns Menschen eint doch alle das, wasdie Amerikaner „the pursuit of happiness“nennen – die Suche nach Glückund Wohlstand.Herr Ibrahim, wir danken Ihnen fürdieses Interview.© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


60AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231DER RUN AUF AFRIKAS SCHÄTZEPakt mit Pekingbahnlinie zum Transport der Produktegleich dazu. Konkurrent Geely ziehtdemnächst nach und baut Autos in Partnerschaftmit dem örtlichen KonglomeratMesfin Industrial Engineering, demIndustriearm der regierenden ParteiÄthiopiens. Bemerkenswert daran: SowohlLifan als auch Geely sind reine Privatunternehmenund entscheiden sichrein aus Hoffnung auf gute Rendite fürden Schritt nach Afrika.So sieht es auf dem ganzen Kontinentaus: China zieht Straßen, gräbt Tunnel,baut Wasserleitungen und Dämme. Eserschließt Erzvorkommen und Ölfelder.Trotz aller kulturellen Unterschiedesind die Asiaten auch deshalb hochwillkommen,weil sie alsVorbild taugen füreine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung.China hat schließlich schon das geschafft,was viele Staaten Afrikas erreichenwollen: den Aufstieg von Armut zuWohlstand.Das Land in Fernost zeigt zugleich,dass Wachstum keine Demokratiebraucht. Auch das kommt bei vielenafrikanischen Politikern – anders als inTeilen der Bevölkerung im Übrigen –gut an: Die Chinesen treten nicht väterlichoder moralisierend auf, wie vieleEuropäer oder Amerikaner es im Vorfeldeines wirtschaftlichen Engagementsmachen.„China bietet Investitionen ohneVorbedingungen“,sagt Außenpolitik-ExperteEtienne Buregeya von der UniversitätBurundi der NachrichtenagenturXinhua. Wo die Vergabe eines Kreditsdurch eine westliche Förderbank wegenPrüfung der vielen Anforderungenfünf Jahre dauere, vergeben die Chinesenihn in fünf Tagen. „China hält sichan den Grundsatz der Nichteinmischungin innere Angelegenheiten.“Hundert Meter hoch erhebtsich derWolkenkratzer desGebäudes der AfrikanischenUnion (AU) in deräthiopischen HauptstadtAddis Abeba. „In dem Gebäude spiegeltsich das neue Afrika wider“, sagte beider Eröffnung im Februar der damaligeAU-PräsidentTeodoro Obiang Nguema,der Staatschef von Äquatorialguinea.Das prächtige Symbol moderner afrikanischerPolitik hat jedoch einenSchönheitsfehler, den das Auge zunächstnicht erkennt: Es ist komplettvon China bezahlt. Auch das benachbarteKonferenzzentrum mit dem Plenarsaalist ein Geschenk aus Peking. Ebensodie Technik und die Möbel. Sogar dieBaumaterialien sind importiert. Es warensogar mehrheitlich chinesische Arbeiter,die das Projekt hochgezogen haben.Wer teure Geschenke macht, erwarteteine Gegenleistung. Im Falle Chinasist der Handel leicht zu durchschauen:Peking will an Afrikas Bodenschätze herankommenund investiert im Gegenzughohe Summen in die Infrastrukturdes Kontinents. „Es sind vor allem Ölproduzentenund rohstoffreiche Länder,die vom Handel mit China profitieren“,sagt Bert Jacobs vom Institut fürEntwicklungspolitik der UniversitätAntwerpen.China sehe in Afrika außerdem einenweiteren Absatzmarkt für seine billigenIndustrieprodukte – und zerstöre dabeinebenbei die örtliche Wirtschaft. „Billigechinesische Textilausfuhren habenzu hohen Arbeitsplatzverlusten aufdem ganzen Kontinent geführt.“Der Handel zwischen China und denLändern Afrikas übertrifft auf dieseWeise bereits 100 Milliarden Dollar imJahr. Auch die Investitionen erreichenMilliardensummen: Chinesische Unternehmenhaben bisher 77 MilliardenDollar in Afrika-Projekte gesteckt, wiedie US-Denkfabrik Heritage Foundationausgerechnet hat. Zu den jüngsten Investitionengehören zwei Gasdeals desstaatlichen Ölkonzerns Sinopec in GhanaimWertvon 1,7 Milliarden Dollar, einMinenvertrag von Sinosteel mit derstaatlichen Zimasco in Simbabwe miteinemVolumen von 300 Millionen Dollar.Typisch ist auch einVertrag über dieLieferung von Kupfer für 1,4 MilliardenDollar des Metallspezialisten Jinchuanin Südafrika. Für die rückständigenLänder sind das gewaltige Summen –hochwillkommen, um Wachstum undArbeitsplätze zu schaffen.Doch die Partnerschaft beschränktsich nicht auf Kohle, Erz und Öl.Nach dem Run auf die Rohstoffedes Kontinents, haben die Chinesen –während Europäer und Amerikanernoch abwägen, ob ihnen ein Engagementin Afrika nicht zu riskant ist – bereitsdie zweite Runde ihrer Afrika-Investitioneneingeläutet. Jetzt heißt es nichtmehr nur, Rohstoffe gegen Infrastruktur,China will Rohstoffe,Afrika Infrastruktur: DerHandel läuft prächtig. Vielschneller als der Westenhaben die Chinesen dasTerrain abgesteckt.Ein Report vonChina-KorrespondentFinn Mayer-Kuckukjetzt heißt es, Investitionen gegen Konsum.Immerhin ist Afrika nicht nur eingigantisches Rohstofflager, sondernauch ein Markt mit einer Milliarde potenziellerKonsumenten, die – sofern sieirgendwann einmal entsprechendeKaufkraft haben – sich von Grund aufausstatten müssen.In Äthiopien hat der chinesische AutoherstellerLifan bereits eine Endfertigunggebaut und die passende Eisen-EUROPALauter vertane ChancenBerlin und Brüssel reagieren zulangsam auf die neuenMöglichkeitenauf dem Kontinent.Kanzlerin Angela Merkel 2011 in Kenia: Viel zu wenig Beachtung.Drei Tage, drei Länder, das war’s.Viel Aufmerksamkeit hat KanzlerinAngela Merkel demSchwarzen Kontinent nicht geschenkt,die einzige Reise ihrer zweiten Amtszeitführte sie nach Kenia, Angola undNigeria, und das in höchster Eile. Immerhinhatte sie auch in ihrer erstenRegierungsperiode einmal Afrika bereist– und damit insgesamt doppelt sooft wie Vorgänger Gerhard Schröder.dpaDie nüchterne Einstellung derChinesen ruft jedoch immerwiederKritik von Menschenrechtlernhervor: DieWirtschaftshilfe stützeDiktatoren. Ein Beispiel ist der Kaufgroßer Mengen Ölsvon Sudan, als dortBürgerkrieg und Unterdrückungherrschten. Mit den neuen Einnahmenaus ihren China-Geschäften konntendie Machthaber weiter ihren Krieg finanzieren,mahnendeWorte aus Europaoder Nordamerika wurden mildeweggelächelt – der Westen hatte seinDruckmittel verloren.„Chinas Ankunft in Afrika hat die FähigkeitEuropas beeinflusst, Werte undNormen in Afrika zu beeinflussen“,sagt Wissenschaftler Jacobs.Allerdings steht die Kritik der Europäeran Chinas Moral auf brüchigem Boden.China verweist nicht ganz zu Unrechtumgekehrt darauf, dass die westlicheAfrikapolitik kaum jemalsMenschenrechtsverletzungen oder Bürgerkriegeverhindert habe – und dasauch für Amerika und Europa am Endedie Ölinteressen die guten Absichtenkonterkariert haben.„Wir begegnen Afrika auf Augenhöhe“,sagt ShuYunguo vom China-Afrika-Institut der Pädagogischen HochschuleZhejiang. Wachstum, Bildung und einhöherer Lebensstandard seien überhauptdie Grundlagen für eine bessereMenschenrechtslage.Das Afrika südlich der Sahara findetallmählich mehr Beachtung in derBundesregierung. Aber noch langenicht die Aufmerksamkeit, die die Regionverdient. Im Sommer 2011 präsentiertedas Auswärtige Amt mit vielTamtam die neue Afrikastrategie, eingebettetin eine verstärkte Zusammenarbeitmit den europäischen Partnern.Das Thema Wirtschaft findet in demPapier immerhin an dritter Stelle Erwähnung,hinter Sicherheitspolitikund Menschenrechten. Für Rohstoffeund Energie gibt es sogar ein eigenesKapitel.Den Unternehmen reicht das freilichnicht. „Wir müssen aufpassen, dasswir unsere Stärken nicht verspielen“,warnt Stefan Liebing, Vorsitzender desAfrika-Vereins der deutschen Wirtschaft.So wird Deutschland wegen seinervergleichsweise kurzen Kolonialvergangenheitund seiner hochwertigenProdukte geschätzt. DerKontinent wird aber weiterhin vor allemvom Entwicklungsministerium bearbeitet.Die Firmen wünschen sichhingegen deutlich mehr Präsenz desWirtschaftsressorts, etwa in Form vonAnsprechpartnern in den Botschaftenvor Ort. tho© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. 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WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231AFRIKAS AUFSCHWUNG61Panos Pictures/VISUMChinesische Arbeiter bauen eine Brücke in Angola: Einfache Rechnung - Rohstoffe gegen Infrastruktur.NORDAMERIKAWachstum durch FreihandelDie US-Industrie interessiertAfrika als Rohstoffreservoir.Ex-US-Präsident George W. Bush: DenFreihandel stärken.AFP/Getty Images)Anstatt nur Entwicklungshilfe zu zahlen,wollen die USA die Länder im SüdenAfrikas am globalen Handel teilhabenlassen. Der ehemalige US-PräsidentBill Clinton hat im Jahr 2000 den AfricaGrowth and Opportunity Act (AGOA) unterschrieben,George W. Bush hat ihn dann imJahr 2004 bis 2015 verlängert. Dieses Gesetzgibt dem US-Präsidenten die Möglichkeit, jedesJahr Ländern unterhalb der Saharaniedrige Zölle oder Zollfreiheit für Einfuhrenin die USA zu ermöglichen. Es hat vorallem für die Textil- und BekleidungsindustrieBedeutung. Insgesamt hat das Abkommendie Exporte der begünstigtenLänder in die Vereinigten Staaten deutlichgestärkt. So führte Südafrika 2011Waren im Wert von fast zehn MilliardenDollar in die USA aus, davon knapp dieHälfte zollfrei unter AGOA.Ein weiteres Feld der Zusammenarbeitist die Energieindustrie. Nigeria liefertein Viertel der Öleinfuhren der USA. DieAmerikaner bemühen sich außerdemum engere Beziehungen zu Äquatorial-Afrika, das ebenfalls über große Rohstoffvorkommenverfügt. Allerdings gibt esPrognosen, nach denen die Abhängigkeitder USA von Ölimporten abnimmt.So besteht die Gefahr, dass auch dasohnehin nur mäßige Interesse der Amerikaneran Afrika ebenfalls noch weiterzurückgeht. Denn insgesamt sind – jenseitsdes Rohstoffsektors – amerikanischeInvestoren in Afrika noch zurückhaltenderals die Europäer. Präsident BarackObama etwa war in seiner ganzen erstenAmtszeit als US-Präsident nur zwei Tageauf dem Kontinent, bei einem Kurzbesuchin Ghana. fwBRASILIEN„Natürliche Partnerschaft“Brasilien ist eines der Länder, dieam stärksten in Afrika investieren– vor allem in Sachen Energie.Vor knapp einer Dekade erklärte diebrasilianische Regierung Afrikazum wichtigsten Ziel ihrer Außenpolitiknach Lateinamerika. Seit 2002 hatsich Brasiliens Handel mit Afrika von vierauf 28 Milliarden Dollar im letzten Jahrversiebenfacht. Heute besitzt Brasiliendort mehr diplomatische Vertretungenals Großbritannien. Doch anders als Chi-Ex-Präsident Lula: Die Chancen früherkannt.REUTERSna und Indien, die sich in Afrika vor allemRohstoff- und Energiequellen sichernwollen, fährt Brasilien eine andereStrategie. „Brasilien geht es in Afrika vorallem darum, Märkte für seine Dienstleistungenund Produkte zu öffnen“, sagtChristina Stolte vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien.Brasilien sieht sichals natürlicher Partner Afrikas wegen dergeografischen und kulturellen Nähe.Bei der Afrika-Expansion ziehen BrasiliensPrivatwirtschaft, der Staat und öffentlicheKreditgeber wie Entwicklungsorganisationenan einem Strang. BeispielLandwirtschaft: Embrapa, das staatlicheAgro-Forschungsinstitut Brasiliens, hat inGhana eine Außenstelle eröffnet. Jetzt folgenprivate Investoren: Die brasilianischeInvestmentbank BTG hat Mitte des Jahreseinen Fond in Höhe von einer MilliardeDollar zur Finanzierung von Investitionsprojektenin Afrika aufgelegt. Führend dabeisind die brasilianischen Baukonzerne.Odebrecht ist heute mit knapp 30 000Mitarbeitern der – nach eigenen Angaben– größte private Arbeitgeber in Angola.Der Erzriese Vale baut im Mosambik seinegrößte Kohlenmine weltweit aus für sechsMilliarden Dollar mit dem dazugehörigenHafen und will in Guinea seine größte ausländischeErzmine eröffnen. abu© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


62AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231DEUTSCHE KONZERNE IN AFRIKADen Anschlussnicht verpassenAfrika hat einen unglaublichen Bedarfan ausländischen Investitionen.Doch deutsche Unternehmenscheuen das Risiko noch zu sehr.Auch die Commerzbank findetjetzt zwischen Mittelstandsoffensiveim HeimatmarktDeutschland unddem Rohstoffboom an denweltweiten Märkten Zeit, von AfrikasWachstum stärker als bisher zu profitieren.Angola haben sich die Frankfurterausgesucht, um ihre Präsenz auf demKontinentweiter zu erhöhen. Der Staatwächst dank üppiger Erdölvorkommen,die frühere portugiesische Koloniekönnte sogar einmal den größten ÖlproduzentenAfrikas ablösen, Nigeria.Im Februar dieses Jahres hat die Commerzbankdeshalb eine Niederlassungin Angolas Hauptstadt Luanda eröffnet.Fünf Mitarbeiter kümmern sich hier umden Auf- und Ausbau von Geschäftsbeziehungenzu lokalen Banken, sie beratendie Zentralbank und weitere Institutionenund Unternehmen. Die Kundender Bank kommen vorwiegend aus demBaugewerbe, aus den Branchen Maschinen-und Automobilbau, Spezialglas,Lebensmittel und Stahl. „Vor Ort könnenwir uns genau anschauen, wer einzukunftsweisendes Geschäftsmodell hatund mit wem wir künftig zusammenarbeitenwollen“, sagt Florian Witt, AbteilungsleiterAfrika bei der Commerzbank.Und mit wem man es besser seinlässt. Denn Angola ist nicht nur eins derwachstumsstärksten Länder der Welt,es gilt laut der Nichtregierungsorganisation„Transparency International“ auchals eines der korruptesten.Afrika eröffnet der deutschen Wirtschaftunzählige Wachstumschancen.Unternehmen aus nahezu sämtlichenBranchen sind bereits auf dem Kontinentvertreten, mit deutlich steigenderPräsenz. Nach Angaben der DeutschenBundesbank haben die Direktinvestitionendeutscher Firmen seit 1989 von 1,9Milliarden Euro pro Jahr auf heute 7,4Milliarden Euro zugenommen. Unddoch ist jeder der mehr als 50 Staatenein eigener Markt, mit individuellen politischenund wirtschaftlichen Problemen,Schwierigkeiten und Chancen.Knapp 4 000 Kilometer von Angolaentfernt, in Nairobi, der Hauptstadt Kenias,hat sich schon vor vielen Jahren einanderer deutscher Konzern niedergelassen.Der Kosmetikhersteller Beiersdorfproduziert hier seit den 1980er-JahrenSeifen, Cremes und Lippenpflege, vorwiegendder Marke Nivea. Ein eigenesLogistikzentrum sorgt mittlerweile fürENERGIEBRANCHEGrüner Stromfür AfrikaEuropa entdeckt Afrika als Lieferanten für Stromaus erneuerbaren Energien. Große Hoffnungenruhen deshalb auf dem Desertec-Projekt. Es ist diekühne Idee, in den großen Wüsten Nordafrikas sowiedes mittleren Ostens riesige Wind- und Solarkraftwerkezu errichten. Sie könnten bis 2050 etwa ein Fünftel desStroms liefern, der dann in Europa gebraucht wird.Initiator und Koordinator des Projekts ist die DesertecIndustrie Initiative DII inMünchen. Hinter ihr steheninsgesamt 57 Unternehmenvon der Munich Re über dieDeutsche Bank bis zumEnergiekonzern RWE. DieDII arbeitet derzeit intensivdaran, die ersten Referenzprojekteauf den Weg zubringen.Solaranlage in der Sahara:Milliardengeschäft.Beim ersten Projekt in Marokkogeht es um eine Investitionvon rund 600 MillionenEuro. Die Gesellschafterder DII haben versprochen, dass sie rund 200 MillionenEuro davon aufbringen wollen.RWE plant in Marokko den Bau eines kombiniertenWind- und Solarkraftwerks mit einer Leistung von 100Megawatt für 130 Millionen bis 150 Millionen Euro. Außerdemprüft der Essener Konzern, ein Kraftwerk inÄgypten zu bauen. Damit Afrika bis 2050 wirklich zumgroßen Stromlieferanten aufsteigen kann, muss kräftigin neue Übertragungsleitungen nach Europa investiertwerden. wtBAUWIRTSCHAFTProfitieren vom Bedarfnach InfrastrukturHafen in Botswana: MegaprojektInfrastruktur.Deutschlands größter Baukonzern Hochtief beobachtetdie „wachsenden Märkte in Afrika aufmerksam“,wie ein Sprecher sagte. In vielen Ländernhätten sich die „politischen und wirtschaftlichenRahmenbedingungen“ deutlich verbessert. Zurzeit istder Essener Konzern bei drei Projekten auf demschwarzen Kontinent im Geschäft. Das reicht von Südafrikaüber Botswana bis nach Tansania.In Südafrika hat Hochtief gerade einen Containerhafen,20 Kilometer nordöstlich von Port Elizabeth,erweitert. Der Baukonzern hat die technische Leitungbei dem Joint Venture, das den Auftrag mit einemWert von rund 100 Millionen Euro übernommenhat.In Botswana profitiertHochtief von seiner australischenBeteiligungLeighton. Dort ist das Unternehmenim vergangenenJahr ins Bergbaugeschäfteingestiegen.Leighton arbeitet in einemJoint Venture für 66 Monatean der Debswana-Diamantminein Jwaneng. Siegilt als eine der ertragreichstenDiamantminender Welt gilt. Das Projekt hat ein Volumen von etwa409 Millionen Euro.Und in Tansania arbeitet die Tochter Leighton andem Hafen in Dar Es Salaam. Es geht insgesamt umeinen Auftrag über 52 Millionen Euro. wtMITTELSTANDViele Rückschläge,viele ChancenWasser ist kostbar – gerade in Afrika. SiegfriedGänßlen, Vorstandschef des ArmaturenherstellersHansgrohe, hat das früh erkannt: Seit über25 Jahren ist das schwäbische Unternehmen auf demKontinent aktiv. „Sie brauchen einen langen Atem“,sagt Gänßlen. „Die Arbeit istoft mühsam, aber der Marktist interessant.“ Anfang derneunziger Jahre verkauftenfliegende Händler nochWasserhähne der deutschenFirma von der Lkw-Rampe,heute gibt es in Südafrika eineVertriebsmannschaft.Schritt für Schritt hatHansgrohe-Werbung:Vorsprung durch Technik.Hansgrohe sich mit den Eigenartendes Marktes vertrautgemacht und kannheute die Erfolge ernten:Die Firma ist in Südafrika die Nummer zwei auf demMarkt, macht 15 Millionen Euro Umsatz.Inzwischen rüsten die Schwaben die Hotelketten desLandes mit Armaturen aus, Banken oder Lounges amFlughafen in Kapstadt. Gefragt sind Armaturen, die Ressourcensparen. So laufen durch einen Wasserhahn ohneLuftsprudler 13,5 Liter pro Minute, bei einem neuensind es gerade mal fünf. Seit zwei Jahren expandiert dasUnternehmen in andere Länder der Region. Von gelegentlichenHiobsbotschaften wie Unruhen oder Staatsstreichenlässt sich Hansgrohe nicht abschrecken. „Aufsolche Dinge müssen Sie sich immer einrichten, wennSie international unterwegs sind“, sagt Gänßlen. wo© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231AFRIKAS AUFSCHWUNG 63denVertrieb der Pflegeprodukte in KeniasNachbarländer Uganda, Äthiopien,Tansania, Burundi und Ruanda.Es ist vor allem die unmittelbare Nähezu den häufig noch unbekannten Märkten,die deutsche Unternehmen dazubewegt, sich in afrikanischen LändernZenit/laif (2), PR (3), Thomas Dashuber, laifDesertec-Baustelle in Ägypten:Nordafrikas Sonne zieht Investorenaus den westlichen Energiemärktenan.niederzulassen. „Die lokale Präsenz istganz wichtig“, sagt Christian Wessels,Leiter des Afrikageschäfts der StrategieberatungRoland Berger. „Nur wer ganzfrüh vor Ort aktiv ist, kann die Geschäftsmöglichkeitenvoll ausschöpfen.“ DieCommerzbank ist in sechs afrikanischenLändern vertreten, beschäftigt 35 Mitarbeiterauf dem Kontinent. Das Handelsvolumenbetrug im Jahr 2011 eigenenAngaben zufolge 3,7 Milliarden Euro.Neben der Commerzbank und Beiersdorfgibt es Hunderte weitere Büros undProduktionsstätten deutscher Großkonzerneund Mittelständler in Afrika. DerAutomobilzulieferer Leoni beispielsweiseist heute einer der größten Arbeitgeberin Tunesien. Der ChemiekonzernBASF unterhält eine Niederlassung inKenia, für Linde arbeiten auf dem Kontinentheute schon mehr als 4 000 Menschen.Der Industriegasehersteller erwirtschaftetin 17 Ländern allein im Gasgeschäfteinen Umsatz von rund 600Millionen Euro pro Jahr.Auch die deutschen AutoherstellerVolkswagen und BMW sowie Siemens,SAP, Thyssen-Krupp undBayer sind bereits seit Jahrzehnten inAfrika aktiv. Der KonsumgüterkonzernHenkel betreibt Standorte in Algerien,Kenia und Tunesien, der HandelskonzernMetro ist in Ägypten aktiv und derBaustoffhersteller Heidelberger Cementbetreibt Fabriken unter anderem in Ghanaund Togo.Und doch, glaubt man dem Tenor dermeisten Beratungen, hat DeutschlandNachholbedarf. Denn der Anteil Afrikasam deutschen Außenhandel liegt beinur zwei Prozent und ist erst zuletztleicht angezogen. Stärker vertreten sinddie früheren Kolonialmächte Frankreichund Großbritannien, zudem China. „UnsereUnternehmen sind in Afrika nichtannähernd so präsent, wie ihre StellungimWelthandel es erfordern würde“, sagtChristoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführerdes Afrika-Vereins derdeutschenWirtschaft. DerVerein vertrittdie Interessen von knapp 700 Unternehmenbundesweit. Die Deutschen genießenzudem einen hervorragenden Rufauf dem Kontinent, sagt Kannengießerweiter, die Afrikaner würden auf ein weiteresEngagement regelrecht warten.Deutsche Unternehmer und Firmenchefssind häufig risikoscheuer, traditioneller.Und, was ebenso schwer wiegt:Afrika hat ein Imageproblem – es wirdzu pauschal wahrgenommen. Das Bild,das der Kontinent abgibt, ist meist nichtgerade vertrauenswürdig:Von Korruption,Bürgerkrieg, Hungersnöten undmangelnder Rechtssicherheit ist da häufigdie Rede. Auch ein verlässliches Steuersystemfehlt meist.Doch die Rahmenbedingungen bessernsich, wenn auch nicht klar ist, wienachhaltig. In Ländern wie Nigeria oderSüdafrika finden Unternehmer schonheute ausreichend qualifizierte Mitarbeiter,in anderen, wie beispielsweise Libyen,stellt das fehlende Humankapitaleine große Herausforderung dar. „Einerder wichtigsten Hebel für hohe Wachstumsratenwird zukünftig Bildung werden“,weiß auch Experte Kannengießer.„Der Kontinent ist sicher keineTraumdestination, es gibt noch sehr vielzu tun“, sagt Florian Witt von der Commerzbank.Wichtig sei, Afrika differenziertzu betrachten. „Wer die regionalenMärkte untersucht, wer rechtzeitig vorOrt ist, der merkt, dass die Chancen gegenüberden Risiken überwiegen.“Die Chancen für deutsche Unternehmenergeben sich dabei vor allem ausder Verstädterung Afrikas, aus der Bildungeiner kaufkräftigeren Mittelschicht– und aus dem Rohstoffreichtum desKontinents. Häufig fehlt es jedoch an dernötigen Infrastruktur wie Autobahnenund Flughäfen. Nach Branchen unterteilt,lohnt sich laut Kannengießer einEngagement im Norden vor allem fürTextilhersteller, die ihre Produkte wegender geografischen Nähe zu Europagünstig verschiffen können. Der HosenspezialistGardeur beispielsweise produziertdeshalb in Tunesien.Die Landwirtschaft dominiert dagegenim Osten Afrikas. Die Neumann-Gruppe,der weltgrößteHändler von Rohkaffee, ist hier besondersaktiv. Und BASF nennt unter anderemPflanzenschutzmittel als eines ihrerwichtigsten Wachstumsfelder in Kenia.Das Erdöl macht den Westen des Kontinentsbesonders attraktiv. Und im Süden,vorallem in der Republik Südafrika,sind längst alle Dax-30-Konzernevertreten.Siemens ist hier seit rund 150 Jahrenaktiv.Doch viele Länder bleiben nach wievor Hochrisiko-Standorte. Für die Commerzbankzählt Angola in jedem Fall dazu.Florian Witt rät Unternehmen, vorOrt nicht nur mit den Handelskammernüber neue, mögliche Partner zu sprechen,sondern auch mit Banken undWettbewerbern. „Hier gilt es, nichts zuüberstürzen.“ Lieber langsam, dafürgründlich vorgehen.Kannengießer, der Geschäftsführerdes Afrika-Vereins, stimmt da grundsätzlichzu. Doch: „Wer es nicht versäumenwill, relevante Marktanteile in den einzelnenLändern Afrikas zu gewinnen,der muss aufpassen, jetzt den Zug nichtzu verpassen.“ Diana FröhlichBERATUNGEin braches Feldfür StrategenGeschichtenerzählen hat in Afrika Tradition. AuchChristian Wessels, Leiter des Afrikageschäfts derStrategieberatung Roland Berger, bedient sichgerne einer, wenn er das wirtschaftliche Potenzial desSchwarzen Kontinents anschaulich machen will: Als inNigeria 2005 der Aufbau des Mobilfunknetzes ausgeschriebenwurde, war kein internationaler Anbieter interessiert.Damals ging es um 300 000 Anschlüsse. DenAuftrag erhielt MTN aus Südafrika. „Heute macht MTNmit 30 Millionen nigerianischen Mobilfunkkunden sehrgute Geschäfte“, erzählt Wessels.Roland Berger eröffnete2011 ein Büro in Nigeria.„Lokale Präsenz ist ganzwichtig“, sagt Wessels. Heutearbeiten dort 20 Berater,im nächsten Jahr sollen esdoppelt so viele sein. Warumgerade Lagos und nichtJohannesburg? Von Nigeriaaus ist ein Markt von 300Berater Roland Berger:Auf nach Afrika.Millionen Konsumenten inWestafrika zu erreichen.Südafrika dagegen hat nur45 Millionen Einwohner.„Gerade für deutsche Firmen ergeben sich hervorragendeMöglichkeiten, die sie aber bisher kaum nutzen“,meint Wessels.35 Mandate haben die Bergers in zwei Jahren an Landgezogen. Vornehmlich beraten sie lokale Großunternehmenwie Banken oder einen Saft- und Snackhersteller.Wichtigster Kunde ist die Zentralbank Nigerias. kteNAHRUNGSMITTELINDUSTRIEInvestitionen undSchulungen für BauernNestle-Shop in Südafrika:Kleine Einheiten.Der Nahrungsmittelriese Nestlé ist seit 85 Jahrenin Afrika. 29 Fabriken stehen in dem Kontinent.Im Spätsommer eröffnete Konzernchef Paul Bulckedie jüngste – in Angola, einem der am schnellstenwachsenden Länder. Er erhofft sich auch für den Konzernkräftiges Wachstum –und nimmt dafür ordentlichGeld in die Hand. In denvergangenen fünf Jahren hatNestlé 1,2 Milliarden Dollarin Afrika investiert.Dabei geht es auch umGeschäfte, die speziell aufden Kontinent abgestimmtsind. In Zentral- und Westafrikaverkauft der Konzernetwa Maggi-Würfel, die mitEisen angereichert sindund somit Mangelerscheinungenentgegenwirken sollen. Bis 2014 will Nestlé zudem500 Kleinunternehmer mit mobilen Nescafé-Stationenausrüsten. Sie sollen jeweils etwa zehn Mitarbeiterauf die Straßen und Plätze afrikanischer Städteentsenden, die Nescafé-Zapfanlagen auf dem Rückentragen. Damit will der Konzern mehr Konsumenten erreichen.Der Weg nach Afrika ist für Nestlé keine Einbahnstraße.Immer mehr Fachkräfte, etwa aus Nigeria, kämenin die Schweizer Konzernzentrale, sagte Nestlés RegionalvorstandNandu Nandkishore kürzlich dem Handelsblatt.Zudem sichert sich der Konzern über Schulungenenge Verbindungen zu Bauern, etwa bei Kaffee. cukSPORTINDUSTRIEDem Sponsoring folgtjetzt die ProduktionAm 19. Januar beginnt in Südafrika der Afrika-Cupder besten Fußballteams des Kontinents. Auf derTribüne mit dabei: Franz Koch, Chef des fränkischenSportkonzerns Puma. Wie kein anderes Unternehmender Branche engagiert sich die Traditionsfirmain Afrika. Sechs der 16 Teams der Meisterschaft spielendeshalb in den Leibchen der Marke mit dem Raubtier-Logo, darunter Ausrichter Südafrika.Schon vor einem Vierteljahrhundert hat Puma mit Kamerunsein erstes Team aus Afrika unter Vertrag genommen.Inzwischen ist der Kontinent für Puma weitmehr als nur ein Spielfeldfür Sponsoring-Aktivitäten.Immer öfter lässt der hinterNike und Adidas drittgrößteTurnschuhanbieter der Weltdort auch produzieren. InSüdafrika, Swasiland undMauritius hat die Firmaschon länger Fertigungspartner,gerade kam eine neuePuma-Ware in Kapstadt:Riesiger Markt.Fabrik in Kenia hinzu. Dasist durchaus bemerkenswert,denn bisher beziehtdie Sportindustrie ihre Warehauptsächlich aus Asien. Doch die Branche versucht,mit den Werken näher an die Kunden heranzurücken.Hinzu kommt, dass die Löhne in China stark steigenund die Arbeitskräfte knapp werden. Die schlecht ausgebauteInfrastruktur und Qualitätsmängel bremsen Pumazufolge allerdings eine Verlagerung der Produktionin großem Stil nach Afrika. jojo© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


64 AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 223PRIVATE GELDANLAGERiskantes InvestmentPep Bonet/Noor/laifZugegeben,wer auf dem afrikanischenKontinent nach interessantenAktien sucht, derhat es schwerer als auf allenanderen Kontinenten. EineAktienkultur nach hiesigemVerständnisgibt es mit Abstrichen nur in ganzwenigenLändern. Funktionierende Börsenauch. Ganz grob lässt es sich so umreißen:Es gibt ein bisschenwas im Norden,ein bisschenwas im Osten und am meistenganz im Süden.Das ist für viele Anleger auf den erstenBlick abschreckend. Fondsmanager wieMark Mobius von Franklin Templetonsehen neben den vielen Schwierigkeitendennoch auch jede Menge Chancen fürAnleger, die ein wenig etwas wagenmöchten. „Sechs von zehn der wachstumsstärkstenMärkte der vergangenenzehn Jahre sind in Afrika“, sagt derFondsmanager. Den ganz großen Aufschwungerwartet er aber erst in denkommenden Dekaden. Insofern wäre esfür Anleger jetzt noch längst nicht zuspät, auf diesen Trend zu setzen.Die Praxis ist jedoch beschwerlich.Gehören zu den neuen Wachstumsstaatendoch Länder wie Ruanda, Ugandaund Tansania. Wer etwa an der Börse inUgandas Hauptstadt Kampala investierenwill, der muss die wenigen Stunden,in denen diese geöffnet hat, erwischen.Und in Ruanda, wo Anfang vergangenenJahres eine Börse eröffnet wurde, werdengerade mal vier Werte gehandelt.Selbst Großanleger tun sich mit so etwasschwer. Für Privatanleger ist es anden meisten Börsen unmöglich, die entsprechendenAktien zu kaufen.Wer sichhier für entsprechende Aktien interessiert,der tut dies am besten über dievon bekannten Banken angebotenenFonds oder Zertifikate.Wer in Afrika sein Geldanlegen will, brauchtMut. Doch gerade jetztentwickelt sich einMarkt mit vielenGelegenheiten.Gerade im Fondsbereich bieten nahezualle bekannten Namen derBranche entsprechende Produktean. Die größten sind der Africa EquityA Acc USDvon JP Morgan mit einemVolumenvonüber 300 Millionen Euro undder Invest Africa LC der DWS mit 200Millionen Euro. Ein Plus von 13,6 Prozentpro Jahr hat Erstgenannter in denvergangenen drei Jahren geschafft, immerhin8,8 Prozent pro Jahr waren esbeim DWS-Fonds. Das hat das Bad HomburgerFonds-Analysehaus Feri berechnet.Am erfolgreichsten war jedoch derCoronation Africa der irischen CoronationFund Managers. Im Schnitt 15,8Prozent schaffte er in den vergangenendrei Jahren nach den Feri-Berechnungen.Sogar über 35 Prozent waren es imvergangenen Jahr. Ein Übermaß anChancen stehen hier aber auch viele Risikengegenüber. Die größte Einzelgruppeim Fonds sind afrikanische Einzelunternehmen,als Branche ragen Finanzdienstleisterheraus.Eine andere Alternative ist der Freiverkehrin Frankfurt und Berlin, woMakler etliche dieser Papiere handeln.Der Vorteil für Anleger ist zum einen,dass sie dort kein Währungsrisiko haben.Zum anderen sind die Gebührenhalbwegs abschätzbar.Um hier einen groben Überblick zubekommen, empfiehlt sich eine Aufteilungnach Regionen. Im Norden erscheintden meisten Experten mit AbstrichenÄgypten als interessant, imOsten Kenia und im Süden Südafrika.Exakt dort konnten Anleger in diesemJahr deutlich erkennen, wie engChance und Risiko in diesem Teil derErde beieinander liegen. Der AuswahlindexFTSE/JSE All Share Index, gleichzeitigder wichtigste Aktienindex Afrikas,ist ins Jahr mit knapp unter 32 000Punkten gestartet, gestern notierte erbei 37 250 Punkten. Ein Plus von 16Prozent. Wer jedoch genauer hinsieht,erkennt schnell, dass es sehr wohl daraufankam, hier auf die richtigen Aktienzu setzen. Wer Bergbau- und Minenpapiereim Depot hatte, lag falsch.Die Aktien, die gerade wegen des weltweitenGoldbooms für ausländische Investorenlange Jahre Inbegriff fürWachstum waren, sind wegen des wochenlangenStreiks in der Gunst derAnleger massiv gefallen. Werte wieAnglo American oder Anglogold Ashantihaben an Wert und vor allem Vertrauenverloren.Im Gegenzug haben Konsumwerteaus dem Einzelhandel eine sensationelleEntwicklung hinter sich. Gerade hierzeigt sich dieVeränderung, die sich aufdem Kontinent abspielt, die aber imDenken vieler Anleger noch nicht angekommenist. „Ein immer größerer Beitragzum afrikanischen Bruttosozialproduktstammt aus der Landwirtschaft,Diamanten-Schürfer in SierraLeone: Das Glück,die richtige Chance zu nutzen.dem Handel, der Telekommunikation,dem privaten Konsum und dem Transport“,sagt Malek Bou-Diab, Managerdes BB African Opportunities Fund.Wer stattdessen vor allem Südafrika alsAnleger immer noch nur auf Gold- undPlatinminen reduziert, der verpasst etlicheGelegenheiten.Eine der südafrikanischen Aktien,die hier in der Vergangenheit vehementzugelegt haben, ist die EinzelhandelsketteShoprite, deren Aktie auch inFrankfurt und Berlin gehandelt wird.Supermärkte in Südafrika und umliegendenLändern sowie Möbelhäusergehören zum Konzern. Der Kurs hatsich in den vergangenen beiden Jahrenverdoppelt. Seit Jahren steigen Umsatzund Gewinn kräftig an.Eine andere Erfolgsstory ist derMedienkonzern Naspers. Printmedien,Fernsehen und Internetgehören zum Imperium der fast hundertJahre alten Gesellschaft. Seit 2009hat sich der Aktienkurs vervierfacht.Und auchwenn zuletzt etwas Druck aufdie Aktie aufkam, so führen das Analystenvor allem auf den Kauf vonsouq.com, der größten Verkaufsplattformfür Endkunden in Nordafrika zurück.Außerhalb von Südafrika investierenFondsmanager ebenfalls in Konsumwerte.Die Getränkeriesen NigerianBreweries und Bralirwa, der Börsenneulingaus Ruanda, gehören dazu.Weil auch in Afrika immer mehr Biergetrunken wird, wächst hier ein riesigerMarkt. Christian Schnell, Anke Rezmer© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 223AFRIKAS AUFSCHWUNG 65ANLEIHENAfrika-Bonds sind MangelwareInstitutionelle Investoren finden Anleihen aus Afrika interessant, können dort abernur eingeschränkt anlegen. „Die meisten Länder des Kontinents haben keinen großenKapitalbedarf, und die politische und ökonomische Entwicklung hinkt deutlichhinter denen der Länder in Asien und Lateinamerika her“, sagt Michael Mewes vomFondshaus JP Morgan Asset Management: „Dennoch haben viele Länder wie zum BeispielAngola, Sambia, Senegal und Namibia seit dem Jahr 2011 erstmals Anleihen anden internationalen Kapitalmarkt gebracht.“Damit haben jetzt immerhin zehn der 54 Staaten in Afrika größere Dollar-Bonds ausstehen,die sich gezielt an internationale Großanleger wenden. Im Index „EMBIG“ vonJP Morgan – dem bekanntesten Barometer für Dollar-Anleihen der Emerging Markets –hat Afrika dennoch einen Anteil von nur 4,6 Prozent.Die Analysten von JP Morgan empfehlen dabei aktuell, die Anleihen der ÖlexporteureGabun und Angola überzugewichten. Deren Dollar-Anleihen werfen im Schnitt 3,5beziehungsweise 2,8 Prozentpunkte mehr Rendite ab als US-Staatsanleihen.Kritisch sind Analysten dagegen bei Südafrika und damit dem Land mit den meistenDollar-Bonds. „Die Bonität steht unter Druck, und das schwierige soziale und politischeUmfeld spricht nicht für einen Kauf“, meint Torsten Hähn von der WGZ Bank. Mit imSchnitt 1,9 Prozentpunkten sind die Risikoprämienfür südafrikanische Dollar-Anleihen aber weiter relativniedrig.Höhere Renditen als Dollar-Bonds bieten Anleihenin den Lokalwährungen. Eine in knapp fünf Jahrenfällige südafrikanische Anleihe in Rand rentiert zumBeispiel mit 5,9 Prozent, eine vergleichbare nigerianischeAnleihe in Naira sogar mit 13,5 Prozent. Nigeriagehört zu den Ländern mit den meisten Rohstoffen inAfrika. „Von afrikanischen Staaten können internationaleInvestoren aber vor allem Papiere aus Südafrikaund Nigeria kaufen. Bei allen anderen sind die Zugängegerade für ausländische Investoren noch sehr kompliziert“,sagt Mewes. cüSüdafrika5-jährige Rand-Anleihe, Rendite in %Handelsblatt5,923 %1.6.2012 15.11.Quelle: BloombergROHSTOFFEGold und Platin im VordergrundMünzen wie der Krügerrand, Gold und Platin:Anleger blicken auf dem afrikanischen Kontinentvor allem auf die edlen Rohstoffe. DieseWahrnehmung der Anleger ist nicht überraschend.Grund dafür ist nicht zuletzt eine spektakuläre Vermarktungsidee:Zur Steigerung des Absatzes hattendie Südafrikaner mit dem Krügerrand 1967 die Ein-Unzen-Münze erfunden. Dies erleichterte potenziellenAnlegern den Vergleich der Preise, denn bis heutewird der Goldpreis in Unzen festgestellt. Eine Unzesind rund 31,1 Gramm.Südafrika hat davon wie kein anderes Land profitiert.„Der Krügerrand ist nach wie vor eine der beliebtestenMünzen weltweit“, sagt Thorsten Proettel,Goldin US-Dollar je FeinunzeHandelsblatt1722,74 US$2.1.2012 15.11.Quelle: BloombergEdelmetallexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).Heute stammen zwar nur noch etwa 6,6 Prozent des Goldes von dort. Die Förderungder Minenproduktion in Südafrika ist dennoch wichtig für den Markt – insbesonderefür den Preis. „Die Ausfälle in den südafrikanischen Minen sichern das Niveau desGoldpreises nach unten ab“, sagt Carsten Fritsch von der Commerzbank mit Blick aufdie anhaltenden Streiks in der Minenindustrie.Diese Streiks treffen noch viel stärker die Platinproduktion. Immerhin kommenrund 80 Prozent des Minenangebots aus Südafrika. Zeitweise verteuerte sich Platin daherum bis zu 20 Prozent. Aktuell notiert es bei gut 1 570 Dollar. Sowohl Proettel alsauch Fritsch sehen noch Potenzial und rechnen bis Ende 2013 mit einem Platinpreisvon 1 650 beziehungsweise 1 950 Dollar. Optimistisch sind sie auch für Gold.Die Commerzbank erwartet bis Ende kommenden Jahres 2 000 Dollar, die LBBW1 850 Dollar. Aktuell kostet die Unze 1 720 Dollar.Für Investoren, die sich direkt in den Metallen engagiert haben, haben die wildenMinenstreiks, die derzeit laufen, Gewinne gebracht.Im Gegenzug verloren aber diejenigen Anleger, die auf die Aktien der großen Minengesellschaftengesetzt haben. rpZERTIFIKATEBreit gestreut auf dasWirtschaftswachstum setzenUmRisiken von Investitionen in den afrikanischen Kontinent zustreuen, empfehlen Experten, auf den breiten Markt zu setzen.Dazu können Anleger nicht nur auf ausgewählte Fonds,sondern auch auf spezielle Indexzertifikate zurückgreifen. Die Funktionsweise:„Die Papiere bilden einfach die Wertentwicklung einesBörsenindexes nach, der sich aus einer mehr oder weniger repräsentativenAuswahl an Aktien des jeweiligen Landes zusammensetzt.Steht kein offizieller Leitindex zur Verfügung, nutzen die Zertifikateanbieterauch Marktbarometer großer Indexanbieter“, sagt Karl MichaelHanzl, Derivateexperte der Royal Bank of Scotland (RBS).Sieht man von Südafrika ab, sind die Aktienmärkte des Kontinentsaber kaum kapitalisiert. Meist notieren nur wenige Firmen an denjeweiligen Landesbörsen. Daher beziehen sich auch die meisten Anlagezertifikatevor allem auf Aktien, die in Johannesburg notieren.Zu den wichtigsten Börsenbarometern gehört folgerichtig SüdafrikasBlue-Chip-Index JSE Africa Top 40. Dessen Entwicklung zeichnet einZertifikat der UBS nach (WKN: 527281). Nicht nur die oft mangelhafteMarktkapitalisierung außerhalb Südafrikas spricht für den Indexals Basisinvestment in Sachen Afrika: Die hier vertretenen Unternehmensind in der gesamten Region aktiv: etwa die MinenbetreiberBHP Billiton und Anglo American oder der Telekomriese MTN.Wer dennoch auf Aktien setzen möchte, die nicht nur in Südafrikagehandelt werden, kann auf Alternativen ausweichen: Zum Beispielein Papier der RBS. Es bezieht sich auf den S&P Africa 40 Index undsetzt sich zusammen aus den bedeutendsten afrikanischen Titeln.Besonderheit: Während in Südafrika und den einigermaßen liquidenMärkten wie Nigeria oder Ägypten die Aktien der lokalen Börsen berücksichtigtwerden, nutzt das Zertifikat bei schwer handelbarenMärkten wie Sambia einige in den USA oder Europa gelistete Werte.Ein Nachteil beider Zertifikate: Von Dividendenzahlungen profitierenAnleger nicht. Wer daran beteiligt werden möchte, kann auf einweiteres UBS-Produkt setzen (UB1AFK). Es streut allerdings wenigerstark: Enthalten sind 15 Aktien afrikanischer und internationaler Firmen,die den Großteil ihrer Umsätze in oder mit dem Kontinent erzielen.Eine Variante mit Dividendenanrechnung bietet auch dieDeutsche Bank: Das „Solactive Africa“-Zertifikat umfasst bis zu 20Unternehmen mit Fokus auf Afrika (DB4AFR). gkIndexzertifikate auf Afrika-AktienindizesBasiswertWKNEmittentGebühren p.a.DividendenPerformance 3 JahrePerformance 1 JahrFTSE/JSEAfrica Top 40527281UBSkeinenein30,2 %10,0 %S&P Africa40 IndexAA0ZBWRBS0,75 %nein30,5 %6,2 %UBS AfricanTR IndexUB1AFKUBS1,00 %ja36,3 %10,0 %SolactiveAfrica TR IndexDB4AFRDeutsche Bank1,50 %ja29,0 %20,6 %HandelsblattAuswahl, Stand: 15.11.2012Quelle: eigene Recherche, Thomson Reuters, Bloomberg© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


66AFRIKAS AUFSCHWUNG WOCHENENDE,16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 223131256871191213DieHoffnungsträger151819© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


WOCHENENDE, 16./17./18. NOVEMBER 2012, NR. 2231AFRIKAS AUFSCHWUNG 67Das neue Afrika4Afrika, das war lange Zeit ein Kontinent, dessen Elite noch vonden Nachwehen der Kolonialzeit geprägt war. Sie rieb sichauf im Kampf gegen Feindbilder, die nicht mehr existierten,und wartete darauf, dass die westliche Welt ihr hilft, um wiedergutzumachen,was die Kolonialstatten einst zerstörten. Es war eine Elite,die nahezu jede Eigeninitiative erstickte.Langsam aber geht diese Elite in Rente. Stattdessen gelangenFrauen und Männer auf entscheidende Stellen, die anders sind, dienicht auf westliche Hilfe warten, sondern Eigeninitiative entwickeln.Die als Politiker Reformen anstoßen, als Studenten an denbesten Hochschulen des Westens studieren und von dort Ideen undTatkraft mitbringen. Das Handelsblatt stellt 20 Frauen und Männervor, die für dieses neue Afrika stehen.1620141017mauritius images1 Ismail Ayman ist Geschäftsführer und Mitbegründer der UnternehmensberatungEnvivo. Ayman hilft staatlichen und privaten Organisationenbei der Verwirklichung ihrer Geschäftsideen.2 Slim Amamou, der Blogger, Internetunternehmer und Politiker.Von Januar bis Mai 2011 war Amanou tunesischer Staatssekretärund setzte sich für die Aufhebung der Internet-Zensur ein. 2011 erhielter den Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung.3 Mbarka Bouaida ist stellvertretende Vorsitzende des Finanz- undWirtschaftskomitees in Marokko. Sie ist eine der Gewinnerinnender Revolution Nordafrikas.4 Christopher Khaemba, der frühere Offizier. Heute ist er Direktorder Alliance Boys’ High School am Rande von Nairobi. Der Kenianersammelt private Spenden, um auch armen Jugendlichen denBesuch seiner Schule zu ermöglichen.5 Youssou N’Dour, der Sänger. Ein Duett machte ihn weltweit bekannt.1994 sang er gemeinsam mit Neneh Cherry „7Seconds“ ,mittlerweile gilt er als einer der einflussreichsten Künstler Afrikas.Zudem ist N’Dour Minister für Kultur und Tourismus im Senegalund damit Mitglied einer Reformregierung.6 Akudo Anyanwu Ikemba, Gründer und CEO von Friends of theGlobal Fund Africa. Die Organisation arbeitet an neuen Strategiengegen Aids, Tuberkulose und Malaria.7 Fred Swaniker, der ehemalige McKinsey-Unternehmensberater.2008 gründete er die African Leadership Academy. Dort sollenSchüler aus allen 54 Ländern zu einer neuen Elite des Landes ausgebildetwerden.8 Dambisa Moyo, die Entwicklungsökonomin, wurde von der„Times“ zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Weltgekürt. In ihrem Buch „Dead Aid“ vertritt sie die These, dass die Ursachefür sämtliche Probleme Afrikas in der Entwicklungshilfeliegt.9 Mohammed Dewji hat sein eigenes Unternehmen in Tansania gegründet.Das World Economic Forum Davos zählt ihn zur globalenNachwuchs-Elite.10 Mo Ibrahim ist Gründer von Celtel. 2006 gründete er zudemdie Mo Ibrahim Foundation, die sich für gute Regierungsführungeinsetzt.11 Cyril Ramaphosa ist Unternehmer, Aufsichtsrat und Manager, Jurist,Gesellschaftsfunktionär und Politiker aus Südafrika. Ramaphosaarbeitete unter anderem an der Freilassung von Nelson Mandelamit.12 Aliko Dangote soll der reichste Mann Afrikas sein. Sein Vermögenwird auf elf Milliarden Dollar geschätzt. Die Dangote Group giltals größter industrieller Mischkonzern Westafrikas. Der Nigerianerspendete Millionen für soziale Projekte.13 Biola Alabi ist Geschäftsführerin von MNET Afrika und ist imWesten als Teilnehmerin des Davoser Wirtschaftsforums bekannt.14 Isis Nyong’o, die Chefin von InMobi. Sie wurde vom „Forbes“-Magazin zu einer der erfolgreichsten Afrikanerinnen gewählt.15 Ngozi Okonjo-Iweala, die Finanzministerin von Nigeria. Okonjo-Iweala studierte in Harvard und war lange als Entwicklungsökonomintätig. Heute regiert sie eines der wachstumsstärksten Länderder Region mit.16 Clare Akamanzi ist Chefin des Rwanda Development Board.17 Emmanuel Jal, der ehemalige Kindersoldat. Heute ist der Mannaus dem Sudan ein bekannter Musiker und kämpft gegen die Bürgerkriegsmilizen– mit zivilen Mitteln.18 Sisonke Msimang ist Geschäftsführerin der Open Society Initiativefor Southafrica und kämpft für gute Regierungsführung.19 Patrice Motsepe war der erste schwarze Milliardär. Der Südafrikanerwurde durch seine Rohstoffunternehmungen reich.20 Jasandra Nyker steht für die neuen Frauen Südafrikas. Sie istChefin von Bio Therm Energy und Young Global Leader. Lin Freitag© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

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