Ein Weilheimer und die sieben Berge - Orthopädisches ...

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Ein Weilheimer und die sieben Berge - Orthopädisches ...

EXPEDITIONSeven SummitsEin Weilheimer unddie sieben BergeDas ist der Gipfel:Karl Flock auf dem8.850 Meter hohenMount EverestDr. med. Karl Flock hat sich einen Lebenstraum erfüllt:Er hat die höchsten Berge von sieben Kontinenten bezwungen,die so genannten Seven Summits.VON VOLKER UFERTINGERie nennen ihn den »eiskalten Riesen«. Unter Bergsteigernist der Mount McKinley, nah am Nordpolgelegen und mit 6.194 Meter der höchste GipfelAlaskas, gefürchtet. Auch Dr. Karl Flock hat seine Machtzu spüren bekommen. Als er ihn im Juli 2007 bezwingenwollte, zeigte er sich mit dichtem Schneefall und orkanartigenStürmen von seiner schrecklichsten Seite. Flockund seine Leute mussten abbrechen. Ein knappes Jahrspäter waren die Verhältnisse kaum weniger widrig:Wegen Erfrierungsgefahr und Stürmen von über 120 Kilometernpro Stunde am Gipfelgrat drohte auch derzweite Versuch zu scheitern. Doch diesmal biss Flock sichdurch. Am 30. Mai 2008 um 14.45 Uhr hatte er den eiskaltenRiesen bezwungen. Das Gipfelfoto zeigt zwei Männermit gefrorenen Bärten, die Sonnenbrillen spiegelndas gleißende Weiß der Gipfel ringsum, die Münder lächelnmüde, aber glücklich.Eiserner Wille, straffe OrganisationAn diesem Tag hatte der Gipfelstürmer, Jahrgang 1953,noch ein ganz anderes Ziel erreicht. Denn: Der MountMcKinley, von den Eingeborenen Denali genannt, warder letzte auf der Liste der »Seven Summits« – so nenntman die höchsten Erhebungen der sieben Kontinente.Seit gut zwei Jahrzehnten richtet sich der Ehrgeiz der Alpinistenaus aller Welt auf diese magische Siebenzahl.Der erste, der die gewaltige Strapaze auf sich nahm, warein Kanadier namens Patrick Morrow. Das war 1986. WenigeWochen später tat es ihm Reinhold Messner untererschwerten Bedingungen nach: Der berühmte Südtirolerarbeitete sich ohne Sauerstoffflasche in die höchs -ten Höhen vor. Inzwischen haben gut 100 Bergsteigerallen Widrigkeiten getrotzt. Unter ihnen ist Dr. KarlFlock vermutlich der fünfte Deutsche (die Zählung istumstritten, teils fehlen bei anderen die Gipfelfotos alsBeweise), in jedem Fall aber der erste Bayer. Mehr als50.000 Höhenmeter musste er bei diesem Langzeitpro-jekt überwinden. Wobei Flock immer wieder betont: »Ichbin ein Amateur und kein Profibergsteiger.«Einen Entschluss, das Abenteuer anzugehen, hat es eigentlichnicht gegeben. »Die Idee ist allmählich gewachsen«,erinnert sich der Alpinist aus Weilheim, einer20.000-Einwohner-Stadt zwischen München und Garmisch-Partenkirchen.Den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo,hat Flock 1995 bestiegen. Der Grund: Erwollte sich eine Sehnsucht aus der Kindheit erfüllen,denn ein Onkel, Missionar in Kenia, hatte ihm viel da -von erzählt. 2002 kletterte der Mediziner auf den MountVinson, der am höchsten aus dem ewigen Eis der Antarktisragt. Den Anlass bildete eine Forschungsexpedition,die medizinische Experimente durchführte. Dortschwärmten ihm Berggefährten vom Glück der Extremerfahrungenvor, die man mit den großen Sieben erlebenkann – und zwei von ihnen hatte Flock ja schon bezwun -gen. Es war keineswegs die alpinistische Herausforderungallein, die ihn reizte: »Das ist ja das Irre an den »SevenSummits«, dass man bis an die Enden der Welt reist unddie verschiedensten Kulturen kennen lernt.«Sich für die Strapazen fit zu machen, war alles andereals einfach. Denn: Flock ist ein Orthopäde und Kniespezialistvon Ruf mit einem prall gefüllten Terminkalender.Der Mediziner ist Mitbegründer des OrthopädischenFachzentrums in Weilheim, auch um Zweigstellen inGarmisch-Partenkirchen und Starnberg kümmert er sich.Und schließlich war da noch die Familie, seine Frau unddrei Kinder. Wo sollte die Zeit für ein derart aufwändigesHobby herkommen? Nun, man braucht einen eisernenWillen und eine straffe Organisation. Laufen ging Flock,damals gut 50 Jahre alt, zu exotischen Zeiten, nachtsoder in der Früh. Um sich zu akklimatisieren, unternahmer am Wochenende Skitouren in der Höhe, etwa im Ötztal.Und wenn er kurz nach Feierabend noch eine kleineEinheit absolvieren wollte, fuhr er rasch nach Bad Kohlgrubund ging das eher unscheinbare Hörnle drei Mal32 TOYOTA Magazin 2/200933


EXPEDITIONSeven SummitsSEVEN SIEBEN SUMMITS MAL HOCHrauf und runter – allerdings der Übung wegen in Thermokleidungmit Steigeisen. »Die Leute auf der Hüttehaben mich schon manchmal komisch angeschaut.«Die drei schwersten Brocken hat sich Flock bis zumSchluss aufgehoben. Der fünfte Gipfel war zugleich dertechnisch anspruchsvollste: Die Rede ist von der Carstensz-Pyramidemitten im Dschungel Indonesiens.Schon die Anreise im Oktober 2005 war ein einzigesAbenteuer: Wegen der politischen Wirren dauerten AnundAbreise elf der geplanten 14 Tage, so dass für die Besteigungnur drei Tage übrig blieben. Am Fuße des Bergesleben heute noch Urvölker, die sich massiv bekriegen.»Es war wie ein Blick in die Steinzeit«, sagt Flock.»Die einheimischen Männer tragen nur einen Penisköcher,die Frauen nur ein Baströckchen.« Auf dem Wegzum Gipfel war eine 700 Meter hohe, vereiste Wand zumeistern. Anderswo klaffte ein drei Meter breiter Abgrund,der nur durch einen Spreizschritt überwundenwerden konnte. »Bei diesen Stellen verkrampft man undfragt sich, wie man da jemals wieder lebend herauskommt.Aber man empfindet auch eine unendlicheDankbarkeit, wenn man es schafft.«Vom Dach der Welt grüßte Flock am 18. Mai 2006. DerMount Everest ragt in die so genannte Todeszone überi Das ist die Krönung: 2008 erreicht Karl Flock (zweiter von rechts, stehend) mit seinemExpeditionsteam den Mount McKinley, den letzten der von ihm erstiegenen Gipfel der»Seven Summits«Die höchsten Gipfel in Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika,in der Antarktis, in Europa und Australien werden »SevenSummits« genannt. Geologisch betrachtet ist der Elbrus im Kaukasus– und nicht der Mont Blanc in Frankreich – der höchste GipfelEuropas. Diese Erkenntnis verbreitete sich erst nach dem Fall des eisernenVorhangs. Zu den »Seven Summits« gehören: KILIMANDSCHARO(5.892 Meter, Afrika, von Flock 1995 erstiegen), MOUNT VINSON (Antarktis,4.897 Meter, von Flock 2002 erstiegen), ACONCAGUA (Südamerika,6.959 Meter, von Flock 2004 bestiegen), ELBRUS (Europa, Kaukasus,5.642 Meter, von Flock 2005 erstiegen), CARSTENSZ-PYRAMIDE(Ozeanien, Australien, 4.884 Meter, von Flock ebenfalls 2005 erstiegen),MOUNT EVEREST (Asien, 8.850 Meter, von Flock 2006 bestiegen),MOUNT MCKINLEY (auch Denali genannt, Nordamerika, 6.194 Meter,von Flock 2008 erstiegen).8.000 Meter hinein, wo Bergsteiger trotz Sauerstoffzufuhrnur noch ein Viertel ihrer Leistungskraft besitzen. DieKälte, die Höhe, der Energieverzehr: All das setzt selbstden geübtesten Bergsteigern schwer zu. Um das richtigeZeitfenster für den Sturm auf den Gipfel zu erwischen,telefonierte Flock vom Basislager via Satellitentelefonhäufig mit verschiedenen Wetterstationen in Österreich,der Schweiz und in den USA. Fünf Tage dauerte der Aufstiegvom Basislager (auf 5.300 Metern) zum South Col(auf knapp 8.000 Metern), wo die Mannschaft noch einmaldie Zelte aufschlug. Neun Stunden dauerte die letzteEtappe. Gipfelglück, wie es normale Bergwanderer empfindenmögen, durchströmte Flock weder am MountEverest noch sonstwo: »Das genießt man erst, wenn manwieder sicher unten und daheim ist.«Familienausflug nach AfrikaBlieb also nur noch der eiskalte Riese, der Mount McKinley…Als Flock wohlbehalten aus Alaska nach Oberbayernzurückkehrte, bereitete ihm die Stadt Weilheim einengroßen Empfang. Der Bürgermeister gratulierte, und derStadtpfarrer sagte: »Wir freuen uns mit Dir, aber jetzt, lieberKarl, is a Ruah.« Und Flock erwiderte, er werde sichfortan nur noch dem Häkeln und Stricken widmen. Daswar natürlich ein Spaß. Tatsächlichbeschäftigte sich Flock weiterhinmit den »Seven Summits«– wenn auch meist in Form vonVorträgen, bei denen er Bergenthusiastenan seinen Abenteuernteilhaben lässt. Kürzlichlauschten ihm mehr als 2.000Zuhörer. Ansonsten kommt jetztdie Familie zu ihrem Recht:»Wenn sie nicht so tolerant gewesenwären, hätte ich mir meinenLebenstraum niemals erfüllenkönnen.« Übrigens: AnfangAugust wollen sie alle gemeinsamden Kilimandscharo besteigen,den Berg, mit dem alles angefangenhat. Die Flocks trainierenschon eifrig dafür.Spezialtouren zu allen»Seven Summits« bietetnur Laserer Alpin imösterreichischen Gosau(Infos unterwww.laserer-alpin.at,Tel. 0043 - 6136 - 88 35).Touren zu einigen derGipfel bieten Top MountainTours in Starnberg-Landstetten (Infos unterwww.top-mountain-tours.de,Tel. 08157 - 92 45 48),und der Summit Clubdes Deutschen Alpenvereins(www.dav-summit-club.de,Tel. 089 - 64 24 00).t Die sind Spitze:Mount Everest,Kilimand scharo,Aconcagua (vonoben nach unten)34 TOYOTA Magazin 2/2009

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