Schatten - Fabian von Poser

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Schatten - Fabian von Poser

Etosha NAMIBIAInfo-Karte 157 ankreuzenAm Wasserloch von Gemsbokvlaktebeobachteten wir einige Elefanten.Ganz unbescheiden beanspruchtensie das ganze Loch für sich. Prustendund schnaubend kamen die Riesenanstolziert, als liege ihnen die Welt zuFüßen. Kein anderes Tier ließ sich inihrer Anwesenheit am Wasser blicken.Fast eine Stunde waren wir sodurch die Savanne geholpert, hattenhier und dort Halt gemacht,um Tiere zu beobachten. Bis wir zuden Löwen kamen. Als Victor denScheinwerfer anschaltete, war dasLicht rot. „Weil das die Tiere wenigerstört“, hatte der Ranger gesagt.„Wenn wir ihnen mit weißem Lichtin die Augen leuchten, sind sie fürMinuten blind. Das kann sie dasLeben kosten.“Doch die Löwen, die wiran diesem Abend beobachten, sehennicht so aus, als könnte ihnenjemand etwas anhaben. Eine formidableLöwendame schleicht nurEine Herde Elefanten im rubinroten Kegel der Scheinwerfer.wenige Meter vor uns mit würdevollemBlick durch das hohe Grasund taxiert einige Springböcke, diein der Ferne grasen. Wie eine Feldherrinüberblickt sie die Ebene aufder Suche nach Beute, doch ihre Zeitist noch nicht gekommen.Noch steht der Mond am Himmel.Erst, wenn sich Wolken davorschieben oder er hinter demHorizont versinkt, beginnt dasgrausame Spiel der Natur: Antilopefrisst Gras, Raubtier frisst Antilope.Denn die Löwen wissen genau: Jemehr Licht, desto weniger Erfolgverspricht die Jagd.Während die Raubkatzen so umhertollen,sich liebkosen und balgen,holt Victor die Getränkekisteraus. Im Handumdrehen wird derBeifahrersitz zur Bar. Für ein Bierist es jetzt zu kühl. Aber der Rotweinwärmt wunderbar bei dieserEiseskälte. Die meiste Zeit bleibtdas Licht ausgeschaltet, und wirgenießen die Geräusche der Nacht,ohne etwas zu sehen.Victor will gar nicht, dassunsere Augen etwas wahrnehmen.Wir sollen den Busch mit unserenanderen Sinnen erleben. Sobald derRanger das Licht aber anmacht,blicken wir in Löwenaugen. Es hatetwas Erhebendes, diese Tiere ausnächster Nähe zu beobachten. Wiesie miteinander spielen, herumtollen,immer wieder die Ohren spitzen,ob nicht doch Beute in der Nähe istund in die Falle tappt.Der Kleinste kaut an MuttersOhr – er ist vielleicht ein Jahr altund sieht aus wie ein zu groß geratenesStofftier. Immer wieder siehter uns an, als wolle er spielen. Es istfast wie ein Flirt. Ein Flirt zwischenMensch und Tier.Eine ganze Stunde lang beobachtenwir die Löwen aus nächsterNähe. Es sind Augenblicke desGlücks. Dann ist der Mond hinterdem Horizont verschwunden. Fürdie Löwen bedeutet das: Zeit zurJagd. Für uns heißt es: Aufbruch.Immer wieder hält Victor aufdem Rückweg an und prüft Spurenim Sand. Wieder hören wir irgendwoLöwen brüllen, doch wir könnensie nicht sehen. Am Wasserloch vonGaseb beobachten wir im rubinrotenKegel des Scheinwerfers eineGiraffe beim Trinken.Das Ritual dieser stolzen Tierezählt zu den außergewöhnlichstenim Tierreich: Mit bedachten Schrittennähern sie sich dem Wasserloch,stets auf der Hut vor Räubern.Schritt um Schritt tastet sich das Tiervorwärts. Minuten vergehen. Nacheiner halben Ewigkeit spreizt es dieINDIVIDUALREISENAfrikaAfrika individuell entdecken• in besonderen Unterkünften• nach persönlichem Reiseplan• ausgearbeitet von erfahrenenMitarbeiternIndividualreisen auf fünf Kontinentenwww.umfulana.deTelefon: 02268 90980Info-Karte 119 ankreuzenInfo-Karte 182 ankreuzenInfo-Karte 107 ankreuzen24 | SÜD-AFRIKA 1/13 1/13 SÜD-AFRIKA | 25

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