Gesammelte Natur - Naturmuseum St.Gallen

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Gesammelte Natur - Naturmuseum St.Gallen

Naturmuseum St.GallenGesammelte Natur – gestern, heute, morgen


Naturmuseum St.GallenGesammelte Natur –gestern, heute, morgen


7Vorwort89101012121415Sammeln gesternVom Kuriositätenkabinett ...... zur naturkundlichen SammlungEine eigenständige InstitutionEin neues Haus für die SammlungPrägende KöpfeDie Früchte der HandelsreisendenSchwierige Zeiten1617181818202022282828303131Sammeln heuteUnsere SchätzeSie bilden unsere Grundlage, die GesteineFunkelnde Kristalle, die MineralienZeugen der Urzeit, die FossilienNahe an unserer Geschichte, die prähistorischen ObjekteOhne sie wäre kein Leben möglich, die PflanzenSie profitieren von den Pflanzen, die TiereUnsere Monets und PicassosVom Zettelkatalog zur DatenbankSammeln heisst bewahrenWas wird heute gesammelt?Knappe Ressourcen und viel IdealismusSammlungen als Naturarchive32333334353637Sammeln morgenGensammlungen als Zukunft?Jurassic Park lässt grüssenVernetzte SammlungenDie Natur schreibt rote ZahlenArtenvielfalt vor der HaustürDas Naturmuseum St.Gallen morgen – Ein Ausblick38Literatur


Vorwort«Allen Gebern sei an dieser Stelle der herzlichste Dankausgesprochen. Mögen sie auch davon überzeugt sein,dass die Schätze unserer Sammlungen kein totes Kapitalbedeuten, sondern, dass sie, mit der richtigen Interpretationversehen, von wissenschaftlichem und geistbildendemWert sind.»Emil Bächler, Jahresbericht über die Naturhistorische Sammlungder Stadt St.Gallen 1902/03Sammeln ist ein uraltes menschliches Bedürfnis.Schon unsere Vorfahren in der Steinzeit bestritten ihrenLebensunterhalt als Jäger und Sammler. Gesammelt wurdenaber damals nicht nur Dinge, die sich verwerten liessen,sondern auch auffällige Objekte ohne jeglichenGebrauchswert. Im Mittelalter entstanden in Klöstern undan Fürstenhöfen die ersten Reliquiensammlungen undWunderkammern, die späteren Kuriositätenkabinette.Aus diesen entwickelten sich im 17. und 18. Jahrhundertdie eigentlichen Naturaliensammlungen, welche von einemgebildeten Bürgertum als Quellen der Unterhaltungund Belehrung genutzt wurden.Die Sonderausstellung «Gesammelte Natur – gestern,heute, morgen» im Naturmuseum St.Gallen zeigt anhandausgewählter Beispiele den Reichtum und die Vielfalt derin mehr als 200 Jahren gesammelten naturkundlichenObjekte und wirbt für deren Erhalt auch für künftige Generationen.Sammlungsarbeit erfolgt zumeist «hinterden Kulissen» und ist wenig spektakulär, aber für ein Museumvon zentraler Bedeutung. Der erste Teil der Ausstellunggeht auf den geschichtlichen Hintergrund derSammlung ein. Er zeigt, wer gesammelt hat, was gesammeltwurde und zu welchem Zweck. Der zentrale, mittlereAusstellungsteil präsentiert einen Querschnitt durch denreichen Sammlungsbestand, der rund 300000 naturkundlicheObjekte umfasst. Ein besonderes Augenmerkwird auf die Funktion der Sammlungen als Naturarchivegelegt. Der dritte Teil der Ausstellung zeigt Möglichkeitenauf, wie künftig gesammelt wird und welche zusätzlichenAufgaben auf Naturmuseen zukommen.Die vorliegende Broschüre ist eine Ergänzung zu der1996 von Hans Heierli verfassten «Geschichte des NaturmuseumsSt.Gallen» und zugleich ein Aufruf für den Erhaltdes natur- und kulturgeschichtlich wertvollenSammlungsbestandes.St.Gallen, im Mai 2003Toni Bürgin und Jonas Barandun7


«Der Todtentanz», Lithographieim «Verzeichnis der Naturkörperaus allen drei Naturreichen,welche Joh. Georg Schläpfer,Med. et Chir. Doctor, einiger naturforschenderGesellschaftenMitglied, zu Trogen im KantonAppenzell, in seiner Naturaliensammlungaufbewahrt. 1827».Diese Abbildung gibt einenEinblick in ein Naturalienkabinettdes frühen 19. Jahrhunderts.Das Original dieser Abbildungbefindet sich als Leihgabeder Kantonsschule Trogen inder Kantonsbibliothek AppenzellAusserrhoden in Trogen.


Sammeln gesternVom Kuriositätenkabinett ...Wer von uns hat noch nie gesammelt? Waren es alsKind vielleicht Käfer, Briefmarken, Münzen oder andereKostbarkeiten, so sammeln wir heute als aufgeklärte Konsumentinnenund Konsumenten Flugmeilen, Bonuspunkteund andere Errungenschaften der Neuzeit. DasSammeln von Gegenständen dient Kindern als begreifbareHilfe, um die Welt besser verstehen zu können und ineinen überschaubaren Rahmen zu bringen. «Sammelnkann», wie es Ludwig Duncker (2001) in einem Artikelzum Thema ausdrückte, «als eine elementare Form derKulturaneignung bezeichnet werden, ...» In diesem Sinnesind wohl auch die historischen Wurzeln der Naturalienkabinettezu sehen (Mauriès 2002). Während im 16. und17. Jahrhundert vor allem Raritäten und Kuriositäten ausder nahen und fernen Natur zu beeindrucken vermochten,stellte sich ab dem 18. Jahrhundert immer mehr dasVermitteln von Wissen in den Vordergrund; es entstandennaturwissenschaftliche Sammlungen mit einem Bildungsanspruch(Flüeler 1981, Rütsche 1997, Daston &Park 2002).Den fulminanten Auftakt zur st.gallischen Naturaliensammlung,quasi deren Keimzelle, machte ein 4 Meterlanges Stopfpräparat eines Nilkrokodils, das 1623 seinenWeg in die Gallusstadt fand (Ziegler 1974). Dieses eindrücklicheObjekt bot grosszügigen Gönnern Anlass, derStadt weitere Raritäten aus der Natur zu schenken undzur Schau stellen zu können. So gesellten sich 1644 neue«Merkwürdigkeiten» dazu wie etwa ein Menschen- undein Hundeskelett, der Wirbel eines Wals und ein Rostrum(Nasenfortsatz) eines Schwertfisches (Scherer 1951). Inden Donatorenbüchern der Stadt sind diese frühenSchenkungen minutiös verzeichnet (Ritter 1942, Willhalm1943). Aufbewahrt waren alle diese Objekte bis 1819zusammen mit Büchern der Stadtbibliothek, Kunstwerken,alten Musikinstrumenten, mathematischen Instrumentenund einer Münzensammlung im ehemaligenKloster und Gymnasium von St.Katharinen in St.Gallen(Ehrenzeller 1981).9


... zur naturkundlichen SammlungMit der stetig wachsenden Naturaliensammlungwuchs auch das Bedürfnis, Übersicht zu schaffen. Das ersteSammlungsverzeichnis hat 1801 Georg LeonhardHartmann (1764–1828) im Auftrag der Bibliotheksleitungerstellt. Seine Zusammenstellung war nach acht Kategoriengeordnet. Die Objekte hingegen lagen zerstreut inden verschiedenen Fächern der Gestelle. Sie umfasstenunter anderem ein menschliches Skelett, eine gegerbteMenschenhaut, ein Skelett eines Embryos, ein Hundeskelett,zwei Gazellenhörner, die Haut eines Kalbes mit zweiKöpfen, eine Pharaonenratte, ein Straussenei, den Kopfeines Pfeffervogels (Tukan), ein Rostrum (Nasenfortsatz)eines Schwertfisches, einen Kugelfisch, das oben erwähntegrosse Nilkrokodil, einen Hai-Kiefer, ein paar MuschelundSchneckenschalen, einzelne Korallenstöcke, Kokosnüsseund verschiedene Mineralien (Ehrenzeller 1981,Heierli 1996).1804 musste die Sammlung aus Platzgründen in den«untersten Saal» von St.Katharinen, das alte Refektorium,verlegt werden. Dieser Raum war feucht und führte dazu,dass die Objekte unter Schimmelbefall und Insektenfrasslitten und dabei zum Teil erheblich beschädigt wurden.Erst auf die Intervention von Caspar Tobias Zollikofer,welcher 1812/13 eine umfassende Neuordnung und Katalogisierungder Sammlung vornahm, stellte der Gemeinderat1819 für das Naturalienkabinett provisorischein Zimmer im Ratshaus zur Verfügung. 1832 folgte eineweitere Verlegung in ein Zimmer im «Schmalzwaaghaus»,einem Kaufhaus bei der heutigen St.Laurenzenkirche.Doch auch diese Unterbringung war nur kurzfristig,so dass bereits 1835 die Sammlung im «Haus zum Schaaf»an der Spisergasse und später im damals neu erbautenMarkthaus untergebracht wurde. Die unvorteilhaftenAufbewahrungsbedingungen setzten den zum Teil wertvollenObjekten weiter zu. 1844 wurde die Sammlung inzwei Zimmern des neu erstellten Grabenschulhausesübersiedelt. Im selben Jahr wurde von der St.GallischenNaturwissenschaftlichen Gesellschaft aus dem Nachlassdes 1843 verstorbenen Caspar Tobias Zollikofer dessenumfangreiche Naturaliensammlung angekauft und später,1855, zusammen mit ihrer Bibliothek der Ortsbürgergemeindemit der Auflage übergeben, dass diese künftigfür die Betreuung und den Unterhalt aufkommen sollte.Eine eigenständige InstitutionMit der Gründung des Naturhistorischen Museumsam 24. März 1846 wurde der Theologe und KantonsschullehrerJacob Wartmann (1803–1873) dessen erster Direktor.Er war zuständig für die Pflege der zoologischenSammlungen und der Mineralien. Der Apotheker DanielMeyer (1778–1864) wurde mit der Betreuung der Pflanzen-und Insektensammlung beauftragt, während derKaufmann und Spediteur Georg Leonhard Zyli (1774–1860)die Betreuung der Conchylien (Schnecken und Muscheln)übernahm. Die Sammlung war jeweils an Sonntagen von10 bis 12 Uhr öffentlich zugänglich. In den folgenden Zeitengingen vor allem durch weitgereiste Kaufleute vieleneue Schenkungen ein, so dass schon bald wieder Platzproblemeentstanden. Als Depot für nicht ausgestellteObjekte wurde von der Ortsbürgergemeinde ein zusätzlicherRaum in der ehemaligen Lavaterschen Büchersammlungam Platztor zur Verfügung gestellt.Eine Lösung brachte erst 1855 der Umzug in die damalsneu erstellte Kantonsschule am Oberen Brühl. Hierwurden der Naturaliensammlung drei grössere Räumeim Erdgeschoss und ein grosser Ausstellungssaal im zweitenStock zugewiesen. Die Sammlung wuchs durch namhafteAnkäufe und Schenkungen weiter an. BernhardWartmann (1830–1902), der Sohn von Jacob Wartmannund von 1873 bis 1902 dessen Nachfolger als Museumsleiter,veröffentlichte 1863 unter dem Titel «St.Gallens Naturalienkabinett»eine umfangreiche Zusammenstellungder damals ausgestellten Objekte. Darin beschreibt er,wie sich im grössten Saal neben rund 120 Säugetieren undetwa 600 Vogelpräparaten auch noch verschiedene Alkoholpräparatemit Reptilien, Amphibien und Fischen sowieeine Sammlung von Wirbeltierskeletten befanden. Inder Mitte des Saals standen zwei Schaupulte, in denenrund 200 Muschel- und über 700 Schneckenschalen aufbewahrtwurden. Im zweiten Saal folgten weitere imMeer lebende Wirbellose sowie die Käfer- und Schmetterlingssammlungen.Zudem fanden sich hier auch die Belegexemplarezu den von Johann Daniel Hartmann (1793–1862) beschriebenen europäischen Land- und Süsswasserschnecken.Daneben gesellte sich das umfangreiche Herbarvon Pfarrer Johann Conrad Rehsteiner (1797–1858)und anderen Botanikern mit insgesamt 20000 Blütenpflanzen-Belegen.In einem zentralen, grossen Schaupultwaren die Mineralien und die Fossilien untergebracht. Imdritten und kleinsten Saal befanden sich die Präparateeinheimischer Tiere, Pflanzen und Mineralien. Wartmannwar sich des wissenschaftlichen Wertes dieserSammlungen bewusst und nutzte sein Verzeichnis auchals Aufruf, diese weiter zu äuffnen, was in der Folge auchtatkräftig getan wurde (Wartmann 1870–1901, Bächler1902).10


Oben: Das Sammlungsverzeichnis,1801 verfasst von GeorgLeonhard Hartmann. Es findetsich in den Protokollen derStadtbibliothek, Seiten 217–218,und ist in der Kantonsbibliothek(Vadiana) aufbewahrt, Ms.S 78, I.Mitte: Missbildungen und Abnormitätenwaren früher beliebteSammelobjekte. Hier handeltes sich um das Präparat einesdoppelköpfigen Kalbs.Unten: Dieses Präparat einesKleinen Paradiesvogels (Paradisaeaminor) stammt aus Neu-Guinea. Paradiesvogel-Präparatezählten zu den zentralen Bestandteilender Naturalienkabinette.Ihren Namen erhieltendiese Vögel dadurch, dass dieersten Bälge ohne Füsse nachEuropa gelangten und man daherannahm, dass sie, engelgleich,ständig in der Luft seien.11


Ein neues Haus für die Sammlung1863 wurde auf Initiative der Ortsbürgergemeinde, derSt.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, desKunstvereins, des Historischen Vereins und des KaufmännischenDirectoriums ein Museumskonzept entwickelt.Mit dem eigentlichen Bau konnte 1875 begonnen werden.Ab der Eröffnung am 8. Oktober 1877 verfügte die inzwischenbeträchtlich weiter gewachsene naturkundlicheSammlung im Erdgeschoss endlich über genügendRaum. Die Bestände des Kunstvereins und des HistorischenVereins wurden bis zur Eröffnung des Neuen Museums1921 im Obergeschoss präsentiert. Ab diesem Datumwaren nur noch Natur und Kunst unter einem Dach.1911 kamen als zusätzliche Ausstellungsräume für dienaturwissenschaftliche Abteilung Zimmer im Erd- undObergeschoss des Kirchhoferhauses, dem so genanntenHeimatmuseum, an der Museumstrasse 27 dazu. Hierwurden bis 1968 neben der prähistorischen Sammlung,den Versteinerungen und Mineralien auch verschiedenebiologische Gruppen in Form von Dioramen ausgestellt(Kellenberger 1988).Prägende KöpfeDas kontinuierliche Wachstum der Sammlung ging inerster Linie auf naturkundlich interessierte Kreise zurück,die sich im Umfeld der 1819 gegründeten St.GallischenNaturwissenschaftlichen Gesellschaft regelmässig trafen.An vorderster Stelle ist Dr. med. Caspar Tobias Zollikofer(1774–1843) zu nennen, der zu Lebzeiten eine umfangreicheNaturaliensammlung anlegte, die nach seinem Todzusammen mit den von ihm und Ulrich Fitzi (1791–1855)gemalten Pflanzen- und Insektenaquarellen für das NaturhistorischeMuseum angekauft wurde. Die rund 900Aquarelle befinden sich heute als Depositum in der Kantonsbibliothek.Pfarrer Johann Konrad Rehsteiner (1797–1858) vonSpeicher war ein eifriger Botaniker. Er legte ein umfangreichesHerbar mit Pflanzen aus den Kantonen St.Gallenund beider Apppenzell an. Seine Sammlung, die nebenden Pflanzen auch rund 5000 Versteinerungen, 4000 Mollusken(Weichtiere), 1000 Mineralien und 200 Korallenstöckeumfasste, wurde 1859 für das Museum angekauft(Wartmann 1871).Carl Julius Deicke (1802–1869), aus Braunschweigstammend, war von 1833 bis 1856 Mathematik- und Physiklehrerin St.Gallen. In seiner Freizeit widmete er sichder Geologie und Paläontologie der näheren Umgebung.Ihm verdankt das Museum eine umfangreiche Fossiliensammlung(Wartmann 1871).Oben: Das Museum am Stadtparkum 1880. Es beherbergtedamals im Erdgeschoss die naturkundlicheStudiensammlungund im Obergeschoss dieSammlungen des Kunstvereinsund des Historischen Vereins.Mitte: Dieses 1917 vom PräparatorCarl Schär aus Teufen angefertigteund im ehemaligen HeimatmuseumausgestellteDiorama zeigt einen Habicht(Accipenser gentilis), der seine beidenflüggen Jungen mit einemerbeuteten Huhn füttert.Unten: Um die Jahrhundertwendebeherbergte das NaturhistorischeMuseum St.Gallen eineder bedeutendsten Vogelsammlungender Schweiz.Darunter fanden sich auchmehrere Exemplare des Mittedes 19. Jahrhunderts in derSchweiz ausgerotteten Bartgeiers(Gypaetus barbatus).12


Der St.Galler Lehrer Othmar Rietmann (1831–1869)lebte von 1857 bis 1863 in Australien, von wo er eine grosseZahl wertvoller Tierpräparate zurückbrachte. Aus seinemNachlass wurde auch eine umfangreiche Fossiliensammlungfür das Museum angekauft (Wartmann 1871).Dr. Karl Mayer-Eymar (1826–1907) sammelte schon alsJugendlicher begeistert Versteinerungen in der Umgebungvon St.Gallen. Er war Kustos der stratigrafischpaläontologischenSammlung der ETH und Professor fürPaläontologie und Stratigrafie an der Universität Zürich.Dem naturhistorischen Museum seiner Vaterstadt St.Gallenschenkte er eine reiche Sammlung von Fossilien ausdem Tertiär (Heim 1907).Dr. med. Carl Stölker (1839–1907) war neben seinemBeruf als Arzt in St.Fiden ein begeisterter Ornithologe.Aus gesundheitlichen Gründen musste er seine Praxisschliessen und widmete sich dann nahezu ausschliesslichseiner Leidenschaft. Er vermachte dem Museumneben seiner grossen Vogeleiersammlung mehr als 2000Präparate exotischer und einheimischer Vögel. Viele davonhat er selbst aufgezogen und präpariert. Sein Sammeleifergalt unter anderem auch Abnormitäten wie Schnabel-und Fussmissbildungen von Vögeln (Wartmann 1879,Schneider 2003).Prof. Dr. Bernhard Wartmann (1830–1902) war von1873 bis 1902 Direktor des Naturhistorischen Museums.Seine Doktorarbeit schrieb er über die Algengattung Lemanea.Neben seiner Funktion als Museumsleiter war erLehrer an der Kantonsschule und langjähriger Präsidentder St.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft.Eines von Wartmanns Zielen war es, die einheimischenTiere und Pflanzen, aber auch die Mineralien und Fossilienmöglichst vollständig in der Sammlung präsent zu haben(Bächler 1902). Bei den exotischen Objekten ging es ihmin erster Linie darum, exemplarische Beispiele aller systematischenGruppen vorweisen zu können. Unter seinerLeitung verzeichnete die Sammlung einen enormen Zuwachs,was auch damit zusammenhängt, dass er einen regenAustausch mit ausländischen Forscherkollegen wieetwa mit Dr. Emil Göldi, dem Direktor des naturhistorischenInstituts in Parà, Brasilien, pflegte. Ein besondererAnkauf, der in seine Zeit fällt, ist der grosse Morionkristallaus der Höhle oberhalb des Tiefengletschers (KantonUri), der im Eingangsbereich des heutigen Naturmuseumszu sehen ist. Sein Hauptverdienst war der Aufbau eineskantonalen Herbars, einer umfangreichen Sammlungvon Pflanzen aus dem Kanton St.Gallen. Auf der Ostseitedes Museums legte Wartmann mit der tatkräftigenHilfe seines Botanikerfreundes und ErziehungsratesTheodor Schlatter (1847–1818) einen 6000 m 2 grossen botanischenGarten mit einem Alpinum an (Bächler 1902).Caspar Tobias Zollikofer (1774–1843), der Gründer und erstePräsident der St.Gallischen NaturwissenschaftlichenGesellschaft,war studierter Medizinerund befasste sich in seinerFreizeit vor allem mit der Pflanzenweltder engeren Heimat.Dr. Friedrich Bernhard Wartmann(1830–1902) hat dem Naturmuseumunter anderem eine umfangreichebotanische Sammlunghinterlassen. Seine zielgerichteteSammlungspolitik istbis heute modern gebliebenund verdient grossen Respekt.Wartmanns Gedenkstein stehtam Rande des Stadtparkes beimGauklerbrunnen.Dr. med. Georg Albert Girtanner(1839–1907) war ein besondererKenner der Alpenvögel. ImDachstock seines Hauses an derSt.Galler Neugasse hielt er langeZeit einen lebenden Bartgeierund züchtete unter anderemauch den Alpenmauerläufer,der zum Signet des Naturmuseumsgeworden ist.Dr. med. Carl Stölker (1839–1907)hat dem Naturmuseum eine1200 Präparate umfassende Vogelsammlungsowie eine grosseVogeleiersammlung hinterlassen.Er hat zudem viele seinerBeobachtungen in schriftlicherForm festgehalten und so wesentlichzum guten Ruf derSt.Galler Ornithologen beigetragen.13


Max Täschler (1840–1906), Fotograf in St.Gallen, warneben seinem Beruf ein leidenschaftlicher Insektensammler.Seine Nachkommen schenkten dem Museumdie rund 17 000 einheimische Schmetterlinge und Käferumfassende Sammlung (Bächler 1906).Dr. med. Georg Albert Girtanner (1839–1907) studiertewie sein Vater Medizin und arbeitete später am BürgerspitalSt.Gallen. Seine grosse Leidenschaft gehörte derTier- und im speziellen der Vogelwelt der Alpen (Schneider& Bauernfeind 1999). Er war Mitbegründer des St.GallerWildparkes Peter und Paul und massgebend am Erfolg derWiederansiedlung des Alpensteinbocks in der Schweizbeteiligt (Meile, Giacometti & Ratti 2002). Girtanner handeltemit Tierpräparaten (Steinheimer 2002) und vermitteltedem Museum eine grosse Zahl an gesuchten Objekten,darunter Paradiesvögel, einen Moschusochsen undein Weissschwanzgnu.Die Früchte der HandelsreisendenMit der Blütezeit der Textilindustrie in der 2. Hälftedes 19. Jahrhunderts entstanden viele neue Kontakte insnahe und ferne Ausland. Handelsleute aus St.Gallen reistenum die ganze Welt und brachten Erinnerungen undBesonderheiten aus der Natur mit nach Hause. Die in denEingangskatalogen verzeichneten Belege von 1860 bis1900 geben einen Einblick in diese rege Sammeltätigkeit.Die st.gallische Vogel- und Säugetiersammlung wardamals eine der bedeutendsten in der Schweiz. Das Interesseder Bevölkerung war gross, wie Bernhard Wartmann1864 berichtete: «Der Besuch des Naturalienkabinettsbleibt immer gleich stark. Während es am Mittwoch vorzugsweiseden Schülern zur Belehrung dient, ist am Sonntagauch die Zahl der Erwachsenen so stark, dass man inden betreffenden Sälen oft dicht gedrängt beisammensteht. Jenes ist ohne Zweifel eines der populärsten städtischenAnstalten ...» (Wartmann 1865).1869 organisierte das Kaufmännische DirectoriumSt.Gallen unter der Leitung des Merseburgers RichardBrenner eine Ostafrika-Expedition (Baumgartner 1998).Ziel dieser Expedition war die Erschliessung der OstafrikanischenMärkte, insbesondere der Insel Sansibar. DasKaufmännische Directorium bewilligte auf Anfrage derSt.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft einenKredit von 2000 Franken, ein in der damaligen Zeithoher Betrag, zum Erwerb interessanter NaturprodukteOstafrikas für das Naturhistorische Museum. Obwohldie Expedition wegen Schiffbruchs zum Scheitern kam,wurden verschiedene Naturalien nach St.Gallen versendet,darunter das Horn eines Nashorns, ein Nilpferdschädel,3 Vögel, 20 Reptilien, 7 Amphibien, 50 Käfer sowie getrockneteFrüchte und Pflanzen (Wartmann 1872).Oben: Dieser Nilpferdschädel(Hippopotamus amphibius) wurde1870 von der Ostafrika-Expeditiondes Kaufmännischen Directoriumsnach St.Gallen geschickt.Mitte: Ernst Heinrich Zollikofermit seinen zahmen Mauerläufern.Er war um 1900 einer derbedeutendsten Tierpräparatorenin Europa.Unten: Ein Blick in die von 1973bis 1986 an der Rosenbergstrasse89 ausgelagerten Sammlungsbestände(Wirbeltiere) desNaturmuseums St.Gallen.14


1880 zeichnete sich eine Wende in der Textilindustrieab. Die Eingänge exotischer Tiere nahmen deutlich ab.Dafür trat ab 1881 eine andere herausragende Persönlichkeitin der Vordergrund: Ernst Heinrich Zollikofer (1859–1930), ein Meister der Tierpräparation. Ihm verdankt dieSammlung des Naturmuseums St.Gallen eine grosse Zahlhervorragender Präparate, insbesondere von einheimischenVögeln und Säugetieren, die auch heute nochSchmuckstücke der permanenten Ausstellung darstellen.Schwierige ZeitenDr. h.c. Emil Bächler (1868–1950) wurde Nachfolger vonDr. Bernhard Wartmann und war von 1902 bis 1949 Konservatordes Naturhistorischen Museums St.Gallen. Erwar der erste in der Schweiz, der Vögel in so genanntenDioramen, naturähnlichen Inszenierungen, zeigte. BeimSammlungsaufbau knüpfte er an die Politik Wartmannsan und ergänzte dank vieler Legate und Ankäufe die Beständeauf das Beste (Jahresberichte 1901–1920). Mit Hilfevon Otto Köberle (1867–1926), einem engagierten Sammler,begann er eine umfangreiche Sammlung der Gesteine,Mineralien und Fossilien vom Alpstein anzulegen. Einweiterer Glanzpunkt in seiner Amtszeit war die Schenkungeiner reichhaltigen Sammlung einheimischer Vögelund Säugetiere, darunter viele spezielle, jagdkundlicheObjekte, die der ehemalige Direktor des Hotels Walhallaund leidenschaftliche Jäger Robert Mader (1847–1936)dem Museum vermachte. Bächler machte sich auch einenNamen durch seine Ausgrabungen in den Höhlen vomWildkirchli, Drachenloch und Wildenmannlisloch. Resultatdieser Grabungen war eine umfangreiche Sammlungprähistorischer Objekte, bei denen die spektakulärenHöhlenbärfunde im Vordergrund standen (Saxer 1950).Die Objekte befinden sich gegenwärtig im Kirchhoferhausund können auf Anfrage besichtigt werden.Nach dem Rücktritt von Emil Bächler 1949 hat Dr. PierreRevilliod, Direktor des Muséum d’Histoire naturelle inGenf, vom Bürgerrat einen Auftrag erhalten, eine Expertisezum Wert und Zustand der Sammlung zu verfassen(Revilliod 1949). Er bemängelte darin vor allem die zu hoheLuftfeuchtigkeit, die zu Schimmelbildung führte.Daneben hob er aber den Wert der Sammlung, und zwarinsbesondere der Vogelsammlung hervor. Sein Vorschlagwar es, einen grossen Teil der Präparate in einer StudienundVergleichssammlung aufzubewahren und nur nochwenige, ausgesuchte Objekte zu präsentieren. Ein weitererwichtiger Punkt seiner Expertise war der Hinweisauf die dringend nötige Neubearbeitung der Sammlung,insbesondere der vielen Mineralien und Fossilien. ZumNachfolger von Emil Bächler wurde 1950 der Geologeund Sekundarschulvorsteher Dr. h.c. Friedrich Saxer(1889–1981) gewählt, allerdings nur noch im Nebenamt.Er ging die von Revilliod vorgeschlagenen Verbesserungenan und modernisierte während seiner Amtszeit diegeologische, mineralogische und zoologische Sammlung.Die angespannte finanzielle Situation verhinderte abereine grundlegende Neugestaltung des Museums. Es istdeshalb nicht verwunderlich, dass die Sammlung bis zurvorübergehenden Schliessung 1971 kaum mehr Neueingängeverzeichnete (Kellenberger 1988).1966 wurde vom damaligen Leiter des NaturhistorischenMuseums Bern, Prof. Dr. Walter Huber, eine weitereExpertise zur Sammlung verfasst. Auch er hob denbedeutenden Wert des Sammlungsgutes hervor (Huber1966) und nannte insbesondere die exotischen Vögel, diePrimaten, die Muscheln und Schnecken, die Mineralien,die australischen und madagassischen Säuger und dieVogelsammlung von Carl Stölker. Wie bereits vor ihmRevilliod schlug Huber eine Trennung von Schau- undStudiensammlung vor. Zudem plädierte er für die Auslagerungder geologischen und mineralogischen Sammlungaus dem Heimatmuseum (Kirchhoferhaus). Dieswurde 1968, ohne Rücksprache mit dem Konservator,durchgeführt (Kellenberger 1988). Wassereinbrüche 1966und 1970 führten zu einer verstärkten Schimmelbildungan den wertvollen Präparaten. In einem Kurzberichtschlugen Dr. Peter Lüps und Kurt Küng vom NaturhistorischenMuseum Bern dringende Sofortmassnahmen vor(Lüps & Küng 1970). Dazu gehörte die sofortige Schliessungdes Museums und die Sicherstellung der wertvollstenPräparate. Mit der Anstellung des Präparators RolandMüller wurde im Februar 1971 mit diesen Arbeiten begonnen.Aufgrund der prekären Raumsituation entschlosssich die Ortsbürgergemeide 1973 verschiedene Präparatean andere naturkundliche Museen zu verschenken (Schirmer1973). Die verbliebenen Präparate wurden in einemHaus an der Rosenbergstrasse 89 untergebracht. Für dieGesteine, Mineralien und Fossilien diente bis zur Wiedereröffnungim September 1987 der Keller des Kirchhoferhausesund für die Wirbellosen und Pflanzen der Estrichder Vadiana (Kantonsbibliothek) als provisorische Heimstätte.15


Zu den besonderen Kostbarkeitenin der Sammlung des NaturmuseumsSt.Gallen zählen dievielen meisterlichen Präparate,die von Ernst Heinrich Zollikofer(1859–1930) kunstvoll hergerichtetwurden. Auf dem Bild istein Uhu (Bubo bubo) in Abwehrstellungzu sehen, der als Beuteein Steinhuhn (Alectoris graeca)geschlagen hat.


Sammeln heuteUnsere SchätzeIm Vergleich zu den ganz grossen Häusern nimmt sichder Sammlungsbestand des Naturmuseums St.Gallenbescheiden aus. So beherbergt etwa das Natural HistoryMuseum in London rund 68 Millionen Objekte (McGirr2000). In der Schweiz befinden sich in naturkundlichenSammlungen rund 41 Millionen Belege aus den verschiedenstenOrganismengruppen. Das Naturhistorische Museumin Basel, das zu den drei grössten der Schweizgehört, verwahrt alleine ca. 11 Millionen Objekte. Wirbringen es auf etwa 300000 naturkundliche Objekte, wasaber in Anbetracht der Grösse unseres Museums und seinerwechselvollen Geschichte dennoch beachtlich ist. Diespezielle Bedeutung des St.Galler Sammlungsbestandeswurde in zwei externen Expertisen festgehalten (Revilliod1949, Huber 1966) und liegt vor allem bei den einheimischenMollusken, den zahlreichen Vögeln und ausgewähltenSäugetieren. Beim Einzug ins 1987 wiedereröffneteNatur- und Kunstmuseum wurde eine grobe Übersichtdes umfangreichen Sammlungsbestandes erstellt(Heierli 1996). In der Zwischenzeit sind durch grosszügigeSchenkungen und Ankäufe weitere Objekte dazugekommen.Der weitaus grösste Teil dieser Sammlung istgut geschützt im unterirdischen Kulturgüterschutzraumaufbewahrt und dient in erster Linie für Studienzweckeund als Fundus für Sonderausstellungen.Wenn eine Tier- oder Pflanzenart neu beschrieben wird,werden die dabei untersuchten Exemplare als Belege inSammlungen hinterlegt. Sie dienen als unersetzlicheReferenzen, mit denen sich ähnliche Exemplare vergleichenlassen. Interessanterweise beherbergen die naturkundlichenMuseen der Schweiz diesbezüglich einen immensenSchatz: So sollen nach neuesten Angaben in denhiesigen Sammlungen rund 350000 Typusbelege aufbewahrtwerden (Agosti et al. 2003). Auch das NaturmuseumSt.Gallen kann mit mehreren derartigen Belegen aufwarten.Zudem finden sich in der Sammlung wertvolle Abbildungsexemplare,Objekte, die in wissenschaftlichen Publikationenbeschrieben und abgebildet wurden.17


Sie bilden unsere Grundlage, die GesteineDie Gesteinssammlung des Naturmuseums St.Gallenumfasst gegenwärtig rund 50000 Einzelobjekte, die imunterirdischen Kulturgüterschutzraum in verschiedenenTeilsammlungen untergebracht sind. Diese Teilsammlungensind nach der Entstehungsgeschichte (Vulkanite,Plutonite, Erze, Metamorphite, Sedimente, tektonischeVerformungen, Verwitterungen), der geografischen Herkunft(Alpstein, Molasse, Ricken- und Gotthardtunnel,Nördlinger Ries, Flysch, Graubünden, Tessin, Hegau,Ägypten, Kreta) und dem erdzeitlichen Alter (Paläozoikum,Trias, Jura, Kreide, Tertiär, Quartär) geordnet. Dazu gesellensich verschiedene wissenschaftliche Belegsammlungen,darunter diejenigen von Andreas Ludwig (Nagelfluhgerölle),Hans Heierli (Graubünden) und Stefan Berli(Sommersberg), sowie kleinere Studiensammlungen(Gesteinsplatten, Steinquader, Handstücke, Bohrkerne).Zusätzliches, unbestimmtes Gesteinsmaterial harrt nochder Bearbeitung.Funkelnde Kristalle, die MineralienDie kleine, aber feine Mineraliensammlung umfasstgegenwärtig ca. 7000 Einzelobjekte. Sie enthält 80 Elemente,209 Sulfide, 53 Halogene, 377 Oxide, 302 Carbonate,99 Sulfate, 54 Phosphate, 442 Silikate sowie 9 organischeMineralien (u.a. Bernstein). Daneben finden sichzwei kleinere Sammlungen mit Dünnschliffen und Mikromounts.Die meisten Stücke gelangten zwischen 1850und 1900 als Schenkungen oder Ankäufe in die Sammlung.Dazu gehören etwa die 1000 Mineralien umfassendeSammlung von Johann Konrad Rehsteiner. Zu denSt.Galler Spezialitäten gehört eine umfangreiche Sammlungmit einheimischen Mineralien von verschiedenstenFundorten im Alpsteingebiet, die ab 1902 vom damaligenLeiter des Museums, Emil Bächler, angelegt und mit dertatkräftigen Hilfe von Otto Köberle (1867–1926) systematischerweitert wurde (Bächler 1905). Bereits als Assistentunter Bernhard Wartmann hat Bächler die Mineralienfein säuberlich geordnet und in zwei umfangreichenKatalogen festgehalten. Obwohl im Alpstein nur wenigeMineralien vorkommen, sind sie in ihrer Ausbildungdoch sehr vielfältig (Kürsteiner 2002). Erwähnenswert sindunter anderem die so genannnten «Öhrli-Diamanten»,kleine Quarzkriställchen von grosser Durchsichtigkeit.Zeugen der Urzeit, die FossilienDie Fossiliensammlung des Naturmuseums St.Gallenumfasst gegenwärtig ca. 25000 Einzelobjekte. Diese sindin Teilsammlungen nach erdgeschichtlichem Alter(Paläozoikum, Mesozoikum, Känozoikum), geografischerHerkunft (Alpstein, Churfirsten, Alvier, Fäneren) und systematischenKriterien (Vergleichs- und Studiensammlung)gegliedert (Jansen & Steininger 2002). Zu diesenTeilsammlungen kommen verschiedene Belegsammlungen,so diejenigen von Dr. Ulrich Büechi (Molasse),Dr. Karl Mayer-Eymar (Tertiärfossilien), Dr. h.c. AndreasLudwig (Molasse und Flysch) sowie verschiedene Nachlässeund Schenkungen, wie etwa von Johann Konrad Rehsteiner,Oswald Heer, Carl Deicke und Othmar Rietmann.Das gewichtigste Objekt in der Fossiliensammlung istder 1991 angekaufte Entenschnabelsaurier (Anatosaurusannectens). Er wurde 1981 durch den paläontologischenPräparator Urs Oberli im US-Bundesstaat Montana geborgenund nach St.Gallen transportiert (Guggenheimer 1984,Heierli 1991). Die ausgezeichnete Erhaltung des Fossilsfasziniert auch ausgewachsene Dinosaurier-Fans immerwieder von neuem. Tatsächlich existieren von dieser Artund in dieser Qualität weltweit lediglich vier Exemplare.Weitere wichtige Sammlungsobjekte sind ein kleinerFischsaurier (Stenopterygius sp.) aus Holzmaden (angekauft1864), die rund 100 Fischfossilien aus dem Glarner Schieferdes Landesplattenberges von Engi (frühes Oligozän,Wettstein 1886, Furrer & Leu 1998), eine grosse Zahl vonFossilien aus dem Jura von Solnhofen, Pflanzenfossilienaus dem Tertiär von Öhningen (Nachlass Oswald Heer)und St.Gallen (Sammlung Dr. Robert Keller, beschriebenin drei Teilen: Keller 1892, 1895, 1896) sowie der Tapirschädelvon Haslen (Schaub 1928). Wie bei den Gesteinenwäre auch bei den Fossilien eine Aufarbeitung dringendnötig.18


Oben: Die Sammlung des Primarlehrers,Alpinisten und NaturforschersDr. h.c. AndreasLudwig (1865–1934) umfasst einegrosse Zahl unterschiedlichsterNagelfluhgerölle aus derRegion St.Gallen. Dieses besondereStück zeigt einen im NagelfluhgerölleingeschlossenenAmmoniten. Gefunden wurdees am Gübsensee.Mitte rechts: Auf dieser Fluoritstufewachsen milchig-weisslicheCalcitkristalle. Gefundenwurde das Stück in der Dürrschrennen-Höhleim Alpstein.Breite ca. 20 cm.Mitte links: Das wertvollste Objektin der Sammlung des NaturmuseumsSt.Gallen: Ein nahezuvollständig erhaltener Entenschnabeldinosaurier(Anatosaurusannectens) aus der oberenKreidezeit, gefunden in der Hell-Creek-Formation, Alter ca. 70Millionen Jahre. Er wurde vonUrs Oberli in mehrjährigerArbeit aus dem umgebendenGestein herauspräpariert.Unten links: Dieser versteinerterhaltene Tapirschädel (Tapirushelvetius) von 21 cm Länge wurde1925 bei Haslen (KantonAppenzell Innerrhoden) in derMolasse entdeckt. Er zählt zuden wertvollsten Objekten in derpaläontologischen Sammlung.Unten rechts: Die Purpurschnecke(Murex sedwicki) ausdem Aquitan von SeautisLegnon/F aus der umfangreichenSammlung mit Tertiärfossilienvon Dr. Mayer-Eymann (1826–1907).19


Nahe an unserer Geschichte, die prähistorischen ObjekteUnter den rund 500 prähistorischen Objekten in derSammlung des Naturmuseums St.Gallen zählen der in einemMoor bei Gossau gefundene Elch (Alces alces) und derbei Flawil gefundene Rothirsch (Cervus elaphus) zu denwertvollsten Belegen (Bächler 1911, Schindler 2000).Beide Tiere stammen aus der Nacheiszeit und sind mehrereTausend Jahre alt. Weitere wichtige prähistorischeSammlungsstücke sind diverse Geweihreste von Elchenund Rothirschen, der Unterkiefer eines Braunbären sowieZähne und der Oberarm eines Mammuts. Die umfangreicheSammlung, die Emil Bächler während seinerZeit als Konservator von 1902 bis 1949 anlegte, ist immernoch im Kirchhoferhaus (dem ehemaligen Heimatmuseum)untergebracht und kann auf Anfrage besichtigt werden.Das wertvollste Objekt in derSammlung Prähistorie ist diesereindrückliche Elch (Cervus alces),der im Juli 1894 im TorfmoosJunkertswil bei Niederwil(Gossau) gefunden wurde. DasTier starb vor rund 12000 Jahren.Ohne sie wäre kein Leben möglich, die PflanzenIn 940 Mappen sind in mehreren Kompaktusschränkenrund 100000 Pflanzenbelege hinterlegt, eine wahrlichstolze Sammlung! Die drei grössten Sammlungensind das Weltherbar mit 215, das St.Galler Herbar mit 132und das Herbarium Wartmann mit 62 Mappen. Weiteregrössere und kleinere Herbare stammen von Prof. KurtAulich, Otmar Buser, Dr. med. Jacob Gottlieb Custer,Dr. med. Gottlieb Feurer, Robert Göldi, Otto Grauer, JakobImhelder, Heinrich Kägi, Prof. Dr. Walo Koch, JohannConrad Rehsteiner, Hans Schinz und Robert Keller, TheodorSchlatter, Heinrich Schmid, Albert Schnyder,C. Schröter, Dr. h.c. Heinrich Seitter, Dr. med. ConradSulger Büel, Dr. med. Ernst Sulger Büel, Bernhard Wartmann,Dr. med. Caspar Tobias Zollikofer und GeorgKaspar Zollikofer. Viele der historischen Pflanzenbelegehat Heinrich Seitter als Grundlage für seine zweibändigeFlora der Kantone St.Gallen und beider Appenzell verwendet(Seitter 1989).Das gesamte Herbarmaterial der Blütenpflanzen (Phanerogamen)wurde 1999 von der Botanikerin Edith Waldburgerdurchgesehen und grob inventarisiert. Zurzeitwird ein Konzept für eine bessere Archivierung und Erschliessungausgearbeitet. Noch weitgehend unbearbeitetsind die vielen Mappen mit Blütenlosen Pflanzen(Kryptogamen). Bei den Moosen werden gegenwärtig einzelneArten im Rahmen eines nationalen Projektes ausgewertet.Die rund 1400 Belege umfassende Flechtensammlungwurde 1991 neu bearbeitet. Als Referenzwerke stehender von B. Wartmann und B. Schenk herausgegebeneSchweizerische Kryptogamen-Katalog (18 Bände, 1852–1882) und der Kryptogamen-Katalog Badens (19 Bände)zur Verfügung.Neben diesem umfangreichen Herbarmaterial enthältdie botanische Sammlung noch eine Vielzahl kleinererLehrsammlungen (Holzproben, Früchte, Samen usw.),einzelne Stammscheiben und 200 Tafeln mit Pflanzenselbstdruckenim Folioformat. Letztere stammen ausdem 1873 von C. von Ettinghausen und A. Pokorny veröffentlichtenWerk «Die Gefässpflanzen Österreichs» undstellen eine grosse Kostbarkeit dar (Steiner 1988). Einweiterer Schatz ist eine historische Sammlung mit 100Apfel- und 100 Birnennachbildungen aus Gips verpacktin 14 Schachteln. Sie enthält Sorten, die damals vomdeutschen Pomologenverein zur Anpflanzung empfohlenwurden und von denen heute viele verschwunden oderstark bedroht sind.20


Links: Diese Haare und Hautrestestammen vom berühmtenMammut aus Beresowka, Sibirien,das 1901 vom Zoologen OttoHerz und dem PräparatorEugen Pfizenmayer geborgenwurde und heute im ZoologischenMuseum in St.Petersburgausgestellt ist.Mitte links: Naturselbstdruckeiner Weidenart aus dem Werk«Die Gefässpflanzen Österreichs».Diese wenig bekannteTechnik kam vor allem in der2. Hälfte des 19. Jahrhundertszur Anwendung.Mitte rechts: Historische Apfelnachbildungenaus der Lehrmittel-ManufakturViktor Dürfeld,Olbernhau/D. Sie wurden demMuseum 1887 von Fridolin Simon,einem Mitglied der St.GallischenNaturwissenschaftlichenGesellschaft aus Bad Ragaz,geschenkt.Unten: Zwei Bogen aus derSt.Galler Flora von Jacob Wartmann(gesammelt 1849). DasHerbar umfasst 8 Bände mit jeweilsrund 100 Bogen gepressterPflanzen.21


Sie profitieren von den Pflanzen, die TiereZahlenmässig am stärksten vertreten sind in den Tiersammlungendes Naturmuseums St.Gallen die Insekten.Dies ist nicht weiter verwunderlich, da Insekten auf unseremPlaneten rund 95 % aller bekannten Arten ausmachen.Von den Niedrigen Wirbellosen verfügt die Sammlungüber 15 Exemplare von Schwämmen (Porifera) undrund 200, zumeist historische Korallenstöcke (Anthozoa).Zu den wichtigsten Teilen der Wirbellosen-Sammlunggehören die rund 9500 einheimischen Schnecken undMuscheln, gesammelt von Johann Daniel Wilhelm Hartmann(1793–1862). Es handelt sich dabei um die Originalexemplarezu seinen Publikationen (Hartmann 1821–1829,1840). Diese und weitere Belege wurden 1990 von HansTrueb inventarisiert und die Daten an das Centre suissede la cartographie de la faune CSCF in Neuchâtel weitergeleitet(Turner 1998). Unter den vielen Exemplaren befindensich die Typusexemplare zu den Arten Radix amplaHartmann 1821, Ciliella ciliata Hartmann 1821, Trichiaclandestina Hartmann 1821 und Platyla polita Hartmann1840. Eine weitere, ebenfalls von Hartmann stammendeund 15000 exotische Schnecken und Muscheln umfassendeSammlung wurde 1862 erworben. Weitere Schenkungenaus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenvon verschiedenen Kaufleuten. Zu den wichtigstenAnkäufen gehörte die umfangreiche Sammlung des TeufenerPfarrers Johann Konrad Rehsteiner. Sie bestand aus4000 Schnecken- und Muschelschalen. Die Erforschungder einheimischen Weichtiere wurde durch die Arbeitenvon Martens (1891) und Ulrich (1894) fortgeführt. Diejüngste Bereicherung der Molluskensammlung im Naturmuseumstammt von Edith Ochsner, eine rund 700 Stückeumfassende Sammlung mit vorwiegend exotischen Muschel-und Schneckenschalen.Mit rund 50 Präparaten sind die Krebstiere (Krustaceen)vertreten. Die meisten dieser Präparate sind älteren Datumsund zum Teil beschädigt. Gleiches gilt für die rund50 Seeigel und Seesterne.InsektenUnter den Insektensammlungen stechen bei den Käfernderen zwei besonders hervor: Einerseits die historischeSammlung von Dr. med. Theodor Wartmann aus Freiburgim Breisgau, der seine rund 30000 exotischen Käfer in240 Schubladen dem Museum testamentarisch vermachte,und andererseits die 61 Kästen umfassende Sammlungvon Hans Hugentobler mit rund 3000 Käferarten ausder Nordostschweiz. Hugentobler war von 1956 bis 1967Hauswart im damaligen Heimatmuseum und begeisterterKäfersammler. Aufbauend auf der rund 12000 Exemplareumfassenden Sammlung von Max Täschler, verfasste erein Verzeichnis der heimischen Arten (Hugentobler 1966).SchmetterlingeDie Schmetterlingssammlung enthält etwas über30000 Falter. Von besonderer Bedeutung ist die Sammlungvon Paul Bodenmann. Sie umfasst 32 Kästen und wurde1989 dem Museum vom Sohn Paul Bodenmann geschenkt(Hörler 2000). Weitere wichtige Teilsammlungen stammenvon Hans Theodor Frey (23 Kästen mit Schweizer Arten),Kurt Zahner (20 Kästen mit Schweizer Arten), JohannRühe (33 Kästen mit Arten der Paläarktis), Erwin Hugentobler(22 Kästen mit Schweizer Arten), Max Täschler(18 Kästen mit Schweizer Arten), Ernst Geisser (24 KästenSchweiz und Tropen), Kantonsschule Trogen (33 Kästenmit Schweizer Arten) und Rainer Schmid. Die zurzeit 34Kästen umfassende Museumssammlung wurde von Mitgliederndes Entomologischen Vereins Alpstein (EVA)aufgebaut. Daneben finden sich Belegsammlungen mitNachtfaltern aus Montlingen, von Salenstein (TG) und ausdem Ruggeller Ried (FL).Neben den Käfern und Schmetterlingen finden sichnoch einzelne Kästen mit Wanzen, Libellen und Hautflüglern.22


Oben: Badeschwamm (Spongiaofficinalis) aus dem Mittelmeer.Ein Geschenk von ErziehungsratTheodor Schlatter (1847–1918).Mitte: Das Kalkskelett einerSternkoralle (Astreoporamyriophthalma) aus Mauritius.Sammlungseingang 1876.Unten links: Ausschnitt mitLaufkäfern aus einem Kastender umfangreichen Käfersammlungvon Hans Hugentobler.Unten rechts: Eine Schublademit einheimischen Tagfalternaus der Sammlung von PaulBodenmann. Sie wurde 1989von seinen Nachkommen demNaturmuseum geschenkt.23


WirbeltiereBei den Wirbeltieren sind vor allem die Vögel und Säugergut vertreten. Die Fischsammlung besteht lediglichaus etwa 90 Objekten, die meisten davon historische Präparateaus der Zeit zwischen 1850 und 1900. Von besonderemWert ist der stattliche Kiefer eines Weissen Hais(Charcharadon charcharadon), der vermutlich über 200 Jahrealt ist. Daneben finden sich mehrere Rostren (Schnauzenfortsätze)von Sägefischen, ein grosser, aber schlechterhaltener Heringshai sowie ein paar historische Fischpräparateaus dem Bodensee und anderen heimischenGewässern. Rund 400 Fischpräparate wurden 1973 ausPlatzmangel dem Naturhistorischen Museum in Basel geschenkt.Oben: Historisches Präparat einesSchriftbarsches (Serranus cabrilla)aus dem Mittelmeer (Neapel).Unten: Präparat eines Grasfroschpärchens(Rana temporaria),das 1930 in St.Gallen gesammeltwurde.AmphibienAuch die verbliebenen 15 Amphibienpräparate sindmehrheitlich historischer Herkunft und stammen ausder Zeit vor 1950. Die Reptiliensammlung umfasst heutelediglich noch 60 Objekte, davon 10 Krokodile (u.a. Nilkrokodil,Gavial, Spitzkrokodil), 5 Schildkröten undSchildkrötenpanzer, 26 Echsen (historische, einheimischeund exotische), 17 Schlangen (einheimische, historischePräparate), das Skelett einer Tigerpython (Python molurus)sowie einige Krokodil- und Schlangenhäute. Praktischdie gesamte herpetologische Sammlung mit rund 250Präparaten wurde 1972 dem Naturhistorischen MuseumBasel geschenkt (Mitteilung NHMB).VögelEiner der wichtigsten und wertvollsten Sammlungsteilesind die rund 4000 Vogelpräparate. Vertreten sind30 Ordnungen mit 183 Familien und 1264 Arten. 1860schenkte Guido von Gonzenbach eine grosse Zahl von ausKleinasien stammenden Vogel- und Säugetierbälgen, diespäter von Ernst Heinrich Zollikofer kunstvoll präpariertwurden. Unter den Vogelpräparaten sind unter anderemein Pärchen des vom Aussterben bedrohten Andenkondors(Gymnogyps californicus) zu nennen. In der Zeit vonBernhard Wartmann und Emil Bächler wurden speziellParadiesvögel und Papageien gesammelt. Von der Wandertaube(Ectopistes migratoria), von der das Museum einPärchen besitzt, berichtete Wartmann 1863: «..., dieselbedurchzieht die Vereinigten Staaten in zahllosen Schaarenund wird durch das Verwüsten der Saaten dem Landmannoft äusserst schädlich.» Die Wandertaube wurdein der Folge intensiv bejagt und starb 1914 aus. Ein Teilder Vogelsammlung, vor allem Doubletten, wurde 1972aus Platzgründen dem Zoologischen Museum in Zürichgeschenkt.VogeleierDie Vogeleiersammlung umfasst gegenwärtig rund7000 Objekte. Die meisten davon stammen aus denSchenkungen von Carl Stölker und Guido von Gonzenbach.1916 wurden 1839 Vogeleier von 354 europäischenArten aus dem Nachlass von Dr. med. Lünig, Rüschlikon,angekauft (Bächler 1916).24


Oben: Präparat einer jungenKreuzotter (Vipera berus), gesammeltam 20. August 1929 imMurgtal.Mitte: Eine grosse Kostbarkeitist dieses Ei des ausgestorbenenRiesenalken (Pinguinus impenis),das sich seit 2002 als Depositumder Kantonsschule Trogen inder Sammlung des NaturmuseumsSt.Gallen befindet. Weltweitsind nur noch wenige solcheBelege erhalten.Unten links: Dottertukan(Ramphastus vitellinus) aus Brasilien.Unten rechts: Roter Sichler(Eudocinus ruber) aus Südamerika.25


SäugetiereDie Säugetiersammlung umfasst rund 500 Objekte,mehrheitlich Dermoplastiken. Viele davon sind alt undrestaurierungsbedürftig. Zu den Besonderheiten zählenverschiedene Kloaken- und Beuteltiere, die vom St.GallerLehrer Othmar Rietmann, der sich von 1857 bis 1863 inAustralien aufhielt, nach St.Gallen gebracht wurden. Zuerwähnen sind namentlich die Präparate eines Schnabeltiers(Ornithorhynchus anatinus), eines Beutelwolfs (Thylacinuscynocephalus) und eines Wombats (Vombatus ursinus).Während sich Wombat und Schnabeltier immer noch inder Sammlung befinden, verliert sich leider die Spur desBeutelwolfs; er wäre heute eine absolute Rarität, denndiese Tierart gilt seit 1936 als ausgestorben und es gibtweltweit lediglich noch wenige Exemplare in Museumssammlungen.Weitere Kostbarkeiten sind einzelne endemischeArten aus Madagaskar wie ein Binturong, einFingertier und verschiedene andere Halbaffen. Speziellerwähnenswert ist auch ein Somalischer Wildesel. Rund70 grössere und kleinere Präparate wurden wegen Platzmangels1972 dem Zoologischen Museum in Zürich geschenkt(Claude 1973). Innerhalb der Säugetiere und Vögelstellt die Madersche Sammlung einen Spezialfall dar. Siewurde von Robert Mader (1847–1936), einem passioniertenJäger und Mitbegründer des Wildparkes Peter undPaul, angelegt und umfasst rund 100 einheimische VogelundSäugerpräparate (Bächler 1911). Bei den Säugerpräparatenhandelt es sich mehrheitlich um Kopfpräparatevon Rehen und Gämsen. Ein Teil der Präparate istseit 1984 als Leihgabe im Schloss Sargans ausgestellt.Osteologische SammlungDie osteologische Sammlung umfasst rund 50 Wirbeltierskelette(von der Kröte bis zum Gorilla) und etwa 200Schädel (von der Spitzmaus bis zum Jung-Elefanten).In der Gehörn- und Geweihsammlung finden sich ca.400 Objekte, darunter das Gehörn des Stammvaters der1911 im Weisstannental SG wiederangesiedelten Alpensteinböcke(Meile, Giacometti & Ratti, 2003).AusleihsammlungNeben der wertvollen Studien- und Vergleichssammlungwurde vor rund fünf Jahren mit dem Aufbau einerAusleihsammlung begonnen. Die Präparate in dieserSammlung verfügen über keine Herkunftsbelege undsind deshalb für wissenschaftliche Zwecke unbrauchbar.Hingegen können sie für Vorträge, Ausstellungen undWerbezwecke ausgeliehen werden.26


Seite 26 oben: Dass Schnabeltiere(Ornithorhynchus anatinus)tatsächlich wie Vögel Eier legen,wurde 1884 wissenschaftlichbewiesen (Moyal 2001).Seite 26 unten: Skelett einesGorillas (Gorilla gorilla). Es handeltsich um einen Wildfang,der um 1880 in die Sammlunggelangte.Oben: Dieses Präparat einesFingertiers oder Aye-Aye (Daubentoniamadagascariensis), einnachtaktiver Halbaffe ausMadagaskar, wurde 1885 fürsMuseum angekauft.Mitte: Präparat eines Binturongs(Arctictis binturong), ein nachtaktivesRaubtier aus Madagaskar.Unten links: Skelett einerWabenkröte (Pipa pipa) aus Südamerika.Unten mitte: Skelett von zweiZwergameisenbären (Cyclopesdidactylus) aus Südamerika.Unten rechts: Gehörn desStammvaters der 1911 wiederangesiedeltenAlpensteinböcke(Capra ibex).27


Unsere Monets und PicassosIn seiner 1966 im Auftrag der St.Gallischen NaturwissenschaftlichenGesellschaft verfassten Expertise schriebder damalige Direktor des Naturhistorischen MuseumsBern, Professor Dr. Walter Huber, unter anderem: «DasNaturhistorische Museum St.Gallen verfügt über einSammlungsgut, wie man es so reichhaltig in Museen vergleichbarerGrösse sonst nicht findet. Man spürt sofortdie Weltoffenheit der Industrie- und Handelsstadt» (Huber1966). Zu den dabei besonders erwähnten Beständengehört die umfangreiche Sammlung an Vogelpräparaten.Darunter finden sich Kostbarkeiten wie etwa ein Eulenpapagei(Strigops habroptilus) aus Neuseeland und ein KalifornischerKondor (Gymnogyps californicus), die beide zu denstark bedrohten Vogelarten gehören (Kaiser 1989). Aberauch bereits ausgestorbene Arten sind in der Vogelsammlungvertreten, so etwa ein Pärchen der Wandertaube (Ectopistesmigratorius), ein Pärchen des Paradiessittichs (Psephotuspulcherrimus) und ein Karolinasittich (Conuropsis carolinensis).Beide Arten wurden das Opfer menschlicherNachstellungen (Flanery & Schouten 2001).Menschliche Artefakte werden in der Regel höher alsNaturalien eingestuft. Um zu einem Kulturgut zu werden,müssen Naturalien verschiedene Stufen der Bearbeitungdurchlaufen: Präparation, Konservierung und wissenschaftlicheBeschreibung. Naturalien dienen in ersterLinie der Erkenntnisfindung und bilden die Grundlagenfür wissenschaftliche Arbeiten und die Dokumentationder natürlichen Vielfalt. Daneben haben viele von ihneneinen hohen Schauwert und finden Verwendung in Ausstellungen(Meyer 2001). Welchen Wert besitzt nun dasPräparat eines ausgestorbenen Tieres? In Franken undRappen kann man dies nur schwer beziffern, da für denHandel derartiger Objekte kein entsprechender Marktexistiert. Hingegen sind diese Präparate wertvolle Einzelstücke,unersetzbare Belege, die es als mahnende Beispielefür unsere Nachkommen zu erhalten gilt. Sie sind dieletzten Überbleibsel – wie im Fall der Wandertaube –einst verbreiteter Arten, die der Mensch in seiner Unvernunftfür immer von der Erdoberfläche gelöscht hat.Vom Zettelkatalog zur DatenbankMit dem Übergang vom Kuriositätenkabinett zur naturkundlichenSammlung ging auch eine immer genauereInventarisierung der Sammlungsobjekte einher.Früher wurden Kataloge angelegt, in denen in feinsterSchrift akribisch jeder Neueingang aufgelistet wurde(Bächler 1905). Zudem wurden diese Objekte gleichzeitigauch in den Jahresberichten aus dem Museum vermerktund beschrieben. Bei der Auslagerung der Sammlungzwischen 1971 und 1986 sind viele dieser wertvollenDokumente und Kataloge verloren gegangen. Die Zuordnungvieler Präparate gleicht daher einer Detektivarbeitund ist entsprechend aufwändig. Sie wird vorerst nurfür die besonders wertvollen Präparate und Objekte angewandt.Eine moderne Inventarisierung kommt heute nichtmehr ohne leistungsfähige Rechner aus. Im NaturmuseumSt.Gallen wurden 1987 erstmals Computer für die Sammlungsverwaltungeingesetzt. Zuvor bediente man sich einerso genannten Randlochkartei, mit der auch dieBücher der Bibliothek erfasst waren. Seit 1997 ist eine eigensangefertigte FileMaker-Datei im Einsatz. Bis heutesind darin die Vogel- und Säugerpräparate sowie alleMineralien erfasst. Separat erfasst durch den EntomologischenVerein Alpstein sind die Schmetterlinge. Mit demneuen Instrument lässt sich die Sammlung leicht verwaltenund Anfragen können rasch erledigt werden. Ziel istes auch, die weiteren Sammlungen (Botanik, Gesteine,Fossilien und die restlichen Wirbellosen) zu erfassen,denn nur mit einer gut erfassten Sammlung lässt sichwissenschaftlich arbeiten.Sammeln heisst bewahrenIn der Natur werden tote Pflanzen und Tiere von Aasfressernverwertet und die übrig bleibenden Reste von Pilzenund Mikroorganismen bis auf ihre anorganischen Bestandteilezerlegt und als Grundsubstanzen wieder inden Kreislauf alles Lebendigen eingespiesen. In diesemSinne sind unsere Präparate etwas Widernatürliches: Eswird versucht, die toten Organismen durch die Hilfsmittelder Konservierung vor ihrem natürlichen Zerfall zubewahren. Die Technik des Konservierens ist alt: Bereitsim alten Ägypten wurde sie zu einer Handwerkskunstverfeinert, deren Produkte sogar Jahrtausende überstanden,wie am Beispiel der Mumie in der Stiftsbibliothekleicht nachgeprüft werden kann (Dora 1999). Eine wichtigeErkenntnis bei der Konservierung war, dass die weichenund leicht verderblichen inneren Organe und dieFleischteile herausgelöst und durch entsprechendesStopfmaterial ersetzt werden mussten. Zudem musste dieHaut gereinigt und durch Gerbung haltbar gemachtwerden. Auch unser famoses Nilkrokodil aus dem Jahre1623 ist ein Zeugnis dieser Kunst: Während seine dickePanzerhaut gegerbt wurde, hat man sein Inneres mit einemEisengerüst verstärkt und mit Stroh gefüllt. DieseErhaltung von Naturprodukten wird auch als Taxidermie(gr. taxis = anordnen, derma = Haut) bezeichnetund war für Wirbeltiere ab dem 16. Jahrhundert einegängige Praxis.28


Links: Die Wandertaube (Ectopistesmigratorius) lebte einst in riesigenSchwärmen in Nordamerika.Als vermeintlicher Schädlingwurde sie gnadenlos bejagtund zu Tausenden vom Himmelgeschossen. Die letzte ihrer Artstarb am 1. September 1914 imZoo von Cincinnati/USA.Rechts: Vom bodenlebendenund nachtaktiven Eulenpapagei(Strigops habroptilus) leben nochknapp 70 Exemplare auf zweikleinen, Neuseeland vorgelagertenInseln. Sie werden rund umdie Uhr bewacht und aufwändiggepflegt.Mitte: Der Kalifornische Kondor(Gymnogyps californicus) war nachmassiven Nachstellungen inden 1980er Jahren nahezu ausgestorben.Anfang 2003 befandensich wieder 80 Individuenin freier Wildbahn und mehrals 100 in verschiedenen Zoos.Sein Überleben gelingt nur dankeinem breit angelegten undkostspieligen Nachzuchtprogramm,das vom Peregrine Fund(www.peregrinefund.org) finanziertwird.Unten: Sammlungsverzeichnisse1864–1896 aus der Ära vonVater Jacob und Sohn BernhardWartmann. In diesen dreischmalen Bänden sind dieSchenkungen und Ankäufe, derTauschverkehr sowie die imMuseum ausgestellten Objektefein säuberlich notiert.29


Das Naturhistorische Museum St.Gallen hatte dasGlück, dass um 1900 einer der ganz grossen Tierpräparatorenhier tätig war: Ernst Heinrich Zollikofer (1859–1930)war einer der Meister seines Fachs. Er lernte diese Kunst1879 bis 1880 beim berühmten Präparator Friedrich Kerz(1842–1915) in Stuttgart. Nach dem Lehrabschluss eröffneteZollikofer 1881 in St.Gallen ein eigenes Präparationsatelier.Eine seiner Spezialitäten war das Umarbeitengetrockneter Vogelbälge zu eindrucksvollen Ausstellungspräparaten.Heute besitzt das Naturmuseum St.Gallenneben dem Museum Alexander König in Bonn die bedeutendsteSammlung Zollikoferscher Präparate. DieTierpräparation und ihre kunstvollen Produkte standenam Beginn der naturhistorischen Sammlungen und habenwesentlich zum hohen Ansehen der damaligen Museenbeigetragen (Maigret 2003).Restaurieren tut notDie langwierige Odyssee der naturkundlichen Sammlungin St.Gallen hat ihre Spuren hinterlassen und vielenObjekten arg zugesetzt (Kellenberger 1988, Heierli 1996).Die durch die Auslagerung in verschiedene Räumlichkeitender Stadt (Liegenschaft Kuhn an der Rosenbergstrasse89, Estrichräume der Kantonsbibliothek Vadiana, Kellerdes Kirchhoferhauses) mit teils sehr ungünstigen Lagerbedingungenentstandenen Schäden sind auch heutenoch an vielen Präparaten nicht zu übersehen. Gerade beider Restaurierung historischer Präparate stellen sichgrundsätzliche Fragen: Wie weit darf der Eingriff gehen?Wie reversibel muss er sein? Nur in den wenigsten Fällenlässt sich ein derartiges Präparat in seinen ursprünglichenZustand bringen. Eine gründliche Reinigung undAusrüstung mit Insektiziden, Fungiziden und Bakerizidensowie eine anschliessende Rückfettung ist dabei unerlässlich.Ebenso finden neue Materialien wie Kunststoffe undhoch lichtbeständige Farben Anwendung (Bruland 2002).Der dabei entstehende Aufwand ist beträchtlich, aber dieResultate sind verblüffend und lohnen die investiertenMittel.Oben: Restaurierung einesMönchsgeierkopfes. Auf demoberen Bild sind die Kunststoffarbeitenzu sehen.Mitte: Das fertige Präparat nachder Kolorierung.Unten: Eine Wissenschaftlerinder Universität Zürich bei derEntnahme von Gefiederprobenan einem Bartgeierpräparat ausder Sammlung des NaturalHistory Museum in London.Was wird heute gesammelt?Da die Betreuung einer derart umfangreichen Sammlungin personeller und finanzieller Hinsicht aufwändigist, muss klar festgelegt sein, was und wie gesammeltwerden soll. Die Sammlungspolitik orientiert sich dabeieinerseits am bereits vorhandenen Bestand, den darin befindlichenLücken und natürlich auch den finanziellenMöglichkeiten. Heute geht es nicht mehr darum, exotischeoder exklusive Belege zu sammeln. Unser Ziel ist es, einemöglichst lückenlose Dokumentation der einheimischen30


Fauna und Flora bieten zu können. Schliessen möchtenwir insbesondere die bestehenden Lücken bei den einheimischenSäugetieren und Vögeln. Dabei sind wir aufSchenkungen von Präparaten oder frischen Totfundenangewiesen. Nur in Ausnahmefällen ist auch ein Ankaufvon Objekten möglich.Knappe Ressourcen und viel IdealismusDie Mittel für die Betreuung der umfangreichen Sammlungsbeständesind alles andere als üppig: Im ordentlichenBudget stehen gegenwärtig für Restaurierungenund Ankäufe jeweils gerade 8000 Franken zur Verfügung.Für weitere Ausgaben kann der von der Ortsbürgergemeindeverwaltete Max Hildbrand-Fonds beigezogen werden.Mit seiner Hilfe lassen sich zusätzliche Arbeiten ander Sammlung finanzieren. Einen wichtigen Beitrag zumErhalt und zur Komplettierung der Sammlung spieltauch der 1986 gegründete Verein «Freunde des NaturmuseumsSt.Gallen», der gegenwärtig über 500 Mitgliederumfasst. Dank seiner finanziellen Unterstützung konntenschon viele wertvolle Objekte angekauft werden. Danebenspielt bei der Sammlungsbetreuung wie in vielenanderen kleinen und mittelgrossen Häusern die Mitarbeitehrenamtlicher Helfer eine wichtige Rolle. Im Falleder Insektensammlungen nehmen dies Mitglieder desEntomologischen Vereins Alpstein wahr. Sie haben inzahllosen Freizeitstunden die museumseigene Sammlungreorganisiert und inventarisiert.Sammlungen als NaturarchiveDas Besondere an gut dokumentierten und erhaltenenSammlungen liegt in ihrem Wert als Naturarchive. Wennalte Sammlungen mit aktuellen Erhebungen verglichenwerden, sind direkte Aussagen über Veränderungen in derPflanzen- und Tierwelt möglich (Schaffer, Fisher &Davidson 1998).Ein eindrückliches Beispiel ist der Vergleich von 1332Schmetterlingsfunden, die Paul Bodenmann in der Zeitzwischen 1906 und 1936 in der Region von Rehetobel(Appenzell Ausserrhoden) gemacht hat mit Fängen ausden Jahren 1993–1996 (Keller et al. 2000, Hörler 2000).Während Bodenmann noch 469 Arten nachweisen konnte,fanden sich 70 Jahre später auf einem Areal von rund30 km 2 gerade noch deren 360, was einem Verlust vonrund 20 % entspricht (Keller et al. 2000). Besonders augenfälligist dabei der Rückgang der Tagfalter von 70 auf 45Arten. Da diese Arten in der Regel standorttreu sind,eignen sie sich gut als Bioindikatoren. Man kann also mitdiesem Vergleich einen starken Rückgang in der Artenvielfaltdokumentieren, der sich auf die bekannten FaktorenLebensraumverlust, intensivierte Landwirtschaft underhöhter Dünger- und Pestizideinsatz zurückführen lässt.Ein zweites Beispiel zeigt anhand von Bartgeierpräparaten,welche Bedeutung alte und gut betreute Museumssammlungenbesitzen. Im Rahmen des Bartgeier-Wiederansiedlungs-Projektes(Salzburger Nationalparkfonds etal. 1996, Robin, Müller & Pachlatko 2003) stellte sich auchdie Frage nach der genetischen Variabilität der in verschiedenenTierparks im Alpenraum aufgezogenen Tiere.In diesem am Institut für Umweltwissenschaften der UniversitätZürich durchgeführten Projekt sollten unteranderem auch die genetische Variabilität der am Wiederansiedlungs-Projektbeteiligten Vögel mit derjenigen derursprünglich in den Alpen lebenden Tieren verglichenwerden (Gautschi et al. 2000). Aus diesem Grund wurdenvon rund 50 Museumsexemplaren, darunter auch vieraus der Sammlung des Naturmuseums St.Gallen, kleineGefiederproben für die genetische Analyse entnommen.Die dabei gewonnenen Resultate zeigen, dass es unterden Bartgeiern, die vor 150 Jahren lebten, zu einem Genaustauschkam, obwohl die einzelnen Populationenkaum Kontakt miteinander hatten. Für das Wiederansiedlungs-Projektbedeutet dies, dass es vermutlich nichtzu einer genetischen Verarmung kommen wird (Gautschi2001).Weitere Beispiele für die Verwendung von Museumsexemplarenfinden sich in der Isotopen-Biogeochemie, wosich mit Hilfe chemisch-physikalischer Untersuchungenvon Zähnen, Haut, Federn und Fell Aussagen über dieHerkunft und mögliche Nahrung auch ausgestorbenerArten machen lassen.31


Dank modernster Technik gelingtes heute, Gewebeprobenim flüssigen Stickstoff beiminus 200 °Celsius über vieleJahre frisch zu halten. Bei diesentiefen Temperaturen werdenalle biologischen Prozesseangehalten.


Sammeln morgenGensammlungen als Zukunft?Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es schwierig abzuschätzen,wie in Zukunft gesammelt wird. KonservierteTier- und Pflanzenpräparate werden aber als physischeBelege sicher noch längere Zeit im Vordergrund stehen.Daher stellen umfangreiche und gut unterhaltene Präparatesammlungeneinen Schatz von unschätzbarem wissenschaftlichemWert dar (University of Manchester1995, Neue Zürcher Zeitung 2002). Zunehmend gewinnenaber auch reine Gensammlungen an Bedeutung, in denennur noch einzelne Gewebestücke eines Organismusaufbewahrt werden. Dass es möglich ist, auch aus altenPräparaten Teile des Erbgutes zu erhalten, zeigt etwa diebereits zitierte Bartgeierstudie, in der Gefiederprobenvon verschiedenen historischen Präparaten erfolgreichverwendet wurden (Gautschi 2002). Daneben kommen ausder Naturschutz- und Feldbiologie immer mehr Beobachtungsangabenin Form von elektronischen Daten, die alsvirtuelle Belege abgespeichert werden. Gerade in derBotanik macht es heute wenig Sinn, wenn man Exemplarebedrohter Arten weiterhin in Herbarien sammelt. Vielwichtiger ist hier die exakte Bestimmung im Feld und dieArchivierung des Nachweises in einer gut zugänglichenDatenbank.Jurassic Park lässt grüssenDa der gesamte Bauplan eines Lebewesens in den Zellkernengespeichert ist, werden gerade von bedrohtenArten zunehmend Gewebeproben konserviert. Mit denheutigen technischen Möglichkeiten lassen sich dieseüber längere Zeit sicher aufbewahren und bei Bedarf mitMethoden wie der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) Teiledes in den einzelnen Zellen enthaltenen Erbgutes fürwissenschaftliche Untersuchungen nahezu beliebig kopieren.Das Auferstehenlassen ausgestorbener Tier- undPflanzen, wie dies etwa im Roman «Jurassic Park»(Crichton 1990) abgehandelt wird, hat sich bis heute allerdingsals Illusion erwiesen. Dies hängt damit zusammen,dass die Erbsubstanz, die so genannte DNS (Desoxyribonukleinsäure),ein komplexes und grosses Molekül,nach dem Tod relativ schnell in kleinere, nicht mehrfunktionsfähige Teile zerfällt. Dennoch träumen gewisseForscher davon, durch die Erfolge der Klontechnik beflü-33


gelt, ausgestorbene Tiere wie das Mammut wieder zurückzubringen(Stone 2003). Ob sie dabei Erfolg haben werden,wird die Zukunft zeigen.Die Aufbewahrung kleiner Proben hat in der Botanikeine lange Tradition. Die meisten Pflanzensamen undPilzsporen lassen sich mit geringem Aufwand über langeZeit keimfähig halten. Die Aufbewahrung von Pflanzensamenwar nicht zuletzt eine Voraussetzung für die Entstehungmenschlicher Hochkulturen. In jüngster Zeit hatdiese alte Technik eine neue Funktion erhalten: In speziellenSamenbanken werden heute zahlreiche Samen vongefährdeten Arten und Zuchtformen keimfähig undplatzsparend aufbewahrt.Vernetzte SammlungenDie heutige Internettechnik erlaubt es, grosse Datenmengenweltweit rasch verfügbar zu machen. Davon könnenauch Museumssammlungen profitieren. WissenschaftlicheArbeiten mit Museumsmaterial scheitern oftdaran, dass die gesuchten Objekte nicht auffindbar odernur mit grossem Aufwand erhältlich sind. Bioinformatikscheint deshalb als eine Wissenschaft mit grosser Zukunft.Was im Moment noch fehlt, sind die nötigen finanziellenMittel und eine verstärkte Zusammenarbeit unterden beteiligten Institutionen.Zur Beschreibung neuer Arten oder zur Überprüfungder systematischen Zugehörigkeit einer Art muss stetsauf Museumsmaterial zugegriffen werden. In diesemWissenschaftsbereich gehört die Schweiz zu den führendenNationen. Entsprechend lagern viele unersetzlicheOriginalbelege in Schweizer Museen. Gegenwärtig wirdauf nationaler Ebene ein Projekt vorbereitet, um dieschätzungsweise 350000 Typusbelege, die sich in SchweizerSammlungen befinden, zu digitalisieren und für dieBiodiversitätsforschung zugänglich zu machen. Auch zurErforschung historischer Verbreitung und genetischerVeränderungen ist der Zugriff auf Museumsbelege unentbehrlich.Wenn Angaben zu Sammlungsobjekten im Internetrasch abrufbar wären, böte das einen enormen Impulsfür die Wissenschaft. Zurzeit wird diese Arbeit in derSchweiz im Rahmen der Global Biodiversity InformationFacility GBIF, einem Programm der OECD, durch dieArbeitsgruppe Systématique der SANW (SchweizerischenAkademie der Naturwissenschaften) vorangetrieben(siehe auch www.gbif.org und www.biocase.org).Die Aufarbeitung von Daten für das Internet ist abersehr zeitaufwändig. Gegenwärtig laufen Projekte zurweltweiten Erfassung möglichst vieler Sammlungen. Dernächste Schritt – die Bereitstellung von Objektdaten fürOnline-Abfragen – ist derart aufwändig, dass er wohl nurin Ausnahmefällen realisierbar ist. Mit Hilfe so genannterOben: Bei der Neuerfassung werdenalle Daten zum Präparat indie Computerdatei eingegeben.Mitte: Kasten aus der wissenschaftlichwertvollen Molluskensammlungvon J. D. W. Hartmann.Sie enthält unter anderem3 Typusbelege europäischerSchnecken-Arten.Unten: Die Grafik zeigt eineÜbersicht über den aktuellenSammlungsbestand im NaturmuseumSt.Gallen.34


Meta-Datenbanken, die Angaben über andere Datenbankensammeln, lassen sich diejenigen Institutionen, dieAngaben zu konkreten Fragen machen können, weltweitrasch und billig auswählen. Daraus versprechen sichWissenschaftler und Naturschützer einen neuen Auftriebfür die Erforschung der Artenvielfalt.Einen Aufschwung erleben gegenwärtig Datenbanken,in denen Beobachtungen und Nachweise von Tier- undPflanzenarten im Freien gesammelt werden. So lässt sichdie Veränderung von Vorkommen und Bestandesgrössezahlreicher Arten zumindest für die Nachwelt dokumentieren.Der Verzicht auf die Hinterlegung von Belegexemplarenist insbesondere bei bedrohten Arten absolut richtig.Hingegen werden gut unterhaltene Belegsammlungenauch weiterhin eine zentrale Rolle spielen, wie diesam Beispiel der Zwergspinne (Micrargus alpinus) aufgezeigtwurde (Hänggi & Kropf 2001). Ziel all dieser Bestrebungenist eine Bestandesaufnahme der heimischen TierundPflanzenwelt.Die Natur schreibt rote ZahlenWir erleben zurzeit den schnellsten Verlust von Artenund Lebensräumen in der gesamten bisherigen Erdgeschichte.Wir schaffen es nicht einmal, alle Arten kennenzu lernen, bevor sie verschwinden. Besonders in tropischenRegenwäldern versuchen Systematiker und Taxonomen(Wissenschaftler, die sich mit der Entdeckung,Beschreibung und Klassifizierung von Lebewesen beschäftigen)im Wettlauf mit der Lebensraumzerstörung,möglichst viele Arten zu erfassen, bevor sie für immeraussterben. So gelangen jedes Jahr Hunderte von Belegexemplarenneu entdeckter Arten in die Sammlungen vonMuseen und Universitätsinstituten. Spätestens seit demUmweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro steht die Biodiversitätals Thema auch auf der politischen Agenda vorne. Internationaleund nationale Förderprogramme wie etwa dieAgenda Systematik 2000 wollen innerhalb der nächsten25 Jahre die gesamte biologische Vielfalt erfasst haben.Bis heute sind von den schätzungsweise 10 bis 100 Millionenauf der Erde lebenden Arten lediglich deren 1,7 Millionenwissenschaftlich beschrieben. Weshalb ist Biodiversitätsforschungso wichtig? Die Erforschung der biologischenVielfalt verspricht neue Medikamente und Wirkstoffe,sie kann resistente Wildformen von Kulturpflanzenentdecken und nicht zuletzt ist Naturschutz ohnefundierte Artenkenntnis nicht möglich!In seinem Buch «Der Wert der Vielfalt» beschreibt deramerikanische Biologe Edward O. Wilson auf eindrücklicheWeise die Zusammenhänge zwischen der Erhaltungder Artenvielfalt und dem Überleben von uns Menschen.Zu seinen zentralen Thesen gehören neben der vollständigenErfassung aller auf der Erde vorkommenden Lebewesen,die bioökonomische Analyse im Hinblick auf einemögliche Nutzung der Artenvielfalt, die Förderung dernachhaltigen Entwicklung, die Bewahrung der grösstmöglichenBiodiversität durch den Schutz und Erhalt derbiologischen «Hot Spots», die Wiederherstellung natürlicherLebensräume und die Schaffung einer ökologischenEthik (Wilson 1995). Einen ähnlichen Ansatz verfolgendie zahlreichen Organisationen im Bereich des NaturundUmweltschutzes. Ziel all dieser Anstrengungen ist einevermehrte oder erneuerte Wertschätzung der Naturim Hinblick auf deren Schutz und Bewahrung (Gleich etal. 2000).Bedroht sind aber nicht nur gewisse Pflanzen- undTierarten, am Schwinden ist auch die Zahl der Fachleuteselbst. An den Hochschulen ist es heute kaum mehr möglich,Taxonomie und Artenkenntnis zu studieren. Damitgeht die Fähigkeit verloren, Lebensformen und Zusammenhängein der belebten Natur zu verstehen (Kropf1998). In der Schweiz wird das taxonomische Wissen vielfachnur noch in wenigen Museen und ehrenamtlichenVereinen gepflegt. Naturkundliche Museen tragen hier einegrosse Verantwortung, um das Wissen zu bewältigenund die Forschung zu unterstützen (ArbeitsgruppeSANW/VMS 2001). Auch an den Schulen wird heute kaummehr nennenswertes Wissen über Arten und Artbestimmungvermittelt. So ist es wenig erstaunlich, dass sichnur noch wenige Personen finden lassen, die sich in ihrerFreizeit für das Beobachten und Bestimmen von Tierenund Pflanzen begeistern.35


Artenvielfalt vor der HaustürAber nicht nur die tropischen Regenwälder und dieKorallenriffe verdienen unsere Aufmerksamkeit und unserenSchutz; auch hierzulande sind viele Pflanzen undTiere in ihrem Überleben bedroht (Klaus et al. 2001). DieArtenzahlen auf den Roten Listen werden auch in derSchweiz immer länger. Direkte Naturbeobachtungenschaffen hier Verständnis für Schutzbemühungen. Geradeals städtisches Naturmuseum können wir mit unserenAusstellungen und unseren Aktivitäten einen Einblick indie Faszination des Lebens im Siedlungsraum geben.Längst ist es nicht mehr so, dass sich Natur nur in Waldund Feld beobachten lässt. Unsere Stadt und die nähereUmgebung bieten – nicht zuletzt durch die tatkräftigeArbeit aus Naturschutzkreisen – eine riesige Fülle an unterschiedlichstenLebensräumen. Sie zu entdecken unddie darin vorkommenden Pflanzen und Tiere zu beobachten,gehört zu den erfüllendsten Erlebnissen und ist mitbescheidenem Aufwand möglich. Aus diesen Erlebnissenwiederum wächst gerade bei Kindern und Jugendlichendie Einsicht über die Zusammenhänge in der belebtenund unbelebten Natur und zeigt, dass Natur zugleich Lebensraumund Lebensgrundlage ist. Die Themenvielfaltist gross und lässt gerade im Schulunterricht oder in derErwachsenenbildung viele spannende Exkursionen undUnterrichtsstunden zu (Nagel et al. 1997, Richarz 2000,Hutter, Flasbarth & Weinzierl 2003). Es gilt sie also zu entdecken,die «Wildnis» in unserem Siedlungsraum.Das Naturmuseum St.Gallen morgen – Ein AusblickDer dramatische Artenverlust, den wir Menschen seitdem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundertausgelöst haben, sollte uns lehren, vermehrt in ökologischenRäumen zu denken und als darin lebende Gemeinschaftenzu handeln. Bei diesem überlebenswichtigenProzess sind Naturmuseen zentrale Akteure, indem siedieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglichmachen, sei dies durch Ausstellungen, Fachreferate oderWeiterbildungskurse. Der Bildungsauftrag stellt dementsprechendein zentrales Standbein moderner Naturmuseendar (Tyler 1984). Regionale Naturmuseen sind darüberhinaus wichtige Drehscheiben für naturkundlich interessierteKreise. Daneben dürfen aber die wichtigen Aufgabenzur Sammlung und Archivierung von Belegen undBeobachtungen nicht vernachlässigt werden.Im Naturmuseum St.Gallen, als Partner im staatlichenBildungswesen, spielt die Vermittlungsarbeit seit je einezentrale Rolle. Gegenwärtig besteht für Schulen, die runddie Hälfte der jährlichen Besucherinnen und Besucherbilden, ein museumspädagogischer Dienst, der durch eineOben: Paul Bodenmann (1879–1949) in den 1940er Jahren mitseinem Enkel auf Exkursion. Dergelernte Malermeister erstellteals Autodidakt mit grosser Umsichtein Verzeichnis und eineSammlung über die in der RegionRehetobel (Appenzell Ausserrhoden)vorkommenden TagundNachtfalter.Unten: Ein Käferspezialist desNaturhistorischen MuseumsBasel bei der Arbeit am Binokular.Systematiker und Taxonomensind sozusagen die Buchhalterder Natur. Sie schaffenOrdnung in die Vielfalt der Lebewesenund helfen diese inihrem Zusammenhang, in ihrenVerwandtschaftsbeziehungenzu verstehen.36


entsprechende Fachkraft besetzt ist. Angeboten werdenEinführungen zu den Sonderausstellungen, Weiterbildungskursefür Lehrpersonen, Führungen, schriftlicheWegleitungen und entsprechendes Lehrmaterial. Der Ansatz,der verfolgt wird, startet mit Emotionen, die gewecktwerden. Daraus können Fragen entstehen, Vergleichewerden gemacht und es entwickeln sich eigenständigeSchlüsse. Dabei spielen dreidimensionale Originalobjekteeine zentrale Rolle. Wünschbar ist ein Ausbau dieserDienstleistung in Richtung Erwachsenenbildung, dieheute erst ansatzweise über Führungen und Fachreferateerfolgt.Die Sonderausstellung «Gesammelte Natur – gestern,heute, morgen», zu der diese Begleitbroschüre erstelltwurde, soll für den Erhalt des natur- und kulturgeschichtlichwichtigen Sammlungsbestandes des NaturmuseumsSt.Gallen werben. Es gilt diese wertvollen Belege auch fürunsere Nachwelt zu erhalten. Entsprechend müssen dieAnstrengungen erhöht werden, um die dafür dringendbenötigten Mittel zu finden; ganz im Sinne von BernhardWartmann, der 1863 am Ende seines SammlungsverzeichnissesFolgendes bemerkte: «Wird es dem Naturalienkabinettin Zukunft an solcher Unterstützung fehlen?Sicherlich nicht! Denn Freunde weiss es sich selbst zu verschaffendurch die Belehrung und Unterhaltung, welchenamentlich der heranwachsenden Generation gewährt.»Oben: Der Laubfrosch (Hyla arborea),ein einheimischer Lurch,ist durch den Verlust seiner Lebensräumebedroht und findetsich deshalb auf der Roten Liste.Mitte: Das NaturmuseumSt.Gallen bietet mit seinen Ausstellungenein reiches Angebotfür Schulen aller Altersstufen.Unten: Veranstaltungen wie dervon der Zeitschrift Geo im Jahre1999 initiierte «Tag der Artenvielfalt»dienen dazu, das ThemaBiodiversität bereits in derSchule zu behandeln. Dabei gehtes um Lebensräume vor derHaustüre, die oft auch im Siedlungsgebieteine reiche Fülle anPflanzen und Tieren aufweisen.37


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AutorenToni Bürgin (*1957). Dr. phil. II, St.Gallen. Seit 1996 Leiter des NaturmuseumsSt.Gallen, Zoologe, Forschungstätigkeit auf dem Gebietder Wirbeltier-Morphologie und -Paläontologie, Schwerpunkt Fischfossilienaus der marinen Trias der Schweiz.Jonas Barandun (*1961). Dr. phil. II, St.Gallen. Zoologe. Seit 1990 Inhabereines Beratungsbüros für Tierökologie in St.Gallen. Seit 1997Sammlungs-Kurator am Naturmuseum St.Gallen (Teilzeit).DankDie Herausgeber danken folgenden Institutionen für die finanzielleUnterstützung der Sonderausstellung «Gesammelte Natur –gestern, heute, morgen» und der gleichnamigen Begleitbroschüre:Hildbrand-Fonds der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Amt für Kultur,Kanton St.Gallen. TW Stiftung zugunsten von kulturellen undsozialen Institutionen, St.Gallen. Stiftung St.Galler Museen. VereinFreunde des Naturmuseums, St.Gallen.Bei der Recherche zur Ausstellung und Publikation unterstütztenuns folgende Personen:Rudolf Gamper und Alfred Hächler, Vadianische Sammlung,St.Gallen. Hans Heierli, Trogen. Roland Müller, St.Gallen. RudolfWidmer, Trogen. Ernst Ziegler, St.Gallen.Ein weiterer Dank gebührt unseren vielen Donatorinnen undDonatoren, ohne deren grosszügige und stete Unterstützung unsereSammlung nie so reichhaltig geworden wäre.AbbildungsnachweisJonas Barandun, St.Gallen: Seite 37 oben, unten. Wolf Bruland:Seite 30 oben, Mitte. Erika Bucheli: Seite 30 unten. Hanspeter Greb,Busswil, Archiv: Seite 14 Mitte. Emmanuel Hörler, Rehetobel,Archiv: Seite 36 oben. Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden:Seite 8. Keystone/TEK/SPL: Seite 32. Sammlung Kurt Kühne, St.Gallen:Seite 12 oben. Walter Mittelholzer, St.Gallen: Seite 12 Mitte. RolandMüller, St.Gallen: Seite 14 unten. Naturmuseum St.Gallen, Archiv:Seiten 12 unten, 13 oben, Mitte unten, unten. Trix Niederau,St.Gallen: Seite 34 oben. Stefan Rohner, St.Gallen: Seiten 11, 13 Mitteoben, 14 oben, 19 oben, Mitte rechts, unten links, unten rechts, 20,21, 23, 24, 25, 26, 27, 29, 34 Mitte, Umschlag. Bernhard Senn,St.Gallen: Seiten 19 Mitte links, 34 unten, 37 Mitte. Christof Sonderegger,Rheineck: Seite 2. Arnd Sturm, Naturhistorisches MuseumBasel: Seite 36 unten. Hans-Peter Wagner, St.Gallen: Seite 16.Abbildungen auf dem UmschlagVorderseite: Amurleopard (Panthera pardus). Rückseite: Schneehase(Lepus timidus). Erste Klappe: Pelikan (Pelecanus onocrotalus). ZweiteKlappe: Nubischer Steinbock (Capra nubiana).ImpressumHerausgeber: Naturmuseum St.Gallen. Redaktion: Dr. ToniBürgin, St.Gallen. Lektorat: Alexandra Hänni, St.Gallen; SimoneLouis, St.Gallen. Gestaltung und Satz: Bernhard Senn, St.Gallen.Lithografie und Druck: Typotron AG, St.Gallen. Ausrüstung: BuchbindereiBrülisauer AG, Gossau SG.© 2003 Naturmuseum St.Gallen und die Autoren.

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