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Zeitschrift des Klinikums Hanau | Oktober 2010

Das 100 Millionen-Euro-Projekt


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Inhalt

3 Hilfe-Inseln

Leon & die Kinderkommissare jetzt auch im Klinikum

4 Neue Stabsstelle

Orientierung in Zeiten des Wandels

6 Stadtlauf

Schnell wie der Wind – Klinikteam auf drittem Platz

8 Klinik für Neurologie

Jede Minute zählt

10 Hilfsaktion

Kleiner Pieks – große Wirkung

12 áá

Titel

Das 100-Millionen-Euro-Projekt

16 Brustzentrum

Brustaufbau mit High-Tech-Medizin

18 Herzschrittmacher

Taktgeber für den wichtigsten Muskel

20 Historie

Dr. Julius Fertig, die Operationen und der Krieg

22 Menschen/Jubilare

Dr. Sven Diesler neuer Oberarzt Chirurgie III

PD Dr. Marco Gruß neuer Chefarzt der Anästhesie

Dr. Ralph Siemer neuer Oberarzt der Chirurgie I

23 Newsticker

Das Herz wird plastisch

Freikarten für Nussknacker und Rübezahl

24 Newsticker

Der Patient ist auch Kunde

24 Termine / Impressum

Editorial

Sehr geehrte Patienten, Besucher, Mitarbeiter und Partner

des Klinikums Hanau,

der Begriff „Zertifizierung“ klingt auf den ersten Blick sperrig. Und

viele Menschen, die nicht jeden Tag mit einem Krankenhaus zu

tun haben, können sich auf Anhieb nicht wirklich viel darunter

vorstellen. Dabei steckt hinter der „Zertifizierung“ ein ganz wichtiges

Informations-Instrument für Patienten. Es hilft ihnen ganz

entscheidend bei der Suche nach der richtigen Klinik. Denn Zertifizierungen

sind wie ein Qualitätssiegel oder ein Qualitäts-TÜV.

Die „Plakette“ – um im Bild zu bleiben – wird dabei von unabhängigen

und neutralen Experten vergeben.

In der deutschen Krankenhauslandschaft werden viele Begriffe

munter durcheinander und nebeneinander genutzt – obwohl sie

ganz viele unterschiedliche Dinge bezeichnen. Der Begriff „Zentrum“

ist einer davon. Jedes Klinikum kann einen Leistungsbereich

Zentrum nennen. Über die Qualität und Leistungsfähigkeit ist damit

aber noch nichts ausgesagt. Der Begriff ist nicht geschützt – und

es existieren keine Vorgaben, wann er benutzt werden darf. Deshalb

sind Zertifizierungen so wichtig. Sie basieren auf einem

umfangreichen Katalog an Leistungsanforderungen: Dazu gehören

zum Beispiel Zahl und Qualifikation der Ärzte, die apparative Ausstattung,

die Servicelistungen, die Erfahrung der Mediziner und die

Organisationsstrukturen, die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten,

die umfassende Begleitung und Betreuung der Patienten, die

Dokumentation und Überprüfung der Leistungen etc.

Deshalb setzen wir im Klinikum Hanau ganz gezielt auf Zertifizierungen.

Sie zeigen uns nach innen und Ihnen – den Patienten

und Angehörigen – nach außen, was in einer Klinik auf welchem

Niveau wirklich geleistet wird. Und das gilt bei uns nicht nur für

Zentren und Kliniken. Wir beziehen in unsere Qualitätspolitik nicht

nur die unmittelbare Medizin mit ein. Denn für uns gehören zur

Qualität ebenso die Reinigung der Operationsinstrumente oder

auch die Speisenversorgung.

Zertifizierungen und die wiederholte Bestätigung der Qualität

(Rezertifizierung) sind für Patienten ein wichtiger Kompass zur

Orientierung. Alleine in diesem Jahr wurden am Klinikum Hanau

bisher das Brust-Zentrum und das Schlaganfall-Zentrum rezertifiziert

sowie die Operationsabteilung und die Klinik für Psychiatrie

und Psychotherapie neu zertifiziert. Die sind aber nur die aktuellen

Schlaglichter unserer Qualitätsoffensive. Sie geben uns im

Krankenhaus die Richtschnur unseres Handelns vor. Und sie zeigen

Ihnen, dass Sie im Klinikum Hanau mit Sicherheit eine

geprüfte und hohe Qualität erhalten.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Monika Thiex-Kreye

Geschäftsführerin Klinikum Hanau GmbH


Hilfe-Inseln

Leon und die Kinderkommissare jetzt auch im Klinikum

Hilfe-Inseln sind wichtige Anlaufstellen für einen sicheren Schulweg

Kommissar Leon gibt Kindern noch mehr Sicherheit. Auch das

Klinikum Hanau beteiligt sich an dem Projekt „Hilfe-Inseln für

Kinder in Hanau“. Ende August wurde im City Center die neue

Hilfe-Insel in der Hanauer Innenstadt von Oberbürgermeister

Claus Kaminsky eingeweiht. Auch Polizeipräsident Günter Hefner

und die Vorsitzende des Präventionsrates, Anne-Dorothea

Stübing, waren beim Start anwesend. Sie erklärten den Erstklässlern

der Pestalozzi- und Brüder-Grimm-Schule, was es mit

dem Präventionsprojekt auf sich hat und was es bezwecken soll.

Denn Geschäfte und Institutionen können sich mit einem Plakat

oder Aufkleber des Kinderkommissars Leon als Anlaufstellen für

Kinder ausweisen, die sich verlaufen haben oder sich bedroht

fühlen. So soll die Sicherheit des Schulwegs gewährleistet

werden. Derzeit gibt es in Hanau insgesamt mehr als 280 Hilfe -

Inseln, 63 Hilfe-Inseln befinden sich in der Innenstadt.

Nachdem auch Polizeipräsident Günter Hefner einige Worte an

die Kinder gerichtet hatte, wurden die Schüler „unter Eid“ zu

Kinderkommissaren ernannt. Sie versprachen feierlich, sich

gegenseitig zu helfen, andere gut zu behandeln und auf Gewalt

zu verzichten. Jedes Kind bekam einen „Kinderpolizeidienstausweis“

und einen kleinen Leon-Schlüsselanhänger überreicht. Und

dann gab es noch eine Freikarte für das Heinrich-Fischer-Bad.

Auch im Klinikum Hanau finden Kinder ab sofort hilfs -

bereite Ansprechpartner, die im Notfall für sie

da sind. Sie können sich zum Beispiel

an die Mitarbeiter der durchgehend

besetzten Pforte wenden. Luise

Forbes, die Leiterin der

Pforte, sagt: „Wir unterstützen

dieses Projekt

sehr gerne.“

Die Klinikmitarbeiter haben ein offenes Ohr für die

Probleme der Kinder und nehmen deren Ängste

ernst. Denn Ziel des Hilfe-Insel-Projekts ist es,

das Hinschauen zu fördern und somit potenzielle

Gewalttäter abzuschrecken.

Anne-Dorothea Stübing wies ausdrücklich darauf

hin, dass die Hilfe-Inseln zwar vorrangig für Kinder

gedacht sind, die sich aus irgendeinem Grund

bedroht oder unwohl fühlen. Selbstverständlich

könnten aber auch Eltern, Großeltern oder andere

Menschen, die sich in einer Notsituation befinden,

dort Hilfe finden. Die Hilfe-Inseln müssen jetzt

noch in drei weiteren Stadtteilen eingeführt werden.

Bis Januar 2011 soll es dann in allen Ha -

nauer Stadtteilen Anlaufstellen für hilfesuchende

Kinder geben.

In jedem Stadtteil stellen sich Unternehmen und

Institutionen als Unterstützer zur Verfügung. Das

Hilfe-Insel-Projekt in der Hanauer Innenstadt wird

u. a. vom Heinrich-Fischer-Bad, dem Backwareneinzelhandel

Saray, dem Elektrofachmarkt

Saturn und der Sparkasse Hanau unterstützt.

Anja Beseler

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Orientierung in Zeiten des Wandels

Brigitte Wagner kümmert sich um das Image des Klinikums und leitet neue Stabsstelle

Das Klinikum Hanau hat sich auf den Weg in die Zukunft gemacht. Sprichwörtlich wird an allen Ecken und Enden

gebaut, entstehen moderne Strukturen, werden Abläufe verändert, das medizinische Angebot ausgebaut und der

Service für Patienten verbessert. Zeiten des Wandels also. Sie bringen Aufbruchsstimmung und neue

Herausforderungen mit sich – einerseits. Aber sie können bei Patientinnen und Patienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

auch zu Unsicherheiten und Irritationen führen – gerade wenn altbekannte Pfade verlassen werden. Dann

sind Information, Kommunikation und Orientierung gefragt. Dafür ist im Klinikum die Stabsstelle verantwortlich.

Brigitte Wagner hat Anfang des Jahres die neu geschaffene

Stabsstelle am Klinikum übernommen.

Die bekennende Schwäbin besuchte in Ulm an der

Donau die Schule. Nach der Ausbildung zur Elektrotechnischen

Assistentin ging ihr während ihrer Berufs -

tätigkeit bei Osram buchstäblich „ein Licht auf“ und sie

entschloss sich zum Studium an der Fachhochschule

Gießen-Friedberg. Dort erwarb sie den Abschluss der

Diplom-Ingenieurin für Technisches Gesundheitswesen

mit dem Schwerpunkt Biomedizintechnik.

Seither hat sie das Thema „Krankenhaus“ nicht mehr

losgelassen. Sehr schnell erkannte sie allerdings, dass

nicht die schiere pure (Medizin-)Technik ihr Steckenpferd

werden wird, sondern die Arbeit an den Schnittstellen

zwischen Mensch, Technik und Organisation.

Zusatzqualifikationen hat Brigitte Wagner unter anderem

auf den Gebieten Personal- und Persönlichkeitsentwicklung,

Change Management sowie Arbeitssicherheit

und Coaching erworben. Diese kommen ihr jetzt im

Klinikum Hanau besonders zugute.

Zu ihren beruflichen Stationen zählten unter anderem

die Unternehmensberatung Ernst & Young in Frankfurt,

das Krankenhausplanungsbüro Heinle, Wischer und

Partner in Stuttgart sowie in den vergangenen zwölf

Jahren die selbstständige Unternehmensberatung. Brigitte

Wagner ist Jahrgang 1961 und Mutter eines Sohnes

und zweier Bonus-Töchter.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine der Kernaufgaben Brigitte

Wagners – nach innen und außen. Sie sagt: „Ich bin

zutiefst überzeugt: „Es ist das „A und O“ in Veränderungsprozessen,

dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig

und zeitnah informiert werden.“ Denn gerade in Zeiten des

Umbruchs, weiß Brigitte Wagner, ist es wichtig, den

Beschäftigten die Unternehmensziele und die einzelnen

Schritte dort hin zu vermitteln. Wenn Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter verstehen wohin die Reise geht und warum

diese Wege gegangen werden müssen, schafft dies

Transparenz, Vertrauen und nimmt die Beschäftigten mit

auf einem nicht immer stressfreien Weg.

„Informierte Beschäftigte sind motivierte Beschäftigte“, betont

Brigitte Wagner deshalb. Sie setzt darauf, die Eigeninitiative und

Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern. Andererseits

brauche es dafür einen klaren Rahmen, in dem Kommunikations-

und Entscheidungswege definiert sind. In diesen Prozessen

setzt sie in erster Linie auf Gespräche und Konsens, auf gemeinsam

erarbeitete Lösungen und ein verbindendes Verständnis der

zu erreichenden Ziele. Um stabile Verbindungen und nachhaltiges

Verständnis herzustellen, ist es allerdings auch wichtig Unterschiedlichkeiten

wahr- und ernstzunehmen.

Deshalb setzt sie in der Kommunikation auch spezielle Akzente,

und wer ihr zuhört merkt es gleich: Es gibt immer Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflege rinnen und

Krankenpfleger. „Um lang fristig als kommunales Gesundheits -

dienstleistungs unternehmen erfolgreich und wettbewerbsfähig zu

werden und zu bleiben, müssen wir die unterschiedlichen Innovationspotenziale

und Stärken von Männern und Frauen nutzen.

Dabei ist es wichtig, die individuellen Lebensentwürfe von Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern in den Blick zu nehmen und zum Beispiel

die Vereinbarkeit von Beruf und Leben im Sinne einer optimalen

Partnerschaft zwischen Unternehmen und Personal zu stärken.“

Interne Kommunikation bedeutet deshalb auch intensives Werben,

Aufklären und Informieren – in zum Teil nicht enden wollenden Konferenzen

und Sitzungen. Das fördert am Ende jedoch die Identi -

fikation des Personals mit der eigenen Klinik. Und Mit arbeiterinnen

und Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohlfühlen, sind gute

und überzeugende Werbeträgerinnen und -träger.


Neue Stabsstelle

Die Aufgaben der Stabsstelle

Die von Brigitte Wagner geleitete Stabsstelle ist direkt der

Geschäftsführung zugeordnet. Das sichert schnelle Kommunikationswege,

direkte Absprachen und effektive Entscheidungsprozesse.

Denn bei den Themen, die sie verantwortet,

muss oft schnell gehandelt werden.

Vier Aufgabenbereiche umfasst die Stabsstelle:

á Qualitätsmanagement

á Projektmanagement

á Öffentlichkeitsarbeit

á Pforte (Foto oben) und Info-Point

Jeder dieser vier Bereiche nimmt seinerseits noch weitere

Unterthemen und Aufgaben wahr. Gemeinsam ist den Themen,

denen sich Brigitte Wagner mit ihrem Team widmet, die Querschnittfunktion.

Das heißt: Sie sind alle eng miteinander verwoben.

Die sieben Kräfte an der Pforte, die Mitarbeiterinnen am

Info-Point sowie der Patientenbesuchsdienst sind deshalb

nicht nur eine Dienstleistung für Patienten und Besucher. Sie

prägen mit ihrem Auftreten auch das Bild des Klinikums – und

sind somit wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. Das

gilt auch für das Projekt- und Qualitätsmanagement, die

ebenso wichtige Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Klinikums

bei Mitarbeitern sowie der Öffentlichkeit haben.

Was externe Öffentlichkeitsarbeit bedeutet, erläutert Brigitte

Wagner am Beispiel der Messe Wächtersbach, an der das Klinikum

im Frühjahr 2010 erstmals teil genommen hat. Sie ist die

bedeutendste Verbrauchermesse im Main-Kinzig-Kreis. Eine gute

Gelegenheit also, das Klinikum dort zu präsentieren. Begleitet

wurde der Auftritt von einer eigenen Marktanalyse bei den zahlreichen

Besuchern am Stand.

Eines der Ergebnisse war: In bestimmten Ecken des Kreises ist

das Leistungsangebot des Klinikums noch nicht wirklich bekannt,

obwohl es das einzige Krankenhaus der Maximalversorgung im

Kreis ist – mit einem Leistungsangebot, das keine andere Klinik

Brigitte Wagner

Leitung Stabsstelle Qualitätsmanagement,

Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit

Die Aufgaben des Qualitätsmanagements liegen im

Wesentlichen darin, qualitativ hochwertige Leistungen

in allen Bereichen des Klinikums zu sichern und Qualität

permanent weiter zu entwickeln. Dazu gehört ein

strukturiertes Qualitäts- und Risikomanagement, das

Probleme frühzeitig erkennt und einen permanenten

Prozess der Verbesserung installiert. Dem Qualitätsmanagement

ist deshalb auch das Beschwerdemanagement

zugeordnet.

Im Zentrum des Projektmanagements steht die Unterstützung

der Kliniken, Institute und Abteilungen bei

der Durchführung konkreter Projekte. Dabei geht es in

erster Linie um die Aspekte Organisation und Wirtschaftlichkeit.

Das fängt beim Projektdesign an, führt

über die Planung und Entwicklung von Vorgaben bis

hin zur Projektleitung und dem -controlling.

Die Öffentlichkeitsarbeit befasst sich mit internen und

externen Kommunikationsprozessen, zu den Auf -

gaben gehören zum Beispiel die Organisation und

Koordination von Pressekonferenzen und Presse -

meldungen, die Gestaltung von Flyern, Broschüren,

Plakaten, die Veranstaltungsorganisation oder die

Pflege und Weiterentwicklung des Internet- und Intranetauftrittes.

dort bieten kann. Diese Erkenntnisse, berichtet Brigitte

Wagner, haben bereits zu ersten Konsequenzen geführt:

Anzeigen-Kampagnen und Pressearbeit werden nun

auch außerhalb der Stadt Hanau intensiviert – um auch

in den Regionen zum Beispiel um Büdingen, Geln -

hausen und Friedberg stärker vertreten zu sein. „Denn

das Ziel ist es“, sagt Brigitte Wagner, „das positive

Image des Klinikums Hanau künftig auch stärker in der

Region zu verankern“ und damit natürlich auch potenzielle

Patientinnen und Patienten und qualifizierte Mit -

arbeiterinnen und Mitarbeiter für das Klinikum zu gewinnen.

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6

Schnell wie der Wind

Klinik-Team belegt den dritten Platz beim Stadtlauf in Hanau

Freitagnachmittag. Eine lange Menschenschlange

zieht sich vom Hanauer Marktplatz

bis hin zur Sparkasse. Die Menschen warten

ungeduldig darauf, dass es losgeht. Einige

unterhalten sich und machen Witze, andere

schauen angespannt auf die Uhr des Rathausturms,

und wiederum andere hüpfen auf

der Stelle, um warm zu bleiben. Zehn, neun,

acht… drei, zwei, eins, los! Countdown zu

einem großen Ereignis: Soeben hat der 9.

Stadtlauf in Hanau begonnen.

Am 17. September fand unter der Schirmherrschaft

von Oberbürgermeister Claus Kaminsky

und dem Kreisabgeordnetem Dr. André Kavai der

alljährliche Benefizlauf zu Gunsten der Frauenhäuser

in Hanau und Wächtersbach statt. Unter

dem Motto „Stärke zeigen – Gemeinsam gegen

Gewalt an Frauen“ bewiesen die Läuferinnen und

Läufer ihre Solidarität mit den Frauen und Kindern,

die unter häuslicher Gewalt leiden. Veranstaltet

wurde der Lauf von den Frauenbüros der

Stadt Hanau und des Main-Kinzig- Kreises, dem

1. Hanauer Lauftreff und dem Sportkreis Hanau.

Gegen 16 Uhr versammeln sich nach und nach

tausende Menschen auf dem Marktplatz und

warten gespannt auf das Erscheinen des Oberbürgermeisters.

Musik ertönt aus den Lautsprechern,

und Kinder vertreiben sich die Zeit bis zum

Start. Der Himmel ist bewölkt, und es ist sehr

kühl. Doch das Wetter hält sich entgegen aller

Erwartungen bis zum Ende der Veranstaltung.

Unsere Highlights im Überblick

á Als Gesamtteam haben wir den 3. Platz

in der Teamwertung errungen.

á Unser schnellster Läufer: Richard Klosterbecker

á Unsere schnellste Läuferin: Sabine Vonrhein.

á Unser jüngster Läufer: Maurice (9 Jahre),

Sohn von Herrn Gökceoglu

á Unser ältester Läufer: Günther Jochem

á Unser prominentester Läufer: OB Claus Kaminsky

Um 16:20 Uhr betritt Claus Kaminsky schließlich die Bühne und

spricht ein paar einleitende Worte, bevor Hans-Rüdiger Wiedem

von den Stadtwerken Hanau dem Hanauer Frauenhaus einen

Scheck über 1.500 Euro überreicht. Anschließend wärmen sich die

Läuferinnen und Läufer unter der Leitung der Gymnastikabteilung

des TSV 1860 Hanau auf, um eventuellen Verletzungen vorzubeugen:

„Und vor, und marschieren, und alle einen Schritt nach links!

Nach dem Warm up stellen sich alle Läufer in mehreren Reihen

vor der Start- und Ziellinie auf. Zuerst die Läufer und Jogger, ganz

hinten dann die Nordic Walker mit ihren Stöcken. Jetzt dauert es

nur noch wenige Minuten bis zum Start.

Die letzten zehn Sekunden werden herunter gezählt. Und pünktlich

um 17 Uhr fällt der Startschuss. Die Vordersten stürmen in

Windeseile davon, die darauf folgenden Läufer lassen das

Rennen schon etwas gemächlicher angehen. Während die ersten

Teilnehmer längst außer Sichtweite sind, herrscht auf dem Marktplatz

ein leichter Rückstau. Nur langsam setzt sich die Schlange

auch an ihrem hinteren Ende in Bewegung. Nach knapp fünf

Minuten sind schließlich alle 2.400 Läufer gestartet.


Stadtlauf

Wer jetzt dachte, man könne erst noch einmal auf die Toilette gehen

und sich anschließend in Ruhe etwas zu essen und ein Getränk

holen, der hatte sich gründlich geirrt! Nach nur 20 Minuten kamen

schon die ersten fünf Läufer ins Ziel eingelaufen, nachdem sie die

6.000 Meter lange Strecke in einer phänomenalen Zeit hinter sich

gebracht hatten. Sie wurden von den gut zweihundert Zuschauern

auf dem Marktplatz gebührend in Empfang genommen.

Die Läufer traten für verschiedene Teams beziehungsweise Vereine

an. So nahmen neben dem Klinikum Hanau, das dieses Jahr

zum ersten Mal beim Stadtlauf startete, z. B. auch die Sparkasse

Hanau, die Sanitätshäuser Bußfeld Schiller und Marx, das Polizeipräsidium

Südosthessen und verschiedene Schulen am Lauf

durch die Hanauer Innenstadt teil.

Mit rotem Kopf und nach Atem ringend erreichte einer nach dem

anderen das ersehnte Ziel. Dort wurden von den Helfern fleißig

Pappbecher und Flaschen mit Wasser und Saft verteilt wurden. Um

17:30 Uhr tummelten sich schon etwa 400 Läuferinnen und Läufer

auf dem Marktplatz, darunter auch einige Teilnehmer des Klinikums

Hanau. Nach knapp 35 Minuten erreichte auch Oberbürgermeister

Claus Kaminsky, der im T-Shirt des Hanauer Klinikums lief, das Ziel.

Die meisten Läufer, die im Ziel einliefen, tranken erst einmal

etwas, um ihren Durst zu stillen und zogen sich dann eine Jacke

über, da sich die Temperaturen während der letzten halben

Stunde etwas abgekühlt hatten. Gegen 18:10 Uhr kamen

schließlich auch die letzten Teilnehmer im Ziel an. Da hatten sich

schon viele Läufer auf den Heimweg gemacht.

Um 18:35 Uhr fand die ungeduldig erwartete Siegerehrung der

schnellsten Läufer und Läuferinnen statt. Außerdem wurden auch

die fünf größten Teams geehrt, die am Stadtlauf teilgenommen

hatten. Das Klinikum Hanau stellte nach der Hohen Landesschule

(HoLa) mit mehr als 600 Läufern und der Georg-Büchner-

Gesamtschule (fast 90 Läufer) mit 51 Läuferinnen und Läufern

das drittgrößte Team. Felicitas Rötting, Monika

Schweitzer, Heike Schupp und Karin Ubrig vom

Klinikum Hanau nahmen die Urkunde und den

Siegerpokal voller Stolz entgegen und wurden für

ihre Mühe und ihren Einsatz für die gute Sache

mit einem ordentlichen Applaus belohnt.

Die Bilanz des diesjährigen Stadtlaufs fällt alles in

allem sehr gut aus. Mehr als 2.400 Menschen nahmen

teil, während es im Vorjahr noch 1.823 Teilnehmer

waren. Die gesamten Einnahmen aus den

Startgebühren und dem Verkauf der T-Shirts mit

dem Logo des Stadtlaufs gehen an die Frauenhäuser

in Hanau und Wächtersbach, um damit den

Fortbestand der beiden Zufluchtsstätten für körperlich

und seelisch misshandelte Frauen sicherzustellen.

Dieser Betrag vergrößert sich noch durch

Spenden von großen und kleinen Sponsoren, zu

denen unter anderem die Sparkasse Hanau, Galeria

Kaufhof und die Fraport AG gehören. Im vergangenen

Jahr kamen so rund 20.000 Euro

zusammen. Die Höhe des diesjährigen

Erlöses wird noch ermittelt.

Anja Beseler

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Jede Minute zählt

Klinik für Neurologie beteiligt sich an der Aktion „Rhein-Main gegen den Schlaganfall“ /

Die Klinik für Neurologie des Klinikums Hanau beteiligt

sich mit ihrem Schlaganfallzentrum (Stroke Unit) an

der Aktion „Rhein-Main gegen den Schlaganfall“.

Über einen Zeitraum von mehreren Monaten sollen

möglichst zahlreiche Menschen in der

Region über Ursachen, Symptome, Vorbeugung

und Behandlung des Schlaganfalls informiert

werden. Das Schlaganfallzentrum des

Klinikums Hanau ist zum Beispiel mit Vorträgen,

Schulbesuchen und Aktions tagen dabei.

Mit der Stroke Unit verfügt das Klinikum

Hanau über eine hoch leistungs fähige Spezialabteilung

zur Behandlung des Schlaganfalls, die

an die Klinik für Neurologie angebunden ist.

Bei einem Schlaganfall fallen – je nach Ort des Ereignisses –

schlagartig wichtige Funktionen des Hirns aus. In den meisten

Fällen liegt eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn

durch den Verschluss einer Ader zugrunde. In der Folge werden die betroffenen Areale

nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und Nervenzellen sterben

ab. Dies führt – entsprechend dem betroffenen Hirnbereich – zu Lähmungen,

Sprach- oder Sehstörungen. Die Folgen können vorübergehend oder dauerhaft sein.

Die Mehrzahl aller akuten Schlaganfall-Patienten aus der Stadt Hanau und dem Main-

Kinzig-Kreis werden im Schlaganfallzentrum des Klinikums versorgt, berichtet Chefarzt

Privatdozent Dr. Horst Baas. Die Stroke Unit wurde bereits im Jahr 2006 eingerichtet.

Die Spezialstation verfügt über acht Betten, in denen Patienten über einen Monitor

permanent überwacht werden können. Dazu kommen zwölf weitere Betten in Zwei-

Bett-Zimmern.

Im Schlaganfallzentrum steht für die Patienten ein hoch spezialisiertes und multidisziplinäres

Team zur Verfügung. Das heißt: Ärzte und Therapeuten aus ganz unterschiedlichen

Bereichen arbeiten abgestimmt zusammen, damit der Patient eine umfassende

und bestmögliche Behandlung erhält. Zum Team gehören deshalb vor allem: Ärzte,

Pflegemitarbeiter, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsycho -

logen und Sozialarbeiter. Besonders wichtig ist, dass mit Hilfe der so genannten

Lysetherapie versucht wird, Blutgerinnsel, die die Hirngefäße verstopfen, mit Medi -

kamenten aufzulösen. Dies gelingt aber nur, wenn die Patienten nach einem Schlaganfall

sofort in die Stroke-Unit kommen.

Im Schlaganfallzentrum des Klinikums Hanau arbeiten folgende Partner

eng mit der Klinik für Neurologie zusammen:

á Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie

á Klinik für Kardiologie mit Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und

internistische Intensivmedizin

á Klinik für Gefäßchirurgie, vasculäre und endovasculäre Chirurgie

á Institut für Radiologie

á Es besteht außerdem eine enge Kooperation mit der Neuroradiologie

und der Neurochirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main.


Klinik für Neurologie

Schwerpunkte sind Aufklärung und Vorbeugung

Wie erkenne ich einen Schlaganfall?

Beim Schlaganfall zählt jede Minute für den Behandlungserfolg.

Zu den Anzeichen eines Schlaganfalls gehören in erster Linie:

á Lähmungen einer Körperseite, eines Arms oder eines Beins

á Kribbeln und Taubheitsgefühl

á Sehschwäche bis hin zur Blindheit

á Sehen von Doppelbildern und/oder verschwommenes Sehen

á Undeutliche Artikulation von Wörtern

á Verwirrtheit

á Zeitweilige Bewusstlosigkeit

á Blitzartige Kopfschmerzen (allerdings verlaufen viele Schlaganfälle

auch schmerzlos und werden deshalb falsch gedeutet).

In vielen Fällen gibt es Vorboten bzw. Symptome der Erkrankung. Sie

sollten in jedem Falle sehr ernst genommen werden. Schon vor

einem Schlaganfall gibt es manchmal Hinweise auf die kommende

Erkrankung. Meist sind dies Durchblutungs störungen im Gehirn, bei

denen sich das Blutgerinnsel wieder von selbst auflöst. Die oben

genannten Symptome verschwinden deshalb nach kurzer Zeit wieder,

und es entstehen keine bleibenden Schäden. „Nehmen Sie solche

Vorboten eines Schlaganfalls ernst“, appelliert Dr. Horst Baas.

Betroffene sollten sich in solchen Fällen unverzüglich an das Krankenhaus

wenden. „Denn eine sofortige Behandlung kann einen

schweren Schlaganfall verhindern und Folgeerscheinungen verhindern

oder abmildern“, betont der Chefarzt.

Die Risikofaktoren

Rund 250.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen

Schlaganfall. Für jeden fünften Patienten verläuft die Krankheit innerhalb

der ersten vier Wochen tödlich, knapp 40 Prozent sterben innerhalb

eines Jahres. Die Folgen des Schlaganfalls (in erster Linie Lähmungen,

Sprachstörungen) stellen die häufigste Form der Behinderung

und die dritthäufigste Todesursache dar – nach Herzinfarkt und

Krebs. Ein Schlaganfall kann jeden treffen – vom Kind bis zum alten

Menschen. Rund 15 Prozent der Patienten sind jünger als 45 Jahre.

Ab dem 60. Lebensjahr steigt das Risiko mit zunehmendem Alter

stark an, zahlreiche Schlaganfälle ließen sich aber durch richtiges Verhalten

und Vorbeugung vermeiden.

Vermeidbare Risikofaktoren sind u. a:

á Alkohol

á Zigaretten

á Bewegungsmangel

á Übergewicht

á Ungesunde (zu fettreiche) Ernährung

á Bluthochdruck

Zusätzlich spielen aber auch Faktoren

wie die erbliche Belas tung eine Rolle.

PD Dr. med. Horst Baas

Chefarzt Klinik für Neurologie

á

Das ausführliche Programm und weitere

Termine finden Sie im Internet unter

www.rhein-main-gegen-den-schlaganfall.de

Di, 5. Oktober 2010

10 bis 15 Uhr

Aufklärung und

Risikoberatung im

Rathaus Hanau

Mi, 6. Oktober 2010

9 bis 12 Uhr

Expertentelefon zu Fragen

rund um den Schlaganfall

Dr. med. Mario Abruscato

Telefon (06051) 833333

Di, 12. Oktober 2010

19 Uhr

Vortrag zum Thema

Schlaganfall im

Bürgerhaus Bruchköbel

Mi, 13. Oktober 2010

19 Uhr

Vortrag zum Thema

Schlaganfall im

Bürgerhaus Bruchköbel

Di, 2. November 2010

10 bis 15 Uhr

Aufklärung und

Risikoberatung im

Rathaus Hanau

Di, 9. November 2010

20 bis 21:30 Uhr

Ärztliche Fortbildung /

Hanauer Ärzteverein

Di, 7. Dezember 2010

10 bis 15 Uhr

Aufklärung und

Risikoberatung im

Rathaus Hanau

Di, 7. Dezember 2010

17:30 bis 19 Uhr

Vortrag zum Thema

Schlaganfall im

Klinikum Hanau

Mi, 8. Dezember 2010

14 bis 17 Uhr

Expertentelefon zu Fragen

rund um den Schlaganfall

PD Dr. med. Horst Baas

Telefon (06051) 833333

Di, 11. Januar 2011

17:30 bis 19 Uhr

Vortrag zum Thema

Schlaganfall im

Klinikum Hanau

Die Stroke Unit wurde im Jahr 2007 durch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft

zertifiziert. Das bedeutet: Unabhängige Prüfer kontrollieren und

bewerten die Leistungsfähigkeit der Einrichtung. Für das Schlaganfallzentrum

sind die Standards der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der

Stiftung Deutscher Schlaganfall-Hilfe entscheidend. Im Jahr 2010 erhielt

das Zentrum erneut das unabhängige Qualitätssiegel (Rezertifizierung).

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Termine der Aktion „Rhein-Main gegen Schlaganfall“


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„Kleiner Pieks, große Wirkung“

Enorme Hilfsbereitschaft für chronisch kranken Merlin / Rund 1.300 Menschen nahmen

Der vierjährige Merlin hofft

auf einen passenden Spender.

Merlin braucht dringend eine Zellspende.

Denn der vierjährige Junge leidet an einer

chronischen Neutropenie – einer lebens -

gefährlichen Abwehrschwäche des Körpers.

Doch trotz der ständigen Krankenhausaufenthalte

und vieler schmerzhafter Behandlungen,

ist Merlin ein fröhliches, wissbegieriges

und aufgewecktes Kind. Allerdings sind

wegen der vielen notwendigen Medikamente

inzwischen die ersten Schädigungen an seinen

Organen eingetreten. Seine letzte Hoffnung

liegt deshalb in einer Knochenmarktransplantation.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei

(DKMS) hatte daher für

den 21. August zu einer Typisierungsaktion

aufgerufen – tatkräftig unterstützt von der

Stadt und dem Klinikum Hanau.

So opferten mehr als 50 Pflegemitarbeiter und drei

Ärzte des Klinikums Hanau bereitwillig einen freien

Samstag, um die Blutabnahme im Congress Park

Hanau zu unterstützen und zu begleiten. Denn

erst einmal braucht es nur einen kleinen Pieks, um

aus einer Blutprobe heraus einen eventuell geeigneten

Spender zu identifizieren. Erst danach würden

dem Spender gesunde Stammzellen aus dem

Beckenkamm entnommen und dem vierjährigen

Jungen übertragen werden. In den ersten 14

Tagen zeigt sich dann rasch, ob die Zellen vom

Organismus des Empfängers angenommen wer-

Die Bevölkerung zeigte

eine überwältigend

hohe Bereitschaft, sich

typisieren zu lassen.

den. Aus diesen Stammzellen könnten in Merlins Körper neue

lebenswichtige Zellen entstehen, die seine Immunabwehr stärken

und ihn vor den lebensbedroh lichen Infektionen schützen.

Im Vorfeld hatten die beteiligten Partner die Bevölkerung zur Teilnahme

an der Typisierung aufgerufen. Für die Blutentnahme sind

grundsätzlich Menschen zwischen dem 17. und 55. Lebensjahr

geeignet. Und die Bereitschaft der Bevölkerung sich testen zu

lassen war enorm. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der

Aktion hatte sich vor dem Eingang des Congress Parks Hanau

eine lange Menschenschlange gebildet. Und nach getaner Arbeit

zählten die medizinischen Helfer schließlich insgesamt rund

1.300 abgegebene Blutproben. Die werden nun in den kommenden

Wochen analysiert und ausgewertet. Dann wird sich zeigen,

ob für Merlin ein geeigneter Spender gefunden werden konnte.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Hanau erledigten

nicht nur die Blutabnahme. Sie klärten auf, beruhigten nervöse

Spender und versorgten auch mal den einen oder anderen

mit einem leichten Schwindel oder einem Kreislaufproblem. Viele

Helfer opferten einen freien Tag nach einer anstrengenden

Arbeitswoche, andere – wie zum Beispiel Sandra Döhring aus der

Frauenklinik – hatten sogar extra ihren Urlaub unterbrochen. Und

wieder andere Klinik-Mitarbeiter mussten nach der Typisierungs-

Aktion noch direkt zum Spätdienst zurück in die Klinik. Viele von

ihnen wollten einfach nur helfen: zum Beispiel der Leitende Notarzt

Dr. Mohammed Abou-Taleb, im festen Glauben an einen

geeigneten Spender. Andere hatten einen direkten persön lichen

Bezug wie Anja Dönges aus der Onkologischen Klinik: Ihr Patenkind

Pascal ist ein Kindergartenfreund von Merlin.


Hilfsaktion

an Hilfsaktion für den vierjährigen Jungen teil

Weitere Informationen zur DKMS

gibt es unter www.dkms.de

Auch die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung war stark ausgeprägt.

Xenia Glassen und Anne-Sophie Friedmann, beide 20

Jahre jung, kennen den kranken Jungen zwar nicht persönlich,

wollten aber gerne ein paar Minuten ihres Tages in Merlins Hoffnung

investierten. Und wenn Sie schließlich als Spender geeignet

wären? Dann würde sich sicher eine gewisse Nervosität einstellen,

sagt Anne-Sophie Friedmann, aber Angst habe sie keine.

Denn schließlich könnte sie dann helfen, ohne dass ihr selbst

etwas Nachteiliges geschehe.

Auch Renate Schleunung vom Hotel Zeller in Kahl am Main war

gekommen um zu helfen. Sie hatte neun Personen aus ihrer Belegschaft

mitgebracht, die sich alle typisieren ließen. Renate Schleunung

selbst ist schon seit zehn Jahren typisiert. Sie wollte aber

nicht nur Merlin helfen, sondern generell auf das wichtige Thema

Knochenmarkspende aufmerksam machen. Deshalb hatte sie im

Namen des Hotels eine 500 Euro-Spende an die DKMS dabei. Das

Motto der Gruppe lautete: „kleiner Pieks, große Wirkung“.

Besonders fiel auf: Viele junge Menschen waren zum Typisieren

gekommen. Auch die 19-jährige Lisa Grunner. Ihr Bruder war vergangenes

Jahr ins Koma gefallen. Das hat sie für das Thema sensibilisiert.

Man sollte immer etwas zu tun, wenn die Möglichkeit

besteht, dass der eigene Einsatz einem anderen Menschen helfen

und sogar Leben retten kann, unterstrich die 19-Jährige. Dies sah

auch eine Gruppe der 15 Biker so. Die Rocker sind von Joachim

Grund angesprochen worden. Dessen erste Frau war an Neutropenie

gestorben; seitdem engagiert er sich ehrenamtlich in der DKMS.

Michaela Förnges

Stadtrat Axel Weiss-Thiel

dankt den Unterstützern der

Typisierungs-Aktion für Merlin

Liebe Helferinnen und Helfer,

im Namen des Organisationsteams (Rita Laube

vom Kommunalen Sozialen Dienst und Andrea

Freund von der Öffentlichkeitsarbeit), von mir persönlich,

aber insbesondere im Namen von Merlin

und seinen Pflegeeltern, möchte ich mich sehr

herzlich für Ihren Einsatz bedanken!

Wie ich mich am Samstagmorgen selbst überzeugen

konnte, verlief der Tag reibungslos und in einer

angenehmen Atmosphäre. Daran haben alle Helferinnen

und Helfer aus allen Teilen der Unternehmung

Stadt Hanau einen großen Anteil.

Mein besonderer Dank gilt den Kolleginnen und

Kollegen des Klinikums Hanau, die die Blutabnahme

sichergestellt haben, den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern im CPH für den Auf- und Abbau

sowie die Unterstützung beim Ablauf, der Hanau

Marketing für die Hilfe bei Werbung und Sponsoring,

der Öffentlichkeitsarbeit für die Pressearbeit

und Begleitung der Pflegefamilie im Umgang mit

den Medien, der Hanauer Parkhaus GmbH und

dem Ordnungsamt für die Bereitstellung der Parkplätze

für Helfer und Spender sowie dem Team der

Rathaus-Kantine für die Bewirtung der Helfer.

Weit übertroffen wurden unsere Erwartungen von

der Anzahl der Kuchenspenden. Wir haben einen

Teil der für diesen Tag überzähligen Kuchen für ein

Fest des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes weiter -

geleitet und den Rest zugunsten von Spenden für

Merlin am Sonntag bei der offenen Tür des Argonner-Parks

offeriert. So wurde jede Hilfe ihrer

Bestimmung entsprechend verwandt.

Nachdem die Teilnahme an der Typisierung von

fast 1.300 Menschen und die Geldspenden von

mehr als 15.000 Euro schon einen Erfolg darstellen,

hoffen wir natürlich alle auch auf einen Erfolg

für Merlin. Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, werden

wir Sie über die örtlichen Medien umgehend

informieren.

Mit besten Grüßen

Stadtrat Axel Weiss-Thiel

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Die rege Bautätigkeit hat einen guten Grund: Die über

Jahrzehnte gewachsenen alten Strukturen passen oft

mit den Erfordernissen einer modernen Medizin und

Betriebswirtschaft nicht mehr zusammen. Denn auf

dem Gelände verstreute Gebäude und damit künstlich

voneinander getrennte Abläufe machen den Betrieb

teuer und die enge Abstimmung von aufeinander folgenden

Diagnose- und Behandlungsschritten höchst

kompliziert und aufwändig. Der Trend in der Medizin

geht aber eindeutig hin zur Interdisziplinarität. Das heißt:

Die verschiedenen medizinischen Fächer wachsen

inhaltlich – und damit – auch räumlich zusammen. Die

Patienten profitieren dabei von einer gut organisierten

Medizin aus einer Hand sowie kurzen Wegen und geringen

Wartezeiten. Und der Komfort steigt natürlich

ebenso. Dieser Philosophie folgt auch der M-Bau.

Das 100-Millio

Auf der Großbaustelle Klinikum Hanau

Moderne Medizin und leistungsfähige

„Ein Krankenhaus ohne Baustellen kann dem Schicksal der Rückständigkeit nicht entgehen“,

sagt Monika Thiex-Kreye, die Geschäftsführerin des Klinikums Hanau. Und so hat das Klinikum

nicht nur eine Baustelle – es ist sprichwörtlich eine Baustelle. Denn an vielen Ecken und Enden

wird parallel gearbeitet. Neben dem Umbau der Organisation und der Betriebsabläufe, entsteht

das Krankenhaus der Zukunft auch durch neue Gebäude sowie vielfältige Sanierungen und

Modernisierungen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Das herausragende Großprojekt ist

dabei der knapp 50 Millionen teure M-Bau. Aber der Erweiterungsbau ist nicht das einzige

Großprojekt am Klinikum. Denn mit der Fertigstellung des M-Baus im Herbst 2011, wird das

Klinikum in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren insgesamt rund 100 Millionen Euro

investiert und damit sein Anlagevermögen verdoppelt haben. Auf den folgenden Seiten stellen

wir Ihnen die wichtigsten Projekte am Klinikum vor.

Im sechsgeschossigen Neubau werden dann in rund einem Jahr

400 Mitarbeiter tätig sein. Zu den wichtigsten Neuerungen im M-

Bau gehört eine interdisziplinäre Notfallaufnahme. Sie vereint einen

Schock-Raum, zwei „Eingriffsräume“ sowie zwölf Untersuchungskabinen.

Direkt angrenzend werden sich künftig zwei Herzkatheter-

Plätze befinden. Die zentrale Endoskopie führt dort künftig Onkologie

(Krebsmedizin), Kardiologie (Herzmedizin), Chirurgie und Innere

Medizin zusammen. Und der imposante Haupteingang wird die

neue Visitenkarte der Klinik sein. Denn schon beim Eintritt werden

Patienten und Besucher schnell spüren, dass im Klinikum Hanau

auch äußerlich eine neue Zeit begonnen hat, betont Thiex-Kreye.

„Jetzt beginnt eine ganz spannende Phase“, sagt Jens Relke, der

verantwortliche Geschäftsbereichsleiter Technik am Klinikum. Denn

der Rohbau ist abgeschlossen. Nun sind statt einer Firma bis zu 20

Unternehmen gleichzeitig am Bau tätig. Und diese Arbeiten müssen,

um den engen Termin- und Kostenplan halten zu können, alle

perfekt aufeinander abgestimmt werden. Denn derzeit kommen

Trennwände in das Haus und werden unter anderem die Elektrik

installiert und die Heizungsrohre verlegt, die Geothermieanlage eingebaut,

die Fußböden verlegt und die Lüftung montiert.


nen-Euro-Projekt

werden die Weichen für die Zukunft gestellt /

Infrastruktur für die Patienten

Im zweiten Untergeschoss sind bereits der große

Durchbruch und der Anschluss an das Tunnel -

systems des Klinikums erfolgt. Und an der Verbindungsstelle

zum vorhandenen Bettenhochhaus

wurden alle neuen Übergänge durchgebrochen.

Auch mit der Fassade ist in der Zwischenzeit

begonnen worden. Die soll im Frühjahr fertig sein;

dann zeigt sich der Neubau zumindest schon

äußerlich in seiner endgültigen Gestaltung.

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14

Das Klinikum Hanau baut das Krankenhaus der Zukunft. An vielen Stellen wird deshalb parallel gearbeitet,

umstrukturiert und verändert. Wir zeigen die wichtigsten Projekte der vergangenen und kommenden Monate

im Überblick. In einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren wird das Klinikum dann rund 100 Millionen Euro

investiert haben. Das Geld kommt sowohl aus Eigenmitteln als auch aus Zuschüssen des Landes Hessen.

Zentralsterilisation

Anfang des Jahres (März) ist das Sterilgutversorgungszentrum

in Betrieb genommen worden. Hinter dem

Wortungetüm verbirgt sich eine hoch moderne und leistungsstarke

Anlage zur Reinigung von benutzten medizinischen

Instrumenten und Geräten. Nach der Sterilisation

können diese dann wieder sauber und sicher zum

Beispiel bei Untersuchungen und Operationen eingesetzt

werden.

Die neue Anlage ist im Keller des H-Gebäudes untergebracht.

Sie ersetzt die bisherigen dezentralen Anlagen.

Sie gehört zu den modernsten im ganzen Rhein-

Main-Gebiet.

Kosten: Alleine für den Umbau der Räume zur Unter -

beringung der Zentralsterilisation hat das Klinikum

1,7 Millionen Euro investiert. Zusätzlich schlagen

dann noch die Geräte mit einem Wert von rund

750.000 Euro zu Buche.

Weitere Projekte

in Stichworten

K-Bau

Die Brandschutzsanierung hat begonnen,

beide Personenfahrstühle wurden

bereits ersetzt.

H-Bau

Im ersten Schritt wurden bereits ein Teil

der Fahrstühle erneuert; Kabinen,

Maschinen und Steuerung wurden ausgetauscht.

Physiotherapie

Die Abteilung ist bereits in neue, großzügige

und freundliche Räume umgezogen.

Onkologische Ambulanz

Die Onkologische Ambulanz hat Anfang Mai ihre neuen freund -

lichen und komfortablen Räume im K-Bau bezogen. Der Umzug

vom 9. Stock des Hochhauses in die neuen Räume bietet den

Krebspatienten nun deutlich mehr Service, kürzere Wartezeiten

und verbesserte Behandlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wurde

die Zahl der Behandlungsplätze von neun auf 14 erhöht.

Dafür mussten die Alte Aula und diverse Büroräume weichen.

Mit großem Aufwand wurden Treppen beseitigt, Automatiktüren

und eine moderne Belüftungstechnik installiert sowie unterschiedliche

Ebenen begradigt. Für die Patienten wurden

moderne, elektrisch vielfach verstellbare und komfortable Liegen

angeschafft. Im großzügigen Wartebereich können über

einen Großbildschirm, der aus einer Patientenspende stammt,

Filme und Informationen abgespielt werden. Pflanzen und farblich

abgestimmte Wände sorgen für eine angenehme Atmosphäre,

regelmäßige Kunstausstellungen werden folgen.

Kosten: zirka 800.000 Euro

Apotheke

Das Zytostatika-Labor der klinikeigenen Apotheke wird erweitert.

Dort werden Chemotherapeutika frisch und individuell für jeden

Krebspatienten hergestellt.

Intensivstation

Die Pläne für die Komplettsanierung der Station H 1 sind derzeit

in Abstimmung.

Zentrale Notaufnahme

Im ersten Schritt sind die dezentralen Notaufnahmen zusammen

geführt worden und in neuen Räume in den ersten Bauabschnitt des

M-Baus umgezogen. Mit der Fertigstellung des 2. Bauabschnitts

des M-Baus 2011 wird die ZNA dort ihren endgültigen Platz finden.


Stationen H 2 bis H 5

Die Stationen befinden sich im zweiten bis fünften Geschoss des

H-Baus. Sie werden belegt von der Orthopädie und Unfallchirurgie,

der allgemeinen Chirurgie und dem Darmzentrum, dem

Gefäßzentrum und der operativen Gynäkologie sowie dem

Tumorzentrum.

Die bisherigen Drei-Bett-Zimmer werden dort allesamt in

moderne Zwei-Bett-Zimmer und einige Ein-Bett-Zimmer

umgewandelt mit den jeweils dazugehörigen Sanitäranlagen –

eigenes Bad und Toilette.

Parallel werden auch andere Umbauten und Sanierungen

vorgenommen: Es entsteht z. B. eine Patiententeeküche –

Heizung, Lüftung und Elektroanlagen werden von Grund auf

modernisiert. Und auch die Aufenthaltsbereiche auf den

Stationen werden großzügiger und komfortabler gestaltet. Die

Fertigstellung ist bis ca. August 2012 geplant.

Kosten: zirka 6,6 Millionen Euro

Telekommunikation

Die komplette Telefonanlage des Hauses wird modernisiert und

an die gewachsenen Anforderungen angepasst – das betrifft

sowohl Mitarbeiter wie Patienten. Es wird ein WLAN-Netz eingerichtet.

Dann wird es in der letzten Ausgangsstufe auch einen

drahtlosen Internetzugang für Patienten geben.

I-Bau

Mit der Fertigstellung des M-Baus 2011 werden v. a. die Stationäre

Krebsmedizin, Innere Medizin, Herzmedizin und Endoskopie

aus dem I-Bau dorthin umziehen. Das frei werdende Gebäude

wird grundsaniert. Geplant ist dann die Verwaltung dorthin umzuziehen.

Jetzt noch angemietete Gebäude können dann aufgegeben

werden.

Operationssäle

Die Operationssäle 5 und 6 werden neu hergerichtet

und erhalten eine moderne Infrastruktur. Die Säle 1 bis

4 sowie 7 bis 9 befinden sich bereits auf dem neuesten

Stand. Die Planungen sind weitgehend abgeschlossen.

Im Herbst dieses Jahres wird mit dem Umbau begonnen,

die Bauzeit beträgt etwa sechs Monate, so dass

das Projekt im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen

sein soll. Dann verfügt das OP-Management

in jedem der Operationssäle über den gleichen Standard.

Dies erleichtert die Organisation der Operationen

und ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Nutzung

und dem Wechsel der Säle.

Kosten: zirka 2,2 Millionen Euro

Elektrotechnik

Mit dem M-Bau haben sich die Anforderungen an die

Stromversorgung verändert. Ausgehend vom M-Bau

musste die Einspeisung des Stroms von den Stadtwerken

in das Klinikum an neue Anforderungen ausgerichtet

werden. In den einzelnen Gebäuden werden deshalb

neue Trafo-Stationen gebaut, neue Leitungen gelegt

und die Hauptverteiler modernisiert.

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Brustaufbau mit High-Tech-Medizin

Brustzentrum bietet Krebspatientinnen innovative mikrochirurgische Operation an

Fast 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen

können nicht brusterhaltend operiert

werden. Viele entscheiden sich deshalb für

einen chirurgischen Wiederaufbau der

Brust. Das Klinikum Hanau hat für diese

Frauen eine neue und schonende High-

Tech-Methode eingeführt.

Für Tumorpatientinnen bietet das Klinikum Hanau

jetzt die modernste und eleganteste Form des

Brustwiederaufbaues an. Dafür wird Eigengewebe

aus dem Bauch oder – bei sehr schlanken Patientinnen

– aus dem Po oder Oberschenkelbereich

entnommen und mit einem neuen Gefäßanschluss

in den Brustbereich eingenäht. So entsteht eine

deutlich bessere Form der neuen Brust. Am Ort

der Gewebeentnahme bleibt nur eine Narbe

zurück. Das Klinikum Hanau gehört bundesweit zu

den wenigen zertifizierten Brustzentren, in denen

diese modernste mikrochirurgische Methode des

Brustwiederaufbaues etabliert ist.

Außerdem bietet das Klinikum Hanau die so

genannte freie primäre Brustwiederherstellung an.

Das heißt: Bei bestimmten Patientinnen kann

schon bei der Erstoperation – also noch in derselben

Operationssitzung –, eine neue Brust mikrochirurgisch

aufgebaut werden. Das bedeutet: ohne

Expander, ohne Silikon, ohne eine

spätere zweite Operation und ohne das

psychische und physische Erleben des Verlus -

tes einer Brust. Bisher profitieren im Brustzentrum

schon über 20 Frauen von der neuen Operationstechnik.

Selbstverständlich stehen alternativ auch alle Methoden der

Brust wiederherstellung mit Implantaten zur Verfügung.

Das Zentrum bietet das gesamte Spektrum der plastischen Brustoperationen

an. Chefarzt Privatdozent Dr. Thomas Müller arbeitet

dabei Hand in Hand mit der plastischen Chirurgin Dr. Elisabeth

Vogel-Herrmann. Sie ist Fachärztin für Chirurgie sowie Plastische

und ästhetische Chirurgie. Sie wird von einem weiteren plastischen

Chirurgen unterstützt. „Diese Doppelbesetzung bei der Operation

verkürzt die Eingriffszeit unter dem Operationsmikroskop von

sonst acht auf vier bis sechs Stunden“, betont die Ärztin.

Beim Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe gibt es im Grunde

zwei Operationsansätze. Die „freie“ und die „gestielte“ Gewebsoder

Lappenübertagung. Mit der Einführung der modernen „freien“

Gewebeübertragung, bietet das Brustzentrum die „gestielte“ und

ältere Variante nicht mehr an. Denn das kosmetische Ergebnis ist

besser, Komplikationen seltener. Das Besondere des Brustzentrums

in Hanau ist nun, dass die Gewebsübertragung in einem

Zuge mit der Brustkrebs-Operation stattfindet. Deshalb wird der

Eingriff als „primär“ bezeichnet. Eine „sekundäre“ Operation wäre

es, wenn der Brustaufbau in einer zweiten OP – etwa sechs Monate

nach dem ersten Eingriff der Tumorentfernung – vorgenommen

werden würde. Die primäre Operation erspart Frauen deshalb einen

zweiten Eingriff und den Brustverlust.


Brustzentrum

Die Technik erfordert hohes medizinisches Können,

großen Aufwand und eine perfekte Logistik.

Der Eingriff kann deshalb nur an wenigen Zentren

vorgenommen werden, die innerhalb des operativen

Teams über die Plastische Chirurgie verfügen.

Das Risiko der Gewebeabstoßung liegt bei der gestielten

und freien Lappenübertragung gleich hoch – jeweils

bei etwa drei bis fünf Prozent. Ist das Gewebe aber erfolgreich

eingewachsen, bleibt dies auch dauerhaft so. Der Wiederaufbau

der Brust wird dann mit der Modellierung der Brustwarze

und der Tätowierung des Warzenhofes vollendet.

Im Prinzip, sagt Dr. Vogel-Herrmann, ist erst einmal jede Brustkrebspatientin

für eine freie Lappenübertragung geeignet. Allerdings

sind Abstoßungsreaktionen statistisch bei Raucherinnen und

bei Frauen unter Bestrahlung größer. Auch bei alten Frauen sind

Komplikationen etwas häufiger, denn dort sind die Blutgefäße nicht

mehr so elastisch. Befindet sich die Frau aber in einer körperlich

Plastische Chirurgin Dr. Elisabeth Vogel-Herrmann

im Patientengespräch

und biologisch guten Verfassung, sind im Einzelfall

solche Operationen sogar bis zum 80. Lebensjahr

gut möglich. „Im Normalfall operieren wir aber bei

Frauen bis etwa zum 70. Lebensjahr“, unterstreicht

Vogel-Herrmann. Im Brustzentrum gab es

sogar schon eine Patientin, der gleichzeitig beide

Brüste rekonstruiert wurden.

„Die Operation ist komplex, und man muss

mikrochirurgisch sehr versiert, plastisch und

mikrochirurgisch gut ausgebildet sein“, sagt

Dr. Vogel Herrmann. Deshalb werden diese Operationen

im Brustzentrum von plas tischästhetischen

Chirurgen durchgeführt. Auch

müsse der Operateur den Eingriff regelmäßig

vornehmen, um eine besondere Erfahrung und

Know how einbringen zu können.

Nach der Operation verbringen die Frauen in der

Regel einen Tag auf der Intensivstation, können

aber schon nach etwa einer Woche nach Hause

gehen. Denn es handelt sich um einen Ober -

flächeneingriff, der für die Patientinnen nicht

gefährlich ist, weil nicht tief (invasiv) in den Organismus

eingegriffen wird. „Relativ risikoarm für

die Patientinnen, aber anspruchsvoll für die Operateure“,

fasst Chefarzt Privatdozent Dr. Thomas

Müller zusammen. Grundsätzlich wird im Brustzentrum

immer versucht, bei Krebsoperationen

die Brust der Patientin zu erhalten. Das entspricht

dem heutigen Qualitätsstandard. Dies ist

aber nicht immer möglich: zum Beispiel wenn der

Tumor zu groß ist oder mehrere Tumorherde vorliegen.

In etwa 20 Prozent der Fälle kommt es

deshalb noch zu einer Abnahme der Brust. Von

diesen 20 Prozent entscheiden sich dann ungefähr

die Hälfte der Frauen für den Brustaufbau

mit einem Expander/Silikon und die anderen 50

Prozent für den Brustaufbau mit Eigengewebe.

2007 schlossen sich das Klinikum Hanau und

das Krankenhaus Gelnhausen zum Brustzentrum

Hanau-Gelnhausen zusammen. Leitklinik ist

das Klinikum Hanau mit dem Chefarzt der Frauenklinik

Privatdozent Dr. Thomas Müller. Er leitet

das Brustzentrum. Die neue Operationstechnik

wird am Standort Hanau des Brustzentrums

angeboten. Das Brustzentrum ist zertifiziert. Das

ist deshalb besonders wichtig, weil der Begriff

Brustzentrum nicht geschützt ist. Die Zertifizierung

durch unabhängige Experten bürgt für

nachgewiesene hohe Qualität, weil für die Vergabe

des Gütesiegels anspruchsvolle Voraus -

setzungen notwendig sind.

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Taktgeber für den wichtigsten Muskel

Herzschrittmacher-Patienten werden im Klinikum Hanau rund um die Uhr betreut /

Kardiologische Patienten führen ein weitgehend normales Leben

Die Medizinische Klinik I mit ihrem kardiologischen

Schwerpunkt versorgt gemeinsam mit der

gefäßchirurgischen Klinik jedes Jahr rund 150

Patienten neu mit Schrittmachern und mehr als

30 Herzkranke mit Defibrillatoren, berichtet Privatdozent

Dr. med. Christof Weinbrenner, der

Chefarzt der Medizinischen Klinik I.

Weltweit tragen rund zwei Millionen Menschen

einen Herzschrittmacher. Dieses Gerät kommt in

erster Linie dann zum Einsatz, wenn das Herz

des Patienten zu langsam schlägt. Defibrillatoren

sind dann angeraten, wenn ein lebensgefährliches

Kammerflimmern sonst nicht mehr in den

Griff zu bekommen ist. Denn dann schlägt das

Herz sehr schnell und Patienten weisen häufig

eine Herzfrequenz von über 200 pro Minute auf.

Ein Herzschrittmacher, erläutert der Herzspezialist

Daniel Haertel, erreicht heute eine Funktionsdauer

von bis zu zehn Jahren – abhängig von der

Häufigkeit seines Einsatzes. Denn das Gerät ist

nicht permanent in Aktion, sondern nur dann,

wenn der Pulsschlag zu langsam wird. Wenn

nach einigen Jahren die Batterieleistung nachlässt,

wird nur der unter der Haut liegende Teil

des Schrittmachers ausgetauscht, die in das

Herz führenden Elektroden bleiben in der Regel

erhalten. Deshalb kommt der Arzt beim Wechsel

auch mit einem kleinen Schnitt aus.

Auch die Erstimplantation des Schrittmachers ist

heute ein wenig aufwändiger Vorgang, erklärt Dr.

Weinbrenner. Die reine Operationszeit liegt bei rund

30 bis 60 Minuten. Und in vielen Fällen – in Hanau

in rund 25 Prozent – kann der Eingriff ambulant

Herzschrittmacher stellen heute eine ausgereifte Technik

dar. Viele Herz-Patienten können mit den kleinen Geräten

wieder ein weitgehend normales Leben führen und an

zahlreichen Aktivitäten teilnehmen. Die Medizinische Klinik

I in Hanau gehört bei der Versorgung von Patienten mit

Herzschrittmachern zu den großen Einrichtungen im Main-

Kinzig-Kreis. Und sie bietet Patienten einen großen Vorteil:

eine 24-Stunden-Notfallversorgung, wenn es Probleme

gibt oder Komplikationen auftreten. Denn rund um die Uhr

können sich Patienten mit Herzschrittmachern ganzjährig

an die Klinik wenden.

vorgenommen werden. Der Patient wird lediglich lokal betäubt; eine

Vollnarkose ist nicht notwendig. Da es sich bei den Patienten in der

Regel aber um ältere Menschen handelt, die auch noch andere

Krankheiten mitbringen, bleiben drei Viertel der Herzkranken nach

der Implantation eines Schrittmachers über Nacht zur Beobachtung.

Das hat den Vorteil, dass mögliche Komplikationen schnell

erkannt und behandelt werden können. Denn in der Klinik, unterstreicht

Dr. Weinbrenner, legen die Ärzte großen Wert auf eine

umfassende Versorgung. Dies sei gerade auch bei älteren Menschen

wichtig, die sonst alleine daheim nicht gut zurechtkämen.

Nach dem Einsetzen eines Schrittmachers sind Patienten noch

etwa eine Woche lang eingeschränkt: Die körperliche Belast -

barkeit ist reduziert, d. h. auf der Seite des Schrittmachers sollten

sie nichts Schweres tragen und den Arm schonen. Danach

sind nahezu alle Aktivitäten erlaubt, Schwimmen ist nach etwa

zwei bis drei Wochen wieder möglich. Nach etwa drei Monaten

sind die Elektroden dann fest eingewachsen. Die regelmäßigen

Nachuntersuchungen erfolgen zum Teil durch die Klinik und in

Absprache mit den niedergelassenen Ärzten.

Im Alltag, sagt Daniel Haertel, gibt es für die Menschen mit

Herzschrittmacher weniger Einschränkungen als allgemein angenommen

wird. Die Patienten können sich Belastungen aussetzen

und Sport treiben, allerdings darf in der Regel nicht tiefer als fünf

Meter getaucht werden. Auch Fliegen ist kein Problem. Allerdings

sollten Schrittmacher-Träger nicht die Sicherheitsschleusen an

Flughäfen durchschreiten. Die Magnetwellen könnten das Gerät

irritieren. Medizinische Untersuchungen in einem MRT sind

wegen der starken Magnetfelder oft nicht mehr möglich. Und

schließlich ist auch beim Benutzen eines Mobiltelefons Vorsicht

angeraten. Zumindest sollte es nicht in der Brusttasche auf der

Seite des Schrittmachers getragen werden. Ansonsten gehen

von ordnungsgemäß funktionierenden Geräten wie Fernseher,

PC oder aber auch Diebstahlsicherungsschranken in Kauf -

häusern in der Regel keine Störungen aus.


Herzschrittmacher

So funktioniert ein künstlicher Herzschrittmacher

Ein Herzschrittmacher besteht aus mehreren Bauteilen oder Komponenten. Er ist dabei

nicht größer als eine Streichholzschachtel. Hauptbestandteil ist das so genannte Aggregat.

Es enthält die Batterie, den Impulsgeber und die Elektronik. Der Herzschrittmacher wird

dauerhaft unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt und wächst fest in das Gewebe ein.

Die Verbindung zwischen einem Schrittmacher und dem Herzen wird – je nach Art des

Geräts – über eine oder zwei Elektroden hergestellt. Elektroden sind dünne isolierte

Drähte, die im rechten Vorhof oder der rechten Kammer des Herzens verankert werden.

Damit das Herz das Blut sammeln und dann in den Körperkreislauf pumpen kann, sind

winzige elektrische Impulse notwendig, die den Muskel in Erregung versetzen. Diese

Impulse beginnen an der Vorkammer und werden dann an die Hauptkammer weitergeleitet.

Ist das Herz gesund und ohne Schädigung, werden die elektrischen Impulse vom

so genannten Sinusknoten erzeugt – er wird deshalb auch als natürlicher Herzschrittmacher

bezeichnet. Im Normalzustand schlägt das Herz zwischen 60 und 80 Mal in der

Minute. In Stresssituationen und bei starker körperlicher Aktivität kann diese Zahl auf

weit mehr als 100 Schläge pro Minute steigen.

Im Falle einer Herzschädigung oder -schwäche können der Taktgeber des Herzens

oder die Leitung im Herzen gestört sein. Der richtige Takt wird dann vom Herzschrittmacher

übernommen. Die Sensoren des Geräts sind dabei so sensibel, dass sie praktisch

jede Veränderung im Zustand des Patienten registrieren. Viele Schrittmacher sind

auch in der Lage, die benötigten elektrischen Signale selbstständig an die aktuelle

Lebenssituation des Patienten anzupassen. Dafür ist ein Sensor zuständig. Er registriert

zum Beispiel die steigenden Belastungen für einen menschlichen Organismus – zum

Beispiel beim Treppensteigen, Tragen oder Sport. Der Schrittmacher sorgt deshalb in

solchen Situationen für eine diesen Zuständen angepasste Herzfrequenz, damit die

Sauerstoffversorgung und Leistungsfähigkeit gesichert bleiben.

Einige Geräte bieten eine Kombination aus Schrittmacher und Defibrillator. Defibrillatoren

werden zur automatischen Behandlung von Herz-Rhythmus-Störungen eingesetzt.

Dazu gehören in erster Linie Herzrasen, das aus der Hauptkammer kommt, und

Kammerflimmern. Das Gerät überwacht den Herzrhythmus und gibt gegebenenfalls

elektrische Impulse zur Korrektur bis hin zum rettenden Elektroschock ab.

PD Dr. med. Christof Weinbrenner

Chefarzt der Medizinischen Klinik I

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Die Operationsbücher sind rund 100 Jahre alt und haben die Bombardierung Hanaus am 19. März 1945 etwas

verstaubt überstanden. Sie erzählen eine spannende Geschichte der Chirurgie am damaligen Landkrankenhaus,

dem Vorgänger des Klinikums Hanau. Prof. Martin Wolff, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeralund

Thoraxchirurgie, hat sich intensiv mit der Historie befasst, zahlreiche Recherchen durchgeführt und mit

Nachfahren vormaliger Hanauer Chefärzte korrespondiert. Er erzählt am Beispiel Hanau auch eine

Geschichte der Chirurgie, die im Laufe des 19. Jahrhundert einem starken Wandel unterlag: schmerzfreie

Operationen durch Narkose, neues Hygiene-Wissen, der erstmalige Einsatz von Handschuhen und Mundschutz

bei Operationen, die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Entwicklung von Operationskonzepten

auf wissenschaftlicher Basis sind nur einige Stichworte.

Das „Landkrankenhaus

Hanau“ war 1824 mit

88 Betten durch ein

Dekret des Kurfürsten

Wilhelm II in Kassel als

Nachfolge des Neustädter

Hospitals an der

heutigen Leimenstraße

gegründet worden. Die

Verwaltungsleitung lag

zunächst in den Händen

der Medizinalräte

Dr. K. Osius (1824-

1856) und dann Dr. F. v.

Möller (1856-1872).

Ihnen waren Stadtwundärzte

für die Erledigung

praktischer Tätigkeiten

zugeteilt. Ein sehr

bekannter Chirurg seiner

Zeit war Franz König

(1832-1910), der von

1859 bis 1869 als

Amtswundarzt in Hanau

am Krankenhaus arbeitete.

Er wurde später Lehrstuhlinhaber in Rostock,

Göttingen und zuletzt in Berlin an der Charité und

verfasste ein berühmtes Lehrbuch der Chirurgie.

Sein Sohn Fritz König (1866-1952) wurde in

Hanau geboren, studierte ebenfalls Medizin und

wurde als Ordinarius für Chirurgie an der Universitätsklinik

in Würzburg (1918-1835) ein Pionier der

Neurochirurgie in Deutschland.

Ab 1889 leitete Dr. K. Rosen, aus Marburg kommend,

einen größeren Neubau in die Wege, der

den neuen hygienischen Anforderungen in der

Chirurgie entsprach. Enttäuscht über den

schleppenden Gang der Verhandlungen, kehrte

er bereits 1891 dem Haus den Rücken. Sein

Niederschrift von Dr. Julius Fertig

Nachfolger war Dr. K. Mitteldorpf (1891-

1895), Privatdozent aus Freiburg, der einer

Arzneimittelverwechslung zum Opfer fiel.

Ihm folgte Prof. Dr. O. von Bünger (1895-

1905), Privatdozent aus Marburg, der

auch als Ärztlicher Direktor wirkte.

Am 11. Oktober 1897 wurde dann nach

zweijähriger Bauzeit das neue Krankenhaus

mit der stattlichen Front zum Mühltorweg

eröffnet. 1898 erfolgte die Trennung

der Anstalt in zwei Abteilungen –

„eine chirurgische und eine innere, mit je

einem selbständig dirigierenden Facharzte“.

1905 übernahm der Internist Dr. G.

Zuschlag die Geschäfte als Direktor und

im selben Jahr wurde als Chirurg Dr. Julius

Fertig berufen.

Dr. Julius Fertig (1871-1949) wurde in

Viernheim geboren und machte das Abitur

in Darmstadt. Er studierte Medizin an den

Universitäten in Gießen, Königsberg und

Heidelberg und promovierte 1895 mit

einer Arbeit „Über Osteomalacie und

deren Heilung durch Kastration“ zum Doktor der Medizin. Er

hatte seine Ausbildung an der Universitätsklinik Göttingen und

am Landkrankenhaus in Kassel absolviert und wurde von Kassel

nach Hanau als Oberarzt („Sekundärarzt“) für die Chirurgische

Abteilung „versetzt“.

Bei seinem Amtsantritt verfasste Dr. Fertig eine originelle Auflistung

der damaligen Zustände am Landkrankenhaus in Hanau, die mit

den Worten beginnt: „Es stinkt, sobald man das Haus betritt, die

Abtrittsverhältnisse sind unter aller Kritik.“ Neben mangelnden

Sterilisationsmöglichkeiten und dem „bejammernswerten Zustand

des Diphtheriepavillions“ werden ein träges Schreibbüro und mangelnde

Heizmöglichkeiten aufgelistet: „Die Assistenten können nach

9 Uhr abends nicht mehr auf ihren Zimmern verweilen wegen allzu

großer Kälte und sind darauf angewiesen ins Wirtshaus zu gehen...“


Historie

Auszug aus dem alten OP-Buch

In den erhaltenen Operationsbüchern ist die Entwicklung der

Chirurgie an einem solchen Krankenhaus gut abzulesen. Das

Spektrum von Dr. Fertig erstreckte sich zunächst auf Leistenbrüche,

Blinddarmoperationen und Notfälle, einschließlich gynäkologischer

Eingriffe. Einen großen Anteil hatten Operationen wegen

heute fast vergessener Infektionserkrankungen: Luftröhrenschnitte

bei Kindern mit Diphtherie und Operationen wegen

Tuberkulose an Lymphknoten und Knochen.

Im Jahr 1911 hatte das Krankenhaus 240 Betten, und es konnten

die Schwestern vom Hessischen Diakonieverein für die Krankenpflege

und Haushaltsführung gewonnen werden. 1914 wurde eine

eigene Apotheke eingerichtet. In den Jahren des Ersten Weltkrieges

wandelt sich das Bild: Es werden viele Amputationen, Entfernung

von Granatsplittern, Operationen wegen Schussbrüchen und septischen

Komplikationen nach Verletzungen vorgenommen. Während

des Ersten Weltkrieges wurde das Landkrankenhaus zum Reservelazarett

und durch Holzbaracken die Kapazität auf 340 Betten

erhöht. Eine harte Prüfung der Leistungsfähigkeit stellte eine Ruhrepidemie

1917 mit 250 Fällen dar. Die Zahl der Operationen stieg

von 1906 (n=510) bis 1917 (n=1157) stark an. Das Spektrum

planbarer Eingriffe blieb aber fast konstant: Nur selten werden

noch um 1922 längst etablierte Operationen an der Schilddrüse

(n=6), Gallenblase (n=31), am Magen oder Darm durchgeführt.

Erst 1924 erhält das Krankenhaus zum 100-jährigen Jubiläum

eine Röntgenanlage der Firma Siemens und Halske.

Dr. Fertig wurde 1933 nach dem Ausscheiden von Dr. Zuschlag

Ärztlicher Direktor, ging aber bereits 1934 wegen einer Erkrankung

in Pension. Als Internist wurde 1933 Prof. Dr. Wichels aus

Greifswald berufen, der auch lange Ärztlicher Direktor war. Dr.

Fertig starb 1949 in Schlüchtern, wo er vor den Bombenangriffen

Schutz gesucht hatte. Das Landkrankenhaus – wie die gesamte

Stadt Hanau – wurden durch die Bombardierung vom März 1945

fast vollständig zerstört.

Die Dokumentation der Zeitzeugen und die OP-Bücher zeigen

einen großen Unterschied in der Leistungsfähigkeit und Versorgungsqualität

eines kommunalen „Landkrankenhauses“ in der

Dr. Julius Fertig

Damaliger Ärztlicher

Direktor am Klinikum

Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich zu den

wesentlich besser ausgestatteten Universitätskliniken

der damaligen Zeit. An spezialisierten Einrichtungen

längst etablierte Operationen und diagnostische Methoden

wurden damals erst mit erheblicher Verzögerung

eingeführt. Heute erfolgen gerade an größeren nichtuniversitären

Krankenhäusern – wie am Klinikum Hanau

– wesentliche Entwicklungen der modernen Chirurgie –

wie zum Beispiel die minimal-invasiven Operationstechniken.

Aber auch die weitere Spezialisierung und Ausbildung

der Ärzte haben dort einen hohen Stellenwert.

OP-Saal vor dem zweiten Weltkrieg

Prof. Martin Wolff

Außenansicht von der Mühltorstraße um 1910

Prof. Wolff dankt Frau Dr. Wichels, der Witwe von Prof. Dr. Wichels für die Überlassung von Bildmaterial sowie den Herren Prof. Dr. J. Becker,

ehem. Direktor der Medizinischen Klinik I, und Dr. K. Becker, Enkel von Dr. Fertig, für wertvolle Informationen.

21


22

PD Dr. med. Marco Gruß

Privatdozent Dr. med. Marco Gruß ist der neue Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin

und Schmerztherapie. Nach seinem Studium der Humanmedizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen,

hat er zunächst seine klinische Ausbildung in der Inneren Medizin im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft –

Zentrum für Pneumologie und Allergologie absolviert. Anschließend war Dr. Marco Gruß in der Abteilung für

Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Gießen tätig. Unterbrochen

wurde die Zeit in Gießen durch einen zweijährigen Studien- und Forschungsaufenthalt in London. Nach der

Rückkehr nach Gießen folgten der „Facharzt für Anästhesiologie“, die Zusatzbezeichnung „Notfallmedizin“

und im Jahr 2007 die Habilitation. Zu den Zusatzqualifikationen des neuen Chefarztes zählen zum Beispiel

die Bezeichnungen „Leitender Notarzt“ und „Spezielle Intensivmedizin“. Zu seinem jüngsten Aufgabenbereich

gehörten vor allem die Organisation von täglich 22 Operationssälen, der Operativen Intensiv station und

der Operativen Intermediate Care Station, eines Aufwachraums, einer Prämedikations-Ambulanz sowie einer

Schmerzambulanz. Der bisherige Leitende Oberarzt und Stellvertreter des Chefarztes in Gießen hat zum 15.

September seine neue Aufgabe im Klinikum Hanau übernommen. Dr. Gruß folgt auf PD Dr. Jörg Brederlau,

der nach Berlin wechselt. Der neue Chefarzt ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Dr. med. Sven Diesler

hat seine Tätigkeit als neuer Oberarzt in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Hanau

aufgenommen. Nach dem Abschluss seines Studiums der Humanmedizin und der Promotion, arbeitete er

zunächst einige Jahre in einem Kreiskrankenhaus im Nordschwarzwald und dann mehr als acht Jahre in Kaiserslautern

in einem Haus der Maximalversorgung. Dort absolvierte er den Facharzt für Chirurgie, später

Unfallchirurgie und spezielle Unfallchirurgie. Zuletzt war er in Kaiserslautern als Funktionsoberarzt in der Klinik

für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie tätig. Aus familiären Gründen hat es ihn jetzt nach Jahren des

Pendelns wieder in seine hessische Heimat gezogen, da seine Frau am Spessart-Gymnasium in Alzenau

tätig ist. Dr. Seven Diesler wird in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie das gesamte Leistungsspektrum

der Unfallchirurgie abdecken. Außerdem unterstützt er Chefarzt Privatdozent Dr. Christian Eberhardt

in der Erweiterung und dem Ausbau des orthopädischen Spektrums der Klinik – vor allem auf dem Gebiet

des Hüft- und Kniegelenkersatzes.

Dr. med. Ralph Siemer

Menschen / Jubilare

verstärkt als Oberarzt das Team der Klinik für Chirurgie I (Allgemein-, Viszeral und Thoraxchirurgie) unter Leitung

von Chefarzt Prof. Martin Wolff. Dr. Siemer wurde 1969 geboren. Von 1997 bis 2008 war er als Assistenzarzt

an den Kliniken des Main-Taunus-Kreises in der Chirurgischen Klinik I (Allgemein-, Viszeral-, Thorax-

und Gefäßchirurgie) tätig. Im Jahr 2003 absolvierte er den Facharzt für Chirurgie und 2008 den Facharzt

für Viszeralchirurgie. Anschließend arbeitete er bis Sommer dieses Jahres als Oberarzt am Markus-Krankenhaus

in Frankfurt am Main. Die Tätigkeitsschwerpunkte des neuen Oberarztes am Klinikum Hanau liegen

in der Koloproktologie (Erkrankungen des Enddarms) und der laparoskopischen Chirurgie (Darmspiegelung).

Menschen in der Klinik

Langjährige Mitarbeiter feiern Dienstjubiläum

Gerade Krankenhäuser werden von Menschen geprägt. Sie geben der Klinik ein Gesicht. An diesem Ort

stellen wir Ihnen deshalb in jeder Ausgabe der Klinik-Zeitschrift Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die

sich seit vielen Jahren in direktem Kontakt oder „hinter den Kulissen“ um die Patienten des Klinikums

Hanau kümmern. Die Jubilarin ist diesmal:

Chong Hee Lee Krankenschwester / OP 40-jähriges Dienstjubiläum


Newsticker

Das Herz wird plastisch

Innovative Diagnostik eingeführt

Die Herzspezialisten am Klinikum Hanau können sich nun den

lebenswichtigen Muskel ihrer Patienten erstmals in einer dreidimensionalen

Darstellung ansehen. Dahinter verbirgt sich keine

Spielerei am Computer, sondern ein handfester Nutzen und Vorteil

für Herzpatienten. Denn Krankheiten können nun noch schneller,

genauer und effektiver erkannt und bewertet werden. Als eine von

wenigen Kliniken in der Region – und einzig im Main-Kinzig-Kreis –

verfügt die Medizinische Klinik I nun über eine so genannte 3 D-

Echokardiographie, eine hoch moderne Ultraschalluntersuchung.

Die 3 D-Echokardiographie ist noch ein recht neues bildgebendes

Verfahren in der Herzmedizin und deshalb auch noch nicht sehr

weit verbreitet. Die Patienten am Klinikum Hanau profitieren deshalb

von einer innovativen Untersuchungsmethode. Denn bisher

sind Bilder des schlagenden Herzens nur in einer zweidimensionalen

Darstellung möglich gewesen – mit einer entsprechend

begrenzten Aussagekraft. Privatdozent Dr. Christof Weinbrenner

Freikarten für Nussknacker und Rübezahl

unterstreicht: „Bei Herzklappenfehlern und bei der Herzschwäche

(Insuffizienz) bringt die neue Methode klare

Vorteile. Wir können unseren Patienten jetzt eine höhere

diagnostische Sicherheit bieten.“ Und der Chefarzt der

Medizinischen Klinik I ergänzt: „Wir können nun Herzprobleme

besser, genauer und schneller erkennen. Das führt

dann in der Folge auch zu einer effektiveren Behandlung.“

Mit dem Klinikum zum festlichen Sinfonie-Konzert in den Congress Park Hanau

Das Klinikum Hanau verlost unter den Lesern der Zeitschrift

Main Klinikum dreimal zwei Karten für das Sinfonie-Konzert

am 18. Dezember im Congress Park Hanau (CPH).

Die ersten drei Personen, die

die folgende Frage richtig

beantworten, erhalten in der

Reihenfolge des Eingangs ihrer

E-Mail den Zuschlag. Der

Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Frage lautet:

Wie viele Mitarbeiter sind am Klinikum Hanau beschäftigt?

A) ca. 160

B) ca. 1.600

C) ca. 16.000

Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail mit dem richtigen

Antwort-Buchstaben an: kontakt@klinikum-hanau.de

Die Gewinner werden automatisch benachrichtigt.

Am 18. September ist die beim Publikum sehr beliebte Congress

Park Sinfonie mit zwei sprühend phantasievollen Werken und einem

der schönsten Klavierkonzerte der Musikliteratur in ihre zweite Spiel-

Gewinnen Sie Karten!

zeit gestartet. Unter dem Motto „Impuls“ wird es bis Mai

2011 im Paul-Hindemith-Saal des CPH noch drei Konzerte

mit der Neuen Philharmonie Frankfurt und exzellenten

Gast-Solisten und -Dirigenten geben.

Beim zweiten Konzert, am 18. Dezember, wird die Congress

Park Sinfonie das Pub likum mit Nussknacker und

Rübezahl in weihnachtliche Stimmung versetzen. Unter

Leitung von Jens Troester zaubert dann die Musik von

Peter Tschaikowsky musika lischen Zuckerguss und elegante

Elegien in den Paul-Hindemith-Saal. Die pittoresken

Suitensätze aus dem Ballett „Der Nussknacker“ und die

zierlich-eloquente Musik seiner „Variationen über ein

Rokoko-Thema“ für Violoncello und Orchester stellen den

ersten Teil des Konzertprogramms, die Sinfonische Dichtung

„Rübezahl“ den zweiten. Komponiert wurde das in

der Tradition von Richard Strauss gehaltene, 1940 für die

Semperoper geschriebene Werk von Willy Czernik, der

hierzulande eher für seine komödiantische Musik zur Fernsehserie

„Die Hesselbachs“ berühmt ist.

Informationen zu allen Konzerten finden Sie im

Internet unter www.cph-hanau.de. Alle Konzerte

beginnen um 19.30 Uhr. Jeweils eine Stunde zuvor

lädt der Künstlerische Leiter der Neuen Phil -

harmonie Frankfurt, Dr. Ralph Philipp Ziegler, zu

einem Einführungsvortrag ein.

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Newsticker / Termine

Mittwoch, 06.10.2010, 17:30 Uhr

Adipositas (Übergewicht)

bei Kindern

Dr. med. Constanze Müller

Oberärztin der Kinderklinik

Der Patient ist auch Kunde

Die Organisation und Durchführung von Operationen gehört zu den anspruchsvollen

Abläufen in einem Krankenhaus. Viele personelle und technische Absprachen sind

dafür zu bewältigen und zahlreiche Interessen unter einen Hut zu bringen. Dass dies

optimal gelingt, hat das Klinikum Hanau schwarz auf weiß. Denn die Zentrale Operationsabteilung

(ZOP) wurde jetzt von

einem unabhängigen Qualitäts-TÜV

mit dem Gütesiegel ausgezeichnet.

Diese so genannte Zertifizierung

kommt von der Ulmer Firma ClarCert,

einer Spezialistin im Kliniksektor. Das

Gütesiegel unterstreicht: OP-Patienten

sind im Klinikum Hanau sehr gut

versorgt. Sie profitieren von der

hohen Qualität der Arbeitsabläufe,

dem bestmöglichem Service und

einer großer Pünktlichkeit.

Arzt-Patienten-Seminare – Die nächsten Termine

Mittwoch, 03.11.2010, 17:30 Uhr

Die Zentrale Notaufnahme am

Klinikum Hanau

Jihad Nassar

Oberarzt der ZNA

In den Patienten-Seminaren informieren medizinische Experten des

Klinikums Hanau kompakt und verständlich über Neuigkeiten und

Wissenswertes zu bestimmten Krankheitsbildern. Solche Veranstaltungen

sind auch als Hilfe und Stütze für Patienten gedacht, besser mit ihrer

Krankheit zurechtkommen zu können. Die Seminare sind deshalb so

aufgebaut, dass im ersten Teil die Ärzte in das Thema einführen und

einen Überblick geben. Gleichzeitig lassen sie aber auch viel Raum für

Gespräche mit den Teilnehmern, damit diese ihre Fragen, Wünsche und

Anregungen einbringen können. Die Teilnahme an den Arzt-Patienten-

Seminaren ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Dauer

beträgt jeweils etwa eineinhalb Stunden. Veranstaltungsort ist die Große

Aula in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Haus P.

Operations-Management am Klinikum Hanau erhält Qualitätssiegel

Mittwoch, 01.12.2010, 17:30 Uhr

Bluthochdruck: Wie man den stillen

Übeltäter zu Fall bringt

Jürgen Muß

Oberarzt Medizinische Klinik I

Impressum

Herausgeber Klinikum Hanau GmbH

Leimenstraße 20, 63450 Hanau

Telefon: (06181) 296-0

V.i.S.d.P. Monika Thiex-Kreye

Druck Druckerei PUKKA, Hanau

Auflage 5.000 Stück

Erscheinung alle drei Monate

© 2010 Für alle Beiträge bei Klinikum Hanau

GmbH. Nachdruck, auch aus zugs -

weise, nur nach schriftlicher Zustimmung

des Herausgebers.

Konzeption, Redaktion, Layout

embe consult gmbh

www.embe-consult.de

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