Horizonte 06 - Rudolf Steiner Schule Mayenfels

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Horizonte 06 - Rudolf Steiner Schule Mayenfels

HORIZONTE

Jahresschrift der Rudolf Steiner Schule Mayenfels 2006/2007


Horizonte 2006/7

Inhalt

Editorial..................................................................................................... 3

Pädagogischer Schwerpunkt: Selbstständiges Lernen ........................... 4 – 7

Schulprojekt: Das Eurythmietheater der 7. Klasse .............................. 8 – 11

Bildbetrachtung ...............................................................................12 – 13

Rätsel ..................................................................................................... 14

Wettbewerb ............................................................................................ 15

Mayenfels kreativ: Der Handarbeits-Unterricht ............................... 16 – 17

Fragebogen: Urs Walter .......................................................................... 18

Glosse: Zeugnis mit Hindernissen ........................................................... 19

Kindergarten: Das freie Spiel .......................................................... 20 – 23

Steinhauen an der FOS ................................................................... 24 – 25

Der Schülerhilfsfonds ............................................................................. 26

Pro Mayenfels ......................................................................................... 27

Im Gedenken an Helene Haas ................................................................ 28

Hemra Sevinç blickt zurück .................................................................... 29

Jahresrechnung ............................................................................... 30 – 31

Aus Kinder- und Schülermund/Impressum .............................................. 32

2


Editorial

...am Horizont Schülerinnen und Schüler –

sie roden und räumen ein abgestorbenes Waldstück,

sie bauen einen Weg durch unwegsames,

wildes Gelände, sie fällen Bäume und forsten

wieder auf, indem sie junge Bäume pflanzen.

Auf dem Mayenfels?

Nein, um diese Schülerinnen und

Schüler zu sehen, musste man ein wenig weiter

und höher reisen. Um genau zu sein, nach

Zweisimmen, im Berner Oberland. Denn da haben

unsere Mayenfelsschülerinnen und -schüler

aus der 9. Klasse ihr Forstpraktikum absolviert.

Sie durften dabei erleben, dass sie Teil eines

Ganzen sind, dass sie mithelfen können, die

Umwelt zu unterstützen, dass sie nachhaltige

Dinge schaffen können.

Lernen am Leben - das können wir

zu jeder Zeit unseres Lebens und auf den verschiedensten

Gebieten oder Ebenen. Dieses in

die Schule zu integrieren, altersgemäss und der

Entwicklung der Kinder entsprechend, ist eines

der Ziele unserer Pädagogik.

Ob dies im freien Spiel im Kindergarten

geschieht, wie es Jacqueline Walter so

farbig in dieser Ausgabe beschreibt, oder im

selbstständigen Lernen in der Unterstufe, das

Matthias Gessenay in einer Forschungsarbeit in

der 3. Klasse untersucht hat oder im Einüben

und Präsentieren eines Eurythmietheaters, wie

es die 7. Klasse gemacht hat... Die Lernfelder

an unserer Schule sind weit und vielfältig und

sprechen Hand, Herz und Kopf an.

Wir wünschen Ihnen viel Freude

beim Lesen der Beiträge und Betrachten der

Bilder in unserer neuen Ausgabe von Horizonte.

Im Namen der Schulleitung der Rudolf

Steiner Schule Mayenfels grüsst sie

Uta Köfeler

3 Horizonte 2006/7


Postplatz 5, Postfach 128, 4144 Arlesheim

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des Monats

Horizonte 2006/7

Die Realität anerkennen –

und die Kraft haben, sie zu ändern

Selbstständiges Lernen in der Unterstufe

Aus ganz verschiedenen Ansätzen ist heute die

Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schülern

im Unterricht in den Mittelpunkt gerückt:

Die Individualität des Kindes wird stärker

wahrgenommen und wünscht – mit Recht –

berücksichtigt zu werden. Im weiteren sind die

schulischen Leistungen der Kinder uneinheitlich

und erzwingen eine differenzierte Unterrichtsweise

für die Lehrperson. Und drittens

entsteht angesichts vielseitiger pädagogischer

Hilfsmittel schnell der Eindruck, jedes Kind sei

zu allem fähig, wenn man nur den passenden

Schlüssel zu seiner Lerntüre findet.

Bei dem traditionell frontal orientierten

Unterricht an der Rudolf Steiner Schule

sind die Lehrpersonen gehalten, all dies alleine

zu erbringen. Von dorther darf man behaupten,

dass wir an den Rudolf Steiner Schulen die

Notwendigkeit haben, uns mit modernen Unterrichtsforschungen,

die auf Selbstständigkeit

abzielen, zu beschäftigen.

Lernen am Leben

Neue Unterrichtsforschungen haben aber auch

gezeigt, dass es nicht an den Methoden – dem

Frontal-, Gruppen-, oder dem Wochenplanunterricht

- hängt, sondern vielmehr an klaren

Zielvorgaben, an einheitlichen Erwartungen

und an der Professionalität der Lehrperson,

ob der Unterricht gut ist. Hier sind die Rudolf

Steiner Schulen mit dem Klassenlehrpersonmodell

positioniert.

Die Forschungsarbeit

In dieser Art habe ich das Thema

„Selbstständiges Arbeiten in der Unterstufe“

in einer Forschungsarbeit bearbeitet.

Als Ergebnis lässt sich folgendes festhalten:

Die Verbindung von selbstständigem Arbeiten

und dem Menschenbild der Rudolf Steiner

Schule ist für mich durchaus auch in der Unterstufe

möglich. Dazu brauchen die Lehrenden

unter anderem einen Lehrplan der Arbeitsmethoden,

um schrittweise eigenständige

Arbeitstechniken aufzubauen. Eine Aufgliederung

der benötigten Fähigkeiten in verschiedene

Kompetenzbereiche und deren Entwicklung

über die Altersstufen - wie es im Bewertungsmodell

des Europäischen Sprachenportfolios

umgesetzt ist - könnte hier eine Hilfe und ein

Weg sein. Solche „Kompetenzraster“ werden

bereits für die schweizerischen und deutschen

Oberstufen entwickelt.

Sofern sich seriös ein Blick in die

Zukunft werfen lässt, kann man wohl sagen,

dass die Schulkinder von heute in ihrem

Arbeitsleben von morgen als zentrale Fähigkeit

das Selbstmanagement, die Fähigkeit, ihre

Visionen und Ziele in die Wirklichkeit zu

führen, brauchen werden, wie kaum eine

Generation vor ihnen. Dazu benötigt es ein

zweifaches Können: Die Realität anzuerkennen

- und die Kraft zu haben, sie zu ändern.

Matthias Gessenay

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5 Horizonte 2006/7


Horizonte 2006/7

Lehrerinnen und Lehrer erforschen

ihren Unterricht

Praxisforschung ist ein zeitgemässer Ansatz,

wissenschaftliche Arbeit mit dem Leben zu

verbinden. Wir machen alle täglich viele

Beobachtungen, ziehen Schlussfolgerungen

daraus und sind dadurch in der Lage, etwas

zu ändern. Dies ist auch die Ausgangsbasis

für einen wissenschaftlichen Arbeitsweg.

Die Idee der Praxisforschung besteht darin,

diese täglichen Beobachtungen geordnet

und systematisch zu erfassen, aufzuschreiben

und damit die gewonnenen Erkenntnisse

transparent zu machen. Damit kann

grundsätzlich jeder und jede forschend tätig

werden.

Damit akademische Institutionen

wie Universitäten diese Forschungsmethode

anerkennen können, musste ich noch zwei

Dinge klären: Im Gegensatz zur herkömmlichen

Forschung ist die forschende Person nicht

mehr nur aussenstehend und beobachtend, sie

möchte durch ihre Forschung aktiv die Welt

verändern. Ist das noch objektiv?

Die Forschung basiert nicht auf Statistiken,

Versuchen oder Placebotests, sondern

bezieht die individuelle Wahrnehmung mit ein.

Kann das zu Ergebnissen führen, die sich verallgemeinern

lassen?

Der erste Kritikpunkt wurde zu einer

Tugend - nach H. Altrichter sogar zur Definition

für Praxisforschung. Praxisforschung ist die systematische

Untersuchung beruflicher Situationen,

die von Lehrpersonen selbst durchgeführt

wird, in der Absicht, diese zu verbessern. Denn

wer würde mehr an richtigen und funktionierenden

Ergebnissen interessiert sein als diejenigen,

die etwas damit verändern wollen?

Die zweite Frage wird durch transparente

Forschungsmethoden relativiert. Durch

pädagogische Tagebücher, „critical friends“,

Experteninterviews und qualitative Beobachtungen

sind die Ergebnisse zwar nicht direkt reproduzierbar

- aber unter Nennung aller Quellen

nachvollziehbar und kritisch reflektiert und

begründet. Dies macht es allerdings notwendig,

Praxisforschung wirklich fundiert zu lernen; mit

schnellen Schlussfolgerungen ist es nicht getan.

Matthias Gessenay

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7 Horizonte 2006/7


Im Garten des Sultans

Das Eurythmietheaterprojekt der 7. Klasse

Als Abschluss ihrer Unterstufeneurythmie

erarbeitete sich die 7. Klasse das Märchen

„Im Garten des Sultans“ nach Salim Alafenisch

und brachte es im Rahmen der Bizartage am

7. Mai zur Aufführung.

Durch ihre langjährige Eurythmieerfahrung

seit der ersten Klasse haben die

Schülerinnen und Schüler viele Elemente der

Eurythmie kennen und beherrschen gelernt.

Nun gilt es, im Rahmen eines grösseren

Projektes, diese einzelnen Elemente zu einem

künstlerischen Ganzen zu verbinden und charakterlich

zu durchdringen. Dabei stehen der

Wechsel zwischen Chorischem, Dialogischem

und das Darstellen von Einzelcharakteren im

Vordergrund.

Ebenso erhalten die Schülerinnen

und Schüler im Hinblick auf das 8. Klasstheater

ein Übungsfeld, einen grösseren Bogen zu

spannen und ein Stück in seiner ganzen

Länge auszufüllen und innerlich zu begleiten.

Horizonte 2006/7

Carmen Bühlmann

Ein orientalisches Märchen

Der Inhalt des Eurythmietheaters der 7. Klasse

Im Garten des Sultans lebten eine

Palme, ein Olivenbaum und ein Weinstock.

Die Palme und der Olivenbaum stritten sich

mit dem Weinstock, weil er zu viel Wasser verbrauche

und sich zu breit mache. Der Weinstock

fand, dass sie ihre Zeit angenehmer als

mit Streiten verbringen könnten und schlug vor,

dass alle ihre Geschichte erzählen sollten, wie

sie hierher gekommen seien.

Die Palme erinnerte sich nun wehmütig,

dass sie aus der fernen Wüste aus einer

heiligen Oase stamme, wo sie jedes Jahr ein Beduine

mit seiner Familie besucht hätte. Wenn

dieser nun das grosse Loch finden würde, wo

sie ausgegraben worden war, sei er sicherlich

zu Tode betrübt. Der Olivenbaum erzählte,

dass er vorher in einem grossen Hain gestanden

habe, in den ihn sein Besitzer gepflanzt hätte.

Wenn der Bauer nun merken würde, dass er

fehle, würde auch er sich sicherlich auf die Suche

nach ihm machen. Der Weinstock berichtete,

dass sein Herr, ein wohlhabender Händler,

sich immer mit seinen Freunden zum fröhlichen

Umtrunk im Schatten seiner Blätter getroffen

habe. Was sei ein Weingeniesser ohne seinen

Weinstock.

Tatsächlich machten sich der Beduine, der Bauer

und der Händler auf die Suche nach ihren

verschwundenen Lieblingen, und sie gelangten

schliesslich alle zum Garten des Sultans und

fanden ihre vermissten Pflanzen.

Als der Sultan sah, wie die drei Männer die

Palme, den Olivenbaum und den Weinstock so

gern hatten und nicht mehr ohne sie weggehen

wollten, bat er seine Frau Zahra einen Schiedsspruch

zu sprechen, was mit den Männern und

den Pflanzen geschehen solle. Die weise

Sultana erlaubte den Männern ihre Lieblingspflanzen

wieder auszugraben und an die

ursprünglichen Orte zurückzubringen.

Andreas Baumeister

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9 Horizonte 2006/7


Wie das Eurythmietheater auf die Bühne kam

Die Sicht der Klassenlehrerin

Im November letzten Jahres sprach mich Frau

Bühlmann an, um die Einzelheiten für den Abschluss

der eurythmischen Unterstufenarbeit der

siebten Klasse zu besprechen. Wir hatten noch

kein Stück gewählt, da mussten wir schon den

Aufführungstermin festlegen, denn der Terminkalender

der Schule ist dicht gedrängt. Doch

nachdem wir wussten, wann der Bizar stattfinden

würde, beschlossen wir, mit der Eurythmieaufführung

unseren Beitrag zu leisten. Die

Entscheidung für die Wahl des Stückes fiel dann

recht schnell und unspektakulär. Ich gab Frau

Bühlmann ein Buch mit Geschichten von Salim

Alafenisch und sie begeisterte sich sofort für das

Märchen „Im Garten des Sultans“. Frau Bühlmann

bearbeitete die Geschichte einfühlsam

und stimmig für die Belange der Eurythmie.

Für die Klasse folgte dann eine

intensive Probenzeit, in der sie Tiefen und

Höhen durchlebte. Die beiden Aufführungen

ermöglichten es nicht nur den Schülerinnen

und Schülern, sondern auch den Zuschauerinnen

und Zuschauern auf schöne Art und Weise,

etwas von einer uns recht fremden Kultur empfindend

mitzuerleben. Die Schülerinnen und

Schüler erfuhren darüber hinaus, wie erfüllend

das Beherrschen der eigenen Bewegungen sein

kann. Sie wurden mit zunehmendem Können in

ihrer Rolle immer freier, konnten diese gestalten

und sich gegenseitig nach Bedarf unterstützen.

Horizonte 2006/7

Ingrid Maier-Ott

Stimmen einiger Schülerinnen und Schüler der

7. Klasse zum Eurythmietheater „Im Garten

des Sultans“

Meine schönste Erfahrung war, dass man

auch improvisieren konnte und nicht immer

dieselben Gebärden machen musste.

Silvan, 14 Jahre

Ich fand die Aufführung und die Probezeit

sehr toll, und ich war verwundert, dass

die Lehrerinnen und Lehrer so viel Mühe

aufbrachten.

Joel, 13 Jahre

Meine Rolle gefiel mir, weil sie kurz war und

beim 10. Bild hatte ich eine lange Pause, das

gefiel mir auch. Ich finde, dass ich meine Rolle

gut gespielt habe. Ich hätte jedoch noch ein

bisschen aufrechter sein dürfen. Die Probezeit

war ein bisschen langweilig, weil wir die

Sachen so oft wiederholten, aber das brauchte

es, sonst hätten wir es nicht gekonnt.

Valentin, 14 Jahre

Das Lauteüben mit den Anderen war eins der

Dinge, die mir am meisten Spass gemacht

haben. Ich habe gelernt, dass man miteinander

und aufeinander achten soll. Dass man nicht

alles alleine machen kann, und dass es Geduld

braucht.

Nadia, 13 Jahre

Am Anfang war das Üben eigentlich wie

im normalen Unterricht. Dann hiess es, in

drei Wochen ist die Aufführung. Welch eine

Aufregung! Wir probten und probten und

probten nochmals. Das Eindrückliche an der

Aufführung war für mich, dass eigentlich das

Lästige nur davor ist. Auf der Bühne läuft dann

alles wie geschmiert.

Christian, 13 Jahre

Zuerst hatte ich keine Lust auf das

Eurythmietheater, aber mit der Zeit war es nicht

mehr so langweilig. Es war eine gute Erfahrung

für mich. Ich habe viel gelernt, zum Beispiel,

dass Eurythmie nicht immer langweilig sein

muss, sondern auch spannend sein kann. Die

Probezeiten waren manchmal hart, aber sie

haben mir irgendwie trotzdem Spass gemacht.

Angelica, 14 Jahre

Ich finde solche Projekte gut, es macht Spass,

wenn man richtig an einer Sache arbeitet.

Lynn, 13 Jahre

Der beste Moment für mich war, kurz vor der

Aufführung hinter dem Vorhang zu stehen und

zu wissen, dass der Vorhang jeden Moment

aufgehen kann. Zu wissen, dass so viele Blicke

auf einen gerichtet sind, war manchmal sehr

anstrengend. Ich habe viel über die Eurythmie

und die Arbeit und den Aufwand, den es

braucht, bis man so ein Stück erarbeitet hat,

gelernt.

Samuel, 13 Jahre

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11 Horizonte 2006/7


Höhlenzeichnung im Rahmen der Kunstgeschichtsepoche der 8. Klasse

Horizonte 2006/7

Meret Bürgi, 14 Jahre,

Cervus elaphus (Rothirsch), Felsmalerei 13.000 vor Christus

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Mit selbst hergestellter Farbe aus Farbpigmenten, aus Lehm und Bindemitteln wird der Blatthintergrund

plastisch gestaltet, um eine Höhlenwand nachzuahmen. Mit Kohle werden die

Tiergestalten auf dem trockenen Untergrund aufgetragen.

Andrea Schätzl

Melvin Mühry, 14 Jahre,

Mammut, Felsmalerei 13.000 vor Christus

13 Horizonte 2006/7


Rätsel lösen Rätselraten

Spielerisch die Welt entdecken

„Lernen am Leben“ und „möglichst nahe

an der praktischen Welt unterrichten“ sind

zwei Schwerpunkte unserer Pädagogik.

Dies, verbunden mit der Forderung nach

mehr selbstständiger Arbeit im Unterricht,

erfordert eine Grundlage für den Unterricht,

die auf dem ungeteilten Interesse an der

Welt aufbaut. Interesse, das geweckt und

erhalten werden muss, was in der heutigen

Zeit mit der Überflutung der Kinder mit

Sinneseindrücken nicht einfach ist. Zu

schnell wird eine aufkeimende Frage durch

nachfolgende Eindrücke zugedeckt. Fragen

sind aber die Voraussetzung dafür, Interesse

an der Welt zu wecken.

Rätsel eignen sich besonders gut,

auf spielerische Art an Fragen heranzuführen

und die Lust auf die Suche nach Antworten

zu fördern. Sie können daher in jeder Klassenstufe

und bei vielen Gelegenheiten immer

wieder herangezogen werden, um Wissbegierde

zu wecken und die Schülerinnen und

Schüler in die intensive Auseinandersetzung

mit einer Fragestellung zu bringen.

Horizonte 2006/7

Christian Ammon

„Einen wunderschönen guten Morgen,

Herr Wachtmeister“, sagte Mister McGuire.

„Können Sie mir wohl sagen, wie spät es ist?“

„Durchaus“, erwiderte Wachtmeister Clany.

„Wenn Sie einfach ein Viertel der Zeit seit

Mitternacht bis jetzt zur halben Zeit von jetzt

bis Mitternacht hinzufügen, dann haben sie

die genaue Uhrzeit.“

Wisst ihr, wann diese rätselhafte Unterhaltung

stattfand?

Es geht die Legende, dass ein Kirchturm in

der Nähe von Zürich eine verhexte Uhr hatte.

Diese Uhr wurde um 6 Uhr morgens in Gang

gesetzt. Unglücklicherweise waren die Zeiger

an den verkehrten Federn befestigt. Der

Stundenzeiger begann als erster zu laufen,

während sich der Minutenzeiger zwölfmal

langsamer drehte.

Wenn die Uhr um 6 Uhr in Gang gesetzt

wurde und wenn sich der Stundenzeiger

zwölfmal schneller bewegte als der andere

- wann würden die beiden Zeiger erstmals

genau die richtige Zeit anzeigen?

Quellen: Sam Loyd; Martin Gardner:

Mathematische Rätsel und Spiele.

Denksportaufgaben für kluge Köpfe.

Dumont, Köln 2006.

Und: www.janko.at

Lösungen in der nächsten Ausgabe von HORIZONTE.

Zwei Löcher hab ich, zwei Finger brauch ich.

So mach ich Langes und Grosses klein und

trenne, was nicht beisammen soll sein.

Ich habe zwei Flügel und kann doch nicht

fliegen, ich hab einen Rücken und kann doch

nicht liegen. Ich habe ein Bein und kann doch

nicht stehen. Ich trag eine Brille und kann

doch nicht sehen.

Welch ein Geschöpfchen! Wie auch geboren,

nie wachsen Ohren ihm an dem Köpfchen.

Es klingt wie im Märchen: Hat es Öhrchen.

Hat es kein Köpfchen; hat es ein Köpfchen,

hat es kein Öhrchen, das arme Tröpfchen.

Zwei Schwestern kenn ich, kannst du es

fassen? Die ganz zusammen passen, jed Werk

gemeinsam tun und nachts zusammen ruhn;

doch gilts in kleinsten Fragen Ja oder Nein

zu sagen, wirst jedes mal du sehen, dass die

zwei Schwestern auseinander gehen.

(Franz von Brentano)

Wer es wagt, hat keinen Mut. Wem es fehlt,

dem geht es gut. Wers besitzt, ist bettelarm.

Wems gelingt, der ist voll Harm. Wer es gibt,

ist hart wie Stein. Wer es liebt, der bleibt

allein.

Ausgwählt von Matthias Gessenay

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Wettbewerb: „Who is who auf dem Mayenfels?”

Tolle Buchpreise zu gewinnen! Macht alle mit!

Wie heissen diese vier Kinder?

A B

C D

Schreibt die vier Namen auf eine Karte mit dem

Stichwort „Who is who auf dem Mayenfels?“

und gebt diese auf unserem Schulsekretariat

bei Frau Doris Stucky ab! Wenn Ihr nicht

ganz sicher seid, wer wer ist, fragt eure

Mitschülerinnen und Mitschüler und eure

Lehrerinnen und Lehrer. Vielleicht geben Sie

euch einen Tipp!!!

Tipp der Redaktion: Sucht nicht nur bei den

Mitschülerinnen und Mitschülern, sondern

auch bei euren Lehrerinnen und Lehrern!

In drei Alterskategorien verlosen wir drei super spannende

Kinder- und Jugendbücher aus dem aktuellen Programm der

Verlage Urachhaus und Freies Geistesleben:

Unter den richtigen Einsendungen der Schülerinnen und

Schüler der 1. bis 3. Klasse verlosen wir drei Exemplare

Dick Laan: Pünkelchens

Abenteuer. Mit Illustrationen

von Hans Deininger. Verlag

Urachhaus, Stuttgart 2006,

140 Seiten, gebunden. Fr. 21.30.

Neuausgabe der erstmals 1967

erschienen Erstausgabe.

Pünkelchen ist ein kleiner Wicht,

nicht grösser als der kleine Finger

einer Hand. Es wohnt in einem

grossen Haus in der Stadt bei

einer Mäusefamilie und ist sehr neugierig – viel zu neugierig

manchmal, und so gerät es in allerlei verzwickte und komi-

sche Situationen. Zum Glück sind seine Freunde, der Kater

Schnurrebart, der Dackel Wackelschwanz, die Spinne Silber-

fädchen oder die Krähe Wippsteert meistens nicht weit, so

dass Pünkelchens Abenteuer immer ein gutes Ende nehmen.

Unter den richtigen Einsendungen der Schülerinnen und

Schüler der 4. bis 6. Klasse verlosen wir drei Exemplare

Sid Hite: Paul, Einstein und der

grüne Ford.

Verlag Freies Geistesleben, Stutt-

gart 2006, 159 Seiten, Fr. 26.20.

Unverwechselbar, packend,

mysteriös, ernst und ein bisschen

verrückt ist Sid Hites Geschichte

von Pauls zeitweiliger Verban-

nung auf eine Farm in Virginia.

Etwas seltsam sind sie alle auf

der grossen Farm, die irgendwo

in den Hügeln von Virginia liegt: die Vallenports, ihr Sohn,

die alte Grandma und zwei Farmarbeiter. Aber das Unikum

ist zweifellos Einstein, der Hund, der den Städter Paul gleich

bei seiner Ankunft in die Hose kneift und der den grünen

Pickup-Truck seines toten Herrn, eines gewissen Hennley,

nicht aus den Augen lässt.

Unter den richtigen Einsendungen der Schülerinnen und

Schüler der 7. bis 9. Klasse verlosen wir drei Exemplare

Graham Gardner: Im Schatten der Wächter.

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 4. Auflage 2005, 199

Seiten, Fr. 26.20.

Das ist das Motto für Richard,

den Anführer der „Wächter“,

denen es Spass bereitet, Macht

über Mitschüler zu besitzen,

diese zu bestrafen und zu terro-

risieren. Die Wächter bedienen

sich dazu einer Gruppe von

Handlangern, zu denen der 15-

jährige Elliot gehört. Elliot war

an seiner alten Schule drei Jahre

das Opfer, er wurde gequält,

verfolgt und geschlagen. An seiner neuen Schule erfindet er

einen neuen Elliot, der sich cool, kaltblütig und abgebrüht

gibt und schliesslich zum Auserwählten der Wächter-Bande

aufsteigt. Die neue Identität ohne Ecken und Kanten wird

Elliot zur zweiten Natur. Durch die Begegnung mit Louise

und Ben gerät Elliot immer mehr in Konflikt mit seiner neuen

Rolle, bis er schliesslich seine schreckliche Angst überwin-

det. Er gehorcht seinem wahren Glauben und riskiert alles.

Und damit befreit er sich selbst ...“ Dieses Buch erhielt den

Jugendbuchliteraturpreis 2005.

Alle Bücher sind erhältlich in der

Buchhandlung Buchinsel,

Zeughausgasse 31, 4410 Liestal.

Bitte beachten Sie das Inserat auf Seite 24.

15 Horizonte 2006/7


Der Handarbeits-Unterricht

Arbeit mit den Händen? Nicht nur! Dieses

künstlerisch-handwerkliche Unterrichtsfach

umfasst so vieles mehr. Es spricht alle Ebenen

im heranwachsenden Kinde an: Das DENKEN,

das FÜHLEN und das WOLLEN.

Nehmen wir als Beispiel das Stricken, mit dem

die Kinder in der 1. Klasse bekannt gemacht

werden. Sie lernen, aus einem endlosen Faden

Schlingen zu bilden: Schlinge reiht sich an

Schlinge, jede ist von der anderen abhängig

- ein dichtes, festes Gewebe entsteht. Hält eine

Schlinge nicht, entsteht ein Loch.

„...es muss Schönheit als in das Leben

hineingehörig betrachtet werden.

Es muss überall ein Sinn dafür

entwickelt werden, dass die Schönheit

nichts für sich Abgeschlossenes, sondern

etwas in das Leben Hineingestelltes ist...“

Horizonte 2006/7

Rudolf Steiner

Wie wenn man Gedanken an Gedanken reiht

Diesen Vorgang können wir auch als physisches

Abbild eines Gedankenvorgangs lesen, wenn

sich Gedanke an Gedanke reiht. Man spricht ja

auch von einem „Gedankenfaden“ oder „dem

roten Faden“, der durch ein Gespräch oder

durch einen Vortrag führt und ja auch nicht

abbrechen sollte. Also darf man wohl sagen,

die Kinder lernen mit den Fingern DENKEN.

Das übende Element ist im Handarbeitsunterricht

ausserordentlich wichtig, denn

durch das wöchentliche Tun erreichen die

Schülerinnen und Schüler Handfertigkeit und

Geschicklichkeit. Sie lernen, an einer Arbeit

- die manchmal ein halbes Jahr oder länger

dauern kann - zu bleiben. Dies schult ihren

WILLEN und lässt sie gleichzeitig erleben,

dass man durch Üben immer sicherer werden

kann. Diese Erfahrung wiederum gibt ihnen die

Möglichkeit, sich mit Mut und Vertrauen in sich

selbst immer wieder an Neues heranzuwagen.

Neues, das einem am Anfang noch schwierig

erscheint – in Angriff zu nehmen.

Die künstlerischen Fähigkeiten schulen

Einen wesentlichen und wichtigen Raum

des Handarbeitsunterrichtes nimmt das

Künstlerische ein, das Gestalterische, das

Schöpferische, das Ästhetische, das, wo das

Kind sein FÜHLEN erleben und ausleben darf

und die eigenen künstlerischen Fähigkeiten

schulen soll: Das Pflegen der Sinne, etwa den

Tastsinn im Erspüren und Erfühlen der Qualität

der verschiedenen Materialien oder den

Schönheitssinn, im Empfinden der Farben und

der Formen.

In den ersten drei Schuljahren lernen die Kinder

verschiedene Techniken kennen: das Stricken,

das Häkeln, das Sticken, das Nähen, das Filzen

und anderes mehr.

Ein neuer Einschlag kommt in der 4. Klasse

mit dem Kreuzstich. Die Schülerinnen und

die Schüler müssen sich bei dieser Arbeit

räumlich zurecht finden: im Oben und Unten,

im Rechts und Links, im Hinten und Vorne.

Eine Herausforderung, da alle Kreuzstiche in

der gleichen Richtung stehen müssen. Jedes

Kreuz wird ganz zu Ende gebracht, bevor

man das nächste beginnt. Zudem besteht die

Aufgabe darin, eine freie Form symmetrisch

zu gestalten. Diese Arbeit macht die Kinder

wach, sie gibt ihnen Halt und fördert durch das

wiederholende Bilden der Überkreuzung ihre

Konzentrationsfähigkeit.

16


Etwas Nützliches für sich und für andere tun

Nach dem flächigen Arbeiten sollen die Kinder –

beim Sockenstricken – das Dreidimensionale

entdecken. Sie erleben, dass durch das Auf-

und Abnehmen von Maschen dem Gestrickten

eine Form gegeben werden kann, dass Hülle

gebildet wird. Das Thema der 6. Klasse ist das

Puppen- oder Tierenähen. Es gilt, den Puppen

einen „seelischen Ausdruck“ zu geben oder

beim Tier etwas typisch Wesenhaftes sichtbar

zu machen. Sorgfältig, mit kleinen Stichen

muss genäht werden, damit anschliessend Kopf,

Rumpf und Glieder plastisch ausgeformt werden

können, damit eine wohl proportionierte Gestalt

entstehen kann. Dies erfordert Aufmerksamkeit

und Geschicklichkeit. Beim Nähen der Puppen-

kleider dürfen die Schülerinnen und Schüler

kreativ sein, all das einfliessen lassen, was die

Puppe zu ihrer eigenen individuellen Puppe

werden lässt, wo man als Aussenstehender

oft auch etwas Wesenhaftes des Kindes

entdecken kann. Der Handarbeitsunterricht

begleitet die Schülerinnen und Schüler bis in

die 8. Klasse. Als letzte Arbeit nähen sie sich

ein Kleidungsstück. Grossen Wert wird hier

auf sorgfältige Ausführung, Genauigkeit und

richtige Handhabung der Hilfsmittel gelegt.

Das lebenspraktisch-soziale Element wird

gepflegt, indem wir Arbeiten ausführen, die

Sinn machen, und Dinge herstellen, die

gebraucht werden, so dass das Kind spürt:

„Ich habe etwas ‚Nützliches’ für mich und

andere, also für das Ganze getan.“

Doris Stucky

17 Horizonte 2006/7


Horizonte 2006/7

15 Fragen an Urs Walter

Mittelstufenlehrer auf dem Mayenfels

1.) Was hat Sie in letzter Zeit gefreut?

Die Begegnung mit neuen Menschen.

2.) Was empfinden Sie als Ihre Stärke?

Ich habe eine gute Beobachtungsgabe für die Naturzusammenhänge und

das Verhalten von Menschen.

3.) Was empfinden Sie als Ihre Schwäche?

Mir fehlt eine gewisse Eloquenz.

4.) Welche Eigenschaft schätzen Sie bei einem Schüler, bei einer Schülerin?

Vor allem schätze ich Aufrichtigkeit, Humor und taktvolle Direktheit.

5.) Was zeichnet in Ihren Augen einen guten Lehrer, eine gute Lehrerin aus?

Trotz kleinerer und grösserer Nöte und Sorgen, alles beim Eintreten ins Schulhaus hinter sich zu lassen

und Freude am Unterrichten zu haben.

6.) Wer ist ihr Vorbild?

Jeder Mensch, der sich wahr und klar verhält.

7.) Was ist Ihr Lieblingsmärchen?

Das Märchen von Goethe…

8.) Was ist Ihr Lieblingsessen?

Pasta!

9.) Was ist Ihr Lieblingsort?

Im Gebirge - unter einer Arve - an einem Gewässer - ein locus amoenus.

10.) Welche Musik hören Sie gerne?

Musik von Dvorak, Beethoven, Grieg, Tanzmusik und Volksweisen aus aller Welt.

11.) Welches Buch lesen Sie gerade?

Von Paul Coelho «Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt»

12.) Welches ist Ihr Lieblingssatz von Rudolf Steiner?

«Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen.»

13.) Welches Ziel möchten Sie im Lehrerberuf erreichen?

Die eigene Begeisterungsfähigkeit und den Humor beim Unterrichten nicht zu verlieren.

14.) Wohin möchten Sie gerne reisen?

Nach Patagonien, Namibia, Sibirien, Bhutan – kurz, rund um die Welt.

15.) Welchen Traum möchten Sie sich erfüllen?

Ein lange gehegter Wunsch von mir ist, dass ich einmal zu Pferd die Mongolei bereisen kann.

18


Glosse

Zeugnis mit Hindernissen

Diese verfluchten Zeugnisse. Wie schön haben

es da die Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen: Sie

rechnen die Noten aus, geben den Schnitt dem Rektorat und

studieren dann die Reiseprospekte. Aber ich quäle mich mit

diesen Texten herum, die höchst liebevoll und phänomenolo-

gisch charakterisierend die unangenehme Differenz zwischen

dem unerschöpflichen Entwicklungspotenzial zu den nackten

Ergebnissen verschleiern…

Ueli hat sich in diesem Schuljahr sehr Mühe

gegeben. Der arme Kerl, er hat Mühe, warum sage ich nicht

einfach, er kann das und das und das nicht? Habe ich Angst,

ihn zu verletzen? Also nochmals: Ueli hat in diesem Schuljahr

sein Bestes gegeben. Was soll denn das? Und wenn sein Bes-

tes bei anderen das Schlechteste ist, was sie jemals gegeben

haben? Ueli hat in diesem Schuljahr immer wieder schöne

Resultate erzielt. Immer wieder wohlgemerkt, nicht immer

und auch nicht wieder und wieder, sondern immer wieder, es

kam manchmal vor, weiss Gott warum. Und schöne Resultate

bei dieser Sauschrift? Was für eine schiefe Ästhetik ziehe ich

da an den Haaren herbei? Ueli hat in diesem Schuljahr alle

Arbeiten erledigt. Oho, jetzt setze ich den Level aber tief an,

damit er einigermassen gut dasteht, er hat überhaupt was

getan, ist das nicht wunderbar? Jetzt reichts, Klartext her: Ueli

hat in diesem Fach so seine Schwierigkeiten. Schon besser,

aber welche? Und was habe ich getan, um diese Schwierig-

keiten anzugehen, wie gedenke ich, damit umzugehen, bin

ich nicht erst jetzt als Pädagoge gefragt? Ueli hat in diesem

Fach so seine Schwierigkeiten. Seine Texte sind oft sehr kurz

und nicht fehlerfrei. Aha, jetzt haben wirs. Wie lang sollen

denn die Texte sein, habe ich das nicht klar vorgeschrieben?

Warum habe ich seine eingereichten Texte nicht zurückgege-

ben und ihm unmissverständlich klar gemacht, dass sie länger

sein müssten? Warum habe ich nicht eine Verbesserung

angefordert, die ich dann auch Wort für Wort korrigiert habe,

um vielleicht sogar eine zweite Verbesserung anzufordern?

Wie anders soll sich der arme Kerl denn verbessern? Also weg

mit den Fehlern. Was ich auch schreibe, es richtet sich gegen

mich und das darf nicht sein, niemals! Ueli hat in diesem Fach

so seine Schwierigkeiten. Um sich zu verbessern, hätte er sich

etwas mehr anstrengen sollen. Da hast dus, jetzt ist der Speer

umgedreht, das Problem liegt bei dir, mein Lieber, nicht bei

mir, du hast Probleme, nicht ich. Ueli hat in diesem Fach so

seine Schwierigkeiten. Um sich zu verbessern, hätte er sich

etwas mehr anstrengen sollen. Er war nicht bereit, seine Texte

im geforderten Umfang zu verfassen. Nicht bereit? Kann ich

eigentlich nicht sagen, er war nicht in der Lage. Also: Ueli hat

in diesem Fach so seine Schwierigkeiten. Um sich zu verbes-

sern, hätte er sich etwas mehr anstrengen sollen. Er war nicht

in der Lage, seine Texte im geforderten Umfang zu verfassen.

Jetzt habe ich ein Durcheinander gemacht: Ich werfe ihm vor,

dass er sich zu wenig angestrengt hat – okay – und dann im

gleichen Atemzug, dass er nicht in der Lage dazu war. Kann

ich ihm ein Unvermögen vorwerfen? Bitte etwas genauer.

Ueli hat in diesem Fach so seine Schwierigkeiten. Um sich

zu verbessern, hätte er sich etwas mehr anstrengen sollen.

Vielleicht wäre er dann eher in der Lage gewesen, seine Texte

im geforderten Umfang zu verfassen. Voilà, das sitzt. Das

Kerlchen soll bitte seine Grenzen überschreiten. Aber diese

Konjunktive, sie sind immer so erzmoralisch. Ueli hat in

diesem Fach so seine Schwierigkeiten. Um sich zu verbessern,

sollte er sich etwas mehr anstrengen. Dann wird es ihm eher

möglich sein, seine Texte im geforderten Umfang zu verfassen.

Fantastisch: Wer sich anstrengt, erreicht mehr. Welch bahn-

brechende Erkenntnis. Ich habe schon lange nicht mehr so

einen banalen Bockmist geschrieben. Und jetzt ist es 23.30

Uhr. Meine Frau schläft schon. Sie weiss, es ist Zeugniszeit

und spielt Witwe. Uelis Zeugnis ist das fünfte von dreihun-

dertfünfzig. Mit der Zeit geht es routinierter. Ich werden dann

bei Ueli Nr. 158 schreiben, dass er gerne mitgemacht hat,

manchmal an seine Grenzen kam, aber sich mit dem nötigem

Einsatz schon verbessern wird. Aber dieses eine Ueli-Zeugnis

muss ich noch fertig machen, sonst macht es mich fertig. Und

während ich sekundenweise in den Schlaf falle, es ist 0.55

Uhr, und wieder aufschrecke, schreibe ich in einer Schrift, die

der von Ueli nicht unähnlich ist: Ich bin froh, dass ich Ueli

kennengelernt habe. Ich spüre, dass er ein reiches Leben vor

sich hat und hoffe, dass ich an einem Ort dieses Lebens stehe,

den er später in seinen Erinnerungen gerne wieder aufsucht.

Wie ich ins Bett kam, weiss ich nicht mehr. Aber am nächsten

Morgen bin ich gut aufgewacht, als hätte ein Engel für mich

zwei Stündchen mehr Schlaf ergaunert.

Daniel Baumgartner

19 Horizonte 2006/7

Buchtipp

Monika Kiel-Hinrchsen:

Warum Kinder nicht zuhören.

Ein Ratgeber für Eltern und Erziehende.

Urachhaus, Stuttgart 2005, 198 Seiten,

Fr. 22.70.

»Mein Kind hört einfach nicht auf das, was ich sage!« Liegt

der Grund dafür vielleicht gar nicht beim Kind? Wie muss

ich meine »Botschaft« ausdrücken, damit sie das Kind

erreichen kann? Die Art und Weise, wie wir miteinander

sprechen, ist der Kern jeder menschlichen Beziehung.

Kinder reagieren oft noch viel sensibler als Erwachsene

auf die Signale, die wir mit

unserer Körpersprache, dem

Tonfall und der Art unserer

Formulierungen »zwischen den

Zeilen« aussenden. Deshalb ist

es für die Erziehung von entscheidender

Bedeutung, welche Botschaften

wir jenseits unserer Worte

vermitteln. Wie muss ich mit meinem

Kind in den einzelnen Altersstufen sprechen?

Welche Wirkungen gehen vom

Klang meiner Stimme und von meinen

Gebärden aus? Wie beeinflussen die Situation,

in der sich das Kind befindet, und meine

eigene Befindlichkeit die Verständigung? Wie

schaffe ich es, mir all diese Aspekte so bewusst

zu machen, dass ich sie im Alltag umsetzen

kann? Monika Kiel-Hinrichsen möchte Eltern und

Erziehende mit dem »Handwerkszeug« ausrüsten,

das über eine gelungene Kommunikation die Basis

für eine sinnvolle Erziehungsarbeit bilden kann.

Dieses Buch ist erhältlich in der

Buchhandlung Buchinsel,

Zeughausgasse 31, 4410 Liestal.

Bitte beachten Sie das Inserat auf Seite 24.


Die Dinge nach den inneren Bildern und individuellen

Neigungen selber gestalten

Über die Bedeutung des freien Spiels

im Kindergarten

Szene aus der Spielgruppe: Ein

dreijähriges Mädchen hält in der linken Hand

ein gestricktes Rösslein, dessen vier Beine nach

vorne zeigen. Dabei formt sie die Laute „pfff“,

„pfff“ und sagt: „ Das isch mi Sprützer, ich putz

jetzt d’Kuchi und do ha-n-ich ‚s’Putzmittel.“

Sie zeigt mit der rechten Hand freudestrahlend

auf ein Birkenholzrugeli und macht Streubewegungen.

Ein gleichaltriger Junge macht es ihr

nach. Dabei bekommen sie gegenseitig auch ab

und zu einen „Spritzer“ ab, was sie beide sehr

belustigt.

Horizonte 2006/7

Spielen wie im Traum

Ist das freie Spiel des Kindes vor

dem dritten Lebensjahr noch mehr ein Hantieren

mit den möglichst gleichen Gegenständen,

mit welchen es die Erwachsenen arbeiten sieht,

so werden dieselben Gegenstände nach dem 3.

Lebensjahr mehr und mehr „zweckentfremdet“

und auf vielerlei Art verwendet. Vorher handelte

das Kind rein funktional nachahmend und

immer geschickter. Jetzt werden die Dinge, wie

es der gerade erwachenden Fantasie beliebt, zu

allem verzaubert.

Dieses freie Spielen ist mit dem

Traum vergleichbar, wo sich die Bilder des Geschehens

scheinbar unlogisch aneinander reihen,

vermischen und neu verwandeln. In dieser

Welt können die Blumen reden. Es ist eine

magische Welt. Ein Märchenreich, wo Drachen

hausen, Zwerge von ihrem Goldschatz ganze

Säcke an hilfreiche Menschen verschenken,

Eitlen und Boshaften hingegen wünschen, dass

ihnen bei jedem Wort Kröten aus dem Mund

springen. Und da blüht das schöpferische, aus

sich selbst aktiv gestaltete Spiel besonders

innig und freudig, wo das Spielzeug auch alle

Möglichkeiten offen lässt, nichts die tätig sein

wollende Fantasiekraft einengt oder durch

perfektes „Fertigsein“ von aussen beherrscht

und bestimmt.

Taten als Spiegel der Seele

Darum nehmen wir im Rudolf

Steiner Kindergarten und in der Spielgruppe

dankbar die Geschenke der Natur auch in unsere

Stuben, wie etwa Steine, Wurzeln, Rinden,

Hölzer, ungesponnene Schafwolle, Muscheln,

Föhrenzapfen und Obstkerne, Kastanien oder

Nussschalen. Kommen dazu noch Tücher und

vielleicht einfach gestaltete Puppen und Tierfiguren

dazu, welche die Kinder sogar oft lieber

selber aus den Tüchern und dem Naturmaterial

herstellen, hat ein gesundes Kind alles, was es

braucht. Es ist auch zufrieden damit, weil es

nun genug Freiraum hat, die Dinge nach seinen

eigenen inneren Bildern und individuellen Neigungen

zu gestalten.

Dem unverstellten begleitenden

Blick des Erwachsenen zeigt sich an den täglichen

Beobachtungen dieser kreativen Leistungen,

bei welchen die Kinder aktive, begeisterte

Blicke, gerötete Wangen, warme Hände und

Füsse bekommen, dass das freie Spiel dem Kind

ernste Arbeit und für es alles echt ist. Die Taten

sind Spiegel ihrer Seele, aber auch der aus ihrer

Umgebung stammenden Erlebnisse.

Nicht immer geht es harmlos und

heiter zu und her: Mitunter bevölkern auch

Krallen zeigende Monster, gefährliche Räuber,

gefrässige Krokodile oder Unfallverletzte den

Kindergarten, die andererseits zu Hilfe eilende

Engel, übereifrige Polizisten, Tierwärter und

Unfallärzte aufs Spielfeld locken. Ein anderes

„Spielfeld“ ist das Fussballspiel. Eifrig und fast

20


nervös sitzen zwei Buben mit je einer Zwergenhöhle

als Tore sich gegenüber. Beide sind mit

einem Kochlöffel bewaffnet und nun wird eine

Kastanie als Ball ins gegnerische Tor geschossen.

Zum Glück ins Tor und nicht in eines der

vielen Zuschauergesichter, die das Feld mit

lauten Jubelschreien flankieren. Es geht nicht

lange und das Spiel ist unversehens zum Kampf

geworden. Es ist ein Gegeneinander und nicht

Miteinander, das die Kinder nur mit Hilfe des

Erwachsenen wieder in ein vertieftes, inniges,

kreatives Spiel verwandeln können.

Die so genannte schöne oder die von Hand

gemachte Puppe

Zum tieferen Sinn dieser so bedeutsamen

Entwicklungsphase der kindlichen Fantasie

am Anfang jeder Biografie äusserte sich

Rudolf Steiner folgend: „Bis zum Zahnwechsel

im siebenten Jahre hat der Menschenleib eine

Aufgabe an sich zu verrichten, die wesentlich

verschieden von den Aufgaben aller anderen

Lebensepochen ist. Die physischen Organe

müssen in dieser Zeit sich in gewisse physische

Formen bringen; ihre Strukturverhältnisse

müssen bestimmte Richtungen und Tendenzen

erhalten… Wie die Muskeln der Hand stark und

kräftig werden, wenn sie die ihnen gemässe Arbeit

verrichten, so wird das Gehirn und werden

die anderen Organe des physischen Menschenleibes

in die richtigen Bahnen gelenkt, wenn

sie die richtigen Eindrücke von ihrer Umgebung

erhalten. Ein Beispiel wird es am besten anschaulich

machen, um was es sich handelt.

21 Horizonte 2006/7


Horizonte 2006/7

Man kann einem Kinde eine Puppe machen,

indem man eine alte Serviette zusammen windet,

aus zwei Zipfeln Beine, aus zwei Zipfeln

Arme fabriziert, aus einem Knoten den Kopf…

Oder man kann eine so genannte ‚schöne’

Puppe mit echten Haaren und bemalten Augen

kaufen und sie dem Kinde geben. (...) Die

Haupterziehungsfrage ist dabei: Wenn das Kind

die zusammen gewickelte Serviette vor sich

hat, so muss es sich aus seiner Fantasie heraus

das ergänzen, was das Ding erst als Mensch

erscheinen lässt. Diese Arbeit der Fantasie

wirkt bildend auf die Formen des Gehirns. Dieses

schliesst sich auf, wie sich die Muskeln der

Hand aufschliessen durch die ihnen angemessene

Arbeit. Erhält das Kind die so genannte

‚schöne’ Puppe, so hat das Gehirn nichts mehr

zu tun. Es verkümmert und verdorrt, statt sich

aufzuschliessen.“*

Die Erwachsenen können das Spiel

nicht machen. Sie können aber die Voraussetzung

dafür schaffen. Und eine Voraussetzung,

neben dem offen lassenden Spielzeug, ist vor

allem die Stimmung. Anregende Arbeitsstimmung

– für das Kind ist spielen auch arbeiten

– schafft der Erwachsene immer durch lebensgemässe,

in Freude von Hand ausgeführte,

völlig durchschaubare Urtätigkeiten. Die Kinder

sind wie magisch angezogen von handwerklich

tätigen Erwachsenen. Sie können stundenlang

versunken zuschauen, helfen gerne mit beim

Kochen, Waschen, Putzen, Fegen, Reparieren,

Gärtnern oder Schleifen, um dann so gesättigt

wunderbar zu spielen. Gelingt dieses vorbild-

liche Tun noch in regelmässiger Wiederholung

zu bestimmten Zeiten und mit ausreichend Zeit

und Ruhe, können auch Kinder, welche beim

Erreichen des Kindergartenalters das wirklich

erfüllte eigenaktive Spielen verlernt oder noch

gar nie gehabt haben, nach einiger Zeit wieder

gesund spielen und innere Vitalkräfte entwickeln.

Kinderoasen schaffen

„Ein von verfrühtem, schwächendem

Intellektualismus geschützter Kindergarten ist

das modernste, zukunftsträchtigste, was heute

geboren werden könnte, denn dort würden die

innovativen Kräfte der Zukunft heranwachsen.

Eine Art ‚Kindheitsschutzsphäre’ ist unbedingt

notwendig – Kinderoasen –, denn eine ungelebte

Kindheit lässt sich durch keinerlei‚ flankierende

Massnahmen’ und Therapien nachholen“.**

Bedeutende Studien haben wiederholt aufgezeigt,

dass gerade das sinnfreie Spielen die

Funktion hat, das Gehirnwachstum anzuregen.

Je mehr Zeit im freien, sozialen Spiel verbracht

wird, desto entwickelter ist die Bildung von

Synapsen im Kleinhirn und der Grosshirnrinde.

Längsschnittuntersuchungen haben ausserdem

gezeigt, dass die kognitiven Leistungen von Kindern

im ersten Schuljahr umso besser waren, je

variantenreicher und fantasievoller ihr Spielverhalten

war.

In einer Zeit, wo vermehrt die Spielzeit

der Biografie als „überholt“ und unnötig

Zeit verschwendend proklamiert wird, wo

22


Plastikmonster, Pokemon, Spiderman, Legobausteine

und Barbiepuppen die Kinderzimmer

überfüllen, verfrühtes einseitig kognitives

Lernen schon im Kindergartenalter als gesund

verstanden wird, widmen sich die Rudolf Steiner

Kindergärtnerinnen und Kindergärtner in

enger Zusammenarbeit mit den Elternhäusern

der heute nicht einfachen, aber notwendigen

Aufgabe, Kinderoasen zu schaffen – mit Handwerk,

überschaubaren Prozessen, im Zusammenklang

mit der Natur, mit Märchenspielen,

Singen und Reigentanz, Jahreszeitenfesten und

vor allem mit der Liebe zur eigenen Tätigkeit.

Für die Kinder. Für deren und unsere Zukunft.

Adressen unserer Kindergärten und

Kindergärtnerinnen:

Kindergarten Rheinfelden

Haldenweg 21, 4310 Rheinfelden

Kindergärtnerin Jacqueline Walter

Telefon 061 831 42 05

Kindergarten Sissach

Stebligerweg 2, 4450 Sissach

Kindergärtnerin Maja Seebeck

Telefon: 061 901 41 74

Kindergarten Liestal

Oristalstrasse 19, 4410 Liestal,

Kindergärtnerin Katrin Fuhrer

Telefon: 061 901 43 01

Neu in unseren Kindergärten:

Die Beratungsnachmittage

rund um Mutter und Kind.

Nähere Informationen bei unseren

Kindergärtnerinnen.

Jacqueline Walter

* Rudolf Steiner: Erziehung des Kindes.

Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1978, S. 21.

** Maria Luisa Nüesch: Spiel aus der Tiefe.

K 2- Verlag, Schaffhausen 2004, S. 83.

Freie Oberstufenschule Baselland (FOS)

Die gemeinsame Oberstufe

der Rudolf Steiner Schulen Mayenfels

und Münchenstein.

23 Horizonte 2006/7


SE Energie

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Horizonte 2006/7

aus Sonne,

Holz und Pellets

Salerno Engeler GmbH

Schwengiweg 12, CH 4438 Langenbruck

Tel.: 062 390 16 22

www.sesolar.ch

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Stetes Klopfen höhlt den Stein

Wie Geist und Materie miteinander

kommunizieren

Steinhauen gehört an der FOS zu den künstlerischen

Fächern, die im Rahmen einer Intensivzeit

durchgeführt werden. Wer das Fach wählt und

bereit ist, sich hartnäckig in die Steinzeit zu

begeben, macht spannende Erfahrungen.

Viele Jahre haben wir in der FOS das

Steinhauen als Lager in der Toskana durchgeführt.

Mittlerweile sind weitere Projekte dazugekommen,

die auch ihren finanziellen Tribut erfordern, so

dass dieses Jahr zum ersten Mal das Steinhauen

hinter der FOS in unserem wunderschönen Garten

stattfand. Ganz zum ersten Mal aber auch nicht.

Unsere Steinhauerin, Johanna Tsering, gibt schon

seit einiger Zeit an der FOS am Samstag Kurse für

Interessierte, so dass im Garten neben dem seerosenbedeckten

Teich ein kleines Stück toskanisches

Ambiente entstanden ist. Dort versammelte sich

eine Gruppe vor den Sommerferien und setzte

sich, mit Meisseln bewehrt, mit der doch nur

scheinbaren Unnachgiebigkeit der Steine auseinander.

In der Oberstufe hat jedes Fach neben

seinem umrissenen Inhalt immer auch eine

grenzüberschreitende metaphorische Bedeutung.

Das hat in der Kulturgeschichte seine Tradition.

Schon Goethe benutzte die Chemie, um in seinem

meisterlich komponierten Roman „Die Wahlverwandtschaften“

menschliche Beziehungen im

Bilde chemischer Prozesse darzustellen. Und der

Philosoph Spinoza formulierte in der Barockzeit

in seinem Traktat „Ethica more geometrico“ eine

Ethik nach der Methode der Geometrie. So lassen

sich die Bezüge ausweiten: Im Malen wird nicht

nur gemalt, sondern auch exemplarisch an der Gestaltung

von Lebensstilfragen gearbeitet; in der Eurythmie

werden die sozialen Gebärden jeglichen

Miteinanders in Richtung einer zu entwickelnden

Sozialkunst eingeübt; in der Biologie geht es immer

auch um die Schärfung des phänomenologischen

Blickes für die Lebendigkeit aller Erscheinungen

um uns herum.

Wie ist das mit dem Steinhauen? Es

gibt, und das zeigt sich immer wieder bei der

Beobachtung der Schülerinnen und Schüler, generell

zwei Wege: Entweder man hat eine Idee im

Kopf, wie die Form aussehen soll und versucht, sie

dem Stein einzuklopfen oder man tritt in ein stetig

hämmerndes Zwiegespräch mit seinem rohen

Klotz und beobachtet, für welche Formschritte er

jeweils eine Offenheit besitzt. Interessanterweise

zeitigt der zweite Weg oft die beeindruckenderen

Ergebnisse. Da ist eine frappante Lektion zu lernen,

nämlich die, dass Ideen nicht immer so einfach in

die Realität eingefügt werden können, wie man

das gerne möchte. Die Realität belehrt uns doch

immer wieder, dass sie ein Wörtchen bei der

Bildung von Ideen mitreden möchte, so dass auch

hier nur der stete Dialog des Konzipierten mit dem

Machbaren zum Erfolg führt.

24


Zur Abwechslung und auch zur Schonung der

Gelenke – in den Rückstössen des Hämmerns gibt

der Stein immer wieder Antwort – hat die Gruppe

auch einige Museumsbesuche gemacht und eine

Kunstschule besucht, jeweils unter kundiger Führung

von Martin Schaffner.

Am Ende der Projektzeit waren die unterschiedlichsten

Steinfiguren zu bewundern, präsentiert in

einer kleinen Vernissage, zu der Eltern eingeladen

wurden. Jedes Stück hatte seine individuelle Form

und zeigte etwas vom Hauenden wie auch vom

Wesen des Steins. Wobei die Kunst bei dieser

Materie auch darin besteht, das Gemachte loszulassen,

wenn man noch nicht zufrieden ist, es in

die Objektivität zu entlassen, etwas, das in jedem

künstlerischen Prozess Schmerzliches an sich hat,

weil das perfekte Ideal nie erreicht wird.

Daniel Baumgartner

Freie Oberstufenschule Baselland (FOS)

Die gemeinsame Oberstufe der Rudolf Steiner

Schulen Mayenfels und Münchenstein.

Gründenstrasse 95, 4132 Muttenz

Tel.: 061 463 97 60, e-mail: fos@freesurf.ch

Auskünfte über das Sekretariat bei

Christine Weissenberger, Montag bis Freitag,

8.00 bis 12.00 Uhr.

25 Horizonte 2006/7


Der Schülerhilfsfonds SHF

Keinem Kind soll aus finanziellen Gründen der

Schulbesuch an einer Rudolf Steiner Schule

versagt sein – und keine Familie soll in ihrem

Lebenszusammenhang gefährdet werden,

wenn sie nicht in der Lage ist, für das Schulgeld

aufzukommen.

Diese Grundsätze standen über

einem früheren Spendenaufruf für den Schülerhilfsfonds

und sie sind auch heute noch gültig.

Es wird für unsere Schule immer schwieriger,

diesen Grundsätzen auch nachzuleben. Die

Lebensverhältnisse haben sich geändert. Im

wirtschaftlich schwierigeren Umfeld kommt es

zu Arbeitslosigkeit. Eltern trennen sich und immer

mehr Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen

melden ihre Kinder an der Schule an.

Auch Invalidität eines Elternteils oder schwere

Krankheiten führen dazu, dass die finanziellen

Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Für unsere Schule bedeuten alle

diese Lebenssituationen Einbussen bei dringend

benötigten Mitteln, die je länger je mehr nicht

mehr alleine durch die Solidarität unter den

Eltern und durch Lohnverzicht der Lehrerinnen

und Lehrer aufgefangen werden können.

Der Mindestbeitrag pro Familie

beträgt Fr. 520.-, was mit wenigen Ausnahmen

auch in bescheidenen Verhältnissen aufgebracht

werden kann. Der für eine ausgeglichene

Rechnung notwendige durchschnittliche monatliche

Familienbeitrag liegt bei Fr 1050.-. Nur

knapp 45% der Familien können diesen Betrag

Horizonte 2006/7

tatsächlich zeichnen. Pro Kind gerechnet ist die

Situation noch prekärer. Den benötigen Durchschnittsbeitrag

pro Kind von Fr. 790.- können

nur gerade 25% der Familien aufbringen. Hier

kommt also die Solidarität der Eltern mit einem

höheren Einkommen zum Tragen, was nicht

genügend verdankt werden kann. Hier gibt

es aber Grenzen, nicht mehr alle schwierigen

Lebenssituationen können durch Solidarität in

der Beitragsregelung aufgefangen werden. Das

zeigen auch die Zahlen des Schülerhilfsfonds.

Die Aufwendungen im letzten Schuljahr waren

deutlich höher als die Erträge.

Hier kommt dem Schülerhilfsfonds

eine bedeutende Aufgabe zu. Der Fonds leistet

einerseits aus diesen zweckgebunden zufliessenden

Spenden im Sinne von Stipendien direkte

Beiträge an die Schule für Eltern, die den

Minimalbeitrag von Fr. 520.- nicht aufbringen

können. Andererseits gewährt der SHF Eltern in

einer vorübergehenden schwierigen Situation

Darlehen auf den Schulbeitrag, das heisst ein

Teil des Beitrages wird gestundet - abgesichert

mit einem Darlehensvertrag - und der SHF

übernimmt den fehlenden Teil zu Gunsten der

Schulrechnung. Diese Darlehen sind nach dem

Schulaustritt des letzten Kindes innerhalb von

drei Jahren dem Fonds zurück zu zahlen.

Während die Darlehen in sich einen

geschlossenen Kreislauf der Mittel bilden,

braucht es für die Gewährung von Stipendien

einen dauernden Zufluss an Mitteln, die durch

Gönnerinnen und Gönner in Form einer ein-

maligen Spende oder durch Patenschaften über

längere Zeit generiert werden müssen. Gerade

in diesem Bereich wird die Schule in der Zukunft

auf breite Unterstützung angewiesen sein.

An den eingangs erwähnten Grundsätzen

möchten wir auch in Zukunft nicht

rütteln. Darum erlauben wir uns, Ihnen den

Schülerhilfsfonds wärmstens zu empfehlen und

Sie um Ihre Unterstützung zu bitten.

Christian Ammon

Der Schülerhilfsfonds im laufenden Schuljahr:

Vermögen Fr. 330‘508.-

Gewährte Darlehen Fr. 312‘455.-

Stipendien 05/06 Fr. 21’574.-

Neue Darlehen Fr. 57’511.-

Rückzahlungen 05/06 Fr. 34‘246.-

Spenden Fr. 5342.-

Spenden zugunsten unseres Schülerhilfsfonds

können Sie auf unser Konto: PC 40-1956-1,

Rudolf Steiner Schule Mayenfels, 4133 Pratteln

überweisen.

26


Pro Mayenfels

Jetzt haben wir es geschafft. Die ordentliche

Generalversammlung des Pro Mayenfels liegt

hinter uns. Für uns als Vorstand ein grosser

Schritt, da dort nun das neue Leitbild, mitsamt

den überarbeiteten Statuten, verabschiedet

werden konnte. Erfreulicherweise haben die 38

anwesenden Mitglieder, neben dem Vorstand,

noch eine kleine, aber wichtige Änderung eingebracht.

In Zukunft besteht der Vorstand des

Pro Mayenfels aus den Mitgliedern des Runden

Tisches mit dem Zusatz: „Weitere Mitglieder

des Vereins können in den Vorstand gewählt

werden.“ Hier sollen alle Mitglieder des Pro

Mayenfels ermutigt werden, sich für eine Vorstandtätigkeit

zu interessieren.

Der „Runde Tisch“ ist vielleicht

den neuen Eltern noch nicht bekannt. Deshalb

möchte ich kurz darauf eingehen. Entstanden

ist er nach der Gründung des Elternrates an der

Schule, da der Elternrat bemerkt hatte, dass die

verschiedenen Gremien an unserer Schule sich

unzureichend absprechen und abstimmen. Aus

einer Kritik wurde durch die Idee des „Runden

Tisches“ eine konstruktive und funktionierende

Runde geschaffen, die sich jedes Quartal in der

Schule trifft und alle notwendigen Absprachen

untereinander vornimmt.

Als dann der Pro Mayenfels nach

seiner Aufgabe suchte, kam die Idee, dass diese

neue Runde genau den gesuchten Vorstand

abgeben könnte. Dank dieses Gremiums konnten

viele Unklarheiten behoben werden, oder

sie sind erst gar nicht entstanden.

Im weiteren wurde durch Pro Mayenfels die

Elternschule initiiert, die an Dienstagabenden

Eltern oder auch Freundinnen und Freunden

der Schule einen kleinen Einblick in die

Anthroposophie vermitteln soll. Hier werden in

Zukunft vermehrt auch öffentliche Elternabende

zu aktuellen, pädagogischen Themen stattfinden.

Wer gerne in der Elternschule mitarbeiten,

Ideen oder Anregungen beisteuern möchte,

möge sich doch bei mir melden.

Abschliessend sei noch ein Blick in

die Zukunft geworfen. Wir wollen das Thema

„Aktives Sponsoring“, wie es im Leitbild so

schön heisst, anpacken und im neuen Vereinsjahr

starten. Auch hier sind kräftige Mitstreiterinnen

und Mitstreiter willkommen!

Kontakt:

Johannes Marhenke

Pro Mayenfels

Johannes Marhenke

Wintersingerstr. 27, 4312 Magden/AG

Telefon: 061 841 01 09

E-Mail: marhenke@bluemail.ch

Elternschule Pro Mayenfels

Die nächsten Gesprächsabende finden

um 19.30 Uhr im Musikzimmer auf dem

Mayenfels statt am:

21. November 2006

5. Dezember 2006

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Marie-Theres Beeler

Supervisorin /Organisationsberaterin BSO

Praxis für Supervision, Coaching, Team- und Organisationsentwicklung

Büchelistrasse 6, 4410 Liestal

mth.beeler@bluewin.ch, www.beeler-beratung.ch

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27 Horizonte 2006/7

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Horizonte 2006/7

Im Gedenken an

Helene Sophie Haas-Giger

Wenige Tage vor

Ihrem 88. Geburtstag

hat Helene Sophie Haas am 29. Juli

2006 ihren Erdenweg – nach einem reichen

Leben – vollendet. Es war ein Leben, das die

allermeiste Zeit den Kindern, besonders den

Schülerinnen und Schülern des Mayenfels

gewidmet war. Allerdings liegt die Zeit ihres

letzten Wirkens dreizehn Jahre zurück. Da

beendete Helene Haas ihr vielfältiges Tätigsein

an unserer Schule, um sich nach vielen

Jahren intensiver Arbeit des wohlverdienten

Ruhestandes erfreuen zu können. So kannten

nur noch wenige Lehrerinnen und Lehrer, die

das gegenwärtige Kollegium bilden, die damals

rüstige Frau. Die Schülerinnen und Schüler, die

von ihr unterrichtet worden sind, stehen alle

schon längst im Leben draussen, dort wo sie

gebraucht werden. Helene Sophie Haas war am

Mayenfels Klassenlehrerin, aber auch Fachlehrerin

für Fremdsprachen, Musik und den freien

christlichen Religionsunterricht. In den letzten

Jahren ihrer Tätigkeit widmete sie sich liebevoll

besonders denjenigen Kindern, die Förderunterricht

benötigten. Die Kinder, denen sie auf

künstlerische Weise viel Wertvolles mitzugeben

verstand, gingen sehr gerne zu ihr in den

Unterricht. Diesen an unserer Schule überhaupt

aufzubauen und einzurichten, verdanken wir,

neben anderen Persönlichkeiten, auch ihr.

Helene Sophie Haas gehörte

zusammen mit ihrem im Jahre 2003 verstorbenen

Mann, Rudolf Haas, zu dem

Personenkreis, der sich ab dem Jahre 1971

unermüdlich für die Begründung einer Rudolf

Steiner Schule im Kanton Baselland einsetzte.

Diese Arbeit führte bekanntlich zum Erfolg.

Im Jahre 1973 wurde die Rudolf Steiner Schule

Baselland, der spätere Mayenfels, am 27. April

in Muttenz Freidorf eröffnet. Helene Sophie

Haas führte damals interimistisch die neue 2.

Klasse.

So blicken wir beeindruckt auf das

erfüllte Leben einer lieben, stets hilfsbereiten

Kollegin. Wir danken ihr für alles, was sie für

unsere Schule getan hat. Unsere guten Gedanken

begleiten sie auf ihrem weiteren Weg.

Heinz Stucky

28


Rückblick

Hemra Sevinç

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten

Schultag an der Rudolf Steiner Schule in

Pratteln. Am letzten Schultag vor Weihnachten

kam ich als 15-jähriges Mädchen in meine

neue Schulklasse. Ich war überwältigt, wie

wunderbar das Klassenzimmer mit Tannenzweigen,

Manderinen und Kerzen geschmückt war.

In der Schule, die ich in der Türkei

besuchte, ging es sehr streng zu. In meiner neuen

Schule auf dem Mayenfels war alles für mich

so anders, fremd, eigenartig und schön.

Obwohl ich herzlich aufgenommen wurde,

fühlte ich mich zunächst sehr einsam, weil

ich wenig verstand. Aber mit der Zeit lernte

ich Deutsch und war auch nicht mehr so

zurückhaltend. Vor allem auch wegen meiner

Deutschlehrerin Frau Helene Haas, mit der ich

bis zu ihrem Tod in diesem Jahr einen engen

Kontakt hatte.

Meine Lieblingsfächer waren Malen, Eurythmie,

Chemie, Steinhauen und überhaupt alles,

was mit Kunst zu tun hat. Mathematik hatte ich

nicht gerne, und ich kann heute immer noch

nicht richtig rechnen. Für mich war es eine gute

und richtige Entscheidung, die Rudolf Steiner

Schule zu besuchen, und ich würde gerne auch

einmal meine Kinder in eine Rudolf Steiner

Schule schicken.

Zur Person von Hemra Sevinç:

30. 10. 1969 geboren in Izmir in der Türkei

1976 – 1981 Primarschule in Izmir (TR)

1981 – 1984 Sekundarschule in Izmir (TR)

Hemra Sevinç

1984 – 1989 Mittel- und Oberstufe an der Rudolf Steiner

Schule Mayenfels in Pratteln

1990 – 1993 Ausbildung als Damenschneiderin im

Couture Atelier Uebelhart in Oberwil BL

1993 – 1994 Damenschneiderin bei

Couture Atelier Uebelhart

1994 – 1997 Ausbildung zur Modedesignerin an der

Accademia Koefia in Rom

1997 Weiterbildung am FIDM-Fashion Institute of

Design Merchandising in Los Angeles (USA)

1998 Assist-Training als Modedesignerin

in Mailand (I)

Seit 2004 selbständige Modedesignerin und

Modeberaterin

2006 Basler Modepreis 2006 für ihre Kreationen.

Homepage: www.hemrasevinc.com

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29 Horizonte 2006/7


Jahresrechnung

Erläuterungen zur Rechnung 05/06

Die Rechnung schliesst um rund Fr. 32‘000.- besser ab als

budgetiert, leider aber immer noch mit einem Defizit von

Fr. 22‘283.91. Verschiedene Faktoren haben zum besseren

Ergebnis beigetragen:

Mehrertrag:

Elternbeiträge + 5‘600.-

Ausserordentliche Elternbeiträge (Spenden) + 24‘600.-

Solidaritäts- und Gemeindebeiträge + 12‘000.-

Spenden + 20‘000.-

Minderaufwand

Beiträge an FOS - 27‘000.-

Schulmaterial - 4‘000.-

Personalkosten - 33‘000.-

Unterhalt - 5‘000.-

Daneben gibt es aber auch einige Positionen, die schlechter

als budgetiert ausfielen:

Minderertrag

Bazar - 7‘500.-

Projektspenden - 21‘000.-

Mehraufwand

Personalnebenkosten + 9‘000.-

Anschaffungen, Neubauten + 22‘000.-

Kinderhaus + 8‘000.-

Übriger Aufwand +17‘000.-

Die fehlenden Projektspenden wurden durch die Aktion

„ausserordentliche Elternbeiträge“ ausgeglichen, damit konnten

die budgetierten Extraeinnahmen realisiert werden. Die

Einsparungen bei den Personalkosten sind vor allem darauf

zurück zu führen, dass der Schule Taggelder für Unfälle

und länger dauernde Krankheitsfälle erstattet wurden. Die

Differenz bei den Anschaffungen und Neubauten ist darauf

zurück zu führen, dass für die baulichen Massnahmen des

Vorjahres und den Umbau der Mensa noch nachträglich

nicht budgetierte Aufwendungen anfielen. Ein Teil dieser

Investitionen, u. a. das neue Mobiliar der Mensa, wurden

aktiviert (Fr. 19‘600.-)

Horizonte 2006/7

Rechnung und Budget

Budget 2005/2006 Rechnung 2005/2006 Budget 2006/ 2007

Aufwand Ertrag Aufwand Ertrag Aufwand Ertrag

ELTERNBEITRÄGE

01.1 Ordentliche Elternbeiträge 1‘830‘000.00 1‘835‘598.95 1‘895‘000.00

01.2 Ausserordentlche Elternbeiträge 10‘000.00 34‘589.20 10‘000.00

01.3 Solidaritäts- u. Gemeindebeiträge 282‘000.00 294‘450.00 275‘000.00

01.4 Leistungen aus Schülerhilfsfonds 15‘000.00 5‘004.00 20‘000.00

01.5 Debitorenverluste 6‘000.00 7‘582.00 6‘000.00

01.6 Beiträge an FOS 485‘000.00 458‘191.10 430‘000.00

ÜBRIGE BEITRÄGE UND ZUWENDUNGEN

02.1 Spenden und Legate 35‘000.00 55‘112.05 35‘000.00

02.2 Bazar 17‘000.00 68‘000.00 15‘117.00 60‘466.30 15‘000.00 60‘000.00

02.3 Mitgliederbeiträge Schulverein 1‘700.00 1‘470.00 1‘700.00

ERTRÄGE AUS DIVERSEN LEISTUNGEN

03.1 Mitteilungen (Schulblatt) 10‘000.00 10‘000.00 8‘432.60 6‘980.00 9‘000.00 7‘000.00

03.2 Veranstaltungen und Diverses 5‘000.00 5‘000.00 2‘336.60 4‘081.95 3‘000.00 5‘000.00

03.3 Vermietung von Schulräumen 1‘000.00 1‘000.00 1‘000.00

03.4 Rückerstattungen Therapie 10‘000.00

ÜBRIGES UND DURCHLAUFKONTI

04.1 Schulmaterial, Seminarbeitrag 60‘000.00 65‘000.00 55‘262.10 62‘378.00 62‘000.00 62‘000.00

04.2 Übriger Aufwand/Ertrag 75‘000.00 2‘000.00 93‘196.10 1‘865.56 90‘000.00 2‘000.00

PERSONALAUFWAND

05.1 Löhne und Gehälter 1‘462‘000.00 96‘000.00 1‘453‘327.10 120‘071.10 1‘391‘000.00

05.2 Personal-Nebenkosten 260‘000.00 269‘492.45 265‘000.00

KAPITALZINSEN

06.1 Zinsaufwand/Ertrag 6‘000.00 4‘785.05 4‘000.00

GEBÄUDE UND MOBILIAR

07.1 Mieten 20‘000.00 19‘490.00 20‘000.00

07.2 Betriebskosten, Reinigung 65‘000.00 66‘893.30 70‘000.00

07.3 Unterhalt Gebäude u. Mobiliar 20‘000.00 14‘451.92 20‘000.00

07.4 Anschaffungen, Neubauten 31‘000.00 52‘868.90 30‘000.00

07.5 Aktivierung Ansch. u. Neubauten 19‘600.00

PROJEKT MAYENFELS

08.1 Projekte 8‘000.00 60‘000.00 31‘473.10

ÜBRIGES UND DURCHLAUFKONTI

04.3 Kinderhaus Mayenfels 35‘000.00 35‘000.00 29‘729.30 25‘161.30 25‘000.00 20‘000.00

WERTBERICHTIGUNG

09.1 Abschreibungen/Aufwertungen 40‘000.00 40‘000.00 40‘000.00

RÜCKST./AUFL. VON RESERVEN

10.0 Rückst./Aufl. von Reserven

Gesamtsumme 2‘599‘000.00 2‘521‘700.00 2‘586‘370.47 2‘564‘086.56 2‘476‘000.00 2‘407‘700.00

Überschuss/Defizit: 77‘300.00 22‘283.91 68‘300.00

Im übrigen Aufwand sind die Aufwendungen für den Finanzausgleich

unter den Schulen der Region enthalten. Diese sind

von der Anzahl der Lehrerkinder an anderen Schulen abhängig

und sind in diesem Jahr gestiegen.

Leider war das Kinderhaus im ersten Jahr trotz Subvention

noch nicht selbst tragend. Das hat auch damit zu tun, dass

entgegen der ursprünglichen Planung die Räumlichkeiten im

Bauerhof wieder zugemietet werden konnten und dadurch

auch einige nicht geplante Anschaffungen getätigt werden

mussten.

30


Bilanz per 30.06.06

AKTIVA

Vergl. Vorjahr Differenz

Kassa, Postcheck, Bank 295‘770.24 380‘523.43 -84‘753.19

Guthaben Elternbeiträge 87‘452.60 108‘227.20 -20‘774.59

Guthaben Kantonsbeiträge 0.00 -250.00 250.00

Sonstige Forderungen 31‘158.00 45‘377.75 -14‘219.75

Vorräte 5‘000.00 5‘000.00 0.00

Transitorische Aktiven 47‘021.55 35‘000.00 12‘021.55

Total UMLAUFVERMÖGEN 466‘402.39 573‘878.38 -107‘475.98

Darlehen/Anteilscheine 395‘645.35 81‘548.35 314‘097.00

Mobiliar und Einrichtungen 22‘388.60 3.00 22‘385.60

Schulhaus 3‘356‘000.00 3‘396‘000.00 -40‘000.00

Total ANLAGEVERMÖGEN 3‘774‘033.95 3‘477‘551.35 296‘482.60

Total AKTIVA 4‘240‘436.34 4‘051‘429.73 189‘006.62

PASSIVA

Vergl. Vorjahr Differenz

Vorausbezahlte Elternbeiträge -91‘668.22 -74‘606.60 -17‘061.62

Sonstige Verbindlichkeiten -22‘284.34 -14‘916.99 -7‘367.35

Verschiedene Fonds -645‘869.19 -380‘611.29 -265‘257.90

Treuhandfonds -20.00 -2‘504.45 2‘484.45

Darlehen -577‘650.10 -631‘328.55 53‘678.45

Transitorische Passiva -3‘216.55 -10‘775.70 7‘559.15

Rückstellungen -1‘300.00 0.00 -1‘300.00

Total KURZFRISTIGES FREMDKAPITAL -1‘342‘008.41 -1‘114‘743.59 -227‘264.82

Kantonsdarlehen -2‘500‘000.00 -2‘500‘000.00 0.00

Total LANGFRISTIGES FREMDKAPITAL -2‘500‘000.00 -2‘500‘000.00 0.00

Sanierungskonto 0.00 -15‘974.29 15‘974.29

Delkredere-Reserve -40‘000.00 -40‘000.00 0.00

Total WERTERHALTUNGSRESERVEN -40‘000.00 -55‘974.29 15‘974.29

Eigenkapital -87‘527.79 -109‘811.71 22‘283.92

Reserven -270‘900.14 -270‘900.14 0.00

Total EIGENKAPITAL -358‘427.93 -380‘711.85 22‘283.92

Total PASSIVA -4‘240‘436.34 -4‘051‘429.73 -189‘006.61

Erläuterungen zur Bilanz per 30.6.06

Die Bilanz weist gegenüber dem Vorjahr nur wenige Veränderungen

auf. Neu wurde der Schülerhilfsfond vollständig in

die Schulrechnung integriert, indem sämtliche Darlehen des

Schülerhilfsfonds nun als Aktiven ausgewiesen werden. Entsprechend

stieg das Vermögen des Fonds auf der Passivseite.

Die Darlehen von Eltern und Freunden gingen um Fr.

53‘000.- zurück, weil einzelne Darlehen entweder zur Rückzahlung

fällig waren oder zurückgerufen wurden.

Erläuterungen zum Budget 05/06

Trotz der Erhöhung der Elternbeiträge um 4% weist das Budget

wieder ein Defizit von Fr. 68’300.- aus. Die Schülerzahl

ist etwa konstant geblieben, leider ist unsere 1. Klasse mit 14

Kindern aber wesentlich kleiner als in den Vorjahren, weshalb

betreffend Elternbeiträge nicht ganz der erhoffte Aufschwung

stattgefunden hat.

Die Lehrergehälter steigen um Fr. 33‘000.- gegenüber dem

Budget des Vorjahres. Enthalten ist in dieser Summe ein halbes

Freijahr, das noch aus der alten Freijahresregelung heraus

gewährt wurde.

Verschiedene Massnahmen werden geprüft und sind z. T.

auch schon eingeleitet, um die Rechnung ins Gleichgewicht

zu bringen.

Eine Reduktion der Lohnkosten ist durch eine Neuorganisation

der Hauspflege möglich. Eine Möglichkeit ist auch, dass

gewisse Arbeiten der Lehrer, wie z.B. Aufsicht Mittagstisch,

nicht mehr entschädigt werden. Weiter wird daran gearbeitet,

dass für gewisse Therapien eine Rückerstattung durch die

Krankenkassen erfolgt. Die Voraussetzungen dazu sind gegeben.

Weiteres Sparpotenzial gibt es sonst noch im Bereich

Anschaffungen.

Weiter könnte eine Spendenaktion des Pro Mayenfels im Umfeld

der Gönnerschaft zur Defizitdeckung beitragen. Ein entsprechender

Ertrag ist aber noch nicht im Budget enthalten.

Geprüft wird auch eine Aktion zu Gunsten des Schülerhilfsfonds

auf Grundlage von längerfristigen Patenschaften.

Alles in allem gibt es noch genügend Möglichkeiten für eine

Verbesserung der Situation, so dass wir zuversichtlich sind,

schlussendlich eine ausgeglichene Rechnung zu erreichen.

14.9.06 / C. Ammon

31 Horizonte 2006/7


Rudolf-Steiner-Schule Mayenfels

4133 Pratteln, Tel.: 061 821 22 66

Internet:

www.mayenfels.ch

e-mail:

info@mayenfels.ch

Spendenkonto:

Basellandschaftliche Kantonalbank

Nr. 16 1.103.167.13 769

PC 40-1956-1

Impressum:

Ausgabe 3 – November 2006

Redaktion:

Christian Ammon, Andreas Baumeister,

Matthias Gessenay, Doris Stucky

Texte:

Christian Ammon, Andreas Baumeister,

Daniel Baumgartner, Carmen Bühlmann,

Johannes Marhenke, Ingrid Maier-Ott,

Andrea Schätzl, Hemra Sevinç, Doris

Stucky, Heinz Stucky, Jacqueline Walter,

Urs Walter

Bilder:

Christian Ammon, René Bürge,

Meret Bürgi, Matthias Gessenay,

Melvin Mühry, Felix Riegger, Doris Stucky

Inserate:

Simone Leubin

Gestaltung:

Michael Haak

Druck:

Hochuli AG, 4132 Muttenz

Aus Kinder- und

Schülermund

Am 6. Dezember kommt St. Nikolaus zu

Klein-David und leert den Sack mit all den

herrlichen Köstlichkeiten auf den Stubenboden.

Bald darauf verabschiedet er sich mit

den Worten, er müsse nun zu einem nächsten

Kinde gehen. Klein-David fragt erstaunt:

„Wie will er noch zu einem nächsten gehen,

wenn er gar keinen Sack mehr hat.“

Ein Viertklässler sinkt mit einem lauten Stöhnen

in den Sitz des Busses.

Ein Herr fragt ihn, ob er so müde sei.

Der Bub bejaht.

Was er denn in der Schule gehabt habe, will

der Herr wissen.

„Englisch“, lautet die Antwort.

„Habt ihr schon Englisch?“ - „Ja“ -

„Was braucht ihr für ein Lehrmittel?“

Erstaunte Augen. „Lehrmittel, was ist das?“

– „Weisst du, so ein Buch.“

Treuherzig sagt der Bub: „Wir haben kein

Lehrmittel, wir haben einen Lehrer!“

Aus einer Französisch-Übersetzung:

„Sie sind erstaunt“ heisst auf Französisch:

Ils sont „wow“!

Eine Persiflage auf unsere Schulregeln:

- Damit die Kinder sich konzentrieren

können, ist es wichtig, dass sie feste

Schuhe tragen!

- Wenn der Lehrer zur Türe hereinkommt,

müssen die Kinder ihn möglichst nicht

beachten, damit sich der Lehrer nicht

belästigt fühlt!

- Damit der Lehrer das Wissen der Kinder

in Empfang nehmen kann, dürfen alle ihre

Meinung zum Unterricht sagen, möglichst

ohne aufzustrecken!

- Ist es zu still im Unterricht, bekommen

die Lehrer Depressionen.

- Für die Schüler ist es notwendig, den Satz

„Je ne sais pas“ zu wissen, um sich mit den

Lehrern richtig verständigen zu können!

- Kaugummis fördern die Kiefermuskulatur

und somit eine deutliche Französisch-

Aussprache!

- Für eine spätere Zirkuskarriere und zur

Vorbeugung gegen Seekrankheit,

ist „gaggelen“ (wippen) auf dem Stuhl

lebenswichtig.

- Das Klingeln der Pausenglocke ist das

Startzeichen für ein Rennen, wer zuerst

draussen ist!

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