Wenn MPLS, dann richtig

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Wenn MPLS, dann richtig

Wenn MPLS, dann richtig

ten segmentiert werden könnten, so

daß wichtige, kleine (Sprach-) Pakete

in den Ausgangsstrom des Switches

eingeflochten, also bevorzugt werden

könnten. Hierdurch verringerte sich

der Jitter extrem.

Genau dieses leisten zellbasierte ATM-

Schnittstellen. Hier werden Pakete mit

Hilfe von SAR-Chips ohne Zeitverzö-

gerung in 53 byte kleine Zellen segmentiert.

Da MPLS unabhängig von

Layer 2 ist, kann auch MPLS über zellbasierte

Schnittstellen gefahren werden.

Es ist von Vorteil, schmalbandigere

Schnittstellen (bis OC-12) zwischen

Multiservice-Switchen mit Zell-

Schnittstellen zu realisieren sowie

breitbandigere Schnittstellen (ab OC-

12) mit paketorientierten Schnittstellen.

Traffic Engineering mit MPLS

IP-Routing-Protokolle arbeiten nach

dem Prinzip Shortest Path. Dadurch

werden die kürzesten Wege von der

Quelle zur Datensenke genutzt. Gleiche

Ziele werden über gleiche Wege

erreicht. Dies hat zur Folge, daß man

auf diesen kürzeren Wegen Überlast

und Paketverluste haben kann, andere

Wege aber nahezu ungenutzt sind

(Bild 2).

Bild 2: Beim Shortest

Path Routing bleiben

die längeren Wege

auch bei hohem Traffic

nahezu ungenutzt

Um den Datenverkehr effizient auf die

Netzressourcen zu mappen, benötigt

man das Werkzeug Traffic Engineering.

MPLS erlaubt Traffic Engineering,

da es eine verbindungsorientierte

Technik ist. Mit MPLS können Verbindungen

(z.B. SP-LSP – Signalled Permanent

LSP) mit Wegevorgabe über

die gewünschten Knoten konfiguriert

Bild 3: Bei MPLS mit

Traffic Engineering

werden die Netzressourcen

besser ausgenutzt

werden und gegebenenfalls auch

Backup-Verbindungen, die möglichst

disjunktiv zu den primären Verbindungen

sind (Bild 3).

Mit Traffic Engineering ist ein sicherer

Betrieb möglich, ohne daß es zu stochastischen,

schwer lokalisierbaren

und schwer behebbaren Effekten wie

Paketverlusten kommt.

Backup-Verbindungen mit

MPLS

MPLS bietet den weiteren Vorteil, daß

zu den geschalteten Verbindungen

auch Backup-Verbindungen konfiguriert

werden können. Bei Leitungsausfall

muß nun nicht auf ein Konvergieren

der Routing-Algorithmen, Umrouten

und Neusignalisieren der Verbindung

gewartet werden, sondern es

kann in Bruchteilen von Sekunden auf

den Backup-Weg geschaltet werden.

Anders als bei SDH (Synchronous Digital

Hierarchy) liegen diese Backup-

Wege aber nicht brach, sondern können

auch Datenverkehr (z.B. Best-Effort-Daten)

transportieren. Im Falle

des Umschaltens der Verbindung wird

dieser Datenverkehr dann unter Umständen

verdrängt, wenn die Bandbreite

nicht ausreicht.

Ein weiterer Vorteil ist, daß man

Backup-Wege mit weniger Ressourcen

konfigurieren kann als bei

primären Wegen. Beispielsweise kann

es für bestimmte Anwendungen akzeptabel

sein, daß eine LAN-Kopplung

mit 10 Mbit/s bei Ausfall eine

Backup-Verbindung mit 4 Mbit/s

nutzt.

Ships in the Night

Die Ähnlichkeit von ATM und MPLS

führt gerade in bezug auf harte QoS

und eine Advanced Data Plane zu besonderen

MPLS-Lösungen.

MPLS kann als inkrementelle Erweiterung

der bestehenden ATM-Funktionalität

realisiert werden. Auf solchen

Switchen können zwei Technologien

gleichzeitig laufen, es können also sowohl

MPLS als auch ATM ohne gegenseitige

Beeinflussung gefahren

werden. Dieser Betriebsmodus wird

als Ships in the Night bezeichnet.

Dieser Ansatz hat mehrere Vorteile:

Zum einen werden Investitionen bei

vorhandenen ATM-Netzen geschützt,

zum anderen kann sanft und risikolos

von ATM zu MPLS migriert werden.

Heute können ATM-basierte Dienste

(z.B. ATM-Festverbindungen, xDSL,

VoDSL, TK-Anlagenvernetzung mit

Circuit Emulation) und IP-basierte

Dienste (Internetzugang, Filetransfer,

VoIP) über ein Netz übertragen werden.

Dabei kann sich der Service Provider

entsprechend heutigen Kriterien frei

entscheiden, auf welcher Technik

(ATM oder MPLS) diese Dienste basieren

sollen. Morgen können diese Kriterien

anders aussehen. Dann werden

z.B. vormals ATM-basierte Dienste

auf MPLS geschwenkt. Dabei bleibt

der Netzauslastungsgrad annähernd

gleich. Ships in the Night stellt also

eine sanfte und risikolose Migration

von ATM zu MPLS dar und bietet dem

Anwender zusätzlich die größtmögliche

Zukunftssicherheit. (we)

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