Ausgabe 01-2010, Informationsbrief für Mitglieder, Freunde und ...

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Ausgabe 01-2010, Informationsbrief für Mitglieder, Freunde und ...

DerAusgabe 01 – 2010WegbegleiterHospizverein Neukirchen-Vluyn e.V.Informationsbrief für Mitglieder, Freunde und FördererInterview: Was leistetPalliativmedizin?Melatenfriedhof –Ort mit morbidem ZauberTreffpunkt Hospizcafé


E d i t o r i a lLiebe Mitglieder, Freunde undFörderer des Hospizvereins,2Sie halten denneuen Wegbegleiterin Händen,mit demwir Sie wiederüber unsereaktuelle Arbeitinformierenmöchten.Unser Anliegen ist es, Sie an unsererArbeit teilhaben zu lassen. BeimRückblick auf unsere Veranstaltungenstelle ich immer wieder fest,mit welch großem Interesse sie inder Öffentlichkeit begleitet und imNachhinein diskutiert werden. Indiesem Zusammenhang möchte ichan den Besuch von Fritz Roth erinnern,der als Trauerbegleiter undBegründer einer privaten Trauerakademieuns einen neuen Weg imUmgang mit Trauer gezeigt hat.Erfolgreich endete im Frühjahr2010 die vom Hospizverein mitunterstützteeinjährige WeiterbildungsmaßnahmePalliative Care.Als große Bereicherung für denBerufsalltag wurde sie von denTeilnehmerinnen und Teilnehmernbezeichnet. Sie gibt Sicherheit beimUmgang miteinander und in derBegleitung der letzten, so schwerenhospizlichen Lebensphase.Gleichzeitig war diese FortbildungInitialzündung für weitere Maßnahmen,die die Seniorenheimefür ihre Mitarbeiterteams anbie-ten. Auch in diesem Jahr habensich die Hospizhelferinnen einemneuen Thema geöffnet, Demenzund Sterbebegleitung. Demenz imAlter ist bei unserer älter werdendenGesellschaft immer häufigeranzutreffen. Besonders unsereHospizhelferinnen haben bei denSterbebegleitungen damit zu tun.Referent Klaus-Joachim Börnke hatwertvolle Impulse für die Arbeit derHelferinnen gesetzt und aus seinemreichen Erfahrungsschatz weitergebenkönnen.In besonderem Maß bedanke ichmich bei den Hospizhelferinnen, diein ehrenamtlichem Engagementviele Stunden an den Sterbebettenund in den Familien verbringen,entlasten und trösten. Dank ihrerArbeit ist der Hospizverein über dieOrtsgrenze bekannt geworden undwird in hohem Maße geschätzt.Zum Jahresanfang 2011 wird einevierte Gruppe von Hospizhelferinnenund -helfern mit der qualifiziertenAusbildung beginnen.An dieser Stelle danke ich Ihnen fürIhr Engagement, Ihr Interesse unddie Bereitschaft, unsere Arbeit ideellund finanziell zu unterstützen.Kornelia Kuhn, Erste Vorsitzende


I n h a l t4R ü c k b l i c k„Geht nicht, gibt es nicht“ 4I n t e r v i e wNorbert Schürmann „Palliativmedizinheißt Teamarbeit“ 7W e i t e r b i l d u n gSterben an Demenz erkrankteMenschen anders? 1114A u s d e r H o s p i z a r b e i tMelatenfriedhof – Ort der Ruhemit morbidem Zauber 14T r e f f p u n k t H o s p i z c a f é„Wir sehen uns” 17T e r m i n eSchulungsangebot undSeniorenmesse 19F ü r S i e g e l e s e nBuchtipps 20D a n k eLandfrauen und Hospizverein 2211S p e n d e n a u f r u fHelfen Sie mit! 23Z u m S c h l u s sGedicht 24„Der Wegbegleiter“ herausgegeben vom Hospizverein Neukirchen-Vluyn e.V.IMPRESSUMVorstand: Kornelia Kuhn, 1. Vorsitzende;Els Voget-Overeem, stellvertretende Vorsitzende;Bernhard Uppenkamp, Schatzmeister; Ulrike Hüsken, Schriftführerin;Juliane Kollmann-Rusch, Kurt Burghardt und Dr. Matthias Conrad, Beisitzer/in;Bärbel Bouws, Hospizkoordinatorin · Telefon 0 28 45 / 94 15 76www.hospizverein-nv.de · E-Mail: info@hospizverein-nv.deText, Fotos, Koordination: Sabine HannemannTitelfoto: © Guido Karl; weitere Fotos: NEV 2010, Thomas UlbrichBankverbindungen: Sparkasse am Niederrhein, Konto 1420 265 504, BLZ 354 500 00Volksbank Niederrhein eG, Konto 80 130 230 19, BLZ 354 611 063


R ü c k b l i c k© Thomas UlbrichEin Jahr lang dauerte die Weiterbildungsmaßnahme Palliative-Care.„Geht nicht, gibt es nicht!“Palliative-Care ist ein ganzheitliches, multidisziplinäres Konzept inder Fürsorge für schwerstkranke und sterbende Menschen. In diesemFrühjahr endete eine einjährige Weiterbildungsmaßnahme, dieder Hospizverein Neukirchen-Vluyn als trägerübergreifende Weiterbildungsmaßnahmeinitiiert und in Teilen mitfinanziert hat. Zu denSponsoren gehörte mit die Sparkassensozialstiftung.4Im Rückblick erzählen ThomasUlbrich, Leiter vom Matthias-Jorrisen-Haus,und Astrid Bärmann,dortige Wohnbereichsleiterin, wiesie die Weiterbildungsmaßnahmeerlebt haben. Für sie hat dieFortbildung heute einen hohenStellenwert. Aus unterschiedlichenGründen. Sehr viele Informationeneinerseits, die sich parallel bereitsin den beruflichen Alltag einbauenließen. Andererseits bestimmte derwertvolle Austausch innerhalb derTeilnehmergruppe das Miteinander.Gefordert und gefördertEin Jahr lang gemeinsam sich deminhaltlich anspruchsvollen Thema„Palliative-Care“ zu stellen, siehtThomas Ulbrich daher als großeChance an. „Wir wurden in optimalerWeise und in guter Atmosphärefachlich und persönlich gefordertund gefördert. Als besonders wichtigerachte ich den Austausch derleitenden Kollegen untereinander,so dass wir vor Ort auch ein Netzwerkaufbauen konnten.“


R ü c k b l i c kIndividuelle BedürfnisseDie Seniorenheime unterliegeneinem Wandel. Viele Menschenbetreten die Häuser bereits mitschwersten Erkrankungen. Diepalliative Versorgung hochbetagter,schwerkranker und zum Teildementer Menschen wird deshalbimmer wichtiger. In dieser Lebensphaseentwickelt der betroffeneMensch ganz individuelle Bedürfnisse,die es zu respektieren und zuunterstützen gilt. „Wir erleben auchzunehmend Bewohner im Alter von60 Jahren in der Finalphase, die anuns eine völlig neue Anforderungstellen. Wer nicht ausgebildet ist,wird schnell in eine Überforderunggeraten“, gibt Astrid Bärmann zubedenken.Ganzheitliche KonzeptePalliative Pflege setzt eine hoheFlexibilität im pflegerischen Planenund Handeln bei häufig wechselndenKrankheitssituationen voraus.Ziel dieser Weiterbildung war es,Dozentin Ute Pelzer beeindruckte durch Kompetenzund persönliche Stärkedie vor Ort arbeitenden Fachkräftein das ganzheitliche Betreuungskonzeptvon Palliativmedizin und-pflege einzuführen. Mit DozentinUte Pelzer vom EvangelischenFachseminar für Altenpflege Xantenist dies gelungen. „Unser Anliegenist die professionelle Betreuungund Erhaltung oder Verbesserungder Lebensqualität des Schwerstkrankenin seiner letzten Lebensphaseund seiner Angehörigen“,argumentierte Ute Pelzer.Examinierte Fachkräfte fehlenDass sich die Anforderungen an Seniorenheimestark verändern werden,darauf hat Ute Pelzer schonbei Beginn der Ausbildung hingewiesen.„Leider werden Menschenheute aus den Krankenhäusern entlassenund kommen zum Sterbenins Pflegeheim. Eine sehr belastendeSituation für die Heimleitung,denen examinierte Fachkräfte inder Hospizpflege bislang fehlen.“Gelungenes Kooperationsprojekt© Thomas UlbrichAltenpflege ist nun vor Ort umdie Hospizpflege im stationärenwie ambulanten Bereich durchexaminierte Pflegekräfte ergänztworden. In der Altenheimat Vluynfand die erste Ausbildungseinheitin der Hospizpflege statt, die letzteendete mit Zertifikatsübergabeim Matthias-Jorrissen-Haus. „AlsHospizverein sind wir sehr stolz,dass wir mit diesem Angebot die5


R ü c k b l i c kPflege um einen ganz wesentlichenPunkt bereichern konnten“,meinte Kornelia Kuhn, Vorsitzendedes Hospizvereins, zu dem Kooperationsprojekt.Sie lobte auch dasDurchhaltevermögen der Teilnehmergruppe.„Für uns war es maßgeblich, dieHospizarbeit vor Ort zu fördern.Diese Fortbildung kann jedoch nurein Anfang sein“, sagte KorneliaKuhn. Für Els Voget, VorstandHospizverein und treibende Kraftdieser Maßnahme, hat sich dabeiein kleiner Wunsch erfüllt. Die Zusammenarbeitder Seniorenheimeuntereinander hat zum Wohl desschwerstkranken Patienten Schubkraftund eine neue qualitativeAusrichtung bekommen.Kornelia Kuhn bei der ZertifikatsübergabeZu den Seminarinhalten zähltenbeispielsweise Themen wie Therapieund Pflege, Wege der Kommunikation– auch mit den Familien– und Möglichkeiten der Behandlungspflegeinklusive Wundmanagement.Ethische Bereiche undder Umgang mit Sterben, Tod undTrauer wurden erörtert. Gleichzeitigsorgten weitere Schulungsinhaltemit anschaulichen Rollenspielenund Gruppenarbeiten für einefundierte Vorbereitung auf denberuflich palliativen Schwerpunktin den Seniorenheimen. Kern mitLeuchtturmqualität bei allen gestelltenAufgaben und Situationenwar dabei stets „Geht nicht, gibt esnicht!“© NEV 2010Geht nicht, gibt es nicht!I N F ODie Weiterbildung ist überdie Deutsche Gesellschaftfür Palliativmedizin, dieDeutsche Krebshilfe unddie BundesarbeitsgemeinschaftHospiz zertifiziert.6© NEV 2010


I n t e r v i e wKein Patient muss mit Schmerzensterben. Wir sind heutzutage in derLage, den Patienten so gut einzustellen,dass er keine Schmerzen inder Sterbephase hat. Auch das isteine Verbesserung der Lebensqualität,für die wir tagtäglich eintreten.Aber das ist nur ein Teil unsererArbeit, denn wir sind keine Sterbestation.„PalliativmedizinheißtTeamarbeit“Seit einiger Zeit ist NorbertSchürmann (48) Mitglied imBeirat des Hospizvereins. ImMoerser St. Josef Krankenhausist der Mediziner Departmentleiterder Abteilung Schmerztherapieund Palliativmedizin.Herr Schürmann, was leistet heutePalliativmedizin?Norbert Schürmann: Gerade für dieUnheilbar- und Schwerstkranken inunserer Gesellschaft bedarf es meinerAnsicht nach der besonderenAufmerksamkeit. Tumorpatientenhaben vor allem mit der körperlichenSchwäche, mit Übelkeit,mit Ängsten, oft mit Luftnot undVerdauungsstörungen zu kämpfen.Schmerzen oder die Angst vorSchmerzen sind oft das Hauptanliegen,womit wir es zu tun haben.Hierbei geht unsere Therapie weitüber das Medikamentenverschreibenhinaus. Ebenso wichtig ist es,für die Patienten und die Angehörigen„da zu sein“, ihnen Aufmerksamkeitund Gehör zu schenkenund nicht das Gefühl zu geben,alleine mit „der Krankheit“ zu sein.Und da setzen wir mit unseremPalliativteam an.Palliativmedizin ist demnach einZusammenspiel auf verschiedenenEbenen?Schürmann: Palliativmedizin heißtimmer Teamarbeit. Da ist dieSchwester genauso wichtig undgefragt wie der Seelsorger, der Krankengymnast,der Psychoonkologeoder der Arzt. Wir versuchen, demPatienten zu vermitteln, dass wir allesdaran setzen, seine Beschwerdenzu lindern, denn wir können immeretwas für unsere Patienten tun!7


I n t e r v i e wPalliativmedizin ist Lebenshilfe undkeine Sterbebegleitung. Wo sehenSie Ihren Ansatz?8Schürmann: Wir sind bestrebt, denPatienten frühzeitig zu begleitenund ihm mit unserer Therapie mehrLebensqualität zu geben. Durchden Kontakt bekommen unserePatienten oftmals einen ganz anderenEindruck von Palliativmedizin.Ängste und Vorurteile gegenüberder Palliativmedizin können beiPatienten und Angehörigen abgebautwerden. Das erleben wir fasttäglich.Palliativmedizin wird in der breitenÖffentlichkeit wenig diskutiert.Woran liegt das?Schürmann: Menschen haben nurein gewisses Potential für schlechteNachrichten. Wenn es dann nochum die eigene Endlichkeit geht, istder Mensch oft für Diskussionenund Gespräche zum Thema Tod nurbegrenzt diskussionsfreudig undweniger zugänglich. Oft ist es danndas Miterleben vom Sterben unddem Tod einer nahen Person, wasdie eigene Auseinandersetzung mitdem Thema fördert.Oftmals ist ja auch der Begriff wenigtransparent.Schürmann: Ja, Begriffe wie Palliativmedizinoder Palliativstationsind für viele Menschen nichtausreichend fassbar. Hospiz undPalliativstation werden oft gleichgesetztund verschwimmen imAlltag in ihrer Bedeutung. Mit demBegriff Krankenstation hat jederseine bestimmte Assoziation, aberder Grundtenor ist der gleiche.Beim Begriff ’palliativ’ fängt es jaschon damit an, dass selbst nichtalle medizinisch Tätigen wissen,was palliativ übersetzt bedeutet.Wie soll man da als Normalbürgereine Verknüpfung oder Verbindungherstellen? Palliativ heißtwortwörtlich übersetzt „einem denMantel umhüllen, verbergen“ imSinne von beschützen. Primäres Zielist nicht der Erhalt, die Gesundungoder die Wiederherstellung dernormalen Körperfunktion, sondernderen bestmögliche Betreuung undVersorgung, ohne gegen die zugrundeliegende Erkrankung selbstzu wirken.Sie sind Departmentleiter der AbteilungSchmerztherapie und Palliativmedizin.Was bedeutet das?Schürmann: Ich leite zum eineneine Schmerz- und Palliativstationmit der Möglichkeit, zehn Patientenmit stärksten Beschwerden statio-


I n t e r v i e wnär zu versorgen und zu behandeln.Außerdem habe ich eine Zulassungder Kassenärztlichen Vereinigungzur ambulanten Schmerztherapie,die hier am St. Josef Krankenhausfest integriert ist. So haben wir dieMöglichkeit, Patienten die stationärvon uns behandelt wordensind, auch nach dem Krankenhausaufenthaltnoch ambulant wiederzusehenund, wenn nötig, Therapienzu verändern.ambulantes Palliativnetz. Auch hierzählt wie auf der Palliativstation dieTeamarbeit mit Hausärzten, qualifiziertenPalliativmedizinern, Palliativausgebildeten,Pflegepersonal undden ehrenamtlichen Hospizhelfern,was von einer Stelle aus koordiniertund organisiert werden muss.Warum ?Schürmann: Mir ist es wichtig, denPatienten gut einzustellen, sodasser frühestmöglich wieder nachHause kann. Vielleicht zum letztenMal.Wie gestaltet sich im Gegensatz zurstationären die ambulant-palliativeVersorgung?Schürmann: Die ambulant-palliativeVersorgung ist mir einebesondere Herzensangelegenheit.Oftmals ist es gar nicht der Patient,der nicht zurecht kommt, sonderndie Angehörigen, die einfachmit der Aufgabe der ambulantenVersorgung überfordert sind. Umdennoch Patient und Angehörigegut zu versorgen und um die weitereVersorgung zu Hause zu ermöglichen,brauchen wir unbedingt einDer Hospizverein hat beispielsweiseeine Palliative-Care-Ausbildung,an der die Mitarbeiter der örtlichenAltenheime beteiligt waren, unterstützt.Sind wir in der Umgebungausreichend mit Fachkräften inEinrichtungen und Krankenhäusernversorgt?Schürmann: Wir haben in unsererRegion qualifiziertes Personal, umeine ambulante Palliativversorgungzu gewährleisten. Und ich weiseausdrücklich darauf hin, dass dieehrenamtliche ambulante Hospizbewegungein wesentlicher Pfeilerin einem Palliativnetzwerk ist. Esist daher äußerst wichtig, immerwieder Kurse für Interessierte anzubietenund weitere ehrenamtlicheBegleiter auszubilden. Der Bedarf inder ambulanten Versorgung ist jaschon seit geraumer Zeit gegeben,die einzelnen Strukturen sind javorhanden. Jetzt gilt es daraus einNetz zu entwickeln. Daran arbeiten9


W e i t e r b i l d u n gGesellschaftliche Konventionen,die Generationen stark geprägthaben, spielen keine Rolle mehr.Börnke: „Demenz hat viele schwereDimensionen. Sie ermöglichtMenschen eine Entwicklung, die sieohne die Erkrankung nicht genommenhätten.“ Auch wenn in diesemZusammenhang das Wort Entwicklungbefremdlich erscheint und fürAngehörige eher einem Kontrollverlustgleichkommt, so appellierteBörnke an „ein neues Einlassen“,auch wenn damit eine schwereHerausforderung verbunden sei.Würdevoll – mit und ohneDemenzBeziehungsgeflecht zunehmendverändert“, meinte Börnke. Menschenmit Demenz in der letztenLebensphase zu begleiten, sei aucheine Chance, ihn anders zu sehen.„Er hat die Möglichkeit anders seinzu dürfen“, meinte Börnke. „Erkann seine Unnahbarkeit ablegen,seine ihn eventuell einzwängendenNormen loslassen und offen fürNähe sein.“Sterben und Demenz eröffnet imZuge der älter werdenden Gesellschafteinen neuen Erfahrungshorizont.Das bedeutet auch fürambulant und stationär arbeitendeHospizvereine eine Neuausrichtungin der Arbeit. „Eine hohe Sensibilitätist erforderlich. Als Begleitermuss ich erkennen, was wichtig istund was gut tut“, meint Börnke. Dieoberste Handlungsmaxime sei derwürdevolle Umgang mit Sterbenden,ob mit und ohne Demenz.Hans-Joachim Börnke sorgte für einefacettenreiche Weiterbildung, zu derHospizkoordinatorin Bärbel Bouws dieHospizhelferinnen eingeladen hatte.13


A u s d e r H o s p i z a r b e i t© Fotos: Guido KarlMelatenfriedhof – Ort derRuhe mit morbidem Zauber14


A u s d e r H o s p i z a r b e i tNEUKIRCHEN-VLUYN/KÖLN. DerHospizverein bietet im Jahr verschiedeneTermine an, die sichmeist mit einem speziellen Themabefassen. Neben Fachsitzungen undTagungen bot sich der Melatenfriedhofin Köln als Ziel an. Als Ortder Totenkultur und Oase der Ruhemit morbidem Zauber wird der435.000 Quadratmeter große Zentralfriedhofim Stadtteil Lindenthalbeschrieben.Bauten für die EwigkeitDas Nebeneinander von Denkmälernund die prächtigen Bauten fürdie Ewigkeit stammen aus Zeitenwie Spätbarock, Klassizismus,Biedermeier, Neubarock, Neorenaissanceund Neugotik. Vergessenist, dass die Fläche des Friedhofs,der seit 1980 unter Denkmalschutzsteht, seit dem 12. Jahrhundert zunächstLeprakranken eine Heimstattbot und im 14. Jahrhundert Schauplatzfür Hinrichtungen und Hexenverbrennungenwar. Nachdem Leprain Europa weitgehend besiegt war,wurde der Zufluchtsort für Aussätzige1767 geschlossen.„Malad“ ist gebliebenVor der offiziellen Einweihung 1810als Friedhof war das Areal des GutesMelaten ein Ort des Todes und desAbschieds. Darauf weist auch derName Melaten hin, der sich aus demFranzösischen „malade“ ableitet.Bis heute ist der kölsche Ausdruck„malad“ für „krank“ geblieben.15


A u s d e r H o s p i z a r b e i tDer Kölner Melatenfriedhof warZiel von 16 Hospizhelferinnen, diesich auf die Reise nach Köln machten.Hier nun Auszüge aus einemBericht.„Die Führung übernahm Herr Dr.Wolfgang Stöcker, der Archäologie,Kunst und Geschichte studiert hatte,und während der dreistündigenFührung auch profunde Kenntnisseüber das Christentum bewies. Eswar ein Vergnügen ihm zuzuhören.Er würzte seine Ausführungen zuden unterschiedlichen Grablegungenmit passenden Anekdoten und„kölschen“ Einlagen.dorische Säulen, die Nachbildungdes Kölner Doms, Engel, Genien undsogar ein Sensemann beeindrucken.Um nur einige Namen zu nennen:Familie Farina (4711 Echt kölnischesWasser), Otto (Motorenerfinder)Benz (Autobauer), Pfeiffer&Langen(Zucker), Hans Böckler (Gewerkschaftler),Wallraf (Kunstsammler)und Richartz (Mäzen des Wallraf-Richartz-Museums).”Weitere Infos unterwww.melatenfriedhof.deMarianne HahlenBegleitet wurden interessanterweisedie Hospizhelferinnen von einemZDF-Kameramann, der für eine Sendungentsprechendes Filmmaterialsammelte und Gespräche führte.Viel Prominenz16Es liegen sehr viele Promiente ausKunst, Wirtschaft, Klerus und Politik,also aus allen Lebensbereichen,in bestaunenswerten Grabanlagendort. Da gibt es riesige unterirdischeGänge und Wandkammern,die vom oberirdischen Grab mittelsWendeltreppe erreicht werden undganze Sippen aufnehmen, währendauf der Grabstelle z.B. ein Obelisk,


T r e f f p u n k t H o s p i z c a f éwacher werden für ihre eigentlicheFunktion, nach vorne zu schauen.“„Wir sehen unsim Hospizcafé“Das Hospizcafé ist eine liebgewordeneEinrichtung. Der Treffpunktist Zuflucht, Oase und Trostquellenach dem Verlust eines Menschen.Zurückgebliebene treffen sich, tauschensich aus und lernen mit demTod und dem Verlust umzugehen.„Ich erlebe dort in der Gemeinschaftsehr viele Stunden, aus denen ichneue Kraft schöpfen kann. DieTreffen geben mir sehr viel, und ichfühle mich geborgen. Man verstehtsich aufgrund ähnlicher Schicksaleohne Worte“, meint Elvira Kreyenbrinkaus Moers. Das Hospizcafé istein Ort, an dem auch sehr persönlicheund einzigartige Dinge zurSprache kommen. HospizhelferinIlona Rogge erinnert an die Entstehungsgeschichtedes Hospizcafés.Zeit zum Abschied – Zeit zumTrauern„Eine Zeitlang zurückblicken tutden Augen wohl und lässt sie um so© Rainer Sturm / PIXELIODiese Worte von M. F. Barber stehenauf den Flyern über unserer Einladungzum Hospizcafé. Als wir Hospizhelferinnen2001 nach unsererSchulung anfingen, Menschen inder letzten Phase ihres Lebens zubegleiten und damit auch derenAngehörige, kam innerhalb derGruppe schon früh die Frage auf, obwir nicht in irgendeiner Form einAngebot schaffen könnten für dieTrauernden, die nach dem Tod desAngehörigen Kontakt und Gesprächesuchen.Es gab schon die „Trauerweide“.Ein Angebot der evangelischenKirchengemeinde, das seit nunmehrzehn Jahren besteht. Zwei Trauerbegleiterinnenbieten in Seminarformeiner kleinen Gruppe an zehnAbenden im geschützten RahmenHilfe und Austausch für die Trauerbewältigungan. Für die Teilnahmeist eine persönliche Anmeldung, einVorgespräch nötig.„Wir wollten etwas Neues“Wir wollten keine Konkurrenz,sondern etwas Neues, Zusätzlichesschaffen, das niederschwellig undohne Verpflichtungen Kontaktmöglichkeitschafft. Ideen wurdengesammelt, diskutiert und erst malwieder bei Seite gelegt. Im Januar2004 war es endlich soweit. ImWintergarten des Karl-Immer-Hausesim Herkweg bekamen wir vomErziehungsverein die Möglichkeit,17


Neues Schulungsangebot desHospizvereinsT e r m i n eDer Hospizverein Neukirchen-Vluynbietet eine vierte Schulung zum/rHospizhelfer/in. Die Schulung zurambulanten Hospizhilfe ist kostenfreiund beginnt Anfang 2011.Die Schulungszeit umfasst rund60 Unterrichtsstunden und dauertbis zum Sommer 2011. Der Hospizvereinbegleitet Schwerstkrankeund Sterbende, nimmt sich ihrerpsychischen und spirituellen Bedürfnissean. Die ambulante Sterbebegleitungzu Hause ermöglicht dasAbschiednehmen und macht Todzum vollendenden Teil des Lebens.Der Hospizverein informiert überseine Arbeit, bietet Vorträge undstellt die Möglichkeiten der Palliativmedizinvor.© Martin Schemm / PIXELIOHospizkoordinatorin Bärbel Bouwsist Ansprechpartnerin und informiertim Vorfeld unter 02845/941576 überSchulung, Aufgaben und Ziele derambulanten Hospizarbeit. Infos auchunter www.hospizverein-nv.deZweite Seniorenmesse imKlingerhufDer Termin für die zweite Seniorenmessesteht fest. Sie findet amSamstag, 2. Oktober, 10 bis 17 Uhr,im Neukirchener Sport- und FreizeitparkKlingerhuf statt. Auch derHospizverein wird erneut vertretensein. Die Resonanz auf die ersteSeniorenmesse in Neukirchen-Vluynwar enorm, der Wunsch bei denBeteiligten nach einer Wiederholunggroß. Wieder steht die Informationum das Thema Wohnen,Leben und Gesundheit im Alter imMittelpunkt. Über 40, meist örtlicheAussteller nahmen an der erstenMesse teil und präsentierten ihrInformationsangebot und ihre Produkteaus. Der Freizeitpark Klingerhufzeichnet sich durch barrierefreieRäumlichkeiten aus. AusreichendeParkmöglichkeiten sind gegeben.19


F ü r S i e g e l e s e nTilmannJens,Demenz,Abschiedvon meinemVaterDas allmähliche Vergessen begannim Jahr 2004, nur wenige Wochennachdem in den Medien diskutiertworden war, ob Walter Jens 1942,mit knapp 20 Jahren, dem Nationalsozialismusfür kurze Zeit näherstand, als er es selbst später wahrhaben wollte. Hat eine alte, verdrängteGeschichte die Demenz,den Verlust von Gedächtnis undSprache, ausgelöst oder zumindestbeschleunigt? Mit der Anamnesebeginnen die Fragen.Tilman Jens’ Buch ist die Chronikeines Abschieds vom geliebten undbewunderten Vater. Schmerzhafterzählt es von der Entdeckung einesganz anderen, hilflosen Menschen,von der Grausamkeit der Krankheit,von einem quälend langen Weg indie letzte Stufe des Dämmerns. DerSohn berichtet von einem Lebensende,das so gänzlich anders verläuft,als sein Vater, der „Virtuose desWortes“, der Anwalt eines selbstbestimmtenTodes, erhofft hatte.Das Buch „Demenz, Abschied vonmeinem Vater“ ist erschienen imGütersloher Verlagshaus. 144 Seiten,ISBN 978-3-579-06998-2,Preis 17,95 EuroCamron Wright, ,Briefe für Emily„Diese Briefesind meinGeschenk andich“Harry Whitneyhat Alzheimer.Nach seinemTod findensich verschlüsselteBriefe,die er an seinekleine EnkelinEmily geschriebenhat. Die Briefe veränderndas Leben der ganzen Familie – unddie verloren geglaubte Liebe kehrtzurück.Das Buch „Briefe an Emily“, übersetztvon Charlotte Breuer undNorbert Möllemann, ist im FischerTaschenbuchverlag erschienen. 254Seiten, ISBN 978-3-596-15956-7,Preis 7,95 EuroAlle Bücher sindim Buchhandelerschienen,können teilweisein derStadtbüchereiNeukirchen-Vluynoder bei BärbelBouws ausgeliehenwerden.21


D a n k eLandfrauen engagierensich für den HospizvereinAuf Kontinuität setzen dieLandfrauen im Ortsverein Neukirchen-Vluyn,wenn sie sichengagieren. „Wir unterstützenbewusst soziale Projekte vorOrt“, meint die VorsitzendeIlse Noetzel.Als Verkaufsschlager haben sich diebeiden Backbücher mit der bewährtenRezeptsammlung für Torten undBlechkuchen erwiesen. Magnet beiörtlichen Veranstaltungen, wie demErntedankfest in Neukirchen oderdem Martinsmarkt in Vluyn, ist diemobile Cafeteria der Landfrauenmit großzügigem Kuchenangebot.In diesem Jahr erhielt der HospizvereinNeukirchen-Vluyn 1500 Euro.Die Vorsitzende Kornelia Kuhn unddie Hospizkoordinatorin BärbelBouws berichteten auf der Generalversammlungüber die ambulanteHospizarbeit vor Ort, die ausgebildeteHelferinnen leisten. „Das Geldder Landfrauen werden wir für denAufbau einer vierten Helferinnengruppeverwenden“, sagte KorneliaKuhn. Die Ausbildung soll Anfang2011 starten.22Anne Mühlenhoff, Ilse Noetzel und Irmgard Krohn überreichten Kornelia Kuhn und Bärbel Bouws(v.li.) bei der Generalversammlung der Landfrauen eine Spende von 1500 Euro.


S p e n d e n a u f r u fBernhard Uppenkamp begleitet von Anfang an die Arbeit des HospizvereinsNeukirchen-Vluyn und ist Schatzmeister.Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer des Hospizvereins!Seit nun mehr neun Jahren, diejetzt der Hospizverein vor Orttätig ist, leisten die Hospizhelferinnenanerkannt wertvolleambulante Arbeit. IhreTätigkeit in den Familien istehrenamtlich. Sie engagierensich für die Angehörigen, ihreSchwerstkranken und Sterbenden,helfen den Alltag inschweren Situationen zu meistern.Die Hospizhelferinnen entlasten inAbsprache mit den Familien, wo immeres gewünscht ist.Die Kosten für eine qualifizierte Ausbildungzur Hospizhelferin bzw. zumHospizhelfer übernimmt der Hospizvereinsowie Fortbildungsmaßnahmen imBereich der professionellen Sterbebegleitung.Im nächsten Jahr wollen wirfür eine vierte Gruppe die qualifizierteAusbildung anbieten.Für die Familien, die die Hilfe des Hospizvereinsin Anspruch nehmen, entstehenkeine Kosten. Sterben gehört zum Leben,wie der Tod zum Leben gehört. Mitunserer Hospizarbeit stehen wir jedochauch nach Jahren der Tätigkeit erst amAnfang. Wir wollen den Hospizgedankenweiterhin fest in unserer Stadt verankernund ermöglichen, dass ein würdevollesLebensende zu Hause möglich ist.Wir verstehen unsere unabhängige Arbeitals eine gemeinschaftliche Aufgabenach ökumenischen Motiven, die denMenschen und Familien um Neukirchen-Vluynzu Gute kommt. Für unsereehrenamtliche Arbeit sind wir auf IhreMithilfe angewiesen. Die Kosten für dieAus- und Fortbildungsmaßnahmen desHospizvereins werden ausschließlichaus Mitgliedsbeiträgen undSpenden finanziert. Deshalbist Ihre Unterstützung auchso wichtig. Einen Spender undsein Motiv, uns zu unterstützen,lernen Sie in dieser Ausgabekennen. Dem Ortsvereinder Landfrauen danke ich fürdie großzügige Spende zuBeginn des Jahres. An dieserStelle danke ich besondersfür eine anonyme Spende in Höhe von20.000 Euro.Bedanken möchte ich mich bei denen,die bewusst auf Geburtstagsgeschenkeverzichten haben und uns ihr „Geburtstagsgeld“übergeben haben. Vielleichtziehen Sie demnächst bei der Auswahlder möglichen Empfänger den Hospizvereinin Erwägung und ermöglichen so,dass unsere Arbeit Fortbestand hat. Aufdiesem Wege danken wir auch den Familien,ihren Angehörigen und Freunden,die nach einer Begleitung den Hospizvereinmit einer Spende bedacht haben.Der Hospizverein ist als gemeinnütziganerkannt, entsprechende Spendenbescheinigungendürfen wir Ihnen ausstellen.Alle Spendengelder kommen involler Höhe dem Hospizverein zu Gute.Bernhard UppenkampSchatzmeisterBankverbindungenSparkasse am Niederrhein,Konto 1420 265 504, BLZ 354 500 00Volksbank Niederrhein eG,Konto 80 130 230 19, BLZ 354 611 06A U F R U F23


GefallenIn die einsame WeltDas NichtsZwischen Leben und TodEntglittenIn den TodesschlafUnheimliche ZwischenstationNoch daUnd dochUnerreichbarZartes BerührenLeises AnsprechenEndloses WartenAuf das ZurückkommenDas GehenAuf die Erlösung© Slicer / PIXELIO

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