Atempause - Gedichte von Maruschya Markovic zu Bildern von Carmen Ogaza

Maruschya

Mein Dank gilt der Künstlerin Carmen Ogaza, die im "Autoren Netzwerk" ihre so aussagekräftigen Bilder präsentiert. Mit ihrer Erlaubnis habe ich hier eine Auswahl mit meinen Gedichten zusammengestellt.

Coverbild: Pixabay

Covergestaltung: Maruschya Markovic

2015

1


Alle Bilder © Carmen Ogaza

Alle Gedichte © Maruschya Markovic

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http://maruschyamarkovic.jimdo.com/

https://www.facebook.com/Maruschya.Markovic.Autorin

2


Wagnis

Ein Mann zerrissen zwischen gestern und jetzt,

dieselbe Frau, einmal voll Sehnsucht, einmal gehetzt.

Er fragt sich unruhig, wie es wohl dazu kam,

ob er ihre Seelentiefe nicht wirklich wahrnahm...

Hat er nicht erkannt, was sie bewegte,

nicht gesehn den Sturm, der in ihr fegte?

Versonnen dreht er die Erinnrung zurück.

Damals gab es nur sie beide, eine Zeit voller Glück.

Dann zogen Sturmwolken zwischen ihnen dahin,

irgendwie ging er verloren, der gemeinsame Sinn,

und auch ihre Träume hat der Alltag zerrieben,

am Schluss war ihnen nur die Trennung geblieben.

Doch seine Seele fühlt noch die Liebe,

sie ging nie unter im Lebensgetriebe.

Zu ihr zieht's ihn, muss vorherbestimmt sein,

ihren Schmerz zu erahnen erfüllt ihn mit Pein.

Entschlossen verwirft er die Ängste und Sorgen -

noch haben sie beide die Chance auf ein “morgen“...

3


Spielball??

Sind wir nur Figuren im großen Spiel?

Wo wir auch stehen, bedeutet das viel?

Rollt jemand die Kugel ein bisschen daneben,

wird das denn aus der Bahn uns gleich heben?

Sind unsere Bauwerke und Taten

gar nur zu Spielpins geraten,

die von der Kugel zu treffen sind?

Stehen wir hilflos in des Schicksals Wind?

Oder sind wir der Ball,

geworfen mit unkalkulierbarem Drall?

Ist es egal was wir machen und denken,

weil unbekannte Hände uns lenken?

Ich wehr mich dagegen mit aller Kraft,

dass jemand anderes mein Schicksal erschafft!

Meinen Weg kennt nur Gott ganz allein,

das ist für mich richtig, so soll es sein!

Und Er lässt mir meine Freiheit dabei,

wie die Gestaltung des Wegs für mich sei...

5


Sehnsucht

Rosen erblühen wieder im Garten.

Wie immer will ich dort auf dich warten,

verborgen hinter dem Rosenbogen,

an dem uns einst war das Glück zugeflogen.

Wie oft stand ich schon dort am Tor

und hoffte, du kämst aus den Schatten hervor!

Wie viel Zeit habe ich dort verbracht

und mich allein auf den Heimweg gemacht!

Die Rosen weinen heut Tautropfentränen,

sie wissen ja um mein Hoffen und Sehnen.

Doch sie sehen auch all die Trostlosigkeit,

gegen die mein liebendes Herz nicht ist gefeit.

Rosen, die Blumen der Liebe, so sagt man wohl,

doch mir gelten sie nun als ein Trauersymbol,

denn seh ich Rosen, denk ich stets an dich,

und in meinem Herzen spür ich einen Stich.

Dennoch werde weiter bei den Rosen ich stehn

und hoffen und harren auf ein Wiedersehn.

Du warst und bleibst der Stern meines Lebens,

wenn ich auch vielleicht stets hoffe vergebens...

7


Das verborgene Reich

Ich bin die Wächterin mit dem stets wachen Blick,

wer mir entkommt, der hat wirklich Glück!

Doch seit langem gibt's etwas, das mich fasziniert,

hinter dem selbst die Jagd an zweiter Stelle rangiert...

Ich kenne sehr gut der Spitznasen Reich,

durch das ich auf meinen Samtpfoten schleich!

Sie fühlen sich sicher in ihrem Palast,

in dessen Tiefen meine Pfote nicht passt.

Das Mausereich in seinem Prunk ist legendär,

meinen Forscherdrang zähmen, das fällt mit schwer!

Man ahnt sie nicht von außen, die Pracht,

weil perfekte Tarnung alles bedeutungslos macht.

Wie oft hab ich probiert an allen Ecken,

zu erspähen die Schätze, die die Mäuse verstecken...

Doch es gibt Mausritter mit funkelndem Schwert,

der Trupp hat schon oft mir den Einblick verwehrt,

aber ich habe manchmal nachts mich geduckt

und mit meinen Lichtaugen in die Gänge geguckt.

Mitunter war mir das Schicksal dann hold

und ich warf einen Blick in ein Labyrinth wie aus Gold.

Die Spitznasenritter waren stets gleich zu Stell',

mit scheppernden Rüstungen um ihr Graufell!

Schützen wollten sie des Reiches Schatz plus Königin,

das hat mich gereizt, weil ich neugierig bin!

Nur ein drohender Hieb mit meinen Krallen,

und schon sind viele vor Schreck umgefallen!

Wem das noch nicht reicht, der erschrickt wenn ich fauch

und stürzt schnell zurück in des Mausreiches Bauch.

Habt acht, ihr Mäuse, Katzen haben Magiepotential,

eines Tages sehe ich euren güldnen Thronsaal!

Denn mir, der Wächterin, darf nichts entgehn,

ich werde auch euer Geheimnis ausspähn...

9


Schmerz

Ein Löwe, der König der Wüste, frei von Natur,

folgt neugierig der von Menschen gelegten Spur.

Seine Pfoten kleben auf heißem Asphalt

und er hofft, dass es doch besser würde schon bald.

Schließlich ist der Mensch ja König der Schöpfung

und auf ihn setzt die Erde all ihre Hoffnung.

Mit der Zeit sieht der Leu immer weniger Büsche und Bäume,

traurig gibt er auf einen Teil seiner Träume

auf eine von den Menschen gemachte lebbare Welt,

die für jedes Wesen genug Raum bereitstellt.

Am Rande der Großstadt hält er schließlich an,

weil er nun nichts Natürliches mehr finden kann.

Nur noch Stein und Glas und künstliches Licht,

das schmerzt seine Seele und behagt ihm gar nicht.

Und über die ganze Stadt hört man ein qualvoll Gebrüll

von der Natur selbst, die bald wohl vergebens sucht nach Asyl...

11


Die Flut

Die Augen schaun zum Himmel, als könn' sie's nicht fassen,

dass von dort herabstürzten all die Wassermassen,

die fortgerissen des Kinds Heimatland,

mitnahmen alles, was es geliebt und gekannt!

Auch Menschen und Tiere, nicht nur Gras und Strauch

verschwanden in der Fluten unersätttlichem Bauch!

Um sich herum nur Zerstörung und Tod,

fühlt das Kind mehr als dass es begreift seine Not...

Es ahnt, dass auseinanderbrach heut seine Welt,

dass fortan einzig das Überleben noch zählt.

Es sehnt sich nach der Mutter, nach ihrem Halt,

doch rundrum sieht es nur wüten der Wasser Gewalt...

Woanders mag Regen ja Leben bedeuten,

doch hier kann er oft das Verderben einläuten!

Einsam und traurig baut das Kind einen Steg

und versucht zu finden ins Leben den Weg...

13


Im Schatten des Waldes

Ach, ihr Menschen.... Ihr seid ja so blind!

Erspäht nicht die Wesen, die um euch doch sind.

Ich seh's ja, wenn ihr durch den Wald trampelt

und oft wie die Kinder krakeelt, lärmt und hampelt.

Statt still zu erspüren den Schatz der Natur

zertretet ihr rücksichtslos jedwede Spur,

macht oft genug unsere Wechsel zunichte,

denen wir folgen durch der Wälder Dichte.

Dann bedauert ihr lautstark, dass ihr ja nichts saht,

dass nicht ein einziges Tier sich hat genaht.

Ja, was meint ihr wohl, wie wir reagieren

in der Nähe von solch plumpen Trampeltieren?

Euch hört und riecht man schon gegen den Wind,

wenn wir noch ganz weit entfernt von euch sind.

Dann ist es am besten sich zu verstecken,

obwohl - ihr würdet uns sowieso nicht entdecken!

Wenige von euch haben Gespür und Respekt

vor der Seele des Seins, die auch in uns steckt!

Kaum jemand nimmt Anteil am Dasein von Tieren

oder mag sich für unsre Lebensweise interessieren.

Das jedenfalls gilt für die Tiere in Wald.

Oft genug hören wir gar, dass ein Schuss knallt.

Ich weiß nicht, ob es sein muss, uns abzuschießen,

ob es in Ordnung ist, dieses Blutvergießen.

Weiß auch nicht, wie zu Haustieren ihr euch verhaltet,

ob ihr da auch solche Grobheit entfaltet.

Uns gegenüber ist eure Haltung nicht ganz ok,

jedenfalls wie ich es aus der Erfahrung so seh...

Wir bleiben am besten das, was ihr in uns seht,

wenn ihr blind und taub an uns vorbeigeht.

Wir sind sicherer in der Rolle, die schon lange wir hatten:

wir sind Geister des Waldes, bleiben im Schatten....

15


Nachhall...

“Es war ein Fehler, dich gehen zu lassen!

nun wirst du sicher mich dafür hassen,

was ich dir alles hab angetan,

daheim, im Verborgenen, wo sie es nicht sahn,

all deine schrecklich besorgten Vertrauten...

Wie sie mich dennoch misstrauisch anschauten,

wenn du wieder mit blauen Flecken auftauchtest....

Niemand nahm dir die Ausreden ab, die du gebrauchtest!

Nur die Angst hielt dich an meiner Seite,

dass ich zu noch Schlimmerem schreite,

solltest du zu jemand darüber sprechen

oder gar deine Zelte bei mir ganz abbrechen.

Doch eines Tages warst du dann weg,

verkrochst dich in irgendeinem Versteck!

Hab nicht großartig versucht dich zu finden,

als du es geschafft hattest zu verschwinden.

Irgendwann irgendwo werd ich dich sehen,

und dann erlebst du, was dir noch kann geschehen....

Dennoch hätte ich dich stoppen müssen,

hättest für die Dreistigkeit sollen büßen,

dich meiner Kontrolle so zu entziehen.

- Doch glaub mir, dir nützen nichts all deine Mühen...“

“Dem Himmel sei Dank - ich hab's geschafft!

Bin der Hölle entflohen mit letzter Kraft!!

Ich möcht nur vergessen können dieses Gesicht,

aber es ist zu früh, ich kann es noch nicht!

Wo immer ich hinschau, da mein ich zu erblicken

diese Augen, dir mir noch immer Dolchstöße zuschicken!

Ein Scheusal an meiner Seite warst du,

hast mich gequält, ich fand keine Ruh!

Musste stets rechnen mit deiner Gewalt

in seelischer und auch körperlicher Gestalt.

Vor meinem inneren Auge seh ich dich noch immer,

hab gar das Gefühl, es wird stetig schlimmer

mit meiner Angst, dass du mir auflauerst

und mir den schmalen Weg in die Freiheit vermauerst!!

17


Schritt für Schritt muss ich die Angst überwinden,

die mich so mächtig an dich konnte binden.

Doch irgendwann ist es soweit, dann bin ich frei!

Dann sind mir all deine Drohungen einerlei!

Nie wieder zwingst du mich in die Knie!

Leise sage ich zu mir selber mutmachend “NIE!!!“...

18


Erneuerung

Zu Ruinen zerfallen,

einst prächtige Hallen,

von erhabenem Glanz.

Heut wirbeln im Tanz

Lichtflocken dort

und geben dem Ort

ein neues Gepräge.

Staub rieselt träge

im Sonneneinfall,

legt sich überall

auf historische Steine,

so dass man meine,

die Geister der Ahnen

würden uns mahnen,

unsere Wurzeln nicht zu vergessen.

Doch es versuchet indessen

kraftvoll das Leben

dem Zerfall neue Farbe zu geben.

Zwar ist alles kaputt,

aber zwischen dem Schutt

konnten Blumen gelangen

zu leuchtendem Prangen.

So schließt sich der Kreis

und der Betrachter weiß,

hier ist der Samen der Hoffnung gelegt,

der eine ganz neue Sichtweise prägt....

19


Das zweite Gesicht

Im Sonnenlicht flirren irritierende Schemen,

nur einen Wimpernschlag lang wahrzunehmen.

Wer tanzt da so geisterhaft stumm,

wer schwenkt da wild seine Flasche herum?

Wer stößt mit Gläsern an ohne Geräusch?

Ich bin nicht sicher, ob ich mich nicht täusch,

ob nicht das Licht nur mir all dies vorgaukelt

und meine Augen und Ohren kräftig verschaukelt.

Verstört schaue ich noch mal hin.

Kann es sein, dass ich so was wie hellsichtig bin?

Hab ich eben etwa Visionen?

Oder seh ich Träume, die in mir wohnen?

Zutiefst verunsichert wend ich mich ab,

unmöglich, dass gerade ich Ahnungen hab!

Doch das Erlebnis hängt lange mir nach.

Bis zum Morgen liege unruhig ich wach,

hör dann den Radiosprecher sagen

“... starben fünf Jugendliche in ihrem Wagen

nach einer wilden Party im Wald.“

- Noch nie im Leben war mir so eisig kalt....

21


Seelische Nacht

Groß ist die Stadt, anonym ist das Leben

viele tun sich schwer, etwas von sich zu geben.

Einsam sind dort viele geblieben,

sehnen sich nach jemand zum Lieben.

Der Großstadt schillernde, verlockende Pracht

trieb so manchen in die seelische Nacht.

Die schwarzen Wolken der Versuchung treiben

über jenen, die zu schwach sind, sie selber zu bleiben,

und die nur blind folgen dem Fluss,

in dem man zwangsläufig untergehen muss.

Allgegenwärtig ist diese Gefahr,

viele nehmen sie gar nicht wahr.

Doch es ist nicht unmöglich,eine Brücke zu baun

von Mensch zu Mensch, man braucht nur zu schaun,

wie es zum Beispiel dem Nachbarn ergeht,

mal zu fragen, wie es um sein Leben steht.

Vielleicht kannst du nicht helfen, aber reichen die Hand,

und hast zu mindestens ein Bedürfnis erkannt.

Um aus der Einsamkeit auszubrechen,

ist es als erstes nötig, miteinander zu sprechen.

Denn wer andere konsequent ignoriert,

läuft Gefahrt, dass er etwas Essentielles verliert:

die Empathie, die uns menschlich sein lässt.

Schnell breitet sich aus die Einsamkeitspest...

Sei achtsam und öffne die Augen,

die auch zum Erkennen des Verborgenen taugen!

Es gibt auch für dich einen Weg

über die Brücke, den schwankenden Steg,

der den Mensch mit dem Menschen verbindet,

so dass die Nacht aus der Seele verschwindet...

23


Trügerisch...

Beim Spaziergang gehn sie Hand in Hand,

denken, es kennt sie niemand in diesem Land.

Daheim müssen sie stets vorsichtig sein,

treffen sich meistens im Geheimen, allein.

Sind ja verheiratet, diese beiden,

ein Bekanntwerden der Affäre gilt's zu vermeiden.

Für beide hängt zu viel hintendran,

so dass keiner leichtsinnig werden kann!

Auch dieser Urlaub ist zusammengelogen,

manch Alibi wurde geschickt hingebogen,

damit niemand die wahren Pläne durchschaut.

Doch anscheinend haben auf Sand sie gebaut...

Es folgt ihnen jemand, sie merken es nicht,

bummeln entspannt unter südlichem Licht.

Ein achtsames Auge überwacht sie von fern,

die Observierung verläuft still und modern,

so können die zwei ihn auch nicht bemerken,

wenn sie sich mal bei Wein und Fisch stärken.

Bald schon hat er für den Auftraggeber Fotos genug,

und auf der Heimreise nimmt er gar denselben Zug,

lässt ihnen noch ein paar schöne Stunden,

dann trennen sie sich. Auch er ist verschwunden.

Lange Zeit bleibt den beiden nicht mehr,

Bald wird jemand sagen:“ Bitte erklär...“

Wird die Erinnerung an die Tage im Glück

ihnen Halt geben, wenn alles zerbricht Stück für Stück?...

25


Die flüsternde Stimme

Wenn du meinst, steig die Stufen hinauf,

die Tür steht ja offen,

aber nimm es in Kauf,

dass da nichts ist zu hoffen!...

Doch du bewegst dich wie an Fäden,

scheinst nichts zu merken um dich herum.

Sahst du nicht die verfallenen Läden

der Fenster grinsen höhnisch und stumm?

Hörtest du nicht den Ruf einer Eule,

die kündet von Schmerzen und Scheiden?

Nahmst du nicht den Geruch wahr von Fäule,

der dir riet, diesen Ort besser zu meiden?

Sahst du nicht das verrottende Grün,

all die wuchernden Pflanzen,

die wie Tentakel schon an dir ziehn?

Hör auf, diesen Hexenreigen zu tanzen!

Geh nicht in dies verwunschene Haus,

halte nur ja deine Neugier im Zaum!

Du kämest dort nicht mehr lebend heraus!!!

Du zuckst zusammen - war es nur ein Traum?...

27


Mondtanz

Sie tanzt in der Nacht,

wenn das Mirakel erwacht.

Niemand kann sehen,

wie sie sich drehen,

das Mädchen und der Nachtgeister Schar,

geheimnisvoll und wunderbar!

Die Harmonie pur,

eins mit der Natur.

Das Wunder berühren,

den Seelenkern spüren.

Sie tanzt ihren Traum,

gibt unterm Mondlicht ihm Raum,

und nach der Tanzerei

ist am Morgen sie frei!

29


Zwischen Gestern und Morgen

Das Vergangene liegt hinter dir, es holt dich nicht ein,

von seinen Schrecken konntest du dich befreien.

Und von der Zukunft hast du schon Visionen,

hast gut gelernt deine Lektionen.

Aber noch ist dein Geist nicht so ganz klar,

es beschäftigt dich doch noch, was einmal war.

Nebel wabern zwischen gestern und morgen,

verdunkeln deine Gedanken noch immer mit Sorgen.

Mensch, sieh doch nur, vor Dir ist Licht!

Es lohnt sich kein Grübeln, und Rückschau hilft nicht!

Schreite voran mit Hoffnung und Mut

und mit aller Stärke, die du hast im Blut!!

Greif nach dem Leben, das jetzt vor Dir liegt,

- deine Gespenster hast du ja schon einmal besiegt!!

31


Der Riss

Schauerlich war diese Nacht!

In den Wald ging ich vollkommen unbedacht,

immer weiter, immer tiefer hinein!

Unheimlich war's da so gänzlich allein...

Plötzlich zuckte durch's Dunkle kreischend ein Riss,

der Wald klafft auseinander wie ein Totengebiss.

Die Wirklichkeit hat eine Wunde erlitten,

durch die bedrohliche Nebel gleich glitten.

Einen Blick in die Andere Welt kommt ich tun -

und nun kann ich nie wieder unbeschwert ruhn...

Immer wieder denk ich mit Schauern,

was dort für Wesen erwartungsvoll lauern!

Wenn sie so ist, die Andere Welt,

wünsch ich dass mich jemand in dieser festhält...

33


Ausstieg

Aus dem Alltag zu entfliehn,

schnell die Notbremse zu ziehn,

wenn Probleme mich bedrängen

und die Seele mir einengen!

Alles hinter mir zu lassen,

mich nicht mehr befassen

mit eventuellen Sorgen,

auch nicht denken an das Morgen

oder die Vergangenheit!

Nun ist wieder es soweit,

dass ich runtergeh die Stufen

in Gefilde, die mich rufen,

eintret in mein Seelenland,

wo ich immer Ruhe fand.

Dort kann ich das Schöne schauen,

auch der Fantasie vertrauen,

die mich immer wieder trägt,

wenn der Alltag an mir sägt.

Träumen und still die Natur genießen,

das lässt wieder Kräfte sprießen!

Gibt was Schöneres als Schweigen

zu der Schöpfung großem Reigen?

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Gestern war alles anders

Gestern - Lebenslust und Leichtigkeit.

Zu allem Spaß war sie bereit.

Tanzen, flirten, Partytime.

Stets in der Gruppe, nie allein.

Dann kam der Tag, der anders machte

die junge Frau, die so gern lachte.

Allein am Strand, nachts baden gehn,

im Dunkeln hat's niemand gesehn.

Trunken vom Leben und vom Wein,

sprang juchzend sie ins Wasser rein,

sah nicht die Typen im Gras kauern

und gierig sie beim Bad belauern.

Nicht sehr lang später fand man sie,

zerschunden, blutend, starr vor Apathie.

Nie wieder konnte sie's vergessen,

war von der Angst lang wie besessen.

Es lag ein langer Weg vor ihr,

sie trank nie wieder Wein noch Bier.

Obwohl das schon so lang ist her,

fällt ihr Vertrauen heut noch schwer....

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