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Inhalt Zuschnitt 57.2015Zuschnitt 58.2015 Fenstererscheint im Juni 2015Ein Gebäude ohne Fenster ist undenkbar.Ein modernes Fenster aber kann viel mehrleisten als Licht und Luft hereinzulassen.Gerade Holzfenster bieten eine große architektonischeund gestalterische Vielfalt.Wir werden uns im kommenden Zuschnittden Durchblick verschaffen: Was kann einHolzfenster heutzutage leisten, was sinddie neuesten technischen Errungenschaftenund worauf ist von der Planung bis zumEinbau zu achten?Seite 3EditorialText Anne IsoppSeite 4 – 5Essay Ob Stein, ob Holz –repariere mit VerstandText Köbi GantenbeinThemenschwerpunktSeite 6 – 7Ausbau in EtappenHaus Sütten in HittisauText Florian AicherSeite 8 – 9Das Ensemble erhaltenHotel Montagne AlternativeText Roland BrunnerSeite 10 – 11Transformation alter HolzbautenVon der Historie lernenText Thomas Mennel undKlaus PfeiferSeite 11Begutachtung von HolzkonstruktionenText Florian TscherneSeite 12 – 13Ein Baudenkmal modernisierenBauernhaus Beim StadlerText Florian AicherSeite 14 – 15Traditionelle Holzverbindungenim AlpenraumText Klaus ZwergerSeite 16 – 17Haus im HausCasa C im WallisText Hubertus AdamSeite 18 – 19Weinfässer statt SchafeWeingut Hans IglerText Anne IsoppSeite 20Low Budget im Alten –Old Tech im NeuenHaus Rosanna in HittisauText Marina HämmerleSeite 21Für die ÖffentlichkeitFelixé Minas HausText Walter HauserSeite 22Wo liegen die Grenzeneiner denkmalgerechtenRenovierung?Historische Bausubstanz vonKalser BauernhöfenText Franziska LeebSeite 23Im Wald Der KärntnerWaldpflege vereinText Anne IsoppSeite 24 – 25Heustadel im Ennstaldokumentiert von Paul OttSeite 26SeitenwareNeue Gebäude aus altenBauteilenTexte Anne Isopp,Marina HämmerleSeite 27HolzrealienAuf Geschichte stehenText Michael HausenblasSeite 28Holz(an)stoßMircea CantorText Stefan TaschZuschnittissn 1608-9642Zuschnitt 57isbn 978-3-902926-10-4www.zuschnitt.atZuschnitt erscheint vierteljährlich,Auflage 18.800 Stk.Einzelheft euro 8Preis inkl. USt., exkl. VersandGedruckt auf pefczertifiziertem Papier.Dieses Produkt stammt ausnachhaltig bewirtschaftetenWäldern und kontrolliertenQuellen. www.pefc.atImpressumMedieninhaber undHeraus geberproHolz AustriaArbeitsgemeinschaft derös terreichischen Holzwirtschaftzur Förderung derAnwendung von HolzObmann Hans Michael OffnerGeschäftsführer Georg BinderProjektleitung ZuschnittKurt ZweifelA-1011 Wien, Uraniastraße 4T +43 (0)1 ⁄ 712 04 74info@proholz.atwww.proholz.atCopyright 2015 bei proHolzAustria und den AutorInnenDie Zeitschrift und alle inihr enthaltenen Beiträgeund Abbildungen sindurheberrechtlich geschützt.Jede Ver wendung außerhalbder Gren zen des Urheberrechtsist ohne Zustimmungdes Herausgebers unzulässigund strafbar.Offenlegung nach § 25MediengesetzArbeitsgemeinschaft derösterreichischen Holzwirtschaftnach Wirtschaftskammergesetz(wkg § 16)Ordentliche MitgliederFachverband der Holz -indus trie ÖsterreichsBundesgremium des HolzundBaustoffhandelsFördernde MitgliederPräsidentenkonferenz derLandwirtschaftskammernÖsterreichsBundesinnung der Zimmermeister,der Tischler undandere Interessensverbändeder HolzwirtschaftBestellung⁄ AboverwaltungproHolz Austriainfo@proholz.atT +43 (0)1 ⁄ 712 04 74shop.proholz.atRedaktionsteamAnne Isopp (Leitung)Christina Simmel (Assistenz)Kurt Zweifelredaktion@zuschnitt.atEditorialboardAlberto Alessi, ZürichAlexander Eder, WienTom Lechner, Altenmarkt⁄ PongauFranziska Leeb, WienThomas Mennel, SchwarzenbergKonrad Merz, DornbirnWolfgang Pöschl, InnsbruckArno Ritter, InnsbruckLektoratEsther Pirchner, InnsbruckGestaltungGassner Redolfi kg, Schlins;Reinhard Gassner,Marcel BachmannDruckEberl Print, Immenstadtgesetzt in Foundry Journalauf PhöniXmotionRedaktionelle ZeichnungenPeter Larcher mitMarko Horngacher, WienFotografienJosé Hevia Blach s. 1, 4 – 5, 16, 17Marius Waagaard s. 2, 26 o.Marc Lins s. 6, 7 u.Bernardo Bader s. 7 o.Sébastien Albert s. 8 li., 9Montagne Alternative sa 8 re.Markus Dobmeier s. 13Klaus Zwerger s. 14, 15Anton Mayerhofer s. 18Walter Luttenberger s. 19Georg Bechter s. 20Günter R. Wett s. 21Anne Isopp s. 23Paul Ott s. 24, 25Kompott s. 26 u.Roswitha Natter s. 27Dirk Pauwels, courtesy s.m.a.k.,the Municipal Museum ofContemporary Art, Gent s. 28


Editorialzuschnitt 57.201523InhaltEditorialAnne IsoppAlte Holzhäuser modernisieren, erweitern und neunutzen: Zur Vorbereitung für dieses Heft haben wiruns mit dem Architekten Thomas Mennel in einemGasthaus in Schwarzenberg getroffen. Wir sitzen inder ehemaligen Wohnstube, Wände und Deckensind mit Holz vertäfelt – der Raum strahlt Traditionaus. Gegessen wird an altersschweren Holztischen,deren Füße aufgebockt wurden. Der Raum ist niedrig,spätestens bei der Tür müssen große Menschenden Kopf einziehen, der Raum hat eine Atmosphäre,die ein Neubau nur schwer erreichen kann. Wersich hier wohl fühlt, versteht, warum Menschenwieder in alte Häuser ziehen, warum sie Kompromissein Kauf nehmen – zum Beispiel bei der Raumhöhe,der Belichtung oder dem Schallschutz. Siegewinnen eine Qualität, die nur das Alter mit sichbringen kann.Thomas Mennel hat sich viel mit dem Umbau vonalten Holzhäusern beschäftigt und arbeitet dabeimit einem Dendrochronologen zusammen, also jemandem,der das Alter von Holzhäusern bestimmt.„Wenn ich beweisen kann, dass ein Gebäudeteil400 Jahre alt ist, dann steigt der Respekt bei denBesitzern und der Erhalt wird meist dem Abrissvorgezogen“, erzählt der Architekt. Warum auchabreißen, was noch funktioniert, was aus wertvollenBaumaterialien besteht, charakteristischerTeil einer Landschaft oder eines Ensembles undobendrein Zeitzeuge ist? Bauernhäuser, Ställe undScheunen sind Teil unserer ländlichen Identität.Sie sind Zeugen der Vergangenheit, der Widerstandsfähigkeitder Baumaterialien, aber auch desStrukturwandels der Landwirtschaft und des demografischenWandels. Wo es gelingt, diese Gebäudeneuen Nutzungen zuzuführen oder modernenKomfortan sprüchen anzupassen, werden bestehendeWerte erhalten und neu belebt. Solche Gebäudesind wie lebende Organismen, die weiter belebtwerden wollen, die mit Respekt vor dem Alter unddem Bewusstsein für ihr Potenzial in die Neuzeitzu transformieren sind.Wir haben sieben Beispiele für diesen Zuschnittausgewählt, die davon erzählen, wie enorm wandlungsfähigder Holzbau ist und wie gut er sichweiterstricken lässt. Die Strategien im Umgangmit der Altsubstanz und die Motivation der Eigentümersind sehr unterschiedlich. Doch immerführen bei alter Bausubstanz Respekt und Knowhowzu individuellen und zugleich wunderbarenErgebnissen.wienwood 15HolzbaupreisZum zweiten Mal lobt proHolz Austria den wienwoodaus. Auch 2015 sollen besondere Leistungen imUmgang mit Holz als modernem Baustoff in derStadt Wien gewürdigt werden.Vor zehn Jahren – 2005 – wurde der wienwood daserste Mal ausgelobt. Viel hat sich in dieser Zeitgetan: Bauen mit Holz ist zu einer modernen, innovativenBauweise avanciert, die mit einem immergrößeren Selbstverständnis für das Bauen in denStädten eingesetzt wird – im mehrgeschossigenWohnbau ebenso wie für Kindergärten, Schulenund viele andere Bauaufgaben mehr.AusloberproHolz Austriain Kooperation mitArchitekturzentrum WienStadt WienMedienpartnerDer StandardSponsorWiener Städtische VersicherungKategorienWohnbau, Öffentlicher Bau,Gewerbebau, Innenausbau,Außenraumgestaltung, SonstigesEinreichfrist18. März bis 22. Juni 2015JuryRobert Böhm, Zimmerer⁄ ATom Kaden, Architekt⁄ DOtto Kapfinger, Publizist⁄ ASylvia Polleres, Holzforschung Austria⁄ AReinhard Wiederkehr, Statiker⁄ CHDietger Wissounig, Architekt⁄ AWeitere Detailsund Einreichunterlagen unter:www.wienwood.at


Themenschwerpunkt Altes Holz – neu gedachtEssay Ob Stein, ob Holz – repariere mit VerstandKöbi GantenbeinFläsch, so heißt das Dörflein im Bündner Rheintal, in dem ichlebe, wohne und oft arbeite. Den einen Berg drei Stunden stotzighinauf, und schon bin ich in Vorarlberg. Um den anderen Bergeine Stunde herum, und schon bin ich im Fürstentum Liechtenstein.Fläsch ist ein altes Dorf, tausend Jahre alte Dokumentegibt es, und Fläsch ist ein reiches Dorf – man lebt gerne hier undarbeitet in Zürich, aber auch in Chur, in Vaduz, in Konstanz gar.Wir sind wenige, gut 500 Leute, gut situiert viele, wohlhabendeinige. Viel Substanz in alten Häusern, gute wirtschaftliche Verhältnisseund Lust am Weiterbauen sind die Gründe dafür, dassviel um- und neu gebaut wird: Schmarren und Gutes. Ich spazieredurch mein Dorf und sehe drei Beispiele fürs Holz.Fläsch ist ein Steinedorf. Auch mein Haus haben meine Vorfahrenim 17. Jahrhundert aus Bruchsteinen geschichtet und gefügt.Und daneben haben sie einen Stall aus Holz hingestellt, in demmein Haus zweimal Platz hätte. Meine Vorfahren waren Bauernund also pragmatische Leute. Sie nahmen das Holz für die Küheund den Stein für sich. Die Stube haben sie dennoch rundum inHolz eingekleidet. Ich baue mein Haus aus Stein und Holz ausgesprochenlangsam um, weil ich im Haus meinen eigenen Lebenstaktfinden will. Viel zu tun habe ich mit dem Ausräumen dessen,was Gotta Betty, meine Vorgängerin, installiert hat. Die asbesthaltigenKunststoffböden mit Perserteppichmuster zum Beispiel,die sie auf die massiven Holzboden-Bretter nageln ließ, brachteich zum Sondermüll. Die auf edle Tapete gemachte Verkleidungder hölzernen Wand in der Stube ist abgelaugt. Gotta Betty flohaus dem Holz, ich fliehe in es zurück. So geht die Generationenfolge.Mein Haus ist nun innen rückgebaut und hölzern. Und ichliebe diese hölzerne Wärme und Behaglichkeit. Meine Nachkommenwerden das Haus allenfalls energetisch sanieren und ihmdann innen ein Putzkleid anziehen oder eines aus einem Wundermaterial,das wir noch nicht kennen. Und hölzern ist für mich auchdie Wärme. Sie kommt aus dem steinernen Kachelofen in die Stube.Ich fülle Kiste um Kiste mit Buchenscheitern, die ich jeweils um


vier Uhr morgens anzünde – und ich schwöre darauf, nichts ist sowarm wie Holz, Feuer geworden. Da brennt auch die Energie mit,die ich ihm schenkte, den Baum sägend und den Klotz spaltend.Meine Nachbarn heißen Elly und Walter. Sie haben vor gut zehnJahren einen nicht mehr gebrauchten Stall gekauft und darin ihrHaus gebaut. Aus Stein sind vier Säulen des Stalls zurückgeblieben,ausgefacht sind die Räume zwischen ihnen nun mit Glasund Holz. Innen sind die Böden aus Stein, die Auskleidung, dieTreppen, die Einbauten dagegen aus Holz, ja sogar Ellys Badewanneist hölzern. Der nicht mehr gebrauchte Stall ist ein lichtes,helles, ausgesprochen wohnliches Haus geworden. Man merktauch, was die zwei dem Holz zumuten: Gemütlichkeit, Ruhe,Gelassenheit, Großzügigkeit, Brauchbarkeit und ein Parfum derModerne, das dieses Haus ins Dorf gebracht hat – all das kanndas Holz tragen. Und sie haben sich etwas geleistet: sorgfältigeZimmermannsarbeit, feines Schreinerkönnen. Es ist wunderbar,welche Geschichten Holz schreiben kann, wenn man bereit ist zuhören und das Holz bittet, diese Geschichten zu erzählen.Doch der Stein kann das auch. Mein Bruder und seine Frau heißenDaniel und Martha. Sie wohnen drei Minuten zu Fuß von mir ineinem der wenigen herrschaftlichen Häuser des Dorfes. Sie habenihr Haus im Laufe der Jahre aus einer Ruine zu einem Prachtstückumgebaut, Schritt um Schritt. Holz war ihnen weniger nah alsStein. Die Wände sind gefertigt aus Sumpfkalk, die Böden ausschwarzem Schiefer unmittelbar vom Berg, mit großer Sorgfalthat aber ein Schreiner aus dem Bregenzerwald jüngst die großeund alte Haustüre restauriert – Holzarbeit vom Feinsten im Steinhaus.Und hier lernen wir: Wir dürfen nicht dem Holz aufbürden,es allein könne die Geschichte der Gemütlichkeit, der Schönheitund der Behaglichkeit in der Wohnung erzählen. Der Stein kanndas auch – wichtig ist weniger das Material als die Haltung unddas Können, das Material handwerklich gut zu formen, zu fügenund zu schichten, um das alte Haus weiterzubauen.Köbi Gantenbeinist Verleger und Chefredakteur von Hochparterre, der Zeitschrift für Architekturund Design aus der Schweiz. Er lebt und arbeitet in Zürich und Fläsch,einem Dörflein im Bündner Rheintal. Er kommt aus einer Tischlerfamilie undlebt dennoch in einem steinernen Haus.


Ausbau in EtappenGewohnt wird in der ehemaligen Garagen -durchfahrt – der Rest der Tenne bleibtunberührt für Zukünftiges.Florian Aicher5 mEinerlei bäuerlicher Tage und Umtriebigkeit der Heuernte, staubigerFeldweg vor dem Haus und Sturzbäche der Schneeschmelze,Föhnhimmel und vom Schnürlregen verwebte Tage, Eisblumen amFenster und Mücken im schweißtreibenden Sommer – so vergingeine Kindheit zu Hause auf dem Bauernhof. Es folgte die Schulein der nächsten Stadt, dann das Studium in der Kapitale, schließlichArbeit in ausländischer Metropole – und immer wieder:Sommer auf dem Hof, Weihnachten bei den Eltern, besondereTage daheim. Als die Kräfte nachließen und anders Wirtschaftenrentabler sein sollte, gab man die Landwirtschaft auf. Das Hinterhausgeräumt, das Vorderhaus weiter bewohnt, blieb das Hausein Mittelpunkt, ist es geblieben über die Tage der Eltern hinaus,die beide in ihrem Haus gestorben sind.Mittel punkt aller konnte es werden, weil es Platz für das eigeneLeben eines jeden bot. Während die Alten unbehelligt ihr altesHaus bewohnten, bauten sich die Jungen ihr neues. Raum bot derehemalige Wirtschaftsteil; da entstand ein Lebensraum, der denKomfort städtischen Wohnens mit ländlicher Unge zwungenheitverband. Der Schnitt des Einbaus ist radikal und doch so selbstverständlich,weil er die alte Raumeinheit neu belebt – nicht nurden Maßen, sondern auch der Raumqualität nach. So wie früheWohnräume Le Corbusiers die Arbeitsräume von Pariser Handwerkerateliersvariieren, greifen hier die privaten Räume im Obergeschossund das Wohnen im Erdgeschoss durch einen galerieartigenRaum ineinander und lassen die alte Tenne aufleben.Das Innere ist wie ein feines Zauberkästchen als ein Ganzesdurchgebildet: Holzbau auf höchstem Niveau. Zu fein für einBauernhaus? Ein Kontrast, der nicht irritiert, denn der Baustoffspinnt wiederum fort, womit man hier die Innenräume gemachthat: Weißtanne. Dass diese – sägerau mit Riftschnitt – andersverbaut wird als einst, betont die Lebendigkeit des Gebräuchlichen.Dazu gehört hier immer der Bezug nach draußen, zum Land:So ergibt die Glaswand Sinn. So wird der ebenerdige Wohnraumin der ehemaligen Tenne – einst landwirtschaftlicher Durchfahrtsraum– mit seinem Steinboden zum Teil des Gartens. Die oberenRäume, zurückversetzt und feiner ausgebaut, haben daran Anteil.Der in die Wand gezogene Raum der Treppe markiert fein denUnterschied zum Privaten, ähnlich bergend ein Alkoven.Das Haus ist in zwei Richtungen offen: weit nach Süden, zurückhaltend,mit eingezogener Loggia nach Norden. Und wenn eswieder in die Stadt geht, wird ein einfaches Schiebetor vorge zogen,dann wird es Teil des Stadels mit seiner ungehobelten, senkrechtenSchalung. Es zeigt sich, da ist noch mehr; die Wohnungist nur eine feine Schatulle im großen Wirtschaftsteil, nocheinmal so viel Raumvolumen bietet der ehemalige Heustadel.Haus SüttenStandort Sütten, Hittisau⁄ APlanung Bernardo Bader, Dornbirn⁄ A, www.bernardobader.com,mit Roland Gnaiger, Linz⁄ AHolzbau Zimmerer Nenning, Hittisau⁄ AErbaut um 1860Konstruktionsart Blockbau (Wohnhaus), Pfosten-Riegel-Konstruktion (Stadel)Umbau 2011


Der blieb unangetastet, ist Refugium des Bauherrn, der dasScheunentor gelegentlich aufschiebt und in der Sonne eine Zigarregenießt – ein Unding im ordentlichen zeitgemäßen Wohnhaus.Dass solches Nebeneinander gelingt, liegt zu nicht unerheblichemTeil am mittlerweile schon sprichwörtlich erstklassigenHandwerk. Wenn der Zimmereibetrieb des Spielkameraden ausKinderzeit fast gegenüber liegt, wenn die am Werktisch vorgefertigtenWandteile nur über die Straße geschoben werden müssen,dann wird ein Raum von makelloser Holzverkleidung möglich;dann entfaltet der Kontrast von Perfektion und Verlebtem seineeigene Würze.Ein wachsendes Haus in vielerlei Hinsicht – weiter gebaut, nieganz zu Ende, mit Reserve für Späteres. Ein Bekenntnis zum Ortund Haus – offen für Zukünftiges, unverkrampft für Vergangenes,mitten im Wandel des Lebens.67 Altes Holz – neu gedachtzuschnitt 57.2015Florian Aichergeboren 1954, arbeitet als Architekt und Publizist und lebt im Allgäu


Das Ensemble erhaltenAlte Scheunen werden in Ferienwohnungen umgewandelt,um sie vor dem Verfall zu retten.Roland BrunnerUm das Ensemble zu schützen, wurden ehemalige,teils jahrhundertealte Scheunen in Unterkünfte mitmodernem Komfort umgebaut.Der alte Weiler Commeire liegt auf 1.454 MeternSeehöhe und zählte in seiner Blütezeit rund sechzigSeelen; heute sind es nur noch ein Dutzend. Bis indie 40er Jahre des letzten Jahrhunderts lebten dieBewohner praktisch autark von der Landwirtschaft.Das änderte sich erst mit dem Bau der Verbindungsstraßehinunter nach Orsières, Etappenort amAlpenübergang des Großen St. Bernhard. Heutegibt es kaum noch Landwirtschaft in Commeire, zubeschwerlich ist es, den steilen Berghängen etwasabzuringen.Als der Belgier Ludovic Orts den pittoresken Ort2005 auf einer Skitour entdeckte, war er derart fasziniert,dass er zusammen mit zwei Geschäftspartnernsogleich ein touristisches Konzept für denWeiler entwarf, das die Einzigartig keit des Standortsund seiner Bewohner in eindrücklicher Art undWeise berücksichtigt. 2008 beauftragten die dreiPartner und Gründer von Montagne Alternativeden Genfer Architekten Patrick Devanthéry mit derErneuerung und Umwandlung von fünf Scheunenund einem Steinhaus in touristische Unterkünfte.Das Projekt orientiert sich an der lokalen Bauweise:Ein erstes Geschoss aus Steinen stemmt sich gegendie Schwerkraft und bietet dem Wasser die Stirn;ineinander verkeilte Bohlen stützen die Dächer.In der Ausführung mit Vollholz sind die Dimensionender Bauteile durch die Größe der Bäume gegeben.Unter dem Motto „Das Schöne erhalten und komfortabelals Wohnraum einrichten“ wurden dieheruntergekommenen Scheunen wieder instandgesetzt und so vor dem endgültigen Zerfall gerettet.Ihr Alter und ihre Unvollkommenheit wurden bewusstakzeptiert; nur hie und da behob man diegröbsten Mängel. So ersetzen auf dem Dach Holzschindelndie früheren Schieferplatten, und dieFensteröffnungen erfuhren eine neue Anordnung,welche der grandiosen Landschaft in jedem einzelnenRaum noch mehr Präsenz verschafft. Dank derunsichtbaren Fensterrahmen ließ sich der „Chaleteffekt“vermeiden, und jedes Bauwerk erhieltgleichzeitig eine zeitgenössische Nuance. Ein neuesElement sind die mit Metallstäben an den Dachsparrenaufgehängten Balkone. Sie verlängern dieInnenräume der Zimmer und ermöglichen es denGästen, das eindrückliche Bergpanorama in vollenZügen zu genießen.


zuschnitt 57.201589 Altes Holz – neu gedachtIn farblicher Hinsicht kontrastiert das Braunschwarzder von der Sonne verbrannten und von der Witterungausgewaschenen Lärchenfassaden mit demhellen Lärchenholz, das für die Innenverkleidungund die Böden verwendet wurde. Ein weitererspannen der Kontrast besteht zwischen der strengenRechtwinkligkeit der neuen Gebäudehüllen undden Unregelmäßigkeiten der alten Bausubstanz.In seinem Bestreben, sich jeder kurzlebigen Modezu entziehen, strahlt der Gebäudekomplex einenHauch von Zeitlosigkeit aus.Die Energieversorgung erfolgt ausschließlich aufder Basis erneuerbarer Energien. So finden sich aufden Dächern Sonnenkollektoren für die Warmwasseraufbereitung,und in jedem Gebäude steht einschöner Holzofen mit leistungsfähiger Wärmerückgewinnung.Beide Systeme sind an einen thermischenSpeicher angeschlossen, der die Wärme biszur Morgendämmerung verteilt. Um Platz für dietechnischen Installationen zu schaffen, wurde dasKellergeschoss erweitert. Gleichzeitig entwässerteund verstärkte man die alten Steinmauern.Hotel Montagne AlternativeStandort Commeire, Orsières⁄ CHBauherr Montagne Alternative, Orsières⁄ CH, www.montagne-alternative.comPlanung dl-i, designlab-intérieurs Sàrl, Genf⁄ CH, www.dl-i.chHolzbau Artisabois Sàrl, Sembrancher⁄ CH (Konstruktion); Taramarcaz Alain Sàrl, Sembrancher⁄ CH,Vincent Schürch, Vernayaz⁄ CH (Innenausbau); Rausis et Cinquanta sa, Orsières⁄ CH (Eindeckungen)Konstruktionsart Bruchsteinmauerwerk, BlockbauUmbau 2008 – 15 in EtappenZurzeit verfügt das Hotel Montagne Alternativeüber 18 Zimmer, verteilt auf sechs Gebäude, undzehn zusätzliche Zimmer in der jüngst fertiggestelltenErweiterung. Diese neuen Erweiterungsbautenwurden in Holzrahmenbauweise und nach demMuster der alten Scheunen erstellt. Im Sommer 2014wurde ein Restaurant für die Gäste eröffnet. EineDoppelreihe Metallstützen unter dem Baukörper inMassivholzbauweise entlastet dort die alten, brüchiggeworde nen Mauern.Dieser Beitrag ist eine gekürzte Fassung des Textes „HotelMontagne Alternative, Commeire“, erschienen in Lignum,Holzbulletin 112⁄ 2014, Zürich, www.lignum.chRoland Brunner1997 Diplom als Holzbauingenieur in Biel, seit 2003 bei derLignum für die technische Kommunikation zuständig, unteranderem für die Redaktion des Holzbulletin.


Transformation alter HolzbautenVon der Historie lernenThomas Mennel und Klaus PfeiferSanierung und Transformation sind Dauerbegleiterder Baukultur aller Regio nen,im Holzbau gerade deshalb, weil er dieMöglichkeiten zur Anknüpfung, zur Aufstockung,zur Einbindung neuer Wändeund Decken erleichtert, teilweise sogarprovoziert. Gebäude und die darin verborgenenStrategien im Umgang mit derSubstanz sind daher nicht isoliert füreinzelne Bautypologien oder Regionen zubetrachten, sondern beruhen auf einemgemeinsamen Erfahrungsschatz großerRegionsverbünde. Die Anwendung vergleichbarerHolzbautechniken ist von derÜbernahme praktischer Erkenntnissegelenkt wie von Moden.Jede Änderung muss handfesten BeweggründenfolgenDas Erreichen neuer Funktions- und Komfortstufenfür das Wohnen und Wirtschaften(Rauchfreiwerdung der Flurküchen,Verlagerung der Kellererschließung vonursprünglich außen nach innen) sind offenkundigZielsetzungen unserer Vorfahren.Bereits etablierte Errungenschaften ausanderen Regionen gelangten durch Händler,Wanderhandwerker, Kirchenvertretervon einem Ort zum anderen. Bauformenund Stilelemente werden über Talschaftenund Städte hinweg kopiert, tradiert oderzu neuen, regionsspezifisch anmutendenFormen weiterentwickelt. Sie prägendie heute vorhandenen Bauten in ihremäußeren Erscheinungsbild. Im Kern verborgensind verschiedenste Bauphasen undgestalterische Eingriffe. Historische Bauwerkesind von der Wiederverwendungvon Raumeinheiten und Bauteilen gekennzeichnetund zeigen letztlich die Tendenzzum Erhalt von Teilen des Bestandes. Vermutlichsind wirtschaftliche Überlegungenentscheidend für die Weiterverwendungvon Gebäudeteilen und des Interieurs bishin zum Recycling einzelner Bauhölzer.In der Herangehensweise an die Objektegalt offenbar nichts anderes als heute:Jede Änderung folgt handfes ten Beweggründen,nicht nur im materiellen und/oder funktionalen Sinn. Jede Veränderunghat sowohl einen quantitativen als aucheinen qualitativen Ursprung.Sorgfalt und Verständnis für die SubstanzIn den auffindbaren Bearbeitungsspurenund Fügetechniken sind Sorgfalt und Verständnisfür die Bausubstanz dokumentiert,gleichzeitig aber auch Mut, Radikalitätund der Wille zur Veränderung.Gebäude wurden im Ganzen transloziert,demontiert und wieder errichtet, aufgeständertund neu unterbaut, entkernt undmit neuen Balken- und Blockstricklagenversehen. Große Bergeräume im Wirtschaftsteilwurden mit neuen Tragwerkenstützenlos überspannt. Nicht zu unterschätzensind solche Manifesta tionen desErneuerungsgeistes einzelner Personen,die wiederum zu Vorbildern für die Bauaktivitätenanderer werden.Im Alten Vorbilder erkennenDie damals gängige Praxis des Recyclingsund die Erweiterung der vorhandenen Gebäudeorganisationin vertikaler und horizontalerRichtung birgt folglich Vorbilderfür eine ähnliche Herangehensweiseim Heute. In der Rückschau lassen sichPerspektiven für einen möglichen Weiterbestandund die zukünftige Entwicklunghistorischer Objekte im logischen Umgangmit der Substanz erkennen. Seit Jahrhundertenzeigt der Holzbau unterschiedlicheMöglichkeiten der Addition, Division undAdaptierung. Die Holzaltersbestimmung(Dendrochronologie) an Bestandsobjektenund gefügekundliche Untersuchungenbelegen diesen wechselvollen Umgang derVorfahren mit ihren Objekten und setzenim besten Fall im Besitzer von heute einenAbwägungsprozess in Gang, der zu einerWertschätzung der Substanz führt. Vordergründigörtli cher Schädlingsbefall oderbautechnische Störungen, die üblicherweiseeinen Abbruch nahelegen, werden inAnbetracht der vorliegenden Altersstufenzweitrangig. Entscheidend sind die historischenLösungs modelle und die verwertbarenPotenziale zur Bewältigung derneuen Anforderungen. Auch eine nichtwissenschaftliche Gefügeanalyse undAuseinandersetzung mit dem Baubestandveranschaulicht historische Möglich keitender Deckung täglicher Bedürfnisse.Ähnlich verhält es sich mit konstruktivenund bautechnisch interessanten Details.In vielen Objekten sind Bearbeitungs techniken und Detail lösungen nach konstruktivenGrundsätzen vorhanden, die ob ihrerEinfachheit und Wirksamkeit Beachtungverdienen. All diese Erkenntnisse gilt eszeitgemäß zu übersetzen.Raffinesse und Respekt sind gefordertFür heute empfiehlt sich eine offene,unvor eingenommene Raumanalyse gepaartmit einem detaillierten Aufmaß derProportionen und konstruktiven Details.Wand- und Deckenversprünge, Konstruktionslagen,Wasserhaltung und -spurenzeugen von Bauphasen, die in ihrer Logikweitergedacht werden können. Respektden angetroffe nen Raumfolgen sowie denGrundriss- und Schnittgeometrien gegenüberführt zu statisch weiterhin intaktenund bautechnisch interessanten Lösungen.Den bauphysikalischen Schwierigkeitenmuss mit Raffinesse begegnet werden.Die Raumhöhe kann in Teilbereichen desSitzens und Schlafens durchaus niedrigersein. Die mehrgeschossigen historischenHerdräume und Flurküchen bringen einedreidimen sionale Ausweitung des Raumesmit sich und werden zu neuen Vorbildernkomplexer Raumabfolgen und offenerRäume mit großzügiger Lichtführung. DerWechsel der Raumgrößen in der Abfolgebestehender Kammern ist nicht notwendigerweiseein Defizit, sondern wird durchauszur Qualität zwischen Offenheit undRückzug. Stellt man die bauphysikalischen


Begutachtung von HolzkonstruktionenEinschränkungen (z. B. reduzierte Schalldämmung)den gewonnenen Qualitätengegen über, führt dies zu einem Plus anpositiven Argumenten für den Erhalt. Fürdie Verortung neuer Funktionen und dieHerangehensweise im Detail finden meistungewöhnliche und zugespitzte Lösungen,Materialien und Formen auf beeindruckendeWeise zusammen. Damit liegt inder Transformation der Substanz eineVielzahl an Chancen – für das Objekt undseine Bewohner, für das Handwerk sowiefür den Erhalt und die Einbettung derObjekte in die Kulturlandschaft. Abseitsder gebun de nen Grauenergie ist der Werthistori scher Objekte der anonymen Architekturin Stadt und Land ein hoher, dieBearbeitung und Transformation daherlohnenswert.Thomas Mennelgeboren 1971 in Lingenau⁄ Vorarlberg, Architekturstudiuman der Technischen Universität Wien,2000–09 Mitarbeit im ArchitekturbüroFasch&Fuchs, Wien, freischaffender Architekt,seit 2012 Leitung des Fassadenplanungsbüros gbdProjects, Studien, Vorträge und Publikationen imBereich Hausforschung und HandwerkKlaus Pfeifergeboren 1967, Biologiestudium an der UniversitätInnsbruck, Promotion 2006. Er ist seit 1992 als freiberuflicherBotaniker tätig und spezialisierte sichmit dem Labor für Dendro(Chrono)Logie in Egg1998 auf die Gebiete Dendroklimatologie, Dendrochronologiesowie Bauforschung im Ostalpenraum.Florian TscherneIm Zuge der Sanierung von Holzkonstruktionen muss immer der Zustand desHolzes bewertet werden. Einerseits muss überprüft werden, ob Fäulnis- oderInsektenschäden vorliegen, anderseits muss generell die Funktionsfähigkeit derKonstruktion überprüft werden, zum Beispiel hinsichtlich aufgegangener Holzverbindungen.Das Ergebnis einer solchen Schadensbegutachtung dient alsGrundlage für statische Berechnungen beziehungsweise für das Sanierungskonzept.Um Holzkonstruktionen auf Schäden durch Pilze oder Insekten zuuntersuchen, können verschiedene Methoden angewandt werden. Ist das Holzfrei zugänglich, kann ein erfahrener Gutachter die Schäden entweder augenscheinlichoder durch Anbeilen zum Beispiel mit einem Spitzhammer sehr gutin ihrer Art und ihrem Ausmaß bestimmen. Dabei trägt das Gehör wesentlichdazu bei, versteckte Schäden am Bauteil einschätzen zu können. Ein tiefer,dumpfer Ton weist auf einen geschwächten Querschnitt hin. Die direkte Begutachtungwird bei frei liegenden Konstruktionsteilen von Dachstühlen sowiefreigelegten Holzdecken angewandt.Bei verdeckten Bauteilen kann die Bautechnische Endoskopie als zerstörungsfreieMethode eingesetzt werden. Dabei werden die Holzteile angebohrt,anhand des Bohrwiderstandes und des Zustandes der anfallenden Bohrspänewird auf den Zustand des Holzes geschlossen. Mit dem Endoskop werdenzudem nicht von außen zugängliche Holzteile in Hohlräumen wie Trame vonDeckenkonstruktionen hinsichtlich Schäden durch Pilze und Insekten inspiziert.Die Bautechnische Endoskopie wird hauptsächlich bei der Untersuchung vonDeckenkonstruktionen angewandt, die nicht freigelegt sind, bzw. bei Deckenbalken,die durch einen Wasserschaden durchfeuchtet wurden. Diese Methodekann auch bei bewohnten Objekten ohne besondere Schmutz- oder Lärmbelastungdurchgeführt werden. Zusätzlich sollte immer auch die Holzfeuchtigkeitder Konstruktionsteile bestimmt werden, da ab einer Holzfeuchtigkeit von20 Prozent die Gefahr besteht, dass auch bis dahin nicht geschädigte Holzteilevon holzzerstörenden Pilzen befallen werden. Nach einer erfolgten Trocknungvon durchfeuchteten Deckenkonstruktionen kann es zielführend sein, dieHolzfeuchtigkeit durch einen unabhängigen Gutachter überprüfen zu lassen.Die Holzforschung Austria untersucht jährlich über hundert Holzkonstruktionen.Den Großteil machen dabei Decken und Dachstühle in Wiener Gründerzeitbautenaus, die im Zuge von Sanierungen und Dachgeschossausbautenhinsichtlich Fäulnis- und Insektenschäden untersucht werden. Bei der Begutachtungwerden mit den oben beschriebenen Methoden die Art und dasAusmaß der Schädigungen aufgenommen. Die Ergebnisse werden zusammenmit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen in einer gutachtlichen Stellungnahmezusammengefasst.1011 Altes Holz – neu gedachtzuschnitt 57.2015Florian Tschernestudierte Holzwirtschaft an der Boku Wien und ist seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter ander Holzforschung Austria und seit 2000 mitverantwortlich für die Bauschadens analyse vonHolzkonstruktionen.InfoHolzforschung Austriawww.holzforschung.at


Ein Baudenkmal modernisierenDenkmalschutz und modernes Wohnen sollten sich nichtwidersprechen, sondern ergänzen wie bei diesem Bauernhaus.DachaufbauDachziegelTraglattung 30 x 50 mmKonterlattung 30 x 50 mmUnterdachbahn, diffusionsoffenHolzschalung 24 mmSparren, Bestanddazwischen Zellulosedämmung 140 mmstellenweise Ausgleichslattung für WärmedämmungDampfsperreKonterlattung 40 x 60 mmdazwischen flexible Holzfaserdämmplatte 40 mmLattung 30 x 50 mmHolzdielen Douglasie 28 mmFußbodenaufbau dgHolzdielen Douglasie 28 mmTrennvliesLattung für Montage Fußbodenheizung40 x 60 mmKonterlattung 30 x 50 mmdazw. Holzfaserdämmplatte 40 mmHolz faserdämmplatte 10 mmRieselschutzbahnDielen, teilweise Bestand, teilweiseneu ca. 35 mmHolzbalken, BestandSchwächung Kragbalkenauf 100 – 160 mmFußbodenaufbau ogHolzdielen, BestandErgänzungen durch HolzdielenDouglasie 35 mmHolzbalken, Bestandabgehängte Decke, BestandBefestigung über Holzunterkonstruktionund Schwingungsdämpferan Holzdielen, Bestandalle Hohlräume vollständig mitHolzfaserdämmstoff gefülltWandaufbauFußbodenaufbau egKalkputz mit Wandheizung ca. 26 mmHolzdielen, Bestand, ergänzt durchWandheizungsrohre d = 16 mmHolzdielen Douglasie 35 mmHolzwolle, Leichtbauplatte 35 mmLagerhölzer 60 x 80 mmDampfbremseFußbodenheizung 30 mmLattung 60 x 60 mm, a = 625 mmsteife Wärmedämmung ca. 10 mmdazw. Zellulosedämmung ≥ 60 mm im SprühverfahrenHolzfaserdämmplatte 40 mmHolzblockwand, BestandDampfbremseFugen, innen mit faserverstärktemLagerhölzer 60 x 80 mmLehmputz ausgestrichenHolzfaserdämmplatte 80 mmim eg: Putzträger ca. 15 mmTrittschalldämmung 20 x 10 mmPutz ca. 25 mmBitumen-DickbeschichtungStahlbetondecke 180 mmUnterfangung mit Klinkermineralische DichtungsschlämmeFlorian AicherDas hat Tradition hier: die Geschäfte in der Stadt, zum Entspannenhinaus aufs Land. Leben und leben lassen – bayerischeLebenskunst, seit langem gepflegt von kunstsinnigem Publikumund seinen Helden.Dieser Lebenswelt verdankt das alte Bauernhaus seine heutigeBelebung. Bereits als Kind verbrachte die Bauherrin, heute mitihrem Mann im Medienbereich tätig, mit den Eltern regelmäßigim Ort die Sommerferien. Bindungen an Ort und Bewohnerwuchsen und damit der Wunsch, hier ein Refugium zu haben.Da fand sich ein typisches Tegernseer Bauernhaus aus demspäten 17. Jahrhundert – flaches Dach, durchgehender First,Seitenflur, Wohnteil als Strickbau mit dreiseitig umlaufendemBalkon und verputztem Erdgeschoss. Mit der Adaption konntebegonnen werden.Bei der Vorgeschichte war das leichter gesagt als getan. Diegesamte Haustechnik war zu erneuern, das Haus energetisch zuertüchtigen und Räume, die nicht mehr auf alte Weise zu nutzenwaren, mussten neu belebt werden. Doch der besondere Reizdes Hauses sollte erhalten bleiben: eine Atmosphäre, die voneiner anderen als der perfekt eingerichteten Welt kündet, dieGeschichte hat und Chancen bietet. Das eine sicherzustellen,ohne das andere verschwinden zu lassen, neue Festlegungenzu treffen und doch offen zu bleiben, war das Ziel – weder geschleckteAntiquität noch schickes Design.In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurden die Außenwändemit innenliegender Dämmung und neuem Putz versehen,sowie die Fenster saniert und ergänzt durch ein großflächiges,einfachverglastes Innenfenster zum Aushängen im Sommerbei gleichzeitigem Erhalt der Ansichten. Die Sanierung der Fundamentebot Gelegenheit, den Boden gegen Erdreich abzusenken,Raum für eine Fußbodenheizung zu schaffen und um eine HandbreitRaumhöhe zu gewinnen. Bei Raumeinteilung und Oberflächenhielt man sich an die historischen Vorgaben. Ähnlich wurdeim Obergeschoss verfahren, doch statt der Fußbodenheizungwurde hier eine Wandheizung installiert – möglich gewordendank Niedertemperaturheizung, gespeist durch Erdwärme. Neuist lediglich das in Douglasie ausgebaute Dachgeschoss mitWand- und Deckenheizung.Wo immer möglich, wurden alte Bauteile erhalten. So könnenTürstöcke in mehreren Farbschichten schimmern; die Treppe insObergeschoss erzählt vom einstigen Holzwurm; alte Betonkonsolenoder -stürze werden sichtbar. Dagegen steht die feineQualität bei Neuem, etwa den Douglasie-Dielen des Bodens.In jedem Fall zeugt die Verarbeitung von handwerklicher Meisterschaft,ein Anspruch, der ungewöhnlich weit getrieben wird:Statt verchromter Hightech-Einhebelarmaturen im Bad kommteine verzinkte Aufputzinstallation zum Einsatz. Diese Haltung bisins Detail ergibt atmosphärische Verdichtung.


zuschnitt 57.20151213 Altes Holz – neu gedachtDer vormalige Wirtschaftsteil erfordert anderes. Der früher unmittelbarneben dem Wohnhaus gelegene Stall und der darüberliegende Bergeraum werden zu einer großzügigen Wohnhalle vonrund 40 m 2 Fläche und 6 Metern Höhe. Türen und im ObergeschossFenster verbinden sie mit den historischen Wohnräumen;deren knappe Dimensionen verlieren durch die Verbindung mitdiesem weiten Raum jede Enge.An die Halle schließen zwei Gästezimmer mit Flur zu einemSportraum an – innerhalb der Umfassungswände aus Nagelfluhfindlingenentstand eine neue Raumfolge mit neuer Stahlbeton-Kassettendecke auf frei stehenden Stahlstützen. Während dieGästezimmer mit Holzdielen, Kalkputz und Details der alten Stallfenstermönchisch wirken, lebt die Halle von der Begegnung vonNeu und Alt. Neu ist die großzügige Verglasung nach Süden –auch hier kein Fensterprofil von der Stange, sondern Stahlrahmenvom Schlosser mit eigens gefertigten Beschlägen. Von besonderemZauber ist der Blick, der nur ebenerdig direkt nach draußengeht, darüber wird er durch den Laubengang mit lichtdurchlässigerVerbretterung des alten Stadels gefiltert. Die Fassade desWirtschaftsteils bleibt – wie auch der Dachstuhl – mit staunenswertfeiner Verarbeitung erhalten.Bauernhaus Beim StadlerStandort Gmund am Tegernsee⁄ DPlanung maio & maio architekten, München⁄ D, www.maiomaio.deHolzbau Holzbau Penzkofer GmbH, Eschlkam⁄ D, www.holzbau-penzkofer.deErbaut ca. 1680Konstruktionsart Holzblockbauweise (Wohntrakt), Bruchsteinmauerwerk (Stall),Holzständerkonstruktion (Scheune)Umbau 2007 – 12Sorgfalt im Bestand, Wechsel von Alt und Neu, Verzicht aufdemonstrierte Perfektion, stattdessen Freude an Überlagerun gen,Brüchen, auch Dekorativem – bayerisches Lebensgefühl oder garschon Nähe zu Italien? Zu welchem Italien? Gianfranco Maio,der mit seiner Frau Katrin Maio diese Architektur verantwortet,nennt als Bezugspunkt Gio Ponti, Ignazio Gardella, Gestalter miteinem Gespür für das Ungezwungene, das dem Alltäglichen eineneigenen Glanz verleihen kann.5 m


Traditionelle Holzverbindungen im AlpenraumKlaus ZwergerBis zur Mitte des letzten Jahrhunderts konnte ein anspruchsvollerHolzbau nur von Zimmerleuten gebaut werden, die aufviele Jahre Erfahrung mit den hohen Anforderungen des MaterialsHolz zurückblicken konnten. Kaum ein anderes Detail gibtdiese Tat sache deutlicher wieder als Holzverbindun gen. IhreAusformung macht die Überlegungen des Handwerkers zu ihrerFunktion lesbar.Im Skelettbau wurden Stützen und Balken beziehungsweise Verstrebungen,also vertikale und horizontale Bauteile, zu einemtragfähigen Gerüst gefügt. Ausgesteift wurden diese Skelette inEuropa durch Verstrebungen, mit deren Hilfe steife Dreiecksverbändegebildet wurden. Die Zimmerleute mussten überall dortVerbindungen schneiden, wo zwei oder mehr Bauteile gefügtwurden. Ganz anders waren die Anforderungen im Blockbau.Im Alpenraum standen weit mehr Nadelbäume als Laubbäumezur Verfügung. Es lag nahe, damit zu bauen. Lange, gerade gewachsene,möglichst astlose Bäume sind in trockenen Gebietendas ideale Baumaterial zur Errichtung von Blockbauten.Im Blockbau wird durch waagrecht übereinander geschichteteBalken ein kastenartiges Gebilde aufgebaut. Jeweils vier Balkenwerden liegend zu einem Kranz verbunden. Läge wirklich jederfür sich abgebundene Kranz über den anderen, würde die Konstruktionmit zunehmender Höhe immer labiler. Der Aufbau darfalso nicht schichtförmig vonstatten gehen, sondern muss räumlichverschränkt erfolgen. Zwei einander gegenüberliegende Balkenwerden so mit den beiden anderen orthogonal zu ihnen gelegtengefügt, dass sie eine halbe Balkenhöhe über den unteren mitdiesen verbunden werden. Im nächsten Schritt sind die höherliegenden selbst die unteren und werden wie zuvor mit wiederumorthogonal versetzten Balken verbunden. Das dritte Balkenpaarliegt parallel zum ersten genau über ihm.Zwei miteinander verbundene Konstruktionsglieder sind alsonicht wie in den meisten Fällen im Skelettbau flächenbündig miteinanderverbunden, sondern verschränkt – genau so, wie unsereFinger zu liegen kommen, wenn wir die linke Hand mit der rechtenverschränken. Eine andere Assoziation wäre ein geflochtenerKorb. Tatsächlich gab es früher „runde“ Blockbauten als Speicherund Scheunen. Reminiszenzen finden wir in Apsiden von Blockbaukirchen.Zu Beginn der Entwicklung wurden die Balken rund belassen.Mit primitivem Werkzeug wäre das Zurichten der Stämme zuvierkantigen Bauhölzern praktisch nicht möglich gewesen. Zweiorthogonal übereinandergelegte Stämme können aber nur dannin ihrer Lage fixiert werden, wenn man mindestens einen derbeiden einschneidet. Je passgenauer diese Verbindung ist, destobesser sind die beiden Balken fixiert. Jede handwerkliche Holzverbindungbedingt eine Reduzierung des Querschnitts. DieserEingriff reduziert die statische Wirksamkeit auf den Restquerschnitt.Besser war es daher, bei jedem der zu verbindendenElemente die Hälfte wegzuschneiden.Auch gerade gewachsenes Nadelholz erweist sich als nicht geradegenug, wenn man zwei Stämme übereinanderlegt. Es bleibenungleichmäßige Spalte. Das war bei einem Stallgebäude nichttragisch, bei Scheunen zur Lagerung von Heu sogar wünschenswert.Wollte man jedoch in solchen Gebäuden wohnen und sieheizen, dann sollten die Wände dicht sein. Im Alpenraum begannBlockbauman, die Balken an Ober- und Unterseiten ebenflächig zuzurichten.Von dort war es nur mehr ein kleiner Schritt dazu, gleich mit allenSeiten so zu verfahren. So war die Innenseite des Gebäudes automatischebenflächig und an der Außenseite konnten sich keinevom Wind vertragenen Samen anlagern und kaum Flechten ausbilden.Vierkantig zugerichtete Balken erleichtern zudem demZimmermann das Anreißen der Verbindungen.Solange die Balken in der Art gefügt waren, dass die Verbindungdes oberen Balkens mit einer horizontalen ebenen Fläche an denunteren anschloss, mussten die Balken ein signifikantes Stücküber die Verbindungsstelle an der Ecke in vollem Balkenquerschnittvorstehen. Nur so waren sie gegen ein Ausweichen nachaußen gesichert. Das hieß, dass die Hirnholzenden der Balkennicht nur ungeschützt der Witterung preisgegeben waren, sondernexplizit unsinnig exponiert waren. Diesem Missstand halfendie Zimmerleute durch eine Adaptierung der Verbindungen ab.Sie entwickelten zwei grundlegend verschiedene Methoden.Die eine unterbrach die Ebenflächigkeit der Lagerfuge durch eineeingebaute Stufe. Die horizontale ebenflächige Verbindungsstelleerhielt solchermaßen einen Haken, der ein Ausweichen des Balkensnach außen verhinderte. Wir sprechen daher von einer hakenblattförmigenVerbindung. Die zweite Variant, der einfache Klingschrot,ersetzte die Horizontalität der Lagerfuge durch eine nach außenansteigende ebene Fläche. Unter dem auflastenden Gewicht derdarüberliegenden Balkenkränze war damit ein Ausweichen nachaußen nicht mehr möglich. Die vordem so rasch abfaulendenVorköpfe der Balken konnten wandbündig zu einer sauberen Eckeabgeschnitten werden. Die erste Form wird in der Literatur vielfachals in Osteuropa gebräuchlich beschrieben, die zweite alstypisch für den Alpenraum. Das wird quantitativ so stimmen.Tatsächlich lassen sich zahllose Beispiele der jeweils anderenFügetechnik da wie dort finden. Wenn es die Witterungsverhältnisseerforderten, konnte jetzt ohne enormen Aufwand die Blockwandinklusive der Ecke mit Schutzbrettern verkleidet werden.


zuschnitt 57.20151415 Altes Holz – neu gedachthakenblattförmige Verbindung einfacher Klingschrot eingebundene ZwischenwandGanz unabhängig von diesem wichtigen Entwicklungsschrittarbeiteten die Zimmerleute immer an einer Verbesserung der Verbindungen.Bauholz wurde die längste Zeit saftfrisch verarbeitet.Im Winter hatten die Bauern Zeit, sich ein Zubrot als Holzarbeiterzu verdienen. Während der schneelosen Jahreszeit musste gebautwerden. Holz wurde, zumal für Alltagsarchitektur auf dem Land,auch noch im 20. Jahrhundert vornehmlich mit der Axt bearbeitet.Nur frisches Holz lässt sich mit der Axt einfach zurichten. DiesesMaterial schwindet in den ersten Jahren nach seinem Einbau nocherheblich. Das heißt, dass selbst eine ursprünglich perfekte Passgenauigkeitgefügter Balken dieser Holzeigenschaft ihren Tributzollen musste. Wenn das Material schwindet, also die VerbindungenLuft bekommen, leisten sie auch einem anderen Trocknungsphänomen,der Drehung, weniger Widerstand. Nur wenige Bäumewachsen wirklich schnurgerade. Die meisten sind wenigstensleicht drehwüchsig. Der Trocknungsprozess fördert die Drehung.Die Zimmerer wussten um diese Eigenheiten des Materials undversuchten verbindungstechnisch gegenzusteuern. Diverse Einkerbungen,Haken und Nasen sollten dafür sorgen, dass die Verbindungenals die vielleicht wichtigsten bautechnischen Elementezur Sicherstellung eines dichten Bauwerks mit stetig steigendenAnsprüchen und Erwartungen Schritt halten konnten. Sobalddie Handwerker die technischen Probleme mehr oder wenigerzufriedenstellend im Griff hatten, verlegten sie sich auf optische„Verbesserungen“ – sie begannen zu dekorieren. Es scheint heutenahezu unvorstellbar, zu welchen Spielereien sich Zimmerleutehinreißen ließen, und vielleicht noch mehr, was Auftrag geber zuzahlen bereit waren. Ebenflächige Stoßfugen wurden zugunstengekrümmter Flächen aufgegeben. Zunächst sinnvolle Hakenformenwurden zu ausschließlich dekorativen Zwecken vervielfacht.Es wurden mögliche und „unmögliche“ Formen realisiert. Unmöglichheißt, dass unter Umgehung des konstruk tionstechnischbedingten Ablaufs des Abbunds der Balken rein ornamentaleFormen ausgeführt wurden.Diese Entwicklung war nicht sinnvoll fortsetzbar. Als neue Holzbautechnologienbasierend auf Holzwerkstoffen zur Verfügungstanden, schien sie endgültig der Vergangenheit anzugehören.Umso erstaunlicher sind Bauten wie der Golfklub in Yeoju vonShigeru Ban (siehe Zuschnitt 38 – Holz trägt). Die Fügung derdoppelt gekrümmten Balken seiner Dachkonstruktion schließtpraktisch nahtlos an die handwerkliche Tradition an. Die Zukunftwird zeigen, ob diese Art der Verbindung ihren Beitrag zu einerLebenszeitverlängerung der Bauten wird beitragen können.Jenseits von allem verbalen Missbrauch des Begriffs Nachhaltigkeitist die möglichst lange Nutzung eines Gebäudes nach wievor die nachhaltigste Lösung. Die Adaptierung und Nachrüstungalter Gebäude gewinnt an Attraktivität. Das kann nicht nur anNostalgie liegen. Jahrhundertealte Häuser strahlen die Zuversichtaus, dass sie auch zukünftig ihren Zweck erfüllen können. DieFügung der handwerklich gebauten Holzhäuser hat sich bislangals die langlebigste herausgestellt. Reine Holzverbindungenscheinen ihren Beitrag zur Beständigkeit der Bauten zu leisten.Klaus Zwergerhabilitierte sich 2012 zum historischen Holzbau. Er hat fast alle Staaten Europaszu Forschungszwecken besucht. Seit 15 Jahren reist er nahezu jährlich nachChina. In Japan hat er drei Mal als Stipendiat geforscht und hat dieses Jahreine Gastprofessur in Tokio inne. Er ist Autor mehrerer Bücher.


Haus im HausDas äußere Erscheinungsbild wird gewahrt –das Innenleben modern ausgebaut.Hubertus Adam5 mDie baulichen Zeugnisse der historischen landwirtschaftlichenKultur prägen weite Teile des Alpenraums.Viele Ortsbilder sind geschützt, doch dieLebensgrundlagen, die zu ihrer Entstehung geführthaben, haben sich fundamental verändert. Erhaltungist dann am leichtesten, wenn die Nutzungdieselbe bleibt. Die Veränderung der Tierhaltunghat viele der bäuerlichen Ställe obsolet werdenlassen, und selbst da, wo eigentlich noch Bedarfbestünde, verhindert der Tierschutz beispielsweisedie Haltung in zu niedrigen Ställen.So ist das Umnutzen von Ställen, Scheunen undanderen Ökonomiegebäuden zu einem wichtigenThema geworden. Doch der Umbau zu Wohnzweckenist aufwendig: Die historischen Holzbauten habenzumeist nur wenige Fenster, sind räumlich verschachteltund überdies nicht isoliert. Ein hoher Grad anbaulicher Intervention ist nötig, und doch darf dasGesamtbild nicht entscheidend verändert werden.Auch wenn das Goms, ein sich vom Furkamassiv auserstreckendes Hochtal des Oberwallis, noch immerzu den entlegenen Regionen der Schweiz zählt,hat der Strukturwandel seine deutlichen Spurenhinterlassen. Reckingen, auf 1.300 Metern Seehöhegelegen, hat sich mit seinen sonnengeschwärztenHolzhäusern ein noch größtenteils intaktes Ortsbilderhalten, das von Wohnhäusern, Stallscheunen,Speichern und Stadeln dominiert wird. Wo möglich,werden aus den alten Bauten Ferienhäuser – imAllgemeinen lukrative Projekte für die ortsansässigeBauwirtschaft, fast immer aber ausgeführt ohneArchitekten.Eines der raren bemerkenswerten Projekte ist derUmbau der Casa C, der – als erster Auftrag – vomjungen Zürcher Büro camponovo baumgartnerarchitekten durchgeführt wurde. Bei dem partiellbaufälligen Gebäude aus der Zeit um 1890 handeltees sich um ein durch eine Trennwand in der Mittegeteiltes Doppelhaus mit dem typischen Aufbauaus niedrigem Stall im Sockel und den darüberbefind lichen Heukammern samt abschließendemSatteldach. Für die Wände wurden, wie im Gomsüblich, Kanthölzer im Blockbauverfahren verwendet.Die Architekten inszenierten nicht den radikalenBruch mit dem Vorhandenen, sondern wählten einVerfahren, das zwischen Sensibilität, Selbstverständlichkeitund Selbstbewusstsein oszilliert. DerBestand wurde so weit wie möglich bei behaltenund ertüchtigt. Das mit Lärchenschindeln gedecktePfettendach musste weitgehend neu aufgebautwerden, die Struktur des Blockbaus war zu stabilisieren:beispielsweise durch die Verstärkung derFundamente mit Beton und die Fixierung der Holzwändemit Stahlbändern. Aus Kostengründen wurdedie Stallebene weitgehend im Rohbau belassenund harrt des späteren Ausbaus.


1617 Altes Holz – neu gedachtCasa CStandort Reckingen, Wallis⁄ CHPlanung camponovo baumgartner architekten, Zürich⁄ CH, www.cb-arch.chHolzbau Weger Holzbau ag, Münster⁄ CH, www.holzbauweger.chErbaut 1890Konstruktionsart Blockholzbau, erweitert mit einer HolzständerkonstruktionUmbau 2012zuschnitt 57.2015Die Wohnbereiche befinden sich nun im Bereich derHeuböden. Durchbrüche durch die Mittelwand sowieein neu eingezogener Zwischenboden erlaubendie Zirkulation auf zwei Ebenen. Dabei bestehendie Decken und Wände des mit Zelluloseflockengedämmten Einbaus aus Birkensperrholz und umfassendiverse Einbauelemente.Die wichtigste Entscheidung der Architekten bestanddarin, den neuen Einbau nicht überall mit denbestehenden Wänden zu verbinden. So entstandenunbeheizte Zwischenzonen, die einerseits die Materialitätund Dimensionen des Baubestands auchvon innen erlebbar machen, andererseits die kleinenInnenräume größer erscheinen lassen, als sie inWirklichkeit sind. Gewiss wird die eigentliche Nutzflächeaufgrund dieses Vorgehens verkleinert, dochhandelt es sich um ein nicht auf Wohnflächenmaximierungangewiesenes Ferienhaus. Der Dialogzwischen der alten Hülle und dem neuen Innenlebenerzeugt eine reizvolle Spannung, die sich im Wechselzwischen offenen und geschlossenen, hohen undniedrigen, engen und weiten Raumzonen erfahrenlässt.Hubertus AdamDirektor des Schweizerischen Architekturmuseums sam,freier ArchitekturkritikerDachaufbauHolzschindel Lärche 10 mmTraglattung 30 mmHolzzementplatte 18 mmKonterlattung, hinterlüftet 60 mmDachpappeUnterdachbahn 18 mmSparrendazwischen Zellulosedämmung 240 mmLattung 27 mmKonterlattung (Installationen) 27 mmSperrholz 12 mmWandaufbauBlockwand 150 mmHohlraum mit Zellulosedämmung 120 mmHolzrahmen mit Zellulosedämmung 40 mmLattung (Installationen) 27 mmSperrholz 12 mmFußbodenaufbau 1. ogHolzdielen 25 mmHolzfaserdämmplatte 40 mmosb-Platte 20 mmLattung, dazwischen Zellulosedämmung 20 – 130 mmKonterlattung, dazwischen Zellulosedämmung 50 mmHolzbalkendecke, Bestand


Weinfässer statt SchafeDie neue Nutzung ermöglicht den Erhaltder für Österreich einzigartigen Dachkonstruktion.Anne IsoppDas Zollingerdach wurde ab1904 von Friedrich Zollinger,Stadtrat von Merseburg imheutigen Sachsen-Anhalt,entwickelt. 1923 erhielt er fürdiese Konstruktion das Patent.Gleichartige Lamellenwerden zu einem netzartigenräumlichen Stabwerk verbunden.Das Zollingerdach kamvorwiegend als einfachgekrümmte, parabolischeFläche in Form einer flachenTonne zum Einsatz. Es warein sehr wirtschaftliches,einfach zu montierendesSystem und dazu gedacht,der Wohnungsnot jener Jahrezu begegnen.Siehe auchZuschnitt 38 –Holz trägt, S. 16Der Charme dieser geschlossenen Hofanlage istüberwältigend: Zwei Stallgebäude und ein Quergebäudeumschließen einen rechteckigen Hof. VomQuergebäude stehen nur mehr die Mauern, daslinke Stallgebäude ist derzeit noch ohne Nutzung,lediglich der rechte Trakt ist saniert und beherbergtdas Weingut Hans Igler. Erbaut wurde der GutshofEnde des 18. Jahrhunderts für das benachbarteSchloss Deutschkreutz. Anfang des 20. Jahrhunderts– so vermutet Architekt Anton Mayerhofer –muss die Anlage abgebrannt sein, denn zu ebendieserZeit wurden die Dächer der beiden parallelzueinander liegenden Stallgebäude erneuert. Manerrichtete damals eine freitragende Fachwerkkonstruktionnach einem Konstruktionsprinzip, dasFriedrich Zollinger kurz zuvor in Deutschland erfundenund nach sich benannt hatte. Das Zollingerdachbasiert auf einzelnen Lamellen, die so miteinanderverbunden sind, dass sie ein netzartigesräumliches Stabwerk bilden und eine freitragendeRaumüberdachung erlauben. Als die WinzerinWaltraud Reisner-Igler den Gutshof 2004 kaufte,um ihre Fasslagerung und den Verkauf aus demZentrum von Deutschkreutz hierhin zu verlegen,konzentrierte sie sich bei der Sanierung auf denrechten Flügel, da dieser am sanierungsbedürftigstenwar. Der linke Stalltrakt ist bis heute ungenutztund in gutem Zustand und soll nun in einerzweiten Phase einer neuen Nutzung zugeführtwerden. Hier sollen die Gärtanks und eventuellGästeunterkünfte Platz finden.Das, was sich in der zweiten Umbauphase zeigt,hatte auch bereits in der ersten Gültigkeit: DieKubatur des Raumes ist für die neuen Funktionenwie geschaffen. Die Bauherrin wollte einen Raumhaben, in dem sie möglichst viele Weinfässer lagernund dessen Raumklima sie regulieren kann. Erstzog die Winzerin einen Baumeister zurate, deranstelle des alten Heubodens eine neue Deckezwischen Erdgeschoss und Dachraum einziehenwollte. Architekt Anton Mayerhofer aber erkannteden Wert der spektakulären Dachkonstruktion.Er verzichtete auf eine Zwischendecke und konzentriertesich bei der Sanierung auf das Dach:Er ließ die Holzlamellen reinigen, schadhafte Teileaustauschen, die alte Dachhaut entfernen undüberdachte die Holzkonstruktion mit einer neuen,gedämmten Stahlkonstruktion. Die beeindruckendeDachkonstruktion aus Holz verleiht dem 70 Meterlangen Innenraum eine einzigartige Atmosphäre.Dank einem Steg, der den Raum über die gesamteLänge durchzieht und den ehemaligen Heubodenersetzt, kann man die Lamellenkonstruktion sogarvon ganz nah inspizieren.5 mWeingut Hans IglerStandort Deutschkreutz⁄ ABauherr Weingut Hans Igler, Deutschkreutz⁄ A, www.weingut-igler.atPlanung Anton Mayerhofer, Wien⁄ A, www.mayerhofer.co.atHolzbau Reumann Zimmerei, Säge- & Hobelwerk, Deutschkreutz⁄ A,www.zimmerei-reumann.atErbaut Ende 18. Jahrhundert (Gutshof), Anfang 20. Jahrhundert (Dach)Dachkonstruktion ZollingerdachUmbau 2007 – 2009


zuschnitt 57.20151819 Altes Holz – neu gedacht


Low Budget im Alten – Old Tech im NeuenZuerst wird der Wohnteil aktiviert und dann derStadel durch einen Neubau ersetzt.Marina HämmerleWiesen, Wälder, Berge und Holzbauten bildeten im Bregenzerwaldüber Jahrhunderte eine wohltuende Einheit und formten miteinanderdie Kulturlandschaft. Heute macht die Zersiedelung durchEinfamilienhäuser auch vor dieser Region nicht halt, gruppierensich Gewerbegebiete an den Dorfrändern und verdichten Wohnanlagendie Kerngebiete. Obschon die meisten zeitgenössischenBauten durch ihre Materialisierung in Holz den Faden aufnehmen,haben sich die Maßstäbe verschoben, werden andere Holzbautechnikenund Haustypo logien angewandt, ist das Gesamtbildheterogener und brüchiger.Ortsräumlich wirksam ist auch der Leerstand. Rund 400 Häusersind laut einer Studie im Bregenzerwald derzeit ungenützt,darunter 120 Wälderhäuser, vor 1945 errichtet. Umnutzung istangesagt und neue Konzepte sind gefragt, zumal diese traditionellenBauten Mehrgenerationenhäuser waren und riesigeKubaturen aufweisen. Georg Bechter, Architekt und Designer,trat das Erbe eines rund 200 Jahre alten Wälderhauses an, umim Kleinen verantwortungsvoll gegenzusteuern.Zuerst wird das Wohnhaus aktiviert – Low Budget und Low Techlautet die Devise für diese Übergangssituation. Alles, was nachder „Holz-Zeit“ eingebracht wurde, wird entsorgt: pvc-Böden,Teppiche, Lackflächen, Kunststoffverkleidungen etc. WenigeEingriffe ertüchtigen und erweitern die bestehende Strukturhinsichtlich Wohnkomfort und Belichtung. Einbauten von Möbelwänden,Toilette, Badewanne und die Verlegung der Treppe reinigenund verdichten die Atmosphäre des einfachen Bauernhauses.Mattes Gold, sanftes Grün, frisches Celeste konterkarieren diehaptischen, freigelegten Strickwände; grafische Tapetenmusterund historisches Täfer treten in Dialog. Innovative, selbst entworfeneStuckleuchten in geglätteten Wand- und Deckenteilenversprühen Coolness und Witz. Eine neu eingezogene Dielendeckewird zur Galerie und öffnet den Blick zur Schlaf ebene, holt Lichtund Außenraumbezug in den tiefen Eingangs- und Küchenraum.Kastenfenster werden inwendig mit Isolierverglasung in Minimalrahmennachgebessert, alles weitere kompensiert ein zusätzlicherPullover.Ein Umbau des Stadels wird geprüft, die fehlende Hangs icherungund die maroden Balken sprechen für einen Ersatzbau. Dieklassische Zweiteilung des Hofes – geschindeltes Vorderhaus mitKlebdächern und kleinteiligen Fenstern zum Wohnen und geschlossenesHinterhaus mit stehendem Schirm für Tiere undFutter – hebt der Umbau des Stadels auf. Auch das Hinterhausdient jetzt dem Wohnen, ist mit extragroßen Schindeln bekleidetund macht über sein groß bemessenes Atelierfenster die neueNutzung sichtbar. Der eigens entwickelte vertikale Schiebemechanismuserlaubt eine komplette Öffnung des Raumes RichtungSüden und lädt dazu ein, sich auf den brettergeschalten Betonsitzstufenvor dem Haus niederzulassen. Konisch gedrechselteSäulen sind funktionell und elegant zugleich, bringen Charme insgeradlinige Gefüge.Westseitig führt die neue Zufahrt direkt auf die Kellergeschossebene.Fahrzeuge, Werkzeug- und Materiallager finden darinPlatz, die Treppe macht eine einladende Geste. Der neue Dachstuhlin bewährter Zangenkonstruktion überspannt auch einenKaltbereich zwischen Alt- und Neubau und lässt Raum für weitereAusbaustufen. Das ursprüngliche Volumen wird auf der neuenKellerdecke im Elementbau nachvollzogen, die räumliche Großzügigkeitdes zweigeschossigen Lofts komplettiert die rohe Oberflächeseiner weiß lasierten, 35 mm starken Bretterverkleidungvon Wand und Decke. Je nach Baumstamm aus dem eigenen,5 km entfernten Wald sind die horizontal angebrachten Bretterbis zu 50 cm breit. Gehobelt und gebürstet liegen 11 cm konischzulaufende, wechselweise verlegte Bohlen mit fremder Feder aufdem Zangen träger auf. Die sogenannte Fleckendecke zieht einezweite Raumebene ein, folgt traditionellen Bau prinzipien. Darunterbündeln sich Nebenräume, darauf lässt es sich schlafen, badenund arbeiten. Vier Bohlen werden nach und nach, wie bei altenHauskonstruktionen, nach erfolgtem Schwund eingetrieben undbilden letztendlich eine fugenlose Decke. Gut Ding braucht Weile.Darüber formt die Künstlerin Barbara Anna Husar in situ acht inBlau getauchte Kühe zu einem illustren, mit elf Spiegeleiern gesprenkeltenReigen am Deckenhimmel. Die Beleuchtung ist basalaus einfachsten Stahlteilen gefertigt, die Leuchtmittel hingegensind höchste led-Technologie. Von weitem betrachtet leuchtetnachts das neu erschaffene Hinterhaus wie eine überdimensionaleLaterne, erstrahlt der nicht mehr gebrauchte Stadel in wohnlicherEinfachheit, während sich das beeindruckende Panorama vordem Atelierfenster auf einzelne Lichtpunkte reduziert.Marina HämmerleArchitektin, Architekturvermittlerin und Kuratorin, gestaltet Prozesse der Baukulturund schreibt5 mHaus RosannaStandort Gfäll 48, Hittisau⁄ ABauherr und Planung Georg Bechter Architekturund Design, Langenegg⁄ A, www.bechter.euHolzbau Zimmerer Nenning, Hittisau⁄ AErbaut 17. JahrhundertKonstruktionsart BlockbauUmbau 2007Neubau 2014


Wo liegen die Grenzen einer denkmalgerechtenRenovierung alter Holzhäuser?Historische Bausubstanz von Kalser BauernhöfenFranziska LeebDer Strukturwandel in Landwirtschaft und Tourismushat im Lauf weniger Jahrzehnte die Ortsbilderim alpinen Raum massiv beeinträchtigt. Viele Höfeverschwinden, weil die Landwirtschaften nichtmehr rentabel sind und nur mit hohem Aufwandgemäß den modernen betrieblichen Anforderungenumzubauen wären. Andererseits finden sich zusehendsStädter, die das authentisch Alte schätzenund nicht nur bereit, sondern auch in der Lage sind,entsprechend zu investieren. So kann wohl das eineoder andere Haus gerettet werden, eine über dasEinzelobjekt hinausgehende baukulturelle Bewusstseinsbildungfindet damit noch lange nicht statt.Die Architektin und Kunsthistorikerin Barbara Lanzist überzeugt davon, dass man jahrhundertealtelandwirtschaftliche Anwesen aus Holz für dasmoderne Leben rüsten kann, auch wenn die Fensterkleiner und die Raumhöhen niedriger sind, als wirsie heute gewohnt sind, und das Volumen der inKantblockbauweise mit Kopfstrickverband errichtetenBauernhäuser von der Länge des Holzes bestimmtwurde. Die Grenzen einer denkmalgerechtenRevitalisierung alter landwirtschaftlicher Holzbautengibt es laut Barbara Lanz dennoch: „Anforderungen,die das Raumgefüge sprengen, brechen dasganze Gefüge.“ Und jeder Eingriff, der ohne Wissenum die Bau geschichte erfolgt, stört die Harmonieder Bauten.Fokus Bauernhäuser – Kals am GroßglocknerIn Kals am Großglockner wurde in den letzten Jahrenheftig in die touristische Infrastruktur investiert,in eine neue Skiverbindung und ein Ferienresort,das mit 480 Betten ein eigenes Dorf innerhalb desaus mehreren Weilern bestehenden Gemeindegebietsbildet. Weniger spektakulär, für Dorfgemeinschaftund Ortsbild aber verdienstvoller sind hingegendie parallel dazu erfolgten Maßnahmen imOrtszentrum. Da wäre einerseits das um das revitalisiertespätgotische Widum sukzessive entstandeneEnsemble aus Neubauten für das Kommunal- undKulturleben, das dem Dorf von den ArchitektenSchneider und Lengauer mit Gespür implantiertwurde. Andererseits lenkte das im Zuge der touristischenBegleitplanung von Barbara Lanz betreuteProjekt „Historische Bausubstanz von Kalser Bauernhöfen“den Blick der Bevölkerung auf das gebauteErbe in der Gemeinde. Im Zuge dieser nach bauhistorischen,typologischen und bautechnischenKriterien vorgenommenen Inventarisierung wurdenauch zehn Anwesen mittels Dendrochronologie untersucht.Denn nur mit dieser Methode sei die Bestimmungdes Alters einzelner Bauten und Bauteileeinigermaßen zuverlässig möglich, so Barbara Lanz,da Zimmermannsverbindungen oft über Jahrhundertegleichblieben und daher wenig Rückschlüsseauf die Errichtungszeit gäben. Und ebenso überJahrhunderte wurden die Gebäude den jeweiligenBedürfnissen entsprechend adaptiert und ausgebessert.In Kals konzentrieren sich die Hauptbauphasenauf die erste Hälfte des 16. Jahrhundertssowie auf die Zeit zwischen 1849 und 1870 – alsodie Zeit nach der Bauernbefreiung. Zehn bis 15Dendroproben seien notwendig, um eine Grundaussageüber die oft komplexe Baugeschichtetreffen zu können.Individuelle Beratung statt MaßnahmenkatalogUrsprünglich war es der Wunsch der Gemeinde,diese Erkenntnisse in einen Katalog einfließen zulassen, um künftig eine Anleitung für den Umgangmit historischen Höfen bei der Hand zu haben.Gestaltungsvorschriften seien aber nicht zielführend,ist Lanz überzeugt, denn zu individuell seiendie einzelnen Häuser und zu unterschiedlich dieBedürfnisse der Besitzer, um mit einem Handbuchtaugliche Rezepte liefern zu können. Für dieProjektdauer konnten sich daher umbauwilligeHof besitzer dank eines von der Dorferneuerunggeförderten Beratungsschecks kostenlos von derbauforschenden Architektin beraten lassen. Vonder Veränderung eines Balkons bis zum komplettenHausumbau reichte das Spektrum der Veränderungswünsche.Sorgsames Abwägen ist in allen Dimensionenratsam. Schon geringfügige Vergrößerungender Fenster oder ein neues Vordach können dieHarmonie einer ganzen Fassade ins Ungleichgewichtbringen, und natürlich lässt es sich schwervermeiden, dass sich Veränderungen der Raumhöhenauch außen abbilden. Ob schlussendlichein Projekt gut gelinge, hänge wesentlich von derKonstellation zwischen Bauherrschaft, Planern undBehörde und deren Dialogfähigkeit ab, so Lanz.Wie die vorbildliche, aber leider zeitlich begrenzteAktion in Kals gezeigt hat, ist bauhistorisch-architektonischeBeratung notwendig, um im Einzelfallgute, bestandsgerechte Lösungen zu finden.Franziska Leebgeboren 1968, Architekturpublizistin, lebt in WienBarbara LanzArchitektin und Kunsthistorikerin, führt mit MartinMutschlechner ein Architekturbüro in Innsbruck.Sie arbeitet schwerpunktmäßig in der historischenBauforschung und übernimmt Planungs-, BeratungsundGutachtertätigkeiten. www.stadtlabor.org,www.bauforschung-tirol.com


Im Wald Der Kärntner Waldpflegevereinzuschnitt 57.20152223Altes Holz – neu gedachtIm WaldAnne Isopp„öko“ steht in leuchtend rosa Schrift auf dem Baum stamm.Gerhard Schoffnegger sind diese Buchstaben gleich aufgefallen.Der Landwirt aus Grafenstein ist etwas später zu seinem Sohnund dem Waldpflegetrainer Thomas Kummer in den Wald gekommen.Die beiden haben bereits begonnen, jene Bäume zumarkieren, die heute oder in den nächsten Tagen gefällt werdensollen, und dabei auch den Baum markiert, der stehen bleibensoll, obwohl er abgestorben ist. Totholz ist wichtig für die Biodiversität.Damit „der Wandersmann nicht denkt, der Waldbesitzerist nur zu faul, den Baum zu fällen“, markiert ThomasKummer solche Bäume immer ganz deutlich: Mal schreibt er„Specht“ oder „Bio diversität“ oder auch „öko“ drauf. Kummerist Mitarbeiter des Kärntner Waldpflegevereins, der eine inÖsterreich einzigartige Dienstleistung anbietet. Die Mitarbeiterdes Vereins beraten Waldbesitzer bei der Waldpflege, indemsie bei der Dickenpflege, Erstdurchforstung sowie der Laubholzpflegeaktiv helfen und dabei ihr Wissen über moderne Waldpflegemethodenvermitteln.„Wenn ich den Waldbesitzer nur berate und dann wieder weggehe,macht er es nachher doch anders oder gar nicht“, erzähltKummer. Das gemeinsame Arbeiten im Wald bietet die Möglichkeit,Wissen auszutauschen und einen neuen Blick auf den eigenenWald zu gewinnen. „Letztes Jahr war Kummer schon bei uns“,erzählt der Land- und Forstwirt Schoffnegger, „und eigentlichwollten wir mit ihm in einem anderen Teil unseres Waldes arbeiten.Doch dann hat er dieses Waldstück hier gesehen und gesagt,dass ein Pflegeeingriff hier notwendiger wäre.“ 80 Stunden proJahr kann ein Waldbe sitzer einen Mitarbeiter vom KärntnerWaldpflegeverein buchen, wobei die Mitarbeit des KundenPflicht ist (learning by doing).Eins-zu-eins-Training im Wald: Landwirt Gerhard Schoffneggerund Sohn (re) mit Thomas Kummer (li.) vom Waldpflegeverein.Die Nachfrage ist seit der Gründung des Vereins 2001 stetig gestiegen.Inzwischen nehmen jährlich über 600 Waldbesitzer inKärnten dieses Angebot in Anspruch. 28 Mitarbeiter – über ganzKärnten verteilt – arbeiten für den Verein, diese sind fachlichund pädagogisch ausgebildete Waldpflegeprofis. 2014 wurde derWaldpflegeverein mit dem Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaftausgezeichnet. Im Mai dieses Jahres laufen die bisherigenFörderungen von der Europäischen Union, dem Lebensministeriumund dem Land Kärnten jedoch aus. Noch ist die Zukunft ungewiss:Um neue Förderun gen wird derzeit angesucht, weil die Kosten fürdiese Dienstleistung zum überwiegenden Teil über Förderungenfinanziert werden müssen.Man rufe sich die Ergebnisse der letzten Wald inventur in Erinnerung,laut der rund vier Fünftel der gesamten Waldflächenzunahmeim bäuerlichen Kleinwald stattfinden und die daraufhinwies, dass generell die Kleinwaldbesitzer zu mehr Nutzungmotiviert werden sollten. Der Kärntner Waldpflegeverein leisteteinen wichtigen Beitrag zur Weiter- und Fortbildung auch vonhoffernen Waldbesitzern.www.waldpflegeverein.atEin Drittel aller Waldbesitzer in Österreich hat keinen forstlichen Hintergrundmehr und ist an einer kontinuierlichen Holznutzung nur wenig interessiert.40 % traditionelle Waldeigentümer28 % Übergangstypen – Berufsaussteiger, Kleinstädter mit landwirtschaftlichem Hintergrund32 % neue Waldeigentümer – landwirtschaftsfern und urban, HofaussteigerQuelle: Karl Hogl, Michael Pregernig und Gerhard Weiß (2003): Wer sind Österreichs WaldeigentümerInnen?Einstellungen und Verhalten traditioneller und „neuer“ Waldeigentümergruppen im Vergleich,Discussion Paper des Instituts für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirt schaft, Wien 2003


Heustadel im Ennstal – dokumentiert von Paul OttFasziniert von diesen für den Alpenraum so charakteristischen Holzhütten und in dem Bewusstsein, dass viele von ihnen – weil nutzlosgeworden – abgerissen werden, hat der Grazer Architekturfotograf über 15 Jahre hinweg mehr als 200 dieser Stadel mit seiner analogenKamera fotografiert. Längst sind viele von ihnen verschwunden – vor allem die in Dorfnähe.


SeitenwareNeue Gebäude aus alten BauteilenStandort Trondheim⁄ NOBauherr rake visningsrom, Trondheim⁄ NO, www.rake.trondheim.noPlanung TreStykker, Trondheim⁄ NO, www.trestykker.com,Charlotte Rostad und August J. Schmidt, Trondheim⁄ NO,www.arkitektaugust.noFertigstellung 2011Ausstellungsgebäude in TrondheimAnne IsoppEine Gruppe von Architekturstudenten dreier norwegischerUni versitäten soll für ein Grundstück in Trondheim ein temporäresGebäude entwerfen und selbst errichten. Die Studentenschauen sich den Bauplatz an und entdecken in der Umgebungein 14- geschossiges Bürogebäude, das in Kürze abgerissenwerden soll. Das nächste Mal treffen sie sich in diesem Bürobau.Ihre Blicke gleiten die Wände und Decken entlang: Was ist wiederverwertbar?Welche Bauteile eignen sich für die Bauaufgabe?Große rote Fenster, die sie in dem Bürobau in rauen Mengenvorfinden, geben schlussendlich das Maß vor: Das Gebäude wirdzwei Fenster hoch, fünf Fenster breit und sieben Fenster langwerden. Auf einem Holzrahmenbau werden diese Fenster als innereHaut montiert. Die Fassade bilden Fenster unterschiedlicherFormate zusammen mit weiß lackierten Spanplatten. „Die eigentlicheHerausforderung aber war die Dachkonstruktion“, erzähltTrygve Ohren, einer der vier Studenten, die gemeinsam mitArchitekt August Schmidt dieses Entwerfen organisiert haben.„Da das Bürogebäude ein Massivbau war, war es sehr schwierig,Recycling material für tragende Dachbalken zu finden.“ Ihnengelang es dennoch, einen Balken zu entwickeln, der 6 Meterüberspannen und die zu erwartenden Schneelasten tragen kann.Sie konstruierten aus einem Eichenbrett, einem Alu-T-Profil deralten Fassaden und 12 mm dicken Schichtholzplatten, mit denendie Wände in dem Bürogebäude verkleidet waren, eine ArtHohlkastenprofil. Über dem Dachbalken liegen drei Lagen Bürotüren,bedeckt mit Wärmedämmung, einer Sperrholzplatte undTeerpappe. Im Herbst 2014 musste das Gebäude an einen neuenOrt versetzt werden. Nun steht das Ausstellungsgebäude rakeam Hafen von Trondheim und erfährt noch einige Adaptionen,bevor in ihm ab Mai 2015 das Ausstellungsprogramm für Kunstund Architektur fortgesetzt wird.Feldhotel in VorarlbergMarina HämmerleStandort diverseBauherr ArtDesign Feldkirch, Feldkirch⁄ A, www.feldkirch.at⁄ artdesignPlanung Kompott, Innsbruck⁄ A, www.kompott.ioTourt seit 2013Das charmante, fragile Recycling-Gebäude ist das Resultat einer Feldstudieums Reichenfeld im Auftrag der Art Design Feldkirch. Martin Mackowitz undNikolaus Skorpik alias Kompott.io, die Architekten des mobilen urbanen Wohnzimmers,retteten die feingliedrigen Fenster und rohen Dielenböden der nahenKonvikt-eigenen Tischlerei buchstäblich in letzter Minute vor der Entsorgung.Nach eigenhändigem Ausbau erdachten sie in der Folge einen archaischen, zerlegbarenHaustyp aus einfachsten Zutaten: Gerüstmaterial formt das tragendeSkelett, dünne Folie das Dach und in Stahlrahmen geschraubte Fenster bildendie Wandpaneele. Die Bodendielen schwingen und laden zum Tanz, ein Lehmofenwärmt an klammen Regentagen, es raucht der Kamin. So würden Kinderein Haus zeichnen und so stand es 2013 vor den Toren der Art Design imReichen feld und dann im Sommer 2014 in Lustenau zwischen Obstbäumen deskünftigen Dorfgartens und beim Walser Herbst in Buchboden: ein wandernderRaum, eine Dorfbeiz, in der sich Bürgerbeteiligung genießen und Gemeinschaftkultivieren lässt.


HolzrealienAuf Geschichte stehenzuschnitt 57.20152627SeitenwareHolzrealienWie in Wien so auch hier in Bezau: Die Wiederverwendung von altem Holz schafft Atmosphäre.Michael HausenblasEiner der schönsten Vorzüge, den der Werkstoff Holz vorzuweisenhat, ist zweifelsohne jener, dass er lebt. Und wenn etwas lebt,dann kann es auch mit Geschichten aufwarten. Die Geschichten,die Holz erzählen kann, werden sichtbar in Form von Jahresringen,Rissen oder Astlöchern. Auch das vom Wasser geformteSchwemm holz erzählt Geschichten: von langen Reisen durch Flüsseund Seen, von Massagen durch wilde Strudel oder mannshoheWellen. Holz arbeitet, dehnt sich hierhin und dorthin, all dasgeschieht über Jahre, Jahrzehnte, manchmal auch über Jahrhunderte.Diese und noch ganz andere Geschichten kennt auch dasHolz aus dem Sägewerk Schuh in Wien-Atzgersdorf.1959 gegründet, wird das Unternehmen heute in dritter Generationvon Georg Schuh geführt. Gehandelt und verarbeitet werdenunter anderem alte Dachbalken, Sparren oder Holzfußböden, dievom Abbruch alter Häuser aus dem Großraum Wien stammen.Auf der Herkunftsliste standen auch so ehrwürdige Gebäude wiedie Hofburg, das ehemalige Museumsquartier, die Albertina oderdas Palais Hansen. Bevor sich der Firmengründer Rudolf Schuhdieser Quellen annahm, kam das sogenannte Altholz in ersterLinie im Erdbau als Schalung oder im U-Bahn- und Pipelinebauzum Einsatz. Dabei ist Altholz doch eine eher grobe Bezeichnungfür dieses ganz besondere Material, das mehr erzählt als dieüblichen Geschichten im Repertoire anderer Holzarten. Es istZeuge von Geschichte, von Tragödien, von Komödien, von Liebeund Tod, vielleicht von Geheimtreffen oder prunkvollen Tanzeranstaltungen.Das Holz, das im Werk der Schuhs Zwischenstation macht, istlang an seinen Job gewöhnt. Die Balken und Dielen ächzen undknarren nicht mehr, auch verziehen ist nicht mehr das Ihre, dasist ihnen, im Vergleich zu ihren jungen Nachfolgern, die unterhoher Spannung stehen, weitgehend vergangen.Mehrere Tausend Kubikmeter oder gut 200 Lkw-Ladungen verlassendas Werk pro Jahr. Das Holz kommt im ganzen alpen -ländischen Raum unter und wird für die Weiterverwendung imInnenausbau, für Bauernmöbel, Holzdecken, Fußböden, Türeinfassungen,Sichtbalken und anderes verwendet. Für was auchimmer sich die Kunden entscheiden, vor seiner endgültigenBestimmung wird das Holz im 23. Bezirk gereinigt, entnagelt undfür sein jeweiliges weiteres Schicksal zurechtgeschnitten.Die Firma Schuh entdeckte auf diese Weise nicht nur den Wald inder Stadt, sondern nahm auch früher als viele andere den BegriffNachhaltigkeit in ihre Firmenphilosophie auf. „Für jeden Baum,der durch unser Werk geht, kann im Wald einer stehen bleiben“,bringt es Georg Schuh auf den Punkt. Man sieht auch hier, wasfür ein besonderes Geschwisterpaar Holz und Nachhaltigkeit sind.Dabei muss der Gedanke an die Umwelt auch in diesen Zeitennicht immer das erste Argument sein. Es reicht auch ein anderervernünftiger Gedanke, wenn es um das Holz mit Geschichte geht.Warum etwas wegwerfen, wenn es noch wunderbar seine Dienstetut und obendrein mit ein bisschen Fantasie auch noch ein Zeitzeugeist?Aber in die Kerbe Nachhaltigkeit haut man bei Schuh auch aufeine andere, erstaunliche Art. Im Waldviertel lässt die Firma einejahrhundertealte Tradition aufleben und erzeugt aus der Hautvon Fischen, genauer gesagt aus Karpfenleder Etuis, Börsen undHandtaschen – auch keine schlechte Geschichte.Michael HausenblasMitarbeiter der Tageszeitung Der Standard


Holz(an)stoß Mircea CantorStefan TaschMircea Cantorgeboren 1977 in Oradea,Rumänienlebt und arbeitet in Parisund Cluj-Napoca2014201320122011201020092014201320122011 ⁄ 122011Einzelausstellungen(Auswahl)Collected Works, RennieCollection at Wing Sang,VancouverTi do la mia giovinezza,Magazzino d’Arte Moderna,RomQ.E.D., Muzeul Nat˛ionalde Artă Contemporană,BukarestPrix Marcel Duchamp, CentreGeorges Pompidou, ParisMuseo d’Arte Contemporanea,RomMore Cheeks Than Slaps,le Credac, Ivry sur Seine⁄ FRPhishing, Salzburger Kunstverein,SalzburgVertical Attempt, Solo Screening,Kunst-Werke, BerlinTracking Happiness, KunsthausZürich, ZürichThe Need for Uncertainty,Camden Arts Centre, LondonWhite Sugar for Black Days,Yvon Lambert, ParisGruppenausstellungen(Auswahl)Fantome, Dvir Gallery, Tel Aviv19th Biennale of Sydney,You Imagine What You Desire,SydneyLe Pont, Le Musée d’ArtContemporain de Marseille,MarseilleIsaac Babel: Makhno’s Boys,Dvir Gallery, Tel AvivRäume der Erinnerung,Kunsthalle Düsseldorf,DüsseldorfEuropean Travellers,Mücsarnok Kunsthalle,BudapestProject Space: I decidednot to save the world,Tate Modern, LondonHow to Disappear, TheLuminary Center for the Arts,St. Louis⁄ MOKuratiert vom MuseumModerner Kunst StiftungLudwig Wien„Threshold Resigned“ in Gent, 2012Die Installationen, Videos und Fotografien desrumänischen Künstlers Mircea Cantor sind poetischeReflexionen über den Verlust alter Traditionen,Entwurzelung, die eigene Biografie und die Auswirkungender Globalisierung auf die individuelleFreiheit. Für die hier abgebildete Arbeit „ThresholdResigned“, die Cantor 2012 für das Ausstellungsprojekt„Track“ in Gent konzipierte, ließ er auf demAreal der aus dem 7. Jahrhundert stammendenSankt-Bavo-Abtei ein traditionelles rumänischesHolzhaus errichten. Das Dach des Hauses ließCantor ungedeckt, er zeigte lediglich die Konstruktiondes Dachstuhls und erzeugte damit einenunfertigen bzw. verlassenen Eindruck. Auffallendsind auch die Ornamente an der Außenfassade wiedie Wolfszähne (entlang der Fensterrahmen) unddas Motiv des Seils, das Cantor in das Kiefernholzschnitzen ließ. Das Seil als gestalterisches Mittelsymbolisiert in der rumänischen Kultur den Zusammenhalteiner Gemeinschaft und findet sich auchin den berühmten Holzkirchen der Maramures˛,einer Region im Norden Rumäniens. In „ThresholdResigned“ wurde das Seil allerdings auch zur Metapherder Einengung und das Haus zum Ort vergessenerTradition. Cantor ließ in einer Performanceden rumänischen Kantor einer orthodoxen Kirchengemeinschaftauftreten, der in einem melancholischenGesang detailreich die Entstehungsgeschichteeines alten Holzhauses beschrieb. Der Liedtextbegann mit den Bäumen, die im Wald von einerFamilie ausgesucht wurden, um das Haus zu bauen,erzählte weiters von den unterschiedlichenGenerationen, die es im Laufe der Zeit bewohnten,und endete schließlich in der Gegenwart mit demverlassenen und verfallenen Zustand des Holzhauses.Mit der Performance verwies Cantor aufdas ambivalente Gefühl der Verantwortung gegenüberdem gemeinschaftlichen kulturellen Erbe, dievergessenen Formen des Zusammenlebens mehrererGenerationen unter einem Dach und die Erinnerungan eine Zeit, die nicht mehr wiederkehrt.Bereits in früheren Arbeiten setzte sich Cantorintensiv mit der Kultur- und Handwerksgeschichteder bereits oben erwähnten Region Maramures˛auseinander. In dieser waldreichen Gegend wurdeüber Jahrhunderte die Holzverarbeitung perfektioniert,sie wurde in der bäuerlichen Architektur undim Sakralbau angewandt. Reich verzierte Holztorevor den bäuerlichen Gehöften bilden ein weiteresCharakteristikum der Gegend. In „Arch of Triumph“ließ Cantor 2008 eine solches Tor nachbauen undmit 24-karätigem Gold verkleiden. Das über Jahrhundertetradierte Ornament des Lebensbaums,das sich auf nahezu allen Toren dieser Art befindet(in Form eines gedrehten Seils), ersetzte Cantordurch das Motiv der dna-Doppelhelix. Auch indieser Arbeit war es Cantor wichtig, eine überlieferteTradition, ein Stück Architekturgeschichte indie Gegenwart zu transformieren, neu zu übersetzenund damit zu bewahren.Stefan TaschStudium der Kunstgeschichte in Wien und EdinburghArbeit in verschiedenen Museen und Galerien

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