Mallorca - Reisebuch

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Mallorca - Reisebuch

Der ReiseBerater

Mallorca

In Kooperation mit

Unser Beileger zum Reisewelt-Titel „Mallorca aktiv genießen“ · Auflage 2012


Reisewelt 50plus – Der ReiseBerater

Über unseren Autor

Hartmut Ihnenfeldt studierte Anglistik und Germanistik und veröffentlicht

seit Ende der 90er-Jahre Bücher über Mallorca. Er ist unter anderem

Übersetzer und Herausgeber von Robert Graves „Geschichten aus dem

anderen Mallorca“ und verfasste zusammen mit „Mallorca-Guru“ Hans-R.

Grundmann den Ratgeberband „Auf Mallorca leben und arbeiten“.

An der Entwicklung des neuen Konzepts von Reiseführern für die Generation

50plus war er maßgeblich beteiligt.

Hartmut Ihnenfeldt lebt in Norddeutschland und reist gerne durch

Europa.

Reisewelt 50plus GmbH

Nelkenweg 17

D-38162 Cremlingen

info@reisewelt50plus.de

www.reisewelt50plus.de


eisewelt50plus.de

Mallorca

Hartmut Ihnenfeldt

unter Mitarbeit von Hans-R. Grundmann sowie Edith Kölzer

und Stephanie Eichler


Mallorca von A – Z

Natur und Kultur genießen

A

Agrotourismo

„Ländlicher Tourismus”, gemeint sind

meist Landhotels, von einfach (mit

landwirtschaftlichem Betrieb) bis luxuriös.

Im „Idealfall“ sind diese Hotelfincas

renovierte alte Herrenhäuser

des mallorquinischen Landadels, deren

Zimmer heute mit allem Komfort

an Touristen vermietet werden – entsprechend

hoch ist das Preisniveau.

Der Landwirtschaft kommt hier oft

eher ein dekorativer Charakter zu.

Anreise

Mallorca ist mit

dem Flieger von

vielen deutschen,

österreichischen

und Schweizer

Flughäfen direkt

zu erreichen. Die wichtigsten Airlines

dabei sind AirBerlin, TUIfly, Condor,

RyanAir und Easyjet.

Mit dem Zug ist man (z.B. ab Köln)

in etwa 15–16 Stunden in Barcelona

und nimmt dort die Fähre nach

Palma.

Mit dem eigenen PKW fährt man

am besten über Lyon, Nimes und Girona

nach Barcelona und nimmt dort

die Fähre nach Palma.

Der Europabus von Eurolines Touring

benötigt z.B. von Köln nach Barcelona

etwa 24 Stunden.

Die (Auto-)Fähren von Barcelona

nach Palma verkehren fast alle

nachts, etwa acht Stunden dauert

Mallorca von A – Z 3

die Überfahrt. Die Fähren legen unweit

der Rambla ab und sind mit der

U-Bahn gut zu erreichen. Autofahrer

sollten sich etwa zwei bis drei Stunden

vor der Einschiffung im Fährhafen

einfinden. Buchungen sind von

Deutschland aus möglich.

Die Fährgesellschaften sind Trasmediterranea,

Iscomar und Balearia.

Araber

Im Jahre 902 wurde

Mallorca von

den Arabern besetzt.

In den mehr

als dreihundert

Jahren unter arabischer

Herrschaft entwickelte sich

die orientalische Kultur auf Mallorca

zu ihrer vollen Blüte. Relikte aus

dieser Zeit sind noch heute zu sehen:

durch Trockenmauern gestützte, terrassenförmig

angelegte Obst- und

Gemüsefelder, Orangen- und Mandelbaumanpflanzungen

sowie prachtvolle,

bewässerte Gärten um Landgüter

und Villen, wie z.B. La Granja bei

Esporles und Alfabia. Auch von den

mallorquinischen Ortsnamen sind

viele arabischen Ursprungs, z.B. jene,

die mit „Al“ und „Bin“ beginnen (Alcúdia,

Algaida, Alaró, Binissalem, Biniaraix,

Biniamar).

In Palma können die Banys Arabs –

arabische Bäder – besichtigt werden.

Weitere Bauwerke aus der Zeit der Araber

sind jedoch nicht mehr erhalten.

1229 endete die Herrschaft der

Araber auf Mallorca durch den Sieg


4

eines christlichen Heeres unter König

Jaume I. von Aragon über die

Mauren, lange vor der endgültigen

Vertreibung der Araber aus Spanien

(1492).

Autokennzeichen

Das Kfz-Kennzeichen für Mallorca sowie

für Menorca, Ibiza und Formentera

ist IB (Islas Baleares). Vereinzelt

sieht man noch PM, veraltet für Palma/Mallorca.

B

Bahnhof, ältester

Wenn man bedenkt,

dass das

Gebäude des

1911/12 eröffneten

Bahnhofs

von Sóller sich in

einem umgebauten Herrenhaus aus

dem Jahre 1606 befindet, kann man

wohl behaupten, dass in Sóller das

älteste Bahnhofsgebäude der Welt

steht. Zwei Treppen führen sowohl

innerhalb als auch rechts vom Gebäude

auf den Bahnsteig hinauf. Die

Überdachung der Bahnsteige wurde

später hinzugefügt.

Der Bahnhof Sóller ist seit 1912

Start- und Zielpunkt des „Ferrocarril

de Sóller“. Bis dahin war Sóller nur

über die Berge oder per Schiff erreichbar.

Direkt unterhalb des alten Bahnhofs

befindet sich der Einstiegspunkt

für die Tram nach Port de Sóller.

Mallorca von A – Z

Balanguera

-> La Balanguera

Ballermann

Entlang der Playa

de Palma gibt

es 15 Strandcafés

(Balnearios):

„Ballermann” ist

dabei eine deutsche

Verballhornung für das „Balneario

6”, das sich kurz vor Arenal befindet.

Lange Zeit war „Ballermann“

das Klischee für billigen Massentourismus

auf Mallorca schlechthin –

sicher auch deshalb, weil Presse- und

Fernsehmeldungen von Alkoholexzessen

und Zügellosigkeit sowie Tom

Gerhardts gleichnamiger Film (1997)

dazu beigetragen haben, den Ballermann

mit der Partyszene an der Playa

gleichzusetzen: Meterlange Strohhalme,

Sangria in Eimern und ein Publikum,

das vom Rest Mallorcas eigentlich

überhaupt nichts mitbekommt,

prägten das Bild.

Einer im Mai 2011 durchgeführten

Umfrage des Mallorca Magazins

zufolge glauben 44,58 % der Leser,

dass das Mallorca-Image unter dem

Ballermann gelitten habe. 7,8 % verneinen

dies und 48,35 % meinen

sogar, dass Mallorca dadurch noch

bekannter geworden sei und dies den

Tourismus gefördert habe.

Wer übrigens außerhalb der Saison

diesen Strandabschnitt besucht, wird

vergeblich nach dem suchen, was

man landläufig unter „Ballermann“

versteht: Der Strand liegt dann nämlich

ruhig und leer da. Auf der Promenade

sind neben fliegenden Händlern

nur wenige Neugierige unterwegs.

Schinkenstraße und Bierkönig haben

zwar geöffnet, doch von Alkoholexzessen

gibt es keine Spur – die Happy

Hour wird längst nicht von allen Anwesenden

genutzt. Auch die Nächte

sind aufgrund restriktiver Vorgaben

der Behörden relativ ruhig.

Barrierefrei

Auf Mallorca hat

man leider erst

ziemlich spät

damit begonnen,

sich auf die

Bedürfnisse von

Menschen mit eingeschränkter Mobilität

bzw. mit Behinderungen, egal

welcher Art, einzustellen. Daher sind

die Barrieren bzw. Hindernisse, die

Geh-, Seh- und Hörbehinderten den

touristischen Alltag erschweren, vielerorts

unübersehbar:

· hohe Bordsteinkanten

· Pflanzlöcher bzw. Pflanzkübel mit

Palmen, Olivenbäumen und anderen

Pflanzen mitten auf den Bürgersteigen

· zu schmale Bürgersteige

· Stufen bei Restaurant- und Ladeneingängen

· zu schmale Türen

· Kieswege vor Hotels

· enge Zimmer

· schwer zugängliche Uferpromenaden

· Strandzugang nur mit speziellen

Mallorca von A – Z 5

Rollstühlen möglich

· unebene Wege

Ältere Hotels sowie 200 bis 300

Jahre alte, zu Hotels umgebaute

Gebäude, viele Museen und andere

Sehenswürdigkeiten sind nur über

Treppen erreichbar.

Erst in jüngster Zeit müssen in Bezug

auf Neubauten in Palma sowie in

anderen Orten laut Gesetz alle öffentlichen

Gebäude, also auch Hotels,

barrierefrei geplant werden.

Das heißt, sie werden mit Aufzug,

Rampen und behindertengerechten

Toiletten nach EU-Richtlinien den Bedürfnissen

von Behinderten wie Rollstuhlfahrern

angepasst.

Von den bestehenden Museen und

öffentlichen Gebäuden werden viele

kontinuierlich umgerüstet.

Viele der touristischen Highlights

können aber nach wie vor nicht mit

Rollstuhl besucht werden; viele der

Toiletten können den Bedürfnissen

von Rollstuhlfahrern nicht angepasst

werden, weil die Räumlichkeiten zu

eng sind. Behindertengerechte Toiletten

sind leider eine Seltenheit.

Nicht immer ist der Zugang so

offensichtlich wie bei Lokalen an

Strandpromenaden mit Tischen im

Freien. In Restaurants herrscht oft

das Problem, dass die Tische zu nahe

beieinander stehen oder der Zugang

nur über Treppen möglich ist.

Der Flughafen in Palma de Mallorca

ist für Fluggäste mit eingeschränkter

Mobilität hingegen bestens ausgerüstet:

Er verfügt z.B. über Aufzüge,


6 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 7

Rampen, behindertengerechte Toiletten

und genügend Behindertenparkplätze.

Berge, höchste

Mallorca verfügt in

der lang gestreckten

Serra Tramuntana

an der Westküste

über eine

Reihe von Berggipfeln

(mall. „Puig“), die vom Meeresniveau

steil auf über 1.000 Meter

hochragen. Bis auf den Puig Major,

der immer noch militärisches Sperrgebiet

ist, sind alle anderen mehr oder

weniger (Gelände oft in Privatbesitz!)

zugänglich.

Bergtouren auf Mallorca haben

häufig durchaus alpinen Charakter

und sollten in ihrem Anspruch an

Kondition und Ausrüstung der Wanderer

nicht unterschätzt werden.

Puig Major (1.445 Meter)

Puig de Massanella (1.367 Meter)

Tossals Verds (1.147 Meter)

Puig Tomir (1.103 Meter)

Puig de l’Ofre (1.093 Meter)

Serra d’Alfàbia (1.067 Meter)

Puig des Teix (1.064 Meter)

Puig de n’Ali (1.035 Meter)

Puig de Galatzó (1.026 Meter)

Es Cornador (1.009 Meter)

Puig Roig (1.002 Meter)

Bergziegen

Es soll etwa 28.000 bis 35.000 wilde

und verwilderte Ziegen auf Mallorca

geben, dazu noch eine Mischung aus

beiden sowie die Hausziegen.

Die wilden Ziegen erkennt man an

ihrem braunroten Fell, über Bauch

und Rücken verläuft ein schwarzer

Streifen. Die Beine sind ebenfalls

schwarz.

Die verwilderten Ziegen sind etwas

größer und breiter als ihre wilden Artgenossen.

Sie haben ein grauschwarzes

oder dunkelbraunes Fell und den

charakteristischen Hautlappen unter

dem Hals. Die verwilderten Ziegen

vermehren sich stärker und schneller

als die wilden, von denen schätzungsweise

1.000 die Insel bevölkern.

Da die Ziegen bei ihrer Futtersuche

kaum eine Pflanze verschmähen,

gerät das ökologische Gleichgewicht

bisweilen ins Wanken. Um dem abzuhelfen,

dürfen verwilderte Ziegen

gejagt werden.

Bougainvillea

Die Blüten der auf

Mallorca allgegenwärtigenBougainvillea-Pflanze

sind

völlig unscheinbar.

Was diesem

Strauch, der oft als Kletterpflanze in

Gärten, an Mauern, Zäunen und an

Hauswänden vorkommt, zu seiner Attraktivität

verhilft, sind die meist violetten

oder roten, gelegentlich auch

gelben oder orangen Hochblätter, die

die kleinen, weißen Blütenstände umgeben.

Die Blütezeit ist vom März bis

in den Oktober. In dieser Zeit verleiht

die Bougainvillea Mallorca vielerorts

ein farbenprächtiges Bild.

Brot

Das typische mallorquinische Brot ist

eher dunkel und ungesalzen, wird mit

Hefe und Sauerteig zubereitet und

locker gebacken. Es wird zu jedem Essen

gereicht und ist auch die Grundlage

für das -> Pa amb Oli.

Büßer

Die Büßer haben eine lange Tradition

auf Mallorca. Ihre Ursprünge liegen

im 16. Jahrhundert. Sie sind in Bruderschaften

(Confraries) organisiert.

Es gibt zurzeit noch mehr als 50 auf

Mallorca, allein in Palma 30. Die Mitgliedschaft

wird vom Vater auf den

Sohn vererbt, seit ein paar Jahren

auch von der Mutter auf die Tochter.

Es ist für viele Mallorquiner eine Ehre,

den Büßern anzugehören.

Sie sehen übrigens nicht gerade

aus wie gläubige Katholiken, eher wie

Angehörige des Ku-Klux-Klan, wenn

sie in der „Semana Santa“, der Karwoche,

zu Hunderten in langen Umhängen

(jeder trägt das Gewand seiner

Bruderschaft) und bis zur Unkenntlichkeit

mit hohen, spitzen Kapuzen

vermummt, teils schwere Holzkreuze

schleppend, von Palmsonntag bis Karfreitag

durch die Straßen von Palma

und anderen Ortschaften ziehen. Dabei

lassen sie Eisenketten rasseln.

Die gesamte Woche hindurch finden

täglich Prozessionen statt, bei

denen sich insgesamt 4.000 Büßer

auf den Straßen befinden. Natürlich

sind das touristische Großereignisse,

vor allem bei der wichtigsten und

größten Prozession am Gründonnerstag

in Palma, der „Processó del Sant

Crist de la Sang“, bei der sämtliche

Bruderschaften der Insel mitmachen.

Allen voran schreiten die Büßer der

ältesten Bruderschaft „Cofraría de la

Sang“. Sog. „nazarenos“ tragen riesige

Holzkreuze: Man demonstriert damit

Bußfertigkeit. Begleitet wird das

Spektakel von dumpfen Trommelklängen

und dem Gesang von Chorälen.

Bujosa

Die Firma Bujosa ist ein alter Familienbetrieb

in Santa Maria del Cami,

wo auf über hundert Jahre alten

Webstühlen die für Mallorca traditionellen

Llengua-, Zungen- oder

Flammenstoffe gewebt werden. In

der Werkstatt kann man beim Weben

zuschauen. In den Verkaufsräumen

kann man die vielfältig gemusterten

Stoffe als Meterware oder auch fertige

Gegenstände wie Taschen und

Kleidung erstehen.

Bunyuelos

Auch: Bunyols,

sind köstliche frittierte,

kleine Krapfen,

die oft auf

Märkten und an

Straßenständen

verkauft werden. Der Teig besteht

aus gekochten, passierten Kartoffeln,

Zucker, Eiern, Mehl und Backpulver.


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Mit feuchten Händen wird etwas Teig

erst links zu einer Kugel geformt, diese

mit dem Daumen und Zeigefinger

der rechten Hand abgenommen und

ins heiße Fett gegeben. Dabei entsteht

ein kleines Loch in der Mitte

des Krapfens. Goldbraun frittiert wird

er in Zucker gewälzt und sollte noch

warm gegessen werden.

C

Cala

Spanisch/Katalanisch für: Bucht.

Camper

International bekannte Schuhmarke,

die 1975 in Inca gegründet wurde.

Ihren Ursprung hat die Schuhfabrikation

allerdings bereits 120 Jahre

zuvor, als der Schuster Antonio Fluxà

die ersten Schuhe maschinell herstellte

und damit den Grundstock für das

Familienunternehmen legte.

Can

Kennzeichnet bei Eigennamen ein

kleineres Anwesen, z.B. Can Costa.

Cant de la Sibilla

Gesang der Sibylle. Wie hierzulande

das Weihnachtsfest ohne „Stille

Nacht, heilige Nacht“ nicht denkbar

ist, so gehört zur mallorquinischen

Weihnacht der Cant de Sibilla, der Gesang

der Sibylle. Dabei ist sein Inhalt

so gar nicht weihnachtlich: Er handelt

nämlich vom Ende der Welt mit all sei-

Mallorca von A – Z

nen Schrecken für die Bösen und der

Verheißung des Himmelreichs für die

Guten. Der Brauch reicht weit zurück,

bis ins Mittelalter. Das Lied wird normalerweise

von einem Knaben oder

einer Frau vorgetragen und bildet den

Höhepunkt einer jeden Christmette,

die beeindruckendsten finden übrigens

in der Kathedrale von Palma sowie

in der Klosterkirche von Lluc statt.

Der Cant de la Sibilla gehört seit 2010

zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Chopin, Frederic

Chopin verbrachte

den Winter

1838/39 gemeinsam

mit seiner

Lebensgefährtin

George Sand und

deren Kindern Maurice und Solange

in der Kartause von Valldemossa.

Während dieser Zeit komponierte

Chopin die Préludes op. 28, zu denen

auch das bekannte Regentropfen-Prélude

zählt. George Sands Buch „Ein

Winter auf Mallorca“ gehört zu den

bekanntesten Schriften über Mallorca,

worin die Mallorquiner allerdings

schlecht wegkommen.

Valldemossa profitiert bis heute

von seinen prominenten Gästen. Jedes

Jahr besuchen mehr als 300.000

Touristen den Ort – nicht zuletzt, um

die Räume zu sehen, in denen das berühmte

Paar gelebt hat.

Chuetas

-> Xuetas

Costa Nord

Von Hollywoodstar Michael Douglas

gegründete Stiftung und ein Kulturzentrum

mitten in Valldemossa.

Neben Konzerten, Kochkursen, Ausstellungen

und Wanderungen werden

viele Informationen zur Geschichte

Mallorcas im Allgemeinen und dem

Tramuntanagebirge sowie der Nordküste

im Besonderen geboten. An

berühmte Besucher der Insel wird

erinnert, vor allem an den Erzherzog

Ludwig Salvator, dessen Landsitz

S’Estaca sich seit 20 Jahren im Besitz

von Michael Douglas befindet, dem

Mallorca, wie er betont, eine zweite

Heimat geworden ist.

Die Stiftung hat Michael Douglas

inzwischen der Landesregierung übergeben.

Coto Privado de Caza

Dieses Schild signalisiert: Stopp! Ab hier

ist alles privat! Wörtlich meint es: Privates

Jagdgebiet. Jagdbares Wild mag es

auf dem Grundstück jedoch vielleicht

gar nicht mehr geben. Das Schild

rechtfertigt eine Schrotladung bei

widerrechtlichem Betreten. Ein Schild

mit einem schwarzen und einem weißen

Dreieck hat dieselbe Bedeutung.

Mallorca von A – Z 9

E

Einwohner

Auf Mallorca leben ca. 860.000 gemeldete

Einwohner, etwa die Hälfte

davon in der Hauptstadt Palma. Das

entspricht einer Bevölkerungsdichte

von durchschnittlich 2.307 Einwohnern

pro Quadratkilometer, was in

etwa vergleichbar ist mit der Bevölkerungsdichte

in Deutschland.

Die Bevölkerungsverteilung konzentriert

sich auf die Küsten, während

das Landesinnere und die Bergregionen

eher dünn besiedelt sind.

Die Bezeichnung für einheimische

Bewohner ist „Mallorquiner“.

Eisenbahn

Wären alle stillgelegten

Strecken

noch in Betrieb,

könnte Mallorca

über ein Gesamt-

Streckennetz von

250 km verfügen. Heute umfasst

das Streckennetz, trotz Wiedereröffnung

einiger Linien, noch 109 km. Es

wird von zwei Gesellschaften betrieben:

Serveis Ferroviaris de Mallorca

und der privaten Ferrocarril de Sóller

(-> Bahnhof, ältester).

Die alten Linien wurden in den

50er-Jahren nach und nach eingestellt,

nachdem der Individualverkehr

immer weiter zunahm und Lastkraftwagen

den Transport von Gütern

übernahmen.


1873 wurde der erste Eisenbahn-

Linienabschnitt der „Ferrocarriles de

Mallorca“ (FCM) von Palma nach

Inca eröffnet und erreichte Inca

1875. Bis 1931 war die Strecke einspurig,

dann erforderte das gestiegene

Verkehrsaufkommen ein zweites

Gleis. Geplant worden ist die erste

Eisenbahn von dem mallorquinischen

Ingenieur Eusebi Estada y Sureda

(1843–1917), nach dem man

eine Straße in Palma benannt hat,

sinnigerweise jene, durch die der Zug

nach Sóller startet.

Die Strecke teilt sich hinter Inca

und führt heute entweder über Sineu

und Petra nach Manacor oder über

Llubi und Muro nach Sa Pobla.

Eine Wiederbelebung der alten

Strecke von Manacor über Artà bis

nach Cala Rajada ist geplant, stößt

aber nach wie vor auf den heftigen

Widerstand der Besitzer betroffener

Grundstücke.

Die Ferrocarril de Sóller, wegen der

rotbraunen Farbe auch „Roter Blitz“

genannt, wird privat betrieben. Sie

verbindet Palma mit Sóller über eine

Strecke von 27 km mitten durch das

Tramuntana-Gebirge. Im Jahr 1912

wurde diese eingeweiht, 17 Jahre später

elektrifiziert. Noch heute fährt sie

auf holzverkleidetem Rollmaterial aus

dem Jahr ihrer Eröffnung. Auch die

nostalgischen Wagen sind aus Holz.

Die Lehnen der Bänke im Inneren lassen

sich umklappen, sodass niemand

mit dem Rücken zur Fahrtrichtung

sitzen muss. Auf ihrer Fahrt durch die

Berge durchquert die Bahn 13 Tunnel

und vollzieht im Berg eine Schleife,

um wieder das Niveau des Bahnhofs

von Sóller zu erreichen. Ursprünglich

wurde die Bahn für den Transport von

Zitronen und Orangen aus der Region

Sóller auf den Markt nach Palma

gebaut. Seit 1973 werden nur noch

Touristen befördert.

Am 25. April 2007 wurde die

moderne „Metro de Palma“ eröffnet,

welche die Innenstadt über eine Strecke

von 8,5 km mit der Universität

verbindet.

Ensaimada

Die Bezeichnung „Hefeschnecke“

würde dieser sehr leichten mallorquinischen

Spezialität unterschiedlicher

Größe nicht gerecht. Eine aus

dünnem Teig aufgerollte und zu einer

Spirale gedrehte „Schlange“ wird in

Schmalz ausgebacken und mit Puderzucker

bestreut. Es gibt auch gefüllte

Varianten, z.B. mit Kürbismarmelade

oder Vanillecreme. Ensaimadas

schmecken am besten noch warm aus

dem Backofen. Die jährliche Ensaimada-Produktion

von Mallorca beträgt

250 Tonnen. Sie sind ein beliebtes

Mitbringsel von der Insel.

Evangelische Kirche

Vor mehr als 100 Jahren, am

22.4.1906, wurde auf Mallorca der

erste evangelische Gottesdienst in

deutscher Sprache gehalten. Zwei ökumenische

Christvespern in deutscher

Sprache finden jedes Jahr an Heiligabend

in der Kathedrale von Palma

statt. Sie bilden den Höhepunkt des

Kirchenjahres, mehr als 4.000 Gläubige

nehmen alljährlich daran teil.

Die Evangelische Kirche in Deutschland

(EKD) hat 150 Auslandsgemeinden,

eine davon ist die Gemeinde auf

den Balearen. Von den fast 60.000

auf Mallorca lebenden Deutschen

sind (nur) etwa 250 eingeschriebene

Gemeindemitglieder. Hinzu kommen

die Touristen, die oft rund 80 % der

Gottesdienstbesucher ausmachen: pro

Jahr annähernd 17.000.

Das Pfarramt in S’Arenal liegt nur

wenige hundert Meter vom berüchtigten

„Ballermann“ entfernt.

Die evangelischen Gottesdienste

in deutscher Sprache, etwa 250 im

Jahr, finden auf Mallorca in sechs verschiedenen

Orten statt. Dazu werden

Chorproben, Bibelstunden und Konfirmandenunterricht

angeboten.

Allein im vergangenen Jahr wurden

etwa 100 Paare evangelisch getraut.

Voraussetzung ist, dass wenigstens einer

der Brautleute Mitglied der evangelischen

Kirche ist. Soll die Trauung

in einer Kirche stattfinden, ist eine

Voranmeldung von mindestens einem

Jahr notwendig. Da die Auslandsgemeinden

sich aus eigenen Mitteln

Mallorca von A – Z 11

finanzieren, wird außerdem um eine

Spende von 400 € gebeten.

Die Bilanz der Bestattungen liegt

in der evangelischen Gemeinde zurzeit

bei etwa 20 Seebestattungen

und etwa gleich vielen Erdbestattungen

pro Jahr.

Esel

Auf Mallorca

sollen noch

etwa 400 Esel

leben. Sie wurden

schon vor

tausend Jahren

auf der Insel

als Haustiere gehalten und als echte

Arbeitstiere in der Landwirtschaft eingesetzt.

Nachdem landwirtschaftliche

Geräte die Arbeit und Fahrzeuge den

Transport übernommen haben, hält

man sie nur noch ihrer selbst willen.

Espardenyes

Auch „Espandrilles“, sind leichte Sommerschuhe.

Ihr Ursprung wird auf

Mallorca vermutet. Das Obermaterial

besteht aus Leinen, die Sohle aus geflochtenen

Pflanzenfasern (Hanf oder

Stroh) mit einer dünnen Lage Gummi.

Sie sind zwar sehr atmungsaktiv, doch

eignen sie sich nicht für längere Märsche,

da sie weder ein Fußbett haben,

noch den Fuß zu stützen vermögen.

Exil

Während des Dritten Reichs wählten

viele deutsche Schriftsteller Mallorca

als ihr Exil, unter ihnen Albert Vigo-


12

leis Thelen, Harry Graf Kessler, Franz

Blei, Karl Otten, Marte Brill, Erich Arendt,

Klaus Mann und Herbert Schlüter.

Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg

begann, mussten sie die Insel

allerdings wieder verlassen.

F

Fahne am Almudaina-Palast

Wie bei vielen Residenzen weht die

Fahne über dem Palast in Palma,

wenn der König oder die Königin anwesend

sind.

Fauna

Während bei der mallorquinischen

Flora bis zu 1.500 unterschiedliche

Arten vorkommen, zeichnet sich die

Fauna der Insel nicht gerade durch

Artenreichtum aus: Bei den Säugetieren

stellen Nutztiere, Hunde und

Katzen das größte Kontingent. Wild

lebende größere Säugetiere gibt es

praktisch gar nicht, sieht man einmal

von verwilderten Bergziegen ab. Das

nächstgrößte wilde Säugetier ist die

nachtaktive Ginsterkatze, doch auch

sie ist ausgesprochen selten. Bleiben

noch Ratten, Mäuse, Igel und Wildkaninchen

sowie einige Arten von Fledermäusen.

Sieht man von den Insekten einmal

ab, so ist die Vogelwelt auf der Insel

am vielfältigsten vertreten. Im Winter,

wenn die Singvögel hier überwintern

oder wenn die Zugvögel auf ihrem

Weg Station machen, kann man bis

Mallorca von A – Z

zu 300 verschiedene Vogelarten beobachten.

Ein großer Teil von ihnen

ist im Sumpfgebiet Albufera zu sehen.

Zu ihnen gehören zahlreiche Wasservögel

wie Flamingos, Säbelschnäbler,

Reiher, Regenpfeifer und Strandläufer

sowie Seevögel, zu denen Korallenmöwen

und Sturmtaucher zählen.

In den Bergen der Tramuntana

kann man mit etwas Glück Mönchsgeier

zu sehen bekommen, aber auch

Eleonorenfalken und weitere Greifvögel

sowie einige Eulenarten. Auch

Fischadler nisten auf der Insel.

In einem Kiefernwäldchen hinter

dem Strand von Santa Ponsa lebt

seit einigen Jahren eine Kolonie von

Mönchssittichen, kleinen grünen Papageien.

Bei den Reptilien überwiegen die

Eidechsen, doch es gibt auch Land-,

Sumpf- und Meeresschildkröten sowie

einige ungiftige Schlangenarten.

Zu den Amphibien zählen Geburtshelfer-

und Wechselkröte, See- und

Mittelmeer-Laubfrosch.

Wie überall auf der Welt bilden

auch auf Mallorca die Insekten die

größte Tiergruppe. Allein 1677 Käferarten

soll es geben, außerdem

Mücken, Fliegen, Singzikaden, Grillen,

Heuschrecken, Bienen, Wespen,

Gottesanbeterinnen, Spinnen, Libellen,

Prozessionsspinner, Falter und

Schmetterlinge.

Feiertage

Außer den offiziellen Feiertagen, die

überall in Spanien gelten, gibt es

viele örtlich begrenzte Festtage, an

denen die Läden geschlossen bleiben

können.

Welcher Ort an welchen Tagen welches

Fest feiert, wird von der Inselregierung

im Amtsblatt BOIB (Boletín

Oficial de las Islas Baleares) stets im

Dezember für das folgende Jahr veröffentlicht.

Im Jahr 2011 waren es

z.B. 152 Feste (Fiestas/Festas), Messen

(Ferias) und Ausstellungen in 76

Orten.

An vielen Feiertagen finden Prozessionen

statt, die oft von einer tiefen

Religiosität getragen werden. In Palma

und etlichen anderen Orten der

Insel finden in der Karwoche Büßer-

Prozessionen (-> Büßer) und Passionsspiele

statt.

Wenn ein offizieller spanischer Feiertag

auf einen Sonntag fällt, ist der

darauf folgende Montag arbeitsfrei!

1. Januar

Neujahr/Año nuevo/Cap d‘ Any

6. Januar

Heilige Drei Könige/Reyes magos/

Els Reis Mags

1. März

Dia de Baleares/

Dia de les Illes Balears

März/April

Gründonnerstag/Jueves Santo/

Dijous Sant

Karfreitag/Viernes Santo/

Divendres Sant

Ostermontag/Lunes de Pascua

1. Mai

Tag der Arbeit /Dia del Trabajo/

Festa del Treball

15. August

Mariä Himmelfahrt/

Asunción de María/L‘Assumpció

12. Oktober

Entdeckung Amerikas durch Christoph

Columbus/Dia de la Hispanidad/Festa

Nacional

1. November

Allerheiligen/Todos los Santos/

Tots Sants

6. Dezember

Tag der Spanischen Verfassung/

Día de la Constitución/

Dia de la Constitució

8. Dezember

Mariä Empfängnis/Immaculada Concepción/Immaculdada

Concepció

25. Dezember

Weihnachten/Navidad Nadal/

Feste de Nadal

26. Dezember

2. Weihnachtstag/

Segunda fiesta de Navidad

Von den Festterminen, die mehr

oder minder folkloristischen Charakter

haben bzw. solche Elemente integrieren,

sind die wichtigsten:


14 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 15

16./17. Januar

Am Vorabend des Namenstagsfests

des Heiligen Antonius werden Scheiterhaufen

angezündet, Männer in

Teufelskostümen tanzen durch die

Gassen. Natürlich siegt das Gute über

die bösen Mächte. Festa de Sant Honorat

mit Cossiers-Tänzen in Algaida.

17. Januar

Segnung der Haustiere am Fest des

Heiligen Antonius, des Schutzpatrons

der Tiere.

20. Januar

Patronatsfest des Sant Sebastià: in

Pollença mit Prozession.

12. Februar

Mandelblütenfest in Petra.

Februar generell

Karnevalsumzüge in vielen Orten, die

größten, Sa Rueta und Sa Rua, finden

in Palma statt.

11. Mai

Eine gesamte Woche um dieses Datum

herum findet das Fest Moros y

Cristianos, Ses Valentes Dones (Mauren

und Christen, die tapferen Frauen)

statt. In Sóller und am Strand

von Port de Sóller wird die Abwehr

eines Überfalls türkischer Piraten

nachgespielt, die an jenem 11. Mai

glückte.

2. Sonntag im Mai

Das Fest Es Firó oder Moros y Cristianos

erinnert an den erfolgreich

abgewehrten Piratenüberfall am

11.5.1561. In Sóller und Port de Sóller

wird die Schlacht nachgespielt.

24. Juni

Das Fest der tanzenden Sonne wird

auf der gesamten Insel gefeiert, in

Muro mit einem Stierkampf, in Sant

Joan mit einer landwirtschaftlichen

Ausstellung.

29. Juni

Festa de Sant Père (Petrus) mit Straßen-

und Schiffsprozession in Port

d‘Alcúdia.

16. Juli

Festa de Nostra Senyora bzw. Mare de

Deu del Carmen. Zu Ehren der Schutzheiligen

der Fischer finden in vielen

Küstenorten abends eindrucksvolle

Schiffsprozessionen statt.

28. Juli

Festa de Santa Catalina Tomás, eine

ganze Woche wird in Valldemossa der

einzigen Heiligen der Insel gedacht.

10. August

Festa de Sant Llorenç in Selva mit viel

Folklore, traditionellem Tanz und Gesang.

24. August

Festa de Sant Bartomeu mit Cossiers-

Tänzen.

29. August

Festa de S’Estiu in Sant Joan mit Umzug

und Schleuder-Wettbewerben.

1. Sonntag im September

Prozession de la Beata zu Ehren der

Heiligen Catalina Tomás in Santa

Margalida mit Festumzug und Trachtengruppen.

2. Sonntag im September

Melonenfest in Vilafranca de Bonany.

9.–16. September

Mit der Festa del Desembarco in Santa

Ponça wird in einer Festwoche an

die Landung von Jaume I. auf Mallor-

ca im Jahre 1229 zur Befreiung der

Balearen von den Arabern erinnert.

Letzter Sonntag im September

Festa des Veremar (Weinlesefest) in

Binissalem mit Weinproben und Feuerwerk.

1. Sonntag im Oktober

Festa de Botifarró (Blutwurstfest)

in Sant Joan mit Musik und Tanz

und Kostproben aller inseltypischen

Würste.

Letzter Sonntag im Oktober

Festa des Bunyol (Schmalzkuchenfest)

in Petra Bunyuelos.

2. Donnerstag im November

Dejous Bo in Inca, Landwirtschafts-

und Gewerbeausstellung und größter

Jahrmarkt der Insel.

31. Dezember

Festa de l’Estandard (Fahnenfest)

im Gedenken der christlichen Rückeroberung

Palmas von den Arabern

am letzten TFag des Jahres 1229.

Ein besonderes Silvesterritual ist das

Verspeisen einer Weintraube mit 12

Beeren, eine zu jedem Glockenschlag

um Mitternacht.

Feigen

Nicht die Araber,

sondern die Römer

brachten die Feige

auf die Insel. Der

Boden erwies sich

als ideal. Neben

Mandeln und Oliven prägen heute in

einigen Regionen die Feigen die Vegetation.

Die Feigenfrüchte werden

von Juli bis September geerntet. Sie

werden bis zur endgültigen Lagerung

nachgetrocknet. Beliebte Feigenprodukte

sind Marmelade und Feigenbrot.

Fensterläden

Auffällig an

mallorquinischen

Häusern sind die

scheinbar immer

ver schlossenen

F e n s t e r l ä d e n

(„persianas“) mit schräg stehenden

Sprossenlamellen, die den Eindruck

erwecken, die Gebäude seien unbewohnt.

In der Hitze des Sommers

sorgen diese Fensterläden für kühlere

Temperaturen in den Häusern: Durch

die Lamellen gibt es einen geringen

Lichteinfall und das Eindringen der

Wärme ins Haus wird verringert.

FKK

Es gibt auf Mallorca zwar keine FKK-

Anlagen oder FKK-Hotels, doch das

Nacktbaden ist laut aktueller Gesetzgebung

erlaubt und erfreut sich bei

vielen Urlaubern und Einheimischen

großer Beliebtheit. Über die Möglichkeiten

gibt es unterschiedliche

Meinungen. Die einen bezeichnen

Mallorca als „Nacktbadeparadies“,

andere bedauern, dass es nur wenige

Nacktbademöglichkeiten gebe. Entscheidend

ist also, dass man die entsprechenden

Strände kennt und weiß,

wie sie zu erreichen sind.

Von Freikörper-Kultur im weiteren

Sinne kann allerdings kaum die Rede


16 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 17

sein, da sich das Nacktsein nur auf

das Baden beschränkt.

FKK-Strände:

Es Trenc, im Süden der Insel nordwestlich

von Colonia de Sant Jordi

gelegen, ist ein fünf Kilometer langer

Naturstrand mit unbebautem Hinterland

und türkisfarbenem Wasser.

Der bei Nacktbadenden sehr beliebte

Strandabschnitt bei Ses Covetes

ist nur in den Sommermonaten stark

besucht. Außerhalb der Saison ist er

ruhig und wird kaum frequentiert.

Der Strand Es Pregons Grans liegt

zwei Kilometer von Colonia de Sant

Jordi entfernt. Er ist etwa 200 Meter

lang und 20 Meter breit. Hier wird

fast nur nackt gebadet.

Die Platja d’es Caragol, zwischen

Colonia de Sant Jordi und dem Cap

de Ses Salines, ist nur durch einen

langen Fußmarsch zu erreichen. Das

Hinterland ist in Privatbesitz und unverbaut.

Das Wasser fällt flach ab.

Hier kann, wer will, das Nacktbaden

getrost erst einmal ausprobieren, da

nicht mit viel Publikum gerechnet

werden muss.

Cala Monjo/Cala Fornells, eine

geschützte Bucht, ist nur zur Fuß

durch einen Wald erreichbar. Das

nächste Gebäude ist eine halbe Stunde

entfernt. Hierher verirren sich nur

selten Spaziergänger. Der Strand ist

klein, aber man kann auf Felsen ausweichen.

Cala Mago, einer der drei Strände

von Portals Vells, ist eine kleine, ge-

schützte Bucht mit flach abfallendem

Wasser. Auch für Nichtschwimmer

und Kinder geeignet.

Die Strände der Cala Mondrago

zwischen Santanyi und Porto Petro

gehören zu den beliebtesten der südlichen

Ostküste. Der Strand ist zwar

flach, doch muss man auf schroffe

Steine und Löcher aufpassen.

Cala Mesquida im Norden von

Cala Rajada ist über einen einstündigen

Fußmarsch oder mit dem Auto

erreichbar. Hüllenlos wird im hinteren

Bereich des Strandes gebadet. In den

Dünen findet man ruhige Stellen. Der

Sand ist so fein, dass man beim Liegen

sogar auf das Handtuch verzichten

kann.

Cala Moltó ist durch die Halbinsel

Agulla vom südlicher gelegenen

Nachbarstrand Cala Agulla getrennt.

Viele Felsen, wenig Sandstrand, doch

bei Nacktbadenden sehr beliebt.

Cala Torta, zwei Kilometer nordwestlich

von der Cala Mesquida und

mit dem Auto von Artà aus zu erreichen,

ist ein breiter Naturstrand mit

unbewohntem Hinterland. FKK wird

hier geduldet.

Caló d‘en Rafelino ist ein winziger,

wenig besuchter Strand zwischen

S’Illot und Porto Cristo. Er ist ein paar

Hundert Meter von der Straße entfernt,

was einen kleinen Fußmarsch

bedeutet. Das Wasser ist klar, der

Sand in manchen Jahren fortgespült.

Hier wird nicht ausschließlich nackt

gebadet, dies aber geduldet.

Flagge

Die Flagge Mallorcas

zeigt fünf gelbe

und vier rote,

gleich große, waagerechte

Streifen

in abwechselnder

Reihenfolge. Das linke Drittel nimmt

hochkant eine silberne Burg mit fünf

Türmen und Zinnen auf purpurnem

Grund ein. Sie stellt den Almudaina-

Palast in Palma dar.

Fledermaus

Die Fledermaus ziert das Stadtwappen

von Palma de Mallorca. Sie war

Glücksbringer und Wappentier von

König Jaume I., der Mallorca im Jahre

1229 von den Arabern befreit hat.

Flor de Sal

-> Salz

Flora

Auf Mallorca gedeiht die typische

Mittelmeervegetation. Bis zu einer

Höhe von 700 Metern wachsen Oliven-

und Johannisbrot-Bäume, Aleppokiefern

und Steineichen. Weiter

oben breiten sich typische Macchia-

Sträucher aus, wie Rosmarin, Myrte,

Ginster und Heide. Wo Bäume und

Sträucher nur noch vereinzelt vorzufinden

sind, kommen Johanniskraut

und widerstandsfähige Gräser vor.

Außerdem findet man in den Flachlandzonen

Palmen. In kultivierten Gegenden

gedeihen Opuntien, Bougainvillea

(-> Bougainvillea), Oleander

und verleihen der Insel in der Blütezeit

ein buntes Farbenkleid.

Friedhöfe

Mallorca hat mehr als 50 Friedhöfe,

die sich meist ziemlich weit außerhalb

der Ortschaften befinden. Der

größte von ihnen ist der fast 200

Jahre alte Zentralfriedhof von Palma

(Cementerio Municipal) im Nordwesten

des Stadtzentrums am Camino de

Jesus. Beim Betreten fällt der Blick

auf ein Meer von Gräbern, Kreuzen,

und Ornamenten. Viele Grabstätten

tragen die Bilder der Verstorbenen.

180.000 Personen sollen nach Angaben

des städtischen Bestattungsunternehmens

hier ihre letzte Ruhe

in Mausoleen, Wand- und Erdgräbern

gefunden haben. Zu den Prominentesten

unter ihnen gehören zweifelsohne

Juan March und seine Familie.

Ihr Mausoleum ist gut 500 qm groß.

Fußball

Der Real Club Deportivo Mallorca (kurz:

Real Mallorca) ist ein 1916 gegründeter

Verein aus Palma. Seine Farben

sind Rot (Trikots) und Schwarz (Hosen

und Stutzen). Die Heimspiele werden

im Iberostar Estadi ausgetragen.


18

G

Gegants

Die „gegants“ (Giganten)

sind 3,5

bis 4 Meter große

Figuren, die bei

keinem Festumzug

auf Mallorca fehlen

dürfen. Wenn sie nicht im Einsatz

sind, bewachen sie die Rathäuser, wie

zum Beispiel in Palma.

Die Geschichte der „gegants i

capgrossos“ (Riesen und Dickköpfe)

geht zurück auf das 17. Jahrhundert:

1630 sind sie erstmalig urkundlich in

Sóller erwähnt, als sie bei einer Prozession

mitgeführt wurden.

Noch immer werden auf Mallorca

„gegants“ gebaut. Eine Figur ist bis

zu vier Meter hoch und wiegt 50 bis

55 kg. Der Kopf besteht aus Pappmachee,

die Gewänder lehnen sich an

die alten Volkstrachten an.

Seit 1998 wird jedes Jahr rund um

den 12. September, den „Diade de

Mallorca“, in Palma ein Treffen aller

„gegants“ veranstaltet. Sie reisen von

den anderen Baleareninseln und sogar

vom spanischen Festland aus an.

Den musikalischen Rahmen bilden

die traditionellen Musikinstrumente

„flabiolets“ und „xeremies“.

Gemeinden

Mallorca gliedert sich in 53 Gemeinden,

von denen hinsichtlich Einwohnerzahl

Palma die größte und Escorca

die kleinste ist. Der Fläche nach ist

Mallorca von A – Z

Llucmajor die größte und Búger die

kleinste.

Geografie

Mallorca gehört zu der Inselgruppe

der Balearen. Die größte Ausdehnung

von Osten nach Westen beträgt etwa

100 km, von Norden nach Süden

knapp 80 km.

Entlang der gesamten Nordwestküste

zieht sich die Serra de Tramuntana,

ein Gebirgszug mit einer Breite

von bis zu 20 km. Die höchste Erhebung

ist der Puig Mayor (1445 m).

Mallorca hat eine Fläche von

3.626 qkm (inkl. der größeren Inseln

Cabrera mit 18,36 qkm und Sa Dragonera

mit 2,9 qkm), wovon etwa

19 qkm auf 150 kleinere, vorgelagerte

Inseln entfallen, die aber meist

unbewohnt sind. Die Küstenlänge

beträgt 554 km, die Entfernung zum

Festland 261 km bis Valencia.

Die Entfernung Mallorcas zum

Festland beträgt 261 km bis Valencia,

248 km bis Barcelona und 315 km bis

Algier. Die Entfernung zu den Nachbarinseln

beläuft sich auf 80 km bis

Ibiza und 37 km bis Menorca.

Gesang der Sibylla

-> Cant de la Sibilla

Geschichte

6000 v. Chr. Erste Besiedlung vom

nördlichen Festland aus

3000 v. Chr. Megalithkultur

2000 v. Chr. Besiedlung aus dem

östlichen Mittelmeerraum

1500 v. Chr. Talayot-Kultur; runde

Türme und wehrhafte Dörfer entstehen.

Spätere Funde belegen über 200

Talayot-Siedlungen.

1000 v. Chr. Handel mit Griechen

und Phöniziern

700 v. Chr. Mallorquinische Steinschleuderer

verdingen sich in den karthagischen

Heeren.

123 v. Chr. Die Römer besetzen die

Balearen. Palma, Inca und Pollentia

(heute Alcúdia) werden gegründet.

Römische Straßen, Brücken und Bauwerke

entstehen.

300–500 n. Chr. Christianisierung

Mallorcas, erste christliche Bauwerke.

Mallorca hat 30.000 Einwohner.

430–534 Zerstörung der römischen

Kultur durch die Besetzung von Vandalen.

Verfolgung der Christen.

534 Eingliederung Mallorcas in das

byzantinische (oströmische) Reich

8. Jh. Piratenüberfälle und Plünderungen

durch Mauren (Araber)

902 Eroberung durch die Araber

16.11.1227 Pere Martell organisiert

in Tarragona ein Festessen zu Ehren

des katalanischen Königs Jaime

(Jaume) I. Er beschreibt begeistert

die Insel und lässt zum Nachtisch

mallorquinische Produkte auftragen.

Die Folge davon ist der militärische

Feldzug zur Befreiung Mallorcas aus

arabischer Herrschaft.

1229 Rückeroberung (Reconquista)

Mallorca von A – Z 19

durch König Jaume I. Zerstörung arabischer

Sakralbauten, Baubeginn der

Kathedrale von Palma

1230 Gründung des Königreichs

Mallorca

1276 Tod Jaumes I., Jaume II. wird

König von Mallorca.

1311 König Sancho übernimmt die

Regentschaft auf Mallorca.

Gründung von Felanitx, Llucmayor

und Manacor und Petra

1235–1315 Leben und Wirken von

Ramon Llull (-> Llull, Ramon)

1348 Die Pest wütet auf Mallorca und

rafft ein Drittel der Einwohner dahin.

1349 Schlacht von Llucmayor, in der

König Jaume III. fällt und Mallorca

seine Unabhängigkeit verliert und an

die Krone Aragons geht.

1350 Beginn der Judenverfolgung

auf Mallorca

14./15. Jh. Mallorca wird wichtigster

Handelsplatz im westlichen Mittelmeer.

1421–1451 Errichtung der „Sa Lotja“,

der Seehandelsbörse, in Palma.

Hohe Zeit der mallorquinischen Seefahrer

und Kartografen.

1492 Entdeckung Amerikas durch

Christoph Columbus. Das Interesse

Spaniens richtet sich auf die Neue

Welt.

16. Jh. Die Piratenüberfälle nehmen

zu. Errichtung von Wachtürmen und

Befestigungsanlagen.


20 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 21

1701–1713 Spanische Erbfolgekriege.

Mallorca wird Teil des Spanischen

Königreichs.

19. Jh. Wein- und Orangenexport florieren.

Dennoch kann Mallorca nicht

mehr an die frühere erfolgreiche

Wirtschaftslage anknüpfen. Dagegen

stehen innenpolitische Auseinandersetzungen,

Epidemien und andere

Ursachen.

1838–1839 Frédéric Chopin und

George Sand verbringen einen Winter

auf Mallorca.

1867 Ludwig Salvator lässt sich auf

Mallorca nieder. Er kauft in der landwirtschaftlich

schönsten Region, in

der Serra Tramuntana, einen ausgedehnten

Besitz zusammen, darunter

auch landwirtschaftlich ausgerichtete

Gutshöfe.

20. Jh. Nach wechselvollen Jahren

und einer schädlingsbedingten Vernichtung

fast des gesamten Bestandes

an Weinreben gelang der mallorquinischen

Landwirtschaft Ende

des 19. Jahrhunderts eine Devisen

bringende Umstellung auf Mandelbaumpflanzungen

sowie eine Intensivierung

der Obst- und Olivenernten.

1936–1937 Spanischer Bürgerkrieg.

Der 1. Weltkrieg ging relativ spurlos

an Mallorca vorüber. Zu Kampfhandlungen

auf der Insel kam es allerdings

im Spanischen Bürgerkrieg zwischen

den Anhängern der demokratisch gewählten

Regierung und den Putschisten

unter General Francisco Franco

(1892–1975). Maßgebliche finanzielle

Unterstützung erhielt Franco durch

Juan March, der den Putsch angeblich

mit 600 Mill. Peseten mitfinanziert

haben soll, Nach dem Rückzug

der Republikaner 1937 war Franco

bis zu seinem Tod 1975 Staatschef

von Spanien.

Im 2. Weltkrieg verhielt sich Spanien

weitgehend neutral. Unter der Diktatur

Francos hat die Kultur Mallorcas

viel von ihrer Eigenständigkeit einbüßen

müssen. Alle regionalen Interessen

wurden regelrecht unterdrückt.

Auch die mallorquinische Sprache

durfte nicht mehr gesprochen werden.

Dies wurde lange Zeit kaum zur

Kenntnis genommen, da der Tourismus

erst Anfang der 1960er-Jahre

seinen Aufschwung erlebte und das

Interesse plötzlich auf Mallorca im

Besonderen und nicht mehr nur als

eine Insel in Spanien gerichtet war.

1945 Der katalanische Maler Joan

Miró lässt sich auf Mallorca nieder.

1975 Tod Francos, Juan Carlos wird

König von Spanien.

1978 Spanien erhält eine demokratische

Verfassung.

1983 Die Balearen bekommen

den Status einer autonomen Gemeinschaft

(comunidad autónoma)

sowie ein eigene Volksvertretung.

Die Inselregierung besitzt seither erhebliche

von Madrid unabhängige

Kompetenzen, über die eigene Verwaltungsorgane

seit 1349 nicht mehr

verfügten. Offenbar wird dies an der

„Wiedergeburt“ der insularen Kultur

und Sprache.

1986 Eintritt Spaniens in die Europä-

ische Gemeinschaft

1998 Die erste Meerwasserentsalzungsanlage

Mallorcas wird bei

Palma in Betrieb genommen.

2007 Die erste U-Bahn Mallorcas

wird in Palma eröffnet.

2009 Bei einem Terroranschlag der

ETA werden zwei Polizisten in der

Nähe von Palma durch eine Autobombe

getötet.

2011 242.256 ausländische Residenten,

darunter 36.674 Deutsche,

leben offiziell auf der Insel. Insgesamt

hat Mallorca 1.112.712 Einwohner.

Glas

Alte Funde belegen,

dass bereits

zur Zeit der Phönizier

auf Mallorca

Glas hergestellt

worden ist. Von

den Römern kam das Wissen um die

Glasherstellung, von den Mauren die

Farben und Formen. Das erste auf

Mallorca gefärbte Glas war grün, die

Farbe des Propheten Mohammed.

Das Monopol der Glasmacher

lag vom 13. bis 16. Jahrhundert in

Venedig. Den ersten Glasofen auf

Mallorca gab es 1327 in Calvia. Hier

entstanden die Kirchenfenster der

Kathedrale in Palma. 1599 schufen

mallorquinische Glasmacher die große

Rosette, die bis heute als größte

von Europa gilt. Als es im 18. Jahrhundert

erstmalig gelang, Glas industriell

herzustellen, war die Blütezeit

der Glasmacherkunst vorbei.

Der vom spanischen Festland stammende

Glasmacher Gabriel Gordiola

Balaguer, der die Glasmacherkunst

in Venedig studiert hatte, gründete

1719 ein Familienunternehmen, das

noch heute besteht: Die Firma Can

Gordiola an der Straße Palma-Manacor

in der Nähe von Algaida bei km

19 wird in der siebten Generation von

Gordiolas geleitet.

Mittlerweile gibt es keine Farbe

mehr, die nicht im Glas zum Leuchten

gebracht werden kann. Das Gordiola-

Kunstgewerbe ist heute auf der gesamten

Welt verbreitet. Die Werkstätten

und das angegliederte Museum

können besichtigt und Glasbläsern

bei der Arbeit zugeschaut werden.

Es gibt noch zwei weitere bekannte

Glasmacher-Unternehmen. Seit 1950

besteht die Glasfabrik Menestralia in

Campanet. Die drittgrößte Glaswerkstatt

ist die Firma Lafiore in Esporles.

Beide Firmen sind international

bekannt und produzieren schöne,

erlesene Dekorations- und Haushaltsgegenstände.

Golfplätze

Es gibt 21 Golfplätze auf der Insel, davon

sind drei nur für Mitglieder bzw.

Hotelgäste geöffnet. Die meisten der

weitläufig angelegten Anlagen liegen

inmitten schöner Landschaften

in der Nähe allgemein zugänglicher

hervorragender Restaurants.

Neulinge können, auch ohne

bereits Golfer oder irgendwo Golfmitglied

zu sein, das Golfspielen er-


22 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 23

lernen. Informationen zur Platzreife

und die Adressen der Golfplätze findet

man hier: http://mallorca.de/

sport/golf.php5#golfplaetze

Graves, Robert

Robert von Ranke-

Graves (1895–

1985) war ein

Nachfahre des

berühmten deutschen

Historikers

Leopold von Ranke. Graves hatte

dort in seinem 1932 gebauten Heim

Ca N’Alluny (Mallorquin für „abgelegenes

Haus“), am Ortsausgang von

Deià oberhalb des Fischerpfades zur

Bucht „sein Paradies“ gefunden. Hier

schrieb der Autor, der sich in erster

Linie als Dichter empfand, seine wichtigsten

Prosawerke, u.a. die Claudius-

Romane, mit deren Tantiemen er sich

im damals noch spottbilligen Mallorca

einen angemessenen Lebensstil

und ein gastfreundliches Haus leisten

konnte.

Robert Graves’ Leben und Wirken

in seiner Wahlheimat liefern Stoff für

ein ganzes Buch. Seine Sichtweise der

mallorquinischen Verhältnisse hat er

in den unterhaltsamen „Geschichten

aus dem anderen Mallorca“, worin er

Deià liebevoll hinter dem Pseudonym

Binijiny tarnt, mit wohlwollender Ironie

dargestellt. Er selbst empfand sich

als perfekter Gast und wurde von den

Einheimischen respektvoll Don Roberto

genannt, der sich unbefangen

im Dorfcafé verdingte und täglich bis

ins hohe Alter seinen Gang hinunter

zur Cala auf ein Bad im Mittelmeer

machte. In den 70er-Jahren begann

er, aufgrund zunehmender Senilität,

wunderlich zu werden, und behauptete,

er könne durch geschlossene

Türen gehen oder er habe ein UFO in

Deià landen sehen.

Seine Grabstätte findet man nur

mit Mühe auf dem kleinen Friedhof

im Oberdorf direkt neben der Kirche.

Die schlichte Grabplatte enthält außer

dem Namen und den Lebensdaten

einzig noch den lakonischen Zusatz

Poeta (Dichter).

Erst 2007 wurde sein ehemaliges

Wohnhaus ein paar Hundert Meter

nördlich des Ortes als sehenswertes

Museum eröffnet.

Gregal

Der Wind aus Nord-Nordost bringt

Regen – zum Unmut der Touristen,

zum Segen für die Landwirtschaft.

Greixoneras

Typisch mallorquinisches Kochgeschirr

aus glasiertem, braunem Ton.

H

Haie

„Hai-Alarm auf Mallorca“ ist der Titel

eines Films, der im Jahre 2004 im

Fernsehen lief und tatsächlich einige

Mallorca-Fans verunsichert hat. Erst

zwei Jahre zuvor berichteten mallorquinische

Fischer von einer Hai-Invasion,

da sie noch nie so viele große

Haie in ihren Netzen hatten wie im

September 2002. Immer wieder wird

von Haien vor Mallorcas Küsten berichtet

und wer einmal zugeschaut

hat, wenn die Fischer am Spätnachmittag

in den Hafen zurückkehren

und ihren Fang begutachten, weiß

es genau: Die Haie sind kein Hirngespinst.

Fakt ist, dass im gesamten

Mittelmeer

(noch) knapp 50

verschiedene Hai-

Arten leben. In den Tiefen

des Mittelmeers tummeln sich unter

anderem Stumpfnasen-Sechskiemer-

Hai, Hundshai, Blauhai, Katzenhai,

Hammerhai, Dornhai, Engelshai, Makohai,

Heringshai, Spitzkopf-Siebenkiemer-Hai,

Sandbauchhai, Schokoladenhai

und Tigerhai und sogar der

berühmt-berüchtigte Weiße Hai. Manche

von ihnen können eine Länge von

mehr als drei Metern erreichen.

Die meisten sind allerdings wesentlich

kleiner, ernähren sich von

Krebsen und Fischen und sehen eher

im Menschen eine Bedrohung als umgekehrt.

Einige Haiarten sind durch Überfischung

akut gefährdet, da sie sich in

den Netzen der Fischer als „Beiwerk“

verfangen oder gezielt gejagt werden.

Aktuell sind Engelshai, Hundshai, Heringshai,

Hammerhai, Dornhai und

der Weiße Hai vom Aussterben im

Mittelmeer bedroht.

Trotz des doch recht hohen Haiaufkommens

im Mittelmeer besteht aber

für Badelustige kein Grund für zur

Panik. Die großen Haie jagen nach

einem bestimmten Beuteschema, in

dem Menschen normalerweise nicht

vorkommen. Haiangriffe sind im Mittelmeerraum

extrem selten.

Übrigens, wer glaubt, noch nie Hai

gegessen zu haben, sollte wissen, dass

der Seeaal ein Dornhai in Gelee

ist und die leckeren Schillerlocken

nichts anderes

sind als geräucherter

Dornhai. Und hinter

dem kulinarischen Begriff

„Saumonette“

verbirgt sich ein zubereiteter Katzenhai.

Der Hammerhai wird (auch

auf Mallorca) vor allem von China-

Restaurants geschätzt. Er liefert die

Haifischflossen für die gleichnamige

Suppe. Der Rest wird entsorgt.

Hierbas

Den berühmten mallorquinischen

Kräuterlikör Hierbas gibt es in drei

Geschmacksrichtungen: „dolces“

(süß), „seques“ (trocken) und „herbes

mesclades“, eine Mischung aus beiden.

Der Name „Herbes de Mallorca

ist seit 2002 geschützt. Sämtliche

Zutaten des berühmten mallorquinischen

Kräuterlikörs wachsen auf der

Insel. Im Idealfall sind dies, wie schon

Plinius berichtete, etwa 100 Kräuter,

die sowohl therapeutischen Zwecken

als auch der Geschmacksverstärkung

dienen. Die wichtigsten sind die Maikräuter

Rosmarin, Minze, Fenchel,

Lavendel und Oregano.


24 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 25

Höhlen

Der Höhlenforscherverband

der

Balearen „Federació

Balear

d‘Espeleologia“

verzeichnet auf

Mallorca ungefähr 4.000 Höhlen und

Grotten. Damit gibt es auf der Insel

die größte Dichte an Höhlensystemen

pro Quadratkilometer in ganz Europa.

Über Jahrtausende hat Wasser im

weichen Kalk ganze Arbeit geleistet,

das Gestein ausgehöhlt, Tropfsteinhöhlen

gebildet und wahre Kunstwerke

geschaffen. Die meisten Höhlen

findet man in der Region Escorca,

die schönsten im Osten der Insel. Für

Besucher zugänglich sind die „Coves

del Drac“ bei Portocristo, die „Coves

d‘Artà“, die „Coves des Hams“, die

„Coves de Génova“ und die „Coves de

Campanet“.

Bei der „Cova de Sant Marti“ in

der Nähe von Alcúdia handelt es

sich um eine Höhlenkirche aus der

Frühzeit des Christentums. Sie diente

den Inselbewohnern aber schon im 2.

Jahrhundert als Versteck. Heute kann

man noch Altäre und alte Malereien

mit christlichen Motiven aus dem 13.

Jahrhundert sehen.

Die großen Tropfsteinhöhlen Drac

und Hams ziehen täglich große Touristenströme

an.

Die „Drachenhöhle“ ist 1.700 m

lang und birgt sieben Seen, unter

anderem den größten unterirdischen

See Europas. Davor befindet sich ein

Auditorium, in dem 1.100 Menschen

Platz haben.

Die „Coves des Hams“ sind nach

dem mallorquinischen „hams“ für

„Angelhaken“ benannt, was auf die

seltsamen Formen der Stalagmiten

und Stalaktiten zurückzuführen ist.

Bei einem 500 Meter langen Rundgang

durchquert man viele unterschiedliche

Höhlen, die zum Teil

überflüssigerweise mit bunten, wechselnden

Farben illuminiert werden.

Hotels

2010 verfügte Mallorca über 1.603

Hotels mit einer Gesamtzahl von insgesamt

287.438 Betten.

Hunde

Der HausundHofhund

auf

Mallorca ist der

„Ca de Bestiar Mallorquín”,

der „Viehhund“

(60–70 cm

Höhe). Die deutsche Rassebezeichnung

lautet „Mallorca-Schäferhund“,

was wieder rückübersetzt „Perro de

Pastor Mallorquín“ heißt. Es ist sind

robuste Hunde, die große Hitze und

Kälte vertragen.

Nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts

mehr und mehr kontinentale

Hunderassen auf die Insel gebracht

und eingekreuzt worden sind, drohte

der Mallorca-Schäferhund zu

verschwinden. Alonso Guasp, Hundefreund

und besonderer Liebhaber

gerade dieser Rasse, gründete 1970

den Verein „Club del Perro de Pastor

Mallorquín“, der es sich zur Aufgabe

machte, den mallorquinischen Schäferhund

zu retten. Das scheint gelungen

zu sein, denn in 24 Gemeinden

der Insel ist der „Ca de Bestiar“

den anderen Hunden zah lenmäßig

überlegen. In Gebieten mit viel ausländischer

Bevölkerung kann es allerdings

auch einmal zu einem deutlichen

Überhang an Yorkshire-Terriern

kommen.

Eine weitere beliebte Hunderasse

auf Mallorca ist der „Ca Rater“, der

Ratten- oder Mäusefänger (ca. 30–35

cm Höhe). Heute muss er seinem Namen

keine Ehre mehr machen, doch

er wird wegen seiner Wendigkeit gerne

bei der Jagd eingesetzt. Zudem ist

er außerordentlich wachsam und findet

ständig Gründe zum Bellen.

Ein beliebter Familienhund ist der

„Ca de Bou Mallorquín“, die „Mallorca-Bulldogge“

(ca. 58 cm Höhe).

Früher wurde er zum Hüten von Stieren

eingesetzt, doch heutzutage wird

er als treuer und temperamentvoller

Haushund geschätzt.

Der wie ein Windhund aussehende

„Podenco Ibicenco“ (60–70 cm Höhe)

ist eine spanische Jagdhunderasse

und auch auf Mallorca verbreitet. Auffallend

sind seine aufrecht stehenden

Ohren und das rot-weiße Fell.

6.000 Hunde landen auf Mallorca

jedes Jahr in Tierheimen. Wenn

sie binnen 14 Tagen nicht vermittelt

werden können, werden sie getötet.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass

sich zahlreiche Tierschutzorganisationen

auf der Insel um das Schicksal

von herrenlosen Hunden kümmern,

indem sie private Tierheime gründen,

Hunde ins Ausland vermitteln und

Menschen suchen, die beim Rückflug

als Hundepate ein Tier in ihr

Land mitnehmen, wo es vom neuen

Besitzer übernommen wird, oder die

den nicht vermittelbaren Hunden das

Gnadenbrot sichern, indem sie die

Versorgung im Tierheim sicherstellen.

I

Ikatweberei

-> Bujosa. Ikatweberei

ist die Technik,

mit der die für

Mallorca typischen

Zungenstoffe gewebt

werden. Die

Farben sind nie klar voneinander

getrennt, da auf das Garn aufgewickeltes

Garn quer zur Laufrichtung in

Streifen Farbe aufgetragen wird. Wird

das Garn verarbeitet, entsteht der typische

Effekt, weil unterschiedliche

Farbintensität und andere Ungenauigkeiten

diesen Verlauf entstehen

lassen.

Imkerei

Es gibt auf Mallorca etwa 11.000

Bienenstöcke. Je nach Wetterlage gibt

es gute und schlechte Jahre für die

Imker. In guten Jahren (z.B. 2011) wer-


26

den auf der Insel insgesamt 100.000–

150.000 kg Honig produziert. Schlecht

dagegen war es 2008 mit nur 50.000

kg hergestelltem Honig.

J

Johannisbrot

Der immergrüne Johannisbrotbaum

ist schon seit Jahrtausenden im Mittelmeerraum

verbreitet. Er ist gegen

Hitze und Trockenheit sehr widerstandsfähig.

Auf Mallorca stellt er

eine der am häufigsten vorkommenden

Baumarten überhaupt dar.

Das Holz wird gerne für die Herstellung

von Parkettböden und Türen

verwendet, da es sich nicht verformt.

Die schwarzen, lederartigen, langen

Schoten sind essbar und haben

einen hohen Zuckergehalt, werden jedoch

meist als Viehfutter verwendet.

Die Kerne, etwa ein Dutzend pro

Schote, sind im trockenen Zustand

sehr hart. Gemahlen werden sie häufig

als Bindemittel und Stabilisator

für Süßwaren aller Art verwendet, da

das enthaltene Carubin wesentlich

quellfähiger ist als Stärke. Johannisbrotkernmehl

dient zudem als Kakao-

und Kaffeersatz. Auch in der Chemie-,

Papier- und Kosmetikindustrie wird es

genutzt.

Das Gewicht eines einzelnen Johannisbrot-Kerns

beträgt immer 0,2

Gramm, 1 Karat, abgeleitet von dem

griechischen Wort „kerátion“ und

dem wissenschaftlichen Namen „Ce-

Mallorca von A – Z

ratonia siliqua“. Schon vor über tausend

Jahren nahmen Apotheker und

Schmuckhändler dies als Gewichtsmaß

für Juwelen und Edelmetalle.

Jovellanos

(1744–1811) Gaspar Melchor de Jovellanos,

Jurist, Richter, Staatsmann,

Dichter und Schriftsteller und ab 1797

spanischer Justizminister. Er war ein

liberaler Reformer und machte sich

durch kreative Ideen den Premierminister

Godoy zum Gegner. 1801 wurde

er von diesem in die Kartause von

Valldemossa verbannt. Von 1802–

1808 verbrachte Jovellanos sechs Jahre

im Castell Bellver in Palma, dessen

berühmtester Gefangener er war.

K

Käse

Die Zahl der aus

Kuhmilch Käse

herstellenden Betriebe

ist in den

vergangenen Jahren

stark zurückgegangen.

Sie sind abhängig von der

Milchproduktion auf der Insel, die

durch die billigere Importmilch in arge

Schieflage geraten ist. Echter Mallorca-Käse

wird jedoch ausschließlich

aus der Milch mallorquinischer Kühe

hergestellt. Die Rasse ist das schwarzweiße

Holstein-Milchrind, die Friesen-

Kuh, auf Mallorca „frisons“ genannt.

Auch die Konkurrenz in den Käsere-

galen der Lebensmittelläden wird

durch Importe ständig größer.

Große Betriebe, die auf Mallorca

Käse herstellen, sind Prilac in Porreres,

Quesos Grimalt in Es Llombards,

Ca’n Montes in Llucmajor, Formatges

Campos. Außerdem produzieren

kleinere Käsereien wie Sa Talaya in

Llucmajor und Formatges Burguera

in Campos.

Den original Mallorca-Käse kauft

man auf Wochen- oder Bauernmärkten.

Dort gibt es Piris, die mallorquinische

Variante des Mahon-Käses aus

Menorca – ein milder, halbgereifter

Käse. Der Reifezustand eines Käses

hat die Bezeichnungen „fresco“ für

frisch, „semi curat“ oder „semicurado“

für halbreif (je nach Größe mindestens

20–35 Tage gereift), „curat“ oder

„curado“ für reif (mindestens 45–105

Tage gereift) und „viejo“ für alt (mindestens

100–180 Tage gereift).

Außer aus Kuhmilch wird auf Mallorca

auch Käse aus Schafs- und Ziegenmilch

hergestellt. Jeder Käse, der

aus pasteurisierter Milch von mallorquinischen

Kühen, Schafen und Ziegen

produziert wird, darf das geschützte

Markenzeichen „Queso de Mallorca

tragen. Käse aus nicht pasteurisierter

Rohmilch erhält den Zusatz „artesano“

(handwerklich erzeugt).

Kalköfen

In Steineichenwäldern sieht man häufig

noch Reste von Kalköfen, niedrigen

Türmen mit seitlicher Öffnung

und tiefen gemauerten Gruben. In ih-

Mallorca von A – Z 27

nen wurde früher mit viel Holz in wochenlanger

Heizerei Kalk gebrannt.

Gelöschter Kalk wurde hauptsächlich

als Mörtel zum Mauern verwendet,

aber auch als Anstrichfarbe für Innen-

und Außenwände. Auf den breiten

Wegen, die Köhler und Kalkbrenner

im Laufe der Jahrhunderte für ihre

Karren ausgebaut haben, kann man

bis heute auf Mallorca in die Bergwälder

hineinwandern.

Kapern

Die Kaper, wie so vieles, ein Geschenk

der Araber, wird heute hauptsächlich

um Llubi angebaut. Sie hat wunderschöne

Blüten, doch das eigentliche

Produkt, um das es geht, ist die Knospe.

Am wertvollsten und teuersten sind die

ganz kleinen Knospen, deren Ernte am

schwierigsten ist, weil man sie äußerst

vorsichtig abpflücken muss. Die Ernte

wird durch Dornen erschwert. Anschließend

werden die Kapern in Fässern mit

Salzlake eingeweicht, dann in Gläser

sortiert und mit Essig übergossen, um

sie haltbar zu machen. Auch die Früchte,

die sog. Kapernäpfel, sind – eingelegt

in Essig oder Öl – essbar.

Kastilisch

-> Spanisch

Katalanisch

Neben dem „Hoch-Spanischen“ die

zweite Hauptsprache auf Mallorca.

Seit der Autonomie der Balearen in

den 80er-Jahren des 20. Jh. tobt der

Streit zwischen den Anhängern des


28 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 29

Katalanischen (Mallorquinisch ist ein

Dialekt des K.) als Symbol der regionalen

Identität bzw. Unabhängigkeit

und den Verfechtern des Kastillischen

als Zeichen der Zugehörigkeit zur spanischen

Nation. Auf Mallorca wird

viel Wert auf die katalanische Tradition

gelegt, weshalb z.B. auch alle

Orts- und Straßennamen offiziell in

Mallorquinisch ausgewiesen werden,

z.B. „Peguera“ statt spanisch „Paguera“

oder „Cala Rajada“ statt „Cala

Ratjada“.

Katholische Kirche

Die Geschichte der

deutschsprachigen

katholischen Gemeinde

auf Mallorca

begann in den

1960er-Jahren. Der

Hildesheimer Priester Heinrich Hollemann

knüpfte die ersten Kontakte

zum Franziskanerkonvent in S’Arenal

und legte den Grundstein für die katholische

Betreuung der deutschen

Residenten auf der Insel. Das Haus St.

Michael wurde zunächst angemietet,

später erworben, umgebaut und angepasst.

Es gab sogar Gästezimmer.

St. Michael in S’Arenal war seit

mehr als 30 Jahren Pfarramt der katholischen

Gemeinde auf Mallorca.

Die deutschsprachigen Gottesdienste

in diesem Teil der Insel fanden dort

und in der Kirche La Porciúncula statt.

Zu Beginn des Jahres 2010 wurde

dann der Entschluss gefasst, das

in die Jahre gekommene und reno-

vierungsbedürftige Gemeindehaus

St. Michael aufzugeben. Zudem hat

sich der Tourismus in den vergangenen

Jahren ziemlich stark gewandelt,

was dazu führte, das Gemeindezentrum

nun nach Palma zu verlegen.

Dadurch wird sich vieles verändern.

In Palma leben kaum Residenten,

internationale Tagestouristen sind

die Mehrzahl. In S’Arenal lebten die

Deutschen. Andererseits ist Palma

das kulturelle, gesellschaftliche und

kirchliche Zentrum der Insel.

Der neue Mittelpunkt der deutschsprachigen

katholischen Gemeinde ist

nun die gotische Kirche Santa Cruz

(katalanisch: Santa Creu). Sie liegt

mitten in Palmas Altstadt in der Nähe

von Es Baluard. Hier wird der Gottesdienst

an jedem Sonntag um 12.00

Uhr in der Krypta gefeiert, dem ältesten

Teil der Kirche aus dem 13. Jh.

Keramik

Die Töpferei hat

auf Mallorca eine

lange Tradition

und erlebte ihre

Blütezeit unter der

Herrschaft der Araber.

Bereits im Mittelalter waren die

mallorquinischen Keramiken als „cerámica

mayolica“ (-> Majolika) bekannt.

Heute werden Teller, Töpfe, Schüsseln,

Schalen und weitere Küchenutensilien,

Dekorationsgegenstände,

Blumentöpfe, kleine Figuren (-> Siurells)

und sehr viel Kitsch aus Ton

angeboten.

Klima

Aufgrund seines milden Mittelmeerklimas

mit viel Sonne und angenehmen

Wassertemperaturen ist Mallorca

traditionell eines der beliebtesten

Reiseziele der Deutschen. Noch dazu

liegt es nur ca. zwei Flugstunden entfernt.

Doch gab es in den letzten Jahren

durchaus auch Perioden, in denen

man die Urlauber dafür bedauern

konnte, dass sie nicht im hochsommerlichen

Deutschland geblieben

sind, statt sich auf Mallorca täglich

den Urlaub durch Regen und kühles

Wetter vermiesen zu lassen.

So sind die Temperaturangaben der

einzelnen Monate Durchschnittswerte

mehrerer Jahre. Dass starke Abweichungen

möglich sind, haben die Erfahrungen

vor allem der vergangenen

Jahre gezeigt.

Januar

Von Badewetter kann im Januar bei

einer Wassertemperatur von maximal

15 Grad noch keine Rede sein. Lediglich

in den beheizten Wellnessbereichen

der Hotels macht das Baden

schon Spaß. Der Januar ist einer der

ruhigsten Monate und bietet sich für

Wanderungen oder Spaziergänge an

leeren Stränden an.

Februar

Die Sonnenscheindauer steigt ganz

langsam an und lässt den Frühling

ahnen. Wechselhaftes Wetter dominiert.

Regentage mit kalten Winden

sind möglich, aber auch schon richtig

warme Perioden. Beginn der Mandelblüte

und der Fahrradsaison.

März

Die Sonne scheint etwa sechs Stunden

am Tag, abends und nachts ist es

recht kühl. Beliebter Monat für Bergwanderungen.

April

Der Monat mit den meisten Regentagen.

Temperaturanstieg tagsüber

auf knapp 20 Grad. Ideal z.B. für

Wandern, Radfahren und Tennis.

Ganz langsam erwärmt sich auch das

Meerwasser.

Mai

Erstmalig sind sommerliche Temperaturen

möglich, auch abends ist die

Luft milder. Die Wassertemperatur

liegt je nach Wassertiefe bei etwa 17

bis 20 Grad. Der Monat bietet beste

Voraussetzungen für Aktivurlauber.

Juni

Neben dem Juli der regenärmste Monat.

Lufttemperatur tagsüber bei 26

Grad, Wassertemperatur erstmalig

über 20 Grad, laue Nächte. Ideal für

Familienurlaub und alle Outdoor-

Sportarten.

Juli

Konstante Wetterlage, heiße Tage mit

über 30 Grad, warme Nächte, selten

Regen. Beginn der Hochsaison auf

der Insel, Hotels und Strände sind

ausgelastet. Leichter Wind an den

Küsten macht die Hitze erträglich.

August

Höhepunkt der Hochsaison, obwohl

die Tagestemperatur bei über

30 Grad im Schatten liegt und jede


30

Aktivität lähmt. Auch nachts kaum

Abkühlung. Die Wassertemperatur

beträgt etwa 25 bis 28 Grad.

September

Immer noch Hauptsaison, erträglichere

Temperaturen am Tag, 27 Grad,

warme Nächte. Wassertemperatur immer

noch 24 Grad. An den Stränden

ist merklich weniger los als in den

Ferienmonaten. Schlechtwettertage

sind möglich.

Oktober

Keine Sommerhitze mehr, aber noch

genügend Wärme bis zu 25 Grad,

Wetter vergleichbar mit Mai, auch

was die Aktivitäten betrifft. Im Gegensatz

zum Frühjahr sind die Abende

und Nächte aufgrund der höheren

Wassertemperatur des Mittelmeers

angenehm mild. Die Regenwahrscheinlichkeit

steigt leicht. Wassertemperatur

noch über 20 Grad.

November

Das Wetter ist ähnlich wie im April,

Wasser und Luft können die gleiche

Temperatur haben. Ende der Reisesaison

auf Mallorca. Viele Hotels,

Restaurants und Kneipen machen

Winterpause.

Dezember

Milde Tagestemperaturen, kühle

Nächte. Beliebter Monat für Langzeiturlauber.

Sonst sind kaum Touristen

auf der Insel. In den Bergen sind kalte

Tage und frostige Nächte möglich,

in manchen Wintern fällt Schnee. Am

wärmsten ist es im Süden der Insel.

Mallorca von A – Z

Kliniken/Krankenhäuser

Mit der EuropäischenKrankenversicherungskarte,

die mittlerweile

bei nahezu allen

Krankenversicherungsgesellschaften

den Auslandskrankenschein

abgelöst hat, werden

Kosten für Behandlungen über die

jeweilige Krankenkasse gemäß den

deutschen Vorgaben (dem Merkblatt

der Versicherung zu entnehmen) abgerechnet

oder ersetzt.

Krankenhäuser auf Mallorca

Son Espases

Ctra Valldemossa, 79 (Ringautobahn

Via Cintura, Abfahrt Valldemossa)

07010 Palma (Mallorca), Spanien

Tel.: 0034-871-205000

Die Klinik ist auch gut mit dem Bus

zu erreichen, Linien 20, 29, 33 und

34. www.emtpalma.es/EMTPalma/

Front/listadolineas.de.svr

Son Llatzer

Ctra de Manacor (an der Strecke Palma

– Manacor in der Nähe von Son

Ferriol)

07198 Palma

Tel.: 0034-871-202000

Buslinie 14.

Fundación Hospital Manacor

Ctra. Manacor – Alcudia s/n

07500 Manacor

Tel.: 0034-971-847000

Fundación Hospital Comarcal d‘Inca

Carretera Inca-llubi, s/n

07300 Inca

Tel.: 0034-971-888500

Wo die Europäische Krankenversicherungskarte

nicht akzeptiert wird (z.B. in

Arztpraxen), muss bar bezahlt werden.

Ob und wie viel Erstattung dennoch

möglich ist, teilt die AOK in Palma auf

Anfrage (auch Mitgliedern anderer

Krankenkassen) mit. (Tel.: 0034-971-

714172 und 0034-971-710 436)

Eine Auslands-Reisekrankenversicherung,

die auch den Rücktransport

nach Hause mit einschließt, kann bei

vielen Versicherungen bereits unter

zehn Euro für sechs Wochen abgeschlossen

werden. Eine Auslandsversicherung

für lange Reisen gibt es z.B.

schon für 0,50 € pro Tag.

Wer im Besitz einer Kreditkarte ist,

sollte sich informieren, welcher Versicherungsschutz

damit abgedeckt ist.

Vor allem die Gold-Karten inkludieren

meist eine umfassende Krankenversicherung,

unabhängig davon, ob die

Reise mit der Karte bezahlt worden ist.

Köhler

In den Steineichenwäldern Mallorcas

sieht man noch heute jene runden

Gemäuer, die an die Köhler erinnern,

die noch bis vor 80 Jahren in diesen

Wäldern ihrer anstrengenden Arbeit

nachgingen. Auf den aus Steinen

kreisförmig angelegten Flächen waren

die Meiler errichtet. Alle etwa

hundert Meter befand sich solch ein

Meilerplatz. Wenn die Bäume rundherum

alle gefällt waren, musste weitergezogen

und ein neuer Meiler gebaut

werden. Erst nach 17 Jahren waren

die Bäume wieder so weit nachgewachsen,

dass man den Platz ein

weiteres Mal nutzen konnte. Auf diese

Weise wurden die Bäume selten höher

als zehn Meter, obwohl sie durchaus

mehr als die doppelte Höhe erreichen

hätten können.

Die Köhler und ihre Familien lebten

in den Sommermonaten auch im

Wald. Ihre Hütten bestanden aus runden

Steinmauern, die mit Gras und

Zweigen gedeckt waren. Die Köhler

mussten ihre Meiler ständig kontrollieren,

damit das gestapelte Holz

nicht in Flammen aufging. Nach zehn

bis 14 Tagen konnte die so gewonnene

Holzkohle entnommen werden.

König

Der wahre König von Mallorca heißt

nicht Jürgen Drews, sondern immer

noch Juan Carlos, genauer Juan Carlos

Alfonso Víctor María de Borbón y

Borbón-Dos Sicilias. Er regiert Spanien

seit Francos Tod im Jahre 1975.

Die spanische Königsfamilie verbringt

schon seit Jahrzehnten ihren


32 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 33

Urlaub auf Mallorca. Während dieser

Zeit wohnen sie im Almudaina-Palast,

ihrer offiziellen Residenz auf der Insel.

Im Sommer findet von Palma aus

die königliche Regatta „Copa del

Rey“ statt, an der sich stets auch Mitglieder

der Königsfamilie beteiligen.

Konsul(at)

Das Konsulat der Bundesrepublik

Deutschland (Consulado de la

República Federal de Alemania) befindet

sich in Palma de Mallorca, Calle

Porto Pi 8, ganz in der Nähe des

Kreuzfahrt-Terminals.

Seit Juli 2011 ist Regina Lochner

Konsulin auf der Insel, die seit mehr

als 25 Jahren im diplomatischen

Dienst tätig ist und nach Ankara,

Moskau und Chisinau (Rep. Moldau)

zuletzt in Sarajewo/Bosnien und Herzegowina

tätig war.

Das Konsulat ist die Behörde, welche

die Interessen der deutschen Bürger

im Ausland wahrt. Das schließt

einen Bürgerservice ein mit Passstelle

und Beratung in allen Familienangelegenheiten,

wie Eheschließung und

-scheidung, Geburt, Leben und Arbeiten

sowie Rentenangelegenheiten.

Außerdem wird bei Diebstahl, Verlust

und in Notfällen Hilfe geleistet.

Notarielle Hilfe leistet das Konsulat

im internationalen Urkundenverkehr

und bei amtlichen Beglaubigungen.

Kolumbus, Christoph

(Cristobal Colón, Cristoforo Colombo)

Genua oder Mallorca? Dass

Christoph Kolumbus

in Wirklichkeit

Mallorquiner

ist, versucht seit

1963 die auf Mallorca

ansässige

Gesellschaft „Asociación Cultural

Cristóbal“ zu beweisen. Eines ihrer

Gründungsmitglieder ist ein direkter

Nachfahre von Christoph Kolumbus,

der, wie der Historiker Gabriel Verd

Matorell herausgefunden haben

will und es so bereits 1984 in einem

Buch veröffentlicht hat, angeblich

in Felanitx als unehelicher Sohn

des Halbbruders von König Fernando

II. de Aragón, Prinz Carlos de

Viana, geboren worden sein soll.

Gegen die Mallorca-These spricht,

dass es Abweichungen beim genauen

Geburtsdatum gibt. Trotz fieberhafter

Forschungen sind bislang keine Beweise

über die Herkunft aus Felanitx

(Taufdokumente, Hinweise auf das

Wohnhaus der Großeltern und der

Mutter) zu finden gewesen. Aber für

die Gesellschaft „Asociación Cultural

Cristóbal“ ist das auch kein Gegenbeweis.

Vielmehr würde das Fehlen von

Beweisen zu einer italienischen Verschwörung

passen, nach der Kolumbus

ein Italiener aus Genua gewesen

sein soll.

Koordinaten

Mallorca liegt zwischen 39°15‘ und

39°57‘ nördlicher Breite und 2°19‘

und 3°28‘ östlicher Länge.

Korbflechterei

Aus den getrockneten und gebleichten

Blättern der Zwergpalme

werden Taschen, Körbe, Hüte, Schuhe

und Gürtel geflochten, ebenso Seile

für Kirchenglocken.

Das Zentrum der Korbflechterei war

und ist die Region um Capdepera, wo

schon 1899 eine Kooperation für die

Herstellung und Vermarktung dieser

Produkte gegründet worden ist. Auch

in der Region Artà ist die Kunst der

Korbflechterei („obra de llatra“) weit

verbreitet.

Krawattenknoten

Der Krawattenknoten „Nus de Sa Corbata“

ist Teil der berühmtesten Straße

Mallorcas. Der italienische Ingenieur

Antonio Paretti entwarf 1932 die

abenteuerliche Straße zur Bucht Sa

Calobra hinunter. Es sind zwar nur

4 km Luftlinie, doch die Straße überwindet

auf einer Strecke von 12,5 km

einen Höhenunterschied von 780 m.

12 Haarnadelkurven waren nötig

und der besagte Krawattenknoten,

der eine 270-Grad-Kurve beschreibt.

Die Geschwindigkeit ist auf 20 km/h

beschränkt.

Kreuzfahrtschiffe

In 2011 haben weit über 500 Kreuzfahrtschiffe

im Hafen von Palma

angelegt, die mehr als 1,5 Millionen

Passagiere an Bord hatten. In 2012

soll diese Zahl deutlich übertroffen

werden. Der größte Luxus-Liner, der

je in Palma anlegte, ist die „Liberty

of the Seas“ mit 4.200 Gästen an

Bord.

Unerschwinglich sind Kreuzfahrten

schon lange nicht mehr: Eine Kurzreise

mit der AIDAbella von Mallorca

nach Gran Canaria gibt es bereits ab

399 E.

Kriminalität

Wem auf Mallorca das Auto geknackt

und Rucksack und Radio gestohlen

wurden, der mag es vielleicht nicht

glauben, aber Mallorca ist im Großen

und Ganzen ein sicherer Ort – allein

schon deshalb, weil der Lieblingsfleck

der Deutschen eine überschaubare Insel

ist. Wird beispielsweise in Pollença

ein Wagen geklaut, wird er vielleicht

irgendwo zwischen Palma und Porto

Cristo wiedergefunden. Denn wo soll

der Dieb mit seiner Beute auch hin?

Spätestens im Rahmen der Kontrolle

bei der Überfahrt mit der Autofähre

aufs spanische Festland würde er geschnappt.


Trotzdem birgt die Insel ein paar Risiken;

vor einigen kann man sich aber

sehr gut schützen. Außerdem gerät

die Insel immer wieder einmal durch

spektakuläre Mordfälle (gerade mit

deutschen Opfern und Tätern) in die

Schlagzeilen. Darüber hinaus floriert

auf Mallorca der Drogenhandel. Dann

sei erwähnt, dass Steuerbetrug für viele

Mallorquiner an der Tagesordnung

steht. Und zu guter Letzt: Wie sicher

ist Mallorca seit den Terroranschlägen

der ETA im Sommer 2009?

Handtaschendiebe und Einbrecher

Dort, wo besonders viele, oder dort,

wo gar keine Menschen sind, ist –

wie überall – auch auf Mallorca am

wahrscheinlichsten mit Verbrechen

wie Raub, Diebstahl oder Einbruch zu

rechnen.

Da die mallorquinische Polizei gegen

Handtaschendiebe auf Wochenmärkten,

auf dem Flughafen oder am

Strand relativ machtlos ist, empfiehlt

sich überall, wo Menschengemenge

herrscht, der gute alte Brustbeutel.

Sollten Sie dennoch bestohlen

worden sein, ist es unbedingt ratsam,

den Diebstahl anzuzeigen. Auch

wenn kaum eine Chance besteht, den

Dieb zu fassen und die gestohlenen

Wertsachen zurückzubekommen, ist

die Anzeige außerordentlich nützlich,

denn das Anzeigeprotokoll dient zur

späteren Vorlage bei Versicherungen,

Kreditkartenunternehmen, Banken,

Pass- und Führerscheinbehörden.

Jede Polizeidienststelle auf Mallorca

nimmt Diebstahlanzeigen entgegen

– über die Notrufnummer

0034-902-102112 auch telefonisch

in deutscher Sprache.

Auch wer bis zum Abreisetag ungeschoren

davongekommen ist, darf

sich noch nicht in endgültiger Sicherheit

wiegen. Organisierte Banden haben

sich den Flughafen als Aktionsgebiet

ausgesucht. Sie treten meist zu

dritt auf: Einer steht Schmiere, einer

lenkt ab oder rammt den ahnungslosen

Opfern einen Gepäckwagen

in die Hacken, der Dritte klaut den

Koffer. Irgendetwas darin lässt sich

immer zu Geld machen.

Die Banden sind so gut organisiert,

dass die Polizei machtlos ist. Am besten

sollte man auf alles vorbereitet

sein und die Augen überall haben.

Wenn man zu zweit oder mehreren

reist, kann man gegenseitig aufeinander

und auf das Gepäck achten.

Leider sind auch Einbrüche in leer

stehende Fincas auf Mallorca keine

Seltenheit. Auch hier gilt: Auf jeden

Fall Anzeige erstatten! Damit es aber

gar nicht erst so weit kommt, rät die

Polizei, ein paar einfache Maßnahmen

zu ergreifen, wie zum Beispiel an

Lampen Zeitschaltuhren montieren

und das Haus mit einer Alarmanlage

mit Anschluss an einen privaten Sicherheitsdienst

versehen. Nützlich sei

es auch, die Nachbarn zu bitten, den

Briefkasten zu leeren. Eine gute Verbindung

zu den Nachbarn, auch wenn

diese einen halben Kilometer entfernt

wohnen, wirke oft Wunder, heißt es

auf dem Polizeipräsidium. So sollte

jeder, der fremde Menschen bemerkt,

die sich für ein bekanntes Grundstück

auffällig interessierten, seine Beobachtungen

der „policia local“ melden.

Auf diese Art und Weise sei es schon

gelungen, zahlreiche Einbrüche zu

verhindern. Denn anders lässt sich die

geringe Häufigkeit von Einbrüchen in

Gegenden mit wachsamen Menschen,

die das Gespräch mit der zuständigen

Polizei suchen, nicht erklären, erläutern

Beamte der „policia local“.

L

La Balanguera

1902/03 schrieb der mallorquinische

Dichter Joan Alcover i Maspons

ein Gedicht auf eine Frauenfigur mit

dem Namen Balanguera. 1926 vertonte

es der katalanische Komponist

Amadeu Vives i Roig, doch während

der Franco-Diktatur wurde das Lied

verboten.

Später erfreute sich die Balanguera

durch die Adaption der 1947 in Palma

de Mallorca geborenen Sängerin

Maria del Mar Bonet i Verdaguer immer

größerer Beliebtheit.

Mallorca von A – Z 35

La Balanguera ist ein Musikstück,

das von Solisten, Chören, Orchestern,

Musikgruppen, traditionellen Musikinstrumenten,

Dudelsack oder allem

zusammen aufgeführt und in unterschiedlichen

Rhythmen gesungen

und gespielt werden kann.

Seit 1996 ist La Balanguera die

Hymne Mallorcas. Die Inselregierung

hat sie an alle Länder der Europäischen

Union gesandt, verbunden mit

der Bitte, dass bei offiziellen Anlässen

mit Vertretern Mallorcas anstatt

der spanischen Nationalhymne diese

Hymne gespielt werde.

Auf Mallorca wird das Lied z.B. bei

Volksfesten wie der Fira de Sóller (siehe

„Moros y Christianos“) gesungen.

Dann liegen sich am Abend nach der

nachgestellten Schlacht Mauren und

Christen in den Armen und schmettern

mit Inbrunst die Balanguera.

www.youtube.com

La Moreneta

Die Legende besagt, dass im Jahr

1229 der kleine Lluc, ein maurischer

Hirtenjunge, dessen Eltern zum

Christentum übergetreten waren,

an einem Bachufer zwischen Felsen

eine Marienstatue aus dunklem Stein

gefunden habe. Noch am selben Tag

wurde die Figur in die Kapelle Sant

Pere d’Escorca gebracht. Am folgenden

Tag, einem Sonntag, kamen

die Bewohner der Region, um der

Madonna zu huldigen, doch sie war

nicht mehr da. Stattdessen fand man

sie wieder an der Stelle, wo Lluc sie


36 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 37

am Vortag entdeckt hatte. Wieder

brachte man sie nach Escorca und

am nächsten Tag wiederholte sich

alles: Die Figur war aus der Kapelle

verschwunden und tauchte am Bach

wieder auf. Daraufhin beschloss der

Pfarrer von Escorca, der Gottesmutter

zu Ehren eine Kapelle am Fundort der

Marienstatue errichten zu lassen.

So entstand 1230 das „Santuari de

Santa Maria de Lluc“, in dem die „Mare

de Déu de Lluc“ bis heute verehrt wird.

Aus der Kapelle ist die prachtvolle

Wallfahrtskirche hervorgegangen und

die „la Moreneta“, die dunkle Madonna,

wurde zur Schutzheiligen der Insel.

Jedes Jahr kommen fast eine Million

Besucher in den Ort. Seit 1974

machen sich Jahr für Jahr im August

Tausende, meist junge, Menschen

auf, um beim „Marxa des Güell a

Lluc a peu“ von Palma nach Lluc zu

pilgern.

„La Moreneta“ hat ihren Platz hinter

dem Hauptaltar der Kirche gefunden.

Sie steht auf einem Podest

in einer verzierten Nische. Durch die

räumliche Trennung vom Langhaus

entsteht der Eindruck einer kleinen

Kapelle mit Altar und Kniebänken.

Die Madonna trägt das Jesuskind

auf dem linken Arm und zeigt mit

ihrer rechten Hand darauf. Das Kind

hält ein geöffnetes Buch mit den

Buchstaben A für Alpha, den ersten,

und Ω für Omega, den letzten Buchstaben

des griechischen Alphabets,

in den Händen, symbolisch für Jesus

Christus als Ersten und Letzten.

Landschaftszonen

Mallorca ist in sechs Landschafts-

zonen („comarques“) untergliedert:

Im Nordwesten das gesamte Tramuntana-Gebirge

„Serra de Tramuntana“.

Daran schließt sich von der

Halbinsel von Alcúdia bis Palma die

Region „Raiguer“ an. Die Region Palma

ist eine „comarca“ für sich. Den

Südosten von Palma bis Felanitx bildet

der „Migjorn“. Daran schließt sich

an die Region „Llevant“ im Osten der

Insel. Das gesamte überwiegend flache

Gebiet dazwischen ist die „Plà de

Mallorca“.

Jede Region ist von bestimmten

Witterungsverhältnissen geprägt und

hat ihre eigene Lebensart und Tradition

entwickelt.

-> Winde.

Landwirtschaft

Früher einmal

waren Landwirtschaft

und Viehzucht

als Haupterwerbsquellen

ein bedeutender

Wirtschaftsfaktor auf Mallorca. Mittlerweile

macht der Tourismus das

Rennen.

Die Viehzucht konzentrierte sich

seit jeher auf Ziegen- und Schafhaltung,

seit den 1970er-Jahren überwiegt

jedoch die Milchvieh- und

Schweinehaltung. Vor allem werden

die „cerdos negros“ gezüchtet, die

mallorquinischen schwarzen Schweine,

die allerdings eine Minderheit ge-

gen die rosa Hausschweine sind.

Mangels ertragreicher Weiden gibt

es keine nennenswerte Rinderhaltung.

Einen geringen Anteil nimmt

die Geflügelzucht ein. Das Fleisch

dient heute hauptsächlich der eigenen

Versorgung. Der Bedarf der großen

Hotels wird durch billigere Importe

aus dem Ausland gedeckt.

Alles in allem nimmt die landwirtschaftliche

Nutzfläche etwa drei

Viertel der gesamten Inselfläche ein.

Angebaut werden in erster Linie Futterpflanzen

sowie Getreide, vor allem

in den Ebenen von Palma, Campos

und Sa Pobla, wo ein Bewässerungs-

Feldbau möglich ist. Außerdem werden

Mandelbäume, Feigen, Johannisbrot,

Kernobst, Olivenbäume, Orangen,

Zitronen und Wein angebaut.

Viele alte Getreidemühlen,

Schöpfräder, Bewässerungskanäle,

Hecken, Mauern und Dreschplätze

weisen auf bessere Zeiten in der

mallorquinischen Landwirtschaft

hin. Nicht nur der Tourismus hat für

seinen Rückgang gesorgt. Landwirtschaftliche

Nutzfläche („suelo rustico“)

ist das einzige Land, das noch

relativ günstig zu kaufen ist. Schon

jetzt sind große Flächen Ackerland

im Großraum Palma von Bauunternehmern

aufgekauft worden. Noch

darf es nicht bebaut werden, doch

wenn eine spätere Regierung eine

Bodenreform durchführt und die

Nutzungsrechte verändern sollte,

wird sich die Landwirtschaft noch

nachhaltiger wandeln.

Lechona

-> Spanferkel

Leder

-> Schuhe

Leuchttürme

Die Leuchttürme

auf Mallorca sollen,

wenn es nach

der spanischen

Zentralregierung

geht, mehr sein als

nur Leuchtfeuer. Restaurants, Hotels

und Museen sollen dort Einzug halten.

Von den betriebsbereiten Leuchttürmen

der Insel haben bisher nur

wenige eine zusätzliche Nutzung. So

befindet sich im Cabo de Formentor

schon lange eine Bar, in Ses Salines

haben sich Meeresforscher ein Büro

eingerichtet und auf Dragonera und

Cabrera beherbergen Leuchttürme

kleine Museen.

Liste der Leuchttürme in alphabetischer

Reihenfolge ihrer Standorte:

Faro Isla de Aucanada (Alcanada)

in der Bahia d‘Alcúdia

Far des Cap Blanc, Cabo Blanco

Punta Sabate, Cabo del Pina

Punta Anciola, Cabrera

Cala Llebeig, Cabrera

Torre d’en Beu, Cabo de Cala Figuera

Punta des Forti an der Cala Llonga

bei Cala d‘Or

Cabo de Pera, Mallorca

Far de Capdepera, Cala Rajada

Faro Llebeig, Sa Dragonera

Cap Tramuntana, Sa Dragonera


38

Cabo de Formentor (Cala Pi)

Punta Puntassa, Colònia Saint Jordi

Palma, Nordmole des Hafens von Palma

de Mallorca

Faro de Porto Colom am Punta de la

Farola

Faro Porto Pi, Palma de Mallorca (der

älteste Leuchtturm Mallorcas, erbaut

im 14. Jh., seit 17. Jh. Signalturm, seit

1613 Leuchtturm)

Puerto de Palma, Antiguo Faro del

Muelle de levante

Faro de La Riba (fuera de uso), Palma

de Mallorca

Punta de la Avanzada, Pollenca

Faro de sa Mola, Port d’Andratx

Punta de Sa Creu/Punta de la Cruz,

Port de Sóller

Far des Cap Gros (Cabo Gros), Punta

Grossa, Port de Sóller

Punta de sa Torre, Porto Petro

Far des Cap de ses Salines, Punta

Salinas

Balisa de la Punta Plana, S‘ Estanyol

(El Estañol)

Literatur

In den letzten Jahren ist eine deutliche

Zurückhaltung bei der Neuveröffentlichung

von Mallorca-Literatur zu

erkennen, abgesehen von Kriminalromanen.

Nur wenige Werke schaffen es, sich

einen weiteren Leserkreis zu erschließen.

Hierzu gehören vor allem die

fünf Mallorca-Bände von Peter Kerr,

dem schottischen Bestsellerautor,

der mit seiner Familie drei Jahre lang

eine kleine Finca im Sóller-Tal betrie-

Mallorca von A – Z

ben hatte. Von Licht und Schatten

dieser Erfahrung erzählen seine augenzwinkernden

Mallorca-Memoiren,

die unter den Titeln „Im Tal der Orangen“,

„Mañana“, „Manana“ und „Viva

Mallorca“ zwischen 2000 und 2006

in deutscher Übersetzung erschienen.

„A Basket full of Snowflakes“ und

das Abschlusswerk „From Paella to

Porridge“ warten noch auf ihre deutsche

Veröffentlichung. Wer typisch

britischen Humor schätzt und ein

Faible für die Marotten der Mallorquiner

hat, der findet in Kerrs Chroniken

eine kurzweilige und zuweilen sogar

erhellende Lektüre. Dass sich dabei

etliches wiederholt, bleibt nicht aus

und stört auch nicht besonders, trägt

aber dazu bei, dass Klischees eher bestätigt

als aufgebrochen werden. Als

Fazit erschrickt dann ein wenig die

Tatsache, dass drei Jahre Mallorca,

drei Jahre Traum vom sonnigen Süden,

offensichtlich genug waren, die

Kerrs wieder mit Sack und Pack in ihre

kalte und feuchte schottische Heimat

zurückzuschicken …

Von der Carme Riera erschien

2000 in deutscher Sprache „Ins fernste

Blau“, ein Roman über die Verfolgung

der mallorquinischen Juden im

17. Jahrhundert.

2001 erschienen „Galopp in die

Finsternis“, ein Roman des mallorquinischen

Schriftstellers Baltasar Porcel,

und „39 Grad im Schatten“ von Antonia

Vicens.

Hohe Literatur auf Augenhöhe mit

Carme Riera liefert die mallorquini-

sche Literaturprofessorin Maria de la

Pau Janer mit ihrem Epos „Im Garten

der Finca“ aus dem Jahre 2002 (deutsche

Ausgabe 2004). Ein „Frauenroman“

im positiven Sinne, der aus weiblicher

Perspektive drei Generationen

einer mysteriösen mallorquinischen

Familie umfasst – eher voll schwüler

Sinnlichkeit und gepflegter Langeweile

als ein Actionthriller, aber brillant

geschrieben und kongenial übersetzt.

Einen Mallorca-Schmöker für

Freunde historischer Romane gibt es

von Eric Maron seit 2005 unter dem

Titel „Die Rebellinnen von Mallorca“.

2007 erschienen in Deutschland

zehn Bände von mallorquinischen

Schriftstellern:

Maria-Antonia Oliver, Joana E.

Pau Faner, Auf Wiedersehen im

Himmel

Gabriel Janer Manila, Entflammte

Gärten

Guillem Frontera, Ein überreifes Herz

Baltasar Porcel, Verstorbene unter

blühenden Mandelbäumen

Maria de la Pau Janer, Morgenland,

Abendland

Rosa Planas, Die Stadt der wehrlosen

Spione

Antonia Vicens, Verdorrte Erde

Antoni Vidal Ferrando, Monde und

Kröten

Antoni Serra, Die Allee im Dunklen

Leichte Sommerlektüre sind die

Romane „Rückflug zu verschenken“

und „Ticket ins Paradies“ von Gaby

Hauptmann.

2011 erschien der historische Roman

„Die Mallorca-Bruderschaft“ von

Ralf Kelten.

Llebeig

Der Wind aus Süd-Südwest. Bringt

mit feuchter Wärme das Azorenhoch

nach Mallorca.

Llengua

-> Bujosa, -> Zungenstoff, -> Ikatweberei

Llevant

Der laue Wind aus dem Osten. Im

Sommer sorgt er für warmes Mittelmeerklima,

im Winter kann er sich

zum Orkan steigern. Landschaftlich

komplett im Osten Mallorcas gelegen,

ist die Region typisch für die Garrigue

mit Kalkböden, Geröll, Ginster- und

Mastixsträuchern, Heidekraut, Aleppokiefern,

Pinien, Oliven, Lavendel, Zistrosen,

Oliven und vielen Wildblumen.

Llull, Ramon

(1232–1316) Dichter und Gelehrter,

der seine Werke aus dem katholischen

Glauben heraus schuf und auf

Katalanisch verbreitete. Er bereiste

die arabische Welt und lehrte deren


40 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 41

Sprache an Universitäten in Paris,

Oxford, Bologna und Salamanca.

1315 wurde er auf einer Reise durch

Algerien von aufgebrachten Moslems

gesteinigt, konnte jedoch fliehen und

verstarb ein Jahr später auf Mallorca.

Beigesetzt wurde er in Sant Francesc

in Palma. Er wurde von Papst Pius IX.

seliggesprochen.

Ludwig Salvator

Ludwig Salvator (1847–1915) war

Erzherzog von Österreich und Sohn

des Großherzogs der Toskana. Schon

in jungen Jahren war der Habsburger

der Natur sehr zugetan. Die Beamtenlaufbahn

lag ihm nicht, die militärische

Laufbahn einzuschlagen,

kam für ihn auch nicht in

Frage. Im Alter von 20 Jahren

begab er sich auf Reisen

und lernte zum ersten

Mal die Insel Mallorca

kennen. Mit der Erlaubnis

des Kaisers und einer jährlichen

Apanage von 100.000 Kronen

ließ er sich auf Mallorca nieder. Zwischen

1872 und 1901 erwarb er nach

und nach das ganze Küstengebiet

zwischen Valldemossa und Deia und

besaß damit einen ausgedehnten Besitz

in der landschaftlich schönsten

Region Mallorcas.

Der Erzherzog liebte die Insel und

forschte in allen Bereichen, um so viel

wie möglich über seine Wahlheimat

in Erfahrung zu bringen. Das Ergebnis

war ein neunbändiges Werk mit dem

Titel „Die Balearen in Wort und Bild“,

wobei die Illustrationen von ihm persönlich

gezeichnet worden sind. Es

gibt kein vergleichbares Werk, das

umfassender über Natur, Kultur und

Geschichte der Inseln informiert. Die

Beschreibungen der Schönheiten

Mallorcas haben wohl nicht unwesentlich

zum frühen Tourismus auf

der Insel beigetragen.

Auf der Weltausstellung in Paris

wurde das Werk mit einer Goldmedaille

ausgezeichnet.

Ludwig Salvator tat viel für Mallorca,

was noch bis in die heutige Zeit

nachverfolgt werden kann. So sorgte

er dafür, dass neu gebaute Straßen

und Wege sich harmonisch in

das Landschaftsbild einfügten.

Er machte Aussichtspunkte

bequemer erreichbar und ließ

den Wäldern auf seinen

Besitztümern eine besondere

Pflege angedeihen.

Durch seine Unterstützung

konnte die Erschließung der

Drachenhöhlen finanziert werden.

Eine große Leidenschaft war ihm

das Sammeln von mallorquinischem

Liedgut und Volksmärchen der Insel.

„S‘Arxiduc Lluis Salvador“ war bei

den Mallorquinern sehr beliebt. Er

gab sich stets einfach und bescheiden,

wenn auch seine Anwesen recht

prunkvoll ausgestattet waren.

Miramar, das er 1872 als Erstes erwarb,

war ursprünglich eine 1276 von

Ramon Llull (-> Llull, Ramon) gegründete

Missionsschule, in der angehenden

Missionaren, die in Spanien und

Nordafrika die Mauren zum Christentum

bekehren sollten, arabische Sprachen

gelehrt wurden. 1457 entstand

hier die erste Druckerei auf Mallorca.

Ludwig Salvator empfing hier seine

Gäste, zu denen unter anderem auch

seine Cousine Sissi, die Kaiserin Elisabeth

von Österreich, gehörte.

Heute befindet sich in Miramar ein

Museum, in dem Exponate gezeigt

werden, die mit Ramon Llull und Ludwig

Salvator in Verbindung stehen.

Son Marroig war bis 1913 der

Hauptwohnsitz Ludwig Salvators. Er

erwarb es 1883 von der Familie Moragues.

Das Gebäude wurde im 17.

Jahrhundert errichtet und von ihm

im italienischen Stil umgestaltet. Ein

Schmuckstück im Garten des Anwesens

ist der kleine runde Marmorpavillon

auf einem Felsvorsprung über

dem Meer. Es gibt kaum einen Bildband

oder Reiseführer, der nicht ein

Bild von der Loggia über den Garten

zum Pavillon mit dem Meer im Hintergrund

zeigt.

Seit 1928 befindet sich im Gebäude

ein Museum mit vielen Gegenständen

aus dem Besitz des Erzherzogs.

Im Stil Liparischer Landhäuser von

Ludwig Salvator selbst geplant, ist

das Haus S’Estaca, das heute von

Hollywoodstar Michael Douglas bewohnt

wird.

Seine Liebe zum weiblichen Geschlecht

hat er, im Gegensatz zur

Natur und Kultur Mallorcas, nicht dokumentiert.

Daher kann man nur Vermutungen

anstellen über die Anzahl

der Konkubinen und Kinder, die ihm

nachgesagt werden. Seine Liebe gehörte

vor allem Catalina Homar, der

Tochter eines Tischlers. Sie durfte ihn

auf seinen Reisen mitunter begleiten

und besuchte mit ihm sogar den kaiserlichen

Hof in Wien. Catalina Homar

starb 1905 an Lepra, mit der sie

sich auf einer Reise nach Palästina

infiziert hatte.

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs

zwang Ludwig Salvator 1914 zur

Rückkehr auf das von seinem Vater

geerbte böhmische Schloss Brandeis.

Am 12. Oktober 1915 ist er dort an

einer Blutvergiftung gestorben. Die

letzte Ruhestätte des Erzherzogs Ludwig

Salvator, der zeitlebens die Natur

geliebt hat, ist nicht etwa auf seinem

Landgut Miramar auf Mallorca unter

südlicher Sonne, sondern in der fensterlosen

Kapuzinergruft in Wien.

Den Mallorquinern ist bewusst,

welche Bedeutung ihr „Arxiduc“ für

die Insel hatte. Zahlreiche Straßen

und Plätze in verschiedenen Orten

sind nach ihm benannt.

Luftfahrt

Die Geschichte der

Luftfahrt auf Mallorca

beginnt im

Jahr 1910, als Lucien

Mamet zum

ersten Mal ein

Flugzeug von der Insel starten lässt.

Sechs Jahre später gelingt es Salvador

Hedilla, in zwei Stunden von Barcelona

nach Palma zu fliegen.


42

1921 wurde die Gesellschaft Aero

Matítima gegründet. Die Basis für die

Wasserflugzeuge war in Es Jonquet.

Nur zwei Jahre später wurde das Unternehmen

eingestellt.

1923 entstand in Portocolom die erste

Flugschule für Wasserflugzeuge.

1935 beginnt die LAPE (Líneas Aéreas

Postales Españolas), eine Vorgänger-Gesellschaft

der Iberia, mit regelmäßigen

Flügen von Son Sant Joan

zum Festland. Während des Spanischen

Bürgerkriegs wird der Flugplatz

für militärische Zwecke genutzt.

1939 wird Son Bonet Hauptflugplatz

der Insel.

Aufgrund gestiegenen Passagieraufkommens

wird 1960 der gesamte

Flugverkehr nach Son Sant Joan verlegt.

Von 1962 bis 1981 verhundertfachen

sich die Passagierzahlen von

zunächst 1 Mill. auf 100 Mill., Tendenz

steigend.

1987 wird eine zweite Start- und Landebahn

eingeweiht.

1997 wird das neue Terminal nach

3½ Jahren Bauzeit eingeweiht.

2010 Eröffnung eines neuen Abflugbereiches,

der für eine Kapazität von

32 Mill. Passagieren pro Jahr ausgelegt

ist.

M

Majolika

Von dem alten italienischen Wort für

Mallorca abgeleitete Bezeichnung

für Keramik oder Steingut mit weißer

Mallorca von A – Z

Zinnglasur und meist mit Bemalung.

Mallorquinisch

Insel-Dialekt des -> Katalanischen

Mandelblüte

Wenn die Araber

nicht vor mehr

als 1.000 Jahren

die ersten Mandelbäumeangepflanzt

und kultiviert

hätten, wäre Mallorca um eine

wesentliche Attraktion ärmer. Nach

dem Abzug der Araber haben die

mallorquinischen Bauern den Mandelanbau

weitergeführt.

Nach 10–15 Jahren ist ein Mandelbaum

voll entwickelt und bringt etwa

45 Jahre lang reichen Ertrag. Danach

ist er ausgemergelt und verfällt. Die

Ernte erfolgt im Spätsommer. Die

Mandeln werden vom Boden aufgelesen

oder mit Stöcken abgeschlagen.

Zur Blütezeit in den ersten Monaten

eines jeden Jahres werden Es Pla

und der Raiguer in ein rosa bis weißes

Blütenmeer getaucht. Die Mandeln

werden zu Kuchen, Konfekt, Schokolade,

Likör, Öl, Seife und weiteren

Produkten verarbeitet.

Inzwischen ist der Mandelanbau

auf der Insel zurückgegangen, weil

die Bauern mehr Geld durch den Verkauf

ihrer Felder erzielen.

Mandeln

Süßmandeln werden zur Herstellung

von Marzipan verwendet. Auch der

Rohstoff für den bekannten und beliebten

Niederegger Marzipan aus

Lübeck besteht unter anderem aus

mallorquinischen Mandeln.

Mandeln werden für süße und salzige

Knabbereien und Kuchen verwendet.

„Licor de Almendra“ ist ein

Mandellikör.

Aus Mandelblüten „Flor d’Ametler“

werden Parfüm und Seife hergestellt.

Bittermandeln enthalten Blausäure

und sind nicht zum Verzehr geeignet.

Ihr Öl wird in der Kosmetikindustrie

geschätzt.

March, Juan

Kein anderer Name ist auf Mallorca

so gegenwärtig wie der Name

„March“. Die Banca March, 1926 von

Juan March Ordinas gegründet, ist

auf Mallorca in 79 Orten vertreten,

allein in Palma gibt es 43 Filialen.

Wer hätte gedacht, dass der Sohn

eines Viehhändlers einmal ein millionenschweres

Familienimperium begründen

würde! Juan March wurde

1880 in Santa Margalida geboren.

Es heißt, dass er seine ersten Peseten

bereits in der Schule verdient habe,

indem er seine Mitschüler gegen

Bezahlung an einer Zigarette ziehen

ließ. Seine wirtschaftliche Begabung

war nicht zu übersehen. Er handelte

Mallorca von A – Z 43

mit Schweinen und Grundstücken,

war äußerst erfolgreich im Tabakschmuggel,

hatte ein Straßenbahn-

und ein Schifffahrtsunternehmen. Im

1. Weltkrieg betrieb er Handel mit

allen Parteien, er beteiligte sich an

der Finanzierung des Putsches, der

zum Spanischen Bürgerkrieg führte.

Über die Banca March sollen die britischen

Schmiergelder für die Militärs

geflossen sein, mit denen die Neutralität

Spaniens im 2. Weltkrieg erwirkt

werden sollte.

Nach dem Krieg gründete er Stiftungen,

investierte in Zeitungen und

politische Parteien und mehrte sein

Vermögen.

1962 starb Juan March im Alter

von 83 Jahren an den Folgen eines

Autounfalls.

Seine Nachkommen führen sein

finanzielles Vermächtnis erfolgreich

fort. Im Bankenstresstest 2010

schloss die Banca March als sicherste

Bank Europas am besten ab.

Märkte

Nicht alle Wochenmärkte der Insel

sind gleichermaßen attraktiv. Manchmal

handelt es sich nur um einfache

Obst- und Gemüsemärkte zur Versorgung

mit Waren des täglichen Bedarfs.

Spektakulärer ist da schon der Mittwochsmarkt

in Sineu. Er gilt als der beste

Markt der Insel. Eine Besonderheit

ist der Viehmarkt, wo vom Küken bis

zum Pferd allerlei Haus- und Hoftiere

gehandelt werden. Sehenswert, wenn


44 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 45

auch zum Teil ziemlich touristisch, sind

die Märkte in Alcúdia, Inca, Son Servera

und Llucmayor. Größere Orte verfügen

auch über Markthallen: Palma,

Inca, Manacor, Sóller. Sehr schön ist

der tägliche Markt in der Markthalle

von Santa Catalina in Palma.

Wochenmärkte auf Mallorca:

Montags: Calvia, Caimari, Lloret,

Llucmajor, Manacor, Montuiri

Dienstags: Arenal, Artà, Alcúdia,

Campanet, Llubi, Porreres, Santa Margalida,

Can Pastilla, Pina

Mittwochs: Andratx, Capdepera, Petra,

Port de Pollenca, Pont d‘Inca, Selva,

Sineu, Vilafranca, Colonia de Sent

Jordi, Santanyí, Llucmajor, Sencelles

Donnerstags: Ariany, Campos, Consell,

El Arenal, Inca, Portol, Sant Joan,

Sant Llorenc, Ses Salines, Calonge,

Can‘Pastilla

Freitags: Algaida, Can Picafort, Llucmajor,

Son Ferrer, Maria de la Salut,

Sa Cabaneta, Son Servera, Inca, Binnisalem,

Son Carrio

Samstags: Bunyola, Buger, Cala Rajada,

Costix, Lloseta, Santa Eugenia,

Campos, Esporles, Sóller, Santanyi,

Alaro, Manacoer, Portocolom, Santa

Magalida

Sonntags: Santa Maria, Felanitx,

Inca, Llucmajor, Muro, Pollenca, Porto

Cristo, Sa Pobla, Alcúdia

Mauren

-> Araber aus Nordafrika

Mautgebühren

Das Benutzen der Autobahnen ist

kostenlos. Mautgebühren fallen für

den Sóller-Tunnel an: Die einfache

Fahrt kostet für PKW 4,70 €.

Melonen

Der Melonenanbau

hat auf Mallorca

eine lange

Tradition. Das

bekannteste Anbaugebiet

ist das

etwa 10 km von Manacor entfernte

Vilafranca de Bonany.

Mestral

Der Wind aus Nord-Nordwest bläst

die Wolken fort und sorgt für blauen

Himmel.

Migjorn

Der Wind aus dem Süden sorgt im

Sommer für Gluthitze, doch er verleiht

dem Frühling und dem Herbst sommerliche

Tage. Landschaftlich ist es der

Teil Mallorcas, wo der wenigste Regen

fällt, zwischen Palma und der Serra de

Llevant. Landwirtschaftlich wird der

Migjorn wenig genutzt, dennoch ist er

dichter besiedelt als der Rest der Insel.

Milch

Das Zentrum der Milchwirtschaft von

Mallorca lag und liegt in der Region

um Campos im Süden der Insel. Dort

existierten vor 50 Jahren noch etwa

200 Milchbauern mit jeweils bis zu

20 Kühen. 35 Jahre später waren es

nur noch 170 auf der gesamten Insel.

Inzwischen ist ihre Zahl auf rund 30

zurückgegangen mit etwa 200 Kühen

pro Betrieb. Jede Kuh gibt ca. 9.000

Liter Milch pro Jahr. Das Futter, das

sie bekommen, stammt vom eigenen

Land.

88 % der auf Mallorca konsumierten

Milch kommt heutzutage

nicht von der Insel, sondern wird

vom Festland importiert. Die Zahl

der Milchbauern ist in den vergangenen

Jahrzehnten mehr und mehr

zurückgegangen. Inzwischen liegt der

Produktionspreis pro Liter 5–10 Cent

über dem Verkaufspreis. Durch die

billigere Milch aus den Überschüssen

des internationalen Markts sind viele

Bauern zur Aufgabe gezwungen

worden.

Mirador

Spanisch für Aussichtsturm, Aussichtspunkt.

Besonders schöne „miradores“:

Mirador Punta de la Nao/Formentor,

Mirador de Ses Animes zwischen Estellencs

und Banyalbufar, Mirador de Na

Foradada bei Son Marroig, Mirador de

Ses Barques an der C-710 oberhalb von

Port de Sóller.

Miró, Joan

(1893–1983) Miró war ein katalanischer

Maler, Grafiker, Bildhauer und

Keramiker, der schon zu Lebzeiten als

einer der größten Künstler seiner Epoche

galt. 1956 ließ er sich auf Mallorca

nieder, wo er bis zu seinem Tod

lebte. Seine Mutter und seine Frau

Pilar stammten von der Insel.

Das Museum „Fundació Pilar i Joan

Miró“ in Cala Major bei Palma besteht

aus dem Wohnhaus und dem Atelier

Mirós. Aus Sorge, sein künstlerisches

Umfeld könne nach seinem Tod in

Vergessenheit geraten, hat Joan Miró

bereits zu Lebzeiten seine Ateliers mit

allen Hinterlassenschaften der Gemeinde

Palma vermacht mit dem Ziel

„der Förderung und Verbreitung von

künstlerischen Erkenntnissen und der

Erleichterung kreativer Arbeit künftiger

Künstler in engem Kontakt mit

allen Bevölkerungsbereichen“.

Nach Mirós Tod, nachdem seine

Witwe auch die Grundstücke der Stiftung

übertragen hatte, wurde zusätzlich

ein neuer Museumsbau gebaut

und 1972 eingeweiht.

Moros y Cristianos

(Mauren und Christen) Bei diesem

Fest, auch „Es Firo“ genannt, wird je-


46

des Jahr am zweiten Wochenende im

Mai an den 11. Mai 1561 erinnert, als

es den Einwohnern von Sóller gelang,

den Angriff einer Flotte von 21 algerischen

Galeeren erfolgreich zurückzuschlagen.

Die Nachricht von der Invasion wurde

über Leuchtfeuer von Wachtürmen

verbreitet und es dauerte nur neun

Minuten, bis sie in Palma ankam.

Die Bevölkerung von Sóller wehrte

sich mit Händen und Füßen, Schwertern

und Spießen und die Frauen mit

den hölzernen Sperrbalken der Tore.

Durch sie wurden letztendlich die Angreifer

in die Flucht geschlagen.

In Port de Sóller gehen die schwarz

angemalten „Moros“ (die am Vormittag

den Hafen in Fischerbooten verlassen

hatten) am Spätnachmittag

wieder an Land. Der Überfall beginnt,

doch sie werden von den „Cristianos“

gebührend empfangen.

Dabei ist jeweils der gesamte Ort

auf den Beinen. Auf der einen Seite

befinden sich die bunt gekleideten,

abenteuerlich geschminkten, Holzsäbel

schwingenden Mauren, auf der

anderen Seite die Verteidiger mit

Holzknüppeln. Sie liefern sich eine

erbitterte Schlacht, Schüsse fallen

(noch Wochen später findet man

überall leere Platzpatronen-Hülsen)

und erwartungsgemäß werden die

Mauren in die Flucht geschlagen.

Nachdem die Fronten geklärt sind,

ziehen Mauren und Christen gemeinsam

in die Stadt, nach Sóller. Inmitten

eines volksfestartigen Rummels

Mallorca von A – Z

mit Tanz, Kinderfest, Ausstellungen

und Jahrmarkt feiern Alt und Jung.

In den Abendstunden erreicht das

Fest seinen Höhepunkt: Mauren und

Christen liegen sich in den Armen

und singen aus voller Kehle ihre Nationalhymne,

die -> Balanguera.

Pollensa feiert

dieses Fest am

2. August und erinnert

dabei an

den Überfall von

1550.

Motorrad

Auf Mallorca gibt es viele Orte und

Regionen, die mit dem Motorrad besser

als mit dem Auto und bequemer

als mit dem Fahrrad zu erreichen

sind. Auf dem gut ausgebauten Straßennetz

lässt sich praktisch jeder

Punkt der Insel anfahren. Abseits der

Hauptstrecken kann man die Landschaft

auf einsamen Wegen genießen

oder auch einmal austesten, was die

Maschine hergibt.

Motorradfans, die Mallorca mit einer

Harley, einer BMW oder mit einem

ganz „normalen“ Motorrad erkunden

möchten, können getrost darauf verzichten,

dafür die lange Anreise mit

der eigenen Maschine auf der Straße

auf sich zu nehmen. Es gibt zahlreiche

Firmen, die TÜV-geprüfte Motorräder

in optisch und technisch einwandfreiem

Zustand vermieten. Die meisten

dieser Unternehmen bieten deutschsprachige

Beratung und einen inselweiten

Zubringerdienst. Auch werden

geführte Tages- und Mehrtagestouren

angeboten.

Im Mietpreis enthalten sind in der

Regel Miete, Vollkasko-Versicherung,

MWST, alle Kilometer, Pannenhilfe

und bei Bedarf Helm (auf Mallorca

besteht Helmpflicht für Biker), Nierengurt

und Handschuhe.

www.mallorcabike.de

www.mallorca-motorbike.com

www.auto-vermietung-mallorca.

de/motorrad.verleih.htm

www.ht-baleares.com

www.nicebike.de/motorradreisemallorca.html

www.mallorquin-bikes.de

Jedes Jahr im April steht Mallorca

ganz im Zeichen des Motorrades.

Die „Volta Internacional a Mallorca

en Moto“, die seit 1976 regelmäßig

von der mallorquinischen Motorradvereinigung

veranstaltet wird, fand

2011 zum 35. Mal statt. Es wurde mit

5.500 Teilnehmern ein absoluter Rekord

verzeichnet.

Die Volta ist kein Motorradrennen,

sondern ein gemeinsamer Ausflug,

eine Inselrundfahrt über 350 km. Es

gilt Entspannung vor Vollgas. Die

Teilnehmer kommen aus allen gesellschaftlichen

Bereichen und umfassen

ein breites Altersspektrum. Sie

formieren sich in den Avenidas rund

um die Plaça d’España in Palma. Der

Start ist immer etwas chaotisch, aber

wenn man die engen Gassen und die

Ampeln hinter sich gelassen hat und

in Richtung Andratx donnert, wird es

lockerer. Die Strecke führt über die

gesamte Tramuntana, fakultativ nach

Sa Calobra, von Alcudia nach Artà

und über das Inselinnere zurück nach

Palma. Bei mehr als 5.000 Bikern ist

diese Fahrt nicht für jeden ein reines

Vergnügen.

Alle, die nicht selber fahren, sich

aber für Motorräder begeistern können,

kommen jedoch als Zaungäste

voll auf ihre Kosten. Sämtliche Marken,

Modelle und Epochen sind vertreten,

alle auf Hochglanz poliert.

Museen

Auf Mallorca gibt es ungefähr 70 Museen

in 30 Orten. Die meisten befinden

sich in Palma.

Die sehenswertesten Museen in

alphabetischer Reihenfolge der Orte:

Alcúdia, Museu de Pollentia:

Ausgrabungen aus römischer Zeit;

Fundamente einer Villa und Amphitheater

Algaida, Museu de Vidrio Gordiola:

Glaskunst aus verschiedenen Ländern

und Epochen

Andratx, Centro Culturál:

Moderne Kunst

Deiá, Ca N’Alluny:

Das Haus von Robert Graves


48 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 49

bei Deiá Son, Marroig:

Ehemaliges Anwesen des Erzherzogs

Ludwig Salvator

Esporles, La Granja: Bäuerlicher

Gutshof als „lebendes“ Museum

Manacor, Museo de Historia de Manacor:

Museum zur Geschichte der

Stadt

Marratxi, Museu del Fang de Marratxí:

Keramikmuseum

Montuiri, Son Fornes Archaeological:

Museum zur Frühgeschichte Mallorcas

Muro, Museu Etnológico: Wohnen,

Gewerbe und Handel

Palma, Almudaina: Königspalast

Palma, Palau March: Einrichtung,

Bibliothek, Seekartensammlung, Neapolitanische

Krippe mit über 1.000

Figuren

Palma, Fundació March: Moderne

Kunst

Plama, Es Baluard: Moderne und

zeitgenössische Kunst

Palma, Casal Solleric: Kunstgalerie in

mallorquinischem Stadtpalast

Palma, Museu Militar: Altes Fort,

Waffen und Militärgeschichte

Palma, Fundació Joan Miró: Miró-

Werkstatt und Museum

Palma, Das Museo de Muñecas Antiguas:

Puppenmuseum, 800 Puppen

aus 50 Ländern und 600 Jahren

Petra, Museu Junípero Serra: Erinnerungen

an das Leben und Wirken des

Gründers von San Francisco

Sa Pobla, Museu Sant Antoni: Thema

ist die Fiesta de Sant Anstoni

am Soller-Tunnel, Jardines de Alfa-

bia: Arabische Gärten und Mallorquinisches

Herrenhaus

Sóller, Museu Balear de Ciencias

Naturales: Naturkundemuseum und

Botanischer Garten

Sóller, Can Prunera: Jugendstil-Herrenhaus,

Kunst- und Stilmuseum

Valldemossa, Museu Cartoixa: Kartause

mit Wohnraum Chopin/Sand

und alter Apotheke

bei Vilafranca, Els Calderers: Herrenhaus,

Wohnkultur mallorquinischer

Landadliger

Aktuelle Übersicht sämtlicher Museen

auf: www.illesbalears.es

Mühlen

In den fruchtbaren

Schwemmlandebenen

von Campos,

Palma und Alcúdia

herrscht die

größte Windmühlendichte

von Mallorca. Mit Windkraft

wurden erst Getreidemühlen angetrieben

und ab 1847 auch Wasser

gefördert. Bis zum 15. Jahrhundert

wurden Mühlen ausschließlich von

Tieren angetrieben.

Wassermühlen („Molins d’Aigua“)

und Getreidemühlen („Molins de

graellat“) lassen sich gut voneinander

unterscheiden. Getreidemühlen

sind meist rund gemauerte Zylinder

mit einem spitzen Kegel als Hut, was

ihnen ein raketenähnliches Aussehen

verleiht. Oft stehen sie an erhöhten

Stellen, da sie nicht ans Grundwasser

müssen.

Wassermühlen verfügen in jedem

Fall über ein Wasserauffangbecken.

Die stumpfen Türme können rund

oder eckig sein. Pro Umdrehung kann

eine Wassermühle knapp 25 Liter

Grundwasser aus der Erde fördern,

480 Liter pro Minute.

Die Mühlen unterscheiden sich

auch durch ihre Flügel. Getreidemühlen

haben meist sechs Flügel mit

Holzgittern, durch die der Wind weht.

Wassermühlen haben Blütenräder

mit Lamellen aus rot-weiß, rot-grün

etc. bemaltem Holz oder Eisenblech.

Wo Motoren die Windkraft ersetzt

haben, sieht man oft nur noch die

Stümpfe mit oder ohne Flügelreste.

Von den etwa 2.500 Wassermühlen

(Stand 2003) sind heute nur noch

wenige im Einsatz, von den fast 800

Getreidemühlen sind mittlerweile

fast alle stillgelegt. Doch gehören

die Mühlen noch immer zum Landschaftsbild

der Insel.

Müll

Mehr als 700.000

Tonnen Müll produziert

Mallorca

pro Jahr. Wenn auch

die mehr als 10 Millionen

Touristen, die

Jahr für Jahr die Insel

besuchen, wesentlich

dazu beitragen, entspricht die Müllmenge

fast einer Tonne pro Mallorquiner.

Damit liegt Mallorca weltweit

auf einem der vorderen Ränge. Müll-

Recycling ist in Spanien noch sehr

wenig verbreitet, Müllvermeidung

lässt auch zu wünschen übrig. Wohin

also mit dem ganzen Müll? Vor nicht

allzu langer Zeit gab es noch etliche

„wilde“ Müllkippen, wo der Abfall,

egal, um was es sich dabei handelte,

einfach verbrannt wurde. Die Emissionswerte

gaben Anlass zur Besorgnis.

1996 wurde in Palma die Müllverwertungsanlage

Son Reus in Betrieb

genommen. Sie kann 300.000 Tonnen

Müll pro Jahr verarbeiten, der

verbrannt und in Energie und Strom

umgewandelt wird. Von den restlichen

400.000 Tonnen Müll wird

etwa die Hälfte wiederverwertet, der

Rest und die Verbrennungsrückstände

landen auf einer großen Deponie.

Sowohl die Verbrennungsanlage als

auch die Deponie sind längst an ihre

Grenzen gelangt. Beides ist erheblich

erweitert worden.

Von einer Aufstockung der Recycling-Quote

war dabei nicht die Rede,

denn wenn die Müllverbrennungsanlage

rentabel arbeiten soll,

muss sie rund um die Uhr

in Betrieb sein. Also wird

auch Müll verbrannt, der

eigentlich recycelt werden

könnte.

Auf Mallorca gibt es keine

Müllabfuhr wie bei uns. Jeder private

Haushalt hat seinen Abfall selbst in

einen der vielen Container am Straßenrand

zu entsorgen. Dass Mülltrennung

ein Beitrag zum Umweltschutz

ist, versucht die Insel-Regierung seit

Jahren zu vermitteln. In jedem Ort


50

stehen inzwischen verschiedenfarbige

Abfalltonnen:

Grüne Tonne: für Flaschen

Gelbe Tonne: für leere Verpackungen

(Plastik, Dosen, Tetrapacks, ...)

Blaue Tonne: Papier und Pappe

Braune Tonne: organische Stoffe

(= „Biotonne“)

Bleibt zu hoffen, dass in San Reus

nicht wieder alles zusammengekippt

wird.

N

Nadal, Rafael

Der spanische Tennisspieler Rafael

Nadal Parera wurde am 3. Juni 1986

in Manacor geboren. Vom 18.8.2008

bis zum 6.7.2009 war er die Nummer

1 der Tennis-Weltrangliste und

übernahm diese Spitzenposition am

7.6.2010 erneut durch seinen Gewinn

der French Open. 2011 gewann er

das French Open zum sechsten Mal.

Insgesamt errang er seit 2004 46

Turniersiege.

Naturschutz

Mallorcas einziger sowohl Land- als

auch Meeresnationalpark ist der seiner

Südspitze vorgelagerte „Parc nacional

maritim-terrestre de l’Arxipèlag

de Cabrera“: Es handelt sich dabei

um 18 Inseln mit einer Gesamtfläche

von 18,36 qkm. Cabrera, die größte

von ihnen, wurde erst 1991 dank dem

Engagement von Umweltschützern

und Ornithologen zum Nationalpark

Mallorca von A – Z

erklärt, nachdem sie jahrelang militärisch

genutzt worden war. Die Insel

ist bis auf ein Dutzend Personen, die

für die Erhaltung der Infrastruktur arbeiten,

unbewohnt. In den Sommermonaten

verkehren täglich Ausflugsboote

von Colonia de Sant Jordi und

Porto Petro aus. Für private Bootsausflüge

mit Erkundung der Insel bedarf

es einer offiziellen Genehmigung der

Parkverwaltung.

In Spanien wird zwischen Naturschutzgebieten

(ANEI „Área natural

d‘especial interès“, unberührte Natur)

und Landschaftsschutzgebieten

(ARIP „Área Rural de Interés Paisajistico“,

schützenswerte Landschaft)

unterschieden. Das Gelände ist vor

Verbauung geschützt, die Natur

bleibt unberührt, das Gebiet ist für

Touristen zugänglich.

In beiden ist jegliche Neubebauung

grundsätzlich verboten. Gebäude,

die bereits errichtet worden sind,

bevor das Naturraumgesetz in Kraft

trat, sind durch Bestandsschutz vor

dem Abriss sicher. Renovierungen

sind in Naturschutzgebieten nur mit

Genehmigungen und unter Einhaltung

strengster Regeln möglich. Eine

Erweiterung ist nicht gestattet, auch

müssen der traditionelle Charakter

der Gegend und die ursprüngliche

Nutzung erhalten bleiben. In Landschaftsschutzgebieten

sind Renovierungen

und Erweiterungen um

4 % der ursprünglichen Grundstücksfläche

mit entsprechender Genehmigung

gestattet, doch dürfen die

Gebäude nicht höher als zwei Etagen

bzw. sieben Meter sein.

Fünf Naturschutzgebiete gibt es auf

Mallorca:

Parc natural de s’Albufera

de Mallorca

Parc natural de Mondragó

Parc natural de sa Dragonera incl.

die Felseninseln Pantaleu,

Illa Mitjana und Els Calafats

Parc natural de la península

de Llevant

Reserva natural especial

de s’Albufereta

Area Natural: Landschaftsschutzgebiete

nach dem Naturraumgesetz.

Area Natural –

Barrancs de Son Gual i Xorrigo

Bonany

Cala Mesquida – Cala Agulla

Cales de Manacor

Cap Andritxol

Cap de Cala Figuera – Refeubeig

Cap de Ses Salines

Cap des Llamp

Cap Enderrocat

Cap Vermell

Dunes de Son Real

Es Carnatge des Coll d’en Rabassa

Es Fangar

Es Saluet

Es Trenc – Salobrar de Campos

Garriga de Son Caulelles

La Victòria

Marina de Llucmajor

Massís de Randa

Muntanyes d’Artà

Platja de Mitjorn de Tramuntana

Puíg de María

Puig de sa Consolació

Puig de Sant Martí

Puig de Sant Miquel

Puig de Ses Donardes

Puig de Son Seguí

Puig Segué

Punta de n’Amer

Punta Prima

S’Albufereta

S’Heretat

Sa Canova

Sa Dragonera

Sa Punta de Capdepera

Sa Punta Manresa

Sant Salvador-Santuery

Santa Magdalena

Serra de Son Fe

Serra de Tramuntana

Son Nofre

Torrent de Canyamel

Torrent de Na Borges

Naturdenkmäler, natürlich entstandene

Landschaftselemente, die nicht

verändert werden dürfen, unterliegen

ebenfalls dem Naturschutz im Sinne

des Naturraumgesetzes.


52

Monumento natural

de ses Fonts Ufanes

Monumento natural

dels torrents de Pareis

Monumento natural

del Gorg Blau i de Lluc

Die Höhle Cova des Pas de Vallgornera

soll als viertes Naturdenkmal

Mallorcas zum „Monumento natural“

erklärt werden.

Nelkenfrauen

Die Nelkenfrauen oder „Claveleras“

sind nichts anderes als sehr gerissene

Taschendiebinnen. Sie bieten eine

Nelke oder Rose an und verlangen

dafür ein paar Cent. Während man in

der Geldbörse danach sucht, „helfen“

sie gerne und schaffen es tatsächlich

immer wieder, unbemerkt Geldscheine

zu entwenden, wenn sie sich nicht

sogar gleich die ganze Geldbörse

schnappen. Meist sind es „gitanas“,

Zigeunerinnen, Roma. Man muss sie

sich nicht mehr als ältere Frauen in

langen bunten Röcken vorstellen. Die

modernen Nelkenfrauen sind meist

attraktiv und adrett gekleidet.

Ökologie

-> Umweltschutz

O

Oliven

Olivenbäume bestimmen das Landschaftsbild

Mallorcas über weite Flä-

Mallorca von A – Z

chen. Die meisten stehen im Bereich

der Serra Tramuntana, wo sie auf Terrassen

und zwischen Felsen wachsen,

doch auch auf Wiesen und Feldern in

der Ebene findet man sie. Insgesamt

sind 14.000 Hektar von Olivenbäumen

bedeckt. Auf Plantagen baut

man sie etwa seit dem 16. Jh. an. Im

16. und 17. Jh. war Olivenöl Mallorcas

wichtigste Einnahmequelle.

Diese immergrünen Bäume können

ein stattliches Alter von mehreren

Hundert Jahren erreichen. Kein

Olivenbaum gleicht dem anderen.

Ihre Stämme sind verdreht und knorrig,

bisweilen ausgehöhlt und voller

Löcher und Warzen. Nicht jeder alte

Baum auf Mallorca ist auch an dem

Platz gewachsen, wo er heute steht.

In Gärtnereien werden auch sehr alte

Bäume samt Erdballen gehandelt.

Das Olivenholz ist sehr hart und

wird dank seiner schönen Maserung

zu Gebrauchsgegenständen und

Schmuck verarbeitet.

Die mallorquinischen Olivenbäume

sind meist durch Aufpfropfen veredelt

worden, um einen guten Ertrag zu

gewährleisten. Olivenöl, grüne und

schwarze Oliven sind die Hauptprodukte

eines Olivenbaums. Die durch-

schnittliche Ertragsmenge pro Baum

kann 75 kg Oliven betragen.

Früher hatten viele Fincas ihre eigenen

Ölmühlen („tafonas“). Heute gibt

es Kooperativen, zu denen die Olivenbauern

ihre Ernte bringen. Pro Jahr

werden durchschnittlich 400.000 Liter

Olivenöl gepresst, rund ein Drittel

davon ist das hochwertige Extra Native

Olivenöl aus Kaltpressung. Wenn

man bedenkt, dass für einen Liter Olivenöl

10 kg Oliven benötigt werden,

kann man sich vorstellen, dass dafür

eine Menge Erntehelfer nötig sind.

Oliven werden im November und

Dezember geerntet. Sie unterscheiden

sich in Größe, Qualität und Geschmack.

Ob sie grün oder schwarz

sind, ist allein vom Reifegrad abhängig.

Je dunkler sie sind, desto reifer.

Traditionell wurde Olivenöl gewonnen,

indem die Oliven in Steinmühlen

zerkleinert wurden, was je nach Reifegrad

60 bis 90 Minuten dauerte,

und die Paste dann auf runde, geflochtene

Matten gestrichen wurde.

Diese stapelte und presste man. Das

Öl wurde in einem Becken aufgefangen,

vom Wasser getrennt und in einer

Zentrifuge von Verunreinigungen

befreit. Dann ist das Olivenöl bereit

zum Verzehr.

Die Rückstände dienten früher als

Kraftstoff für die Mühlen und als

Kompost für die Olivenplantagen.

Die größten Olivenöl-Produzenten

sind in Caimari und in Sóller. In Sóller

gibt es noch zwei Ölmühlen, die auch

besichtigt werden können.

Mallorca von A – Z 53

Die alte Ölmühle in Caimari ist

heute Museum. Seit 2002 gibt es

eine moderne, nach dem allerneuesten

Stand der Technik ausgestattete

neue Mühle.

Orangen

Vor allem im Tal

von Sóller wachsen

die Orangenbäume

in großer Zahl.

Man schätzt sie

auf etwa 100.000.

Die Orangensaison beginnt im November.

Dann ist die „Naveline Orange“

reif und wird geerntet. Ihr folgt im

November die „Navel Orange“. Charakteristisch

für diese Sorte ist eine

zusätzliche kleine Frucht innen am

Stielansatz. Die Erntezeit dauert etwa

zwei Monate. Beide Sorten sind sehr

saftig und lassen sich leicht schälen.

Weniger häufig ist die Bitterorange,

die zur Herstellung von Marmelade

verwendet wird. Auch sie wird im

Januar reif.

In den Monaten März bis Mai werden

die Saftorangen „Canoneta“ geerntet.

Sie enthalten 50 % Saft und

schmecken immer süßer, je länger sie

reifen.

Die Sorte „Navel Late“ wird bis Juni

geerntet – eine saftige, süße Speiseorange.

Weniger süß als die „Canoneta“,

jedoch sehr erfrischend schmeckt

die „Valencia late“, eine weitere Saftorange,

die im Sommer geerntet wird.

Eine Orangenart, die nur im Tal

von Sóller vorkommt, ist die „Peret“.


54 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 55

Sie hat eine längliche, fast birnenartige

Form, was ihr den Namen (peret =

Birnchen) gegeben hat. Sie lässt sich

leicht schälen und ist auch als Saftorange

beliebt. Erntezeit ist bis August.

Wenn die Orangen im Frühjahr

blühen, verströmen sie einen intensiven

süßlichen Duft.

Orgeln

Auf Mallorca gibt es ungefähr 120

Orgeln, meist in den Stadt- oder Dorfkirchen.

78 von ihnen gelten als historisch

wertvoll.

P

Pa amb oli

Typisches mallorquinisches Vesperbrot,

das mit Tomate und Knoblauch

eingerieben, mit Öl beträufelt und

mit Schinken/Käse belegt wird.

Palmen

Auf Mallorca kommenunterschiedliche

Palmenarten

vor, doch nur die

Zwergpalme „Chamaerops

humilis“

ist auf der Insel wirklich heimisch.

Kanarische Dattelpalme „Phoenix

canariensis”, dickstämmige Palme

mit bis zu fünf Meter langen Wedeln.

Die Früchte sind wenig fleischig und

werden an Schweine und Ziegen verfüttert.

Echte Dattelpalme „Phoenix dactylifera”

mit essbaren Früchten (Datteln).

„Washingtonia robusta“, eine

hohe, schlanke, und „Washingtonia

filifera“, eine dicke, stämmige Fächerpalme

mit ausladender Krone.

Man erkennt sie an den gekräuselten,

weißen Fäden an den Fächern, die die

„Washingtonia robusta“ allerdings

später verliert. Der Stamm ist umgeben

von den abgestorbenen Blättern,

was den Washingtonia Palmen auch

den Namen „Petticoat-Palmen“ eingebracht

hat. Diese Blätter werden

alle zwei bis drei Jahre von sog. „palmeros“

entfernt, die den Palmen mit

speziellen Schälmessern zu Leibe rücken.

Glatte Stämme verhindern den

Schädlingsbefall.

Der größte Feind der Palmen ist

der Palmrüssler, ein Käfer, der sich

seit 1994 im Mittelmeerraum ausbreitet,

2006 erstmalig auf Mallorca

entdeckt wurde und sich dort

explosionsartig verbreitet hat. Seine

Larven fressen sich durch das Innere

des Stammes und der Baum stirbt ab.

Wenn der Schaden bemerkt wird, ist

es schon zu spät, die Palme kann nur

noch verbrannt werden. Allein 2010

sind dem Palmrüssler rund 800 Bäume

zum Opfer gefallen, es wird vermutet,

dass schon Tausende weitere

Palmen befallen sind. In einigen Orten

der Insel ist der gesamte Palmenbestand

gefährdet.

Aus den getrockneten Palmwedeln

der Zwergpalme werden seit Generationen

Taschen, Körbe, Schuhe, Gür-

tel und Hüte hergestellt. Das Zentrum

für diese Handwerkskunst ist Artà.

Palo

Palo wird nicht, wie oft zu lesen und

hören ist, aus Johannisbrot-Schoten

hergestellt, sondern aus Chinarinde,

Enzianwurzeln und gebranntem Zucker.

Nur während des Spanischen

Bürgerkriegs 1936–1939 war Zucker

so rar, dass man zum Süßen ein Zuckerkonzentrat

aus Johannisbrot

verwendete. Diese Situation dauerte

aber nur wenige Jahre.

Parken

Auf Mallorca sind mehr als 700.000

Fahrzeuge zugelassen, die etwa

40.000 Mietwagen eingerechnet.

Angesichts dieser Tatsache liegt die

Frage nach den Parkplätzen auf der

Hand. Nicht nur Palma, auch kleinere

Ortschaften scheinen oft hoffnungslos

zugeparkt zu sein. Und wenn man

einen freien Platz sieht, heißt das noch

lange nicht, dass Parken hier auch erlaubt

ist. Innerhalb von Orten muss

man auf die Linien am Boden achten.

Eine gelbe Linie bedeutet absolu-

tes Halteverbot. Zuwiderhandlungen

schlagen mit bis zu 200 € zu Buche.

Bei einer blauen Linie gilt eingeschränktes

Halteverbot mit einem

Ticket aus dem Parkautomaten. Wird

das Ticket vergessen, kostet dies 60 €.

Lediglich nachts zwischen 20.00 und

9.00 Uhr, am Samstagnachmittag ab

14.30 Uhr und sonntags, mitunter

auch in der Siestazeit zwischen etwa

14.30 und 16.30 Uhr darf auf das

Ticket verzichtet werden, die Regeln

stehen am Automaten.

Eine Besonderheit auf Mallorca ist

die Möglichkeit der Annullierung eines

„Knöllchens“. Zahlt man innerhalb

der ersten Stunde nach dem Verstoß,

kostet es nur 6 €, danach kann man

12 € bei einem Polizisten bezahlen,

innerhalb von zehn Tagen 30 € per

Banküberweisung. Die 60 € sind also

nur bedingt fällig. Das gilt auch für

Mietwagenfahrer.

Für die Einhaltung der Parkregeln

sorgen die Policía Local (Ortspolizei)

und die O.R.A., ein privates Unternehmen

zur Überwachung der kostenpflichtigen

Parkplätze.

Leider sind viele Hinweisschilder

nur auf Katalanisch verfasst.

Sollte das Fahrzeug einmal abgeschleppt

worden sein und man findet

stattdessen nur ein rotes Dreieck mit

dem KFZ-Kennzeichen und einer Telefonnummer,

bleibt nur der Weg ins

entsprechende Fahrzeugdepot. Die

Strafen sind von Ort zu Ort unterschiedlich

(z.B. Palma 150 €, Sa Pobla

120 €).

In einigen wenigen Orten (z.B. Sa

Pobla, Alcúdia) gibt es auch Regeln,

die das Parken monatlich abwechselnd

nur auf einer Straßenseite erlauben.

Das größte Fahrzeugaufkommen

ist zweifelsfrei in Palma. Hier stehen

4.500 Parkplätze in insgesamt 16

öffentlichen, unterirdischen Parkhäusern

zur Verfügung.


56 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 57

Perlen

In den Firmen Majorica

in Manacor

und Orquidea in

Montuiri werden

die Kunstperlen

Mallorcas hergestellt.

Diese schimmern fast genauso

wie Perlen aus dem Meer, kosten aber

weit weniger.

Es war der Deutsche Eduard Hugo

Heusch, der um 1890 in Paris mit der

Herstellung künstlicher Perlen experimentiert

hat. Nach seinem Umzug

nach Manacor entwickelte er das Verfahren

weiter und gründete die erste

Perlenmanufaktur. Pro Monat wurden

zehn Millionen Perlen produziert, vor

40 Jahren waren es schon 25 Millionen,

heute sind es mehr als 50 Millionen.

Um sich von billigen Imitaten

abzugrenzen, gibt es Majorica und

Orchidea Perlen mit Echtheitszertifikat.

Platanen

Das Ortsbild der mallorquinischen

Städte und Dörfer wird bestimmt

durch die Platanen, die im heißen

Sommer Schatten spenden und im

Winter ihre kahlen Zweige in den Himmel

strecken. Sie werden im Winter regelmäßig

stark zurückgeschnitten.

Polizei

In Spanien gibt es zur Überraschung

vieler Ausländer neben der „policia

municipal/local” noch die „guardia

civil” und die „policia nacional”.

Überschneidung von Zuständigkeiten,

Kompetenzgerangel und Verzögerungen

bleiben da nicht aus.

Die schwarz uniformierte „policia

local“ übernimmt vorzugsweise Ordnungsfunktion;

sie regelt den Verkehr,

bittet Verkehrssünder zur Kasse und

tritt bei Einbrüchen und Diebstählen

in Aktion. Auch bei Streit, Körperverletzung

und Nötigung schreitet die

„policia local“ ein. Wenn dabei indessen

ein Messer ins Spiel kommt,

ist die grün gekleidete „guardia civil“

zuständig, die Regelungsfunktion besitzt,

was sich daran zeigt, dass sie bei

Delikten wie Raub oder Vergewaltigung

die Täter bzw. Verdächtigen verhaftet.

Wird das Opfer verfolgt oder

bedroht und fürchtet um sein Leben,

ist die blau gekleidete „policia nacional“

für die Aufklärung zuständig.

Auf dem Drogensektor

darf

die „policia

local“ Funde

sicherstellen,

aber nur die „guardia civil“

diese beschlagnahmen. Die

Abteilung zur Bekämpfung des organisierten

Drogenhandels und

Verbrechens der „policia nacional“

übernimmt danach die Ermittlungen.

Abwehr und Aufklärung von Verbrechen.

Verschwörungen und Attentate

fallen ebenfalls in den Kompetenzbereich

der „policia nacional“. So spürt

sie Verdächtige auf, die mit internationalem

Haftbefehl gesucht werden

und schützt den König, wenn er und

seine Familienmitglieder Mallorca

besuchen. Bei Terrorismus übernimmt

dann wieder die „guardia civil“.

Es liegt auf der Hand, dass alle drei

Polizeisektionen ständig überprüfen

müssen, ob ein Fall in ihre oder eine

andere Kompetenz gehört. Wenn sich

die „policia local“ nicht sicher ist, ruft

sie die „guardia civil“ usw. Bei Verkehrs-

und Alkoholkontrollen wirken

„policia local“ und „guardia civil“

zusammen, weil es ja z.B. sein könnte,

dass ein betrunkener Fahrer ein

gesuchter Dealer ist. In Zweifelsfällen

tritt die „policia nacional“ gleich als

höchste Instanz an, wie z.B. bei Razzien

an der Playa de Palma. Wenn ihr

Randalierer, Diebe, Illegale, Betrüger,

Drogendealer und andere Kriminelle

ins Netz gehen, werden sie gleich vor

Ort „sortiert“ und verteilt.

Ponent

Der Wind aus dem Westen. Im Sommer

mildert er die Hitze, im Winter

schiebt er oft Regenwolken vor sich

her. Landschaftlich bezeichnet der Ponent

den südwestlichen Bereich von

der Insel Mallorca.

Presse (deutschsprachige)

Abgesehen von

in Deutschland

erschienenen Zeitungen,Zeitschriften

und Magazinen,

die vor allem

in den Touristen-Orten in jedem größeren

Zeitschriftenladen zu bekom-

men sind, gibt es auf Mallorca zwei

Wochenblätter in deutscher Sprache.

Die „Mallorca Zeitung“ erscheint

seit 2000 jeden Donnerstag. Sie informiert

über Politik, Gesellschaft,

Lifestyle, Sport und Kultur der Insel.

Daneben enthält sie einen umfangreichen

Service- und Anzeigenteil.

Das „Mallorca Magazin“ erscheint

seit 1971 ebenfalls donnerstags mit

Informationen, aktuellen Meldungen

zu allen Themen, die Mallorca betreffen.

„El Aviso“ ist ein kostenloses Anzeigenblatt,

das monatlich auf Deutsch

herausgegeben wird und angeblich

die höchste Auflage aller deutschsprachigen

Publikationen auf Mallorca

aufweisen kann.

Daneben gibt es die in spanischer

Sprache erscheinenden Tageszeitungen

Ùltima Hora und Diario de

Mallorca, El Mundo (kastilisch und

katalanisch), Diari de Balears (katalanisch)

und Majorca Daily Bulletin in

englischer Sprache.

Prozessionsspinner

Der größte Feind der Pinien. Ein

unscheinbarer Nachtfalter ist er im

Sommer. Die weiblichen Falter legen

im Juli/August etwa 200 Eier in die

frischen Kiefernzweige und bedecken

sie mit feinen Härchen. Im Frühjahr

schlüpfen die Raupen und machen

die Gespinste unübersehbar. Den

Namen haben sie von ihrer seltsamen

Fortbewegungsart, Vorderteil

an Hinterteil sind durch einen Faden


58 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 59

miteinander verbunden. Ihre feinen

Härchen sind giftig und können allergische

Hautreaktionen hervorrufen.

Radio/TV

R

Das Inselradio Mallorca sendet rund

um die Uhr in deutscher Sprache auf

der Frequenz 95,8. Dabei geht es um

Inselnachrichten und das Neueste

aus Deutschland und dem Rest der

Welt sowie Informationen zu Kultur,

Brauchtum und Festen auf der Insel,

Veranstaltungen und Termine. Musikalisch

ergänzt werden die Beiträge

durch einen Mix von Deutsch, Spanisch

und Englisch singenden Interpreten.

Ballermann-Musik kommt in

der Musikauswahl nicht vor.

Das Inselradio wendet sich an ein

breites Publikum deutscher Residenten

und Arbeitnehmer aller Altersgruppen

sowie in den Sommermonaten

an deutsche Touristen.

Raiguer

Bezeichnung für die Region zwischen

Es Pla, der Tramuntana und Palma.

Regen

Eine Garantie für einen regenlosen

Urlaub auf Mallorca gibt es nicht. Immer

wieder hat die Insel in den letzten

Jahren von sich reden gemacht,

als der Regen in solchen Sturzfluten

niederging, dass die Torrentes, die

überwiegend wasserlosen Flussläufe,

das Wasser nicht mehr aufnehmen

konnten, über die Ufer traten und

für Überschwemmungen sorgten. Es

kommt auch immer wieder vor, dass

U-Bahn-Stationen nach starken Regenfällen

wegen Überflutung oder

Landstraßen wegen Erdrutschen gesperrt

werden müssen.

Wenn der Regen einmal ausbleibt,

wie z.B. im Winter 1999/2000, kann

es zu einer Wasserknappheit kommen.

Die im Tramuntana-Gebirge im Nordwesten

der Insel liegenden beiden

Stauseen Embalse de Cúber und der

Gorg Blau sammeln das Regenwasser

und sorgen für die Wasserversorgung

der Insel. Damals waren die Seen zu

weniger als 20 % gefüllt, bei rund 12

Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen

eine kritische Marke.

Mittlerweile sind beide Seen wieder

zu 100 % gefüllt.

Reconquista

Unter Reconquista versteht man die

Rückeroberung Spaniens von der

700 Jahre währenden Herrschaft der

Araber. Mallorca wurde im Jahr 1229

unter König Jaume I. von Aragon „befreit“.

Reisezeit

Reisezeit für Mallorca ist das gesamte

Jahr hindurch. Die durchschnittliche

Jahrestemperatur beträgt 16,7°C, die

Sonne scheint im Schnitt 2.958 Stunden

im Jahr.

Von Dezember bis März sind die

Luft- und Wassertemperaturen am

kühlsten, die Sonnenstunden am

geringsten, die Tage am kürzesten

und die Regenwahrscheinlichkeit am

höchsten. In diese Monate fällt die

Blütezeit der Mandelbäume. Eine typische

Frühjahrspflanze ist dann z.B.

der kleinfrüchtige Affodill, der bis zu

1,5 Meter hoch werden kann.

Im April und Mai herrschen frühlingshafte

Temperaturen, die auch

schon mal die 30-Grad-Grenze erreichen

können. Das Wasser des Mittelmeers

erwärmt sich, die Sonne geht

später unter. Viele Blumen, Sträucher

und Bäume stehen in voller Blüte.

Besonders die Bougainvillea (-> Bougainvillea)

verleiht vielen Häusern,

Mauern und Gärten einen prächtigen

Farbschmuck.

Der Hochsommer, Juni bis August,

hat die wenigsten Regentage und die

höchsten Tages- und Nachttemperaturen.

Die Natur trocknet mehr und

mehr aus, die Waldbrandgefahr steigt

stetig. Das Wasser kann in Ufernähe

25°C erreichen.

Im Herbst, September bis November,

werden die Temperaturen wieder

erträglicher. Die Regenwahrscheinlichkeit

nimmt wieder zu, Zitrusfrüchte,

Feigen, Mandeln, Oliven und Trauben

werden geerntet. Sehr langsam

sinkt die Wassertemperatur, die Tage

werden wieder merklich kürzer.

Wie aber jeder weiß, bestätigen

Ausnahmen die Regel. Abweichungen

von „normalen“ Klimaverhältnissen

sind mittlerweile überall möglich.

Rondaies

„Rondaies Mallorquines” sind uralte,

mündlich überlieferte Märchen, die

immer eng mit Mallorca verbunden

sind. Sie handeln von „gegants“ (Riesen

-> Gegants), „dracs“ (Drachen),

„dimonis“ (Teufeln), Gestalten aus der

kulturellen Überlieferung der Insel.

Zum ersten Mal wurden sie 1880 von

Mossèn Antoni Maria Alcover i Sureda

zu Papier gebracht, der sie unter

dem Pseudonym Jordi d’es Racó mit

dem Titel „Aplec de Rondaies Mallorquines“

veröffentlichte.

Roter Blitz

-> Eisenbahn


60 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 61

Salines

-> Salz

S

Salz

Es gibt auf Mallorca

unterschiedliche Salzgewinnungsverfahren.

Die 1850 gegründete

Firma

„Salines de Llevant“

pumpt im Frühjahr

Meerwasser auf riesige eigens dafür

angelegte Salzfelder, die sich über ein

Gebiet von 160.000 Quadratmetern

erstrecken, unterteilt in einzelne Felder

von jeweils 7.000 Quadratmetern.

Wind und Hitze lassen während der

Sommerzeit das Wasser verdunsten,

im September kann die bis zu 10 cm

dicke Salzkruste geerntet werden. Bis

zur endgültigen Abfüllung wird es

im Freien in hohen, schneeweißen,

glitzernden Bergen gelagert. So wurde

schon vor 2.000 Jahren Salz gewonnen.

Das Abernten des „Flor de Sal“

ist dagegen reine Handarbeit: Die

Salzkristalle werden direkt von der

Wasseroberfläche abgeschöpft – eine

hauchdünne Schicht, die „Blüte des

Salzes“. Die erste Firma Spaniens, die

dies machte, ist das 1995 von Katja

Wöhr und Robert Chaves gegründete

Unternehmen „Gusto Mundial

Balearides“. Sie verfeinern das Salz

geschmacklich und vermarkten es international.

Es hat einen ausgezeich-

neten Geschmack, ist sehr begehrt,

doch hält sich der Ertrag in Grenzen.

Auch in guten Jahren macht das „Flor

de Sal“ gerade einmal 0,2 % der gesamten

Salzernte aus.

„Flor de Sal“ gibt es in acht Geschmacksrichtungen

und ist auch in

Deutschland über den Versandhandel

oder in spanischen Lebensmittelläden

erhältlich.

Schafe

Jedem Wanderer

auf Mallorca ist

das Geräusch der

„picarols“ (Schafsglöckchen)vertraut,

die bei jeder

Bewegung des Tieres leise bimmeln

– das dazugehörige Bild: weidende

Schafe in Mandel- oder Olivenhainen.

Am häufigsten kommt das Mallorquinische

Schaf vor, etwa 6.500 reinrassige

Tiere. Es wird hauptsächlich für

sein Fleisch geschätzt.

Oft sieht man bunte Flecken auf

den Rücken der Schafe. Dabei handelt

es sich um ein Gemisch aus Öl,

Desinfektionsmittel und Farbe. Es soll

die Tiere vor Parasiten schützen. Die

Farbe ist dabei nur eine Markierung

für den Besitzer der Schafe.

Schirmpinie

Schirmpinien sind auf Mallorca selten

geworden. Sie stehen meist isoliert,

sind kälteempfindlich und sturmgefährdet.

Wer schon einmal von Sóller

nach Deyá gewandert ist, konnte

bei den Fincas Can Prohom und Son

Mico ein Prachtexemplar sehen. Sie

bringen große Zapfen hervor, deren

aromatische Kerne essbar und in vielen

Lebensmittelläden erhältlich sind.

Schlangen

Auf Mallorca leben nur Nattern, die

sich in vier Unterarten gliedern: die

Ringelnattern, die Vipernnattern,

die ihren Namen durch das Zickzackmuster

am Rücken erhielten, die

unter Naturschutz stehende, Bäume

bewohnende Kletternatter sowie

die nachtaktive Kapuzennatter. Alle

Schlangen sind für den Menschen

ungefährlich. Sie können jeweils eine

Länge von maximal ein bis 1,50 Meter

erreichen.

Schmuggel

Bevor die Menschen auf Mallorca

hauptsächlich vom Tourismus lebten,

arbeiteten viele von ihnen nebenbei

als Schmuggler. Einige Mallorquiner

wurden reich, bauten Fabriken oder

die ersten großen Hotels an der Playa

de Palma.

Die Baleareninsel war eine ideale

Anlaufstelle für die Schiffe der

Schmuggler. Schon im 17. Jh. durchkreuzten

die Boote mit illegalem

Tabak aus Gibraltar und den Maghrebstaaten

das Mittelmeer, ohne mit

Kontrollen rechnen zu müssen, da sie

sich auf internationalem Gewässer

bewegten. An Land schaute die Polizei

sowieso seit jeher weg: Das Gehalt

war nämlich niedrig, den Schmugg-

lern den Rücken zu decken – ein guter

Nebenverdienst.

Schnecken

Schnecken („caracoles“) gehören auf

Mallorca zu den Delikatessen, wenn

sie auch längst nicht in jedem Restaurant

angeboten werden. Sie werden

vor allem im Frühjahr gesammelt.

Mitunter braucht man sich gar nicht

nach ihnen zu bücken, wenn sie in

großer Zahl an Halmen und Pfosten

sitzen. Vor dem Kochen werden sie einige

Tage gelagert, damit sie sich von

innen säubern, dann gart man sie in

reichlich Salzwasser. Der Sud wird immer

wieder erneuert. Wenn sie fertig

gekocht sind, wird das zarte Fleisch

mit Kräutersoße oder Knoblauchmayonnaise

verspeist.

Schneehäuser

Bevor elektrische Kühlung möglich

war, gab es hoch oben in den Bergen

Eis- bzw. Schneehäuser. Sie wurden

etwa sechs Meter breit und zehn bis

16 Meter lang in Vertiefungen oder

Gruben gebaut, die über fünf Meter

tief sein konnten. Das Dach bestand

aus Schilf, Binsen und Ziegeln. Darin

wurde während des Winters der

Schnee gesammelt und schichtweise

mit Lagen von Heu, Stroh oder Dissgras

gelagert. Im Laufe der Zeit wurde

der Schnee zu Eis und konnte, solange

der Vorrat reichte, mitunter bis

in den Sommer zur Kühlung von Lebensmitteln

verwendet werden. Das

letzte Schneehaus hatte 1927 aus-


62 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 63

gedient. Insgesamt 46 Standorte solcher

Schneehäuser sind bekannt, die

meisten sind verfallen. Im Jahr 2011

ist auf dem Gelände der Finca Son

Massip im Auftrag des Inselrats eines

wieder aufwendig restauriert worden.

Schuhe

1981 gab es 198 Schuhfabriken auf

Mallorca, die Hälfte davon in Inca.

Seit Jahrhunderten werden in Inca

Schuhe hergestellt. 1458 erklärten

die Schuhmacher der Stadt ihre Unabhängigkeit

von der Zunft in Palma

und waren fortan selbst für den Handel

mit Schuhen verantwortlich. 1600

gab es in Inca mehr als 60 Schusterwerkstätten.

Sie waren in einer eigenen

Zunft organisiert und hatten sich

der Qualität und Rechtschaffenheit

verpflichtet.

Noch heute ist Inca das Zentrum

der Lederverarbeitung und Schuhherstellung.

Aus Handwerksbetrieben

haben sich Industrieunternehmen

von internationalem Ruf entwickelt,

z.B. Asinca, Barrats, Camper (-> Camper),

Farrutx, George’s, Kollflex, Lotusse

und Munper.

Schwarze Madonna

-> La Moreneta

Schwarzes Schwein

Eine Besonderheit sowohl in der mallorquinischen

Viehzucht als auch in

der Küche ist das „porc negre“, das

schwarze Schwein. Es frisst die Früchte

und die Kräuter der Insel, was vor

allem dem Serrano-Schinken einen

unverwechselbaren Geschmack verleiht.

Wurst von diesen Schweinen

trägt das Gütesiegel „Sobrassada de

Mallorca de Porc Negre“ (-> Sobrassada).

Als Spanferkel („porcella“ oder

„lechona“) ist das schwarze Schwein

eine besondere Delikatesse (-> Spanferkel).

Es wird geschlachtet, wenn

es acht bis 12kg schwer ist und noch

nichts anderes als Muttermilch zu

sich genommen hat: Das Fleisch ist

dann sehr zart und hat einen ganz

besonderen Geschmack. Am besten

schmeckt vielen die Kruste, die nicht

lederartig sein darf, sondern fest und

kross. Für den Erzherzog Ludwig Salvator

war das Porcella das beachtlichste

Gericht der mallorquinischen

Küche.

Serra, Junípero

Junípero Serra

wurde am

24.11.1713 als

Miguel José Serra

in dem kleinen Ort

Petra auf Mallorca

geboren. Im Alter von 16 Jahren trat

er am 14.9.1730 in Palma dem Franziskanerorden

bei und nahm den Na-

men an, unter dem er später bekannt

geworden ist: Junípero, nach einem

Begleiter des Heiligen Franz von Assisi.

Nach mehreren Jahren des Lernens

und Lehrens meldete er sich 1749

freiwillig, um in der Neuen Welt als

Missionar zu wirken. Er war 36 Jahre

alt, als er in Veracruz/Mexico zum

ersten Mal amerikanischen Boden

betrat.

Viele Jahre lebte er hauptsächlich

in der Sierra Gorda (heutiges Mexiko),

verrichtete seinen missionarischen

Dienst, war Volksprediger, erlernte die

Sprache der Indianer und übersetzte

den Katechismus.

Ab 1767 übernahmen die Franziskaner

das von den Jesuiten missionierte

Nieder-Kalifornien – dadurch

fiel das sogenannte Baja California

in den Verwaltungsbereich Junípero

Serras.

Zwei Jahre später erhielt der Seefahrer

Gaspar de Portalá vom spanischen

Vizekönig Carlos III. den

Auftrag, in Oberkalifornien die Gebietsansprüche

der Krone zu sichern.

Junípero Serra wurde die geistliche

Leitung übertragen. Während Gaspar

de Portalá sich mehr der Krone verpflichtet

fühlte, ging es Junípero Serra

um die Missionierung der Indianer.

Mit 56 gründete er die erste Missionsstation

San Diego de Alcalá.

Unter seiner Leitung wurden 20

weitere Missionen entlang des Camino

Real, der Königsroute, gegründet

– von San Diego bis Sonoma über

eine Strecke von 1.000 km. Er selbst

gründete neun Missionsstationen, die

er auch immer wieder besuchte.

Junípero Serra starb am 28.8.1784

im Alter von 70 Jahren in der Mission

San Carlos Borromeo und ist in der

Missionskirche von Carmel beigesetzt.

In Washington DC wird er seit 1931

in der Hall of Fame als einziger Nicht-

Amerikaner geehrt. Am 25.9.1988

wurde er von Papst Johannes Paul

II als „Vater der Indianer“ seliggesprochen.

In der Carrer Barracal 6–10 in

Petra ist Junípero Serra ein kleines

Museum gewidmet, ganz in der Nähe

seines Geburtshauses, wo an das Wirken

des größten Mannes der Stadt erinnert

wird. Gezeigt werden Modelle

der Missionsstationen, Bilder und

Karten.

Siesta

Nachmittags zwischen 13.30 Uhr

und 16.30 Uhr/17.00 Uhr herrscht

auf Mallorca nach wie vor flächendeckend

„Siesta”, wobei die Spanier

so eigentlich nur den Mittagsschlaf

nennen. Besser trifft es „la pausa del

mediodía” – Mittagspause.

Während dieser Pause isst der Mallorquiner

mit der Familie zu Hause,

wenn das nicht zu weit entfernt liegt.

Danach schläft er ein bisschen, zumindest

in den heißen Sommermonaten,

was ja sehr gesund sein soll.

Während die Siesta für die einen

Inbegriff des lockeren Lebensstils mediterraner

Länder ist, machen andere

die lange Mittagspause für Probleme


64 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 65

im Familienleben verantwortlich: Falls

sich die Fahrt nach Hause über Mittag

nicht lohnt, sind viele Beschäftigte

von 9.00 bis 21.30 Uhr oder länger

außer Haus und sehen ihre Kinder

meist nur schlafend. Aus diesen und

ökonomischen Gründen wurden in

Spanien schon öfter Versuche gestartet,

die Siesta abzuschaffen. Im

Jahre 2005 ist das sogar teilweise

gelungen: Im öffentlichen Dienst in

Madrid und einigen anderen Städten

auf dem spanischen Festland gibt es

heute nur noch eine Stunde Mittagspause.

Aber auf Mallorca gelten weiterhin

eigene Regeln:

In den Verwaltungsgebäuden der

Regierung wird von 8.00 bis 15.00

Uhr gearbeitet und so das Problem

mit der Siesta einfach umgangen,

denn Feierabend und Mittagspause

fallen zusammen. Auch die Post und

viele Banken haben nur bis 14.30 Uhr

oder 15.00 Uhr geöffnet.

Im Tourismus, dem wichtigsten

Wirtschaftssektor Mallorcas, fällt die

Siesta oft aus. Hier gilt nämlich der

Grundsatz, dass immer dann gearbeitet

wird, wenn sich Geld verdienen

lässt, denn die Saison dauert

nur sechs bis acht Monate und viele

Dienstleistende müssen von ihren

Einnahmen im Sommer ihren Unterhalt

für das ganze Jahr bestreiten.

Kleine Lädchen am Strand und

auch einige Geschäfte in der Innenstadt

von Palma, Artà, Inca u.a. haben

also durchgehend geöffnet. Auch

Kaufhäuser wie Corte Inglés und

C&A, große Supermarktketten wie

Lidl und Mercadona kennen keine

Siesta, hier wird bis 21.00 Uhr oder

länger im Schichtbetrieb gearbeitet.

Museen und Einkaufen

Bei den Museen gibt es die Siesta

betreffend keine einheitlichen Regelungen,

manche haben über Mittag

geöffnet, andere schließen.

Alle, die auf Mallorca Fuß fassen

wollen, werden die Siesta schnell

schätzen lernen, denn wer beim späten

mallorquinischen Abendessen gegen

22.00 Uhr nicht einschlafen will,

braucht die mittägliche Ruhepause.

Darüber hinaus ist die Siesta besonders

im Hochsommer eine Wohltat,

auch wenn es vielen Besuchern der

Insel nichts auszumachen scheint, bei

35°C im Schatten die Einkaufszonen

in den Innenstädten aufzusuchen.

Mallorquinern sind solche Ideen völlig

fremd. Doch um Enttäuschungen

vorzubeugen, sollten auch Urlauber

beim Shoppen lieber auf die späteren

Abendstunden setzen. Denn in den

Geschäften, die über Mittag geschlossen

sind, findet sich abends garantiert

eine Verkäuferin, in der Saison sogar

häufig noch nach 22.00 Uhr.

Siurells

Das Siurell (von Spanisch silbar und

Katalan: siular = pfeifen) ist ein mallorquinischer

Ziergegenstand aus

Keramik, der eine Pfeife beinhaltet.

Ursprung und eigentliche Bedeutung

sind unbekannt.

Bis Mitte des 20.

Jahrhunderts wurden

Siurells als

Spielzeug genutzt

und dienten als

Andenken an Familienfeste wie Geburtstage,

Hochzeiten und Kommunionen.

Das Zentrum der Siurells und ihrer

Herstellung ist die Gemeinde

Marratxí auf Mallorca – allein schon

aufgrund der jährlich stattfindenden

Töpfermesse „Fira del Fang“, doch vor

allem weil sich hier die größten und

ältesten Töpferwerkstätten der Insel

befinden. Auch in anderen Orten wie

in Inca, Llubí, Felanitx, Sineu, Artà,

Santa Maria und Consell werden Siurells

gefertigt, oft in Töpferfamilien,

die die Tonpfeifen schon seit Generationen

herstellen. Das Ausgangsmaterial

ist „llamuga“, eine Art Ton,

der nur einfach gebrannt und anschließend

gekalkt wird. Somit ist die

Grundfarbe der Tonfigürchen immer

weiß. Je nach Herstellungsort werden

sie aber mit verschiedenfarbigen Strichen,

Flecken, Punkten und Kreisen

verziert: z.B. mit Blau und Gelb, wenn

die Figur aus Inca stammt, und mit

Grün und Rot, wenn sie in Marratxí

gefertigt wurde.

Die Siurells bergen eine Pfeife,

manchmal auch zwei. Traditionell

stellten die Figuren Reiter und Frauen

dar und Wesen aus der Mythologie,

wie Teufel, Hunde mit zwei Beinen,

Pfauen und Maultiere mit Flügeln.

Die Siurell-Herstellung blüht auch

heute, zu den Figuren zählen nun

Fußballer und Toreros, Autos, Flugzeuge,

Fahr- und Motorräder. Siurells

zieren Kinder- und Wohnzimmer und

haben selbst in den Kirchen Mallorcas

Einlass gefunden – nämlich als

Krippenfiguren, die allerdings keine

Pfeife beinhalten, wohl um die Distanz

zum heidnischen Ursprung deutlich

zu machen.

Sobrassada

Sobrassada de

Mallorca ist die

Bezeichnung für

die Wurstwaren,

die auf Mallorca

aus Schweinefleisch

hergestellt werden. Das 1994

von der EU verliehene Siegel kennzeichnet

nicht nur die Qualität, sondern

auch die geografische Herkunft.

Sobrassada aus dem Fleisch schwarzer

Schweine (-> Schwarzes Schwein)

ist extra gekennzeichnet: „Sobrassada

de Mallorca de Porc Negre“. Alle Sorten

enthalten ausschließlich Schweinefleisch,

Paprika und Gewürze und

verzichten ganz auf Farbstoffe. Je

nach Form und Größe sind Sobrassadas

unter verschiedenen Namen im

Handel.

Camaiot: eine sehr fette Wurst, die

aus der Schwarte, der Haxe und dem

Hals zubereitet wird.

Bufeta: die gefüllte Harnblase des

Schweins, eine Wurst für die Sommermonate.


66 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 67

Arrissada: aus dem Dickdarm hergestellt,

wird roh verspeist.

Culana: aus dem Mastdarm gefertigt,

kann einen halben Meter lang sein.

Bisbe: aus dem Magen hergestellt,

lange Reifezeit, wird im Sommer gegessen.

Llonganissa: aus dem Dünndarm

gefertigt, eine Woche Reifezeit, wird

frittiert oder gegrillt verspeist.

Botifarró: enthält Blut, kurze Reifezeit;

wird gegrillt, frittiert oder im Eintopf

mitgekocht.

Son

In Verbindung mit Ortsnamen wird

„Son“ für „bei“ oder „Besitz von“ bei

größeren Grundbesitzen verwendet.

Souvenirs/typische Produkte

Bei dem Überangebot an billiger

Massenware und fernöstlichem Kitsch

sind die typischen Inselprodukte mitunter

nur schwer zu erkennen. Wenn

die Preise allzu günstig sind, ist Vorsicht

geboten. Irgendwo verbirgt sich

sicher ein Hinweis auf das Ursprungsland

– und das ist dann garantiert

nicht Spanien bzw. Mallorca.

Mundgeblasene Glasprodukte der

Firmen Gordiola, Lafiore und Menestralia

gibt es – außer in den Glasbläsereien

selbst – in nahezu allen touristischen

Orten.

Töpferwaren werden überall auf

der Insel verkauft, doch eine größere

Auswahl besonders schöner handbemalter

Keramik findet man unter

anderem in Palma, Manacor, Felanitx

und Port de Sóller.

Gebrauchsgegenstände wie glasierte

Schalen, Schüsseln und Töpfe kann

man auf den Wochenmärkten (z.B. in

Sineu, Inca und Alcúdia) erwerben.

Artikel aus Olivenholz findet man

vor allem in Manacor, wo man auch

bei ihrer Entstehung zuschauen kann.

Neben billiger Dutzendware gibt es

wahre Kunstwerke und schöne Gebrauchsartikel

(Schalen, Vasen, Nussknacker,

Schmuck, Löffel etc.).

Perlen gibt es in nahezu jedem touristischen

Laden, aber Vorsicht! Die

Original Perlen werden bei Majorica,

Orquidea oder Lapis in Manacor und

Montuiri produziert. Auf jeden Fall sollte

man auf das Markenzeichen „Perlas

Mallorca“ achten, um zu vermeiden,

dass man asiatische Billigware erhält.

Lederwaren werden auf der ganzen

Insel angeboten. Die größte Auswahl

findet man direkt in Inca in den

Verkaufshallen der Lederfabriken.

Die für Mallorca typischen Llengua-Stoffe

kann man direkt in der

Weberei Bujosa in Santa Maria del

Cami kaufen, aber auch in Stoffläden

in Palma.

Lebensmittel:

Feigen- und Orangenmarmelade

ist oft auch schon in kleinen Läden

erhältlich.

Käse kauft man am besten auf

Märkten oder in Markthallen. Da ist

die Auswahl am größten.

Orangen und Zitronen können auf

Märkten und in Lebensmittelläden erworben

werden. Sie sind in der Regel

unbehandelt.

Oliven und Olivenöl gibt es in allen

Supermärkten und Lebensmittelläden.

Man achte auf die Herkunft.

Typische mallorquinische Marken

sind z.B. Caimarin Can Det, Solivella

und Son Catiu.

Flor de Sal, das gesunde Qualitätssalz

aus dem Südosten der Insel bei

Es Trenc, wird inzwischen in vielen

Orten angeboten. Neben dem reinen

Natursalz gibt es Flor de Sal in sieben

Geschmacksrichtungen.

Das „normale“ Salz gibt es kiloweise

direkt beim Abfüller bei den Salines

de Llevant.

Alle möglichen Produkte aus

Mandeln von Mandellikör, Gebäck,

Konfekt (z.B. Turron, ein spanisches

Nougatkonfekt) bis zu Mandelparfüm

erhält man überall auf der Insel.

Schinken und Wurst bekommt

man abgepackt oder am Stück in Supermärkten

und Lebensmittelläden.

Nach Spirituosen wie Palo, Hierbas,

edle Liköre und Wein aus Mallorca

braucht man nie lange zu suchen.

Sie werden auch schon in kleinen Läden

angeboten.

Eine große Auswahl mallorquinischer

Produkte, vor allem die mit

dem Markenzeichen „Fet a Sóller“,

gibt es in einem kleinen Laden gegenüber

der Markthalle in Sóller neben

der kleinen Eisfabrik.

Ein weiteres Mitbringsel, das man

auch noch im Flughafen kaufen kann,

sind Ensaimadas in allen Größen,

gleich in praktischer Transportverpackung.

Spanferkel

Das Spanferkel (Lechona) wird am

Spieß über Holzfeuer gegart und ist

ein sehr beliebtes mallorquinisches

Fleischgericht. Es wird in vielen Restaurants

als Delikatesse angeboten.

Spanisch

Amtssprache in Spanien und auf Mallorca.

Die Sprache der mallorquinischen

Bevölkerung ist Mallorquin, ein

katalanischer Dialekt, der zumindest

gleichberechtigt mit dem Hochspanischen

ist.

Sprache

Auf Mallorca werden zwei Sprachen

gesprochen: Spanisch (Castellano)

und seit 1983 Mallorquin, ein Dialekt

der katalanischen Sprache, als gleichberechtigte

Amtssprache. In touristischen

Regionen wird auch Spanisch

und Englisch sowie oft Deutsch verstanden

und gesprochen.


68 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 69

Steinmännchen

Zu kleinen Türmchen aufeinander gestapelte

Steine in unwegsamem Gelände,

oft die einzige Kennzeichnung

von Wanderwegen und Pfaden.

Steinmauern

-> Trockenmauern

Steinschleuderer

Die Steinschleuderer („honderos“ auf

Spanisch, „foners“ auf Mallorquin) haben

durch ihre Kunst und ihr Geschick

im Umgang mit Steinschleudern der

gesamten Inselgruppe der Balearen

zu ihrem Namen verholfen: „Balear“

bedeutet übersetzt nämlich „Meister

des Wurfs“. Selbst Julius Caesar setzte

bei Kriegszügen Steinschleuderer von

den Balearen ein.

Eine Schleuder bestand aus einer

Schnur mit einer Schlaufe für das

Geschoss. Der Werfer nahm beide Enden

in die Hand, legte das Geschoss,

z.B. einen Stein, hinein, schwang die

Schleuder und ließ dann ein Ende los.

Dabei löste sich das Geschoss und

schnellte seinem Ziel entgegen. Es

konnte 150 Meter weit mit enormer

Wucht fliegen. Geschickt eingesetzt,

konnten mit den Steinschleuderern

gegnerische Truppen in die Flucht

geschlagen werden. Mit den Steinschleudern

gingen die Mallorquiner

auch auf die Jagd.

Seit den 1970er-Jahren werden aus

sportlichen Zwecken wieder Steine

geschleudert. 1984 wurde der Verein

der Steinschleuderer gegründet, zu

dem 170 Mitglieder, neuerdings auch

Frauen, zählen.

1992 wurde 15 von ihnen eine besondere

Ehre zuteil: Sie durften ihre

Kunst bei den Olympischen Spielen in

einem Rahmenprogramm zeigen.

Stickerei

Der mallorquinische Stich ist ein

besonderer Stickstich, der seit Generationen

zur traditionellen Handarbeitskunst

auf der Insel gehört. Die

Fertigkeit wird von Müttern an die

Töchter weitergegeben. Es sind immer

florale Motive, die wellenförmig

miteinander verbunden werden. Erst

werden die Ränder des Musters im

Kettenstich auf den Stoff gestickt

und dann ausgefüllt. Man kann den

Kettenstich auch mit Durchbruchstickerei

verbinden. Bestickt wurden

früher vor allem Haushaltswäsche

und Kleidungsstücke. Die Farben,

die verwendet wurden, beschränkten

sich auf Blau-, Rot- und Grüntöne, die

selten miteinander gemischt worden

sind. Heute werden viel mehr Farben

verwendet, doch die Technik ist noch

immer die gleiche.

Stierkampf

Der Stierkampf, die „corrida de toros“,

hat eine lange Tradition in Spanien

und geht in seiner heutigen Form

auf das frühe 18. Jahrhundert zurück.

Nach einem feststehenden Ritual

werden während einer Corrida sechs

Stiere von drei Toreros getötet.

Die Capeadores, Picadores und

Banderilleros sind dabei die Helfer

des Matadors, des eigentlichen

Stiertöters. Alle Toreros haben unterschiedliche

Aufgaben.

Die Capadores kommen als Erste

zum Einsatz: Sie reizen den Stier und

zügeln dann seine Angriffslust, indem

sie ihn immer wieder ins Leere laufen

lassen.

Die Picadores betreten die Arena

auf Pferden: Sie stoßen ihre Lanzen,

die „picas“, in den Nacken des Stiers,

wobei die Nackenmuskeln verletzt

werden und viel Blut fließt.

Nun kommen die Banderilleros

zum Einsatz, die den Stier nach der

Schwächung durch den Blutverlust

erneut reizen, indem sie ihm 75 cm

lange, mit Widerhaken versehene,

bunt geschmückte Holzspieße paarweise

in den Rücken jagen.

Der Matador ist als Letztes an der

Reihe: Er soll mit möglichst nur einem

Versuch dem Stier den Todesstoß versetzen.

Je näher Banderilleros und

Matador dem Stier dabei kommen,

desto größer brandet der Beifall des

Publikums auf.

Auf Mallorca gibt es Stierkampfarenen

in Palma, Alcúdia, Inca, Manacor

und Muro. Das Coliseo Balear

in Palma, bei uns mehr durch „Wetten

dass...“ als durch Stierkämpfe bekannt,

bietet Platz für 20.000 Zuschauer.

Strände

Mallorca hat etwa

180 völlig unterschiedlicheStrände:

feiner Sand,

grober Sand, Kies,

Steine – alles ist

vertreten. Eine lückenlose Strand- und

Buchtenübersicht für die Balearen

(allein für Mallorca 208 Nennungen)

findet man (auch auf Deutsch) unter

der Webadresse www.platgesdebalears.com.

Die Strände lassen sich

unter verschiedenen Charakteristiken

suchen, und man erhält genaue Auskunft

mit Bild.

Die subjektive Top Ten der schönsten

Strände Mallorcas:

Cala Figuera (Westküste Formentor):

Kaum besuchte kleine, schöne

Bucht in rauer, felsiger Umgebung,

nicht viel Strand, aber kristallklares

Wasser.

Cala Torta (Nordosten bei Artà):

idyllischer, etwa 130 Meter langer

und 200 Meter breiter Sandstrand,

tief abfallend, gute Wasserqualität,

kleine Strandbar.

Cala Aguila (Ostküste, Cala Rajada):

wunderschöner feinsandiger

Strand, Dünenlandschaft mit Pinien.

Cala Pi (Südküste): tiefe, steile

Felsbucht mit Sandausläufer, Mündung

des Torrent de Cala Pi, roman-


70 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 71

tisch gelegen. Türkisblaues Wasser,

sehr flach abfallend.

Cala Llombards (südliche Ostküste):

flach abfallender, von Felswänden

eingefasster Sandstrand mit

Strandbar, 55 Meter lang, aber 150

Meter breit. Feiner Sand, kristallklares

Wasser, an den Wochenenden gut

besucht.

Platja de Muro (Bucht von Alcúdia):

vier Kilometer langer, breiter

Sandstrand, flach abfallend, gute Infrastruktur,

nahezu alle Wassersportarten

werden angeboten.

Es Trenc (Südküste, Colonia de

Sant Jordi) : Mallorcas berühmtester

Strand, sechs Kilometer lang, heller,

feinsandiger Strand, Dünenlandschaft,

Hinterland unverbaut, teilweise

FKK möglich.

Sa Calobra (Nordwestküste):

Strand aus grobem Sand und Kieselsteinen

zwischen engen, hohen Felsen,

nur über Serpentinen oder mit

dem Schiff zu erreichen, Mündung

des Torrent de Pareis, je nach Wetterlage

trocken oder von Wasserläufen

durchzogen.

Cala S‘Amonia und Cala Moro

(Südosten): kleiner, feinsandiger

Traumstrand zwischen Felsen, türkisblaues

Wasser.

Cala Santanyi (südliche Ostküste):

mittelgroßer, schöner, flach abfallender

Sandstrand zwischen Felsen und

Pinien.

Straßenbahn

-> Tranvia

Straßennetz

Mallorca hat ein 4.200 km langes

Straßen- und Wegenetz.

T

Tänze

Seit 1985 findet in

Palma de Mallorca

alle zwei Jahre im

Frühling das InternationaleVolkstanz-Festival(Festival

Mundial de Danses Folklóriques)

statt. Es wurde ins Leben gerufen, um

Menschen fremder Kulturkreise unter

dem Dach der Musik zu vereinen. Getanzt

wird auf verschiedenen Plätzen

in Palma. 2011 waren außer mallorquinischen

Gruppen Tänzer aus 15

verschiedenen Ländern von vier Kontinenten

beteiligt.

Ball de Bot ist der Oberbegriff für

den mallorquinischen Volkstanz. Es

gibt viele Folkloregruppen, die jede

Fiesta mit ihren Tänzen, Trachten und

den traditionellen Musikinstrumenten

bereichern. Doch ist das Tanzen

auch in der Bevölkerung verbreitet,

die in festlicher Kleidung oder auch

in Jeans und Straßenkleidung bei ihren

Bewegungen den Folkloristen in

nichts nachstehen. Dabei wird lauthals

mitgesungen. Der bekannteste

Tanz aus Mallorca ist der Bolero, ein

langsamer, rhythmischer Reigen.

Die Jota Mallorquina ist einer der

beliebtesten Tänze und wird sehr viel

schneller getanzt. Er ist auch der lau-

teste aller mallorquinischen Tänze.

Auf Festen tanzen ihn Alt und Jung in

einer großen Runde.

Ein ähnliches Tempo legt auch die

Mateixa vor, die auf der ganzen Insel

verbreitet ist, vor allem aber in der Levante

getanzt wird.

Der Copeo Mallorquin ist ein sehr

alter Tanz. In ihm spiegelt sich das

Lebensgefühl der Mallorquiner auf

besondere Weise wider. Fließende

Bewegungen und wechselndes Tempo

verlangen den Tänzern einiges

Können ab.

Der Fandango ist ein Gruppentanz,

der auf Mallorca schon fast verschwunden

war, jedoch auf Menorca

lebendig geblieben ist. Dank der Folkloregruppen

ist er auch wieder nach

Mallorca zurückgekehrt und Bestandteil

des Ball de Bot geworden.

Talayot

Die Talayot-Kultur

war eine Megalith-

Kultur und begann

auf Mallorca ungefähr

um 1300

vor Christus. Die

Bezeichnung leitet sich aus dem Wort

„talaia“ ab, der Bezeichnung für die

runden, aus übereinander geschichteten

Steinblöcken errichteten Wachund

Wohntürme. Diese Siedlungsform

bestand auf den Balearen bis in

die Römerzeit. Mauern, Gebäude und

Türme dienten den Menschen in späteren

Jahrhunderten als Rohmaterial

zum Bau von Häusern, Kirchen und

Befestigungsanlagen. Auch zum Bau

der Kathedrale von Palma wurden

talayotische Steine verwendet. Das

erklärt, warum es auf Mallorca nur

noch so wenige erkennbare Talayot-

Siedlungsreste gibt. Am bestern erhalten

sind Capocorb Vell bei Cala Pi

und Ses Paisses bei Artà.

Tapas

Tapas (Deckel)

sind in Spanien

und mittlerweile

auch in Deutschland

sehr beliebte

Appetithäppchen,

die in ihrer Vielfalt aber auch als

komplette Mahlzeit genossen werden

können. Die Bezeichnung soll

sich ursprünglich von der Abdeckung

eines Getränkeglases zum Schutz gegen

lästige Insekten ableiten lassen:

Dieser Deckel bestand aus Brot oder

Papier, das z.B. mit Oliven beschwert

worden ist – daraus sollen sich die Tapas

als Vorspeise oder Mahlzeit entwickelt

haben.

Taxi

Auf Mallorca stehen über 2.000 Taxis

zur Verfügung. Allein in Palma gibt

es mehr als 1.200 Taxis. Das seien

lt. Auskunft des Verbandes der Taxiunternehmen

(Asociación Patronal

de Autotaxi) etwa 400 zu viel, da

aufgrund des Überangebots kaum

eine Möglichkeit bestehe, die Preise

zu erhöhen. Die Kosten würden nicht

gedeckt.


72

Wenn das Ziel außerhalb der Start-

Gemeinde liegt, gelten nach der amtlichen

Verordnung 4205 des „Govern

de Mallorca“ vom Februar 2009 feste

Gebühren:

6.00–21.00 Uhr: 0,52 € pro Kilometer,

16,85 € Wartetarif pro Stunde.

21.00–6.00 Uhr: 0,61 € pro Kilometer,

17,06 € pro Wartestunde.

Außerdem gelten für die gesamten

Balearen eine Grundgebühr von

2 € sowie Zuschläge für Hafen-

und Flughafenfahrten von jeweils

2,70 € Der Taxiruf wird mit

0,95 € berechnet.

Bis Oktober 2011 mussten alle Taxis

auf die Möglichkeit der Bezahlung

mit Kreditkarte umgerüstet haben.

Die Tarife müssen deutlich sichtbar

angebracht sein. Der Fahrgast hat

das Recht auf eine Quittung mit deutlicher

Tarif-Kennzeichnung.

Es gibt Taxis und Euro-Taxis (mit

Rollstuhl-Rampe) für jeweils bis zu

vier Personen, Mini-Vans für bis zu

sieben, Mini-Busse für bis zu 16 Personen.

Bei der Reservierung können

ein Kindersitz oder Sportgepäcktransport

angefordert werden. Die Mitnahme

von Blindenhunden, Rollstühlen

ist kostenlos.

Der Taxi-Fahrgast hat ein Recht auf

freie Streckenwahl, eine funktionierende

Klimaanlage im Sommer und

ein sauberes Fahrzeug! Das Taxameter

ist zu Beginn einer Taxifahrt immer

anzustellen, es sei denn, es wurde

ein Pauschalpreis für eine Überlandfahrt

vereinbart.

Mallorca von A – Z

Größere Rundtouren und Abholungen

unterliegen der freien Aushandlung.

Festtarife zwischen den Orten

wurden zugunsten der Taxameter-Anzeige

abgeschafft. Dennoch stehen

an größeren Taxiständen nach wie

vor Tafeln mit Tarifen für die wichtigsten

Ziele; sie dienen aber nur der

Groborientierung. Es lässt sich leicht

errechnen, dass schon bei mittleren

Distanzen ein kleiner Mietwagen

günstiger ist.

Ohne öffentliche Verkehrsmittel

oder privaten Transfer sind Taxis oft

die einzige Möglichkeit, um zum

Startpunkt einer Wanderung hin und

vom Endpunkt wieder zurück zu gelangen.

Erfahrungsgemäß sind die

Taxifahrer zuverlässig.

Taxibuchung online:

www.easymajorcataxi.com

www.mallorcataxi.com

www.palmataxi.com

www.taxi-mallorca.com

www.taxipmi.com

www.taxisdemallorca.com

Taxi-Zentralen in Palma:

Radio Taxi:

Tel.: 0034-971-755440 /

0034-971-201212

(Spanisch, Englisch, Deutsch,

Italienisch)

Taxis Palma Radio:

Tel.: 0034-971-401414

(Spanisch, Englisch)

Taxis Adaptados para discapacitados

(barrierefrei):

Tel.: 0034-971-703529 (Spanisch)

Fono Taxi:

Tel.: 0034-971-728081 (Spanisch)

Taxi Teléfono:

Tel.: 0034-971-743737 /

0034-971-744050

(Spanisch, Englisch, Deutsch)

Terrorismus

So sicher wie in den Monaten Juli

und August ist Mallorca selten, denn

vor und während König Juan Carlos

auf der Insel seinen jährlichen Sommerurlaub

verbringt, nehmen Sicherheitsbeamte

die Insel genau unter die

Lupe. Schließlich versuchten schon

einmal ETA-Terroristen, den König mit

einem Präzisionsgewehr auf seiner

Jacht zu erschießen. Und trotz dieses

erhöhten Sicherheitsaufkommens gelang

es der ETA im Juli und August

2009, Bomben zu zünden und dabei

zwei Polizisten zu töten.

Nach dem Attentat wurde Mallorca

im Handumdrehen abgeriegelt,

der Flughafen gesperrt und die Häfen

geschlossen, sodass niemand

mehr die Insel verlassen konnte.

Gleichwohl blieben die Bombenleger

unentdeckt. Sollten die Verdächtigen,

deren Fahndungsfotos bekannt wa-

ren, gar nicht auf der Insel gewesen

sein? Sollte die ETA Mitglieder auf

Mallorca haben? So lautete zumindest

eine Theorie, die nach den Attentaten

an Tresen und Restauranttischen

diskutiert wurde. Dabei kam

auch die Frage auf, ob die baskische

Terrororganisation wohl Sympathisanten

auf der Insel habe. Und tatsächlich:

Die katalanische Terrororganisation

„Terra lliure“ („Freies Land“)

verfolgte Ende der 70er- und in den

80er-Jahren mit Bombenanschlägen

das Ziel, einen unabhängigen katalanischen

Staat zu errichten. (Ähnlich

der ETA, die ein unabhängiges Baskenland

will.) Auch Mallorquiner gehörten

zur „Terra lliure“. Als sich die

Organisation Anfang der 90er-Jahre

auflöste, wechselten einige Mitglieder

zur ETA, andere traten der Partei

„Izquierda republicana de Cataluña“

bei, die auch auf Mallorca vertreten

ist. Sie fordert zwar ebenfalls einen

unabhängigen katalanischen Staat,

ist aber eine demokratische Partei,

die sich von der ehemaligen Terrororganisation

deutlich distanziert.

Trotzdem sollen zu den rund 10.000

Mitgliedern auch Sympathisanten

der ETA zählen, so vermuten einige

Mallorquiner.

Sicher ist hingegen, dass die Anschläge

der ETA weder bei Touristen

noch Residenten oder Mallorquinern


74 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 75

einen bleibenden Eindruck hinterlassen

haben: Mallorcas guter alter Ruf,

eine Insel der Ruhe und der Sicherheit

zu sein, hat sogar die Bomben der

ETA überlebt.

Tischsitten

Es ist in Restaurants nicht üblich,

sich mit an einen Tisch zu setzen.

Mallorquiner bzw. Spanier bleiben

gern unter sich. Auch die Rechnung

„getrennt“ zu bezahlen, ist in Spanien

weitgehend unüblich. Einer zahlt

und beim nächsten Mal begleicht die

Rechnung wieder ein anderer – oder

man rechnet die Beträge im Nachhinein

auseinander.

Töpferei

-> Keramik

Toiletten

Während Deutschland

von einem

dichten Netz öffentlicher

Toiletten

überzogen ist, finden

sich auf Mallorca

nur vereinzelt WC-Häuschen.

Doch wer mit den mallorquinischen

Klo-Gewohnheiten vertraut ist, kann

auch auf der Insel eigentlich immer

aufs stille Örtchen, wenn es notwendig

ist.

Am Strand

Die meisten größeren Strände Mallorcas

bekommen jedes Jahr aufs Neue

die Blaue Flagge verliehen. Diese

Auszeichnung von der internationalen

Stiftung für Umwelterziehung FFE

garantiert das Vorhandensein von

Toiletten.

Doch wie finden sich die häufig gut

verborgenen Klos? Zu denen im Jahre

2011 ausgezeichneten Stränden gehörten

beispielsweise Alcúdia, Magaluf,

Palma Nova, die Playa de Palma

und die Cala Mondrago, an der sich

ein gut sichtbares Klohäuschen befindet.

Es ist anzunehmen, dass alle

Strände mit der Blauen Flagge über

öffentliche WCs verfügen, jedoch

sollten Ortsunkundige bei der Suche

danach ein paar Minuten einplanen.

Deshalb ist es wohl am besten, sofort

bei der Ankunft am Strand nach den

Toiletten Ausschau zu halten und

auch die Nachfrage beim Laden- oder

Hotelpersonal nicht zu scheuen.

In den Bergen

Auf allen Rastplätzen in der Tramuntana

befinden sich Plastik-Toiletten.

Die Rastplätze und die Klos werden

regelmäßig gewartet, doch die Stichproben

liefern Ergebnisse, die die gesamte

Bandbreite auf der Toilettenbewertungsskala

abdecken: Manche

Klos stinken schon so sehr von außen,

dass sich der Blick hinein erübrigt. An

einen Besuch dieser Örtchen ist erst

gar nicht zu denken. Andere lassen

sich durchaus benutzen. Erfreulich ist

allerdings, dass neben der Kloschüssel

stets Toilettenpapier hängt.

Ob die negativen Überraschungen

fehlendem Reinigungspersonal oder

unfairen Klobenutzern zuzuschreiben

sind, ist schwer zu sagen. Von den

Klos in Bars einmal abgesehen, ist die

Mallorca-Toilette jedoch im Allgemeinen

eine saubere. Putzdienste dürften

also genügend unterwegs sein.

In der Stadt

Verfügt eine Stadt wie Manacor, Palma,

Inca, Sa Pobla, Marratxí, Sineu

oder Sóller über einen Bahnhof, so hat

sie auch eine regelmäßig geputzte Toilette.

Wer im Tourismusbüro Palmas,

das ebenso im Bahnhofsgebäude gelegen

ist, nach weiteren öffentlichen

Toiletten fragt, bekommt den Tipp, in

Cafés und Bars zu gehen. Doch die

Bedienung ist damit meist nur einverstanden,

wenn auch konsumiert

wird. Wer aber nicht jeden Gang zur

Toilette mit einer Kaffeepause verbinden

möchte, hat noch eine Reihe von

anderen Möglichkeiten, die auch die

Mallorquiner nutzen.

Empfehlenswert, da gut gewartet,

sind die Toiletten in Einkaufspassagen

und Bibliotheken. Ohne

dass man sich am Aufsichts- oder

Verkaufspersonal vorbeischummeln

müsste, erfolgt hier der Gang zur

Toilette. Eine nützliche Adresse sind

auch die Gratis-Museen, das sind

die Kunst- und Kulturstiftungen der

Banken, die auf Mallorca ansässig

sind. So kann man saubere Toiletten

ganz unbehelligt in der Fundación

Joan March oder im Caixa Forum in

Palma aufsuchen. Im Foyer des Caixa

Forums informiert eine Tafel über die

Lage der Toiletten.

Des Weiteren haben Supermärkte

oder größere Bekleidungsgeschäfte

eine Kundentoilette, deren Schlüssel

auf Nachfrage an der Kasse ausgehändigt

wird, wobei es einen guten

Eindruck macht, wenn das Personal

nicht auf Deutsch oder Englisch, sondern

auf Spanisch angeredet wird:

„¿Hay Servicios?” bedeutet „Gibt es

Toiletten?”.

Auch in öffentlichen Tiefgaragen

und Parkhäusern finden sich immer

saubere Toiletten.

Thomás, Catalina

(1531–1574) Mallorcas

einzige Heilige, 1627 durch

Papst Urban 8. heiliggesprochen,

ist besonders in

ihrer Heimatstadt Valldemossa

als „La Beata“ sehr

präsent. Beigesetzt in der

Kirche Santa Magdalena in

Palma.

Tomaten

Tomaten, roh oder gekocht, sind fester

Bestandteil der mallorquinischen

Küche. „Sa tomàtiga de ramallet“

oder „Tomate de Ramallet“ ist eine

auf Mallorca heimische Tomatenart,

die im 16. Jahrhundert durch aus

Südamerika zurückkehrende spanische

Eroberer auf die Insel gelangt

ist. Traditionell werden diese Tomaten

auf Mallorca an Schnüren aufgefädelt

und zum Trocknen aufgehängt.

So sind sie länger haltbar.


76 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 77

Torrent

Auf Mallorca gibt

es keine ständig

Wasser führenden

Flüsse oder Bäche.

Torrents sind die

trockenen Flussbetten,

die nach Regenfällen allerdings

zu reißenden Sturzbächen werden

können.

Tourismus

20. Jh. Aufkeimender Tourismus, zunächst

überwiegend vom eigenen

Festland und aus Großbritannien,

aber in den 20er- und 30er-Jahren

des 20. Jahrhunderts in wachsendem

Umfang auch aus anderen Ländern.

1903 Eröffnung von Palmas Gran

Hotel, dem ersten Hotel der Insel

1905 Gründung des „Fomento de Turismo

de Mallorca“, des mallorquinischen

Fremdenverkehrsverbandes

1908 Der erste Reiseführer für Touristen

wird veröffentlicht.

1929 Nach nur einem Jahr Bauzeit

wird das Hotel Formentor eröffnet.

1950 Beginn der Charterflüge nach

Mallorca. Die Insel hat 340.000 Einwohner.

1956 Eröffnung des ersten Flughafens

bei Son Bonet östlich von Palma.

1960 Beginn des Massentourismus.

636.764 Fluggäste

1962 Am Flughafen werden fast eine

Million Flugpassagiere registriert.

1963 Der erste deutsche Ferienflieger

landet auf Mallorca.

1995 Beginn des eher negativen

Ballermann-Images für Mallorca.

Zeitgleich fördert die Inselregierung

den hochwertigen Tourismus sowie

den Umbau von Fincas in Touristendomizile.

1997 Eröffnung des neuen Großflughafens

Son Sant Joan

1998 Das Schengener Abkommen,

das Grenz- und Passkontrollen innerhalb

der EU entfallen lässt, wird auch

für Reisen nach Mallorca umgesetzt.

2001 21 Mill. Touristen besuchen

Mallorca.

2002 Einführung der umstrittenen

Öko-Steuer „Ecotasa“, 20–30 % weniger

Besucher

2003 Abschaffung der Ecotasa

2010 Nach einem durchwachsenen

Frühjahr sind bis zum September die

Tourismuszahlen (plus 1,8 %) gegenüber

dem Vorjahr deutlich gestiegen.

2011 Neuer Buchungsrekord

Trachten

Noch vor 80–90

Jahren war es

auf Mallorca üblich,

sonntags die

Volkstracht auszuführen.

Heute

muss man das Glück haben, an einem

Folklore- oder Pfarrfest teilzunehmen,

um Frauen und Männer in Trachten

sehen zu können.

Markant bei der Frauentracht sind

die „redosillos“, die schulterlangen

Spitzentücher, die das Gesicht völlig

umschließen. Mitunter wird der Kopf

noch mit einem Strohhut bedeckt.

Bei der Männertracht ist die weite

Pluderhose am auffälligsten, die mit

einer Kordel gehalten wird.

Tramuntana

Der kalte Wind kommt von Nord oder

West und wird durch die nach ihm

benannte Bergkette und die Felsenküste

im Nordwesten der Insel abgeschwächt.

Auf seinem weiteren Weg

kühlt er die Ebene Es Pla stark ab.

Tranvia

Vom Bahnhofsvorplatz in Sóller

startet seit 1913 die Tranvia, die

5 km lange Eisenbahnverbindung

zwischen Sóller und dem Hafen. Das

Bähnchen fährt mit höchstens 30

km/h durch Sóllers Straßen, über die

stets belebten Placa de la Constitution,

dann zwischen Häusern und Gärten

hindurch, am Stadtbach entlang

und weiter durch Zitronen- und Orangenhaine

bis an die Hafenmole von

Port de Sóller. Zwar ist der Fahrpreis

für eine Strecke mit 4 € (Einheimische

zahlen weniger) recht teuer, doch die

Bahnen sind, vor allem in den Sommermonaten,

stets voll besetzt. Viele

Tagestouristen wollen sich das nostalgische

Fahrvergnügen nicht entgehen

lassen. In Spitzenzeiten fahren drei

Züge mit jeweils vier Wagen unmittelbar

hintereinander und werden nach

Eintreffen in Hafen von den Wartenden

regelrecht gestürmt. Es gibt offene

und geschlossene Wagen.

Gegen den Protest einiger Anwohner

sind im Winter 2010/2011 die

Schienen unmittelbar an der Bucht

etwas mehr zur Straßenmitte verlegt

worden, um die Bahn besser in die

neu angelegte Promenade zu integrieren.

Trockenmauern

Trockenmauern

(„tanques“ oder

auch „marges“)

sind Steinmauern,

die ohne Mörtel

oder Bindemittel

errichtet worden sind. Diese Kunst ist

auf Mallorca seit vielen Jahrhunderten

belegt. Trockenmauern bestehen

aus dem auf Mallorca vorkommenden

hochwertigen Kalkstein. Sie begrenzen

Felder und Besitz oder säumen

Straßen. Dabei durchziehen sie die

Insel wie ein riesiges Netz. Heute ist

die Fertigkeit der „Marger“ wieder ein

Lehrberuf.

U

Umweltschutz

Nicht nur beim Touristenandrang,

sondern auch im Umweltschutz ist

Mallorca spitze. Nach dem aufkei-


78 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 79

menden Massentourismus in den

1970er- und 1980er-Jahren waren

die Umwelt- und Bausünden unübersehbar.

Hotels schossen wie Pilze

aus dem Boden, Straßen wurden

ausgebaut, Bauland erschlossen. Zudem

verfügt Mallorca heute über 22

Golfplätze und 45 Jachthäfen. Viele

Küstenorte haben ihre Idylle und Beschaulichkeit

für immer eingebüßt.

Seit 1973 haben Natur und Umwelt

auf Mallorca im Umweltschutzbund

GOB eine Lobby. Die GOB (Grup

Balear d’Ornitologia i Defensa de la

Naturalesa) hat erreicht, dass für

Inselregierung und Tourismusverantwortliche

das Thema Umweltschutz

eine weitreichende Bedeutung erhalten

hat.

Durch das Engagement der GOB

räumte das spanische Militär die Insel

Cabrera, die heute Nationalpark

ist. Sie verhinderte die Erschließung

und Bebauung der Insel Dragonera

und erreichte 1985, dass Albufera

zum Nationalpark erklärt worden

ist. Sie nimmt Einfluss auf alle die

Landschaft und die Natur Mallorcas

betreffenden Themen und investiert

in den Schutz und die Erhaltung von

Gebieten, um sie vor touristischen

Großprojekten zu bewahren und

nachhaltigen Tourismus zu fördern.

Ein wichtiges Anliegen war und ist es,

Mallorquiner und Touristen für Natur

und Umwelt zu sensibilisieren.

Im Mai 2002 wurde von der damaligen

Regierung der Balearen die

sogenannte Ecotasa eingeführt, eine

Ökosteuer von 1 € pro Übernachtung

für Touristen. Dieses Geld sollte dem

Umweltschutz zugute kommen. Geplant

waren unter anderem der Bau

von Müllentsorgungs- und Kläranlagen.

(-> Müll/-> Wasser). Die Nachfolgeregierung

hat die Ecotasa ein

Jahr später wieder abgeschafft und

verfolgte Pläne (Verkleinerungen von

Naturparks, Bau neuer Autobahnen),

die sofort wieder die GOB in Aktion

treten ließen, um der fortschreitenden

Zerstörung der Natur Einhalt zu

gebieten, mit Erfolg.

Seit 2004 gibt die Balearenregierung

die sogenannte „Tarjeta verde“

(Targeta verda, Grüne Karte) aus, mit

der sich Mallorquiner und Touristen

auf freiwilliger Basis am Umweltschutz

beteiligen können. Sie ist zum

Preis von 10 € in Postämtern, Hotels

und Tourist-Informationen erhältlich

und hat eine Gültigkeit von 15

Tagen ab Kaufdatum. Mit der Karte

erhält man Ermäßigungen in mehr

als 900 Einrichtungen (Restaurants,

Geschäfte, Museen, Verkehrsmittel,

Parkplätze, Sportangebote etc.) sowie

15-Minuten-Gratistelefonate.

www.balears-sostenible.com

Unesco Weltkulturerbe

Zum immateriellen Unesco Weltkulturerbe

gehört seit 2010 der -> Cant

de Sibilla. Die 90 km lange Serra de

Tramuntana wurde 2011 als „Weltnaturerbe

der Unesco“ anerkannt.

V

Verkehrsdichte

Palma hat die größte Verkehrsdichte

aller spanischen Städte und rangiert

sogar noch vor der asiatischen Metropole

Singapur.

Verkehrsregeln

Auf Mallorca gilt eine

Höchstgeschwindigkeit

von 50 km/h

innerhalb geschlossener

Ortschaften, 90

km/h auf Landstraßen, 100 km/h auf

Schnellstraßen und 120 km/h auf Autobahnen.

Es herrscht Anschnallpflicht.

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 %.

Volkstanz

-> Tänze

W

Wachtürme

Im 15. und 16.

Jahrhundert wurde

Mallorca immer

wieder von Piraten

heimgesucht, die

komplette Siedlungen

plünderten und zerstörten. Als

Frühwarnsystem wurde entlang der

Küsten eine ganze Kette von Wachtürmen

(Atalayas) errichtet, immer

ein Turm in Sichtweite des nächsten,

über die man mittels Feuer- oder

Rauchzeichen alle warnen und den

bevorstehenden Überfall nach Palma

melden konnte. Die Türme waren

mit zwei bis vier Mann besetzt, deren

Aufgabe es war, nach feindlichen

Schiffen Ausschau zu halten und gegebenenfalls

Alarm zu schlagen. Es

heißt, die Nachricht von dem bevorstehenden

Überfall auf Sóller habe

nur neun Minuten gebraucht, um in

Palma anzukommen.

Noch heute kann man einige dieser

Türme sehen. Sie sind zum Teil restauriert

worden.

Zum Beispiel:

Torre Picada, Port de Sóller

Talaia de Ses Animes, Banyalbufar

Talaia d’Albercutx, Port de Pollenca

Torre de Cap Blanc, Llucmajor

Torre d’Andritxol, Port d’Andratx

Torre des Morro, Capdepera

Torre de Moreia, Artà

Wandern

Das Wandern gehört auf Mallorca

zwar zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten,

doch ist die Zahl der aktiven

Wanderer im Vergleich zur Gesamtzahl

der Urlauber eher gering. Dabei

gibt es unzählige Möglichkeiten,

sich die Natur zu Fuß zu erschließen:

Spaziergänge, Bergtouren, Rund- und

Streckenwanderungen. Bevorzugtes

Wandergebiet ist die Serra Tramuntana

im Nordwesten der Insel mit ihrem

zum Teil alpinen Charakter, unberührter

Natur, malerischen Ortschaften

und mediterraner Landschaft. Auch

in anderen Inselteilen gibt es Wan-


80 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 81

dermöglichkeiten, doch nirgendwo

anders ist das Wegenetz so dicht wie

in den Bergen zwischen Andratx und

Pollenca.

Viele Touren werden als geführte

Touren angeboten, doch das individuelle

Wandern mit Wanderführer

und -karte und/oder GPS-Gerät ist

ebenfalls weit verbreitet. Seit ein paar

Jahren begegnet man an Sonn- und

Feiertagen auch zunehmend mehr

Mallorquinern, die ihre Insel als Wanderparadies

wiederentdeckt haben.

Die Balearenregierung hat in den

vergangenen Jahren viele bestehende

Wanderstrecken ausgebaut und

markiert, andere neu erschlossen.

Der etwa 100 km lange Weitwanderweg

„Ruta de Pedra en Sec“ (Route

der Trockensteinmauern) durch das

gesamte Tramuntana-Gebirge ist ein

eindrucksvoller Beleg für dieses Engagement.

Dennoch lässt die Markierung

vieler Wanderwege immer noch zu

wünschen übrig. Dann dienen kleine

Steinpyramiden und Farbmarkierungen

als Orientierung.

Da 90 % der Fläche Mallorcas in

privater Hand sind, laufen die Wanderwege

zwangsläufig über nicht

öffentliches Gelände. Wo die Überquerung

ohne Probleme gestattet

ist, müssen einige Regeln beachtet

werden: nichts ungefragt mitnehmen,

nichts dalassen, alle Tore und Gatter

unbedingt wieder hinter sich schließen.

Schilder wie prohibido el paso

(Durchgang verboten) oder Camino

Particular (Privatweg) sollten unbedingt

ernst genommen werden, es sei

denn, man möchte Bekanntschaft mit

einer Hundemeute machen.

Wappen

Auf dem Wappen von Palma, einem

auf der Spitze stehenden Quadrat unter

einer Krone und dem Wappentier

der Stadt, der Fledermaus, sind oben

rechts und unten links eine Burg am

Wasser mit einer Palme und oben

links und unten rechts fünf gelbe und

vier rote Streifen zu sehen.

Waschhäuser

Die Nachrichtenzentrale

eines jeden

Ortes war das

Waschhaus. Hier

wurde nicht nur in

fließendem Quellwasser

die Wäsche gewaschen, sondern

auch Klatsch und Tratsch und

Nachrichten ausgetauscht. Noch heute

findet man in vielen Ortschaften

Waschhäuser in erstaunlich gutem

Zustand. Manche werden hin und

wieder immer noch benutzt.

Wasser

Mallorca hat ein ständiges Wasserproblem.

Der Bedarf ist bei mehr als

860.000 Einwohnern und einem Vielfachen

an jährlichen Touristen groß.

Mehr als 30 Millionen Kubikmeter

(30 Milliarden Liter) Trinkwasser

werden pro Jahr verbraucht, wobei

ein großer Teil davon in maroden

Leitungssystemen versickern soll. Es

geht dabei um den Bedarf für die

Landwirtschaft (mehr als die Hälfte),

die Industrie (1–2 %) und die

Bewässerung von Golfplätzen (1 %)

und nicht zuletzt das Wasser für die

Bevölkerung (etwa 30 %).

Wo kommt das Wasser her?

Die Bäche und Flüsse auf Mallorca

führen nur nach Regenfällen mehr

oder weniger viel Wasser. So ist auch

die Füllhöhe der Speicherseen Gorg

Blau und und Cuber von den Regenfällen

abhängig. Sie versorgen vor allem

Palma mit Trinkwasser.

Die Quelle Font des Verger ist

durch eine Wasserpipeline (Sa Costera)

mit Sóller verbunden und kann

mit 140.000 Kubikmetern ein Viertel

des Wasserbedarfs der Stadt decken.

Unterirdische Süßwasserseen in

Höhlen (Kavernen) waren schon in

früheren Zeiten für die Wasserversorgung

wichtig.

Bereits im 19. Jahrhundert wurde

in den Schwemmlandebenen von Palma,

Campos und Alcúdia mit Windmühlen

aus Tiefenbrunnen Süßwasser

gefördert. Pro Umdrehung konnte

eine Wassermühle knapp 25 Liter

Grundwasser aus der Erde fördern,

480 Liter pro Minute. Noch heute bestimmen

ihre Blütenräder mit Lamellen

aus rot-weiß, rot-grün etc. bemal-

tem Holz oder Eisenblech prägen das

Landschaftbild. Von den etwa 2.500

Wassermühlen (Stand 2003) sind

heute nur noch wenige im Einsatz.

Wo Motoren die Windkraft ersetzt

haben, sieht man oft nur noch die

Stümpfe mit oder ohne Flügelreste.

Den wesentlichsten Anteil an der

Wasserversorgung der Insel nimmt

die Meerwasserentsalzungsanlage in

Palma ein. Durch sie können bis zu

80.000 Kubikmeter (80 Millionen

Liter) Trinkwasser am Tag produziert

werden.

Zwei weitere Meerwasserentsalzungsanlagen

in Alcúdia und Andratx

sind ein Jahr nach ihrer Inbetriebnahme

bereits wieder stillgelegt worden,

weil hier angeblich kein Bedarf für

das aufbereitete Wasser besteht.

Bis in die 1970er-Jahre wurde Abwasser

noch ungeklärt ins Mittelmeer

geleitet. Mittlerweile gibt es über die

Insel verteilt etwa 70 Kläranlagen. Da

sie bisweilen an ihre Leistungsgrenze

stießen, da mehr Wasser aufzubereiten

war, als die Kapazität es zuließ,

investierte die Regierung in Ausbau

und Erweiterung der Anlagen. Die

Wasserqualität an allen Stränden hat

sich dadurch merklich verbessert.

Wassersport

Mit 180 Stränden, 50 Kilometer

Sandstrand auf 560 Küstenkilome-


82 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 83

tern ist Mallorca ein Paradies für sonnenhungrige

Badeurlauber. Während

die Badesaison kaum vor Mitte Mai

beginnt und Ende Oktober ausklingt,

startet die Saison für die wichtigsten

Wassersportarten Segeln, Windsurfen

und Tauchen bereits im März und

endet Ende Oktober, in ausgesprochenen

Wassersportzentren auch bis

November.

Surfen:

Surfer sieht man

in jeder größeren

Bucht. Verleihstationen

gibt es an allen

gut besuchten

Stränden, meistens

können Anfängerkurse gleich vor Ort

gebucht werden, zumindest erhält

man die wichtigsten Grundkenntnisse.

Die großen Reiseveranstalter

bieten an speziellen Surf-Basen verschiedene

Kurse mit Möglichkeit zum

Erwerb eines Surfscheins an.

Natürlich kann man auch sein eigenes

Surfboard mitbringen. Dies muss

vor der Reise bei der jeweiligen Airline

angemeldet werden. Der Transport

kostet pro Strecke ca. 50 €.

www.mallorca-webguide.de

Segeln:

Mallorca verfügt

entlang seiner

Küste über 45

Jachthäfen. Die

größten sind in

Palma, El Arenal,

Puerto Portals, Alcúdia, Port de Pollença,

Port de Sóller und der Real

Club Nautico de Palma.

www.buscoamarre.com

www.illesbalears.es

Wer ein Boot auf Mallorca zu chartern

beabsichtigt, muss mit etwa

1.500 € aufwärts pro Woche rechnen.

Der Preis ist abhängig von der

Größe der Jacht, der Anzahl der Personen

und der Buchungszeit. Hinzu

kommen noch die Liegegebühren, die

erheblich höher sind als an Nord- und

Ostsee.

www.yacht-charter-mallorca.de

www.marina-balear.de

www.mallorcanautic.de

Wer vorhat, Mallorca mit einer Segeljacht

zu umrunden, muss dafür ein

bis zwei Wochen einplanen.

Wo es Surfboards gibt, kann man

oft auch Katamarane ausleihen. Das

Angebot ist jedoch nicht ganz so weit

verbreitet.

Segeln ist nicht nur für die Aktiven

interessant. Auch der Spaziergänger

entlang der Uferpromenaden gerät angesichts

der ankernden Riesen-Jachten

oft ins Staunen. Und wenn im Sommer

mit internationaler Beteiligung die

Regatten ausgetragen werden, an deren

wichtigster, der „Copa des Rey de

Vela“, auch Mitglieder des Königshauses

teilnehmen, erwartet die Zuschauer

ein besonderes Schauspiel.

Schnorcheln:

Ist eine Badeaktivität, die überall

betrieben wird, wo felsige Küste, kie-

siger Untergrund

und klares Wasser

zusammen auftreten.Taucherbrillen,

Schnorchel

und Schwimmflossen

können ohne Probleme in allen

Küstenorten gekauft werden.

In den küstennahen Regionen

sieht man Seeigel, Wasserpflanzen,

Quallen und Fische in vielen Größen

und Farben.

Tauchen:

Zwar kann Mallorca

weder mit der

Arten- noch mit

der Farbenvielfalt

z.B. Ägyptens mithalten,

doch erfreuen

sich die Gewässer um die Insel

für Taucher größter Beliebtheit.

Da neben den vorgelagerten Inseln

Dragonera und Cabrera auch weitere

Tauchreviere als Naturschutzgebiete

ausgewiesen sind, können Unterwasserflora

und -fauna noch in ihrer Artenvielfalt

entdeckt werden.

Die besten Tauchgebiete liegen im

Südwesten bei San Telmo und Port

Andratx, im Nordosten bei Cala Rajada,

im Südosten bei den Höhlenkomplexen

und Cabrera im Süden. Cabrera

sollte früh vorgebucht werden,

da es in der Saison nur zwei Tauchschiffe

pro Tag gibt.

Wer einfach nur einmal „Schnuppertauchen“

möchte, ohne gleich einen

Tauchschein zu erwerben, findet

Angebote auf der unten angegebenen

Website.

Für einen Tauchkurs sollte man vier

bis sechs Tage und etwa 400 € einplanen.

Man erlernt die Grundkenntnisse

des Tauchens in Theorie und Praxis,

was allerdings nicht automatisch für

andere Tauchreviere qualifiziert.

Weiterführende Informationen

über Tauchbasen auf Mallorca:

www.tauchbasen.net

Weitere trendige Wassersportarten

sind Jet Ski fahren, Seakayaking und

Kitesurfen.

Informationen dazu gibt es auf

www.sport-und-mallorca.de.

Wein

Schon zu Zeiten

der Römer hat

man auf Mallorca

Wein angebaut.

Zentrum des Weinanbaus

ist Binissalem.

Im Laufe der Jahrhunderte

wurden beachtliche Mengen gekeltert,

bis um 1900 die Reblaus nach

Mallorca eingeschleppt worden ist,

der fast alle Rebsorten zum Opfer

fielen. Erst nachdem resistente Reben

aus Amerika eingeführt wurden, ging

es mit dem Anbau wieder aufwärts,

wenn der Wein auch von minderer

Qualität war. In den letzten 30 Jahren

wurden wieder hochwertige Weine

angebaut, man investierte in modernere

Technologien und kann klar von

einer Qualitätssteigerung sprechen.

2.300 Hektar sind heute Weinanbau-


84 Mallorca von A – Z

Mallorca von A – Z 85

fläche mit einem Ertrag von 45.000

Hektolitern.

Wellness/Spa

Das älteste Spa Mallorcas ist schon

über zweitausend Jahre alt. Die einzigen

Thermalquellen der Insel, die

Banys de Sant Joan (Tel.: 0034-971-

655016) zwischen Campos und Colonia

de Sant Jordi, wurden von den

Römern nach der Eroberung kurz vor

der Geburt Christi entdeckt und genutzt.

Sie existieren noch heute als

Thermalbad mit angeschlossenen

Hotelzimmern. Die gesamte Anlage

wurde vor Kurzem renoviert und genügt

jetzt auch höchsten Ansprüchen.

Darüber hinaus existieren mittlerweile

etliche Fünf-Sterne-Hotels mit

weitläufigen Wasserlandschaften,

Saunen, Dampfbädern und umfangreichen

Wellness- und Kosmetikangeboten.

Star unter den Spas ist der

4.700 qm große Wellnessbereich

des Hotels St. Regis Mardavall in

Bendinat (www.mardavall-hotel.

com, Tel.: 0034-971-606136).

Aber die Einrichtungen und Therapieangebote

der Hotels Marriott Son

Antem bei Llucmayor (www.mariotthotel.com/pmigs,

Tel.: 0034-971-

129210) mit zwei Golfplätzen und

Valparaiso Palace in Palma (www.

grupotelvalparaiso.com, Tel.: 0034-

971-401712) stehen dem kaum nach.

Neben den großen Luxusherbergen

haben sich auch kleinere First Class

Hotels beachtliche Spas zugelegt:

La Residencia in Deià

Tel.: 0034-971-639 011

www.hotellaresidencia.com

Hospes Maricel

in Sant Agustí/Cala Mayor

Tel.: 0034-971-707744

www.hospes.com

Reads bei Santa Maria

Tel.: 0034-971-140261

www.readshotel.com

***** Gran Hotel Son Net

bei Puigpunyent

Tel.: 0034-971-147000

www.sonnet.es

***** Son Julia bei Llucmajor

Tel.: 0034-971-669700

www.sonjulia.com

***** Gran Hotel Sóller

Tel.: 0034-971-638686

www.granhotelsoller.com

Auch immer mehr ****-Häuser

und Landhotels verwöhnen ihre Gäste

mit sprudelnden Whirlpools und verschiedenen

buchbaren Anwendungen:

Aimia in Port de Sóller

Tel.: 0034-971-631200

www.aimiahotel.com

Cala Santanyi

Tel.: 0034-971-165505

www.hotelcalasantanyi.com

Eurotel Punta Rotja

Tel.: 0034-971840380

www.eurotelmallorca.com

Landhotel Son Manera bei Montuiri

Tel.: 0034-971-161530

www.sonmanera.com

Amoixa Vell bei Manacor

Tel.: 0034-971-846292

www.sonamoixa.com

Petit Hotel Cas Comte in Lloseta

Tel.: 0034-971-873077

www.hotelcascomte.com

In der Saison 2011 existierten über

50 Beherbergungsbetriebe auf Mallorca

mit eigenen Spa- und Wellnessprogrammen.

Wer gezielt nach bestimmten

Spa-Aktivitäten, Anwendungen,

Massagen, Behandlungen (z.B. gegen

Rheuma) oder einschlägigen Therapien

sucht und seine Unterkunft unter

diesem Gesichtspunkt auswählen

möchte, informiert sich am besten im

Internet über die vorhandene Einrichtung

und Service-Palette der in Frage

kommenden Unterkünfte. Die Vielfalt

des Angebots ist erstaunlich. Es gibt

nichts, was es nicht gibt: Aroma-, Bio-

resonanz-, Edelstein-, Farblicht-, Hot

Stone, Magnetfeld-, Thalasso-, Ultraschalltherapie

u.v.a.m. Massagen jeder

Art, Qigong, Reiki und Yoga sowieso

und für die totale Entspannung das

Rosenblütenbad. Neben Einzelanwendungen

und -behandlungen finden

sich auch unterschiedlich gestrickte

„Wohlfühlpakete“ von ganztägiger bis

mehrwöchiger Dauer. Hilfreich für einen

Überblick über die Möglichkeiten

an sich ist das Programmangebot des

Spa- & Thalassozentrums Biomar in Sa

Coma, www.proturbiomarspa.com.

Auch wer in einem Haus ohne Spa

unterkommt, kann mittlerweile auf ein

breit gefächertes Angebot zurückgreifen,

sei es als externer Gast in einem der

entsprechend ausgestatteten Hotels

(z.B. im Mariott Son Antem und Valparaiso

Palace gegen eine Tagespauschale)

oder in den zahlreicher werdenden

Day Spas. Diverse dieser Art, meist mit

Fitness-Studio, öffneten in den letzten

Jahren besonders in der Inselhauptstadt

ihre Tore. Die größten sind:

S’Aigua Blava an der Avenida

Picasso; www.saiguablava.com

Hidropolis in der Carrer Francesc

Borja i Moll 22; www.hidropolis.com

Spa-Center Aquamar in der Carrer

Fray Luis de Leon 5, Nähe Passeig

Mallorca; www.aquamarcenter.com.

Auch in ihnen kann man für eine

Pauschalgebühr zwanglos mehrere

Stunden oder den gesamten Tag

verbringen. Für Anwendungen, Massagen

etc. und Verzehr zahlt man

natürlich extra.


86 Mallorca von A – Z Mallorca von A – Z

87

Folgende Häuser werben neben

den schon genannten Hotels mit Spa

und Wellness:

Camp de Mar: Dorint

Illetes : Melia de Mar

Son Servera : Pula Suites

Palma Castillo: Son Vida

Cala Rajada: Serrano Palace

Cala Rajada: Port Adriano

Palma: Tryp

Arta: Ca’n Moragues

Cala Rajada: S’Entrador Playa

Sa Coma: Sa Coma Playa

Porreres: Sa Bassa Rotja

Illetes: Lindner

Palma: Puro

Palma: Los Naranjos

Santa Ponsa: Jardin del Sol

Platja de Muro: Parc Natural

Bahia Grande: Hilton Sa Torre

bei Puigpunyent Finca Es Ratxo

Playa de Palma: Grupotel Playa

de Palma Spa & Resort

Marratxi: Son Caulelles

Can Picafort: Gran Vista

Wetter

-> Reisezeit

Winde

Auf Mallorca sind seit Jahrhunderten

besondere Namen für die Winde

überliefert, die das Wetter auf der

Insel beeinflussen und für Fischer

und Bauern eine große Rolle spielen.

Die Namen der Winde wurden zum

Teil auch auf die Inselregionen übertragen.

-> Tramuntana, Gregal, Llevant, Xa-

loc, Migjorn, Llebeig, Ponent und Mestral

(im Uhrzeigersinn).

Windmühlen

-> Mühlen

Wochenmärkte

-> Märkte

X

Xaloc

Der Wind aus Süd-Südost ist ein Wind

wie aus der Sauna: feucht im Sommer,

klatschnass im Winter. Oft bringt er

roten Saharasand aus Marokko mit.

Xuetas

Nachfahren der Juden, die während

der Inquisition gezwungen wurden,

zu konvertieren und somit zum Christentum

überzutreten. Auf Mallorca leben

schätzungsweise 15.000 Xuetas.

Ziegen

-> Bergziegen

Z

Zisternen

Viele mallorquinische

Häuser verfügen

über Zisternen,

in denen das Regenwasseraufgefangen

wird. Als

Trinkwasser ist dieses Wasser allerdings

nicht geeignet, da es gesundheits-

schädliche Ablagerungen enthalten

kann.

Zitronen

Die Nachfrage nach Zitronen aus

Spanien im Allgemeinen und Mallorca

im Besonderen ist in den vergangenen

Jahren immer weiter gesunken.

Noch vor 30 Jahren lag Spanien bei

der Zitronen-Produktion in Europa

ganz vorn. Im weltweiten Anbau ist

Spanien auf Platz 5 zurückgefallen

und liegt hinter Mexiko, Indien, dem

Iran und Argentinien.

Mallorca hat im besten Zitrusjahr

seiner Geschichte 830 Tonnen Sóller-

Zitronen geerntet und exportierte sie

bis nach Amerika. Durch massiven

Anbau auch in anderen Teilen der Insel

und ausländische Konkurrenz kam

es bald zu einer Überproduktion, was

zu einem Preisverfall führte. Für die

Zitrus-Bauern im Tal von Sóller hatte

das schwerwiegende

Folgen. Obwohl locker

1.000 Tonnen Zitronen

pro Jahr geerntet werden

könnten, belässt

man es bei etwa einem

Viertel, der Rest

verrottet. Der Zitronenanbau

auf den kleinen

Terrassenfeldern ist sehr

arbeitsintensiv. Qualität hat ihren

Preis. Wie so oft ist die importierte

Ware billiger.

Zungenstoff

„Roba de llengues“,

gewebte Stoffe

mit Mustern aus

langer mallorquinischer

Tradition.

Der Name kommt

durch die länglichen Muster zustande.

Sie dienten als Wandverkleidung,

Gardinen und Möbelbezüge. Die Firma

Bujosa stellt diese Stoffe noch immer

auf alten Webstühlen her.


88

IMPRESSUM

Mallorca von A – Z

Beileger zum ReiseBerater „Mallorca

aktiv genießen“ von Hartmut

Ihnenfeldt unter Mitarbeit von

Edith Kölzer, Hans-R. Grundmann und

Stephanie Eichler.

1. Auflage 2012

Lektorat Elisabeth Pfurtscheller

Endkorrektur Peter Reinert

Layout Nicoline Felkl, Lutz Doyé

Mallorca von A – Z

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