BHN Ausgabe 1-04 - Berliner Heilpraktiker Nachrichten

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BHN Ausgabe 1-04 - Berliner Heilpraktiker Nachrichten

Lebensweise geöffnet, war aus der Krankenkasse ausgetreten. Und

wenn ich zu meiner damals endlich in Berlin gefundenen Homöopathin

kam oder zu anderen Heilkundigen und sie persönlich bezahlte, war mir,

als ob ich mein Geld einfach nur von einer Tasche in die andere steckte.

Und so geht es mir immer noch! Mein Körper, auf den ich zu hören

gelernt habe, dankt es mir.

Mein Bezug zu nichtärztlichen Heilerinnen und Heilern war also

geradezu als innig zu bezeichnen. (übrigens hab ich irgendwann, lange

bevor die Approbation dann den Therapeutentitel legitimierte, einen Titel

Heilpraktikerin für Psychotherapie“ bekommen).

So war mir diese „Klientel“ äußerst sympathisch, die sich da

ankündigte!

Ich bekam also eine Einladung zu euch. Wie ich in der Runde erfuhr, war

ich die dritte, die sich vorstellte. Als ich hörte, ich sollte gleich loslegen

mit Arbeiten, wurde das Herzhüpfen ein ordentliches Herzklopfen. Doch

dann krempelte ich innerlich die Ärmel hoch, und es wurde ganz leicht.

In dieser quasi Prüfungssituation machte es n u r Freude, mit euch zu

arbeiten.

Als ich nach dieser aufregenden Probesitzung nach Hause fuhr, war ich

ganz erfüllt. Ich dachte gar nicht mehr daran, werde ich nun genommen

oder nicht? Kaum hatte ich die Haustür aufgeschlossen, da klingelte

das Telefon: Maria war dran und sagte: „Anna, wir haben uns für Dich

entschieden!“

Es war unbeschreiblich. Ein absolut jubelndes Glücksgefühl!

Frage:

Du selbst nennst dich eine Beziehungstherapeutin, und Du bist es

besonders gern hier bei uns. Was unterscheidet uns von deinen

anderen Gruppen?

Bittmann:

Da gibt es vieles… In der Dozentenrunde habe ich schon eine Fähigkeit

der „Selbstbeschau“ vorgefunden, der Fähigkeit, Verantwortung für

die eigenen Gefühle zu übernehmen und die blitzbeleuchtete, eigene

Vergangenheit für die Erkenntnis der Gegenwart zu nutzen. Das ist

absolut selten und macht das Arbeiten zum Honigschlecken.

Für mein Vorgehen habe ich daraus viel gelernt: Ich kann einen

beruflichen oder auch privaten Konflikt in den gefühlten Zusammenhang

mit alten Wunden, das Verständnis für das Kind, das derjenige mal

war, fördern und wie sich die alten Überlebensstrategien in Fleisch und

Blut und damit ins Heute erhalten haben; deutlich machen, und dabei

bleibt die arbeitende Person in aller Berührung geschützt, sich vor den

anderen zu entblößen.

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Zum anderen ist bei euch eine Wachheit, eine Aufmerksamkeit, oft

auch eine wohlwollende Konfrontationsfähigkeit, eine Kompetenz in der

Gruppe vorhanden, die für meine Arbeit eine der größten Ressourcen

darstellt. Eine andere ist die Bereicherung durch die Schattenarbeit, also

der souveräne Umgang mit Projektionen.

Und dann macht sich die intensive Aufstellungsarbeit eures Hauses

deutlich bemerkbar durch die Fähigkeit, in Zusammenhängen nicht nur

zu denken, sondern auch buchstäblich zu empfinden und sich mit dieser

Kompetenz einzubringen. Um nur einige Unterschiede zu nennen…

Und auf gar keinen Fall darf ich das Beste vergessen: Leicht wird mir die

Arbeit mit euch auch dadurch, dass ich mich hier in einer Luft sozusagen

von selbstverständlicher Spiritualität bewegen kann, die ich erst mal

schlicht als Betonung des geistigen Prinzips und des Prinzips der Liebe

verstehe.

Ja, da finden hier ab und zu kleine Wunder statt, über die ich selbst

immer wieder ins Wundern komme.

Frage:

Hast du, die du von außen kommst, Lust, noch was über die

Außenwirkung der Schule auf dich zu sagen?

Bittmann:

Da ich manche Arbeit mit Schülerinnen bzw. Schülern der SHS mache,

auch manche Supervision mit ehemaligen SchülerInnen, jetzt auch

meine psychotherapeutische Fortbildung für Heilpraktikerinnen und

Heilpraktiker, habe ich die Gelegenheit zu diesem Außenblick

und zugleich zum Hineinblicken in die Menschen, die in der Samuel-

Hahnemann-Schule ausgebildet wurden. Und da würde ich gerne

wiederholen, was ich schon mal jemandem gesagt habe: Ich kriege mit,

in welchem Maße die Schule eine modellierende Funktion hat. Spürbar

wird dort nicht nur handwerkliches Wissen vermittelt, sondern etwas wie

eine alternative Freiheit zu gängigem Denken, Fühlen und Handeln, eine

neue Univers - ität, eine universale Identität des Herzens.

Und so ist es einfach immer wieder lebendig und spannend, mit Leuten,

die an der SHS ausgebildet wurden, zu arbeiten. Das Fundament

für die Arbeit an sich selbst und die Offenheit für neue Impulse und

Fragestellungen ist schon vorhanden. Ich kann darauf aufbauen.

Ganz persönlich konnte ich die Wirkung dieser Lebens-Kunst-Schulung

mitkriegen bei dem Sohn einer Kollegin und seiner Freundin, die

zusammen die SHS besuchten. Ich kenne ihn von klein an und ich

mochte ihn schon immer. Nach langer Zeit sah ich ihn wieder zusammen

mit ihr. Sie hatten die Prüfung grade bestanden und waren voll in Praxis-

und Familienplanung. Ihrer beider Reifung und inneres Leuchten las ich

aus den Gesichtern und ihren Worten über die Schule. Es war einfach

zum Mitfreuen...

Frage:

10 Jahre Anna Bittmann an der SHS als Supervisorin. Das ist ja noch

was anderes als in der Intimität von Patient und Therapeutin. Supervison

mit lauter Therapeuten, die ihre individuellen und Teamfähigkeiten und

-schwierigkeiten immer wieder mutig ins Spiel bringen.

Es gehört für mich zu deiner respektvollsten Fähigkeit, dass wir im

Kreis der Dozentenkollegen uns trauen, auch Versagen, Scham, Angst,

raus zu lassen. Als Beispiel, wenn ich zu wenig Mut in mir finde, über

meine Angst, meine Scham, mein Problem, was in die Runde zu geben,

und dann erlebe, dass es einem anderen meiner Kollegen gelingt, also

ich seinen Mut spüre und auch sehe, wie etwas würdevoll geschieht,

wofür ich eben noch meinte, im Boden zu versinken, dann gibt es diese

Resonanz von: ich kann es jetzt auch raus lassen. Ich kriege die Kurve

noch. Diese ERMUNTERUNSGARBEIT verdanke ich dir.

Bittmann:

Ja, die bedingungslose Annahme von sich selbst mit jedem Gefühl, jeder

sogenannten Schwäche und Stärke, in jedem Zustand ist mir ein ganz

wichtiger Wert in meiner Arbeit. Wenn ich als spiegelndes Gegenüber

die bedingungslose Achtung vor allem, was da ist und hochkommt,

ausstrahle, gelingt es leichter. Und wo es gelingt, geschieht etwas

Heilendes auf der Ebene.

Auch die Arbeit an mir selbst geht unter anderem in die Richtung,

jede Bewertung zu merken und zu verwandeln (ohne die Bewertung

zu bewerten!) Wir denken immer - so hab ich’s auch mal gelernt -

daß wir nur durch Selbstkritik und -verurteilung weiterkommen. Heute

bin ich überzeugt, daß wirkliche, organisch wachsende und haltbare

Veränderung nur auf dem Boden des Selbstgewahrseins und der

Selbstannahme geschieht.

Frage:

Ich habe immer den Eindruck, wenn ich schon erschöpft bin, dass es

dich gar nicht anstrengt.

Bittmann:

Das ist wahr. Meine Neugier, mein Interesse scheinen mir selbst

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