10 Jahre2002-2012 - Herzlich Willkommen auf den Seiten vom

csg.rostock.de

10 Jahre2002-2012 - Herzlich Willkommen auf den Seiten vom

10 Jahre

2002-2012


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Dr. Wolfgang Nitzsche 4

Grußwort: Manuela Schwesig 6

Grußwort: Karina Jens 7

Grußwort: Dr. Liane Melzer 8

Grußwort: Dr. Markus Schwarz 9

Grußwort: Thomas Schneider 10

Grußwort: Sylvia Urban 10

Grußwort: Gerd Hofrichter 12

Grußwort: Prof. Dr. med. Emil C. Reisinger & Dr. med. Carlos Fritzsche 13

Grußwort: Dr. J. Winterfeldt 14

Grußwort: Dipl.-Päd. Sylvia Bartsch 15

Grußwort: Robert Grosser 16

Grußwort: Micha Davidsberg 17

HIV- und STI-Beratung 18

Prävention 19

Aufklärung und Information durch Aktionen in der Öffentlichkeit 20

Begleitungsangebote als Hilfe zur Selbsthilfe 21

Dietmar N. und die Krankheit 22

Die Selbsthilfegruppe „+Pol“ 23

Der HIV-Schnelltest 24

Sexualerziehung & mehr 25

Der Vorstand und die Mitarbeiter 26

Macht ehrenamtliche Arbeit heute noch Sinn? 27

Vielen Dank an unsere Helfer 28

Chronik vor 2002 29

Chronik ab 2002 30

Unsere Visionen 33

Beitrittserklärung 34

3


Dr. Wolfgang Nitzsche

Vorstand Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock

Aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums der Aidshilfe in der Hansestadt

Rostock hat der Vorstand des „Centrums für sexuelle

Gesundheit“ den Beschluss gefasst, in würdiger Form unsere

kurze Geschichte zu dokumentieren.

Unser oberstes Anliegen ist es, zunächst den Förderern und

Freunden unseres Vereins für die langjährige und kontinuierliche

Hilfe sowohl sachlicher als auch finanzieller Hilfe zu

danken. Unter dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe haben wir

fachlich reifen können.

Von Anfang an erhielten wir finanzielle Unterstützung aus Mitteln

des Landes im Geschäftsbereich Ministerium für Soziales

und Gesundheit M-V, dem Gesundheitsamt der Hansestadt

Rostock und dem heutigen Landkreis Rostock. Trotz problematischer

Haushaltslagen waren die Zuwendungen beider

staatlichen Institutionen eine verlässliche Handlungsgrundlage

für die Arbeit der Aidshilfe in Rostock.

Die Schwerpunktpraxis der Universitätsklinik Rostock hat mit

ihrer fachlichen Kompetenz in der Behandlung von HIV, unseren

zu betreuenden und beratenden Menschen ein Stück Lebensqualität

zurückgegeben. Gleichfalls sei allen Sponsoren

gedankt, die mit sachlichen und finanziellen Hilfen unsere

Spielräume beträchtlich erweitert haben. Dr. Harald Lochotzke

sei stellvertretend für Sie alle genannt.

Die Geschichte der Aidshilfe in der Hansestadt Rostock ist

bereits älter als 10 Jahre und beginnt schon lange vor der

Gründung unseres Vereins. Die ehemaligen Angestellten der

Aidshilfe im „rat + tat e.V.“ und andere interessierte Bürger der

Stadt gründeten im Jahre 2001 das AIDS - Centrum Rostock e.V.

Das Loslösen von „rat + tat e.V. war ein komplizierter, aber

notwendiger Prozess und hatte seinerzeit tiefe Wunden geschlagen.

Ab Februar 2002 nahm die Aidsberatungsstelle des

Centrums in der Grubenstraße seine Arbeit auf. Diese Arbeit,

diese Verantwortung wurde zunächst ehrenamtlich realisiert.

Das Datum der Gründung einer Aidsberatungsstelle in Rostock

ist mir noch in guter Erinnerung, denn als Senator für Sozialesund

Gesundheit durfte ich an der Einweihungsfeier der Beratungsstelle

in der Grubenstraße teilhaben.

Das sollte aber nicht der letzte Standort für die Aidsberatungsstelle

gewesen sein. Im Mai 2005 ist der Verein dann in

die Hermannstraße 34 a umgezogen. Und bereits im 5. Jubiläumsjahr

erneut in die Goethestraße. Über das Warum dieses

Umzuges sollte man an dieser Stelle doch ein Wort verlieren.

Der Vermieter der Immobilie in der Hermannstraße 34 a konnte

seine Räumlichkeiten nicht umfänglich vermieten, denn

niemand wollte eine Aidsberatungsstelle als Nachbarn haben.

Auch das ist ein Stück gesellschaftlicher Wirklichkeit in Rostock.

Als Helfer in der Not erwies sich abermals der Investor

unserer Stadt, Dr. Harald Lochotzke. Seine Immobilie in der

Goethestraße 29 ist bisher unser schönster Standort.

Höhepunkt unserer Arbeit war u. a. die Mitgliederversammlung

der Deutschen AIDS-Hilfe in Rostock. Zu weiteren Höhepunkten

sind die regelmäßig durchgeführten Symposien zu

allgemeinen Problemlagen im Zusammenhang mit HIV - Infektionen

zu zählen. Diese Symposien wurden zusammen mit der

HIV-Spezialambulanz der Uni-Klinik und dem Leiter der Frauenklinik

am Südstadtkrankenhaus organisiert und galten als

Fortbildungsveranstaltungen.

Das AIDS - Centrum beteiligt sich seit geraumer Zeit an der

bundesweiten Telefonberatung der regionalen Aidshilfen unter

dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe. Auf Grund allgemeiner

Entwicklungen in der Aidshilfe hat unser Verein Anfang des

Jahres 2009 die Prioritäten im Aufgabenspektrum geändert.

Neben Beratung wurde die Prävention ein Schwerpunktthema.

In diesem Sinne hat sich die Beratungsstelle im 7. Jahr des

Bestehens einen neuen Titel gegeben: Centrum für sexuelle

Gesundheit. Unser Präventionsspektrum haben wir nunmehr

von reiner HIV-Prävention um eine allgemeine Sexualerziehung

erweitert. Gleichsam mit dieser Schwerpunkterweiterung

hat die Mitgliederversammlung unseres Vereins im Jahre

2009, mit Beschluss der Beratungsstelle, einen neuen Namen

gegeben: ACR: Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock.

Gegen Ende 2010 fiel dann auch das ACR weg und es blieb

„Centrum für sexuelle Gesundheit“. Eine Entwicklung ist aber

dennoch bedauerlich, bislang kostenlose Dienstleistungen

müssen mit einer Aufwandsentschädigung verbunden werden.

Es ist allgemein üblich, bei der Förderung von Vereinen

durch staatliche Institutionen, dass ein Eigenanteil des Vereins

ausgewiesen werden muss.

Davon betroffen ist u.a. auch der HIV-Schnelltest, der seit 2011

in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt unserer Stadt im Angebot

des CSG ist.

Im Namen des Vorstandes des Centrums für sexuelle Gesundheit

darf ich unserer Mitarbeiterin Marianne Harder und

unserem Mitarbeiter Tom Scheel für die hochprofessionelle

und fachlich anerkannte Arbeit ein „vielen Dank Ihr Beiden

aussprechen.

Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrer Filiale oder

unter www.apobank.de

Filiale Rostock

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GRuSSWoRt

Manuela Schwesig

Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales des

Landes Mecklenburg-Vorpommern

Zum 10-jährigen Bestehen gratuliere ich dem Verein „Centrum

für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock“ sehr herzlich.

Das Centrum ist Träger des Projektes Aids-Hilfe, dass für die

Stadt Rostock und den Landkreis Rostock zuständig ist. Seit

2002 begleiten die 2 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter HIV-positive und an Aids-erkrankte

Menschen und ihre Angehörigen.

Sie zeigen den Betroffenen Wege auf, um sich aus der gesellschaftlichen

Isolation zu befreien, geben ihnen Rat und Hilfe

in Krisensituationen und sie geben Zuspruch. In ihrer Arbeit

begegnen sie Menschen mit unterschiedlichen Lebensformen,

denen sie mit Respekt endgentreten. Sie kämpfen gegen

Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung und suchen gemeinsam

Wege, um mit der Krankheit ein würdevolles Leben

in der Mitte der Gesellschaft zu führen. Die Menschen in einer

Gesellschaft können nur glücklich und friedlich zusammen leben,

wenn sie sich gegenseitig respektieren und anerkennen.

Dieses Gefühl geben sie den Menschen, die sich Ihnen anvertrauen.

Wenn auch in Mecklenburg –Vorpommern die HIV-Erstdiagnosen

nicht drastisch angestiegen sind, sehen sie es als wichtigste

Aufgaben an, die Verbreitung von HIV und allen anderen

sexuell übertragbaren Infektionen durch Aufklärung und Prävention

zu stoppen.

Sicher haben sich die Zeiten geändert. Der medizinische Fortschritt

ermöglicht eine hohe Lebenserwartung aber HIV bedeutet

immer noch eine Beeinträchtigung der Lebensqualität

und häufig den sozialen Abstieg.

Hiermit möchte ich auch meinen Dank an den Vorstand und

die ehrenamtlichen Mitarbeiter richten. Ohne ehrenamtliche

Arbeit ist ein funktionierendes Sozialwesen unverzichtbar.

Aber auch ihre Aufklärungsarbeit mit Jugendlichen in den

Schulen und in der Ausbildung sehe ich als eine wichtige Aufgabe

in unserem Land. Sie tragen dazu bei, dass die Jugendlichen

zu selbstbestimmten Menschen mit einem gesunden

Körperbewusstsein heranwachsen und somit verantwortungsbewusst

mit sich und anderen umgehen können. Auch

hierfür meine Anerkennung.

Ich wünsche dem Verein ein kraftvolles sowie effektives Engagement.

HIV-Positive und Aids-Kranke brauchen auch in Zukunft

einen Ansprechpartner und die Solidarität der Gemeinschaft.

Karina Jens

Präsidentin der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock

Zum 10jährigen Bestehen des „Centrums für sexuelle Gesundheit“

(CSG) und damit auch für 10 Jahre Trägerschaft der AIDS-Hilfe gratuliere

ich im Namen der Rostocker Bürgerschaft sehr herzlich

und möchte Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung für die

bisher geleistete Arbeit aussprechen. Das Centrum für sexuelle

Gesundheit e.V. Rostock verrichtet eine sehr gute Arbeit. Die Beratungsstelle

kümmert sich gleichermaßen um die Risikogruppen

und die präventiven Aufgaben. Auch wenn die Zahl der Menschen,

bei denen das Immunschwäche HIV-Virus entdeckt worden ist,

nicht weiter zugenommen hat, benötigen wir in der Hansestadt

Rostock auf Grund des präventiven Bedarfs das Centrum für sexuelle

Aufklärung als stetige Kommunikations- und Anlaufstelle.

Dies ist Anspruch und Motivation zugleich, die Präventions- und

Sexualerziehungsveranstaltungen nicht nur in der gewünschten

Anzahl sondern auch in einer entsprechenden Qualität anzubieten.

Die Angebote des CSG sind dabei vielfältig. So erfolgen umfassende

Informationen auch hinsichtlich anderer sexuell übertragbarer

Krankheiten. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch in den

Präventions- und Sexualerziehungsveranstaltungen für die Kinder

und die Jugendlichen in den Schulen. Pro Jahr nutzen durchschnittlich

1.000 Schülerinnen und Schüler die Aufklärungsangebote

in den Schulen, finden darüber hinaus ca. 1.500 persönliche

Gespräche per Internet oder vor Ort in der Beratungsstelle statt.

Ich möchte dem Vereinsvorstand– stellvertretend für alle, die

sich für die Selbstbestimmung und die Rechte von Menschen mit

HIV einsetzen - sehr herzlich für das ehrenamtliche Engagement

danken. „Aids ist eine Erkrankung, die unsere Gesellschaft mit

ihren Werten und ihrer Politik grundlegend auf die Probe stellt“,

so Rita Süssmuths bereits Ende der 80-er Jahre. Wir benötigen einerseits

die vertrauensvolle und sehr individuelle Beratung und

Betreuung der Betroffenen vor Ort. Andererseits brauchen wir die

GRuSSWoRt

Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema, um neben

der Prävention vor allem auch der Ausgrenzung und Diskriminierung

der Erkrankten entgegenzuwirken. Es gilt in jedem Fall eine

Tabuisierung zu vermeiden. Mehr Menschlichkeit im Umgang mit

den Betroffenen zu zeigen, dass lebt der Verein Centrum für sexuelle

Gesundheit e.V. Rostock uns in besonderer Weise vor.

Als Präsidentin der Bürgerschaft, die die Menschen aus unserer

Stadt in ehrenamtlicher Verantwortung eint, werde ich mich auch

zukünftig dafür einsetzen, dass die Aufgaben des Centrums für sexuelle

Gesundheit im Fokus des öffentlichen Interesses bleiben.

Wir haben als politisch Verantwortliche selbstredend die Verpflichtung,

Initiativen zum Wohle der Bevölkerung zu unterstützen.

Für die zukünftige Arbeit wünsche ich den Mitgliedern und Mitstreitern

des Vereins weiterhin viel Erfolg sowie die notwendige

Kraft zur Unterstützung der Betroffenen. Mein Dank gilt all denjenigen,

die sich den Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe

einhergehen, stellen.

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GRuSSWoRt

Dr. Liane Melzer

Senatorin für Jugend und Soziales,

Gesundheit, Schule und Sport, Kultur

Zum 10-jährigen Bestehen des „Centrums für sexuelle Gesundheit“

meinen herzlichen Glückwunsch.

Ihr „Geburtstag“ fällt in eine günstige Zeit: Die Zahlen der

jährlich HIV–Neuinfizierten in Deutschland scheinen sich auf

niedrigem Niveau einzupegeln und sind zumindest in diesem

Jahr rückläufig. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger, die mit

dem HI-Virus infiziert sind, nehmen ein antivirales Kombinationspräparat

ein - eine Therapieform, die die Lebenserwartung

deutlich verbessert. In der Fachliteratur lesen wir zunehmend

Artikel über eine in (naher?) Zukunft möglich werdende

Heilung vom HI–Virus. Zudem sind die Infektionszahlen in

Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu den anderen Bundesländern

sehr gering. Wozu also ein „Centrum für sexuelle

Gesundheit“?

Die niedrigen Zahlen in Deutschland, die Verhältnisse in

Mecklenburg-Vorpommern im besonderen, sind nicht zufällig

erreicht worden, sondern sind wesentlich das Ergebnis einer

beharrlichen, auf die unterschiedlichen Anforderungen verschiedener

Bevölkerungsteile zugeschnittenen Aufklärungsarbeit.

Gerade hier aber liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit

des Vereins. Aufklärung will gekonnt sein: Sie soll praxisnah,

realitätsbezogen, verständlich und kurzweilig sein. Die vom

Verein gewährte Unterstützung soll niedrig schwellig und ergebnisorientiert

sein. Sie soll Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln.

Bei der Aufklärung soll „über den Tellerrand hinausgeschaut“

werden, und andere Fragen der Sexualität sollen betrachtet

werden. Letztlich sollen die Veranstaltungen Orte des Austausches

und Treffpunkt sein.

Das „Centrum für sexuelle Gesundheit“ hat sich im Stadt- und

Landkreis Rostock als Dienstleister einen anerkannten Namen

gemacht.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine erfolgreiche Arbeit, gutes

Gelingen - und vergessen Sie nicht, dass Ihre herausfordernde

und verantwortungsvolle Tätigkeit auch für Sie persönlich Bestätigung

und Gewinn bringen soll, vielleicht sogar zuweilen

auch ein herzliches Lachen bereit hält.

Dr. Markus Schwarz

Amtsarzt und Leiter des Gesundheitsamtes der

Hansestadt Rostock

Dem Jubilar, dem „Centrum für sexuelle Gesundheit Rostock“, ein

dreifaches Hoch zum zehnjährigen Geburtstag. Gern möchten wir

die Gelegenheit nutzen, auf die vergangenen zehn spannenden,

abwechselungsreichen, zuweilen mühsamen, immer aber auch

fordernden Jahre anzustoßen.

Als „Insider“ ist man manchmal geneigt verlauten zu lassen:

„zum Thema AIDS/HIV ist schon alles gesagt“, …ist es offenkundig

aber nicht, wenn bedacht wird, dass in den vergangenen Jahren

enorme Erfolge auf dem Sektor der HIV/AIDS-Therapie errungen

wurden und die Zugänglichkeit zur Medikation in den westeuropäischen

Staaten für alle Betroffenen gewähr-leistet werden

konnte, andererseits aber auch in „aufgeklärten Gesellschaften“

Vorurteile, unverhohlene Ablehnung, Angst, Unbeholfenheit und

Unwissenheit nach wie vor vorhanden sind. Sie erfordern eine

fortwährende Begleitung der Betroffenen einerseits und eine

perma-nente, den gesellschaftlichen Bedingungen angepasste

Aufklärung andererseits.

Eine junge, sexuell aktive Generation wächst heran. Sie stellt sowohl

alt bekannte Fragen, legt andererseits auch neue Verhaltensmuster

an den Tag, auf die Antworten gefunden wer-den müssen.

Im Laufe der Jahre hat sich das „Centrum für sexuelle Gesundheit

Rostock“ den sich än-dernden Anforderungen gestellt. Längst

beschränkt sich das Portfolio nicht „nur“ auf die Be-ratungs- und

Begleitungsfunktion in Sachen HIV und AIDS, nein, HIV-Test, Testberatung,

Präventionsangebote auch die anderen sexuell übertragbaren

Infektionen betreffend für alle Geschlechter, alle Altersgruppen

in verschiedenen Sozialräumen. Prävention für Männer, die

Sex mit Männern haben, altersgerechte Aufklärungsangebote für

GRuSSWoRt

Kinder und Jugendliche in Fragen der Sexualität für ein gesundes

Körperbewusstsein, aufsuchende Sozialarbeit, die Unterstützung

von Selbsthilfegruppen, werden dabei nicht nur in den eigenen

Räumlichkeiten angeboten: Längst ist das „Centrum für sexuelle

Gesundheit“ mit seinem Angebot dabei auch unterwegs im Stadtund

Landkreis Rostock, ist sozusagen dauernd in Bewegung.

Für all das – bei übrigens permanent jährlich neu zu erkämpfender

und wenig üppiger finan-zieller Ausstattung – von den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, vom Team der HIV/STI- Be-ratungsstelle

am Gesundheitsamt der Hansestadt Rostock ein herzliches Dankeschön

für die hervorragende Arbeit in den vergangenen Jahren.

Wir freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit zwischen

dem „Centrum für sexuelle Gesundheit“ und dem Gesundheitsamt

der Hansestadt Rostock auch in naher und ferner Zukunft auf

neuen (vielleicht bislang noch nicht betretenen) Wegen.

8 9


GRuSSWoRt

thomas Schneider

Pressesprecher der

Rostocker Stadtwerke AG

In unserer Zeit ist das Thema „Aids“ zumeist nur um den 1.

Dezember ein wirkliches Thema. Dann sind wir immer wieder

überrascht, wie präsent es auf dem Erdball, in unserer Gesellschaft

und auch in Mecklenburg-Vorpommern ist. Jahr für Jahr

kommen neue Fälle hinzu und die Aufklärung in der Jugend

hat an Bedeutung eher gewonnen.

Wir können in Mecklenburg-Vorpommern nur dankbar sein,

mit dem Verein CSR und seinen engagierten Mitarbeitern

kompetente Partner zu haben. Zu seinem 10-jährigen Jubiläum

möchten wir sehr herzlich gratulieren! Die Existenz dieses

Vereins ist heute genauso wichtig wie vor 10 Jahren zur

Gründung. Leider, möchte man sagen, aber die Wissenschaft

braucht noch einige Zeit, um diese unsägliche Krankheit wirkungsvoll

zu bekämpfen.

Der Verein CSG nimmt eine wichtige Rolle in der Prävention

und Betreuung von Betroffenen ein. Diese Arbeit ist nicht immer

einfach, auch deshalb sei allen Mitarbeitern und ehrenamtlichen

Helfern des Vereins ausdrücklich gedankt. Leider

finden sie sehr selten die Aufmerksamkeit und Anerkennung

der Gesellschaft, die ihnen gebührt.

Ohne Unterstützung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

werden wir kein Klima der Solidarität und Akzeptanz in unserer

Gesellschaft schaffen! Dieses hat sich der Verein in hervorragender

Weise zum Ziel gesetzt und arbeitet mit großem

Engagement für die Realisierung.

Unternehmen und Institutionen in der Region fördern und

unterstützen den Verein, aber es ist bei Weitem nicht aus-

reichend und deshalb auch von dieser Stelle der Aufruf, das

bürgerliche Engagement stärker zu würdigen und zu unterstützen!

Für die Stadtwerke Rostock Aktiengesellschaft ist die Förderung

ein Stück Selbstverständnis. Das Unternehmen ist in vielfältiger

Weise im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich

in der Region verankert und ein fester Partner von Vereinen,

wie dem CSG e.V. Rostock.

Sylvia urban

Deutsche AIDS HIlfe

Das Centrum für sexuelle Gesundheit ist eine unserer jüngeren

Mitgliedsorganisationen, damals gegründet aus der

Notwendigkeit, nach strukturellen Veränderungen beim

bisherigen Aids-Hilfe-Träger im rat + tat e.V. die klassischen

Aufgaben der HIV-Prävention, Beratung und Betreuung fortzuführen.

Und es ist ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken

in unserem Verband: Die Deutsche AIDS-Hilfe bietet zum

einen eine sehr breite Palette von Materialien, die auf die jeweils

besonderen Bedürfnisse der Zielgruppen ihrer Präventionsarbeit

zugeschnitten sind; zum anderen schult sie die

haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

in den regionalen Aidshilfen in einem beständigen Qualitätsentwicklungsprozess,

damit sie den immer wieder neuen Herausforderungen

genauso gut begegnen können wie den alt

bekannten. Die Bandbreite reicht von der Vermittlung kommunikativer

Fähigkeiten in der Telefonberatung bis hin zum

Umgang mit dem Sterben von langjährig betreuten Klienten.

Es sind die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die die eigent-

liche Arbeit am Menschen leisten: Sie klären in den Szenen

der am stärksten von HIV und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten über Infektionsrisiken auf, gehen als Youthworker

in Schulen und Jugendzentren, sind für Ratsuchende da,

unterstützen HIV-Positive bei der Bewältigung ihrer Infektion

und begleiten sie durch den Dschungel der Ämter oder des

Versorgungssystems. Auch im Jahr 2012 sind Aidshilfen oftmals

die einzigen Anlaufstellen, in denen Menschen mit HIV so

angenommen werden wie sie sind. In dem zurzeit laufenden

DAH-Projekt „positive stimmen“ befragen HIV-Infizierte andere

HIV-Infizierte zu ihren Erfahrungen mit Stigmatisierung

und Diskriminierung. Als ein Ergebnis zeichnet sich ab, dass

Menschen mit HIV heute noch tiefe seelische Verletzungen

davontragen, wenn sie von ihrer eigenen Familie und dem

bisherigen engen Freundeskreis ausgegrenzt werden, weil sie

Drogen nehmen, schwul sind oder andere sexuelle Normen

gebrochen haben.

Um wiederum unsere Arbeit weiterentwickeln und frühzeitig

auf Veränderungen reagieren zu können, brauchen wir

die Rückkopplung aus unseren Mitgliedsorganisationen. Die

Kolleginnen und Kollegen stellen es als erste fest, wenn bestimmte

Zielgruppen mit bisher bewährten Methoden nicht

mehr erreicht werden können, wenn in der Sozialrechtsberatung

neue Fragen entstehen, wenn potenzielle Arbeitgeber die

immer gleichen Befürchtungen äußern und es ein Instrument

zu finden gilt, das ihre Ängste nehmen kann. Oder wenn in der

psychosozialen Betreuung immer mehr gerade junge Menschen

auftauchen, die sich mit Schuldgefühlen quälen, weil

sie gegen die Präventionsbotschaften verstoßen und sich infiziert

haben. Wir müssen uns als Aidshilfe auch damit auseinandersetzen,

dass wir inzwischen selbst Normen aufgestellt

haben und sich nicht alle daran halten können oder wollen.

Das Centrum für sexuelle Gesundheit – oder besser Tom

Scheel und Marianne Harder, die es aufgebaut haben und bis

heute als einzige hauptamtliche Kräfte betreiben – hat früh

die enge Anbindung an den Dachverband gesucht. Wenn Tom

im Delegiertenrat und in vielen Arbeits- und Expertengrup-

GRuSSWoRt

pen die Perspektive einer kleinen Aidshilfe in einer strukturschwachen

Region einbringt und umgekehrt die Erfahrungen

aus dem Austausch und der Vernetzung mit den Kolleginnen

und Kollegen aus dem Bundesgebiet mit zurück nach Rostock

nimmt, hält Marianne die Stellung und schmeißt den Laden.

Und die beiden haben schnell verstanden, wie wichtig gerade

in einem Land wie Mecklenburg-Vorpommern mit nur vier

Aidshilfen eine funktionierende Landesstruktur ist, um den

Einsatz der knappen Ressourcen besser abstimmen und gemeinsam

in die Verhandlungen mit Politik und Zuwendungsgebern

gehen zu können. Das Centrum ist zugleich der Sitz der

Landesarbeitsgemeinschaft.

Für all ihren Einsatz unter diesen Bedingungen gilt Marianne

Harder und Tom Scheel unser Dank und unsere Hochachtung,

ebenso wie den Vorstandsmitgliedern Manuel Rietenbach,

Mario Noack und Dr. Wolfgang Nitzsche und allen ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne deren tatkräftige

Unterstützung das Centrum nicht bestehen könnte.

Zugleich appellieren wir aber an die Verantwortlichen in der

Politik, die HIV- und Aidsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern

endlich abzusichern und ihr eine planbare Perspektive zu geben.

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GRuSSWoRt

Gerd Hofrichter

Pressesprecher

Stadtbäckerei - Der Hanse-Bäcker GmbH

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Ich meine damit nicht nur diejenigen, die oft

genannt und im Rampenlicht stehen, sondern

vor allem die vielen Unterstützer, Ehrenämtler

und freiwilligen Helfer.

Als Marianne Harder im Jahre 2003 von unseren

Aktionen für die Lübecker AIDS – Hilfe hörte, kam sie auf mich zu

und bat um Unterstützung. Wir waren selbstverständlich gleich zu

Stelle. Und seitdem sind wir dabei.

Für uns als Familienunternehmen ist es selbstverständlich, daß

wir unsere soziale und ökologische Verantwortung in konkreten

Taten übernehmen. Neben der Unterstützung des Centrums für

sexuelle Gesundheit engagieren wir uns aktiv mit Spenden für regionale

Sozialinitiativen. Einen Teil unserer Backwaren geben wir

kostenlos an die Tafeln, unterstützen mit Spenden und mobilisieren

mit Verkaufsaktionen lokale Initiativen wie den Kinderschutzbund

und vielen anderen mehr. Das ist ein wesentlicher Bestandteil

unserer Firmenphilosophie.

Heute, zum 10-jährigen Bestehen leben auch in Mecklenburg –

Vorpommern viel zu viele Menschen mit der Immunschwächekrankheit.

Dahinter verbergen sich meist erschütternde Schicksale

von Infizierten, aber auch von deren Familien, Freunden und

Verwandten. Dem Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock

kommt vor diesem Hintergrund eine besondere gesellschaftliche

Bedeutung zu. Denn sie leisten mit engagierten, oft ehrenamtlichen

Mitarbeitern Bewundernswertes.

Ihr Engagement hilft nicht nur den Betroffenen, sondern es sorgt

auch für mehr Toleranz und Solidarität in der Bevölkerung. Mit Ihrer

Arbeit verhindern Sie, daß die AIDS-Gefahr in der öffentlichen

Wahrnehmung kleiner wird.

Ich möchte Ihnen auch im Namen des Familienunternehmens

Junge unsere tief empfundene Anerkennung und Respekt für Ihre

geleistete Arbeit aussprechen. Ich verneige mich tief und möchte

allen meinen herzlichsten Dank aussprechen.

Lassen Sie in Ihrem außergewöhnlichen Engagement nicht nach,

wir alle brauchen Sie.

Prof. Dr. med.

Emil C. Reisinger

GRuSSWoRt

1979 traten in den USA die ersten HIV-Erkrankungen

auf, 1983 wurde das HI-Virus identifiziert,

1987 war mit Zidovudin (AZT, Retrovir®)

das erste wirksame Medikament verfügbar

Direktor der Klinik f. Innere Medizin II und 1996 wurde die hochaktive antiretrovirale

universitätsmedizin Rostock

Therapie, (HAART) zunächst als Triple-Therapie

mit Nukleosidischen Reverse Transkriptase

Inhibitoren (NRTI), Nicht-Nukleosidischen Reverse Transkriptase Inhibitoren (NNRTI) und

Protease-Inhibitoren (PI) eingeführt. Heute, im Jahre 2012, hat sich die Behandlung HIV-infizierter

Menschen weiter deutlich verbessert. Mit neuen Substanzklassen wie Integraseinhibitoren,

Rezeptorantagonisten und Fusionsinhibitoren wurde die Wirksamkeit der Therapie

verbessert und die Nebenwirkungen konnten deutlich verringert werden. Auch die Anzahl

der täglich einzunehmenden Tabletten wurde drastisch reduziert. Dank dieser neuen Therapieoptionen

hat sich die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung der Betroffenen

deutlich verbessert.

Ungeachtet dieser Forschungserfolge bleibt die HIV-Infektion weiterhin in vielen Bereichen

eine Herausforderung. Deutschlandweit leben zirka 80 000 Menschen mit dem HI-Virus, die

meisten davon in den Ballungszentren. Ein Impfstoff ist noch in weiter Ferne und ungebrochen

erscheint auch die Zahl der Neuinfektionen. Im Jahre 2011 wurden in Deutschland ca.

2800 Neudiagnosen verzeichnet, wobei ca. 30-40% bereits ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium

zeigten, also viele Jahre lang unerkannt infiziert waren.

Einrichtungen wie das Centrum für sexuelle Gesundheit in Rostock sind unverzichtbar, um

den Betroffenen bei vielen sozialen Problemen helfend und beratend zur Seite zu stehen.

Durch die enge Zusammenarbeit der HIV-Behandlungszentren, dem Centrum für sexuelle

Gesundheit in Rostock, den Gesundheitsämtern, der Ärztekammer, der Zahnärztekammer,

der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Sozialministerium MV kann der gemeinsame

Auftrag zur Versorgung der Betroffenen bezüglich der medizinischen Behandlung, der sozialen

Erfordernisse, der Vorsorge und der Aufklärung weiterhin sichergestellt und optimiert

werden.

Wir danken dem Centrum für sexuelle Gesundheit in Rostock für die wertvolle Zusammenarbeit

in den vergangenen Jahren und wünschen uns eine weitere interdisziplinäre und vertrauensvolleZusammenarbeit

aller Institutionen,

Dr. med. Carlos Fritzsche die das Ziel haben, den

oberarzt der HIV-Ambulanz

Betroffenen zu helfen.

universitätsmedizin Rostock

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GRuSSWoRt

Dr. J. Winterfeldt

Leitender Anstaltsarzt

Zwischen den beiden größten Gefängnissen

des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der

JVA Bützow und der JVA Waldeck und dem

Centrum für sexuelle Gesundheit Rostock,

vorher AIDS Centrum Rostock besteht seit

vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit.

Regelmäßig betreuen die Mitarbeiter des

Centrums vor allem HIV-positive Häftlinge

der Anstalten. Sie besuchen die betroffenen

Insassen dann in den Gefängnissen. Wenn

möglich kommen die Gefangenen auch

während des Ausganges in das Centrum nach

Rostock.

Das Feed back der Gefangenen ist durchweg

sehr gut. Die zusätzlich zur medizinischen

Betreuung im Gefängnis angebotene Beratung

ist eine gern in Anspruch genommene

Maßnahme. Sie unterstützt die Compliance

und zeigt dem HIV-positiven Gefangenen,

dass ihre Grunderkrankung auch in Haft

ernst genommen wird.

Da die Beratung bzw. Betreuung durch das Centrum für sexuelle

Beratung Rostock auf Wunsch auch nach der Haft fortgeführt

werden kann, ist sie ein gutes Beispiel für das Resozialisierungsbemühen

des Strafvollzuges.

Zugleich bietet das Centrum für sexuelle Betreuung Rostock

auch Veranstaltungen zur Prävention und Aufklärung der Gefängnismitarbeiter

zu Infektionskrankheiten an. Hier werden

die Besonderheiten im Umgang mit infizierten Gefangenen

besprochen, insbesondere Prävention, Postexpositionsprophylaxe

und Therapiemöglichkeiten.

Das Centrum in Rostock ist für die genannten Gefängnisse

und ihre HIV-infizierten Insassen eine gern in Anspruch genommene

Beratung und Vorbereitung auf die soziale Integration

in die Gesellschaft nach der Inhaftierung. Wir gratulieren

zum 10-jährigen Bestehen und freuen uns auf eine weiterhin

so konstruktive Zusammenarbeit.

Dipl.-Päd. Sylvia Bartsch

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Schulleiterin

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des “Centrums für sexuelle

Gesundheit e. V. Rostock“ möchte ich die Gelegenheit

nutzen, Ihnen allen meine herzlichsten Glückwünsche zu

übermitteln.

Seit dem 08.09.2003 besteht eine Kooperationsvereinbarung

zwischen Ihnen und der Beruflichen Schule „A. Schmorell“ am

Klinikum Südstadt und der Hansestadt Rostock“.

In den ersten Jahren führten viele Schülerinnen und Schüler

der Erzieherausbildung in der Aidshilfe ihre Praktika mit dem

Schwerpunkt Einzelfallarbeit und Beratung sowie Prävention

und Öffentlichkeitsarbeit durch.

Neben der Vermittlung und Anwendung von Wissen und Können

haben Sie es verstanden, den jungen Menschen unserer

Schule vor allem auch Wertevorstellungen zu vermitteln, die

ihnen helfen, sich in der Arbeitswelt zu behaupten.

Gerade die so sensiblen Aufgaben der Aidshilfe, nämlich Beratung,

Prävention und Begleitung erlebten und gestalteten Sie

intensiv mit unseren Absolventinnen und Absolventen.

Mit der neuen Erzieherausbildung ist kein Einsatz in einer Beratungsstelle

mehr möglich. Eine enge Zusammenarbeit findet

heute mit dem „Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock“

in Verbindung mit Projektarbeit an unserer Schule statt.

Sehr geschätzt werden von den Schülerinnen und Schülern sowie

den Lehrerinnen und Lehrern die Vorträge und Workshops

in den Unterrichtseinheiten der Gesundheitserziehung, z. B.

in den Berufsausbildungen der Sozialassistenten, der Erzieher

und der Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten.

GRuSSWoRt

In der Kooperation eines schulübergreifenden Projektes

„Schüler für Schüler“ unter der Schirmherrschaft der Senatorin

für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport,

Kultur, Frau Dr. Liane Melzer, zwischen der Beruflichen Schule

und dem Erasmus-Gymnasium Rostock übernahm Tom Scheel

eine Arbeitsgruppe, die sehr erfolgreich war.

Nach dem Blick zurück auf die 10-jährige Geschichte wünsche

ich Ihnen im Namen meines Kollegiums viel Erfolg bei der Umsetzung

neuer Aufgaben in der Zukunft.


GRuSSWoRt

Robert Grosser

Zivi

Von Januar bis Oktober 2003 war ich der erste (und letzte) Zivildienstleistende

im AIDS Centrum. Diese Arbeit hat mich interessiert,

weil ich wusste, dass sie abwechslungsreich sein

würde. Meine Aufgaben waren sehr vielfältig: Dazu gehörten

hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Büroarbeiten, Unterstützung

der Selbsthilfegruppe und von Klient/innen sowie die

Vorbereitung von Präventionsveranstaltungen. Außerdem fiel

in meinen Aufgabenbereich die Öffentlichkeitsarbeit. Dafür

habe ich an einer sehr interessanten Weiterbildung zu diesem

Thema im Waldschlösschen teilgenommen. Die Informationen

und Erfahrungen aus diesem Workshop sind mir bis heute

im Gedächtnis geblieben. Und sie haben mir während meiner

Tätigkeit als Zivi sehr geholfen. In meine Dienstzeit fielen jede

Menge Infostände, zum Beispiel zum Reminders Day im HCC,

verschiedene Gesundheitsmärkte und die Hanse Sail.

Der Höhepunkt meiner Zivizeit war die Teilnahme am Jugend-

Event „Prora 03“. Gemeinsam mit den MAT-Mädels (Mobiles

Aufklärungs-Team zu Sexualität und AIDS) waren Tom Scheel

und ich dabei. Innerhalb kürzester Zeit haben wir 3000 Kondome

verteilt und nebenbei die tolle Atmosphäre genossen.

Nach dem Ende meiner Dienstzeit bin ich dem Centrum als Ehrenamtler

erhalten geblieben. Heute betreue ich die Technik

und helfe bei der Erstellung der Homepage und der Jahresberichte.

Ich wünsche dem Centrum für sexuelle Gesundheit Rostock

auch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg!

Micha Davidsberg

16 17

Praktikant

Als ich 2005 mein drei-monatiges Abschlusspraktikum im

Rahmen meiner Erzieherausbildung bei Euch im CSG gemacht

habe, stand ich kurz vor der Beendigung meiner Ausbildung.

Nun, beinahe sieben Jahre später, stehe ich kurz vor der Beendigung

meines Studiums und nicht nur ich bin älter geworden,

sondern ihr mit mir. Das ist nicht nur tröstlich, sondern

auch wichtig. Wichtig deshalb, weil das CSG insbesondere den

Menschen mit HIV und Aids ein Gesicht gibt, ihnen zur Seite

steht und diese Thematik in das Blickfeld der Rostocker Bevölkerung

rückt und so eine Möglichkeit der Auseinandersetzung

mit sexuell übertragbaren Krankheiten forciert.

Ihr leistet deshalb eine wichtige und notwendige Arbeit, gerade

vor dem Hintergrund vielfacher gesellschaftlicher Unaufgeklärtheit,

bisweilen Ignoranz und nicht zu vergessen, der

fortwährenden Sparmanie von vielen politisch Verantwortli-

GRuSSWoRt

chen. Wenn ich so zurück denke, erinnere ich mich vor allem

an Euer Engagement für dieses Thema und eine lockere und

freundschaftliche Arbeitsatmosphäre.

In diesem Sinne gratuliere ich Euch zum 10-jährigen Bestehen

des CSG und wünsche Euch auch weiterhin Lust und Kraft,

Euer Anliegen erfolgreich in die Gesellschaft zu tragen. Auf die

nächsten 10 Jahre!


uNSERE ARBEIt

Wir können helfen

HIV- und StI-Beratung

Wer es mit HIV und sexuell übertragbaren Krankheiten zu tun

bekommt, dem begegnet häufig auch Unwissenheit. Vorsorge,

Therapie, das richtige Verhalten – man befasst sich erst damit,

wenn die Probleme buchstäblich vor der Tür stehen. Da sind auf

drängende Fragen professionelle Antworten notwendig. Beratung

zu HIV und sexuell übertragbaren Infektionen (STI) ist eines der

Hauptaufgabengebiete des CSG und Bestandteil des Projektes

Aidshilfe im CSG Rostock.

Das bieten wir: Umfassende Antworten auf Fragen zu HIV und anderen

sexuell übertragbaren Infektionen. Unsere HIV- und STI-Beratung

ist kostenlos und anonym. Seriös, professionell, erfahren:

Die Beratung erfolgt ausschließlich durch gut ausgebildete und

fest angestellte Berater/innen.

Die Beratung kann persönlich an drei Tagen in der Woche in Anspruch

genommen werden. Weitere Möglichkeiten sind die telefonische

und die Onlineberatung. Außerdem beteiligen wir uns an

der bundesweiten Telefonberatung der Aidshilfen. Wöchentlich

übernehmen wir ein zweistündiges Zeitfenster und stehen Betroffenen

aus ganz Deutschland zur Verfügung. Jeden letzten Dienstag

im Monat bieten wir seit Anfang 2007 in Zusammenarbeit mit KISS

Schwerin einen Beratungs-Chat zum Thema „Sexualität und Aids“

an.

Immer aktuell und auf dem neuesten Stand: Unser HIV- und STI-

Beratungsangebot hat sich im Laufe der Jahre verändert. Vor zehn

Jahre hieß es noch Aids-Beratung. Doch das Bild von Aids hat sich

in den letzten Jahren stark gewandelt. Aids spielt heute in unserem

Beratungsalltag kaum noch eine Rolle. Dafür haben wir schon

vor einiger Zeit alle sexuell übertragbaren Infektionen mit in unser

Angebot aufgenommen, da diese viele Jahre vor dem Hintergrund

von Aids sehr vernachlässigt wurden.

Drängende Fragen, wichtige Antworten: Stark nachgefragte Auskünfte

betreffen heute vor allem Schutzmöglichkeiten und Übertragungswege

von HIV, Umgang mit HIV-Infizierten, Übertragung

und Behandlung von anderen STI und sehr oft die verschiedenen

Testmöglichkeiten. Durch viele Informationen zu HIV und anderen

sexuell übertragbaren Infektionen im Internet sind die Ratsuchenden

oft sehr unsicher und suchen bei uns Klarheit.

Gestiegene Nachfrage: Die Beratungszahlen insgesamt haben in

den letzten zehn Jahren zugenommen. Von 449 im Jahr 2002 auf

über 1000 im Jahr 2011. Die persönlichen Kontakte haben allerdings

in der letzten Zeit durch die Nutzung des Internets abgenommen.

Beratung bleibt aber nach wie vor ein sehr wichtiges

Element der HIV- und STI-Prävention, das keinesfalls vernachlässigt

werden darf.

Wir können helfen

Prävention

Prävention ist ein weiterer Schwerpunkt in unserem Aids-Hilfe

Projekt. Wenn wir bei uns von Prävention sprechen, meinen wir

strukturelle Prävention.

Mit unserer Präventionsarbeit wollen wir im speziellen die Übertragung

von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen

(STIs) verhindern. Wobei das nicht so ganz der Wahrheit entspricht.

Bei uns geht es nur zum Teil um die Verhinderung von Infektionen.

Der Anspruch, jede HIV-Infektion verhindern zu wollen, wäre auch

sehr illusorisch. Es geht eher darum, Menschen zu befähigen, bewusste

Entscheidungen zu treffen. In unserer Präventionsarbeit

klären wir über Risiken und Schutzmöglichkeiten bezüglich sexuell

übertragbarer Infektionen sowie das Leben mit diesen auf.

Rechenschaft darüber ablegen, wie viele HIV-Neuinfektionen wir

denn durch unsere Präventionsarbeit verhindert haben, ist nicht

möglich. Prävention lässt sich nicht in Quantität messen. Mit Sicherheit

hat die gute Präventionsarbeit der Aidshilfen aber etliche

Neuinfektionen verhindert.

Unser Präventionsangebot richtet sich an die Allgemeinbevölkerung

und an besondere Zielgruppen wie Jugendliche, 50+, Schwule

und andere MSM. Die Prävention in der Allgemeinbevölkerung

wird größtenteils durch unsere Öffentlichkeitsarbeit in Form unserer

Homepage und von Infoständen erledigt.

Den Hauptbestandteil in unserer Präventionsarbeit machen die

Jugendlichen aus. Jugendliche und junge Erwachsene zählen zum

sexuell aktivsten Teil unserer Gesellschaft. Aus diesem Grund

zählen sie auch theoretisch zu der Gruppe, die am ehesten dem

Risiko ausgesetzt ist, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen

anzustecken. Im Rahmen der Präventionsarbeit bieten wir daher

Aufklärungsveranstaltungen für Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene

an.

Diese Veranstaltungen sind in ein sexualpädagogisches Gesamtkonzept

eingebunden, da STIs nicht ohne den Zusammenhang zur

Sexualität betrachtet werden können. Und letztlich funktionieren

Präventionsbotschaften nur bei Menschen, die sich mit ihrer eigenen

Sexualität auseinandergesetzt haben. Die Präventionsveranstaltungen

im Jugendbereich werden durch einen ausgebildeten

Sexualpädagogen durchgeführt.

Der Bedarf an Präventionsveranstaltungen hat seit unserem Bestehen

kontinuierlich zugenommen. 2002 hatten wir insgesamt

24 HIV-Präventionsveranstaltungen mit 353 Teilnehmer/innen.

Im vergangenen Jahr waren es mehr als 70 sexualpädagogische

Veranstaltungen mit über 1000 zumeist jugendlichen Teilnehmer/

innen.

Menschen über 50 sind deshalb eine besondere Zielgruppe bei

uns, weil

1.) Mecklenburg-Vorpommern demografisch eines der

ältesten Bundesländer ist und

2.) knapp 30 Prozent aller HIV-Erstdiagnosen in den

letzten Jahren auf Menschen, die älter als 50 Jahre

alt waren, entfielen.

Schwule und die so genannten MSM (Männer, die Sex mit Männern

haben), zählen in Deutschland nach wie vor zur am meisten von

HIV betroffenen Gruppe. Die Deutsche AIDS-Hilfe hat für diese zum

Teil nur schwer erreichbare Zielgruppe vor ein paar Jahren die

bundesweite Kampagne „ICH WEISS WAS ICH TU“ ins Leben gerufen,

die inzwischen sehr erfolgreich in ganz Deutschland aktiv ist.

Auch in Rostock wird diese Kampagne umgesetzt. Das CSG ist regelmäßig

in der schwulen Szene vertreten, zum Beispiel in der

Kneipe „bsieben“ und bei der „PINK! Party“. Dabei geht es uns

nicht (nur) darum, Kondome zu verteilen, sondern vor allem an

die eigene Verantwortung zu appellieren und ganz individuelle Risikominimierungsstrategien

zu entwickeln. In unserer MSM-Präventionsarbeit

greifen wir vorrangig auf die Materialien der „ICH

WEISS WAS ICH TU“-Kampagne zurück. Der Anfang 2011 eingeführte

HIV-Schnelltest wendet sich vorrangig an Schwule und andere

MSM, auch wenn dieses Angebot grundsätzlich allen offen steht.

Wir bieten den Test allerdings bewusst nicht direkt in der schwulen

Szene an, sondern bewerben ihn dort nur.

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uNSERE ARBEIt

Präsenz zeigen

Aufklärung und Information

durch Aktionen in

der Öffentlichkeit

Heute steht die reale Öffentlichkeit in der Bedeutung gar nicht

mehr an erster Stelle – leider. Auch wenn unsere Angebote in

erster Linie auf reale Kontakte aufbauen, müssen wir längst

in der virtuellen Welt präsent sein. Von Anfang an über unsere

Internetseiten und seit einiger Zeit auch auf Facebook. Wir

präsentieren im World-Wide-Web unsere Arbeit und Angebote

und werben dort für die Beratungsstelle und den Verein. Das

ist sinnvoll und erfolgreich. Bei unserem Schnelltest-Angebot

haben uns beispielsweise über 80 Prozent der zu Testenden

über das Internet gefunden.

Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört auch die Veröffentlichung von

Artikeln in der Presse, was leider oft nur zum Welt-Aids-Tag gelingt.

Seit vielen Jahren bringen wir einen Info-Rundbrief her-

aus, inzwischen aus Kostengründen nur noch online.

Aber die reale Welt und den direkten Kontakt zu Menschen vernachlässigen

wir bei all der Virtualität nicht. Wir sind vor Ort:

bei Verbraucher- und Gesundheitsmärkten, auf Fachmessen

und Jahrmärkten, bei kulturellen Veranstaltungen - wir werden

eingeladen oder melden uns an und sind gern gesehene

Gäste. Wir verteilen informative Broschüren und Kondome,

wir beantworten Fragen zur sexuellen Gesundheit.

Ein jährlicher Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit: unsere

Aktionen zum Welt-Aids-Tag. Diese sind sehr umfangreich und

vielseitig: ein heiteres Quiz in der Kneipe bsieben, Andachten

für die an den Folgen von Aids Verstorbenen in der Heiligen-

Geist-Kirche, Empfänge im Rathaus, Benefizveranstaltungen,

Verteilen von roten Schleifen zum Zeichen der Solidarität, Sammeln

von Spenden, Interviews auf dem Lokalsender LOHRO.

Nicht zu vergessen: Öffentlichkeitsarbeit ist auch immer Bestandteil

unserer Primärprävention. Denn über Öffentlichkeitsarbeit

erreichen wir unsere Zielgruppen und klären über

HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen auf.

Zeige mir meinen eigenen Weg

Begleitungsangebote als

Hilfe zur Selbsthilfe

Am Anfang stand die Betreuung von Menschen, die durch HIV

aus der Bahn geworfen worden waren. Doch unsere Perspektive

veränderte sich rasch. Aus der Betreuung wurde die Begleitung:

Wir stehen unterstützend zur Seite, zeigen umfassend

Wege auf, die die Betroffenen dann aber selber gehen. Die Entscheidung

liegt bei unseren Klienten. Wir helfen ihnen, Verantwortung

zu übernehmen. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Das

ist unser oberstes Gebot.

Wir bieten Beistand beim Umgang mit Ämtern und Behörden,

Formulierungshilfen im Schriftverkehr und Hilfe bei Bewerbungsunterlagen,

beim Erstellen von Patientenverfügungen

und Vorsorgevollmachten. In den vergangenen zehn Jahren

haben 63 Betroffene rund 950 Mal unser Begleitangebot angenommen.

Ein tiefer Einschnitt: Nach einer Infektion bricht oft die Welt

zusammen. Es gibt bestimmte Vorstellungen vom Verlauf der

Infektion – und die dunkle Ahnung, dass die Krankheit möglicherweise

tödlich endet. Diese und ähnliche Ängste müssen

durch Fachwissen aufgearbeitet werden.

Betroffene wollen sich der Familie, dem Freundeskreis oder

den Kollegen anvertrauen. Doch gerade dabei gab und gibt es

immer wieder viele Probleme. Das Soziale Umfeld bricht weg,

Freunde, Arbeitskollegen wenden sich ab, haben selber Ängste.

Dann sind wir oft die einzigen Ansprechpartner.

Bei Menschen, die längere Zeit mit ihrer Infektion leben, gibt

es noch andere Probleme. Durch die antiretrovirale Therapie

wird das Leben zwar verlängert, aber die Nebenwirkungen der

uNSERE ARBEIt

Medikamente sind oft sehr stark und schränken die Lebensqualität

ein. Es kann zu Konzentrationsproblemen kommen,

das Durchhaltevermögen kann beeinträchtigt werden. Durch

häufige Krankschreibung kommt es zu Fragen des Arbeitgebers.

Schlimmste Konsequenz ist die daraus resultierende

Arbeitslosigkeit. Grund sind oft Ängste und Unsicherheit beim

Umgang mit HIV-Infizierten. Fälle, in denen nach Bekanntwerden

der Infektion die Entlassung kam, sind belegt. Somit geht

es im Falle einer Infektion immer auch um die Lösung sozialer

und finanzieller Probleme – oder auch um die Absicherung

durch eine Rente. Bei ganz alltäglichen Problemen – eine defekte

Waschmaschine oder ein kaputter Kühlschrank – stellen

wir bei Bedarf einen Antrag auf Finanzierung bei der Deutschen

Aids-Stiftung.

Mit der immer besseren Therapie wächst auch die Lebenserwartung.

Das Ende der Probleme bedeutet das hingegen

nicht. Auch wenn die Zahlen der Neuinfektionen rückläufig

sind, wird die Begleitung nicht weniger. Da es in Mecklenburg-Vorpommern

nur wenige Ärzte und Einrichtungen gibt,

die ausreichende Kenntnisse über die Infektionen und die

Behandlungsmöglichkeiten haben, ist der größte Teil auf die

HIV-Spezialambulanz der Universitätsmedizin Rostock angewiesen.

Deshalb nutzen auch Klienten aus anderen Einzugsgebieten

unsere Angebote in Rostock.

Impressum

Herausgeber: Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock,

Goethestr. 20, 18055 Rostock Tel.: +49 (0)381/128 50 23, info@csg-rostock.de

www.csg-rostock.de

Redaktion: Marianne Harder, Tom Scheel

Satz & Layout: psn media GmbH & Co. KG | Rostock | www.psnmedia.de

Lektorat: Matthias Schümann

Fotos: Tom Scheel, Christian Harder, Timm TV, Mit freundlicher Unterstützung

der Justizvollzugsanstalt Bützow

1.Auflage: 2012 // 150 Stück

20 21


KLIENtEN

Ja zum Leben

Dietmar N. und die

Krankheit

Der 24. Oktober 1988 war wohl der schwärzeste Tag in Dietmar

N.s Leben. An diesem Tag bekam der Rostocker sein Todesurteil,

wie er es damals nannte. Dietmar N. erfuhr, dass er HIV

positiv war. Er hatte sich mit einer Krankheit infiziert, für die

es kaum Therapien gab, bei der ein langsames Sterben als sicher

galt, die fast nur aus dem Westen bekannt war. Und die in

der DDR ganz besonders stigmatisiert wurde. Kurz zuvor war

sein Freund gestorben, daraufhin hatte ihn das Gesundheitsamt

zu einem Test verpflichtet – und die Umsetzung überwacht.

Nach Verkündung des Befunds ging es ähnlich unsensibel

weiter: Dietmar N. bekam per Merkblatt Auflagen, die er

unterzeichnen musste. Geschlechtsverkehr nur mit Kondom,

ständige ärztliche Kontrolle, Wohnungswechsel mussten mitgeteilt,

behandelnde Ärzte auf die Erkrankung hingewiesen

werden. Bei schuldhafter Verletzung dieser Auflagen wurde

mit strafrechtlicher Ahndung gedroht.

Dietmar N. verzweifelte. Freunde zogen sich von ihm zurück.

Kollegen meinten, man solle ihn unter Quarantäne stellen.

Sich der Familie zu offenbaren, fehlte ihm der Mut. Er betäubte

sich mit Alkohol. Trieb Raubbau an sich und seinem Körper.

Zwei Jahre lang stand alles auf der Kippe. Die Krankheit war

immer da, aber sie brach nicht aus. Da fasste Dietmar N. einen

Entschluss. Er sagte Ja zum Leben.

Er schöpfte Kraft und Lebensmut durch Ausflüge in die Natur.

Freunde hatte er kaum noch, also wendete er sich Pflanzen

und Tieren zu. Dann kam die Wende – die auch eine Wende

im Umgang mit HIV und AIDS bedeutete. Dietmar N. kam mit

anderen Betroffenen in Kontakt. Endlich konnte er sich austauschen,

sein Schicksal mit dem anderer vergleichen, Kraft

schöpfen aus dem Gespräch. Er besuchte Seminare und Arbeitete

in der Aids-Hilfe. Er kämpfte. Gewann neue Freunde.

Machte reinen Tisch mit der Familie.

Nach mehr als 20 Jahren Leben mit der Krankheit weiß Dietmar

N, dass sein Ja zum Leben sich gelohnt hat. Der Austausch

mit anderen sei ihm ganz besonders wichtig gewesen, sagt

er. Auch der Besuch der Selbsthilfegruppe. Und das Erkennen

von wahren Freunden, denen er sich anvertrauen kann. Am

schwierigsten sei der erste Schritt gewesen. Heute geht er offen

mit der Krankheit um.

uNSERE ARBEIt

Gleiche unter gleichen

Die Selbsthilfegruppe „+Pol“

Treffen mit Bekannten, Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten

– darum geht es der Selbsthilfegruppe „+Pol“. Eine

Gruppe mit langer Tradition, denn sie gab es bereits in der

einstigen Aids-Hilfe im Verein „rat & tat“. 2002 wurde sie nach

Gründung unseres Vereins übernommen. Einmal im Monat

trifft man sich zu anregenden Aktivitäten – seien es Vorträge,

Zoobesuche, Grillnachmittage, Bowlen und andere sportliche

Betätigungen, wie das jährliche schwul-lesbische Volleyballturnier

oder auch gemütliche Videonachmittage.

Ein besonderer Höhepunkt für die Gruppe ist das jährliche

mehrtägige Positiven-Seminar. In den Gesprächsrunden werden

Grundlagenwissen und neueste Erkenntnisse zum Leben

mit antiretroviralen Therapien und alltagspraktische Kompetenzen

in den Bereichen Ernährung, Entspannung und Bewegung

angeboten.

Um den Austausch mit anderen HIV-infizierten Menschen anzuregen,

finden diese Seminare in den letzten Jahren in Zusammenarbeit

mit den anderen Aidshilfen des Landes statt.

Alle Angebote von „+Pol“ sind als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen.

In eigener Sache: Für die Ermöglichung dieser Vorhaben bedanken

sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe und ihre

Angehörigen bei der ARGE Selbsthilfeförderung, bei der BAG

Selbsthilfe und den Krankenkassen für die Projektförderung.

22 23


Das b sieben Team

und seine Gäste

gratulieren recht herzlich

zum Jubiläum

des CSG Rostock.

Wir bedanken uns für die

tolle Zusammenarbeit.

Weiter so!

täglich ab 18 Uhr

uNSERE ARBEIt

Ein diskretes Beratungsangebot

Der HIV-Schnelltest

Schnell und zuverlässig: Seit dem 1. Januar 2011 bieten wir als

erste Aidshilfe in Mecklenburg-Vorpommern den HIV-Schnelltest

an. Bis dahin haben wir nur ein Testberatungsgespräch

angeboten und dann an das Gesundheitsamt der Hansestadt

Rostock oder das Landesgesundheitsamt verwiesen, um den

Test durchzuführen. Ende 2010 haben wir uns bei Weiterbildungen

der Deutschen AIDS-Hilfe und einem Virologen der

Universitätsmedizin Rostock Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet,

die für die Testdurchführung erforderlich sind. Mit

unbürokratischer Hilfe des Gesundheitsamtes Rostock konnten

schließlich auch die technischen und medizinischen Details

geklärt werden.

Durch unser Angebot wird die mitunter quälende Wartezeit

von bis zu fünf Tagen auf 20 Minuten verkürzt. Dadurch wird

die innere Angst enorm verringert, und die Beratung zum Test

und zu seiner Durchführung ist nicht mehr getrennt.

Das Angebot wird gut angenommen. Im Jahr 2011 führten wir

insgesamt 75 Tests durch.

24

25

Sex im CSG

uNSERE ARBEIt

Sexualerziehung & mehr

In den vergangenen zehn Jahren hat der Verein einige zum Teil

grundlegende Veränderungen durchgemacht. Die auffallendste

ist die Namensänderung. Aber viel wichtiger ist die inhaltliche Weiterentwicklung.

Hin zum Centrum für sexuelle Gesundheit. Und

damit mehr hin zum Thema Sexualität. Außerdem haben wir mit

unserem erweiterten Angebot auf gezielte Nachfragen reagiert. Zu

unseren typischen Aidshilfe-Angeboten sind weitere hinzugekommen:

Sexualerziehung, Sexualberatung, Sexualität und Behinderung,

Sexualität im Alter.

Sexualerziehung haben wir im Prinzip schon immer angeboten, allerdings

nicht in dem Umfang wie wir es heute tun. Unsere Schul-

HIV- und STI-Prävention war schon immer in sexualpädagogische

Angebote eingebettet. Unsere Sexualerziehung soll Kinder und

Jugendliche befähigen, unvoreingenommen und offen über Sexualität

sprechen zu können. Sie sollen zu selbstbestimmten Menschen

mit einer bewussten und individuellen Sexualität erzogen

werden. Denn so erlangen die Schüler/innen ein gesundes Körperbewusstsein,

durch das sie in der Lage sind, verantwortungsbewusst

mit sich und anderen umzugehen. Unsere Sexualerziehung

ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, alle ihre Fragen rund um

das Thema Sexualität beantwortet zu bekommen - auch anonym.

Um das zu erreichen, bieten wir Aufklärung zu den verschiedensten

Themen von geschlechtlicher und sexueller Identität,

über körperlicher Entwicklung und Verhütung bis hin zu sexueller

Selbstbestimmung inklusive dem Umgang mit Medien und Pornografie

an. Unsere Sexualerziehung erfolgt unter dem Qualitätssiegel

der Gesellschaft für Sexualpädagogik.

Die von uns angebotene Sexualberatung soll gemeinsam mit Paaren

sexuelle Probleme erkennen und beseitigen helfen, bevor daraus

sexuelle Störungen werden.

Sexualität und Behinderung sowie Sexualität im Alter sind zwei

spezielle Themen, die damit zu tun haben, dass das Ausleben von

- Interessant, “cool“, gut, ehrlich

- Schüler fanden sich gut behandelt und ernst

genommen

- Eltern reden oft gar nicht darüber

- zu wenig Zeit, nicht alle Fragen konnten beantwortet

werden

- Erklärungen verständlich und ausführlich,

kindgerecht

- „wir hatten keine Angst“, „haben uns getraut“

- Gut, daß kein Lehrer dabei war, er hat ehrlich

geantwortet

Wünsche: „Herr Scheel soll bald wieder kommen und

weitermachen, der ist echt cool!“

Fazit: Immer und jederzeit wieder, Herr Scheel ist

zuverlässig, korrekt und kann sich auf die jeweilige

Situation hervorragend einstellen. Wir sind dankbar,

dass es solche Möglichkeiten gibt.

Bernitt, 21.2.2012 i.A. Kinzel

(nach Feedback der Schüler)

Sexualität entweder nicht zugelassen

wird oder nur eingeschränkt möglich ist. Für diese beiden

Themen bieten wir Aufklärungsveranstaltungen, Weiterbildungen

für Fachpersonal und Beratung an.

Diese Angebote sind nicht Bestandteil des geförderten Projektes

und sind daher kostenpflichtig. Geplant ist, dass sie irgendwann

so gut angenommen werden, dass wir durch sie teilweise unseren

Eigenanteil aufbringen können.


Wolfgang Nitzsche, Manuel Rietenbach & Mario Noack (v.l.n.r.) Tom Scheel & Marianne Harder (v.l.n.r.)

Intern

Der Vorstand und

die Mitarbeiter

Mit der Gründung des Vereins 2001 nahm der dreiköpfige Vorstand

seine Arbeit auf. Die ersten drei waren: Manuel Rietenbach,

Siegesmund Stoll, Heilpraktiker und Kerstin Heyer. In den

letzten Zehn Jahren gab es immer wieder personelle Veränderungen

in unserem Vorstand.

Ein Dank an alle bisherigen Vorstandsmitglieder für die geleistete

Arbeit und Unterstützung: Sigismund Stoll (10/2001 - 09/2005),

Kerstin Heyer (10/2001 - 05/2002), Heike Habeck (05/2002 -

12/2003) und Andy Müller (01/2004 - 02/2009).

Als einziges Mitglied ist Manuel Rietenbach bis heute dem Verein

treu geblieben. Er ist inzwischen nicht nur Inhaber der Warnow-

Apotheke, er hat eine zweite Apotheke in Bad Sülze eröffnet, die

Recknitztal-Apotheke.

Mario Noack wurde im September 2005 in den Vorstand gewählt.

Er ist als Bürokaufmann bei einem großen Energieversorger tätig.

Dr. Wolfgang Nitzsche kam 2009 in den Vorstand. Als ehema-

liger Sozialsenator der Hansestadt Rostock, kannte er die Arbeit

der Beratungsstelle und den Verein recht gut. Heute sitzt er für

die Parte Die Linke in der Rostocker Bürgerschaft.

Der Vorstand des CSG ist rein ehrenamtlich. Die Arbeit erfolgt

nach dem Gleichstellungsprinzip, das heißt, es gibt keinen Vorstandsvorsitzenden

und keine spezielle Aufgabenverteilung.

Die beiden Hauptamtlichen, Marianne Harder und Tom Scheel,

sind ebenfalls seit der Gründung dabei.

Marianne Harder wurde 1951 in Rostock geboren. Sie arbeitet seit

dem 01. April 2002 als Sozialarbeiterin in der Beratungsstelle und

ist ausgebildete Diplom-Betriebswirtin, Schuldnerberaterin und

hat den Grundkurs Mediation belegt. Außerdem hat sie an zielgerichteten

Weiterbildungsseminaren der Deutschen Aids-Hilfe

teilgenommen. Vorher war Marianne Harder seit August 2000 in

der Aidshilfe Rostock als SAM-Kraft beschäftigt.

Tom Scheel wurde 1974 in Rostock geboren. Er ist seit dem 01.

März 2002 Sozialarbeiter in der Beratungsstelle angestellt. Er ist

staatlich anerkannter Erzieher, Sexualpädagoge und Sexualberater

und hat ebenfalls an diversen speziellen Weiterbildungsseminaren

der Deutschen Aids-Hilfe teilgenommen. Bereits seit 1997

hat sich Tom Scheel ehrenamtlich in der Aidshilfe und im Verein

rat + tat engagiert, bevor er im August 2000 festangestellt in der

Aidshilfe seine Tätigkeit aufnahm.

Gedanken von Jens Paschen

(Ehrenamtler)

Macht ehrenamtliche

Arbeit heute

noch Sinn?

Die Frage wird mir oft gestellt. Ich denke jedes

Mal erneut darüber nach.

Für mich ist ehrenamtliches Engagement persönlich

sehr wichtig. Einmal für mein persönliches

Wohlbefinden und zum anderen für den zu

unterstützenden Verein oder die entsprechende

Organisation. Viele Vereine sind strukturell

so aufgebaut, dass ohne ehrenamtliche Helfer

diese kaum überleben können.

Für mich selbst bedeutet die Arbeit, dass ich Teil

der Gesellschaft, bin in der ich lebe. Ich stammte

aus einer Familie, die schon immer ehrenamtlich

tätig war und es heute auch noch ist.

Gerne stelle ich mich zunächst einmal vor. Mein

Name ist Jens Paschen. Ich bin 39 Jahre alt und

lebe seit 1994 in Rostock. Ich habe hier Erwachsenenpädagogik

studiert. Seit 5 Jahren bin ich

in einem großen Call-Center tätig. Im Centrum

für sexuelle Gesundheit bin ich nun schon neun

Jahre ehrenamtlich tätig. Parallel habe ich auch

noch als Geschäftsführer im schwul-lesbischen Kulturverein „Light

Life“ gearbeitet.

Für mich ist es wichtig, dass ich mich für Projekte engagieren kann

- nicht nur in der Szene, da ich auch weiterhin über den sogenannten

Tellerrand schauen möchte. Das Thema HIV und AIDS hat mich

bereits in meiner Schulzeit interessiert. Jedoch gab es kaum Informationsmaterial

zu diesem Thema. Während meiner Wehrdienst-

zeit und des Studiums musste ich immer wieder

erfahren, wie wenig die Menschen über dieses

Thema wussten. Viele wollten bzw. konnten gar

nicht darüber sprechen, da es für sie eine Tabuzone

darstellte.

Auch wenn in den Medien das Thema Sex immer

eine große Rolle spielt, ist es doch erschreckend,

wie wenig die Menschen über sexuelle

Gesundheit wissen. Dieses Thema ist immer

noch ein Tabuthema. Bedauerlicherweise auch

in der homosexuellen Szene. Durch Berichte in

den Medien, die in regelmäßigen Abständen

veröffentlicht werden, dass es jetzt Medikamente

gegen das HI-Virus gibt, wird immer wieder

der Eindruck vermittelt, dass die Krankheit heilbar

sei. Leider entspricht das nicht der Realität.

Immer wieder durfte ich in den letzten Jahren

Info-Stände betreuen. Dabei ist mir verstärkt

aufgefallen, dass die Thematik HIV und AIDS

in der Bevölkerung immer noch nicht aus der

„Schmuddelecke“ raus ist. Viele schauen einen

abfällig an oder vor lauter Scham weg. Schon das

Überreichen eines Kondoms ist für viele unanständig.

Das Gespräch wird gar nicht gesucht.

Immer nach dem Motto: nur schnell weg.

In den letzten Jahren habe ich aber auch positive

Erfahrungen machen dürfen. So dürften wir

im letzten Jahr einen ganztägigen Info-Stand bei

IKEA betreuen. Wir hatten viel Spaß dabei. Die

Resonanz bei den Mitarbeitern war sehr positiv

und motiviert für die weitere Arbeit.

Meine Arbeitgeber haben mich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit

immer unterstützt. Wenn ich Termine für den Verein hatte, die jedoch

mit meiner Arbeitszeit kollidierten, haben wir immer eine

Lösung im beiderseitigen Sinne gefunden. Dafür bedanke ich mich

recht herzlich an dieser Stelle. Ebenfalls habe ich immer Unterstützung

von meiner Familie und meinen Freunden gehabt. Auch dafür

vielen Dank. Zum Schluss bedanke ich mich auch bei den beiden

hauptamtlichen Mitarbeitern Marianne und Tom.

26 27


uNSERE EHRENAMtLER

Vielen Dank an unsere Helfer

Die Ehrenamtler/innen im CSG sind eine nicht mehr wegzudenkende Stütze der Arbeit des Verei-

nes und seiner Beratungsstelle. Sie unterstützen die beiden Mitarbeiter in vielfältiger Hinsicht.

Vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit: bei Infoständen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen

sowie bei der Erstellung der Jahresberichte und der Homepage. Bei handwerklichen und hauswirtschaftlichen

Tätigkeiten, zum Welt-Aids-Tag und zur Medizinischen Rundreise. Immer, wenn

wir Hilfe benötigen, haben wir einen kompetenten Ansprechpartner.

Dein Foto fehlt hier noch?

Du möchtest dich ehrenamtlich engagieren? Dann

melde dich gern bei uns und werde einer unserer

Ehrenamtler.

Wir freuen uns auf dich!

Chronik vor 2002

uNSERE GESCHICHtE

Im Sommer 1991 wurde im schwul-lesbischen Verein rat + tat

e.V. Rostock das AIDS-Beratungs-Centrum ins Leben gerufen.

Später wurde diese Beratungsstelle in AIDS-Hilfe im rat + tat

Rostock umbenannt, sie war somit die erste Aidshilfe im Land

Mecklenburg-Vorpommern mit den typischen Aufgaben Beratung

zu HIV/Aids, Prävention und Betreuung von Betroffenen

und Angehörigen. Daneben wurde mit vielen öffentlichkeitswirksamen

Aktionen auf die Thematik Aids und die Angebote

der Aidshilfe aufmerksam gemacht. Nicht nur zum Welt-Aids-

Tag am 1. Dezember. Zum Beispiel durch Infostände im Rostocker

Hauptbahnhof und gemeinsam mit anderen Aidshilfen in

Kleinstädten im Land. Wichtige Themen wurden durch besondere

Veranstaltungen hervorgehoben: das Thema „AIDS & Kirche“

mit einer Lesung inklusive Streitgespräch. Oder im Jahr

1999 der über die Landesgrenzen hinaus beachtete Fachtag

„Neue Konzepte der Aids-Prävention bei schwulen Männern

in den neuen Bundesländern“. 1997 organisierte die Aidshilfe

den ersten landesweiten Aids-Gottesdienst in der Rostocker

Nikolaikirche.

Zum 5. Jahrestag kamen erste Diskussionen über eine mögliche

Trennung von Aidshilfe und schwul-lesbischem Verein

auf, die dann weitere fünf Jahre später tatsächlich umgesetzt

wurde.

1998 zogen rat + tat und mit ihm die Aidshilfe in das Regenbogenhaus

im eigentlichen „Herzen“ Rostocks, in die KTV.

Die letzten Höhepunkte der Aidshilfe waren im Jahr 2000 das

Benefizkonzert mit den „Jungen Tenören“ und ein Jahr später

die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Aidsberatungsstelle.

Zugleich das Jahr, in dem der Verein rat + tat e.V.

beschloss, das Projekt Aidshilfe nicht weiterzuführen.

28 29


uNSERE GESCHICHtE uNSERE GESCHICHtE

Hie Höhepunkte in 10 Jahren CSG

Chronik ab 2002

2001 Beschluss zur Gründung eines neuen Aidshilfe-

Vereins

10/2001 Gründung des AIDS-Hilfe Rostock e.V.

11/2001 Umbenennung in AIDS Centrum Rostock e.V., da

„Aidshilfe“ bereits vergeben ist

2002

01/2002 Einzug ins 1. Büro in die Grubenstraße 29

03/2002 Beginn der hauptamtlichen Arbeit der Aidsberatungsstelle

03/2002 Eröffnung der Beratungsstelle mit Tag der offenen

Tür

06/2002 Aktion zum Reminders Day

07/2002 Positiventreffen in Bergfeld

09/2002 Infostand-Tour durch Kleinstädte um Rostock

12/2002 Welt-Aids-Tags-Aktion im Cinestar-Capitol-Filmpalast

2003

01/2003 Unser erster und einziger Zivi: Robert Grosser

beginnt seinen Dienst

03/2003 Tag der offenen Tür

04/2003 Medizinische Rundreise „Basiswissen zu HIV

und AIDS“

08/2003 Aktionen bei PRORA 03

08/2003 Medizinische Rundreise „Sexuell übertragbare

Krankheiten“

10/2003 Positiventreffen in Bergfeld

12/2003 Welt-Aids-Aktionen und Welt-Aids-Tags-Empfang

in der OSPA

2004

03/2004 Tag der offenen Tür

06/2004 Aktionen zum Reminders Day

06/2004 Medizinische Rundreise „HIV, antiretrovirale

Therapie und Drogen“

06/2004 Positiventreffen in Bergfeld

08/2004 Medizinische Rundreise „Hepatitis“

09/2004 Infostand bei der Erotikmesse

12/2004 Welt-Aids-Tags-Aktionen und Empfang in der

HMT

2005

03/2005 Umzug in die Hermannstraße 34a, Tag der offenen

Tür

07/2005 Aktionen zur Nacht der Solidarität

07/2005 Positiventreffen in Bergfeld

07/2005 Teilnahme am Rostocker CSD

12/2005 Welt-Aids-Tags-Aktionen und Empfang im Rostocker

Rathaus

30 31

2006

03/2006 Tag der offenen Tür

04/2006 Konrad-Lutz-Ausstellung im ACR

04/2006 Infostand beim Rosenstolz-Konzert

04/2006 Teilnahme am 5. Schwul-lesbischen Volleyballturnier

(Ergebnis: 12. PLatz)

05/2006 FDP-Bundesparteitag in Rostock mit Spendenübergabe

06/2006 Medizinische Rundreise „Basiswissen zu HIV

und AIDS“

06/2006 Paddeltour der Selbsthilfegruppe

07/2006 Aktionen zur Nacht der Solidarität

09/2006 Positiventreffen in Neuendorf A

10/2006 Ausrichtung der Mitgliederversammlung der

Deutschen AIDS-Hilfe in Rostock

12/2006 Welt-Aids-Tags-Aktionen, Empfang im Rostocker

Rathaus, Benefizgala im „Theater des Friedens“

2007

2007 5 Jahre AIDS Centrum Rostock

03/2007 Umzug in die Goethestraße 20, Tag der offenen

Tür

04/2007 Teilnahme am 6. schwul-lesbischen Volleyballturnier

(Ergebnis: 10. Platz)

06/2007 Positiventreffen in Neuendorf A

10/2007 Infostand zum Campustag der Uni Rostock

11/2007 1. Rostocker Symposium „HIV & Aids“

12/2007 Welt-Aids-Tags-Aktionen, Empfang im Rostocker

Rathaus

2008

03/2008 Tag der offenen Tür

05/2008 Medizinische Rundreise „Sexuell übertragbare

Krankheiten“

09/2008 Positiventreffen in Neuendorf A

11/2008 Jurybeteiligung an der „Mister Mecklenburg-

Vorpommern“-Wahl

12/2008 Welt-Aids-Tags-Aktionen, Empfang im Rostocker

Rathaus, Benefizparty in der Bacio-Lounge

2009

03/2009 Arbeitsgespräch mit der Senatorin Frau Dr. Melzer

03/2009 Tag der offenen Tür

Foto: Timm TV


uNSERE GESCHICHtE

05/2009 Interview in der timmousine

09/2009 Positiventreffen gemeinsam mit der AIDS-Hilfe

Westmecklenburg in Zingst

10/2009 Umbenennung in Centrum für sexuelle Gesundheit

e.V. Rostock

10/2009 2. Rostocker Symposium „Leben mit HIV“

11/2009 IWWIT-Testtage in Rostock

12/2009 Welt-Aids-tags-Aktionen, Empfang im Rostocker

Rathaus, Benefizgala mit Lilo Wanders

in der Bacio Lounge

12/2009 JugendFilmTag im Cinestar-Capitol-Filmpalast

2010

03/2010 Tag der offenen Tür

06/2010 Besuch von MSM-Organisationen aus Russland

06/2010 Medizinische Rundreise „Neue Erkenntnisse in

der Grundlagenforschung - neue Ansätze in der

Prävention“

11/2010 3. Rostocker Symposium „HIV und Schwangerschaft“

12/2010 Welt-Aids-Tags-Aktionen, Empfang im Rostocker

Rathaus

2011

01/2011 Einführung des HIV-Schnelltests im CSG

03/2011 Tag der offenen Tür

05/2011 Teilnahme am schwul-lesbischen

Volleyballtournier

09/2011 Medizinische Rundreise „HIV-Therapie“

09/2011 Positiventreffen gemeinsam mit der AIDS-Hilfe

Westmecklenburg in Wernigerode

12/2011 Welt-Aids-Tags-Aktionen: Empfang im Rathaus,

Benefizveranstaltung, Versteigerung im „b sieben“,

Info-Stand Weihnachtsmarkt

Wie wir unseren Platz in

der Szene gefunden haben?

Das erfährst du auf www.iwwit.de

Ein Blick auf Morgen

unsere Visionen

Die Zukunft liegt in der Weiterentwicklung der Angebote zur

ganzheitlichen Gesundheitsförderung im Zusammenhang mit

Sexualität. Dabei wird in den nächsten Jahren HIV weiterhin

eine wichtige Rolle einnehmen. Insbesondere

spezifische Angebote zu HIV

und Arbeit, ambulanter Pflege und

Älterwerden mit HIV. In unserer Region

wird es spezielle Betreuungs- und

Pflegeangebote für HIV-Infizierte vermutlich

nie geben. Daher ist es unsere

Aufgabe, vorhandene Einrichtungen

und vor allem das Personal entsprechend

zu schulen. Noch werden von

HIV Betroffene in Pflegeeinrichtungen

eher als Aussätzige behandelt.

Insgesamt werden wir in absehbarerer

Zukunft aber weniger mit dem Thema

HIV zu tun haben. Begleitung wird an

Bedeutung abnehmen, da HIV-Infizierte

immer weniger die Dienste einer

Aidshilfe in Anspruch nehmen müssen.

Noch wird dieses Angebot aber benötigt,

denn die soziale und gesellschaftliche

Situation von Betroffenen hat

sich immer noch nicht weit genug verbessert. Unseren Kampf

gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung müssen wir leider in

der nächsten Zeit fortsetzen.

Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wird

auch zukünftig notwendig sein. Auch wenn die Behandelbarkeit

von HIV immer besser wird, schon aus gesundheitlichen

und auch aus Kostengründen ist das Verhindern von Infektionen

- und hierbei meinen wir nicht nur HIV, sondern auch

zahlreiche andere STIs - eine durchaus wichtige und sinnvolle

Angelegenheit.

ZuKuNFt

Auch Sexualerziehung wird immer notwendig sein. Denn darauf

zu warten, dass sexuelle Aufklärung von den Eltern wahrgenommen

wird, ist vermutlich sinnlos. Zumal Kinder und

Jugendliche mit ihren Eltern oft nur ungern über Sexualität

reden. Und mit den Lehrer/innen ist das auch so eine Sache.

Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass die besten Präventionsbotschaften

nicht zum Tragen kommen, wenn sie an

Menschen gerichtet sind, die sexuell unreflektiert sind. Außerdem

haben sich in der Sexualerziehung

in den letzten Jahren viele neue

Themen ergeben, wie geschlechtliche

Identität, Pornografie, Umgang mit

Medien usw.

In unserer Beratung wird langsam,

aber sicher neben den STIs das Thema

Sexualberatung immer mehr an Bedeutung

gewinnen.

Der erst 2011 eingeführte HIV-Schnelltest

wird auch zukünftig angeboten

und eventuell um weitere STIs ergänzt.

Zukünftig werden wir häufiger Gebühren

für unsere Angebote verlangen

müssen, da die öffentliche Förderung

in den nächsten Jahren sicher zurückgefahren

wird. Das Sponsoring von

Projekten wird wichtiger werden. Vor

einiger Zeit haben wir begonnen, ein

Mahnmal für die an den Folgen von

Aids Verstorbenen zu planen. Da sind

wir aus verschiedenen Gründen nicht voran gekommen. Dieses

Mahnmal, in welcher Form auch immer, wollen wir auf jeden

Fall aber in möglichst naher Zukunft realisieren.

Das Centrum für sexuelle Gesundheit Rostock hat sich schon

recht früh auf die Zukunft mit den sich ständig verändernden

Gegebenheiten bezüglich HIV eingestellt und immer wieder

Anpassungen vorgenommen. Das wird weiterhin so bleiben.

Um die speziellen HIV-Angebote aufrecht erhalten zu können

bedarf es Flexibilität und eines finanziell gesicherten

Rahmens, der diese Angebote stützt.

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Beitrittserklärung


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