IST EIN EUROPÄISCHES NETZWERK FÜR FAN ... - Supporters Direct

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IST EIN EUROPÄISCHES NETZWERK FÜR FAN ... - Supporters Direct

IST EIN EUROPÄiSCHES NETZWERK FÜRFAN-MITBESTIMMUNG NACH DEM MODELLVON Supporters Direct MACHBAR?ZUSAMMENFASSUNG | London, August 2008Dies ist eine Zusammenfassung des Berichts „Ist ein europäischesNetzwerk für Fan-Mitbestimmung nach dem Modell von SupportersDirect machbar?“ Der vollständige Bericht ist das Ergebnis einervon der UEFA in Auftrag gegebenen Studie im Hinblick auf dieAusweitung der Arbeit von Supporters Direct in Grossbritannienauf die übrigen UEFA-Mitgliedsverbände.Supporters Direct entstand infolge von bestimmtenwirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Eigenheitendes britischen Fussballs. Natürlich sind in anderen europäischenLändern mit anderen Sport- und Rechtssystemen nicht dieselbenGrundvoraussetzungen anzutreffen.Andererseits dürfen die kulturellen Unterschiede nichtüberbewertet und dabei die Gemeinsamkeiten vergessen werden. InEuropa verfolgen Fans ihre Klubs, die in nationalen Ligen als auch inPokalwettbewerben gegeneinander antreten. Gleichzeitig bestreitendie Spitzenklubs von der UEFA organisierte, länderübergreifendeWettbewerbe. Fussball ist in allen europäischen Ländern aufden gleichen Grundelementen aufgebaut – Verein, Liga undNationalverband. Eine weitere Gemeinsamkeit in ganz Europa ist dieLeidenschaft für den Fussball.Die wachsende „Supporters Trust“ – Bewegung in Grossbritannienist Ausdruck des Wunsches von Fans, an den Klubs und ihrerFührung beteiligt zu sein. Dies ist ein zentraler Punkt und gleichzeitigder Motor für diese Bewegung. Ohne den Willen der Fans sind alleBeschlüsse, Berichte und Massnahmen wirkungslos.Im Vorfeld der Studie mussten einige grundsätzliche Fragengeklärt werden. Die britische Supporters Trust-Bewegung gehtvon der Basis aus. Deshalb musste herausgefunden werden, wieFangruppierungen zur Mitbestimmung in ihren Klubs und derenFührung stehen. Wollen sie beteiligt sein? Haben sie es versucht?Welche Unterstützung brauchen sie?Angenommen, der Wunsch nach Mitbestimmung existiert, sowar die nächste Frage die nach dem Wie. Schafften sie es, formellan ihren Klubs und deren Führung beteiligt zu werden, und wiegingen sie dabei vor? Konnten sie Anteile am Klub erwerben oderermöglichten die nationale Gesetzgebung bzw. für den Fussballgeltende Regelungen in ihrem Land eine Beteiligung unabhängigvom Besitz von Anteilen?HintergrundSupporters Direct wird durch den englischen Fussball finanziert,in Schottland von der Regierung.Auf Initiative der damaligen britischen EU-Ratspräsidentschaftwurde im Jahr 2005 José Luís Arnaut beauftragt, eineunabhängige Studie zum europäischen Sport durchzuführen.Eine seiner Empfehlungen an die Fussballorganisationenlautete, die Machbarkeit eines europäischen Netzwerkes fürFan-Mitbestimmung nach dem Modell von Supporters Directzu prüfen.Die UEFA kontaktierte daraufhin Supporters Direct undfinanzierte eine zwölfmonatige Machbarkeitsstudie, die von einerunabhängigen Expertin (unter Aufsicht von Supporters Direct)durchgeführt wurde und im Juli 2007 begann.Das weite Spektrum der FankulturenIn den meisten untersuchten Ländern gibt es mehrere Gruppen mitunterschiedlichen Zielen. Die Beliebtheit der einzelnen Arten vonFankultur war von Land zu Land verschieden.So gibt es einerseits Fans, denen Unabhängigkeit und somitNichtbeteiligung wichtig sind; andere möchten stärker in die Klubs, denLigen und den Nationalverband eingebunden werden. In Italien undFrankreich beispielsweise waren die Ultras teilweise nicht besondersan der Beteiligung an Klubs und deren Führung interessiert. Ihnen warzwar bewusst, dass sie grösseren Einfluss bekommen könnten, wennsie sich aktiver an der Führung der Klubs oder im Nationalverbandengagieren würden, doch ist dies lediglich eine theoretische Möglichkeit,da es eine Einschränkung ihrer Unabhängigkeit bedeuten würde.Das soll nicht heissen, dass alle Ultras sich dagegen sträuben,formell in ihren Klubs repräsentiert zu sein. Besonders in Italiengibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Gruppen undEinzelpersonen innerhalb der Ultra-Szene sich der Vorteileeiner stärkeren Beteiligung bewusst sind.In anderen Ländern kümmern sich Fangruppen um eineVielzahl von zentralen fanspezifischen Bereichen, häufigin Verbindung mit den Reisen zu Spielen und den Spielenselbst oder mit der Bekämpfung von Rassismus.Trotzdem wissen viele Fangruppen um die Vorteileeiner formellen Beteiligung an der Klubführung und sehendas britische Trust-Modell als Quelle der Inspiration. DieEntwicklung der einzelnen Gruppen hängt von den rechtlichenund kulturellen Bedingungen des jeweiligen Landes ab, dochsie alle haben Anliegen, bei denen ein europäisches Netzwerkfür Fan-Mitbestimmung weiterhelfen könnte.ZUSAMMENFASSUNG


Land FÜr LandBElgienTschechischeRepublikFrankreichDie meisten Profi-Fussballklubs in Belgiensind wie gemeinnützige Organisationenaufgebaut. Fans sind in Belgien derzeitnicht besonders stark in die Führung ihrerKlubs eingebunden. Die Klubs können ihreSatzungen jedoch selbständig festlegenund ändern, was die formelle Einbindungvon Fans ermöglichen würde.Im Rahmen der Studie traten allerdingseinige erwähnenswerte Beispiele zu Tage.Die grösste Schwierigkeit für lokale undnationale Fangruppierungen besteht darin,finanzielle Mittel für ihr Tagesgeschäftaufzutreiben und ihre rechtliche Strukturfestzulegen (oft fehlen sogar grundlegendedemokratische Strukturen). Ein europäischesNetzwerk für Fan-Mitbestimmung könnteneue Tätigkeitsfelder anregen undverantwortungsvolle Fangruppen zu mehrEngagement ermutigen.Grundsätzlich sind Fans hier nicht an denEntscheidungsfindungsprozessen der Klubsbeteiligt, die meist Aktiengesellschaftenund in Ausnahmefällen Gesellschaftenmit beschränkter Haftung sind. Allerdingsbestehen oftmals informelle Kontaktezwischen Vereinen und ihren Fans, beidenen klassische Fanklub-Belangebesprochen werden.Die meisten aktuellen Fangruppierungensind informelle Zusammenschlüsse; derSupporters Trust des Klubs Bohemians1905 ist der einzige seiner Art in Tschechien.Es gibt keinen nationalen Zusammenschlussvon Fangruppen und laut den verfügbarenInformationen ist auch nichts dergleichengeplant. Grundsätzlich ist die Fanszenein Tschechien relativ neu und dasOrganisationsniveau recht gering. DerFussball strebt an, zur Sportart NummerEins im Land zu werden, und Ratschläge undInformationen seitens eines europäischenNetzwerkes für Fan-Mitbestimmung könntenhierbei von Nutzen sein.Historisch haben Franzosen verglichen mitanderen Fussballnationen vergleichbarerGrösse relativ wenig Interesse an ihrennationalen Fussballwettbewerben gezeigt.Es gibt keine traditionelle Beteiligung vonFans an Klubs oder an deren Führung, wobeisowohl Fans als auch Klubführung mit ihreraktuellen Rolle zufrieden zu sein scheinen.Formelle Kontakte zwischen Fans undKlubs bestehen hauptsächlich hinsichtlichSicherheitsfragen. Im Anschluss an denBericht des französischen Senats zumThema Fussballfans sollte ein Dialogzwischen Fans und Fussballorganisationenaufgebaut werden. Ein europäischesNetzwerk für Fan-Mitbestimmung nachdem Modell von Supporters Direct könnteverantwortungsbewussten Fangruppenzeigen, wo sie sich einbringen können, undsie zu mehr Engagement in ihren Klubs undim Verband ermutigen. IST EIN EUROPÄISCHES NETZWERK FÜR FAN-MITBESTIMMUNG NACH DEM MODELL VON SUPPORTERS DIRECT MACHBAR?


CDeutschlandItalienSpanienSeit 1998 können Profiklubs in Deutschlandihre Berufsfussball-Abteilung in eine externeKapitalgesellschaft, die vom Mutterverein(d.h. dem „eingetragenen Verein“) getrenntist, auslagern oder in eine solche eingliedern.Allerdings muss der Muttervereindie Mehrheit der Stimmen der neuenKapitalgesellschaft besitzen. Diese„50+1 Regel“ verhindert eine Übernahmedeutscher Fussballklubs durch Investoren.In mehreren Fällen haben sich im Rahmendieser Vorgaben erwähnenswerte Fan-Beteiligungen entwickelt. Generell bietet die50+1 Regel den Mitgliedern die Möglichkeit,die Klubpolitik über den Mutterverein alsMehrheitseigner zu beeinflussen.Der tatsächliche Einfluss von unabhängigenFanklubs, Fanabteilungen oderUltra-Gruppen hängt von verschiedenenFaktoren ab, darunter die Eigentumsverhältnisse,die Führungsstrukturen, dieVereinssatzung und die Fankultur rundum den jeweiligen Klub. Es gibt kein einheitlichesModell für Fan-Mitbestimmungin Deutschland, weder für klubeigeneFanabteilungen noch für unabhängige Fanklubs.Die Studie ergab, dass Qualität undAusmass der Mitbestimmung von Fans ander Klubführung von Verein zu Verein verschiedensind. Es gibt respektierte, organisierteFangruppen auf lokaler und nationalerEbene, die sich fuer den Erhalt der 50+1Regel und mehr Mitspracherechte fuer Fansaussprechen.Allerdings sind die Fangruppierungenbisher nicht so organisiert, dass sieanderen Gruppen Hilfestellung leistenkönnen, wenn es um deren Beteiligungan der Klubführung geht. Dies liegtan mehrerlei Faktoren und teilweisedaran, dass es sich durchgängig umehrenamtliche Arbeit handelt unddass den Beteiligten oft die Zeit fürEngagement fehlt.Grundsätzlich sind Fans in Italien nichtin Entscheidungsfindungsprozesse inProfiklubs eingebunden. Es besteht imAllgemeinen wenig erwähnenswerterKontakt, auch formeller Natur, zwischenKlubs und ihren Fans.Dennoch hat es Initiativen von Fansgegeben, die genug Geld zusammenbrachten,um sich in ihren Klub einzukaufenund ihm das Überleben zu sichern.Allerdings sehen solche Fangruppen ihreAnteile nicht als gewinnbringende Investitionen,und langfristige Vorhaben oderdie Beteiligung an der Klubführung sindfür sie eine seltsame Vorstellung. Generellverfolgen die dortigen Fangruppen keinebestimmte Strategie und orientieren sichnicht an bestimmten Beteiligungs – undFührungsmodellen.Die wichtigste Aufgabe für eine europäischeNetwerk für Fan-Mitbestimmungwäre es momentan, die Fans zur Übernahmevon Verantwortung zu bestärken und verantwortungsvolleFan-Netzwerke zu schaffen,zu erhalten und zu unterstützen. Wichtigdabei ist, dass die bestehenden Gruppennicht isoliert bleiben, sei es tatsächlichoder in der öffentlichen Wahrnehmung. Eineuropäisches Netzwerk für Fan-Mitbestimmungnach dem Modell von SupportersDirect könnte Fangruppen anleiten, wie siesich demokratisch organisieren und an Einflussgewinnen können.1992 mussten alle Profifussballklubs,die in ihren Büchern eine negative Bilanzaufwiesen, sich von einem Verein ineine Sport-Aktiengesellschaft („S.A.D.“)umwandeln, was den Status der Fansdramatisch veränderte. Mit der Führungihrer Klubs unzufriedene Fans, die mehrTransparenz und ein besseres Managementwollen, haben sich in Verbänden vonMinderheitsanteilseignern zusammengetan;in verschiedenen Klubs ergriffen sie dieInitiative. Zudem fechten Fans vor demParlament die derzeit vorherrschendenBesitzverhältnisse bei Profiklubs anund wollen eine Wiedereinführungvon Vereinsstrukturen („Verein“ alsZusammenschluss von Mitgliedern) imspanischen Fussball.Es wurde bereits eine Zusammenarbeitmit Supporters Direct in Grossbritannieninitiiert, die zum Aufbau einer allgemeinenStrategie zur Verbesserung der eigenenArbeit beitragen soll. Dies könnte mit einereuropäischen Bewegung fortgesetztwerden. Als Folge wurden bereits zweiGruppen nach dem britischen SupportersTrust – Vorbild gegründet und ein nationalesGremium geschaffen, das sich um dieThematik von an Klubs und deren Führungbeteiligten Fans kümmert.ANMERKUNG ZUR METHODIKDie sechs ausgewählten Länder zeigen einen geografischen Querschnitt und einen Kompromiss zwischen den Projektzielen undden vorhandenen Ressourcen. Ideal wäre es gewesen, in der Studie alle 53 UEFA-Mitgliedsverbände eingehend zu untersuchen,doch dies war aus praktischen Gründen unmöglich.Zwar gibt es bereits Arbeiten zu den wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen von Klubs, aber noch keine Studie wie diese.Aufgrund der Unterschiede zwischen den Fankulturen der einzelnen Länder und des zeitlichen Rahmens des Projektskonnte nur ein kurzer Überblick über die Bedingungen gegeben werden, unter denen Fangruppen in den untersuchten Ländernexistieren. Leider war es aus Zeitgründen unmöglich, weitere Fangruppen zu analysieren, doch könnte dies im Rahmen einerWeiterführung dieses Projektes geschehen.ZUSAMMENFASSUNG


Gründe für ein europäischesNetzwerk fürFan-MitbestimmungEhrenamtlich BeschäftigteIm Zusammenhang mit der Organisation vonFans und der Frage, inwieweit sie innerhalbihres Vereins ernst genommen werden,wird immer wieder gesagt, dass es vonNachteil sei, als Ehrenamtliche innerhalbeines Profisports zu arbeiten, neben dieserAufgabe (Organisation von Fangruppenund Projekten) auch berufstätig zu sein undeine Familie zu haben. Wie alle ehrenamtlichgeführten Gruppen sind Fangruppierungendeshalb oft auf eine kleine Anzahl engagierterPersonen angewiesen. Dadurch können sichVeränderungen der Lebensumstände vonEinzelnen unter Umständen entscheidendauf die Weiterentwicklung der ganzenGruppe auswirken.Ein europäisches Netzwerk für Fan-Mitbestimmungkönnte den Aufbau von Fangruppenunterstützen, wie geschehen inGrossbritanien. Dort werden alle Gruppenvon ehrenamtlich Beschäftigiten geführt,doch da diese auf das Know-How eineszentralen Gremiums zurückgreifen können,arbeiten sie gezielter und die Gruppensind stabiler. Eine kleine Investition kanneine grosse Wirkung haben. SupportersDirect hat in Grossbritannien bewiesen,dass es einen Beitrag leisten kann, undist überzeugt, dass dies auch in anderenLändern möglich ist.QualitätskontrolleDie Fanszene ist vielschichtig, doch diebritische Erfahrung hat gezeigt, dassSupporters Trusts viel bessere Chancenhaben, Beteiligung an Klubs zu erhalten,wenn Letztere sich auf Qualität und Einstellungder jeweiligen Gruppierung verlassenkönnen. Das Modell von SupportersDirect ist ein Lizenzmodell, das Fangruppennur verwenden dürfen, wenn bestätigtwurde, dass es sich um vertrauenswürdigeFans handelt, die hinter Demokratie, Verantwortlichkeit,Gewaltverzicht und Nichtdiskriminierungstehen.Durch eine solche Qualitätskontrollekönnen Gruppen, die diese Grundsätze nichtteilen, aus der Supporters Trust-Bewegungausgeschlossen werden. Gleichzeitig helfeneinheitliche Ziele innerhalb der Bewegungallen angeschlossenen Gruppierungen.In Grossbritannien half die Tatsache,dass das Auftreten unter einer bestimmtenRechtsform („Industrial and ProvidentSociety“) lizenziert werden konnte.Ähnliches dürfte auf gesamteuropäischerEbene schwieriger umzusetzen sein, dochein zentrales Gremium könnte festlegen,dass alle Gruppen, mit denen es arbeitet,sich zu den oben genannten Zielenbekennen. Dies ist jedoch nur möglich,wenn dieses Gremium die Einhaltung dieserVerpflichtung überwachen kann.Weitere Vorteile eineseuropäischen Netzwerkesfür Fan-MitbestimmungKampf gegen Gewalt und RassismusIn Fällen, in denen die Beziehung zwischenFans und Verein durch Stadiongewaltbelastet ist, kann eine Beteiligung vonverantwortungsvollen und konstruktivenFans am Klub zu einer Verminderung derGewalt beitragen.Gewalt in der Fussballszene ist einkomplexes Phänomen, doch die Studielässt darauf schliessen, dass ein Grunddas Gefühl der Entfremdung vom eigenenVerein sein kann, was dazu führt, dass zwarder Klub unterstützt wird, aber keine direkteIdentifikation mehr stattfindet. Auf langeSicht kann Verantwortungsbewusstseinnur durch Mitbestimmung im Klub unddessen Führung aufgebaut werden. Andersgesagt: Es ist weniger wahrscheinlich, dassjemand bei sich „zu Hause“ gewalttätig ist.Das Problem in vielen Klubs ist, dass dieFans zwar denken, dass ihnen das Stadiongehört, nicht aber, dass ihnen auch derVerein gehört, der für die Folgen ihresBenehmens geradestehen muss.KlubführungWie gesagt sind in vielen Ländern dieFans bereits an Entscheidungsprozessenbeteiligt. Mancherorts – v.a. in Deutschland– haben sie bereits formell Einfluss,da die Klubs als eingetragene Vereineorganisiert sind.Allerdings fällt die tatsächliche Mitbestimmungan der Klubführung sehrunterschiedlich aus und ein grossflächigesEngagement vieler ist nicht die Regel. DasEntscheidende ist dabei nicht die Zahl deraktiv beteiligten Fans. Es ist unrealistischzu erwarten, dass Fans an der Klubführungmehr Interesse haben könnten als an derLeistung der Mannschaft.Allerdings merken Fans durchaus,wenn die Klubführung besser werdenmuss, um die Leistungen der Mannschaftzu verbessern; ein gutes Beispiel hierfürist Barcelona. Jahrelang hatten sich Fansfür Veränderungen in der Klubführungeingesetzt und eine schlechte Führungfür ein schlechtes Finanzmanagementverantwortlich gemacht, das ihrer Meinungnach die Ursache für die schlechtenLeistungen auf dem Platz war.Die Frage war nicht, ob der Klub alsZusammenschluss von Mitgliedern eineErfolgsgarantie haben würde; Fussballist ein Spiel und die Resultate sind stetsschwankend. Allerdings war der Vorteilan der Klubstruktur in Barcelona, dass dieFans etwas tun konnten, um Veränderungenin der Klubführung zu erreichen.Dialog zwischen Fansund NationalverbandIm Rahmen der Studie fragte die UEFA ihre53 Mitgliedsverbände nach deren Ansichtzu ihrem eigenen Dialog mit den Fans undzur Unterstützung eines besseren Dialogszwischen Fans und Klubs sowie Fans undNationalverband.• Alle Nationalverbände sind der Auffassung,dass es wichtig ist, den Dialogzu verbessern; zwei Drittel halten diessogar für sehr wichtig. Eine gute Führunghilft Fans, besser repräsentiert zu seinund echte, verantwortungsvolle Partnerzu werden.• Zwei Drittel der Verbände glauben, dassein zentrales, nationales Gremium zurBeratung von Klubfans nützlich wäre. Einegute Führung eines solchen Gremiumsist Voraussetzung für die Akzeptanz IST EIN EUROPÄISCHES NETZWERK FÜR FAN-MITBESTIMMUNG NACH DEM MODELL VON SUPPORTERS DIRECT MACHBAR?


vonseiten der Fans und Verbände.• Sofern Beziehungen zwischen Verbändenund Fangruppen bestehen, geht es oftum Sicherheitsfragen (Verhinderung vonGewalt und Rassismus). Ein positivererAnsatz in diesem Bereich könnteBeziehungen und Resultate verbessern.• Fast die Hälfte aller Verbände findet,dass die Fans bei der Führung ihresKlubs mitreden sollten – allerdings wäredies nur dann sinnvoll, wenn sie gutorganisiert sind.Daraus geht hervor, dass die Nationalverbändeden Dialog mit den Fansverbessern möchten. Dies kann geschehen,wenn die Verbände sowohl Empfehlungenfür die Beziehungen mit Fans folgen unddie Fans, die sie einbeziehen möchten, eineBeratung von einem zentralen Gremiumerhalten haben, das bestimmte Ziele undGrundsätze verfolgt, die den Prinzipien derUEFA entsprechen.In einigen Ländern gibt esbereits Gruppierungen, die mit demNationalverband im Dialog stehen,doch die Umfrage hat ergeben, dass dieVerbände von zusätzlicher Beratung undExpertise bei der Weiterentwicklung diesesDialogs profitieren könnten. Viele Fanssind grundsätzlich skeptisch gegenüberVerantwortungsträgern. Deshalb müssenRatschläge an den Verband von den Fansals glaubwürdig wahrgenommen werden(d.h. z.B. von einer Organisation kommen,die schon lange für und mit Fans arbeitet).EmpfehlungenSchlussfolgerungen• Auch ausserhalb Grossbritanniens gibtes Bedarf an Dienstleistungen wie denenvon Supporters Direct. Ein europäischesNetzwerk für Fan-Mitbestimmung nachdem Modell von Supporters Directkönnte für einen effizienteren Beitrag vonFans zur finanziellen Stabilität von Klubsüber die Gewährleistung einer gutenFührung sorgen.• Fangruppierungen versuchen bereits,diese mögliche Unterstützung zu nutzen,und hoffen auf eine Ausweitung desProjektes.• Zudem könnte eine solche Bewegungdazu beitragen, die Standards inFangruppen zu erhöhen und diese zuGesprächspartnern zu machen, waszunächst den Vereinen in Europa undspäter auch Nationalverbänden und derUEFA zugute kommt.• Ein europäisches Netzwerk für Fan-Mitbestimmung müsste ganz denFangruppierungen, mit denen eszusammenarbeitet, gehören und diesenverantwortlich sein. Die Vorstellung,dass Fangruppen einer britischen oderUEFA-Organisation untergeordnet sind,ist nicht tragbar.• Durch die weitere Arbeit in diesemBereich wird die UEFA eineFührungsposition in diesem Prozesseinnehmen, der mit der UnabhängigenStudie zum europäischen Sportbegann und bei dem es darum geht,die Führung von Fangruppen undFussballklubs zu verbessern und einigeder grössten Probleme im Fussball zubeseitigen. Als Leiterin eines solchenProzesses kann die UEFA auch anderezu mehr Engagement ermutigen.Fangruppen-ForschungInformationen bereitstellenEmpfehlungenFührungsmodelle für Klubsund nationale FangruppenGründung von TrustsUnterstützung für nationale SDsEin europäisches Netzwerkfür Fan-Mitbestimmungkönnte drei Hauptaufgabenübernehmen:1. Einbindung von Fangruppen in VereineDies wäre die Hauptaufgabe eineseuropäischen Netzwerkes für Fan-Mitbestimmung, wie bei Supporters Directin Grossbritannien. Dazu gehören Beratung,wie Gruppen Verantwortung übernehmenund sich aktiv in der Führung ihres Vereinsengagieren können, die Bereitstellung vonModellen und Ratschlägen hinsichtlich derNutzung der nationalen rechtlichen undfussballspezifischen Rahmenbedingungen.Dabei gibt es kein Standardrezept für alle,sondern Unterstützung und Beratungmüssten in Zusammenarbeit mit deneinzelnen Gruppen auf deren Bedürfnissezugeschnitten werden. Ein europäischesNetwerk für Fan-Mitbestimmung müsstesituationsabhängige Beratung hinsichtlichder verschiedenen Arten von Fan-Mitbestimmung anbieten.2. Fangruppenführung – Aufzeigen vonempfehlenswerten VorgehensweisenViele Gruppierungen wollen noch nicht aktivin ihre Klubs eingebunden werden, sind sichjedoch des Wertes einer guten rechtlichenStruktur und Führung bewusst. Sie erkennenan, dass sie dadurch als Gesprächspartnerfür Klubs, Nationalverbände und Ligenattraktiver werden. Ein europäischesNetzwerk für Fan-Mitbestimmung wäreunabhängig und glaubwürdig genug, einesolche Dienstleistung anzubieten.Es besteht auch ein Wunsch nachnationalen Fangruppierungen, die vonFans und Nationalverbänden gegründetwerden. Ein europäisches Netzwerk fürFan-Mitbestimmung nach dem Modellvon Supporters Direct könnte Ratschlägezu Modellen geben, mit denen dies auffür beide Seiten befriedigende Weisegeschehen könnte. So könnten Gruppennach europaweit einheitlichen DemokratieForschungsobservatoriumGovernance-Beratungund Führungsstandards entstehen, die sichvon Gewalt, Rassismus und politischemExtremismus distanzieren.3. Forschung und Information(Fangruppen-Observatorium)Die Forschung hat ergeben, dass einebreite Palette an Fankulturen existiert, wasder allgemeinen Wahrnehmung von Fansals monolithischer Block widerspricht.Dieses mangelnde Verständnis hat sichin der Vergangenheit negativ auf dasVerhältnis zwischen Fangruppen undBehörden auswirkt. Der kontinuierlicheAustausch über die Entwicklung vonFangruppierungen bietet der UEFA undanderen die Möglichkeit, verlässlicheInformationen zu erhalten.Das Internet bietet eine bis datoungekannte Fülle an Informationenüber Spieler und Spiele. Fans könnenproblemlos Spielergebnisse aus der 4.Liga abrufen, doch Informationen überEigentumsverhältnisse, Vereinsführungund Fanszene sind häufig unauffindbar.Im vorliegenden Bericht wurden erstmalsentsprechende Fakten zusammengetragen.Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sieunter: www.supporters-direct.orgFür weitere Informationen wenden Sie sich bittean Antonia Hagemann, ProjektmanagerinSupporters Direct Europe:antonia.hagemann@supporters-direct.orgZUSAMMENFASSUNG

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