Revitalisierung von Industriebrachen – Die Chance Flächenrecycling

regierung.niederbayern.bayern.de

Revitalisierung von Industriebrachen – Die Chance Flächenrecycling

Bayerisches Landesamt für

Umwelt

Informationsveranstaltung „Flächenmanagement-Datenbank“

der Regierung von Niederbayern am 23.03.2010 in Landshut

Revitalisierung von Industriebrachen -

Die Chance Flächenrecycling

Dipl.-Geol. Matthias Heinzel

.

1 Kommunale Aufgabe: Flächenrecycling

Das Thema Flächenrecycling, also die Wiederverwendung von Brachflächen, die bereits

auf eine lange Nutzungsgeschichte zurückblicken, ist allgegenwärtig: der technische

Fortschritt, die ständige Steigerung der Produktivität und die Flexibilität industrieller

und gewerblicher Standorte führten dazu, dass vielerorts Produktionsstätten nicht

mehr weiterbetrieben werden konnten und die Tore für immer schließen müssen. Zurück

blieben leerstehende Produktions- und Verwaltungsgebäude, nicht mehr genutzte

Außenflächen und abgeschaltete Produktionsanlagen. Abhängig von der Historie konnten

Schadstoffe in den Untergrund eindringen und Belastungen von Boden, Grundwasser

und Bausubstanz hervorrufen.


Revitalisierung von Industriebrachen -

Die Chance Flächenrecycling

Dipl.-Geol. Matthias Heinzel

Flächendeckend besonders betroffen sind altindustrielle Regionen, die gerade einen Strukturwandel

vollziehen, wie beispielsweise die Zentren der Porzellan-, Glas- und Textilherstellung in Nord- und

Nordostbayern. Lokal fällt hier die Problematik strukturschwächerer Regionen mit dem Leerstand der

alten Produktionsstätten, sogenannter Industrie- und Gewerbebrachen, zusammen. Die Grundstückspreise

sind mancherorts seit Jahren so niedrig, dass die Revitalisierung für die Kommunen finanziell

ein Kraftakt ist. Mehr als fünf Jahre liegen häufig zwischen der Nutzungsaufgabe und dem Beginn der

Sanierung.

Dabei spielen die Kosten der Altlastensanierung in Anbetracht der Gesamtkosten einer Neubebauung

oft nur eine untergeordnete Rolle trotzdem meiden Investoren Flächen, die mit dem Makel „Altlasten“

behaftet sind. Statt also die Flächen der alten Fabriken für eine neue Nutzung herzurichten, werden

vielerorts neue Wohn- und Gewerbegebiete in die umliegende Landschaft gebaut: Der Flächenverbrauch

lag 2008 in Bayern immer noch bei 16,4 Hektar pro Tag. Flächenrecycling kann helfen, die

Flächeninanspruchnahme weiter zu verringern.

2 Förderungen und Finanzierungen in Bayern

In Bayern gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die zur Forcierung des Flächenrecycling bereits

ergriffen wurden oder derzeit in der Umsetzung sind. Aktuell werden kommunale Flächenrecyclingmaßnahmen

mit 6,5 Mio. € über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) - bayerisches

operationelles Programm (OP) zum Ziel „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“

(RWB) 2007 2013 gefördert. Weitere Unterstützung gibt es bis Ende 2010 über das Zukunftsinvestitionsgesetz

Investitionsschwerpunkt Infrastruktur. Über diese beiden Förderschienen gelingt es,

derzeit fast 20 Projekte, verteilt über den gesamten Freistaat, maßgeblich mitzufinanzieren (Informationen

zur Förderung unter www.stmug.bayern.de/umwelt/boden/altlasten/foerder.htm).

Ziel der 2010 vom Landesamt für Umwelt (LfU) aktualisierten „Förderfibel Flächenrecycling Förderungen

und Finanzierungen in Bayern“ ist es, einen Überblick zu schaffen für finanzielle Unterstützungen,

die mit Flächenrecyclingmaßnahmen in Verbindung stehen. Gegenstand dieser Veröffentlichung

sind etwa 40 Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten u. a. aus den Bereichen Altlastensanierung,

Stadtumbau, Ländliche Entwicklung, Denkmalpflege und Wirtschaft. Dabei erfährt der Leser alle

wichtigen Informationen zum Fördergegenstand, den Begünstigten, der Förderhöhe und den Ausschlusskriterien.

Zur weiteren Bearbeitung werden Ansprechpartner und Kontaktadressen sowie Internetlinks

benannt. Die Broschüre kann kostenfrei als Datei heruntergeladen werden

(www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_bod_00038.htm).

3 Basis: Auswertung durchgeführter Flächenrecyclingmaßnahmen

Um für das Thema Flächenrecycling eine solide Datengrundlage zu schaffen, hat das LfU alle bis

zum Jahr 2005 registrierten Sanierungsprojekte an ehemaligen Industriestandorten unter die Lupe

genommen: In den letzten 25 Jahren davor wurden in Bayern 650 Sanierungen abgeschlossen. Insbesondere

beschäftigte sich das LfU mit 570 Einzelfällen, die überwiegend in den Ballungsgebieten

der großen Städte lagen. Insgesamt wurden 700 Hektar Fläche saniert, was der Fläche von fast

1.000 Fußballfeldern entspricht. Über drei Millionen Tonnen Boden wurden dabei aufbereitet oder

deponiert, mehr als 2.200 Tonnen organische und anorganische Schadstoffe nachweislich aus dem

Boden, der Bodenluft und aus dem Grundwasser herausgeholt. In Bayern gibt es immer noch rund

5.800 Flächen ehemaliger Produktionsstandorte, sogenannte Altstandorte, mit einer Altlast oder einem

Altlastenverdacht. 18 Positivbeispiele aus ganz Bayern zeigen, wie früher industriell genutzte

Flächen erfolgreich und sinnvoll recycelt werden können:

www.lfu.bayern.de/boden/fachinformationen/flaechenrecycling/positivbeispiele/index.htm

2 Bayerisches Landesamt für Umwelt 2010


Revitalisierung von Industriebrachen -

Die Chance Flächenrecycling

Dipl.-Geol. Matthias Heinzel

4 Unterstützung bayerischer Kommunen: der Ratgeber des LfU

Der Ratgeber „Chance Flächenrecycling Zukunft ohne Altlasten“ ist das Ergebnis einer dreijährigen

Projektarbeit am LfU mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt

und Gesundheit. Der Ratgeber soll zukünftig v. a. bayerische Kommunen bei der erfolgreichen

Abwicklung von Flächenrecyclingmaßnahmen auf Altlastengrundstücken unterstützen.

Bei näherer Beschäftigung mit der Thematik wird ersichtlich, dass es viele gute Gründe gibt, Flächenrecycling

aktiv anzugehen und vorgenutzte Flächen gewinnbringend wiederzubeleben:

• Umweltbewusstes Handeln zur Sicherung der Lebensgrundlagen, zur Minderung der Altlastenrisiken

und zur Entfernung von Schadstoffen aus den Untergrund.

• Erhaltung natürlicher Ressourcen und siedlungsnaher Frei- und Erholungsflächen durch Bewahrung

anderer Flächen vor Überbauung und Versiegelung.

• Beseitigung von Schandflecken und Verbesserung des Images von Kommunen dadurch

städtebauliche und denkmalpflegerische Aufwertung und Verbesserung der Lebensqualität

und Attraktivität.

• Sicherung bereits vorhandener Infrastruktur mit dem Ziel der Einsparung von Erschließungskosten

und der Entlastung kommunaler Haushalte.

• Nutzung von Kapital durch Einsparung laufender Kosten für Brachen und Einsetzen der Verkaufserlöse

für den Umweltschutz.

• Sicherstellung einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung und eines langfristigen Schutzes

für Boden und Gewässer.

Durch Flächenrecycling eröffnen sich für die Kommunen neue Entwicklungsoptionen.

Grundlage erfolgreicher Maßnahmen ist ein sorgfältig geplantes, professionell gesteuertes, zugleich

aber auch flexibles Vorgehen von der Altlastenerkundung über die Sanierung bis zur Entwicklung flächenangepasster

Nutzungskonzepte. Hierzu gibt der Ratgeber zahlreiche Tipps und Vorschläge von

der Projektplanung bis zur Maßnahmendurchführung.

Die mit Anwendungsbeispielen hinterlegten Kapitel gliedern sich in vier Bausteine:

Die Altlastenfläche kennenlernen

Verlässliche Informationen sind die Voraussetzung, um Potenziale und Risiken einer Nachnutzung

sicher einzuschätzen. Hier erfährt der Leser alles rund um die Altlastenerkundung,

die Beschaffung relevanter Informationen zum Standort sowie die erfolgreiche Vermarktung.

• Den passenden Rahmen schaffen

Bei Flächenrecycling-Vorhaben müssen finanzielle, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen

geklärt werden. Der Baustein informiert über Kosten, Sicherheiten, Fördermöglichkeiten

und Projektstrukturen.

Die Altlast sanieren

Die Altlastensanierung und der Rückbau nicht mehr nutzbarer Gebäude sind grundlegend für

das Flächenrecycling auf kontaminierten Standorten. Eine koordinierte und gut geplante Vorgehensweise

hilft nicht nur Kosten, sondern auch Zeit zu sparen.

Bayerisches Landesamt für Umwelt 2010 3


Revitalisierung von Industriebrachen -

Die Chance Flächenrecycling

Dipl.-Geol. Matthias Heinzel

Die Nutzungsmöglichkeiten ausloten

Auch Brachflächen ohne Investor und marktfähiges Nachnutzungskonzept haben eine Chance.

Es gibt zahlreiche alternative und zugleich attraktive Möglichkeiten der Flächenentwicklung.

Flächenrecycling von Altlasten ist Chance und Herausforderung zugleich, Altes zu bewältigen und

Neues zu schaffen. Der Ratgeber soll dabei helfen, das bedeutende Potenzial ehemals industriell und

gewerblich genutzter Flächen für eine nachhaltige kommunale Entwicklung zu nutzen. Der Ratgeber

kann, zusammen mit einem Flyer, unter der Adresse

www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_bod_00046.htm kostenfrei bestellt oder als Datei heruntergeladen

werden.

Impressum:

Herausgeber:

Bayerisches Landesamt für Umwelt

Bürgermeister-Ulrich-Straße 160

86179 Augsburg

Telefon: (08 21) 90 71-0

Telefax: (08 21) 90 71-55 56

E-Mail: poststelle@lfu.bayern.de

Internet: http://www.lfu.bayern.de

Postanschrift:

Bayerisches Landesamt für Umwelt

86177 Augsburg

Bearbeitung:

Ref. 95 / Matthias Heinzel

Stand:

März 2010

Bildnachweis:

Bayerisches Landesamt für Umwelt

4 Bayerisches Landesamt für Umwelt 2010

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine