Programmheft 24-25November - Gsb.hmtm-hannover.de

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Einblicke in die Arbeit der Stipendiatinnen des Dorothea-Erxleben-Programms


Stipendiatinnen des Dorothea-Erxleben-ProgrammsProjekte & VisionenDas Dorothea-Erxleben-Programm wird aus Mitteln des Ministeriumsfür Wissenschaft und Kultur Niedersachsen gefördert.


VorwortSeit 1994 fördert das Niedersächsische Ministerium fürWissenschaft und Kultur im Rahmen des Dorothea- Erx -leben-Programms Künstlerinnen im Bundesland. Gab eszunächst eine Förderung, die ausschließlich auf Stellen imkünstlerisch-wissenschaftlichen Mittelbau ausgerichtetwar, wurden die Künstlerinnen seit 2000 über Stipendiengefördert.Die Initiative zur Änderung der Förderbedingungen für Mu -si kerinnen und Künstlerinnen ging von Seiten der künstlerisch-wissenschaftlichenHochschulen in Niedersachsen(Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig undHochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) aus,da sich herausgestellt hatte, dass eine Förderung durchStellen (z. B. auf Grund der damit verbundenen Pflichten imRahmen der hochschulischen Selbstverwaltung) den Freiraumdes künstlerischen Schaffens eher eingeschränkt alserweitert hat.Als Ziele der Stipendien beschrieben die Hochschulen dieausschließliche Förderung des weiblichen künstlerischenNachwuchses im Sinne einer zukünftigen Chancengleichheit,die der Kunst- und Musikmarkt trotz vieler Bemühungenseit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhundertsimmer noch nicht aufweist.und in der Praxis überprüfen können, in die Stipendienlaufzeitintegriert werden. Die Stipendiatinnen halten Kontaktzu den Hochschulen durch von ihnen selbst ausgewählteProfessorinnen und Professoren, die sie bei ihrer künstlerischenArbeit und Weiterentwicklung beraten und individuellunterstützen.Nachdem sich bereits in den Jahren 2006 die ersten neunund 2009 weitere drei an der Hochschule geförderten Musikerinnenbzw. Komponistinnen im Rahmen einer Konzertveranstaltungpräsentiert haben, folgen nun drei weitereKünstlerinnen, deren Stipendien im September 2011 endetenbzw. im Fall von Franziska Henschel im März 2012enden wird. Diese Broschüre beschreibt die Stipendiatinnenund ihre Projekte im Rahmen des Dorothea-Erxleben-Programms. Die gemeinsame Veranstaltung TOOLS fand am23. Februar 2012 im Richard Jakoby Saal der Hochschule fürMusik, Theater und Medien Hannover statt.Birgit FritzenMit Hilfe der Dorothea-Erxleben-Stipendien sollte besondersqualifizierten Künstlerinnen und Musikerinnen dieMöglichkeit gegeben werden, sich durch selbstständigekünstlerische Arbeit an einem Ort ihrer Wahl weiterzuentwickeln.Dabei sollten Voraussetzungen für eine Berufungals Hochschullehrerin, wie zum Beispiel Lehraufträge, indenen die Kandidatinnen pädagogische Eignung erlernen45


Birke J. BertelsmeierBirke J. Bertelsmeier arbeitet als Dirigentin, Komponistinund Pianistin. Sie ist Jurorin in Wettbewerben wie „Jugendmusiziert“ und „Jugend komponiert“ und veranstaltetJugendseminare für Komposition u. a. im Rahmen des„kidskompo“ Projekts des Beethovenhaus (Bonn) und desDüsseldorfer Musikrats.Nach Klavier- und Geigenunterricht besuchte sie bereitsmit neun Jahren die Kompositionsklasse der Clara-Schumann-Musikschulein Düsseldorf unter David Graham.Nach dem Abitur studierte sie zunächst Klavier bei Prof.Pavel Gililov an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.Ihr Interesse an der Komposition führte sie anschließendzum Kompositionsstudium bei Prof. Wolfgang Rihm an dieHochschule für Musik Karlsruhe, welches sie mit Auszeichnung abschloss.Parallel hierzu absolvierte sie Ihr Masterstudium im Bereich Musikwissen -schaft.Projekt: Komposition/ImprovisationDas Interesse von Birke J. Bertelsmeier gilt u. a. der Vermittlung von Kenntnissenund Fähigkeiten in den Bereichen Komposition und Improvisation.Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Arbeit mit Kindern undJugendlichen. Im Rahmen des Dorothea-Erxleben-Stipendiums (2009-2011)bestand ihr Interesse darin, Studierende zu einer kreativen Auseinandersetzungmit ihrer bisherigen Kompositionsweise anzuregen, neue Ansätzeauszuprobieren und ihr Handwerkszeug zu erweitern. Außerdem arbeitetesie mit Schulmusikstudierenden an Konzepten und Projekten für die musikalischeArbeit mit Schülerinnen und Schülern. Ihr vor allem pädagogischgeprägtes Projektvorhaben zeichnete sich durch zahlreiche Kurs- undSeminarangebote für Studierende verschiedener Studiengänge der Hochschulefür Musik, Theater und Medien Hannover aus.Zurzeit ist sie Stipendiatin der Internationalen Ensemble ModernAkademie (2011/12) und der Akademie Musiktheater heute (2011/13).Ihre Werke wurde bei Konzerten und Festivals aufgeführt, unter anderembei: Impuls Festival (Graz), Heidelberger Frühling, Acanthes (Metz),13èmes Journées de la Harpe Arles, Davos Festival, Akademie der Künste(Hamburg), Internationale Darmstädter Ferienkurse 2008 (mit dem ArdittiQuartett), Royaumont (Paris), Kasseler Musiktage 2008 (mit dem DiotimaQuartett), November Musik (Essen), YoungEuroClassic 2009 (Berlin) (mitder Ensemble Modern Akademie), Alpenklassik Festival (mit der BadReichenhaller Philharmonie), ensemble Europa (WDR, Köln).Sie ist Preisträgerin des Höpfner Stipendiums 2006/2007, des MikhashoffCompetition 2010, Brahmshausstipendium 2009, Dorothea-Erxleben-Stipendium 2009-2011, des Aufenthaltsstipendiums HerrenhausEdenkoben 2012.67


Schulunterricht gefördert werden kann. Zu Beginn stand die Auseinandersetzungmit Geschichte und Entwicklung von Kompositionsaktivitäten imSchulunterricht. Dazu wurden verschiedene Schulformen besprochen undin einem nächsten Schritt bestehende Konzepte und Projekte vorgestelltund diskutiert. Die zweite Hälfte des Seminars bestand in der konkretenEntwicklung eigener Konzepte und Projekte. Dabei dienten die bereitsbestehenden Konzepte als Ausgangslage.Ein wichtiges Handwerkszeug für Komponistinnen und Komponisten istdie Instrumentation. In einem gleichnamigen Kurs setzten sich die Teilnehmerinnenund Teilnehmer mit einzelnen Instrumenten sowie derenGeschichte und Möglichkeiten auseinander. Im Unterricht wurden Solostückefür das jeweilige Instrument vorgestellt und analysiert. Dazu wurdenStudierende und Lehrende der Hochschule oder Musikerinnen undMusiker von außerhalb eingeladen, die die einzelnen zeitgenössischenSpieltechniken vorstellten.Eine wichtige Voraussetzung für eigene kompositorische Arbeit liegtunter anderem in der Auseinandersetzung mit bestehenden Werken undTechniken. So beschäftigten sich die Studierenden im Kurs „Analyse/Kom position für Komponistinnen und Komponisten“ mit verschiedenenWerken und Texten des 20. und 21. Jahrhunderts, die mit den entsprechendenAufnahmen und Partituren gehört, analysiert und diskutiertwurden.In einem sich anschließenden Kurs, entwickelten die Teilnehmerinnenund Teilnehmer gemeinsam Improvisationen in variierenden Konstellationen(u. a. Geige, Violoncello, Klavier, Gesang).Im Seminar „Kreativität im Musikunterricht“ arbeiteten Studierende derSchulmusik an der Frage, wie die musikalische Kreativität von Kindern imIn der Veranstaltung mit dem Schwerpunkt „zeitgenössisches Musiktheater“beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit verschiedenenmusiktheatralischen Werken und Texten des 20. und 21. Jahrhunderts.Anhand verschiedener Partituren, Aufnahmen und Texte wurdendie Probleme dieses Genres, seiner Entwicklung und seiner Neuorientierungdiskutiert. Neben dieser mehr analytischen Tätigkeit plante undrealisierte der Kurs ein eigenes Musiktheaterprojekt. Dazu vertonten dieStudierenden jeweils eine Szene aus einem selbst gewählten Märchen.Am 17. und 18. Oktober 2011 wurden vier dieser Werke unter dem Titel„Weiß wie Ebenholz“ im Pavillon Hannover uraufgeführt.Die Konzeptionierung der verschiedenen Angebote, die Durchführungsowie die anschließende Reflexion der Veranstaltungen haben für BirkeJ. Bertelsmeier neue Kenntnisse und Methoden für das Unterrichten vonKomposition und Improvisation ergeben, die für ihre weitere Arbeit alsKomponistin, aber auch als Lehrerin bzw. Dozentin von großem Wert sind.89


Franziska HenschelFranziska Henschel ist Regisseurin, Schauspielerin undMutter zweier Kinder, sie lebt und arbeitet (zumeist) inHamburg. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegtin der Erforschung der Beziehung von Sprache und Bewegung.Sie setzt sich mit dem Zusammenhang, dem Widerspruchund der Wechselwirkung von behauptendem Textund realem Körper auseinander.In der Begegnung mit zeitgenössischem Tanz undChoreografie ist sie dabei auf Denk- und Arbeitsweisengestoßen, die sie für jede Form des Spiels und der Darstellungbereichernd findet. Diese Strategien wollte sieim Rahmen des Dorothea-Erxleben-Stipendiums (2009-2012) weiter erforschen und für Schauspielerinnen undSchauspieler nutzbar machen.der Schauspieltheater-Regie, das sie 2005 bis 2009 an der Theaterakademiein Hamburg absolvierte. Bereits während des Studiums suchte sie denKontakt zu anderen Kunstformen, insbesondere zu Tanz und Performance.Ihre, oft interdisziplinären, Projekte und Inszenierungen wurden auf verschiedeneFestivals eingeladen: „Stadt deiner Liebe” internationalesTheater und Performance Festival Halle/Saale, Höhenrausch Festival fürKunst und Mathematik, Finale Festival u. a. Die Diplomproduktion „Ein -same Menschen” wurde zudem mit einer Einladung zum Körber Studio„Junge Regie” geehrt.Franziska Henschel studierte von 1996-2000 Schauspiel an der Hochschulefür Musik und Theater in Leipzig. Im Anschluss daran arbeitete siefünf Jahre als festes Ensemblemitglied beim Schauspiel Hannover. Besondersprägende Zusammenarbeiten erlebte sie u. a. mit Hans Kresnik, RenéPollesch, Luk Perceval sowie mit der Künstlergruppe Rimini-Protokoll.2002 wurde sie von „theater heute” als „beste Nachwuchsschauspielerin”nominiert, 2003 mit dem Förderpreis „Weiter so” als beste Nachwuchsschauspielerinam Niedersächsischen Staatstheater Hannover ausgezeichnet.Sie übernahm die Leitung eines Theaterjugendclubs am SchauspielHannover und die Dramaturgie für Veranstaltungen der Reihe „Alicein Cumberland”. Nach fünf spannenden Jahren als Schauspielerin ging sieihrer Sehnsucht nach mehr konzeptioneller Auseinandersetzung undVerantwortung nach und entschied sich für ein erneutes Studium:1415


Projekt: Interdisziplinäre Denk- und Arbeitsweisen für dasZeitgenössische Theater Toolbox-SchauspielDie bisherigen Erfahrungen von Franziska Henschel in interdisziplinärenProjekten zeigten, dass choreografisches und kompositorisches Wahrnehmenund Handeln für die meisten Schauspielerinnen und Schauspielersehr ungewohnt sind. Das Ziel des Projektvorhabens im Rahmen desDorothea-Erxleben-Stipendiums bestand also darin, Denk- und Arbeitsmodellezu finden bzw. in die Praxis des Theaters zu übersetzen. Diesesollten ein eigenständiges künstlerisches und kompositorisches Arbeitenvon Schauspielerinnen und Schauspielern und damit auch die interdisziplinäreKommunikation mit den abstrakteren performativen Künsten wieTanz, Performance oder Musik möglich machen bzw. erleichtern.Zunächst widmete sich Franziska Henschel der intensiven Recherche.Dazu nahm sie an Workshops vor allem über Tanztechniken, Formen undStrategien der Improvisation und an Versuchen transdisziplinärer Kommunikationvon Neuer Musik und Tanz teil. Sie trat mit anderen Künstler -innen und Künstlern, die mit den Schnittstellen Text, Klang und BewegungBerührung haben, in Kontakt und führte zahlreiche Interviews mit ihnendurch, um deren Taktiken und „Tools“ in Erfahrung zu bringen. Dabeiwurde deutlich, dass die Arbeitsweisen so individuell sind, wie ihre Beteiligten.Vor allem aber, dass vor jedem interdisziplinären Diskurs die Auseinandersetzungmit der eigenen Disziplin stehen muss. Die künstlerischeSprache Schauspiel in ihrer Struktur zu (er)kennen und zu verstehen, dieArbeit der Schauspielerin, des Schauspielers zu definieren und deren darstellende,performative Kunst in ihre einzelnen Moleküle, Noten, Zutatenzu zerlegen, rückte deshalb in den Fokus der Forschung. Parameter aufden verschiedenen Ebenen der Darstellung aufzufinden, zu benennenund zueinander in Beziehung zu setzen wurde zur Hauptarbeit des Projektes.Inspiriert vom ungarischen Tänzer, Choreografen und TanztheoretikerRudolph von Laban (1879-1958) und der nach ihm benannten Laban-Notation, untersuchte Franziska Henschel die Übersetzbarkeit der vonihm definierten Tanz-Parameter auf das Schauspiel. Mit diesen und weiterenschauspielspezifischen Kategorien erarbeitete sie ein eigenes „Inspirationswerkzeug”,das all diese Parameter zueinander in Beziehung setzt,um dadurch verschiedenste Möglichkeiten der Wahrnehmung, der Reak -tion und damit des (Zusammen-)Spiels vorzuschlagen. Dieses Werkzeug16soll den Schauspielerinnen und Schauspielern, sowohl in der konzeptuellenAuseinandersetzung wie auch in der (all-)täglichen Probenpraxis, alsIdeenspender, als Katalysator bzw. Brennglas des Vorhandenen zur Ver -fügung stehen.Die letzte Etappe von Franziska Henschels Forschung bestand in ihrerAuseinandersetzung mit dem Format des Solos, als simpelster und radikalsterForm künstlerischer Verortung, in der Personalunion von Autorin,Regisseurin und Darstellerin. Einem Format, das in Tanz, Performance undMusik üblich und im Schauspiel nahezu unbekannt ist.Durch die Förderung im Dorothea-Erxleben-Programm konnte FranziskaHenschel ihrer Neugier und ihren Thesen über den direkten Zusammenhangvon Text, Klang und Bewegung intensiv nachgehen, das künstlerischeVokabular der Schauspielkunst genauer definieren, und nicht zuletztein Inspirationswerkzeug (TOOL) für gern denkende Schauspielerinnenund Schauspieler entwickeln, das ästhetikunabhängig, verschiedeneWege der Wahrnehmung aufzeigt und damit neue Spiel- und Kommunikationsmöglichkeiten,innerdisziplinär wie interdisziplinär eröffnen kann.17


ImpressumHerausgegeben von Birgit Fritzen, Gleichstellungsbeauftragte derHochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Emmichplatz 1,30175 HannoverGestaltung: Frank HeymannFotonachweise: Seite 3: Karina Seefeldt, Seite 4: privat,Seite 5, 6, 9, 11, 13 und 15: Matthias Lehnardt, Seite 8: Manuel Miethe,Seite 12: privatStand: Februar 2012www.gsb.hmtm-hannover.de

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